Ana Drezga und die „Top Girls“

Januar 5, 2026

In ihrem Romandebüt „Top Girls“ lässt Ana Drezga, die bereits mehrere prämierte Theaterstücke schrieb und inszenierte, die junge Liv aus ihrem Leben erzählen. In Wien pendelt die Theaterschauspielerin zwischen Partys in ihrer Wohngemeinschaft in einem der schlechteren Viertel von Wien, schlecht bezahltem und demütigendem Engagement im Theater und einer Rückkehr in das Dorf, in dem sie aufwuchs. Ihre Mutter starb.

Drezga lässt Liv ihr Leben in einem einzigen Bewusstseinsstrom erzählen, der gut über die Kürze der nicht einmal 120-seitigen Geschichte trägt. Er kann aber auch nicht verdecken, dass vieles nicht vertieft und entsprechend austauschbar bleibt. Außerdem unterscheidet sich Livs Leben nicht wesentlich von dem Leben irgendeiner anderen jungen Person, die aus einem Dorf kommt und in einer größeren Stadt studiert und die ersten Schritte in ihr Berufsleben unternimmt. Sie konsumiert Drogen, hat Sex und fragt sich, ob das das Leben ist, das sie sich wünschte. Livs Leben unterscheidet sich auch nicht wesentlich von dem Leben irgendeiner jungen Person, die diese Reise vor mehreren Jahrzehnten durchlebte. Wer also mehr über das Leben „einer Generation zwischen Sehnsucht, Exzess und der Suche nach Zugehörigkeit“ (Klappentext) erfahren will, sollte zu einem anderen Buch greifen.

Wer noch einmal in seine Jugendjahre eintauchen will und sich daran erinnern möchte, wie erfreulich das Putzen der Wohnung nach einer exzessiven Party ist, sollte unbedingt zugreifen.

Ana Drezga: Top Girls

Otto Müller Verlag, 2025

120 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Ana Drezga

Otto Müller Verlag über Ana Drezga

Wikipedia über Ana Drezga


TV-Tipp für den 5. Januar: The Revenant – Der Rückkehrer

Januar 4, 2026

Pro7, 20.15 (möglicherweise gekürzt, weil der Film FSK 16 ist)

The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Regie: Alejandro G. Iñárritu

Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro G. Iñárritu

LV („based in part on the novel“): Michael Punke: The Revenant, 2002 (Der Totgeglaubte)

1823: Als Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) in den eiskalten Rocky Mountains auf der Pelztierjagd von einem Grizzly schwer verletzt wird, lassen ihn seine Jagdgefährten zum Sterben zurück. Aber Glass stirbt nicht, sondern er beginnt sie, zuerst mehr kriechend als gehend, zu verfolgen.

Unter extrem schwierigen Bedingungen gedrehtes, visuell überwältigendes Überlebensdrama, das mit Preisen überschüttet wurde. Unter anderem drei Oscars für Leonardo DiCaprio (Hauptrolle), Alejandro G. Iñárritu (Regie) und Emmanuel Lubezki (Kamera).

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 23.15 Uhr, zeigt Pro7 Quentin Tarantinos Geschichtsstunde „One upon a Time in…Hollywood“, ebenfalls mit Leonardo DiCaprio und ebenfalls sehenswert.

mit Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Duane Howard, Arthur Redcloud

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Revenant“

Metacritic über „The Revenant“

Rotten Tomatoes über „The Revenant“

Wikipedia über „The Revenant“ (deutsch, englisch) und Hugh Glass (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Revenant“ (als ginge es in dem Film um Faktentreue)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten“ (Bardo, falsa crónica de unas cuantas verdades, Mexiko 2022)


TV-Tipp für den 4. Januar: Spencer

Januar 3, 2026

One, 23.15

Spencer (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Pablo Larraín

Drehbuch: Steven Knight

Prinzessin Diana besucht zu Weihnachten 1991, als ihre Ehe mit Charles bereits kriselt, den königlichen Landsitz in Norfolk, trifft die gesamte Königsfamilie und leidet unter dem routiniert gnadenlos durchgezogenem Protokoll.

Gandioses und grandios durchgeknalltes Biopic, das sich wenig für Fakten und noch weniger für Edelkitsch-Seligkeit interessiert, sondern das Leben am Hof als Horrorfilm, Unterabteilung Psychohorror, zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Spencer“

Moviepilot über „Spencer“

Metacritic über „Spencer“

Rotten Tomatoes über „Spencer“

Wikipedia über „Spencer“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood konstatiert einen weitgehenden Sieg der künstlerischen Freiheit

Meine Besprechung von Pablo Larrains „El Club“ (El Club, Chile 2015)

Meine Besprechung von Pablo Larraíns „Jackie: Die First Lady“ (Jackie, USA 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Neruda“ (Neruda, Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Spencer“ (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Maria“ (Maria, Deutschland/Italien/USA 2024)


TV-Tipp für den 3. Januar: Papillon

Januar 2, 2026

One, 22.00

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“, in dem er von seinem weiteren Leben erzählt, war dann episodischer.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Victor Jory, Woodrow Parfrey, Robert Deman, Anthony Zerbe, Don Gordon, William Smithers, Val Avery, Dalton Trumbo

Wiederholung: Dienstag, 6. Januar, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


