„Das alles kann man schreiben. Allein: Der Film hat mir keine Freude bereitet. Ich habe das alles erkannt und dennoch nicht gelacht. (…)
Stattdessen hat mich dieser Film dazu gebracht, ganz grundlegend über die Aufgabe einer Filmkritik nachzudenken. Das soeben Angeführte ist die Summe des Wissen, (…)
Einen ähnlichen Kenntnisstand kann man bei der durchschnittlichen Kinobesucherin, beim durchschnittlichen Kinobesucher nicht voraussetzen. Muss ich ihn als Kritikerin deshalb liefern? Auch wenn er nur das Wissen über den Film vergrößert, aber nicht den Spaß daran?“
Ob eine Kritik den „Spaß“ an einem Film vergrößern kann, weiß ich nicht. Das liegt daran, was man unter „Spaß“ versteht. Und „Freude“ bei einem Film ist auch okay. Wobei sie hier mit „Freude“ wohl nicht „Wohlgefallen“ oder „Vergnügen“, sondern allgemeiner meint, er habe sie nicht angesprochen; sie in keinster Weise berührt. Zum Beispiel wird niemand von einem Film von Michael Haneke, Ulrich Seidl oder Todd Solondz „Freude“ erwarten und auch niemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, wird sagen, Roman Polanskis „Der Pianist“ (am Sonntag auf Arte) habe ihr Freude bereitet. Aber es sind sehenswerte, gute Filme, die einen berühren und mit denen sich eine Auseinandersetzung lohnt.
Eine Kritik als eine begründete Meinung sollte genau dazu einladen. D. h.: ich versuche meine Meinung zum Film nachvollziehbar zu erläutern. Ich schreibe auch, um was es in dem Film geht, was der Regisseur zeigen wollte, ob er das erreicht und warum es nach welchem Standard und nach welchen Erwartungen ein gelungener oder misslungener Film ist. Die Kritik sollte den Leser auch befähigen zu beurteilen, ob ihm der Film gefallen könnte. Und, wenn er ihn schon gesehen hat, neue Informationen und Einsichten vermitteln. Also zum Beispiel, warum er ihm nicht gefallen hat, oder warum er vielleicht doch nicht so schlecht ist, wie er glaubt. Insofern ist eine Kritik immer eine persönliche und natürlich subjektive, aber informierte Auseinandersetzung mit dem Film, die mehr als ein „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ ist und bei der das Ego und die persönlichen Befindlichkeiten des Verfassers nicht im Mittelpunkt stehen sollten.
Richard Linklaters neuer Film hat mir auch nicht gefallen. Ich fand ihn langweilig und auch ich konnte für keinen Charakter irgendetwas empfinden, obwohl mir Linklaters andere Filme gefallen, er wieder einen autobiographischen Stoff inszenierte und der Film, siehe Rotten TomatoesLINK, bei der US-Kritik überaus gut ankommt.
Wo also lief es für mich (okay, nicht nur für mich) schief?
„Everybody wants some!!“ erzählt von den letzten Tagen vor dem Beginn des Studiums. Im Sommer 1980 kommt Jake Bradford als Neuling an die Southeast Texas State University. Er gehört zum Baseball-Team und hat ein Zimmer in dem in der Stadt gelegenem Studentenwohnheim des Baseball-Teams. Seine Mitbewohner nehmen ihn auf und ziehen mit ihm an dem Wochenende vor dem College-Beginn um die Häuser. Sie nehmen feste und flüssige Drogen. Sie amüsieren sich in verschiedenen Lokalen von einer Disco über einen Punk-Schuppen und eine Country-&-Western-Bar hin zu einer Party im Studentenwohnheim der Kunst-Studenten. Sie spielen etwas Baseball. Sie haben Sex – oder versuchen es. Sie hängen ab. Und am Montag hängen sie müde in der ersten Vorlesung.
Der 1960 geborene Texaner Linklater, der selbst an der Universität Baseball spielte, blickt mit „Everybody wants some!!“ auf seine College-Zeit zurück und er schließt auch an „Dazed and Confused – Sommer der Ausgeflippten“ (Dazed and Confused, USA 1993) an. In diesem autobiographisch inspiriertem Film erzählt er in Episoden von den Erlebnissen mehrerer High-School-Freshmen und den Schülern der Abschlussklasse im Sommer 1976 in Texas. Es geht von der ersten Minute an um den Abschied aus der vertrauten Schule und Umgebung und um den Aufbruch in eine neue Welt. Die Folie, vor der sich alles abspielt, ist das Wissen, dass nach dieser Nacht alles anders sein wird.
Genau diese Folie fehlt „Everybody wants some!!“. Es geht zwar auch um die Aufnahme eines neuen Schülers in die Gemeinschaft, aber dieses Mal gibt es kein Ziel. Also ob das Wochenende der letzte Abschied von der unbeschwerten Jugend oder der Anfang der Eroberung einer neuen, schöneren, offeneren, mehr Möglichkeiten bietenden Welt ist. Es wird nur ein Wochenende gezeigt, bei dem es egal ist, ob es am Anfang oder Ende oder in der Mitte des Semesters oder des Studiums spielt.
Allein das führt schon zu einer Distanz zum Erzählten. Es gibt nämlich keinen Rahmen, in den man die Episoden sinnvoll einordnen kann und die ihnen damit eine größere Bedeutung verleihen. So ist es nur der Tanz in der Disco, das Besäufnis, der wirre Vortrag eines kiffenden Mitstudenten und die nächste Schönheit, die man erobern will.
Dazu kommt das Ensemble von jungen, unbekannten Schauspielern, die alle erschreckend eindimensionale Charaktere verkörpern müssen. Denn letztendlich muss sich keiner von ihnen mit einem Problem herumschlagen oder eine Entscheidung treffen. Aber gerade das Treffen von Entscheidungen verrät uns einiges über den Charakter einer Person und je wichtiger für ihn die Entscheidung ist, umso mehr können wir mit ihm mitfühlen.
Dann würden wir auch verstehen, warum der durchgeknallte Student, der wie eine Kopie von „Taxi Driver“ Travis Bickle wirkt, so ist, wie er ist. In dem Film erleben wir ihn zuerst in der Disco als den grundlos für Ärger sorgenden Psychopathen, mit dem wir keine zwei Sekunden zusammen sein wollen. Später sollen wir glauben, dass er ein wichtiges und durchaus respektiertes Mitglied des Baseball-Teams ist. Nur: wir glauben es nicht.
Ein anderes, älteres Mitglied aus dem Team verschwindet plötzlich, weil er seine College-Zulassung fälschte. Aus diesem Charakter hätte man durchaus etwas machen können, aber in dem Film bleibt er so nebensächlich, dass nicht nur ich mich fragte, wer er denn genau war, was er vorher in dem Film gemacht hat und, verdammt noch mal, welches Teammitglied er war.
Ebenso austauschbar bleiben die vielen anderen Charaktere. Über keinen will man unbedingt mehr erfahren, von keinem erwartet man sehnsüchtig den nächsten Auftritt und keinen würde man, wenn er plötzlich aus dem Film ausscheiden würde, vermissen.
So bleibt aber alles an der Oberfläche. Als ob man ein altes Fotoalbum durchblättert.
Everybody wants some!!(Everybody wants some!!, USA 2016)
Regie: Richard Linklater
Drehbuch: Richard Linklater
mit Will Brittain, Zoey Deutch, Ryan Guzman, Tyler Hoechlin, Blake Jenner, J. Quinton Johnson, Glen Powell, Wyatt Russell
ZDFneo, 20.15 Die Dolmetscherin (Großbritannien/Frankreich/USA 2005, Regie: Sydney Pollack)
Drehbuch: Charles Randolph, Scott Frank, Steven Zaillian (nach einer Geschichte von Martin Stellman und Brian Ward)
UN-Dolmetscherin Silvia Broome behauptet, dass sie ein Gespräch belauschte, in dem im Landesdialekt über ein Mordkomplott gegen den verhassten Diktator ihres Heimatlandes, der in New York ermordet werden soll, gesprochen wurde. Agent Tobin Keller soll die wichtige Zeugin beschützen. Gleichzeitig fragt er sich, ob die schöne Frau mit rätselhafter Vergangenheit, die Wahrheit sagt.
Der spannende Polit-Thriller war der letzte Spielfilm von Sydney Pollack, der auch “Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß” (They shoot horses, don’t they?), “Jeremiah Johnson”, “Yakuza” (The Yakuza), “Die drei Tage des Condors” (Three days of the Condor), “Tootsie”, “Jenseits von Afrika” (Out of Africa) und “Die Firma” (The Firm) inszenierte.
mit Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener, Jesper Christensen, Yvan Attal Hinweise Film-Zeit über „Die Dolmetscherin“ Moviepilot über „Die Dolmetscherin“ Metacritic über „Die Dolmetscherin“ Rotten Tomatoes über „Die Dolmetscherin“
Wikipedia über „Die Dolmetscherin“ (deutsch, englisch) Mein Nachruf auf Sydney Pollack
Kim Baker (Tina Fey) fühlt sich von ihrem Job in der Lokalnachrichtenredaktion eines Kabelsenders unterfordert und sie gehört zu den wenigen unverheirateten, kinderlosen Mitarbeitern. Das prädestiniert sie 2002 für den zunächst nur für einige Monate geplanten Einsatz in Afghanistan als Kriegsreporterin. Sie fliegt vollkommen unvorbereitet dorthin – und der Film „Whiskey Tango Foxtrot“ erzählt, basierend auf dem Buch der echten Kim Barker (für den Film wurde ihr Name leicht geändert), von ihren Erlebnissen an der Front, die viel Stoff für Anekdoten hergeben. Immerhin blieb sie mehrere Jahre dort.
Und genau das ist das Problem von Glenn Ficarra und John Requas Film, der keine 1-zu-1-Verfilmung von Barkers Buch ist. Die Episoden reihen sich aneinander. Zuerst lernt Baker die ihr fremde Welt der Kriegsreporter und der Afghanen kennen. Wobei sie die einheimische Kultur mehr oder weniger oft galant ignoriert. Genauso wie Anweisungen von Militärs, die sie beschützen sollen. Das ist natürlich, immer wieder lustig, und der Zusammenprall der verschiedenen Kulturen sorgt für einige Lacher. Dazwischen – wobei dieses ‚dazwischen‘ den größeren Teil des Films ausmacht – gibt es Einblicke in die Freizeitgestaltung der Journalisten, die sich anscheinend in dem reichhaltigen Konsum alkoholischer Getränke und auch außerehelicher Affären mit Kollegen erschöpft. Das spielt sich bevorzugt in dem gut geschützten Hotel, in dem die Journalisten leben, ab, während draußen der Krieg tobt, der sie ungefähr so sehr interessiert, wie Studenten die Kommunalpolitik während sie sich im Studentenwohnheim betrinken.
Insofern ist „Whiskey Tango Foxtrot“ das Äquivalent zu einem Kneipenabend mit einem oder mehreren Kriegsreportern, die von ihrem letzten Einsatz erzählen. Das ist vergnüglich, aber durchgehend oberflächlich und fernab von jeglicher Selbstkritik oder Analyse. Und Klischees, vor allem über die Einheimischen, helfen beim Erzählen der Anekdoten.
Für einen Film ist das natürlich etwas wenig.
Wenn dann, am Ende der Kriegssatire, Bakers Freund, Vertrauter und Geliebter Iain MacKelpie (Martin Freeman), ein schottischer Fotoreporter mit hohem Alkohol- und Frauenkonsum, entführt wird und Baker, auch mit Erpressungen, Himmel und Hölle (vulgo einem mächtigen afghanischen Politiker [Alfred Molina als interessante Besetzung] und das US-Militär) in Bewegung setzt, um MacKelpie zu befreien, dann wirkt das nicht wie das schlüssige Ende einer Geschichte, sondern wie eine schnell angeklebte Episode, die den vorherigen Anekdoten einen größeren Sinnzusammenhang geben soll. Weil das zu überraschend kommt, nicht zum mäandernden Stil des vorherigen Films passt und die bislang planlose Barker plötzlich planvoll und eiskalt handelt, funktioniert nicht.
Die mehr klamaukige als treffende Satire lässt eben genau die Analyse und Haltung vermissen, die nötig wäre, um aus „Whiskey Tango Foxtrot“ mehr als das neue Tina-Fey-Vehikel zu machen. Die setzt sich allerdings voll ein und darf mehrmals herrlich derangiert nach einer alkoholgeschwängerten Nacht aufwachen und aus ihrem Fenster auf den Innenhof des ‚Fun House‘ blicken.
WTF?!
Whiskey Tango Foxtrot (Whiskey Tango Foxtrot, USA 2016)
Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Drehbuch: Robert Carlock
LV: Kim Barker: The Taliban Shuffle: Strange Days in Afghanistan and Pakistan, 2011
mit Tina Fey, Margot Robbie, Martin Freeman, Alfred Molina, Billy Bob Thornton, Christopher Abbot, Nicholas Braun, Stephen Peacocke, Sheila Vand
LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002
London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.
Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Von seinen sieben „Inspector Brant“-Romane sind inzwischen, endlich!, zwei Romane auf Deutsch veröffentlicht und in der Kriminalakte gebührend abgefeiert worden.
mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans
Ein Green Room ist ein Aufenthaltszimmer für Künstler vor einem Auftritt und eine solche Garderobe steht in „Green Room“ im Zentrum.
Es beginnt damit, dass die Punkband „The Ain’t Rights“ irgendwo im Nirgendwo von Oregon einen Auftritt annimmt, um so ihre Benzinkosten bezahlen zu können. Das erste Problem ist das Publikum. Es sind Nazi-Punks, die dann gleich von ihnen mit einem Klassiker – „Nazi Punks Fuck Off“ von den Dead Kennedys – bedient werden. Das Konzert verläuft dann doch noch ganz gut.
Nach dem Konzert werden die vier Musiker von dem Betreiber fast herausgeworfen, während schon die nächste Band den Green Room besetzt hat. Aber Sam hat ihr Telefon in der Garderobe vergessen. Sie will es schnell holen und entdeckt, mitten in der Garderobe liegend, eine Frauenleiche.
Der Wirt, der nicht besonders viel von der Polizei hält, schließt sie ein und ruft den Besitzer des Lokals: Darcy Banker. Er ist nicht nur der Eigentümer des Lokals, sondern auch noch der Chef der örtlichen Nazis und in mehr kriminelle Aktivitäten verstrickt, als sich die „Ain’t Rights“-Musiker denken können.
Darcy will das Problem möglichst unauffällig lösen. Auch wenn dafür die Musiker von „The Aint’t Rights“ verschwinden müssen.
Und diese müssen, mit und gegen Nazis, um ihr Überleben kämpfen.
„Green Room“, der neue Film von Jeremy Saulnier („Blue Ruin“), ist ein fieser kleiner Thriller, der eine vertraute Geschichte, schön schwarzhumorig, mit einigen überraschenden Wendungen psychologisch glaubwürdig und gut gespielt erzählt. Dabei ist Sir Patrick Stewart als Bösewicht Darcy, auch wenn er wenig tun muss, schon die halbe Miete.
Ein Film wie ein Punk-Song.
Green Room (Green Room, USA 2015)
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
mit Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart, Alia Shawkat, Joe Cole, Callum Turner, Mark Webber, Eric Edelstein, Macon Blair, Kai Lennox
Nach dem Unfalltod ihres achtjährigen Sohnes wird Maria von Alpträumen geplagt. Sie fühlt sich für den Tod von Oliver verantwortlich. Vor seiner Geburt waren sie mit ihrem Mann Michael nach Indien gezogen, weil er seine Arbeit auch von Indien erledigen könne. Sie hat, was ihnen einen gehobenen Lebensstil ermöglicht, irgendetwas mit dem Export von Antiquitäten zu tun hat. Für die Filmgeschichte ist das allerdings egal. In Indien bekam Maria ein zweites Kind, das sie jetzt wegen ihrer Trauer vernachlässigt.
Eines Tages sagt Marias Haushälterin ihr, es gebe einen abgelegenen Ort, an dem man mit den Geistern der Verstorbenen reden könne. Sie müsse sich allerdings an eine Regel halten: niemals und unter keinen Umständen die Tür zur anderen Seite, zum Reich der Toten, öffnen.
Maria macht sich auf den Weg zu dem abgelegen im Dschungel liegendem Tempel, in dem sie eine Nacht verbringen und noch einmal mit ihrem Sohn reden will. Dass alles um den Tempel herum ödes Brachland ist, irritiert sie nicht.
Dass sie die Warnung ihrer Haushälterin ignoriert und doch die Tür öffnet, wissen wir seitdem Piki genau das verboten hatte. Auch dass jetzt Marias Sohn zurückkommt und als Geist beginnt die Familie zu terrorisieren, überrascht nicht.
Überraschungen gibt es in dem Geisterfilm „The other side of the door“ kaum und die Entscheidung, die Geschichte in der Gegenwart in Indien spielen zu lassen, zehrt an der Glaubwürdigkeit. Denn Maria benimmt sich, als habe sie noch etwas von dem „Friedhof der Kuscheltiere“ gehört, noch nie eine Geistergeschichte gelesen oder einen Horrorfilm gesehen. Auch wenn nachvollziehbar ist, dass sie Oliver um Verzeihung bitten will, deshalb nach jedem Strohhalm greift und sein Flehen hinter der verschlossenen Tür ihr Herz erweicht.
Trotzdem ist Marias Tun für eine in der Gegenwart spielende Geschichte arg unglaubwürdig. Wenn die Geschichte vor über hundert Jahren, während des Kolonialismus spielen würde, wäre sie mit ihren Klischees über das fremde Indien, in dem die Grenze zwischen den Lebenden und den Toten schmal ist und Schamanen stumm und bedrohlich im Garten stehen, vielleicht glaubwürdiger.
So ist „The other side of the door“ nur ein weiterer, immerhin kompetent inszenierter und gespielter Geisterhorrorfilm, der sich nicht wesentlich von seinen vielen Vorgängern unterscheidet. Auch nicht in Punkto Logik; oder besser Unlogik.
The other side of the door (The other side of the door, USA 2015)
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera
mit Sarah Wayne Callies, Jeremy Sisto, Sofia Rosinsky, Suchitra Pillai, Logan Creran
Rick Ostermann erzählt in seinem Spielfilmdebüt anhand einiger Schicksale von den heute fast vergessenen „Wolfskindern“, das waren deutsche Kinder, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von ihren Eltern getrennt wurden und die in Ostpreußen um ihr überleben kämpfen müssen.
Ein wichtiges Thema, das fast als Stummfilm inszeniert wurde und, was zu seinem Scheitern beträgt, in dem die historischen Hintergründe konsequent ignoriert werden.
Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.
Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.
Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.
„Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)
„The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.
Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.
Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.
Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.
Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.
Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.
The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)
Regie: Shane Black
Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi
mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Der Roman zum Film
Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.
Da kann ich nur sagen, auch ohne das Buch gelesen zu haben und ohne irgendeine deutsche Übersetzung in Sichtweite: Lesebefehl.
Das Gesetz der Begierde (Spanien 1986, Regie: Pedro Almodóvar)
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Pablo liebt Juan. Antonio liebt Pablo und Pablos Schwester Tina, die früher ein Mann war. Und schon dreht sich das Liebes- und Eifersuchtskarussell.
„Der Showdown ist schlichtweg genial, und zwar gerade weil er unüberbietbar kitschig ist. (…) Der Rest stellt sich als banale Eifersuchtsgeschichte unter Schwulen dar“, urteilte der Fischer Film Almanach damals über Almodóvars Frühwerk, das auch international Kasse machte.
mit Eusebio Poncela, Carmen Maura, Antonio Banderas, Miguel Molina
Es hilft nichts. Die Steuererklärung ist gemacht (irgendwie), der Schreibtisch muss aufgeräumt werden (definitiv) und einige schon lange geplante Besprechungen, die als viel längere Besprechungen geplant waren, werden jetzt in der Kategorie „kurz & schnell“ abgehandelt. Denn nach dem Erwachen der Macht warten die nächsten Besprechungen schon und „Die Maske des Dimitrios“ will enthüllt werden.
Nachdem das Entsetzen über den neuen Zack-Snyder-Film, der Wonder Woman den Kampf zwischen Batman und Superman entscheiden ließ, können wir uns wieder den Bildergeschichten mit, nun, in diesem Fall den beiden Jungs und der gewohnt knapp bekleideten „Göttin des Krieges“ widmen.
Nachdem Brian Azzarello seine „Wonder Woman“-Neuinterpretation abschloss, übernahm Meredith Finch die Autorentätigkeit. Ihr Mann David Finch wurde der Zeichner. In ihrem ersten „Wonder Woman“-Sammelband „Kriegswunden“ geht es um Machtkämpfe in ihrem Amazonenreich, der Paradiesinsel, und um Kämpfe gegen Bedrohungen für die Menschheit. Denn für weniger rückt die Justice League nicht aus.
Gelungen,
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Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzuka: Wonder Woman – Göttin des Krieges
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2016
156 Seiten
16,99 Euro
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Originalausgabe
Wonder Woman: War Torn (# 36 – # 40); Wonder Womand: War-Torn, Final Chapter (Wonder Woman Anual 1)
Scott Snyders grandiose Neuinterpretation von Batman geht mit dem über 250-seitigem „Jahr Null – Die dunkle Stadt“ weiter. Jetzt muss Batman gegen den Riddler kämpfen, der Gotham unter seine Kontrolle bringen will.
Die erste Runde endet für Bruce Wayne desaströs und der Riddler kann sich zum Herrscher über Gotham aufschwingen. Der zweite Teil des Buches zeigt dann ein ganz anderes Gotham, in dem der Riddler über die Stadt herrscht und die Bewohner mit seinen Ratespielen nervt und in den Tod treibt. Trotzdem hofft Batman, dass er ihn doch noch besiegen kann. Wenn er nicht stirbt.
„Jahr Null – Die dunkle Stadt“ ist eine großartige Batman-Geschichte, die natürlich viel besser als dieser Film ist, den wir so gerne aus unserem Gedächtnis streichen würden.
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Scott Snyder/JamesTynion IV/Greg Capllo/Andy Clarke: Batman: Jahr Null – Die dunkle Stadt (Band 5)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini Comics, 2016
252 Seiten
19,99 Euro
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Originalausgabe
Zero Year – Dark City, Part 2 – Part 5 (Batman # 25 – # 29, Januar 2014 – Mai 2014)
Zero Year – Savage City, Part 1 – Part 4 (Batman # 30 – 33, Juni 2014 – September 2014)
„Golden Dogs“ von Stephen Desberg (Szenario) und Griffo (Zeichnungen) erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Verbrecherbande in London um 1820, die ein recht bunter Haufen sind. Dass eine Prostituierte dabei ist. Geschenkt. Aber dass auch ein Transvestit dabei ist, der sich jeden Abend, bevor er vor Publikum auftritt entscheiden kann, ob sie ein er ist (oder umgekehrt), das ist schon etwas anderes und bei den verschiedenen Raubzügen sehr hilfeich. Im ersten Band „Fanny“ kommt die Truppe zusammen. Im zweiten Band „Orwood“ muss sie, nachdem sie von der Polizei verfolgt werden, getrennte Wege gehen. Und es gibt einen Verräter unter ihnen.
In Frankreich sind bereits zwei die abschließenden beiden Folgebände erschienen.
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Griffo/Desberg: Golden Dogs – Fanny (Band 1)
(übersetzt von Horst Berner)
Panini Comics, 2015
56 Seiten
13,99 Euro
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Originalausgabe
Golden Dogs Volume 01: Fanny
Éditions du Lombard, 2014
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Griffo/Desberg: Golden Dogs – Orwood (Band 2)
(übersetzt von Horst Berner)
Panini Comics, 2016
56 Seiten
13,99 Euro
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Originalausgabe
Golden Dogs Volume 02: Orwood
Éditions du Lombard, 2014
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In „Revival“ erzählt Tim Seeley (Hack/Slash), wie in der Ortschaft Wausau im nördlichen Wisconsin eines Tages die Toten wieder auferstehen. Aber sie sind keine blutrünstigen Zombies, sondern ganz normale Menschen, die sich fast ganz normal verhalten. Im Mittelpunkt der Serie steht daher auch das Zusammenleben von Mensch und Nicht-mehr-Mensch, die sich im vierten und fünften Band, „Flucht nach Wisconsin“ und „Steigende Fluten“, endgültig zu einer nicht enden wollenden Soap entwickelt, in dem die Nebenstränge mehr Zeit einnehmen als die, sofern erkennbar, immer unwichtiger werdende Haupthandlung. Auf ein konkretes Ende, wie zum Beispiel einer Erklärung für die Wiederauferstehungen in Wausau, wird überhaupt nicht mehr hingearbeitet. Dafür werden weitere Rätsel aufgeworfen.
Wer damit leben kann, wird sich über den vierten und fünften Band von „Revival“ freuen. Neueinsteiger sollten dagegen mit dem ersten Band beginnen.
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Tim Seeley/Mike Norton: Revial: Flucht nach Wisconsin (Band 4)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2015
164 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin
Image, 2014
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Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Steigende Fluten (Band 5)
À propos Untote: Deadpool darf in „Night of the Living Deadpool“ und „Return of the Living Deadpool“ von Autor Cullen Bunn und den Zeichnern Ramon Rosanas und Nik Virella auch einmal gegen sie kämpfen. Dass der Kampf eines unsterblichen Plappermauls gegen unsterbliche Mäuler nicht in den normalen Zombie-Bahnen verläuft und Deadpool am Ende von „Night of the Living Deadpool“ eine Lösung für die Zombieplage hat, die zu ungeahnten Folgen führt, die er in „Return of the Living Deadpool“ bekämpfen muss, erfreut natürlich das Herz des Deadpool-Fans.
Empfehlenswert!
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Cullen Bunn/Ramon Rosanas: Night of the Living Deadpool
(übersetzt von Michael Strittmatter)
Panini Comics, 2014
116 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
Night of the Living Deadpool # 1 – 4
Marvel, März 2014 – Mai 2014
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Cullen Bunn/Nik Virella: Return of the Living Deadpool
Deadpool im Kino (und jetzt auch auf DVD/Blu-ray) wurde von Ryan Reynolds verkörpert, der auch in dem – zu Unrecht – kaum beachteten Spielerdrama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ eine Hauptrolle spielt. Seinen Gegenpart spielt Ben Mendelsohn, der in den vergangenen Jahren zum Experten für gestörte Charaktere wurde. Da ist es schön, ihn auch einmal als ganz normalen Mann zu sehen.
Naja, fast. Denn Mendelsohn spielt Gerry, einen notorischen Spieler. In einer Bar lernt er Curtis (Ryan Reynolds) kennen. Einen Drifter und Spieler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach New Orleans zu einem Pokerspiel mit einem großen Jackpot.
„Dirty Trip“ von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt die Geschichte dieser etwas ziellosen Reise von Gerry und Curtis, die sich zufällig begegnen und am Ende der Reise auch wieder getrennte Wege gehen. Stilistisch und erzählerisch steht ihr Film in der Tradition des New-Hollywood-Kinos, als problematische Charaktere im Mittelpunkt von, nun, Charakterstudien standen, die einen anderen Blick auf die USA warfen.
Sehr sehenswert!
Dirty Trip – Mississippi Grind (Mississippi Grind, USA 2015)
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck
mit Ben Mendelsohn, Ryan Reynolds, Sienna Miller, James Toback
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DVD
Ascot Elite
Bild: 16:9 (2.38:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Originaltrailer, Wendecover
Seit einigen Jahren erfreuen sich TV-Serien bei der Kritik einer wachsenden Beliebtheit. Gesehen wurden sie ja schon seit Ewigkeiten und die Fans tauschten sich, je nach Serie, mit großer Liebe zum Detail, über sie aus. Ich sage nur „Raumschiff Enterprise“ und „Akte X“. Dabei gibt es, grob gesagt, Miniserien, die innerhalb einer bestimmten Zeit, eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen; Serien, in denen jede Woche ein neues Problem gelöst wird; und Serien, in denen sich die Geschichte über viele Folgen und Staffeln entwickelt, bis die sinkenden Zuschauerzahlen die Serie beenden. Bei diesen Serien ist man, wenn man nicht von der ersten Folge an dabei ist, ziemlich schnell „Lost“.
Und so eine sich über viele Staffeln erstreckende Geschichte war wohl auch bei „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ die Idee gewesen. Also nicht ein „deutsches ‚Lost’“, sondern eine Krimi-Serie mit komplexen Charakteren, überraschenden Wendungen und einer Analyse des Zusammentreffens von Organisierter Kriminalität und Politik in der Hauptstadt. „Eine Kriminal-Symphonie der Großstadt Berlin“ steht auf dem DVD-Cover. Mit Matthias Glasner als Regisseur und Jürgen Vogel in der Hauptrolle hätte es etwas werden können, aber dann ging irgendwo alles schief. Und zwar so schief, dass man fassungslos dieses Komplettdesaster ansieht.
Blochin (Jürgen Vogel), ein Findelkind mit krimineller Vergangenheit und Polizist bei der Mordkommission mit ausgeprägten Milieukontakten, soll den Mord an einem Dealer aufklären. Kurz darauf wird in seiner Anwesenheit ein Undercover-Polizist in einem Szenelokal erschossen und Blochin (nur Blochin, kein Vorname, weil cool) wird als Mörder verdächtigt. Sein Schwager und Vorgesetzter Dominik (Thomas Heinze), normalerweise ‚Lieutenant‘ genannt (weil megacool), hilft ihm indem er einen Zeugen hinterrücks erschießt – und spätestens in diesem Moment fragt man sich, was die Macher, während sie Subplots und uninteressante Nebenstränge halbherzig einführen, geritten hat, den Charakter, der einen echten Konflikt hat, zu einer Nebenfigur zu machen, während der titelgebende Blochin vor allem als Zuschauer alles verfolgt und er während der gesamten Serienlänge keinen einzigen nennenswerten Konflikt hat. Das ändert sich in den letzten Minuten, die unverhohlen auf eine Fortsetzung spekulieren. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens die erste Staffel ein befriedigendes Ende hätte. Aber die Macher hören einfach mitten in der Geschichte auf.
„Blochin“ ist einfach nur Murks ohne irgendeinen Abschluss, das das größte Verbrechen begeht, das eine Serie begehen kann: Zeitverschwendung zu sein.
Wie das uninformative Bonusmaterial.
Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1 (Deutschland 2015)
Einen Abschluss gibt es bei den ARD-Sonntagskrimis immer nach neunzig Minuten. Egal ob es ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf 110“ ist und gerade die aus München kommenden „Polizeirufe“ sind immer einen Blick wert. In der dritten Box mit BR-„Polizeiruf 110“-Box sind
Pech und Schwefel (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Kaspar von Erffa, Deutschland 2003)
Vater Unser (Regie: Bernd Schadewald, Drehbuch: Christian Jeltsch, Deutschland 2004)
Die Maß ist voll (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Deutschland 2004)
Der scharlachrote Engel (Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Günter Schütter, Deutschland 2005)
Die Prüfung (Regie: Eoin Moore, Drehbuch: Boris Gullotta, Deutschland 2005)
Er sollte tot (Regie: Dominik Graf, Regie: Rolf Basedow, Drehbuch 2006)
enthalten. Das Ermittlerteam bestand damals aus dem einarmigen Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) und der konsequent-fröhlich-patent-normalen Kommissarin Jo Obermaier (Michaela May). Ihre Fälle sind durchgehend sehenswert, durchgehend experimentierfreudig und auf einem durchgehend hohem Niveau; was sogar für die schwächeren Fälle gilt.
Dafür sprechen schon die vielen Preise, die diese sechs Fälle erhielten. So gab es für „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“ jeweils einen Grimme-Preis und für „Er sollte tot“ gleich noch einen Sonderpreis für das Drehbuch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden und für den Deutschen Fernsehpreis war es nominiert. Um nur die Drehbuchpreise zu nennen.
Die erste Staffel von „True Detective“ wurde in den Himmel gelobt. „Meisterwerk“, „TV-Revolution“ und so. Da konnte die zweite Staffel natürlich nur schlechter abschneiden.
Ich bin da etwas zwiegespalten, weil für mich die erste Staffel hoffnungslos überbewertet und arg prätentiös ist. Da waren die Erwartungen an die zweite Staffel von Anfang an nicht so wahnsinnig hoch.
In der zweiten Staffel, die wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte mit vollkommen neuen Charakteren erzählt, geht es um Korruption und mehr oder weniger kriminelle Geschäfte in Vinci, einer Kleinstadt in Kalifornien, die eine moderne Version von Dashiell Hammets „Poisonville“ ist.
Frank Semyon (Vince Vaughn) ist ein Ex-Gangster, der mit einem großen Projekt, in das auch die lokale Politik und ausländische Investoren involviert sind, zum respektierten Geschäftsmann werden will. Dieses Ansinnen könnte durch einen bizarren Mordfall gefährdet werden. Denn der Fundort der Leiche führt dazu, dass Motorradpolizist und Ex-Soldat Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), Detective Sergeant Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Ventura County Sheriff’s Office CID (das gerne die ganze korrupte Stadt Vinci ausmisten würde) und der korrupte Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) vom Vinci Police Department, zusammenarbeiten müssen. Velcoro fragt sich, ob er in das Team entsandt wurde um den Fall aufzuklären oder die Aufklärung zu verhindern. Der trinkfreudige Polizist könnte mit beidem Leben. Woodrugh und Bezzerides haben auch ihr Päckchen persönliches Leid und Schuld zu tragen.
Die Besetzung mit Stars wie Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch und Kelly Reilly in den Hauptrollen und Abigail Spencer, Lolita Davidovich und David Morse in wichtigen Nebenrollen ist nicht schlecht. Regisseur Justin Lin, der einige Episoden der zweiten Staffel inszenierte, zeigt, dass er nicht nur ‚Fast & Furious‘ kann. Und „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto schrieb wieder das Drehbuch für alle acht einstündigen Episoden.
Aber die über acht Stunden mäandernde Geschichte ist nur eine ziemlich vollständige, reichlich unstrukturierte Ansammlung von allen Klischees über Kalifornien, den Detektiv- und Polizeifilm. Wer will, kann mühelos zu jeder Szene mindestens zwei bessere Filme und Romane nennen. Das wäre, wenn Pizzolatto daraus etwas eigenständiges geschaffen hätte, gar nicht so schlimm. Aber so bleibt immer der Eindruck, dass eine ordnende Hand hier einiges hätte retten können.
So ist „True Detective: Staffel 2“ nur eine, durchaus kurzweilig, auf der Story-Ebene nicht besonders nachvollziehbare Ansammlung der bekannten Kriminalfilmklischees, in der, abgesehen von Vince Vaughn, gerade die anderen Hauptdarsteller erstaunlich blass bleiben.
Besser man sieht sich noch einmal die Klassiker, wie „Die Spur des Falken“, „Tote schlafen fest“, „Chinatown“ oder „L. A. Confidential“ an. Oder neuere Filme wie „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ oder, ab Donnerstag im Kino, „The Nice Guys“ an.
True Detective – Die komplette zweite Staffel (True Detective – Season 2, USA 2015)
Regie: Justin Lin, Janus Metz, Jeremy Podeswa, John Crowley, Miguel Sapochnik, Dan Attias
Drehbuch: Nic Pizzolatto, Scott Lasser (Co-Autor)
mit Colin Farrell, Rachel McAdams, Taylor Kitsch, Kelly Reilly, Vince Vaughn, Ritchie Coster, Michael Irby, Abigail Spencer, Lolita Davidovich, Rick Springfield, David Morse
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DVD
Warner Home Video
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Making ‚The Vinci Massacre‘, A Look Inside ‚True Detective‘, ‚True Detectiv’s‘ California, Zwei Audiokommentare
Länge: 483 Minuten (8 Episoden à 57 Minuten) (3 DVDs)
Ein wenig zwischen die Stühle fällt die BBC-Serie „The Game“, die als richtig schön altmodischer Spionagethriller in der Tradition von „Dame, König, As, Spion“ John le Carré steht und ein herrlich muffiges Früh-Siebziger-Jahre-Feeling hat.
Es beginnt mit dem Angebot des KGB-Offiziers Arkady Malinov an den britischen Geheimdienst MI5, ihm Informationen über die große russische Geheimdienstoperation „Glass“ zu verraten. Daddy (Brian Cox), der Chef des Dienstes, stellt ein kleines Team zusammen, das mehr über die Operation Glass herausfinden soll. Schnell vermuten sie in ihrem Team einen Maulwurf.
Diese Jagd nach dem Maulwurf wird allerdings über mehrere Folgen zugunsten des ‚Geheimagenten der Woche‘ aufgegeben, was der Serie etwas episodisches verleiht.
Am Ende ist der Maulwurf enttarnt, die Operation Glass verhindert und die Option für eine zweite Staffel vorhanden, die auch längere Zeit im Gespräch war. Inzwischen hat die BBC verkündet, dass es wegen des hohen Budgets keine zweite Staffel gibt.
The Game (The Game, Großbritannien 2014)
Regie: Niall MacCormick, Daniel O’Hara
Drehbuch: Toby Whithouse, Sarah Dollard, Debbie O’Malley
Erfinder: Toby Whithouse
mit Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Yevgeni Sitokhin
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DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews (eigentlich ein zwanzigminütiges Making of), Deleted Scenes
Die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief ja schon im ZDF und auf der DVD/Blu-ray ist nur die wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden bestehende, gut zehnstündige Serie in der deutschen und der Originalfassung enthalten.
Sie beginnt 13 Monate nach der vorherigen Staffel, die man nicht gesehen haben muss, um den aktuellen Fall (oder besser Fälle) zu verstehen. Saga Norén (Sofia Helin) arbeitet immer noch bei der Kripo Malmö. Ihr Kollege Martin Rohde sitzt im Gefängnis, weil er am Ende der zweiten Staffel einen Mord beging und sie gegen ihn aussagte, weil er gegen das Gesetz verstieß. Saga Norén ist, für alle, die die vorherigen Staffeln nicht kennen, eine fähige Polizistin mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom. Sie ist nicht in der Lage, eine normale Konversation zu führen und sie merkt gar nicht, dass sie andere Menschen mit ihrer Direktheit verletzt. Und Regeln und Gesetze sind Regeln und Gesetze, an die man sich halten muss.
Jetzt soll sie zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) eine bizarre Mordserie aufklären. Es beginnt mit einer Gender-Forscherin und Aktivistin, die auf einer Baustelle als Teil eines Gemäldes des Grauens hergerichtet wurde.
Und wieder stapeln sich die möglichst fotogen inszenierten Leichen, etliche Charaktere werden eingeführt, deren Bedeutung erst viel später ersichtlich wird, fast ebenso viele Charaktere verschwinden mehr oder weniger spurlos aus der Geschichte (falls sie nicht ermordet werden) und dieses Mal gibt es so viele Subplots, dass der eigentlich im Zentrum stehende Kriminalfall dahinter verschwindet.
Zusammengehalten werden die vielen Plots durch ihre thematische Verwandtschaft. Immer geht es um die Folgen des eigenen Handelns und die Verantwortung dafür.
Und natürlich ist Saga Noréns sozial vollkommen inkompatibles Verhalten immer wieder gut für etliche Lacher in diesem unterkühlt erzählten Kriminaldrama, das allerdings immer mehr zu einer leichengesättigten Kolportage wird, in der flugs die aktuellen Schlagzeilen mit gruseligen Morden verziert werden.
Unterhaltsam: ja, schon. Aber auch etwas übertrieben und etwas unlogisch.
Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 3 (Bron, Broen, Dänemark/Schweden/Deutschland 2015)
Regie: Rumle Hammerich, Henrik Georgsson
Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Camilla Ahlgren, Erik Ahrnbom, Astrid Øye
mit Sofia Helin, Thure Lindhardt, Rafael Pettersson, Dag Malmberg, Sara Boberg
Bis nichts mehr bleibt (Deutschland 2010, Regie: Niki Stein)
Drehbuch: Niki Stein
Frank kämpft vor Gericht um das Sorgerecht für seine Tochter, die bei ihrer Mutter, einer Scientology-Anhängerin, ist.
Die Geschichte ist natürlich nur der Vorwand, um über die Sekte (die von dem Film nicht begeistert war) und ihre Methoden zu informieren.
Die kritische Bewertung überlasse ich dem „Lexikon des internationalen Films“, das etwas überschwänglich meint: „Ein sehr leiser, darstellerisch überzeugender (Fernseh-)Film, gedreht unter größtmöglicher Geheimhaltung und unter einem Titel-Pseudonym. Die Fülle an Fakten und Details schnürt ihm zwar gegen Ende ein wenig die Luft ab, dennoch bleibt er durchgängig spannend, auch weil Scientology hier zum allerersten Mal überhaupt in einem deutschen Film fiktional verhandelt wurde, der erzählte Stoff mithin ‚unverbraucht‘ ist.“
Die Erstausstrahlung war ein Quotenerfolg. Die Kritik positiv. Dennoch läuft „Bis nichts mehr bleibt“ eher selten im TV.
Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn
Arte, 20.15 Frau ohne Gewissen (USA 1944, Regie: Billy Wilder)
Drehbuch: Raymond Chandler, Billy Wilder
LV: James M. Cain: Double Indemnity, 1936 (Doppelte Abfindung)
Ein Versicherungsagent verliebt sich mit tödlichen Konsequenzen in die falsche Frau.
„Der Prototyp des Film noir über die Frau als Femme fatale, einer der besten Filme Wilders und der Vorlage Cains weit überlegen.“ (Paul Werner: Film noir und Neo-Noir)
Mti Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson Wiederholung: Dienstag, 31. Mai, 14.00 Uhr Hinweise
Der lange Weg nach Hause (Australien/Großbritannien 2002, Regie: Philip Noyce)
Drehbuch: Christine Olsen
LV: Doris Pilkington (aka Nugi Garimara): Follow the Rabbit-Proof Fence, 1996 (später „The Rabbit-Proff Fence“; deutsch als „Long Walk Home“)
Die wahre, von Philip Noyce packend erzählte Geschichte von drei Mädchen, die 1931 quer durch Australien 2400 Kilometer am titelgebenden „Rabbit-Proof Fence“ (Kaninchenzaun) entlang nach Hause wanderten. Als Aborigine-Mischlingskinder waren sie von ihren Müttern getrennt und an das andere Ende des Landes transportiert worden.
Das Gesetz existierte bis 1970.
Christopher Doyle war der Kameramann.
Die Musik ist von Peter Gabriel.
Mit Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Deborah Mailman, Jason Clarke, Kenneth Branagh
Arte, 21.45 No Direction Home: Bob Dylan (Großbritannien/USA 2005, Regie: Martin Scorsese)
Gut 210-minütige Doku über Bob Dylans frühe Jahre von seine Anfängen in Minnesota, der Greenwich-Village-Folk-Szene und seinem Verrat an der Folk-Szene, als er die akustische Gitarre gegen die E-Gitarre tauschte. Der Film endet 1966 mit Dylans Motorradunfall, nach dem er mehrere Jahre nicht mehr tourte.
Martin Scorsese gelang mit Konzertmitschnitten, historischen Aufnahmen und vielen aktuellen Interviews, die teilweise schon Jahre, bevor Scorsese sich an den Schnitt machte, geführt wurden, ein ebenso kurzweiliger wie informativer Film, der trotz der vielen Informationen nicht alles erklärt. Eigentlich bleibt sogar erstaunlich viel offen in dem von Sympathie getragenem Werk.
mit Bob Dylan, Joan Baez, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, Suze Rotolo Hinweise Rotten Tomatoes über „No Direction Home: Bob Dylan“
Wikipedia über „No Direction Home: Bob Dylan“ (deutsch, englisch)
Lee Gates (George Clooney) präsentiert im Fernsehen eine Finanzshow, die vor allem eine Show ist. Laut, schrill, mit Gags und Tanzeinlagen, die zwar unterhaltsam sind, aber nicht in das Umfeld einer seriösen Show gehören. Auch die Fachkompetenz von Lee Gates scheint vor allem im Entertainment zu liegen. Trotzdem ist die Sendung beliebt und Zuschauer vertrauen seinen Aktientipps. So auch Kyle Budwell (Jack O’Connell), ein einfacher Arbeiter, der sein gesamtes Vermögen in Ibis Clear Capital investierte, weil Gates es eine bombensichere Geldanlage nannte. Dummerweise verlor die Aktie aufgrund eines unerklärlichen Computerfehlers, so die offizielle Erklärung, rapide an Wert.
Budwell ist ruiniert, aber er will Antworten haben. Denn er hat doch immer das Richtige getan. Während einer Live-Sendung nimmt er Gates als Geisel.
Mit dieser Geiselnahme beginnt Jodie Fosters neuer Film „Money Monster“ und in den folgenden neunzig Minuten entfaltet sich die hochenergetisch erzählte Geschichte ungefähr in Echtzeit, vor allem im Fernsehstudio und vor laufender Kamera. Zunächst versucht Gates den Geiselnehmer zur Aufgabe zu bewegen. Er tut also, was er am besten kann: er redet. Als das nicht hilft und er bemerkt, dass die Erklärung von Ibis Clear Capital für den Aktieneinbruch nicht stimmig ist, will er Antworten haben.
Dabei hilft ihm sein Team, angeführt von seiner langjährigen Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts), die innerhalb weniger Minuten herausfinden, was weder die Börsenaufsicht, noch die echten Journalisten herausfinden, die natürlich auch alle wissen wollen, warum die Aktie implodierte. Dieser auch aus der Not geborene Gesinnungswandel kommt etwas plötzlich. Immerhin sagte Fenn am Anfang des Thrillers: „Wir sind noch nicht einmal echte Journalisten.“
Ihnen zur Seite springt Diane Lester (Caitriona Balfe), die PR-Dame von Ibis Clear Capital, die sich fragt, warum der CEO Walt Camby (Dominic West) spurlos verschwunden ist und während der größten Krise der Firma sprichwörtlich über den Wolken schwebt in einem Flugzeug, das telefonisch nicht erreichbar ist.
Währenddessen wird die Polizei auf die Zuschauerränge verbannt.
Wenn man sich nicht an dem Aufklärungstempo von Fenns Team und der Erklärung für den Kurseinbruch der Aktie stört, sondern sich von dem Film mitreisen lässt, bekommt man einen hochspannenden Thriller, der konsequent auf Nebenstränge verzichtet. Jede Szene, jeder Satz, jedes Bild treibt die Handlung voran oder komplettiert das Bild einer von Gier und Geld geprägten Gesellschaft. So läuft „Money Monster“ anfangs im Restaurant als Hintergrundprogramm zur Mittagspause, bis die Zuschauer bemerken, dass sie gerade eine echte Geiselnahme sehen und schon erwacht ihr Interesse; die Sensationsgier. Etliche aus anderen Filmen bekannte Situationen enden vollkommen anders als gewohnt. Es gibt grandiose Einzeiler und Pointen. Sowieso ist der Film arg schwarzhumorig geraten.
Dabei vermittelt er keine wahnsinnig neuen Einsichten. Über das Funktionieren der Börse erfährt man auch nichts und im Gegensatz zu „The Big Short“, wo gezeigt wurde, wie das System funktioniert und es deshalb keine individuellen Schuldigen gab, die man einfach anklagen konnte, gibt es in „Money Monster“ am Ende einen Schuldigen, den man für seine Verbrechen vor Gericht anklagen und verurteilen kann.
„Money Monster“ ist halt einfach nur ein spannender Thriller, der einige wichtige Themen unterhaltsam anspricht, der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und auch zum Nachdenken anregt.
Money Monster (Money Monster, USA 2016)
Regie: Jodie Foster
Drehbuch: Jamie Linden, Alan DiFiore, Jim Kouf (nach einer Geschichte von Alan DiFiore und Jim Kouf)
mit George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West, Caitriona Balfe, Giancarlo Esposito, Christopher Denham, Lenny Venito, Chris Bauer, Dennis Boutsikaris, Emily Meade, Condola Rashad
Vor sechs Jahren war Tim Burtons Version von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ an der Kinokasse so unglaublich erfolgreich, dass eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit war. Außerdem hatte Carroll mit „Through the Looking-Glass“ quasi eine Fortsetzung geschrieben, von der man den Titel verwenden konnte. Denn, so Produzentin Suzanne Todd: „’Alice hinter den Spiegeln‘ ist im Grunde eine Ansammlung beliebiger und bizarrer Episoden aus Carrolls Leben, die eigentlich in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Linda Woolverton hatte eine völlig neue Geschichte geschrieben, die von dem Buch inspiriert war und all den Figuren folgt, die wir im ersten Film liebgewonnen haben. Wir erleben, was mit ihnen seit dem ersten Film passiert ist. Und wir folgen ihnen in ihre Vergangenheit und erfahren noch mehr über sie. Alle waren begeistert.“
Trotzdem dauerte es sechs Jahre, bis mit „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ die Fortsetzung fertig war. Linda Woolverton schrieb wieder das Drehbuch, in dem sie die Geschichte von Alice weitererzählt. Die Regie übernahm James Bobin („Muppets most wanted“). Etliche Schauspieler, die bei „Alice im Wunderland“ mitspielten, sind wieder dabei und der poppig-künstliche Zuckerschock-Stil wurde beibehalten.
Am Ende von „Alice im Wunderland“ brach Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) als Seefahrerin in Richtung China auf.
Am Anfang von „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ kann sie, drei Jahre später, mit einem waghalsigen Manöver in sturmumtoster See einigen Piraten entkommen. Zurück in England erfährt Alice, dass ihre Mutter kurz davor steht, die Reederei zu verkaufen. An den Schnösel Hamish Ascot, der sie schon vor Jahren nicht heiraten wollte, und eine Gruppe alter Männer, die sich Frauen nur als Hausfrauen vorstellen können.
Alice tritt durch einen Spiegel ins Unterland, das sie in den vergangenen Jahren nicht besuchte. Erschrocken sieht sie, was sich aller veränderte. Vor allem der Verrückte Hutmacher Tarrant Hightopp (Johnny Depp) ist nicht mehr er selbst. Er ist, nachdem er eine Spur von seinen verstorbenen Eltern entdeckte, todunglücklich. Er bittet Alice um Hilfe. Aber wie sollen Tode wieder ins Leben zurückkehren?
Trotzdem versucht Alice ihren Freund zu retten und während ihrer Rettungsmission erfahren wir auch viel über das Wunderland und seine Bewohner in früheren Jahren. Insofern ist „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ ein Sequel und ein Prequel, wobei gerade dieser Teil der alleruninteressanteste ist. Denn wollen wir wirklich wissen, wie und warum Mirana, die Weiße Königin (Anne Hathaway), und Iracebeth, die Rote Königin (Helena Bonham Carter) sich zerstritten und Iracebeth so böse wurde? Hat sie uns nicht gerade wegen ihrer nicht erklärten Bösartigkeit im ersten Film so gut gefallen? Und wollen wir wirklich alles über die Eltern und Kindheit vom Verrückten Hutmacher erfahren? Nicht wirklich.
Auch Alices Rettungsmission im Unterland, die natürlich von Ereignissen in der realen Welt inspiriert ist und auch zwischen Gegenwart und Vergangenheit etwas hin und her springt, und es um den Besitz der Chronosphäre, die von der Zeit (Sacha Baron Cohen) beherrscht und gepflegt wird, wird eher lustlos präsentiert. Mit einer gehören Portion Unglaubwürdigkeit. Denn die taffe Seefahrerin soll jetzt, immerhin spiegeln ihre Abenteuer im Unterland ihre aktuellen Probleme in der realen Welt, an sich zweifeln und sich ernsthaft überlegen, ob sie nicht doch zum Heimchen am Herd wird.
Da helfen dann auch nicht mehr die Auftritte der alten Bekannten aus dem ersten Film und die bunten, hauptsächlich aus dem Computer generierten Bilder. Wobei jetzt das Zusammenspiel von Schauspielern und CGI-Figuren besser funktioniert als im ersten Teil.
Eine riesige Enttäuschung ist dagegen die erschreckend beliebig vor sich hin plätschernde Musik von Danny Elfman; – wobei: zur Lektüre von Carrolls Alice-Geschichten könnte sie eine gute Geräuschkulisse sein.
Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (Alice through the looking glass, USA 2016
Regie: James Bobin
Drehbuch: Linda Woolverton
LV: Lewis Carroll: Through the Looking-Glass, 1871 (Alice hinter den Spiegeln)
mit Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Sacha Baron Cohen, Rhys Ifans, Matt Lucas, Lindsay Duncan, Leo Bill, Geraldine James, Andrew Scott, Richard Armitage, Ed Speleers, Alan Rickman (Stimme), Timothy Spall (Stimme), Paul Whitehouse (Stimme), Stephen Fry (Stimme), Barbara Windsor (Stimme), Michael Sheen (Stimme)
Von der Musik kommt John Carney nicht weg. Nach den Musikfilmen „Once“ und „Can a Song save your Life?“ drehte der 1972 geborene Dubliner jetzt mit „Sing Street“ eine sehr autobiographisch inspirierte Geschichte über eine Band in den Achtzigern in Dublin.
Der fünfzehnjährige Conor (Ferdia Walsh-Peela) muss die Schule wechseln und landet, weil das Geld nicht für mehr reicht, auf einer öffentlichen, entsprechend gruseligen Schule in der Synge Street. Das beginnt schon mit Regeln für die richtigen Schuhe und endet bei den Benimmregeln, die heute noch altmodischer sind als damals, als im katholischen Irland Scheidungen verboten waren. Und selbstverständlich sind seine proletarischen Klassenkameraden nicht von dem Neuling, der von einer Privatschule kommt, begeistert. Kurz: Conor will nur möglichst schnell weg.
Als er auf einer Treppe, gegenüber der Schule, eine gut aussehende junge Frau entdeckt, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Er spricht sie an, indem er behauptet, Musiker zu sein und sie in ihrem Video auftreten solle. Die etwas ältere Raphina (Lucy Boynton) gibt sich kühl distanziert und sagt, sie sei ein Model, was dann auch die Inspiration für Conors Song „The Riddle of the Model“ ist.
Weil Conor kein Instrument spielen kann und, was noch schlimmer ist, keine Band hat, beginnt er schnell mit seinem ersten Freund an der neuen Schule, Darren (Ben Carolan), eine Band zusammen zu stellen. Sie üben gemeinsam, schreiben Songs, drehen Videos mit klobigen Kameras und sie bereiten sich auf ihren ersten Auftritt vor.
Nebenbei entspinnt sich eine Liebesgeschichte zwischen Conor und Raphina. Sie ist seine erste große Teenager-Liebe.
Dass John Carney ein Gefühl für Musik hat und sie inszenieren kann, wissen wir. Auch in „Sing Street“ sind die Auftritte der Band und wie sie sich, unter der Anleitung von Conors Bruder Brendan (Jack Reynor), entwickeln, ein Genuss für den Musikfan. Brendan ist ein typischer LP-Nerd, der jeden Ton seiner großen Schallplattensammlung kennt und der in jedem Zustand stundenlang darüber philosophieren kann. Auch wenn man seine Liebe zu „Duran Duran“, einer auch durch MTV in den Achtzigern enorm erfolgreichen, bei den Musikkritikern ungeliebten New Romantic/Synthpop-Band, bei der Stil wichtiger als Substanz war, durchaus an seinem Urteil zweifeln lässt. Aber damals waren Teenager von der Band, ihren Pop-Songs, ihrem Stil und ihren provokanten Videos, die auf dem damals neuen Musikkanal MTV (bei uns gab es als wöchentliche Video-Dosis die Musiksendung „Formel 1“) verbreitet wurden, begeistert.
Nach diesem Vorbild werden die Auftritte von „Sing Street“ zunehmend professioneller. Ihre Kleidung und ihre Frisuren ändern sich. Und die Songs der Band sind nicht schlecht.
Carney verknüpft die Geschichte der Band mit einer gewohnt feinfühlig erzählten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der damaligen katastrophalen ökonomischen und politischen Situation in Irland. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass alle nur möglichst schnell weg wollen nach London, wo man seine Träume verwirklichen kann.
Nur wir wollen möglichst lange in der „Sing Street“ bleiben.
Sing Street (Sing Street, Irland/USA/Großbritannien 2016)
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney
mit Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton, Jack Reynor, Maria Doyle Kennedy, Aiden Gillen, Kelly Thornton, Ben Carolan, Mark McKenna, Percy Chamburuka
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
Der Soundtrack
Auf der Soundtrack-CD sind neben den acht seltsam vertrauten Songs der Filmband „Sing Street“ (bestehend aus John Carney, Gary Clark, Graham Henderson, Carl Papenfus, Ken Papenfus und Zamo Riffman), die herrlich eingängig sind und ein angenehmes Retro-Gefühl haben, auch jeweils ein bekannter Song von Duran Duran („Rio“), The Jam („Town called Malice“), The Cure („Inbetween Days“), Hall & Oates („Maneater“), Joe Jackson („Stepping Out“), M („Pop Muzik“), Motörhead („Stay Clean“) und, als weiterer neuer Song, Adam Levines „Go Now“ enthalten. Der „Maroon 5“-Sänger war auch in John Carneys vorherigen Film „Can a Song save your Life?“ musikalisch und schauspielerisch involviert.
Die Songs für „Sing Street“ schrieb, teils mit Co-Autoren, Gary Clark, der in den Achtzigern Frontman von „Danny Wilson“ war.
Eine schöne CD – auch für die nächste 80er-Jahre-Disco.
Überraschend gelungen ist Duncan Jones‘ dritter Spielfilm „Warcraft: The Beginning“. Das sagt jetzt allerdings wenig über den Film an sich, sondern vor allem über den Referenzrahmen aus. „Warcraft: The Beginning“ (ab jetzt nur noch „Warcraft“, im Netz gibt es ja kein Zeilengeld) ist eine Spieleverfilmung und „gute Spieleverfilmung“ ist ein bekanntes Oxymoron. Die meisten Spieleverfilmungen sind als Film und als irgendwie geartete Adaption des Spiels gescheitert. Eine Qual für die Fans des Spiels, weil sie im Film nichts von der Großartigkeit des Spiels finden, und eine für das restliche Publikum, weil es einen grottenschlechten Film sieht, eine Geldverschwendung, bei der vollkommen unklar ist, warum irgendjemand, geschweige den Millionen, das Spiel gekauft haben.
„Warcraft“ ist außerdem ein Fantasy-Film und Fantasy-Filme irgendwo zwischen Rittern und eiserne Jungfrauen im Mittelalter und „Herr der Ringe“-Zaubereien interessieren mich herzlich wenig. Ich halte es da mit Alfred Hitchcock, de sich fragte, wie die Menschen in den Kostümen auf die Toilette gehen. Außerdem sind etliche Fantasy-Filme, trotz oder wegen ihres Budgets, schlechte Filme.
Kurz gesagt: in diesem Umfeld sind die Erwartungen notorisch gering.
Aber dann ist der Film von Duncan Jones und seine beiden Science-Fiction-Filme „Moon“ und „Source Code“ haben mir gut gefallen. Sie kosteten nicht viel Geld, hatten aber eine gute Geschichte und gute Schauspieler. Gute Schauspieler hat „Warcraft“ auch, wobei auf die wirklich großen Namen verzichtet wurde. Sie sollten nicht von der Geschichte ablenken.
Ihm könnte also eine gute Spieleverfilmung gelingen.
Oh, und Duncan Jones ist ein bekennender „World of Warcraft“-Spieler, was erst einmal nichts sagt, aber immerhin die Hoffnung weckt, dass er dem Geist des Spiels treu bleibt. Ob ihm das gelingt, kann ich nicht sagen. Computerspiele interessieren mich ungefähr so sehr wie Fantasy-Filme. Und das ist „Warcraft“.
Es geht um die aus einer fremden Welt in das Königreich von Azeroth kommenden Orcs. Die Orcs sehen aus wie eine muskelbepackte Version von Arnold Schwarzenegger. Sie leben für den Krieg und wollen die Welt der Menschen erobern. Die Menschen sind davon nicht begeistert. Ihre Truppen werden angeführt von dem tapferen Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), dem jungen Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer) und dem Wächter Medivh (Ben Foster), der mit seinen magischen Kräften über die Menschen wacht. Allerdings hat er sich in den letzten sechs Jahren in seine Burg zurückgezogen, widmete sich seinen Schriften und der Erschaffung eines Golems. Sekundiert werden sie von dem König Llane (Dominic Cooper) und seiner Gemahlin und Anduins Schwester Lady Taria (Ruth Negga).
Auf der Seite der Orcs haben die Macher weniger Sorgfalt verwandt, obwohl sie die Geschichte aus der Perspektive der Menschen und der Orcs erzählen wollen (was dann bei Friedensverhandlungen zu etwas putzigem Sprachwirrwarr auf der Tonspur sorgt). Einerseits sehen sie sich doch alle recht ähnlich, andererseits gibt es neben ihrem Anführer, dem Hörner tragendem Greis Gul’dan (Daniel Wu), dem tapferen Durotan (Toby Kebbell) und seiner ebenso kriegsbegabten, schwangerschaftsbedingt ausfallenden Frau Draka (Anna Galvin) kaum Charaktere, die einen größeren Wiedererkennungswert haben.
Zwischen beiden Welten steht Garona (Paula Patton), ein Halb-Mensch/Halb-Orc-Wesen, das Anduin gefangen genommen wird und, weil sie die Sprache der Menschen versteht, zur Übersetzerin und Vermittlerin zwischen ihnen wird. Kämpfen kann sie auch und es bleibt ein Rätsel, warum sie und der mit ihr gefangen genommene Orc nicht einfach ausbrechen.
Nachdem diese Fronten geklärt sind, fällt Durotan auf, dass Gul’dan alles zerstört, was in seinen Einflussbereich gerät. Er will sich daher mit den Menschen gegen den wahren Bösewicht verbünden.
Gut, die Story kennen wir wirklich vorwärts und rückwärts, mit allen möglichen Verwicklungen aus jedem zweiten Mittelalterfilm und Duncan Jones erzählt sie brav nach mit vorhersehbaren Wendungen, einem gemächlichen Erzähltempo, seit Ewigkeiten patentierten Dialogen und eindimensionalen Charakteren. Also mit all den Dingen, die wir in seinen vorherigen Filmen nicht vermissten. Daher ist „Warcraft“ vor allem ein Film für die Fantasy-Filmgemeinde, die gerade unter Hobbit-Entzug leidet, und für die Duncan-Jones-Komplettisten.
Denn die Bilder beeindrucken. Auch, was gar nicht so einfach ist, in 3D im IMAX. Wobei die Dimensionen und Proportionen zwischen riesigen Händen und Kleinkinderköpfen bei den Orcs immer wieder falsch wirken. Die Geschichte wird mit etwas Humor und dem augenzwinkernden Einverständnis erzählt, dass wir sie letztendlich schon kennen. Auch wenn die Namen ausgetauscht wurden.
Obwohl der Film „The Beginning“ heißt, erzählt er, bis auf einige Hinweise auf die weitere Geschichte und einigen überraschenden Todesfällen, eine in sich abgeschlossene Geschichte, für die man das Spiel nicht kennen muss.
Überraschend gelungen ist, um wieder auf meine erste Bewertung zurückzukommen, in diesem Fall ein okayer Fantasy-Film, der nichts neu erfindet, angenehm konservativ seine Geschichte erzählt und die bekannten Fallen früherer Spieleverfilmungen umschifft. Das ist im Umfeld von „Tomb Raider“, „Max Payne“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ und „Need for Speed“ schon sehr viel.
Warcraft: The Beginning (Warcraft: The Beginning, USA 2016)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Charles Leavitt, Duncan Jones
mit Travis Fimmel, Paula Patton, Ben Foster, Dominic Cooper, Toby Kebbell, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Clancy Brown, Daniel Wu, Ruth Negga
Ein Ex-Harvard-Student lernt in London den Anführer der Hooligan-Gang „Green Street Elite“ kennen und er ist fasziniert von deren gewalttätigem Lebensstil.
„Handwerklich routiniert erzählt, werden die Schlachten als rasante Actionsequenzen inszeniert, wobei der Film mehr und mehr einem tumben Kameradschafts-Pathos verfällt und die sinnfreien Gewalteskalationen nachgerade zu Heldentaten stilisiert.“ (Lexikon des internationalen Films)
Dabei kommt das Kameradschafts-Pathos aus der Filmgeschichte und der Weltsicht der Protagonisten, die Lexi Alexander nicht verurteilt, sondern, durchaus mit einer gewissen Faszination, nur zeigt.
Bemerkenswert an dem Film ist, neben der Besetzung, dass Lexi Alexander eine der wenigen Frauen ist, die harte Actionfilme inszeniert. Davor drehte sie den Oscar-nominierten Kurzfilm „Johnny Flynton“ über einen Boxer. Danach drehte sie „Punisher: War Zone“. Zuletzt arbeitete sie für das US-Serien-TV.
Oh, und sie ist eine Deutsche. Als Neunzehnjährige zog sie nach Hollywood.
mit Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani, Marc Warren, Henry Goodman, Leo Gregory, Geoff Bell, Rafe Spall
Wiederholung: Freitag, 27. Mai, 01.55 Uhr (Taggenau!)