
Lesebefehl – und danach geht’s weiter mit den anderen Werken von Richard Stark und Donald E. Westlake. Danach kann man sich immer noch die Krimis vornehmen, die Westlake unter anderen Pseudonymen schrieb. Die sind alle verdammt gut.

Lesebefehl – und danach geht’s weiter mit den anderen Werken von Richard Stark und Donald E. Westlake. Danach kann man sich immer noch die Krimis vornehmen, die Westlake unter anderen Pseudonymen schrieb. Die sind alle verdammt gut.
One, 22.00
Der Schrei der Eule (The Cry of the Owl, Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Kanada 2009)
Regie: Jamie Thraves
Drehbuch: Jamie Thraves
LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)
Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.
Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Beide Verfilmungen ähneln sich sehr und sind, wenn man die Prämisse akzeptiert, auch gelungen. Inzwischen ist Toelles TV-Film, weil er nie im TV läuft, fast vergessen. Immerhin gibt es ihn noch (!) auf DVD. Chabrols Version gibt es aktuell weder auf DVD noch im Stream.
Die dritte Verfilmung des Romans ist auch gelungen. Sie unterscheidet sich kaum von den vorherigen Verfilmungen. Inzwischen dürfte sie auch die bekannteste Verfilmung des Highsmith-Romans sein.
mit Paddy Considine, Julia Stiles
Wiederholung: Mittwoch, 28. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der Schrei der Eule“
Wikipedia über „Der Schrei der Eule“ (deutsch, englisch) und Patricia Highsmith (deutsch, englisch)
Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith
Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)
Krimi-Couch über Patricia Highsmith
Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)
Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)
Arte, 22.55
Tarantino – The Bloody Genius (QT8: The First Eight; 21 Years: Quentin Tarantino, USA 2019)
Regie: Tara Wood
Drehbuch: Tara Wood
Informative spielfilmlange Doku über Quentin Tarantino und seine ersten acht Filme; mit Interviews und Filmauschnitten.
Danach, 2019, kam sein neunter Film „Once upon a Time in…Hollywood“. Aktuell arbeitet er an seinem zehnten Film, der auch sein letzter Film sein soll. Schauen wir mal.
Davor, um 22.00 Uhr zeigt Arte als TV-Premiere ‚Kill Bill‘ „Uma Thurman: Die stille Kämpferin Hollywoods“ (Deutschland 2024).
mit Zoë Bell, Louis Black, Bruce Dern, Robert Forster, Jamie Foxx, Richard Glastein, Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Diane Kruger, Lucy Liu, Michael Madsen, Eli Roth, Tim Roth, Kurt Russell, Stacey Sher, Scott Spiegel, Christoph Waltz (das dürften alle aktuellen Interviews sein. Zusätzlich gibt es Archivaufnahmen, unter anderem von Quentin Tarantino)
auch bekannt als „Quentin Tarantino – The First Eight“ (ursprünglicher TV-Titel; – Arte hat aktuell eine weitere Titelvariation im Angebot: QT8: Quentin Tarantino – The First Eight)
Hinweise
Arte über die Doku (bis 24. Oktober 2024 in der Mediathek)
Rotten Tomatoes über „Tarantino – The Bloody Genius“
Wikipedia über „Tarantino – The Bloody Genius“ (deutsch, englisch) und Quentin Tarantino (deutsch, englisch)
3sat, 23.15
The Road (The Road, USA 2009)
Regie: John Hillcoat
Drehbuch: Joe Penhall
LV: Cormac McCarthy: The Road, 2006 (Die Straße)
In einer postapokalyptischen, fast menschenleeren Welt wandern ein Vater und sein Sohn in Richtung Küste. Wenn sie nicht vorher sterben.
Starkes, zum Nachdenken anregendes Endzeit-Drama.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce, Michael K. Williams, Garret Dillahunt, Molly Parker
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Road“
Wikipedia über „The Road“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)
Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)
Meine Besprechung von John Hillcoats „Triple 9“ (Triple 9, USA 2016)
–
Die Vorlage

Cormac McCarthy: Die Straße
(übersetzt von Nikolaus Stingl)
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008
256 Seiten
16 Euro
–
Deutsche Erstausgabe
Rowohlt Verlag, 2007
–
Originalausgabe
The Road
Alfred A. Knopf, New York, 2006
Arte, 20.15
7500 (Deutschland 2019)
Regie: Patrick Vollrath
Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic
Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger
auch bekannt als „Code 7500“ (alternativer TV-Titel)
Hinweise
Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)
Wenn Slater King (Channing Tatum) in einem Video reumütig bekennt, dass er Fehler gemacht habe, aufrichtig bereue, in Therapie sei und jetzt auf seiner Insel das einsame, naturverbundene Leben genieße, dann sollten schon die ersten Alarmglocken läuten. Schließlich haben wir schon unzählige dieser gelogenen Promi-Geständnisse gehört. King wirkt bei dem Geständnis nicht reumütig, sondern arrogant, egozentrisch und von sich und seiner Macht überzeugt. Er steht über den Gesetzen und absolviert hier, während er um eine Million Dollar reicher wird, einen Publicity-Stunt.
Aber natürlich hindert das Frida (Naomi Ackie), die ein Slater-King-Groupie ist, und ihre ebenso junge und gutaussehende Freundin Jess (Alia Shawkat), die bei einer Spendengala von Tech-Millardär Slater King als Kellnerinnen arbeiten, nicht daran, sich von ihm auf seine Insel einladen und dort von all den dort vorhandenen Annehmlichkeiten und Drogen einlullen zu lassen.
Sicher, das einheimische Personal verhält sich etwas merkwürdig und dass sie sich beim Betreten der Insel von ihren Smartphones trennen mussten ist unangenehm, aber abgesehen davon ist alles paradiesisch. King und seine Freunde, eine bunte Mischung aus langjährigen Vertrauten, C-Berühmheiten und schmückendem, weiblichen Beiwerk, sind alle guter Laune, konsumieren eifrig Drogen und genießen das Luxus-Inselleben.
Dass dieses Paradies nicht so paradiesisch ist, ist offensichtlich. Auch wenn in dem Thriller „Blink Twice“ lange, sehr lange unklar ist, was das dunkle Geheimnis von Kings Paradies sein könnte.
Den ersten wirklichen Riss erhält das Paradies, als Fridas Freundin Jess nach mehreren Tagen und Nächten exzessiver Party verschwindet und die anderen Gäste sich nicht an Jess erinnern können. Es ist, als habe sie niemals existiert. Frida beginnt sie zu suchen.
„Blink Twice“ ist das gelungene Regiedebüt von Schauspielerin Zoë Kravitz, das als gemeine Post-Jeffrey-Epstein-Satire gelesen werden kann. Bereits 2017 und damit vor der #MeToo-Bewegung begann sie mit dem Schreiben des Drehbuchs. Ihre Ausgangsfrage war, was geschähe, wenn Frauen nicht mehr nach den von Männern gemachten Regeln spielen würden. Als Setting wählte sie eine Insel mit mächtigen Männern und machtlosen Frauen. Inszenieren tat sie ihre Geschichte dann als stilistisch überhöhtes Slow-Burning-Mystery, bei dem wir Zuschauer von der ersten Minute an wissen, dass Frida, Jess und die anderen Besucherinnen fröhlich und nichtsahnend in eine potentiell tödliche Falle hineinlaufen. Bis das Paradies auch für sie die ersten Risse bekommt, vergeht ziemlich viel Filmzeit. Diese Zeit nutzt Kravitz, um sorgfältig Spuren auszulegen und Dinge anzudeuten, die später wichtig und erklärt werden. Das gefällt, auch weil die Schlusspointe sehr gemein ist.
Die Erklärung für die Ereignisse auf der Insel ist Filmwissenschaft, die mit der echten Wissenschaft nichts zu tun hat. Und über die verschiedenen Gäste von Slater King, die immerhin von so Hochkarätern wie Christian Slater, Haley Joel Osment, Kyle MacLachlan, Simon Rex und Geena Davis gespielt werden, bleiben arg blass. Und das Bemühen, alles richtig zu machen, ist immer erkennbar.
Aber insgesamt ist die gallige Slow-Burning-Satire über die schönen unmoralischen Reichen ein gelungenes und vielversprechendes Debüt.

Blink Twice (Blink Twice, USA 2024)
Regie: Zoë Kravitz
Drehbuch: Zoë Kravitz, E.T. Feigenbaum
mit Naomi Ackie, Channing Tatum, Alia Shawkat, Christian Slater, Simon Rex, Adria Arjona, Haley Joel Osment, Liz Caribel, Levon Hawke, Trew Mullen, Geena Davis, Kyle MacLachlan, Cris Costa, María Elena Olivares
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 16 Jahe
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Hinweise
Dass Kevin Costner ein großer Western-Fan ist, ist schon bei ein Blick in seine Filmographie offensichtlich. Erinnert sei nur an „Der mit dem Wolf tanzt“, „Open Range“, „Silverado“, „Wyatt Earp“, die Western-Miniserie „Hatfield & McCoys“ und die TV-Serie „Yellowstone“. Die von ihm inszenierten Western „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Open Range“ wurden von der Kritik gelobt und werden von Western-Fans geschätzt wegen ihrer historischen Detailgenauigkeit. „Der mit dem Wolf tanzt“ war auch ein weltweiter Publikumshit.
Dass Kevin Costner kein ökonomisch knapper, sondern ein epischer, sich Zeit nehmender Erzähler ist, verrät schon ein Blick auf die Länge seiner Filme. „Open Range“ ist mit 139 Minuten sein kürzester Film.
Und wenn er jetzt mit „Horizon“ die Geschichte des Wilden Westens in vier jeweils dreistündigen Spielfilmen erzählen will, die innerhalb weniger Monate im Kino anlaufen sollen, dann sind die Erwartungen selbstverständlich ziemlich hoch. Und sie werden größtenteils enttäuscht.
Der während dem Bürgerkrieg spielende Auftaktfilm von „Horizon – Eine amerikanische Saga“ dauert drei Stunden. Es werden viele Figuren und Handlungsstränge eingeführt, die im zweiten, dritten und vierten Film weitererzählt werden und die irgendwie irgendwann zusammenkommen. Wahrscheinlich in dem titelgebenden Ort Horizon. Falls einzelne Figuren nicht vorher auf ihrem Weg nach Horizon sterben oder sie vom Weg abkommen. Im ersten Teil irren sie alle noch durch den Wilden Westen und Horizon ist für sie noch nicht einmal am Horizont sichtbar.
Im ersten „Horizon“-Film spielt nur ein kleiner Teil des Film in dem titelgebenden Ort. In der ersten Stunde wird er, nachdem einige Siedler sich dort ansiedelten, während einer Feier der Siedler von einer Horde Indianer überfallen und niedergebrannt. Diese Schlacht bildet den Actionhöhepunkt des Films. Den Überfall überleben nur wenige. Zu ihnen gehören Frances Kittredge (Sienna Miller) und ihre Tochter Elizabeth (Georgia MacPhail). Sie gehen zu dem nahe gelegenem Militärstützpunkt Camp Gallant und verschwinden für einen großen Teil der weiteren Films aus dem Film. Am Ende deutet sich eine Beziehung zwischen Frances und First Lt. Trent Gephart (Sam Worthington) an.
In den anderen Plots geht es um einen Wagentreck, der sich langsam durch den Wilden Westen bewegt und die Konflikte, die es zwischen den Siedlern gibt. Ein anderer Plot dreht sich um den einzelgängerischen Revolverhelden Hayes Ellison (Kevin Costner, der nach einer Stunde seinen ersten Auftritt hat). Er rettet die Prostituierte Marigold (Abbey Lee) vor den mordlüsternen Sykes-Brüdern. Anschließend flüchten Hayes und Ellen vor den weiteren Mitgliedern der Sykes-Familie mit unbekanntem Ziel durch die fotogene Landschaft.
Und, allerdings erst nach dem Überfall auf Horizon, erzählt Costner in einem weiteren Handlungsstrang von den Apachen und ihren internen Streitigkeiten über den Umgang mit den weißen Menschen, die ihr Land ungefragt besetzen. Bis zu diesem Punkt sind sie hinterhältig und bestialisch Kinder, Frauen, einen Geistlichen und harmlose Siedler ermorden.
Das sind alles altbekannte Westernplots, die mit einigen weiteren Plots, in einem Western-Best-of in episch gedehnten Szenen aneinandergereiht werden. Denn ein Kevin Costner hat immer Zeit. Und die einzelnen Szenen funktionieren als einzelne Szenen auch gut. Nur ergeben sie keinen Film. Sie sind bestenfalls der Auftakt, der neugierig auf die nächsten Teile machen soll.
„Horizon – Eine amerikanische Saga“ ist aber nur ein Western-Mash-Up, ein Best-of, bei dem auch nach drei Stunden kein Hauptplot, keine Hauptfigur und kein zentraler Konflikt erkennbar ist. Das ist auch in einem Ensemblefilm oder einer TV-Serie wichtig. Es ist auch keine Figur und keine Geschichte dabei, von der ich unbedingt wissen möchte, wie sie weitergeht. Das alles sollte aber nach drei Stunden etabliert sein. In einer TV-Serie gelingt das nach neunzig oder weniger Minuten.
Weil „Horizon“ das nicht gelingt, endet der Film in einer minutenlange Montage mit Bildern aus dem nächsten Teil. Wie bei einer TV-Serie sollen diese Bilder neugierig auf die nächste Episode machen.
Von der Art der Präsentation seiner einzelnen Geschichten ist „Horizon“ ein revisionistischer revisionistischer Western. Costners neuer Film ist keine Rückbesinnung zum klassischen Hollywood-Western mit dem Wissen der seitdem in Filmen, Büchern und gesellschaftlichen Diskussionen stattgefundenen Entwicklungen. Dabei trug Costner mit seinem Regiedebüt „Der mit dem Wolf tanzt“ und wie er die Native Americans zeigte, zu dieser Neubetrachtung der US-amerikanischen Geschichte bei. Mit „Horizon“ hätte er den klassischen Hollywood-Western neu betrachten können. Stattdessen versucht er alle Entwicklungen, die es seit den fünfziger Jahren gab, zu ignorieren. Er will wieder so naiv wie damals erzählen und die alten Legenden wieder vollumfänglich bestätigen. Aber die Zeit ist vorbei. Wir sind weiter.
Aus diesem ‚zurück in die Vergangenheit‘-Gedanken ergibt sich auch das gewählte Bildformat. Gedreht wurde im US-Breitwandformat (1,85:1), das wie ein heutiges TV-Bild aussieht und dem Film von der ersten Minute wie einen TV-Western wirken lässt. Quentin Tarantino ging in seinem grandiosen Schneewestern „The hateful 8“ den entgegengesetzten Weg. Das Bild konnte nicht breit genug sein.
Der Auftakt von Costners lange gehegtem und jetzt mit eigenem Geld finanziertem Traumprojekt enttäuscht. Als Einzelfilm funktioniert „Horizon“ nicht, weil er kein Ende, sondern nur eine Menge Anfänge hat, Als Auftakt von einem Epos, das die Menschen in einigen Monaten wieder in die Kinos treibt, funktioniert der Film auch nicht. Keine Geschichte macht wirklich neugierig auf die nächste Episode der Saga. Von keiner Figur will man unbedingt erfahren, was ihr zustoßen wird.
Der zweite „Horizon“-Film läuft am 7. November 2024 in Deutschland an.

Horizon – Eine amerikanische Saga (Horizon – An American Saga Chapter 1, USA 2024)
Regie: Kevin Costner
Drehbuch: Jon Baird, Kevin Costner
mit Sienna Miller, Sam Worthington, Danny Huston, Michael Rooker, Kevin Costner, Jena Malone, Michael Angarano, Abbey Lee, Jamie Campbell Bower, Jon Beavers, Owen Crow Shoe, Tatanka Means, Liluye, Luke Wilson, Ella Hunt, Tom Payne, Will Patton, Isabelle Fuhrman, Hayes Costner, Georgia MacPhail
Länge: 181 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Horizon – Eine amerikanische Saga“
Metacritic über „Horizon – Eine amerikanische Saga“
Rotten Tomatoes über „Horizon – Eine amerikanische Saga“
Wikipedia über „Horizon – Eine amerikanische Saga“ (deutsch, englisch)
Welcome to Pandora, einem dieser Wüstenplaneten, die wie eine Müllhalde aussehen und die bevorzugt von gefährlichen Tieren, furchtlosen Glücksrittern und debilen Verbrechern bevölkert werden. Alles auf Pandora ist lebensgefährlich oder will dich umbringen. Trotzdem kommen immer wieder Menschen nach Pandora. Auf dem Planeten soll es nämlich ein unglaublich wichtiges, die Welt veränderndes Ding geben, das alle unbedingt haben wollen und das bis jetzt, obwohl jedes Sandkorn umgedreht wurde, noch nicht gefunden wurde.
Außerdem ist dort die Tochter von dem bösen Konzernchef Atlas (Edgar Ramírez). Sie wurde von Roland (Kevin Hart) entführt. Die supertaffe Kopfgeldjägerin Lilith (Cate Blanchett, wenig überzeugend) soll die Dreizehnjährige zu ihrer Familie zurückbringen. Dass ihr Auftraggeber Atlas nicht ehrlich ist und dass Tiny Tina (Ariana Greenblatt) ein psychotisch durchgeknalltes kleines Mädchen mit seltsamen Freunden und explosiven Gewohnheiten ist, erfährt Lilith erst während des Abenteuers. Das verschlägt sie auf ihrem alten Heimatplaneten, den sie niemals wieder besuchen wollte.
Das liest sich jetzt wahrscheinlich wie eine Ansammlung gut abgehangener Klischees, die nach B-Movie-Lehrbuch und für kostengünstige Dreharbeiten verfügbaren Kiesgruben an einem langen Wochenende zu einem Drehbuch zusammenkopiert wurde. Die nach diesem Prinzip entstandenen Filme waren früher das Spielmaterial für Bahnhofskinos und Mitternachtsvorstellungen.
Das ist Eli Roths neuer Film „Borderlands“ auch. Er basiert auf dem gleichnamigen Computerspiel, das gar nicht so schlecht sein soll. Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass in einem Computerspiel diese Mischung aus primitiven Tough-Guy-Dialogen, mit überschaubarem Nachdenken zu lösenden Suchaufgaben und rasant aufeinander folgenden potentiell tödlichen Herausforderungen gut funktioniert. Jedenfalls wenn man nach der Arbeit bei einem Spiel einfach abschalten möchte.
Im Film funktioniert dieses Update von 80er-Jahre-Endzeit-Filmen, gemischt mit „Star Wars“-Space-Opera-Anspielungen, nicht.
Denn alles in „Borderlands“ ist bekannt aus „besseren“ Filmen. Roths Update beschränkt sich auf die exzessive Nutzung von nicht besonders gut aussehendem CGI, dem Weglassen einiger heute nicht mehr akzeptabler Sprüche und, wenn aus dem Helden eine Heldin wird, einem überschaubarem Geschlechterwechsel. Es gibt auch weniger Sex und Gewalt als damals. Im Endergebnis ist „Borderlands“, mit einem deutlich höherem Budget, die jugendfreie Version eines doofen 80er-Jahre-Actionfilms.
Dazu gibt es eine erkleckliche Menge bekannter Schauspieler, die vielleicht endlich einmal in einem dieser Filme mitspielen wollten, die sie als Jugendliche im Kino oder auf der Couch gesehen haben und die hofften, dass bei den Dreharbeiten, die von April bis Juni 2021 in Budapest waren (2023 gab es einen zweiwöchigen von Tim Miller überwachten Nachdreh), aus dem Drehbuch durch irgendein Wunder ein unterhaltsamer Film entstehen könnte. Sie irrten sich.
„Borderlands“ ist es nur eine weitere schlechte, belanglose und schnell vergessene Spieleverfilmung. Das kennen wir aus den achtziger und neunziger Jahren, in denen eine schlechte Spieleverfilmung einer desaströsen Spieleverfilmung folgte. Die Fans des Spiels weinten, weil aus ihrem tollen Spiel ein schlechter Film wurde. Die Buchhalter weinten, weil aus einem kommerziell erfolgreichen Spiel mit vielen treuen Fans eine finanzielle Vollkatastrophe wurde. Actionfilmfans weinten, weil sie wieder einen rundum schlechten Film ertragen mussten. Cineasten ignorierten das Werk zugunsten irgendeines anderen Films.

Borderlands (Borderlands, USA 2024)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Joe Crombie
mit Cate Blanchett, Kevin Hart, Jamie Lee Curtis, Ariana Greenblatt, Florian Munteanu, Janina Gavankar, Edgar Ramirez, Gina Gershon (ich hab‘ sie nicht erkannt)
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Borderlands“
Wikipedia über „Borderland“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)
Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)
Meine Besprechung von Eli Roths „Thanksgiving“ (Thanksgiving, USA 2023)
Ein Western (ohne Kevin Costner, dessen Western „Horizon“, der besser hätte sein können, heute im Kino anläuft) mit Cate Blanchett (deren auf einem Wüsten-Schrottplaneten spielender SF-Film „Borderlands“, der viel besser hätte sein können, heute ebenfalls im Kino anläuft)
ZDFneo, 23.25
The Missing (The Missing, USA 2003)
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Ken Kaufman
LV: Thomas Eidson: The last Ride, 1995
New Mexico, 1886: Als Apachen die 17-jährige Tochter von Maggie (Cate Blanchett) entführen, ist sie auf die Hilfe ihres Vaters (Tommy Lee Jones) angewiesen. Dummerweise ist ihre Beziehung zueinander sehr schlecht. Denn er verließ seine Familie und lebte zwanzig Jahre bei den Apachen.
Düsterer, mit 137 Minuten etwas (jedenfalls nach dem damaligen Filmlängenzeitgefühl) lang geratener Western, der bei den Native Americans gut ankam.
Georg Seeßlen verortete Ron Howards Film in „Filmwissen: Western“ (2011) zwischen Neo Noir Western und Mystery Western und meinte „eine weitere heftige Entromantisierung des Genres“.
mit Tommy Lee Jones, Cate Blanchett, Evan Rachel Wood, Jenna Boyd, Eric Schweig, Aaron Eckhart, Val Kilmer, Elisabeth Moss
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Missing“
Wikipedia über „The Missing“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)
Meine Besprechung von Ron Howards „Inferno“ (Inferno, USA 2016)
Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)
Für den Knaur-Verlag ist Judith Gridls „Der tiefste Punkt“ „Das Thriller-Debüt des Jahres!“. Gridls Thriller beginnt fulminant mit einer Schiffskatastrophe. 24 Menschen aus dem Ostsseedorf Reetna sterben. Sie gehörten zu einer Hochzeitsgesellschaft.
Einer der Toten ist der beste Freund von Nina Weber. Die Informatikerin und White-Hat-Hackerin beginnt zusammen mit dem Seenotrettungspiloten Matthew Callaghan nach den Hintergründen für das Unglück zu suchen. Er kam vor drei Jahren aus England nach Reetna und schweigt über seine Vergangenheit. Sie fragen sich, warum während des Unglücks die GPS-Signale gestört waren und ob das Unglück bewusst provoziert wurde.
Ausgehend von dem Schiffsuntergang in der Ostsee erzählt Gridl die Geschichte flott wechselnd zwischen verschiedenen Handlungssträngen, die in und um Reetna, auf der Internationalen Raumstation ISS und in Kenia spielen. Lange bleibt dabei unklar, was diese Orte und Menschen miteinander verbindet und warum die Hochzeitsgesellschaft sterben musste.
Judith Gridl wurde 1970 in Burghausen (Bayern) geboren. In München studierte sie Jura. Seit fast zwanzig Jahren lebt die ARD-Fernsehjournalistin mit ihrer Familie in Berlin. 2017 debütierte sie mit dem Jugendroman „Das Leben meines besten Freundes“. Außerdem schreibt sie Drehbücher und betreibt zusammen mit Klaus Rathje den Literatur-Podcast „Berliner Zimmer“.
Wir unterhielten uns über den Roman, worum es in ihm geht, wie sie schreibt, welche Bücher sie empfiehlt und über Berlin.
Das Interview wurde am Freitag, den 16. August 2024, in Berlin in der Bruno-Lösche-Bibliothek, vor einer hier ebenfalls dokumentierten Lesung des Thrillers, aufgezeichnet.

Judith Gridl: Der tiefste Punkt
Knaur, 2024
368 Seiten
12,99 Euro
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Hinweise
3sat, 22.25
Antiviral (Antiviral, Kanada/Frankreich 2012)
Regie: Brandon Cronenberg
Drehbuch: Brandon Cronenberg
In der Zukunft lassen Fans sich Viren von erkrankten Prominenten injizieren. Als ein Supermodel an einem Virus stirbt, sind auch alle Menschen, die eine Injektion mit ihren Krankheitserregern erhielten, in Gefahr. Und Syd March, der neben seiner Arbeit in der Klinik einen blühenden illegalen Handel betreibt, ist in Teufels Küche.
TV-Premiere. Spielfilmdebüt von Brandon Cronenberg, dem Sohn von David Cronenberg, der einen offensichtlich großen Einfluss auf seinen Sohn hatte. Das Ergebnis ist Body-Horror mit satirischen Ansätzen, der neugierig auf seine weiteren Arbeiten machte.
mit Caleb Landry Jones, Sarah Gadon, Douglas Smith, Joe Pingue, Nicholas Campbell, Sheila McCarthy, Wendy Crewson, Malcolm McDowell
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Antiviral“
Meine Besprechung von Brandon Cronenbergs „Posessor“ (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)
Meine Besprechung von Brandon Cronenbergs „Infinity Pool“ (Infinity Pool, USA 2023)
Für den Knaur-Verlag ist Judith Gridls „Der tiefste Punkt“ „Das Thriller-Debüt des Jahres!“. Gridls Thriller beginnt fulminant mit einer Schiffskatastrophe. 24 Menschen aus dem Ostsseedorf Reetna sterben. Sie gehörten zu einer Hochzeitsgesellschaft.
Einer der Toten ist der beste Freund von Nina Weber. Die Informatikerin und White-Hat-Hackerin beginnt zusammen mit dem Seenotrettungspiloten Matthew Callaghan nach den Hintergründen für das Unglück zu suchen. Er kam vor drei Jahren aus England nach Reetna und schweigt über seine Vergangenheit. Sie fragen sich, warum während des Unglücks die GPS-Signale gestört waren und ob das Unglück bewusst provoziert wurde.
Ausgehend von dem Schiffsuntergang in der Ostsee erzählt Gridl die Geschichte flott wechselnd zwischen verschiedenen Handlungssträngen, die in und um Reetna, auf der Internationalen Raumstation ISS und in Kenia spielen. Lange bleibt dabei unklar, was diese Orte und Menschen miteinander verbindet und warum die Hochzeitsgesellschaft sterben musste.
Judith Gridl wurde 1970 in Burghausen (Bayern) geboren. In München studierte sie Jura. Seit fast zwanzig Jahren lebt die ARD-Fernsehjournalistin mit ihrer Familie in Berlin. 2017 debütierte sie mit dem Jugendroman „Das Leben meines besten Freundes“. Außerdem schreibt sie Drehbücher und betreibt zusammen mit Klaus Rathje den Literatur-Podcast „Berliner Zimmer“.
Auf der hier in Teilen dokumentierten kurzweiligen Buchpräsentation liest sie aus ihrem Thriller-Debüt, stellt die Hauptpersonen vor, liefert Hintergrundinformationen zur Geschichte und beantwortet Fragen aus dem Publikum. Das Video endet mit einem Cliffhanger.
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Aufnahme: Freitag, 16. August 2024, Bruno-Lösche-Bibliothek (Berlin-Moabit)
Begrüßung: Ina Löbe (Bruno-Lösche-Bibliothek)
Kamera: Axel Bussmer (Kriminalakte)

Judith Gridl: Der tiefste Punkt
Knaur, 2024
368 Seiten
12,99 Euro
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Hinweise
Homepage der Bruno-Lösche-Bibliothek (Veranstaltungsort)
Kriminalakte: Interview mit Judith Gridl über „Der tiefste Punkt“
NDR, 23.30
Rififi (Du rififi chez les hommes, Frankreich 1954)
Regie: Jules Dassin
Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton
LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953
Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.
Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen: Kino der Angst, 1980)
Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)
Hinweise
Wikipedia über „Rififi“ (deutsch, englisch)
Criterion Confessions (James S. Rich) über Jules Dassin und „Rififi“
ZDF, 22.15
Die letzte Nacht in Mailand (L’ultima notte di Amore, Italien 2023)
Regie: Andrea Di Stefano
Drehbuch: Andrea Di Stefano
Seit Jahre ist Franco Amore in Mailand Polizist. Nicht einmal musste er seine Schusswaffe benutzen. Das ändert sich in der titelgebenden letzten Nacht vor seinem Ruhestand.
TV-Premiere. Grandioser Cop-Thriller, der sich selbstbewusst in die Tradition des italienischen Kriminalfilms aus den siebziger Jahren stellt und ein zeitgemäßes Update liefert.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Pierfrancesco Favino, Linda Caridi, Antonio Gerardi, Francesco Di Leva, Martin Francisco Montero Baez, Katia Mironova, Carlo Gallo, Mauro Negri
Wiederholung: Mittwoch, 21. August, 00.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Die letzte Nacht in Mailand“
Metacritic über „Die letzte Nacht in Mailand“
Rotten Tomatoes über „Die letzte Nacht in Mailand“
Wikipedia über „Die letzte Nacht in Mailand“ (deutsch, englisch, italienisch)
Pro 7, 20.15
The Woman King (The Woman King, USA 2022)
Regie: Gina Prince-Bythewood
Drehbuch: Dana Stevens (nach einer Geschichte von Maria Bello und Dana Stevens)
Afrika, frühes 19. Jahrhundert: die Oyo verkaufen Schwarze als Sklaven an die Weißen. Nancisa (Viola Davis!), Anführerin einer Elite-Kriegerinnen-Kampftruppe, will das ändern.
TV-Premiere. Konventionelles, aber äußerst packend erzähltes, von wahren Ereignissen inspiriertes Drama, bei dem gefällt, wie kompetent die bekannte Geschichte aus weiblicher Perspektive erzählt wird.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Viola Davis, Thuso Mbedu, Lashana Lynch, Sheila Atim, Hero Fiennes Tiffin, John Boyega, Jordan Bolger, Jayme Lawson
Wiederholung: Montag, 19. August, 01.20 Uhr (Taggenau! Auch in der Nachtwiederholung soll die gekürzte Fassung des FSK-16-Films gezeigt werden)
Hinweise
Moviepilot über „The Woman King“
Metacritic über „The Woman King“
Rotten Tomatoes über „The Woman King“
Wikipedia über „The Woman King“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood fragt, ob der Film den Geschichtsunterricht ersetzten kann
Meine Besprechung von Gina Prince-Bythewoods „The Woman King“ (The Woman King, USA 2022).
MDR, 23.00
Charade (Charade, USA 1963)
Regie: Stanley Donen
Drehbuch: Peter Stone (nach einer Geschichte von Marc Behm und Peter Stone)
In Paris wollen etliche Gangster etwas von der Witwe Reggie. Sie scheint nur ihrer Urlaubsbekanntschaft Peter vertrauen zu können.
Donens Thrillerkomödie ist einer der besten nie von Hitchcock gedrehten Filme.
Marc Behm schrieb später unter anderem den zweimal verfilmten Kriminalroman „Das Auge“.
Mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Charade“
Chris Wang ist dreizehn Jahre alt. Youri ist sechzehn Jahre alt. Und wenn Sean Wang in „Dìdi“ und Fanny Liatard und Jérémy Trouilh in „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“ ohne Beschönigungen von Chris‘ und Youris Leben erzählen, bewegen sie sich immer auf Augenhöhe mit ihren Figuren. Ihre Filme sind Filme mit Kindern als Protagonisten, aber keine Kinderfilme; jedenfalls keine dieser für Erwachsene unerträglichen Kinderfilme.
In „Dìdi“ geht es um den taiwanesisch-amerikanischen Jungen Chris Wang, genannt „Wang Wang“. Er lebt 2008 in Fremont, Nordkalifornien, das normale Leben eines Teenagers. Er fetzt sich mit seiner Familie, vor allem mit seiner altklugen Schwester, die sich auf ihr im Herbst beginnendes Studium an der University of California vorbereitet, sucht Schutz bei seiner dickköpfigen Großmutter, versucht sich über sein Verhältnis zu seiner Mutter klar zu werden, treibt Unfug mit seinem besten Freund, sucht Anerkennung in Cliquen, fährt Skateboard und dreht kurze Videos, die er auf Myspace veröffentlicht.
Alltag eben, den Sean Wang in seinem autobiographisch inspiriertem Regiedebüt, ohne einen echten Plot, mit viel Sympathie für seine Figuren, ihre Gefühle und Beziehungen schildert. Er schildert auch die Probleme, die Immigranten und ihre Kinder haben, wenn sie zwischen zwei Kulturen leben und versuchen, respektiertes Mitglied einer anderen Kultur und Gemeinschaft zu werden.
Dídi ist Mandarin. Die wörtliche Bedeutung ist „kleiner Bruder“, aber chinesische Eltern verwenden es auch als Kosewort für ihre jüngeren Söhne.
„Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“ hat nur insofern etwas mit dem sowjetischen Kosmonauten Yuri Gagarin zu tun, weil der Film in einem inzwischen abgerissenem Wohnkomplex spielt, der nach ihm benannt wurde. Gagarin war der erste Mensch im Weltraum. Am 12. April 1961 umrundete er einmal die Erde.
Die Gagarin-Hochhaussiedlung wurde in den frühen sechziger Jahren in der Banlieue von Paris errichtet. Damals war das die Utopie von zukunftsträchtigem Wohnen. Schnell wurden die Probleme und Defizite der Architektenutopie deutlich. Am Ende war Gagarin so heruntergekommen, dass ein Abriss günstiger als eine Renovierung des asbestverseuchten Gebäudes war. Dieser Abriss erfolgte 2019. Die Bewohner sollten in andere Wohnkomplexe in Frankreich verteilt werden.
Aber für die Bewohner ist Gagarin Heimat und Bewohner bilden eine Gemeinschaft. Trotzdem ziehen sie nacheinander weg. Nur Youri bleibt. Während um ihn herum das Gebäude langsam abgerissen wird, erbaut er sich in der Mietwohnung eine Raumstation. Er versorgt sich selbst und lebt immer mehr wie ein Weltraumreisender.
„Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“ ist eine geglückte Mischung aus dokumentarischem Sozialdrama, Magischem Realismus, wunderschönen, das Gebäude, die Menschen und ihre Gemeinschaft feiernden Kinobildern und, trotz der eigentlich sehr traurigen Geschichte, ein hemmungslos positiver Film.
Die Anfänge für den Film reichen bis in das Jahr 2014 zurück. Damals nahmen Fanny Liatard und Jérémy Trouilh dokumentarische Bilder und Interviews mit den Bewohnern auf. Die Initiative dafür ging von einige Architekten aus, mit denen sie befreundet waren und die über die Möglichkeit einer Zerstörung von Gagarin nachdenken sollten. Fünf Jahre später dokumentierten sie dann die im Film zu sehende Zerstörung von Gagarin.
„Gagarin“ ist eine einzige Liebeserklärung an die Siedlung und ihre aus vielen Ländern, vor allem den früheren französischen Kolonien kommenden, oft armen und arbeitslosen Bewohner. Dieser dokumentarische Teil erdet Youris immer fantastischer werdende Geschichte, während die Kamera durch das Gebäude streift und, in der ersten Hälfte des Films, die Bewohner und ihr Leben zeigt.

Dìdi (Dìdi (弟弟), USA 2024)
Regie: Sean Wang
Drehbuch: Sean Wang
mit Izaac Wang, Joan Chen, Shirley Chen, Chang Li Hua, Mahaela Park, Raul Dial, Aaron Chang, Chiron Cilia Denk
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „Dídi“ (deutsch, englisch)
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Gagarin – Einmal schwerelos und zurück (Gagarine, Frankreich 2020)
Regie: Fanny Liatard, Jérémy Trouilh
Drehbuch: Benjamin Charbit, Fanny Liatard, Jérémy Trouilh
mit Alseni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant, Cesar ‚Alex‘ Ciurar, Rayane Hajmessaoud, Hassan Baaziz, Salim Balthazard, Elyes Boulaïche, Fabrice Brunet, Jacques Cissoko, Mamadou Cissoko, Hassoun Dembele
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“
AlloCiné über „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“
Metacritic über „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“
Rotten Tomatoes über „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“
Wikipedia über „Gagarin – Einmal schwerelos und zurück“ (deutsch, englisch, französisch)
Pro7, 20.15
They want me dead (Those who wish me dead, USA/Kanada 2021)
Regie: Taylor Sheridan
Drehbuch: Charles Leavitt, Taylor Sheridan
LV: Michael Koryta: Those who wish me dead, 2014 (Die mir den Tod wünschen)
Feuerspringerin Hannah Faber sitzt als Brandmelderin in Montana im Wald auf einem Wachturm. Während ihres Dienstes entdeckt sie den zwölfjährigen Connor. Der Junge wird von zwei Killern gejagt. Sie will Connor retten. Da zünden die beiden Killer den Wald an.
TV-Premiere (nachdem der Thriller während der Coronavirus-Pandemie seine deutsche Premiere bei Sky als VoD hatte). Die Kritik meint: gut inszenierter und gespielter Old-School-Thriller vor prächtiger Landschaft
mit Angelina Jolie, Finn Little, Nicholas Hoult, Jon Bernthal, Aidan Gillen, Medina Senghore, Jake Weber, Tyler Perry
Wiederholung: Samstag, 17. August, 00.45 Uhr (Taggenau!)
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Die Vorlage

Michael Koryta: Die mir den Tod wünschen
(übersetzt von Ulrike Clewing)
Heyne, 2016
480 Seiten
9,99 Euro (eBook – weil nur noch als eBook erhältlich)
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Originalausgabe
Those who wish me dead
Little, Brown and Company, 2014
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „They want me dead“
Wikipedia über „They want me dead“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan) und der DVD und des Soundtracks
Meine Besprechung von Taylor Sheridans „Wind River (Wind River, USA 2017)