Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones(A Walk among the Tombstones, USA 2014)
Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
LV: Lawrence Block: A Walk among the Tombstones, 1992 (Endstation Friedhof, Ruhet in Frieden)
Matt Scudder, Ex-Polizist, Ex-Alkoholiker und Privatdetektiv ohne Lizenz, soll für den Dealer Kenne Kristo die Mörder seiner Frau suchen. Dass Kristo sie umbringen will, stört ihn nicht sonderlich.
Feine Verfilmung eines gewohnt feinen Matt-Scudder-Romans.
Inzwischen ist der zweite Scudder-Roman „Drei am Haken“ wieder auf Deutsch erhältlich.
In dem Roman will Scudder herausfinden, wer den kleine Gauner und Polizeispitzel Jake ‚Spnner‘ Jablon tötete.
Die ersten drei Scudder-Romane schrieb Lawrence Block innerhalb weniger Monate und sie haben noch nicht die Qualität der späteren Scudder-Romane. Lesenswerte PI-Krimis sind sie trotzdem.
Erinnern Sie sich an „Independence Day: Wiederkehr“? Oder irgendeinen anderen Invasions- oder Marvelfilm, in dem die Erde am Filmende regelmäßig wie ein Kinderzimmer nach einer Geburtstagsfeier aussieht? Gut.
Und jetzt stellen Sie sich das Gegenteil davon vor.
Das ungefähr ist „Arrival“. In seinem neuen Meisterwerk erzählt Denis Villeneuve, wie eine Begegnung zwischen Menschen und Außerirdischen stattfinden könnte, in der nicht von der ersten bis zur letzten Minute alles zerstört wird, sondern in dem eine Verständigung zwischen Menschheit und Aliens versucht wird. Sein Film basiert auf der mit dem Nebula Award und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte „Geschichte deines Lebens“ (Story of your Life) von Ted Chiang.
Als Autor ist Ted Chiang nicht sonderlich produktiv. Fünfzehn Erzählungen seit 1990. Keine Romane. Dafür sammelt er Preise, wie Freiberufler Quittungen für die nächste Steuererklärung sammeln. Für die fünf Geschichten, die der Golkonda Verlag in dem Sammelband „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“, in dem auch „Geschichte deines Lebens“ enthalten ist, zusammenstellte, erhielt Chiang zehn renommierte Science-Fiction-Preise. Für Science-Fiction-Fans ist das Empfehlung genug.
In Buch und Film tauchen an zwölf verschiedenen Orten rund um den Globus außerirdische Raumschiffe auf, die nichts tun. Sie schweben einfach wenige Meter über der Erde. Während die Menschen mehr oder weniger in Panik ausbrechen, sichert das Militär die Gegend um die Raumschiffe ab. Alle fragen sich, was die Aliens wollen. Und wie die Menschen mit den schweigsamen Aliens in Kontakt treten können. Dafür fragt Colonel Weber (Forest Whitaker) im Auftrag der US-Regierung die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) an. Ihr zur Seite steht Ian Donnelly (Jeremy Renner), ein Physiker und Mathematiker. Denn Verständigung beruht, neben der Sprache, auf den universell gültigen Regeln der Mathematik (und Physik) beruht.
Und wirklich: Banks kann sich im Raumschiff in einem von der Welt abgeschlossenem Raum, mehr ein quadratisch-brutalistischer Höhlenraum als irgendetwas, was wir aus SF-Filmen als Raumschiff kennen, mit den Heptapoden, die sie Abbott und Costello nennt, verständigen, indem die beiden Heptapoden kreisförmige Zeichen malen. Dabei erfährt sie, dass deren Sprache zyklisch aufgebaut ist. Sie also immer am Anfang eines Satzes (oder Kreises) schon das Ende des Satzes (oder Kreises) kennen. Diese Art der Sprache, jedenfalls wenn man, wie die Sapir-Whorf-Hypothese annimmt, dass Sprache Denken bestimmt, verändert auch Banks‘ Denken und ihre Sicht auf die Welt.
Unklar ist allerdings immer noch, was die Aliens wollen. Also, warum sie die Erde besuchen.
Im Mittelpunkt von „Arrival“ steht der Prozess der Verständigung mit den Aliens und damit der Prozess, der in der Realität viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Die ähnlich gelagerte, sehr sehenswerte, im Kino hoffnungslos untergegangene „Dokumentation“ „The Visit – Eine außerirdische Begegnung“ (ab dem 17. Februar 2017 auf DVD) zeigt, anhand von Interviews mit verschiedenen Fachleuten und Verantwortlichen, die bei einem solchen Ereignis die Verhandlungen führen würden, wie das in der Realität geschehen könnte. Insofern ist „Arrival“ die Spielfilmversion von „The Visit“ oder, umgekehrt, „The Visit“ die dokumentarische Ergänzung zu „Arrival“. In jedem Fall wäre genau dieser Prozess, des gegenseitigen Erlernens der Sprache, der Kommunikation miteinander und dem Versuch, herauszufinden, was die Außerirdischen auf der Erde wollen, spannend, weil wir nichts über ihre Absichten wissen. Und Missverständnisse ungeahnte Folgen haben können.
Warum Abbott und Costello zur Erde gekommen sind, wird im dritten Akt von „Arrival“ dann, notgedrungen, etwas hastig mit einigen überraschenden Drehungen und Wendungen abgehandelt, die einen zunächst etwas ratlos zurücklassen. In dem Moment empfiehlt sich die Lektüre von Ted Chiangs „Geschichte deines Lebens“, der sich ausführlich auf die Frage, wie Sprache und Denken miteinander zusammenhängen, konzentrieren kann.
Über das Ende sprechen wir am Besten beim Erscheinen der DVD des sehr sehenswerten Science-Fiction-Films, der Fragen stellt, über die man nach dem Kinobesuch noch lange diskutieren und nachdenken kann.
Arrival (Arrival, USA 2016)
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
LV: Ted Chiang: Story of your Life, 1998 (Geschichte deines Lebens, in „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“)
mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage
„Geschichte deines Lebens“ ist mit fast sechzig Seiten die längste Geschichte des speziell für Deutschland zusammengestellte Sammelbandes „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ und jede einzelne Geschichte ist sehr lesenswert und regt zum Nachdenken an. Denn die Erzählungen von Ted Chiang sind mehr philosophische Essays als traditionelle, nach dem Lehrbuch aufgebaute Geschichten (wobei Chiang der Lehrbuchstruktur schon folgt).
Nur die Fans von epischen Raumschlachten werden enttäuscht sein.
Der Sammelband enthält folgende Geschichten:
– Der Turmbau zu Babel (Tower of Babylon, Erstveröffentlichung: Omni, November 1990)
– Geschichte deines Lebens (Story of Your Life, Erstveröffentlichung: Starlight 2, 1998)
– Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Hell is the Absence of God, Erstveröffentlichung: Starlight 3, 2001)
– Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (The Merchant and the Alchemist’s Gate, Erstveröffentlichung: Fantasy and SF, September 2007)
In einem zweiten Sammelband, „Das wahre Wesen der Dinge“, veröffentlichte Golkonda dann die restlichen von Ted Chiang bis dahin veröffentlichten Geschichten.
Sollte man sich zu Weihnachten wünschen; falls man die Geschichten nicht vorher, beim Warten auf den Weihnachtsmann, lesen will.
Zum Kinostart von „Independence Day: Wiederkehr“ erschien auch die von Victor Gischler geschriebene und von fünf Zeichner gezeichnete Vorgeschichte zu dem Desaster-Filmdesaster, das jetzt auf DVD erscheint.
Wobei Vorgeschichte es nicht so ganz trifft. Eigentlich ist „Dunkle Tiefen“ eher eine direkte Fortsetzung von „Independence Day“, dem Blockbuster von 1996.
Nachdem im Film die Außerirdischen besiegt wurden und der Film patriotisch endete, tauchte ein UFO in den Atlantischen Ozean. Captain Joshua Adams (gespielt von William Fichtner in „Independence Day: Wiederkehr“) und Doktor Jessica Morgan sollen herausfinden, warum dieses Schiff den Angriffen der Luftwaffe entkommen konnte. Bei ihrer Mission entdecken sie, dass das demolierte Schiff auf dem größten Spalt im Atlantischen Ozean landete und die Aliens mit ihren Maschinen in Richtung Erdkern bohren. Das könnte für die Erde katastrophale Folgen haben.
Adams, Morgan und die Besatzung des U-Bootes, auf dem sie sind, versuchen das zu verhindern.
„Dunkle Tiefe“ erzählt ein in sich abgeschlossenes Abenteuer von einigen tapferen, spärlich charakterisierten Menschen, die den Untergang der Welt verhindern. Das ist jetzt kein Spoiler, weil, wenn sie nicht erfolgreich gewesen wären, wäre uns „Independence Day: Wiederkehr“ erspart geblieben.
Wie man es von Victor Gischler gewohnt ist, erzählt er eine spannende Geschichte, die mit einigen Erweiterungen, einen besseren Film abgegeben hätte als die letztendlich von Emmerich erzählte Geschichte.
Es ist auch, im Unterschied zu anderen Vorgeschichten zu Filmen, die als Comic oder Roman veröffentlicht werden, eine Geschichte, die unabhängig von der Kenntnis der Filme gelesen und genossen werden kann. Denn, seien wir ehrlich, die meisten ‚Vorgeschichten‘ sind Geldmacherei. In diesem Fall trifft der Vorwurf auf den Film „Independence Day: Wiederkehr“ zu, der die Vorgeschichte zu einem vielversprechender klingendem Film (falls er je gedreht wird), schon.
Als Anhang zum Comic gibt es eine Cover-Galerie, Charakterprofile und eine Zeitleiste.
Die DVD-Veröffentlichung von „High-Rise“ ist eine gute Gelegenheit, sich den Film wieder anzusehen und mit der Vorlage, die zum Filmstart wieder veröffentlicht wurde, zu vergleichen.
Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.
Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.
„High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.
Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.
Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.
Hm, vielleicht verkläre ich „Crash“ etwas zu sehr. Jedenfalls konnte James Graham Ballard die Verfilmung seines Romans „High-Rise“ nicht mehr sehen. Er starb bereits 2009. Aber wahrscheinlich hätte ihm gefallen, wie Buch und Film in einem seltsamen und produktivem Spannungsverhältnis stehen.
Der Roman ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und dass das Hochhaus eine Metapher für die englische Klassengesellschaft ist, wird von Ballard so oft im Roman betont, dass auch der letzte Trottel es versteht. In dem Roman ignorieren die Hochhausbewohner von der ersten Seite an die Regeln der Zivilisation; fast so, als seien sie vom Haus in seinen Bann gezogen. Im Gegensatz zum Film gibt es daher im Roman keine wirkliche Verfallsgeschichte (auch wenn es auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht immer schlimmer wird), sondern primär eine Zustandsbeschreibung. Ballard erzählt die Romangeschichte zwar chronologisch, aber mehr wie eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und Impressionen mit verschiedenen, wiederkehrenden Hauptcharaktere. Deshalb verschwinden der neu zugezogene Dr. Robert Laing, der Fernsehjournalist Richard Wilder und der Architekt Anthony Royal immer wieder für ganze Kapitel aus dem Roman. In dem Roman ist auch nachvollziehbarer als im Film, wo wir immer wieder sehen, dass die Bewohner einfach flüchten könnten, warum sie im Hochhaus bleiben. Einerseits, weil das Haus eine seltsame Faszination auf sie ausübt, weil es die Welt der Bewohner ist und weil das Hochhaus eine Metapher für die Klassengesellschaft ist, aus der man auch nicht flüchten kann. Aber die unteren Schichten können gegen die oberen Schichten (vulgo Stockwerke) revolutionieren. Insofern ist der Roman zeitloser als der Film, der, wegen seiner Bilder, immer wie ein Relikt aus der Vergangenheit, als man noch stilvoll dekadent sein konnte, wirkt.
Aber verdammt edel, suggestiv und sehr stilbewusst zelebriert Ben Wheatley den Verfall der Zivilisation.
Dabei kann man schnell vergessen, dass die Weltsicht, die Botschaft und die Gesellschaftsanalyse heute immer noch gültig sind.
Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde zwar üppig ausgefallen. Aber in diesem Fall schlägt Quantität Qualität. Es gibt ein kurzes, angesichts der literarischen Bedeutung von Ballard und der Schwierigkeiten der Verfilmung ein erschreckend belangloses Featurette „Vom Roman zum Film“ (3:38 Minuten) und etliche während der Dreharbeiten für die Werbung erstellte Interviews mit Tom Hiddleston (9:32 Minuten), Jeremy Irons (9:54 Minuten, der etwas unkonzentriert wirkt), Luke Evans (10:05 Minuten, begeistert im Oliver-Reed-Look), Sienna Miller (4:33 Minuten), Elisabeth Moss (3:47 Minuten), Regisseur Ben Wheatley (13:05 Minuten, der etliche Hintergründe zur Produktion und zum Film erklärt) und Set-Designer Mark Tildesley (4:59 Minuten), die alle begeistert vom Drehbuch sind, Fans von Ben Wheatley sind und die tolle Stimmung am Set loben, nachdem sie den von ihnen gespielten Charakter vorgestellt haben.
High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Amy Jump
LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)
mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory
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DVD
DCM World
Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage
J.G. Ballard: High-Rise
(aus dem Englischen von Michael Koseler)
Diaphanes, 2016
256 Seiten
17,95 Euro
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Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.
Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.
Hans Falladas nach dem Kriegsende geschriebene Fiktionalisierung der Taten des Ehepaares Otto und Elise Hampel ist einer der Klassiker der deutschen Literatur. Das Ehepaar lebte in der Amsterdamer Straße 10 (Berlin-Wedding). Nach dem Tod ihres Bruders an der Westfront wurden die Hampels zu Regimegegner. Zwischen September 1940 und September 1942 verfassten sie über zweihundert Karten, in denen sie zum Widerstand und zur Sabotage aufriefen. Die Karten hinterlegten sie in Treppenhäusern. Am 8. April 1943 wurden sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Nach dem Kriegsende erhielt Hans Fallada vom „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ die Prozessakten. Im Oktober/November 1945 schrieb er in vier Wochen den Roman, der in der ersten Fassung 866 Typoskriptseiten umfasste, die vor der Veröffentlichung von Lektor Paul Wiegler überarbeitet wurden. 1947, kurz nach dem Tod von Hans Fallada, erschien im neugegründeten Aufbau-Verlag die Erstauflage von „Jeder stirbt für sich allein“, die seitdem unzählige Neuauflage erlebte. Übersetzungen gab es auch. Als der Roman 2009 in einer gekürzten Fassung erstmals ins Englische übersetzt wurde, wurde er sogar ein weltweiter Bestseller. In Deutschland erschien 2011 im Aufbau-Verlag eine ungekürzte Neuausgabe, die ebenfalls ein Bestseller wurde.
In dem Moment wollten Regisseur Vincent Pérez und der X-Filme-Produzent Stefan Arndt bereits den Roman wieder verfilmen. Es gibt bereits mehrere Verfilmungen, wobei die bekannteste die 1975er-Verfilmung von Alfred Vohrer ist. Arndt wollte das Buch als deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern verfilmen. Aber er fand keine Geldgeber. Was angesichts der jetzt in den Kinos angelaufenen Verfilmung nicht nachvollziehbar ist. Als die damals erschienene englische Übersetzung sich zu einem Bestseller entwickelte, war die Idee geboren, den Film in Englisch für ein weltweites Publikum zu drehen. Und das taten sie dann auch.
Im Film stehen Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) im Mittelpunkt. Nach dem Tod ihres Sohnes im Krieg entschließen sie sich zum stillen Protest, indem sie in Berlin Postkarten auslegen. Ihnen auf der Spur ist Kommissar Escherich (Daniel Brühl).
Ergänzt wird dieser Krimiplot um zahlreiche Episoden aus dem Haus, die so ein Bild des Lebens in der Nazi-Diktatur entwerfen.
Man muss den gut siebenhundertseitigen Roman nicht kennen, um zu wissen, dass für den Film, der mit knapp hundert Minuten (ohne Abspann) eher kurz geraten ist, vieles aus dem Roman gestrichen wurde. Der Roman entfaltet ein breites Panorama der damaligen Zeit und der Bewohner des Mietshauses, in dem das Ehepaar Quangel lebt. Der Film erzählt dagegen vor allem eine Geschichte aus dem Haus. Außerdem endet der Film letztendlich mit der Verhaftung der Quangels, die im Roman in der aktuellen Ausgabe schon auf den Seiten 480 (er) und 491 (sie) ist. Der Roman endet in dieser Ausgabe auf Seite 668. Die Kürzungen fallen allerdings, solange man die Vorlage nicht kennt, nicht auf und allein schon das spricht für den Film und die Arbeit der Macher die eine Geschichte des stillen und gewaltlosen Widerstandes von zwei ganz normalen Leuten erzählen wollten.
Und das gelingt Pérez. Auch weil er sich auf Brendan Gleeson und Emma Thompson als Hauptdarsteller verlassen kann. Filmisch folgt „Jeder stirbt für sich allein“ dabei den Konventionen einer Romanverfilmung ohne eine wirklich eigene Handschrift. Es ist halt gediegenes Unterhaltungskino mit Anspruch und einer begrüßenswerten Botschaft.
Damit reiht sich „Jeder stirbt für sich allein“ in die von Fred Breinersdorfer geschriebene Widerstand-Trilogie ein, in der er mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Elser – Er hätte die Welt verändert“ und „Das Tagebuch der Anne Frank“ drei Schicksale junger Menschen aus der Nazi-Diktatur nah an der historischen Wahrheit erzählte (die von verschiedenen Regisseuren verfilmt wurden). Die Quangels sind dagegen schon älter. Alles ist deutlich gesetzter.
Weil die Verfilmung mit internationaler Besetzung für den internationalen Markt gemacht wurde, wird in der Originalfassung englisch gesprochen. Das führt, wie bei der le-Carré-Verfilmung „Marionetten“ (A most wanted man) für uns Deutsche zu der eher seltenen Situation, dass man die synchronisierte Version, in der auch etwas berlinert wird, bevorzugen sollte.
Falladas Roman kann man dann ja während der Weihnachtstage lesen.
Jeder stirbt für sich allein(Deutschland/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2016)
Regie: Vincent Pérez
Drehbuch: Achim von Borries, Vincent Pérez (in Zusammenarbeit mit Bettine von Borries)
LV: Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein, 1947
mit Emma Thompson, Brendan Gleeson, Daniel Brühl, Mikael Persbrandt, Katrin Pollitt, Lars Rudolph, Uwe Preuss
Lange stand ein zweiter Jack-Reacher-Film auf der Kippe.
Obwohl der erste Jack-Reacher-Film „Jack Reacher“ vor vier Jahren sein Geld mehr als einspielte. Im Presseheft wird ein weltweites Einspielergebnis von über 200 Millionen Dollar genannt und in den USA lag das Kinoeinspielergebnis auf dem Niveau der anderen Cruise-Einzelfime. Die „Mission: Impossible“-Filme spielen mehr ein und im Sommer 2018 gibt es einen sechsten „Mission: Impossible“-Film.
Obwohl Tom Cruise einen weiteren Reacher-Film drehen wollte.
Und obwohl es noch genug Jack-Reacher-Romane gibt, die man verfilmen könnte. Der 21. Jack-Reacher-Roman „Night School“ erschien in den USA am 7. November.
Der von Lee Child erfundene Charakter ist, für alle, die sonst nur Harry Potter lesen, ein Ex-Militärpolizist, der seit seinem Ausscheiden aus dem Militär durch die USA driftet, immer wieder Menschen, die er zufällig trifft, hilft und dabei einigen Bösewichtern das Handwerk legt. Er sucht zwar keinen Ärger, aber er hilft, wo es nötig ist. Die Romane sind Action-Thriller, die auch als politische Statements gelesen werden können. Aufgrund des Helden, der der archetypische Retter und edle Ritter im modernen Gewand ist, kann Lee Child sehr flexibel und frei entscheiden, welche Geschichten er wie erzählt. Und wo. Und, wie seine Romane aus Reachers Militärzeit zeigen, wie zuletzt „Night School“, auch wann. Solange Jack Reacher dabei ist, ist es ein Jack-Reacher-Roman.
„Jack Reacher: Kein Weg zurück“, die Verfilmung des 18. Reacher-Romans „Die Gejagten“ (Never go back, 2013), spielt in der Gegenwart.
Jack Reacher (Tom Cruise) besucht seinen ehemaligen Stützpunkt, um dort Major Susan Turner (Cobie Smulders), seine Nachfolgerin, die er bislang nur telefonisch kennt, zu treffen. In der Kaserne wird er von Colonel Morgan (Holt McCallany) wieder zurück in den aktiven Dienst versetzt und gleich mit mehreren Anklagen konfrontiert. So soll er der Vater einer pubertierenden Tochter sein.
Turner wurde einige Stunden vor seinem Auftauchen inhaftiert. Reacher ist überzeugt, dass die Anklage gegen sie falsch ist. Als auch Reacher mit einer ebenso falschen Mordanschuldigung in einem Militärgefängnis inhaftiert wird, ergreift er die Gelegenheit und befreit Turner. Gemeinsam flüchten sie vor den Männern, die sie tot sehen wollen, weil Turner während ihrer Arbeit auf illegale Geschäfte stieß, die von Teilen des Militärs und einer privaten Firma in Afghanistan getätigt werden.
Der Roman ist, wie man es von Lee Child kennt, ein echter Pageturner, in dem Jack Reacher und Susan Turner quer durch die USA reisen, versuchen Beweise für ihre Unschuld zu finden und, was das gute Recht eines Angeklagten ist, ihre Militäranwälte für ihre Zwecke ausnutzen.
Der Film nimmt sich bei der Romanhandlung im Detail und im Großen und Ganzen etliche Freiheiten. Dennoch unterscheidet sich letztendlich die Filmgeschichte gar nicht so sehr von der Romangeschichte und diese Interpretation der Geschichte ist eine schöne alternative Version der Romangeschichte. In jedem Fall gibt es, egal ob man zuerst das Buch liest oder den Film sieht, einige Überraschungen.
Im Film überwiegen allerdings die Action-Elemente, die angenehm altmodisch mit Fäusten, Schusswaffen und Autos erledigt werden. Vor allem Faustkämpfe, die dem Film eine angenehm realistische Atmosphäre verpassen. Denn Reacher, Turner und Reachers Vielleicht-Tochter Samantha (Danika Yarosh), die im Film wesentlich wichtiger als im Roman ist, sind auf der Flucht auf sich allein gestellt und sie müssen mit dem Arbeiten, was sie haben. Da gibt es keine Hightech-Gadgets, wie wir sie aus den „Mission: Impossible“ oder James-Bond-Filmen kennen, und auch keine perfekt funktionierende, weltweite Überwachung à la Jason Bourne.
Und, im Gegensatz zum Roman, gibt es im Film keine Liebesszene zwischen Reacher und Turner. Um nur noch einen weiteren Unterschied zu nennen, den ich äußerst gelungen finde.
Edward Zwick, der bislang noch keinen reinrassigen Action-Krimi erzählte, aber mit Action seine Erfahrung hat, inszenierte „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ stilistisch zwar etwas konservativer als Christopher McQuarrie „Jack Reacher“, aber flott, kurzweilig und mit viel vergnüglicher Old-School-Action sind beide Filme.
Da sollte es doch noch mindestens einen weiteren Jack-Reacher-Film geben. Auch weil das weltweite Einspiel für „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ bereits bei deutlich über 100 Millionen Dollar liegt.
Bis dahin gibt es ja die Romane von Lee Child, der im Film als Sicherheitsbeamter am Flughafen einen Miniauftritt hat.
Jack Reacher: Kein Weg zurück (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)
Regie: Edward Zwick
Drehbuch: Edward Zwick, Marshall Herskovitz, Richard Wenk
LV: Lee Child: Never go back, 2013 (Die Gejagten)
mit Tom Cruise, Cobie Smulders, Aldis Hodge, Danika Yarosh, Patrick Heusinger, Holt McCallany, Robert Knepper, Lee Child
Die letzte Meldung zum Drogenkrieg: Jeremy Douglas, der Asien-Pazifik-Vertreter der UN-Drogenbehörde UNODC sagte Ende Oktober: „Der Anti-Drogen-Krieg des vergangenen halben Jahrhunderts hat keine Resultate gebracht. Zahlen machen deutlich, dass die Lage schlimmer denn je ist.“
Wer wissen möchte, warum er scheiterte, findet unter anderem in der Serie „Narcos“ und dem Sachbuch „Narconomics“ Erklärungen.
„Narcos“, eine von Carlo Bernard, Chris Brancato und Doug Miro erfundene Netflix-Serie, erzählt die Geschichte des USA-Südamerikanischen Drogenkrieges seit den frühen Siebzigern bis, nun, wir werden sehen. In der ersten Staffel (die zweite ist bereits veröffentlicht, eine dritte und vierte Staffel sind bestellt) geht es um Pablos Escobar (1. Dezember 1949 – 2. Dezember 1993) und seinen Aufstieg. Die erste Staffel endet im Juli 1992, als Escobar aus dem Gefängnis „La Catedral“ (das er in jeder Beziehung nach seinen eigenen Wünschen gestaltete) in den Dschungel flüchtet. Escobars Gegner ist der DEA-Agent Steve Murphy, der sich Ende der siebziger Jahre von Florida nach Kolumbien versetzen lässt und der in den ersten acht von zehn Episoden mit seiner Erzählerstimme die sich durchgehend nah an der Realität bewegenden, kongenial verdichteten Ereignisse kommentiert. Murphys Freund und Vertrauter ist sein Partner Javier Peña, der in der Serie schon länger im Land ist. In Wirklichkeit kam Peña erst 1989 ins DEA-Büro in Bogotá (und einige der Fotos, die er damals schoss, sind in James Mollisons Bildband „Escobar – Der Drogenbaron“ veröffentlicht).
In den letzten beiden Episoden verändert sich dann das Erzähltempo von einem Scorsese-haftem Epos hin zur langsamen Erzählweise des Serienfernsehens, in dem es, auch wenn es einen oder mehrere folgenübergreifende Handlungsstränge gibt, pro Folge immer einen klar umrissenen ‚Konflikt der Woche‘ gibt und die Geschichte sich manchmal im Schneckentempo voranbewegt. Dieser Bruch markiert auch den Punkt, in dem Macher bemerkten, dass sie mit „Narcos“ wirklich eine Serie haben, die sie über mehrere Staffeln weitererzählen können.
Die erste Staffel von „Narcos“ ist furioses Fernsehen, das immer wieder wie eine Bebilderung von Don Winslows Südamerika-Romanen „Tage der Toten“ und „Das Kartell“ wirkt. Immerhin behandeln die Serie und die Romane den gleichen Krieg aus der nord- und südamerikanischen Perspektive und sie stellen in ihrer Jahrzehnte umspannenden Chronik nüchtern das vollständige Scheitern des von Präsident Nixon groß angekündigten „war on drugs“ fest: der Drogenkonsum nahm zu, die Preise stagnierten, die Gewalt eskalierte.
Die ersten beiden Folgen wurden von José Padilha, dem Regisseur von „Tropa de Elite“ und „Robocop“, inszeniert. Er legte damit den Grundton und das Erzählprinzip, das er „’Goodfellas‘ mit Archivmaterial“ nennt, fest. Für ihn war, wie er im Bonusmaterial erzählt, nur Wagner Moura, mit dem er bereits mehrfach zusammenarbeitete, als Pablo Escobar vorstellbar. Und Moura, der für die Rolle spanisch lernte, überzeugt als Escobar restlos.
Daher ist es auch sehr lobenswert, dass auch in der deutschen Synchronisation das Prinzip der Zweisprachigkeit beibehalten wurde und die Charaktere in ihrer Muttersprache, also englisch (bzw. deutsch) oder spanisch, sprechen. Für Netflix war diese Zweisprachigkeit nie ein Problem und auch aus ökonomischer Perspektive sogar erwünscht. Denn der spanischsprechende Markt ist groß. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Sprachen trägt auch zum Realismus der Serie bei.
Ein Problem der Serie ist allerdings, dass gerade bei den ersten acht Episoden die einzelnen Charaktere kaum ein Eigenleben entwickeln können, weil in einem atemlosen Reportage-Stil durch die Jahre gehetzt werden muss.
Ein anderes Problem ist, dass wirklich kein Charakter zur Identifikation einlädt. Letztendlich sind alle Arschlöcher, die, wenn es ihren Zielen dient, Gesetze brechen und Moral für eine Nebensache halten. Auch DEA-Agent Murphy macht da in der Serie eine Entwicklung durch. Sie ist am Ende der achten Episode, die den Kreis zur ersten Episode schließt, abgeschlossen.
Das Bonusmaterial ist mit drei Audiokommentaren, den Featurettes „The Colombian Connection“, „Establishing the Route“ und „The Language Barrier“ (insgesamt 45 Minuten) und knapp acht Minuten „Deleted Scenes“ durchaus umfangreich ausgefallen. Die informativen Featurettes konzentrieren sich auf die Serie und liefern Hintergründe zum Dreh vor Ort und der Zusammenarbeit mit Netflix. Allerdings wurde, aus was für idiotischen Gründen auch immer, durchgehend darauf verzichtet, die Namen und Funktionen der Interviewten einzublenden. So muss man sich während des Gesprächs zusammenreimen, wer spricht. Bei einigen findet man es nie heraus.
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„Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ von „Economist“-Journalist Tom Wainwright ist eine gute Ergänzung zu „Narcos“. Der ab 2010 jahrelang über Mittelamerika und die umliegenden Länder berichtende Journalist wagt eine aktuelle Bestandsaufnahme des Kampfes gegen die Drogen in Südamerika und den USA. Mit minimalen Ausflügen in andere Länder. In seinem Sachbuch zeichnet er den Weg der Drogen vom Anbau bis zum Verkauf an den Endkonsumenten nach. Dabei verbindet er Vor-Ort-Recherche mit umfassenderen Analysen und betrachtet das Drogengeschäft aus ökonomischer Perspektive. Also so, als wäre das Drogengeschäft ein ganz normales Geschäft, das sich von legalen Geschäften nur durch die beiden Buchstaben „i“ und „l“ unterscheidet. Mit dieser, zugegeben nicht besonders neuen Betrachtungsweise, die er auf die gesamte Lieferkette anwendet, führt er zu einer teilweise neuen Sicht des Drogengeschäftes und den damit zusammenhängenden Probleme, wie Kriminalität, zweifelhafte Produktqualität und den Kosten der Bekämpfung. Denn der gesamte, inzwischen seit Jahrzehnten geführte Kampf gegen die Drogen führte nicht zum Ziel. Im Gegenteil: es wird mehr konsumiert und der Straßenpreis (vulgo Endkundenpreis) für Drogen steigt nicht. Dagegen steigen, egal ob man sich nur auf die direkten oder auch die indirekten Kosten konzentriert, die Kosten der Bekämpfung.
Aus dem ökonomischen Blickwinkel wird auch deutlich, an welchen Punkten der Lieferkette man am besten eingreift: an der Grenze zur USA oder ziemlich direkt bei den Endkonsumenten. Dort ist das Produkt am teuersten. Der ökonomische Verlust für die Kartelle ist dort am höchsten.
Aus dem ökonomischen Blickwinkel wird auch deutlich, wie hoch die Kosten des erfolglosen Kampfes gegen die Drogen sind – und warum man die bisherige Politik ändern sollte. Folgerichtig fordert Wainwright ein Ende der Drogenprohibition, weil ein Verbot bei Drogen, wenn die Menschen sie konsumieren wollen, noch nie funktionierte. Das hatten die US-Amerikaner während der Alkoholprohibition schon erfahren müssen.
Eine überlegte Freigabe, Qualitätskontrolle, Besteuerung, vorausschauende Sozialpolitik, auch ein Umsteuern beim Umgang mit Inhaftierten (damit Gefängnisse nicht weiterhin Rekrutierungsorte für die Kartelle bleiben) und eine Produktion vor Ort würden vieles ändern. Der zunehmende Drogenhandel über das Internet hat schon jetzt, wie auch im normalen Handel, einiges geändert, weil die Vergleichsmöglichkeiten über die Qualität und den Preis des Produktes zunahmen. Außerdem war es noch nie wirklich sexy, aber abenteuerlich, sich in dunklen Gassen seinen Stoff zu besorgen.
Der Kollateralschaden einer solchen Politik wäre natürlich ein Ende Serien wie „Narcos“. Denn wer will schon normalen Kaufleuten bei ihrer stinklangweiligen Arbeit zusehen?
Narcos – Die komplette erste Staffel (Narcos, USA 2015)
Regie: José Padilha, Guillermo Navarro, Andi Balz, Fernando Coimbra
Drehbuch: Chris Brancato, Carlo Bernard, Doug Miro, Dana Calvo, Dana Ledoux Miller, Andy Black, Zach Calig, Allison Abner, Nick Schenk
Erfinder: Carlo Bernard, Chris Brancato, Doug Miro
mit Wagner Moura (Pablo Escobar), Boyd Holbrook (Steve Murphy), Pedro Pascal (Javier Peña), Paulina Gaitan (Tata Escobar), Juan Murcia (Juan Pablo Escobar), Raúl Méndez (César Gaviria), Jorge Monterrosa (Trujillo), Paulina García (Hermilda Gaviria), Diego Cataño (La Quica), Julián Díaz (Blackie), Joanna Christie (Connie Murphy), Danielle Kennedy (Botschafterin Noonan), Luis Guzmán (José Rodríguez Gacha)
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DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch/Spanisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making-of, Interviews mit Cast & Crew, Deleted Scenes, Audiokommentare
Tom Wainwright: Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen
(übersetzt von Henning Dedekind)
Blessing, 2016
352 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
How to run a Drug Cartel
PublicAffairs, Perseus Book Group, New York, 2016
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Bonushinweis
Wer zwischen der Realität und „Narcos“ vergleichen will, sollte sich James Mollisons „Escobar – Der Drogenbaron“ beschaffen. In der reich bebilderten Biographie kann man in die damalige Zeit eintauchen.
James Mollison (mit Rainbow Nelson): Escobar – Der Drogenbaron
Es hat verdammt lange gedauert, bis die hochgelobte Serie „Gotham Central“, die in den USA zwischen 2002 und 2006 erschien, auch ins Deutsche übersetzt wurde. Inzwischen sind die ersten vier Sammelbände erschienen, die etwas anders zusammengestellt sind als die US-Ausgaben und über die bis jetzt auf Deutsch erschienen Geschichten kann gesagt werden: Das Warten hat sich gelohnt.
Die Noir-Autoren Greg Rucka und Ed Brubaker hatten die Idee, Fälle aus dem normalen Polizeialltag in Gotham zu erzählen. Immerhin hat dort die Polizei einiges zu tun. Dummerweise holt immer wieder Batman die Kastanien aus dem Feuer und heimst das Lob der Öffentlichkeit ein, während die gesamte Polizei mal wieder als ein Haufen depperte Handlanger da steht. Gerade gut genug, um anschließend etwas aufzuräumen.
Im Auftaktband „In Erfüllung der Pflicht“ suchen die Detectives Marcus Driver, Renee Montoya und Chris Allen von der Abteilung für Schwerverbrechen (MCU) in der titelgebenden Geschichte Mr. Freeze, der einen ihrer Kollegen ermordete. In „Motiv“, der zweiten Geschichte des Sammelbandes, suchen Marcus Driver und Renee Montoya den Mörder eines entführten Mädchens.
Im zweiten „Gotham Central“-Band „Doppeltes Spiel“, der nur von Greg Rucka geschrieben ist, gibt es neben der langen Geschichte „Doppelleben“, die 2004 mit dem Eisner und Harvey Award ausgezeichnet wurde; zwei kürze Geschichten, die bereits vor den ersten „Gotham Central“-Geschichten in „Detective Comics # 747“ und „The Batman Chronicles 16 (1)“ erschienen und in denen die Polizistin Renee Montoya mitspielt. Sie ist auch in „Gotham Central“ einer der wichtigsten Charaktere. In „Beide Augen zu – Eine Geschichte zum Batman-Event ‚Niemandsland’“, rettet Montoya mit Ex-Staatsanwalt Harvey ‚Two-Face‘ Dent Verschüttete. In „Doppelte Glückwünsche“, erhält sie von einem unbekannten Verehrer Blumen.
In „Doppelleben“ (so der Titel der langen Geschichte) muss sich Renee Montoya mit den Beamten der „Abteilung für innere Angelegenheiten“ herumschlagen, sie wird als Lesbe geoutet und als Mörderin angeklagt. Und dabei soll sie auch noch ganz normale Polizeiarbeit machen.
Der dritte „Gotham Central“-Sammelband „Im Fadenkreuz des Jokers“ enthält die von Ed Brubaker geschriebene Ein-Heft-Geschichte „Tagträume“ (in der Stacy, die als zivile Angestellte das Bat-Signal bedient, einen Brief über ihre Arbeit und Träume schreibt) und, geschrieben von Ed Brubaker und Greg Rucka, die längere Geschichte „Leichte Opfer“ in der ein Scharfschütze im Vorweihnachtstrouble für Angst und Schrecken sorgt. Bei ihren Ermittlungen erfahren Renee Montoya und ihr Kollege Crispus Allen, dass der Joker dahinter steckt.
Der vierte „Gotham Central“-Sammelband enthält zwei längere Geschichten, die von Ed Brubaker und Greg Rucka separat geschrieben wurden und die am nächsten an einer normalen Polizeigeschichte sind. Auch wenn die Huntress einen Miniauftritt hat, der Verbrecherboss Pinguin einmal zusammengeschlagen wird und der in der Irrenanstalt Arkham Asylum sitzende Mad Hatter eine wichtige Rolle bei einer Ermittlung hat. Oh, und Batman tritt überhaupt nicht auf. Die Cops der MCU dürfen hier endlich einmal ganz normale Polizeiarbeit machen. Soweit das in Gotham möglich ist.
In „Das Leben ist voller Enttäuschungen“ müssen die Ermittler den Mord an einer Buchhalterin aufklären. Nachdem ihr erster Verdächtiger, ein Taxifahrer, als Täter ausscheidet, konzentrieren sich ihre Ermittlungen auf Washburn Pharma, den Arbeitgeber der Toten. Denn dort wurde noch eine weitere Buchhalterin vergiftet.
In „Ein ungelöster Fall“ bringt sich Kenny Booker während einer Geiselnahme um. Er behauptet, vor fast acht Jahren hätten Stimmen in seinem Kopf ihm befohlen sein Baseball-Team zu töten. Detective Marcus Driver nimmt die Ermittlungen wieder auf. Gleichzeitig versucht der pensionierte, zur ganz alten Schule gehörende Detective Harvey Bullock den Fall immer noch zu lösen.
Diese Fälle aus dem großstädtischen Polizeialltag sind ein schönster Mix aus Noir und Hardboiled-Polizeikrimi, gut erzählt und atmosphärisch gezeichnet von dem Hauptzeichner Michael Lark und Jason Pearson (The Batman Chronicles # 16 [1)), Steve Mitchell (Detective Comics # 747), Brian Hurt (Gotham Central # 11) und Greg Scott (Gotham Central # 16-18).
Die Sammelbände können unabhängig voneinander gelesen werden. Es gibt zwar immer wieder einige Hinweise auf frühere Ereignisse, aber diese sind eher ein Nebensatz oder eine kurze Szene in einer spannenden Geschichte als ein eigenständiger, unverständlicher Handlungsstrang. Allerdings wird man nach der Lektüre des ersten Falles der MCU auch deren anderen Fälle lesen wollen – und danach ungeduldig auf die nächste „Gotham Central“-Geschichte warten. Einige kann Panini ja noch übersetzen.
Greg Rucka/Ed Brubaker: Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2016
172 Seiten
16,99 Euro
–
enthält
Gotham Central # 16 – 22
DC Comics
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Greg Rucka/Ed Brubaker: Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2016
124 Seiten
14,99 Euro
–
enthält
Gotham Central # 11 – 15
DC Comics
Greg Rucka/Michael Lark: Gotham Central: Doppeltes Spiel (Band 2)
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2015
172 Seiten
16,99 Euro
–
enthält
Gotham Central #6 – 12
The Batman Chronicles # 16 (1)
Detective Comics # 747
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Ed Brubaker/Greg Rucka: Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)
Damals war der Fall eine Boulevardsensation, der alles hatte, was ein deftiger Hollywoodthriller benötigt. Aber seltsamerweise wurde der Fall bislang noch nicht zu einem Spielfilm verarbeitet und jetzt, nach mehreren US-TV-Dokumentationen, gibt es eine spielfilmlange Dokumentation darüber. In „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ zeichnen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Geschichte von Jens Söring und Elisabeth Haysom nach.
Im August 1984 lernt der am 1. August 1966 in Thailand geborene deutsche Diplomatensohn und Hochbegabtenstipendiat Jens Söring auf dem Orientierungsabend der Universität von Virginia Elizabeth Roxanne Hawson, die am 15. April 1964 geborene Tochter eines Stahlbarons kennen. Sie verlieben sich.
Am 30. März 1985 werden die Eltern von Elizabeth, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet.
Elizabeth Haysom und Jens Söring, die zunächst nicht verdächtigt werden, flüchten nach Thailand und Europa, wo sie am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs verhaftet werden. Bei den Verhören gestehen sie die Tat. Später widerrufen sie ihre Geständnisse.
1990 wird Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu neunzig Jahren verurteilt. Söring wird am 4. September 1990 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.
Damit könnte die Geschichte enden, wenn Söring nicht seitdem um seine Freilassung kämpfen würde. Er behauptet, an dem Doppelmord nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern, nachdem Haysom ihm den Doppelmord gestanden hatte, beschloss, ihr mit einem Geständnis zu helfen. Er dachte, dass er als Diplomatensohn diplomatische Immunität genieße und höchstens für einige Jahre in den Jugendknast kommen könne. Das war ihm seine große Liebe wert.
Es gab auch während des Verfahrens, wie „Das Versprechen“ zeigt, Probleme und Merkwürdigkeiten, wie ein Richter, der schon vor dem Prozess von Sörings Schuld überzeugt war, ein spurlos verschwundenes FBI-Täterprofil, das Söring entlastet und Experten, die zu Themen aussagten, von denen sie keine Ahnung hatten.
Seitdem gab es auch einen Zeugen, der Haysom mit einen anderen Mann in einem blutverschmiertem Auto gesehen haben will. Und, das dürfte der wichtigste Punk für eine immer noch nicht erfolgte Neuaufnahme des Verfahrens sein, keine DNA-Blutspuren von Söring am Tatort. Dafür seien die Spuren einer anderen, nicht identifizierten Person gefunden worden.
Das alles und noch viel mehr (so war Haysom drogenabhängig und behauptete von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein) dröseln Vetter und Steinberger in ihrem zweistündigem, niemals langweilig werdendem Film auf, der sich auch als Plädoyer für Jens Söring, an dessen Unschuld sie glauben, versteht. Auch die im Film befragten Personen glauben an Sörings Unschuld. Söring, der auch zu Wort kommt, beteuert sie ebenfalls. Die andere Seite, Elizabeth Haysom und die Ankläger kommen dagegen nicht zu Wort. Sie verweigerten Interviews.
Weil die beiden Filmemacher sachlich und schlüssig argumentieren und die neuen Fakten die offizielle Version fraglich erscheinen lassen, ist die Forderung nach einer Neuaufnahme des Verfahrens in jedem Fall gerechtfertigt. Es spricht auch einiges dafür, dass Söring als über beide Ohren verliebter Pennäler die Tat gestand, um seiner Freundin zu imponieren. Wie sehr sie ihn benutzte, ist dagegen unklar.
Insofern ist „Das Versprechen“, wenn man sie mit der gebotenen Skepsis ansieht, sehenswert.
Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)
Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger
Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger
mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield
und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl
Länge: 124 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Zum Lesen
Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb
Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe
(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)
(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)
Jeden Wochentag fährt Rachel im Pendlerzug nach London (im Film New York) und beobachtet dabei ein verliebtes Paar in einem lauschigen Vorstadthaus. Sie malt sich in den rosigsten Farben deren glückliches und erfülltes Leben aus.
Eines Tages beobachtet sie Megan beim Sex mit einem anderen Mann. Rachel ist schockiert, dass ihre Seifenblasen über das glückliche Eheleben von Megan und Scott zerplatzen.
Kurz darauf ist Megan spurlos verschwunden – und Rachel wacht in ihrem Bett mit einem Riesenkater, Verletzungen und einem Blackout auf.
Vor dem Film meinte ich, ohne das Buch zu kennen und ohne die Synopse genau studiert zu haben, zu einem Kumpel, die Lösung sei offensichtlich und nannte den Bösewicht, der es dann auch war.
Nach dem Film grummelte ich „typische missratene Bestseller-Verfilmung, die zu nah am Buch bleibt“. Und dabei hatte Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson doch versucht aus einer Charakterstudie einen Thriller zu machen. Sie änderte auch etliche Details in der Geschichte.
Aber sie übernahm, anstatt beherzt und nach Lust und Laune die Romangeschichte so lange zu ändern, bis eine mitreisende Filmgeschichte entsteht, die Struktur des Romans, die im Roman besser als auf der Leinwand funktioniert. Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Rachel Watson (Emily Blunt), Megan Hipwell (Haley Bennett) und Anna Watson (Rebecca Ferguson) erzählt. In der Gegenwart und der Vergangenheit. Und, bei Rachel, mit einigen Flashbacks, die mehr oder weniger wahr sind. Man ist also, auch wenn im Film immer wieder die Handlungszeit eingeblendet wird, mehr mit dem Auseinanderfriemeln der verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven, als mit dem Sich-Einlassen in die Geschichte beschäftigt. Dass Megan und Anna, wie im Roman, zwei gutaussehende, schlanke, gleichaltrige Blondinen sind, sorgt immer wieder für kurzzeitige Irritationen, in denen man sich fragt, ob man jetzt gerade Megan oder Anna in der Gegenwart oder der Vergangenheit sieht. Entsprechend distanziert und gelangweilt folgt man den durchschaubaren Geschehnissen auf der Leinwand, die Tate Taylor („The Help“, „Get on Up“) reichlich uninspiriert in Richtung austauschbarer ‚TV-Film der Woche für weibliche Zuschauer‘ inszenierte. Für die Frauen im Publikum gibt es dann auch mehrere Identifikationsangebote.
Da ist Rachel, eine schon seit Langem arbeitslose Alkoholikerin, die immer noch ihrer Ehe mit Tom Watson (Justin Theroux) hinterhertrauert, ihren Erinnerungen nicht trauen kann und die versucht, zu helfen. Denn selbstverständlich muss der Liebhaber, den sie auf der Terrasse gesehen hat, der Mörder sein. Nur: wen hat sie wirklich auf der Terrasse beim Sex mit Megan gesehen? Und woher kommen die Verletzungen, die sie sich an dem Abend als Megan verschwand zufügte oder ihr zugefügt wurden?
Da ist Megan, die verschwundene Frau, die unter dem Kontrollwahn von ihrem Mann Scott (Luke Evans) leidet und bei einem Psychiater (Edgar Ramírez) war, den sie bei den Sitzungen versuchte, zu verführen. Außerdem arbeitete sie kurz als Babysitterin bei den Watsons.
Und da ist Anna, die jetzige Frau von Tom, die ihm das Kind schenkte, das Rachel ihm nicht schenken konnte. Sie ist verärgert über Rachels ständige SMS-Nachrichten und nächtlichen Anrufe.
Weil die Polizei keine Hinweise auf Megans Liebhaber findet, richtet sich ihr Interesse schnell auf Rachel, die sich ungefragt, mit oft falschen Angaben, in die Ermittlungen einmischt. Ungefähr ebensoschnell können wir uns ausrechnen, wer der Täter ist. Auch wenn die drei Damen, die im Roman alle unzuverlässige Ich-Erzählerinnen sind, noch ein, zwei weitere Geheimnisse haben.
Für mich sind diese Krimischmonzetten, die auch als Romantic-Thriller beworben werden und in denen es nur um die Probleme der labilen Protagonistin mit ihrem Traummann geht, nichts. Dabei fehlen im Roman sogar die wenigen Spannungsmomente des Films. Hawkins‘ enorm erfolgreicher Bestseller, weltweit 15 Millionen verkaufte Exemplare und der am schnellsten verkaufte Roman für Erwachsene in der Geschichte, ist vor allem eine langweilige Charakterstudie dreier einsamer, in der Vorstadt lebender, gut situierter, junger Frauen.
Girl on the Train (Girl on the Train, USA 2016)
Regie: Tate Taylor
Drehbuch: Erin Cressida Wilson
LV: Paula Hawkins: Girl on the Train, 2015 (Girl on the Train)
mit Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Allison Janney, Edgar Ramírez, Lisa Kudrow, Laura Prepon, Darren Goldstein
Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.
Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.
Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.
„Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)
„The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.
Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.
Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.
Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.
Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.
Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.
Beim zweiten Ansehen, und auch nach der Lektüre von Charles Ardais Filmroman (der einiges umstellte, was die Story nachvollziehbarer und nacherzählbarer macht, aber den lakonischen Humor des Films vermissen lässt), fällt auf, wie gut die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern, also Russell Crowe, Ryan Gosling und seiner Filmtochter Angourie Rice ist. Das kann einfach nicht in einen Roman (der nicht übersetzt wurde und der auch nie übersetzt wird) übertragen werden. Dazu kommen im Film feinste Retro-Optik, knackiger Seventies-Soul, glänzend aufgelegte Schauspieler, die alle ihre unvergesslichen Auftritt haben und lakonische Einzeiler. „The Nice Guys“ ist eine wundervoll kurzweilige Liebeserklärung an das Privatdetektiv-Genre.
Im Bonusmaterial erfährt man zwar ein, zwei interessante Details (vor allem in dem Featurette „Die schlechtesten Detektive aller Zeiten. Making The Nice Guys“), aber insgesamt sind die zwei Featurettes (insgesamt knapp zwölf Minuten) und die Interviews mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Kim Basinger, Matt Bomer und Margaret Qualey (insgesamt ebenfalls knapp zwölf Minuten) enttäuschend.
Oh, und es gibt insgesamt sieben Trailer zum Film.
The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard
Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.
Schon in der „Karibischen Affäre“ musste Miss Marple in der Karibik einen Mord aufklären und in einem gewissen Rahmen hat sich seitdem bis zum „Death in Paradise“ wenig bis nichts verändert. In der enorm erfolgreichen BBC-Serie (nach Zuschauerzahlen und internationalen Verkäufen) muss ein britischer Polizist auf der Karibikinsel Saint Marie Morde aufklären, die immer klassische Locked-Room Mysteries sind. Auch wenn der geschlossene Raum eine Holzhütte oder ein Swimmingpool ist. In jedem Fall haben die Verdächtigen ein bombenfestes Alibi. Bis Detective Inspector Humphrey Goodman (Kris Marshall) mit seinen Ermittlungen beginnt. Er ist ein leicht schusseliger, immer wie ein in die Höhe geschossener Lausbub wirkender Junge. Mit dem Beginn der dritten Staffel übernahm er die Position seines Vorgängers Richard Poole (Ben Miller), der wirklich die Inkarnation des steifen, auf Etikette bedachten Briten war. Goodman klärte damals den Mord auf und wurde zu seinem Nachfolger.
Und genau wie sein Vorgänger versammelt Goodman am Ende jedes Mordfalls die Verdächtigen in einem Raum und erklärt uns, wer warum der Mörder ist.
Die vierte „Death in Paradise“-Staffel, die jetzt auf DVD erschien, ist vor allem von Veränderungen im Team gezeichnet. Am Ende der dritten Staffel verließ Fidel Best (Gary Carr), der junge Streifenpolizist, das Team. Wegen seiner Karriere. Er wird in der ersten Folge der neuen Staffel von Florence Cassell (Joséphine Jobert) ersetzt.
Am Ende der vierten Episode verabschiedet sich Camille Bordey (Sara Martins) aus dem Team. Sie will wieder in Paris undercover arbeiten und ihr Chef, DI Goodman, stimmt nach langem Zögern der Versetzung zu. Auch weil er in sie verliebt ist. Florence Cassell zieht die Uniform aus und nimmt, drehbuchtechnisch nicht besonders geschickt gelöst, Camille Bordeys Position ein.
Ihr uniformierter Nachfolger wird J. P. Hooper (Tobi Bakare), der ein wenig wie eine unbeholfene Version von Fidel wirkt. Aber das liegt auch an seiner mangelnden Berufserfahrung.
Nur Officer Dwayne Myers (Danny John-Jules) ist von Anfang an dabei und er bringt, nachdem der alte Schwerenöter zunächst Cassell beeindrucken wollte, Hooper alles das bei, was ein richtiger Karibik-Polizist für die Arbeit benötigt.
All die personellen Veränderungen veränderten allerdings nicht die bekannt-bewährten Grundpfeiler der Serie. Die Fälle sind immer noch unblutige, traditionelle Rätselkrimis, die mit einem humoristischen Unterton und einem Blick für die Insellandschaft (gedreht wird auf Guadeloupe) präsentiert werden.
Dieses Mal müssen Goodman und sein Team wieder acht verzwickte Fälle aufklären. So wird während einer Séance ein Teilnehmer ermordet, während die Verdächtigen sich an den Händen festhielten. Ein Surflehrer wird in seiner Hütte erschossen. Aber im Sand um die Hütte sind keine Fußspuren zu finden. Der Chef des Heimatvereins von Saint Marie wird vergiftet. Seltsamerweise haben die anderen Mitglieder des Heimatvereins, die das gleiche Essen aßen, die Mahlzeit ohne große Probleme überlebt. Während eines Junggesellinnenabschieds wird die Braut ermordet. Verdächtig sind ihre Brautjungfern. Während der Aufnahmen für eine neue CD stirbt der Sänger der Band im Swimmingpool, während die potentiellen Täter nebenan im Aufnahmestudio waren. Kurz vor dem Finale eines Volleyballturniers wird eine der Spielerinnen ermordet – und Humphrey Goodman hat einen seiner wenigen Fällen, in denen Opfer und Täter unter den Einheimischen zu finden sind.
Während eines Teambuilding-Kurses wird die äußerst unbeliebte Chefin eines Online-Reisebüros gleich zweimal ermordet. Wahrscheinlich von einem ihrer Angestellten.
In dem achten und letzten Fall der vierten „Death in Paradise“-Staffel wird im Gerichtsgebäude in der gut gesicherten und bewachten Zelle ein Mordverdächtiger ermordet.
Wem die vorherigen Staffeln, vor allem die dritte, gefallen haben, dem wird auch die vierte Staffel der harmlosen, aber vergnüglichen Krimiserie „Death in Paradise“ gefallen.
Und es gibt Nachschub. Anfang 2017 zeigt BBC One die sechste Staffel.
Währenddessen, eine Insel weiter, herrschen „Schweinezeiten“ und die bedienen den geneigten Krimifan mit all den Dingen, die es in „Death in Paradise“ nicht gibt.
Im Mittelpunkt steht Inspektor Dieuswalwe Azémar, ein Trinker, der regelmäßig die Dienstvorschriften ignoriert. Auf den ersten Seiten des Romans (der für Stephen King noch nicht einmal ein halber Kurzroman ist) hilft Azémar einer Freundin ihre kranke Tochter aus den Händen eines Bòkò, ein Magier, der auch schwarze Magie praktiziert, zu holen, indem er ihn und seine Gefährten erschießt.
Kurz darauf bittet ihn sein ehemaliger Kollege, Wachtmeister Colin, um Hilfe. Eines seiner Probleme ist, dass sich sein Kopf in einen Schweinekopf verwandelt. Seine anderen Probleme haben eher weltliche Gründe.
Als, was relativ spät im Roman geschieht, aber im Klappentext verraten wird, die Kirche vom Blut der Apostel, eine neu gegründete Sekte mit Beziehungen in die USA, Azémars von ihm über alles geliebte Tochter Mireya opfern will, will er das verhindern.
„Schweinezeiten“ von Gary Victor ist kein Fantasy-Roman, sondern ein Kriminalroman, in dem übernatürliche Dinge einfach zum way of life von Haiti gehören, die Polizei korrupt und das Land ein Selbstbedienungsladen für Einheimische und Ausländer ist. Eine stringente Geschichte entwickelt sich aus dem Meer von Rückblenden und Einzelepisoden kaum. Denn die Episoden und die sich daraus entwickelnden Erzählstränge sind über eine lange Lesezeit nicht miteinander verknüpft. Stattdessen zeichnet Gary Victor ein impressionistisches Bild des Lebens auf der Insel, das mich niemals wirklich begeisterte.
Death in Paradise – Staffel 4 (Death in Paradise – Season 4, Großbritannien/Frankreich 2015)
Erfinder: Robert Thorogood
mit Kris Marshall (DI Humphrey Goodman), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Officer Dwayne Myers), Joséphine Jobert (Florence Cassell), Tobi Bakare (J. P. Hooper), Don Warrington (Commissioner Selwyn Patterson), Élisabeth Bourgine (Catherine)
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DVD
edel:motion
Bild: 1,78:1 (PAL 16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 417 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Die aktuellen perfekten Verbrechen, die doch nicht so perfekt sind:
Der Mann, den es nicht gab (Stab in the Dark)
Regie: Richard Signy
Drehbuch: Robert Thorogood
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Mord gegen Liebe (Hidden Secrets)
Regie: Richard Signy
Drehbuch: Simon Winstone
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Ein bitterer Nachgeschmack (Damned if you do)
Regie. David O’Neill
Drehbuch: Tom Higgins
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Im Schein der Kerze (Until Death do your part)
Regie: David O’Neill
Drehbuch: Rebecca Wojciechowski
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Eine lange Reise (Swimming in Murder)
Regie: Paul Murphy
Drehbuch: Ian Kershaw
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Falscher Ehrgeiz (The perfect Murder)
Regie: Paul Murphy
Drehbuch: Mark Brotherhood
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Doppelmord der anderen Art (She was murdered twice)
Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.
Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.
Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen
Vor einigen Tagen erschien „Mind Control“, der dritte Roman mit Ex-Detective Bill Hodges. Dieses Mal vermutet er, dass der im Wachkoma liegende Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker, für eine Selbstmordepidemie verantwortlich ist.
Das klingt doch übernatürlich spannend.
Für seinen ersten Hodges-Roman „Mr. Mercedes“ erhielt King seinen ersten Edgar- und Daggar-Krimipreis. Der zweite Hodges-Roman „Finderlohn“ war für den Dagger-Preis nominiert.
Eine TV-Verfilmung von „Mr. Mercedes“ mit Brendan Gleeson als Bill Hodges ist in Arbeit.
Bis dahin kann man die neu durchgesehene Neuausgabe von „Vier nach Mitternacht“ studieren. Auf dem Cover steht „Vier Kurzromane“ und das ist, wie wir es von Stephen King kennen, ein minderschwerer Fall von Etikettenschwindel. Denn die „Kurzromane“ kommen auf 1136 Seiten. Klein gedruckt. Anders gesagt: andere Autoren würden kurz auf die Silbe „kurz“ verzichten und niemand würde meckern. Auch der Verlag sah es so. Denn die in „Vier nach Mitternacht“ enthaltenen Geschichten erschien früher als „Langoliers“ und „Nachts“. Jetzt sind „Langoliers“ (verfilmt als TV-Zweiteiler), „Das heimliche Fenster, der heimliche Garten“ (verfilmt von David Koepp mit Johnny Depp als „Das geheime Fenster“), „Der Bibliothekspolizist“ und „Zeitraffer“ in einem Buch erschienen. Wie in den USA.
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Stephen King: Mind Control
(übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)
Heyne, 2016
528 Seiten
22,99 Euro
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Originalausgabe
End of Watch
Scribner, New York, 2016
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Stephen King: Vier nach Mitternacht – Vier Kurzromane
Wenn man durch Ransom Riggs‘ Debütroman „Die Insel der besonderen Kinder“ blättert und sich die vor Jahrzehnten entstandenen, von Riggs auf Flohmärkten gesammelten Bilder ansieht, glaubt man, Bilder aus einem Tim-Burton-Film vor sich zu haben – und Tim Burton verfilmte jetzt auch den Roman, der bis auf das Ende der Vorlage ziemlich genau folgt. Der dritte Akt fällt im Film wesentlich pompöser als im Roman aus.
Als Kind lauschte Jake fasziniert seinem Großvater Abraham und seinen abenteuerlichen Erzählungen von einer Insel mit besonderen Kindern und seinen Kämpfen gegen Monster lauschte. Aber das – schwebende Mädchen, ein unsichtbarer Junge, ein Junge, aus dessen Mund, wenn er ihn öffnet, Bienen fliegen – sind nur Gute-Nacht-Geschichten, die Großvater Abraham mit Vintage-Fotos illustrierte.
Als Jake ein Teenager ist, wird Abraham ermordet. Offiziell wurde er von einem Rudel Hunde getötet, aber Jake sah die Monster. Allerdings hat nur er die Monster gesehen. Kurz darauf erhält er eine mysteriöse Nachricht und er macht sich, begleitet von seinem Vater, einem Vogelbeobachter, auf den Weg nach Cairnholm Island, der walisischen Insel, auf der Abraham während des Zweiten Weltkriegs als Flüchtling einige Zeit in einem Kinderheim war. Und dort trifft Jake in einer Zeitschleife, die immer wieder einen Kriegstag wiederholt, all die Kinder, von denen Abraham ihm erzählte, und die Schulleiterin, Miss Peregrine, die sich – und das ist eine ihrer besonderen Fähigkeiten – in einen Wanderfalken (Falco Peregrinus) verwandeln kann. Eine andere Fähigkeit von ihr ist, dass sie eine Zeitschleife, die eine kleine Verbindung zur Außenwelt und Gegenwart hat, einrichten und so die Kinder vor Gefahren schützen kann.
Riggs‘ Roman, selbstverständlich der Beginn einer Trilogie, dessen letzter Band im November als „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ bei Knaur erscheint, ist ein Fantasy-Roman für Jugendliche, geschrieben mit überschaubaren literarischen Ambitionen und einer überschaubaren Spannungskurve. Das und dass sich alles recht langsam entwickelt (so betritt Jacob erst auf Seiten 80 die Insel und erst auf Seite 172, nachdem er einige Seiten vorher von den besonderen Kindern geschnappt wurde, trifft er Headmistress Peregrine) ist in dem Roman nicht so nachteilig.
Aber in dem Film fällt dann auf, dass es ewig dauert, bis Jacob mit seinem Vater Florida verlässt und nach England fliegt. Dort trifft er zwar ziemlich schnell auf Miss Peregrine und ihre besonderen Kinder, aber weil ihre Charakterisierung niemals tiefer als ihre besondere Fähigkeit geht (Wie oft müssen wir den Unsichtbaren sehen? Wie oft muss Fiona Pflanzen wachsen lassen? Wie oft muss Emma schwerelos gen Himmel schweben, bis wir ihre Fähigkeit verstanden haben?), langweilt dieser Teil schnell. Es gibt einfach keinen Konflikt. Alles spielt sich in einer Bilderbuchidylle ab. Nie ist der typische bizarre und schwarze Humor von Burton spürbar. Nie gibt es einen irgendwie produktiven oder verstörenden Austausch zwischen der normalen Welt und den besonderen Kindern. Auch Jakob, der anfangs behauptet, keine besonderen Fähigkeiten zu haben, nimmt die Fähigkeiten der besonderen Kinder und ihrer Betreuerin als gottgegeben hin. Er staunt noch nicht einmal eine Zehntelsekunde, dass die Fotografien seines Großvaters keine Fälschungen waren.
Und beim großen Finale, wenn dann endlich die Bösewichter auftauchen, die sich vorher gut versteckten, scheint Tim Burton sein Storyboard an die CGI-Abteilung mit dem Kommentar „macht mal, wird schon passen“ abgegeben zu haben. Dabei waren gerade in früheren Tim-Burton-Filmen die liebevoll animierten oder mit Puppen in Stop-Motion-Technik nachgestellten Monsterszenen unvergessliche Höhepunkte.
Die namhaften Schauspieler bleiben durchgehend blass. Nur Samuel L. Jackson als Bösewicht Barron hat einen eindrucksvollen Auftritt. Allerdings erst im Finale. Bis dahin tritt er, abgesehen von einem kurzen Moment am Filmanfang, nicht auf.
Die Musik plätschert ohne irgendeinen Eindruck zu hinterlassen vor sich hin. Sie ist auch nicht von Burton-Hauskomponist Danny Elfman, sondern von Michael Higham und Matthew Margeson.
Damit bleibt Tim Burton zwar der Vorlage treu, aber für diesen seelenlosen Film hätte man keinen Tim Burton gebraucht, der uns zuletzt mit „Frankenweenie“ in eine andere Welt entführte und in „Big Eyes“ sogar dem Fünfziger-Jahre-Amerika mild absurde Seiten abgewann.
„Die Insel der besonderen Kinder“ ist da nur Malen nach Zahlen. Daran ändert auch das so entstandene farbenprächtige Bild nichts.
Die Insel der besonderen Kinder(Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman
LV: Ransom Riggs: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, 2011 (Die Insel der besonderen Kinder)
mit Eva Green, Asa Butterfield, Samuel L. Jackson, Judi Dench, Rupert Everett, Allison Janney, Chris O’Dowd, Terence Stamp, Ella Purnell, Finlay MacMillan, Lauren McCrostie, Hayden Keeler-Stone, Georgia Pemberton, Milo Parker, Raffiella Chapman, Pixie Davies, Joseph Odwell, Thomas Odwell, Cameron King, Louis Davison, Kim Dickens, O-Lan Jones
Nach zwei Seiten Prolog beginnt Horst Eckerts neuer Polit-Thriller „Wolfsspinne“ 2011 in Eisenach. Genaugenommen am 4. November und – genau, richtig erinnert – damals wurde das NSU-Trio enttarnt. Zwei Mitglieder brachten sich um. Eines steht in München vor Gericht. Seitdem deckten mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse erschreckende Schlampereien, Ignoranz und Vertuschungen bei der Polizei und den Geheimdiensten auf.
Horst Eckert liefert jetzt eine alternative Erklärung für die damaligen Ereignisse, die nicht unwahrscheinlich ist, und spinnt sie in die Gegenwart, nach Düsseldorf im November/Dezember 2015 fort.
Dort wird die Lokalbesitzerin Melli Franck ermordet. Anscheinend war es ein Überfall, der schief ging. Der bereits aus Eckerts vorherigen beiden Romanen „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“ vertraute Kommissar Vincent Veih beginnt mit seinem Team zu ermitteln.
Gleichzeitig muss er sich mit einem Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt beschäftigen. Er geriet als Teilnehmer bei einer Demonstration in einen Streit mit Nazis und Polizisten. Seine Kollegen behaupten, die Aggression sei von ihm ausgegangen.
Zur gleichen Zeit ist Ronny Vogt als Verdeckter Ermittler des LKA in die Drogenszene eingeschleust worden. Allerdings hat der zu überführende Drogenhändler Beziehungen zu rechtsextremen Kreisen. Vogt hatte vor Jahren undercover Kontakt zur NSU. Sein jetziger und damaliger Führer möchte deshalb, dass er sich auch in den rechtsextremen Kreisen umhört.
Und Marie Conrath, die Freundin der Toten, entdeckt während ihrer Arbeit bei Franck Development Dokumente, die den Kredit von ihrem Chef an die Ermordete in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Diese Plots, bei denen lange nicht erkennbar ist, wie sie zusammengehören, laufen über weite Strecken des Romans parallel. Erst gegen Ende, wenn die Rechtsextremisten einen Anschlag verüben wollen, verknüpft Horst Eckert sie miteinander.
Bis dahin zeichnet er ein allzu realistisches, die bekannten Fakten höchst notdürftig verhüllendes Bild eines Deutschland, das mit Nazis, Ausländerhass und der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Nazis beschäftigt ist. Das kennt man aus den verschiedenen Berichten über den NSU und den täglichen Schlagzeilen, wird hier aber zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefügt. Das kennt man schon aus Horst Eckerts vorherigen Polizeiromanen. Der Rätselplot wird dieses Mal zunehmend unwichtig. Letztendlich ist es egal, wer die Restaurantbesitzerin ermordete. Wichtiger sind die Entwicklungen, die durch ihren Tod angestoßen werden.
Veih ist, und das wird in den drei Polit-Thrillern mit ihm als Protagonisten immer deutlicher, eine Allegorie für Deutschland und die politischen Irrwege Deutschlands in den letzten hundert Jahren. Veihs Mutter ist eine politisch immer noch engagierte ehemalige Linksterroristin. Sein verstorbener Großvater war ein Nazi-Polizist, der ihn aufzog, während die Mutter Bomben warf und im Gefängnis saß.
Veihs Mutter ist dieses Mal glücklicherweise weniger präsent als in den vorherigen Romanen und nicht in den Fall involviert. Aber – und das ist auf die Dauer ein Konstruktionsmangel der Veih-Romane – Veih kennt Vogt von einem Verwandtenbesuch in der DDR als es sie noch gab und damit ist Veih, wieder einmal, familiär in den Fall involviert.
Aber nachdem Veihs Vergangenheit in den vorherigen Veih-Romanen als Teil des Krimiplots immer weiter ausgeleuchtet wurde, hat diese Beziehung zwischen Veih und Vogt eher anekdotischen Wert.
Trotzdem sollte Eckert Veih in den kommenden Veih-Romanen eine Weiterentwicklung gestatten, indem er ihn aus seinen Erfahrungen etwas lernen lässt, er sich verändert, seine Familiengeschichte anders betrachtet und er damit seine Überzeugungen und Beziehungen mehr oder weniger radikal überdenkt. Denn das was Veih in „Wolfsspinne“ entdeckt, sollte ihn, auch nach den Erlebnissen in „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“, verändern.
Mit diesem Problem musste Horst Eckert sich in seinen vorherigen Polizeiromanen nicht beschäftigen, weil er für jeden Roman einen neuen Protagonisten auswählte und ihn auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickte, die ihn veränderte. In den nächsten Romanen war er dann, falls überhaupt, nur ein Teil des Ensembles vertrauter Charaktere, die in der Polizeistation arbeiteten. Auch in „Wolfsspinne“ trifft der langjährige Eckert-Fan auf einige alten Bekannte.
Kate O’Hare und Nick Fox sind zurück. Dieses Mal sollen sie einen skrupellosen Geldwäscher überführen. Allerdings ist Fox kein Polizist, sondern ein international gesuchter Trickbetrüger, der vom FBI erpresst wird, Verbrecher zu jagen, weil bestimmte Aufgaben besser außerhalb der normalen Dienstvorschriften erledigt werden können. Sein Aufpasser ist Kate O’Hare, eine FBI-Agentin, die ihn jahrelang fanatisch verfolgte und daher entsprechend gut kennt.
Gut, diese Figurenkonstellation ist nicht unbedingt neu. Die TV-Serie „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ ist die Blaupause für die von Janet Evanovich und Lee Goldberg geschriebene Serie. „Remington Steele“ wilderte in ähnlichen Gewässern. Denn selbstverständlich verlieben sich Kate und Nick ineinander und Janet Evanovich, die Erfinderin von Stephanie Plum, und Lee Goldberg, der Autor der „Monk“-Romane, schlagen bei ihren gemeinsamen Erzählungen einen leichten und humorvollen Ton an, der an die genannten TV-Serien (und einige andere) erinnert. „Schüsse, die von Herzen kommen“ ist, neben zwei kürzeren Erzählungen, ihr vierter gemeinsamer O’Hare/Fox-Roman, der sich nicht wesentlich von den vorherigen Romanen unterscheidet.
Es gibt auch einige wiederkehrende Charaktere, wie Kates Vater Jake, der, als Ex-CIA-Agent mit Kampferfahrung an den entlegendsten Orten, nichts gegen den Einsatz von Schusswaffen und Sprengstoff hat, Kates Schwester und Schauspieler und Verbrecher, die Kate und Nick gerne helfen. Gegen Honorar, aber auch wegen der Freundschaft und des Spaßes, den sie bei den gemeinsam durchgeführten Betrügereien haben.
Auch bei ihrem Einsatz gegen den Casino-Magnaten Evan Trace brauchen sie Hilfe, um ihren groß angelegten Schwindel durchzuziehen. Trace, der mehrere Spielcasinos besitzt, betreibt vor allem sein Casino in Macau als Geldwäsche-Dienstleistungsunternehmen für Verbrecherbanden, internationale Terroristen und sonstige Bösewichter.
„Schüsse, die von Herzen kommen“ ist wie die vorherigen Romane flott erzählt und es gibt zahlreiche Anspielungen auf Hollywood, das Filmbusiness und James Bond. So empfiehlt sich Trace schon mit seinem Büro in Las Vegas und Macau (gleiche Ausstattung, regional angepasste Gemälde), in dem es ein Becken mit Piranhas und eine darüber führenden Brücke gibt, als Bond-Schurke. Diese Anspielungen rechne ich, weil ich ein größerer Lee-Goldberg- als Janet-Evanovich-Fan bin, Goldberg zu. Er ist auch Hollywood-Drehbuchautor und bekennender James-Bond-Fan.
Das rundum gelungene Vergnügen wird nur durch das Ende getrübt. Denn „Schüsse, die von Herzen kommen“ endet mit einem dieser Cliffhanger, die es inzwischen in jeder TV-Serie gibt und die uns zum Einschalten der nächsten Folge (seltener) oder nächsten Staffel (öfter) animieren soll.
Dabei würde ich das nächste Abenteuer von Kate und Nick auch ohne diesen Cliffhanger lesen wollen.
P. S.: Einige der durchweg lesenswerten fünfzehn „Monk“-Romane von Lee Goldberg, in denen er eigenständige und brandneue Fälle mit Detektiv Adrian Monk erzählte und ihn auch in Deutschland ermitteln ließ, wurden ins Deutsche übersetzt. Inzwischen sind sie nicht mehr erhältlich, aber im Gegensatz zu den meisten gebrauchten Büchern, die bei Amazon für einen symbolischen Cent angeboten werden, werden die „Monk“-Romane dort zu bemerkenswert hohen Preisen von gut vier Euro bis gut dreißig Euro angeboten. Da scheint eine Nachfrage vorhanden zu sein.
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Janet Evanovich/Lee Goldberg: Schüsse, die von Herzen kommen – Ein Fall für Kate O’Hare
Als Diaphanes vor zwei Jahren in seiner kurzlebigen „Penser Pulp“-Reihe „2/14“ (The Dewey Decimal System, 2011) veröffentlichte, freuten sich die Krimifans über einen ungewöhnlichen Helden, der in einem dystopischen New York als; – ja als was eigentlich? – , arbeitete. Dewey Decimal war Soldat. Vor einiger Zeit, am Valentinstag (bzw. 2/14), gab es eine Katastrophe, die die Bevölkerung New Yorks ziemlich dezimierte und die Welt in irgendein Mittelalter zurückbombte. Seitdem sortiert Dewey Decimal in der New York Public Library die Bücher systematisch. Sein jetziger Name Dewey Decimal basiert auf diesem Sortiersystem. Außerdem desinfiziert er sich alle paar Sekunden die Hände, trägt meistens OP-Handschuhe und einen Mundschutz und wechselt ständig seine Anzüge.
In „2/14“ soll er im Auftrag des nicht gewählten District Attorney von New York, Daniel Rosenblatt, einen ukrainischen Mafiosi töten.
Das bewegte sich noch, auch weil eine Femme Fatale im Spiel ist, im vertrauten Hardboiled-Fahrwasser. In einer dystopischen Welt, über die man mehr erfahren will. Erzählt von einem Ich-Erzähler, dessen mehr oder weniger zuverlässigen Erinnerungen bruchstückhaft, lückenhaft und implantiert sind.
In „Boogie Man“, dem zweiten Band, der noch bei Diaphanes erschien, und „Zero One Dewey“, dem Abschluss der Trilogie, der jetzt bei polar erschien, erzählt Nathan Larson die Geschichte von Dewey Decimal weiter.
In „Boogie Man“ entdeckt Dewey im verwaisten Büro von DA Daniel Rosenblatt eine Akte in der es Beweise für die Involvierung des erzkonservativen, die traditionellen Familienwerte und die Bibel hochhaltenden US-Senators Clarence Howard an dem Mord an einer koreanischen Prostituierten vor zwanzig Jahren gibt. Schnell entwickelt sich eine wilde Hatz, weil mehrere Parteien die Akte über den alten Mordfall haben wollen.
In „Zero One Dewey“ soll Dewey im Auftrag von Senator Howard zwei junge Mitglieder des saudischen Königshauses, Bruder und Schwester, beschützen. Auch hier entwickelt sich schnell eine wilde Hatz. Dieses Mal unter besonderer Beachtung der Kanalisation der entvölkerten Millionenstadt.
Neben diesem Hauptplot erfahren wir auch einige Hintergründe über das Valentinstag-Katastrophe und über Deweys Beteiligung daran. Allerdings gibt es keine groß angelegte, detaillierte Aufklärung darüber, sondern nur Splitter und Teile einer Erklärung, die durch Deweys zunehmenden Gedächtnislücken noch rudimentärer geraten.
Auch der Hauptplot gestaltet sich in „Boogie Man“ und „Zero One Dewey“ zunehmend rudimentärer und auch flacher. Beide Male rennt Dewey durch die Stadt, wird gejagt, zusammengeschlagen und kämpft um sein Überleben, während Erklärungen immer spartanischer ausfallen. So erfahren wir nicht, warum in „Boogie Man“ die Akte über den zwanzig Jahre alten Mord so wichtig ist. In „Zero One Dewey“ warum die beiden Schutzbefohlenen sterben sollen. Daran ändern auch die eingestreuten Erklärungen, die ebenso kompliziert, wie halbherzig und nebulös sind, nichts.
Das mindert das Lesevergnügen ungemein. Am Ende ist die schwarzhumorige Dewey-Decimal-Trilogie eine Trilogie, die nach einem überzeugendem Anfang zunehmend schwächer wird. Das liegt auch an der Idee, die Geschichte von einer Person erzählen zu lassen, die zu einem zunehmend unzuverlässigem Erzähler wird, der niemals auch nur einen kleinen Teil des Spielbrettes und des Spiels, über das man mehr erfahren möchte, überblickt.
Der vierzehnjährige Maik Klingenberg hat seine Sommerferien nicht mit seinen Eltern verbracht. Seine Mutter, eine Alkoholikerin, war auf Entziehungskur und sein Vater mit seiner Assistentin auf Geschäftsreise. Maik hatte das ganze Haus in Marzahn für sich, aber sein neuer Klassenkamerad Andreij ‚Tschick‘ Tschichatschow, ein russischer Spätaussiedler mit extrem uncoolen Klamotten, kommt bei ihm mit einem ausgeliehenen Lada (jaja, geklaut) vorbei. Gemeinsam beschließen die beiden Outsider, die nicht zur Geburtstagsfeier der Klassenschönheit eingeladen wurden, Ostberlin in Richtung Walachei, wo auch immer das ist, zu verlassen.
Als vor sechs Jahren Wolfgang Herrndorfs Jugendbuch „Tschick“ erschien, war es ein Überraschungserfolg, der in Deutschland über 2,2 Millionen mal verkauft wurde, etliche Preise erhielt, in über 25 Ländern veröffentlicht wurde und die Grundlage für ein Theaterstück war. In der Theatersaison 2014/15 war es das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Da war, auch weil Herrndorf ein großer Filmfan war (er starb 2013) und „Tschick“ sehr filmisch geschrieben ist, eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit.
Fatih Akin, der das Buch schon länger verfilmen wollte, übernahm kurzfristig, nachdem der ursprüngliche Regisseur David Wnendt absagen musste, die Regie. Mit Lars Hubrich, der mit Herrndorf befreundet war und dessen Wunschdrehbuchautor war, überarbeitete er Hubrichs ursprüngliche Fassung. Hark Bohm, der in den Siebzigern mit „Nordsee ist Mordsee“ und „Moritz, lieber Moritz“ zwei der unumstrittenen Klassiker des Jugendfilms inszenierte, wurde als Koautor hinzugezogen. Akin hatte sogar die Idee, dass Bohm den Film inszenieren sollte. Herrndorf erwähnte in seinem Blog „Arbeit und Struktur“ öfter „Nordsee ist Mordsee“ und der Einfluss des heute viel zu unbekannten Films über zwei Hamburger Jungs, einer Deutscher, einer Asiate, die in Wilhelmsburg leben, ein kaum fahrtüchtiges Boot bauen und Richtung Nordsee fahren, ist schon im Roman offensichtlich.
Wobei bei „Tschick“ nicht die Vorbereitung der Fahrt, sondern die Erlebnisse von Maik und Tschick bei ihrer Fahrt durch Ostdeutschland im Mittelpunkt stehen.
Akin erzählt das dann auf Augenhöhe mit den jugendlichen Protagonisten, die beim Dreh dreizehn Jahre alt waren. Als Coming-of-Age-Film steht „Tschick“ dabei in der Tradition von realistischen Jugendfilmen, wie beispielsweise die Stephen-King-Verfilmung „Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers“. Es ist, obwohl er in der Gegenwart spielt, ein nostalgischer Film, der sich erkennbar auf diese älteren Filme bezieht und der nichts mit den derzeit erfolgreichen Young-Adult-Dystopien zu tun hat. Entsprechend zurückhaltend und auch konservativ, auf altmodische Erzähltugenden achtend, erzählt Akin die Geschichte.
Außerdem gelingt es Fatih Akin, Richard Claydermans ziemlich unerträgliche „Ballade pour Adeline“ im Film mehrmals, ausführlich so einzusetzen, dass sie nicht nur erträglich, sondern sogar passend und berührend ist.
„Tschick“ ist allerdings auch ein Film, der immer wie der gut ausgeleuchtete, fein austarierte, pädagogisch wertvolle Fernsehfilm der Woche wirkt und nie das Gefühl des Aufbruchs, wie „Easy Rider“, oder der Flucht aus beengten Verhältnissen, wie „Nordsee ist Mordsee“, vermittelt. Maik und Tschick, über den wir fast nichts erfahren, sind zwei Mittelstandsjungs, die einfach einen längeren Ausflug unternehmen. Sie protestieren nicht gegen ihre Eltern oder die Gesellschaft. Sie finden sie eigentlich ziemlich in Ordnung. Sogar die Ungewissheiten der Pubertät, die Teenage Angst, die wir aus US-Filmen kennen, und Maiks unerwiderte Liebe in eine Klassenkameradin werden ohne große Gefühlsausbrüche behandelt. Ein Verharren in gut- und kleinbürgerlichen Verhältnissen, aus denen man nicht flüchten will, weil man sich eigentlich schon ganz gut in ihnen eingerichtet hat, bestimmt den Film. Insofern hat Akins Jugendfilm „Tschick“ schon etwas von einem Alterswerk, während sein „Gegen die Wand“ von jugendlicher Energie vibrierte.
Aber vielleicht sehen Jugendliche das anders. Vielleicht sind sie von „Tschick“ so begeistert, wie ich es als Jugendlicher von „Nordsee ist Mordsee“, „Moritz, lieber Moritz“ und „Easy Rider“ war.
P. S.: Trivia: Uwe Bohm, der in „Tschick“ den Vater von Maik spielt, war in „Nordsee ist Mordsee“ einer der beiden jugendlichen Ausreißer.
Tschick (Deutschland 2016)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm (Koautor)
LV: Wolfgang Herrndorf: Tschick, 2010
mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Die Vorlage
zum Filmstart mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.
Wolfgang Herrndorf: Tschick
rororo, 2016
272 Seiten
9,99 Euro
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Das Drehbuch
selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin
Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch
Rowohlt E-Book
60 Seiten(Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)
Die Menschen haben ferne Planeten und fremde Welten besiedelt – unter den misstrauischen Augen der Aliens und unter dem Schutz der Kolonialen Union. Wenn diese nun wie geplant aufgelöst wird, wären die menschlichen Kolonien den feindlich gesinnten Aliens hilflos ausgeliefert. Ausgerechnet in dieser prekären Lage taucht ein neuer Feind auf, der Menschen und Aliens gegeneinander ausspielt. Für Lieutenant Harry Wilson beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn sollte er nicht herausfinden, wer hinter dem intergalaktischen Intrigenspiel steckt, sind Menschen und Aliens gleichermaßen dem Untergang geweiht …
Dieser Teasertext für John Scalzis neuestem Science-Fiction-Roman „Galaktische Mission“ ist einerseits hundertprozentig zutreffend, andererseits hundertprozentig irreführend.
Denn das Buch besteht aus vier Novellen, die in den USA zuerst einzeln innerhalb eines Monats erschienen und kurz darauf in „Galaktische Mission“ (The End of all Things) zusammengefasst wurden. Deshalb können die Novellen, obwohl sie aufeinander aufbauen, auch unabhängig voneinander gelesen werden. Das liegt daran, dass Scalzi jede Geschichte von einem anderen Ich-Erzähler erzählen lässt und sie, auch wenn sie chronologisch hintereinander spielen, vollkommen verschiedene Aspekte der titelgebenden „Galaktischen Mission“ betrachten und damit dem Roman einen sehr eigenen Touch geben.
In „Das Leben des Geistes“ erzählt Rafe Daquin wie er Pilot eines Handelsschiffes war, das mit Staatssekretär Ocampo als Passagier in die Hände der Rraey fiel. Die Rraey sind eine Alienrasse, die auch den leisesten Widerspruch mit einem Kopfschuss beantworten. Sie gehören zum Equilibrium. So nennt sich eine geheimnisvolle Organisation, die die Koloniale Union gegen die Erde und gegen die Konklave, einem Zusammenschluss hunderter Alienzivilisationen, ausspielen will. Dafür soll Rafe, der von den Rraey entleibt und zu einem Gehirn in einem Tank wurde, als Gehirn das Frachtschiff an einen unbekannten Ort fliegen. Rafe versucht das zu verhindern.
In „Das ausgehöhlte Bündnis“ erzählt Hafte Sorvalh, die engste Beraterin von General Tarsem Gau, dem Anführer der Konklave, von den Vorbereitungen für ein Treffen mit der Kolonialen Union und der Erde, in der über verschiedene Angriffe gegen sie gesprochen werden soll. Gleichzeitig versucht sie die Position von Gau zu festigen. Nach dem von ihm geleiteten Aufbau der Konklave ist jetzt seine Position gefährdet.
In „Was Bestand haben kann“ geht es auf ein Raumschiff der Kolonialen Verteidigungsarmee und Lieutenant Heather Lee erzählt von ihren gefährlichen Einsätzen, in denen sie nur noch verschiedene Formen von Aufstand gegen die Koloniale Union niederschlagen müssen.
In „Siegen oder Untergehen“ betritt dann endlich der schon auf dem Buchcover erwähnte Lieutenant Harry Wilson, der vorher ein-, zweimal durchs Bild huschte, die Bühne. Er versucht den drohenden Untergang der Kolonialen Union zu verhindern und er hat dabei einen Plan, für den die Koloniale Union, die Konklave und die Erde miteinander kooperieren müssen. Es gibt nur ein Problem: sie alle sind in herzliche Feindschaft und Misstrauen miteinander verbunden.
Am Ende von „Galaktische Mission“, und hier stimmt dann der inflationär gebrauchte Satz, dass am Ende der Geschichte nichts mehr ist, wie es vorher war, endlich einmal.
Stilistisch unterscheiden sich die vier Geschichten erheblich. Während in der zweiten und vierten Geschichte die Politik und damit Verhandlungen zwischen den verschiedenen Koalitionen und Gruppen im Mittelpunkt stehen, ist die Dritte eher klassische Military-SF und die Erste erzählt vor allem die tragische Geschichte eines Mann, der zu einem Gehirn im Tank wird. Sie ist die – und Scalzi ist für seinen Humor bekannt – witzigste Geschichte des Buches. Auch bei „Was Bestand haben kann“ kann gelacht werden, wenn die Soldaten sich über den Essensplan und Musik austauschen und ihre Missionen ausführen.
So ist „Galaktische Mission“ weniger ein Roman im klassischen Sinn, sondern vier Geschichten, die sich einem Ereignis aus verschiedenen Perspektiven nähern. Damit hat John Scalzi eine interessante Lösung für seine Geschichte gefunden.
Angehängt hat Scalzi eine frühere Version von „Das Leben des Geistes“, in der er die Geschichte traditioneller beginnt.
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John Scalzi: Galaktische Mission
(übersetzt von Bernhard Kempen)
Heyne, 2016
496 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
The End of all Things
Tor, 2015
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Parallel zu „Galaktische Mission“ veröffentlichte Heyne John Scalzis erste drei Romane über die Koloniale Union in einem Sammelband und betitelte das gut tausendseitige Buch etwas unglücklich mit „Krieg der Klone – Die Trilogie“ (auf dem Buchrücken fehlt dann „Die Trilogie“). Der Sammelband enthält die auch einzeln erhältlichen Romane „Krieg der Klone“ (Old Man’s War, 2005), „Geisterbrigaden“ (The Ghost Brigades, 2006) und „Die letzte Kolonie“ (The last Colony, 2007).
Das Buch liegt zwar etwas schwer in der Hand und es passt auch nur in XXL-Hosentaschen, aber lesenswert ist es trotzdem.
Mit 224 Seiten ist auch der zweite Thriller von Max Annas sympathisch kurz geraten. Wie schon seit Debüt „Die Farm“ spielt auch „Die Mauer“ in Südafrika.
An einem heißen Nachmittag verreckt das Auto des jungen Schwarzen Moses in der Nähe der Gated Community „The Pines“. Dort war der Student einmal bei einem Studienkollegen und jetzt hofft er, dass dieser ihm hilft. Allerdings findet Moses, weil alle Häuser gleich aussehen, das Haus nicht. Stattdessen wird er vom Sicherheitsdienst entdeckt. Moses, der keine Lust auf eine Tracht Prügel hat (wenn er Glück hat), flüchtet.
Zur gleichen Zeit brechen, ebenfalls in „The Pines“, Nozipho und Thembi in ein leeres Haus ein. Das schwarze Einbrecherpärchen entdeckt in einer Schublade einen Haufen Geld und in der Tiefkühltruhe die noch warme Leiche der Hausherrin. Gerne würden sie mit ihrer Beute möglichst schnell die Gated Community verlassen. Dummerweise stehen inzwischen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor dem Haus. Von dort koordinieren sie ihre Suche nach dem flüchtigen Moses.
Und dann kommen die Mörder der Hausherrin zurück.
Mit seinen vielen Szenenwechseln – das Buch hat 115 Kapitel – , der kargen Sprache und der kaum vorhandenen Psychologisierung der Charaktere (wir wissen eigentlich nur, was sie gerade tun) liest sich „Die Mauer“ wie ein „Roman zum Film“, bei dem der Autor ein Drehbuch mit wenigen ausschmückenden Sätzen zu einem Roman umformulierte. Das hat unbestritten Pageturner-Qualitäten. Denn die an einem Ort spielende Geschichte entwickelt sich, je nach Lesegeschwindigkeit, in Echtzeit.
Allerdings simulieren die vielen Szenenwechsel eine Dynamik, die in der Geschichte, wenn Moses über die nächste Mauer springt und wieder entdeckt wird, wenn Nozipho und Thembi sich im Schrank verstecken, nicht wirklich vorhanden ist. Insofern ist es auch etwas rätselhaft, warum „Die Mauer“ zweimal hintereinander auf dem ersten Platz der KrimiZeit-Bestenliste stand und in der mir im Moment noch unbekannten September-Liste wieder auf einem der vorderen Plätze stehen wird.
Max Annas gehört zu den wenigen deutschen Autoren, die längere Auslandserfahrung haben und diese literarisch verarbeiten. Der gebürtige Kölner lebt inzwischen in Berlin. Davor lebte er länger in Südafrika und er arbeitet immer noch an einem Forschungsprojekt der University of Fort Hare über die südafrikanische Jazzmusik. Da lernt man, auch wenn es in „Die Farm“ und „Die Mauer“ keine Anspielungen auf den Cape Jazz gibt, Land und Leute kennen.