Die Purge ist im „The Purge“-Franchise diese US-amerikanische Tradition, in der während einer Nacht alle Verbrechen, auch Mord, ohne eine Strafe begangen werden können. Und wie jede Tradition hat sie einen Anfang. „The First Purge“ schildert diese erste Purge-Nacht und wie die Organisatoren, die New Founding Fathers of America (NFFA), kräftig nachhelfen, weil in dem Testgebiet Staten Island die Schwarzen sich nicht gegenseitig umbringen, sondern einfach nur feiern wollen.
So macht ein Prequel Sinn. Einerseits werden die Stärken der „Purge“-Reihe bewahrt (knallige politische Statements, Gewalt und ein ordentlicher B-Movie-Vibe), andererseits wird etwas erzählt, was bis dahin nicht bekannt war, aber interessant ist und die in den Filmen präsentierte Welt mit Black Power erweitert.
Die Idee ist sicher etwas gaga, aber sie funktiniert: Comickünstler werden gebeten, Bildergeschichten zu Songs zu schreiben. Nach dem Konzept sind im Ventil Verlag bereits mehrere Bücher erschienen, unter anderem „Keine Macht für Niemand – Ein Ton Stiene Scherben Songcomic“ und „Sie wollen uns erzählen – Zehn Tocotronic-Songcomics“.
Ton Steine Scherben lieferte in den siebziger Jahren, vor allem mit ihren ersten LPs den Soundtrack zur Revolte. Einige ihrer Songs erklingen immer noch auf Demonstrationen und Kundgebungen. Dank ihrer ziemlich frühen Auflösung und dem Tod von ihrem Sänger und Hauptsongschreiber Rio Reiser 1996 verharren sie immer noch im Gestus jugendlicher Revolte. Ein „Ich will nicht werden was mein Alter ist“ ist immer noch ein Solitär. Die Weitererzählung „Ich bin was mein Alter ist“ wurde nie geschrieben.
Zwanzig Jahre später lieferte Tocotronic mit jugendlicher Larmoyanz, Schrammelgitarren und bildungsbürgerlichem Hintergrund den Soundtrack für die damalige Jugend. „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“ und „Digital ist besser“ (auch wenn damals keine Smartphones gemeint waren) ertönten in jeder Indie-Disco. Fast dreißig Jahre nach ihrer 1995 erschienenen Debüt-CD machen sie als Band immer noch gute Musik.
In „Keine Macht für niemand“ haben die Kathrin Klinger, Nicolas Mahler, Bianca Schaalburg, Sheree Domingo/Rahel Suesskind, Reinhard Kleist, Mia Oberländer, Sascha Hommer, Daniela Heller, Jan Soeken, 18 Metzger, Ulli Lust und Michael Jordan die zweite LP von Ton Steine Scherben illustriert. Es handelt sich um „Wir müssen hier raus“, „Feierabend“, „Die letzte Schlacht gewinnen wir“, „Paul Panzer Blues“, „Menschenjäger“, „Allein machen sie dich ein“, „Schritt für Schritt ins Paradies“, „Der Traum ist aus“, „Mensch Maier“, „Rauch-Haus-Song“, „Keine Macht für Niemand“ und „Komm, schlaf bei mir“.
Bei dem Tocotronic-Songcomic dürften Jim Avignon, Sascha Hommer, Tine Fetz, Katja Klengel/Christopher Tauber, Eva Feuchter, Anna Haifisch, Julia Bernhard, Moni Port, Jan Schmelcher und Philip Waechter aus dem gesamten Werk der Band ihren Lieblingssong auswählen. Illustriert wurden „Digital ist besser“ (aus „Digital ist besser“, 1995), „Drüben auf dem Hügel“ (aus „Digital ist besser“, 1995), „Der schönste Tag in meinem Leben“ (aus „Es ist egal, aber“, 1997), „Let there be Rock“ (aus „K. O. O. K.“, 1999), „Aber hier leben, nein Danke“ (aus „Pure Vernunft darf niemals siegen“, 2005), „Kapitulation“ (aus „Kapitulation“, 2007), „Warte auf mich auf dem Grund des Swimmingpools“ (aus „Wie wir Leben wollen“, 2013), „Die Erwachsenen“ (aus „Tocotronic“, 2015), „Rebel Boy“ (aus „Tocotronic“, 2015) und „Electric Guitar“ (aus „Die Unendlichkeit“, 2018), Als Zugabe und ohne einen Song zeichnet Tocotronic-Schlagzeuger Arne Zank biographisch „Tocotronic spielen sich selber“.
