TV-Tipp für den 11. Oktober: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

Oktober 10, 2023

Kabel Eins, 23.00

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (Out of Time, USA 2003)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen von Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Donnerstag, 12. Oktober, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über”Out of Time”

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Oktober 10, 2023

Die Verfilmungen könnten mal wieder im Fernsehen gezeigt werden.


TV-Tipp für den 10. Oktober: Geronimo – Eine Legende

Oktober 9, 2023

Servus TV, 22.10

Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend, USA 1993)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: John Milius, Larry Gross

Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.

Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)

mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon

Wiederholung: Mittwoch, 11. Oktober, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geronimo“

Wikipedia über „Geronimo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „The Ritual Killer“ serienkillt sich durch Clinton, Mississippi

Oktober 9, 2023

Die Opfer von Randoku sind fürchterlich verstümmelt und sehr jung. Kinder. Randoku ist dabei kein normaler Serienkiller (wenn es so etwas überhaupt gibt), sondern ein afrikanischer Hexenmeister, der für gut betuchte Kunden Riten ausführt. Das tat er in Rom. Und jetzt in Clinton, Mississippi.

Der in Clinton ermittelnde Detective Lucas Boyd vermutet nach einer im Film nicht gezeigten Google-Recherche über die Mordmerkmale, dass es sich um Ritualmorde mit afrikanischem Hintergrund handelt. Er bittet den Afrikanistik-Professer Dr. Mackles um Hilfe. Dieser unterrichtet zufällig an der örtlichen Universität und er ist ebenso zufällig der Experte für die afrikanische Kultur und Zauberei.

Mehr oder weniger gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem Mörder. Währenddessen springt Regisseur George Gallo (Drehbücher/Story für „Wise Guys“, „Midnight Run“ und „Bad Boys“) möglichst viel und sinnfrei zwischen den voneinander unabhängigen Ermittlungen der Polizei in Rom und Clinton, Randokus Morden und den entspannten Nachmittagen von Randokus Auftraggeber. Das ist so ungeschickt, lustlos und mit dem Mut zur Lücke – elliptisches Erzählen kann das nicht genannt werden – zusammengefügt, dass ich mich fragte, ob „The Ritual Killer“ ein Abschreibungsprojekt ist, bei dem allen gesagt wurde, dass sie nur zum Dreh erscheinen müssten. Oder ob aufgrund finanzieller Probleme nur ein Teil des Drehbuch verfilmt werden konnte.

Wobei die Szenen, die es in den fertigen Serienkillerthriller schafften, nicht so aussehen. Sie sind unbeholfen inszeniert und geschnitten. Die wenigen Actionszenen sind ein Graus. Die Dialoge ebenso. Da fechten die Schauspieler einen aussichtslosen Kampf mit dem von sechs Autoren geschriebenem Drehbuch und der abwesenden Regie aus. Cole Hauser, der aktuell in der TV-Serie „Yellowstone“ mitspielt, gelingt es nie, den von Erinnerungen an den tödlichen Verlust von Frau und Tochter geplagten Alkoholiker-Polizisten mit Selbstjustiz-Anwandlungen, auch nur halbwegs glaubhaft zu spielen. Wahrscheinlich guckt er deshalb immer so betrübt in die Kamera.

Immerhin ist Morgan Freeman als Dr. Mackles dabei. Freeman strahlt hier seine gewohnte und immer willkommene majestätische, über allen schlechten Drehbüchern und abwesenden Regisseuren stehende Ruhe aus. Er braucht keine Regieanweisungen, um zu überzeugen.

The Ritual Killer“ ist ein lieblos runtererzählter, spannungsfreier Serienkillerthriller, der die bekannten Klischees ohne einen erkennbaren Funken von Inspiration oder Engagement vorhersehbar und mit dem Mut zur erzählerischen Lücke zusammenfügt.

The Ritual Killer (The Ritual Killer, USA 2023)

Regie: George Gallo

Drehbuch: Bob Bowersox, Jennifer Lemmon, Francesco Cinquemani, Giorgia Iannone, Luca Giliberto, Ferdinando Dell’Omo (nach einer Geschichte von Joe Lemmon, Francesco Cinquemani und Giorgia Iannone)

mit Morgan Freeman, Cole Hauser, Vernon Davis, Giuseppe Zeno, Murielle Hilaire, Luke Stratte-McClure, Brian Kurlander, Peter Stormare

Blu-ray

SquareOne Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9, 1080p HD)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Deutscher Trailer

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

DVD und Blu-ray sind ab dem 13. Oktober erhältlich.

Digital ist das Werk seit dem 5. Oktober verfügbar.

Hinweise

Moviepilot über „The Ritual Killer“

Metacritic über „The Ritual Killer“

Rotten Tomatoes über „The Ritual Killer“

Wikipedia über „The Ritual Killer“

Meine Besprechung von George Gallos „Kings of Hollywood“ (The Comeback Trail, USA 2020)


TV-Tipp für den 9. Oktober: Terminator

Oktober 8, 2023

Kabel 1, 20.15

Terminator (The Terminator, USA 1984)

Regie: James Cameron

Drehbuch: James Cameron, Gale Anne Hurd

Los Angeles, 1984: Ein Terminator kommt aus der Zukunft. Er hat den Auftrag, Sarah Connor zu finden und zu töten. So soll verhindert werden, dass sie ein Kind bekommt, das in der Zukunft der Anführer des Widerstandes gegen die Roboter wird.

Zur gleichen Zeit wird Kyle Reese aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Er soll den Terminator zerstören, bevor dieser seine Mission ausführt.

Und schon beginnt eine actionhaltige Jagd durch Los Angeles.

Heute ein Science-Fiction-Klassiker, der etliche Karrieren beförderte.

Damals ein kleines B-Picture, von dem vor dem Kinostart niemand viel erwartete.

Anschließend, um 22.30 Uhr, zeigt Kabel 1 Paul Verhoevens „Robocop“ (USA 1987). Auch gewaltig kultig.

mit Arnold Schwarzenegger, Michael Biehn, Linda Hamilton, Paul Winfield, Lance Henriksen, Rick Rossovich, Bill Paxton

Wiederholung: Dienstag, 10. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Terminator“

Metacritic über „Terminator“

Rotten Tomatoes über „Terminator“

Wikipedia über „Terminator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (Terminator 2: Judgment Day, USA 1991)

Meine Besprechung von James Camerons „Avatar: The Way of Water“ (Avatar: The Way of Water, USA 2022)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters Filmroman „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Meine Besprechung von Alan Taylors „Terminator: Genisys“ (Terminator: Genisys, USA 2015)

Meine Besprechung von Tim Millers „Terminator: Dark Fate“ (Terminator: Dark Fate, USA 2019)


Die Krimibestenliste Oktober 2023

Oktober 8, 2023

Angekündigt war Sonnenschein und Quasi-Sommertemperaturen, jetzt regnet es, kalt ist es auch und ich habe die mir genehme Ausrede, den Sonntagsspaziergang gegen die Couch zu tauschen. – Kleiner Scherz: denn anstatt auf der Couch, sitze ich vor dem Computer, schreibe Texte, bearbeite Aufnahmen und Interviews (unter anderem Holger Kreymeier und Wim Wenders), suche Programme, frage mich wo der Tag hingeht und flüchte, über Weihnachtskrimis stolpernd, mit dem „fliegenden Klassenzimmer“ aufs stille Örtchen.

Außerdem gibt es, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur, die Oktober-Krimibestenliste mit folgenden Empfehlungen:

1 (–) Jordan Harper: Alles schweigt

(aus dem Englischen von Conny Lösch)

Ullstein, 377 Seiten, 22,99 Euro

2 (–) Frank Göhre: Harter Fall

CulturBooks, 163 Seiten, 17 Euro

3 (–) Paula Rodríguez: Dringliche Angelegenheiten

(aus dem Spanischen von Peter Kultzen)

Unionsverlag, 216 Seiten, 24 Euro

4 (4) Dennis Lehane: Sekunden der Gnade

(aus dem Englischen von Malte Krutzsch)

Diogenes, 399 Seiten, 26 Euro

5 (–) Laurent Mauvignier: Geschichten der Nacht

(aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer)

Matthes & Seitz, 511 Seiten, 28 Euro

6 (–) Rebecca Makkai: Ich hätte da ein paar Fragen an Sie

(aus dem Englischen von Bettina Abarbanell)

Eisele, 557 Seiten, 28 Euro

7 (–) Monika Geier: Antoniusfeuer

Ariadne/Argument, 432 Seiten, 24 Euro

8 (–) Stephen King: Holly

(aus dem Englischen von Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 640 Seiten, 28 Euro

9 (–) Gianrico Carofiglio: Groll

(aus dem Italienischen von Verena von Koskull)

Folio, 239 Seiten, 25 Euro

10 (2) Nicola Lagioia: Die Stadt der Lebenden

(aus dem Italienischen von Verena von Koskull)

btb, 508 Seiten, 25 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Frank Göhre – wird noch abgefeiert. Ich will ihn nämlich in einem Zug (aber nicht im Zug!) lesen.

Gleiches gilt für Paula Rodriguez und noch einige andere kurze Bücher, wie Charles Willefords „Filmriss“ (Deutsche Erstausgabe! Und damit qualifiziert für die nächste Krimibestenliste) oder Giorgio Bassanis „Die Brille mit Goldrand“ (Neuausgabe der 130-seitigen Erzählung). Denn anstatt eines 1000-Seiten-Backsteins kann ich fünf spannende 200-Seiten-Geschichten lesen.