Die Krimijahresbestenliste 2025

Januar 2, 2026

Aus ihren monatlichen, von Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenlisten haben die Damen und Herren Kritiker (Kritiker:innen?) ihre Auswahl für die Jahreskrimibestenliste getroffen. Danach sind die zehn besten Kriminalromane des Jahres 2025:

1) Lavie Tidhar: Adama

2) Zoran Drvenkar: Asa

3) Liz Moore: Der Gott des Waldes

4) Ivy Pochoda: Sing mir vom Tod

5) Megan Abbott: Hüte dich vor der Frau

6) Kate Atkinson: Nacht über Soho

7) Jonathan Coe: Der Beweis meiner Unschuld

8) Sebastian Barry: Jenseits aller Zeit

9) Gustavo Faverón Patriau: Unten leben

10) Nick Harkaway: Smiley

Dann wünsche ich mal spannende Unterhaltung.


Die Gewinner des Deutschen Krimipreis 2025

Januar 2, 2026

Bereits zum 42. Mal wurde der Deutsche Krimipreis verliehen. Wie gewohnt ohne eine pompöse Verleihungszeremonie (dafür gibt es die anderen Preise) mit einer schnöden Veröffentlichung der Gewinnerliste, die sich dieses (also letztes) Jahr so liest:

Deutscher Krimipreis 2025 – Kategorie „National“

1. Platz: Andreas Pflüger: Kälter (Suhrkamp)

2. Platz: Zoran Drvenkar: Asa (Suhrkamp)

3. Platz: Susanne Tägder: Die Farbe des Schattens (Tropen)

Deutscher Krimipreis, Kategorie „International“

1. Platz: Lavie Tidhar: Adama (Suhrkamp), deutsch von Conny Lösch

2. Platz: Liz Moore: Der Gott des Waldes (C.H. Beck), deutsch von Cornelius Hartz

3. Platz: Gustavo Faverón Patriau: Unten leben (Droschl), deutsch von Manfred Gmeiner

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner. Einige Romane liegen noch auf meinem nicht kleiner werdendem Zu-Lesen-Stapel.


Neu im Kino/Filmkritik: Über François Ozons Albert-Camus-Verfilmung „Der Fremde“

Januar 2, 2026

Meursault ist der Ich-Erzähler in Albert Camus‘ „Der Fremde“, einem 1940 geschriebenem, 1942 erschienenem kurzen, in der damaligen Kolonie Algerien spielende Roman, der schnell zum Klassiker und einem der wichtigsten Werke des Existentialismus wurde.

Dieser Meursault ist ein 1938 in Algier allein lebender dreißigjähriger kleiner Angestellter. Er erzählt zuerst von der Beerdigung seiner entfernt in einem Altersheim verstorbenen Mutter, von seinem halbseidenem Nachbarn, von seiner unmittelbar nach der Beerdigung seiner Mutter beginnenden Affäre mit einer ehemaligen Kollegin, wie er scheinbar grundlos einen jungen Araber tötet und für diese Tat vor Gericht gestellt wird. In der Verhandlung geht es dann vor allem um sein Verhalten.

Jetzt verfilmte François Ozon diesen Klassiker sehr nah an der Vorlage entlang in wunderschönen SW-Bildern. In jedem Moment ist der Respekt vor der Vorlage spürbar.

Ozon erfindet viele Dialoge, die im Roman nur zusammengefasst zu lesen sind. Er zeigt in eindrucksvollen Bildern, was im Roman der Erzähler, der alles ohne erkennbare Regung verfolgt, in wenigen Worten erzählt. Das damalige Leben in der Kolonie wird fassbar. Ebenso Meursaults Lebenseinstellung.

Diese wird schon deutlich, wenn Meursault erfährt, dass seine Mutter verstorben ist und er diese Nachricht ohne eine erkennbare Gefühlsregung aufnimmt. Die Trauerfeierlichkeiten beobachtet er eher von außen. Die erforderlichen Rituale, die für ihn keine Bedeutung haben, vollzieht er, nachdem er dazu aufgefordert wird, quasi automatisch. Damals – wie gesagt, die Geschichte spielt 1938 und damals hatte die Religion in der Gesellschaft eine andere Bedeutng als heute – war sein Verhalten, wie auch später Aussagen von Charakterzeugen vor Gericht zeigen, verstörend und schockierend. Schockierend und gegen alle Trauer-Konventionen ist auch, dass Meursault unmittelbar nach dem Tod seiner Mutter sich am Strand vergnügt und eine Beziehung mit einer jungen Frau beginnt. Auch hier folgt er emotionslos den Konventionen, denen ein Verliebter folgen soll. Später ermordet er ohne einen erkennbaren Grund einen Araber. Die anschließende Gerichtsverhandlung verfolgt er ebenso ungerührt. Das war damals sicher zutiefst verstörend und ungewöhnlich. Heute ist das anders.

Entsprechend offensichtlich ist die Botschaft des Films und entsprechend überflüssig ist Meursaults Verteidiungsrede am Filmende. Sie wiederholt nur in epischer Länge noch einmal das bereits Gesagte.