Beide Bücher sind gleich aufgebaut. Es gibt vor jedem Song eine kurzen Text eines Bandmitglieds (bei Ton Steine Scherben Nikel Pallat, Jörg Schlotterer, Rio Reiser, Kai Sichtermann, Angie Olbrich, Bernhard Ka und R. P. S. Lanrue, bei Tocotronic Dirk von Lowtzow) und des Zeichner. Während die Musiker etwas über die Entstehung des Liedes erzählen, erzählen die Zeichner, welche Bedeutung der ausgewählte Song für ihn hat und warum er ihn ausgewählt hat. Die verschiedenen Songcomics sind dann so vielfältig interpretiert zwischen reiner Illustration des Textes bis hin zu freier Bearbeitung, wie man es bei den Künstlern erwarten kann.
Sicher, die Comics richten sich primär an Fans der Band, die sich an der Interpretation erfreuen können, die danach die Songs wieder hören wollen und davor die Doppel-LP (bei Ton Steine Scherben) oder die CD (bei Tototronic) entstauben müssen. Danach können sie jede Zeile mitsingen und sich durch die Songcomic-Bücher blättern.
Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Keine Macht für Niemand – Ein Ton Steine Scherben Songcomic
Ventil Verlag, 2022
128 Seiten
25 Euro
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Michael Büsselberg (Hrsg.): Sie wollen uns erzählen – Zehn Tocotronic-Songcomics
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931)
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die brandneue 55-minütige Doku „Peter Lorre – Hinter der Maske des Bösen“.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Während ARD und ZDF schon wegschalten zu Leichtathletik und Inga Lindström (die Privaten habe erst gar nicht eingeschaltet), bietet Arte mit über drei Stunden einen wirklich langen und hoffentlich informativen Wahlabend. Angekündigt ist die erwartbare Mischung aus Wahlergebnissen und Statements von EP-Abgeordneten, Korrespondeten und Experten aus und über die Europäische Union.
Während in Berlin wegen der EM-Vorbereitung schon jetzt der halbe Tiergarten abgesperrt ist, trudelt die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur ein. Empfohlen werden:
1 (1) Lavie Tidhar: Maror
Aus dem Englischen von Conny Lösch
Suhrkamp, 639 Seiten, 22 Euro
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2 (–) Megan Abbott: Wage es nur!
Aus dem Englischen von Karen Gerwig
Pulp Master, 342 Seiten, 16 Euro
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3 (–) Fred Vargas: Jenseits des Grabes
Aus dem Französischen von Claudia Marquardt
Limes, 526 Seiten, 26 Euro
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4 (–) Christoffer Carlsson: Wenn die Nacht endet
Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
Kindler, 461 Seiten, 24 Euro
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5 (–) Don Winslow: City in Ruins
Aus dem Englischen von Conny Lösch
HarperCollins, 447 Seiten, 24 Euro
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6 (3) Friedrich Ani: Lichtjahre im Dunkel
Suhrkamp, 447 Seiten, 25 Euro
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7 (–) Gary Phillips: One-Shot Harry
Aus dem Englischen von Karen Gerwig
Polar, 292 Seiten, 26 Euro
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8 (4) Mathijs Deen: Der Retter
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
Mare, 378 Seiten, 23 Euro
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9 (–) Susanne Tägder: Das Schweigen des Wassers
Tropen, 336 Seiten, 17 Euro
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10 (–) Mike Nicol: Hitman
Aus dem Englischen von Meredith Barth
btb, 478 Seiten, 14 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Der kürzeste Krimi ist knapp 300 Seiten. Der längste hat über 600 Seiten, was früher die Länge für ein Epos war. Die durchschnittliche Länge beträgt, wenn ich jetzt richtig gerechnet habe, 435 Seiten. Das ist in jedem Fall deutlich über den früheren ‚irgendetwas zwischen 128 und 256 Seiten‘ und mehr als eine Abendlektüre. Ein ruhiges Wochenende sollte es schon sein.
Der große Crash – Margin Call (Margin Call, USA 2011)
Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Wie war das nochmal mit der Finanzkrise? Nun, ungefähr so, wie J. C. Chandor es in seinem abgefeiertem Spielfilmdebüt erklärt.
Der Analyst einer Investmentbank versichert seinen Vorgesetzten glaubhaft, dass ein großer Finanzcrash unmittelbar bevorsteht. Diese fragen sich jetzt, welche finanziellen Interessen Vorrang haben.
Gelungene Kapitalismusaufklärung mit einem Fünf-Sterne-Ensemble.
mit Kevin Spacey, Paul Bettany, Jeremy Irons, Zachary Quinto, Penn Badgley, Simon Baker, Mary McDonnell, Demi Moore, Stanley Tucci
1755 geht der ehemalige, jetzt arbeitssuchende Hauptmann Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen, grandios) mit dem König von Dänemark, bzw. genaugenommen seinem für ihn sprechendem Beraterstab, einen Deal ein: wenn es ihm gelingt, die jütländische Heide urbar zu machen, erhält er einen Adelstitel und die damit verbundenen Privilegien. Für Kahlen, den Bastardsohn eines Adligen, wäre das ein Lebenstraum und eine ungeahnte gesellschaftliche Anerkennung.
Die Heide war damals ein ungastliches und menschenleeres Gebiet mit hartem Boden, Wölfen und Wegelagerern. Kahlen beginnt – unter großen Schwierigkeiten – mit der Arbeit. Der schweigsame Einzelgänger hofft mit dem Anbau von Kartoffeln, die damals in Mittel- und Nordeuropa noch ziemlich unbekannt waren, das Land urbar zu machen. Mit der Zeit scharrt er einige Getreue um sich. Es sind gesellschaftliche Außenseiter und teils von ihren Gutsherren verfolgte Menschen, wie die Hausmagd Ann Barbara (Amanda Collin).
Als Kahlen mit seinen Methoden und seinem Ehrgeiz erste Erfolge hat, wird der Gutsbesitzer Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg) zu seinem Todfeind. Der erhebt ebenfalls Anspruch auf das Land. Er ist, neben der Natur, der zweite Bösewicht der Geschichte. Er kann, wie der König, in seinem Herrschaftsbereich nach Gutdünken über Leben und Tod entscheiden.
„King’s Land“ von Nikolaj Arcel ist ein europäischer Quasi-Western und der europäische Gegenentwurf zu Paul Thomas Andersons „There will be Blood“. Was dem einen sein Öl ist, ist dem anderen seine Kartoffel. Beide Hauptfiguren gehen für ihre Ambitionen über Leichen. Sie opfern jede Beziehung ihrem selbstgestecktem Ziel vom Reichtum und dem damit verbundenem bzw. erhofftem gesellschaftlichem Aufstieg.
Diese Geschichte über Ambitionen und wie sie mit der Wirklichkeit in Konflikt geraten erzählt Arcel mit Bildern für die Kinoleinwand. Es sind Bilder einer unwirtlichen Gegend mit wenigen Menschen, die in Bretterbuden leben. Es sind Bilder, die eher an eine Westernlandschaft und nie an eine mitteleuropäische Kulturlandschaft erinnern.
