Molly’s Game – Alles auf eine Karte(Molly’s Game, USA 2017)
Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
LV: Molly Bloom: Molly’s Game: The True Story of the 26-Year-Old Woman Behind the Most Exclusive, High-Stakes Underground Poker Game in the World, 2014 (Molly’s Game)
In seinem Regiedebüt erzählt der grandiose Drehbuchautor Aaron Sorkins („The Social Network“, „Steve Jobs“, „The West Wing“) die Geschichte von Molly Bloom. Sie organisierte illegale Pokerspiele mit und für vermögende Spieler, die mit entsprechend hohen Einsätzen spielten. Das füllt ihr Bankkonto, führt zu Kontakten mit der Mafia und Problemen mit dem FBI.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Tele 5 ein Frühwerk von Aaron Sorkin. Zusammen mit Scott Frank schrieb er das Drehbuch für den Thriller „Malice – Eine Intrige“ (USA 19939
mit Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Jeremy Strong, Chris O’Dowd, Bill Camp, Brian d’Arcy James, Graham Greene
Geronimo – Eine Legende(Geronimo: An American Legend, USA 1993)
Regie: Walter Hill
Drehbuch: John Milius, Larry Gross
Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.
Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)
mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Das titelgebende Huhn ist ein echtes Huhn; also genaugenommen acht verschiedene Hennen, die verschiedene besondere Fähigkeiten hatten und sich während der Dreharbeiten die Arbeit teilten. Die in György Pálfis Film vorkommenden Menschen haben nur Nebenrollen und die Tiere sorgten, so Pálfi, „für eine ruhige und fröhliche Drehatmosphäre für das gesamte Team“.
Das titelgebende, namenlose schwarze Huhn wird in Griechenland in einer Hühnerfarm geboren und, weil die Henne nicht ihr vorherbestimmtes Schicksal akzeptiert, büxt sie aus. Sie erkundet die Welt, muss vor größeren Tieren, die sie als Nahrung betrachten, und Autos, die sie beim Überqueren einer Straße überfahren wollen, flüchten. Immer wieder, wenn ihr der Ort nicht gefällt oder die Situation potentiell lebensbedrohlich wird, haut sie ab. Erst in einem heruntergekommenem Restaurant mit Seeblick bleibt sie länger.
Die Erlebnisse des Huhns in diesem Restaurant bestimmen die zweite, deutlich schwächere Hälfte des Films. Aus einem spannenden und witzigem Road-Movie wird ein gewöhnliches Flüchtlingsdrama und ein ebenso gewöhnlicher Gangsterfilm. Der Wirt des Restaurants ist nämlich in kriminelle Machenschaften zwischen Drogen- und Menschenschmuggel verwickelt.
Diese Storyschwächen werden durch die Idee, ein Huhn als Protagonisten einer Geschichte zu wählen, den Mut, die Geschichte mit echten Tieren zu erzählen und dem guten Schnitt, der die erste Hälfte zu einem veritablem Action-Thriller macht, weitgehend wettgemacht.
Lebensansichten eines Huhns (Kota, Deutschland/Griechenland/Ungarn 2025)
Regie: György Pálfi
Drehbuch: György Pálfi, Zsófia Ruttkay
mit den Menschen Ioannis Kokiasmenos, Maria Diakopanagioti, Argyris Pantazaras, Eleni Apostolopoulou, Mahmod Bamerny, Antonis Tsiotsiopoulos, Antonis Kafetzopoulos
und den Hühnern Eszti, Szandi, Feri, Enci, Eti, Enikő, Nóra, Anett
Bayleen Bay ist eine typische US-amerikanische Kleinstadt. Brave Kinder, freundliche Nachbarn, saubere Straßen und gepflegte Vorgärten. Als eines Tages ein „Ice Cream Man“ auftaucht und aus seinem Wagen heraus Eis verteilt, ändert sich das radikal. Das Eis macht die Kinder, sobald sie eine bestimmte Melodie hören, zu mordgierigen, seelenlosen Zombies. Fortan bringen sie ihre Eltern und andere Erwachsene auf die denkbar gemeinsten Arten um. Und Regisseur Eli Roth zeigt das ausführlich, ziemlich detailliert und fast immer gut sichtbar im hellen Licht des Tages. Das ist, verglichen mit anderen Horrorfilmen, die so dunkel sind, das oft nur noch erahnbar ist, was zu sehen sein könnte, erfreulich.
…
Das war es dann so ziemlich mit den erfreulichen Dingen in einem überraschend zahmen und sich, trotz seiner kurzen Laufzeit von unter neunzig Minuten, länger anfühlendem Film. Denn „Ice Cream Man“ hat kein Thema und keine größere Zielgruppe. Sie beschränkt sich auf Eli-Roth-Fans und die Ich-sehe-mir-jeden-Film-an-wenn-das-Blut-spritzt-Splatter-Community. In anderen Splatterfilmen sind die Zielgruppe Teenager und Anfang-Zwanzigjährige, die sich auf der Leinwand sehen, und die, meistens, vor Sex vor der Ehe und dem Konsum von Drogen gewarnt werden. In „Ice Cream Man“ könnten es Kinder sein, die vor einem Rattenfänger gewarnt werden. Dafür spräche auch die Wahl der Hauptpersonen. Die Protagonisten sind einige Kinder, vor allem Jared (Charlie Zeltzer), der wegen seiner Laktoseintoleranz kein Eis aß, seine ältere Schwester Lizzie (Sarah Abbott) und ihr etwas dümmlicher Ex-Freund Chris (Dylan Hawco). Die Erwachsenen sind nur austauschbares Schlachtfutter ohne irgendeinen Hauch von Individualität.
Die Kinder hatten wahrscheinlich auch viel Spaß bei den Dreharbeiten. Aber sie dürfen den Film nicht sehen, weil die Altersfreigaben durchgehend deutlich höher sind. In Deutschland ist die Splatter-Komödie FSK-18. Alle Über-12-Jährigen haben kein direktes Identifikationsangbot. Sie wissen, dass sie von Fremden kein kostenloses Eis annehmen sollen. Sie interessieren sich für Sex & Drugs & Rock’n’Roll.
Für eine Horror-Comedy gibt es nicht genug Lacher. Außer man lacht konstant bei den Morden und den vorher erfolgenden Verletzungen, von denen einige im Trailer gezeigt werden. In die steckte Eli Roth eine beträchtliche Fantasie, die er besser in ein gescheites Drehbuch gesteckt hätte.
Neben der Idee, dass Kinder durch Eis zu mordenden Zombies werden, hat er mit dem Eisverkäufer, genaugenommen Eisverschenker (Ari Millen, grandios ohne eine Dialogzeile) und dem Eiswagen einen erinnerungswürdige Bösewicht und ein ebenso erinnerungswürdiges und bedrohliches Gefährt.
Aber ohne ein alles zusammenhaltendes Thema ist „Ice Cream Man“ nur, wenn die Kinder auf dem Schulhof mit den Innereien der Lehrer spielen oder Erwachsene gerade möglichst abstrus töten, eine Abfolge von schön drapierten Horror-Tableaus, ein Best-of der aus Horror- und Splatterfilmen bekannten und angedeuteten Mordmethoden, eine ausdehnte Sammlung von Filmzitaten und viel Leerlauf.
Ice Cream Man (Ice Cream Man, Kanada 2026)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Noah Belson
mit Ari Millen, Benjamin Byron Davis, Eli Roth, Karen Cliche, Dylan Hawco, Sarah Abbott, Shiloh O’Reilly, Kiori Mirza Waldman, Charlie Zeltzer, Charlie Storey
Abgelegen von jeder Zivilisation liegt das schon vor Ewigkeiten der Natur überlassene Elternhaus von Saga. Objektiv ist das in Finnland im Wald liegende Haus eine Ruine. Der Wald wirkt eher sumpfig-bedrohlich als freundlich-beschützend. Trotzdem ziehen Saga und ihr Mann Jon dort ein. Hier und nicht in London wollen die Finnin und der Brite eine Familie gründen. Sie richten das Holzhaus wohnlich her und bekommen einen Sohn. Aber Saga verhält sich nach der Geburt seltsam. Ihr Kind ebenso.
Ihr Sohn ist ungewöhnlich behaart. Viel mehr sehen wir von ihm nicht. Sein Gesicht sehen wir erst am Ende. Er beißt Saga. Er fügt ihr Quetschungen zu. Es ist, als ob sie ein Monster an ihrer Brust ernähre. Ist er vielleicht ein Troll? Ihr Mann und auch alle anderen Menschen halten Sagas Kind dagegen für ein ganz normales, süßes Baby.
Hannah Bergholms Quasi-Ein-Personenstück „Nightborn“ changiert arg vorhersehbar und unglücklich zwischen Folk-Horror und einer Studie über eine Depression nach der Geburt eines Kindes. Denn Bergholm will sich nicht entscheiden, ob sie eine traditionelle Horrorgeschichte oder die Geschichte einer postpartalen Depression erzählt. Trotz der Kürze ist die sich so entwickelnde Beziehungsgeschichte eine ziemlich zähe Angelegenheit, garniert mit viel Blut und Flüssigkeiten.
Danach erschient „Lamb“ in einem deutlich milderem Licht.
Nightborn (Yön lapsi, Finnland/Litauen/Frankreich/Großbritannien 2026)
Regie: Hanna Bergholm
Drehbuch: Ilja Rautsi, Hanna Bergholm
mit Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thomson
Fotograf Richard Billingham erzählt in seinem präzise fotografiertem Filmdebüt die Geschichte seiner Eltern Ray und Liz, die in Birmingham zur unteren Arbeiterklasse gehören. Es sind deprimierende Bilder aus deinem deprimierendem Leben. Danach möchte man, um sich besser zu fühlen, mindestens ein Feelbad-Movie sehen.
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Deutschland/Frankreich 2022)
Regie: Andreas Dresen
Drehbuch: Laila Stieler
Wenige Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wird in Pakistan der neunzehnjährige Murat Kurnat verhaftet und nach Guantanamo gebracht. Die Presse nennt ihn „Bremer Taliban“.
Seine Mutter Rabiye Kurnaz will ihren Jungen aus der Gefangenschaft befreien. Zusammen mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung.
Sehr gelungenes, unterhaltsames, nah an den Fakten entlang erzähltes Drama, mit einer ordentlichen Portion Humor.
Weil das CIA-Biopic so selten gezeigt wird; für Nachteulen zeigt Kabel 1 um 02.10 Uhr Martin Scoreses „Kap der Angst“ (mit Robert De Niro als Bösewicht)
ZDFneo, 22.45
Der gute Hirte (The good Shepherd, USA 2006)
Regie: Robert De Niro
Drehbuch: Eric Roth
Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.
„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.
Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.
Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert De Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.
Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro
Better Man – Die Robbie Williams Story (Better Man, Australien/USA 2024)
Regie: Michael Gracey
Drehbuch: Simon Gleeson, Oliver Cole, Michael Gracey
TV-Premiere. Überzeugendes Biopic über Robbie Williams. Das liegt vor allem an der bestehend einfachen, genialen und unglaublich viele typische Biopic-Probleme lösenden Idee, Robbie Williams als im Motion-Capture-Verfahren computergenerierten Schimpansen zu zeigen. Dazu erzählt Williams, sich nicht schonend, seine Geschichte.
Ich bin kein Fan von „Take That“ oder Robbie Williams, aber dieses Musiker-Biopic gefiel mir.
mit Robbie Williams, Jonno Davies, Steve Pemberton, Damon Herriman, Raechelle Banno, Alison Steadman, Kate Mulvany, Frazer Hadfield, Tom Budge, Anthony Hayes, Jake Simmance, Asmara Feik, Carter J. Murphy