TV-Tipp für den 8. Oktober: James Bond 007: Ein Quantum Trost

Oktober 7, 2023

Sat.1, 20.15

James Bond 007: Ein Quantum Trost (Quantum of Solace, Großbritannien 2008)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost, Ein Quantum Trost [Kurzgeschichte])

Die Story aka Der Vorwand für ganz viele, ganz doll im schlechten Jason-Bourne-Stil zerschnipselte Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (eine, wie wir jetzt wissen, Tarnorganisation von Spectre) an.

Auch wenn der zweite Einsatz von Daniel Craig als James Bond nicht der schlechteste Bond aller Zeiten ist, hat er unbestritten einen Platz in den Top Drei. Denn Craigs letzter Einsatz als James Bond „Keine Zeit zu sterben“ ist ebenfalls ziemlich katastrophal. „Octopussy“ ist auch ziemlich mies. „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat bei mir den Einer-der-ersten-Bond-Filme-die-ich-gesehen-habe-Bonus. Die anderen waren „Diamantenfieber“, „In tödlicher Mission“ und, ich glaube, „Feuerball“ – und immer im Kino; – ach, das wissen die Jüngeren wahrscheinlich nicht: bis in die neunziger Jahre liefen auch ältere Filme auch in der Provinz immer wieder regulär in normalen Kinos.

Anschließend, um 22.25 Uhr, zeigt Sat.1 „Stirb an einem anderen Tag„, mit Pierce Brosnan als James Bond.

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Wiederholung: Pro7, Freitag, 13. Oktober, 23.05 Uhr

Die titelgebende Kurzgeschichte ist enthalten in

Ian Fleming: In tödlicher Mission

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross Cult, 2013

272 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

For your eyes only, 1960

Hinweise

Metacritic über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Rotten Tomatoes über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Wikipedia über „James Bond: Ein Quantum Trost“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marc Forsters „World War Z“ (World War Z, USA 2013)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Christopher Robin“ (Christopher Robin, USA 2018)

Meine Besprechung von Marc Forsters „Ein Mann namens Otto“ (A man called Otto, USA 2022)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Oktober: Inception

Oktober 6, 2023

RTL II, 20.15

Inception (Inception, USA/Großbritannien 2010)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

Leonardo DiCaprio spielt einen Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nichts ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.

Die Kritiker waren begeistert von “Batman“ Christopher Nolans Mindfuck. Die Zuschauer ebenso. Die Kinobetreiber zählten strahlend die verkauften Eintrittskarten. Denn „Inception“ ist ein inzwischen seltenes Beispiel für Blockbusterkino, bei dem man sein Gehirn nicht an der Kinokasse abgeben muss.

mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Inception”

Wikipedia über “Inception” (deutsch, englisch)

Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern zu seinen Filmen, u. a. “Inception”)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)

Also eigentlich ist die Filmgeschichte ganz einfach:


Neu im Kino/Filmkritik: „Total Trust“ dank lückenloser Überwachung

Oktober 6, 2023

Ein China ohne Überwachung ist möglich. Aber es existiert nicht.

Überwacht wird, wie Jialing Zhang in ihrem sehenswertem Dokumentarfilm „Total Trust“ zeigt, auf der einen Seite, mit nächtlichen Spaziergängen zum Müll sammeln und den besorgten Nachfragen, wie es denn der Nachbarin gehe. Anschließend wird alles fein säuberlich für den Staat protokolliert. Auf der anderen Seite erfolgt die Überwachung des Staates mit modernster Technologie. Stolz wird sie von den Firmen auf einer Messe präsentiert. Teilweise wird sie in China im Alltag angewendet. Wo genau und welche Probleme die Technik in der alltäglichen Anwendung hat (so funktioniert die Gesichtserkennung nicht so gut, wie die Firmen vollmundig versprechen), wird eher gestreift. Von Chinesen geäußerte Kritik an der Technik gibt es in dem Dokumentarfilm nicht, weil in China Kritik schnell zu einem Gefängnisaufenthalt führt.

In ihrem Film konzentriert Zhang sich auf eine Handvoll Menschen, die sie über einen längeren Zeitraum begleitet. Sie alle sind, obwohl sie nur ihre Arbeit erledigen, staatlicher Repression ausgesetzt.

Einer ihrer Protagonisten, der Menschenrechtsanwalt Weiping Chang, sitzt im Gefängnis. Seine Frau Zijuan Chen kämpft um seine Freilassung. Ebenfalls für ihn kämpft die Journalistin Sophia Xueqin Hang. Sie schrieb über mehrere Fälle von sexuellen Übergriffen. Chang bot ihr an, sie pro bono vor Gericht zu verteidigen.Eine weitere Protagonistin ist Wenzu Li. Ihr Mann Quanzhang Wang wurde 2015 zusammen mit über dreihundert Anwälten und Aktivisten verhaftet. Seit seiner Freilassung 2020 sind er und seine Familie massiven Überwachungsmaßnahmen ausgesetzt.

Zhang ist oft, wenn der Flur vor ihrer Wohnung belagert wird oder wenn sie auf der Fahrt zu einem Gerichtstermin von einer Polizeikontrolle aufgehalten werden, sehr nah bei ihren Protagonisten. Nüchtern zeigt sie, was eine umfassende Überwachung für einzelne Menschen bedeutet.

Total Trust (Deutschland/Niederlande 2023)

Regie: Jialing Zhang

Drehbuch: Jialing Zhang

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Total Trust“

Moviepilot über „Total Trust“

Wikipedia über „Total Trust“


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Tier im Dschungel“ lauert auf…

Oktober 6, 2023

Patric Chiha verlegt in seinem neuen Film „Das Tier im Dschungel“ Henry James‘ 1903 erstmals publizierte Kurzgeschichte „The Beast in the Jungle“ so halbwegs in die Gegenwart und vollständig in die Discothek.

1979 treffen sich John Marcer (Tom Mericer) und May Bartram (Anaïs Demoustier) in einer Discothek. Sie ist fasziniert von ihm. Denn er steht abwartend am Rand. Er will nicht tanzen. Er wartet auf ein großes Ereignis. Alles, was davor passiert bedeutet nichts und ist nicht erinnerungswürdig. Deshalb erinnert er sich auch nicht an eine frühere, länger zurückliegende Begegnung mit ihr.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten – die Geschichte umfasst über zwei Jahrzehnte – treffen sie sich jeden Samstag in der Discothek. Die Musik, die Mode und das wechselnde, aber immer junge Publikum zeigen, wie die Zeit vergeht, während John ungerührt das Treiben beobachtet. Während er wartet, verändert sich auch die Welt vor dem Nachtclub. Der Fall der Mauer und 9/11 finden im Fernsehen statt. Diese großen, die Welt erschütternde Ereignisse sind allerdings nicht das Ereignis sind, auf das John wartet.

Er wartet weiter, beobachtet dabei das Leben der anderen Menschen und lässt sein Leben ungelebt verstreichen.

May bleibt bei ihm. Gemeinsam beobachten sie zunehmend passiv das Treiben in dem Nachtclub.

Patric Chihas Idee die Kurzgeschichte in die Discothek und damit in das Nacht- und Clubleben zu verlegen ist so einfach wie genial. Einerseits ist ein Nachtclub ein Symbol für das Leben im Jetzt. Jeden Abend wird gefeiert als gäbe es keine weiteren Abend. Es ist ein Ort, in dem junge Menschen das Leben genießen; – bis sie heiraten und Kinder kriegen. Und es ist ein Ort, an dem sich nichts verändert, weil es ein Ort der ständigen Wiederholung ist. Daran ändern die wechselnde Musik, die wechselnde Inneneinrichtung, die wechselnden Moden, die wechselnden Tänze und die wechselnden Tänzer nichts. Es ist ein Ort, der mit der Realität nichts zu tun hat. Und damit ist es auch der Ort, der sich am wenigsten für das Warten auf ein das eigene Leben veränderndes Ereignis eignet. Vor allem wenn man, wie John, einfach nur wartet und dabei sein Leben ungenutzt verstreichen lässt.

Chiha gelingt es mit einem Minimum an Handlung dieses Warten, das von der von ‚Betty Blue‘ Béatrice Dalle gespielten Türsteherin kommentiert wird, interessant zu gestalten. Am Ende des Films stellt sich die Frage nach dem eigenen Leben.

Das Tier im Dschungel (La bête dans la jungle, Frankreich/Belgien/Österreich 2023)

Regie: Patric Chiha

Drehbuch: Patric Chiha, Axelle Ropert, Jihane Chouaib

LV: Henry James: The Beast in the Jungle, 1903 (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in dem Sammelband „The Better Sort“)

mit Anaïs Demoustier, Tom Mercier, Béatrice Dalle, Martin Vischer, Sophie Demeyer, Pedro Cabanas, Mara Taquin, Bachir Tlili

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Tier im Dschungel“

AlloCiné über „Das Tier im Dschungel“

Rotten Tomatoes über „Das Tier im Dschungel“

Wikipedia über „Das Tier im Dschungel“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „Das Tier im Dschungel“


TV-Tipp für den 6. Oktober: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123

Oktober 5, 2023

BR, 22.50

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (The Taking of Pelham One Two Three, USA 1974)

Regie: Joseph Sargent

Drehbuch: Peter Stone

LV: John Godey: The taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelhalm 1 Uhr 23)

Immer noch hochspannender Thriller über die Entführung einer New Yorker U-Bahn.

Das okaye, aber blasse Remake kann man sich schenken. Den Roman sollte man lesen.

Mit Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, James Broderick, Dick O’Neill, Lee Wallace

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123”

Wikipedia über “Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123” (deutsch, englisch)

Kriminalakte über das Remake

Meine Besprechung von John Godeys “Abfahrt Pelham 1 Uhr 23” (The taking of Pelham One Two Three, 1973)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Lost King“ Richard III., gefunden von Philippa Langley

Oktober 5, 2023

Wenn die Geschichte von „The Lost King“ nicht wahr wäre, würde jeder sie für eine schlecht erfundene Geschichte halten.

Als die in Edinburgh lebende Philippa Langley (Sally Hawkins) eine Schulaufführung von Shakespeares „Richard III.“ besucht, sieht sie in dem König nicht das Monster, sondern einen von der Gesellschaft zu Unrecht verurteilten Menschen. In den nächsten Tagen glaubt sie immer wieder, seinen Geist zu sehen. Gleichzeitig entwickelt sie eine Obsession für den König, der England von 1483 bis 1485 regierte. Sie, die am chronischen Erschöpfungssyndrom leidet, sieht in ihm einen Geistesverwandten.

Bei einem Beusch des lokalen Ablegers der Richard III. Society erfährt sie, dass niemand weiß, wo seine sterblichen Überreste sind. Also beschließt sie, ihn zu finden und seine Ruf zu retten. Dafür kündigt sogar ihren Job.

Auf ihrer aussichtslos erscheinenden Suche wird sie vorbehaltlos unterstützt von ihrem Mann John (Steve Coogan als Ehemann, der hier klaglos alles das tut, was in älteren Filmen die Frau für ihren Mann getan hat) und einigen seltsamen Hobbywissenschaftlern. Angriffen wird sie von etablierten Wissenschaftlern, die sie für eine durchgeknallte Hobbywissenschaftlerin halten.

Stephen Frears verfilmte diese in England wahrscheinlich allgemein bekannte, hier unbekannte Geschichte gelungen als Feelgood-Movie für die ganze Familie.

Jedenfalls kann ich mich nicht an einen einzigen Artikel über Philippa Langleys Geschichte und die Rehabilitierung von Richard III. erinnern. Dabei hätte es einige Gelegenheiten für größere Reportagen gegeben. So wurde die Entdeckung der möglichen Überreste Richard III. am 12. September 2012 öffentlich gemacht. Am 3. Februar 2013 wurde mittels einer DNA-Analyse die Identität Richard III. bestätigt. Am 26. März 2015 wurde er in der Leicester Cathedral in allen Ehren beigesetzt. Spätestens zu dieser Beisetzung hätte es doch einige Zeitungsartikel und TV-Berichte geben müssen.

Seit 2018 wird Richard III., nach einer langjährigen Kampagne von Philippa Langley, auf der königlichen Webseite als rechtmäßiger König von England geführt.

The Lost King (The Lost King, Großbritannien 2022)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Jeff Pope, Steve Coogan

mit Sally Hawkins, Steve Coogan, Harry Lloyd, Mark Addy, Lee Ingleby, James Fleet

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Lost King“

Metacritic über „The Lost King“

Rotten Tomatoes über „The Lost King“

Wikipedia über „The Lost King“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ (Florence Foster Jenkins, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „Victoria & Abdul“ (Victoria & Abdul, Großbritannien 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Pierre Morels „Freelance“

Oktober 5, 2023

Mason Pettits (John Cena) ist ein ehemaliger Special-Forces-Soldat, der heute verheiratet, Vater und Anwalt ist. Vor allem diesem Job und seinen Kunden hadert er. Da wird er von seinem alten Army-Freund Sebastian Earle (Christian Slater, endlich mal wieder im Kino) gebeten, die Journalistin Claire Wellington (Alison Brie) nach Paldonien zu begleiten. Sie will den Regierungschef interviewen. Juan Arturo Venegas (Juan Pablo Raba) ist einer dieser südamerikanischen Diktatoren, wie sie im Buch, also diesen schundigen Abenteuerbüchern aus längst vergangenen Zeiten, stehen und aus vielen, vielen, sehr vielen in tropischen Fantasieländern spielenden Geschichten bekannt sind.

Kaum sind sie im Land angekommen, geraten sie in einen Putsch. Gemeinsam mit Venegas kämpfen sie sich durch den Wald und mordgierige Feinde. Venegas chargiert, improvisiert und scheint dabei nie den Überblick zwischen den Fronten und den vielen Männern, die ihn umbringen wollen, zu verlieren. Wellington wittert dabei die Story ihres Lebens. Und Pettits versucht beide zu retten.

Die Story von „Freelance“ ist erschreckend sinnfrei. Da stimmt, wenn man darüber nachdenkt, nichts. Aber mit der richtigen Portion Humor und Action könnte da einiges rausgerissen werden. Könnte.

John Cena spielt mal wieder in seiner in den vergangenen Jahren etablierten Wohlfühlzone die Rolle des netten Daddys, der um sich herum alles zerstört. Alison Brie darf weitgehend unauffällig durch den Dschungeln staksen. Nur Juan Pablo Raba als Diktator hatten seinen Spaß. Mit großer Geste und durchgehend gutgelauntem Overaction sorgt er für die wenigen Lacher des Films. Die anderen Witze sind marginal dem Zeitgeist angepasste Witzeleien, abgestandene Geschlechterklischees und bemühte Screwball-Comedy. Action gibt es auch kaum.

Freelance“ ist ein lahmer Actionfilm ohne Humor. Solche Filme hat Luc Besson mit seiner Firma EuropaCorp in den letzten Jahren dutzendweise produziert. Für das halbe Budget, mit mehr und besserer Action und mehr Humor. Und, wenn ich darüber nachdenke, auch einer besseren Story.

Für Besson inszenierte „Freelance“-Regisseur Pierre Morel „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ (Banlieue 13), „96 Hours“ (Taken) und „From Paris with Love“.

Freelance (Freelance, USA 2023)

Regie: Pierre Morel

Drehbuch: Jacob Lentz

mit John Cena, Alison Brie, Juan Pablo Raba, Alice Eve, Marton Csokas, Christian Slater

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Freelance“

Metacritic über „Freelance“

Rotten Tomatoes über „Freelance“

Wikipedia über „Freelance“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre Morels Jean-Patrick-Manchette-Verfilmung „The Gunman“ (The Gunman, Großbritannien/Frankreich/Spanien 2015)

Meine Besprechng von Pierre Morels „Peppermint – Angel of Vengeance“ (Peppermint, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den überraschend gelungenen Thriller „Catch the Killer“

Oktober 5, 2023

Neun Jahre sind seit Damián Szifrons letztem Film, der grandiosen tiefschwarzen Komödie „Wild Tales“, vergangen. Jetzt kommt sein Hollywood-Debüt in die Kinos. Es handelt sich um einen Serienkillerthriller (Gähn!) mit dem generischen Titel „Catch the Killer“ (nochmal Gähn!). Der Originaltitel „To Catch a Killer“ ist, auch wenn er als eine Anspielung auf Alfred Hitchcocks „To Catch a Thief“ (Über den Dächern von Nizza) verstanden werden kann, nicht vielversprechender. Gleiches gilt für das Filmplakat. Das ist auf den ersten Blick Direct-to-DVD bzw. Direct-to-Streaming-Material, das wir so oder so ähnlich in den vergangenen dreißig Jahren schon tausendmal gesehen haben.

Dieses Mal schlägt der Killer in Baltimore zum ersten Mal in der Silvesternacht zu. Mit seinem Gewehr tötet der Scharfschütze scheinbar wahllos 29 Menschen. Ihre einzige Gemeinsamkeit war, dass er sie von seiner Position aus gut erschießen konnte.

Weil die junge Streifenpolizistin Eleanor (kein Nachname) (Shailene Woodley) richtig reagierte und einige intelligente Vermutungen über den Killer hat, nimmt der legendäre FBI-Ermittler Lammark (kein Vorname) (Ben Mendelsohn) sie in sein Team auf.

Aus dieser doch sehr bekannten Prämisse entwickelt sich von der ersten Minute an ein Thriller, der ambitionierter und besser ist, als man auf den ersten Blick vermuten und erwarten könnte. Das von Jonathan Wakeham und Damián Szifron geschriebene Drehbuch folgt brav den spätestens seit „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Regeln. Einiges an der Geschichte ist unlogisch, aber das gilt für die meisten Serienkillerthriller. Szifron verfilmt es mit sichtbarem Engagement. Es ist offensichtlich, dass er das Beste aus dem Material heraushohlen will. Die eleganten Bilder und Kamerafahrten sind für die Kinoleinwand komponiert. Das Erzähltempo ist straff, aber nicht hektisch. Nach knapp zwei Stunden ist der Killer überführt. Die Schauspieler sind gut und ebenso engagiert.

Catch the Killer“ ist kein künftiger Klassiker, der die Regeln des Serienkillerthrillers neu formuliert. Er versucht es noch nicht einmal. Er will nur ein guter und gut aussehender Genrefilm sein, der die Fans des Genres gut unterhält. Das tut er. Und er tut es besser als die Serienkillerthriller, die zuletzt im Kino liefen.

Über die vielen Direct-to-DVD-Serienkillerthriller muss ich hier jetzt nicht reden. Das tue ich demnächst in meiner Besprechung von „The Ritual Killer“.

Catch the Killer (To Catch a Killer, USA 2023)

Regie: Damián Szifron

Drehbuch: Damián Szifron, Jonathan Wakeham

mit Shailene Woodley, Ben Mendelsohn, Jovan Adepo, Ralph Ineson, Richard Zeman, Dusan Dukic, Jason Cavalier

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Catch the Killer“

Metacritic über „Catch the Killer“

Rotten Tomatoes über „Catch the Killer“

Wikipedia über „Catch the Killer“

Meine Besprechung von Damián Szifróns „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“ (Relatos Salvajes, Argentinien/Spanien 2014)


TV-Tipp für den 5. Oktober: Heist – Der letzte Coup

Oktober 4, 2023

Servus TV, 20.15

Heist – Der letzte Coup (Heist, USA 2001)

Regie: David Mamet

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon, Ricky Jay

Wiederholung: Freitag, 6. Oktober, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


Tillie Walden, „Clementine“ und die Zombies

Oktober 4, 2023

Das Ende von Robert Kirkmans Comicserie „The Walking Dead“ und der „The Walking Dead“-TV-Serie (elf Staffeln, 177 Folgen) bedeutet nicht das Ende der Welt von „The Walking Dead“. Im Fernsehen gibt es aktuell vier Serien, die in der „The Walking Dead“-Welt spielen. Es gibt Romane und Videospiele. Und jetzt gibt es einen weiteren Comic, der in dieser Welt spielt, die eigentlich ziemlich schnell beschrieben werden kann: nach einer Zombieapokalypse brach die uns bekannte Zivilisation zusammen. Seitdem kämpfen die Menschen um ihr Überleben und sie versuchen, eine neue Gesellschaft aufzubauen. Meistens scheitern sie. Die Zombies sind in dieser Welt sich langsam bewegende Untote, die Menschenfleisch essen. Halt genauso wie bei George A. Romero.

In dieser Welt lebt Clementine, eine junge Frau, die bei einem Zombieangriff ihren linken Unterschenkel verlor. Sie will nach Norden, Richtung Kanada, gehen. Dort soll es besser sein.

Auf der Reise triff sie den gleichaltrigen Amos. Der Amish-Junge will ebenfalls Richtung Norden zur Siedlung Killington gehen. Sie soll in die Berge entstehen und sie ist schwer erreichbar. Clementine begleitet den naiven Jungen.

Als sie in der verschneiten, fast nicht erreichbaren Bergsiedlung sind, fragt Clementine sich, wie sehr sie den Gründern der Siedlung vertrauen kann.

Ihre Befürchtungen sind, wie fast immer, wenn im „The Walking Dead“-Universum auf eine andere Gruppe von Menschen getroffen wird, berechtigt.

Schon der Titel „Clementine – Buch Eins“ verrät, dass Tillie Walden nach dem Auftakt weitere Geschichten aus Clementines Leben erzählen will. Insgesamt sind drei Bücher mit Clementine geplant.

Ihren ersten Auftritt hatte Clementine 2012 als eine der Hauptfiguren in dem „The Walking Dead“-Computerspiel. Waldens Comic spielt chronologisch nach den Ereignissen in den Computerspielen. Einige kurze Rückblenden geben einen Einblick in ihr bisheriges Leben. Doch insgesamt erzählt Walden eine Geschichte, die problemlos ohne das Wissen über den Inhalt der Computerspiele und Clementines Leben gelesen werden kann.

Tillie Walden ist bekannt als Erzählerin queerer, teils autobiographischer und witziger Comics, wie „Piroutten“ und „Auf einem Sonnenstrahl“. Für ihre bisherigen Werke erhielt sie, oft mehrmals, den Ignatz Award, den Eisner-Award, den Los Angeles Times Book Prize, den Rudolph-Dirks-Award und den Luchs des Monats (vergeben von der „Zeit“ und Radio Bremen).

In „Clementine“ orientieren sich ihre Zeichnungen, im Gegensatz zu ihren früheren Werken, stärker an dem ins Detail gehenden Stil von „The Walking Dead“-Zeichner Charlie Adlard. Außerdem ist „The Walking Dead“-Colorist Cliff Rathburn auch bei ihr für die Grautöne zuständig. Das führt dazu, dass „Clementine“ wirklich wie ein „The Walking Dead“-Comic aussieht.

Ihre aus früheren Werke bekannten Themen kommen in „Clementine“ bestenfalls in homöopathischen Dosen vor. Insofern ist die sich stringent erzählte Survival-Story eine interessante Erweiterung ihres Œuvre. Für die Fans ihrer anderen Geschichten ist diese Fingerübung in einer von einem anderen Autor geschaffenen Welt allerdings nicht wirklich essenziell.

Das gesagt ist „Clementine“ eine spannende Zombie-Geschichte mit glaubwürdigen Figuren und Konflikten. Das liest sich sehr gut, kann aber nicht verhehlen, dass die einzelnen Elemente und Konflikte inzwischen sehr vertraut sind.

Tillie Walden: Clementine – Buch Eins

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2023

240 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

Clementine: Book One

Image Comics, 2022

Hinweise

Homepage von Tillie Walden

Wikipedia über Tillie Walden (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tillie Waldens „Pirouetten“ (Spinning, 2017)

Meine Besprechung von Tillie Waldens „ Auf einem Sonnenstrahl“ (On a Sunbeam, 2018)

zu „The Walking Dead“

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Grenzen (Band 18)“ (The Walking Dead, Vol. 18: What comes after, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Auf dem Kriegspfad (Band 19)“ (The Walking Dead, Vol. 19: March to War, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Stefano Gaudiano/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Krieg – Teil 1 (Band 20)“ (The Walking Dead, Vol. 20: All Out War, Part One, 2014)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Meine Besprechung der TV-Serie “The Walking Dead – Staffel 3″ (USA 2013)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 


TV-Tipp für den 4. Oktober: Die Verurteilten

Oktober 3, 2023

Kabel Eins, 20.15

Die Verurteilten (The Shawshank Redemption, USA 1994)

Regie: Frank Darabont

Drehbuch: Frank Darabont

LV: Stephen King: Rita Hayworth and the Shawshank Redemption, in Different Seasons, 1982 (Pin up; Die Verurteilten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“; einer Sammlung von vier Novellen)

Ein unschuldig verurteilter Bankmanager flüchtet nach jahrelanger Kleinarbeit aus dem Gefängnis.

Eindrucksvolles Gefängnisdrama, das beim Kinostart nicht als „Stephen-King-Film“ beworben wurde. Zu Recht, denn damals stand Kings Name fast ausschließlich für minderwertige Horrorfilme.

„Die Verurteilten“ ist inzwischen ein äußerst beliebter und erfolgreicher Film. In dem All-Time-Great-Ranking der Internet Movie Database steht er derzeit auf Platz 1; – was einen dann doch etwas an dieser Liste zweifeln lassen kann. Auch wenn „Der Pate“ und „Der Pate 2“ auf dem zweiten und vierten Platz stehen.

Mit Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler, Clancy Brown, Gil Bellows, Mark Rolston, James Whitmore, Jude Ciccolella

Wiederholung: Donnerstag, 5. Oktober, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verurteilten“

Wikipedia über „Die Verurteilten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Rob Savages Stephen-King-Verfilmung „The Boogeyman“ (The Boogeyman, USA 2023)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


Cover der Woche

Oktober 3, 2023


TV-Tipp für den 3. Oktober: Ballon

Oktober 2, 2023

ARD, 20.15

Ballon (Deutschland 2018)

Regie: Michael Bully Herbig

Drehbuch: Kit Hopkins, Thilo Röscheisen, Michael Bully Herbig

Durchaus spannender Thriller über die Flucht der Familien Strelzyk und Wetzel in einem selbstgebauten Ballon am 16. September 1979 aus der DDR in den Westen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Thomas Kretschmann, Jonas Holdenrieder, Tilman Döbler, Ronald Kukulies, Emily Kusche, Till Patz, Ben Teichmann, Christian Näthe, Sebastian Hülk, Gernot Kunert, Ulirch Friedrich Brandhoff

Wiederholung: Mittwoch, 4. Oktober, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Ballon“

Moviepilot über „Ballon“

Wikipedia über „Ballon“

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Ballon“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Michael Bully Herbigs „Tausend Zeilen“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 2. Oktober: Patrice Chéreau – Frankreichs Theatergenie

Oktober 1, 2023

Arte, 01.30

Patrice Chéreau – Frankreichs Theatergenie (Frankreich 2013)

Regie: Marion Stalens

Drehbuch: Marion Stalens

TV-Premiere. Spielfilmlange Doku über Patrice Chéreau (2. November 1944 – 7. Oktober 2013). Er inszenierte Opern, u. a. 1976 bei den Wagner-Festspielen den „Ring der Nibelungen“, und Spielfilme, u. a. „Das Fleisch der Orchidee“ (sein Spielfilmdebüt), „Der verführte Mann“,„Die Bartholomäusnacht“ und „Intimacy“

Vor der Doku, um 23.00 Uhr, zeigt Arte sein Historiendrama „Die Bartholomäusnacht“.

Hinweise

Arte über die Doku (bis 31. Dezember 2023 in der Mediathek)

Wikipedia über Patrice Chéreau (deutsch, englisch, französisch)