Damit kämen wir zum Problem des Films. Mit etwas über zwei Stunden ist „Der Fremde“ einer der längsten Filme von François Ozon. Nur „Gelobt sei Gott“ ist länger. Während das in dem auf Tatsachen basierendem Drama kein Problem war, ist die Ozon-unübliche Länge in „Der Fremde“ ein Problem. Überraschende Wendungen – wenn wir von Meursaults Mord absehen – gibt es nicht. Ozon erzählt Meursaults Geschichte, wie Camus, chronologisch als eine weitgehend zufällige Abfolge von Ereignissen, die auch wegen der strengen Inszenierung als Passionsgeschichte ohne Gott und ohne eine höhere Bedeutung gelesen werden kann.

Das ist allerdings nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten gelungenem Film. Die SW-Fotografie verleiht dem Drama das Aussehen eines vergessenen Meisterwerks aus den fünfziger Jahren. Die Schauspieler sind gut. Die einzelnen Szenen sind kluge Übertragungen vom Roman in den Film. Ozon verdeutlicht Dinge, die Camus nur in Halbsätzen schilderte. Er erfand viele Dialoge. Und die Geschichte über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und die Anforderungen der Gesellschaft an den Einzelnen ist immer noch aktuell.

Damit ist „Der Fremde“ der erste Höhepunkt des Kinojahres.

Der Fremde (L’Étranger, Frankreich 2025)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon, Philippe Piazzo

LV: Albert Camus: L’Étranger, 1942 (Der Fremde)

mit Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, Denis Lavant, Swann Arlaud, Christophe Malavoy, Nicolas Vaude, Jean-Charles Clichet, Mireille Perrier, Hajar Bouzaouit, Abderrahmane Dehkani, Jérôme Pouly, Jean-Claude Bolle-Reddat, Christophe Vandevelde, Jean-Benoît Ugeux

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Internationaler Titel: The Stranger

Hinweise

Allociné über „Der Fremde“

Moviepilot über „Der Fremde“

Metacritic über „Der Fremde“

Rotten Tomatoes über „Der Fremde“

Wikipedia über „Der Fremde“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Meine Besprechung von François Ozons „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (Mon Crime, Frankreich 2023)


TV-Tipp für den 2. Januar: Anatomie eines Falls

Januar 1, 2026

ARD, 23.45

Anatomie eines Falls (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)

Regie: Justine Triet

Drehbuch: Justine Triet, Arthur Harari

TV-Premiere – und Nein, ich sage jetzt nichts zur Uhrzeit, sondern verweise auf die Mediathek. Dort sollte der Film anschließend für einige Tage ansehbar sein.

Fiel Samuel Maleski aus dem Fenster oder half seine Frau Sandra Voyter etwas nach? Über zweieinhalb spannende Stunden rollt Justine Triet diesen Fall akribisch auf.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sandra Hüller, Swann Arlaud, Milo Machado Graner, Antoine Reinartz, Samuel Theis, Jehnny Beth

Hinweise

Moviepilot über „Anatomie eines Falls“

AlloCiné über „Anatomie eines Falls“

Metacritic über „Anatomie eines Falls“

Rotten Tomatoes über „Anatomie eines Falls“

Wikipedia über „Anatomie eines Falls“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Justine Triets „Anatomie eines Falls“ (Anatomie d’une chute, Frankreich 2023)


Frohes neues Jahr!

Januar 1, 2026


TV-Tipp für den 1. Januar: Suzume

Dezember 31, 2025

Pro7 Maxx, 20.15

Suzume (Suzume no Tojimari, Japan 2022)

Regie: Makoto Shinkai

Drehbuch: Makoto Shinkai

Die siebzehnjährige Suzume trifft einen geheimnisvollen jungen Mann und öffnet eine Tür in eine andere Dimension. Aus ihr könnte eine die Welt vernichtende Bedrohung kommen.

Gelungener, ziemlich komplexer Fantasy-Romantik-Anime, der nicht ganz die Qualität von Makoto Shinkais bekanntestem Werk „Your Name – Gestern, heute und für immer“ erreicht. Aber etwas schlechter als ein Meisterwerk ist immer noch verdammt gut.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Hinweise

Moviepilot über „Suzume“

Metacritic über „Suzume“

Rotten Tomatoes über „Suzume“

Wikipedia über „Suzume“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Makato Shinkais „Suzume“ (Suzume no Tojimari, Japan 2022)


Meine Tops und Flops 2025: Buch und Film

Dezember 31, 2025

Es ist schon wieder so weit: während die einen auf die Weihnachtsmärkte stürmen und über die Preise meckern (anstatt die fünfzig Euro für einmal Glühwein und Currywurst in einem guten Restaurant zu investieren) oder Silvesterböller kaufen (ohne über die Preisen zu meckern), sitzen die anderen über Jahresrückblicken und Bestenlisten. So auch ich.

Nach langem Nachdenken, räsonieren über nicht gesehene Filme und nicht gelesene Bücher, streichen, umstellen, wieder umstellen sehen meine Jahresbestenlisten für Kinofilme (und schon sind all die TV-Filme draußen) und Bücher (und schon konkurrieren Kriminalromane mit Sachbüchern und Comics) im Moment so aus (und würden in einigen Stunden wohl wieder anders aussehen):

 

Die zehn besten Filme des Jahres

Dieses Jahr war die Auswahl schwierig. Es gab viele gute, aber wenige großartige Filme, die mich sofort mitrissen und lange nachwirkten. Es gab sehr viele Filme, die großartig anfingen, irgendwann im zweiten Akt den Plot verloren und die Geschichte mit einem ärgerlichen dritten Akt beendeten; – falls sie mir nicht alle sagen wollten, dass das Leben sinnlos ist und der Zufall die herrschende Kraft im Universum ist.

Außerdem enttäuschten von vielen normalerweise zuverlässige Regisseuren die neuen Filmen.

Wenn ich mich auf zehn Filme beschränke, die 2025 im Kino anliefen (ch habe schon potentielle Anwärter für die 2026er Jahreslisten):

One Battle after another (schon während des Films sagte ich mir: der kommt auf meine Jahresbestenliste; – wenn ich eine Jahresbestenliste erstelle) (Das ist die ehrliche und angesichts der eintrudelnden Prognosen, Besten- und Nominierungslisten die absolut gefahrlose Wahl. Eigentlich jeder liebt diesen Film.)

Und jetzt, in keiner besonderen Reihenfolge, die Plätze 2 bis 10:

Blood & Sinners

Bugonia

Caught Stealing (Der Roman von Charlie Huston ist trotzdem besser.)

Die Farben der Zeit

Franz K.

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße (weil Wolfgang Beckers letzter Film, weil ein Berlin-Film – und weil er so gut in die Weihnachtszeit passt.)

Heldin

Juror # 2 (Clint Eastwoods letzter Film – bis zu seinem nächsten Film)

September 5 – The Day Terror went live

Die zehn schlechtesten Filme des Jahres

Oder: Was lief da schief?

Auch hier in alphabetischer Reihenfolge

The Alto Knights (sprachlos im Kino sitzend in einem Gangsterfilm von Barry Levinson mit Robert De Niro in der Hauptrolle, nach einem Drehbuch von Nicholas Pileggi)

Captain America: Brave New World (gutes Superheldenkino ist nur noch eine Erinnerung)

Conjuring 4 (absolut enttäuschender Abschluss einer gelungenen Horrorfilmreihe)

Eddington

Five Nights at Freddy’s 2

Honey don’t (50 Prozent Coen sind mindestens 50 Prozent zu wenig Coen)

Nosferatu (immerhin eine Gelegenheit, einige ältere Dracula-Verfilmungen wieder anzusehen)

Silent Night, Deadly Night

Tanz der Titanen

The Toxic Avenger (tja, nun, eine Entschuldigung, sich das Original mal wieder anzusehen)

ehrenwerte Nennung (weil ich ja nur Filme nehmen will, die im Kino liefen)

Play Dirty (Amazon Prime – Shane Black verfilmt Richard Stark. Wie kann das zu so einem unwitzigen Actionmurks führen, der nie Richard Starks Parker, sondern, mit allen zugedrückten Augen, Donald E. Westlakes Dortmunder an einem ganz schlechten Tag ist? „Play Dirty“ ist als Westlake/Stark-Verfilmug eine Vollkatastrophe. Dabei weiß und kann Black es besser.)

Filme, die besser als verdammt gut aussehende Screensaver mit Musik funktionieren

Avatar: Fire and Ash

Tron: Ares

 

 

Die zehn besten Bücher des Jahres

Wieder sind nur die Bücher qualifiziert, die dieses oder letztes Jahr erstmals auf Deutsch erschienen. Damit haben sich ältere oder noch nicht übersetzte Romane für diese Liste disqualifiziert. Und sie sollte weiblicher als meine letzte Bestenliste sein.

Also, mühelos quotiert:

Megan Abbott: Hüte dich vor der Frau

Jonathan Coe: Der Beweis meiner Unschuld

Frank Göhre: Sizilianische Nacht

Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt

Isabel Kreitz: Die letzte Einstellung

Jake Lamar: Viper’s Dream

Anna Mai: Broilerkomplott

Sara Paretsky: Wunder Punkt

Mercedes Rosende: Ursula fängt Feuer

Josef Schnelle: Der Mann, der das Kino liebte – Francois Truffaut und seine Filme

Einige Bücher, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf diese Liste geschafft hätten, fehlen, weil ich aus verschiedenen Gründen viele ältere Romane (Ich sage nur „Momo“ und „Stiller“) las, dieses Jahre alle für den Glauser-Preis nominierten Romane und Debüts besprach, etliche Sachbücher lesen wollte und einige schlechte Bücher lesen musste.

Aber eine Liste der schlechtesten Bücher des Jahres ist unfair, weil da die vielen schlechten Bücher, die ich nicht zu Ende gelesen habe, fehlen würden.

Das gesagt lese ich gerade, wegen Park Chan-wooks „No other Choice“, die von Donald E. Westlake geschriebene Vorlage „The Ax“ (1997) und, nachdem ich die Verfilmung gesehen habe, steht Jordan Harpers „Die Rache der Polly McClusky“ (She rides shotgun, 2017) weit oben auf meiner Zu-Lesen-Liste.

Und was sind eure Tops und Flops?


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2025

3sat, 05.55

Pop around the Clock

Wie in den vergangenen Jahren präsentiert 3sat einen bunten Mix von, meines Wissens, bislang im TV nicht gezeigten Live-Auftritten von bekannten Musikern, Musikerinnen und Bands. Unter anderem Pink Floyd (um 11.15 Uhr), David Gilmour (um 13.00 Uhr), Marius Müller-Westerhagen (um 14.45 Uhr), Bruce Springsteen (um 16.00 Uhr), Elton John und Brandi Carlile (um 17.15 Uhr), Simply Red (um 00.25 Uhr) und Iggy Pop (sein 2023er Montreux-Auftritt als Betthupferl um 03.30 Uhr). Der Abend gehört Mariah Carey (um 19.00 Uhr), Whitney Houston (um 20.15 Uhr, ihr ‚Concert for a new South Africa‘ von 1994) und Rihanna (um 21.45 Uhr).

Das vollständige Programm, mit der Gelegenheit zum Vor- und Nachsehen und weiteren Konzerten.


Cover der Woche

Dezember 30, 2025

Spannender Horrorthriller und ein Argument gegen Schnee


TV-Tipp für den 30. Dezember: Urban Priol: TILT 2025 – Der Jahresrückblick

Dezember 29, 2025

3sat, 20.15

Urban Priol: TILT 2025 – Der Jahresrückblik

Nun, der Titel sagt alles über die neunzigminütige Satire-Sendung. Aber nicht, dass Urban Priols Jahresrückblick Teil des 3sat-Thementages „Kabarett & Comedy“ ist. Alle Details hier.


Neu im Kino/Filmkritik: Heftig, blutig und sehr personalintensiv diese „Therapie für Wikinger“

Dezember 29, 2025

Manfred (Mads Mikkelsen) war schon immer etwas seltsam. Jetzt, 15 Jahre nachdem sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) für den heftig aus dem Ruder gelaufenen Diebstahl von 41,2 Millionen Kronen inhaftiert wurde und Manfred die Beute versteckte, hält Manfred sich für John Lennon. Sicher, einige Kleinigkeiten, wie musikalische Fähigkeiten, Frisur, Brille, stimmen nicht, aber Manfred will nur mit John angesprochen werden. Sonst stürzt er sich aus dem nächsten Fenster, egal wie tief er dann fällt, oder er lässt sich aus dem fahrenden Auto fallen. Egal wie schnell es fährt und wie stark die Straße befahren ist. Und selbstverständlich erinnert sich John nicht daran, was Manfred getan hat und wo Manfred die Beute auf dem Grundstück der Eltern versteckte.

Anker hofft mit einen Besuch in ihrem im Wald gelegenem Elternhaus, das inzwischen einem Ehepaar gehört, das es zu einem Airbnb machte, etwas gegen Manfreds Dissoziative Persönlichkeitsstörung unternehmen zu können – und an die Beute zu kommen. Ein Arzt unterstützt ihn dabei. Er hat sogar eine noch bessere Idee: er will herausfinden, was passiert, wenn man mehrere Menschen mit einer Dissoziativen Persönlichkeitsstörung zusammen bringt und sie in ihrer Sicht der Welt bestätigt. In diesem Fall müssten die Beatles wieder vereinigt werden. Die entsprechenden persönlichkeitsgestörten Menschen sind schnell gefunden. Sie werden von Anker und dem Arzt aus verschiedenen Kliniken geholt. Ein Glückstreffer ist ein Patient, der zwischen zwei Beatles-Musikern und vielen weiteren, teils vollkommen gegensätzlichen Identitäten wechselt. Diese abrupten Persönlichkeitswechsel sorgen für weitere Lacher in Anders Thomas Jensens neuer Komödie. Zu Jensens früheren Filmen gehören „Blinkende Lichter“, „Dänische Delikatessen“, „Men & Chicken“ und „Helden der Wahrscheinlichkeit“. Außerdem schrieb er zahlreiche von anderen Regisseuren verfilmte Drehbücher.

Therapie für Wikinger“ ist, wie Jensens vorherige von ihm inszenierte Filme, keine Komödie für sensible Feingeister. Das beginnt schon mit der als Trickfilm präsentierten Einleitung (die am Filmende fortgeführt wird) über einen Wikingerhäuptling, der, nachdem sein Sohn einen Arm verliert, den anderen Stammesmitgliedern ebenfalls einen Arm abhackt. Denn, so denkt er, wenn alle gleich sind, wird niemand mehr wegen eines fehlenden Arms angestarrt. Bei dem abgehacktem Arm bleibt es nicht.

Nach dieser Einstimmung ist der Ton für den Film gesetzt. Keine der von Anders Thomas Jensen für seinen neuen Film „Therapie für Wikinger“ erfundenen Figuren hat einen besonders großen Respekt vor der eigenen und der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen. Die unterschiedlichen Ansichten und Ziele der durchgehend etwas dummen, manisch auf ihr Ziel fixierten Figuren prallen ungehemmt aufeinander. Schnell entwickelt sich eine aus Screwball-Komödien bekannte Dynamik von weiteren, immer absurderen, aber gleichzeitig auch vollkommen vernünftigen und folgerichtigen Aktionen und Reaktionen.

Daraus macht Jensen eine schwarzhumorige Geschichte mit brutalem Humor, Klamauk und musikalischen Experimenten zwischen Abba, Beatles und, aufgrund des fehlenden musikalischen Könnens der Film-‚Beatles‘, experimentellen Klängen.

Auch die Botschaft überdehnt Jensen so sehr, dass sie von einer begrüßenswerten Ansicht in nackte Idiotie und Wahnsinn umschlägt – und so auch zum Nachdenken darüber anregen kann.

Insgesamt ist diese „Therapie für Wikinger“ eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit. Wenn man den richtigen Humor dafür hat.

Therapie für Wikinger (Den sidste viking, Dänemark 2025)

Regie: Thomas Anders Jensen

Drehbuch: Thomas Anders Jensen

mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Sofie Gråbøl, Søren Malling, Bodil Jørgensen, Lars Brygmann, Kardo Razzazi, Nicolas Bro, Peter Düring, Lars Ranthe, Anette Støvelbæk, Rikke Louise Andersson

Internationaler Titel: The Last Viking

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Therapie für Wikinger“

Metacritic über „Therapie für Wikinger“

Rotten Tomatoes über „Therapie für Wikinger“

Wikipedia über „Therapie für Wikinger“ (dänisch, deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)

Anders Thomas Jensen in Berlin


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Medicus 2“ erzählt von Rob Coles Heilungen in London

Dezember 29, 2025

Im elften Jahrhundert reist Rob Cole von London in den Orient. Er will in der Schule des Universalgelehrten Ibn Sina erfahren, wie verletzte und kranke Menschen geheilt werden. Vor zwölf Jahren erzählte Philipp Stölzl diese Geschichte im Kino.

Jetzt kehrt Cole mit einigen Weggefährten, die ebenfalls ausgebildete Mediziner sind, zurück in ein England, das Krankheiten und Verletzungen mit einer Mischung aus Aberglaube, Zaubersprüchen und infektiösem Dreck behandelt. Cole will den Menschen helfen und muss sich dafür mit mächtigen Vertretern der weltlichen und der geistlichen Welt anlegen.

In „Der Medicus 2“ erzählt Philipp Stölzl die Geschichte von Rob Cole, wieder gespielt von Tom Payne, weiter. Der erste Film, der Weihnachten 2013 startete, war mit über 4,2 Millionen Kinobesucher im deutschsprachigen Raum, davon über 3,6 Millionen allein in Deutschland, ein Erfolg. „Der Medicus“ basierte auf dem gleichnamigen Bestseller von Noah Gordon. Gordon erzählte in zwei weiteren Romane die Geschichte der Familie Cole, aber nicht die von Rob Cole, weiter. Deshalb erfanden Stölzl und Jan Berger eine eigene Geschichte, die die Geschichte von „Der Medicus“ weiter erzählt und die auch als vollkommen eigenständige Geschichte mit neuen Figuren und Konflikten funktioniert. 

Entstanden ist ein zünftiger, unterhaltsamer und kurzweiliger Abenteuerfilm mit klar gezeichneten Figuren und Konflikten – und durchaus nachvollziehbaren, aber in dieser Häufung unglaubwürdigen Übertreibungen. Cole muss einen Patienten nur ansehen und schon weiß er, woran er erkrankt ist und wie er behandelt wird. Er ist auch ein Vorfahre von Sigmund Freud. Er kümmert sich um die Krankheiten der Seele und auch hier weiß er, wie er sie behandelt. Er ist ein wahrer Wunderheiler. Ebenso seine Weggefährten. Alle englischen Mediziner sind Scharlatane und Schlächter. Das ist dann doch etwas zu plakativ. Aber diese klare Zeichnung der Figuren und ihrer Interessen bildet eine gute Grundlage für die daraus entstehenden Konflikte und auch Wandlungen.

Der Medicus 2 (Deutschland 2025)

Regie: Philipp Stölzl

Drehbuch: Stewart Harcourt, Caroline Bruckner, Philipp Stölzl, Jan Berger, Marc O. Seng (nach einer Geschichte von Jan Berger und Philipp Stölzl)

mit Tom Payne, Emily Cox, Áine Rose Daly, Owen Teale, Emma Rigby, Malick Bauer, Jaouhar Ben Ayed, Harry Redding, Rosie Boore, Sara Kestelman, Evelyn Craven, Leonard Scheicher, Máté Haumann, Finty Williams, Francis Fulton-Smith, Anne Ratte-Polle, Liam Cunningham, Aidan Gillen

alternative Schreibweise: Der Medicus II

internationaler Titel: The Physician 2

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Der Medicus 2“

Moviepilot über „Der Medicus 2“

Wikipedia über „Der Medicus 2“

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Der Medicus“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Ich war noch niemals in New York“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Philipp Stölzls „Schachnovelle“ (Deutschland 2021)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Aliens – Die Rückkehr

Dezember 28, 2025

RTL II, 22.35

Aliens – Die Rückkehr (Aliens, USA 1986)

Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)

Ripley soll einige Marines auf einen Alien-verseuchten Planeten begleiten und beim Kampf gegen die ihr bekannten Aliens helfen.

Inzwischen ein SF-Klassiker, der als Kriegsfilm die harten Soldaten fröhlich als Kanonenfutter verheizt.

