Gosford Park (Gosford Park, Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Sehr gelungene Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Nach ihrem weitgehend ungeliebtem Ausflug ins Superheldengenre mit dem Marvel-Film „Eternals“ kehrt „Nomadland“-Regisseurin Chloé Zhao mit „Hamnet“ wieder in irdische Gefilde zurück und reist weit in die Vergangenheit in das Zeitalter von William Shakespeare. Basierend auf Maggie O’Farrells Roman „Judith und Hamnet“ erzählt sie, strikt chronologisch, die Geschichte von Agnes (Jessie Buckley), ihrem Mann William (Paul Mescal), ihrem früh verstorbenen Sohn Hamnet und wie die Eltern die Trauer über den Pesttod ihres elfjährigen Sohnes verarbeiten. William schreibt das Theaterstück „Hamlet“. Als Agnes es sieht, hat es eine ungeahnt befreiende, über den Tod Hamnets tröstende Wirkung auf sie.
William ist nämlich William Shakespeare. Der Film erzählt eine mehr oder weniger frei erfundene Geschichte aus seinem Leben. Er verficht dabei die These, dass Shakespeare in seinem Stück „Hamlet“ seine Trauer über den Tod seines Sohnes verarbeitet. Ob das stimmt und über das genaue Verhältnis von Wahrheit und Fiktion können sich die Shakespearianer den Kopf zerbrechen. Für den Zuschauer bleibt, uh, nach allgemeiner Einschätzung ein grandioses, zutiefst bewegendes Drama über Shakespeares Frau Agnes, Shakespeare, ihre Liebe und die Kraft der Kunst. Die meisten Kritiken versprechen auch einem erhöhten Taschentuchkonsum, der sich vor allem im Finale niederschlägt. Inzwischen ist „Hamnet“ ein vielfach ausgezeichnetes, unter anderem der diesjährige Golden Globe für den besten Film, und für weitere wichtige Preise, unter anderem den Oscar als bester Film des Jahres, nominiertes Drama.
Im Mittelpunkt des Dramas steht allerdings nicht der Dichter, sondern die Frau des Dichters. Agnes ist eine allein lebende Frau mit einer tiefen Verbindung zur Natur. Sie sammelt Kräuter und heilt. Sie findet gefallen an den von William geschriebenen Versen und dem Poeten. Als sie sich kennen lernen, arbeitet er als Lehrer an der Dorfschule. Sein späterer Ruhm ist in dem Moment noch nicht einmal erahnbar. Sie heiraten und kriegen Kinder.
Weil er in London sein muss, um als Dichter bekannt zu werden, schickt sie ihn nach der Hochzeit dorthin. Er soll seiner Berufung nachgehen. Sie bleibt im ländlichen Straford-upon-Avon, zieht ihre gemeinsamen Kinder groß, lebt im Einklang mit der Natur und sammelt weiterhin im Wald Heilkräuter. Es ist ein ruhiges Leben ohne große Konflikte. Wenn ein Kind sehr krank ist oder im Sterben liegt, eilt William aus London herbei und verschwindet schnell wieder aus Agnes‘ Leben und der Filmgeschichte.
Diese Konzentration auf die Frau des Künstlers, die in der hochgelobten Romanvorlage funktionieren kann, funktioniert im Film nicht. Über Shakespeare und sein Leben in London erfahren wir nichts. Er könnte, ohne dass man etwas im Film ändern müsste (gut, das Finale mit der Theateraufführung müsste wohl etwas anders begründet werden), genausogut ein Seefahrer sein. Er ist nicht da. Er hat keinen Einfluss auf das Leben von Agnes und ihren Kindern. Er ist der prototypische abwesende Mann.
Trotzdem könnte eine interessante Geschichte erzählt werden. Aber Agnes ist so sehr mit sich im reinen, dass ihre Geschichte kein dramatisches Potential hat. Es gibt keine Konflikte. Nie muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr schwer fällt. Ihren Mann schickt sie kurz nach der Hochzeit weg. Er soll seinen Traum leben. Schlimme Ereignisse, wie Hamnets Tod durch die Pest, kann sie nicht beeinflussen. Er passiert einfach. Ihr Leben ist nur eine Abfolge zufälliger Ereignisse, die mit dem Besuch einer Theateraufführung endet, die uns als wichtig verkauft wird. Zhao inszeniert das in schönen Bildern. Max Richter unterlegt es musikalisch.
Hamnet (Hamnet, USA 2025)
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao, Maggie O’Farrell
LV: Maggie O’Farrell: Hamnet, 2020 (Judith und Hamnet)
mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn, Jacobi Jupe, Olivia Lynes, Justine Mitchell, David Wilmot, Louisa Harland
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
Paul Thomas Andersons neuer Film „The Battle of Baktan Cross“ (One Battle After Another) läuft am 25. September 2025 an.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
Paul Thomas Andersons neuer Film „The Battle of Baktan Cross“ (One Battle After Another) läuft am 25. September 2025 an.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Kingsman: The Golden Circle(Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)
Nachdem Bösewichter die Zentrale der Kingsman zerstörten, müssen die distinguierten britischen Agenten Eggsy und Merlin sich mit ihrer US-amerikanischen Partnerorganisation, den Statesman, deren Zentrale in Kentucky einer Whiskey-Destillerie ist, zusammentun.
Witzge, mit hundertvierzig Minuten zu lang geratene Agentenkomödie, mit einer chaotischen Story und viel Action, die um 20.15 Uhr wahrscheinlich in einer gekürzten Version gezeigt wird.
mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson
Gosford Park (Gosford Park, Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Sehr gelungene Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…
Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 40 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.
Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem “Total Recall”-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.
mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings
LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)
FBI-Mann Will Graham jagt einen Serienkiller. Nur Hannibal Lecter kann ihm helfen.
Die zweite Verfilmung von „Red Dragon“, dem ersten Roman mit Menschenfresser Hannibal Lecter, ist meilenweit von der Qualität von „Manhunter“ (USA 1986, Regie/Buch: Michael Mann) entfernt. Optisch hält Ratner sich in seinem langatmig-langweiligen Starkino an den von Jonathan Demme in seiner Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Look. Von der Story wiederholt Ratner nur Michael Manns eiskalten „Manhunter“, garniert mit überflüssigen Verweisen auf „Das Schweigen der Lämmer“.Und Anthony Hopkins spielt wieder Hannibal Lector.
Die andere Meinung: „Roter Drache ist ein erstklassiger Thriller.“ (Rheinische Post, 31. Oktober 2002)
Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Lalo Schifrin (als Dirigent, sein bislang einziger Filmauftritt)
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus liebenswerte Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Paul Thomas Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Barry Egan ist Unternehmer. Allerdings läuft sein Verkauf von Kitschartikeln eher schlecht. Seine sieben Schwestern erdrücken ihn mit ihrer Fürsorge. Ein Telefonsex-Anbieter versucht ihn zu erpressen. Und er selbst findet die Welt immer wieder etwas ver-rückt. Da wird in der Einfahrt zu seinem Garagengeschäft ein alte Harmonium abgestellt und er trifft die überaus nette Lena.
„Punch-Drunk Love“ ist ein wundervoll derangierter Film. Wie die Hauptfigur, die am amerikanischen Traum, der Realität, seiner Familie (sieben Schwestern!) und sich selbst verzweifelt ohne zu scheitern. Denn Anderson erzählt gleichzeitig eine romantische Liebesgeschichte mit psychedelischen Einschüben.
mit Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Gusmán, Mary Lynn Rajskub, Robert Smigel
Gosford Park (Gosford Park, Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Sehr gelungene Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Wiederholung: Mittwoch, 27. Mai, 01.55 Uhr (Taggenau!)
Kingsman: The Golden Circle(Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)
Nachdem Bösewichter die Zentrale der Kingsman zerstörten, müssen die distinguierten britischen Agenten Eggsy und Merlin sich mit ihrer US-amerikanischen Partnerorganisation, den Statesman, deren Zentrale in Kentucky einer Whiskey-Destillerie ist, zusammentun.
TV-Premiere. Witzge, mit hundertvierzig Minuten zu lang geratene Agentenkomödie, mit einer chaotischen Story und viel Action, die um 20.15 Uhr wahrscheinlich in einer gekürzten Version gezeigt wird.
mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson
Gosford Park (Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)
Regie: Robert Altman
Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)
Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.
Tolle Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.
Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.
Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.
mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant
Der erste „Kingsman“-Film „The Secret Service“ war der etwas andere James-Bond-Film, der alles hatte, was alte James-Bond-Fans von einem James-Bond-Film erwarten. Und noch etwas mehr.
Der zweite „Kingsman“-Film „The Golden Circle“ schreibt die Geschichte der Kingsman und von Eggsy (Taron Egerton), der jetzt den Codenamen ‚Galahad‘ hat, fort. Allerdings weniger im Modus eines James-Bond-Films, sondern mehr „eigenständig“ als vergnügliche, mit über hundertvierzig Minuten auch zu lang geratene Nummernrevue mit viel Action. Denn die Story, ein Mix aus Agenten- und Kriminalgeschichte mit einer größenwahnsinnigen Schurkin, ist überall und nirgends.
Es beginnt mit einem Mordanschlag auf Eggsy (Taron Egerton), der uns gleich eine große Actionszene auf den nächtlichen Straßen Londons mit zahlreichen Kollateralschäden beschert, die auch gut in einen James-Bond-Film gepasst hätte. Wenn die Inszenierung der Action nicht zu sehr auf den Kollegen Computer bauen würde.
Dann werden alle Kingsman gleichzeitig bei mehreren explosiven Anschlägen ermordet. Nur Eggsy und Merlin (Mark Strong) überleben. In einem Notfallsafe finden sie einen Hinweis, der sie in die USA nach Kentucky in eine gigantische Whiskey-Destillerie zu ihrer Bruderorganisation ‚Statesman‘ führt und in deren Venen Americana fließt. Die dortigen Agenten Tequila (Channing Tatum, der wegen seines Drogenkonsums schnell tiefgekühlt gelagert wird), sein Kollege Whiskey (Pedro Pascal, „Game of Thrones“, „Narcos“), Ginger Ale (Halle Berry) und ihr Chef Champagne (Jeff Bridges) helfen ihnen gegen den Golden Circle, der für die Anschläge auf die Kingsman verantwortlich ist, vorzugehen.
Der Golden Circle ist eine global aktive Drogenschmuggelorganisation, deren Chefin Poppy (Julianne Moore) nach höheren Weihen strebt. Dafür vergiftet sie jetzt alle ihre Kunden. Das Gegengift gibt es, wenn ihre Forderung nach einer vollständigen Freigabe von Drogen (Hey, klingt vernünftig!) erfüllt wird. Der Präsident der USA (Bruce Greenwood) denkt nicht daran und die Kingsman und die Statesman, vor allem Eggsy und Whiskey, beginnen, quer über den Globus reisend, Poppy und ihr Versteck zu suchen. Das liegt in Südostasien im Dschungel und sieht wie eine US-amerikanische Fünfziger-Jahre-Kleinstadt aus. Mit Diner, Kino und Konzertsaal, mit Elton John als Hauspianisten.
Bis dahin vergeht allerdings viel Filmzeit. Durchaus vergnüglich, aber auch deutlich mehr an einzelnen Episoden, Gags, teils gelungen, teils idiotisch (wie die Roboterhunde), teils geschmacklos, und Subplots zwischen Therapie für ‚Galahad‘ Harry Hart (Colin Firth) und Liebesknatsch zwischen Eggsy und seiner Freundin Prinzessin Tilde (Hanna Alström) interessiert, als am vorantreiben der erschreckend sinnfreien Haupthandlung.
Die Action ist zwar furios im derzeit gängigen, aus Superheldenfilmen bekannten Standard gefilmt, aber sie berührt oft nicht. Denn zu oft ist zu offensichtlich, dass die Szenen nur dank dem großflächigen CGI-Einsatz so aussehen, wie sie aussehen. Dabei haben zuletzt „John Wick: Kapitel 2“, „Atomic Blonde“ und „Baby Driver“ gezeigt, wie mitreisend handgemachte Action ist. Auch der erste „Kingsman“-Film „The Secret Service“ hatte da mit Harry Harts Kampf in einem Pub und einer Kirche Standards gesetzt, die in diesem Film nicht überboten werden. Die Pubszene wird in „The Golden Circle“ zitiert, aber am Ende ist ein Lasso nur ein kläglicher Ersatz für einen Regenschirm.
So ist „Kingsman: The Golden Circle“ ein deutlich zu lang geratener Nachschlag zum ersten „Kingsman“-Film, dem genau der Witz, Stil, erzählerische Stringenz und Überraschungseffekt des ersten Teils fehlt.
Kingsman: The Golden Circle (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)
mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson
Pünktlich zum Filmstart (obwohl der Comic nichts mit dem Film zu tun hat) erschien bei Panini als vierter Band der „Mark Millar Collection“. „Genosse Superman“ ist Mark Millars Interpretation der Geschichte von Superman. Nur dass der Sohn Kryptons in den Fünfzigern nicht in den USA, sondern einige Kilometer weiter, in der Sowjetunion landete und der, – man beachte das Zeichen auf Supermans Brust -, für andere Werte kämpft.
„Genosse Superman“ war für den Eisner Award nominiert.
–
Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunket: Genosse Superman (Mark Millar Collection Band 4)
LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)
FBI-Mann Will Graham jagt einen Serienkiller. Nur Hannibal Lecter kann ihm helfen.
Die zweite Verfilmung von „Red Dragon“, dem ersten Roman mit Menschenfresser Hannibal Lecter, ist meilenweit von der Qualität von „Manhunter“ (USA 1986, Regie/Buch: Michael Mann) entfernt. Optisch hält Ratner sich in seinem langatmig-langweiligen Starkino an den von Jonathan Demme in seiner Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Look. Von der Story wiederholt Ratner nur Michael Manns eiskalten „Manhunter“, garniert mit überflüssigen Verweisen auf „Das Schweigen der Lämmer“.Und Anthony Hopkins in der Rolle seines Lebens.
Die andere Meinung: „Roter Drache ist ein erstklassiger Thriller.“ (Rheinische Post, 31. Oktober 2002)
Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Lalo Schifrin (als Dirigent, sein bislang einziger Filmauftritt)
Natürlich basiert „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ auf einer wahren Begebenheit, die für den Film, weil man von dieser wahren Begebenheit eigentlich nichts weiß, kräftig ausgeschmückt wurde bis von der wahren Begebenheit nur noch die Inspiration für einen Film blieb, der auch ohne die wahre Begebenheit funktioniert. Also: am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation und der entsprechenden Siegesfeiern, verließen Prinzessin Elizabeth (seit Jahrzehnten bekannt als Königin Elizabeth II) und Prinzessin Margaret, damals neunzehn und vierzehn Jahre alt, den Buckingham Palast. Sie gingen, begleitet von einem kleinen Hofstaat, zu einem Tanz in das Hotel Ritz und waren kurz nach Mitternacht wieder zu hause.
In „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ verlassen die supervernünftige Elizabeth (Sarah Gadon) und die hemmungslos vergnügungssüchtige Margaret (Bel Powley) durch einige dumme Zufälligkeiten das Ritz. Elizabeth sucht nun, mitten in Londons feiernden Massen ihre jüngere Schwester. Dabei trifft sie auf den Soldaten Jack (Jack Reynor), der Elizabeth selbstlos hilft. Denn sie hat kein Geld und sie kennt sich in London nicht aus. Vor allem nicht im London der kleinen Leute. Jack erkennt die künftige Königin nicht.
Julian Jarrold, der neben historischen Filmen, wie „Wiedersehen mit Brideshead“, „Geliebte Jane“ und „Great Expectations“, auch die grandiose David-Peace-Verfilmung „Red Riding: Yorkshire Killer 1974“ inszenierte, orientiert sich in seinem neuen Film an den Screwball-Komödien der fünfziger Jahre und selbstverständlich war „Ein Herz und eine Krone“ (Roman Holiday, USA 1953) eine der Inspirationen für „A Royal Night“, der ein rundum harmloser und geschmackvoller Spaß für queentreue Royalisten ist.
Das hat durchaus gelungene Momente, aber letztendlich handelt es sich um eine unbedeutende historische Episode, die höchstens weiter zur Legendenbildung beiträgt. Denn Prinzessin Elizabeth taumelt als besorgte und überragend vernünftige große Schwester, ohne sich jemals von der Feierlaune anstecken zu lassen, durch die Stadt und alle Menschen sind in diesem Kulissenlondon furchtbar nett.
Lange Jahre war der Mount Everest, der erst am 29. Mai 1953 von Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay erstmals bestiegen wurde, ein Berg für wenige, ausgezeichnete Bergsteiger. Bis dann, ab Ende der achtziger Jahre, kommerzielle Besteigungen organisiert wurden. Bei ihnen gelangten auch unerfahrene Bergsteiger auf den Gipfel. 1996 kam es zu einer Katastrophe, bei der innerhalb weniger Stunden acht Bergsteiger starben – und wenn ihr schon jetzt wissen wollt, was damals genau geschah und wer überlebte, kann es hier nachlesen. Einige werden auch Jon Krakauers Sachbuch-Bestseller „In eisige Höhen – Das Drama am Mount Everest“ (Into thin Air: A Personal Account of the Mt. Everest Disaster, 1997) gelesen haben. Krakauer war bei der Besteigung als Journalist dabei. Im Film wird er von Michael Kelly gespielt. Auch andere Überlebende schrieben Bücher darüber, die allerdings nicht so bekannt sind.
Aber auch wenn man die Geschichte kennt, wird man wohl gefesselt von Baltasar Kormákurs Bergsteiger-Drama „Everest“ (das man sich auch in 3D im IMAX ansehen kann) sein. Mit einer großen Besetzung – Jason Clarke, Josh Brolin, Jake Gyllenhaal, John Hawkes (eher ein Indie-Liebling) in den Hauptrollen, Sam Worthington und Emily Watson in wichtigen Nebenrollen, Keira Knightley und Robin Wright als zu Hause sitzende Bergsteigerfrauen – und einem Blick auf die fotogene Bergwelt (es wurde in Nepal und in den italienischen Alpen, im Val Senales und auf dem Senales-Gletscher, gedreht) erzählt Kormákur seinen Katastrophenfilm klassisch und chronologisch die Geschichte. Beginnend von der Ankunft der Bergsteiger in Kathmandu, über die Einführung des erfahrenen und sicherheitsbedachten „Adventure Consultans“-Bergsteigers Rob Hall (Jason Clarke) über die Gefahren des Berges, den ersten Erfahrungen der zahlenden Kunden (die alle ein kleines Vermögen für das Abenteuer ausgeben) am Berg und schließlich, zusammen mit der von Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) geführten Gruppe seines Unternehmens „Mountain Madness“, am 10. Mai 1996 dem Aufstieg zum Gipfel. Insgesamt wollten an diesem Tag innerhalb weniger Stunden 34 Bergsteiger den Gipfel erreichen. Schon die letzte Etappe war, wegen des Wetters, problematisch. Der Abstieg, der in der zweiten Hälfte des Films geschildert wird, endet dann in der bekannten Katastrophe.
Baltasar Kormákur („The Deep“, „Contraband“, „2 Guns“) erfindet zwar den Bergsteigerfilm nicht neu, aber das wollte er auch nie. Er will nur, ohne Schuldzuweisungen und ohne eine eindeutige Position zu beziehen, die Geschichte einer angekündigten Katastrophe, die aus einer fatalen Mischung aus Gutwilligkeit, Überschätzung, Egoismus und Dummheit geschah, schildern. Denn nur weil ein Berg da ist, sollte nicht jeder auf ihn draufsteigen dürfen.
Das in „Everest“ geschilderte Unglück führte allerdings nicht zu einem Ende des Mount-Everest-Tourismus. Die Bergsteiger, die die Touren anboten, verbesserten ihre Gefahreneinschätzungen. So sagt Guy Cotter, Key Alpine Advisor des Films, der damals ebenfalls für „Adventure Consultans“ dabei war, seitdem Chef der Firma ist und von Sam Worthington gespielt wird: „Für uns als Große-Höhen-Bergführer-Bruderschaft waren die Ereignisse von 1996 sehr lehrreich. Wir haben uns anschließend viele Fragen gestellt, wie wir verhindern können, dass so etwas noch einmal passiert. Ich glaube, dass wir als Industrie, wenn man so will, davon erwachsen geworden sind. Rob [Hall] war definitiv auf seinem Höhepunkt, aber es war noch sehr früh in der Entwicklung des Bergführens in großen Höhen und manchmal überleben die Pioniere die Entdeckung der Parameter ihrer Umgebung nicht.“
Die Ausrüstung wurde besser und jetzt hinterlassen noch mehr Menschen ihren Müll auf dem Weg zum und auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt.
Zum Glück können wir das im gut klimatisierten Kinosaal tun. Denn, seien wir ehrlich, viel näher werden wir dem Mount Everest niemals kommen.
Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…
Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 38 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.
Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem “Total Recall”-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.
mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings
Der Film endet mit einem Gemälde, auf dem zwei junge Frauen uns, in einem Garten stehend, anlächeln. Die eine ist schwarz, die andere weiß. Heute ist das nichts besonderes, aber als das Bild gemalt wurde, waren weiße Frauen die Hausherrinen und schwarze Frauen bestenfalls unsichtbare Angestellte im Haushalt. Auf einem Gemälde durften sie höchstens die Hausherrin knieend anbeten. In dem Gemälde stehen sie nebeneinander. „Dido Elizabeth Belle“ erzählt auch die Geschichte von diesem Bild, das Drehbuchautorin Misan Sagay und Regisseurin Amma Asante zu ihrem Film inspirierte.
Die Geschichte der beiden Porträtierten Dido Elizabeth Belle (1761 – 1804) und ihrer Halbcousine Elizabeth Murray (1760 – 1825) beginnt als Sir John Lindsay, Admiral der königlichen britischen Marine, die junge Dido aus den Slums im Hafenviertel von Bristol holt. Das Kind ist seine Tochter und als Vater wird er sich um sie und ihr finanzielles Wohlbefinden kümmern. Vor einer längeren Schiffsreise bringt er sie in das Haus von Lord Mansfield. Sie soll bei seiner Familie auf dem damals ländlich gelegenem Kenwood House bei London leben.
Lindsay stirbt auf der Reise. Die Mansfield erziehen Dido wie ihre eigene Tochter in einem erstaunlich vorurteilsfreiem Haushalt, wovon auch das 1779 entstandene Gemälde zeugt. Kenwood House war ein Kokon, in dem Dido und Elizabeth lebten und ausgebildet wurden.
Erst als Erwachsene, als Dido verheiratet werden soll, bemerkt sie wirklich, in welcher Gesellschaft sie lebt und wie ungewöhnlich ihre Hautfarbe ist. Jedenfalls in dieser Gesellschaftsschicht. Sie könnte damals die einzige gemischtrassige Dame der adligen Gesellschaft im gewesen sein. Die meisten Schwarzen waren damals Sklaven.
Ähnlich wie Steve McQueens etwas später in den USA spielendes Drama „12 Years a Slave“ thematisiert Amma Asantes Film die Sklaverei. Aber während McQueen ein formal strenges und auch ungemütliches Drama inszenierte, geht Asante einen anderen Weg. Sie nimmt die bekannte und beliebte Jane-Austen-Welt der Schönen und Reichen, die prächtigen Paläste und Kostüme und erzählt innerhalb dieser Welt von einem Mischlingskind, das um seinen Platz in dieser Gesellschaft kämpft. Sie muss sich zwischen einer Vernunftheirat und einer Liebesheirat mit einem aufstrebendem, idealistischen Pfarrerssohn und Rechtsgelehrten, der öfters im Kenwood House war, entscheiden. Asante zeigt, wie sehr Hochzeiten damals wirtschaftliche Vereinbarungen waren, die nichts mit Liebe zu tun hatten, weshalb Didos großes Erbe sie zu einer begehrenswerten Frau und ihre arme, ebenfalls gutaussehende Halbcousine zu einem hässlichen Entlein macht.
Neben den eher konfliktfreien Liebesbanden steht der Gerichtsprozess über den Tod von 142 afrikanischen Sklaven 1781 auf dem Sklavenschiff „Zong“, der Didos Bewusstsein für ihre Lage und die Sklaverei schärft, im Zentrum des Films.
Lord Mansfield war damals der oberste Richter Englands. Er musste 1783 in dem aufsehenerregenden und umstrittenen Prozess das Urteil sprechen. Die Sklaven waren während der Schiffspassage über Bord geworfen worden. Die Versicherung weigerte sich, die fälligen zwanzig Pfund pro toten Sklaven, die damals einfach eine versicherungsfähige Fracht waren, zu bezahlen, weil die Reederei die Sklaven niemals bis zum Ziel befördern wollte. Die Reederei zog vor Gericht. Die Gegner der Sklaverei versuchten den Prozess um ein Wirtschaftsverbrechen in einen Prozess gegen die Sklaverei umzuwidmen.
Wenn man „Dido Elizabeth Belle“ aus dieser Jane-Austen-Perspektive betrachtet, entfaltet das brave, auf Tatsachen basierende, gut gespielte Historiendrama mit einer aus heutiger Sicht eher passiven Protagonistin, ständigen und nach dem zweiten Mal ermüdenden Wiederholungen der ökonomischen Dimension von Hochzeiten (was dann fast wie Überlegungen für Firmenfusionen klingt) und dem vorhersehbaren Gerichtsverfahren (jedenfalls in punkto Versicherungsbetrug) ungeahnte Qualitäten. Denn in einer rosarot-kitschigen Friede-Freude-Eierkuchenwelt geht es plötzlich um Menschen und wirkliche Probleme, die ein Publikum, das sich nur an schönen Menschen, die in schöner Landschaft schöne Dinge tun, erfreuen will, zum Nachdenken anregt.
Dido Elizabeth Belle (Belle, Großbritannien 2013)
Regie: Amma Asante
Drehbuch: Misan Sagay
mit Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Emily Watson, Sam Reid, Sarah Gadon, Miranda Richardson, Penelope Wilton, Tom Felton, James Norton, Matthew Goode