Dabei geht es Nikolaj Arcel, wie er in einem Statement ausführt, nicht primär um den historischen Stoff: „Als ich vor ein paar Jahren Vater wurde, machte ich eine völlig neue Erfahrung. Ich begann meine früheren Filme (…) durch eine neue Linse zu betrachten. (…)sie spiegelt die Sichtweise eines Mannes wieder, der nur ein einziges Ziel verfolgt (…) aber nicht viel mehr. ‚King’s Land‘ ist aus dieser existenziellen Reflexion entstanden und mein bisher persönlichster Film. Mit Hilfe des brillanten Romans von Ida Jessen wollten Anders Thomas Jensen und ich eine große, epische Geschichte darüber erzählen, wie unsere Ambitionen und Wünsche unweigerlich scheitern, wenn sie alles sind, was wir haben.“
Davon erzählt er, sehr gelungen, in seinem neuesten Film. Das historische Drama wurde mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichnet und war in der Vorauswahl für den diesjährigen Oscar als bester internationaler Film.
P. S. 1: Nikolaj Arcel ist vor allem als Nordic-Noir-Drehbuchautor bekannt. Er schrieb die Bücher für die Stieg-Larsson-Verfilmung „Verblendung“ und für die Jussi-Adler-Olson-Verfilmungen „Erbarmen“, „Schändung“, „Erlösung“ und „Verachtung“. Und, ohne eine Romanvorlage, für „Helden der Wahrscheinlichkeit“. Anders Thomas Jensen verfilmte es.
P. S. 2: Irgendjemand sollte sich mal Gedanken darüber machen, wie die unterschiedlichen Titel die Erwartungen an den Film und die Rezeption des Films verändern. Die Romanvorlage heißt „Kaptajnen og Ann Barbara“ (Hauptmann Kahlen und Ann Barbara), der Originaltitel ist „Bastarden“ (womit Ludvig Kahlen gemeint ist), der internationale Titel ist „The Promised Land“ (das versprochene Land) und der deutsche Titel ist „King’s Land“ (das Land des Königs). Keiner dieser Titel ist falsch. Ich halte sie sogar alle für zutreffende, mögliche und auch gute Titel. Aber sie betonen unterschiedliche Dinge in der Geschichte.
LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)
Nachdem seine Frau und Tochter in ihrem New Yorker Apartment überfallen und vergewaltigt werden und seine Frau von den Verbrechern ermordet wird, sieht der friedliebende, linksliberale Paul Kersey (Charles Bronson) rot.
Selbstjustiz-Klassiker, der das schlechte Vorbild für unzählige weitere Vigilantenfilme war. Das gilt auch für die direkten „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzungen.
Michael Winner inszenierte die krude Geschichte kraftvoll, ohne große Subtilitäten mit eindeutiger Botschaft. Trotzdem ist sein Film immer wieder ambivalenter als das Publikum den Kassenhit damals sah.
Brian Garfield, der Autor der Vorlage, ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, schrieb er die „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 von James Wan als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt Garfield, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.
Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence of subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isn’t a solution, it’s a problem.“
Hauptdarsteller Charles Bronson äußerte sich in Interviews über den Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre, als die Millionenstadt in einem Sumpf von Gewalt und Verbrechen versank.
„They see you“, das ist der deutsche Titel, der englische Titel ist „The Watchers“, ist das Spielfilmdebüt von Ishana Night Shyamalan und sie ist die Tochter von „Sixth Sense“ M. Night Shyamalan. Er ist einer der Produzenten des Horrorfilms. Über die Qualität des Films sagt das erst einmal nichts aus, aber natürlich weckt dieses Wissen Erwartungen, die der Film teilweise einlöst. Denn der auf dem nicht ins Deutsche übersetzten Gothic-Horrorroman „The Watchers“ von A. M. Shine basierende Film ist ein Horrorfilm mit einer Prämisse, die sofort zum Nachdenken, Assoziieren und Rätselraten über die Lösung einlädt.
