TV-Tipp für den 3. Dezember: Zero Dark Thirty

Dezember 2, 2016

ZDFneo, 22.00

Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty, USA 2012)

Regie: Kathryn Bigelow

Drehbuch: Mark Boal

Gut versteckte TV-Premiere von Kathryn Bigelows nicht unproblematischen Film über die Jagd auf Osama Bin Laden, erzählt aus der Sicht der Geheimdienste mit einer CIA-Analytikerin als Protagonistin.

Zum Kinostart schrieb ich unter anderem: „Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.“

mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zero Dark Thirty“

Metacritic über „Zero Dark Thirty“

Rotten Tomatoes über „Zero Dark Thirty“

Wikipedia über „Zero Dark Thirty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kathryn Bigelows „Zero Dark Thirty“ (Zero Dark Thirty, USA 2012)


TV-Tipp für den 2. Dezember: Kein Sterbenswort

Dezember 2, 2016

3sat, 22.35

Kein Sterbenswort (Frankreich 2006, Regie: Guillaume Canet)

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Guillaume Canets „Blood Ties“ (Blood Ties, Frankreich/USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Sully“ landet auf dem Hudson

Dezember 1, 2016

Während Woody Allen jedes Jahr einen neuen Woody-Allen-Film dreht, der sich nicht sonderlich von seinen vorherigen Filmen unterscheidet, und Ken Loach das Genre des Ken-Loach-Films erfunden hat, überrascht ihr ähnlich produktiver, einige Jahre älterer Altersgenosse Clint Eastwood mit jedem neuen Film, weil es nicht den Clint-Eastwood-Film gibt. Es gibt Themen und Charaktertypen, zu denen er immer wieder zurückkehrt. Nachdem er zuletzt in dem Kriegsfilm „American Sniper“ einen Heckenschützen idealisierte, mit „Jersey Boys“ ein Quasi-Musical ablieferte, in „J. Edgar“ ein Jahrzehnte umspannendes Biopic über FBI-Chef J. Edgar Hoover drehte und sich in „Hereafter – Das Leben danach“ in mehreren Episoden mit dem Tod beschäftigte, drehte er jetzt mit „Sully“ einen kurzen Film über den erfahrenen Captain Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der am 15. Januar 2009 einige Minuten nach dem Start vom New Yorker Flughafen LaGuardia auf dem Hudson River notlanden musste, weil durch einen Vogelschwarm beide Triebwerke ausgefallen waren.

Die Bilder von der Airbus A320 auf dem Hudson gingen um die Welt. Bei der Notlandung, die nach dem Lehrbuch fast unmöglich ist und in keinem Training gelehrt wird, überlebten alle 155 Menschen, 150 Passagiere und 5 Crew-Mitglieder, die an Bord waren. Einige wurden leicht verletzt.

Nach dieser Landung gab es selbstverständlich eine Untersuchung des National Transportation Safety Board (NTSB), auf die sich Todd Komarnickis Drehbuch und Clint Eastwoods Film konzentriert. Sie legen sie zeitlich näher an die Notlandung, als die Gespräche und die Anhörung in Wirklichkeit waren und sie spitzen den Konflikt zu, indem sie die NTSB-Ermittler zu den Bösewichtern machen, die herausfinden wollen, warum Sullenberger ein so teures Flugzeug zerstörte und sie wollen ihn dafür bezahlen lassen. Das ist aus dramaturgischer Perspektive nachvollziehbar, ist aber auch in seiner Schwarz-Weiß-Zeichnung die große Schwäche des Films. Dieser Konflikt entbehrt, wenn man nachrecherchiert, in dieser Zuspitzung jeder Grundlage. Deshalb sind die NTSB-Ermittler auch alle fiktionale Charaktere, während der restliche Film nah bei den Fakten bleibt und bei der Rettungsaktion auf dem Hudson viele der damaligen Helfer sich selbst spielten.

Mit diesem gehyptem Konflikt wird auch eine seltsam verquere Weltsicht mitgeliefert, die sich kritische Nachfragen an einem Helden verbittet und die letztendlich Selbstgerechtigkeit fördert. Dabei ist eine gründliche Untersuchung notwendiger Teil einer funktionierenden Fehlerkultur. Sie ist die Grundlage für jeden individuellen und kollektiven Lernprozess. In „Sully“ wird ihr zugunsten einer blinden Heldenverehrung eine Absage erteilt.

Das wird am Ende, wenn Sullenberger von allen Vorwürfen vollständig freigesprochen wird, überdeutlich. Da ist er ein reinerer, größerer und fehlerfreierer Held als Jesus. Ein alles überstrahlender Held, von dem wir nichts lernen, den wir nur blind bewundern können.

Zum Glück ist das nur der äußere Konflikt. „Sully“ funktioniert aber über den inneren Konflikt von Sullenberger. Seine Selbstzweifel sind das emotionale Band zwischen Sullenberger, die ihn zu einem Menschen machen, und dem Zuschauer.

Tom Hanks spielt Sullenberger als einen erfahrenen Flugkapitän, der während der Untersuchung von Alpträumen geplagt wird. Er fragt sich, ob er wirklich das richtige getan hat. Oder hätte er zum Flughafen LaGuardia zurückfliegen und dort wesentlich gefahrloser landen können? In seinen Alpträumen wird er von schlecht getricksten Katastrophen gequält, in denen er nicht rechtzeitig landen kann und, einige Jahre nach 9/11, mitten in Manhattan in Wolkenkratzer fliegt.

Aaron Eckhart spielt die undankbare Rolle des stichwortgebenden Co-Piloten Jeff Skiles mit herrlichem Understatement; als habe er gerade die Cowboykluft gegen die Pilotenuniform getauscht. Auch wenn es so wirkt, als würden Sullenberger und Skiles sich schon seit Ewigkeiten kennen, kannten sie sich erst seit wenigen Tagen. Im Cockpit arbeiteten sie dann perfekt zusammen.

Und Clint Eastwood inszeniert diese Heldengeschichte, die auch die Wunde von 9/11 schließen soll, mit seinem Stammkameramann Tom Stern gewohnt unprätentiös die üblichen Kitsch- und Pathosfallen vermeidend. Das macht „Sully“, trotz bekannter Geschichte, sehenswert.

Sully_Artwork.indd

Sully (Sully, USA 2016)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Todd Komarnicki

LV: Chesley Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Highest Duty, 2009 (Man muss kein Held sein; Sully: Das Wunder vom Hudson)

mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Mike O’Malley, Jamey Sheridan, Anna Gunn, Holt McCallany, Chris Bauer, Jane Gabbert, Ann Cusack, Molly Hagan, Patch Darragh, Michael Rapaport

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sully“

Metacritic über „Sully“

Rotten Tomatoes über „Sully“

Wikipedia über „Sully“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Sully“: Gelungene Notlandung oder Totalcrash im Realitätscheck?

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

–

(Nachtrag 17. Dezember 2016) Die Vorlage

Zum Filmstart erschien Chesley B. Sullenbergers Biographie mit einem neuen Titel und neuem Cover in dem in Deutschland neuen Penguin-Verlag (Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe, dass das bekannte Verlagslogo auch auf deutschen Büchern ist).

Sully von Chesley B Sullenberger

Chesley B. Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Sully – Das Wunder vom Hudson

(übersetzt von Michael Bayer, Norbert Juraschitz und Henning Dedekind)

Penguin Verlag, 2016

352 Seiten

10 Euro

–

Deutsche Erstausgabe als „Man muss kein Held sein – Auf welche Werte es im Leben ankommt“.

–

Originalausgabe

Highest Duty – My Search for what really matters

William Morrow, New York, 2009

–

Hinweis

Perlentaucher über Chesley B. Sullenbergers Biographie


Neu im Kino/Filmkritik: „Underworld: Blood Wars“ mit und um Frau Beckinsale

Dezember 1, 2016

Beginnen wir mit dem großen Unterschied zwischen „Underworld: Blood Wars“ und den vorherigen „Underworld“-Filmen. Der 3D-Film wurde erstmals von einer Frau inszeniert. Das ändert aber nichts daran, dass Kate Beckinsale mehr als einmal schwungvoll durch die Landschaft gegen harte Gegenstände geschleudert wird, ehe sie einige Männer ins Jenseits schickt. Weil sie die Vampirin Selene spielt, trägt sie keine dauerhaften Verletzungen davon. Sie ist auch immer noch das Hauptargument für die Filmreihe:

kate-beckinsale-bild-sony-pictures

Ein zweites ist der Bösewicht des Films:

lara-pulver-bild-sony-pictures

Dabei ist Semira (Lara Pulver, die als Irene Adler schon „Sherlock“ ganz närrisch machte), die Lack und Leder in einer etwas spartanischeren Version als Selene bevorzugt, nur der Vampir-Bösewicht. Es gibt auch noch einen zweiten Hauptbösewicht: Marius (Tobias Menzies). Er ist ein Lykaner (das sind Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln können), der zum Anführer der Lykaner wurde und mit anderen Lykanern eine gut gesicherte Vampirfestung stürmen will. Diese liegt, wie gewohnt, in einem osteuropäisch aussehendem Steampunk-Fantasieland mit leichter Weltkrieg-II-Ästhetik; was natürlich an den unterirdischen Gewölben, dem verlassenem Güterbahnhof, den fotogenen Mänteln und dem Dreh in und um Prag liegen kann. Selene, inzwischen ein allein herumziehender Ronin, soll bei der Verteidigung der Burg helfen. Sie soll vor allem die anderen Vampire zu Kämpfern ausbilden.

Bis zu dieser Schlacht in der dann doch überraschend schlecht gesicherten Festung kommt, vergeht viel Filmzeit. Im Gegensatz zu den vorherigen „Underworld“-Filmen „Underworld (2002, dem besten Film der Reihe), „Underworld: Evolution“ (USA 2006), „Underworld: Aufstand der Lykaner“ (USA 2009, ein Prequel ohne Kate Beckinsale) und „Underworld: Awakening“ (USA 2011, ebenfalls in 3D), die einfach Trash mit viel Action, einem Minimum an Dialog und einer stylischen Optik waren, wird in „Underworld: Blood Wars“ langatmig, aber höchst irdisch am Vampirhof intrigiert, Pläne geschmiedet und viel geredet. So als würde man sich wirklich für irgendwelche austauschbaren Hofintrigen interessieren.

Gleichzeitig wollen die Bösewichter, wenn sie schon nicht das Hybrid-Blut von Selenes spurlos verschwundener Tochter Eve (sieh „Awakening“) bekommen können, Selenes Blut. Selene erhielt in den letzten Filmen durch verschiedene Ereignisse besondere Fähigkeiten, wie einer Unempfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Warum die verschiedenen Bösewichter nicht einfach nur ein, zwei Liter von ihrem Blut abzapfen und dann vervielfältigen, sondern sie vollständig auspumpen wollen, wissen die Drehbuchgötter, die für diesen „Underworld“-Film ein arg schwaches Drehbuch schrieben, das sich in den verschiedenen Motivationen und Komplotten verirrt. „The Last Witch Hunter“-Drehbuchautor Cory Goodman hätte besser, wie bei den vorherigen, von anderen Autoren geschriebenen „Underworld“-Filmen eine einfache Geschichte mit einer eindeutigen Motivation und Ziel für die verschiedene Hauptcharaktere erfunden. Ein banales ‚Selene will die Vampirburg vor dem Angriff der Lykaner beschützen‘ (aka „Underworld: Die sieben Samurai“) oder ‚Selene will ihre Tochter vor den Bösewichtern beschützen‘ (aka „Underworld: Die Hard“ oder „Underworld: Taken“) hätte genügt, um die vor allem bei den Lykanern mit viel CGI aufgepimpte Action zu rechtfertigen.

Die ist in der aus den vorherigen „Underworld“-Filmen vertrauten Mischung aus Zeitlupe und Zeitraffer inszeniert, die immer wieder die genauen Abläufe und auch die Handlungen von Selene verbirgt. Wenn sie nicht gerade beidhändig schießt.

Die konsequent dunkle Optik der vorherigen Filme wurde beibehalten. Anscheinend haben Vampire nicht nur etwas gegen Sonnenlicht, sondern auch gegen jede andere Art moderner Beleuchtung. Dafür sieht es, wenn sie in ihrer Fetischkluft durch die mittelalterlichen Gemäuer schreiten, hübsch stylisch aus.

Insgesamt unterscheidet sich „Blood Wars“, abgesehen von dem überkonstruiertem Plot und weniger Actionszenen, kaum von den vorherigen „Underworld“-Filmen.

Ob das jetzt ‚gut‘ oder ’schlecht‘ ist, liegt daran, ob man Kate Beckinsale in Lack und Leder sehen will und akzeptiert, dass sie nicht allzu oft im Bild ist und entsprechend wenig kämpfen darf.

underworld-blood-wars-plakat

Underworld: Blood Wars (Underworld: Blood Wars, USA 2016)

Regie: Anna J. Foerster

Drehbuch: Cory Goodman (nach einer Geschichte von Kyle Ward und Cory Goodman, basierend auf Charakteren von Kevin Grevioux, Len Wiseman und Danny McBride)

mit Kate Beckinsale, Theo James, Lara Pulver, Tobias Menzies, Bradley James, James Faulkner, Charles Dance, Clementine Nicholson

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Underworld: Blood Wars“

Metacritic über „Underworld: Blood Wars“

Rotten Tomatoes über „Underworld: Blood Wars“

Wikipedia über „Underworld: Blood Wars“ (englisch)


TV-Tipp für den 1. Dezember: Jack

Dezember 1, 2016

Arte, 20.15

Jack (Deutschland 2014)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen

Als der zehnjährige Jack nicht von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt wird, haut er ab. In Berlin wartet allerdings niemand auf ihn. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder beginnt Jack seine, mal wieder, spurlos verschwundene Mutter zu suchen.

Mitreisendes, mehrfach ausgezeichnetes Sozial- und Jugenddrama, das immer auf Jacks Augenhöhe bleibt, während er durch die große Stadt läuft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ivo Pietzcker, Georg Arms, Luise Heyer, Nele Mueller-Stöfen, Vincent Redetzki, Jacob Matschenz

Wiederholung: Mittwoch, 7. Dezember, 13.50 Uhr

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jack“
Moviepilot über „Jack“
Berlinale über „Jack“


DVD-Kritik: Todd Solondz, Dawn Wiener und ein „Wiener Dog“

November 30, 2016

Jetzt ist „Wiener Dog“, die neue Komödie von Todd Solondz auf DVD und Blu-Ray erschienen. Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert:

Nachdem seine letzten beiden Filme „Life during wartime“ (2009) und „Dark Horse“ (2011) bei uns überhaupt nicht gezeigt wurden und auch Todd Solondz‘ ältere Filme selten bis nie im Fernsehen laufen und auch auf DVD nicht wirklich erhältlich sind, dürfte „Wiener Dog“ für einige Zuschauer eine echte Entdeckung und für einige ältere Cineasten eine willkommene Wiederentdeckung des Regisseurs von „Willkommen im Tollhaus“ (1995) und „Happiness“ (1998) sein. Sie werden dann auch vielleicht bemerken, dass Dawn Wiener, die jetzt von Greta Gerwig gespielte Protagonistin der zweiten Geschichte von „Wiener Dog“, auch die Protagonistin von „Willkommen im Tollhaus“ war.

Dawn arbeitet jetzt in einer Tierklinik, wo sie ihr Herz an den Dackel, der eingeschläfert werden soll, verliert. Sie rettet ihn davor. Kurz darauf trifft sie in einem Supermarkt auf ihren ehemaligen Schulkameraden Brandon McCarthy (Kieran Culkin), der jetzt drogensüchtig ist und sie auf eine Reise nach Ohio einlädt. Dort gibt es Crystal Meth.

Dawn, die genug von ihrem tristen und eintönig-hoffnungslosem Leben hat, ist einverstanden. Auf ihrer Reise begegnen sie einer Mariachi-Band und Brandons Bruder, der Trisomie 21 hat, und glücklich mit einer ebenfalls behinderten Frau zusammen lebt. Dawn schenkt ihnen ihren Dackel, der danach noch zwei weitere Besitzer hat. Aber wie er zu dem Hochschullehrer Schmerz (Danny DeVito) und danach zu Nana (Ellen Burstyn) kommt, erfahren wir nicht. Es ist auch egal, weil der Dackel einfach nur ein fast beliebig austauschbares Bindeglied zwischen den vier unabhängigen Geschichten über in den Vorstädten lebende Menschen ist. Deren Leben, ihre Tristesse und ihre Lügen schildert Todd Solondz mit bitterbösem Humor, der unerbittlich jede Scheinheiligkeit und Selbsttäuschung für uns entlarvt bis die Suburbs mit ihren austauschbaren Häusern zu einer Vorhölle werden, in der es nur noch Stillstand gibt. Die porträtierten Charaktere haben sich in ihrem Leben schon lange eingerichtet.

So hat in der ersten Geschichte Dina (Julie Delpy) kein erkennbar schlechtes Gewissen, wenn sie ihren Sohn Remi (Keaton Nigel Cooke), der gerade eine Krebserkrankung überstanden hat, über den Dackel und seine Gefühle belügt. Denn Remis einziger Freund muss erzogen, sterilisiert und später, weil er einfach zu viel Arbeit verursacht, eingeschläfert werden. Aber Dina beruhigt ihren Sohn: „Es ist traurig, aber wahr. Wir sind der einzige Freund des Hundes.“

In der dritten Geschichte begegnet der Dackel in New York dem Filmprofessor Schmerz, der früher ein erfolgreicher Drehbuchautor war, seit Ewigkeiten kein Buch mehr verkauft hat, den Studenten seit Jahren die gleichen Ratschläge gibt und notorisch schlecht gelaunt ist, weil er kein Buch verkauft und unterrichten muss. Entsprechend unbeliebt ist er bei seinen Studenten und Kollegen.

In der vierten Geschichte wird die Großmutter Nana (Ellen Burstyn) nur dann von ihrer Enkelin Zoe (Zosia Mamet) besucht, wenn sie Geld braucht. Zum Beispiel für ihren gerade aktuellen Freund Fantasy (Michael Shaw; auch dieser Name ist nicht zufällig ausgewählt), der sich schon als großer Künstler sieht und eine Ausstellung plant. Auch Nana hat vor Jahrzehnten Kunst studiert.

Die Geschichten sind eher Zustandsbeschreibungen und dank der präzisen Beobachtung, der punktgenauen Zuspitzung und dem jeden Satz und jedes Bild durchziehenden schwarzen Humor unglaublich unterhaltsam und witzig; ohne jeden Fremdschäm-Reflex und mit einer tiefschwarzen Weltsicht, in der es keinen Gott gibt, aber die Welt nicht gottlos ist. Denn Solondz liebt seine Charaktere und er zeigt die Welt, die er kennt. Der US-Gesellschaft hält er so einen Spiegel vor; für uns ist es sie ein Blick in eine vertraut-fremde Welt, gespickt mit vielen Anspielungen, Verweisen, Doppelungen und Spiegelungen, die man analysieren oder einfach nur genießen kann.

In den in jeder Beziehung sehr unterschiedlichen Geschichten und in der Struktur des Films. So gibt es, immerhin erzählt „Wiener Dog“ vier Geschichten, eine „Intermission“, die im Film mit Pausenschild und Pausenprogramm gefüllt wird. Dabei ist Solondz‘ Film mit knapp neunzig Minuten kürzer als die üblichen Hollywood-Blockbuster, die schon lange notorisch die Zwei-Stunden-Grenze überschreiten. Die Geschichte von Schmerz ist auch eine Lektion im Geschichtenerzählen, garniert mit Hollywood-Weisheiten, einem „What. If.“-Running-Gag und eine Abrechnung mit Hollywood, die dann doch wieder eben dieser Formel bis zum explosiven Ende folgt. Dagegen fallen dann Nanas Begegnungen mit ihren jüngeren Ichs als Flucht in surreale Fantasy-Gefilde schwach aus. Bis dahin hat Ellen Burstyn vielsagend geschwiegen und mit wenigen Sätzen ihre Nichte aus ihrer Komfortzone geholt. Genau wie Todd Solondz uns aus unserer Komfortzone holt.

Dieses Mal ohne Vergewaltigungen, Masturbationen, Kindesmissbrauch, Abtreibungen und andere Tabuthemen, mit denen man das Publikum schnell verstören kann. Vor allem, wenn man plötzlich Verständnis und Sympathie für diese Charaktere entwickelt. In dem sehr zugänglichem Tierfilm „Wiener Dog“ muss man diese Angst nicht haben. Trotzdem ist es kein Feelgood-Film.

„Ich liebe Hunde und hätte selber gerne einen. Das einzige Problem ist, dass ich nicht Gassi mit ihnen gehen will und sie nicht gerne füttere oder sie wasche oder wegen ihnen zu Hause bleiben will.“ (Todd Solondz)

Das Bonusmaterial ist mit zwei Trailern nicht existent. Wie bei Woody-Allen-DVDs..

wiener-dog-dvd-cover

Wiener Dog (Wiener Dog, USA 2016)

Regie: Todd Solondz

Drehbuch: Todd Solondz

mit Keaton Nigel Cooke, Tracy Letts, Julie Delpy, Greta Gerwig, Kieran Culkin, Danny DeVito, Ellen Burstyn, Zosia Mamet, Michael Shaw

–

DVD

Prokino

Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel Deutsch, Englisch (ausblendbar)

Bonusmaterial: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wiener Dog“

Metacritic über „Wiener Dog“

Rotten Tomatoes über „Wiener Dog“

Wikipedia über „Wiener Dog“

Webseite über Todd Solondz und seine Filme

Meine Besprechung von Todd Solondz‘ „Wiener Dog“ (Wiener Dog, USA 2016) (mit weiteren Interviews)


TV-Tipp für den 30. November: Geheimring 99

November 30, 2016

HR, 23.45

Geheimring 99 (USA 1955, Regie: Joseph H. Lewis)

Drehbuch: Philip Yordan

Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.

Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Geheimring 99”

Turner Classic Movies über “Geheimring 99”

Wikipedia über “Geheimring 99” (deutsch, englisch)

Noir of the Week über “Geheimring 99”

Film Noir über “Geheimring 99” (mächtig begeistert)

Archive.org: der Film


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Arrival“ erzählt irgendwie nicht die „Geschichte deines Lebens“

November 29, 2016

Erinnern Sie sich an „Independence Day: Wiederkehr“? Oder irgendeinen anderen Invasions- oder Marvelfilm, in dem die Erde am Filmende regelmäßig wie ein Kinderzimmer nach einer Geburtstagsfeier aussieht? Gut.

Und jetzt stellen Sie sich das Gegenteil davon vor.

Das ungefähr ist „Arrival“. In seinem neuen Meisterwerk erzählt Denis Villeneuve, wie eine Begegnung zwischen Menschen und Außerirdischen stattfinden könnte, in der nicht von der ersten bis zur letzten Minute alles zerstört wird, sondern in dem eine Verständigung zwischen Menschheit und Aliens versucht wird. Sein Film basiert auf der mit dem Nebula Award und dem Sturgeon Award ausgezeichneten Kurzgeschichte „Geschichte deines Lebens“ (Story of your Life) von Ted Chiang.

Als Autor ist Ted Chiang nicht sonderlich produktiv. Fünfzehn Erzählungen seit 1990. Keine Romane. Dafür sammelt er Preise, wie Freiberufler Quittungen für die nächste Steuererklärung sammeln. Für die fünf Geschichten, die der Golkonda Verlag in dem Sammelband „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“, in dem auch „Geschichte deines Lebens“ enthalten ist, zusammenstellte, erhielt Chiang zehn renommierte Science-Fiction-Preise. Für Science-Fiction-Fans ist das Empfehlung genug.

In Buch und Film tauchen an zwölf verschiedenen Orten rund um den Globus außerirdische Raumschiffe auf, die nichts tun. Sie schweben einfach wenige Meter über der Erde. Während die Menschen mehr oder weniger in Panik ausbrechen, sichert das Militär die Gegend um die Raumschiffe ab. Alle fragen sich, was die Aliens wollen. Und wie die Menschen mit den schweigsamen Aliens in Kontakt treten können. Dafür fragt Colonel Weber (Forest Whitaker) im Auftrag der US-Regierung die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) an. Ihr zur Seite steht Ian Donnelly (Jeremy Renner), ein Physiker und Mathematiker. Denn Verständigung beruht, neben der Sprache, auf den universell gültigen Regeln der Mathematik (und Physik) beruht.

Und wirklich: Banks kann sich im Raumschiff in einem von der Welt abgeschlossenem Raum, mehr ein quadratisch-brutalistischer Höhlenraum als irgendetwas, was wir aus SF-Filmen als Raumschiff kennen, mit den Heptapoden, die sie Abbott und Costello nennt, verständigen, indem die beiden Heptapoden kreisförmige Zeichen malen. Dabei erfährt sie, dass deren Sprache zyklisch aufgebaut ist. Sie also immer am Anfang eines Satzes (oder Kreises) schon das Ende des Satzes (oder Kreises) kennen. Diese Art der Sprache, jedenfalls wenn man, wie die Sapir-Whorf-Hypothese annimmt, dass Sprache Denken bestimmt, verändert auch Banks‘ Denken und ihre Sicht auf die Welt.

Unklar ist allerdings immer noch, was die Aliens wollen. Also, warum sie die Erde besuchen.

Im Mittelpunkt von „Arrival“ steht der Prozess der Verständigung mit den Aliens und damit der Prozess, der in der Realität viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Die ähnlich gelagerte, sehr sehenswerte, im Kino hoffnungslos untergegangene „Dokumentation“ „The Visit – Eine außerirdische Begegnung“ (ab dem 17. Februar 2017 auf DVD) zeigt, anhand von Interviews mit verschiedenen Fachleuten und Verantwortlichen, die bei einem solchen Ereignis die Verhandlungen führen würden, wie das in der Realität geschehen könnte. Insofern ist „Arrival“ die Spielfilmversion von „The Visit“ oder, umgekehrt, „The Visit“ die dokumentarische Ergänzung zu „Arrival“. In jedem Fall wäre genau dieser Prozess, des gegenseitigen Erlernens der Sprache, der Kommunikation miteinander und dem Versuch, herauszufinden, was die Außerirdischen auf der Erde wollen, spannend, weil wir nichts über ihre Absichten wissen. Und Missverständnisse ungeahnte Folgen haben können.

Warum Abbott und Costello zur Erde gekommen sind, wird im dritten Akt von „Arrival“ dann, notgedrungen, etwas hastig mit einigen überraschenden Drehungen und Wendungen abgehandelt, die einen zunächst etwas ratlos zurücklassen. In dem Moment empfiehlt sich die Lektüre von Ted Chiangs „Geschichte deines Lebens“, der sich ausführlich auf die Frage, wie Sprache und Denken miteinander zusammenhängen, konzentrieren kann.

Über das Ende sprechen wir am Besten beim Erscheinen der DVD des sehr sehenswerten Science-Fiction-Films, der Fragen stellt, über die man nach dem Kinobesuch noch lange diskutieren und nachdenken kann.

arrival-plakat

Arrival (Arrival, USA 2016)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Eric Heisserer

LV: Ted Chiang: Story of your Life, 1998 (Geschichte deines Lebens, in „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“)

mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Die Vorlage

„Geschichte deines Lebens“ ist mit fast sechzig Seiten die längste Geschichte des speziell für Deutschland zusammengestellte Sammelbandes „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ und jede einzelne Geschichte ist sehr lesenswert und regt zum Nachdenken an. Denn die Erzählungen von Ted Chiang sind mehr philosophische Essays als traditionelle, nach dem Lehrbuch aufgebaute Geschichten (wobei Chiang der Lehrbuchstruktur schon folgt).

Nur die Fans von epischen Raumschlachten werden enttäuscht sein.

Der Sammelband enthält folgende Geschichten:

– Der Turmbau zu Babel (Tower of Babylon, Erstveröffentlichung: Omni, November 1990)

– Geschichte deines Lebens (Story of Your Life, Erstveröffentlichung: Starlight 2, 1998)

– Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Hell is the Absence of God, Erstveröffentlichung: Starlight 3, 2001)

– Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (The Merchant and the Alchemist’s Gate, Erstveröffentlichung: Fantasy and SF, September 2007)

– Ausatmung (Exhalation, Erstveröffentlichung: Eclipse 2, 2008)

In einem zweiten Sammelband, „Das wahre Wesen der Dinge“, veröffentlichte Golkonda dann die restlichen von Ted Chiang bis dahin veröffentlichten Geschichten.

Sollte man sich zu Weihnachten wünschen; falls man die Geschichten nicht vorher, beim Warten auf den Weihnachtsmann, lesen will.

chiang-die-hoelle-ist-die-abwesenheit-gottes

Ted Chiang: Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes

(übersetzt von molosovsky)

Golkonda, 2011

184 Seiten

14,90 Euro

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Arrival“

Metacritic über „Arrival“

Rotten Tomatoes über „Arrival“

Wikipedia über „Arrival“ (deutsch, englisch) und Ted Chiang (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

–

Das tolle Teaserplakat

arrival-teaserplakat

–

Ein Gespräch mit Ted Chiang zum Film, nach einer Präsentation des Films (Ich gebe mal eine allgemeine Spoiler-Warnung für alle Interviews aus.)

Ein Interview mit Drehbuchautor Eric Heisserer

und eines mit Denis Villeneuve

 


TV-Tipp für den 29. November: Die EU von innen

November 29, 2016

3sat, 22.25

Die EU von innen (Schweiz 2016, Regie: Hansjürg Zumstein)

Drehbuch: Hansjürg Zumstein

Fünfzigminütige Doku von Hansjürg Zumstein über die EU-Parlamentarier Ingeborg Grässle und Markus Pieper, die die Ausgaben der EU-Kommission kontrollieren, Skandale aufdecken – und trotzdem an die EU glauben.Er begleitete die beiden deutschen Parlamentarier über ein Jahr bei ihrer Arbeit.

Hinweise

3sat über die Doku (mit einem aktuellen Interview und der vollständigen Doku)

SRF über die Doku


Neu im Kino/Filmkritik: „Deepwater Horizon“ – die Ereignisse vor der Ölkatastrophe

November 28, 2016

Deepwater Horizon – war der Name der Bohrinsel, die am 20. April 2010 die nach einem Blowout in Flammen aufging, kurz darauf sank und zu einer Umweltverschmutzung gigantischen Ausmaßes im Golf von Mexiko, keine hundert Kilometer vor der Küste Louisianas, führte. British Petroleum war für die Ölbohrungen verantwortlich. Bis heute kostete diese Katastrophe, nach eigenen Angaben, den Konzern über vierzig Milliarden Dollar. Im September 2014 nannte ein Zivilgericht das Handeln von BP „grob fahrlässig“. Mitte 2015 einigte sich BP mit der US-Regierung auf Schadensersatzzahlungen in Höhe von 18,7 Milliarden Dollar, was der höchste Wert in der US-Geschichte ist.

Aber die Umweltkatastrophe und die ganzen damit zusammenhängenden Prozesse stehen nicht im Mittelpunkt von Peter Bergs hochspannendem Katastrophenthriller „Deepwater Horizon“. Er erzählt die Geschichte des Unfalls im Macondo-Ölfeld, das 84 Kilometer südöstlich von Venice, Louisiana liegt, und wie die Bohrarbeiter von der brennenden Bohrinsel gerettet wurden.

Der Film beginnt wenige Stunden vor der Katastrophe. Die neue Bohrmannschaft, angeführt von den Veteranen Jimmy Harrell (Kurt Russell mit Walrossbart), dem Offshore Installation Manager (vulgo Chef der Arbeiter), und Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg), trifft ein. Sie wollen vor den richtigen Bohrungen weitere Tests durchführen. Aber Donald Vidrine (John Malkovich), der Beauftragte von BP, die die Bohranlage von dem Besitzer Transocean mietete (Yeah, Outsourcing!), will möglichst schnell bohren. Immerhin sind sie schon weit hinter dem Zeitplan und jeder Tag kostet den Konzern über eine halbe Million Dollar. Er setzt die Arbeiter unter Druck – und bei der Bohrung kommt es zu dem Blowout. Öl und Gas schießen aus dem Bohrloch hoch. Es kommt zu Explosionen und Bränden. Die Mannschaft beginnt um ihr Überleben zu kämpfen. Auch wenn die Chancen denkbar schlecht stehen.

Am Ende der Nacht waren elf Arbeiter tot, 115 überlebten. Die Bohrplattform versank nach zwei Tagen.

Die Fakten sind bekannt. In den USA sicher mehr als bei uns. Auch weil nach dem Sinken der Deepwater Horizons über drei Monate Tage weltweit die Bilder von den erfolglosen Versuchen, das Öl-Leck zu verschließen, übertragen wurden. In dieser Zeit flossen täglich 50.000 Barrel Öl ins Meer. BP verursachte damit eine der größten Ölkatastrophe der Menschheit. Möglicherweise sogar die größte.

Der Film informiert darüber im Abspann. Davon abgesehen folgt er den Fakten und der sattsam bekannten Dramaturgie des Katastrophenfilms, aber Peter Berg inszenierte die Geschichte straff mit der richtigen Mischung aus viel Action und wenig Sentiment. Dabei gelingt es ihm, uns in wenigen Szenen mit der Welt der Ölarbeiter und den verschiedenen Charakteren vertraut zu machen, indem Williams in den ersten Minuten die Insel inspiziert, sich die für seine Arbeit nötigen Informationen beschafft, mit den Leuten redet und uns mit den Problemen vertraut macht, die zur Katastrophe führen. Die Gier von BP ist dabei der treibende Faktor. Und John Malkovich gibt einen grandiosen Bösewicht ab. Auch wenn er nur auf die Zahlen schaut und das Beste für BP will. Da ist dann kein Platz für die kostspieligen Bedenken der Besatzung der Deepwater Horizon.

deepwater-horizon-hauptplakat-4

Deepwater Horizon (Deepwater Horizon, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand

LV: David Barstow, David Rohde, Stephanie Saul: Deepwater Horizon’s Final Hours (The New York Times, 26. Dezember 2010)

mit Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Stella Allen, Chris Ashworth

Länge: 108 Minuten

FSK. ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Deepwater Horizon“

Metacritic über „Deepwater Horizon“

Rotten Tomatoes über „Deepwater Horizon“

Wikipedia über „Deepwater Horizon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Deepwater Horizon“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 213)

–

Und, als Bonus, die beiden Teaserplakate

deepwater-horizon-plakat-4

deepwater-horizon-teaser-4


TV-Tipp für den 28. November: Winterschlaf

November 28, 2016

Arte, 20.15

Winterschlaf (Türkei/Deutschland/Frankreich 2014, Regie: Nuri Bilge Ceylan)

Drehbuch: Nuri Bilge Ceylan, Ebru Ceylan

Über dreistündiges Drama über einen herrischen und verhärmten türkischen Ex-Schauspieler und Hotelbesitzer, der im Winter in seinem Hotel in den anatolischen Bergen in eine Lebens- und Sinnkrise gerät.

In Cannes erhielt das von der Kritik gefeierte Werk die Goldene Palme.

Damals meinte das Lexikon des internationalen Films: „Dabei lässt sich der winterliche Mikrokosmos als gallige Metapher der aktuellen gesellschaftlichen Situation in der Türkei lesen.“ Heute immer noch?

mit Haluk Bilginer, Melisa Sözen, Demet Akbag, Ayberk Pekcan

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Winterschlaf“

Metacritic über „Winterschlaf“

Rotten Tomatoes über „Winterschlaf“

Wikipedia über „Winterschlaf“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Meryl Streep ist „Florence Foster Jenkins“

November 26, 2016

Florence Foster Jenkins ist eine begeisterte Sängerin, die glaubt eine große Sängerin zu sein. Heute würde man sie vielleicht zu „Deutschland sucht den Superstar“ schicken und nach zwei Minuten, nachdem die Jury etwas über ihr mangelndes Gesangstalent ätzte, wäre der Traum der Sangeskarriere wie eine Seifenblase zerplatzt.

Vielleicht würde man ihr auch raten, eine Punk-Band zu gründen. Die müssen ja nicht unbedingt singen können.

Aber Florence Foster Jenkins lebte in der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert an der Ostküste der USA und eine Karriere als Sängerin bedeutete, dass sie Opernarien singt und in der Carnegie Hall auftreten will. Weil sie reich ist und ihr Mann St. Clair Bayfield, ein englischer Schauspieler von Adel (aber ohne Geld), sie (oder ihr Geld) abgöttisch liebt, sorgt er dafür, dass sie in ihrer Scheinwelt leben kann. Vor allem im exquisiten, von ihr gegründeten Verdi Club, in dem sich die New Yorker High Society trifft und St. Clair Bayfield als Schauspieler und leicht öliger Ansager brillieren kann, während er seine Frau bei ihren Auftritten unterstützt und anpreist. Wenn sie in der Öffentlichkeit auftritt, besorgt er auch das richtige Publikum aus wahren „Musikliebhabern“, die dann brav applaudieren. Denn Florence kann überhaupt nicht singen – und Meryl Streep, die letztes Jahr in „Ricki – Wie Familie so ist“ als Rockröhre eine gute Figur machte (sie sang auch), trifft hier zielsicher bei den während des Drehs live aufgenommenen Musikstücken keinen einzigen Ton. Was ihren neuen Pianisten Cosmé McMoon (Simon Helberg), nachdem ihm von St. Clair wahre Elogen über ihr Talent erzählt wurden, erst einmal fassungslos zurücklässt. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen Welten. Angesichts der fürstlichen Bezahlung beteiligt er sich an der Charade.

Dummerweise will Florence in der Carnegie Hall vor tausend Weltkrieg-II-Kriegsveteranen, die dafür Freikarten bekommen, singen. Das öffentliche Konzert soll ihr Beitrag zum zur Landesverteidigung sein.

St. Clair fragt sich, wie er die absehbare Katastrophe für seine geliebte und verletzliche Frau verhindern kann. Cosmé fragt sich, ob er als ernsthafter Pianist auf das Engagement verzichten soll oder ob er mit ihr auftreten soll. Denn wann wird er jemals wieder in der Carnegie Hall spielen können?

Florence Foster Jenkins gab es wirklich und ihr Konzert in der Carnegie Hall ist eine der gefragtesten Darbietungen aus dem Archiv des Konzertsaals. Ihre Aufnahmen für Melotone, die sie vor dem Konzert einspielte, waren der größte Verkaufshit der Firma; und dabei bekommen wir immer erzählt, dass erst mit Punk der Dilettantismus in die Musik einzog.

Florence Foster Jenkins wurde 1868 in Pennsylvania als Tochter eines vermögenden Anwalts und Bankiers geboren. Als Kind trat sie als Pianistin auf. Das von ihr gewünschte Gesangsstudium finanzierte ihr ihr Vater nicht. Als er 1909 starb vererbte er ihr ein beträchtliches Vermögen, das es ihr ermöglichte, ihre künstlerischen Ambitionen in jeder Beziehung zu frönen. 1909 lernte sie auch St. Clair Bayfield, den unehelichen Enkel eines englischen Grafen und erfolglosen Schauspieler, kennen. Sie blieben bis zu ihrem Tod am 26. November 1944 zusammen.

Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ ist der vorläufige (?) Höhepunkt einer kleine Wiederentdeckung der schlechtesten Opernsängerin der Welt. Letztes Jahr war sie die Inspiration für Xavier Giannolis Spielfilm „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“. Er verlegte die Geschichte in das Paris der 1920er Jahre. Vor zwei Wochen lief Ralf Pflegers „Die Florence Foster Jenkins Story“ an. In einer Mischung aus Spielszenen und Experteninterviews nähert er sich der Sängerin.

Frears verfilmte die Geschichte als herrlich altmodisches Schauspielerkino, in dem allen Charakteren bis zum Ende eine gewisse Doppelbödigkeit bewahren. So ist nie ganz klar, ob St. Clair Bayfield seine Frau oder ihr Geld abgöttisch liebt. Hugh Grant hatte jedenfalls schon lange nicht mehr so viel Spaß an einer Rolle. Bei Florence Foster Jenkins ist unklar, wie sehr sie sich selbst täuscht. Also wie sehr sie ihr Talent grotesk falsch einschätzt, oder aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation, wie ein kleines Kind, ihren Traum bewahren will. Sie hat auch das Geld, um komfortabel in ihrer Seifenblase zu leben. Jedenfalls geht sie für ihren Traum auf die Bühne und sie, eine durch und durch gutherzige Person, will den Menschen etwas geben. Und ob sie die Affäre ihres Mannes, auch als sie – einer der vielen komödiantischen Höhepunkte des Films – in St. Clairs Junggesellenbude vor ihr steht, ignoriert oder überhaupt nicht wahrnimmt, weil sie in ihrer eigenen Welt lebt, bleibt dem Urteil des Zuschauers überlassen.

Der witzige Feelgood-Film „Florene Foster Jenkins““ überzeugt, wie Peter Bergs „Deepwater Horizon“ und, ab nächstem Donnerstag, Clint Eastwoods „Sully“ (über Chesley B. Sullenberger und seine Notlandung einer Passagiermaschine auf dem Hudson River), bei allen Unterschieden zwischen den drei Filmen, trotz bekannter Geschichte und bekanntem Ende, weil wir neue Hintergründe erfahren, die Drehbücher gut geschrieben sind und Schauspieler und Regie engagiert bei der Sache sind. Bei „Florence Foster Jenkins“, diesem nostalgischen Rückblick in eine andere Zeit, kann auch öfter herzlich gelacht werden.

florence-foster-jenkins-plakat

Florence Foster Jenkins (Florence Foster Jenkins, Großbritannien 2016)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: Nicholas Martin

mit Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg, Rebecca Ferguson, Nina Arianda

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Florence Foster Jenkins“

Metacritc über „Florence Foster Jenkins“

Rotten Tomatoes über „Florence Foster Jenkins“

Wikipedia über „Florence Foster Jenkins“ (deutsch, englisch) und Florence Foster Jenkins (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Florence Foster Jenkins“

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ich, Daniel Blake“, nicht Ken Loach

November 26, 2016

In Cannes erhielt Ken Loach für seinen neuesten Film „Ich, Daniel Blake“ die Goldene Palme und – auch wenn ich die Konkurrenz nicht vollständig kenne („Julieta“, „Paterson“, „Toni Erdman“, „Elle“, „The Neon Demon“ und „American Honey“ liefen ebenfalls im Wettbewerb), hat er den Preis weniger für diesen Film gewonnen, sondern implizit für sein Lebenswerk (auch wenn er schon für seinen vorherigen Film „Jimmy’s Hall“, der sein letzter sein sollte, eine Goldene Palme erhielt) und seine hehre Botschaft erhalten. Nicht, dass „Ich, Daniel Blake“ ein schlechter Film ist. Es ist ein gutes, packendes, aber auch konventionell erzähltes und gefilmtes Sozialdrama über den titelgebenden Schreiner Daniel Blake.

Der Endfünfziger hat sein ganzes Leben in Newcastle gearbeitet. Aber jetzt, nach einem Herzinfarkt bei der Arbeit, bei dem beinahe von einem Gerüst gefallen wäre, benötigt der Witwer staatliche Unterstützung. Er hat Anspruch auf Arbeitslosen- und Sozialhilfe.

Er gerät in den Moloch der Sozialverwaltung mit ihren teils abstrusen Vorschriften, die auf alles achten. Außer auf die Würde des Menschen. Für Ken Loach war die Wut über die absichtliche Ineffizienz der Bürokratie das Motiv, „Ich, Daniel Blake“, wieder nach einem Drehbuch von seinem Stammautor Paul Laverty, zu drehen. So soll Blake Arbeit suchen, um eine Unterstützung zu erhalten. Obwohl ihm sein Arzt genau das Verboten hat. So kann er erst, nachdem er eine telefonische Benachrichtigung erhalten hat, einen Einspruch gegen den Bescheid, den er schon erhalten hat, erheben. Wann er diesen Anruf erhält, kann ihm allerdings niemand sagen. Bis dahin wird allerdings kein Geld auf sein Konto überwiesen. Es ist zum Verzweifeln. Aber Daniel Blake versucht tapfer, humorvoll und immer seine Würde bewahrend, die Regeln einzuhalten, während die Regeln gerade darauf angelegt sind, ihm das alles zu nehmen.

Eines Tages trifft er auf dem Amt die siebenundzwanzigjährige Katie, die nicht zu ihrem Termin vorgelassen wird, weil die alleinerziehende Mutter sich als gerade aus London Zugezogene um einige Minuten verspätete. Für den Regelverstoß wird sie selbstverständlich sanktioniert. Blake beginnt ihr und ihren beiden Kindern (sieben und zehn Jahre alt) zu helfen. Schließlich brauchen sie etwas zu Essen und die vom Amt gestellte Wohnung hat zwar vier Wände, aber sonst nichts.

„Ich, Daniel Blake“ ist ein typischer Ken-Loach-Film, der immer noch für die Arbeiterklasse, das Proletariat, die Abgehängten, die Chancenlosen kämpft und der an eine bessere Gesellschaft glaubt. Dabei verpackt er seine Sozialkritik in packendes Kino, das aufgrund seiner genauen Beobachtung, auch durch zahlreiche improvisierte Szenen und Laiendarsteller, und der realistischen Erzählweise überzeugt.

Das ist unbedingt sehenswert. Im Kino oder im Puschenkino.

ich-daniel-blake-plakat

Ich, Daniel Blake (I, Daniel Blake, Großbritannien/Frankreich/Belgien 2016)

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

mit Dave Johns, Hayley Squires, Dylan McKiernan, Briana Shann, Kate Rutter, Sharon Percy, Kema Sikazwe

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ich, Daniel Blake“

Metacritic über „Ich, Daniel Blake“

Rotten Tomateos über „Ich, Daniel Blake“

Wikipedia über „Ich, Daniel Blake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Loachs „Jimmy’s Hall“ (Jimmy’s Hall, Großbritannien/Irland/Frankreich 2014)

–

Die Cannes-Presskonferenz

 


TV-Tipp für den 26. November : Tatort: Oskar

November 26, 2016

HR, 21.40
Tatort: Oskar (Deutschland 2002, Regie: Niki Stein)
Drehbuch: Niki Stein
Erster Fall für die Frankfurter Kommissare Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki): sie suchen eine Mutter, die ihr Kind getötet hat und stolpern dabei durch triste Mietskasernen.
Nachdem Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel oder „der Mann mit der Fliege“) vorher in Frankfurt am Main mit meist höchst langweilig-absurden Fällen die Geduld des gutwilligen Zuschauers strapazierte, hatte ich von dem neuen Team aus der Finanzmetropole nichts erwartet und war positiv überrascht. Denn hier stimmte alles.
Nach acht Jahren und 18 Fällen beendete das Team Dellwo/Sänger 2010 seine Ermittlungsarbeit mit deutlich mehr guten als schlechten Fällen.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Christiane Schulz, Oliver Bootz, Edda Leesch
Hinweise
Tatort-Fundus über das Team Dellwo/Sänger
Meine Besprechung des Tatort-Romans „Bevor es dunkel wird“ von Uli Aechtner mit Dellwo/Sänger


TV-Tipp für den 25. November: Familienfest

November 25, 2016

Arte, 20.15

Familienfest (Deutschland 2015)

Regie: Lars Kraume

Drehbuch: Andrea Stoll

Im realen Leben sind Familienfeste ja meist ziemlich dröge Veranstaltungen. Im Film nicht. Und auch bei Lars Kraumes Familienfest dürfen die Stars groß aufspielen, wenn die Familie sich zum siebzigsten Geburtstag des Patriarchen, einem gefeiertem Konzertpianisten, der nur auf der Bühne feinfühlig ist, versammelt.

Mehr in meiner ausführlichen Kritik.

mit Günther Maria Halmer, Hannelore Elsner, Michaela May, Lars Eidinger, Jördis Triebel, Barnaby Metschurat, Marc Hosemann, Nele Mueller-Stöfen, Daniel Kraus

Wiederholungen

ZDF: Montag, 28. November, 20.15 Uhr

Arte: Sonntag, 4. Dezember, 09.45 Uhr

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Familienfest“
Film-Zeit über „Familienfest“
Moviepilot über „Familienfest“

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (Deutschland 2015), mein Interview mit Lars Kraume zum Film und die DVD-Besprechung

Meine Besprechung von Lars Kraumes „Familienfest“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 24. November: Nachtschicht: Ich habe Angst

November 23, 2016

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Ich habe Angst (Deutschland 2008, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Auch in ihrer fünften Nacht gibt es für den Hamburger Kriminaldauerdienst viel zu tun. Bei einer Razzia entwischt ihnen der Kopf der Fälscherbande. Eine Lehrerin meldet sich anonym beim KDD und zeigt eine Kindesmisshandlung an. Ein Mann wird erstochen.

Zufälle über Zufälle – aber von Lars Becker schlüssig, pointiert und gewohnt unterhaltsam als Porträt einer Nacht zusammengefügt.

Mit Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Barbara Auer, Pierre Semmler, Ulrike Krumbiegel, Matthias Brandt

Wiederholung: Freitag, 25. November, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. November: Fallada – Im Rausch des Schreibens

November 23, 2016

Arte, 22.30

Fallada – Im Rausch des Schreibens (Deutschland 2016, Regie: Christoph Weinert)

Drehbuch: Christoph Weinert

Einstündiges Doku-Drama über Hans Fallada, in dem Michael Schenk Fallada spielt.

Eine ideale Ergänzung zur gerade angelaufenen Hans-Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“.

Anschließend, um 23.25, zeigt Arte wieder die Doku „Die vielen Gesichter der Emma Thompson“, die eine der Hauptrollen in der Fallada-Verfilmung spielt.

Hinweise

Arte über die Doku (dort auch in der Mediathek)

Wikipedia über Hans Fallada (deutsch, englisch)

Homepage der Hans-Fallada-Gesellschaft


DVD-Kritik: Neu gesehen, mit viel Bonusmaterial: der Science-Fiction-Klassiker „Der Mann, der vom Himmel fiel“

November 22, 2016

Heute kann man sich niemand anderes als David Bowie als Thomas Jerome Newton, dem Mann, der vom Himmel fiel, vorstellen. Dabei war er schon damals, vor vierzig Jahren, in seinem Spielfilmdebüt die perfekte Besetzung: ein Sänger, der mit jeder neuen Platte gleich sein gesamtes Image wechselte, sich als Ziggy Stardust inszenierte und vom Life on Mars, Spiders from Mars und, später, Loving the Alien sang. Und der, im Gegensatz zum normalen Rampensaugehabe des echten Rock’n’Rollers sexuell ein nicht fassbares Zwitterwesen war und immer etwas außerirdisch-entrücktes ausstrahlte.

Wer könnte also besser geeignet sein, einen Außerirdischen zu spielen? Das dachte sich wohl auch Nicolas Roeg als er den Roman „The Man who fell to Earth“ von Walter Tevis (1928 – 1984, auch „The Hustler“ und „The Color of Money“) verfilmte und die Geschichte eines Außerirdischen erzählte, der auf der Erde eine neue Heimat für seine Familie und seine Spezies finden möchte. Mit seinen Erfindungen wird er dank Alien-Technologie schnell vermögend. Aber er verfällt dem dekadenten menschlichem Lebensstil und Forscher sehen in ihm, als sie von seiner Herkunft erfahren, nur ein Forschungsobjekt.

Der Roman, „a very disguised autobiography“ (Tevis) ist, wie die Verfilmung, ein Klassiker. Noir-Krimiautor James Sallis nannte die Vorlage „among the finest science fiction novels“. Science-Fiction-Autor Norman Spinrad meinte: „An utterly realistic novel about an alien human on Earth.“

Der Film ist ein herrlich abgedrehter Kultfilm, der für den Hugo nominiert war (in dem Jahr wurde kein Preis für den besten Film vergeben) und bei der damaligen deutschsprachigen Kritik nicht gut ankam: „mangelnden Tiefsinn durch Verhackstückerei von Handlungs- und Bildelementen vortäuscht“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films), „sinnentleerte Reizüberflutung“ (Filmbeobachter), „ein Werbefilm, der wie sein eigener, überlang-marktschreierischer Trailer aussieht“ (Medium).

Immerhin: „David Bowie lohnt den optischen Trip in die Welt eines enthemmten Kameramannes dennoch.“ (Der Spiegel)

Und im Lexikon des internationalen Films steht: „Eine bedenkenswerte Geschichte über die Chancenlosigkeit des Individuums in einer Gesellschaft des Konsums und der Konzerne.“

Heute geht der Tenor der Kritiken in die andere Richtung, wie ein Blick auf „Rotten Tomatoes“ zeigt. Dort erhält der Film einen Frischegrad von 85 Prozent. Zum Beispiel: „Der von Bowie verkörperte außergewöhnliche Charakter, Mayersbergs fragmenthaftes Drehbuch und Roegs mosaikhafte Regie kreieren einen extravaganten Film, dessen Handlungswindungen nur noch dazu beitragen, die verhängnisvolle Verwandlung von Bowie vom Außerirdischen in einen Menschen zu unterstreichen. (…) Ein stilsicherer Film voller hervorragender und komplexer Bilder, in dem Roeg Bowies Abstieg zum Menschen darstellt, der man sich nicht entziehen kann.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie)

Stimmte genau.

Und jetzt, nach mehreren früheren Veröffentlichungen (wobei anscheinend die MCP-DVD vollkommen indiskutabel ist und die anderen Veröffentlichungen wenig Bonusmaterial hatten), veröffentlicht Studiocanal/Arthaus zum vierzigjährigen Jubiläum des Films den Klassiker in einer mehr als würdigen Ausgabe. Der Film wurde restauriert. Kameramann Anthony Richmond nahm den 4K-Scan des Original-Negativs ab und das Bild sieht verdammt gut aus.

Dazu gibt es eine umfangreiche Bonus-DVD mit teils neuen Interviews mit Schauspielerin Candy Clark (27:47 Minuten), Drehbuchautor Paul Mayersberg (31:51 Minuten), Kameramann Anthony Richmond (21:48 Minuten), Regisseur Nicolas Roeg (33:28 Minuten), Kostümdesignerin May Routh (14:44 Minuten), Standfotograf David James (8:38 Minuten), Autorin, Regisseurin und Fan des Films Sam Taylor-Johnson („Nowhere Boy“, „Fifty Shades of Grey“, 11:20 Minuten), Produzent Michael Deeley (16:26 Minuten) und Hauptdarsteller David Bowie (ein französisches TV-Interview von 1977, 8:20 Minuten)

Es gibt außerdem zwei Dokumentationen: „The Lost Soundtracks“ (über die Filmmusik, 17:18 Minuten) und „Watching the Alien“ (David Gregorys Doku von 2002 über den Film, 24:28 Minuten).

Der Originaltrailer (2:21 Minuten) ist auch enthalten.

Insgesamt enthält die Bonus-DVD also gut 220 Minuten Informationen über den Film, die bis auf das Interview mit Nicolas Roeg (wenn meine Recherchen stimmen), noch nicht in Deutschland veröffentlicht wurden.

der-mann-der-vom-himmel-fiel-dvd-cover-4

 

Der Mann, der vom Himmel fiel (The Man who fell to Earth, Großbritannien 1976)

Regie: Nicolas Roeg

Drehbuch: Paul Mayersberg

LV: Walter Tevis: The Man who fell to Earth, 1963 (Spion aus dem All; Der Mann, der vom Himmel fiel)

mit David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, Buck Henry, Bernie Casey, Linda Hutton

–

DVD

Studiocanal/Arthaus

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Mono DD), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial (Extra-DVD): Interviews mit Candy Clark, Paul Mayersberg, Anthony Richmond, Nicolas Roeg, May Routh, David James, Sam Taylor-Johnson, Michael Deeley und David Bowie, Featurette: The Lost Soundtracks, Dokumentation: Watching the Alien, Englischer Trailer

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Der Film erschien auch auf Blu-ray (identisches Bonusmaterial) und, als DVD und Blu-ray, in einer Limited Soundtrack Edition (mit der Musik).

–

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann, der vom Himmel fiel“

Wikipedia über „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Walter Tevis

Wired for Books: Interview mit Walter Tevis


TV-Tipp für den 22. November: Banklady

November 22, 2016

ARD, 22.45
Banklady (Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Hein Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck

Hinweise
Film-Zeit über „Banklady“
Moviepilot über „Banklady“
Wikipedia über die echte Banklady Gisela Werler

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)


Buch- und DVD-Kritik: Ben Wheatleys J.-G.-Ballard-Verfilmung „High-Rise“

November 21, 2016

Die DVD-Veröffentlichung von „High-Rise“ ist eine gute Gelegenheit, sich den Film wieder anzusehen und mit der Vorlage, die zum Filmstart wieder veröffentlicht wurde, zu vergleichen.

Damals schrieb ich über den Film:

Wer sich „High-Rise“ ansieht, ohne irgendetwas über den Film zu wissen, wird glauben, das es sich um einen Film aus den Siebzigern handelt, der bislang von Filmenthusiasten schmählich ignoriert wurde. Denn Ben Wheatley hat seine J.-G.-Ballard-Verfilmung nicht nur, wie den Roman, 1975 angesiedelt, sondern auch die gesamte Optik, die Erzählweise und die Sozialkritik auf diese Zeit fokussiert.

Der Junggeselle Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in ein neues Apartmenthaus ein, in dem es für die Bewohner alles gibt, was sie zum Leben brauchen (Lebensmittelladen) und brauchen könnten (Schwimmbad). Es ist ein mitten im Nirgendwo liegender brutalistischer Betonklotz, den die anzugtragenden Bewohner im Gleichschritt verlassen und betreten. Zurückgezogen auf dem Dach des riesigen, autonomen Gebäudes lebt Royal (Jeremy Irons), der Architekt. Laing lernt einige Bewohner des Komplexes kennen und er wird von Royal in seinen Bekanntenkreis, die vermögenden Bewohner, eingeführt. Währenddessen verfällt die dekadente Hausgesellschaft, garniert mit Sex und Orgien jeglicher Couleur, immer mehr.

„High-Rise“ ist ein Sittengemälde einer dekadenten Gesellschaft, die sich selbst feiert. Niemand will die zunehmend aus dem Ruder laufende Party verlassen; auch wenn jeder der Bewohner jederzeit den Komplex verlassen könnte. Aber sie bleiben über Tage und Wochen, immer weiter degenerierend, in einem zunehmend funktionsunfähigem Haus, ohne dass es dafür im Film eine plausible Erklärung gibt. In David Cronenbergs 1975 entstandenem Horrorfilm „Shivers“ (Parasiten-Mörder; Shivers – Der Parasitenmörder), der ebenfalls in einem neuen, hochmodernem und autonomen Wohnkomplex spielt, gibt es eine Erklärung. Der Film spielt innerhalb einer Nacht und das Grauen verbreitet sich rapide. Auch andere grandiose Satiren aus den Siebzigern, wie „Das große Fressen“, „Die 120 Tage von Sodom“, „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“, fallen ein. „Zardoz“, obwohl er als Science-Fiction-Film nicht ganz in diese Reihe passt, kann auch als lose Inspiration genannt werden. Immerhin ist Ben Wheatley ein Fan des Films und der im Film geschilderte Klassenkampf passt dann doch wieder zu dem gesellschaftskritischen Anliegen der vorher genannten Filme. Diese Filme beschreiben auch das Problem von „High-Rise“. Die alten Filme waren, trotz aller Übertreibungen, Fiktionalisierungen und Surrealismen, immer Porträts der Gegenwart. Ihr wurde ein Zerrspiegel vorgehalten. Sie waren Abrechnungen mit der Bourgeoisie, Standesdünkel und der Klassengesellschaft. Sie hatten einen konkreten Gegner. In „High-Rise“ ist dieser Gegner das Großbritannien von 1975, das es Heute nicht mehr gibt. Damit richtet sich Wheatleys Kritik, gerade weil er in jeder Beziehung auf Aktualisierungen verzichtet, an die Vergangenheit, obwohl die im Film angesprochenen Probleme heute nicht nur aktuell, sondern aktueller als damals sind. Genau dieser Punkt macht aus „High-Rise“ eine hoffnungslos veraltet wirkende Stilübung, die die damaligen Filme perfekt imitiert.

Deshalb ist „High-Rise“ eine durchaus in jedem Punkt gelungene, sehr stylische, aber seltsam überholt wirkende Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft mit einer aus heutiger Sicht schnell erkennbaren und eher platten Botschaft, die 1975 vielleicht noch revolutionär war.

Da war David Cronenberg 1996 mit seiner J.-G.-Ballard-Verfilmung „Crash“ schon weiter.

Hm, vielleicht verkläre ich „Crash“ etwas zu sehr. Jedenfalls konnte James Graham Ballard die Verfilmung seines Romans „High-Rise“ nicht mehr sehen. Er starb bereits 2009. Aber wahrscheinlich hätte ihm gefallen, wie Buch und Film in einem seltsamen und produktivem Spannungsverhältnis stehen.

Der Roman ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und dass das Hochhaus eine Metapher für die englische Klassengesellschaft ist, wird von Ballard so oft im Roman betont, dass auch der letzte Trottel es versteht. In dem Roman ignorieren die Hochhausbewohner von der ersten Seite an die Regeln der Zivilisation; fast so, als seien sie vom Haus in seinen Bann gezogen. Im Gegensatz zum Film gibt es daher im Roman keine wirkliche Verfallsgeschichte (auch wenn es auf der Suche nach einem neuen Gleichgewicht immer schlimmer wird), sondern primär eine Zustandsbeschreibung. Ballard erzählt die Romangeschichte zwar chronologisch, aber mehr wie eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten und Impressionen mit verschiedenen, wiederkehrenden Hauptcharaktere. Deshalb verschwinden der neu zugezogene Dr. Robert Laing, der Fernsehjournalist Richard Wilder und der Architekt Anthony Royal immer wieder für ganze Kapitel aus dem Roman. In dem Roman ist auch nachvollziehbarer als im Film, wo wir immer wieder sehen, dass die Bewohner einfach flüchten könnten, warum sie im Hochhaus bleiben. Einerseits, weil das Haus eine seltsame Faszination auf sie ausübt, weil es die Welt der Bewohner ist und weil das Hochhaus eine Metapher für die Klassengesellschaft ist, aus der man auch nicht flüchten kann. Aber die unteren Schichten können gegen die oberen Schichten (vulgo Stockwerke) revolutionieren. Insofern ist der Roman zeitloser als der Film, der, wegen seiner Bilder, immer wie ein Relikt aus der Vergangenheit, als man noch stilvoll dekadent sein konnte, wirkt.

Aber verdammt edel, suggestiv und sehr stilbewusst zelebriert Ben Wheatley den Verfall der Zivilisation.

Dabei kann man schnell vergessen, dass die Weltsicht, die Botschaft und die Gesellschaftsanalyse heute immer noch gültig sind.

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde zwar üppig ausgefallen. Aber in diesem Fall schlägt Quantität Qualität. Es gibt ein kurzes, angesichts der literarischen Bedeutung von Ballard und der Schwierigkeiten der Verfilmung ein erschreckend belangloses Featurette „Vom Roman zum Film“ (3:38 Minuten) und etliche während der Dreharbeiten für die Werbung erstellte Interviews mit Tom Hiddleston (9:32 Minuten), Jeremy Irons (9:54 Minuten, der etwas unkonzentriert wirkt), Luke Evans (10:05 Minuten, begeistert im Oliver-Reed-Look), Sienna Miller (4:33 Minuten), Elisabeth Moss (3:47 Minuten), Regisseur Ben Wheatley (13:05 Minuten, der etliche Hintergründe zur Produktion und zum Film erklärt) und Set-Designer Mark Tildesley (4:59 Minuten), die alle begeistert vom Drehbuch sind, Fans von Ben Wheatley sind und die tolle Stimmung am Set loben, nachdem sie den von ihnen gespielten Charakter vorgestellt haben.

high-rise-dvd-cover

High-Rise (High-Rise, Großbritannien 2015)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Amy Jump

LV: J. G. Ballard: High-Rise, 1975 (Der Block, Hochhaus, High-Rise)

mit Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes, Peter Ferdinando, Sienna Guillory

–

DVD

DCM World

Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Die Vorlage

Ballard - High-Rise

J.G. Ballard: High-Rise

(aus dem Englischen von Michael Koseler)

Diaphanes, 2016

256 Seiten

17,95 Euro

–

Es handelt sich um die revidierte Fassung der 1992 im Suhrkamp Verlag als „Hochhaus“ erschienenen Übersetzung.

Im Heyne Verlag erschien 1982 als „Der Block“ eine Übersetzung des Romans von Walter Brumm.

–

Originalausgabe

High-Rise

Jonathan Cape, 1975

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „High-Rise“

Metacritic über „High-Rise“

Rotten Tomatoes über „High-Rise“

Wikipedia über „High-Rise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015)

–

Im AOL Building stehen Tom Hiddleston, Sienna Miller, Luke Evans und Ben Wheatley Rede und Antwort

„Film Night“ Paul Jensen unterhält sich mit Ben Wheatley über sein neuestes Werk