Neu im Kino/Filmkritik: Die „45 Minuten bis Ramallah“ können eine Ewigkeit dauern

Dezember 5, 2013

 

Ali Samadi Ahadi, ein gebürtiger Iraner, der als Dreizehnjähriger nach Deutschland kam, zeigte schon mit „Salami Aleikum“, dass ein Culture Clash keine trübsinnige Angelegenheit sein muss. Damals ging die Reise des Iraners von Köln in die tiefste ostdeutsche Provinz.

In seinem neuesten Film „45 Minuten bis Ramallah“ spielen nur die ersten Minuten in Hamburg. Dort schuftet Rafik (Karim Saleh), ein Palästinenser aus Ostjerusalem, in einem letztklassigem Restaurant und er will unter keinen Umständen zurück nach Israel zu seiner Familie. Aber nach einem Blick auf sein Bankkonto und einem Streit mit seinem Chef, der ihn umstandslos feuert, klaut er einen gerade gelieferten Anzug und macht sich auf den Heimweg nach Jerusalem zur Hochzeit seines Bruders Jamal (Navid Akhavan). Schon während der Hochzeitsfeier giften die Brüder sich an. Als dann ihr Vater während der Feier plötzlich verstirbt, verspricht Rafik, dass sie den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen: sie werden ihn zur Beerdigung nach Ramallah, seine alte Heimat, bringen. Das ist 45 Minuten Fahrtzeit von ihrem derzeitigen Aufenthaltsort entfernt. Also kein Problem, wenn sie nicht in Jerusalem wären, Ramallah auf der anderen Seite der Grenze in Palästina liegen würde und die beiden Brüder keine Palästinenser mit israelischem Pass wären.

Bislang haben sie sich erfolgreich aus dem Israel-Palästina-Konflikt herausgehalten, aber diesem Kurztrip geraten sie zwischen alle Fronten. Blauäugig und sich immer wieder streitend stolpern die Brüder durch das Kampfgebiet, inclusive Verbrechern, Polizisten, Soldaten, Revolutionären und religiösen Fanatikern. Sowieso scheinen Rafik und Jamal die einzigen normalen Menschen in diesem Irrenhaus zu sein.

Und so wird aus der kurzen Fahrt ein mehrtägiger Abenteuertrip, bei dem für die beiden Brüder und die Leiche ihres Vaters, die sie einfach zu seiner letzten Ruhestätte schmuggeln wollten, alles immer schlimmer wird.

Zugegeben: „45 Minuten bis Ramallah“ erfindet die schwarzhumorige Komödie nicht neu und seit Monty Pythons „Das Leben des Brian“ wurde eigentlich schon alles zu dem Thema gesagt. Aber Israelis und Palästinenser bekämpfen sich immer noch; an eine baldige friedliche Lösung glaubt niemand mehr. Dabei ist die Situation dort längst, wie man auch in vielen Filmen aus Israel sehen kann, ein absurder Stillstand, dem Ali Samadi Ahadi sich humoristisch nähert. Und eine schwarzhumorige Komödie, die einem die Klischees und echten und falschen Befindlichkeiten respektlos um die Ohren haut und vor allem die Fanatiker und gefühlten und echten Machthaber auf beiden Seiten bis zur Kenntlichkeit demaskiert, ist dabei nicht die schlechteste Wahl.

Und so ist „45 Minuten bis Ramallah“ eine kurzweilige Satire, die ihre Vorbilder im angloamerikanischen Raum sucht und erfrischend undeutsch kredenzt.

45 Minuten bis Ramallah - Plakat - 4

45 Minuten bis Ramallah (Deutschland 2013)

Regie: Ali Samadi Ahadi

Drehbuch: Gabriel Bornstein, Karl-Dietmar Möller-Naß

Buch zum Film: Gabriel Bornstein: 45 Minuten bis Ramallah, 2013

mit Karim Saleh, Navid Akhavan, Julia Engelbrecht

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „45 Minuten bis Ramallah“

Moviepilot über „45 Minuten bis Ramallah“

Wikipedia über Ali Samadi Ahadi

 

 


TV-Tipp für den 5. Dezember: Der Mann, der vom Himmel fiel

Dezember 5, 2013

3sat, 22.25

Der Mann, der vom Himmel fiel (Großbritannien 1976, R.: Nicolas Roeg)

Drehbuch: Paul Mayersberg

LV: Walter Tevis: The Man who fell to Earth, 1963 (Spion aus dem All; Der Mann, der vom Himmel fiel)

Ein Außerirdischer möchte auf der Erde eine neue Heimat für seine Familie und seine Spezies finden. Aber er verfällt dem menschlichem Lebensstil und Forscher sehen in ihm nur ein Forschungsobjekt.

Der von Bowie verkörperte außergewöhnliche Charakter, Mayersbergs fragmenthaftes Drehbuch und Roegs mosaikhafte Regie kreieren einen extravaganten Film, dessen Handlungswindungen nur noch dazu beitragen, die verhängnisvolle Verwandlung von Bowie vom Außerirdischen in einen Menschen zu unterstreichen. (…) Ein stilsicherer Film voller hervorragender und komplexer Bilder, in dem Roeg Bowies Abstieg zum Menschen darstellt,der man sich nicht entziehen kann.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie)

Ein herrlich abgedrehter Kultfilm, der für den Hugo nominiert war und bei der damaligen deutschsprachigen Kritik nicht gut ankam: „mangelnden Tiefsinn durch Verhackstückerei von Handlungs- und Bildelementen vortäuscht“ (Ronald M. Hann/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films), „sinnentleerte Reizüberflutung“ (Filmbeobachter), „ein Werbefilm, der wie sein eigener, überlang-marktschreierischer Trailer aussieht“ (Medium).

Noir-Krimiautor James Sallis nannte die Vorlage „among the finest science fiction novels“.

mit David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, Buck Henry, Bernie Casey, Linda Hutton

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann, der vom Himmel fiel“

Wikipedia über „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Walter Tevis

Wired for Books: Interview mit Walter Tevis


Ein Überblick über die „Französische Filmwoche Berlin“

Dezember 4, 2013

 

Französische Filmwoche Berlin 2013 - Banner

Morgen beginnt in Berlin die 13. Französische Filmwoche mit 35 Filmen aus Frankreich, der Schweiz und Quebec. Normalerweise werden die Filme in der Originalfassung mit Untertiteln, oft in Anwesenheit des Regisseurs und anderer an den Filmen beteiligter Künstler, gezeigt. Zwölf Filme sind Vorpremieren. Sieben haben noch keinen Verleih. Es gibt außerdem das Jugendfilmfestival „Cinéfête“, zuerst in Berlin und dann in ganz Deutschland, in dem vor allem für Schüler Filme gezeigt werden, die mit ihrem Alltag etwas zu tun haben. Die meisten Filme, wie „Tomboy“, „Krieg der Knöpfe“ (die Version von 2011) und „In ihrem Haus“, liefen bereits im Kino. Auch „Das Meer am Morgen“ von Volker Schlöndorff. Nämlich auf der Berlinale. Danach wurde der Film 2012 einmal im TV gezeigt und bei uns, im Gegensatz zu anderen Ländern, nicht auf DVD veröffentlicht. Schlöndorff, der mit „Die Blechtrommel“ den Oscar für den besten ausländischen Film gewann, erzählt in seinem neuesten Film von einer 1941 in Frankreich geplanten Erschießung von 150 französischen Geiseln, nachdem ein deutscher Offizier auf offener Straße erschossen wurde. Als Vorpremiere, gibt es Nicolas Vaniers „Belle und Sebastian“ über die Freundschaft zwischen einem Hund und einem Jungen in den Bergen.

Im Arsenal läuft eine gut ausgewählte „Hommage à Catherine Deneuve“, die am Freitag, den 6. Dezember, auch die Eröffnung, bei der „Ein Weihnachtsmärchen“ (Frankreich 2008, Regie: Arnaud Desplechin) gezeigt wird, besucht. Am 7. Dezember erhält sie, ebenfalls in Berlin, von der Europäischen Filmakademie den Preis für ihr Lebenswerk. Das dürften die Termine für die Autogrammjäger sein.

In der ihr gewidmeten Hommage werden außerdem „Die Regenschirme von Cherbourg“ (Frankreich/Deutschland 1964, Regie: Jacques Demy), „Ekel“ (Großbritannien 1965, Regie: Roman Polanski), „Die letzte Metro“ (Frankreich 1980, Regie: Francois Truffaut), „Dancer in the Dark“ (Dänemark/Deutschland/Niederlande/USA/Großbritannien/Schweden/Frankreich/Finnland/Norwegen 2000, Regie: Lars von Trier), „Changing Times“ (Frankreich 2004, Regie: André Techine), „Belle de jour“ (Frankreich 1967, Regie: Luis Bunuel), „I want to see“ (Libanon/Frankreich 2008, Regie: Joana Hadjithomas, Khalil Joreige) und „Die Mädchen von Rochefort“ (Frankreich 1967, Regie: Jacque Demy) gezeigt. Eine schöne Auswahl sehenswerter Filme.

Ergänzend läuft im Hauptprogramm ihr neuer Film „Madame empfiehlt sich“ (Regie: Emmanuelle Bercot), der auch schon auf der Berlinale lief.

Dort läuft auch „Blau ist eine warme Farbe“ von Abdellatif Kéchiche. Sein dreistündiges Zwei-Personenstück erhielt dieses Jahr in Cannes die Goldene Palme. Ebenso Cédric Klapischs „Beziehungsweise New York“ mit Romain Duris und Audrey Tautou über einen Umzug von Frankreich nach Chinatown. Christian Duguays „Jappeloup“ ist ein Film für die Sport- und Pferdefilmfans. Er erzählt die Geschichte von Pierre Durand, der in den frühen Achtzigern vom Anwalt zum Springreiter umsattelt und es mit seinem Pferd Jappeloup bis zu den Olympischen Spielen in Los Angeles schafft. Luc Jacquet erkundet in seiner im tropischen Regenwald gedrehten Dokumentation „Das Geheimnis der Bäume“. Alain Ughettos für den Europäischen Filmpreis nominierter Animationsfilm „Jasmine“ erzählt von dem Leben in Teheran und Frankreich in den siebziger Jahren. Nicht gerade ein Kinderfilm.

Ein besonderes Vergnügen ist „Maman und ich“ (Les Garcons et Guillaume, à table!). Guillaume Galliennes Film startete gerade in Frankreich und eroberte mit 600.000 Besuchern den ersten Platz der Kinocharts. Der deutsche Kinostart ist für den 5. Juni 2014 geplant.

In dem Fast-Einpersonenstück – denn Gallienne spielt als Erzähler auf einer Theaterbühne so gut, dass alle anderen Schauspieler zu Statisten werden – erzählt Guillaume von seiner jahrelangen, unerwiderten Liebe zu seiner dominanten Mutter – und weil es ein französisches Stück ist, ist „Maman und ich“ tiefsinnig, witzig, lebensbejahend und voller grandios gebrochener Klischees. Denn die gesamte Geschichte wird ja ausschließlich aus Guillaumes Perspektive erzählt. Nicht auszudenken, was für ein deprimierender Film bei der Geschichte aus Deutschland gekommen wäre.

Weitere Informationen zu den Filmen und das vollständige Programm gibt es hier.


TV-Tipp für den 4. Dezember: Cassandras Traum

Dezember 4, 2013

Arte, 20.15

Cassandras Traum (USA/Fr 2007, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.

Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt. 

Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell

Wiederholung: Freitag, 6. Dezember, 14.05 Uhr

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cassandras Traum“

Rotten Tomatoes über “Cassandras Traum”

Wikipedia über “Cassandras Traum” (deutsch, englisch)

Ain’t it Cool redet mit Woody Allen über „Cassandras Traum“

Macleans: Interview mit Woody Allen (Januar 2008 )

OutNow.ch: Hayley Atwell über “Cassandras Traum”

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „Blue Jasmine“ (Blue Jasmine, USA 2013)

Woody Allen in der Kriminalakte  


DVD-Kritik: Ben Kingsley hat „Das Gesetz in meiner Hand“

Dezember 3, 2013

 

Seit einigen Jahren ist Sir Ben Kingsley, der für „Ghandi“ einen Oscar als Bester Hauptdarsteller erhielt und später unter anderem in „Schindlers Liste“, „Der Tod und das Mädchen“, „Bugsy“, „Haus aus Sand und Nebel“, „Shutter Island“ und „Hugo Cabret“ überzeugte, baute seit 2000 mit „Sexy Beast“ als furchteinflössender Bösewicht einen Nebenstrang mit Anti-Ghandi-Rollen auf. Zuletzt, mit gewissen Abstrichen, in „Iron Man 3“ und „Ender’s Game“.

Auch „Das Gesetz in meiner Hand“ gehört zu diesen Anti-Ghandi-Rollen. Denn er spielt einen namenlosen Erpresser, der mit der Sprengung von fünf Bomben in Columbo, Sri Lanka, droht, wenn die Regierung nicht auf seine Forderung nach der Freilassung von vier zu Haftstrafen verurteilten Terroristen eingeht.

Chandran Rutnams Thriller ist ein Remake des bei uns nie gezeigten, hochgelobten Thrillers „A Wednesday“ (Indien 2008, Regie/Drehbuch: Neeraj Pandey) und dank der kurzen Laufzeit von 78 Minuten (ohne Abspann) und der Konzentration auf das Duell zwischen dem Erpresser (Ben Kingsley) und dem Polizeichef Morris da Silva (Ben Cross, der als am Schreibtisch sitzender Verhandlungsführer allerdings wenig zu tun hat) und den Ermittlungen der Polizei nicht langweilt und zwei hübsche Schlusspointen hat, die wahrscheinlich jetzt, wenn ich sie ankündige, keine mehr sind. Aber egal.

Das Gesetz in meiner Hand“ ist ein hübscher kleiner Thriller für den Genrejunkie, der an einem exotischen Ort spielt und kurzweilig, mit einem Touch Hongkong-Kino, unterhält.

Das Gesetz in meiner Hand - DVD-Cover

Das Gesetz in meiner Hand (A common man, Sri Lanka/USA 2012)

Regie: Chandran Rutnam

Drehbuch: Chandram Rutnam (nach dem Drehbuch „A Wednesday“ von Neeraj Pandey)

mit Ben Kingsley, Ben Cross, Patrick Rutnam, Frederick-James Lobato, Numaya Siriwardena, Jerome de Silva, Dushyanth Weeraman, Mohamed Adamaly, Kian O’Grady

DVD

Sunfilm/Tiberius Film

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Das Gesetz in meiner Hand“

Wikipedia über „Das Gesetz in meiner Hand“


TV-Tipp für den 3. Dezember: Arizona Junior

Dezember 3, 2013

ZDFkultur, 22.00

Arizona Junior (USA 1987, R.: Joel Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Ganove H. I. McDunnogh und Polizistin Ed lernte sich auf der Polizeistation kennen, weil H. I. ein ziemlich glückloser Gewohnheitsverbrecher ist und entsprechend oft bei ihr im Gefängnis landet. Sie verlieben sich und wollen ein Kind. Aber sie ist unfruchtbar. H. I. hat einen genialen Plan: er entführt einfach einen von den Fünflingen des Möbelmoguls Nathan Arizona. Der Verlust wird ihm schon nicht auffallen. Denkt sich der Gauner. Aber Arizona versteht keinen Spaß. Ein gnadenloser Kopfgeldjäger verfolgt das junge Glück. Und dann sind da noch die Kumpels von H. I..

In dem Frühwerk nehmen die Coen-Brüder sich das US-Bild der heilen Familie vor und ertränken es in schwarzem Humor und absurdem Slapstick. Ein köstlicher Spaß.

mit Nicolas Cage, Holly Hunter, Trey Wilson, John Goodman, William Forsythe, Frances McDormand, M. Emmet Walsh

Wiederholung: Mittwoch, 4. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Arizona Junior“

Wikipedia über „Arizona Junior“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

Ab Donnerstag im Kino

Inside Llewyn Davis - Plakat


DVD-Kritik: „Nach der Revolution“ zeigt Ägypten abseits der Schlagzeilen

Dezember 2, 2013

 

Bei der DVD-Veröffentlichung von Yousry Nasrallahs „Nach der Revolution“ habe ich ja auf ausführliches Bonusmaterial gehofft. Aber zuerst einmal meine sprachlich leicht korrigierte Besprechung zum Filmstart:

Was wissen wir von Ägypten? Außer Pyramiden, Nilstaudämme (aus dem Schulunterricht) und die Bilder von einer friedlichen Revolution 2011. Da versammelten sich Tausende auf dem Tahrir-Platz und demonstrierten gegen das Mubarak-Regime. Am 11. Februar 2011 trat Husni Mubarak nach einer fast dreißigjährigen Regentschaft zurück und es gab eine Abstimmung über eine neue Verfassung. Danach verschwand Ägypten wieder aus den Schlagzeilen und wir erinnern uns kaum noch an die damals gelesenen Artikel und wackeligen YouTube-Videos.

In genau diese Wahrnehmungslücke springt „Nach der Revolution“ von Yousry Nasrallah, der seine Premiere während des 2012er Cannes-Filmfestivals hatte und zwischen 2. Februar 2011, der „Schlacht der Kamele“ auf dem Tahrir-Platz, und dem 9. Oktober 2011, dem „Schwarzen Sonntag“, bei dem die Demonstrationen mit 34 Toten und mehreren Dutzend Verletzten endeten, spielt und während der Ereignisse gedreht wurde. Dabei wollte Yousry Nasrallah 2011 eigentlich einen anderen Film drehen. Alles war drehbereit als die Revolution begann und er beschloss, einen Film darüber zu drehen. Entsprechend improvisiert und spontan entstand das Drehbuch; – mit einer vernachlässigbaren Geschichte. Wenn man will, kann man sagen, dass „Nach der Revolution“ die unglückliche, weil letztendlich unerfüllte Liebesgeschichte von Reem, einer jungen, modernen Frau, zu Mahmoud, einem Beduinen, erzählt und würde die Qualitäten des Films um Galaxien verfehlen. Denn Reems Schwärmerei dient nur dazu, ein Bild von Ägypten vor zwei Jahren zu zeichnen. So ist Reem eine junge, engagierte, in der Werbung arbeitende Frau, die an die Revolution glaubt. Sie möchte Veränderungen. Je schneller, desto besser. Sie redet wie ein Wasserfall, ist ungeduldig und mischt sich – ungefragt – ein. Als sie mit ihrer Freundin Dina nach Nazleem El-Samman fährt, die dort streng rationiertes Futter an die Pferde der notleidenden Beduinen verteilt, sieht sie, wie Mahmoud kein Essen für sein Tier bekommt. Er gehörte zu den Beduinen, die am 2. Februar auf dem Tahrir-Platz waren und die dort die Demonstranten niederknüppelten. Die Bilder gingen via YouTube um die Welt. Jetzt wird er von den anderen Beduinen geschnitten, weil er von seinem Pferd fiel und weinte. Zwei Dinge, die gegen die Beduinenehre verstoßen.

Am Abend sieht sie Mahmoud wieder auf einem von Mubaraks lokalem Statthalter und Großgrundbesitzer ausgerichtetem Reiterfest, auf dem der beste Reiter prämiert wird. Mahmoud darf nicht auf seinem Pferd vortanzen. Er tut es allein auf dem Vorplatz, wird von Reem mit ihrer Kamera gefilmt, entdeckt sie und langsam entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die dazu führt, dass Reem die ihr vollkommen fremde Welt der Bewohner von Nazleem El-Samman kennen lernt. Sie verdienten als folkloristische Touristenführer gutes Geld. 2002 wurde eine Mauer zwischen den Pyramiden von Gizeh und Nazlet El-Samman erbaut, um dort ein Tourismus-Zentrum zu erbauen. Seitdem verarmen sie zusehends. Gleichzeitig verklären sie ihre Vergangenheit als Beduinen.

Reem versucht Mahmouds Familie zu helfen.

Die Schnelligkeit des improvisierten Drehs und der Premiere in Cannes, wenige Wochen nach dem Ende der Dreharbeiten, lassen jede Kritik als kleinkrämerisch erscheinen. Denn gerade diese fast schon teilnehmende Beobachtung der Ereignisse ist die Stärke des Films. „Nach der Revolution“ punktet da, wo ein Dokumentarfilm versagen muss. Nämlich bei dem ungeschönten Blick in die Wirklichkeit, bei der Darstellung der Unterschiede zwischen den Schichten und Gruppen und der Machtstrukturen. Denn in Interviews stellt man sich immer im positiven Licht dar. Man sagt einiges nicht vor laufender Kamera. Man hätte gegen bestimmte Passagen Einwände. Aber in einem Hintergrundgespräch oder einer Diskussion für einen Film, auch wenn das Gespräch dann fast unverändert verwandt wird, ist das etwas anderes. Und bei den Dreharbeiten spielt man ja immer eine Rolle. Man ist zwar Reiter in Nazlet El-Samman, aber man ist nicht dieser Reiter in dem Film.

Yousry Nasrallah bedient sich der Fiktion, um die Wirklichkeit zu zeigen. Deshalb wird man wohl keinen besseren und genaueren Einblick in das Ägypten des Jahres 2011 bekommen. „Nach der Revolution“ zeigt die Utopien, wie die Menschen zusammen kamen und die Probleme in der ägyptischen Gesellschaft. Vor allem die riesigen ökonomischen Unterschiede, die strukturellen Machtstrukturen und wie sie sich in den Handlungen der Menschen widerspiegeln und die verschiedenen Wertvorstellungen zwischen einer aufgeklärten-städtischen und einer ländlich-archaischen Gesellschaft. Wobei Mahmouds Frau Fatma erstaunlich emanzipiert ist. Sie ist als zweifache Mutter fast schon emanzipierter als Reem, die nach einer unglücklichen Liebe auch einen neuen Freund sucht.

Nach der Revolution“ endet am 9. Oktober 2011. Alle Charaktere haben sich etwas verändert – und wir verstehen nach den zwei Filmstunden die Ereignisse in Ägypten besser.

Jetzt, über ein halbes Jahr, nachdem ich den Film im Kino sah, habe ich dem nichts hinzufügen. Außer der wiederholten Empfehlung, sich unbedingt den dokumentarischen Film anzusehen.

Leider wurde bei der DVD auf jegliches Bonusmaterial verzichtet. Und dabei hätte es, auch ohne weitere Ausgaben, einiges gegeben: zum Beispiel das informative Presseheft oder eine der Pressekonferenzen zum Film.

Nach der Revolution - DVD-Cover - 4

Nach der Revolution (Baad el Mawkeaa/After the Battle, Frankreich/Ägypten 2012)

Regie: Yousry Nasrallah

Drehbuch: Yousry Nasrallah, Omar Shama

mit Menna Shalabi, Bassem Samra, Nahed El Sebaï, Salah Abdallah, Phaedra, Abdallah Medhat, Momen Medhat

DVD

Polyband

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Arabisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Nach der Revolution“

Moviepilot über „Nach der Revolution“

Rotten Tomatoes über „Nach der Revolution“

 Wikipedia über „Nach der Revolution“ (englisch, französisch)

Süddeutsche Zeitung: Interview mit Yousry Nasrallah über “Nach der Revolution”

YouTube-Kanal von Yousry Nasrallah

Meine Besprechung von Yousry Nasrallahs „Nach der Revolution“ (Baad el Mawkeaa/After the Battle, Frankreich/Ägypten 2012)


TV-Tipp für den 2. Dezember: Im Vorhof der Hölle

Dezember 2, 2013

Arte, 22.50 (VPS 22.05)

Im Vorhof der Hölle (USA 1990, R.: Phil Joanou)

Drehbuch: Dennis McIntyre

Terry Noonan kehrt zurück in sein altes Viertel Hell’s Kitchen und trifft sich auch gleich wieder mit seinen alten Gangsterkumpels. Was diese nicht wissen: inzwischen ist Terry bei der Polizei.

Klasse Neo-Noir-Krimi, der damals etwas unterging und, optisch und schauspielerisch brillant, in bekannten Gewässern fischt.

Mit Sean Penn, Gary Oldman, Robin Wright, John Turturro, Burgess Meredith, John C. Reilly

auch bekannt als „Im Vorhof zur Hölle“

Wiederholung: Freitag, 13. Dezember, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Vorhof der Hölle“

Wikipedia über „Im Vorhof der Hölle“ (deutsch, englisch)

The Film Temple über „Im Vorhof der Hölle“

Arte über „Im Vorhof der Hölle“


TV-Tipp für den 1. Dezember: El Dorado

Dezember 1, 2013

Pro 7 Maxx, 20.15

El Dorado (USA 1966, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Wiederholung: Montag, 2. Dezember, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über “El Dorado”


TV-Tipp für den 30. November: Pi

November 30, 2013

ZDFkultur, 23-45

Pi (USA 1998, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Darren Aronofsky (nach einer Geschichte von Darren Aronofsky, Sean Gullette und Eric Watson)

Maximilian Cohen ist ein begnadeter, aber auch seltsamer Mathematiker, der die Weltformel sucht und von kabbalistischen Mystikern und skrupellosen Börsenspekulanten bedroht wird.

Aronofskys Debütfilm, ein experimenteller SW-Paranoia-Thriller, war ein Erfolg bei der Kritik und auch an der Kasse; was natürlich bei dem Minibudget nicht so schwierig war.

Nach der ersten quälenden halben Stunde entwickelt ‘Pi’ eine eigenartige Faszination – nicht nur für Anhänger der Chaostheorie und Liebhaber experimenteller Spielereien.“ (Margret Köhler, AZ, 8. April 1999)

Mit Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman, Pamela Hart, Stephen Pearlman, Samia Shoaib

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Pi – Der Film“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys “Black Swan” (Black Swan, 2010)


DVD-Kritik: Männlichkeitsrituale in der „Killing Season“

November 29, 2013

 

Ein Duell zwischen zwei Männern in der Wildnis mit Robert De Niro und John Travolta in den Hauptrollen. Das klingt doch ziemlich vielversprechend. Aber „Killing Season“ gehört dann doch eher in die Kategorie „auch für Genrejunkies verzichtbar“ und „nur für Komplettisten“. Denn auch die schönen Landschaftsaufnahmen, die in ihrer epischen Länge dem Werk wahrscheinlich eine tiefsinnige Bedeutung verleihen sollen, aber so tiefsinnig wie Kalenderbilder sind, strecken die dünne Geschichte um mehrere Minuten auf dreiundneunzig Minuten. Ohne Abspann.

John Travolta spielt Emil Kovac, einen Serben mit höchst seltsamer Bartrasur. Yeah, das erinnert an die seeligen Hollywood-Zeiten, als der Deutsche Peter Lorre einen Asiaten spielen musste.

Kovac will sich an Benjamin Ford (Robert De Niro) rächen. Der Soldat gehörte vor achtzehn Jahren zu einer Nato-Einheit, die nach irgendeinem Massaker mehrere ganz böse Serben erschoss. Kovac überlebte allerdings und jetzt, nachdem er weiß, wer ihn damals umbringen wollte, will er ihn umbringen.

Und dann kloppen und jagen die beiden sich durch die Appalachen, schießen mit Pfeil und Bogen und Gewehr aufeinander, benutzen Messer und Fäuste, zerstören auch ein Auto und forcieren ein Pseudo-Macho- und Krieg-ist-doof-Bild, das nie glaubhaft ist. Auch die Gegenüberstellung der beiden Charaktere, der eine hasserfüllt bis zum Gehtnichtmehr, der andere nach seinen Kriegserlebnissen friedfertig fotografierend im selbstgewählten Exil lebend, ist nur verquer. Ebenso die Botschaft des Films, die bestenfalls gut gemeint ist. Aber gut gemeint ist mal wieder das Gegenteil von gut gemacht.

Und dabei hätte „Killing Season“ – was sicher so geplant war – ein in der Gegenwart spielender Western werden können. Aber dafür hätte man ein besseres Drehbuch und einen besseren Regisseur gebraucht.

Sam Peckinpah, Walter Hill und William Friedkin (in dem ungleich gelungenerem „Die Stunde des Jägers“) haben ähnliche Geschichten inszeniert. Besser. Viel besser. Auch John McTiernan („Predator“, „Stirb langsam“, „Last Action Hero“), der ursprünglich als Regisseur im Gespräch war, wäre sogar im Wachkoma ein besserer Regisseur als Mark Steven Johnson gewesen. Seine bekanntesten Filme sind „Daredevil“ und „Ghost Rider“.

Killing Season - DVD-Cover - 4

Killing Season (Killing Season, USA 2013)

Regie: Mark Steven Johnson

Drehbuch: Evan Daugherty

mit Robert De Niro, John Travolta, Milo Ventimiglia, Elizabeth Olin, Diana Lyubenova, Kalin Sarmenov

DVD

Splendid

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, B-Roll

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über „Killing Season“

Rotten Tomatoes über „Killing Season“

Wikipedia über „Killing Season“

Mehr Horror gefälig?

Deutscher Kinostart von „Zwei vom alten Schlag“ (Grudge Match) ist am 9. Januar.


TV-Tipp für den 29. November: Das Gesetz der Begierde

November 29, 2013

3sat, 22.35

Das Gesetz der Begierde (Spanien 1986, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Pablo liebt Juan. Antonio liebt Pablo und Pablos Schwester Tina, die früher ein Mann war. Und schon dreht sich das Liebes- und Eifersuchtskarussell.

Der Showdown ist schlichtweg genial, und zwar gerade weil er unüberbietbar kitschig ist. (…) Der Rest stellt sich als banale Eifersuchtsgeschichte unter Schwulen dar“, urteilte der Fischer Film Almanach damals über Almodóvars Frühwerk, das auch international Kasse machte.

mit Eusebio Poncela, Carmen Maura, Antonio Banderas, Miguel Molina

Hinweise

Wikipedia über „Das Gesetz der Begierde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Markus Imbodens Romanverfilmung „Am Hang“

November 28, 2013

Markus Imboden ist vor allem für seine gelungenen TV-Arbeiten, meistens im Krimibereich, bekannt. Er drehte mehrere „Bella Block“- und „Ein starkes Team“-Filme, „Mörderische Jagd“ und den Zweiteiler „Das Konto“. Auch sein neuer Kinofilm „Am Hang“, nach dem Bestseller von Markus Werner, hat etwas von einem Krimi. Denn Felix (Henry Hübchen) ertrinkt im Selbstmitleid, ist verzweifelt, latent suizidgefährdet und extrem wütend. Nach fünfzehn Jahren hat ihn seine Frau Valerie (Martina Gedeck) endgültig und für immer verlassen. Wegen eines anderen Mannes. Am liebsten würde der Orchestermusiker den Liebhaber umbringen. Wenn er denn wüsste, wer er ist.

In einem Hotelrestaurant trifft er auf Thomas (Max Simonischek) und sie beginnen sich zu unterhalten. Für den deutlich jüngeren Anwalt Thomas gibt es die große Liebe nicht. Es gibt nur One-Night-Stands und flüchtige Abenteuer und er erzählt dem seltsamen Fremden von Bettina, die ihn verlassen hat.

Weil Imboden die Erzählungen der beiden Männer mit Rückblenden illustriert, wissen wir lange vor Felix, dass Bettina und Valerie die gleiche Frau sind. Und während Martina Gedeck als somnambule Schönheit mit psychischen Problemen, weshalb sie auch in einer Klinik war, die Felix von seinem Hotelzimmer aus beobachten kann, im Romy-Schneider-Gedächtnismodus eher schweigsam als Projektionsfläche der beiden Männer durch den Film wandelt, dürfen wir viel Zeit mit Felix und Thomas verbringen, die sich beide erfolgreich bemühen, möglichst unsympathisch zu sein. Der eine ist eine manisch depressive Nervensäge, die erfolgreich anderen die letzten Nerven raubt und seine, wie er sagt, verstorbene Frau verklärt. Der andere ist ein erfolgreicher Anwalt und Schnösel, der im wirklichen Leben wahrscheinlich keine zwei Minuten mit Felix (außer natürlich er würde dafür bezahlt) verbringen würde. Im Film müssen wir allerdings glauben, dass Thomas sich, nachdem er an einem Bahnübergang schon eine sehr unglücklich verlaufene Begegnung mit Felix hatte, sich freiwillig zu ihm setzt und mit diesem Stinkstiefel plaudert und plaudert und plaudert. Nicht nur einmal, sondern mehrmals. Und das in gestelzten Theaterdialogen über die Frage, ob es die einzig wahre, ewige Liebe gibt.

Jedenfalls solange, bis wir aus heiterem Himmel erfahren, dass der selbstmitleidige Felix Valeries Liebhaber umbringen möchte – und das ist noch nicht die letzte vollkommen aus der Luft gegriffene überraschende Wendung.

Während schon das Gespräch und die Beziehung zwischen Felix und Thomas extrem künstlich ist, werden die Zufälle, die es in „Am Hang“ im Übermaß gibt, gegen Filmende noch abstruser, was auch daran liegt, dass hier nur Thesenträger aufeinanderprallen und es deshalb auch egal ist, ob und wie die Handlungen der Charaktere motiviert sind.

Am Ende fragt man sich, was einem Markus Imboden erzählen wollte. Denn die nur durch Zufälle zusammengehaltene Geschichte mit unsympathischen Menschen, die emotioanl nie berühren und deren Handlungen wir nie wirklich nachvollziehen können, bleibt immer nur ausgedachtes Thesenkino ohne eine tragende These.

Vielleicht funktioniert die Geschichte besser als Roman oder als Theaterstück. Als Film funktioniert „Am Hang“ nicht.

Am Hang - Plakat

Am Hang (Schweiz/Deutschland 2013)

Regie: Markus Imboden

Drehbuch: Klaus Richter, Martin Gypkens, Markus Imboden (Drehfassung)

LV: Markus Werner: Am Hang, 2004

mit Henry Hübchen, Martina Gedeck, Max Simonischek, Sophie Hutter, Ernst C. Sigrist

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Am Hang“

Moviepilot über „Am Hang“

Wikipedia über „Am Hang“

Perlentaucher über „Am Hang“


Neu im Kino/Filmkritik: Schöne „Tage am Strand“ mit schönen Müttern und schönen Söhnen

November 28, 2013

Roz und Lil sind seit ihrer Kindheit Freundinnen und während sie am Strand liegen, sehen sie bewundernd und zufrieden ihre Kinder an. Denn Ian und Tom sind zwei gutaussehende Surfer, die auch etwas im Kopf haben und sich eigentlich demnächst eine Freundin aus den Schönheiten des Ortes suchen müssten. Das tun sie auch, aber anders als es nach den bürgerlichen Moralvorstellungen gewünscht wird.

Denn Lils Sohn Ian (Xavier Samuel) geht mit Roz (Robin Wright) ins Bett und Roz‘ Sohn Tom (James Frecheville) geht mit Lil (Naomi Watts) ins Bett und Regisseurin Anne Fontaine behandelt diese beiden Liebesgeschichten als ob es das normalste auf der Welt wäre, mit der besten Freundin seiner Mutter ins Bett zu gehen; – wobei natürlich zwei extrem gutaussehende Mütter gewählt wurden und auch die beiden Söhne extrem gutaussehend sind. Auch die Landschaft, – gedreht wurde in dem australischen Küstenort Seal Rocks -, sieht traumhaft aus. Und so schleicht sich schnell mehr als eine Spur Seifenoper in diese auf einer Kurzgeschichte der am 17. November 94-jährig verstorbenen Doris Lessing basierenden unglaubwürdigen Liebesgeschichte. Auch die hölzernen Dialoge gehen in Richtung Seifenoper.

Drehbuchautor Christopher Hampton („Gefährliche Liebschaften“, „Der stille Amerikaner“, „Eine dunkle Begierde“, „Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“) und Regisseurin Anne Fontaine („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“) gelingt es nie, die Idee der doppelten Liebesgeschichte in eine glaubwürdige Form zu bringen. „Tage am Strand“ bleibt immer ein Konstrukt. Es bleibt ein lebloses Gedankenexperiment, qualitativ hübsch angerichtet, aber emotional nicht berührend, fast schon eine leichte Ennui auslösend.

Da helfen auch nicht mehr die elegante, auf jedes Skandalisierung verzichtende Inszenierung und die guten Schauspieler. Ben Mendelsohn hat dabei für seine Nebenrolle eine Extra-Erwähnung verdient. Er spielt den Ehemann von Roz, der in Sydney eine Professur annimmt und sich von ihr trennt, weil Roz den Küstenort nicht verlassen will, als entspannten, lebensklugen Wissenschaftler, der spätestens nachdem Roz lieber ihn als Lil verlässt, weiß, dass er in dieser Freundschaft immer die zweite Geige spielen wird. Trotzdem bleiben sie freundschaftlich miteinander verbunden. Mendelsohn spielte zuletzt in „Killing them softly“ und „The Place beyond the Pines“ ganz anders gelagerte, aber nicht minder prägnante Nebenrollen.

Tage am Strand - Plakat

Tage am Strand (Adore, Australien/Frankreich 2013)

Regie: Anne Fontaine

Drehbuch: Christopher Hampton

LV: Doris Lessing: The Grandmothers, 2003 (Die Großmütter, Erzählung)

mit Naomi Watts, Robin Wright, Xavier Samuel, James Frecheville, Sophie Lowe, Jessica Tovey, Gary Sweet, Ben Mendelsohn

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Anmerkung: Bei der FSK ist „Two Mothers“ als Originaltitel genannt, was auch daran liegt, dass die Macher verschiedene Titel probierten und „Tage am Strand“ je nach Land und Zeitpunkt verschiedene Titel hat.

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tage am Strand“

Moviepilot über „Tage am Strand“

Metacritic über „Tage am Strand“

Rotten Tomatoes über „Tage am Strand“

Wikipedia über „Tage am Strand“ und Doris Lessing (deutsch, englisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Let’s Dance im „Battle of the Year“

November 28, 2013

Ich gestehe: Dafür, dass ich von dem Film absolut nichts erwartete (außer dass er mir die Zeit bis zu meiner Verabredung verkürzte) und dass ich kein Fan von Tanzfilmen bin, hat mir Benson Lees „Battle of the Year“ ziemlich gut gefallen.

Macht ihn das zu einem guten Film? Einem sehenswertem Werk?

Nein, denn Benson Lee, der bereits den Dokumentarfilm „Planet B-Boy“ über das „Battle of the Year“, der – kurz gesagt – Olympiade der B-Boys, in der Breakdancer ihr Land repräsentierend tanzend gegeneinander antreten, ist ein Tanzfilm mit erstaunlich wenigen Tanzszenen und einer Story, die ungefähr die Tiefe eines Berichts aus dem Trainingslager bei „Deutschland sucht den Superstar“ erreicht. Denn – so die Filmgeschichte – nach fünfzehn Jahren will Hip-Hop-Produzent Dante Graham (Laz Alonso), dass endlich wieder ein US-Team den Wettbewerb gewinnt. Er kann seinen alten Freund Jason Blake (Josh Holloway), der nach dem Verlust seiner Familie bei einem Autounfall zum Trinker wurde, überzeugen, das Training der B-Boys zu übernehmen. Blake will es natürlich nur nach seinen Bedingungen tun und er hat auch gleich einige Ideen: er sucht die besten Breakdancer der gesamten USA und formiert sie in einem harten Training, bei dem pro Woche einer seine Rückfahrkarte erhält, bis nur noch 13 Jungs übrig sind, die dann in Montpellier beim Battle of the Year die Ehre der USA verteidigen dürfen.

Dass bei einem Tanzfilm die Story nur schmückendes Ornament ist, während die Tänze im Mittelpunkt stehen, gehört zum Genre, aber gerade weil die Macher von „Battle of the Year“ keinen normalen Tanzfilm machen wollten, gab es für meinen Geschmack zu wenige ausführliche Tanzszenen. Vor allem Tanzszenen, die eine Geschichte oder Teil der Filmhandlung und nicht schmückendes Beiwerk sind. Das fällt besonders bei dem abschließendem Tanzwettbewerb auf. Denn das US-Team zeigt dann eine – wahrscheinlich – schöne Choreographie, die die Geschichte der afroamerikanischen Kultur und Musik erzählt. Weil sie aber, wie alle Tanzszenen auf wenige Höhepunkte zerstückelt wurde, bleibt von der Choreographie fast nichts übrig. Weil sie auch vorher, während des Trainings niemals erwähnt wurde (was ein guter Subplot gewesen wäre, in dem man auch mühelos einiges über die Hip-Hop-Kultur und den Melting Pot USA hätte erzählen können), wirkt sie wie eine hastig eingefügte späte Rechtfertigung für die von Blake engagierte Choreographin Stacy (Caity Lotz), die einzige Frau im Trainingslager, die sich sofort den Respekt der Jungs verschafft, indem sie sagt, dass ihr Geschlecht egal sei. Das Problem hatte Blakes rechte Hand Franklyn (Josh Peck) nie. Er darf sogar den letzten Tänzer, der nicht mit nach Frankreich reisen darf, auswählen.

Das Trainingslager in einem stillgelegtem Gefängnis, das sie nicht verlassen dürfen, wirkt wie ein einziger Urlaub. Sozusagen Club-Med im Mehrbettzimmer. Dabei beweist jede Tanzszene das Gegenteil. Die Tänzer müssen sehr fit sein und sie können sich jederzeit verletzten. Aber während der gesamten Trainingswochen verletzt sich nur ein Tänzer.

Während des Trainings gibt es dann haufenweise teambildende Reden von Blake, die immer an der Parodie vorbeischrammen. Unklar ist dabei, von welcher Seite.

Die Tanzszenen wurden von echten B-Boys durchgeführt. Entsprechend beeindruckend sind sie und sie wurden auch kaum geschnitten. Schauspielerisch wurden die Tänzer dagegen nicht weiter gefordert.

Battle of the Year“ ist ein klischeetriefender Wettbewerbsfilm, in dem auch getanzt wird.

Anmerkung: In der Originalfassung gibt es beim „Battle of the Year“ einige schöne Szenen, wenn Moderatoren aus verschiedenen Ländern von dem Wettbewerb berichten und unsere Pro7-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt auf Englisch von den Spielen berichten. Da soll noch einer etwas von Unterschicht-Fernsehen sagen.

Battle of the Year - Plakat

Battle of the Year (Battle of the Year, USA 2013)

Regie: Benson Lee

Drehbuch: Brinn Hall, Chris Parker

mit Josh Holloway, Josh Peck, Laz Alonso, Caity Lotz, Chris Brown, Ivan ‚Flipz‘ Velez, Jonathan Cruz, Richard Maguire, Jesse ‚Caspar‘ Brown, David ‚Kid David‘ Shreibman, Anis Cheurfa, Steve Terada, Gil Brace-Wessel, Joshua Lee ‚Milky‘ Ayers, Sammy Soto, Richard ‚Abstrak‘ Soto, Luis Rosado

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Battle of the Year“

Moviepilot über „Battle of the Year“

Metacritic über „Battle of the Year“

Rotten Tomatoes über „Battle of the Year“

Wikipedia über den Film „Battle of the Year“ und das wahre Battle of the Year (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 28. November: Zerrissene Umarmungen

November 28, 2013

3sat, 22.25

Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodóvar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Hinweise

Film-Zeit über „Zerrissene Umarmungen“

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutschenglisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Fliegende Liebende“ (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


DVD-Kritik: Über „Schritte in der Nacht“, das Vorbild für „Dragnet“

November 27, 2013

Auch der zwölfte Film in der uneingeschränkt lobenswerten Film-Noir-Collection von Koch Media ist eine lohnenswerte Wiederentdeckung. Denn „Schritte in der Nacht“ von Alfred L. Werker ist zwar kein sattsam bekannter Noir-Klassiker, kein Film, der im Jahresturnus im TV läuft und auch kein waschechter Noir, aber ein flott inszenierter Polizeifilm mit mehr als deutlichen Noir-Spuren.

Offiziell basiert „Schritte in der Nacht“ auf einem wahren Fall und er präsentiert diese auch so, wie sie waren. Nur die Namen wurden geändert, verkündet am Anfang eine autoritäre Stimme. Nun, das stimmt so nicht. Denn die Filmemacher veränderten auch etliche weitere Fakten. Davon abgesehen bieten sie, wie einige Jahre später die einflussreiche von „Schritte in der Nacht“-Nebendarsteller Jack Webb erfundene TV-Serie „Dragnet“ („Polizeibericht“; für den „Schritte in der Nacht“ das Vorbild war), einen Einblick in die reale Polizeiarbeit. Die Detectives sind hart arbeitende, honorige Männer. Polizeiarbeit wird als Teamarbeit gezeigt, in der Polizisten und Forensiker, lange vor „CSI“, gut zusammenarbeiten. Dennoch ist Polizeiarbeit weitgehend langwierige und oft ergebnislose Beinarbeit, die kein Superhirn, sondern Beharrlichkeit erfordert.

Ein Mann erschießt in Los Angeles kaltblütig einen Polizisten. Er verschwindet spurlos in der Nacht. Die sofort angeordneten Fahndung bringt keine Ergebnisse. In den Verbrecherakten findet sich keine Spur und auch im kriminellen Milieu weiß niemand etwas über den Polizistenmörder. Erst als ein Kriminaltechniker eine Verbindung zwischen dem Mord und anderen, vollkommen anders begangenen Verbrechen entdeckt, haben die Detectives eine erste vielversprechende Spur.

Alfred L. Werker, Anthony Mann (dessen ungenannte Mitarbeit an dem Film damals ein offenes Geheimnis war und der wahrscheinlich die Szenen mit dem Mörder und die Actionszenen inszenierte) und Noir-Kameramann John Alton inszenierten die Szenen mit dem Mörder Roy Martin/Ray Morgan (Richard Basehart) oft in den typischen Noir-Perspektiven und es gibt drei großartige Actionszenen, in denen Spannung nicht durch laute Musik, sondern durch Bilder generiert wird: in einer Firma wollen die Polizisten dem Mörder stellen. Aber dieser ahnt etwas und es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem sie umeinander herumschleichen, bis ein Schusswechsel tödlich endet. Später wollen die Polizisten ihn in seiner Wohnung, einem Apartment in einer Apartmentsiedlung, stellen. Aber, gewarnt durch seinen Hund, gelingt ihm die Flucht in die riesigen Abwasserkanäle, die er bereits früher für die Flucht von seinen Tatorten benutzte. Hier entspinnt sich die finale Verfolgungsjagd. Sie wurde vor der heute legendären Verfolgungsjagd in „Der dritte Mann“ gedreht.

So spannend „Schritte in der Nacht“ als taffer noirischer Polizeithriller auch ist, so ärgerlich rudimentär ist die Zeichnung der Charaktere. Während man das bei den Polizisten noch als Stilmittel entschuldigen kann, ist es bei Martin ärgerlich. Denn wir erfahren nichts über ihn, vor allem nicht, warum er die Taten beging. Da helfen auch nicht die Noir-Kamerawinkel, die uns verraten, dass Martin schwere psychische Probleme hat.

In dem gewohnt informativen Booklet verrät Thomas Willmann einiges über die wahren Hintergründe. So war Martin, in Wirklichkeit Erwin Walker, ein psychisch kranker Kriegsveteran, der mit seinen Überfällen eine elektronische Radar-Kanone, die Metall pulverisieren kann, finanzieren wollte. Mit ihr wollte er die US-Regierung erpressen, den Soldatensold so sehr zu erhöhen, bis das Führen von Kriegen zu teuer würde. Das klingt nach einem Plan, der einen James-Bond-Schurken in Ehrfurcht erstarren lässt, und der ungefähr so durchgeknallt wie der von General Francis X. Hummel in dem Michael-Bay-Actionfilm „The Rock – Fels der Entscheidung“ ist.

Die Ausstattung der DVD unterscheidet sich nicht von den vorherigen Teilen der „Film Noir Collection“: das Bild ist überraschend gut und der Text von Thomas Willmann gewohnt informativ.

Schritte in der Nacht - DVD-Cover

Schritte in der Nacht (He walked by Night, USA 1948)

Regie: Alfred L. Werker, Anthony Mann (ungenannt)

Drehbuch: Crane Wilbur, John C. Higgins (nach einer Idee von Crane Wilbur)

mit Richard Basehart, Scott Brady, Roy Roberts, Whit Bissel, Jim Cardwell, Felice Ingersol, Jack Webb

DVD

Koch Media (Film-Noir-Collection 12)

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie, 12-seitiges Booklet (von Thomas Willmann)

Länge: 76 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Turner Classic Movies über „Schritte in der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Schritte in der Nacht“

Wikipedia über „Schritte in der Nacht“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Schritte in der Nacht“

Der Film bei Archive.org


TV-Tipp für den 27. November: Tatort: Schicki-Micki

November 27, 2013

WDR, 22.15

Tatort: Schicki-Micki (D 1985, R.: Hans-Reinhard Müller)

Drehbuch: Herbert Riehl-Heyse, Ernst Fischer

Ein Journalist wird erschlagen und Kommissar Lenz muss, sich sichtlich unwohl fühlend, in der Münchner Schickeria ermitteln.

Etwa zeitgleich mit „Kir Royal“ entstand auch dieses satirische Sittengemälde der Münchner Gesellschaft. Kein Wunder, schließlich schrieb der 2003 verstorbene Herbert Riehl-Heyse von der Süddeutschen Zeitung mit am Drehbuch.

Mit Helmut Fischer, Henner Quest, Rolf Castell, Willy Harlander, Hannelore Elsner, Erich Hallhuber, Felix von Manteuffel, Hans-Reinhard Müller

Hinweis

Tatort-Fundus über Kommissar Lenz


TV-Tipp für den 26. November: The Big Eden

November 26, 2013

Arte, 20.15

The Big Eden (Deutschland 2011, Regie: Peter Dörfler)

Drehbuch: Peter Dörfler

Da müsst ihr durch. Das ist Berlin-Geschichte. Diese Doku über Rolf Eden, den ehemaligen Nachtclub-Besitzer und Playboy.

mit Rolf Eden

Hinweise

Arte über „The Big Eden“

Film-Zeit über „The Big Eden“

Moviepilot über „The Big Eden“

 

 


TV-Tipp für den 25. November: Wenn es Nacht wird in Paris

November 24, 2013

 

Arte, 20.15

Wenn es Nacht wird in Paris (Frankreich/Italien 1954, R.: Jacques Becker)

Drehbuch: Jacques Becker, Maurice Griffe, Albert Simonin

LV: Albert Simonin: Touchez pas au grisbi, 1953 (Wenn es Nacht wird in Paris)

Max und Riton planen einen letzten Coup, der gründlich schief geht.

Gangsterfilmklassiker, der neben „Rififi“ den Beginn des französischen Unterweltfilms, den wir alle lieben, markiert.

Albert Simonin (1905 – 1980) war neben Auguste Le Breton der Begründer des modernen französischen Kriminalromans. Sie verwandten in ihren Romanen die französische Umgangssprache und lieferten präzise Studien des Gangstermilieus. Simonins Grisbi-Romane und die Hotu-Trilogie gehören zu den Klassikern, die dem Polar zu seiner unverwechselbaren Sprache verholfen haben. – In Deutschland sind seine Bücher derzeit nicht erhältlich. Die Verfilmungen seiner Romane (z. B. „Wenn es Nacht wird in Paris“, „Die Millionen eines Gehetzten“) und Drehbücher (z. B. „Lautlos wie die Nacht“) werden ab und an gezeigt.

Mit Jean Gabin, René Dary, Jeanne Moreau, Dora Doll, Gaby Basset, Lino Ventura (Debüt)

Hinweise

Arte über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Criterion über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Noir of the Week: Guy Savage über „Wenn es Nacht wird in Paris“

Wikipedia über „Wenn es Nacht wird in Paris“ (englisch, französisch)