Als die Mittzwanzigern Mina einen Vogel von einer Zoohandlung in Galway zu einem Kunden bringen soll, verfährt sie sich auf ihrer Fahrt durch Irland aus nie geklärten Gründen. In einem riesigen Waldgebiet versagt der Motor ihres Autos. Sie steigt aus und verliert die Orientierung. Als es dunkel wird, kann sie vor irgendwelchen gefährlichen im Wald lebenden Wesen in einen brutalistischen Betonbunker flüchten. Dort trifft sie auf drei Menschen: eine ältere Frau, die weiß, welche Regeln man im Umgang mit den Wesen befolgen muss, einen jüngeren Mann und eine jüngere Frau, über die wir eigentlich nichts erfahren. Nachts müssen sie in dem Haus bleiben und auf eine riesige verspiegelte Fensterscheibe starren. Auf der anderen Seite sind die Wesen, die sie beobachten.
Ob es diese Wesen wirklich gibt, ist unklar. Was sie wollen, ist unklar. Und ob sie wirklich eine Bedrohung sind, ist ebenso unklar. Aber sie halten die vier Menschen in dem Wald gefangen.
Diese Prämisse und die Atmosphäre haben durchaus einen Shyamalan-Touch. Aber wenn in der zweiten Hälfte des Films langsam die Fragen beantwortet werden, wird „They see you“ zu einem in jeder Beziehung generischen und mutlosen 08/15-Horrorfilm. Alle sich aus der Prämisse ergebenden Möglichkeiten werden zuverlässig zugunsten des kleinsten möglichen Geisterhorror-Nenners ignoriert. Mehr kann über die Lösung nicht verraten werden. Denn jedes weitere Wort wäre ein massiver Spoiler .
They see you (The Watchers, USA 2024)
Regie: Ishana Night Shyamalan
Drehbuch: Ishana Night Shyamalan
LV: A. M. Shine: The Watchers, 2021
mit Dakota Fanning, Georgina Campbell, Oliver Finnegan, Olwen Fouéré
Wer oder was ist Palantir? Und wer ist Alex Karp? Im Gegensatz zu anderen Milliardären, die irgendetwas mit Computern und dem Internet zu tun haben, wie Bill Gates, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg, ist Alex Karp unbekannt. Auch seine Firma Palantir und deren Produkt Palantir Gotham ist außerhalb der Datenschutz-Szene unbekannt.
Da kann ein gut gemachter Dokumentarfilm die notwendige Aufklärungsarbeit leisten. Die Idee, den Dokumentarfilmer erfolglos sein Objekt der Begierde verfolgen zu lassen, ist durchaus tragfähig für einen Film. Und dass Klaus Stern für seinen Dokumentarfilm „Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp“ auch auf 1997 von seinem Kameramann Thomas Giefer gemachte Aufnahmen von Alex Karp für einen Dokumentarfilm über den jüdischen Schriftsteller Richard Plant zurückgreifen kann ist ein Gewinn. Hier wird Karp als junger Bohemien, als eine sympathische Kreuzung aus einer Jim-Jarmusch-Figur, ‚Stadtneurotiker‘ Woody Allen und Groucho Marx gezeigt, der durch New York streift und sich Zigarren anzündet. Stern befragt auch die Menschen, die ihn in den Neunzigern und frühen nuller Jahren kannten. Damals war er als Philosophie-Doktorand in Frankfurt am Main an der Universität und arbeitete im Sigmund-Freud-Institut. Für die Geschichte von Palantir ist das zwar nicht wichtig, aber durchaus interessant als Einblick in Karps Zeit vor der Unternehmensgründung. Damals ahnte niemand, dass dieser etwas seltsame Sohn eines jüdischen Medizin-Professors und einer afro-amerikanischen Künstlerin, der seine Kindheit auf Friedensdemos verbrachte und sich als Neomarxist bezeichnete, der CEO eines global tätigen Software-Unternehmens werden würde, das mit dem Militär und Sicherheitsdiensten eng zusammen arbeitet.
Später, wenn Stern versucht, ihn in Davos zu einem Interview zu überreden und er neuere Aufnahmen von Karp präsentiert, erinnert er noch mehr Groucho Marx. Über sein Denken, auch die Widersprüche in seinem Denken, und seine Vision erfährt man dagegen nichts substantielles. Das Gleiche gilt für die von ihm gegründete Firma Palantir, die „größte kommerzielle Überwachungsfirma der Welt“ (Presseheft), und warum seine Software so umstritten ist. Die Bedenken der Datenschützer werden in zwei kurzen Statements angesprochen. Wie die Software funktioniert und was die Probleme dabei sind, überhaupt nicht.
Gerade das und die damit verbundene Bedrohung einer freien Gesellschaft müsste in einer Doku nicht nur kurz angesprochen, sondern vertieft werden.
Doch hier kratzt die in jahrelanger Arbeit entstandene Doku noch nicht einmal an der Oberfläche. Von der Filmidee bis zur Premiere vergingen sieben Jahre.
Nach etwas über neunzig Minuten bleibt nur das Bild von einem etwas schrullig wirkendem, netten Firmengründer, der irgendetwas mit Daten macht.
There will be Blood (There will be Blood, USA 2007)
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
LV: Upton Sinclair: Oil!, 1927 (Öl!)
Porträt von Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), einem kapitalistisch-egoistischem, Menschen verachtenden und rein instrumentell behandelnden Ölsucher, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Kalifornien ein Vermögen macht. Sein Gegenspieler ist der ebenso ehrgeizige evangelikale Prediger Eli Sunday (Paul Dano). Mit großen Showveranstaltungen sammelt er Gläubige um sich. Und mit Plainview kooperiert er, um seine Gemeinde (und damit sich selbst) zu mästen.
Bildgewaltiges Drama, das in jeder Sekunde auf maximale Überwältigung zielt. Und vom Wesen der amerikanischen Kultur erzählt.
Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J. O’Connor, Ciarán Hinds, Dillon Freasier, Elizabeth Barrett
Die kürzeste Kritik zum vierten „Bad Boys“-Film geht so: wenn dir der vorherige Film gefiel, wird dir auch „Bad Boys: Ride or Die“ gefallen.
Und das waren vor vier Jahren, während der Coronavirus-Pandemie, ziemlich viele Menschen. In Deutschland war er mit 1,8 Millionen Zuschauern der erfolgreichste Film des Jahres. In den USA sah es genauso aus. Weltweit war die Actionkomödie mit einem Umsatz von 426,5 Millionen US-Dollar, hinter drei asiatischen Filmen (es war ein ungewöhnliches Jahr), der vierterfolgreichste Film des Jahres. Und es war der an der Kinokasse und bei der Kritik der erfolgreichste „Bad Boys“-Film. Das Publikum liebte sie durchgehend.
Da war eine Fortsetzung unvermeidlich und dieses Mal ging es auch schneller als zwischen dem zweiten und dritten Filmabenteuer mit den in Miami ermittelnden Drogenfahndern Mike Lowrey (Will Smith) und Miles Burnett (Martin Lawrence). Sie sind Schwarz, haben ein loses Mundwerk und sind seit über dreißig Jahren Partner. Der eine ist ein glücklicher Familienvater. Der andere ein überzeugter Single. Jedenfalls bis jetzt. Denn Lowrey heiratet am Filmanfang.
In ihrem vierten Leinwandeinsatz wird ihr ehemaliger, in „Bad Boys for Life“ erschossener Vorgesetzter Captain Howard (dieses Mal als Geist dabei) verdächtigt, für die Kartelle gearbeitet zu haben. Die titelgebenden „Bad Boys“ Lowrey und Burnett glauben es nicht. Sie wollen seine Unschuld beweisen und geraten dabei in Teufels Küche. Denn die wahren Täter und Hintermänner, die gestandene Krimigucker ohne große Mühe schnell enttarnen, wehren sich mit allen Mitteln. Sie scheinen über jeden Schritt der beiden Drogenfahnder informiert zu sein.
Erzählt wird das in der bewährten Buddy-Cop-Mischung aus Humor, dummen Sprüchen und exzessiver Gewalt. Die Zerstörungsorgie wird, auch das ist keine Neuigkeit, in hektischen Schnitten erzählt. Es ist fast nie möglich, die Action zu verfolgen. Und wenn dann einmal in einer Actionszene länger nicht geschnitten wird, bewegt die Kamera sich so hektisch, dass auch dann das Geschehen kaum verfolgt werden kann. Dass das anders geht, haben in den letzten Jahren vor allem die „John Wick“-Filme gezeigt. Auch ein Blick auf die „James Bond“- oder „Mission: Impossible“-Filme zeigt, dass Action anders inszeniert werden kann.
Oder auf den ersten „Bad Boys“-Film. Den hat Michael Bay zwar auch schon hektisch im Sekundentakt geschnitten.
Aber ihm gelangen in seinem Spielfilmdebüt einige ikonische Bilder und im Gedächtnis bleibende Actionszenen. Das kann von Adil & Bilalls zweitem „Bad Boys“-Film nicht gesagt werden. Bei ihnen verschwimmt alles in einem monotonem Schnittgewitter. Das ist keine überkandidelte Rocksinfonie, sondern der Rhythmus-Track für ein Hip-Hop-Stück, bei dem die anderen Instrumente und der Gesang fehlen.
Der Humor besteht vor allem aus den endlosen, redundanten Streitereien zwischen Lowrey und Burnett. Sie zanken sich wie ein altes Ehepaar auf Autopilot. Und Burnett wird hier zum absoluten Trottel degradiert.
Die Story ist, wie erwartbar, nicht der Rede wert. Sie dient nur als Perlenschnur, an der Action und Witze aneinandergereiht werden.
In „Bad Boys: Ride or Die“ werden die bekannten Zutaten, mit vielen aus den vorherigen Filmen bekannten und einigen neuen, weitgehend vollkommen austauschbaren Figuren, einfach noch einmal präsentiert. Ohne nennenswerte Variationen und Engagement. Das ist mehr Autopilot als Innovation; – also ziemlich genau das, was ich erwartete und was die Fans der vorherigen, vor allem des vorherigen Films wollen.
Bad Boys: Ride or Die(Bad Boys: Ride or Die, USA 2024)
Regie: Adil & Bilall (aka Adil El Arbi und Bilall Fallah)
Drehbuch: Chris Bremner, Will Beall (basierend auf von George Gallo erfundenen Figuren)
mit Will Smith, Martin Lawrence, Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig, Paola Núñez, Eric Dane, Ioan Gruffudd, Jacob Scipio, Melanie Liburd, Tasha Smith, Tiffany Haddish, Joe Pantoliano, John Salley, DJ Khaled, Rhea Seehorn, Dennis McDonald, Michael Bay (Cameo)
„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.
Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.
Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.
Aufgrund der Uhrzeit könnte eine gekürzte Fassung des FSK-16-Films gezeigt werden.
Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi
Wissenswertes über Erlangen: dort wird jedes Jahr beim Internationalen Comic-Salon in mehreren Kategorien der wichtigste deutsche Comicpreis, der Max-und-Moritz-Preis, vergeben.
Dieses Jahr gewann Tobias Aeschbacher mit „Der Letzte löscht das Licht“ den Preis für das beste deutschsprachige Comic-Debüt. Es handelt sich um eine Kriminalgeschichte in der Quentin-Tarantino-Tradition. Wir erinnern uns: Nach seinen beiden ersten Filmen „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“ und dem Drehbuch für „True Romance“ wollte jeder so wie Tarantino erzählen. Es kam zu einer Schwemme von Filmen und Büchern, die Gewalt mit coolen Sprüchen verbanden. Manchmal gut, meistens nicht gut.
