ZDFneo, 22.45 Orphan Black: Flucht nach vorn/Glaube und Verstand(Kanada 2014)
Regie: John Fawcett
Drehbuch: Graeme Manson, Karen Walton
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Am Ende der ersten Staffel verschwanden Kira, Sarahs Tochter, und Mrs. S, Sarahs Pflegemutter, spurlos. Auch Sarah ist auf der Flucht, während die anderen Klonen, die ihre Zwillingsschwestern sind, sich arrangiert haben.
Der große Pluspunkt der in der Gegenwart spielenden Science-Fiction-Fiction „Orphan Black“ ist Tatiana Maslany, die ein gutes Dutzend Klone spielen muss und das bravourös meistert.
Und während bei der ersten Staffel die Geschichte öfters vor sich hin plätscherte, thrillt die erste Episode der zweiten Staffel ordentlich. Denn Sarah versucht sofort, ihre Tochter und Mrs. S zu finden, legt sich dabei mit Dr. Leekies Konzern an (vulgo ihrem Erzeuger), wird von der Polizei und einer seltsamen Gruppe junger Männer (von denen einer die erste Begegnung mit ihr nicht überlebt) verfolgt.
„Flucht nach vorn“ ist der furiose Auftakt der zweiten, wieder aus zehn Folgen bestehenden Staffel, die wirklich neugierig auf die weiteren Folgen macht. ZDFneo zeigt sie in Doppelfolgen dienstags.
Die dritte Staffel ist für 2015 angekündigt.
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Skyler Wexler (Kira), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis) Hinweise
Beverly Hills Cop – Ich lös’ den Fall auf jeden Fall (USA 1984, Regie: Martin Brest)
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt er Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Eine vierter Teil soll, laut IMDB, am 24. März 2016 in unseren Kinos anlaufen. Die Regie soll Brett Ratner übernehmen. Mal sehen. Immerhin wurde aus der TV-Serie auch nichts und über „Beverly Hills Cop 4“ wird schon seit Ewigkeiten gesprochen.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
Der Pariser Journalist Roland Wolf will den berühmten, für seine Wohltätigkeit bekannten Showmaster Christian Legagneur auf dessen Landsitz interviewen. Dabei blickt er hinter Legagneurs Fassade. Außerdem will Wolf herausfinden, was dort mit seiner Schwester geschah.
„Die Deformation beim Tanz um das goldene Kalb, die behaglich rosa getönte Fassade von Habgier und rücksichtsloser Menschenverachtung, die Verlogenheit in den Unterhaltungsmedien. Typische Themen in Chabrols Oeuvre, das mit diesem Film um ein unterhaltsames Meisterwerk reicher geworden ist.“ (Fischer Film Almanach 1988)
…das nur alle Jubeljahre im Fernsehen gezeigt wird.
Mit Philippe Noiret, Robin Renucci, Bernadette Lafont, Monique Chaumette
Buch zum Film: Sam Hedrin: Network, 1976 (Network)
Wegen sinkender Quoten soll eine Nachrichtensendung eingestellt werden. Ihr Sprecher Howard Beale kündigt, weil ihm damit seine Daseinsberechtigung genommen wird, in einer der folgenden Sendungen seinen Selbstmord an. Die Quoten steigen und Beale bekommt seine eigene Sendung. Dass damit eine für alle Beteiligten verhängnisvolle Spirale in Gang gesetzt wird, ahnen sie in diesem Moment nicht.
Bitterböse Mediensatire, die heute immer noch so aktuell (in gewissen Aspekten realistischer, in anderen nicht) wie damals ist.
Der Film war für zahlreiche Preise nominiert, erhielt vier Oscars (männliche und weibliche Hauptrolle, weibliche Nebenrolle und Drehbuch) und den Preis der Writers Guild of America (WGA).
mit Peter Finch, Faye Dunaway, William Holden, Robert Duvall, Wesley Addy, Ned Beatty, Ken Kercheval, Lance Henriksen (Miniauftritt als Anwalt), Tim Robbins (ungeannter Kurzauftritt als Mörder; sein Filmdebüt)
Für Tomas, seine Frau Ebba und ihre Kinder Vera und Harry soll der einwöchige Skiurlaub in den Alpen eine Auszeit vom Alltag sein. Ferien eben, die in einem Hotelzimmer und auf der Skipiste verbracht werden, wenn nicht am zweiten Tag, während des Essens auf einer Restaurantterrasse, eine durch eine Explosion ausgelöste kontrollierte Lawine sich scheinbar unaufhaltsam in Richtung Terrasse bewegen würde. Tomas schnappt sein Smartphone und haut ab, während Ebba sich schützend vor ihre Kinder stellt.
