Stillwater – Gegen jeden Verdacht(Stillwater, USA 2021)
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Thomas Bidegain, Noé Debre
Bill Baker (Matt Damon) ist ein in Stillwater, Oklahoma, lebender gläubiger Bohrarbeiter, Ex-Alkoholiker und Witwer. Seine Tochter Allison (Abigail Breslin) sitzt seit fünf Jahren in Marseille im Gefängnis. Sie soll ihre Mitbewohnerin ermordet haben. Bei seinen Besuchen in Marseille versucht er, ihre Unschuld zu beweisen.
TV-Premiere. Überzeugende Charakterstudie im Gewand eines Kriminalfilms, die zum Kinostart unglücklich und falsch als Film über den Fall Amanda Knox beworben wurde.
Nach einer Katastrophe, über die wir nichts genaues erfahren, ist die Welt wieder einmal in einen vorindustriellen Zustand zurückgefallen. Eine Gesellschaft oder auch nur nennenswerte Gemeinschaften scheint es nicht mehr zu geben.
In einer Sumpflandschaft lebt ein Vater mit seinen beiden Söhnen zurückgezogen in einer Hütte. An das Flußufer werden immer wieder Leichen von Menschen angespült. Sie sind so giftig, dass sie sofort wieder ins Wasser geworfen werden.
Zu ihrem Nachbarn Aringo beschränkt sich der Kontakt auf den Tauschhandel. Die anderen Nachbarn, die Hexe und die Grosskopf-Zwillinge, trifft man noch seltener. Und obwohl der Vater ein Tagebuch führt, bringt er seinen Kindern nicht lesen und schreiben bei.
Nach seinem Tod machen die beiden Brüder sich auf den Weg. Sie wollen jemand finden, der ihnen das Tagebuch ihres Vaters vorlesen kann
Der italienische Künstler Gipi (aka Gian Alfonso Pacinotti) lässt in seiner dystopischen Graphic Novel „Die Welt der Söhne“ eindeutig die Bilder sprechen. Geredet wird wenig. Erklärt noch weniger. Die Panels sind nur mit einem Stift gezeichnete SW-Skizzen, die sehr präzise und eindrücklich zeigen, wie wenig lebenswert diese Welt der Söhne ist.
Der Comic wurde 2021 von Claudio Cupellini verfilmt.
Während des Ersten Weltkriegs müssen zwei britische Soldaten einem anderen Bataillon eine wichtige Botschaft über die Pläne der deutschen Armee überbringen. Der Weg führt durchs Feindgebiet.
Atemberaubend als Quasi-One-Take inszenierter Kriegsfilm.
mit George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcy, Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Daniel Mays, Colin Firth, Nabhaan Rizwan, Jamie Parker, Adrian Scarborough
1901 schickt der chilenische Landbesitzer José Menéndez einen kleinen Trupp los. Offiziell sollen der britische Lieutenant MacLennan, der US-amerikanische Söldner Bill und das einheimische Halbblut Segundo in Feuerland sein ihm von der Regierung zugewiesenes Land und Transportwege sichern. In Wirklichkeit sollen sie die dort lebende indigene Bevölkerung beseitigen. Die Mission wird zu einer ziemlich blutigen Angelegenheit, die nichts von dem Pioniergeist klassischer Westerngeschichten hat. Es ist ein sich in seinem gesamten inhumanen Umfang langsam entfaltender Alptraum in einem menschenleeren Land.
Felipe Gálvez erzählt in seinem Debütfilm „Colonos“ von einem vergessenen Teil der Vergangenheit Chiles, nämlich der blutigen Kolonisierung Feuerlands, als eine Mischung aus wenig Fiktion und viel historischer Wahrheit. So gab es den Landbesitzer Menéndez, MacLennan und den im Zentrum des Films stehenden Völkermord an den in Feuerland lebenden Selk’nam.
Gálvez sagt über seinen Western, er sei keine „true reconstruction of history. Rather it is a reflection on how fiction, and especially cinema, can modify and distort it, and even rewrite it.“ Dabei setzt er einiges an historischem Wissen über die Geschichte Chiles voraus.
Er erzählt seinen düsteren Western in langen, statischen Einstellungen und in zwei großen Erzählblöcken. Im ersten, knapp siebzig Minuten langen Teil erzählt er die Geschichte von MacLennan, Bill und Segundo. In der letzten halben Stunde, die sieben Jahre später spielt, untersucht Vicuna, ein Gesandter des chilenischen Präsidenten, die damaligen Ereignisse. Er unterhält sich, getrennt und in deren Häusern, mit Menéndez und Segundo.
„Colonos“ ist ein sperriger Arthaus-Western (mit der Betonung auf Arthaus) für ein begrenztes Publikum.
„Bob Marley: One Love“ gehört zu den Biopics, die nicht das gesamte Leben eines Menschen von der Wiege bis zur Bahre schildern, sondern die sich auf einen kurzen entscheidenden Abschnitt im Leben des Porträtierten konzentrieren. „Selma“ war so ein Biopic.
Reinaldo Marcus Green, der zuletzt das Biopic „King Richard“ (über Richard Williams und seine Töchter Venus und Serena Williams) inszenierte, beginnt sein Bob-Marley-Biopic Ende 1976. Jamaika versinkt im nachkolonialen Bürgerkriegschaos. Bob Marley, schon damals ein Star, möchte mit einem Friedenskonzert zur Versöhnung aufrufen. Politisch ist das selbstverständlich unglaublich naiv. Aber Bob Marley ist ein Künstler und ein gläubiger Rastafari. Am 3. Dezember 1976, zwei Tage vor dem Smile Jamaica Concert, wird in seinem Haus in Kingston ein Anschlag auf ihn verübt. Neben ihm werden seine Frau Rita, sein Manager Don Taylor und der Band-Assistent Louis Griffiths teils schwer verletzt. Wie durch ein Wunder überleben alle.
Nach dem Konzert verlässt Bob Marley die Insel. Der Druck ist zu groß. Seine Frau Rita und seine Kinder schickt er in die USA zu Verwandten (und ziemlich vollständig aus der Filmgeschichte). Er selbst fliegt mit seiner Band, den Wailers, nach London. Dort nimmt er seine nächste Platte auf. „Exodus“ wird am 3. Juni 1977 veröffentlicht und ein riesiger Erfolg. Bob Marley wird noch populärer.
Er tourt durch die Welt. Sein Wunsch, auch in Afrika zu spielen, verwirklicht sich in dem Moment noch nicht.
Am 22. April 1978 kehrt er zu einem weiteren Friedenskonzert, dem One Love Peace Concert, nach Jamaika zurück.
Diese beiden Konzerte bilden in Greens Film die erzählerische Klammer.
Dazwischen gibt es viele Episoden und Musik, aber es wird nie klar, was Green an genau diesem Teil aus Bob Marleys Leben interessiert. Alle damit zusammenhängenden potentiell interessanten Fragen werden vermieden. Es gibt auch keine Perspektive auf Marleys Leben, die das präsentierte Material irgendwie ordnen würde. Entsprechend ziellos plätschert das Biopic zwischen Episoden aus Marleys Familienleben, Proben und Abhängen mit seiner Band, Auftritten und Gesprächen mit Vertrauten und zusammenhanglos eingestreuten Rückblenden vor sich hin.
Dabei hätten diese anderthalb Jahre das Potential gehabt, eine interessante Geschichte zu erzählen. Green hätte erzählen können, wie es ist, wenn man aus seiner Heimat flüchten muss und wieder zurückkehren und Frieden stiften möchte. Oder wie es ist, wenn man plötzlich von einem weltweit bekannten Star, der schon damals in Jamaika gottgleich verehrt wurde, zu einem Superstar wird und man so zu einer einflussreichen Stimme wird. Oder wenn man von Freunden ausgenutzt und Vertrauen missbraucht wird. Oder wie ein Künstler, der in London auf Punk-Musiker trifft, sich mit seinem neuen Werk neu erfinden möchte. Oder über seine Beziehung zu seiner Frau. Das alles wird in „Bob Marley: One Love“ kurz angesprochen, aber nie konsequent vertieft.
Stattdessen rückt mit zunehmender Filmzeit die Rastafari-Religion immer mehr in den Mittelpunkt. Allerdings auf einem so plakativen und nervigem Niveau, das wir sonst nur aus unerträglichen christlichen Faith-based-Movies kennen.
Am Ende ist „Bob Marley: One Love“ nur, mit einigen Auslassungen, die Verfilmung einiger Zeilen aus dem Wikipedia-Artikel über Bob Marley. Garniert wird die Bilderbuch-Zusammenstellung nicht zusammenhängender Ereignisse mit vielen Bob-Marley-Songs, die im Film von Bob Marley gesungen werden.
Bob Marley: One Love(Bob Marley: One Love, USA 2024)
Regie: Reinaldo Marcus Green
Drehbuch: Terence Winter, Frank E. Flowers, Zach Baylin, Reinaldo Marcus Green (nach einer Geschichte von Terence Winter und Frank E. Flowers)
mit Kingsley Ben-Adir, Lashana Lynch, James Norton, Tosin Cole, Umi Myers, Anthony Welsh, Nia Ashi, Aston Barrett Jr., Anna-Sharé Blake, Gawaine „J-Summa” Campbell, Naomi Cowan, Alexx A-Game, Michael Gandolfini, Quan-Dajai Henriques, Hector Roots Lewis, Abijah „Naki Wailer” Livingston, Nadine Marshall, Sheldon Shepherd, Andrae Simpson, Stefan A.D Wade
Am Freitag, den 16. Februar, zeigt Arte um 21.45 Uhr die Doku „Marley“ (USA/Großbritannien 2012) und danach um 00.05 Uhr „Bob Marley: Uprising Live!“ (Deutschland 1980). Das Konzert wurde am 13. Juni 1980 in der Dortmunder Westfalenhalle für den „Rockpalast“ aufgenommen.
Wahrscheinlich die bessere Wahl, die auch danach einige Tage in der Mediathek (Folge den Links) verfügbar ist.
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Bob Marley live 1977 in London im Rainbow Theatre.
Bob Marley live 1980 in der Dortmunder Westfalenhalle
TV-Premiere. Für den Homosexuellen Hans Hoffmann ist 1945 die Befreiung aus dem KZ nicht der Tag der Befreiung, sondern der Weg ins nächste Gefängnis. In den kommenden 25 Jahren verbringt Hans, weil er seine Homosexualität im einvernehmlichen Sex mit anderen Männern ausleben will, mit Unterbrechungen, einen großen Teil seines Lebens im Gefängnis. Dabei entwickelt sich im Gefängnis eine Freundschaft mit dem lebenslänglich verurteiltem Mörder Viktor, der zuerst nichts mit dem 175er zu tun haben will.
Der Strafgesetzparagraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, wurde in Westdeutschland 1969 entschärft und 1994 gestrichen.
Sehenswertes, top gespieltes kammerspielartiges Drama mit kleinen Schwächen.
Schon auf dem Buchcover steht „James Bond ist verschwunden“ – und beim Lesen; doch dazu später mehr. Also: James Bond ist bei seiner letzten Mission vor 17 Monaten spurlos verschwunden. Möglicherweise ist er sogar im Einsatz verstorben. Seine Kollegen vom MI6, die bislang in den James-Bond-Romanen nur dazu da waren, um vor dem Beginn des Romans von dem Bösewicht getötet zu werden, rücken in Kim Sherwoods „James Bond“-Roman „Doppelt oder nichts“ in den Mittelpunkt. Das „James Bond“ habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil ihr Roman, der auch der Auftakt einer Trilogie ist, zwar in der Welt von James Bond spielt, aber James Bond im ersten Roman überhaupt nicht auftritt. Er wird auch nicht als James-Bond-Roman, sondern etwas nebulös als Double-0-Roman beworben. In „Doppelt oder nichts“ müssen 003 (Johanna Harwood), 004 (Joseph Dryden) und 009 (Sid Bashir) die Welt retten und dabei herausfinden, was mit dem von ihnen bewunderten 007 geschehen ist.
Drei 00-Agenten eröffnen erzählerische Möglichkeiten, die in den traditionellen 007-Romanen nicht vorhanden sind. Dort und in den Filmen geht es immer um einen Agenten, der in einer lebensgefährlichen Mission gegen einen Bösewicht kämpfen und die Welt retten muss. Bond ist dabei ein das gute Leben genießender, allein lebender Weltreisender. Bei den von Sherwood erfundenen 00-Agenten ist das anders. Sie sind jünger, haben verschiedene Geschlechter, sind ineinander verliebt und müssen mit sehr alltäglichen Problemen kämpfen. Mit diesem Kniff können in der James-Bond-Welt auch Fragen von Race und Gender aus verschiedenen Perspektiven behandelt werden. Die Agenten können sich mit für James Bond undenkbaren Problemen herumschlagen. Die Romane können in der Gegenwart spielen und an aktuelle Diskurse anknüpfen. Das war bei den in den fünfziger und sechziger Jahren spielenden Romanen von Sebastian Faulks, William Boyd und Anthony Horowitz, die in den vergangenen Jahren James-Bond-Romane schrieben, anders.
So bestechend Sherwoods Idee auf den ersten Blick auch ist, so unbefriedigend ist dann die Ausführung. Einiges liegt dabei an der „ein James-Bond-Roman ohne James Bond“-Idee, einiges an der Ausführung. Beginnen wir mit der Idee. Natürlich ist die Frage berechtigt, wer die anderen 00-Agenten sind und welche Missionen sie haben. Nur stehen wir jetzt vor der Frage, welche Missionen das sein sollen. Weil James Bond der beste Agent des Geheimdienstes ist und er gegen die gefährlichsten Bösewichter kämpfen muss, bleibt für die anderen 00-Agenten nur noch der Rest, also zweit- bis drittklassige Bösewichter, übrig. Und, egal wie gut sie sind, sie sind immer schlechter als James Bond. Sie sind die Ersatzmannschaft, die niemand sehen will. Weil sie schlechter als James Bond sind, müssen sie Qualität durch Quantität aufwiegen. Sherwood schickt also drei 00-Agenten in den Kampf gegen den Bösewicht, der möglicherweise James Bond tötete. Diese Agenten muss sie zuerst einmal etablieren. In verschiedenen Handlungssträngen jagen sie dann den Bösewicht. Diese Konstruktion führt dazu, dass „Doppelt oder nichts“ mit 496 Seiten einer der längsten Romane im James-Bond-Kosmos ist. Nur Jeffery Deavers James-Bond-Roman „Carte Blanche“ ist mit 544 Seiten länger.
Dazu kommt, dass sich die Story in „Doppelt oder nichts“ unglaublich zäh entwickelt. Das liegt, wie gesagt, an den verschiedenen Handlungsstränge, die bedient werden müssen, den vielen, die Story nicht weiterbringenden Erklärdialogen und dass die Geschichte in einem unnötig kompliziert zu lesendem Gemisch aus Gegenwarts-Handlung, Rückblenden und Erinnerungen erzählt wird.
Heute endet der kleine Lauf von neuen Filmen mit Sydney Sweeney. Nach der launigen RomCom „Wo die Lüge hinfällt“ und dem auf Fakten basierendem Drama „Reality“ spielt sie jetzt in einem Superheldenfilm mit. „Madame Web“ heißt das Werk. Es ist der neueste Film im Sony’s Spider-Man Universe und sie spielt Julia Cornwall. Eine Schülerin irgendwo im Teenageralter. Nach den beiden eben erwähnten Filmen, in denen sie, ihrem Alter entsprechend, Mitt-/Endzwanziger spielte, wird hier vom Zuschauer schon eine ordentliche Portion suspension of disbelief verlangt. Da helfen auch die betont unattraktive Schuluniform und die riesige Bücherwurm-Brille nur bedingt. Aber sie hat nur eine Nebenrolle.
Im Zentrum steht Cassandra ‚Cassie‘ Webb (Dakota Johnson), die titelgebende Madame Web. Am Filmanfang ist sie eine dreißigjährige Rettungssanitäterin, die 2003 mit Blaulicht durch Manhattan rast und Menschen rettet. Bei einem Einsatz stürzt sie in einem verunglückten Wagen in den Fluss und kann erst nach drei Minuten aus dem Wasser gerettet werden. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit überlebt sie, ist kurz darauf wieder mopsfidel und kann in die Zukunft sehen.
Der Bösewicht Ezekiel Sims (Tahar Rahim) kann ebenfalls in die Zukunft sehen. Er ermordete, weil er an eine seltene Spinnenart gelangen wollte, 1973 in Peru im Amazonas Cassies hochschwangere Mutter. Die eingeborenen, plötzlich aus den Bäumen kommenden Spinnenmenschen versuchen die Mutter und ihr noch ungeborenes Kind zu retten. Sie können allerdings nur Cassie retten.
Heute, also 2003, hat der in New York lebende Ezekiel einen wiederkehrenden Alptraum. Er sieht, wie er irgendwann in der Zukunft von drei maskierten Frauen getötet wird. Er will sie töten, bevor sie ihn töten. Dafür muss er sie zuerst finden. Benutzen tut er die damals moderne Überwachungstechnik, auf die er mit gestohlener NSA-Software zugreifen kann.
Als Cassie in einer ihrer Visionen sieht, wie Spinnenmann Ezekiel in einer U-Bahn die Teenager Julia Cornwall (Sydney Sweeney), Mattie Franklin (Celeste O’Connor) und Anya Corazon (Isabela Merced), umbringt, will sie sie retten. Erschwert wird ihre Mission dadurch, dass Ezekiel über Spinnen-Superkräfte verfügt, Julia, Mattie und Anya sind in dem Moment (und während des gesamten Films) nur normale Teenager ohne irgendwelche Superkräfte. Sie verfügen noch nicht einmal über die Teenager-Superkraft, alle Erwachsenen unglaublich zu nerven. Sie sind sehr ruhig, folgsam, einsichtig und halten sich fast immer an Cassies Anweisungen. Und Cassie verfügt nur über die manchmal vorhandene Gabe, in die Zukunft sehen zu können. Das erlaubt der erfahrenen TV-Regisseurin SJ Clarkson in ihrem Spielfilmdebüt, eine Szene mehrmals mit kleinen Variationen zu zeigen.
Diese weitgehende Abwesenheit von irgendwelchen Superkräften erspart uns langwierige Trainings-Montagen, in denen der Superheld seine Kräfte kennen lernt, und macht aus dem angekündigten Superheldenfilm einen eher gewöhnlichen Thriller, in dem der Bösewicht einige Menschen umbringen will und die Heldin das verhindern will.
Für eine Superhelden-Origin-Story ist das schon ein ungewöhnlicher Ansatz. Am Endergebnis ändert das nichts: „Madame Web“ ist ein erstaunlich anspruchsloser Film, der eher an einen TV-Film, bei dem alle nur wegen des Geldes dabei waren, erinnert. Die Schauspieler sind zwar anwesend, aber niemand hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Dialoge sind zweckdienliche Erklärdialoge, die dann für die Story unwichtig sind. Und die Filmstory wirkt immer so, als habe man nur Teile des Drehbuchs verfilmt. Da fehlen immer wieder Szenen, die die gezeigten Szenen wirkungsvoller machen würden. So sehen wir, zum Beispiel, nicht, wie Cassies Kollegen versuchen, sie aus dem Wasser zu retten. In dem einen Moment ist sie in dem in das Wasser fallendem Auto. Dann ist sie unter Wasser in einer Quasi-Traumsequenz und danach ist sie gerettet und reanimiert. In einer anderen Szene, ebenfalls vom Filmanfang, rast Cassie mit Blaulicht durch die Stadt. Aber warum sie sich so beeilt, wissen wir nicht. Denn wir wissen nichts über den Patienten, den sie befördert. Und ihr Kollege/Freund Ben Parker (Adam Scott; ja, wir können hier eine kleine Verbindung zu Spider-Man erahnen) agiert betont entspannt im hinteren Teil des Rettungswagen. Andere Szenen werden später nicht fortgeführt. Sie bleiben in der Luft hängen. Dafür benutzt Cassie, entgegen jeder Vernunft, während des gesamten Films ein von ihr geklautes und ramponiertes Taxi. Denn zu dem Zeitpunkt wird bereits nach ihr gefahndet und auch nach dem Taxi sollte gesucht werden. Die wenigen Actionszenen versumpfen im erwartbaren CGI-Overkill.
Und obwohl „Madame Web“ zum Sony’s Spider-Man Universe gehört, ist „Madame Web“ ein Einzelfilm ohne irgendwelche offensichtlichen Anspielungen oder Verbindungen zu den „Spider-Man“-Filmen. Diese waren wohl während der Produktion geplant, wurden aber vor dem Kinostart aus dem Film entfernt. Die wenigen jetzt noch vorhandenen Anspielungen auf Spider-Man, nämlich dass Ben Parker und die im Film hochschwangere Mary Parker (so heißt die Mutter von ‚Spider-Man‘ Peter Parker) mitspielen, sind dann so versteckt, dass unklar ist, ob es sich wirklich um eine Verbindung zum Spider-Man Universe oder nur um einen blöden Zufall handelt.
„Madame Web“ ist in seiner allumfassenden Anspruchslosigkeit, wenn man dies akzeptiert, ein durchaus sympathisch-harmloser, sich nicht weiter um Logik und Wahrscheinlichkeit kümmernder Film mit einer angenehm kurzen Laufzeit, der mehr Fernsehen als Kino ist. Als möglicher Start eines Franchises – wobei ich jetzt nicht sagen kann, welches Franchise mit welchen Figuren gestartet werden soll – hat der Film trotz seines niedrigen Budgets von 80 Millionen US-Dollar wohl höchst unklare Zukunftsaussichten.
Madame Web (Madame Web, USA 2024)
Regie: S. J. Clarkson (alternative Schreibweise SJ Clarkson)
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless, Claire Parker, S. J. Clarkson
mit Dakota Johnson, Sydney Sweeney, Celeste O’Connor, Isabela Merced, Tahar Rahim, Adam Scott, Emma Roberts, Mike Epps, José María Yazpik, Zosia Mamet, Kerry Bishé
Monuments Men – Ungewöhnliche Helden(The Monuments Men, USA/Deutschland 2013)
Regie: George Clooney
Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov
LV: Robert M. Edsel/Bret Witter: The Monuments Men, 2010 (Monuments Men)
Während der letzten Kriegswochen versuchen einige anerkannte Kunstexperten im Auftrag der US-Army Kunstschätze, die sich in den Händen der Nazis befinden, vor ihrer Vernichtung zu retten.
Launiges Kriegsabenteuer mit Starbesetzung, etwas Action, Drama, Witz, pathetischen Ansprachen und einer kleinen Dosis Liebe. Das ist durchaus kurzweilig und unterhaltsam, aber nicht mehr.
mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Bob Balaban, Hugh Bonneville, Cate Blanchett, Dimitri Leonidas, Justus von Dohnányi, Michael Brandner, Alexandre Desplat, Serge Hazanavicius, Grant Heslov, Nick Clooney (Vater von George Clooney; er tritt in der letzten Szene auf)
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Die Vorlage
Robert M. Edsel (mit Bret Witter) Monuments Men – Die Jagd nach Hitlers Raubkunst
(übersetzt von Hans Freundl)
Heyne, 2014
560 Seiten
9,99 Euro (nur noch antiquarisch erhältlich)
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Deutsche Erstausgabe
Residenz Verlag, St. Pölten, 2013
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Originalausgabe
The Monuments Men – Allied Heroes, Nazi Thieves, and the greatest Treasure Hunt in History
Was geht in den USA vor? Und wie kann die aktuelle allumfassende Dysfunktionalität des Systems erklärt werden? Mit seinem Buch „Die zerrissenen Staaten von Amerika: Alte Mythen und neue Werte – ein Land kämpft um seine Identität“ versucht ARD-Hörfunkjournalist Arthur Landwehr das Mysterium USA zu erklären ohne sich zu sehr in die Tagespolitik zu verstricken.
Denn bei der sich aktuell im Vorwahlkampf befindenden rasend schnell entwickelnden Politik und den vielen Anklagen und Gerichtsverfahren in die Donald Trump verwickelt ist, ist das gedruckte Buch, egal wie oft und wie umfassend es vor der Veröffentlichung aktualisiert wird, in Teilen veraltet. So nennt Landwehr mehrmals Ron DeSantis als aussichtsreichen Gegner von Trump im Vorwahlkampf der Republikaner. Inzwischen ist DeSantis aus dem Wahlkampf ausgestiegen. Seiner Kampagne wird das bislang schlechteste Verhältnis von eingesetztem Geld und gewonnenen Stimmen bescheinigt. Nikki Haley, die im Buch nicht erwähnt wird, ist im Moment Trumps einzige Gegenkandidatin. Ihre einzige Chance auf die Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der Republikaner besteht darin, so lange im Rennen zu bleiben, bis Trump aufgrund irgendwelcher Gerichtsentscheide oder einer aktuell nicht vorhersehbaren überraschenden Entwicklung aus dem Rennen aussteigt.
Landwehr versucht eher herauszufinden, warum Menschen Donald Trump wählen oder ihn vehement ablehnen. Er konzentriert sich auf die das Land im Moment definierenden kulturellen Konflikte. Es geht um die Culture Wars, in denen politische und auch wissenschaftliche Fragen durch die Brille eines Kulturkampfes betrachtet und als Identitätsfragen definiert werden. In dem Moment geht es nicht mehr um ein politisches Problem, das politisch gelöst werden kann, sondern um eine Frage der Identität. Da sind Kompromisse schwierig bis unmöglich. Es geht um den Waffenfetischismus der Amerikaner und den Mythos der Freiheit, der sich in der Vergangenheit in langen Fahrten auf der Highway und häufigen Umzügen manifestierte. Es geht um den alltäglichen Überlebenskampf in den USA. Aufgrund des dort bestenfalls rudimentär vorhandenen Sozialstaats sind viele US-Amerikaner verschuldet und sie fürchten täglich um ihre Existenz. Einkommen sind zunehmend ungleich verteilt. Universitäten und Leistungen des Gesundheitssystems können sehr schnell sehr teuer werden und ganze Existenzen ruinieren. Trotzdem lehnen Konservative eine Änderung hin zu einem Sozialstaat europäischer Prägung vehement als ‚Sozialismus‘ ab. Erinnert sei hier an die Versuche der Republikaner, Obamacare während der Trump-Präsidentschaft abzuschaffen.
Diese verschiedenen Probleme, die auf konservativer Seite entstehen, weil es eine größer werdende Kluft zwischen Mythos, dem damit verbundenem Selbstbild und der Realität gibt, beschreibt Landwehr anhand von Begegnungen mit Menschen, die er während seiner Arbeit hatte.
Dabei kann der Eindruck entstehen, das der aktuelle Tribalismus in den USA gottgegeben ist. Das ist Quatsch. Er wird von bestimmten Strukturen und Menschen erzeugt und befördert. So sind die Republikaner bereit, alle demokratischen Werte zu opfern, um an die Macht zu gelangen und an der Macht zu bleiben. Das war früher anders. Das US-amerikanische Wahlrecht befördert eine Polarisierung. Das Mediensystem ist ebenso polarisiert. Evangelikale verstehen sich als politische Akteure, die ihre Agenda mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs und das Bannen von unliebsamen Büchern aus Schulbibliotheken gehören dazu. Alle diese Akteure verfolgen ihre Agenda kompromisslos. Sie forcieren Konflikte und ändern Gesetze und Regeln zu ihren Gunsten. So wird in den USA aktuell über das Verbot von jedem Schwangerschaftsabbruch diskutiert. Diese Punkte werden von Landwehr höchstens gestreift.
Das macht „Die zerrissenen Staaten von Amerika“ zu einem Überblick über die US-amerikanische Gefühlslage, der weitgehend anekdotisch bleibt und sich primär an Menschen richtet, die nicht regelmäßig Zeitung lesen.
Die Lesungen könnten allerdings interessant sein, weil ARD-Korrespondent Landwehr dann mehr ins Detail gehen und aktuelle Eintwicklungen erklären kann.
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Arthur Landwehr: Die zerrissenen Staaten von Amerika – Alte Mythen und neue Werte – ein Land kämpft um seine identität
Der bislang letzte Wyatt-Roman: dieses Mal will Profieinbrecher Wyatt (kein Vorname) den betrügerischen Finanzberater Jack Tremayne ausrauben. Treymayne hat deswegen inzwischen Probleme mit dem Gesetz. Eine Haftstrafe droht ihm. Er will sie vermeiden, indem er mit einem Koffer voller Geld flüchtet. Dieses Geld will Wyatt klauen. Aber der einfache Einbruch läuft ziemlich schnell ziemlich spektakulär aus dem Ruder.
„Moder“ stand 2019 auf der Shortllist für den Ned Kelly Award.
Garry Disher serviert in seinem neunten Wyatt-Krimi gewohnt spannende Lektüre. Der von ihm erfundene Profigangster ist erkennbar Parkers australischer Bruder ist und wer die Parker-Krimis von Richard Stark (Donald E. Westlake) liebt, wird auch Dishers Wyatt-Romane mögen.
„Moder“ ist ein absoluter Lesebefehl für Fans von gut abgehangenen Hardboiled-Gangsterromanen.
Danach kann man die davor erschienenen acht Wyatt-Romane lesen. Die Reihenfolge ist egal.
Das Foto von Garry Disher mit seinen damals neuesten Büchern „Moder“ und „Stunde der Flut“ (Unionsverlag, ein lesenswerter Polizeikrimi; ach eigentlich sind alle seine Bücher lesenswert) schoss ich im Oktober 2022.
Wilder Westen, 1870: der sechzehnjährige Schotte Jay Cavendish sucht seine aus Schottland geflüchtete große Liebe Rose Ross und eigentlich ist das Greenhorn zwischen Kopfgeldjägern, Indianern und allen anderen Wild-West-Gefahren zum Sterben verdammt. Wenn ihm nicht Silas Selleck, ein Revolverheld mit unklaren Absichten, helfen würde.
Schöner kleiner Western mit angenehm kurzer Laufzeit. Die Western Writers of America zeichneten den Film mit dem Spur Award als besten Western des Jahres aus.
Leonardo Sciascias „Die Affaire Moro. Ein Roman“ erschien, nachdem es jahrelang nur antiquarisch erhältlich war, jüngst in einer Neuübersetzung mit viel Bonusmaterial. Der „Roman“ führt uns zurück in das chaotische Italien der siebziger Jahre, als die Regierungen täglich wechselten, aber immer die selben Männer regierten. Und der intellektuell gut unterfütterte Linksterrorismus Angst und Schrecken verbreitete. Am 16. März 1978 entführte die linke Terrorgruppe Rote Brigade (Brigate Rosse) den Abgeordneten Aldo Moro. Er war der Vorsitzende des Nationalrats der Democrazia Cristiana und einer der Männer, der den ‚Historischen Kompromiss‘ zwischen der Partito Comunista Italiano (PCI) und der Democrazia Cristiana (DC) ausgehandelt hatte. Wenige Tage vor seiner Entführung sprach Moro sich für eine Minderheitenregierung unter Führung seines DC-Parteigenossen Giulio Andreotti aus. Am Tag seiner Entführung wird Andreotti mit großer Mehrheit im Parlament bestätigt.
Die Entführung entwickelt sich zur Staatsaffäre, weil Moro aus seiner Gefangenschaft Briefe schreibt, die teils in Zeitungen gedruckt werden und in denen Moro um sein Leben fleht. Aber die Regierung weigert sich, mit den Entführern Verhandlungen über eine Freilassung Moros zu führen. Seine Briefe waren schon damals Briefe, die ein zum Tode Verurteilter schrieb.
Am 9. Mai 1978 wird in der Innenstadt Roms Moros Leiche im Kofferraum eines Renault 4 gefunden.
Bis heute sind nicht alle Hintergründe der Entführung und Ermordung Aldo Moros geklärt.
Leonardo Sciascia, ein schon damals seit Jahren bekannter Romanautor (mit angenehm kurzen Büchern über die Mafia, die Kirche, Korruption und ‚Italien‘) und, ab 1975, Abgeordneter für die Partito Comunista Italiano (PCI) und die Partito Radicale im Stadtrat von Palermo, im Abgeordnetenhaus und im Europaparlament, schrieb im Sommer 1978 „Die Affaire Moro“. Es ist eine Streitschrift, die er „Roman“ nannte, die aber besser als eine tiefgehende Textanalyse von Moros Briefen und weitergehenden Gedanken über die Stimmung in Italien und innerhalb der Regierung beschrieben werden kann.
Damals war „Die Affaire Moro“ eine unmittelbare politische Intervention, die sich an ein italienisches Publikum richtete. Heute ist sie ein schwer verständliches historisches Werk. Die Hintergründe von Moros Entführung, die Stimmung in Italien vor gut fünfzig Jahren und die Anspielungen sind heute nur noch wenigen Menschen bekannt. Entsprechend sinnvoll sind die Ergänzungen, die die Edition Converso abdruckte. Es sind eine Zeitleiste, der von Leonardo Sciascia vorgelegte Bericht der Parlamentarischen Minderheit und ein Nachwort von Fabio Stassi. Aber das ändert nichts daran, dass „Die Affaire Moro“ doch eher ein Buch für an der Nachkriegsgeschichte Italiens Interessierte und für Sciascia-Komplettisten ist.
Die können bei dieser Neuübersetzung, auch wegen des Bonusmaterials, bedenkenlos zugreifen.
Andere sollten ihr Sciascia-Fantum besser mit Sciascias auch erfolgreich verfilmten Mafia-Romanen wie „Der Tag der Eule“ (verfilmt als „Don Mariano weiß von nichts“), „Tote auf Bestellung“ (verfilmt als „Zwei Särge auf Bestellung“), „Tote Richter reden nicht“/“Der Zusammenhang“ (verfilmt als „Die Macht und ihr Preis“), „Todo modo oder das Spiel um die Macht“ und „Der Abbé als Fälscher“/“Das ägyptische Konzil“ (der wurde nicht verfilmt) beginnen.
In einem Diner, das niemals irgendeinen „Nighthawks“-Charme versprühte, spricht ein Mann die drogensüchtige Dee an. Er bietet ihr fünfhundert Dollar pro Tag an, wenn sie jeden Tag eine Lampe über einer Tür einschaltet.
Selbstverständlich nimmt sie das Angebot an und fragt sich kurz darauf, wie sie das Geld ausgeben kann.
So beginnt der neue Comic „November“ von Autor Matt Fraction („Sex Criminals“, „The Immortal Iron Fist“, „Hawkeye“), Zeichnerin Elsa Charretier und Kolorist Matt Hollingsworth. In Deutschland erschien die Geschichte in zwei Bänden. Im Original in vier Heften. Dabei erzählen Fraction, Charretier und Hollingsworth eine Geschichte, die nur als Gesamtgeschichte irgendeinen Sinn ergibt. Im ersten Band „Die Frau auf dem Dach“ werden die Figuren eingeführt, Fragen gestellt und Rätsel formuliert. Im zweiten Band „Die Stimme am Telefon“, der die Kenntnis des ersten Bandes voraussetzt, werden sie in einem blutigen Finale beantwortet.
Die Geschichte spielt in einer namenlosen Großstadt in einer Nacht. Neben Dee werden Emma-Rose, die den Revolver eines Polizisten in der Gosse findet und ihren Fund nichtsahnend der Polizei meldet, und die Polizistin Kay Kowalski, die im Revier als Telefonistin arbeitet, aber höhere Ambitionen hat, in einen Strudel der Gewalt gerissen, den sie nur gemeinsam übeleben können.
„November“ ist ein spannendes Noir-Update, das nichts von der Heimeligkeit klassicher Noirs, sondern viel mehr mit Frank Millers „Sin City“ und, auch stilistisch, den Noirs von Darwyn Cooke und Ed Brubaker zu tun hat. Nur dass in Fractions Geschichte drei Frauen im Zentrum stehen.
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Matt Fraction/Elsa Charretier/Matt Hollingsworth: November: Die Frau auf dem Dach (Band 1)
(übersetzt von Stephanie Grimm)
Schreiber und Leser, 2022
152 Seiten
29,80 Euro
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Matt Fraction/Elsa Charretier/Matt Hollingsworth: November: Die Stimme am Telefon (Band 2)
mit Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike, Minnie Driver, Rachelle Lefevre, Scott Speedman, Bruce Greenwood, Jake Hoffman, Saul Rubinek, Paul Gross, David Cronenberg, Atom Egoyan, Ted Kotcheff, Denys Arcand, Richard J. Lewis (die fünf letztgenannten sind alles Regisseure und haben nur Cameos, zum Beispiel als Regisseur)
The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Terence Winter
LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)
An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.
Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.
Anschließend, um 00.50 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere die knapp einstündige Doku „Martin Scorsese – Von Little Italy nach Hollywood“ (Frankreich 2023).
mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal
Die Magnetischen (Les magnétiques, Frankreich/Deutschland 2021)
Regie: Vincent Maël Cardona
Drehbuch: Vincent Maël Cardona, Romain Compingt, Chloé Larouchi, Maël Le Garrec, Rose Philippon, Catherine Paillé
Frankreich, 1981: die ungleichen Brüder Jerôme und Philippe betreiben in der Provinz einen Piratensender. Als sich beide in Marianne verlieben und Philippe als Soldat nach West-Berlin muss, verändert sich auch ihr Verhältnis zueinander.
Wunderschöne, erstaunlich unpolitische Charakterstudie, die am besten als gelungenes Mixtape genossen wird. Bei Älteren wird sie wohlige Erinnerungen heraufbeschwören. Jüngeren gibt sie einen Einblick in eine noch gar nicht so lange zurück liegende, aber ganz andere Zeit.
Indiekino über „Die Magnetischen“ (Zeitzeuge Tom Dorow über den Film und wie politisch es damals zwischen Hausbesetzung, Straßenprotest und Clubbesuch in Berlin war)
Nach dem Roman, der den Pulitzer Preis und den National Book Award erhielt und inzwischen zum Kanon der US-Literatur gehört, Steven Spielbergs erfolgreicher Verfilmung 1985 und dem ebenfalls erfolgreichem Broadway-Musical, das 2005 seine Premiere hatte, dürfte die von Alice Walker in ihrem Briefroman „Die Farbe Lila“ aufgeschriebene Geschichte von Celie Harris Johnson und ihrer Schwester Nettie bekannt sein. Es ist eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt und ein breites Panorama afroamerikanischen Lebens in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts aus weiblicher Sicht entwirft. Und jetzt gibt es eine neue Verfilmung, die auf dem Musical von Brenda Russell, Allee Willis, Stephen Bray und Marsha Norman basiert. Das und wie Regisseur Blitz Bazawule („The Burial of Kojo“, Co-Regie bei Beyonces „Black is King“) die bekannte Geschichte erzählt, macht seine Verfilmung von der ersten Minute an zu einem eigenständigen Werk.
Der Film beginnt 1909 an der Küste von Georgia mit der ersten Begegnung von Celie, Nettie und Mister. Der Musiker wird kurz darauf Celies Mann. Und Celie merkt schnell, dass sie von der einen gewalttätigen Beziehung in die nächste gewalttätige Beziehung gekommen ist. Mister schlägt und unterdrückt sie. Aber er kann auch, wie bei ihrer ersten Begegnung, charmant sein.
Ihre Schwester, die kurz bei ihnen unterkommt, wird nach einem Streit von Mister vom Hof gejagt. Danach trennen sich die Wege der beiden Schwestern und Celie hört über Jahrzehnte nichts mehr von ihr, weil Mister Netties Briefe vor ihr versteckt.
Dafür begegnet Celie der freigeistigen und erfolgreichen Jazz-Sängerin Shug Avery. Sie ist Misters große Liebe und als sie bei ihnen auftaucht, degradiert er Celie sofort zur Haushälterin. Aber Shug und Celie verlieben sich ineinander und sie wird zur zweiten wichtigen Frau in ihrem Leben.
Spielberg zeigte in seiner vor vierzig Jahren entstandenen Verfilmung, was damals im Rahmen eines Big-Budget-Mainstream-Films möglich war und was nicht.
Blitz Bazawule zeigt in seinem Film, was heute in einem Film mit fast ausschließlich schwarzen Schauspielern (so gibt es in einer kleinen Rolle eine böse weiße Frau) möglich ist. Dabei sind die Gesangsnummern das größte Problem des Films. Sie feiern die afroamerikanische Kultur. Sie sind mitreißend inszeniert. Sie sind äußerst lebendig, fröhlich und lebensbejahend. Sie sind genau die Gesangs- und Tanznummern, die wir in einem Broadway-Musical und einem Filmmusical erwarten. Dummerweise bestätigen sie in diesem Fall auch jedes Klischee, mit dem Schwarze seit Jahrhunderten zu kämpfen haben und die Spike Lee in seiner grandiosen Satire „It’s Showtime“ (Bamboozled, 2000) so treffend zeigte.
Zwischen den Gesangsnummern erzählt Bazawule kraftvoll und mit durchgehend lebensbejahend-optimistischem Grundton die sich über fast vierzig Jahre erstreckende Geschichte von Celie. Es sind Episoden aus dem Leben einer sich langsam von den Konventionen emanzipierenden Frau. Die wichtigste Konvention ist dabei, dass eine Frau einem Mann dienstbar zu sein hat und dass er unumschränkt über sie herrscht. Es geht auch um Rassenkonflikte, die Unterdrückung durch Weiße und wie sich schwarzes Leben in eigenen Gemeinschaften organisierte. Das tut Bazawule in ausgewählt schönen Bildern. Und weil er viel zu erzählen hat, wird es nie langweilig.
Die Farbe Lila(The Color Purple, USA 2023)
Regie: Blitz Bazawule
Drehbuch: Marcus Gardley
LV (Roman): Alice Walker: The Color Purple,1982 (Die Farbe Lila)
LV (Musical): Brenda Russell, Allee Willis, Stephen Bray, Marsha Norman: The Color Purple, 2005
mit Fantasia Barrino, Taraji P. Henson, Halle Bailey, Elizabeth Marvel, Danielle Brooks, Aunjanue Ellis, Colman Domingo, Louis Gossett Jr., Corey Hawkins, Stephen Hill, Jon Batiste
TV-Premiere. Vierter Einsatz des ‚guten Bullen‘: Hauptkommissar Fredo Schulz (Armin Rohde) hat Krebs und, ohne Behandlung, nur noch drei Monate zu leben. Anstatt ins Krankenhaus zu gehen, stürzt er sich in seinen nächsten Fall. Ein Sicherheitsmann wurde vor einem Wohnblock erschossen. Bei seinen Ermittlungen trifft Fredo auf alte Bekannte und wird in einen Clankrieg verwickelt.
Wahrscheinlich (ich habe den Krimi noch nicht gesehen) gewohnt gute und kurzweilige Unterhaltung von Lars Becker.
mit Armin Rohde, Sabin Tambrea, Johann von Bülow, Nele Kiper, Sabrina Amali, Husam Chadat, Yasmina Djaballah, Mo Issa, Anica Dobra
Neue Stadt, neues Glück: die Wallers ziehen in ein Haus mit einem Swimmingpool. Eve hat eine Arbeit als Leiterin einer Sonderschule. Ihre Kinder, die 15-jährige Izzy und der zwölfjährige Elliott, freuen sich auf ihre neuen Klassenkameraden. Und Ehemann Ray kann sich erholen. Der ehemalige Baseballprofi musste sich vom Profisport zurückziehen. Er hat Multiple Sklerose im Anfangsstadium. Sein Arzt meint, schwimmen könne helfen.
Aber in dem Pool lauert etwas Böses, das eine nächtliche Runde im Pool zu einer furchteinflößenden, manchmal sogar tödlichen Angelegenheit macht.
Anstatt jetzt einen großen Bogen um das Schwimmbecken zu machen, gehen die Wallers tags und nachts in das Becken, planschen, schwimmen und ängstigen sich.
Die Wallers veranstalten auch eine zünftige Einstandsparty, bei der ihre Gäste selbstverständlich auch in das Becken steigen dürfen und gar schreckliches passiert.
Das passiert wohl, wenn man aus einem vierminütigem Kurzfilm (inclusiv einer Minute für den Abspann) einen Spielfilm macht. Bei dem gelungenem Kurzfilm genügt eine Situation: eine Frau schwimmt in der Nacht in einem beleuchteten Pool. Sie glaubt, jemand am Beckenrand zu sehen. Als sie das Gesicht des Fremden sieht, verschwindet sie spurlos im Wasser. Der Film beschränkt sich auf Suspense und Horror. Ohne auch nur den Ansatz einer Erklärung. Bei einem Spielfilm muss es dann eine Erklärung für das Monster im Pool geben. Diese erfolgt ziemlich spät im Film holterdipolter und wird anschließend noch nicht einmal schlüssig umgesetzt.
„Night Swim“ ist ein lahmer Horrorfilm ohne besondere Überraschungen. Immerhin sieht der in der Nacht beleuchtete Swimmingpool fast wie ein Edward-Hopper-Gemälde aus und die Suspense-Momente funktionieren. Solange man sie nur als isolierte Suspense-Momente betrachtet.
Am Ende fragte ich mich, warum Blumhouse nicht einfach einige gute Horror-Kurzfilme zusammenstellt und als Compilation ins Kino bringt. Sicher, das würde an der Kinokasse wahrscheinlich weniger Geld einspielen als der jetzt aus dem Kurzfilm entstandene Spielfilm. In den USA hat „Night Swim“ bis jetzt fast 30 Millionen und global fast 44 Millionen US-Dollar eingespielt. Bei einem Budget von 15 Millionen Dollar ist das ein gutes Geschäft. Allerdings würde die Kurzfilm-Compilation auch weniger kosten und die einzelnen Kurzfilme wären spannender als die Spielfilmversionen.
Night Swim (Night Swim, USA 2024)
Regie: Bryce McGuire
Drehbuch: Bryce McGuire (basierend auf dem gleichnamigem Kurzfilm von Rod Blackhurst und Bryce McGuire)
mit Wyatt Russell, Kerry Condon, Amélie Hoeferle, Gavin Warren, Nancy Lenehan, Jodi Long, Elijah R. Roberts