„‚Aliens‘ (und das leistet eine Fortsetzung selten) entwickelt den Spukhaus-im-Weltraum-Plot von ‚Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt‘ (Alien, 1979) weiter, indem er sämtliche monströsen Highlights des Vorgängers aufgreift und in den Kontext eines anderen, in den Weltraum verlagerten Genres stellt. (…) Cameron (…) kocht hier sein eigenes Süppchen mit hartgesottenen Heldinnen, Biomechanoiden, politischer Paranoia und atemloser Spannung, wobei er die Prämisse des ersten Filmes beibehält.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)

Zum Kinostart urteilte der Fischer Film Almanach anders: „Mit ‚Alien‘ von Ridley Scott (…), mit der phantastischen Welt und den Kreaturen von H. R. Giger hat dieser Film nichts mehr gemein. (…) Fortsetzung folgt – hoffentlich nicht.“ und über Ripley wurde gesagt „eine zu allem entschlossene Amazone, eine Art Über-Mutter im Rambo-Look“

Auch „Zoom“ war ungnädig: „War der erste ‚Alien‘-Film (…) noch durchaus raffiniert, so wird in der Fortsetzung ganz auf drastische Schockeffekte und die üblichen Technik-Spielereien gesetzt.“

Tja, damals regierte Ronald Reagan die USA, im Kino sorgten Rambo, „Missing in Action“ Chuck Norris und Konsorten im Kampf gegen „Die rote Flut“ für volle Kassen und die Filmkritik beurteilte Filme auch vor dem politischen Klima der USA, der Rambo-Ideologie.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt RTL II, den ersten „Alien“-Film in einer wahrscheinlich gekürzten Fassung.

mit Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henricksen, Bill Paxton, William Hope

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aliens“ (94 % Frischegrad)

Wikipedia über „Aliens“ (deutsch, englisch) und das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

zu Filmen

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

zu Comics

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Blutlinien (Band 1)“ (Alien (2021) # 1 – 6, Mai – Oktober 2021)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Erweckung (Band 2)“ (Alien (2021) # 7 – 12, September 2021 – Juni 2022; Alien Annual (2022) 1, September 2022)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3) (Alien (2022) # 1 – 6, November 2022 – April 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardos „Alien: Tauwetter (Band 1)“ (Alien (2023) # 1 – 5, April 2023 – August 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls‘ „Alien: Descendant (Band 2)“ (Alien Annual (2023) 1, Dezember 2023; Alien (2023 B) # 1 – 4, Januar – April 2024)

Meine Besprechung von Collin Kelly/Jackson Lanzing/Michael Dowlings „Alien: Schwarz, Weiß & Blut“ (Alien: Black, White & Blood (2024) # 1 – 4, 2024)

Meine Besprechung von Paul Reiser/Leon Reiser/Adam F. Goldberg/Hans Rodionoff/Brian Volk-Weiss/Guiu Vilanovas „What if…? Aliens“ (Aliens: What if…? (2024) # 1 – 5, 2025)

zu James Cameron

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)

Meine Besprechung von James Camerons „Avatar: The Way of Water“ (Avatar: The Way of Water, USA 2022)

Meine Besprechung von James Camerons „Avatar: Fire and Ash“ (Avatar: Fire and Ash, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: Über „Die jüngste Tochter“

Dezember 28, 2025

Fatima (Nadia Melliti) ist jung – Hafsia Herzis Film „Die jüngste Tochter“ beginnt während ihrer letzten Schultage und endet kurz nach dem Beginn ihres Philosophiestudiums -, gläubig und in der Pariser Banlieue in einer algerisch-französischen Familie aufgewachsen. Ihr Freund drängt auf eine baldige Hochzeit. Dabei weiß Fatima schon am Filmanfang, dass sie nicht ihn, sondern Frauen liebt.

In diesem ersten Absatz und damit auch in der Prämisse des Films stecken so viele potentielle Konflikte, die ein Drehbuchautor nur wie Rohdiamanten polieren muss. Es scheint unmöglich, aus diesen vielen Konflikten einen langweiligen Film zu machen. Dummerweise interessiert sich Drehbuchautorin und Regisseurin Hafsia Herzi für keinen dieser Konflikte. Sie ordnet, mehr oder weniger frei der autofiktionalen Romanvorlage von Fatima Daas folgend, das Material einfach chronologisch an und schildert ein Jahr im Leben von Fatima, der titelgebenden jüngsten Tochter. Wie unverbunden nebeneinander stehende Tagebucheinträge gibt es Szenen von Fatima in der Schule, mit ihren Klassenkamerad:innen, mit ihrem Freund, mit ihren Eltern (der Vater darf einmal patriarchisch auf der Couch sitzen, ehe er, ohne eine weitere Spur zu hinterlassen, aus dem Film verschwindet), mit einer älteren Lesbe, die sie am Filmanfang über ihre Gefühle aufklärt, mit ihrer lesbischen Freundin, ihren neuen, schnell gewonnen Freunden an der Universität, Partys mit anderen Studierenden und ein Gespräch mit einem Imam. Er erklärt, was im Koran steht und wie die Schrift gelesen werden sollte. Auch dieses sehr spät im Film stattfindende Gespräch führt nicht zu einer vertieften Behandlung des Korans und des Islams. Herzi spricht es nie wieder an. Immerhin haben wir in dem Moment etwas über den Koran erfahren.

Fatima gleitet durch den Film. Sie muss sich nie gegen Widerstände durchsetzen. Alle sind freundlich zu ihr. Alle akzeptieren sie, wie sie ist. Alle helfen ihr. An der Universität findet sie sofort Freunde.

Der Konflikt zwischen ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung wird nur behauptet. Im Film führt er nicht zu starken Szenen, beispielsweise mit ihrem heiratswilligem Freund, ihrer Familie, ihren Freund:innen oder dem Imam.

Und so verschenkt Herzi das gesamte Potential der Geschichte. Am Ende bleiben einige genaue Beobachtungen aus dem migrantischen Leben, gelungene Szenen und gute Schauspieler. Viele von ihnen sind Laienschauspieler, teils spielen sie sich selbst, wie der Arzt, der Fatima über den richtigen Umgang mit ihrem Asthma berät. Aber nichts davon bleibt länger im Gedächtnis in dieser viel zu konfliktfreien Selbstfindung.

Die jüngste Tochter (La petite dernière, Frankreich/Deutschland 2025)

Regie: Hafsia Herzi

Drehbuch: Hafsia Herzi

LV: Fatima Daas: La petite dernière, 2020 (Die jüngste Tochter)

mit Nadia Melliti, Ji-Min Park, Amina Ben Mohamed, Melissa Guers, Rita Benmannana, Razzak Ridha, Louis Memmi, Waniss Chaouki

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Die jüngste Tochter“

Moviepilot über „Die jüngste Tochter“

AlloCiné über „Die jüngste Tochter“

Metacritic über „Die jüngste Tochter“

Rotten Tomatoes über „Die jüngste Tochter“

Wikipedia über „Die jüngste Tochter“ (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Anaconda“, das Reboot, das auch ein Making-of ist

Dezember 28, 2025

1997 kam ein B-Picture mit einer erstaunlich hochkarätigen Besetzung – Jennifer Lopez, Ice Cube, Jon Voight, Eric Stoltz, Jonathan Hyde, Owen Wilson und Danny Trejo – in die Kinos. Luis Llosas knapp neunzigminütiger Monsterheuler „Anaconda“ war sicher kein Meisterwerk. Aber ich habe ihn in Erinnerung als kurzweiligen Film, der sich nicht besonders ernst nahm – eine riesige Schlange fällt im Amazonasgebiet Menschen und Boote an -, und auf postmoderne Ironie und Metaebenen verzichtete.

Der für sechs Razzies nominierte hübsch altmodische Monsterfilm war ein Erfolg an der Kasse. Seitdem wurde er zu einem Kultfilm.

Zu seinen Fans gehören Doug McCallister (Jack Black) und Ronald ‚Griff‘ Griffen Jr. (Paul Rudd), die in Buffalo, New York, als Kinder den Film öfter in ihrem Kinozimmer ansahen und damals auch eigene No-Budget-Monsterfilme drehten.

Inzwischen arbeitet Doug als Regisseur für Hochzeitvideos und Griff übernimt in Hollywood als Schauspieler Mini-Rollen.

Jetzt wollen sie ihren Jugendtraum erfüllen. Griff hat die Rechte an dem „Anaconda“-Franchise erworben. Sie kratzen etwas Geld zusammen, involvieren ihre Jugendfreunde Claire Simons (Thandiwe Newton) und Kenny Trent (Steve Zahn) in das Abenteuer und machen sich auf den Weg nach Südamerika. Im Amazonasgebiet wollen sie an den Drehorten des Originals ihr Remake von „Anaconda“ drehen.

Im Dschungel geraten sie schnell zwischen die Fronten skrupelloser Glücksritter, die etwas mit der Suche nach Gold zu tun haben, – und sie begegnen einer Riesen-Anaconda, die sie fressen möchte.

Anaconda“ (2025) ist ein bestenfalls durchwachsener Mix aus Monsterfilm und Komödie mit den obligatorischen Cameos (die ich jetzt nicht verraten werde). Thematisch ist Tom Gormicans Film eine Liebeserklärung an das Filme machen und die Träume der Jugend. Für die vier Jugendfreunde ist dieser Filmdreh die letzte Gelegenheit, noch einmal diese Träume nachzuerleben.

Aber für einen Horrorfilm über eine Riesenschlange gibt es einfach zu wenig Anaconda-Horror. Für eine Komödie über Hollywood und das Filme machen bleiben alle Gags und Anspielungen zu sehr an der Oberfläche. Da ist beispielsweise Ben Stillers „Tropic Thunder“ (2008), ebenfalls mit Jack Black, ungleich gelungener.

Das gesagt kann „Anaconda“ (2025) mit dem richtigen Publikum im richtigen Kino und wahrscheinlich der richtigen Menge Alkohol durchaus eine spaßige Angelegenheit werden.

Im Videokeller wird man sich in einigen Wochen wahrscheinlich lieber eine abgenudelte VHS-Kopie von „Anaconda“ (1997) in den Recorder schieben, als noch einmal „Anaconda“ (2025) anzusehen.

Oder man legt eine DVD/Blu-ray von Tom Gormicans vorheriger Actionkomödie „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022) mit Nicolas Cage als Nicolas Cage, ein.

Anaconda (Anaconda, USA 2025)

Regie: Tom Gormican

Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten

mit Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Thandiwe Newton, Daniela Melchior, Selton Mello

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Anaconda“ (2025)

Metacritic über „Anaconda“ (2025)

Rotten Tomatoes über „Anaconda“ (2025)

Wikipedia über „Anaconda“ (2025) (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Gormicans „Massive Talent“ (The Unbearable Weight of Massive Talent, USA 2022)


24. Dezember

Dezember 24, 2025