Das ist jetzt eine kleine Sensation. Denn nach der ersten Staffel der Crime-Comedy „Leverage“ wechselte der deutsche Anbieter von Universum Film (die erste Staffel) zu Edel (die restlichen vier Staffeln) und damit verschwand eine Komplettbox in das Reich der schönen Träume.
Aber irgendjemand in den Firmenbüros und den Rechteabteilungen hatte Erbarmen und jetzt veröffentlichte Edel die gesamte Serie in einer hübschen, platzsparenden Box; was Serienjunkies natürlich nur die Möglichkeit eröffnet, die freiwerdenden Regalzentimeter mit einer anderen Serie zu füllen.
Die Serie habe ich ja schon ausführlich abgefeiert (Staffel 2,Staffel 3, Staffel 4, Staffel 5). Daher dürfte die Prämisse bekannt sein: Ex-Versicherungsagent Nathan Ford (Timothy Hutton) versammelt eine kleine Gruppe Verbrecher, – die Schwindlerin und Kunstexpertin Sophie Devereaux (Gina Bellman), die Einbrecherin und Fassadenkletterin Parker (Beth Riesgraf – allen schon der Name hat mein Stark-Herz gewonnen), den Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) und den Nahkampfexperte Eliot Spencer (Christian Kane) -, um sich und bildet mit ihnen das „Leverage“-Team. Gemeinsam wollen sie Menschen helfen, die von den Reichen und Mächtigen betrogen wurden, weil sie Gesetze manipulieren können, Gesetzeslücken ausnutzen, die besseren Anwälte haben oder einfach skrupelloser als die Ehrlichen sind.
Diese Robin-Hood-Prämisse eröffnet den Machern natürlich unzählige Möglichkeiten. Solange es um den Kampf gegen eine mächtige Person oder ein Unternehmen geht, ist alles möglich. Die Idee für einen Schwindel, der die niederen Triebe des Bösewichts ausnutzt, findet man dann auch und es macht dann immer Spaß, wie das „Leverage“-Team seine Fähigkeiten einsetzt, um ans Ziel zu kommen. Denn selbstverständlich müssen sie irgendwann improvisieren. Und uns Zuschauern gefällt dieser Klassenkampf immer gut. Bei den 77 „Leverage“-Folgen gibt es keine wirklich schwache Folge und die Sonderfolgen, die mehr oder weniger von der sehr flexiblen „Leverage“-Formel abweichen, sind ebenfalls höchst vergnüglich.
Insgesamt ist „Leverage“ eine witzige Krimiserie voller Anspielungen auf die Geschichte der Kriminalliteratur und des Kriminalfilms (allein schon die Originaltitel der einzelnen Episoden) und, weil die Schauspieler immer wieder in verschiedene Rollen schlüpfen müssen, auch ein Spaß für die Schauspieler, die hier alle Facetten ihres Könnens zeigen können.
Das Bonusmaterial der Komplettbox unterscheidet sich nicht von dem bereits bei den einzelnen Staffeln veröffentlichtem Material. Das Layout der einzelnen DVD-Boxen ist jetzt einheitlich.
Also für alle, die diese amüsante Serie noch nicht haben, eine gute Gelegenheit zum Kompletteinstieg.
Leverage – Die komplette Serie: Staffel I – V (USA 2008 – 2012)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison)
– DVD
Edel
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1, 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: insgesamt gut drei Stunden, identisch mit den einzelnen Staffelausgaben
Länge: 3161 Minuten (20 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Fans der Inspector-Banks-Romane von Peter Robinson müssen jetzt tapfer sein. Weil Banks‘ Kollegin DS Annie Cabbot schwangerschaftsbedingt abwesend ist, hat DCI Alan Banks eine neue Kollegin, die es in den Romane nicht gibt. DI Helen Morton, die gleich an ihrem ersten Arbeitstag zu einer veritablen Hetzjagd gegen Banks blässt, weil bei einer Frauenleiche ein Zettel mit Banks‘ Anschrift gefunden wird und Banks nicht erreichbar ist. Denn er versucht seinem Bruder Roy, den er seit Jahren nicht gesehen hat, zu helfen.
„Eine seltsame Affäre“ ist der schwache Auftakt der zweiten regulären „DCI Banks“-Staffel. Der erste „DCI Banks“-Film „Aftermath“ (Banks – Der Solist), der im englischen TV als Einzelfilm mit der Option auf weitere Filme lief, wird manchmal als erste Staffel gezählt und dann verändert sich die Staffelzählung halt etwas; auch wenn man einen Film nicht wirklich als Staffel zahlen kann.
Doch zurück zu „Eine seltsame Affäre“. Auch hier ist, wie meistens bei Serien, der persönliche Fall eher weniger prickelnd und die Bekanntschaft mit der gesamten Banks-Familie, die wir bis jetzt nicht vermisst haben, ist überflüssig. Denn wir wissen ja, dass der, bis seine Unschuld erwiesen ist, gegen jeden Dienstvorschrift und Vernunft ermittelnde Polizist nichts mit den Morden zu tun hat. Immerhin gibt es hier keine pompöse Mordintrige gegen den Ermittler.
In den nächsten beiden Fällen wird dann wieder, ohne Familiengedöns, Dienst nach Vorschrift geleistet. „Die letzte Rechnung“ und „Der unschuldige Engel“ sind ordentliche, düster grundierte Polizeifilme, in denen die Ermittlungen eindeutig im Vordergrund stehen, wir kaum etwas über die Ermittler erfahren und nicht geblödelt wird. Das ist, wie die Romane von Peter Robinson, angenehm altmodisch-gediegene Krimiunterhaltung vor der prächtigen Kulisse von Yorkshire.
In „Die letzte Rechnung“ wird der Steuerberater Keith Rothwell in seiner Garage erschossen, während seine Frau und Tochter gefesselt nebenan im Haus sind. Banks und Morton finden bei ihren Ermittlungen heraus, dass Rothwell ein Doppelleben führte und in unseriöse Finanzgeschäfte verwickelt ist.
In „Der unschuldige Engel“ wird Ellie Clayton, die Tochter eines wohlhabenden Internet-Unternehmer, ermordet aufgefunden. Banks verdächtigt Owen Pearce, den Regisseur des Schultheaters, bei dem Clayton mitspielte.
Dieser Film gewinnt durch seinen an „Law & Order“ und „Der Preis des Verbrechens“ erinnernde Aufbau eine besondere Dimension. Denn Banks und sein Team werden, nachdem Pearce vom Gericht frei gesprochen wird, mit den Konsequenzen ihrer Ermittlungen für die davon betroffenen Menschen konfrontiert.
In England wurden 2014 und 2015 jeweils zwei weitere, aus drei Filmen bestehende Staffeln ausgestrahlt. Weitere Fälle sind in Arbeit; wobei es sein kann, dass vom neunzigminütigen Format auf ein sechzigminütiges Format gewechselt wird.
In einem aktuellen Interview mit Crime Time Preview sagt Peter Robinson zu den Verfilmungen: „It’s a process of loss. I thought the first few books adapted were relatively close to the originals, even though Annie disappeared and returned as a single mother and DI Helen Morton, a character I never wrote about, was added to the cast. Then DS Winsome Jackman disappeared, to be replaced by Tariq. The adaptations themselves were almost unrecognisable by the third series, and in the fourth Left Bank will be going with original stories. But if you take any expectations of fidelity to the original plots out of the equation, I think it’s a pretty damn good cop series.“
Die deutschen Ausgaben der Banks-Romane erschienen bei Ullstein und sind inzwischen antiquarisch erhältlich. Die letzten Banks-Romane wurden nicht mehr übersetzt.
Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Staffel 2 (DCI Banks, Großbritannien 2012)
mit Stephen Tompkinson (DCI Alan Banks), Andrea Lowe (DS Annie Cabbot, nur Credits), Caroline Catz (DI Helen Morton), Lorraine Burroughs (DS Winsome Jackman), Jack Deam (DC Ken Blackstone), Nick Sidi (CS McLaughlin)
– Die aktuellen Morde in Yorkshire
Eine seltsame Affäre (Strange Affair, Großbritannien 2012)
Regie: Tim Fywell
Drehbuch: Robert Murphy
LV: Peter Robinson: Strange Affair, 2005 (Eine seltsame Affäre)
–
Die letzte Rechnung (Dry Bones that dream, Großbritannien 2012)
Regie: Jim Loach
Drehbuch: Rob Williams
LV: Peter Robinson: Dry Bones that dream, 1994 (auch „Final Account“, Die letzte Rechnung)
–
Der unschuldige Engel (Innocent Graves, Großbritannien 2012)
Regie: Mat King
Drehbuch: Andrew Payne, Rob Williams
LV: Peter Robinson: Innocent Graves, 1996 (Der unschuldige Engel)
– DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten (2 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Gibt es ein Paralleluniversum – und wenn ja: wie viele?
Diese Frage stellen sich irgendwann die vier befreundeten Paare, die sich zu einem entspannten Abendessen treffen und bei Wein und Essen über ihre Arbeit und den Kometen, der in dieser Nacht an der Erde vorbeifliegt, zu reden. Plötzlich geht das Licht aus. Das gesamte Viertel ist dunkel, bis auf ein Haus am anderen Ende der Straße.
Zwei von ihnen gehen rüber – und als gestählte Horrorfilmfans wissen wir (wie die zurückbleibenden Freunde), dass das wahrscheinlich keine gute Idee ist. Aber in der Wirklichkeit passiert ja nie etwas Schlimmes und so sind die beiden kurz darauf wieder zurück. Ohne eine offensichtliche Veränderung oder Verletzung. Aber sie verhalten sich etwas seltsam. Sie wollen nicht über das andere Haus und was sie dort gesehen und erlebt haben reden. Und hier beginnen wir als Science-Fiction-Fans, gestählt durch unzählige Invasionsfilme (Erinnert ihr euch an „Die Invasion der Körperfresser“?), in eine ganz andere Richtung zu rätseln.
„Coherence“ wurde von James Ward Byrkit („Rango“) mit einem Micro-Budget (also für ein Taschengeld) gedreht. Es spielt fast nur in einem Wohnzimmer und das Wohnzimmer ist Byrkits Wohnzimmer. Die Schauspieler durften während des fünftägigen Drehs, ausgehend von mehr oder weniger detaillierten Anweisungen, einen großen Teil ihrer Dialoge und Taten improvisieren. Deshalb wurde auch chronologisch gedreht. Das Team war klein. Letztendlich waren mehr Menschen vor als hinter der Kamera.
Byrkit hatte also bei seinem Spielfilmdebüt mit einigen selbstgewählten Beschränkungen zu kämpfen, die er zu seinem Vorteil ausnutzte. Die Kamera verleiht dem Film einen milden dokumentarischen Touch und die Idee, die „Twilight Zone“-würdige Geschichte, steht im Mittelpunkt.
Außerdem, und das ist wahrscheinlich die schönste Pointe von „Coherence“, zeigt Byrkit, dass man kein „Interstellar“-Budget braucht um eine sehr ähnliche Geschichte deutlich frischer und kurzweiliger zu erzählen.
Der Film erschien jetzt bei Bildstörung als DVD ohne Bonusmaterial und in einer limitierten „Special Edition“, die eine satte Portion informatives Bonusmaterial hat und die nur im Bildstörung-Online-Shop, bei Amazon und Müller erhältlich ist.
Sie enthält einen Audiokommentar mit Regisseur James Byrkit und den Schauspielern Emily Foxler und Alex Manugian, ein Making-of/Behind the Scenes, Interviews mit den Schauspielern Emily Foxler, Hugo Armstrong und Lorene Scafaria, Aufnahmen eines Testshootings (wahlweise mit einem Audiokommentar von James Byrkit), – insgesamt gut dreißig Minuten -, ein Booklet mit den Regieanweisungen für die Schauspieler und die Soundtrack-CD. Den gut einstündigen Soundtrack gibt es auch als Download. Ohne die Filmbilder ist Kristin Øhrn Dyruds Musik, die im Film für einige Gänsehautmomente sorgt, eine schöne Begleitmusik bei der Arbeit.
Coherence (Coherence, USA 2013)
Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit (nach einer Geschichte von James Ward Byrkit und Alex Manugian)
mit Emily Foxler, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Elizabeth Gracen, Hugo Armstrong, Alex Manugian, Lauren Maher
– DVD (Special Edition)
Bildstörung
Bild: 2,35:1 (16:9 Anamorph – Original Kinoformat)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit James Byrkit, Emily Foxler und Alex Manugian, Making-of/Behind the Scenes, Interviews mit den Darstellern, Aufnahmen eines Testshootings, zwei Trailer, Teaser, Booklet mit den Regieanweisungen für die Schauspieler, Soundtrack CD
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Englische Homepage zum Film Deutsche Homeapge zum Film Film-Zeit über „Coherence“ Moviepilot über „Coherence“ Metacritic über „Coherence“ Rotten Tomatoes über „Coherence“ Wikipedia über „Coherence“
Schon die reguläre DVD-Ausgabe von „Sherlock – Staffel 3“ hatte einiges an Bonusmaterial enthalten. Aber für die jetzt erschienene Special Edition legte Polyband noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. „ca. 220 Minuten mit deutschen Untertiteln“ steht auf dem Cover und dann gibt es noch zwei Audiokommentare, die auf der ersten Ausgabe der dritten „Sherlock“-Staffel nicht enthalten waren. Dabei waren die Audiokommentare immer informative Highlights und Musterbeispiele für gelungene Audiokommentare.