Die Lawine lässt die Terrasse links liegen, aber in Ruben Östlunds „Höhere Gewalt“ ist die Katastrophe schon geschehen. Während der nächsten Ferientage lässt Ebba keine Gelegenheit aus, Freunden und Urlaubsbekanntschaften von dem Ereignis zu erzählen, während Tomas behauptet, sich anders daran zu erinnern.
„Höhere Gewalt“ spricht, in einem strengen formalen Rahmen, vieles an und, was nicht jedem Film gelingt, er provoziert Diskussionen über das Verhalten von Tomas (Ist er wirklich ein Feigling? Hat er seine Familie im Stich gelassen?) und Ebba (Ist sie zu selbstgerecht? Macht sie aus einer Mücke einen Elefanten?), aber es bleibt auch in der Schwebe, ob Östland wirklich eine existenzielle Krise oder nur einen ganz normalen Urlaub beschreibt. Denn bei jedem Urlaub krachen die Familienmitglieder mindestens einmal heftig gegeneinander, es gibt den berühmt-berüchtigten Urlaubskoller und in meinen Augen beschreibt Östlund eben einen solchen Urlaubskoller. Denn dass Tomas‘ Flucht der Auslöser für eine veritable Ehekrise mit allem Drum und Dran sein soll, erscheint mir doch etwas überhöht. Immerhin wird die Familie als die perfekte Mittelstandsfamilie gezeigt und bis dahin scheint es die perfekte Ehe gewesen zu sein.
Außerdem wird endlos über das Ereignis gesprochen und schnell stockt die Erzählung, weil immer wieder die gleichen Argumente am Küchentisch hin und her geschoben werden, während die Kinder im Bett sind. Kneipenphilosophie eben.
Daher enttäuscht „Höhere Gewalt“ als existenzielles Drama das eine Familie seziert und als Behandlung der Frage, wie Menschen in unerwarteten Situationen reagieren. Denn er beschäftigt sich nur mit der Reaktion von Tomas. Aber hätte Ebba sich bei einer anderen Anordnung der Sitzplätze im Restaurant anders als Tomas verhalten?
Als bitterböse Komödie über einen ganz normalen Familienurlaub in einem Wintersportgebiet ist „Höhere Gewalt“ dagegen ziemlich gelungen und hätte Ruben Östlund sich noch stärker auf diesen Aspekt konzentiert, hätte mir „Höhere Gewalt“ besser gefallen. So bleibt das Gefühl zurück, vor allem ein Gedankenexperiment gesehen zu haben.
Wer sich bis jetzt fragte, wie bekannt Idris Elba und Taraji P. Henson sind, erhält mit „Keine gute Tat“ die Antwort: ziemlich. In den USA war der Thriller in der Startwoche sogar auf dem ersten Platz und sein Budget hat er inzwischen locker eingespielt.
Idris Elba spielte in „The Wire“ mit. Er ist DCI John „Luther“ („Luther“-Erfinder Neil Cross arbeitet gerade für Fox an einem US-Remake und Ende 2015 spielt Idris Elba wieder John Luther in der gleichnamigen BBC-Serie). Er war Nelson „Mandela“ und er übernahm prägnante Nebenrollen in „Prometheus“, „Pacific Rim“ und den beiden „Thor“-Filmen. Sein Gesicht ist inzwischen auch Filmfans vertraut.
Taraji P. Henson erhielt eine Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und gehört zur Stammbesetzung von „Person of Interest“, einer in den USA erfolgreiche TV-Serie von Jonathan Nolan („Interstellar“), die bei uns eher unter ‚ferner liefen‘ läuft.
In „Keine gute Tat“ spielt sie Terry, eine ehemalige Staatsanwältin und jetzt glücklich verheiratete Mutter von zwei Kindern, die in einem noblen Vorstadthaus lebt. Ihr Mann besucht gerade seinen Vater über das Wochenende zu einen gemeinsamen Geburtstag-Angelausflug.
Als es klingelt und Colin (Idris Elba) vor der Tür steht, will sie den Fremden, dessen Auto einige Meter weiter verunglückte, zuerst nicht in ihr Haus lassen. Aber draußen stürmt es, er ist platschnaß und höflich.
Dabei ist das nur eine Fassade. Colin ist ein ausgebrochener Sträfling, der auf seiner Flucht eine Spur von Leichen hinterlässt und natürlich auch in Terrys Haus wüten wird.
Die Geschichte von „Keine gute Tat“ ist altbekannt und sie wird auch ohne nennenswerte Variationen abgespult. Erst gegen Ende gibt es eine Überraschung, die den vorherigen Ereignissen eine neue Bedeutung verleiht. Es ist allerdings auch nur eine Überraschung, ein Aha-Moment, der ziemlich folgenlos verpufft. Hätten die Macher diese Überraschung schon früher enthüllt, hätten alle Handlungen von Colin und Terry noch ein weiteres Motiv gehabt und dann wäre „Keine gute Tat“ mehr als nur ein weiterer formelhafter Home-Invasion-Thriller, bei dem der interessanteste Aspekt die Hautfarbe der beiden Hauptdarsteller ist.
Davon abgesehen wissen wir jetzt, dass Idris Elba einen Film tragen kann, wie er auch TV-Serie „Luther“ trägt.
Sowieso heben die spielfreudigen Schauspieler und „Luther“-Regisseur Sam Miller die altbekannte Geschichte auf ein höheres Level, als der Film es verdient hat. Denn es ist ein klassischer TV-Film, der ohne Nebengeschichten und ohne besondere Höhen und Tiefen in unter neunzig Minuten geradlinig seine Geschichte erzählt.
Das Problem bei „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ sind nicht die oft kurzen Musikschnipsel. Das ist zwar schade und ärgerlich, wenn man von bekannten Liedern und Live-Auftritten bekannter Musiker nur einige Sekunden hört, aber durchaus verständlich, weil die Musikrechte manchmal extraordinär teuer sind und die Musik nicht im Mittelpunkt der Doku steht. Wobei die Konzertausschnitte mit der Unbekanntheit der Musiker länger werden, bis wir auf der Couch von Session-Gitarrist Tom Bukovac landen, der auf fünfhundert Nashville-Alben mitspielte. Aber wer kennt schon einen Session-Gitarristen?
Das Problem ist auch nicht, dass die meisten Gitarristen eher unbekannt und auch die Stars nicht unbedingt allgemein bekannte Weltstars sind. Als Filmemacher mit überschaubarem Budget freut man sich, wenn bekannte Gesichter wie Marius Müller-Westernhagen, Wolfgang Niedecken, Peter Maffay und Dave Stewart sich Zeit nehmen. Und oft haben unbekanntere Gitarristen und Session-Musiker etwas interessantes zu erzählen. Man fragt sie halt viel zu selten.
Das Problem bei „Love Supreme“ (wobei Jazzfans da nur an John Coltranes „A Love Supreme“ denken können) ist, dass die Regisseure Steffen König und Olaf Neumann nicht wussten, was sie erzählen wollten. Sie sagen zwar, dass sie herausfinden wollten, warum immer mehr Musiker Duesenberg-Gitarren benutzen und wer sie baut. Dieses vollkommen unkritische Firmenporträt ist ein Teil der spielfilmlangen Dokumentation. Wir dürfen zusehen, wie eine E-Gitarre gebaut wird (Erklärungen gibt es keine) und zuhören, wie Dieter Gölsdorf, der Entwickler der Duesenberg-Gitarren, über sich und seine Gitarren spricht. Aber außer Jugenderinnerungen und Allgemeinplätzen erfährt man nichts; – und dabei wäre gegen ein ordentliches Firmenporträt nichts einzuwenden.
Aber die meiste Zeit reden die Gitarristen in der Dokumentation über Gott und die Welt. Das ist durchaus interessant, aber es sind beliebige Zitate, ohne größeren Zusammenhang und Überbau. Manchmal wird auch die Duesenberg-Gitarre lobend erwähnt. Sie liege gut in der Hand. Sie klinge gut. Manchmal wird sie in den Konzertausschnitten auch erkennbar gespielt. Manchmal eine andere E-Gitarre oder eine Akustik-Gitarre.
Und irgendwann fragt man sich, ob die Duesenberg-Gitarre nur von Rockmusikern, meistens der gut abgehangenen Mainstream-Sorte, und einigen Blues-Musikern (die hier die Feigenblatt-Rolle übernehmen dürfen) gespielt wird. Es gibt keine Jazzer, keine Heavy-Metal-Gitarristen, keine Punker, keine Experimentalmusiker.
Ärgerlich ist während der gesamten Musik-Dokumentation der erbärmliche Sound. Die Konzerte sind meistens ein einziger Lärmmatsch, das den Charme eines Bootlegs hat. Die Interviews klingen teils übersteuert, teils gibt es nervige Nebengeräusche, weil König und Neumann sich mit dem Musiker in einer Wirtschaft unterhielten und das Klirren der Gläser und die Gespräche der anderen Gäste immer wieder stören. Schon mit einem besseren Mikrofon (und das muss kein extrem teures Mikrofon sein) oder einer gescheiten Raumwahl hätte hier das Schlimmste verhindert werden können.
Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett(Deutschland 2014)
Regie: Steffen König, Olaf Neumann
Drehbuch: Steffen König, Olaf Neumann
mit Tom Bukovac, Sarah Buxton, Mike Campbell, Carl Carlton, Nathan Fawley, Vince Gill, Dieter Gölsdorf, Uwe Hassbecker, Dann Huff, Steven Hufsteter, Keb‘ Mo‘, Robert Knight, Helmut Krumminga, Tito Larriva, Anna Loos, Louisiana Red, Peter Maffay, Ryan McGarvey, Grant Mickelson, Marius Müller-Westernhagen, Wolfgang Niedecken, Andy Powell, Ingo Renner, Brad Rice, Dave Stewart, Matt ‚Mojo‘ Tedder
und die Bands der Musiker, wozu auch, wegen Andy Powell, Wishbone Ash gehört
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
– Hinweise
Matrix (USA 1998, Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski)
Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.
Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.
Danach, um 23.00 Uhr, läuft die Gurke “Matrix Reloaded”. Und um 23.45 Uhr läuft im SWR/SR „Cloud Atlas“.
mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano
Catch me if you can (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt kurzweilig die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, Regie: Johnny To)
Drehbuch: Ka-Fai Wai
In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.
Mit dem Neo-Noir „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor über zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.
mit Johnny Hallyday, Sylvie Testud, Anthony Wong, Simon Yam
Arte, 20.15 Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, Regie: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Die Kaurismäki-Version eines Feelgood-Movies: Schuhputzer Marcel hilft einem afrikanischem Flüchtlingskind und schnell ist das gesamte Stadtviertel involviert.
Aki Kaurismäkis immer noch neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‘going through the motions’) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
Anschließend, um 21.45 Uhr, läuft die brandneue Doku „Es war einmal…“Le Havre“ über den Film.
mit André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud Wiederholungen
Mittwoch, 19. November, 13.45 Uhr
Donnerstag, 27. November, 13.55 Uhr
Hühnchen in Essig (Frankreich 1985, Regie: Claude Chabrol)
Drehbuch: Dominique Roulet, Claude Chabrol
LV: Dominique Roulet: Un mort en trop, 1982 (Gegenmaßnahmen)
Inspektor Lavardin soll in einem kleinen Dorf einen Mord aufklären. Dabei ist er nicht besonders zimperlich.
Zynisches Porträt einer Provinzstadt und ihrer honorigen Bewohner, die alle mindestens ein Geheimnis haben. Aufgrund des Erfolges drehte Chabrol einen weiteren Lavardin-Spielfilm und es entstand eine kleine Fernsehreihe, die nicht mehr den gemeinen Humor des Originals hatte.
„Inspektor Lavardin ist (…) ein sorgfältiger Beobachter bourgeoiser Dekadenz, steht den Figuren mit galligem Sarkasmus gegenüber und scheint geradezu eine Schadenfreude daran zu haben, den ehrbaren Bürger eines Verbrechens zu überführen.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
„Dass alle Personen ihre Ziele mit radikalen Mitteln verfolgen (selbst die gutmütige Hélène stiehlt ungeniert Geld aus der Portokasse), schafft eine Art moralisches Niemandsland, und wie in dieser verkehrten Welt schließlich doch das Gute heranwächst, das verleiht ‚Hühnchen in Essig’ (Poulet au vinaigre) trotz des burlesken Grundtons märchenhafte Züge, darin vergleichbar mit ‚Der Riss’ (La rupture).“ (Claude Chabrol, Hanser Reihe Film 5)
Mit Jean Poiret, Stéphane Audran, Michel Bouquet, Caroline Cellier
JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (GB 1963, Regie: Terence Young)
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood
LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)
James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.
Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten).
mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war), Pedro Armendariz, Bernhard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn
Wiederholung: ZDFneo, Montag, 17. November, 00.00 Uhr (Mitternacht und Taggenau!)
Das Warten hat sich gelohnt. Jedenfalls für Fans von Lawrence Block und seiner Serie um Privatdetektiv Matt Scudder, die schon seit einer Ewigkeit auf eine zweite Scudder-Verfilmung warteten. Die erste war 1986 „8 Millionen Wege zu sterben“. Jeff Bridges spielte Scudder. Oliver Stone war einer der Drehbuchautoren, dem das Ergebnis nicht gefiel, und Hal Ashby führte Regie indem er die Schauspieler improvisieren ließ. Es war sein letzter Spielfilm. Davor drehte er Klassiker wie „Harold und Maude“, „Coming home – Sie kehren heim“ und „Willkommen, Mr. Chance“. Tolle Filme, aber Dramen, bei denen die Charaktere im Mittelpunkt stehen und der Plot Nebensache ist. Aber diese Plotvergessenheit war nicht das größte Problem von „8 Millionen Wege zu sterben“. Die Geschichte wurde von New York, vulgo Manhattan, nach Los Angeles verlegt. Von einer Stadt, in der man ohne Auto leben kann, in eine Stadt, in der man ohne Auto nicht leben kann. So wurde aus einem Charakter, der untrennbar mit seiner Stadt verbunden ist, ein Heimatloser; weshalb diese Scudder-Verfilmung als Romanverfilmung nicht besonders beliebt ist.
Seitdem war eine zweite Scudder-Verfilmung im Gespräch. Immerhin sind die siebzehn zwischen 1976 und 2011 erschienen Scudder-Romane, in denen der Ich-Erzähler Matt Scudder in Echtzeit altert, bei Krimifans beliebt und die Romane erhielten auch alle wichtigen Krimipreise. Teilweise mehrfach.
„A Walk among the Tombstones“ war der auserwählte Roman. In den vergangenen Jahren fanden immer wieder Gespräche statt. Unter anderem war Harrison Ford als Matt Scudder im Gespräch, aber vor dem Drehbeginn wurde das Projekt immer wieder gestoppt. „Die Scudder-Verfilmung kommt.“ war unter Lawrence-Block-Fans ein Running Gag, bis jetzt Scott Frank, der auch die Bücher für die grandiosen Elmore-Leonard-Verfilmungen „Get Shorty“ und „Out of Sight“ schrieb und mit „Die Regeln der Gewalt“ (The Lookout) ein gelungenes Regiedebüt gab, mit Liam Neeson, der seit einigen Jahren als Action-Star ein neues Publikum eroberte und der jetzt Matt Scudder verkörpert, endlich die langerwartete Verfilmung von „A Walk among the Tombstones“ gelang, die jetzt bei uns als „Ruhet in Frieden“ (nicht gerade der beste Titel) in die Kinos kommt.
Scudder ist ein Ex-NYPD-Cop, ein trockener Alkoholiker, der seinen Dienst quittierte, nachdem er betrunken ein Kind erschoss. Naja, nicht direkt erschoss. Es war ein Querschläger, der die siebenjährige Estrellita Rivera tötete, während er die beiden Räuber verfolgte, einen verletzte und den anderen erschoss. Scudder wurde dafür belobigt und während es in den Romanen lange dauerte, bis Scudder sich eingestand, ein Alkoholiker zu sein, und er lange mit seiner Sucht und den Rückfällen kämpfte, während er Treffen der Anonymen Alkoholiker besuchte, geht das im Film schneller.
Acht Jahre später, 1999, lebt er ein unauffälliges Leben in Manhattan, besucht AA-Treffen und erweist Menschen Gefälligkeiten. Er ist ein Privatdetektiv ohne Lizenz. Jetzt wird er von einem AA-Mitglied gebeten, dessen Bruder Kenny Kristo (im Roman Kenan Khoury) zu besuchen und ihm bei einem Problem zu helfen. Kennys Frau wurde entführt und bestialisch ermordet. Kenny will die Mörder finden und töten. Schon mit diesem Rachewunsch könnte Kenny keine Hilfe von der Polizei erwarten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Kenny ist ein Drogendealer; einer der unauffällig lebt, wohlhabend ist und mit wenigen Drogenimporten innerhalb eines Jahres seinen Lebensstandard sichert. Er sieht sich als Importeur einer x-beliebigen Ware.
Scudder übernimmt den Auftrag. Bei seiner Suche entdeckt er mehrere ähnlich Fälle: jemand scheint die Frauen und Kinder von Drogenhändler zu entführen, ein Lösegeld zu erpressen und dann seine Opfer bestialisch umzubringen.
Scott Frank aktualisierte für den Film den schon 1992 erschienenen Roman etwas, indem er die Geschichte in die späten Neunziger verlegte. Er lässt, wie im Roman, den jugendlichen Computerexperten TJ, ein Straßenkind, mit dem Matt Scudder sich befreundet, auftreten. TJ hilft Scudder mit seinen Computerkenntnissen. Matts Freundin Elaine Mardell, eine Prostituierte, die ihr Geld klug investierte, und Mick Ballou, ein mit Matt befreundeter irischer Gangsterboss, fehlen. Doch auch ohne diese den Fans der Romanen vertrauten Charaktere bleibt Scott Frank dem Geist der Romanvorlage treu.
„Ruhet in Frieden“ ist ein melancholischer Noir-Privatdetektiv-Krimi, bei dem die Atmosphäre, die Charaktere und moralische Fragen im Mittelpunkt stehen, ohne explizit angesprochen zu werden. Denn Scudders Auftraggeber ist ein Verbrecher. Die anderen Opfer ebenso. Es geht um Selbstjustiz, aber auch ausgleichende Gerechtigkeit. Das führt dazu, dass zunehmend die sattsam bekannten Grenzen zwischen Gut und Böse zu einem einzigen Graubereich verschwimmen.
Schon in den ersten Minuten von „Nightcrawler“ beunruhigt weniger, dass Lou Bloom einen Menschen wegen einer Armbanduhr ermordete, sondern wie er sich um eine kleine Stelle, einen schlecht bezahlten Aushilfsjob auf einem Schrottplatz, bewirbt. Mit starrem Blick rattert er Sätze herunter, die in einem Motivationsseminar gegeben werden und in einem Ratgeber für die Suche nach dem Traumjob und der Erfüllung in der Arbeit als Angestellter stehen. Aber da ist dann nicht der Aufseher eines Schrottplatzes, sondern der Chef eines multinationalen Unternehmens als Adressat der Bewerbungsrede gemeint.
Dan Gilroy von dem man, nach seinen Drehbüchern für „Das schnelle Geld“, „The Fall“, „Real Steel“ und „Das Bourne-Vermächtnis“, so einen bitterbösen Film nicht erwartet hätte, taucht in seinem Regiedebüt „Nightcrawler“ die Szene in ein kränkliches Licht, das sie noch unangenehmer erscheinen lässt. Mit diesem Soziopathen möchte man keine fünf Minuten im gleichen Zimmer verbringen. In diesem Moment hat Bloom seine Bestimmung noch nicht gefunden. Noch sucht er seinen Lebensinhalt.
Kurz darauf beobachtet er, mitten in der Nacht, auf einem Highway in Los Angeles, wie einige TV-Reporter einen Unfall und die Rettungsmaßnahmen aufnehmen. Bloom erfährt, dass man mit diesen Bildern, die im Morgenfernsehen gezeigt werden, Geld verdienen kann. Mit einigen Ratgebern bereitet er sich autodidaktisch auf seinen Traumjob vor. Er lernt den Polizeicode und er fährt, mit einer schlechten Kamera ausgerüstet, zu seinem ersten Unfall, wo er noch weniger Respekt vor den Opfern hat als die anderen Nightcrawler.
Deshalb kann er die blutigen, die Grenzen jeder Journalistenethik auslotenden Bilder an Nina Romina (Rene Russo), der Produzentin einer Frühstücksfernsehsendung bei einem Lokalsender, verkaufen. Von ihr erhält er noch einige weitere Tipps. Vor allem erfährt er, welche Bilder gesucht werden, weshalb er kurz darauf auch keine Skrupel hat, einen Unfallort fotogen zu verändern oder einen Tatort zu betreten und mehrere Leichen zu filmen. Die Bilder über die Verbrechen sind halt wichtiger, als die Aufklärung der Verbrechen. An die Opfer denkt er, abseits von ihrem Nutzen als Bildmotiv, nicht.
Schnell expandiert er – und das erschreckendste an Gilroys messerscharfer Mediensatire ist der von Jake Gyllenhaal grandios gespielte Lou Bloom, der nur die Sprechblasen aus den Selbsthilfe- und Management-Seminaren nachbetet, inbrünstig daran glaubt und sie eins zu eins umsetzt. Einen irgendwie gearteten moralischen Kompass hat er nicht.
In diesem Punkt unterscheidet er sich von Daniel Lugo (Mark Wahlberg), dem Protagonisten in Michael Bays Gangsterkomödie „Pain & Gain“. Er und seine Mitverbrecher waren, ebenfalls von Selbsthilfeseminaren mental gestärkte, an den amerikanischen Traum glaubende Trottel, die ihr Stück vom Kuchen abhaben wollten und auch wussten, dass sie etwas verbotenes taten. Lou Bloom geht dieses Gefühl vollkommen ab. Er tut, was die Gesellschaft will und er bemüht sich, die Erwartungen der Gesellschaft möglichst perfekt zu erfüllen. Damit unterscheidet er sich nicht von irgendwelchen Bankern, die mit windigen Investitionen kleine Anleger ruinieren, weil die Anlagen nicht explizit gegen das Gesetz verstoßen.
Bloom ist ein Geistesverwandter von Vincent (Tom Cruise), dem eiskalten Profikiller in Michael Manns in einer Nacht spielendem L.-A.-Großstadtthriller „Collateral“.
Aber während „Collateral“ einen am Ende mit der Gewissheit entlässt, dass die Guten und die Werte der Menschlichkeit und des Humanismus gegen den nackten Manchester-Kapitalismus gewinnen, verweigert Dan Gilroy am Ende seiner Charakterstudie „Nightcrawler“ diese beruhigende Gewissheit. Denn Lou Bloom ist kein Verbrecher. Auch wenn am Ende einige Menschen tot sind, er etwas damit zu tun hat und er die Ermittlungen der Polizei sabotierte, hat er gegen kein Gesetz verstoßen. Er darf expandieren.
LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990
FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.
Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.
Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche
Der fünfzehnjährige Steve (Antoine Olivier Pilon) ist ein echtes Problemkind, das sogar in einer Geschlossenen Anstalt kaum gebändigt werden kann. Also nimmt seine Mutter Diane (Anne Dorval), die kaum genug Geld verdient, um alleine über die Runden zu kommen, ihn wieder bei sich auf. Denn die Witwe liebt ihren Sohn abgöttisch und auch Steve liebt sie ebenso abgöttisch. Er würde alles für sie tun. Wenn er einen Wutanfall bekommt, dann nur, weil etwas nicht nach seinem Kopf abgeht oder jemand Diane, aus seiner Perspektive heraus, schlecht behandelt. Genauso hemmungslos wie seine Wutausbrüche sind auch seine Liebesbeweise. Außerdem ist er der Mann im Haus.
Zu diesem immer kurz vor einer Explosion stehendem Mutter-Sohn-Gespann kommt noch die Nachbarin Kyla, eine auf unbestimmte Zeit beurlaubte Lehrerin, die eine Sprachstörung hat, sich deshalb fast nur in ihrem Vorstadthaus aufhält, schließlich Steve Privatunterricht gibt und dabei auch ihr Stottern überwindet.
Nach dem schwächeren „Sag nicht, wer du bist!“ ist „Mommy“, Xavier Dolans fünfter Spielfilm in fünf Jahren, wieder einmal überbordendes, kompromissloses Kino, das über fast hundertvierzig, äußerst kurzweilige Minuten in jeder Hinsicht begeistert. Das beginnt schon mit der mutigen Entscheidung, den Film im Format 1:1 zu drehen. Dieses viereckige Bild, wie ein CD-Cover, lässt links und rechts ungefähr ein Drittel der Leinwand im Dunkeln, was dazu führt, dass Steve, Diane und Kyla auch optisch in ihren seelischen Gefängnissen gefangen sind. Vor allem Steve hat diesen Tunnelblick, der seinen Blick einengt. Er handelt immer spontan, aus dem Moment heraus und ohne irgendeine Impulskontrolle.
Wenn sich dann zweimal das Bild öffnet und die ganze Leinwand in Besitz nimmt, ist es umso befreiender für die Charaktere, die in diesem Moment ihr inneres Gefängnis verlassen und Freiheit spüren. Für einen kurzen Moment. Denn, daran lässt Dolan von der ersten Minute, keinen Zweifel: Steve wird sich nicht ändern und Diane muss überlegen, wie sie ihrem Sohn am Besten helfen kann. Bis jetzt hat sie alles für ihren Sohn geopfert.
In Cannes erhielt Xavier Dolan für „Mommy“, gemeinsam mit Jean-Luc Godard für „Adieu au langage“ den Preis der Jury. Verdient.
Seine Hauptdarsteller, die Neuentdeckung Antoine Olivier Pilon, der bislang nur einige TV-Auftritte und eine Nebenrolle in Dolans „Laurence Anyways“ hatte, und die beiden Dolan-Stammschauspielerinnen Anne Dorval und Suzanne Clément hätten ebenfalls Preise für ihre natürliche und glaubwürdige Darstellung der psychsich lädierten Charaktere verdient.
Es ist schon erstaunlich, wie gut es „Wie schreibt man Liebe?“ gelingt, all die erzählerischen Trüffel, die Autor-Regisseur Marc Lawrence auf dem Silbertablett präsentiert werden, zu ignorieren und sich allein auf die Präsenz des immer liebenswerten Hugh Grant zu verlassen.
Grant spielt Keith Michaels, einen geschiedenen Hollywood-Drehbuchautor, der vor fünfzehn Jahren einen Drehbuchoscar für „Paradise Misplaced“ bekam. Seine späteren Filme waren nicht so gut und jetzt braucht er, weil er keine Bücher verkauft, Geld. Ein Lehrerjob in Binghampton, ein Uni-Kaff bei New York, bringt ihm das benötigte Geld. Dass er glaubt, dass man Schreiben nicht lehren kann, ist nur ein kleines Hindernis. Er will die finanziell einträgliche Lehrer-Charade einfach hinter sich bringen, weshalb er die Teilnehmer für den Drehbuchkurs auch nach ihrem Aussehen auswählt. Trotzdem verirren sich zwei Nerds in seinen Kurs, der sonst nur aus Uni-Schönheiten besteht. Und eine Mittvierzigerin ist auch dabei. Holly Carpenter macht noch ein Bachelor-Studium, hat zwei Kinder (die wir eigentlich nie sehen und die für die Geschichte egal sind), immer einen patenten Ratschlag für den sympatisch verwuschelten Kursleiter und nebenher jobbt sie. Passenderweise in dem Uni-Buchladen und einem Nobelrestaurant.
Weil Holly Carpenter von Marisa Tomei gespielt wird, wissen wir auch, wer am Filmende nach der bewährten RomCom-Formel zusammenfindet, obwohl sie nur den Schein haben will und er nicht die Frau fürs Leben sucht. Eine gut aussehende Studentin, mit der er gleich am ersten Abend ins Bett hüpft, tut es auch. Jedenfalls für den Moment. Dass das ein an der kleinen Universität nicht akzeptiertes Verhalten ist, erfährt er kurz darauf und nachdem er am Begrüßungsabend gleich eine Brandrede gegen starke Frauen und Jane Austen hält, hat er es sich mit Professor Mary Weldon (Allison Janney) verscherzt. Denn sie ist die anerkannte Jane-Austen-Expertin, die humorlose und stocksteife Dekanin der Universität und sie hält absolut nichts von Hollywood-Drehbuchautoren, die keine Ahnung von Literatur haben. Sie ist die Person, die den literarisch vollkommen unbefleckten Keith Michaels jederzeit feuern kann.
„Wie schreibt man Liebe?“, das im Original „The Rewrite“ heißt, hätte so einfach ein Film über zweite Chancen und die Wechselwirkungen von Literatur und Leben, von Drehbuchdramaturgie und Leben, von den Genreerfordernissen einer romantischen Komödie und dem Leben, werden können. Es hätte ein wundervoller, auf mehreren Ebenen funktionierender Film werden können, wie zuletzt zum Beispiel Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“, wo es um das richtige Zubereiten von Mahlzeiten, unterschiedliche Kulturen und Lebensphilosophien geht, oder Fred Schepisis „Words and Pictures“, wo Clive Owen und Juliette Binoche ein Feuerwerk von Weisheiten und Zitaten abbrennen, um vor ihren Schülern einen Kampf um die höhere Kunst zu entfachen, der natürlich kaum verdeckt, dass sie ineinander verliebt sind.
Oder, ein ganz anderes Genre, der selbstreferentielle Slasher-Film „Scream“. Schon vor fast zwanzig Jahren spielten Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor
Kevin Williamson gelungen mit den Genreklischees, wenn die Studierenden sich über die Klischees in Horrorfilmen unterhalten und so den Killer finden wollen, während gerade die halbe Universität von einem maskierten Slasher gemeuchelt wird.
Gerade im direkten Vergleich mit „Words and Pictures“, der ja ein ähnliches Thema in einem ähnlichen Milieu behandelt, wird deutlich, wie lieblos „Wie schreibt man Liebe?“ zusammengeschustert ist. Marc Lawrences Film hätte dringend mindestens ein Rewrite gebraucht. Aber anscheinend wurde die erste Fassung verfilmt.
Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.
mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks