TV-Tipp für den 22. April: The Walker – Ein Freund gewisser Damen

April 22, 2013

Arte, 20.15

The Walker – Ein Freund gewisser Damen (USA 2007, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

Carter Page III ist ein schwuler Südstaatenschönling und Begleiter der Damen der politischen High Society von Washington, D. C.. Er hält sich aus allem heraus, bis er seiner besten Freundin, der Senatorengattin Lynn Lockner ein Alibi gibt. Denn sie ist gerade über die Leiche ihres ermordeten Geliebten gestolpert.

In der grandiosen Charakterstudie „The Walker“ spielt Woody Harrelson den Charakter, den Schrader-Fans bereits aus „Taxi Driver“ (damals Robert De Niro), „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (Richard Gere) und „Light Sleeper“ (Willem Dafoe) kennen: der Drifter, der die Gesellschaft von außen betrachtet und wegen einer für ihn unerreichbaren Frau seine Position als Beobachter aufgibt. Wie diese Filme ist „The Walker“ auch eine Analyse einer bestimmten Gesellschaftsschicht: hier der politischen Kaste in Washington, D. C., die sich in Räumen bewegt und verhält, als ob die Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg stehen geblieben wäre.

Ein toller altmodischer Film, der seine deutsche Premiere auf der Berlinale erlebte, später, trotz der namhaften Besetzung, nur auf DVD veröffentlicht wurde und seine TV-Premiere im Ersten zur Geisterstunde (senderinterne Sprachregel: Prime-Time für gute Filme) erlitt.

Mit Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Lily Tomlin, Willem Dafoe

Hinweise

Wikipedia über „The Walker“

Film-Zeit über „The Walker“

Rotten Tomatoes über „The Walker“

Movies Online: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“

Close-Up Film: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“


Verlosung: Wer will mit „Inspector Barnaby“ in Midsomer ermitteln?

April 21, 2013

Inspector Barnaby - Volume 17

Höhere Mächte spielten mir ein Verlosungsexemplar der brandneuen „Inspector Barnaby“-Box in die Hände. Inspector Tom Barnaby, – für alle, die in den vergangenen Jahren in einer Höhle lebten und dort auch niemals den Fernseher oder ein fernsehtaugliches Gerät einschalteten -, ist Kriminalpolizist in der lieblichen Grafschaft Midsomer, die englischer als ein Agatha-Christie-Roman ist. Und wie in einem Agatha-Christie-Roman wird Mord als eine höchst vernünftige Möglichkeit zum Lösen von Problemen betrachtet. Gerne auch mit einer etwas ungewöhnlichen Mordmethode. So stirbt in „Die Leiche ist heiß“ ein Mann durch Marmelade. Dagegen ist ein Mord mit einem Messer („Pikante Geheimnisse“) oder einem Golfschläger („Mord – Nur für Mitglieder“) doch ziemlich profan.

Jedenfalls sind in „Inspector Barnaby – Vol. 17“ (Edel) die gewohnt spielfilmlangen Episoden „Die Leiche ist heiß“ (Sauce for the Goose), „Pikante Geheimnisse“ (Country Matters), „Mord – Nur für Mitglieder“ (The Dogleg Murders) und „Morden ist auch eine Kunst“ (The Black Book) enthalten und die Regeln für die Verlosung sind kriminell einfach:

Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de

Die Verlosung endet am Freitag, den 26. April, um 23.59 Uhr. Danach fährt die Glücksfee ihre Vampirzähne aus.

Weitere sachdienliche Informationen über „Inspector Barnaby“:

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 14“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 15“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 2“


Geglausert – die Gewinner des Friedrich-Glauser-Preis 2013

April 21, 2013

 

Das Syndikat, die Vereinigung deutschsprachiger Kriminalromanautoren, hat auf ihrer diesjährigen Criminale, die erstmals in der neutralen Schweiz stattfand, ihren Krimipreis, den Friedrich-Glauser-Preis, an diese Werke verliehen:

Roman

Kriegsgebiete, von Roland Spranger

Debüt

Tödliche Fortsetzung, von Marc-Oliver Bischoff

Kurzkrimi

Hackfleisch, von Regina Schleheck (in „Mordsgerichte)

Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis)

Elefanten sieht man nicht, von Susan Kreller

Ehrenpreis (für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur)

Gunter Gerlach

Nominiert waren.


TV-Tipp für den 21. April: Das Haus der Lady Alquist

April 21, 2013

RBB, 23.00

Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)

Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston

LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)

Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?

Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“

Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?

Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.

Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest

Hinweise

Kirjasto über Patrick Hamilton

Arte über „Das Haus der Lady Alquist“

Wikipedia über “Das Haus der Lady Alquist” (deutsch, englisch)


Der neue Hans-Herbert-von-Arnim-Joint: „Die Selbstbediener“

April 20, 2013

 

von Arnim - Die Selbstbediener

Jetzt also Bayern. Hans Herbert von Arnim, der in den vergangenen Jahren mit Bestsellern wie „Staat ohne Diener“, „Fetter Bauch regiert nicht gern“ und „Diener vieler Herren“, in denen er den Parteien im Bund und in verschiedenen Bundesländern akkurat ihre Selbstbedienungsmentalität nachwies, hat sich jetzt Bayern vorgenommen und man fragt sich schon, warum er das erst jetzt tat. Immerhin dürfte das seit Ewigkeiten von der CSU, manchmal sogar mit einer anderen Partei, regierte Bundesland, in dem die Partei sich krakenähnlich überall ausbreitete und in unregelmäßigen Abständen „Amigo“-Affären ein Schlaglicht auf die Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft werfen, doch eine Fundgrube für von Arnim sein.

Aber: „Auf das Selbstbedienungsproblem in Bayern bin ich eigentlich eher zufällig gestoßen. In der Begründung meiner Klage gegen die Fünfprozentklausel bei der Europawahl, die 2011 zu deren Aufhebung führte, hatte ich aufgezeigt, wovon kleinere Parteien, die an der Sperrklausel scheitern, alles ausgeschlossen sind. Dabei war ich auf das gewaltige Volumen der indirekten Staatsfinanzierung gestoßen, die etablierte Parteien sich durch Umleitung der Geldströme auf ihre Fraktionen und Abgeordnetenmitarbeiter beschafft haben“, schreibt von Arnim in „Die Selbstbediener – Wie bayerische Politiker sich den Staat zur Beute machen“ und das führt er auf den folgenden knapp zweihundert, großzügig gelayouteten Seiten aus. Denn sein neuestes Buch ist kaum länger als ein längerer wissenschaftlicher Aufsatz und dürfte vor allem in Bayern auf Interesse stoßen. Dabei ist die Recherche, wie man es von von Arnim kennt, gewohnt gut; die teils zwischen den Zeilen erhobenen Forderungen an den Politikbetrieb und die Vorstellungen von den Aufgaben, der Arbeit und den Kompetenzen eines Politikers mindestens diskussionswürdig.

So kritisiert er, dass die bayerischen Landtagsabgeordneten eine hohe Diät bekommen, obwohl in der Bayerischen Verfassung von 1947 das Abgeordnetenmandat als Ehrenamt konzipiert sei, für das nur der mandatsbedingte Aufwand zu entschädigen sei. Seit dem 1. Juli 2012 erhalten bayerische Abgeordnete, als bundesdeutsche Spitzenreiter, eine monatliche Entschädigung von 7060 Euro und, für ihre Arbeit, eine monatliche Kostenpauschale 3214 Euro.

Wenn jetzt diese Kosten radikal reduziert würden, vielleicht sogar vollständig entfielen, was, auch weil die Landtage immer weniger Aufgaben haben, ein auf den ersten Blick überlegenswerter, von von Arnim forcierter Gedanke ist, muss man mit mindestens drei großen Problemen kämpfen: einerseits gibt es immer noch Landesaufgaben (vor allem in den Bereichen Bildung, Inneres und Justiz), andererseits ist eine dann gewünschte bis notwendige zweite Tätigkeit neben der Parlamentsarbeit, auch wenn sie in einem Feierabend- (wie Gemeinderäte) oder Halbtagsparlament (wie im Stadtstaat Berlin) ausgeübt wird, ein Einfallstor für Korruption. Auch die Personalauswahl dürfte sich dann auf die Menschen beschränken, die sich ein Mandat finanziell und zeitlich leisten können.

Sowieso verliert von Arnim kein Wort über die Arbeitsbelastung der Parlamentarier und den Sinn von Mitarbeitern. Wobei in Bayern Landtagsabgeordnete auch hier fürstlicher ausgestattet sind als in anderen Ländern.

So gibt es inzwischen, nachdem der bayerische Landtag nach der letzten Landtagswahl einer mehr als ordentlichen Erhöhung zustimmte, jährlich 21,5 Millionen Euro für persönliche Mitarbeiter der Abgeordneten (Haushaltsplan 2014). Das sind über 114.000 Euro pro Abgeordneten. In Berlin sind es 16.107 Euro pro Abgeordneten und in Hessen 52.542 Euro.

Die Fraktionen erhalten jährlich 15,7 Millionen Euro für ihre Arbeit. Also im Wesentlichen für Mitarbeiter und Öffentlichkeitsarbeit, die von Arnim anscheinend vollkommen abschaffen will, weil sie verfassungswidrig sei. Wie die Parlamentarier und Fraktionen dann die Öffentlichkeit über ihre Arbeit informieren sollen, verrät er allerdings nicht.

Im Gegensatz zur üppigen Fraktionsfinanzierung steht die Parteienfinanzierung mit 2,3 Millionen Euro, die Parteien vom Staat aufgrund ihres Wahlergebnisses erhalten. Weil es einen CSU-Sondereffekt gibt (die CSU ist, wie bekannt, eine eigenständige Partei, die nur in einem Bundesland antritt), erhielt die CSU 9,61 Millionen Euro aus der Parteienfinanzierung; die bayerische SPD 1,73 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen für die CSU 21,91 Millionen Euro, für der SPD 8,7 Millionen Euro Fraktionszuschuss und Mitarbeiterpauschale.

Wie in seinen vorherigen Büchern liegt der wahre Wert von „Die Selbstbediener“ in der detaillierten, hier nur rudimentär angeschnittenen Aufschlüsselung der Einkommen der bayerischen Landespolitiker über ihre Abgeordnetenentschädigung und die weiteren Entschädigungen für Mitarbeiter und Öffentlichkeitsarbeit. Der Mitarbeiteretat ist deutlich höher als in anderen Bundesländern. Im Gegensatz zu anderen Ländern, können auch nahe Verwandte beschäftigt werden, und es erfolgt gegenüber dem Landtag keine genaue Abrechnung.

Dieser Punkt wurde in Bayern von den Medien schon erfolgreich aufgegriffen. Danach beschäftigt jeder fünfte CSU-Abgeordnete, darunter auch drei Kabinettsmitglieder, gesetzeswidrig Ehepartner und Kinder. CSU-Parteichef Horst Seehofer drängt jetzt auf schnelle Kündigungen. Mal sehen, wie sich diese Geschichte weiterentwickelt.

Weil die ganzen Zahlen, Vergünstigungen, Gesetze und Vorschriften nicht mit einem Klick auf der Homepage des bayerischen Landtags (ein schönes Gebäude mit einem wundervollen Blick über die Stadt) ersichtlich ist, ist „Die Selbstbediener“ für Bayern, wegen der Analyse, eine Pflichtlektüre, für den Rest Deutschlands eine Kann-Lektüre.

Hans Herbert von Arnim: Die Selbstbediener

Heyne, 2013

256 Seiten

12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Hans Herbert von Arnim

Wikipedia über Hans Herbert von Arnim

 

 


TV-Tipp für den 20. April: Billy Bathgate

April 20, 2013

 

ZDFneo, 22.30

 

Billy Bathgate – Im Sog der Mafia (USA 1991, R.: Robert Benton)

 

Drehbuch: Tom Stoppard

 

LV: E. L. Doctorow: Billy Bathgate, 1989 (Billy Bathgate)

 

Ebenso erlesene wie leblose Beschreibung der Glanzzeit und des Endes von Dutch Schultz aus der Perspektive des Bronx-Jungen Billy, der ab 1935 als Handlanger für den Gangster arbeitet.

 

Das Buch soll wesentlich besser sein.

 

mit Dustin Hoffman, Nicole Kidman, Loren Dean, Bruce Willis (der – ähm – schnell untertaucht), Steve Buscemi, Stanley Tucci, Steven Hill, Billy Jaye, Frances Conroy, Xander Berkeley

 

Hinweise

 

Rotten Tomatoes über „Billy Bathgate“

 

Wikipedia über „Billy Bathgate“ (deutsch, englisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ nichts für Feiglinge?

April 18, 2013

 

Nachdem die anscheinend allseits beliebte Mutter bei einem Unfall stirbt, stehen ihr Ehemann Markus Färber (Wotan Wilke Möhring), seine Mutter Gerlinde (Christine Schorn) und seine Tochter Kim (Helen Woigk) vor der Frage, wie sie mit dem plötzlichen Verlust umgehen sollen.

 

Markus versucht die Normalität aufrecht zu erhalten. Dass er eine Catering-Firma leitet hilft ihm etwas. Kim, die ihre Klassenkameraden und Lehrer gerne mit ihrem Gruftie-Look und ihrer Ihr-könnt-mich-alle-am-Arsch-lecken-Attitüde verstört, zieht sich noch weiter zurück. Denn für sie war ihre Mutter auch eine Vertraute und Freundin und jetzt kümmert sich niemand mehr um sie. Gerlinde erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und demnächst sterben wird. Sie will ihrem Sohn nicht zur Last fallen und schwindelt ihm etwas von einer Reise vor, während sie versucht sich mit Paula (Rosalie Thomass), einer Altenpflegerin, die gerne Schauspielerin wäre und immer Zeit hat, zu arrangieren.

 

Kim findet in Alex (Frederick Lau), einem Schulabbrecher aus reichem Haus mit einer kleinkriminell-punkigen Attitüde, einen Gleichgesinnten, in den sie sich auch verliebt und mit ihm nach Dänemark flüchtet.

 

Markus frisst den Verlust weiter in sich hinein und, als er erfährt, dass seine Mutter todkrank ist und seine Tochter gerade Richtung Dänemark auf einem Bonnie-and-Clyde-Trip unterwegs ist, bricht er mit seiner Mutter und ihrer Pflegerin nach Norden auf. Zur Familienzusammenführung.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge“, der neue Film von „Arschkalt“-Regisseur André Erkau, nach dem Roman von Gernot Gricksch, der auch das Drehbuch schrieb, ist ein Ensemblestück, das als Dramödie unentschlossen zwischen Drama und Komödie pendelt und einige Lebensweisheiten verkaufen will. Dummerweise nicht gelungen. Denn Erkau kann sich nicht entscheiden, welche Geschichte die Hauptgeschichte ist. Also erzählt er die drei Geschichten fast gleichwertig, mit viel zu vielen vorhersehbaren Wendungen und einer nie stimmigen Mischung aus Komödie und Drama. Vor allem die Szenen mit Markus wirken immer eine Spur zu gewollt. Mit Gerlinde geht es dann in Richtung Tapfere-Alte-trotz-der-Welt-Komödie, während es mit Kim in Richtung sattsam bekanntes Teenager-Drama geht.

 

Die ach so beliebte Mutter bleibt ein Phantom, das schon vor dem Filmbeginn gestorben ist und im Film höchstens in Halbsätzen erwähnt wird. Entsprechend schlecht kann gerade bei Kim nachvollzogen werden, warum für sie ihre Mutter so wichtig war und warum die Beziehung zu ihrem Vater so zerrüttet ist. Denn eigentlich wirkt Markus ziemlich okay. Es bleibt auch unklar, warum Gerlinde – abgesehen von dem göttlichen Willen des Autors, der seine Figuren wie Schachfiguren auf seinem Spielbrett bewegt – diese Charade mit dem Urlaub durchzieht.

 

So wirkt „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ wie eine papierne Versuchsanordnung, die sich nie entscheiden kann, wessen Geschichte sie erzählen und welches Genre sie primär bedienen will.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge - Plakat

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge (Deutschland 2012)

 

Regie: André Erkau

 

Drehbuch: Gernot Gricksch

 

LV: Gernot Gricksch: Das Leben ist nichts für Feiglinge, 2010

 

mit Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Frederick Lau, Rosalie Thomass

 

Länge: 98 Minuten

 

FSK: ab 12 Jahre

 

 

Hinweise

 

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

 

Film-Zeit über „Das Leben ist nichts für Feiglinge“

 

Droemer-Knaur-Verlagsseite über Gernot Gricksch

 

Meine Besprechung von André Erkaus „Arschkalt“ (Deutschland 2011)

 

 


TV-Tipp für den 19. April: Bringing out the Dead

April 18, 2013

3sat, 22.35

Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung (USA 1999, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Joe Connelly: Bringing out the dead, 1998 (Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung)

Verfilmung des biographischen Romans von Joe Connelly über einen Notarztwagenfahrer, der in Hell’s Kitchen zu Beginn der neunziger Jahre zunehmend an seiner Arbeit und dem Sinn des Lebens zweifelt. Da werden, nicht nur weil das Team Martin Scorsese/Paul Schrader wieder zusammen ist, Erinnerungen an „Taxi Driver“ wach.

Eine feine, etwas unterschätzte Tour de force

mit Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Marc Anthony, Nestor Serrano

Wiederholung: Samstag, 20. April, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Bringing out the dead“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Bringing out the dead” von Paul Schrader

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Paul-Schrader-Verfilmung „Der Mann mit der Stahlkralle“ (Rolling Thunder, USA 1977)


Neu im Kino/Filmkritik/Buchkritik: Diese „Mama“ versteht keine Spaß – und Neil Cross ist „Gefangen“

April 18, 2013

 

Das mit der Mutterliebe ist, wie wir spätestens seit „Psycho“ wissen, so eine Sache. Auch die titelgebende Mutter in „Mama“ ist eine ziemlich furchteinflößende Person, die ihre Kinder mit allen Mitteln beschützt. So bringt sie, bei ihrem ersten Auftritt, in einer einsamen Waldhütte nach Sonnenuntergang Jeffrey um, der gerade seine beiden Töchter Victoria und Lilly umbringen wollte.

 

Die nächsten Jahre verbringen die beiden Mädchen im Wald und verwildern zusehends. Erst fünf Jahre später werden sie zufällig entdeckt. Kurz darauf nehmen Lucas (Nikolaj Coster-Waldau), der Onkel der inzwischen achtjährigen Victoria (Migan Charpentier) und der sechsjährigen Lilly (Isabelle Nélisse), der immer wieder Suchtrupps losschickte, und seine Freundin Annabel (Jessica Chastain) die beiden Kinder auf. Wegen eines drohenden Sorgerechtsstreits ziehen sie in von dem Psychologen Dr. Dreyfuss (Daniel Kash) organisiertem Haus in und lassen ihn die beiden Mädchen weiter behandeln.

 

In dem Vorstadthaus unterhalten Victoria und Lilly sich mit einer Person, die sie Mama nennen und die anscheinend einen großen Einfluss auf sie hat. Vor allem wenn sie sie ansehen. Aber ist diese Mama eine wirkliche Person oder nur eine Fantasievorstellung der Kinder, die sie über die Jahre in der Hütte am Leben erhielt, oder etwas ganz anderes?

 

Wie es sich für einen guten Horrorfilm gehört, wird das Geheimnis um die Existenz und die Art der Existenz von Mama erst spät enthüllt. Bis dahin schafft Andres Muschietti in seinem stilvollen und stilbewussten Spielfilmdebüt, das auf seinem gleichnamigen Kurzfilm basiert, eine sehr creepige Atmosphäre.

 

Wenn dann allerdings die Geheimnisse von Mama enthüllt werden und es zur abschließenden Konfrontation zwischen Annabel, die zuerst die beiden Findelkinder Victoria und Lilly ablehnte, später immer mehr in eine Beschützerrolle für sie hineinwächst, und Mama kommt, gibt es zunehmend ärgerliche Klischees, wie die Suche nach Antworten im dunklen Wald (als könnte man nicht auch tagsüber in den Wald und die Waldhütte gehen), etliche vermeidbare lose Enden und, im großen Finale an einer Klippe im dunklen Wald, etliche logische Widersprüche. Denn die Macher bieten mehrere, sich eigentlich gegenseitig ausschließende Erklärungen an.

 

Dieses unbefriedigende Ende des von Guillermo del Toro produzierten Spielfilmdebüts, für das auch „Luther“-Autor Neil Cross am Drehbuch mitschrieb, verdirbt einem „Mama“ dann doch ziemlich gründlich.

 

Mama - Teaser

 

Mama (Mama, Spanien/Kanada 2012)

 

Regie: Andres Muschietti

 

Drehbuch: Neil Cross, Andres Muschietti, Barbara Muschietti (nach einer Geschichte von Andres und Barbara Muschietti)

 

mit Jessica Chastain, Nikolaj Coster-Waldau, Megan Charpentier, Isabelle Nélisse, Daniel Kash, Javier Botet, Jane Moffat

 

Länge: 100 Minuten

 

FSK: ab 16 Jahre

 

 

Hinweise

 

Deutsche Homepage zum Film

 

Film-Zeit über „Mama“

 

Metacritic über „Mama“

Rotten Tomatoes über „Mama“

 

Wikipedia über „Mama“ (deutsch, englisch)

 

 

 

Der Lesetipp

 

Cross - Gefangen

 

Mama“-Drehbuchautor Neil Cross ist auch der Erfinder der grandiosen TV-Serie „Luther“ und der Autor einiger toller Kriminalromane, wie dem unlängst auf Deutsch erschienenem „Gefangen“, der wie ein Psychothriller beginnt und als Noir endet. Als Kenny erfährt, dass er wegen eines bösartigen Hirntumors nur noch wenige Wochen zu leben hat, erstellt er eine Liste der Menschen, bei denen er sich vor seinem Tod entschuldigen will, weil er sie früher im Stich gelassen hat. Dazu gehört auch seine vor einigen Jahren spurlos verschwundene Grundschulfreundin Callie. Für Kenny ist die Sache klar: ihr Ehemann Jonathan, der Callie auch geschlagen hat, hat sie ermordet, ihre Leiche verschwinden gelassen und dann den trauernden Ehemann gespielt.

 

Er entführt Jonathan, um aus ihm ein Geständnis herauszupressen. Dummerweise behauptet Jonathan, dass er Callie nicht ermordete und er könnte die Wahrheit sagen.

 

Nach einem ruhigen Beginn, in dem Neil Cross anscheinend etwas ziellos zwischen verschiedenen Handlungssträngen wechselt und etliche scheinbar unwichtige Charaktere breit einführt, nimmt „Gefangen“ in der zweiten Hälfte, wenn alle Charaktere richtig eingeführt sind, ordentlich Fahrt auf und wie Cross ihren Fall in die Barbarei beschreibt und die Handlungsstränge verknüpft, das ist dann große Erzählkunst. Das Ende des angenehm kurzen Thrillers erinnert dann an das moralisch zwiespältige, die vorherigen Gewissheiten infrage stellende Ende der ersten Staffel von „Luther“.

 

 

Neil Cross: Gefangen

 

(übersetzt von Marion Herbert)

 

Dumont, 2013

 

240 Seiten

 

8,99 Euro

 

 

Originalausgabe

 

Captured

 

Simon & Schuster, London, 2010

Hinweise

Homepage von Neil Cross

Meine Besprechung von „Luther – Staffel 1“ (Luther, GB 2010)

Meine Besprechung von „Luther – Staffel 2“ (Luther, GB 2011)

Meine Besprechung von Neil Cross’ “Luther: Die Drohung” (Luther: The Calling, 2011)

Neil Cross in der Kriminalakte (normalerweise mit John Luther)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns“ ist ein Drama über einen angeblich toten Dichter

April 18, 2013

 

Vor der Islamischen Revolution 1979 war der Iran ein durchaus liberales, westlich orientiertes Land. Danach wurde es zu einem Gottesstaat und auch ein harmloser Dichter wie Sahnel Farzan wird wegen regierungsfeindlicher Propaganda inhaftiert. Seine Frau wird ebenfalls verurteilt, aber schon frühzeitig, nach der Intervention eines in sie verliebten Beamten freigelassen.

Farzan bleibt dagegen drei Jahrzehnte in Haft. Als er entlassen wird, macht er sich auf die Suche nach seiner inzwischen in Istanbul lebenden Frau, die glaubt, dass er vor vielen Jahren gestorben ist.

Was jetzt ein packendes Drama, inspiriert von dem Schicksal des persischen Dichters Sadegh Kamangar, werden könnte, wird schnell zu einer neunzigminütigen Geduldsprobe; gefühlt mindestens zehnmal so lang, die das Ansehen von trocknender Farbe in einem dunklen Zimmer zu einer hochspannenden Angelegenheit werden lässt. Denn die Bilder, durchaus schön komponiert, sind meistens dunkel. Die Einstellungen lang und statisch. Die Schauspieler sitzen meist schweigend irgendwo und starren, tief in ihre Gedanken versunken, irgendwohin. Gegen diese Ode des Schweigens ist sogar ein Stummfilm redselig. Und die sehr langsam erzählte, fast schon statische Geschichte, die in ihrer Anlage von Schuld und Sühne, Lüge, Betrug und Verrat, gar nicht so schlecht ist, packt niemals wirklich, weil man gerade, unruhig auf seinem Platz im dunklen Kino herumrutschend, gegen den Schlaf kämpft.

Denn es ist wirklich nur begrenzt interessant eine Reihe von Quasi-Standfotos anzustarren.

Gergedan Mevsimi - Jahreszeit des Nashorns - Plakat

Gergedan Mevsimi – Jahreszeit des Nashorns (Gergedan Mevsimi, Türkei 2012)

Regie: Bahman Ghobadi

Drehbuch: Bahman Ghobadi

Mit: Behrouz Vossoughi, Monica Bellucci, Beren Saat, Belçim Bilgin, Yilmaz Erdogan

Länge: 94 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jahreszeit des Nashorns“

Rotten Tomatoes über „Jahreszeit des Nashorns“

Wikipedia über „Jahreszeit des Nashorns“ (englisch, türkisch)

BBC News: Porträt von Regisseur Bahman Ghobadi (13. September 2012)


TV-Tipp für den 18. April: Elf Uhr nachts

April 18, 2013

ARD, 01.55

Elf Uhr nachts (F/I 1965, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

Hinweise

Arte über „Elf Uhr nachts“

Mordlust über Lionel White

Wikipedia über Lionel White

Wikipedia über „Elf Uhr nachts“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Rezensionen über „Elf Uhr nachts“ (17. November 2009)

Monthly Film Bulletin 1990 über „Elf Uhr nachts“

Films de France über „Elf Uhr nachts“

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über  Jean-Paul Belmondo


DVD-Kritik: „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ unterwegs

April 17, 2013

 

Der erste Einsatz von Mikael Persbrandt als Carl Hamilton, schwedischer Geheimagent mit guten Verbindungen und einem eigenen Kopf, hat mir ausnehmend gut gefallen. „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ schließt ziemlich nahtlos an „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ an. Während er damals für die Regierung arbeitete, zieht er dieses Mal ohne Auftrag, unterstützt von einigen Verbündeten, los. Ein saudischer Prinz, der sich nach einem missglückten Attentatsversuch an der dafür verantwortlichen SÄPO-Chefin rächen will, hat die Patentochter von Carl Hamilton entführt.

 

Aufgrund ökonomischer Interessen verfolgt die schwedische Regierung die Angelegenheit nur mit gedämpftem Interesse. Also handelt Hamilton, wie so oft, auf eigene Faust.

 

Wie schon in dem ersten „Agent Hamilton“-Film wird die einfache Geschichte mit Subplots angereichert, komplexer und reichhaltiger gemacht. In dem so entstehendem zynischen Bild der internationalen Politik erscheint der US-amerikanische Geheimdienst als wahrer Bad Guy. Bei dem Bösewicht sind die Ähnlichkeiten mit Osama bin Laden und seiner sehr vermögenden Familie sicher nicht zufällig. Sowieso nimmt Drehbuchautor Stefan Thunberg, der auch das Buch für den ersten „Agent Hamilton“-Film schrieb, die Schlagzeilen und entstellt sie bis zur Kenntlichkeit als ein zwar tödliches, aber von der Staatsräson und nachvollziehbaren Interessen geleitetes Spiel.

 

Und Mikael Persbrandt verkörpert den von Jan Guillou erfundenen Geheimagenten als einen eiskalten Killer, der tut, was getan werden muss.

 

Die zahlreichen Action-Szenen sind alle etwas zerfahren im Post-Action-Modus inszeniert und hinterlassen alle den Eindruck, dass mit etwas mehr Geld und Zeit deutlich mehr möglich gewesen. So sieht es eher nach TV als nach Kino aus.

 

Davon abgesehen ist „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ ein angenehm altmodisch-zynischer Polit-Thriller, in dem es nicht um höhere Moral, sondern schnöde Interessen und machtpolitische Spielchen geht, mit einer ordentlichen Portion Action.

 

Agent Hamilton 2 - DVD-Cover

 

Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission (Hamilton: Men inte om det gäller din dotter, Schweden 2012)

 

Regie: Tobias Falk

 

Drehbuch: Stefan Thunberg

 

LV: Charakter von Jan Guillou

 

mit Mikael Persbrandt, Saba Mubarak, Frida Hallgren, Reuben Sallmander, Nadja Christiansson, Lennart Hjulström, Peter Eggers, Steven Waddington, Cal Macaninch, John Light, Nigel Whitmey

 

 

DVD

 

Ascot-Elite

 

Bild: 2.35:1 (16:9 PAL)

 

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

 

Untertitel: Deutsch

 

Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover

 

Länge: 86 Minuten

 

FSK: ab 16 Jahre

 

 

Hinweise

 

Wikipedia über „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“

 

Krimi-Couch über Jan Guillou

 

Wikipedia über Jan Guillou (deutsch, englisch, schwedisch)

 

Meine Besprechung von Kathrine Windfelds „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ (Hamilton – I nationens intresse, Schweden 2012)

 

 


Kurzkritik: Bernd Zeller: Lost Merkel

April 17, 2013

Zeller - Lost Merkel

Die Entführung der Bundeskanzlerin könnte der Auftakt für einen furiosen Polit-Thriller sein. Oder für eine Satire, die mal schnell und kräftig gegen die Hauptstadtpolitiker und den Politikbetrieb austeilt und, weil Satire bekanntlich alles darf, auch Ross und Reiter nennen kann, ohne sich vor zu vielen Verleumdungsklagen von echten Politikern fürchten zu müssen.

In „Lost Merkel“ von Bernd Zeller wurde Angela Merkel entführt und nur eine Person kann sie finden: Bettina Wulff, Privatdetektivin. Die Gattin des ehemaligen Bundespräsidenten (ihr Gatte spielt derzeit Hausmann) ist für den Job besonders gut geeignet, weil sich niemand lange an sie erinnert; falls er nicht sogar schon während des Gesprächs vergisst, mit wem er redet. Sogar eine Deko-Blume hinterlässt einen bleibenderen Eindruck als Frau Wulff.

Sie und ein ihr zugeteilter Helfer machen sich auf die Suche, mischen dabei das Kabinett auf, besuchen Stefan Aust auf seinem Gehöft – und als sie auf eine Vampir-Zombie-Apokalypse, die Berlin heimsucht, stoßen, dreht die Satire auf den Politikbetrieb vollkommen in irreale Gefilde ab. Mitten unter den Blutsaugern treten weitere Politiker, wie Claudia Roth und Katrin Göring-Eckhardt, auf.

Bernd Zeller, der schon für ungefähr jede deutsche Satire-Zeitung arbeitete und auch Zeichner ist, illustrierte seine großzügig gesetzte Geschichte mit zwanzig Zeichnungen und auch die Geschichte, naja, eher Kurzgeschichte, ist für einige Lacher gut.

Nur „Satire, die richtig wehtut“ (Klappentext) ist es nicht. Eher Satire, die kurzweilig unterhält, ohne tiefere Erkenntnisse in den Politikbetrieb und die Berliner Republik zu liefern. Denn dass „Parteifreund“ die Steigerung von „Todfeind“ ist und alle Minister auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, ist keine neue Erkenntnis. Gute Polit-Thriller-Autoren, wie Ross Thomas, haben das schon wesentlich fieser und schwarzhumoriger in ihren Romanen thematisiert. Und dass ganz Berlin in einer Vampir-Zombie-Apokalypse versinkt, ist angesichts der derzeitigen Beliebtheit von Zombies und Vampiren in Büchern, Comics und Filmen keine ganz neue Idee.

Bernd Zeller: Lost Merkel – Die verrückte Entführung der unheimlichen Kanzlerin

Solibro, 2013

112 Seiten

8,95 Euro

Hinweise

Homepage von Bernd Zeller

Tagesschauder: aktuell-politische Agitation von Bernd Zeller

Bernd Zeller in „Die Achse des Guten“


TV-Tipp für den 17. April: Der Mann ohne Vergangenheit

April 17, 2013

Arte, 20.15

Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Wiederholung: Samstag, 20. April, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über “Der Mann ohne Vergangenheit”

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)


Cover der Woche

April 16, 2013

Stark - Stadt im Würgegriff


TV-Tipp für den 16. April: Der Student von Prag

April 16, 2013

Arte, 23.40

Der Student von Prag (D 1913, R.: Stellan Rye)

Drehbuch: Stellan Rye, Hanns Heinz Ewers, Paul Wegener

Prag, 1820: Um in der Gesellschaft aufzusteigen verkauft ein Student sein Spiegelbild. Bald bereut er den Handel.

TV-Premiere der 2012/2013 rekonstruierten Fassung des Stummfilm-Klassikers, die eine Laufzeit von gut 85 Minuten hat.

mit Paul Wegener, Grete Berger

Hinweise

Arte über „Der Student von Prag“

AllMovie über „Der Student von Prag“

Filmportal über „Der Student von Prag“

Wikipedia über „Der Student von Prag“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „…die keine Gnade kennen“ erzählt eine wahre Geschichte

April 15, 2013

Als während der siebziger Jahre reihenweise Flugzeuge entführt wurden, war auch Hollywood nicht weit, um mehr oder weniger dokumentarische Filme über die Entführungen zu machen. Auch „…die keine Gnade kennen“ basiert auf einer wahren Entführung: Am 27. Juni 1976 entführte die Volksfront zur Befreiung Palästinas, angeführt von Wilfried Böse, eine „Air France“-Maschine mit überwiegend israelischen Passagieren nach Uganda. Dort wurden die Passagiere, während der Diktator Idi Amin sich im Rampenlicht der Scheinwerfer sonnte, sukzessive freigelassen bis nur noch die jüdischen Passagiere, die vorher von den Entführern von den anderen Passagieren getrennt wurden, übrig blieben. In der Nacht vom 3. zum 4. Juli 1976 wurden sie von einem israelischen Kommando befreit.

Kurz danach entstanden gleich drei Filme, die sich mit der Befreiungsaktion befassten: der Schnellschuss „Unternehmen Entebbe“ (Victory at Entebbe, USA 1976, Regie: Marvin J. Chomsky, mit Anthony Hopkins, Burt Lancaster, Elizabeth Taylor, Richard Dreyfuss und Kirk Douglas), der mit Unterstützung der israelischen Regierung und des Militärs gedrehten „ Operation Thunderbolt“ (Mivtsa Yonatan, Israel 1977, Regie: Menahan Golan, mit Klaus Kinski und Sybill Danning; Golan drehte 1986 mit dem Chuck-Norris-Action-Vehikel „The Delta Force“ ein Quasi-Remake) und „Raid on Entebbe“, einem am 9. Januar 1977 erstmals gezeigten TV-Film, der in einer auf 124 Minuten gekürzten Fassung am 29. April 1977 bei uns als „…die keine Gnade kennen“ im Kino anlief, in den USA den Golden Globe als bester TV-Film des Jahres und zwei Emmys erhielt und für acht weitere Emmys nominiert war und mit einer ziemlich beeindruckenden Besetzung aus damaligen Stars, Altstars und, nun, aus heutiger Sicht, künftigen Stars aufwarten kann. Peter Finch (in seiner letzten Filmrolle), Martin Balsam, Yaphet Kotto (grandios als Idi Amin), Charles Bronson, Horst Buchholz, John Saxon, Jack Warden, Sylvia Sidney, Robert Loggia. Eddie Constantine und James Woods.

Der Film selbst folgt den historischen Ereignissen, wobei in der ersten Hälfte die Passagiere und ihr Leid, in der zweiten Hälfte die Befreiung im Mittelpunkt stehen und immer wieder Yitzhak Rabin (Peter Finch), sein Gewissenskonflikt und die Diskussionen am Kabinettstisch gezeigt werden; – wobei diese Diskussionen eher Schreiereien sind, die sich in einem länglichen pro und contra des Verhandelns mit Terroristen und ob eine solche Militäraktion am Sabbat durchgeführt werden dürfe, ergehen.

Das ist dann aus heutiger Sicht als historisches Dokument interessant, recht flott erzählt und verschenkt die hochkarätige Besetzung ziemlich. Denn wir erfahren nichts über die Terroristen, wenig über die Passagiere und kaum etwas über die politischen Hintergründe der Täter und den Verhandlungen Israels mit Uganda. Im Gegensatz zur GSG-9-Befreiungsaktion der Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 in Mogadischu, bei der die somalische Regierung der Befreiungsaktion zustimmte, war die Befreiungsaktion in Entebbe eine militärische Aktion, die sich nicht um das Völkerrecht scherte (wobei gesagt werden muss, dass Diktator Idi Amin die Terroristen unterstützte) und die israelischen Soldaten auch, je nach Quelle, zwischen 25 und 45 ugandische Soldaten erschossen.

Diese Frage wird ignoriert zugunsten einer direkt von den Schlagzeilen und Interviews mit Beteiligten übernommenen Geschichte, die sich auf die menschlichen Probleme konzentriert.  

…die keine Gnade kennen“, kompetent inszeniert von Irvin Kershner (Die Augen der Laura Mars, Das Imperium schlägt zurück, Sag niemals nie), ist ein gutes Dokudrama, das sich auf die Entführung und die Befreiung konzentriert und alle weiteren Hintergründe, die damals bekannt waren, ausblendet. Aber gerade diese Unmittelbarkeit macht auch, aus heutiger Sicht, den Reiz des Films, der in Deutschland jetzt erstmals in der ungekürzten Fassung veröffentlicht wurde, aus.

Die keine Gnade kennen - DVD-Cover

…die keine Gnade kennen (Raid on Entebbe, USA 1977)

Regie: Irvin Kershner

Drehbuch: Barry Beckerman

mit Peter Finch, Martin Balsam, Yaphet Kotto, Charles Bronson, Horst Buchholz, John Saxon, Jack Warden, Sylvia Sidney, Robert Loggia. Eddie Constantine, James Woods

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch (DTS 2.0 Mono/Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 139 Minuten (Langfassung, teilweise im Originalton mit deutschen Untertiteln)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „…die keine Gnade kennen“

AllMovie über „…die keine Gnade kennen“


TV-Tipp für den 15. April: Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel

April 15, 2013

RBB, 22.45

 

Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel (D 2005, R.: Dominik Graf)

 

Drehbuch: Günter Schütter

 

Flo Engelhard ruft bei der Polizei an und sagt, sie habe einen Einbrecher erschossen. Die Kommissare Tauber und Obermaier finden allerdings keine Leiche und kurz darauf taucht der Einbrecher quicklebendig wieder auf. Er will sich anscheinend an Flo rächen.

 

Hier arbeitet wieder das bewährte Team Schütter-Graf zusammen. Ihm verdanken wir unter anderem folgende Sternstunden des deutschen Films: „Der Skorpion“, „Tatort: Frau Bu Lacht“, „Die Sieger“, die Fahnder-Folgen „Nachtwache“ und „Baal“ und zuletzt den Spielfilm „Der rote Kakadu“.

 

Der scharlachrote Engel“ ist ein intensiver „Polizeiruf 110“ über Stalking und die Unfähigkeit der Polizei etwas dagegen zu tun. Gegen diesen Polizeithriller wirken viele Kinofilme wie Ramschware.

 

Mit Edgar Selge, Michaela May, Nina Kunzendorf, Claudia Messner, Martin Feifel

 

Hinweise

 

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

 

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

 

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) „Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf“

 

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Don Mariano weiß von nichts

April 14, 2013

RBB, 23.00

Don Mariano weiß von nichts (I/F 1967, R.: Damiano Damiani)

Drehbuch: Ugo Pirro, Damiano Damiani

LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)

In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.

Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.

Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.

Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani

Auch bekannt als „Der Tag der Eule“

Hinweise

Wikipedia über Leonardo Sciascia (deutsch, englisch, italienisch)

Krimi-Couch über Leonardo Sciascia

Italienwelten über Leonardo Sciascia

Amici di Leonardo Sciascia

Mein Nachruf auf Damiano Damiani (23. Juli 1922 – 7. März 2013)


TV-Tipp für den 13. April: Mein Bruder Kain

April 13, 2013

ZDFneo, 22.30

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Wikipedia über „Mein Bruder Kain“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über “Mein Bruder Kain”

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)