Es gibt die von der Erstauflage der dritten „Sherlock“-Staffel bekannten Making of „Fans, Villains & Speculation“, „Shooting Sherlock“ und „The Fall“, die insgesamt knapp 45 Minuten dauern.
Einen kleinen Teil des restlichen Bonusmaterials dürften langjährige „Sherlock“-Fans schon kennen. Aber bis jetzt war es nur im Netz zu finden, wie das siebenminütige Prequel „Many Happy Returns“ zur dritten Staffel und die 2010 in verschiedenen BBC-Sendungen im Umfeld der ersten „Sherlock“-Staffel geführten, jeweils etwa achtminütigen Interviews mit Benedict Cumberbatch, Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, Steven Moffat und Dramatiker Mark Ravenhill und, nach der Ausstrahlung der ersten Staffel, Steven Moffat und Sue Vertue. Das letzte Interview ist das uninteressanteste.
Neu sind, neben den beiden Audiokommentaren mit den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, „Mrs. Hudson“-Darstellerin Una Stubbs und Produzentin Sue Vertue, eine geschnittene Szene (aus „Sein letzter Schwur“), einige Outtakes und „Unlocking Sherlock“ und „Sherlock uncoverd“, die nicht mit den gleichnamigen Making ofs zur ersten und zweiten Staffel verwechselt werden sollten. „Unlocking Sherlock“ dauert 55 Minuten und „Sherlock uncovered“ besteht aus drei Teilen: „The Return“ (26 Minuten), „The Women“ (26 Minuten) und „The Villains“ (23 Minuten).
Alle Extras sind untertitelt.
So umfangreich und informativ die Special Edition ausgefallen ist, so dünn sind dieses Mal die Fälle für Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und seinen Begleiter Dr. John Watson (Martin Freeman) ausgefallen. In „Der leere Sarg“ kehrt Sherlock Holmes von den Toten zurück und er soll einen Anschlag auf das Parlament verhindern. Aber vor allem werden uns verschiedene Theorien über den Tod von Sherlock Holmes präsentiert, ohne dass am Ende wirklich geklärt ist, wie er seinen Tod inszenierte.
In „Im Zeichen der Drei“ geht es vor allem um die Hochzeit von Dr. Watson und Mary Morstan, bei der Sherlock Holmes den Trauzeugen spielen soll und er gleichzeitig einige Verbrechen aufklärt.
In „Sein letzter Schwur“ kämpfen Sherlock Holmes und Dr. John Watson gegen Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), einen Zeitungsmogul, der seinen Status vor allem Erpressungen verdankt. Denn er kennt die Geheimnisse der britischen Oberschicht, die er gegen gewisse Gefälligkeiten nicht veröffentlicht.
Vor allem in den ersten beiden Filmen sind die Fälle erschreckend dünn und so nebensächlich, dass sie schon nicht mehr nacherzählbar sind. „Sein letzter Schwur“ ist zwar besser, aber Magnussen ist mehr ein James-Bond- als ein Sherlock-Holmes-Bösewicht. In allen drei Filmen stehen in der dritten „Sherlock“-Staffel die Hauptcharaktere mit ihren Marotten im Mittelpunkt. Das ist zwar unterhaltsam, rasant, witzig und erschreckend selbstgenügsam.
Es ist zu hoffen, dass die Macher Stefen Moffat und Mark Gatiss in der vierten Staffel sich wieder mehr auf die Fälle konzentrieren. Schließlich ist „Sherlock“ ein Krimi, und keine Soap mit vernachlässigbarer kriminalistischer Beigabe.
Sherlock – Staffel Drei – Special Edition
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Amanda Abbington (Mary Morstan), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Louise Brealey (Molly Hooper)
–
DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Der leere Sarg“ und „Sein letzter Schwur“, Serie Three Prequel „Many Happy Returns“, Unlocking Sherlock, Sherlock Uncovered, Deleted Scene, Outtakes, TV Interviews from 2010, Fans, Villains & Speculation, Shooting Sherlock, The Fall, 16-seitiges Booklet, 3-teiliges Postkartenset
Länge: 261 Minuten (3 x 87 Minuten), 220 Minuten (Bonusmaterial) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Die Ermittlungen
Der leere Sarg (The Empty Hearse, Großbritannien 2014)
Regie: Jeremy Lovering
Drehbuch: Mark Gatiss
–
Im Zeichen der Drei (The Sign of Three, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steve Thompson, Steven Moffat, Mark Gatiss
–
Sein letzter Schwur (His Last Vow, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steven Moffat
Für ein Binge-Watching eignet sich die „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten“ nicht wirklich. Denn normalerweise will man beim Binge-Watching ja unbedingt wissen, wie es weitergeht. Auch weil jede Folge der Serie mit einem fiesen Cliffhanger endet, der in der nächsten Folge schnell aufgelöst wird. Dieses Suchtgefühl stellt sich bei den Geschichten aus der Twilight Zone nicht ein. Denn jede Episode ist eine in sich abgeschlossene kurze mal mehr, mal weniger fantastische, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft, mal in einer Parallelwelt spielende Geschichte. Jede Episode hat andere Charaktere. Sie können daher unabhängig von einander in jeder beliebigen Reihenfolge gesehen werden. Und auch wenn nicht jede Geschichte grandios ist, sind die Geschichten immer sehenswert und zeigen, wie gutes Geschichtenerzählen funktioniert. Bei den US-amerikanischen Science-Fiction-Fans war die Serie während der Erstausstrahlung so beliebt, dass sie im dritten Jahr in Folge den Hugo als ‚Best Dramatic Presentation‘ erhielt.
Die dritte Staffel unterscheidet sich nicht von den vorherigen beiden Staffeln und alles, was ich damals schrieb, stimmt immer noch. Es sind wieder verdammt gute, knapp halbstündige Geschichte mit einer meistens überraschenden Pointe. Denn bei einigen Geschichten ist die Pointe heute zu bekannt, um noch wirklich zu überraschen und manchmal ist die Pointe absehbar. Immerhin gibt es bei einer überschaubaren Zahl von Charakteren nur eine bestimmte Menge an Pointen. Serienerfinder und Präsentator Rod Serling schrieb wieder die meisten Geschichten. Zu den anderen Autoren zählen Richard Matheson, Charles Beaumont und Ray Bradbury. Er schrieb die einhundertste Episode und verarbeitete „Unsere Oma, der Roboter“ (I sing the Body Electric) später zu einer Kurzgeschichte.
Teilweise spielen heute noch bekannten Schauspieler mit, wie Charles Bronson, Robert Redford, Peter Falk, Leonard Nimoy, Jack Klugman, Cliff Robertson, Lee Marvin, Strother Martin, R. G. Armstrong, Donald Pleasence, Richard Kiel, Veronica Cartwright, Paul Mazursky (der ja eher als Regisseur bekannt ist) und Buster Keaton.
Die tolle SW-Bildqualität muss sich nicht vor neueren Produktionen verstecken.
Und es gibt wieder erstaunlich viel Bonusmaterial. Neben vierundreißig Audiokommentaren, verteilt auf siebenundreißig Episoden (also eigentlich gibt es für jede Episode einen Audiokommentar) gibt es eine sechste DVD mit Teaser und Werbetafeln (ein netter Blick in die Vergangenheit), neunzehn Hörspieladaptionen fürs Radio, Vorlesung des alternativen Endes der Episode 70 (Eine Runde Billard), Ausschnitte aus den in den Achtzigern entstandenen Remakes der Episode 70 (Eine Runde Billard) und 87 (In den Schuhen eines Toten), Interviews mit dem Schauspieler Edson Stroll und dem Kameramann George T. Clemens, ein Ausschnitt aus der „Garry Moore Show“ und ein Ausschnitt aus der „Tell it to Groucho“-Show, in denen „The Twilight Zone“-Erfinder Rod Serling zu Gast war.
Wie schon bei den ersten beiden Staffeln ist auch die DVD-Ausgabe der dritten „The Twilight Zone“-Staffel eine filmhistorisch vorbildliche Ausgabe einer vor über fünfzig Jahren gedrehten Serie, die sich vor neuen Serien nicht verstecken muss.
Das gleiche gilt für die Geschichten. Aber das habe ich schon gesagt?
The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3 (USA 1961/1962)
Erfinder: Rod Serling
– DVD
Koch Media
Bild: 1,33:1 (4:3), SW
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 34 Audiokommentare, Isolierte Musikspur zu allen Episoden, 19 Radio-Hörspiele, Interviews mit Cast & Crew, Rod Serlings Auftritte in den Sendungen „The Garry Moore Show“ und „Tell ti to Groucho“, Ausschnitte aus den Farb-Remakes der 80er Jahre
Länge: 912 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Schon die ersten Minuten von „Borgman“ zeigen, das dieser Film vielleicht in den Niederlanden gedreht wurde, er aber mit Sicherheit in keinem Land spielt, das wir kennen. Denn drei Männer, angeführt von einem Priester, jagen Borgman und seine Freunde, die im Wald in unterirdischen Verstecken und Wohnungen, die sie einfach so in den Boden gegraben haben, leben. Im Gegensatz zu normalen Obdachlosen haben sie alle einen erstaunlich saubere Anzüge an (Hey, sie leben in der Erde!) und sie besitzen Handys. Eigentlich sind sie, abgesehen vom Ort ihrer Wohnung, ganz normal.
Auf ihrer Flucht trennen sie sich. Borgman sieht in einer anonymen Vorortsiedlung ein Haus, das seinen Bedürfnissen entspricht. Er klingelt, begehrt Einlass, behauptet ein alter Bekannter von Marina zu sein. Ihr Ehemann Richard verprügelt ihn. Als Richard weg ist, klingelt er wieder. Marina lässt ihn herein – und ab diesem Moment ist Borgman wie ein Hausgeist überall und nirgends in dem Haus. Später stoßen noch einige seiner Freunde, die keinen Respekt vor dem Leben ihrer Mitmenschen haben, dazu und auf eine seltsam verquere Weise wird das Leben der Hausbesitzer zu einer Hölle, aus der sie zwar jederzeit ausbrechen könnten, aber es nicht tun. Sie lassen die Eindringlinge gewähren. Bis es zu spät ist.
Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam („Die letzten Tate der Emma Blank“) benutzt in seinem neuesten Film die Genrekonventionen, die er immer wieder unterläuft und mit absurden Momenten anreichert (wie einer umfassenden Verschönerung des Geländes, das dieses zuerst einmal vollkommen zerstört), um auf der visuellen Ebene über verdrängte Gefühle zu reden. Dabei gelingt es ihm, die Spannung zu halten und gleichzeitig viele Interpretationsmöglichkeiten für seine Geschichte anzubieten. „Borgman“ ist eine Metapher. Aber für was?
Eben diese Offenheit für viele verschiedene Interpretationen ist die große Stärke des Films über das Eindringen des Bösen und/oder des Unheimlichen und/oder des Verdrängten in eine normale Mittelstandsfamilie. Der schwarzhumorige Film erinnert daher mehr an die Werke von Luis Bunuel als an einen US-amerikanischen Home-Invasion-Thriller.
In Cannes lief „Borgman“ im Wettbewerb und, neben zahlreichen anderen Preisen, gewann er in Sitges die Maria.
Borgman (Borgman, Niederlande/Belgien 2013)
Reige: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
mit Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere
– DVD
Pandastorm
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Niederländisch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Deleted Scenes, Wendecover
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise
Homepage zum Film Film-Zeit über „Borgman“ Moviepilot über „Borgman“ Metacritic über „Borgman“ Rotten Tomatoes über „Borgman“
Wikipedia über „Borgman“ (deutsch,englisch)
Bei der DVD-Ausgabe der Arne-Dahl-Verfilmungen „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“, erschienen als „Arne Dahl: Vol. 2“, ging Edel vorbildlich vor, während das die Filme mitproduzierende ZDF eine seltsame Politik verfolgt. Immerhin wurden die beiden Filme bereits 2011 produziert, 2013 synchronisiert und erst vor Kurzem ausgestrahlt in einer auf jeweils zwei Stunden gekürzten Version. Die Originalversion ist jeweils drei Stunden und sie wurde in Schweden als Zweiteiler ausgestrahlt.
Diese rabiate Kürzung kennen die Arne-Dahl-Fans schon von den ersten drei A-Gruppe-Verfilmungen „Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“. Auf DVD wurden „Misterioso“ und „Böses Blut“ in der jeweils etwa zweistündigen deutschen TV-Version und „Falsche Opfer“ in der dreistündigen Originalversion, die auch als Zweiteiler im TV lief, veröffentlicht.
Jetzt veröffentlichte Edel die TV-Version und die dreistündige, ebenfalls synchronisierte Originalversion, die keine spürbaren Längen hat. Allerdings sind in „Rosenrot“ und „Tiefer Schmerz“ die Mordermittlungen eher Nebensache und wir erfahren viel über das Privatleben der Ermittler (was nicht so wahnsinnig spannend ist) und es gibt nicht mehr den einen Protagonisten. In den ersten drei Filmen war es noch Paul Hjelm. Jetzt funktioniert die A-Gruppe als Team und, je nach Bedarf, rücken einzelne Mitglieder in den Fokus.
In „Rosenrot“ ist es Kerstin Holm. Sie war mit dem Polizisten Dag Lundmark vor Jahren liiert. Jetzt soll er, kurz nach einem Entzug, während einer Razzia gegen illegale Einwanderer einen von ihnen auf der Flucht erschossen haben. Die A-Gruppe soll sich den Fall ansehen, weil der Flüchtling der Sohn eines Ministers war. Schnell finden sie heraus, dass Winston Motisane illegal als Putzmann bei einem Pharmakonzen arbeitete. Spätestens jetzt sind wir im bekannten gesellschaftskritischen skandinavishen Krimi-Sumpf.
Apropos Sumpf: Dort suchen die Polizisten, nachdem sie einen Abschiedsbrief entdeckten, die von einem Serienmörder versteckten Leichen.
In „Tiefer Schmerz“ ist es Arto Söderstedt, der Denker der Gruppe. Am Ende des ersten Teils wird er nach Italien geschickt und er verbeißt sich zunehmend, auch aus persönlicher Betroffenheit, in die Ermittlungen. Denn vor kurzem erhielt er von einem Verwandten eine beträchtliche Erbschaft.
Auch hier beginnt der sich über halb Europa erstreckende Fall harmlos. Auf einem Friedhof wird die kopfüber hängende Leiche eines KZ-Überlebenden gefunden. In Verdacht gerät eine Gruppe jugendlicher Neonazis. Zur gleichen Zeit fliehen aus einem schäbigem Hotel einige Migrantinnen, die auch als Prostituierte arbeiteten. Und fast zur gleichen Zeit wird im Zoo eine zunächst unbekannte Leiche gefunden.
In beiden Filmen gibt es mehrere Fälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Am Ende doch. Das ist, auch wenn sich bei den Ermittlungen stark auf die Tradition von Ed McBains „87. Polizeirevier“ (der Blaupause für jede Polizeiserie) bezogen wird, dann beide Male doch eine hochgradig konstruierte Geschichte, die, beide Male, eher schlampig und hastig mit vielen Toten aufgelöst wird.
Die Fälle sind eher schwach und plätschern, verzögert durch die privaten Plots, in einem durchaus sympathisch gemütlichen Tempo vor sich hin und weil man dem sympathischen A-Team gerne zusieht, bleibt man bis zum Ende dran.
Nervig ist in „Tiefer Schmerz“ allerdings die als Stilmittel angewandte ständige Überbelichtung und, in beiden Folgen, die damals trendige Wackelkamera. Diese Mode scheint inzwischen ja halbwegs überstanden zu sein.
In Schweden sind bereits die nächsten fünf Geschichten mit dem Stockholmer Ermittlerteam verfilmt. Damit wären dann die zehn ursprünglichen A-Gruppe-Romane von Arne Dahl verfilmt.
Ach ja: Bei den Verfilmungen wurde die Reihenfolge vertauscht. Der fünfte Roman ist der vierte TV-Film und der vierte Roman der fünfte TV-Film, was sich natürlich auf die privaten Subplots, die Ehekrisen und die Sorgen mit den Kindern, auswirkt.
Arne Dahl – Vol. 2
mit Malin Arvidsson (Kerstin Holm), Irene Lindh (Jenny Hultin), Claes Ljungmark (Viggo Norlander), Shanti Roney (Paul Hjelm), Magnus Samuelsson (Gunnar Nyberg), Matias Varela (Jorge Chavez), Vera Vitali (Sara Svenhagen), Niklas Åkerfelt (Arto Söderstedt), Frida Hallgren (Cilla Hjelm)
– enthält
Rosenrot (Arne Dahl: De största vatten, Schweden/Deutschland 2012)
Regie: Tova Magnusson
Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
LV: Arne Dahl: De största vatten, 2002 (Rosenrot)
–
Tiefer Schmerz (Arne Dahl: Europa Blues, Schweden/Deutschland 2012)
Regie: Niklas Ohlson, Matthias Ohlson
Drehbuch: Cilla Börjlind, Rolf Börjlind
LV: Arne Dahl: Europa blues, 2001 (Tiefer Schmerz)
– DVD
Edel
Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 594 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Das Warten hat sich gelohnt. Jedenfalls für Fans von Lawrence Block und seiner Serie um Privatdetektiv Matt Scudder, die schon seit einer Ewigkeit auf eine zweite Scudder-Verfilmung warteten. Die erste war 1986 „8 Millionen Wege zu sterben“. Jeff Bridges spielte Scudder. Oliver Stone war einer der Drehbuchautoren, dem das Ergebnis nicht gefiel, und Hal Ashby führte Regie indem er die Schauspieler improvisieren ließ. Es war sein letzter Spielfilm. Davor drehte er Klassiker wie „Harold und Maude“, „Coming home – Sie kehren heim“ und „Willkommen, Mr. Chance“. Tolle Filme, aber Dramen, bei denen die Charaktere im Mittelpunkt stehen und der Plot Nebensache ist. Aber diese Plotvergessenheit war nicht das größte Problem von „8 Millionen Wege zu sterben“. Die Geschichte wurde von New York, vulgo Manhattan, nach Los Angeles verlegt. Von einer Stadt, in der man ohne Auto leben kann, in eine Stadt, in der man ohne Auto nicht leben kann. So wurde aus einem Charakter, der untrennbar mit seiner Stadt verbunden ist, ein Heimatloser; weshalb diese Scudder-Verfilmung als Romanverfilmung nicht besonders beliebt ist. Seitdem war eine zweite Scudder-Verfilmung im Gespräch. Immerhin sind die siebzehn zwischen 1976 und 2011 erschienen Scudder-Romane, in denen der Ich-Erzähler Matt Scudder in Echtzeit altert, bei Krimifans beliebt und die Romane erhielten auch alle wichtigen Krimipreise. Teilweise mehrfach. „A Walk among the Tombstones“ war der auserwählte Roman. In den vergangenen Jahren fanden immer wieder Gespräche statt. Unter anderem war Harrison Ford als Matt Scudder im Gespräch, aber vor dem Drehbeginn wurde das Projekt immer wieder gestoppt. „Die Scudder-Verfilmung kommt.“ war unter Lawrence-Block-Fans ein Running Gag, bis jetzt Scott Frank, der auch die Bücher für die grandiosen Elmore-Leonard-Verfilmungen „Get Shorty“ und „Out of Sight“ schrieb und mit „Die Regeln der Gewalt“ (The Lookout) ein gelungenes Regiedebüt gab, mit Liam Neeson, der seit einigen Jahren als Action-Star ein neues Publikum eroberte und der jetzt Matt Scudder verkörpert, endlich die langerwartete Verfilmung von „A Walk among the Tombstones“ gelang, die jetzt bei uns als „Ruhet in Frieden“ (nicht gerade der beste Titel) in die Kinos kommt. Scudder ist ein Ex-NYPD-Cop, ein trockener Alkoholiker, der seinen Dienst quittierte, nachdem er betrunken ein Kind erschoss. Naja, nicht direkt erschoss. Es war ein Querschläger, der die siebenjährige Estrellita Rivera tötete, während er die beiden Räuber verfolgte, einen verletzte und den anderen erschoss. Scudder wurde dafür belobigt und während es in den Romanen lange dauerte, bis Scudder sich eingestand, ein Alkoholiker zu sein, und er lange mit seiner Sucht und den Rückfällen kämpfte, während er Treffen der Anonymen Alkoholiker besuchte, geht das im Film schneller. Acht Jahre später, 1999, lebt er ein unauffälliges Leben in Manhattan, besucht AA-Treffen und erweist Menschen Gefälligkeiten. Er ist ein Privatdetektiv ohne Lizenz. Jetzt wird er von einem AA-Mitglied gebeten, dessen Bruder Kenny Kristo (im Roman Kenan Khoury) zu besuchen und ihm bei einem Problem zu helfen. Kennys Frau wurde entführt und bestialisch ermordet. Kenny will die Mörder finden und töten. Schon mit diesem Rachewunsch könnte Kenny keine Hilfe von der Polizei erwarten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Kenny ist ein Drogendealer; einer der unauffällig lebt, wohlhabend ist und mit wenigen Drogenimporten innerhalb eines Jahres seinen Lebensstandard sichert. Er sieht sich als Importeur einer x-beliebigen Ware. Scudder übernimmt den Auftrag. Bei seiner Suche entdeckt er mehrere ähnlich Fälle: jemand scheint die Frauen und Kinder von Drogenhändler zu entführen, ein Lösegeld zu erpressen und dann seine Opfer bestialisch umzubringen. Scott Frank aktualisierte für den Film den schon 1992 erschienenen Roman etwas, indem er die Geschichte in die späten Neunziger verlegte. Er lässt, wie im Roman, den jugendlichen Computerexperten TJ, ein Straßenkind, mit dem Matt Scudder sich befreundet, auftreten. TJ hilft Scudder mit seinen Computerkenntnissen. Matts Freundin Elaine Mardell, eine Prostituierte, die ihr Geld klug investierte, und Mick Ballou, ein mit Matt befreundeter irischer Gangsterboss, fehlen. Doch auch ohne diese den Fans der Romanen vertrauten Charaktere bleibt Scott Frank dem Geist der Romanvorlage treu. „Ruhet in Frieden“ ist ein melancholischer Noir-Privatdetektiv-Krimi, bei dem die Atmosphäre, die Charaktere und moralische Fragen im Mittelpunkt stehen, ohne explizit angesprochen zu werden. Denn Scudders Auftraggeber ist ein Verbrecher. Die anderen Opfer ebenso. Es geht um Selbstjustiz, aber auch ausgleichende Gerechtigkeit. Das führt dazu, dass zunehmend die sattsam bekannten Grenzen zwischen Gut und Böse zu einem einzigen Graubereich verschwimmen.
Beim zweiten Ansehen fällt auf, wie zügig und ruhig Scott Frank in den ersten Minuten alle wichtigen Charaktere etabliert und er jede Schwarz-Weiß-Malerei vermeidet. So hat Matt Scudder in der ersten Minute einen Auftritt in bester Dirty-Harry-Manier. Aber er ist betrunken. Bei seinem ersten Treffen mit Kenny Kristo sagt er, dass für ihn die Korruption in der Polizei kein Problem war. Sie habe es ihm ermöglicht, seine Familie zu ernähren. Kurz darauf nimmt er den Auftrag an. In diesem Moment läuft der Film noch keine zwanzig Minuten.
Und Liam Neeson kann endlich wieder als Schauspieler in einem Kriminalfilm, Abteilung Privatdetektiv-Krimi, ohne übertriebenen Action-Bohei und Sekundenschnitten überzeugen.
Das Bonusmaterial besteht aus den informativen Featurettes „Ein Blick hinter die Kulissen“ und „Privatdetektiv Matt Scudder“ (in dem auch Lawrrence Block zu Wort kommt) und Interviews mit den Schauspielern Liam Neeson, Dan Stevens, David Harbour, Boyd Holbrook, den Produzenten Michael Shamberg, Stacey Sher und Tobin Armbrust und Regisseur Scott Frank. Das längste Interview ist mit Liam Neeson, weil es auch aus einem vor der Premiere in Berlin aufgenommenen Interview besteht. Dieses Interview könnte exclusiv auf der deutschen DVD sein. Die anderen Interviews sind Rohmaterial für die beiden Featurettes.
P. S.: Natürlich ist der Roman lesenswert. Wie alle Bücher von Lawrence Block.
Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (A Walk among the Tombstones, USA 2014)
Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
LV: Lawrence Block: A Walk among the Tombstones, 1992 (Endstation Friedhof, Ruhet in Frieden)
mit Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook, Brian ‘Astro’ Bradley, Ólafur Darri Ólafson, David Harbour, Adam David Thompson
– DVD
Universum Film
Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial (48 Minuten): Featurettes, Interviews mit Cast & Crew, Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Mit seinem neuesten Film „The November Man“ kehrt Pierce Brosnan zurück in die Welt der Geheimagenten und, auch wenn die Story ziemlich verwickelt ist, steht der Film eher in der James-Bond- als in der „Der Schneider von Panama“-Tradition.
Brosnan spielt Peter Devereaux, einen Ex-CIA-Agenten, der jetzt in Lausanne als Gastwirt eine ruhige Kugel schiebt. Da bittet ihn sein alter Vorgesetzter Hanley um Hilfe. Natalia Ulanova hat Beweise, die dem zukünftigen russischen Präsidenten Arkady Federov die Macht kosten könnten und die sie an den Westen weitergeben möchte. Wenn sie – Schöne Grüse von „Liebesgrüße aus Moskau“ – von Devereaux aus Moskau herausgeholt wird. Devereaux lehnt ab. Er ist dann aber doch im richtigen Moment in Moskau und kann sie vor ihren russischen Verfolgern retten. Auf ihrer Flucht wird sie allerdings von dem US-amerikanischen Rettungsteam, das ebenfalls vor Ort ist, erschossen.
Weil Natalia eine alte Freundin von Devereaux ist, will er sie rächen und die Hintergründe für den ganzen Schlamassel herausfinden. Seine beste Spur ist Alice Fournier (Olga Kurylenko), eine Sozialarbeiterin, die minderjährigen Prostituierten hilft.
In Belgrad beginnt ein leichengesättigtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Devereaux und der CIA und seinem ehemaligen Schüler David Mason (Luke Bracey) und einem russischen Ein-Frau-Killerkommando, bei dem nicht auffällt, dass Roger Donaldsons Film auf einem dreißig Jahre altem Agenten-Thriller basiert.
Bill Granger schrieb zwischen 1979 und 1993 dreizehn Romane mit Devereaux, einem Agenten für die R Sektion, die von Präsident Kennedy gegründet wurde, um die Überwacher zu überwachen. Für den Film wurde – was ja nicht immer der Fall ist – die Geschichte von „There are no spies“ umfassend modernisiert und in die Gegenwart verlegt. Die Konflikte, die politischen Hintergründe und die Technik ebenso. Denn als Granger den siebten „November Man“-Roman schrieb waren Handys und die modernen Überwachungstechniken noch Science-Fiction. Dafür gab es den Ostblock noch.
Roger Donaldson, der bereits mit „No Way Out“, „Der Einsatz“ und „Bank Job“ (wobei hier der Gangsterfilm im Vordergrund steht) gelungene, im Agentenmilieu spielende Thriller inszenierte und Pierce Brosnan vor „Dante’s Peak“ vulkanös in Szene setzte, hat mit seinem neuesten Film wieder gutes Erzählkino abgeliefert. Es ist grundsolide Genreware, für die sich niemand zu schämen braucht und die vor allem auf die Cleverness des Helden setzt.
An „The November Man“ sieht man aber die verheerenden Folgen von „24“ für solche sich mit mittleren Budgetrahmen bewegende Spionagethriller. Denn „24“ und einige andere hochkarätige TV-Serien sehen so gut aus, dass sie sich vor Kinofilmen nicht mehr verstecken müssen. Im Gegenzug sehen die Kinofilme dann zu sehr nach TV aus und irgendwie erwartet man noch ein, zwei Wendungen, gleichzeitig mehr und weniger Handlung und der Protagonist soll noch etwas zwiespältiger sein. Dabei ist Devereaux, wie man es aus den Siebziger-Jahre-Thrillern kennt, ein eiskalter, illusionsloser Killer, der gnadenlos und ohne Gewissensbisse Gewalt einsetzt. Sein schlechtes Gewissen, falls er überhaupt eines hat, bekämpft er mit Alkohol. Jedenfalls trinkt er Schnäpse wie andere Menschen Säfte. Und er würde niemals zu einem Therapeuten gehen oder sich von seinem Land für deren Politik einspannen lassen. Das unterscheidet ihn von einem Jack Bauer oder einem Jason Bourne.
Auch wenn die Kritiken gemischt waren – vor allem wurde bemängelt, dass der Film nicht mehr als ein solider Genrefilm sein will -, haben die Produzenten bereits einen zweiten Film mit Devereaux ankündigt.
Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für den Genrejunkie, der natürlich darauf hofft, dass das Potential des Charakters stärker ausgeschöpft wird.
The November Man (The November Man, USA 2014)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Michael Finch, Karl Gaydusek
LV: Bill Granger: There are no spies, 1986 (Wiederveröffentlichung mit dem Filmtitel „The November Man“; was dummerweise auch der Titel des ersten Devereaux-Romans ist, der dafür jetzt einen anderen Titel hat)
mit Pierce Brosnan, Olga Kurylenko, Luke Bracey, Bill Smitrovich, Will Patton, Lazar Ristovski, Amila Terzimehic, Mediha Musliovic
– DVD
Universum Film
Bild: 1,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Horgeschädigte
Bonusmaterial (27 Minuten): Featurettes „Pierce Brosnan ist zurück!“, „Schauplatz Belgrad“, Making Of, Trailer, Wendecover
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Moviepilot über „The November Man“ Metacritic über „The November Man“ Rotten Tomatoes über „The November Man“
Wikipedia über „The November Man“ (deutsch, englisch) und Bill Granger SpyGuysAndGals über Devereaux
Während in den USA David Cronenbergs neuer Film gerade in den Kinos anläuft, erscheint er bei uns schon auf DVD – und ich nehme die Gelegenheit wahr, mir den Film wieder ansehen und meine erste Meinung zu überprüfen. Zum Kinostart schrieb ich:
Natürlich muss in einem Film nicht alles logisch sein. Manchmal muss man halt die Logik links liegen lassen und wenn der Rest stimmt, habe ich als alter Alfred-Hitchcock-Fan kein Problem damit. Auch eine Abfolge absurder Zufälle kann ich akzeptieren. Wenn der Rest stimmt. In David Cronenbergs neuem Film „Maps to the Stars“ gibt es eine überschaubare Zahl absurder Zufälle, aber viel zu viele vollkommen unlogische Momente; sowohl in der Realität als auch in der Fantasie und wie beide Welten miteinander zusammenhängen. Denn „Maps to the Stars“ spielt in Hollywood. Die Traumfabrik ist natürlich Thema des Films und fast alle Charaktere haben Probleme mit der Realität. Sie haben immer wieder Visionen und Geister hängen überall herum in der Stadt der Engel. Insofern zeigt Cronenberg wieder einmal eine dystopische Welt, in der Schauspieler von ihren Alpträumen verfolgt werden und sie ein gestörtes Verhältnis zu sich und ihrem Körper haben. So will Havanna Segrand (Julianne Moore), deren Karriere vor sich hin dümpelt, in einem Biopic unbedingt ihre Mutter, zu der sie keine gute Beziehung hatte, spielen. In ihren Tagträumen wird sie von ihrem Geist verfolgt. Auch der dreizehnjährige Jungstar Benji Weiss (Evan Bird) sieht Geister. Denn der drogensüchtige, frisch aus der Therapie entlassene Kotzbrocken glaubt, dass alle jüngeren Schauspieler ihm die Show stehlen wollen. Seine Eltern kümmern sich, abgesehen von seiner Karriere, nicht um ihn. Sie pflegen die Fassade des heilen Familienlebens. Benjis Mutter Cristina (Olivia Williams) managt seine Karriere und damit ihr Einkommen. Sein Vater Stafford (John Cusack) ist ein gut verdienender Selbsthilfeguru mit einer TV-Show, der seine Hollywood-Patienten mit einer Gaga-Therapie therapiert, die – immerhin sind wir in einem Cronenberg-Film – an eine Vergewaltigung, bei der das Opfer Geld dafür bezahlt, erinnert. Ihre Tochter verleugnen sie so gut, dass anscheinend niemand etwas über sie weiß. Sie wurde einfach vor einigen Jahren aus der Familie ausradiert. Agatha (Mia Wasikowska), die diese Tochter ist, was wir allerdings erst relativ spät im Film erfahren (bis dahin ist sie nur eine junge, schüchterne Frau mit Verbrennungen), kehrt am Filmanfang aus einer geschlossenen Anstalt (auch das erfahren wir erst sehr spät und noch später erfahren wir, warum sie dort war) vom anderen Ende des Landes in einem Greyhound-Bus nach Hollywood zurück, lässt sich von einem Chaffeur (Robert Pattinson), der natürlich in Hollywood Karriere machen möchte, in einer Nobellimousine wie ein Landei, das zum ersten Mal in Hollywood ist, durch die Stadt kutschieren, steigt dann in einem billigem Motel ab und erhält zufällig eine Arbeit bei Havanna Segrand. Bei ihren Eltern meldet sie sich nicht. Die erfahren auch nur zufällig, dass ihre Tochter wieder zurück ist. Gerade am Anfang sieht „Maps to the Stars“ wie eine weitere Satire auf Hollywood auf, die gelungen und mit offensichtlichen Anspielungen an Meisterwerke wie Billy Wilders „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, Robert Altmans „The Player“ oder David Lynchs „Mulholland Drive“ anknüpft. Schon früh bewegt Cronenberg sich allerdings von der Hollywood-Satire weg zu einem Geisterfilm. Plötzlich hängen überall Geister herum und sie erscheinen auch jedem; oft ohne dass ein direkter und konkreter Bezug zu den Taten, Wünschen und Ängsten der Person, die sie sieht, erkennbar ist. Eben diese Beliebigkeit, die eine gute Szene mehr schätzt als eine sinnvolle Gesamtkonstruktion der Geschichte, lässt das Interesse schnell erlahmen. Denn ein irgendwie nachvollziehbarer Ursache-Wirkungszusammenhang ist nicht mehr zu erkennen. Aber das ist noch nicht die letzte Drehung in dieser Geschichte, die zunächst wie ein Ensemblefilm angelegt ist. Die verschiedenen Plots laufen, ziemlich gewollt, zu einem Porträt einer dysfunktionalen und vollkommen verkorksten Familie zusammen, das allerdings wenig interessiert, weil in dem Moment nur noch ein Anything-goes-Gefühl herrscht. Entsprechend wenig schockierend fallen dann die letzten Enthüllungen der Geheimnisse der Familie Weiss aus. Sie bestätigen nur den Eindruck, dass Regisseur David Cronenberg und Autor Bruce Wagner („Wild Palms“) nicht wussten, was sie letztendlich erzählen wollten. Wenn man den Film allerdings als einen surrealen Traum sieht, bei dem nichts wirklich zusammenpasst, bei dem jede Erklärung von dem nächsten Bild sabotiert wird, bei dem man sich nur auf den Augenblick konzentriert, dann entwickelt er sicher ungeahnte Qualitäten.
Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Julianne Moore, die vor wenigen Tagen für ihre Rolle in „Still Alice“ den schon lange verdienten Oscar gewonnen hat. Für „Maps to the Stars“ hätte sie ihn, wenn der Film nicht erst vor einigen Tagen regulär in den US-Kinos angelaufen wäre, auch bekommen können. Für die nächste Oscar-Preisverleihung dürfte Cronenbergs Film dann schon etwas zu alt sein.
Und jetzt zu David Cronenbergs „Sunset Boulevard“ (Boulevard der Dämmerung). Auch beim zweiten Sehen ist erschreckend, wie sehr „Maps to the Stars“ in der zweiten Hälfte in sich zusammenfällt. Denn anstatt bei der Hollywood-Satire zu bleiben, wird „Maps to the Stars“ über weite Strecken zu einem Familiendrama, das nicht sonderlich interessiert. Dafür sind die Charaktere zu eindimensional und zu sehr auf Satire getrimmt. Die Enthüllungen aus der Familie Weiss, die uns schockieren sollen, sind in diesen Momenten zu beliebig. Anstatt zu schockieren, lösen sie höchstens das Da-will-aber-jemand-unbedingt-ein-Tabu-brechen-Achselzucken aus. Denn im Gegensatz zu „Chinatown“, wo am Ende Privatdetektiv J. J. Gittes (Jack Nicholson) mit der Fassung ringt, gibt es in „Maps to the Stars“ nur gähnende Langeweile. In diesen Momenten wird die Filmgeschichte nicht mehr von den Charakteren, sondern nur noch vom Willen des Drehbuchautors nach einer einer weiteren Plotwendung vorangetrieben. Also gibt es eine Enttarnung (Inzest!), ein, zwei Morde, Tote und einen erschossenen Hund, dessen Tod von seinem Besitzer wirklich betrauert wird. Im Gegensatz zu all den anderen Toten.
Das ist schade. Denn gerade in der ersten Hälfte gelingen Cronenberg herrlich verdichtete Szenen aus einer sonnigen Vorhölle, in denen alles stimmt.
Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Interviews mit den Beteiligten, die vor dem Filmstart für das EPK (Eletronic Press Kit) gemacht wurden. Deshalb konzentriert es sich weniger auf das Informative, sondern mehr auf das Werbliche. Aber gerade die insgesamt gut 33 Minuten Interviewschnipsel geben auch einige Einblick in die Filmgeschichte, ohne etwas Grundlegendes zu verraten. Immerhin sollen die Interviewclips ja in Berichten über den Film verwandt werden und da wäre es blöd, wenn das Ende verraten würde.
Die beiden Featurettes sind in knapp vier Minuten angesehen und die dreizehn Minuten B-Roll sind halt B-Roll.
Maps to the Stars (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
mit Julianne Moore, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Carrie Fisher
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– DVD
MFA
Bild: 1.85:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DTS HD 5.1),
Unertitel: Deutsch, SDH (Untertitel für Hörgeschädigte)
Bonusmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack; Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz; B-Roll; Zwei Featurettes; Zwei TV-Spots; Trailer
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die „Maps to the Stars“-Pressekonferenz vom Toronto International Film Festival (TIFF)
– Bonushinweis
Immer noch nicht gelesen, aber David Cronenbergs erster Roman „Verzehrt“ erhielt schon einige lobende Worte und ganz schlecht kann er nicht sein. Er erzählt von einer Journalistin und einem Fotograf, die viel miteinander skypen. Sie recherchiert in Paris einen Mordfall: der berühmte Philosoph Aristide soll seine Frau ermordet haben. Er fotografiert in Budapest eine riskante Operation und verliebt sich in die Patientin.
