Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.
„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)
Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante
Nach drei „Transformers“-Filmen von Michael Bay sind die Eckpunkte gesetzt und es wäre schon arg scheinheilig über diese Eckpunkte zu meckern, als ob sie einen überraschen würden. Denn selbstverständlich ist auch Michael Bays vierter „Transformers“-Film ein überlanges, überlautes und alogisches Effektspektakel, bei dem Roboter wegen irgendeines wichtigen Dingsbumms munter aufeinander einschlagen, dabei mindestens eine Metropole verwüsten und einige bekannte Schauspieler durch das Bild laufen. Ihre Dialoge beschränken sich auf Varianten von „Oh, nein. Nein, oh, nein.“. Auch die Dialoge der Roboter erreichen gerade mal so das Niveau einer schlechten Kinderserie. Die Handlung macht ungefähr null Sinn. Dafür sind die Tricks gut und in die Transformers steckten die Programmierer deutlich mehr Liebe als die Macher in das Drehbuch. Das ist bekannt und trifft auch auf den vierten „Transformers“-Film „Transformers: Ära des Untergangs“ zu,
Dieses Mal empfiehlt Michael Bay, den Film in 3D in einem IMAX zu genießen. Da würde er sein volles Potential entfalten – und auch den höchsten Eintritt kosten.
Diese zusätzliche Ausgabe – falls überhaupt ein IMAX in Ihrer Nähe ist – lohnt sich allerdings absolut nicht. Denn in 3D im IMAX sah der ungefähr 210 Millionen Dollar teure Film erschreckend schlecht aus und hörte sich furchtbar an.
Die wichtigste Meldung bei „Transformers: Ära des Untergangs“ ist, dass Bay seinen kompletten menschlichen Cast auswechselte. Jetzt sind Mark Wahlberg (blass), Stanley Tucci (unterfordert), Kelsey Grammer, Titus Welliver (beide ebenfalls verschwendet), Nicola Peitz (nicht wirksames Eye-Candy), Bingbing Li, Sophia Myles und Jack Reynor dabei. Auch storytechnisch wurde ein Neustart versprochen. Der beschränkt sich darauf, dass Mark Wahlberg einen armen, aber ehrlichen, in Texas auf dem Land lebenden Bastler spielt, der zufällig den guten Autobots-Anführer Optimus Prime in der Inkarnation eines alten Lasters findet. In einem alten Kino; – vielleicht wollte Optimus sich ein, zwei Filmklassiker ansehen. Der Bastler hat auch eine schöne Tochter, die er wie seinen Augapfel hütet. Sie hat einen Freund, den der Witwer natürlich ablehnt. Aber ehe zu lang Familienprobleme gewälzt werden (und sie werden viel zu lang gewälzt), taucht der Geheimdienst auf und die Endlosklopperei beginnt. Zuerst zwischen Mensch und Maschine im schönen Texas, wo immer die Sonne fotogen untergeht. Dann in Chicago (wieder einmal) kloppen die Maschinen, also die guten Autobots und die bösen Deceptions, auch, wieder einmal, aufeinander ein und im laaaangen Finale in Hongkong und Peking (Bitte kommt mir jetzt nicht mit Geographie!) verkloppen sich die guten und bösen Transformers. Es tauchen auch Dinobots (also Transformers, die wie Dinosaurier aussehen) auf. Optimus Prime darf auf so einem Dinobots reiten und wir dürfen auch einen Blick in das Raumschiff der Transformers werfen. Es sieht wie ein verlassenes „Alien“-Set aus.
Dazwischen läuft Stanley Tucci als Unternehmer, der Transformers herstellen will, durchs Bild. Irgendwie gehört er zuerst zu den Bösen, aber nach einem Gespräch mit Daddy Wahlberg besinnt er sich seiner Erfindergene und er wird zu einem der Guten.
Wie schon in den vorherigen „Transformers“-Filmen ist die Story unlogischer Mumpitz, der kaum seine Funktion als Entschuldigung für die Action erfüllt. Aber bei „Transformers: Ära des Untergangs“ fehlt der Humor der vorherigen Filme.
Auch die deutlich erkennbaren politischen Anspielungen und der durchaus vorhandene politische Subtext, der in den vorherigen Filmen vorhanden war und sich von Film zu Film änderte, fehlt hier vollständig. Was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Es gibt nur noch einen Geheimdienstler, der unterschiedslos alle Transformers umbringen will, weil sie böse sind – und ihre Meinungsverschiedenheiten bevorzugt in belebten Großstädten austragen. Und Transformers, die sich gegenseitig eins auf die Hauptplatine geben.
Die Drehorte, vor allem Hongkong und China, bleiben austauschbar. Während man in den vorherigen „Transformers“-Filmen noch die Landschaft, wie die Pyramiden in Ägypten, bewundern konnte, ist dieses Mal der Dreh vor Ort komplett verschenkt. Außer einigen austauschbaren Postkartenansichten wird Hongkong auf einen Hinterhof (der immerhin sehr unamerikanisch aussieht) und Kämpfe in austauschbaren Straßenschluchten reduziert. Nur das Product Placement ist überbordend und die Actionszenen sind gewohnt konfus inszeniert.
Die Special-Effects sind allerdings erstaunlich schlecht. Da war Michael Bay in den vorherigen Filmen schon weiter.
Die Bilder – was auch teilweise an dem IMAX-Format liegt, das dem TV-Bild gleicht – sind schlecht. Der Bildaufbau lässt jede Finesse vermissen. Michael Bays Marotte, fast jedes Bild mit Lens Flares zu verschönern, weil J. J. Abrams das in „Star Trek“ und „Super 8“ ja auch gemacht hat, nervt. Und oft gibt es im Bildhintergrund Unschärfen und irritierende Doppelbelichtungen, die aussehen, als ob man sich einen 3D-Film ohne 3D-Brille ansieht.
Der Ton ist vor allem laut. Sehr laut. Was natürlich auch daran liegt, dass die meiste Zeit gute gegen böse Transformers kämpfen, Soldaten rumballern, vieles in die Luft geht und Gebäude einstürzen. Da darf es schon etwas rummsen und scheppern. Aber hier rummst und scheppert es wie in einem schlecht abgemischtem Heavy-Metal-Konzert. Es sind keine Differenzen zu hören. Vom der Leinwand kommt eine einzige Soundwand, während die anderen Boxen meistens pausieren.
„Transformers: Ära des Untergangs“ ist ein 166 Minuten langer Film, der sich viel länger anfühlte und schlechter als die vorherigen „Transformers“-Filme ist, die auch nicht gut waren. Immerhin weiß man nach diesem humorlosen Desaster, wie gut die Schauspieler der ersten drei „Transformers“-Filme waren und wie viel Shia LaBeouf im Gegensatz zu Mark Wahlberg aus der vollkommen undankbaren Heldenrolle heraus holte.
Hier sind wirklich alle Spoiler-Warnungen überflüssig. Denn schon der Titel gibt einen sehr eindeutigen Hinweis auf die Zahl der Überlebenden und der Trailer verrät eigentlich den Rest dieser wahren Geschichte, die es in den USA schon lange in Buchform gibt und die dort auch bekannt ist. Aber bei einem Film geht es nicht nur darum, zu wissen, wie er endet, sondern um den Weg dahin und der ist in Peter Bergs neuem Film „Lone Survivor“, im Gegensatz zu seinem unterirdischen „Battleship“, gelungen.
Mark Wahlberg spielt Marcus Luttrell, der 2005 mit seiner Navy-SEAL-Einheit in der afghanischen Provinz Kunar einen wichtigen Taliban-Kämpfer töten soll. Die vier Navy SEALs halten es für eine einfache Mission, bis sie kurz vor ihrem Ziel von drei Ziegenhirten entdeckt werden und sich fragen, ob sie sie töten sollen, weil sie das Ziel der Mission gefährden. Nach einer kurzen Diskussion lassen sie die Einheimischen, entsprechend den offiziellen Militäranweisungen, laufen, brechen gleichzeitig die Mission ab und wollen zu ihrem Abholpunkt gehen. Aber die Hirten verraten sie und schnell werden sie von einer Hundertschaft schießwütiger Taliban gejagt.
„Lone Survivor“ erzählt die klassische Geschichte von einem Mann, der von einer Horde Bösewichter gejagt wird, auf sich allein gestellt ist und überlebt. Das erinnert nicht nur wegen der Landschaft, an zahlreiche Western und auch an Walter Hills in den Sümpfen spielendem Survival-Klassiker „Die letzten Amerikaner“ (Southern Comfort, USA 1981), der auch eine Allegorie auf den Vietnam-Krieg war.
Peter Berg („Welcome to the Jungle“, „Operation: Kingdom“) erzählt diese wahre Geschichte über den Überlebenskampf von vier Männern gegen eine Übermacht Feinde, die in Wirklichkeit wohl deutlich kleiner war, auch entsprechend geradlinig mit einem schönen Blick auf die Dynamik in der prominent besetzten Armee-Einheit, – Mark Wahlberg wird von Ben Foster, Taylor Kitsch und Emilie Hirsch begleitet -, mit satter Action und halsbrecherischen Stunts, atmosphärischen Landschaftsaufnahmen und einem weitgehend austauschbaren Musikteppich, den man früher Fahrstuhlmusik und heute Ambient nennt.
Gleichzeitig zeigt „Lone Survivor“ eindrucksvoll und eher nebenbei, warum der „war on terror“ so kläglich scheiterte. Denn Luttrell und sein Team bleiben, wenn sie keine Einsätze haben, in ihrer Kaserne. Sie essen und trinken, immer aus Plastikflaschen und mit Einweggeschirr, nur ihre aus der Heimat gewohnte Nahrung. Sie haben absolut keine Ahnung von der Gegend, in der sie stationiert sind. Die Einheimischen, die sie ja eigentlich von einer Diktatur befreien und in die Demokratie führen sollen, sind ihnen egal. Die Aufträge, die sie von ihren Vorgesetzten erhalten, werden ohne kritische Nachfragen durchgeführt. Es ist einfach eine Aufgabe, die erledigt wird. Und, was das erschreckenste ist, sie können sich auch überhaupt nicht mit den Einheimischen verständigen. Luttrell kann, wenn er gegen Ende von Paschtunen aufgenommen wird, gegenüber den Einheimischen noch nicht einmal zwei Sätze sagen.
Das ist der eigentlich beeindruckende Aspekt bei diesem Survival-Thriller, der mit knackiger Action (wenn die Soldaten auf ihrer Flucht mehrmals felsige Abhänge herunterspringen, auf Steine und Bäume knallen, kann man sich vorstellen, wie schmerzhaft das ist) und atmosphärischen Landschaftsaufnahmen punktet. Gedreht wurde in New Mexico; was ich dieses Mal sehr irritierend fand, aber auf einer Meta-Ebene noch einmal die Bezugslosikigkeit der Soldaten zu ihrem Einsatzort spiegelt.
Lone Survivor (Lone Survivor, USA 2013)
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Peter Berg
LV: Marcus Luttrell/Patrick Robinson: Lone Survivor, 2007 (Lone Survivor)
mit Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emilie Hirsch, Ben Foster, Eric Bana, Ali Suliman, Alexander Ludwig
LV: Stephen Hunter: Point of Impact, 1993 (Im Fadenkreuz der Angst)
Actionhaltiger Thriller über den desillusionierten Ex-Marine-Scharfschützen Bob Lee Swagger, der als Strohmann für einen Anschlag auf ein Staatsoberhaupt herhalten soll. Er kann vor seiner Verhaftung flüchten und beginnt die wahren Täter zu jagen.
Viele tolle Actionszenen, grandiose Landschaftsaufnahmen (ein Treffen auf einem schneeweißen Berggipfel sieht schon toll aus) und eine Story, die ziemlich vorhersehbar den Konventionen des Verschwörungssthrillers folgt, machen „Shooter“ zu einem Thriller, bei dem man nicht vollkommen auf das Denken verzichten muss. Am Ende gibt es dann einige unnötige Twists.
mit Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Rade Sherbedgia, Ned Beatty
Als sich Bobby Trench (Denzel Washington) und Michael ‚Stig‘ Stigman (Mark Wahlberg) kennen lernen, halten sie sich für Gangster. Aber sie sind beide Undercover-Agenten. Trench für die DEA (Drug Enforcement Agency), Stigman für das Office of Naval Intelligence, also den Marinenachrichtendienst – und als sie das erfahren, sitzen sie bereits gewaltig in der Scheiße. Denn ihre Vorgesetzten, die CIA und ein mexikanisches Drogensyndikat wollen die 43 Millionen US-Dollar, die sie aus einer kleinen Provinzbank klauten. Gerechnet hatten sie mit drei Millionen, die dem Drogenbaron gehören, den sie überführen sollen. Notgedrungen arbeiten die beiden gegensätzlichen Männer zusammen.
Viel mehr muss man über die Geschichte von „2 Guns“, dem neuen Action-Vehikel von Denzel Washington und Mark Wahlberg nicht wissen. Denn die beiden stürzen sich lustvoll in die leicht chaotische Story von Verrat, Gegenverrat und Gegengegenverrat, die sie nie so richtig überblicken. Aber alle wollen die Millionen haben. Mit allen Mitteln.
Baltasar Kormákur, der mit Mark Wahlberg bereits den gelungenen Gangsterkrimi „Contraband“ inszenierte, erzählt diese Geschichte mit reichlich Action und Humor. „2 Guns“ ist halt ein kurzweiliges Action-Buddymovie irgendwo zwischen Western und „Lethal Weapon“, das an viele andere Filme erinnert. John Flynns düsterer „Der Mann mit der Stahlkralle“ (Rolling Thunder) und Christopher McQuarries „The Way of the Gun“, die ebenfalls mit einer blutigen Schießerei in Mexiko enden, oder John Herzfelds unterschätzte Don-Winslow-Verfilmung „Kill Bobby Z“, in dem Polizisten und Drogenschmuggler sich gegenseitig aufs Kreuz legen, fallen einem spontan ein. Der wichtigste Einfluss sind unübersehbar die Filme von Sam Peckinpah und Walter Hill, vor allem „The Wild Bunch“ und „Ausgelöscht“ (Extreme Prejudice), dessen Shoutout am Ende eine Hommage an das Ende von „The Wild Bunch“ ist.
„2 Guns“ könnte fast, auch wegen der vielen Ähnlichkeiten in der Geschichte, eine Hommage an „Ausgelöscht“, gekreuzt mit „Der große Coup“ (Charley Varrick), sein. Aber dafür ist das bleihaltige und explosive Ende in Mexiko dann doch zu hastig zusammengeschnitten und Kormákur verzichtet auf den bitter-melancholischen Subtext und auf die ruhigen Momente, die die Filme von Sam Peckinpah und Walter Hill zu etwas Besonderem machen. So ging Peckinpahs „The Wild Bunch“ zwar wegen seiner Gewalttätigkeit in die Filmgeschichte ein, aber zum Kultfilm wurde er wegen seiner ruhigen Momente, in denen wir die Charaktere kennen lernen, die wissen, dass ihr Ethos aus dem vorherigen Jahrhundert ist. Deshalb fühlen wir mit ihnen, wenn diese Dinosaurier am Ende in ihr letzte Gefecht ziehen.
„2 Guns“ hat, im Gegensatz zu „Contraband“, genau diese ruhigen Momente nicht. Es ist nur noch actionhaltige Große-Jungs-Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion One-Liner. Das macht Spaß, ist auch kurzweilig, aber letztendlich auch langweilig. Denn Trench und Stig vermitteln nie den Eindruck, dass für sie wirklich etwas auf dem Spiel steht und dass sie Angst haben, etwas zu verlieren.
Außerdem erzählt Kormákur die gesamte Geschichte in dem immergleichen lauten Ton, der seinen Charakteren und der Geschichte nie die Luft zum Atmen lässt. Denn anstatt die vielen Fragen und Themen, wie Loyalität, Freundschaft, Verrat, Korruption und Regierungskriminalität, die in „2 Guns“ angesprochen werden, auch nur halbwegs zu vertiefen, gibt es einfach den nächsten dummen Spruch von Plappermaul Stig und den nächsten Schusswechsel. Wie in „Lethal Weapon“. Allerdings dieses Mal im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet.
Aber während die „Lethal Weapon“-Filme niemals mehr als laute Actionkomödien sein wollten, hätte „2 Guns“ mehr als ein vergnüglicher Mix aus den Actionfilmen der letzten Jahrzehnte sein können.
2 Guns (2 Guns, USA 2013)
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Blake Masters
LV: Steven Grant/Mateus Santolouco: 2 Guns, 2008 (Comic)
mit Denzel Washington, Mark Wahlberg, Paula Patton, Bill Paxton, James Marsden, Fred Ward, Edward James Olmos, Robert John Burke, Patrick Fischler
Du kannst alles erreichen, wenn du es willst. Auch Daniel Lugo (Mark Wahlberg) glaubt an das Versprechen des amerikanischen Traums und der Personal Trainer in dem Fitness-Studio „Sun Gym“ in Miami tut alles dafür. Er arbeitet hart. Er bildet sich fort. Er ist allerdings auch nicht besonders intelligent. Also beschließt er mit seinem Arbeitskollegen Adrian Doorbal (Anthony Mackie) und dem Ex-Knacki Paul Doyle (Dwayne Johnson), der im Gefängnis zum Christentum konvertierte und ehrlich bleiben will, einen seiner Kunden, den großkotzigen Selbstmade-Millionär Victor Kershaw (Tony Shalhoub), der während des Trainings mit seinem illegalen Vermögen und seiner Intelligenz prahlt, zu entführen.
Schon die Entführung gestaltet sich schwieriger als erwartet. Danach ist das Opfer widerspenstiger als erwartet. Aber nach einer wochenlangen Folter überschreibt er sein Vermögen. Die Ermordung ist dann wieder schwieriger als erwartet – und als die drei Trottel das geklaute Geld mit vollen Händen ausgeben, liegt Kershaw hasserfüllt im Krankenhaus und engagiert den Privatdetektiv Ed Du Bois (Ed Harris).
Das klingt doch nach einer zünftigen Gangstergeschichte aus dem Sunshine State in der Tradition von Elmore Leonard und Carl Hiaasen, um nur zwei bekannte Florida-Krimiautoren zu nennen, und der auf wahren Ereignisse aus den neunziger Jahren basierende Film „Pain & Gain“ hat in seinen besten Momenten auch ein gewisses Elmore-Leonard-Feeling.
Aber der Regisseur heißt Michael Bay und, auch wenn seine ersten Filme „Bad Boys“ und „The Rock“ knackige Action-Thriller waren (wobei „The Rock“ eine erschreckend hirnrissige Story hat), ist er inzwischen vor allem für seine drei „Transformers“-Filme bekannt. Der vierte „Transformes“-Film soll in Deutschland am 17. Juli 2014 starten.
Dazwischen drehte er „Bad Boys II“, eine geschmacklose, laute, lärmige, zu lang geratene Actionplotte mit tiefergelegtem Buddy-Humor – und „Pain & Gain“ ist dann auch mehr „Bad Boys II“ als „Bad Boys“, mit einer ordentlichen Portion Tony Scott in seiner „Man on Fire“/“Domino“-Phase, in der er seine Filme so zerschnitt, dass sie zuverlässig Kopfschmerzen verursachten. Auch in „Pain & Gain“ nervt die aufdringliche Kamera und der ebenso aufdringliche Schnitt immer wieder.
Darüber könnte man hinwegsehen, wenn Michael Bay sich entscheiden könnte, ob er die drei Verbrecher als etwas glücklose Jäger des amerikanischen Traums verherrlichen oder als gefährlich-skrupellose Trottel, deren viel Ego größer als ihre beeindruckenden Muskelpakete ist, demaskieren will. Er versucht beides, oft gleichzeitig, und so ergibt sich ein seltsamer Mix, bei dem die Inszenierung immer wieder die Geschichte und die Leistungen der Schauspieler sabotiert.
Denn die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely, die bereits das Buch für den grandiosen Gangsterfilm „You kill me“ schrieben, haben eine kleine Gangstergeschichte geschrieben, die in den richtigen Händen zu einem lakonischen kleinen Noir und einer brillanten Abrechnung mit dem Amerikanischen Traum hätte werden können.
Auch die Leistungen der Schauspieler sind tadellos. Herausragend ist Tony Shalhoub, der in den vergangenen Jahren so sehr mit seiner Rolle als neurotischer Detektiv Adrian Monk in der TV-Serie „Monk“ verschmolz, dass man ihn sich kaum in einer anderen Rolle vorstellen kann. In „Pain & Gain“ spielt er so glaubhaft einen vollkommen gegensätzlichen Charakter, dass schon bei seinem ersten Auftritt (falls man ihn sofort erkennt) jede Erinnerung an Monk verblasst. Oder Dwayne Johnson, der unkaputtbare Action-Star, der hier überzeugend einen geistig minderbemittelten, leicht beeinflussbaren Gangster spielt. Ed Harris, der bereits in „The Rock“ mit Michael Bay zusammenarbeitete, ist als lakonischer Privatdetektiv gewohnt überzeugend. Mark Wahlberg gefällt als muskelbepackter, glückloser Jäger des amerikanischen Traums, der sich in Motivationskursen und Filmen das nötige Wissen für seine kriminellen Aktionen aneignet.
Doch gegen einen Michael Bay im „Bad Boys II“-Modus, der schwarzen Humor und Groteske immer wieder mit Geschmacklosigkeit und Maßlosigkeit verwechselt, hilft es nicht. Aus einer Satire wird ein Testosteron-Spektakel.
mit Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Ed Harris, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Bar Paly, Rebel Wilson, Ken Jeong, Rob Corddry, Peter Stormare (ein erweitertes Cameo)
Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser).
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin