Ein Tag wie jeder andere an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, zwischen Dritter und Erster Welt, zwischen Armut und schießwütigen Drogenkartellen und dem gelobten Land mit dem Versprechen auf Reichtum. Wie jeden Tag versuchen Dutzende Mexikaner die Grenze zu überqueren, ohne erwischt zu werden. Einige haben diese Reise schon öfter gemacht, andere versuchen ihr Glück zum ersten Mal. Wenn sie von der Border Patrol oder selbsternannten Grenzschützern erwischt werden, werden sie wieder zurückgeschickt – und sie versuchen wieder ihr Glück.
Aber an diesem Tag, der in „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ geschildert wird, geht einiges schief. Schon in Mexiko bleibt das Auto der Schleuser in der Wüste liegen. Zwei der Schlepper wollen die zwölf Migranten über die Grenze bringen.
Kurz hinter der Grenze, als die Gruppe sich in zwei kleinere Gruppen getrennt hat, erschießt ein selbsternannter Grenzschützer (grandios: Jeffrey Dean Morgan) kaltblütig den größeren Teil der Gruppe.
Die überlebenden vier Illegalen und der Gehilfe des Schleusers, der die Gegend nicht kennt, können flüchten.
Zunächst. Denn der Redneck hat sie entdeckt und mit seinem über alle geliebten Hund beginnt er sie zu jagen.
„Desierto – Tödliche Hetzjagd“, der zweite Spielfilm von „Gravity“-Drehbuchautor Jonás Cuarón, ist ein spannender Survival-Thriller vor einer prächtigen Western-Kulisse. An einen Western erinnert Cuaróns Film auch fast durchgehend. Nur dass hier die Indianer Mexikaner sind und unsere Sympathien bei ihnen liegen. Auch wenn wir nichts über sie wissen und im Lauf des Films eigentlich nichts über sie erfahren. Über den Redneck und seine Motive erfahren wir auch nichts. Denn Cuarón konzentriert sich, wie in „Gravity“, auf die Situation und den Kampf des Einzelnen ums Überleben. In „Gravity“ war es eine Frau, die zur nächsten Raumstation gelangen musste, ehe ihr die Luft ausging. In „Desierto“ ist es letztendlich ein Mann (Gael García Bernal), der einfach nur am Leben bleiben will, unbewaffnet ist und niemanden verletzten will. Insofern geht es um den Zusammenprall von Humanität und Barbarei.
Das ist spannend inszeniert. Mit wenigen Dialogen und fotogener, nach der großen Leinwand schreiender Kulisse.
Es ist allerdings auch ein Film, der auf jeglichen gesellschaftskritischen Kommentar verzichtet oder auch nur irgendwie die Situation an der amerikanisch-mexikanischen Grenze vertieft. Sie ist nur die austauschbare Kulisse für eine Menschenjagd, bei der die Gejagten auf ihrer Flucht erstaunlich lange auf jegliche Gegenwehr verzichten.
Beim Toronto International Film Festival 2015 erhielt „Desierto“ den International Critics‘ Award (FIPRESCI) „for using pure cinema to create a strong physical sensation of being trapped in a vast space and hunted down by hatred in its most primal form.“
Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head, USA 2013)
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Alessandro Camon
LV: Alexis Nolent: Du plomb dans la tête (Graphic Novel)
Feines Alterswerk von Walter Hill, der hier, wie schon in „Nur 48 Stunden“ und „Red Heat“, letztendlich einfach noch einmal die Geschichte von zwei gegensätzlichen Charakteren erzählt, die gegen einen Verbrecher zusammen arbeiten müssen.
mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)
Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)
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Arte, 22.15
Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, Regie: Martin Ritt)
Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper
LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)
Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.
Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).
Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee
„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.
In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“
„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.
In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“
Das Russland-Haus (USA 1990, Regie: Fred Schepisi)
Drehbuch: Tom Stoppard
LV: John le Carré: The Russia House, 1989 (Das Rußland-Haus)
Ein russischer Physiker bietet dem britischen Verleger Blair brisantes Material an. Im Auftrag des Rußland-Hauses, einer Abteilung des britischen Geheimdienstes, fährt Blair wieder nach Moskau, verliebt sich und sein Auftrag wird für ihn immer unwichtiger.
Spionagedrama und Liebesfilm, bei dem alles stimmt. „Das Russland-Haus“ ist ein bittersüßer Abgesang auf den alten Spionagefilm. Die Außenaufnahmen entstanden – erstmals – in Moskau und Leningrad.
mit Sean Connery, Michelle Pfeiffer, Roy Scheider, Klaus Maria Brandauer, James Fox, J. T. Walsh
„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.
In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“
Regisseur Pierre Bismuth nennt seinen Film „Where is Rocky II?“ „Fake Fiction“ und beim Spiel zwischen verschiedenen Ebenen steht er in der Tradition von „Vergiss mein nicht“ (Eternal Sunshine of the Spotless Mind, USA 2004). Für diesen Film erhielt er, zusammen mit Charlie Kaufman, den Drehbuch-Oscar. Kurz danach erfuhr er durch eine halbstündige BBC-Dokumentation von 1979 über Edward ‚Ed‘ Ruschas Kunstprojekt „Rocky II“, das in Ruschas Werkkatalog nicht gelistet ist. Damals stellte der bekannte Pop-Art-Künstler einen falschen Felsen aus Kunstharz her und versteckte ihn in der Mojave-Wüste. Seitdem ist das Werk verschollen, oder sagen wir ’niemand hat es bewusst gesehen‘. Falls es überhaupt noch existiert.
Für Bismuth ist dieses unauffindbare Kunstwerk der Ausgangspunkt für „Where is Rocky II?“. 2009 fragt er auf einer Ausstellungseröffnung Ruscha nach dem Werk. Der Popart-Künstler gibt eine kryptische Antwort und wünscht viel Spaß bei der Suche. Bismuth, und hier beginnt der Film, der unbekümmert Fakten und Fiktion und Metafiktion miteinander vermischt, beauftragt einen Privatdetektiv mit der Suche. Gleichzeitig befragt Bismuth verschiedene Mitglieder der Kunstwelt nach Ruscha und Rocky II. In diesen Interviews werden ganz konventionell dem Zuschauer Informationen über den Künstler vermittelt; wobei sie vor allem Ruscha als bedeutenden Künstler loben.
Schon in diesen Minuten gibt es mit professionellen Schauspielern inszenierte Szenen, deren Bedeutung und Zusammenhang mit den aktuellen Recherchen unklar ist. Später wird klar, dass das eine Verfilmung des „Drehbuch“, oder genauer der Drehbuchentwürfe und Gedankenspielereien von D. V. DeVincentis und Anthony Peckham ist. DeVincentis ist Autor von „Grosse Pointe Blank“ und „Lady Vegas“. Peckham von „Invictus – Unbezwungen“ und „Sherlock Holmes“. Beide werden in der zweiten Hälfte des Films wichtiger. Bismuth beobachtete sie bei ihren Drehbuchbesprechungen und wie sie gemeinsam eine Geschichte erfinden, die erklären kann, warum Ruscha den riesigen falschen Stein herstellte und vor der Öffentlichkeit versteckte. Es ist eine wahre Räuberpistole, die selbstverständlich von vorne bis hinten erstunken und erlogen ist.
Dieses von Pierre Bismuth angestoßene und inszenierte Spiel macht Spaß, auch wenn die zweite Hälfte des Films schwächer als die erste ist. Denn das Drehbuch ist einfach zu fantastisch, um auch nur irgendeinen Zusammenhang mit dem wahren Ed Ruscha zu haben. Dieser Teil des Spiels zwischen Fakten und Fiktion und wie Autoren Geschichten aufbauen, gerät außerdem arg platt und vorhersehbar in den bekannt-bewährten Hollywood-Erzählkonventionen, über die entweder gesprochen oder deren Anwendung in „Monument One“ (der Verfilmung des Drehbuchs von DeVincentis und Peckham) gezeigt wird.
Dabei hätte wenigstens ich gerne mehr über Ed Ruscha und Rocky II erfahren. Aber da belässt es Bismuth bei den wenigen, in dieser Besprechung in den ersten Zeilen zusammengefassten Fakten, die natürlich auch Fiktion sein könnten. Denn die Kunstszene macht gerne bei einem kleinem Spaß mit.
Dabei gibt es Ed Ruscha und auch die BBC-Dokumentation, aus der im Film einige Ausschnitte gezeigt werden, wirklich.
Where is Rocky II? (Where is Rocky II?, USA 2016)
Regie: Pierre Bismuth
Drehbuch: Pierre Bismuth, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham (Segment „Monument One“
mit (für „Monument One“) Robert Knepper, Milo Ventimiglia, Richard Edson, Barry O’Rourke, Tania Raymonde, Roger Guenveur Smith, Stephen Tobolowsky
und, als ’sie selbst‘ Michael Scott, Jim Ganzer, D. V. DeVincentis, Anthony Peckham, Mike White, Michael Govan, Philippe Vergne, Eli Broad, Connie Butler, Pierre Bismuth
Verfluchtes Amsterdam (Amsterdamned, Niederlande 1988, Regie: Dick Maas)
Drehbuch: Dick Maas
Inspektor Vissner jagt in den Grachten von Amsterdam einen psychopathischen Mörder.
„Dick Maas lässt in flotter Actionregie und recht dichter Atmosphäre die alte Tradition des Billigreißers mit ihren Mythen und Klischees, allerdings auch mit aufgesetzter Brutalität und Ekeleffekten, wiederauferstehen.“ (Fischer Film Almanach 1989)
Bekannt ist der kommerziell erfolgreiche Film vor allem wegen seiner Actionszenen, die man auch teilweise im Trailer bestaunen kann.
mit Huub Stapel, Monique van de Ven, Serge-Henri Valcke, Tanneke Hartzuiker
Christian Wolff (Ben Affleck) ist Chef von „ZZZ Accounting“. Ein Firmenname, der garantiert ganz hinten im Telefonbuch steht. Er ist ein kleiner Kreditberater, der Zahlen und Steuersparmöglichkeiten schneller als ein Computer durchrechnet. Im privaten Umgang ist der Autist eher gehemmt. Der Ordnungsfreak, der jede Aufgabe zu Ende führen muss, lebt alleine.
Er ist auch ein Buchprüfer für verschiedene Verbrecherkartelle, die in den vergangenen Jahren auf seine analytischen Fähigkeiten zurückgriffen. Denn er versinkt regelrecht in den Zahlen und spürt innerhalb kürzester Zeit die Fehler und die dafür Verantwortlichen auf.
Sein neuester, sogar hundertprozentig legaler Auftrag führt ihn zu Living Robotics, einer Firma die auch Prothesen herstellt.
Dort trifft er Dana Cummings (Anna Kendrick). Ihr fielen in der Buchhaltung seltsame Buchung auf. Sie ist, wie Christian, etwas merkwürdig.
Zur gleichen Zeit erpresst Steuerfahnder Ray King (J. K. Simmons) die junge Analystin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) den Buchhalter zu finden. In seinem Kopf müssen doch unglaubliche Informationen über das Organisierte Verbrechen, Waffenhändler und andere Verbrecherbanden und Wirtschaftskriminelle sein.
Sei wissen allerdings nicht, dass Christian von seinem strengen Vater, einem Soldaten, eine umfassende militärische Ausbildung erhielt. Christian ist auch ein im Untergrund mit mehreren Tarnidentitäten lebender Elitesoldat ohne Dienstrang, ein Scharfschütze und ein Killer, – was, immerhin will niemand einen Spielfilm sehen, in dem ein Nerd sich zwei Stunden über Zahlenkolonnen beugt, überaus nützliche Fähigkeiten für die hübsch verschachtelte Filmgeschichte sind, in der auch ein geheimnisvoller Killer Christian verfolgt.
Bill Dubuque („Der Richter – Recht oder Ehre“) springt in seinem Drehbuch zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her und mit zunehmender Laufzeit fügt sich alles, aber auch wirklich alles, wie bei einem Puzzlespiel, zu einem Bild zusammen. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind vielschichtiger, als es für einen Action-Thriller nötig wäre. Deshalb wirkt der Film gegen Ende etwas überkonstruiert und überladen.
Regisseur Gavin O’Connor („Das Gesetz der Ehre“) setzte diese Geschichte elegant und wuchtig um und es macht schon Spaß, zu sehen, wie sich nacheinander alles etwas intelligenter zusammenfügt als erwartet. Auch wenn einige Überraschungen schon allein aufgrund des Castings keine wirklichen Überraschungen sind und die gesamte Geschichte, wenn man über sie nachdenkt, Humbug ist.
Trotzdem, oder gerade deswegen, ist „The Accountant“ ein angenehm altmodischer Gangsterfilm, der seine Geschichte als absolut glaubwürdige und ernste Geschichte verkauft und in der Ben Affleck etwas von der Einsamkeit des eiskalten Engels umweht. In der Gestalt eines biederen Buchhalters.
The Accountant (The Accountant, USA 2016)
Regie: Gavin O’Connor
Drehbuch: Bill Dubuque
mit Ben Affleck, Anna Kendrick, J. K. Simmons, Jon Bernthal, Jean Smart, Cynthia Addai-Robinson, Jeffrey Tambor, John Lithgow, Rob Treveiler, Andy Umber, Ron Prather, Susan Williams
San Francisco, 1967: Alice Zander verdient als Medium ihr Geld und sie ist dabei nicht ehrlicher als Blanche Tyler in Alfred Hitchcocks „Familiengrab“. Ihre beiden Töchter, die neunjährige Doris und die fünfzehnjährige Paulina, helfen der alleinerziehenden Mutter bei ihrem Hokuspokus, den sie als Lebenshilfe verkauft. Immerhin sind ihre Kunden, nachdem sie bezahlt und die beruhigenden Stimmen aus dem Jenseits gehört haben, glücklicher.
Und wie in jedem Geschäft muss auch ab und an in die Ausrüstung investiert werden. Alice hält ein Ouija-Brett für eine gute Ergänzung bei ihren Geisterbeschwörungen.
Aber dieses Ouija-Brett entwickelt schnell ein unangenehmes Eigenleben. Doris ist besonders empfänglich dafür und schnell von einem besonders fiesen Geist besessen.
Zum Glück – oder habt er geglaubt es geht ohne? – interessiert der katholische Geistliche Pater Tom sich für Alice und ihre beiden Kinder.
Wenn die Tricks nicht wären, könnte man „Ouija: Ursprung des Bösen“ für einen verschollenen Horrorfilm aus den Sechzigern halten. Die Ausstattung ist liebevoll im damaligen Stil gehalten; wobei im lauschigen Zander-Haus die Einrichtung schon einige Jahre und Jahrzehnte älter ist. Schließlich richtet man seine Wohnung nicht alle paar Tage neu ein. Die Geschichte wird, wie es sich für einen Geisterhorrorfilm gehört, eher gemächlich bis zum großen Finale erzählt. So lernen wir die Hauptpersonen kennen und der Schrecken kann langsam sein Wirkung entfalten.
Lulu Wilson als vom Bösen besessene Doris, die dann mit ihrem ausdruckslosen Kindergesicht, den geweiteten Augen und der unemotionalen, vom Bösen besessenen Stimme einem nachhaltiger Angst einjagt als die auch irgendwann körperlich in Erscheinung tretenden bösen Geister. Das bemerkt auch Paulinas Freund.
„Ouija: Ursprung des Bösen“ ist, – immerhin ist der Film in den USA PG-13 und auch in Deutschland war eine FSK-12-Freigabe beantragt -, eher ein sanfter Grusler, ein Geisterhorrorfilm mit wenig Blut, vielen Schreien und furchterregenden Geräuschen. Er ist auch das Prequel zu dem 2014er Horrorfilm „Ouija“, der an der Kinokasse sein bescheidenes Budget mehr als einspielte und von der Kritik gehasst wurde. Dabei kann der „Ursprung des Bösen“ kann ganz gut für sich alleine stehen als Geisterhorrrorfilm, der gelungen die bekannte Formel ausfüllt und dabei einige eigene Akzente setzt.
P. S.: Es gibt eine Post-Credit-Szene.
P. P. S.: Mike Flanagans bereits 2013 gedrehter, aufgrund diverser Probleme und Startterminverschiebungen erst 2016 der Öffentlichkeit gezeigter Horrorfilm „Before I wake“ läuft am 24. November in unseren Kinos an. Das Drehbuch schrieb er mit Jeff Howard.
Ouija: Ursprung des Bösen (Ouija: Origin of Evil, USA 2016)
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard (nach dem Hasbro-Spiel Ouija)
mit Elizabeth Reaser, Annalise Basso, Lulu Wilson, Henry Thomas, Parker Mack, Sam Anderson, Halle Charlton, Alexis G. Zall, Kate Siegel
Ein „Collider“-Gespräch mit Mike Flanagan und seiner Frau und Partnerin Kate Siegel über „Ouija: Ursprung des Bösen“, „Before I wake“ und, vor allem, „Hush“
Wie bei einem Blockbuster wird man im Presseheft mit Zahlen und Superlativen erschlagen, die nichts über die Qualität des Endprodukts aussagen und oft in einem eklatantem Missverhältnis dazu stehen. Der betriebene Aufwand rechtfertigt in keinster Weise das Ergebnis. Dafür kann man mit dem größten Budget aller Zeiten punkten und von einem Blockbuster erwartet man auch nicht ernsthaft zum Nachdenken anregende Unterhaltung.
„Human – Die Menschheit“ fragt dagegen ambitioniert nach dem „Sinn des Lebens“ (Presseheft). Den wollte Regisseur Yann Arthus-Bertrands herausfinden, indem er und sein Team auf der ganzen Welt Menschen interviewten. Ganz normale Menschen. Keine Prominenten und auch keine als Wissenschaftler, Politiker oder Aktivisten lokal und global anerkannte Personen. Die Gespräche dauerten oft über eine Stunde und jedem Interviewpartner wurden die gleichen Schlüsselfragen gestellt: Fühlen Sie sich frei? Worin besteht der Sinn des Lebens? Was war die größte Herausforderung Ihres Lebens und was lernten Sie daraus? Haben Sie eine Botschaft an die Bewohner dieses Planeten?
Die Gespräche wurden alle vor einem schwarzen Hintergrund mit der immergleichen Kameraeinstellung und Beleuchtung aufgenommen. Falls nicht einmal Schmeißfliegen durch das Bild fliegen würden, könnte man glauben, alle Gespräche seien in einem Zimmer aufgenommen worden.
Aus diesen Gesprächen und den fünfhundert Stunden Naturaufnahmen kondensierte Arthus-Bertrands dann mehrere Fassungen seines Films, in denen er durch eine Fusion von Naturaufnahmen, Musik und Statements zeigen möchte, was das Menschsein, vulgo die Menschheit, ausmacht. Was verbindet alle Menschen miteinander? Egal wo und wie sie leben und egal wie alt sie sind.
In der „eigens für den deutschen Markt erstellten Fassung“ (Presseheft) von „Human – Die Menschheit“, die auch „die kurze Kinoversion“ genannt wird, dauert Arthus-Bertrands Film 149 Minuten. Es gibt auch eine über dreistündige Kinoversion, verschiedene andere Versionen, auch eine mehrteilige TV-Version, und eine Ausstellung ist geplant.
Die deutsche Kinoversion ist eigentlich nur eine epische Version des Trailers: im Sekundentakt werden Menschen gezeigt, die vor einem schwarzen Hintergrund ein, zwei Sätze sagen.
In den kurzen Schnipseln erfährt man niemals ihre Namen, wer sie sind oder woher sie kommen. Kein Gesicht taucht öfter auf. Es sind einfach nur Gesichter in einem Raum. Die einzelnen Statements haben dabei, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen sind, die Qualität von Binsenweisheiten. Denn was soll man davon halten, wenn eine Frau, die wir nur einmal kurz sehen, sagt, dass sie glücklich sei, dass ihr endlich einmal jemand zugehört habe? Das war ihr Auftritt in dem Film. Ob sie in dem Interview irgendetwas interessantes sagte oder nur Stuss erzählte, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass wir ihr nicht zugehört haben.
Dass den über zweitausend Interviewten bei den Gesprächen die gleichen Fragen gestellt wurden: geschenkt. Denn weil man die Fragen im Film nicht erfährt und nicht alle Antworten kennt, kann man, auch wenn ein Dokumentarfilm keine wissenschaftliche Arbeit ist, überhaupt nicht einschätzen, wie und welche Auswahl getroffen wurde. Also ob das ausgewählte Zitat irgendetwas wichtiges über die Person aussagt, ob seine vorgetragene Reue echt oder gespielt ist, und ob das ausgewählte Statement repräsentativ für alle Antworten zu dieser Frage ist oder es nur die Antwort ist, die dem Regisseur am besten gefiel. Man weiß es nicht und es ist auch egal.
Schnell wird „Human – Die Menschheit“ zu einer monotonen Abfolge von Statements und musikalisch unterlegten, bedeutungsschwangeren Naturaufnahmen, mal mit, mal ohne Menschen. Das sieht natürlich gut aus, ist aber insgesamt nicht mehr als ein Bildband ohne echten Mehrwert. Im Fernsehen oder in einer Kunstinstallation kann die zusammenhanglose Aneinanderreihung von Statements und Natur- und Stadtaufnahmen funktionieren. Beide Male kann man sich entscheiden, ob man zen-mäßig die Bilder genießt oder den Raum verlässt.
Im Kino starrt man dagegen regungslos mit einem Gefühl der Ennui auf die Leinwand. Wenn man nicht gerade eine Strichliste über die Zahl der gezeigten Köpfe führt.
Zweiter Versuch, auch wenn Arte die Anfangszeit für den nachfolgenden Film „In den Krallen des Hexenjägers“ noch nicht berichtigt hat. Der müsste kurz nach Mitternacht als echter Mitternachtsfilm laufen.
Ferien in der Hölle (Australien/USA 1971, Regie: Ted Kotcheff)
Drehbuch: Evan Jones
LV: Kenneth Cook: Wake in Fright, 1961
Lehrer John Grant will während der Weihnachtsferien aus dem Kaff Tiboonda nach Sydney flüchten, aber schon auf der ersten Reisestation trifft er auf einen Polizisten, der ihm ein Glas Bier anbietet und damit beginnen die titelgebenden „Ferien in der Hölle“.
Nick Cave meint: „the best and most terrifying film about Australia in existence“.
Und die grausamen Bilder von der Känguru-Jagd entstanden während einer echten Jagd. Während der Präsentation des Films in Cannes 2009 verließen während dieser Szene zwölf Zuschauer den Saal.
Kotcheff inszenierte auch „Rambo“.
mit Gary Bond, Donald Pleasance, Chips Rafferty, Sylvia Kay, John Meillon
Frankreich, 1971: In Paris feiern die 68er noch fröhlich die Revolution. In der Provinz kümmern sich die Bauern um ihre alltäglichen Probleme. Da ist eine Liebesheirat nett, aber letztendlich muss halt ein Hof bewirtet werden und das ist wichtiger als irgendwelche romantischen Vorstellungen von Liebe.
Auch Delphine (Izïa Higelin) weiß das. Aber sie ist lesbisch und zieht nach Paris.
Dort trifft sie Carole (Cécile de France), die mit anderen Frauen in einer überdrehten Spaß-Aktion gegen normalchauvinistische Männer protestiert. Damals, das muss wahrscheinlich heute extra betont werden, war ein Klaps auf den Po einer wildfremden Frau nichts, worüber sich diese Frau aufregen sollte. Jedenfalls solange es ein Mann tat. Als die Frauengruppe um Carole es bei wildfremden, anzugtragenden Männern tut, halten die Betroffenen es für ein mehr als unverschämtes Verhalten.
Anschließend lädt Carole Delphine, die ihr spontan gegen einen dieser Männer half, zu einem Treffen der Frauengruppe in der Universität ein. Delphine kommt – und wir erleben die erste, sehr angenehme Überraschung. Delphine, die Frau vom Land, ist der aktive Teil, während die hippe, politisch engagierte Carole noch in einer heterosexuellen Beziehung lebt und erst langsam von ihren Gefühlen überzeugt werden muss.
Die glücklichen Tage in Paris enden, als Delphines Vater einen Schlaganfall hat, von dem er sich nicht mehr erholt. Sie kehrt zurück auf den elterlichen Hof, bewirtet ihn mit ihrer Mutter (Noémie Lvovsky) und steht, in der zweiten Hälfte des Films, vor der Frage, was sie tun soll: den Hof übernehmen und ein bürgerliches Leben führen oder sich zu ihrer Liebe bekennen und für immer den Hof, das Dorf und die Gemeinschaft, in der sie groß wurde, verlassen. Oder, – immerhin ist Carole, zunächst nur für den Sommer, bei ihr -, vielleicht muss Delphine sich nicht zwischen diesen beiden Lebensentwürfen entscheiden.
In ihrem neuesten Film „La belle saison – Eine Sommerliebe“ entfaltet Catherine Corsini („Die Affäre“ mit Kristin Scott Thomas) ihre Liebesgeschichte vor einem satten Siebziger-Jahre-Zeitkolorit, in dem Konventionen hinterfragt und für eine bessere Gesellschaft gekämpft wurde. Dabei konzentriert sie sich auf wenige Charaktere und ihre Konflikte, die sie facettenreich auslotet. Oft zeigt sie in nur einem Satz oder einer Geste, in welchen Traditionen und Konventionen die Menschen, vor allem natürlich Delphine, ihre Freundin und ihre Mutter, stecken.
Vor den damaligen gesellschaftlichen Umbrüchen, die erst mit einer Verzögerung in der Provinz ankamen, entfaltet sich die Liebesgeschichte zwischen Carole und Delphine, die sich zwischen Liebe und Beruf entscheiden muss. In der durchaus freizügig erzählten Liebesgeschichte werden immer wieder die Erwartungen des Zuschauers gebrochen und die Erzählkonventionen über die Geschichte der großen, wahren und einzigen Liebe so weit gegen den Strich gebürstet, dass die Geschichte von „La belle saison“ absolut realistisch wirkt. Damals und heute.
Das Bonusmaterial wirkt auf den ersten Blick enttäuschend. Es gibt nur „Interviews“ und „Deleted Scenes“. Auf den zweiten Blick, beim Ansehen, überzeugen die gut fünfzig Minuten allerdings restlos.
Hinter „Interviews“ verbirgt sich ein am 27. Oktober 2015 aufgenommenes, sehr informatives, gut halbstündiges Gespräch mit Regisseurin Catherine Orsini und Produzentin Elisabeth Perez, in dem sie auf verschiedene Hintergründe zum Film eingehen. Das Interview wird mit Fotos von den Dreharbeiten illustriert.
Die „Deleted Scenes“, ebenfalls eine gute halbe Stunde, sind eine Mischung aus geschnittenen Szenen, erweiterten Fassungen und Alternativfassungen, die die Filmgeschichte vertiefen, ohne ihr etwas wesentlich Neues hinzuzufügen.
Aber spätestens danach will man sich „La belle saison“ wieder ansehen, in die damalige Zeit eintauchen und wieder diese kurze, heftige, hemmungslose, herzerwärmende und wahrhaftige Sommerliebe erleben.
La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)
Regie: Catherine Corsini
Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss
mit Cécile de France, Izïa Higelin, Noémi Lvovsky, Kévin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour
Achtung, geändertes Programm: wegen des Todes von Andrzej Wajda zeigt Arte um 20.15 Uhr seinen ewig nicht mehr gezeigten Film „Danton“ und um 23.20 Uhr die Doku „Andrzej Wajda, großes Kino aus Polen„. Die Doku gibt es auch in der Mediathek und natürlich sind auch diese Sendungen sehenswert.
Ferien in der Hölle (Australien/USA 1971, Regie: Ted Kotcheff)
Drehbuch: Evan Jones
LV: Kenneth Cook: Wake in Fright, 1961
Lehrer John Grant will während der Weihnachtsferien aus dem Kaff Tiboonda nach Sydney flüchten, aber schon auf der ersten Reisestation trifft er auf einen Polizisten, der ihm ein Glas Bier anbietet und damit beginnen die titelgebenden „Ferien in der Hölle“.
Nick Cave meint: „the best and most terrifying film about Australia in existence“.
Und die grausamen Bilder von der Känguru-Jagd entstanden während einer echten Jagd. Während der Präsentation des Films in Cannes 2009 verließen während dieser Szene zwölf Zuschauer den Saal.
Kotcheff inszenierte auch „Rambo“.
mit Gary Bond, Donald Pleasance, Chips Rafferty, Sylvia Kay, John Meillon
Inside Llewyn Davis (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
TV-Premiere eines Coen-Films zu einer vollkommen unmöglichen Uhrzeit. Da hofft man doch auf baldige Wiederholungen des Meisterwerks über den erfolglosen Folkmusiker Llewyn Davis und die New Yorker Folkmusikszene der frühen Sechziger. Kurz bevor ein Mann in Greenwich Village auftauchte, der vor wenigen Tagen den Literaturnobelpreis erhielt.
Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.
Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.
Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.
„Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)
„The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.
Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.
Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.
Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.
Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.
Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.
Beim zweiten Ansehen, und auch nach der Lektüre von Charles Ardais Filmroman (der einiges umstellte, was die Story nachvollziehbarer und nacherzählbarer macht, aber den lakonischen Humor des Films vermissen lässt), fällt auf, wie gut die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern, also Russell Crowe, Ryan Gosling und seiner Filmtochter Angourie Rice ist. Das kann einfach nicht in einen Roman (der nicht übersetzt wurde und der auch nie übersetzt wird) übertragen werden. Dazu kommen im Film feinste Retro-Optik, knackiger Seventies-Soul, glänzend aufgelegte Schauspieler, die alle ihre unvergesslichen Auftritt haben und lakonische Einzeiler. „The Nice Guys“ ist eine wundervoll kurzweilige Liebeserklärung an das Privatdetektiv-Genre.
Im Bonusmaterial erfährt man zwar ein, zwei interessante Details (vor allem in dem Featurette „Die schlechtesten Detektive aller Zeiten. Making The Nice Guys“), aber insgesamt sind die zwei Featurettes (insgesamt knapp zwölf Minuten) und die Interviews mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Kim Basinger, Matt Bomer und Margaret Qualey (insgesamt ebenfalls knapp zwölf Minuten) enttäuschend.
Oh, und es gibt insgesamt sieben Trailer zum Film.
The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.
So spät (nach Mitternacht), so kurz (25 Minuten), aber immerhin ein Kinomagazin, das den gepflegten Mainstream mit Arthouse-Tendenz pflegt. Jedenfalls in der ersten Ausgabe des monatlichen Magazins.
Das ZDF schreibt: „In der ersten Folge von „Gätjens großes Kino“ ist Steven Gätjen viel unterwegs: Hollywoodstars wie Tom Hanks, Daniel Radcliffe, Renée Zellweger, Ben Affleck oder Colin Firth geben sich für Interviews die Ehre. Auch deutschen Kinostars wie Elyas M’Barek, Florian David Fitz und Film-Neuling CRO begegnet Steven Gätjen auf seiner Reise durch den Kinomonat Oktober mit folgenden Filmen: „Bridget Jones‘ Baby“, „Inferno“, „Girl on the Train“, „Willkommen bei den Hartmanns“, „Swiss Army Man“ und „Unsere Zeit ist jetzt“.
Die kommenden Ausgaben von „Gätjens großes Kino“ folgen am Dienstag, 22. November, und Dienstag, 13. Dezember, gegen 0.00 Uhr.“
Verdammt viel Programm in verdammt wenigen Minuten.
Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Alex Coppel, Samuel Taylor
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: D´entre les morts, 1954 (Aus dem Reich der Toten, Vertigo)
Scottie verfolgt im Auftrag eines Freundes dessen von einer Toten besessene, selbstmordgefährdete Frau Madelaine. Nach ihrem Tod trifft Scottie auf Judy. Er will sie zu Madelaines Ebenbild formen.
Beim Filmstart erhielt “Vertigo” gemischte Kritiken. Heute wird der Rang von “Vertigo” als eines von Hitchcocks Meisterwerken von niemandem mehr ernsthaft bestritten.
Mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Henry Jones, Tom Helmore, Raymond Bailey
Im Auftrag des Drachen (USA 1975, Regie: Clint Eastwood)
Drehbuch: Hal Dresner, Warren Murphy (als Warren B. Murphy), Rod Whitaker
LV: Trevanian (Pseudonym von Rod Whitaker): The Eiger Sanction, 1972 (Im Auftrag des Drachen)
Jonathan Hemlock soll im Auftrag einer Geheimorganisation zwei Killer töten. Von einem ist nur bekannt, dass er an einer Besteigung der Eiger-Nordwand teilnimmt. Hemlock schließt sich den Bergsteigern an.
Thriller, bei dem die Landschaftsaufnahmen (Monument Valley, Schweizer Alpen) mehr beeindrucken als die Story. Was auch Clint Eastwood zugibt. Trevanians Debüt mit dem Superspion Hemlock war ein weltweiter Bestseller.
Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Heidi Brühl, Reiner Schöne