Er drehte auch, obwohl sie nichts Ungewöhnliches zeigen, einige sehr verstörende Trailer zum Buch:
Und zum Abschluss einige Worte vom Meister. Alle gesprochen im Umfeld der Veröffentlichung von „Verzehrt“:
Er liest aus seinem Roman vor und spricht über ihn (St. Francis College, 2. Oktober 2014)
Ein Gespräch zum Roman „Verzehrt“; nicht nur über den Roman (aufgenommen Ende September in Toronto bei einer öffentlichen Prösentation; Bild und Ton sind – naja):
Und Wired hat sich ebenfalls mit David Cronenberg über seinen Roman unterhalten:
Ich habe keine Ahnung, warum „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ keinen deutschen Kinostart bekommen hat. Denn an der Besetzung und der Story kann es nicht liegen. Brad Anderson, zuletzt „The Call – Leg nicht auf“, liefert hier wieder einen spannenden Genrefilm. Dieses Mal ist es ein fast schon klassischer Horrorfilm, der auf der Kurzgeschichte „Das System des Doktors Pech und des Professors Feder“ von Edgar Allan Poe basiert, die etwas modernisiert und ordentlich erweitert wurde.
Weihnachten 1899 trifft der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) in der abgelegenen Irrenanstalt Stonehearst ein. Der Anstaltsleiter Dr. Lamb (Ben Kingsley) führt ihn durch die Anstalt und macht ihn mit seinem Therapiekonzept bekannt: die Patienten genießen maximale Freiräume. Sie dürfen ihren Wahn ausleben und sind glücklich. Lamb gibt ihnen ein sicheres Umfeld. Denn was ist besser: ein glücklicher Mann, der sich für ein Pferd hält oder ein therapierter, aber unglücklicher Mann? Newgate ist fasziniert. Vor allem von der bildschönen Pianistin Eliza Graves (Kate Beckinsale).
Als er in der Nacht durch das riesige Haus streift, entdeckt er im Keller eine Gruppe Gefangener, die behaupten, dass sie von ihren Patienten im Keller eingesperrt wurden, sie vollkommen normal seien und er ihnen helfen solle. Aber wie? Und sagen sie ihm die Wahrheit? Denn natürlich behauptet jeder Irre, dass nicht er, sondern die anderen verrückt sind.
Neben den schon erwähnten Stars Jim Sturgess, Kate Beckinsale und Ben Kingsley sind auch Michael Caine (als einer der im Keller Eingesperrten), David Thewlis, Brendan Gleeson (eigentlich nur eine Nebenrolle) und Jason Flemying bei diesem Trip in den Wahnsinn dabei.
Anderson inszenierte die Geschichte ohne neumodische Effekthaschereien gediegen altmodisch wie einen klassischen Horrorfilm, der genau deshalb gefällt und der, im Gegensatz zu „Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes“ allemal einen Kinostart verdient hätte. Denn „Stonehearst Asylum“ ist in jeder Beziehung der bessere Film.
Am Ende der ersten Staffel der Science-Fiction-Serie „Orphan Black“ verschwanden Sarah Mannings Tochter Kira und ihre Pflegemutter, Mrs. S, spurlos.
Die zweite Staffel beginnt wenige Sekunden später und, nachdem die erste Staffel öfter etwas ziellos vor sich hin plätscherte, thrillt die zweite Staffel von der ersten Sekunde an. Sarah Manning ist – für alle, die die erste Staffel nicht gesehen oder meine Besprechung nicht gelesen haben – ein Klon. Das erfährt sie zufällig, als sie auf einem Bahnsteig einen Suizid beobachtet, die Tasche ihrer Doppelgängerin klaut und deren Identität annimmt. Kurz darauf trifft sie auf eine weitere Doppelgängerin und, ehe sie komplett den Überblick über ihre Zwillinge verliert, erfährt sie von einer der Doppelgängerinnen, dass sie alle Klone sind und in verschiedenen Städten auf verschiedenen Kontinenten leben. Eigentlich hätten sie sich niemals begegnen dürfen. Sie wollen jetzt herausfinden, wer ihr Erzeuger ist und warum sie geklont wurden. Es gibt einige Hinweise, die alle zum Dyad-Konzern und Doktor Leekie führen.
Diese Hinweise werden in der zweiten Staffel konkreter, es gibt einige überraschende Enthüllungen, Sarah Manning trifft auch auf ihren Erzeuger und sie und ihre geklonten Schwestern müssen sich mit einer christlichen Sekte herumschlagen, während die Hintergründe, inklusive den Verwicklungen zwischen privater Wirtschaft und Militär, immer komplexer werden.
Und weil Klone gleich aussehen, werden sie alle von Tatiana Maslany gespielt, die hier eindrücklich ihr Können zeigt. Nicht nur, dass es immer wieder Szenen gibt, in denen die Klone im gleichen Raum miteinander diskutieren, was dann schon einmal ein halbes Dutzend Frauen sind. Das ist vor allem eine logistische Herausforderung beim Dreh. Viel beeindruckender ist, wie Maslany die verschiedenen Klone spielt. Sie sind sofort klar unterscheidbare, glaubwürdige Charaktere, die man nie miteinander verwechselt: die Straßengöre, die Vorstadtmutter, die Wissenschaftlerin, die Psychopathin und neue Klone, wie die eiskalte Geschäftsfrau und der Transgender-Klon. Und sicher habe ich jetzt einige von ihr gespielte Klone vergessen.
Nachdem die erste Staffel öfters seltsam ziellos vor sich hin plätscherte, haben die Macher in der zweiten Staffel ihren Rhythmus gefunden, in dem sie vor allem auf Thriller-Spannung setzen und pausenlos zwischen den verschiedenen Handlungssträngen (vulgo Klonen) hin und her wechseln und jeder Klon vor der Frage steht, wem sie vertrauen kann. Das führt dann zu einigen grandiosen Wendungen, die hier nicht verraten werden.
Jedenfalls machen sie neugierig auf die dritte „Orphan Black“-Staffel, die in Kanada und den USA am 18. April anläuft.
Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2 (Orphan Black, Kanada 2014)
Regie: John Fawcett, T. J. Scott, David Frazee, Helen Shaver, Brett Sullivan, Ken Girotti
Drehbuch: Graeme Manson, Karen Walton, Alex Levine, Russ Cochrane, Tony Elliott, Chris Roberts, Aubrey Nealon
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Skyler Wexler (Kira), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis)
– DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Featurette „A look inside“
Länge: 450 Minuten (10 Folgen à 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Zwischen den beiden abschließenden „Die Tribute von Panem“-Spektakelfilmen kann man, in aller Ruhe, noch einmal oder – was wahrscheinlich für die meisten gilt – erstmals einen Blick auf die heute als DVD und Blu-ray und als VoD erschienene John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ werfen. Über Philip Seymour Hoffmans letzten wirklich wichtigen Film schrieb ich zum Kinostart:
Auch wenn es noch zwei „Die Tribute von Panem“-Filme mit Philip Seymour Hoffman gibt, ist Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ der letzte richtige Film des am 2. Februar 2014 verstorbenen Charakterschauspielers. Denn in dem Film spielt er, der oft prägnante Nebenrollen hatte und großartige Bösewichter spielte, die Hauptrolle: den deutschen Geheimagenten Günther Bachmann, der in Hamburg eine kleine Agenteneinheit leitet. Im Film wird die Einheit nicht genauer spezifiziert. Im Roman ist es, bitte nicht Lachen, die Spezialeinheit Hintergrund des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz. Bachmann will nicht den kurzfristigen Erfolg, sondern die Hintermänner des islamistischen Terrors finden. Als Issa Karpov auftaucht, wittert er seine große Chance. Karpov, ein über den Hafen illegal eingereister Flüchtling mit deutlichen Spuren von Folter an seinem Körper, will an das Geld von seinem Vater, einem Russen, der nach dem Ende der Sowjetunion Geschäfte mit der russischen Mafia machte und vermögend wurde. Das Geld ist bei einer auf Diskretion bedachten Privatbank. Bachmann glaubt, dass der Halbtschetschene Karpov mit dem Geld den internationalen Terrorismus fördern will. Auch andere Geheim- und Sicherheitsdienste und die Amerikaner glauben das. Aber die Ansichten, wie man Karpov behandeln soll, gehen auseinander und schnell erleben wir ein Karussell von Geheimdienstintrigen, in die auch eine junge, idealistische Anwältin und ein älterer Bankierssohn, verwickelt werden, während Karpov immer nur die Projektionsfläche der verschiedenen Dienste bleibt. Denn es gibt absolut keinen handfesten Beweis für die Vermutungen der Agenten. Das alles ist bester le-Carré, der von „Lantana“-Drehbuchautor Andrew Bovell sparsam von 2008 (Prä-NSA, Prä-NSU) in die Gegenwart (Post-NSA, Post-NSU) übertragen wurde. Wahrscheinlich deshalb wirkt die Geschichte, die politischen Hintergründe und die verwandte Technik etwas anachronistisch. Die Schauspieler sind gut. Neben US-Stars wie Hoffman (dem unumstrittenem Zentrum des Films), Rachel McAdams, Willem Dafoe und Robin Wright, spielen auch deutsche Stars, wie Nina Hoss, Daniel Brühl (der zwar viel Screentime, aber nur ungefähr einen Dialogsatz hat), Rainer Bock und Martin Wuttke, mit. Die Bilder (Kamera: Benoit Delhomme) sind, wie bei Corbijn gewohnt, prächtig. Corbijn war vorher ein bekannter Fotograf und so ist auch jedes Bild von „A most wanted man“ geeignet, als Einzelbild gedruckt zu werden. Es gibt auch einen Bildband zum Film. Aber diese Bilder von Hamburg erinnern in ihrer Stilisierung immer an das Berlin der achtziger Jahre; jedenfalls wie wir es heute von SW-Fotos kennen. Es sieht nie – obwohl ich schon länger nicht mehr in Hamburg war – wie das heutige Hamburg aus. Außerdem irritiert in der Originalfassung, dass alle Englisch sprechen. Denn es wird eine deutsche Geschichte erzählt wird, die in Deutschland spielt mit deutschen Charakteren, die in der Realität natürlich in ihrer Landessprache sprechen würden. Bis auf die von Robin Wright gespielte CIA-Mitarbeiterin sind die Hauptcharaktere Deutsche, die in den wichtigen Rollen von US-Amerikanern gespielt werden, und alle reden immer Englisch. Deutsch wird höchstens bei der Getränkebestellung gesprochen. Das fühlt sich dann, jedenfalls für uns Deutsche, schon sehr seltsam an. Corbijn will, wie schon in seinem vorherigen Film „The American“ (mit George Clooney), nicht thrillen. Er inszeniert deshalb diese Episode aus dem Kampf der Geheimdienste, die wie der Roman abrupt endet, in einem getragenen Tempo, in dem jeder Schauspieler seinen langsam gesprochenen Sätzen hinterherlauscht und es meist eine Kunstpause vor dem nächsten Satz gibt. Das ist als Schauspielerkino nicht ohne Reiz, aber es ist auch teilweise genauso spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. „A most wanted man“ ist ein Agententhriller der im Ränkespiel der Dienste konsequent jeden Thrill vermeidet und so nicht so gut ist, wie er hätte sein können.
Beim zweiten Ansehen, dieses Mal in der deutschen Fassung, gefiel mir der Film besser. Denn der in der Originalfassung für uns vorhandene und immer irritierende Verfremdungseffekt ist nicht mehr vorhanden. Es ist immer noch eine kleine Episode aus dem unglamourösen Agentenleben, die in erster Linie ein intellektuelles Vergnügen ist, bei der wir beobachten, wie die Dienste, unter ständiger Berücksichtigung ihrer Eigeninteressen, zusammenarbeiten und im entscheidenden Moment eiskalt ihre Chance nutzen. Da ist der Einzelne, wie man es auch aus den anderen Romanen von John le Carré kennt, nur ein von anderen benutzter Spielball.
Außerdem können unsere deutschen Schauspieler, befreit von den Fesseln schlechter deutscher Drehbücher, endlich einmal ihr Können zeigen.
Das Bonusmaterial, ein fünfzehnminütiges „Making-of“ und das neunminütiges Featurette „Spy Master – John le Carré in Hamburg“ bieten interessante Einblicke in die Hintergründe des Films. Immerhin kommen Anton Corbijn und John le Carré zu Wort.
Corbijn nächster Film „Life“ über einen Fotografen des Life Magazine, der 1955 eine Fotostrecke über den aufstrebenden Schauspieler James Dean machen soll, lief bereits auf der Berlinale. In Deutschland soll der Film am 1. Oktober anlaufen.
A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Andrew Bovell
LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)
mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke
– DVD
Senator
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Making-of; Featurette: Spy Master – John le Carré in Hamburg
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (Hauptfilm ab 6 Jahren)
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Niemand der noch alle Tassen im Schrank hat, wird behaupten, dass „The Executor – Der Vollstrecker“ von Giuliano Carmineo (der hier einmalig als Jules Harrison firmierte und als Anthony Ascott etliche Italo-Western inszenierte) ein guter Film ist. Es ist Bahnhofskinoware (als es diese Kinos noch gab), Exploitation, das in einer Zweit- oder Drittverwertung aktuelle Themen und Kinoerfolge ausbeutet. Mit unbekannten Schauspielern, die teilweise ebenfalls unter amerikanisch klingenden Pseudonymen arbeiten. Und die genau wegen dieser niedrigen Erwartungen oft gar nicht so schlecht sind. Aus heutiger Sicht haben sie auch etwas von einer Zeitkapsel. Denn die Angst vor der globalen Katastrophe und die Folgen der Umweltzerstörung, die damals oben in der öffentlichen Agenda standen, wurden schon seit Langem nicht mehr so explizit und pessimistisch angesprochen wie in diesem 1983 entstandenem Film.
In „The Executor – Der Vollstrecker“ hat die Menschheit vor einigen Jahren die gesamte Umwelt vernichtet. Die Erde ist jetzt ein Wüstenplanet. Skrupellos wird um die letzten Wasserreste gekämpft. Eine friedlich zusammenlebende Gruppe hat in einem Höhlensystem ein Treibhaussystem, das sie mit Nahrung versorgt, eingerichtet. Als deren Quelle versiegt, wollen einige Gruppenmitglieder zu einer Solaranlage fahren, in der sie Wasser vermuten. Ihre Karawane wird von Crazy Bull überfallen. Nur der zehnjährige Tommy überlebt. Er verbündet sich mit Tiger, einem Einzelgänger (jaja, die Italo-Variante von „Mad Max“). Gemeinsam machen sie sich auf den Weg.
Besonders logisch ist die postapokalyptische Welt von „The Executor“ natürlich nicht, aber es ist die damals im Gefolge von „Mad Max II – Der Vollstrecker“ (1981) populäre Welt, die vor allem eine Leistungsschau der Stuntmänner irgendwo in der Wüste ist. Auch in Carnimeos Film sind die Stunts prächtig. Weil es noch keine CGI gab, wurde mit Feuerwerk gezündelt und Autos und Menschen flogen durch die Luft. Das sieht man im heutigen Kino so leider nicht mehr. Die Story selbst ist im Endeffekt die Geschichte eines nicht besonders guten Italo-Western in anderen Kleidern, aber in der vertrauten Wüstenkulisse.
Auf der DVD ist der Film in der ungeschnittenen Fassung enthalten. Deshalb ist ein kurzer Dialog zwischen Tiger und Crazy Bull, in dem es um die Herkunft von Tigers Auto und ihre Beziehung zueinander geht, deutsch untertitelt.
Die Bildqualität ist nicht überragend, aber wahrscheinlich war – immerhin hatte man damals bei diesen Filmen nicht daran gedacht, dass irgendjemand sie sich dreißig Jahre später noch ansehen möchte – nicht mehr drin. Auch beim Ton gibt es, wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, ab und an einige Störgeräusche und es gibt nur zwei deutsche Tonspuren. Weil Ascot Elite, die den Film damals im Kino verlieh, normalerweise alle bei ihnen verfügbaren Tonspuren draufpackt, war wohl nur noch diese Tonspur erhalten.
Außerdem gibt es den Trailer, eine Bildergalerie und einen Bildvergleich der Drehorte, der uns vor allem verrät, wo in Spanien gedreht wurde.
Am 2o. März erscheint bei XCess eine limitierte Sonderausgabe des Films auf Blu-ray (mit beiliegender DVD) und einiges an Bonusmaterial, unter anderem ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Torsten „Wortvogel“ Dewi und einem Audiokommentar mit Kai Naumann und Marc Barion. Diese Fassung soll restauriert sein und auch eine englische Tonspur enthalten; wobei der Film nicht auf Englisch gedreht wurde.
– Einige zeitgenössische Kritiken
„Den Italienern gebührt zweifellos die Krone, wenn es darum geht, postatomaren Schwachsinn auf Film zu bannen.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films)
„Formal niveaulose und brutale postatomare Endzeitvision mit den üblichen Bandenkriegen, die auch durch den spärlichen Humor nicht erträglicher wird.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Die üblichen Ingredenzien von Action und Brutalität in einer Brachialregie sondergleichen.“ (Fischer Film Almanach 1985)
The Executor – Der Vollstrecker (Sterminari del Anno 3000, Italien/Spanien 1983)
Regie: Giuliano Carnimeo (als Jules Harrison)
Drehbuch: Elisa Briganti, Dardano Sacchetti, James A. Prich
mit James Clayton, Robert Warner, Alan Collins, Fred Harris, Beryl Cunningham, Luca Venantini
– DVD Ascot Elite (Cinema Treasures)
Bild:1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Bildvergleich Drehorte, Wendecover
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise
Realistisch ist das nicht gerade, aber aus zahlreichen Krimis bekannt: der Ermittler ist persönlich in den Fall involviert – und vor allem in einem Einzelroman oder -film kann das sehr gut funktionieren. In einer Serie eher weniger. Aber letztendlich hängt es natürlich vom Können der Macher ab, eine spannende und mitreisende Geschichte zu erzählen.
Die Mo-Hayder-Verfilmung „Die Behandlung“ setzt sich da zwischen die Stühle. Sie basiert auf ihrem zweiten Jack-Caffery-Roman. Inzwischen hat sie sieben Caffery-Romane veröffentlicht, aber zwischen dem zweiten und dem dritten Carrery-Roman lagen sieben Jahre, in denen sie zwei andere Romane veröffentlichte.
Als eine Familie entführt, gefoltert und nach einigen Tagen aus der Gefangenschaft entkommen kann und ihr Kind kurz darauf tot aufgefunden wird, bemerkt Inspektor Nick Cafmeyer (Geert Van Rampelberg, „Code 37“, „The Broken Circle“) Gemeinsamkeiten zwischen dieser Entführung und der Entführung seines immer noch spurlos verschwundenen Bruders vor vielen Jahren. Damals als Kind beobachtete er die Entführung, aber der Täter, ein Nachbar, wurde nicht verhaftet und er liefert sich immer noch ein Psychoduell mit Cafmeyer, der allein im Haus seiner Eltern wohnt.
Bei seinen Ermittlungen beschreitet Cafmeyer immer wieder eigene Wege, überschreitet auch das Gesetz und hat immer wieder den richtigen Riecher wenn er den „Troll“, wie in Gerüchten ein Kindermörder genannt wird, verfolgt.
Diese erste Verfillmung eines Romans von Mo Hayder ist als atmosphärischer Kriminalfilm, der vor allem auf seine Bilder setzt, durchaus gelungen und auch die Transformation der Geschichte von London nach Belgien funktioniert. Aber bei Belgien muss man, wenn es um Pädophilie und pädophile Netzwerke (die im Film nur angedeutet werden) geht, natürlich an den Belgien erschütternden Fall Dutroux denken, der vor fast zwanzig Jahren auch europaweit für Aufsehen sorgte. Dann ist, wie in diesem Film, in dem auch immer wieder ein größeres Pädophilennetzwerk angedeutet wird, ein verhaltensgestörter Einzeltäter eine milde Enttäuschung.
Letztendlich ist „Die Behandlung“ nicht mehr als ein handelsüblicher Thriller, der aber – wieder einmal – zeigt, dass gute Genreware nicht unbedingt aus Hollywood kommen muss und dass man auch ohne ein extraordinär hohes Budget einen gut aussehenden Film drehen kann.
Das Bonusmaterial ist kurz, aber informativ.
Die Behandlung (De Behandeling, Belgien 2014)
Regie: Hans Herbots
Drehbuch: Carl Joos
LV: Mo Hayder: The Treatment, 2002 (Die Behandlung)
mit Geert Van Rampelberg, Ina Geerts, Johan van Assche, Laura Verlinden, Dominique Van Malder, Roel Swaenenberg, Kyan Steverlynck, Ingrid De Vos
– DVD
Capelight
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Niederländisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Premieren-Featurette, Entfallene Szenen, Trailer, Wendecover
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Rotten Tomatoes über „Die Behandlung“
Wikipedia über „Die Behandlung“ und Mo Hayder (deutsch, englisch) Homepage von Mo Hayder
–
Ein etwas älteres deutsch-englisches Interview mit Mo Hayder
Die von Quentin Dupieux porträtierten „Wrong Cops“ sind keine falschen Polizisten, sondern echte Gesetzeshüter die einfach alles falsch machen. Sie verkaufen Drogen, elegant getarnt in toten Ratten. Sie nehmen einen Mordfall nicht auf, sondern glauben ungerührt die vollkommen idiotische Geschichte des Zeugen, während sie seinen Kühlschrank inspizieren. Gelangweilt schikanieren sie alle Bürger, denen sie begegnen. Ein Polizist ist busenfixiert. Ein anderer will erotische Bilder von ihm, die in einem Schwulenmagazin erschienen sind, vor seiner Familie verbergen. Ein anderer arbeitet, obwohl er vollkommen untalentiert ist, in erster Linie an seinem großen Durchbruch als Musiker (die Musik ist von Mr. Oizo). Außerdem wird von den Polizisten ein angeschossener Mann, der eigentlich schon lange Tod sein sollte, durch die Geschichte geschleppt. Mal ist er im Kofferraum, mal auf der Rückbank des Autos, mal blutet er auf einer Couch und er hat immer nur einen Wunsch. Er möchte, zur Ablenkung von seinen Schmerzen, Musik hören.
Aber nicht nur die Polizisten sind schräg. Auch alle anderen Charaktere verhalten sich seltsam. So ist ein Plattenproduzent zuerst von der Verkaufsshow des Musikers begeistert. Einen uniformierten Polizisten und einen blutenden Verdächtigen hat er noch nicht gesehen und nur wenige Musiker verstehen so viel von Werbung. Als er erfährt, dass der Polizist ein echter Polizist ist und der andere Mann wirklich verblutet, bedauert er nur, dass jetzt auch der Werbeauftritt des Musikers nicht mehr vorhanden ist. So könne er den schlechten Song überhaupt nicht mehr verkaufen.
Und ein schüchterner Jugendlicher erlebt mit dem Polizisten Duke (der auch mit Drogen in Ratten und, später, Fischen handelt) das verstörendste Erlebnis, das er je hatte. Der Teenager wird von Marylin Manson gespielt.
Das ist unverkennbar die Welt von Quentin Dupieux, der mit „Rubber“ (über einen mörderischen Autoreifen) und „Wrong“ (über die Such nach einem entführten Hund), bereits zweimal beim Fantasy-Filmfest überzeugte. Auch „Wrong Cops“ wurde dort gezeigt und, im Gegensatz zu seinen beiden vorherigen Spielfilmen ist „Wrong Cops“ eine Ansammlung von Sketchen, die man auch in einer anderen Reihenfolge (zum Beispiel chronologisch) hätte zeigen können.
Insofern ist der Film eine Entspannungsübung mit ziemlich seltsamen Polizisten – und einigen alten Bekannten aus den vorherigen Filmen von Dupieux.
Wrong Cops – Von Bullen und Biestern (Wrong Cops, Frankreich/USA/Russland 2013)
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
mit Eric Judor, Steve Little, Mark Burnham, Arden Myrin, Marilyn Manson, Eric Wareheim, Eric Roberts, Ray Wise, Jack Plotnick
– DVD
Tiberius Film
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, DD 2.0, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 79 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise
Die DVD-Veröffentlichung von Kelly Reichardts hochgelobtem Thriller „Night Moves“ ist natürlich eine gute Gelegenheit, sich diesen Film noch einmal anzusehen. Zum Kinostart schrieb ich:
Leichte Koste ist „Night Moves“ definitiv nicht und gerade zwischen den vielen schreiend bunten Blockbustern und Feelgood-Movies fällt Kelly Reichardts neuer Film, nach dem Anti-Western „Meek’s Cutoff“, wie ein verschrummelter Bio-Apfel in einem prächtig hergerichteten Buffet auf. Denn in ihrem Film wird kaum geredet, die Farben sind fahl, die Bilder meistens sehr dunkel und schon von der ersten Sekunde schwebt ein Hauch von Fatalismus und Verzweiflung über dem Film. In dem Moment stehen Josh Stamos (Jesse Eisenberg) und Dena Brauer (Dakota Fanning) auf einem Staudamm irgendwo in South Oregon. Es ist nicht unbedingt, die Gegend, die man sich für seinen nächsten Sommerurlaub aussucht. Beide haben ein ökologisches Bewusstsein und sie haben einen Plan; – wobei es lange unklar ist, warum sie das Motorboot „Night Moves“ (nicht benannt nach dem Klassiker von Arthur Penn) kaufen und sich im Wald mit Harmon (Peter Sarsgaard) treffen, der überhaupt nicht von Denas Anwesenheit begeistert ist. Er kennt sie nicht und Josh hat ihm nichts über sie gesagt. Gemeinsam wollen sie mit dem Boot, das sie mit explosiven Düngermischung präparieren, einen Staudamm in die Luft jagen. In der ersten Stunde, in der die Vorbereitungen des Trios und der Anschlag (den wir nicht sehen) gezeigt werden, herrscht eine atemlose Thrillerspannung, die in der zweiten Stunde nicht durchgehalten wird. Dann zeigt Reichardts die Rückkehr der drei Feierabend-Terroristen, über die wir fast nichts erfahren, in ihren Alltag und wie das Bündnis zerbricht, weil bei dem Anschlag auch ein unterhalb des Staudamms campierender Mann getötet wurde und damit aus dem politischen Fanal etwas anderes wurde. Wobei wir nicht wirklich erfahren, warum Josh, Dena und Harmon den Anschlag verübten und warum Josh und Dena von Jugendlichen mit Öko-Bewusstsein zu Terroristen wurden. Denn während des gesamten Films sehen wir sie nicht einmal bei einer politischen Handlung, wie beispeilsweise bei einer Demonstration oder einer Diskussion. Über den Anschlag diskutieren sie auch nicht untereinander, weil sie das bereits vor längerem getan haben und nach dem Anschlag können sie mit anderen nicht darüber reden. Stattdessen wird viel geschwiegen. Wir sehen auch nicht, wie der Staudamm zerstört wird (in dem Moment befinden wir uns mit dem Trio auf der Flucht vom Tatort), welche Zerstörung sie an der Umwelt anrichten und die Ermittlungen der Polizei finden ebenfalls vollkommen im Off statt, weshalb nach der Tat für Josh, Dena und Harmon nur eine abstrakte Entdeckungsgefahr besteht, die auch nicht dadurch größer wird, dass Dena sich der Polizei stellen will. Denn das Hören wir nur von Harmon, der das gegenüber Josh behauptet, damit Josh sich um seine Freundin kümmert. „Night Moves“ ist ein ziemlich düsteres, pessimistisches, minimalistisches Drama mit eher unsympathischen, introvertierten und schweigsamen Charakteren das aufgeschlossene Zuschauer verlangt, die gerne die Lücken ausfüllen.
Beim zweiten Ansehen fällt dieser erzählerische Bruch zwischen den Vorbereitungen und dem Anschlag und den Auswirkungen des Anschlags wieder negativ auf. Denn während die erste Stunde zielgerichtet auf ein Ende zusteuert, ist die zweite Stunde (die keine volle Stunde ist) von der Leere, der Paranoia und auch dem Stillstand nach dem Anschlag geprägt. Vor allem der schweigsame Josh, der hier eindeutig der zentrale Charakter ist, schweigt fast die ganze Zeit. Über seine Tat kann er mit niemandem reden. In seinem bürgerlichen Leben auf dem Bauernhof, das wir jetzt zum ersten Mal sehen, wartet er auf die Polizei, die vielleicht kommt. Oder auch nicht. Diese bleierne Stimmung wird durch die ambientartige Musik von Jeff Grace, der konsequent jede akustische Zuspitzung vermeidet, noch verstärkt.
Und, auch wenn wir in der zweiten Stunde etwas mehr über Josh erfahren, bleibt er, wie Dena und Harmon, ein Enigma. Sowieso besteht das Trio aus drei Menschen, die keine nennenswerte Vergangenheit und einer Zukunft im Untergrund.
„Night Moves“ ist ein sehenswerter Anti-Thriller, dessen zweite Hälfte nicht die Qualität der ersten Hälfte hat und der sich zu sehr auf eine rein beobachtende Position und Andeutungen zurückzieht, was natürlich bei den Vorbereitungen und der Durchführung eines Anschlags kein Problem ist, aber insgesamt zu einem Problem wird. Denn am Ende hat man mehr Fragen als Antworten über die Charaktere.
Nennenswertes Bonusmaterial gibt es nicht.
Night Moves(Night Moves, USA 2013)
Regie: Kelly Reichardt
Drehbuch: Jon Raymond, Kelly Reichardt
mit Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat, Logan Miller, Kai Lennox, Katherine Waterston, James Le Gros
–
DVD
MFA Film/Ascot Elite
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer, Wendecover
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
In den späten Siebzigern war „Die Wildgänse kommen“ im Kino ein Riesenhit. In Deutschland hatte er fast vier Millionen Besucher und er belegte den sechsten Platz der deutschen Kinocharts von 1978. Selbstverständlich gab es danach weitere Söldnerfilme und auch „Missing in Action“ klopfte eine Jahre später an die Tür.
Als ich den Film vor Ewigkeiten im Kino sah, war ich begeistert und, das kann schon jetzt verraten werden, ich erinnere mich sehr genau an viele Szenen. Eigentlich an fast den gesamten Film. Aber natürlich ist man als Jugendlicher, wenn man höchstens einmal im Monat ins Kino geht, es auch an der Kasse vorbei schafft und sich einen Film anzusehen kann, den man noch nicht ansehen darf (ja, ich war noch Unter-16), wesentlich einfacher zu beeindrucken.
Naja, damals überlegte ich auch, wie ich mir einen „Eis am Stil“-Film ansehen kann. Denn die waren damals noch verbotener. Heute frage ich mich, nachdem ich mir auf YouTube einige Minuten angesehen habe, warum jemals irgendein Lebewesen sich einen solchen Mist ansehen möchte.
Daher fragte ich mich vor dem Ansehen der jetzt erschienenen, neu restaurierten Fassung (für mein Empfnden ist das Bild am Anfang zu Hell, aber insgesamt ist es gut und anscheinend deutlich besser als bei den vorherigen Ausgabe), ob mir „Die Wildgänse kommen“ heute immer noch gefällt.
Schon bei dem Vorspann fällt auf, wie viele bekannte Namen dabei sind. Die Produzenten Euan Lloyd und Erwin C. Dietrich wollten, sicher beflügelt durch den Erfolg von Sam Peckinpahs Weltkrieg-II-Film „Steiner – Das eiserne Kreuz“, mit viel Geld einen Kassenhit produzieren.
Der vor allem für sein kompetentes Handwerk bekannte Andrew V. McLaglen übernahm die Regie. Er inszenierte davor etliche Western, wie „MacLintock“, „Der Mann vom großen Fluß“, „Der Weg nach Westen“, „Bandolero“, „Chisum“, „Geier kennen kein Erbarmen“ und den unterschätzten Western „Der Letzte der harte Männer“ (mit Charlton Heston und James Coburn). Öfters arbeitete er mit James Stewart und John Wayne zusammen.
John Glen übernahm, wie schon vorher bei zwei James-Bond-Filmen und bei „Superman“, die Second-Unit-Regie. Später inszenierte er fünf James-Bond-Filme.
TV-Veteran Reginald Rose („Die zwölf Geschworenen“) schrieb das dichte Drehbuch, das die Geschichte ohne Hänger, aber auch ohne große Überraschungen, gradlinig vorantreibt.
Joan Armatrading, damals noch am Anfang ihrer Karriere, schrieb und sang das Titellied „Flight of the Wild Geese“.
Roy Budd schrieb die beschwingte Marschmusik, die das ganze Abenteuer wie einen Lausbubenstreich wirken lässt. Budd schrieb davor auch die Musik für „Get Carter“, „Fluchtpunkt Marseille“ und „Die schwarze Windmühle“; alle mit Michael Caine.
Und dann die Schauspieler, die ein kleines Who-is-Who der damaligen Stars sind. Heute erinnert so eine Ansammlung natürlich an die „Expendables“-Filme. Jedenfalls übernahm Richard Burton die Hauptrolle. Roger Moore, der damals James Bond war, spielt mit. Ebenso Stewart Granger, Hardy Krüger, Richard Harris (davor „Der Mann, den sie Pferd nannten“, „18 Stunden bis zur Ewigkeit“ und „Robin und Marian“), Barry Foster („Frenzy“ und die Hauptrolle in der englischen Krimiserie „Van der Valk“), Frank Finlay (Richard Lesters „Die drei Musketiere“-Filme und der deutsche „Van der Valk“) und einige Gesichter, die man aus damaligen englischen Spielfilmen kennt, ohne ihre Namen zu kennen. Es sind Charaktergesichter, die so heute kaum noch in Filmen auftreten.
Die Story selbst ist denkbar einfach. Colonel Allen Faulkner (Kann ein Ex-Militär einen Militärrang haben?) soll, im Auftrag von einem britischen Banker, in einem afrikanischen Land einen totgeglaubten Politiker aus der Gefangenschaft befreien. Faulkner stellt ein Team aus alten Kameraden und Neulingen zusammen. Sie trainieren. Am Heiligabend (das ist wahrscheinlich der einzige Weihnachtsfilm, bei dem es keine Weihnachtsbäume gibt) führen sie dann die Mission aus. Sie springen über dem Land ab, töten alle Bewacher von Präsident Julius Limbani, befreien ihn, gehen zum nächsten Flughafen, an dem sie von einem Flugzeug abgeholt werden sollen. Weil der Bankier mit den neuen Machthabern zu einer lukrativen Vereinbarung gekommen ist, cancelt er den Auftrag und das Flugzeug landet nicht. Jetzt sind die Söldner auf sich allein gestellt und sie schlagen sich, verfolgt von Feinden, durch das Land zu einem weiter entfernt liegendem Flugplatz.
Das ist effektiv erzählt und trotz der Länge von 129 Minuten erstaunlich kurzweilig. Es ist auch, wenn wir uns an neuere Aktionen von Söldnerfirmen in Afrika erinnern – ich sage nur „Executive Outcomes“ –, erstaunlich aktuell. Es ist auch, in seiner Glorifizierung des Söldnertums, ein Werbefilm für diese freischaffenden Soldaten, die ihre Talente dem höchsten Bieter zur Verfügung stellen und deren Moral niemals auch nur ansatzweise hinterfragt wird. Dass sie in „Die Wildgänse kommen“ letztendlich für die gute Sache kämpfen und der Rassist zum Freund des bei der Bevölkerung beliebten Revolutionärs (so eine Art Nelson-Mandela-Vorläufer) wird, verleiht den Söldnern einen Glorienschein, den sie nicht verdient haben. Immerhin bringen sie bei der Befreiung von Limbani ohne Skrupel mehrere hundert, größtenteils schlafende Soldaten um.
Sowieso sind die Söldner in „Die Wildgänse kommen“ echte Männer, die ihre Erfüllung im Dienst an der Waffe finden und sich dazwischen eher langweilen. Seelische Probleme haben sie nicht und wenn getrunken wird, dann aus Langeweile.
Die DVD enthält, neben dem Originaltrailer, auch einen, auf dem Cover nicht erwähnten Audiokommentar mit Euan Lloyd, John Glen und Roger Moore.
Die Wildgänse kommen (The Wild Geese, Großbritannien/Schweiz 1978)
Regie: Andrew V. McLaglen
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Daniel Carney: The Wild Geese, 1977 (Die Wildgänse kommen)
mit Richard Burton, Roger Moore, Richard Harris, Hardy Krüger, Stewart Granger, Jeff Corey, Frank Finlay, Barry Foster, Ronald Fraser, Kenneth Griffith, John Kani, David Ladd, Rosalind Lloyd, Winston Ntshona, Jake Watson
– DVD Ascot Elite
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar, Originaltrailer, Wendecover
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Rotten Tomatoes über „Die Wildgänse kommen“
Wikipedia über „Die Wildgänse kommen“ (deutsch, englisch)
Ich könnte jetzt die Schauspieler und die Optik loben und sagen, dass „Hunted – Vertraue Niemandem“ gar nicht so schlecht ist, aber allein schon die Zeit, die ich benötigte, um mir die achtstündige TV-Serie anzusehen, liebevoll gestreckt mit tagelangen Pausen und Filmen, die schon seit Jahren auf meiner Festplatte liegen, sagt genug: „Hunted“ ist eine schlechte Agentenserie.
Dabei ist der Auftakt gar nicht so schlecht: Während einer Mission in Tanger wird Sam Hunter (Melissa George) verraten. Bei einem Treffen soll sie ermordet werden. Schwer verletzt überlebt sie den Anschlag, lässt einige Leichen zurück und taucht unter.
Ein Jahr später meldet sie sich in London bei ihrem früheren Arbeitgeber, der privaten Sicherheitsfirma Byzantium, zurück. Als beste Agentin der Firma wird sie auch sofort wieder aufgenommen und sie darf auch gleich bei einer Operation mitmachen. Obwohl keiner ihrer Kollegen weiß, was damals in Tanger geschah und wo sie seitdem war. Naja, sie vertraut ihren Kollegen auch nicht. Denn sie will den Verräter finden und einer ihrer Kollegen ist es. Sie würde auch gerne wissen, warum sie verraten wurde.
Nach dem durchaus spannenden Anfang, bei dem vor allem die klischeehaften Dialoge stören, geht es abwärts. Die Mission plätschert vor sich hin. Sie sollen für einen unbekannten Auftraggeber Informationen über Jack Turner, den Bösewicht der Serie, beschaffen. Es geht um irgendeinen großen Wirtschaftsdeal. Das „warum“ und „wieso“ ist diesen Söldnern egal. Immerhin stimmt die Kohle.
Für diese selbstverständlich gefährliche und für einige Menschen auch tödliche Mission wird Hunter in die Familie Turner eingeschleust. Schnell erwirbt sie das Vertrauen von Stephen Turner und seinem Sohn Edward, der immer noch seiner verstorbenen Mutter hinterhertrauert.
Die Beziehung von ihr zu Edward ist gänzlich konfliktfrei. Der Junge fasst sofort Vertrauen zu ihr und sie wird seine über alles geliebte Ersatz-Mutter. Auch Stephen verknallt sich in die nette Frau, während der immer misstrauische Jack Turner ihr nicht traut.
Die Beziehung von Stephen zu seinem Vater Jack Turner, dem Chef des Unternehmens, plätschert ebenfalls ohne eine Entwicklung vor sich hin. Meistens gehen die Konfrontationen zwischen Vater und Sohn so: „Papa, ich will Verantwortung in der Firma übernehmen.“ – „Du bist ein Weichei.“ – „Oh, gut, dann halt nicht.“ Dieses Gespräch dürfen wir mindestens einmal pro Folge miterleben und auch beim dritten Mal erfahren wir nichts, was wir nicht schon nach dem ersten Vater-Sohn-Gespräch wissen.
Sam Hunter darf mindestens einmal pro Folge einige böse Jungs verkloppen, was auch keine großen Erkenntnisse bringt, aber immerhin etwas von ihrer ergebnislosen Suche nach dem Verräter ablenkt. Es ist nicht so, dass sie eine Spur verfolgt und dann die nächste. Sie stochert etwas herum. Ihre Strategie scheint darin zu bestehen, dass der Verräter sie wieder verraten wird und sie ihn dann enttarnen kann.
Es gibt einige Flashbacks aus ihrer Vergangenheit, die natürlich irgendetwas mit dem Mordkomplott gegen sie zu tun haben sollen. Als Kind soll sie irgendetwas gesehen haben, weshalb sie jetzt sterben muss. Der Mord an ihrer Mutter, mitten in England, kann es nicht gewesen sein. Die Flashbacks werden am Ende der ersten Staffel, die aufgrund sinkender Quoten auch das Ende der Serie war (jedenfalls sieht es immer noch so aus), nur andeutungsweise aufgelöst. Doch zum kryptischen Ende komme ich später.
Denn vor dem Ende wird noch alles in die Geschichte hineingeworfen, was zu einem Agententhriller gehört: böse multinationale Unternehmen, globale, sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte erstreckende Verschwörungen, der britische Geheimdienst, unmoralische Geschäfte in Dritte-Welt-Ländern (heuer Pakistan), eine verkorkste Kindheit (inclusive ermordeter Mutter, Gefangenschaft in einem Verlies mitten in England und sexuellem Missbrauch), Verrat an jeder Ecke, Explosionen und unzählige Tote, die immer dann in die Geschichte eingefügt werden, wenn es langweilig werden könnte. Da hat dann die Explosion eines Bürogebäudes keine Auswirkung auf die Geschichte. Außer dass Jack Turner danach sein Kaufangebot erhöhen kann. Aber es gibt keine Polizei und keinen Geheimdienst, der nach den Bombenlegern fahndet. Auf ein ausländisches Staatsoberhaupt wird ein Anschlag verübt und einer aus dem Team soll als Strohmann für die Tat herhalten. Ein Polizist wird ermordet und mitten in London, der Stadt mit der höchsten Dichte an Überwachungskameras, auf einer Straße, wie ein benutztes Butterbrotpapier, abgelegt. Kurz darauf ist er schon vergessen.
Sowieso wird in „Hunted“ unglaublich viel unglaublich pompös aufgebaut und irgendwann, wie ein plötzlich uninteressant gewordenes Spielzeug, schnöde links liegengelassen. Die Wohnung, in der Sam Hunter ihre Informationen über ihren Verräter gesammelt hat, taucht irgendwann nicht mehr auf. Der Plot mit dem britischen Geheimdienst wird, nachdem der MI6-Abteilungsleiter Ballard (so ein George-Smiley-Typ) hinterhältig auf offener Straße ermordet wurde, nicht mehr weiterverfolgt. So als sei der Mord an ihm der ultimative Beweis dafür, dass es dort keine wichtigen Informationen gibt, weshalb seine designierte Nachfolgerin auch erst einmal aus der Geschichte verschwindet und später etwas anderes zu tun hat, als sich um die Hinterlassenschaft ihres ermordeten Chefs zu kümmern.
Ein geheimnisvoller Killer wird eingeführt. Der ist so gut, dass Hunters Firma nichts, aber auch absolut nichts über diesen Über-Killer weiß und auch wir erfahren nicht mehr über Sams Schutzengel. Später wird von einer überraschend auftauchenden Superduperkillerin (sexy in Leder) behauptet, er wolle Hunter töten. Warum er das eine oder das andere tun will, wird dagegen nicht erklärt.
Undsoweiterundsofort.
Außerdem zeigt „Hunted“, wieder einmal, dass einige Ideen in einem ersten Entwurf gut klingen, aber letztendlich normalerweise nicht funktionieren. Es ist eine ganz schlechte Idee, wenn der Held keinen klaren Gegner hat. Es ist auch nicht gut, uns über die Mission, deren Sinn und Ziel im unklaren zu lassen. Das mag als Analogie zum Spionagegeschäft ganz gut klingen. Es kann auch als Metapher für das moderne Leben verkauft werden, in dem wir uns als Marionetten fühlen und Aufträge erfüllen, ohne ihre Bedeutung und Sinn zu überblicken. Aber es führt auch dazu, dass das Interesse an der Geschichte schnell erlischt. Denn, und das ist eine uralte Dramaturgie-Regel, der Protagonist muss ein klares, schwer erreichbares Ziel haben. Wir müssen das Ziel kennen und jede Handlung des Protagonisten muss auf dieses Ziel gerichtet sein.
Das Ende von „Hunted“ – immerhin war sie als achtstündige Miniserie geplant, mit der Möglichkeit einer Verlängerung – ist dann eine Frechheit, weil letztendlich nichts auch nur halbwegs ordentlich aufgelöst wird.
Ich kann mir zwar zusammenpuzzeln, wie vieles davon gemeint war, wenn ich die Plotlöcher großzügig mit eigenen Vermutungen ausfülle und viele Verästelungen als ‚falsche Spuren‘ ignoriere. Aber genau das sollte von den Serienmachern erledigt werden. Und eine Serie sollte in den wichtigsten Punkten zu einer Lösung kommen. Also hier: wer war der Verräter in Tanger? Warum soll Sam Hunter sterben? Worum ging es bei dem Auftrag? Wobei diese Frage noch am befriedigsten geklärt wird. Naja, so befriedigend, wie sich mit Leichtbier betrinken.
Dabei war „Hunted“ von der BBC als Nachfolgeserie zur erfolgreichen Geheimdienstserie „Spooks“, die von 2002 bis 2011 lief, geplant. Diese Qualität erreicht die von Frank Spotnitz erfundene Serie nie.
Er hat bei bei den TV-Serien „Millenium“, „Akte X“ und „Strike Back“ mitgearbeitet. Aber auch bei „Transporter – Die Serie“. Und er schrieb das Drehbuch für die Philip-K.-Dick-Miniserie „The Man in the High Castle“. Ab dem 15. Januar kann die erste Episode bei Amazon Prime Instant Video angesehen werden.
Als Bonusmaterial gibt es knapp zwölf Minuten „geschnittene Szenen“.
Ab Dienstag, den 13. Januar, zeigt RTL II, nach „Game of Thrones“, „Hunted“ in Doppelfolgen. Der Auftakt ist um 23.30 Uhr. Eine Woche später geht es bereits um 22.25 Uhr los.
Hunted – Vertraue Niemandem (Hunted, Großbritannien 2012)
Regie: S. J. Clarkson, Daniel Percival, Alrick Riley, James Strong
Drehbuch: Frank Spotnitz, Simon Allen, Smita Bhide, Amira El-Nemr, Christian Spurrier
Erfinder: Frank Spotnitz
mit Melissa George, Stephen Dillane, Adam Rayner, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Morven Christie, Stephen Campbell Moore, Oscar Kennedy, Patrick Malahide, Lex Shrapnel, Tom Beard, Maddy Griffiths, Jane Riley, Doc Brown, David Sterne, Souad Faress, Scott Handy, Indira Varma
– DVD
Entertainment One
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Geschnittene Szenen
Länge: 480 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise BBC über „Hunted“ Wikipedia über „Hunted“
Im Kino war die neueste Marvel-Verfilmung „Guardians of the Galaxy“ überraschend erfolgreich und natürlich soll sich der Erfolg jetzt auch im heimischen Kino fortsetzen. Zum Kinostart schrieb ich:
Schon die ersten Bilder und Trailer weckten vor Ewigkeiten freudige Erwartungen. Wir sahen eine Gruppe seltsamer Wesen. Denn neben einem Mensch, einer an ihrer Hautfarbe erkennbaren außerirdischen Schönheit, einem Muskelprotz (auch, erkennbar an seiner Hautfarbe, nicht-irdischen Ursprungs), starrten uns ein Waschbär (mit einem beeindruckendem Sündenregister) und ein Baumwesen an. Diese Gruppe Misfits sollten die Beschützer der Galaxis sein? Naja, immerhin nur selbsternannt. Und dann gab es noch bunte Bilder von fremden Planeten, Weltraumschlachten, Witze und gut abgehangene Siebziger-Jahre-Musik. Yeah, da konnte man schon „Hooked on a Feeling“ sein, ein episches Weltraumabenteuer erwarten, wie es seit „Krieg der Sterne“ (die Originaltrilogie!) nicht mehr im Kino lief, und, man hat ja schon tausende Trailer gesehen, die besser als der Film waren, befürchten, dass sich die ersten Bilder beim Ansehen des Films als heiße Luft entpuppen. Nun, sie tun es nicht. „Guardians of the Galaxy“ ist ein zünftiges, von James Gunn („Slither – Voll auf den Schleim gegangen“, „Super“) flott und über etwaige Logiklöcher lässig hinweggehendes Weltraumabenteuer, bei dem man die fast schon Marvel-üblichen Story-Schwächen gerne verzeiht. Denn der Gegner der Guardians of the Galaxy ist schwach, austauschbar und langweilig. Eine ziemliche Nullnummer. Aber immerhin will Ronan (Lee Pace) den Orb (so ein Ding, mit dem man Herrscher über den gesamten Kosmos wird) haben und den Planeten Xandar vernichten. Gegen ihn bringen sich die Guardians in Stellung und sie sind ein so herrlich abgedrehter Haufen von Außenseitern, dass da schon fast egal ist, um was es geht, solange es genug Action und flotte Sprüche gibt. Beides gibt es in rauhen Mengen. Immerhin müssen Peter Quill (Chris Pratt), intergalaktischer Vagabund, der sich selbst Star-Lord nennt, als Kind von der Erde entführt wurde (was die Musik erklärt) und jetzt das aktuelle „Han Solo“-Update ist, Gamorra (Zoe Saldana), hübsche Killerin mit einer Mission, Rocket Racoon (im Original: Bradley Cooper), genetisch veränderter, kybernetisch manipulierter Waschbär, Kopfgeldjäger, Söldner und waffenverliebt (vor allem wenn die Waffe seine Körpergröße toppt), sein Kumpel Groot (im Original: Vin Diesel), eine humanoide Baumkreatur mit besonderen Fähigkeiten und eingeschränktem Vokabular, und Drax the Destroyer (Dave Bautista), der den Tod seiner Familie rächen will und dafür Leichenberge hinterlässt, sich in diesem Abenteuer zusammenraufen. Trotz unterschiedlicher Interessen haben sie, wie sie nach einigen Kämpfen gegeneinander und Verhandlungen miteinander erkennen, immerhin ein gemeinsames Ziel: Ronan. Und das verfolgen sie über mehrere Planeten, inclusive einem Gefängnisausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis, und Begegnungen mit mehr oder weniger menschlichen Wesen, die oft höchst egoistische Interessen haben und nicht vor Gewalt zurückschrecken. „Guardians of the Galaxy“ ist, endlich wieder, ein witziges Weltraumabenteuer – und das ist gut so.
Auch beim zweiten Ansehen gefällt „Guardians of the Galaxy“ wegen der Helden, ihren Sprüchen und ihren Konflikten. Untereinander und mit anderen Wesen. Nur der Bösewicht bleibt – in jeder Beziehung – arg blass.
Das Bonusmaterial bei der DVD befindet sich ungefähr an der Wahrnehmungsschwelle. Es gibt nämlich nur ein zweiminütiges Werbefeaturette über die Dreharbeiten zum nächsten Marvel-Film „Avengers: Age of Ultron“ und die allseits bekannte Szene mit dem lachenden Rocket, die sich so in einer späteren Version auch im Film befindet.
Auf der Blu-ray soll es dann mehr Bonusmaterial geben.
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn
– DVD
Marvel/Walt Disney Company
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, italienisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch, Türkisch
Bonusmaterial: Featurette, Zusätzliche Szene
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise