Neu im Kino/Filmkritik: „Alien: Romulus“ – altes Monster, neuer Regisseur

August 15, 2024

Zurück in die Vergangenheit geht es mit „Alien: Romulus“, dem neuesten Film des zuletzt arg darbenden „Alien“-Franchise. Fede Alvarez, der Regisseur von „Evil Dead“, „Don’t Breathe“ und „Verschwörung“, übernahm die Regie und er erhielt freie Hand. Wie James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet, die in ihren „Alien“-Filmen „Aliens: Die Rückkehr“ (1986), „Alien 3“ (1992) und „Alien: Die Wiedergeburt“ (1997) den Filmen ihren künstlerischen Stempel aufdrücken durften und so Ridley Scotts SF-Horrorfilm „Alien“ (1979) mit weitgehend unverbundenen Einzelgeschichten fortführten, darf jetzt Fede Alvarez seine „Alien“-Geschichte erzählen. Chronologisch (als ob das bei diesem Franchise wichtig sei) spielt sein Film zwischen „Alien“ und „Aliens“. Die Geschichte beginnt auf dem von der Weyland-Yutani Corporation betriebenen Bergbauplaneten Jackson’s Star. Die 25-jährige Rain Carradine (Cailee Spaeny) und ihre gleichaltrigen Freunde wollen nicht als Bergarbeiter sterben. Als ein verlassenes Raumschiff, in dem einige für lange Weltraumflüge wichtige Kälteschlafkammern sind, demnächst auf den Planeten stürzen könnte, entschließen sie sich, dorthin zu fliegen, die Kälteschlafkammern zu bergen. Anschließend wollen sie zu einen lebenswerteren Planeten fliegen.

Kurz nachdem sie das Schiff betreten haben, entdecken sie Spuren einiger schwerer Kämpfe auf dem ziemlich zerstörten Schiff. Bei ihrer Erkundung öffnen sie eine Kammer und die uns aus den vorherigen Filmen bekannten Aliens beginnen sie zu jagen. Wer die vorherigen „Alien“-Filme nicht gesehen hat, begreift ebenfalls sehr schnell, dass diese Wesen sehr unangenehme Gesellen sind.

Ab diesem Moment konzentriert Fede Alvarez sich nur noch auf gut abgehangenen Horror. Sein „Alien: Romulus“ ist ein SF-Horrorthriller mit der Betonung auf Thriller. Für die Fans der ersten vier, vor allem des ersten „Alien“-Films gibt es einige hübsche Anspielungen, wie die Schrifteinblendungen am Filmanfang, die im Schiff benutzten Computer (die ungefähr auf dem Stand von 1980 sind) und einen Androiden, der wie der Android Ash (Ian Holm) aus „Alien“ aussieht. In „Alien: Romulus“ darf er als notdürftig wieder in Betrieb genommener, halb zerfetzter Android den Jungspunden die Situation, in die sie hineingeraten sind, erklären. Zu Rains Gruppe gehört selbstverständlich auch ein Android (David Jonsson).

Nach den beiden hoffnungslos verkopften, edel gefilmten Langweilern „Prometheus: Dunkle Zeichen“ (2012) und „Alien: Covenant“ (2017), beide von Ridley Scott inszeniert, ist „Alien: Romulus“ beherzter Schritt zurück zu den Franchise-Anfängen. Und das ist gut so.

Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues (basierend auf von Dan O’Bannon und Ronald Shusett geschaffenen Charakteren)

mit Cailee Spaeny, David Jonsson, Archie Renaux, Isabela Merced, Spike Fearn, Aileen Wu

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alien: Romulus“

Metacritic über „Alien: Romulus“

Rotten Tomatoes über „Alien: Romulus“

Wikipedia über „Alien: Romulus“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)


TV-Tipp für den 15. August (+ Buchtipp): No Way Out – Es gibt kein Zurück

August 14, 2024

Tele 5, 20.15

No Way Out – Es gibt kein Zurück (No way out, USA 1987)

Regie: Roger Donaldson

Drehbuch: Robert Garland

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946

Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.

Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.

Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton, Howard Duff, George Dzundza, Brad Pitt (ist wohl irgendwann einmal als Partygast zu sehen; ist einer seiner allerersten Filmauftritte)

Wiederholung: Sonntag, 18. August, 00.05 Uhr (Taggenau!)

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Lesetipp: Der Roman, der den Film inspirierte

Die Vorlage für „No Way Out – Es gibt kein Zurück“ erzählt die Geschichte etwas anders. In dem Roman soll George Stroud, Chefredakteur des True-Crime-Magazins „Crimeways“, den Mann suchen, der Pauline Delos nach Hause begleitete. Sein Chef Earl Janoth möchte das. Denn er möchte diesem Mann, den er in der Nacht nur als Schatten gesehen hat, den Mord an seiner Geliebten Pauline Delos anhängen. Janoth ermordete sie in einem Eifersuchtsanfall. Was Janoth nicht ahnt ist, dass Stroud der Mann ist, der Delos nach Hause begleitete.

Unglaublich, aber wahr: die deutsche Erstausgabe von Kenneth Fearings „Die große Uhr“ erschien erst 2023. Im Original erschien der Noir-Roman bereits 1946. Er wurde Fearings erfolgreichstes Werk und gilt schon lange als Noir-Klassiker.

Und es wurde zweimal erfolgreich und sehr unterschiedlich verfilmt. Einmal, nah am Buch, 1947 von John Farrow. Roger Donaldson verlegte 1987 die Geschichte in die Welt der Politik und Spionage. Jetzt ist der Täter der US-Verteidigungsminister und ein hochrangiger Soldat soll den Zeugen/“Täter“ finden. Und beide Male ließen deutsche Verlage die günstige Gelegenheit, den Roman zu veröffentlichen, ungenutzt verstreichen.

Dabei ist der chronologisch, aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Stimmen stringent erzählte Noir immer noch eine beängstigende und spannende Lektüre über einen Mann, der sich selbst jagt und sich als Unschuldiger an den Galgen liefern soll, damit der Schuldige entkommen kann. Eine wahrhaft teuflische Prämisse.

Nach seiner deutschen Erstveröffentlichung stand der Noir zweimal auf der Krimibestenliste.

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Kenneth Fearing: Die große Uhr

(übersetzt von Jakob Vandenberg, mit einem Nachwort von Martin Compart)

Elsinor, 2023

200 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe

The Big Clock

Harcourt Brace, 1946

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “No Way Out”

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch) und Kenneth Fearing

Meine Besprechung der früheren Verfilmung des Romans “Spiel mit dem Tode” (The Big Clock, USA 1947)

Meine Besprechung von Roger Donaldson Bill-Granger-Verfilmung „The November Man (The November Man, USA 2014)


(Wieder) Neu im Kino/Filmkritik: „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“ entfacht eine Zerstörungsorgie

August 14, 2024

Für die vierköpfige Familie Kobayashi ist es ein Freudentag. Endlich können sie aus ihrer in Tokio liegenden beengten Wohnung in ein Einfamilienhaus am Stadtrand umziehen. Aber das Paradies bröckelt schnell. Der Großvater quartiert sich ein und schon wird es eng in der neuen Hütte. Die Kinder verhalten sich zunehmend wahnhaft. Die Tochter denkt nur noch an ein Vorsingen bei einer Plattenfirma. Der Sohn an eine bevorstehende Prüfung. Der Vater, ein ständig hoffnungslos überforderter, von allen drangsalierter Büroangestellter, versucht das Paradies zu retten. Er verteidigt es gegen Termiten und schlägt im Wohnzimmer ein Loch in den Boden. Er will das Haus nach unten erweitern und so Platz für den Großvater schaffen.

Das ist nicht das Ende, sondern nur der Beginn eines zügig aus dem Ruder laufenden Chaos.

1985 lief Sogo Ishiis durchgeknallte Satire „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“ bereits in unseren Kinos. Danach gab es DVD-Veröffentlichungen und TV-Ausstrahlungen, aber in den vergangenen Jahren verschwand die Satire aus dem öffentlichen Bewusstsein. Jetzt bringt Rapid Eye Movies den Film wieder in die Kinos. Für Mitte Oktober haben sie bereits eine Blu-ray-Veröffentlichung angekündigt.

„Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“ ist, garniert mit einigen Filmzitaten, eine wundervoll hysterische und kompromisslos bis zum, uh, märchenhaften Ende zwischen Slapstick und Horrorfilm durchkomponierte Satire auf den japanischen Way of Life, den Kapitalismus und die Leistungsgesellschaft.

Sogo Ishii inszenierte sie mit einer rotzigen Punk-Attitüde, die sich junge Filmschaffende zum Vorbild nehmen sollten. Anstatt auf ein Millionenbudget zu warten, legte er einfach los. Lieber keinen perfekten Film machen als keinen Film zu machen war anscheinend sein Motto.

In Japan war, jedenfalls vor vierzig Jahren, die Wendung „umgekehrter Düsenantrieb“ ein geflügeltes Wort für plötzlich auftauchenden Irrsinn mit katastrophalen Folgen. Seinen Ursprung hatte es in einem damals einige Jahre zurückliegendem Vorfall: ein Pilot schaltete während des Flugs den Umkehrschub ein. Die Maschine stürzte ab.

Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb (逆噴射家族 Gyakufunsha Kazoku, Japan 1984)

Regie: Sogo Ishii

Drehbuch: Yoshinori Kobayashi, Fumio Konami, Sogo Ishii (nach einer Erzählung von Yoshinori Kobayashi)

mit Katsuya Kobayashi, Mitsuko Baisho, Yoshiki Arizono, Youki Kudoh

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Internationaler Titel: Crazy Family

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Der Film wird in Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

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Hinweise

Rapid Eye Movies über den Film

Moviepilot über „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“

Rotten Tomatoes über „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“

Wikipedia über „Die Familie mit dem umgekehrten Düsenantrieb“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. August: Unglaublich, aber wahr

August 13, 2024

Arte, 20.15

Unglaublich, aber wahr (Incroyable mais vrai, Frankreich/Belgien 2022)

Regie: Quentin Dupieux

Drehbuch: Quentin Dupieux

Als Alain und Marie in ihr neues Vorstadthaus einziehen, zeigt ihnen ihr Makler im Keller eine in den Boden gehende Luke, hinter der sich etwas sehr Ungewöhnliches verbirgt, das ihr gesamtes Leben verändern könnte.

TV-Premiere. Ein weiterer Ausflug in die wundervoll schräge Welt von Quentin Dupieux („Rubber“, „Wrong“. „Reality“, „Die Wache“. „Monsieur Killerstyle“).

mit Alain Chabat, Léa Drucker, Benoît Magimel, Anaïs Demoustier, Stéphane Pezerat

Hinweise

AlloCiné über „Unglaublich, aber wahr“

Rotten Tomatoes über „Unglaublich, aber wahr“

Wikipedia über „Unglaublich, aber wahr“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Wrong“ (Wrong, Frankreich/USA 2012)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Wrong Cops – Von Bullen und Biestern“ (Wrong Cops, Frankreich/USA/Russland 2013)

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Die Wache“ (Au poste!, Frankreich 2018)

 


Neu auf Blu-ray/Filmkritik: Teuflisch katholische Probleme: „Das erste Omen“

August 13, 2024

Was tun wir, wenn wir gerade keine Ideen, aber Geld und ein im Moment mehr oder weniger erfolgreiches, mehr oder weniger beliebtes, seit Jahr(zehnt)en etabliertes Franchises haben? Nun, wir können Antworten auf Fragen geben, die bislang niemand wirklich gestellt hat. Bei „Star Wars“ wurde in „Rogue One“ erklärt, wie Rebellen die Informationen beschaffen, mit denen im ersten „Krieg der Sterne“-Film (inzwischen betitelt als „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“) der Todesstern zerstört wird. Diese Frage hat Alan Dean Foster in seinem 1976 erschienenem Filmroman schon in einem Satz beantwortet. Trotzdem war der Film, der diese Antwort nur elaborierte, bei der Kritik und dem Publikum ein Erfolg.

Thomas Harris schrieb, nachdem das Publikum immer mehr über Hannibal Lecter erfahren wollte, „Hannibal Rising“. In dem Thriller erzählt er die Lehr- und Wanderjahre des Killers. Das war der Moment, in dem ich meine Thomas-Harris-Lektüre einstellte. Es interessierte mich einfach nicht.

Und jetzt gibt es „Das erste Omen“. In dem Horrorfilm erzählt Arkasha Stevenson in ihrem Spielfilmdebüt die Vorgeschichte zu Richard Donners Horrorfilmklassiker „Das Omen“. Der Film sorgte 1976 für volle Kassen. In Rom geht Robert Thorn (Gregory Peck), nachdem seine Frau Cathy (Lee Remick) bei der Geburt ihr Baby verliert, auf den Vorschlag eines Priesters ein, ein anderes, zur gleichen Zeit geborenes Baby als sein Baby auszugeben. Bei der Geburt starb die Mutter. Das Baby ist jetzt ein Vollwaise. Das Kind mit dem Namen Damien ist außerdem, wie Thorn Jahre später erfährt, der Sohn des Teufels. Als fünfjähriger Bengel sorgt er in London, wo Thorn inzwischen der Botschafter für die USA ist, für einige schreckliche Todesfälle.

Mehrere Fortsetzungen, eine TV-Serie und ein Remake folgten.

„Das erste Omen“ springt zurück in das Jahr 1971 und erzählt, was in den Tagen und Wochen vor dem in „Das Omen“ geschilderten Babytausch geschah. Margaret Daino (Nell Tiger Free) kommt in Rom an. Die Waise wuchs in der US-amerikanischen Provinz in einem katholischen Kinderheim auf. Dort verstand sie sich gut mit Pater Lawrence (Bill Nighy). Er ist inzwischen ein im Vatikan einflussreicher Kardinal.

In wenigen Tagen will die junge Frau eine Nonne werden. Aber in dem in Rom gelegenem, von Schwester Silva (Sonia Braga) und ihren Nonnen drakonisch geführtem Waisenhaus geschehen seltsame Dinge.

Eine Fraktion von Gläubigen hat anscheinend finstere Pläne. Jedenfalls behauptet das Father Brennan (Ralph Ineson); – wer „Das Omen“ gesehen hat, kennt ihn, damals von Patrick Troughton gespielt, aus dem Film als unerbittlichen Warner, der während eines Gewitters vor einer Kirche von einem Blitzableiter aufgespießt wird.

Brennan bittet Margaret um Informationen. Gleichzeitig entführt eine Mitnovizin, mit der sie ihre Übergangswohnung teilt, die Jungfrau in das römische Nachtleben.

Dass Margaret die Geburt von Damien zur sechsten Stunde des sechsten Tages im sechsten Monat des Jahres nicht verhindern kann, ist klar. Schlielßlich erzählt „Das erste Omen“ die unmittelbare Vorgeschichte zu „Das Omen“. Unklar ist allerdings, wer Damiens Mutter ist und welche Kreise in der Kirche warum möchten, dass Damien auf die Welt kommt. Die Erklärung ist bestenfalls halb überzeugend – und weniger überzeugend als die Erklärung in „Immaculate“.

„Das erste Omen“ endet so, dass die Möglichkeit für eine Fortsetzung und eine neue Filmreihe besteht, die die bisherigen „Das Omen“-Filme aus einer anderen Perspektive betrachtet. Aus kommerziellen Erwägungen – immerhin ist „Das Omen“ ein eingeführter Name – ist es nachvollziehbar, dass die Produzenten des Franchises muntere weitere „Omen“-Filme machen möchten. Aus künstlerischen Erwägungen – und weil sie den Neustart des „Omen“-Franchise (der letzte Kinofilm ist von 2006, die kurzlebige TV-Serie von 2016) mit einem Prequel beginnen, dessen Ende allseits bekannt ist – werden hier der Kreativität enge Ketten angelegt. So sind auch die Überraschungen nie überraschend.

„Das erste Omen“ ist kein schlechter Film, aber ein überflüssiger Film. Dabei geht der Horrorfilm bei der Erweiterung der „Omen“-Mythologie durchaus geschickt vor, in dem er eine Gruppe etabliert, die möchte, dass der Sohn des Teufels geboren wird. Aber der Hauptplot und das Ende ist bekannt. Wir wissen nur nicht, wer die Mutter ist. Das ist dann eine der Überraschungen des Films.

Das größte Problem von „Das erste Omen“ ist, dass vor wenigen Wochen „Immaculate“ startete und Vergleiche zwischen diesen beiden sehr ähnlichen Horrorfilmen unvermeidlich sind. Beide Male geht es um eine aus den USA nach Italien kommende Novizin und, soviel kann ohne Spoiler verraten werden, um eine besondere Schwangerschaft. Beide Male geht es um eine mächtige Institution – die katholische Kirche – und mächtige Männer und ihnen helfende Frauen, die Frauen ihren Willen über ihren Körper aufzwingen und, mehr oder weniger göttlich, schwängern.

Dabei ist „Immaculate“, inszeniert von Michael Mohan, nach einem Drehbuch von Andrew Lobel und mit Sydney Sweeney in der Hauptrolle, der ungleich besserere Horrorfilm. Er badet im Italo-Horror, im Giallo und hat ein im Gedächtnis bleibendes Killer-Ende.

„Das erste Omen“ ist dagegen nur die durchaus gut gemachte asexuelle Mainstream-Variante. Stevensons Film ist Horror für die breite Masse, die sich etwas gruseln möchte. „Immaculate“ ist Horror für den Horrorfilmfan.

Das Bonusmaterial der „Das erste Omen“-Blu-ray besteht aus drei kurzen, primär werbliche, wenig informativen Featurettes, die in etwas über achtzehn Minuten angesehen werden können.

Das erste Omen (The First Omen, USA 2024)

Regie: Arkasha Stevenson

Drehbuch: Tim Smith, Arkasha Stevenson, Keith Thomas (nach einer Geschichte von Ben Jacoby, basierend auf von David Seltzer erfundenen Figuren)

mit Nell Tiger Free, Tawfeek Barhom, Sonia Braga, Ralph Ineson, Bill Nighy, Charles Dance, Maria Caballero

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Blu-ray

20th Century Fox/Leonine

Bild: 1080p High Definition/1,85:1/16:9

Ton: Deutsch, Englisch, Französisch, Französisch (Kanada), Spanisch (Dolby Digital Plus 7.1, DTS-HD MA 7.1, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Dänisch, Englisch für Hörgeschädigte, Finnisch, Französisch, Französisch (Kanada), Norwegisch, Schwedisch, Spanisch

Bonusmaterial: Die Vision der Regisseurin, Das Mysterium um Margaret, Die Symbollik von „Das erste Omen“

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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DVD ohne Bonusmaterial

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Das erste Omen“

Metacritic über „Das erste Omen“

Rotten Tomatoes über „Das erste Omen“

Wikipedia über „Das erste Omen“ (deutsch, englisch) und das originale „Omen“ (deutsch, englisch)

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Bonus: das Kinoplakat


Cover der Woche

August 13, 2024

Alfred Hitchcock (13. August 1899 – 29. April 1980)


TV-Tipp für den 13. August: The Ordinaries

August 12, 2024

ZDF, 23.15

The Ordinaries (Deutschland 2022)

Regie: Sophie Linnenbaum

Drehbuch: Sophie Linnenbaum, Michael Fetter Nathansky

Paula Feinmann glaubt, dass sie auf dem Sprung von einer Neben- zu einer Hauptfigur ist. Aber da gibt es plötzlich Merkwürdigkeiten und Probleme. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin will sie mehr über ihre Herkunft, vor allem über ihren spurlos verschwundenen Vater, erfahren. Ihre Suche führt sie auch in die Welt der Outtakes (die ziemlich genau das sind, was man sich darunter vorstellt).

TV-Premiere. Gelungene, sehr gut aussehende Mischung aus Science-Fiction, Satire und Meta-Werk. Ein auf sehr vergnügliche Weise ‚verkopftes‘ und zum Nachdenken anregendes Werk. Sozusagen extraordinär.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Fine Sendel, Jule Böwe, Henning Peker, Noah Tinwa, Sira-Anna Faal, Denise M’Baye, Pasquale Aleardi, Noah Bailey, Christian Steyer, Birgit Berthold

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „The Ordinaries“

Moviepilot über „The Ordinaries“

Rotten Tomatoes über „The Ordinaries“

Wikipedia über „The Ordinaries“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sophie Linnenbaums „The Ordinaries“ (Deutschland 2022)


Die Hugo-Gewinner 2024

August 12, 2024

Am Sonntag, den 11. August 2024, wurden in Glasgow auf der Worldcon die Hugo Awards verliehen Der wichtige Sciene-Fiction-Preis ging an:

Best Novel

Gewinner:

Some Desperate Glory by Emily Tesh (Tordotcom, Orbit UK)

nominiert

The Adventures of Amina al-Sirafi by Shannon Chakraborty (Harper Voyager, Harper Voyager UK)

The Saint of Bright Doors by Vajra Chandrasekera (Tordotcom)

Starter Villain by John Scalzi (Tor, Tor UK)

Translation State by Ann Leckie (Orbit US, Orbit UK)

Witch King by Martha Wells (Tordotcom)

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Best Novella

Gewinner

Thornhedge by T. Kingfisher (Tor, Titan UK)

nominiert

“Life Does Not Allow Us to Meet”, He Xi / 人生不相见, 何夕, translated by Alex Woodend (Adventures in Space: New Short stories by Chinese & English Science Fiction Writers)

Mammoths at the Gates by Nghi Vo (Tordotcom)

The Mimicking of Known Successes by Malka Older (Tordotcom)

Rose/House by Arkady Martine (Subterranean)

“Seeds of Mercury”, Wang Jinkang / 水星播种, 王晋康, translated by Alex Woodend (Adventures in Space: New Short stories by Chinese & English Science Fiction Writers)

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Best Novelette

Gewinner

“The Year Without Sunshine” by Naomi Kritzer (Uncanny Magazine, November-December 2023)

nominiert

I AM AI by Ai Jiang (Shortwave)

“Introduction to 2181 Overture, Second Edition”, Gu Shi /〈2181序曲〉再版导言, 顾适 translated by Emily Jin (Clarkesworld, February 2023)

“Ivy, Angelica, Bay” by C.L. Polk (Tor.com 8 December 2023)

“On the Fox Roads” by Nghi Vo (Tor.com 31 October 2023)

“One Man’s Treasure” by Sarah Pinsker (Uncanny Magazine, January-February 2023)

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Best Short Story

Gewinner

“Better Living Through Algorithms” by Naomi Kritzer (Clarkesworld May 2023)

nominiert

“Answerless Journey”, Han Song / 没有答案的航程, 韩松, translated by Alex Woodend (Adventures in Space: New Short stories by Chinese & English Science Fiction Writers)

“How to Raise a Kraken in Your Bathtub” by P. Djèlí Clark (Uncanny Magazine, January-February 2023)

“The Mausoleum’s Children” by Aliette de Bodard (Uncanny Magazine, May-June 2023)

“The Sound of Children Screaming” by Rachael K. Jones (Nightmare Magazine, October 2023)

美食三品 (“Tasting the Future Delicacy Three Times”), 宝树 / Baoshu (银河边缘013:黑域密室 / Galaxy’s Edge Vol. 13: Secret Room in the Black Domain)

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Best Series

Gewinner

Imperial Radch by Ann Leckie (Orbit US, Orbit UK)

nominiert

The Final Architecture by Adrian Tchaikovsky (Tor UK, Orbit US)

The Last Binding by Freya Marske (Tordotcom, Tor UK)

The Laundry Files by Charles Stross (Tordotcom, Orbit UK)

October Daye by Seanan McGuire (DAW)

The Universe of Xuya by Aliette de Bodard (Gollancz; JABberwocky Literary Agency; Subterranean Press; Uncanny Magazine; et al.)

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Best Graphic Story or Comic

Gewinner

Saga, Vol. 11 written by Brian K. Vaughan, art by Fiona Staples (Image Comics)

nominiert

Bea Wolf, written by Zach Weinersmith, art by Boulet (First Second)

Shubeik Lubeik, Deena Mohamed (Pantheon); as Your Wish Is My Command (Granta)

三体漫画:第一部 / The Three Body Problem, Part One, adapted from the novels by 刘慈欣 (Liu Cixin), written by 蔡劲 (Cai Jin),戈闻頔 (Ge Wendi), and 薄暮 (Bo Mu), art by 草祭九日东 (Caojijiuridong) (Zhejiang Literature and Art Publishing House)

The Witches of World War II written by Paul Cornell, art by Valeria Burzo (TKO Studios LLC)

Wonder Woman Historia: The Amazons written by Kelly Sue DeConnick, art by Phil Jimenez, Gene Ha and Nicola Scott (DC Comics)

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Best Related Work

Gewinner

A City on Mars by Kelly Weinersmith and Zach Weinersmith (Penguin Press; Particular Books)

nominiert

All These Worlds: Reviews & Essays by Niall Harrison (Briardene Books)

中国科幻口述史, 第二卷, 第三卷,(Chinese Science Fiction: An Oral History, vols 2 and 3) ed. 杨枫 / Yang Feng (8-Light Minutes Culture & Chengdu Time Press)

The Culture: The Drawings, by Iain M. Banks (Orbit)

雨果X访谈 (Discover X), presented by 王雅婷 (Tina Wong)

A Traveller in Time: The Critical Practice of Maureen Kincaid Speller, by Maureen Kincaid Speller, edited by Nina Allan (Luna Press Publishing)

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Best Dramatic Presentation, Long Form

Gewinner

Dungeons & Dragons: Honor Among Thieves, screenplay by John Francis Daley, Jonathan Goldstein and Michael Gilio, directed by John Francis Daley and Jonathan Goldstein (Paramount Pictures)

nominiert

Barbie, screenplay by Greta Gerwig and Noah Baumbach, directed by Greta Gerwig (Warner Bros. Studios)

Nimona, screenplay by Robert L. Baird and Lloyd Taylor, directed by Nick Bruno and Troy Quane (Annapurna Animations)

Poor Things, screenplay by Tony McNamara, directed by Yorgos Lanthimos (Element Pictures)

Spider-Man: Across the Spider-Verse, screenplay by Phil Lord, Christopher Miller and Dave Callaham, directed by Joaquim Dos Santos, Kemp Powers and Justin K. Thompson (Columbia Pictures / Marvel Entertainment / Avi Arad Productions / Lord Miller / Pascal Pictures / Sony Pictures Animation)

流浪地球2 / The Wandering Earth II, based on the novel by 刘慈欣 Liu Cixin, screenplay by 杨治学 Yang Zhixue, 郭帆 / Frant Gwo, 龚格尔 Gong Geer, and 叶濡畅 Ye Ruchang, script consultant 王红卫 Wang Hongwei, directed by 郭帆 / Frant Gwo (中影创意(北京)电影有限公司 / CFC Pictures Ltd, 郭帆(北京)影业有限公司 / G!Film (Beijing) Studio Co. Ltd, 北京登峰国际文化传播有限公司 / Beijing Dengfeng International Culture Communication Co, Ltd, 中国电影股份有限公司 / China Film Co. Ltd)

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Best Dramatic Presentation, Short Form

Gewinner

The Last of Us: “Long, Long Time”, written by Craig Mazin and Neil Druckmann, directed by Peter Hoar (Naughty Dog / Sony Pictures)

nominiert

Doctor Who: “The Giggle”, written by Russell T. Davies, directed by Chanya Button (Bad Wolf with BBC Studios for The BBC and Disney Branded Television)

Loki: “Glorious Purpose”, screenplay by Eric Martin, Michael Waldron and Katharyn Blair, directed by Justin Benson and Aaron Moorhead (Marvel / Disney+)

Star Trek: Strange New Worlds: “Those Old Scientists”, written by Kathryn Lyn and Bill Wolkoff, directed by Jonathan Frakes (CBS / Paramount+)

Star Trek: Strange New Worlds: “Subspace Rhapsody”, written by Dana Horgan and Bill Wolkoff, directed by Dermott Downs (CBS / Paramount+)

Doctor Who: “Wild Blue Yonder”, written by Russell T. Davies, directed by Tom Kingsley (Bad Wolf with BBC Studios for The BBC and Disney Branded Television)

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Best Game or Interactive Work

Gewinner

Baldur’s Gate 3, produced by Larian Studios

nominiert

Alan Wake 2, developed by Remedy Entertainment, published by Epic Games

Chants of Sennaar, developed by Rundisc, published by Focus Entertainment

DREDGE, developed by Black Salt Games, published by Team17

The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom, produced by Nintendo

Star Wars Jedi: Survivor, developed by Respawn Entertainment, published by Electronic Arts

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Best Editor Short Form

Gewinner

Neil Clarke

nominiert

Scott H. Andrews

刘维佳 (Liu Weijia)

Jonathan Strahan

Lynne M. Thomas & Michael Damian Thomas

杨枫 (Yang Feng)

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Best Editor Long Form

Gewinner

Ruoxi Chen

nominiert

Lindsey Hall

Lee Harris

Kelly Lonesome

David Thomas Moore

姚海军 (Yao Haijun)

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Best Professional Artist

Gewinner

Rovina Cai

nominiert

Micaela Alcaino

Galen Dara

Dan Dos Santos

Tristan Elwell

Alyssa Winans

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Best Semiprozine

Gewinner

Strange Horizons, by the Strange Horizons Editorial Collective

nominiert

Escape Pod, editors Mur Lafferty and Valerie Valdes; assistant editors Benjamin C. Kinney, Premee Mohamed and Kevin Wabaunsee; hosts Tina Connolly and Alasdair Stuart; producers Summer Brooks and Adam Pracht; and the entire Escape Pod team

FIYAH Literary Magazine, publisher and executive editor DaVaun Sanders, poetry editor B. Sharise Moore, special projects manager L. D. Lewis, art director Christian Ivey, acquiring editors Rebecca McGee, Kerine Wint, Joshua Morley, Emmalia Harrington, Genine Tyson, Tonya R. Moore, sponsor coordinator Nelson Rolon

GigaNotoSaurus, editor LaShawn M. Wanak, associate editors Mia Tsai and Edgard Wentz, along with the GNS Slushreaders Team

khōréō, produced by Aleksandra Hill, Zhui Ning Chang, Kanika Agrawal, Isabella Kestermann, Rowan Morrison, Sachiko Ragosta, Lian Xia Rose, Jenelle DeCosta, Melissa Ren, Elaine Ho, Lilivette Domínguez, Jei D. Marcade, Jeané Ridges, Isaree Thatchaichawalit, Danai Christopoulou, M. L. Krishnan, Ysabella Maglanque, Aaron Voigt, Adil Mian, Alexandra Millatmal, E. Broderick, K. S. Walker, Katarzyna Nowacka, Katie McIvor, Kelsea Yu, Marie Croke, Osahon Ize-Iyamu, Phoebe Low, S. R. Westvik, Sara S. Messenger

Uncanny Magazine, publishers and editors-in-chief: Lynne M. Thomas and Michael Damian Thomas; managing editor Monte Lin; nonfiction editor Meg Elison; podcast producers Erika Ensign and Steven Schapansky.

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Best Fanzine

Gewinner

Nerds of a Feather, Flock Together, editors Roseanna Pendlebury, Arturo Serrano, Paul Weimer; senior editors Joe Sherry, Adri Joy, G. Brown, Vance Kotrla.

nominiert

Black Nerd Problems, editors Omar Holmon and William Evans

The Full Lid, written by Alasdair Stuart and edited by Marguerite Kenner

Idea, editor Geri Sullivan

Journey Planet, edited by Michael Carroll, Vincent Docherty, Sara Felix, Ann Gry, Sarah Gulde, Allison Hartman Adams, Arthur Liu, Jean Martin, Helena Nash, Pádraig Ó Méalóid, Yen Ooi, Chuck Serface, Alan Stewart, Regina Kanyu Wang, James Bacon and Christopher J. Garcia

Unofficial Hugo Book Club Blog, editors Olav Rokne and Amanda Wakaruk

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Best Fancast

Gewinner

Octothorpe, by John Coxon, Alison Scott, and Liz Batty

nominiert

The Coode Street Podcast, presented by Jonathan Strahan and Gary K. Wolfe

Hugos There, presented by Seth Heasley

Publishing Rodeo, presented by Sunyi Dean and Scott Drakeford

科幻Fans布玛 (Science Fiction Fans Buma), production team 布玛(Buma),刘路(Liu Lu),刘倡(Liu Chang)

Worldbuilding for Masochists, presented by Marshall Ryan Maresca, Rowenna Miller, Cass Morris and Natania Barron

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Best Fan Writer

Gewinner

Paul Weimer

nominiert

Bitter Karella

James Davis Nicoll

Jason Sanford

Alasdair Stuart

Örjan Westin

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Best Fan Artist

Gewinner

Laya Rose

nominiert

Iain J. Clark

Sara Felix

Dante Luiz

Alison Scott

España Sheriff

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Lodestar Award for Best YA Book

Gewinner

To Shape a Dragon’s Breath by Moniquill Blackgoose (Del Rey)

nominiert

Abeni’s Song by P. Djèlí Clark (Starscape)

Liberty’s Daughter by Naomi Kritzer (Fairwood Press)

Promises Stronger than Darkness by Charlie Jane Anders (Tor Teen)

The Sinister Booksellers of Bath by Garth Nix (Katherine Tegen Books, Gollancz and Allen & Unwin)

Unraveller by Frances Hardinge (Macmillan Children’s Books; eligible due to 2023 U.S. publication by Amulet)

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Astounding Award for Best New Writer (sponsored by Dell Magazines)

Gewinner

Xiran Jay Zhao (eligibility extended at request of Dell Magazines)

nominiert

Moniquill Blackgoose (1st year of eligibility)

Sunyi Dean (2nd year of eligibility)

Ai Jiang (2nd year of eligibility)

Hannah Kaner (1st year of eligibility)

Em X. Liu (1st year of eligibility)


TV-Tipp für den 12. August: Erpressung

August 11, 2024

Alfred Hitchcock (13. August 1899 – 29. April 1980)

Arte, 00.00

Erpressung (Blackmail, Großbritannien 1929)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Alfred Hitchcock, Benn W. Levy (Dialoge Tonfilmversion), Charles Bennett (nach dem Bühnenstück von Charles Bennett)

Weil Alice White sich über ihren Verlobten Frank Webber, einem Scotland-Yard-Polizisten, ärgert, flirtet sie mit einem Maler, geht mit ihm in sein Atelier und posiert als Aktmodell. Als der Maler sich ihr nähert, ersticht sie ihn und schweigt über die Tat. Frank muss in dem Mordfall ermitteln und es gibt auch noch einen Erpresser.

Frühes Meisterwerk von Alfred Hitchcock und der erste britische Tonfilm.

Arte zeigt heute als TV-Premiere eine restaurierte Stummfilmfassung, mit Musik von Moritz Eggert. Denn der Thriller wurde zuerst als Stummfilm inszeniert und noch vor der Premiere für die Tonfilmversion zu großen Teilen neu nachgedreht.

mit Anny Ondra, Sara Allgood, John Londgen, Charles Paton, Donald Calthrop, Cyril Ritchard

Hinweise

Arte über den Film (in der Mediathek bis zum 31. Oktober 2024)

BFI über „Erpressung“

Rotten Tomatoes über „Erpressung“

Wikipedia über „Erpressung“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. August: The Last Duel

August 10, 2024

RTL, 23.30

The Last Duel (The Last Duel, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Ben Affleck, Matt Damon, Nicole Holofcener

LV: Eric Jager: The Last Duel: A True Story of Trial by Combat in Medieval France, 2004

Frankreich, 1386: Jacques LeGris und Jean de Carrouges sind beste Freunde. Bis Jeans Ehefrau Marguerite behauptet, sie sei von Jacques vergewaltigt worden. Die beiden Männer werden zu Todfeinden, die in dem titelgebenden letzten Duell die Wahrheit herausfinden wollen.

TV-Premiere kurz vor Mitternacht. Wegen der Erzählstruktur – Ridley Scott erzählt die Geschichte nacheinander aus der Perspektive jeder Hauptfigur – längliches Drama, das als mittelalterliche Soap-Opera über gekränkte männliche Eitelkeiten mit einem brutalen Duell am Filmende im Gedächtnis bleibt.

Mehr über den Film und die historischen Hintergründe in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Nathaniel Parker, Harriet Walter, Marton Csokas, Adam Nagaitis, Alex Lawther

Hinweise

Moviepilot über „The Last Duel“

Metacritic über „The Last Duel“

Rotten Tomaotes über „The Last Duel“

Wikipedia über „The Last Duel“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beteiligt sich an der Wahrheitsfindung

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


TV-Tipp für den 10. August: Die Bourne Identität

August 9, 2024

RTL II, 20.15

Die Bourne Identität (The Bourne Identity, USA 2002)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Tony Gilroy, William Blake Herron

LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)

CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.

Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Ddas Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen nicht mehr.

Danach, um 22.30 Uhr, gibt es „Das Bourne Ultimatum“ (aka Die weiteren Abenteuer von Jason Bourne).

Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Bourne Identität“

Wikipedia über „Die Bourne Identität“ (deutsch, englisch) und Robert Ludlum (deutsch, englisch)

Kirjasto über Robert Ludlum

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)

Meine Besprechung von Doug Limans “Chaos Walking“ (Chaos Walking, USA 2021)


Die Shortlist für den Crime Cologne Award 2024

August 9, 2024

Da waren’s nur noch drei, die um den diesjährigen Crime Cologne Award konkurrieren:

Vera Buck – Das Baumhaus (Rowohlt Polaris)

Henri Faber – Gestehe (dtv)

Stephan Schmidt – Die Spiele (DuMont)

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Die Jury besteht aus dem Buchhändler Mike Altwicker (Vorsitz), der Autorin Judith Merchant, der Journalistin Birgitt Schippers und der Literaturkritikerin Margarete von Schwarzkopf.

Die Preisverleihung ist am Sonntag, den 22. September 2024, um 20.00 Uhr auf der festlichen Eröffnungsgala des Crime Cologne Krimifestivals im Ludwig im Museum bekanntgegeben.

Das Krimifestival findet vom 20. bis 29. September in Köln statt.


TV-Tipp für den 9. August: Long Walk Home

August 8, 2024

Arte, 20.15

Long Walk Home (Rabbit-Proof Fence, Australien/Großbritannien 2002)

Regie: Phillip Noyce

Drehbuch: Christine Olsen

LV: Doris Pilkington (aka Nugi Garimara): Follow the Rabbit-Proof Fence, 1996 (später „The Rabbit-Proff Fence“; deutsch als „Long Walk Home“)

Die wahre, von Philip Noyce packend erzählte Geschichte von drei Mädchen, die 1931 quer durch Australien 2400 Kilometer am titelgebenden „Rabbit-Proof Fence“ (Kaninchenzaun) entlang nach Hause wanderten. Als Aborigine-Mischlingskinder waren sie von ihren Müttern getrennt und an das andere Ende des Landes transportiert worden.

Das Gesetz existierte bis 1970.

Christopher Doyle war der Kameramann.

Die Musik ist von Peter Gabriel.

Mit Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Deborah Mailman, Jason Clarke, Kenneth Branagh

auch bekannt als „Der lange Weg nach Hause“ (TV-Titel)

Hinweise

Moviepilot über „Der lange Weg nach Hause“

Metacritic über „Der lange Weg nach Hause“

Rotten Tomatoes über „Der lange Weg nach Hause“

Wikipedia über „Der lange Weg nach Hause“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Episodenfilm „Paris Paradies“

August 8, 2024

Es geht um eine Opernsängerin, die für tot gehalten wurde und jetzt von der Reaktion der Presse auf ihr Ableben enttäuscht ist.

Es geht um ihren Mann, einen Dirigenten, der sie bedigungslos liebt.

Es geht um ihre Haushälterin, ihre Familie und ihre kettenrauchende Mutter.

Es geht um einen Stuntman, der Schauspieler werden möchte und sich um seinen Sohn kümmern muss.

Es geht um seinen neuen Visagisten, der sich unsterblich in ihn verliebt. Obwohl der von ihm begehrte Stuntman heterosexuell ist.

Es geht um einen TV-Moderator für True-Crime-Sendungen, der kurz vor seiner letzten Sendung und dem wohlverdienten Ruhestand steht.

Es geht um einen ungefähr mittelalten Wirt, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert.

Es geht um ein schweigsames Mädchen, das in Therapie ist und sich umbringen will. Gerade als sie von der Brücke springen will, wird sie entführt.

Es geht um ihren tänzerisch begabten Entführer, der von dem Mädchen, das plötzlich pausenlos redet, in den Wahnsinn getrieben wird.

Es geht um einen Polizisten, der das spurlos verschwundene Mädchen sucht.

Und wahrscheinlich habe ich ungefähr ein halbes Dutzend weiterer Figuren und Geschichten vergessen. Denn Marjane Satrapi („Persepolis“) entwirft in ihrem neuen Film ein überaus freundliches Multikulti-Paris-Wimmelbild. Einige Figuren begegnen sich. Andere nicht. Eine wirkliche thematische Klammer gibt es nicht. Denn Liebe, Leid und Tod sind so allgemein, dass darunter ungefähr alles erzählt werden kann.

Für mich war die absurde Entführung, über die besser nicht länger nachgedacht wird, die vergnüglichste Geschichte. Die anderen sind nett unterhaltsame Kurzgeschichten mit eher weniger überraschenden Schlusspointen und einigen wenigen schwarzhumorigen und absurden Szenen. Vieles wird angesprochen, vieles wird nicht weiterverfolgt. Insgesamt vergeht die Zeit, dank der vielen Geschichten, zwischen denen Satrapi ständig wechselt, ziemlich flott bis zum Finale im Konzerthaus mit einer abenteuerlichen Rettung und, nun gut, einer Liebeserklärung an das Leben.

Zusammen ergeben die Szenen und Geschichten ein kurzweiliges, aber nie tiefgründiges und eigentlich nie (es gibt ja die Entführungsgeschichte) überraschendes Porträt vom Leben in Paris. Das ist nett anzusehen und schnell vergessen.

Paris Paradies (Paradis Paris, Frankreich 2024)

Regie: Marjane Satrapi

Drehbuch: Marie Madinier, Marjane Satrapi

mit Monica Bellucci, Charline Balu-Emane, Rossy de Palma, Eduardo Noriega, André Dussollier, Alex Lutz, Ben Aldridge, Roméo Grialou, Gwendal Marimoutou, Roschdy Zem, Martina Garcia

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Paris Paradies“

AlloCiné über „Paris Paradies“

Rotten Tomatoes über „Paris Paradies“

Wikipedia über „Paris Paradies“

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „The Voices“ (The Voices, USA/Deutschland 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Marjane Satrapis „Marie Curie – Elemente eines Lebens“ (Radioactive, Großbritannien/Frankreich 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Nicolas Cage ist „Longlegs“

August 8, 2024

USA, in den Neunzigern: Seit Jahrzehnten bringt in Oregon ein Serienkiller Familien um. Longlegs nennt er sich. Irgendwie gelingt es ihm immer wieder, Familienväter dazu anzustiften, ihre Familie und anschließend sich selbst bestialisch zu töten. Mehr weiß das FBI nicht über ihn.

Jetzt soll die junge FBI-Agentin Lee Harker die Ermittlung voranbringen. Sie verfügt über eine ungewöhnliche präzise, fast schon hellseherische Intuition, möglicherweise sogar eine außersinnliche Wahrnehmung, die sie befähigt Dinge zu Entdecken, die andere übersehen. Diese Fähigkeit könnte das FBI zu dem Killer führen. Intensiv studiert sie die Fallakten und die Briefe von Longlegs, die anscheinend satanische und okkulte Botschaften enthalten. Wobei in dem Moment sogar unklar ist, ob dieser Longlegs eine Person oder irgendetwas anderes ist, wie eine okkulte Gruppe, die die Väter zu diesen Taten anstiftet.

„Longlegs“ ist der neue Horrorfilm von Oz Perkins (zuletzt „Gretel & Hänsel“), der aktuell von der Kritik ziemlich abgefeiert und mit den üblichen „Bester Horrorfilm seit…“-Sprüchen beworben wird. Und der Anfang, ein in den siebziger Jahren im Schnee vor einem einsam gelegenem Haus spielender Prolog, in dem Longlegs sich mit einem Kind unterhält, und der erste Einsatz von Lee Harker, als sie bei einer Haustürbefragung in einem leer stehendem Haus den Gesuchten vermutet, überzeugt mit seiner Bild- und Tongestaltung. Das ist alles ziemlich furchteinflössend und bedrohlich inszeniert. Die später dazu kommenden religiösen, okkulten und satanischen Zeichen verstärken das Unwohlsein. Etwas ist faul in Oregon und ein Gebet hilft nicht dagegen.

Aber mit zunehmender Laufzeit langweilt der ambitionierte Hybrid zwischen Serienkillerthriller und Okkult-Horror immer mehr. Die Farben sind durchgehend in einem monochromen Graubeige gehalten, das jedes Leben und Freude aus dem Film zieht. Das Erzähltempo ist träge. Der Rhythmus monoton. Die wenigen Figuren lassen nur eine begrenzte Zahl von Situationen zu. Vor allem weil die Filmgeschichte schnell zu einem Fernduell zwischen Harker und Longlegs wird. Er wird von ihr gejagt, scheint sie aber gleichzeitig zu sich zu locken.

Nicolas Cage spielt Longlegs in den wenigen Minuten, die er im Film hat, überzeugend übertrieben als Alptraum für jedes normale Kind. Er ist ein böser Clown, gegen den Pennywise harmlos wirkt.

Longlegs (Longlegs, USA 2024)

Regie: Osgood Perkins (bzw. Oz Perkins)

Drehbuch: Osgood Perkins

mit Maika Monroe, Nicolas Cage, Blair Underwood, Alicia Witt, Michelle Choi-Lee, Dakota Daulby, Kiernan Shipka

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Longlegs“

Metacritic über „Longlegs“

Rotten Tomatoes über „Longlegs“

Wikipedia über „Longlegs“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Baltasar Kormákurs „Touch“

August 8, 2024

Vorsicht, welche mit Erinnerungen gefüllte Boxen du öffnest, nachdem sie in deiner Wohnung Jahrzehnte friedlich vor sich hin zustaubten.

Und Vorsicht vor blöden Sprüchen während des Studiums. Sonst kann es dir wie Kristófer ergehen. Er studiert in den späten sechziger Jahren an der London School of Economics und ist revolutionär bewegt. Als er im Fenster eines japanischen Restaurants eine Stellenausschreibung liest und seine Freunde ihn aufziehen, er werde niemals als Tellerwäscher arbeiten, bewirbt er sich für die Stelle. Alle halten das für eine Schnapsidee. Seine Studienfreunde sind sich sicher, dass er nach einigen Stunden weiter mit ihnen Bier trinken und die Revolution planen wird. Der Restaurantbetreiber glaubt ebenfalls nicht, dass Kristófer länger bleiben wird. Aber Kristófer bleibt. Er wird Teil des Teams. Er lernt kochen. Er verliebt sich außerdem in Miko, die Tochter des Restaurantbetreibers.

Miko ist Kristófers erste große Liebe. Aber eines Tages verschwindet sie spurlos. Er kehrt nach Island zurück, eröffnet ein Restaurant, gründet eine Familie und ist seit kurzem Witwer. Er hat auch eine beginnende Demenz. Sein Arzt rät ihm, sich noch einmal mit den Dingen zu beschäftigen, an die er sich gerne erinnern würde. Einige Erkrankte würden auch, solange sie sich noch an sie erinnern, alte Freunde wieder besuchen.

Also stöbert Kristófer in den in den vergangenen Jahrzehnten mit mehr oder weniger wichtigen Erinnerungsstücken gefüllten Schachteln herum. Dabei stößt er auf Andenken aus seiner wild bewegten und glücklichen Zeit in London und beschließt, die spurlos verschwundene Miko zu suchen. Seit ihrem Verschwinden vor einem halben Jahrhundert hörte er nichts mehr von ihr.

Die erste Station seiner Suche ist London. Dort landet er während der ersten Tage der Coronavirus-Pandemie. Während seiner Suche und den durch sie ausgelösten Erinnerungen gibt es immer mehr Restriktionen und immer weniger Gäste im Hotel. Gleichzeitig versucht seine Tochter ihn telefonisch zur Rückkehr nach Island zu bewegen.

Aber Kristófer sucht in London weiter nach Menschen, die Miko kannten. Als er erfährt, dass sie damals von ihrem Vater zurück nach Japan geschickt wurde, fliegt er ebenfalls nach Japan.

„Touch“ ist der neue Film von Baltasar Kormákur. Bekannt ist er als souverän zwischen isländischen und internationalen Produktionen wechselnder Regisseur von packenden Action- und Kriminalfilmen. Davor, am Anfang seiner Karriere, inszenierte er am Theater klassische Stücke. Dieser Ausflug in Richtung Hochkultur endete, wie gesagt, im Genrekino. Mit „Touch“ geht es wieder in eine andere Richtung. Sein neuester, überaus gelungener Film, ist ein melancholischer Liebesfilm.

Kormákur erzählt Kristófers Geschichte auf zwei Zeitebenen und über mehrere Länder und Kontinente. Bei seiner Reise befindet Kristófer sich im Wettlauf gegen den eigenen geistigen Verfall und die sich nicht vorhersehbar verschärfenden Covid-Restriktionen. Denn im Gegensatzu zu allen anderen Menschen, die sich damals kaum vor die Tür wagten und auch aus Urlaubsparadiesen möglichst schnell zurück in die eigenen vier Wände wollten, will Kristófer nur möglichst weit weg von seinem Haus.

Kormákur erzählt diese Reise sehr gefühlvoll, ruhig und angenehm kitschfrei. Da verzeiht man gerne das doch etwas dick auftragende Ende.

Touch (Touch, Island/Großbritannien/USA 2024)

Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Ólafur Jóhann Ólafsson, Baltasar Kormákur

LV: Ólafur Jóhann Ólafsson: Snerting, 2020

mit Egill Ólafsson, Pálmi Kormákur, Kōki, Masahiro Motoki, Yoko Narahashi, Ruth Sheen, Masatoshi Nakamura, Meg Kubota

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Touch“

Metacritic über „Touch“

Rotten Tomatoes über „Touch“

Wikipedia über „Touch“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Der Eid“ (Eidurinn, Island 2016)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ (Adrift, USA 2018)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Beast – Jäger ohne Gnade“ (Beast, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Dead don’t hurt“, die Lebenden tun’s

August 8, 2024

Diese Woche läuft Viggo Mortensens Western „The Dead don’t hurt“ an. In zwei läuft dann Kevin Costners „Horizon“ an. Sein Drei-Stunden-Epos ist der Beginn einer aktuell auf drei bis vier Spielfilme angelegten Erzählung über den amerikanischen Westen und seine Eroberung mit vielen Figuren und Handlungssträngen. (Die Besprechung gibt es zum Filmstart.)

Viggo Mortensen, der wie Costner in seinem Epos, Regie führte, das Drehbuch schrieb, produzierte und die Hauptrolle übernahm, erzählt dagegen in „The Dead don’t hurt“ nur eine Geschichte. Zu den gleichen Themen, mit einigen Variationen und – soweit das beim Vergleich zwischen einem ersten Teil und einem in sich abgeschlossenem Film gesagt werden kann – leicht anderen Schwerpunkten.

In „The Dead don’t hurt“ geht es um Holger Olsen (Viggo Mortensen). In San Francisco trifft er seine Frau Vivienne Le Coudy (Vicky Krieps). Er verliebt sich sofort in die selbstständige Frau und sie in den nobel schweigenden Mann. Gemeinsam reisen sie zu seinem Haus, einer typischen Wilder-Western-Baracke, malerisch gelegen in einem Tal. Dort versucht sie das Beste aus das der Situation zu machen. Als der Bürgerkrieg ausbricht, meldet er sich freiwillig auf der Seite der Union – und verschwindet für ungefähr die nächste halbe Stunde aus dem Film.

Währenddessen arbeitet Vivienne in dem Dorf im Saloon als Bedienung. Weston Jeffries (Solly McLeod), der gewalttätige, alle schikanierende Sohn des lokalen Großgrundbesitzers Alfred Jeffries (Garret Dillahunt), vergewaltigt sie – und sie wird schwanger.

Als Holger zurückkehrt (inzwischen sind ungefähr neunzig Filmminuten bzw. drei Viertel des Films rum), nehmen sie ihr altes Leben wieder auf. Mehr oder weniger. Denn auch Holger fällt auf, dass das Alter ihres Sohnes nicht zur Dauer seiner Abwesenheit passt.

Kurz darauf erkrankt sie und stirbt. Das ist jetzt kein wahnsinnig großer Spoiler, denn der Film beginnt mit ihrem Tod und entfaltet sich von diesem Moment an in zahlreichen, teils aus verschiedenen Perspektiven erzählten Rückblenden.

In dem Moment arbeitet Holger auch als Dorfsheriff. Er hat etwas Ärger mit dem Bürgermeister Rudolph Schiller (Danny Huston) und dem örtlichen Großgrundbesitzer Jeffries, die die Stadt als ihr Eigentum betrachten, und Jeffries‘ Sohn. Ihn lernen wir ebenfalls am Filmanfang als einen Mann kennen, der in dem Dorf seelenruhig alle erschießt, die er auf seinem Weg vom Saloon zu seinem Pferd trifft. Warum er das tut, wissen wir nicht. Er weiß, dass ihm nichts passieren wird. Holger soll sich so um die Angelegenheit kümmern, dass die Jeffries‘ mit dem Ergebnis einverstanden sind.

Wie diese Angelegenheit endet, wird ebenfalls am Filmanfang erzählt und am Filmende weiter erzählt.

Eigentlich erzählt Viggo Mortensen in seinem zweiten Spielfilm keine komplizierte Geschichte. Im Grundsatz ist es eine sehr einfache Geschichte, die ziemlich genau auf die Frage „Was würdest du tun, wenn deine Frau vergewaltigt wurde?“ hinausläuft. Damit die Bedeutung der Frage für den Protagonisten erfasst werden kann, muss vorher erzählt werden, wer er ist, wer sie ist, welche Beziehung sie zueinander haben und auch in welchem Umfeld die Tat stattfand. Das alles erzählt Mortensen auch.

Aber er erzählt seine Geschichte unnötig kompliziert auf mehreren Zeitebenen mit zahlreichen Zeitsprüngen, die oft erst nach einigen Sekunden bemerkt werden. Und danach in Gedanken in die richtige Chronologie gebracht werden müssen.

Außerdem ist „The Dead don’t hurt“ arg langsam erzählt. Mortensen braucht über zwei Stunden, um eine Geschichte zu erzählen, die als klassischer Hollywoodwestern locker in neunzig oder, wenn es sich um ein straff erzähltes B-Picture handelt, sogar weniger Minuten erzählt wurden.

Diese unnötig verschachtelte Struktur führt dazu, dass die Story, die auch in der offiziellen Synopse und dem Trailer (der die Geschichte weitgehend chronologisch bewirbt) fast vollständig erzählt wird, sich erst langsam, eigentlich erst am Filmende, in ihrer Chronologie zusammen setzt. Bis dahin darf munter gerätselt werden, wo die Szene hingehört. Die Identifikation mit den einzelnen Figuren ist durchgehend schwierig. Das Miterleben ihrer emotionalen Reise wird zugunsten der Struktur geopfert.

Auch alle im Film angesprochenen Themen, die zugleich die klassischen Western-Themen und Konfliktkonstellationen sind, leiden darunter. Sie entfalten nie die Kraft, die sie entfalten könnten.

Diese nicht chronologische, zersplitterte Struktur zerstört den Western, der letztendlich eine gradlinige, einfache Geschichte erzählt. Hätte Mortensen „The Dead don’t hurt“ chronologisch erzählt, hätte er von mir sicher eine absolute Sehempfehlung erhalten. Denn die Schauspieler sind gut. Die Bilder von Marcel Zyskind („The Killer inside me“, „Daliland“, „Falling“ [Mortensens Regie-Debüt]) ebenso. Die angesprochenen Themen sind damals und heute wichtig und ihre Behandlung ist gelungen. Es ist alles vorhanden für einen packenden Western.

Aber wegen der Präsentation der Geschichte packt der Western nicht. Es ist wie das Betrachten von auf dem Boden zerstreuten Notizzetteln, die mühsam in die richtige Reihenfolge gebracht werden.

Das macht „The Dead don’t hurt“ zu einem ärgerlichem Film.

The Dead don’t hurt (The Dead don’t hurt, USA/Mexiko 2023)

Regie: Viggo Mortensen

Drehbuch: Viggo Mortensen

Musik: Viggo Mortensen

Produktion: Viggo Mortensen (und andere)

Kamera: „Vielleicht nächstes Mal.“

mit Viggo Mortensen, Vicky Krieps, Solly McLeod, Danny Huston, Garret Dillahunt, Colin Morgan, Ray McKinnon, W. Earl Brown, Atlas Green

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Dead don’t hurt“

Metacritic über „The Dead don’t hurt“

Rotten Tomatoes über „The Dead don’t hurt“

Wikipedia über „The Dead don’t hurt“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. August: Brandnacht

August 7, 2024

3sat, 22.25

Brandnacht (Deutschland/Schweiz 1992)

Regie: Markus Fischer

Drehbuch: Rosemarie Fendel, Markus Fischer

LV: Sam Jaun: Die Brandnacht, 1986

Privatdetektiv Peter Keller (Bruno Ganz) will im Emmental in seinem Heimatdorf einem alten Freund helfen. Der soll eine Frau vergewaltigt und ermordet haben. Schnell gerät Keller in einen wunderschön verschachtelten Hardboiled-Plot, der seine Vorbilder nie versteckt und sie – im Buch und im Film (beides gefiel mir damals) – gelungen auf schweizer Verhältnisse überträgt.

Der Roman erhielt 1987 Friedrich-Glauser-Preis.

Die damalige Kritik über den selten gezeigten Krimi, der anscheinend 2023 erstmals im Fernsehen gezeigt wurde: „herrlich ironischen Krimi (…) Philip Marlowe und Kemal Kayankaya sind wie Peter Keller Brüder im Geiste: zwar sarkastisch und bitter, aber nie traurig oder selbstmitleidig.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Eine lohnenswerte Entdeckung

mit Bruno Ganz, Barbara Auer, Rolf Hoppe, Ueli Jäggi, Suzanne von Borsody, Dietmar Schönherr, Katja Peter

Hinweise

Filmportal über „Brandnacht“

Swissfilms über „Brandnacht“

Wikipedia über Sam Jaun

Krimi-Couch über Sam Jaun


Ross Thomas hat „Zu hoch gepokert“, denn „Die Narren sind auf unserer Seite“

August 7, 2024

Als der Alexander Verlag 2005 mit „Die im Dunkeln“ (Ah, Treachery!, 1994) seine Ross-Thomas-Edition startete, hätte wohl niemand gedacht, dass der Verlag wirklich alle Romane von Ross Thomas in neuen Übersetzungen wieder veröffentlicht. Jetzt ist er fast am Ziel. Nur noch „Urne oder Sarg, Sir?“ (The Seersucker Whipsaw, 1967) fehlt.

Mit dem vor wenigen Tagen erschienenen Polit-Thriller „Die Narren sind auf unserer Seite“ liegt jetzt der 24. Roman der Neu- und Komplettedition vor. Und dieser Roman hat es in sich. 1972 erschien er bereits im Ullstein Verlag als „Unsere Stadt muss sauber werden“ bei Ullstein veröffentlicht. Und er wurde dafür so rabiat gekürzt, dass der Roman höchstens als Reader’s-Digest-Version durchgeht. Die Ullstein-Übersetzung hat 144 Seiten. Die neue Übersetzung 584 Seiten – und damit ist die jetzt erschienene vollständige Übersetzung auch für alle, die irgendwann einmal die alte Übersetzung gelesen haben, lesenswert und eine Entdeckung.

Bei der monatlichen Krimibestenliste sahen sie es ähnlich. Neuübersetzungen sind normalerweise automatisch disqualifiziert, aber in diesem Fall handelt es sich weniger um eine Neuübersetzung und vielmehr um eine Erstübersetzung. Und Erstübersetzungen können natürlich für die Krimibestenliste nominiert werden. In der aktuellen August-Krimibestenliste steht der Roman auf dem ersten Platz.

In dem Thriller geht es um eine kleine in Texas an der Küste gelegene Stadt und deren mehr oder weniger gesetzestreuen Bewohner. Lucifer Dye (Was für ein Name für einen in Shanghai in einem Bordell aufgewachsenen Mann, dessen Karriere beim US-Geheimdienst nach einem Gefängnisaufenthalt in Hongkong vorbei ist) soll für Victor Orcutt, Genie und selbsternannter Experte und Berater für städtische Probleme, die Küstenstadt Swankerton korrumpieren. Denn nach Orcutts erstem Gesetz muss es viel schlechter werden, um besser zu werden.

Zusammen mit der Ex-Prostituierten Carol Thackerty und dem Ex-Polizeichef Homer Necessary besuchen Orcutt und Dye die Stadt, die schon ziemlich viele Probleme hat. Und wenige Tage nachdem das Quartett in der Stadt eingetroffen ist, noch mehr Probleme hat.

„Die Narren sind auf unserer Seite“ ist allein schon vom Umfang sein Opus Magnum. Es ist ein verschachtelter Polit-Thriller und gleichzeitig die Lebensgeschichte von Lucifer Dye, erzählt in seinen Worten. Da sind schnell sechshundert vergnügliche Seiten zusammen.

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Deutlich kürzer ist der vierte Philip-St.-Ives-Roman von Ross Thomas. Ursprünglich erschien „Zu hoch gepokert“, der 23. Band der Ross-Thomas-Werkausgabe, unter dem Pseudonym Oliver Bleeck.

St. Ives ist ein professioneller Mittelsmann zwischen Menschen, die etwas wieder haben wollen, aber aus verschiedenen Gründen nicht zur Polizei gehen wollen, und Menschen, die den gestohlenen Gegenstand oder die entführte Person gegen eine bestimmte Geldmenge wieder zurückgeben würden. St. Ives erhält für seine Mühen eine Provision und eine Menge Ärger. So auch in „Zu hoch gepokert“.

In London wurde aus einem Privathaus das Schwert von Ludwig dem Heiligen gestohlen. Es ist mehrere Millionen wert, aber die Diebe verlangen nur hunderttausend Pfund für die Rückgabe des Gegenstands. Die Besitzer des Schwertes, die Brüder Nitry, sind Kunsthändler und halbseiden. Der Mann, der um St. Ives‘ Hilfe gebeten hat, ist Eddie Apex. Als St. Ives ihn kennen lernte, war ‚English Eddie‘ einer der besten internationalen Betrugskünstler. Inzwischen hat er reich geheiratet und sich in London zur Ruhe gesetzt. Sagt er.

Und die Diebe sind auch keine Amateure in der Welt des Verbrechens.

1973 veröffentlichte der Ullstein Verlag eine gekürzte Fassung von „The Highbinders“ unter dem Titel „Ein scharfes Baby“, nannte Oliver Bleeck als Autor und schrieb den Namen auf dem Cover auch mal falsch als Bleek. Die Ullstein-Ausgabe hat 128 Seiten. Die neue Ausgabe 256 Seiten. Und damit ist offensichtlich, dass auch bei diesem Roman vieles gekürzt oder überhaupt nicht übersetzt wurde.

„Zu hoch gepokert“ ist ein flotter Krimi, in dem etliche Gauner sich gegenseitig betrügen, schlagen und töten. Daneben wird viel Alkohol getrunken. Die Dialoge und treffenden Beschreibungen sprühen vor Witz. Der Humor ist, wie immer bei Ross Thomas, bissig, schwarzhumorig und trocken. Solche Bücher werden heute nicht mehr geschrieben.

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Und jetzt stehe ich vor der schwierigen Frage, welches Buch ich als Einstieg in die süchtig machende Welt von Ross Thomas empfehle. „Zu hoch gepokert“ ist vor allem eine witzige Gaunergeschichte, in der Gauner sich gegenseitig betrügen. Das ist eine vergnüglich kurzweilige Lektüre. „Die Narren sind auf unserer Seite“ ist ein Roman für die Freunde dickleibiger Polit-Thriller. Aber sechshundert Seiten sind sechshundert Seiten.

Zum Einstieg eignet sich da besser ein kürzeres Werk. Vielleicht sein Debüt „Kälter als der Kalte Krieg“ (The Cold War Swap, 1966). Zwei Gründe sprechen für diesen Krimi. Erstens weil es sein erster Roman ist und er schon alles hat, was seine späteren Romane so lesenswert und witzig macht. Und zweitens weil die Agentengeschichte in Deutschland (in Bonn und Berlin) spielt. Das ist dann auch eine schöne Reise in die bundesdeutsche Vergangenheit, die sechziger Jahre und die Zeit des Kalten Kriegs.

„Dornbusch“ (Briarpatch, 1984) ist auch ein guter Einstieg. In dem Polit-Thriller stirbt ein Detective durch eine Autobombe und ihr Bruder, Berater eines Senators, will ihren Mörder finden.

Außerdem erhielten beide Romane den Edgar-Allan-Poe-Preis.

Und dann gibt es noch „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978), der erste Artie-Wu/Quincy-Durant-Roman. Der große Krimikritiker, Förderer der Kriminalliteratur und Buchhändler Otto Penzler drückte es Kunden, die nach einem guten Krimi suchten, in die Hand. Das Buch ist, so Penzler, „drop-dead perfect“.

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Ross Thomas: Die Narren sind auf unserer Seite

(übersetzt von Gisbert Haefs und Julian Haefs)

Alexander Verlag, 2024

584 Seiten

20 Euro

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Originalausgabe

The Fools in Town are on our side

1970

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Erste deutsche Übersetzung

Unsere Stadt muss sauber werden

Ullstein, 1972

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Ross Thomas: Zu hoch gepokert – Ein Philip-St.-Ives-Fall

(übersetzt von Gisbert Haefs)

Alexander Verlag, 2023

256 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe (unter dem Pseudonym Oliver Bleeck)

The Highbinders

1973

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Erste deutsche Übersetzung

Ein scharfes Baby

Ullstein, 1974

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Hinweise

Alexander Verlag über Ross Thomas

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Voodoo, Ltd.“ (Voodoo, Ltd., 1992)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ “Der Yellow-Dog-Kontrakt” (Yellow Dog Contract, 1976)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Gelbe Schatten“ (Cast a Yellow Shadow, 1967)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Der achte Zwerg“ (The Eight Dwarf, 1979)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Die Backup-Männer“ (The Backup Men, 1971)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Dämmerung in Mac’s Place“ (Twilight at Mac’s Place, 1990)

Kleine Ross-Thomas-Covergalerie in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. August: A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani

August 6, 2024

Arte, 20.15

A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani (Ghahreman, Iran/Frankreich 2021)

Regie: Asghar Farhadi

Drehbuch: Asghar Farhadi

Weil Rahim Soltani, der gerade eine Haftstrafen wegen hoher Geldschulden verbüßt, während eines Freigangs eine Tasche mit Goldmünzen nicht behält, sondern dem Besitzer zurückgibt, wird er – widerwillig – zum Volksheld. Alle, vor allem die Gefängnisleitung, sind zufrieden, bis die Presse die Geschichte überprüft und auf Ungereimtheiten stößt.

TV-Premiere. Mit ruhiger Hand erzählt Asghar Farhadi eine zugleich sehr konkrete und abstrakte Geschichte, in der kleine Ereignisse und unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen eine fatale Dynamik entwickeln können. Dabei lotet er das Graufeld zwischem egoistischem und alturistischem Handeln aus. Und überlässt dem Publikum die Entscheidung darüber, was von Rahims Taten zu halten ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh, Fereshteh Sadrorafaii, Sahar Goldoust, Maryam Shahdaie, Ali Reza Jahandideh

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „A Hero“

Moviepilot über „A Hero“

Metacritic über „A Hero“

Rotten Tomatoes über „A Hero“

Wikipedia über „A Hero“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Le Passé – Das Vergangene“ (Le Passé, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „The Salesman“ (Fourshande, Iran/Frankreich 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „Offenes Geheimnis“ (Todos lo saben, Spanien/Frankreich/Italien 2018)

Meine Besprechung von Asghar Farhadis „A Hero – Die verlorene Ehre des Herrn Soltani“ (Ghahreman, Iran/Frankreich 2021)