Auch bei Aeschbacher sind die Verbrecher extrem redselig, der Respekt vor dem Leben und der körperlichen Unversehrtheit nicht vorhanden und eine Situation gerät schnell und mit grotesken Folgen außer Kontrolle. Es ist, als ob bei einem „Was ist das Schlimmste, das passieren kann?“-Spiel immer die schlimmste Option gezogen würde.
Eric, der Kopf eines Gangstertrios will unbedingt einen Koffer und eine Vase, die ihm gestohlen wurden, wieder haben. Geklaut wurde die Vase mit dem für Eric wertvollen Inhalt von einem jungen Pärchen, das mit Überfällen sein Einkommen bestreitet. Sie wohnen in einem heruntergekommenem Mietshaus. In ihm fällt, wie Aeschbacher in seinem Comic zeigt, regelmäßig der Strom aus und in jedem der sechs Apartment gibt es in der Geschichte mindestens eine Begegnung mit dem Tod. Die erste ist in dem Apartment, in dem das Gaunerpärchen wohnt. Weil sie die Vase, die Eric unbedingt wieder haben will, bereits an eine Nachbarin weitergegeben hat, und jemand von oben durch die Decke auf sie schießt, gibt es in dem Mietshaus den ersten Schusswechsel und die ersten Toten.
Danach besucht Eric die anderen Wohnungen und begegnet den Mietern. Diese sind unter anderem ein Auftragskiller und seine Katze, ein illegal Cannabis anbauendes Kifferpaar und ein älteres Ehepaar, das einen Doppel-Suizid begehen will. Normalerweise endet jeder Besuch, teils auf groteske Weise, mit Verletzungen und Toten.
Davor gibt es lange zwischen Pseudo-Coolness und bratzender Dummheit oszillierende Mono- und Dialoge. Im Gegensatz zu Aeschbachers Figuren erscheinen Tarantinos Figuren wie große Schweiger und tiefsinnige Denker. Dazwischen gibt es alle paar Seiten eruptiv ausbrechende tödliche Gewalt. Denn – die Geschichte spielt in der Schweiz – in fast jedem Schrank liegt eine Schusswaffe.
„Der Letzte löscht das Licht“ ist ein okayes Werk in der Tarantino-Tradition.
Der Panther wird gehetzt (Classe tous risques, Frankreich/Italien 1960)
Regie: Claude Sautet
Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin
LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)
Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.
Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)
Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)
LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1862 (Die Elenden)
Genaugenommen handelt es sich nicht um eine TV-Premiere, weil der fast dreistündige Film bereits schon mindestens einmal im deutschen Fernsehen lief (laut OFDb am 9. Oktober 1999 um 06.05 Uhr auf RTL II [kein Kommentar]). Aber er ist hier vollkommen unbekannt, obwohl Claude Lelouch („Ein Mann und eine Frau“) die Regie führte und das Drehbuch schrieb, Jean-Paul Belmondo die Hauptrolle spielt (und er dabei in drei Rollen brilliert), die Vorlage Victor Hugos „Les Misérables“, ein vielfach verfilmter Nationalklassiker, ist, der Film in Frankreich in der Startwoche auf dem ersten Platz stand, er von Kritikern gelobt wurde und den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film erhielt.
Bemerkenswert bei Lelouchs Adaption von Hugos Roman, der die Geschichte des ehemaligen Sträflings Jean Valjean erzählt, der nach seiner Haft in der Gesellschaft aufsteigt, aber immer Angst davor hat, dass jemand von seiner Haft erfährt, sind die Freiheiten, die Lelouch sich nimmt. Er verlegt die Geschichte in die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und er lässt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen spielen, unter anderem während der Nazi-Zeit.
mit Jean-Paul Belmondo, Michel Boujenah, Alessandra Martines, Salomé Lelouch, Annie Girardot, Philippe Léotard, Robert Hossein
auch ‚bekannt‘ als „Les Misérables“
Wiederholung: Sonntag, 9. Juni, 11.25 Uhr
Hinweise
Arte über den Film (nach der Ausstrahlung in der Mediathek neben anderen Filmen von Claude Lelouch)
Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.
Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.
mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas