TV-Tipp für den 24. November: Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123

November 24, 2013

Tele 5, 20.15

Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 (USA 1974, R.: Joseph Sargent)

Drehbuch: Peter Stone

LV: John Godey: The taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelhalm 1 Uhr 23)

Immer noch hochspannender Thriller über die Entführung einer New Yorker U-Bahn.

Das okaye, aber blasse Remake kann man sich schenken. Den Roman sollte man lesen.

Mit Walter Matthau, Robert Shaw, Martin Balsam, Hector Elizondo, Earl Hindman, James Broderick, Dick O’Neill, Lee Wallace

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“

Wikipedia über „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte über das Remake

Meine Besprechung von John Godeys “Abfahrt Pelham 1 Uhr 23” (The taking of Pelham One Two Three, 1973)


TV-Tipp für den 23. November: The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre

November 23, 2013

RBB, 22.15

The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre (USA 1998, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Clyde Hayes

LV: John Grisham (Originalstory – soweit bekannt nicht veröffentlicht)

Anwalt Rick Magruder verknallt sich in Mallory Doss und bemerkt nicht, wie sehr sie ihn für ihre Interessen benutzt.

Die erfolgloseste und – so auch meine Ansicht – die beste Grisham-Verfilmung. Altman verfilmte einen Drehbuch-Entwurf, den Grisham vor seinem Leben als Bestseller-Autor schrieb, und das Studio startete den Film – nach einem Streit mit Altman über die endgültige Fassung – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Grisham-Bücher und deren Verfilmungen löst der Held, natürlich ein Anwalt, nicht das Problem, sondern er ist das Problem. In dem düsteren Südstaaten-Thriller glänzen etliche Stars: Kenneth Branagh, Robert Downey Jr., Embeth Davidtz, Robert Duvall, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen

Hinweise

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

Rotten Tomatoes über „The Gingerbread Man“


TV-Tipp für den 22. November: James Bond: Der Hauch des Todes

November 22, 2013

ZDFneo, 20.15 (Wiederholung um 23.50 Uhr)

JAMES BOND: Der Hauch des Todes (GB 1987, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: The living daylights, 1962 (Duell mit doppeltem Einsatz, Kurzgeschichte)

Bond soll einem russischen Agenten zur Flucht verhelfen. Aber dieser treibt ein doppeltes Spiel.

Der erste Bond mit Timothy Dalton ist ein rundum unterhaltsamer Familienfilm: etwas Action (jugendfrei), schöne Frauen (dito), Pferde, Exotik (na, so a la Karl May). Tja, man gab sich Mühe zum 25-jährigen Leinwandjubiläum.

Sogar einige Elemente der Fleming-Story wurden in „Der Hauch des Todes“ verwandt.

Mit Timothy Dalton, Maryam d´Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker (hier einer der Bösen)

Hinweise

Wikipedia über “James Bond: Der Hauch des Todes” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman „Solo“ (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ wiederholt, mit kleinen Variationen, die Hunger-Spiele

November 21, 2013

 

Wir erinnern uns: in „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ kämpfen bei den alljährlichen Hungerspielen jeweils zwei Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn Jahren aus den zwölf Distrikten von Panem gegeneinander. Die diktatorische Regierung inszeniert diese perverse „Dschungelcamp“-Variante als großes, von allen realen Problemen ablenkendes Fernsehspektakel, bei dem die Spielregeln, die von Präsident Snow (Donald Sutherland) und dem Spielleiter hemmungslos manipuliert werden, pervers sind: denn der Gewinner der Spiele ist die Person, die als einzige überlebt. Bei den 74. Hungerspielen gewannen Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson), weil das Publikum das Liebespaar ins Herz geschlossen hatte und die Spielregeln dafür ad hoc geändert wurden.

Der Film, der vieles ansprach, ohne es wirklich auszuführen, und der sich munter durch den reichhaltigen Dystopie-Fundus plünderte, war ein Überraschungserfolg. Danach war klar, dass auch die folgenden Panem-Jugendromane von Suzanne Collins, die die Geschichte von Katniss Everdeen, ihrem Freund Gale Hawthorne und Peeta Mellark weitererzählen, verfilmt werden. Mit einem größeren Budget, mehr bekannten Schauspielern und einer langfristigen Planung, die den abschließenden Panem-Film „Mockingjay“, ebenfalls inszeniert von Francis Lawrence, als Zweiteiler 2014 und 2015 ins Kino bringt.

Jetzt ist mit „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ der zweite Teil im Kino gestartet, der die Geschichte des ersten Films weitererzählen soll, der uns etwas tiefer in diese dekadente Diktatur eintauchen lassen soll und uns mehr von der Rebellion gegen das Regime erzählen soll. So die Werbung.

In Wirklichkeit ist Francis Lawrences „Catching Fire“ quasi ein Eins-zu-Eins-Remake, das die Geschichte von „The Hunger Games“ einfach noch einmal erzählt, mit kleinen Variationen, einer deutlich ruhigeren Kameraführung (Regisseur Gary Ross war doch zu verliebt in Wackelkamera und Sekundenschnitte) und einem hochkarätigeren Cast (Philip Seymour Hoffman! Jeffrey Wright! Amanda Plummer!).

Weil Katniss und Peeta nach ihrem Überraschungssieg bei den Bewohnern der Distrikte so überaus beliebt sind und sie damit für Unruhe sorgen könnten, werden für die 75. Hungerspiele die Spielregeln geändert. Dieses Mal treten erstmals Gewinner aus den vorherigen Hunger-Spielen gegeneinander an. Die meiste Zeit verbringt Lawrences Film, nachdem Katniss von ihrem abgelegenen Heimatdistrikt 12 mit dem Zug in die Hauptstadt reiste, dann, wie schon Gary Ross‘ Film, mit den Vorbereitungen und dem Training. Ungefähr das letzte Filmdrittel bis zum abrupten Ende (das als Cliffhanger für den dritten Teil fungiert) erzählt dann den Kampf der früheren Hunger-Spiele-Gewinner gegeneinander. Dieses Mal nicht im Wald, sondern im Dschungel und mit noch mehr Gefahren, die natürlich alle liebevoll von dem Spielleiter gesteuert werden.

Aber während in „The Hunger Games“ Jugendliche gegeneinander kämpften, dabei ein Kind, das als Teilnehmerin ausgelost wurde, sterben musste und damit die Fratze der Diktatur überdeutlich zeigte, kämpfen jetzt erfahrene Kämpfer, die schon einige Menschen ermordet haben, gegeneinander. Dummerweise lernen wir sie, wie schon im ersten Teil, kaum genauer kennen. Einige werden zwar von dem ehemaligen Hunger-Spiele-Gewinner Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) mit jeweils drei, vier Sätzen vorgestellt, aber diese gefährlichen Gegner, wie die Frau mit den Vampirzähnen, tauchen später eigentlich nicht mehr auf. Da ergeht es den wenigen während des Kampfs mit Katniss und Peeta verbündeten Hunger-Kämpfern etwas besser. Aber bei den anderen Kämpfer – und das ist die gefühlte Mehrheit der 24 Kämpfer – erfahren wir erst durch die Nachricht ihres Todes, dass es sie gab. Wenn allerdings Mörder, die wir nicht kennen, sterben, ist uns das herzlich egal. Entsprechend harmloser wirkt die Diktatur, die hier nicht unschuldige Kinder, sondern Mörder gegeneinander kämpfen lässt.

Auch die in „The Hunger Games“ noch erahnbare Kritik an den Medien, die hemmungslos für die Quote Regeln manipulieren und ändern, ist nicht mehr vorhanden. Wenn in „Catching Fire“ die Spiele beginnen, verschwinden sie dieses Mal fast vollständig aus dem Film.

Und die Rebellion hat in „Catching Fire“ noch kein Gesicht. Es gibt einige Graffitis und sekundenlange Bilder von Demonstrationen, die niedergeknüppelt werden. Aber was sie wollen, warum sie kämpfen, wie stark sie sind – das alles wird erst im dritten Teil erklärt. In „Catching Fire“ ist es ein vernachlässigbares Hintergrundrauschen.

Wer „The Hunger Games“ gesehen hat, für den ist „Catching Fire“ ein Déjà-Vu-Erlebnis. Und wer „The Hunger Games“ nicht kennt, kann, auch wenn er sich wundert, weshalb einige Charaktere, Konflikte und Hintergründe so schlecht eingeführt werden, problemlos die Geschichte verfolgen.

Die Tribute von Panem - Catching Fire - Plakat

Die Tribute von Panem – Catching Fire (The Hunger Games: Catching Fire, USA 2013)

Regie: Francis Lawrence

Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael deBruyn (eigentlich Michael Arndt)

LV: Suzanne Collins: Catching Fire, 2009 (Die Tribute von Panem: Gefährliche Liebe)
mit Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Stanley Tucci, Philip Seymour Hoffman, Donald Sutherland, Lenny Kravitz, Jeffrey Wright, Willow Shields, Sam Claflin, Lynn Cohen, Jena Malone, Amanda Plummer

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Moviepilot über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Metacritic über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Rotten Tomatoes über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

Wikipedia über „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ (deutsch, englisch)

Homepage von Suzanne Collins

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Roman Polanski lässt Emmanuelle Seigner die „Venus im Pelz“ spielen

November 21, 2013

 

Auch wenn Roman Polanski sagt, es seien nur Zufälle und es habe so in David Ives‘ Broadway-Erfolgsstück gestanden, beginnt man schon während des Ansehens des grandiosen Zwei-Personen-Stücks „Venus im Pelz“ die Filmhandlung, die in einem Theater lustvoll die Wirklichkeit mit der Fantasie verknüpft, mit Polanskis Werk und seinem Leben zu verbinden – und sicher hatte Polanski seinen diebischen Spaß daran, diese Ebene, die sicher mehr Fiktion und Spiel mit der Wirklichkeit als Wirklichkeit enthält, einzuflechten. Das beginnt schon mit der Besetzung. Immerhin spielt Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner Vanda und Mathieu Amalric als Roman-Polanski-Lookalike den Autor und Regisseur Thomas, der in einem Theater seine Version von „Venus im Pelz“ inszenieren will. In dem Stück geht es um die sadomasochistische Beziehung zwischen dem jungen Severin von Kusiemski, der sich per Vertrag seiner schönen Despotin Fanny von Pistor, kurz Vanda, für eine gewisse Zeit wehrlos ausliefert. Die einzige Bedingung ist, dass die Herrin nichts von ihm verlangen darf, was ihn als Mensch und Bürger ehrlos mache.

Thomas hat den ganzen Tag Schauspielerinnen beim Vorsprechen ertragen und seine Traumbesetzung nicht gefunden. Jetzt will er nur noch zu seiner Frau zum Abendessen. Da schneit der Vamp Vanda herein. Sie ist unpünktlich, jung, naiv, anscheinend kulturell absolut ungebildet und absolut nicht vorbereitet. Sie glaubt, es gehe irgendwie um Lou Reeds „Venus in Furs“. Was nicht stimmt, weil Thomas Leopold von Sacher-Masochs1870 erschienene, skandalträchtige Novelle „Venus in Furs“ (so der englische Titel von „Venus im Pelz“) adaptierte. Und den Text habe sie, wie sie freimütig in ihrem knappen Outfit bekennt, vorher in der U-Bahn mal überflogen. Dennoch kann sie Thomas mit einer gehörigen Portion jugendlicher Unverschämtheit und der Macht einer Verzweifelten, die sich nicht mehr das Geld für ein U-Bahnticket leisten kann, überzeugen, sie wenigstens die ersten Sätze des Stücks vorspielen zu lassen – und sie verwandelt sich in die Traumbesetzung.

In den folgenden anderthalb Stunden entspinnt sich zwischen den beiden ein Spiel zwischen Realität und Fantasie, zwischen Diskussion über den Text, Probe und Stück (in der untertitelten Originalfassung werden die nahtlosen Textwechsel durch kursive Untertitel angezeigt), wobei immer auch unklar ist, wie sehr Vanda das naive Dummchen nur spielt. Später im Film, wenn sie Thomas auf sein Privatleben anspricht, scheint sie auch viel mehr über ihn zu wissen. Aber dieser Erzählstrang, der in einem Rachekomplott von Thomas‘ Frau münden könnte, wird, auch weil der Film in dem Moment schon immer weiter in eine Traumwelt gewandert ist, nicht weiterverfolgt. In „Venus im Pelz“ geht es, wie in Leopold von Sacher Masochs gleichnamiger Novelle um Macht und Unterwerfung, um Sadomasochismus, – und das in einem grandios gespieltem, herrlich pointiertem Stück, das sehr polanskiesk ist und bei dem Polanski-Fans genüsslich die „Venus im Pelz“ mit seinen früheren Werken, Themen und seinem Leben (auch wenn Polanski als Regisseur anscheinend das genaue Gegenteil von Thomas ist) vergleichen können bis der gute Mann als Trottel an einem Pfahl, der noch von der vorherigen Produktion auf der Bühne steht, gefesselt wird.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Emmanuelle Seigner, die hier grandios spielt, ist schon viel zu alt für die Rolle des naiven, etwa Zwanzigjährigen Dummchens. Denn, auch bei viel gutem Willen, kann ich mir Vanda nicht als Über-Dreißigjährige vorstellen.

Venus im Pelz - Plakat

Venus im Pelz (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, David Ives (nach seinem Theaterstück)

mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Venus im Pelz“

Moviepilot über „Venus im Pelz“

Metacritic über „Venus im Pelz“

Rotten Tomatoes über „Venus im Pelz“

Wikipedia über „Venus im Pelz“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

 

 


TV-Tipp für den 21. November: Postman

November 21, 2013

Kabel 1, 20.15

Postman (USA 1997, R.: Kevin Costner)

Drehbuch: Eric Roth, Brian Helgeland

LV: David Brin: The Postman, 1985 (Gordons Berufung, Postman)

USA, nach der Apokalypse: nur wenige Menschen, die ohne Kommunikation in voneinander getrennten Festungen leben, haben überlebt. Ein selbsternannter Postbote verschafft ihnen, indem er Briefe (aka Nachrichten) befördert, zu neuer Hoffnung. Auch im Kampf gegen einen örtliche Warlords.

Kein Meisterwerk, aber so schlecht, wie der Film damals gemacht wurde („tagelang dauernde Stilisierungsfeier“ [Fischer Film Almanach 1999], „über die Maßen langweiliger Inszenierungsversuch von Kevin Costner“ [Zoom 2/98]), inclusive fünf gewonnener Razzies und dem Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts, ist der epische, an das Gute appellierende, zu lang geratene, postapokalyptische Science-Fiction-Film nicht.

Eric Roth schrieb eine frühe Drehbuchversion. Brian Helgeland die verfilmte Fassung, die sich wieder am Roma orientierte.

David Brins Roman erhielt den John W. Campbell Award und den Locus Award als bester Science-Fiction-Roman, außerdem wer er für den Hugo und Nebula Award nominiert.

Brin selbst ist mit der Verfilmung, die die Geschichte seines Romans zwar verändert, aber nicht verrät, insgesamt zufrieden.

Einige seiner Romane sind bei Heyne erhältlich.

mit Kevin Costner, Will Patton, Larenz Tate, Olivia Williams, James Russo, Tom Petty, Giovanni Ribisi, Joe Santos

Hinweise

Homepage von David Brin

Rotten Tomatoes über „Postman“

Wikipedia über „Postman“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. November: No Country for Old Men

November 20, 2013

Kabel 1, 22.55

No Country for Old Men (USA 2007, R.: Ethan Coen, Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005

Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.

Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).

Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über “No Country for Old Men”

Rotten Tomatoes über “No Country for Old Men”

Wikipedia über “No Contry for Old Men” (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (28. November 2005)

Drehbuch „No Country for Old Men“ von Joel & Ethan Coen (Shooting Draft)

Film-Zeit über “No Country for Old Men”

Offizielle Webseite der Cormac-McCarthy-Gesellschaft

Time: Cormac McCarthy und die Coen-Brüdern reden über „No Country for Old Men“

Meine Besprechung der Cormac-McCarthy-Verfilmung “The Road”

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

Bonushinweis

Am 5. Dezember starten „Inside Llewyn Davis“ (von den Coen-Brüdern) und „Oldboy“ (von Spike Lee, mit Josh Brolin in der Hauptrolle; Besprechung von beiden Filmen zum Kinostart):

Inside Llewyn Davis - Plakat

Oldboy - Plakat 2013


TV-Tipp für den 19. November: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

November 19, 2013

Pro7 Maxx, 20.15

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 2003, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Mittwoch, 20. November, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Out of Time“

Rotten Tomatoes über“Out of Time“

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Klaus Kinski ist für Jess Franco „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London““

November 18, 2013

Nach der IMDB führte Jess Franco bei 198 Filmen Regie und, auch wenn die Zahl wahrscheinlich nicht ganz genau stimmt: Es waren verdammt viele – und die meisten sind nicht besonders gut. Jedenfalls wenn man seine Filme nach den konventionellen Maßstäben beurteilt. Aber sie waren, vor allem in den Siebzigern und Achtzigern erfolgreich. Wer damals für einen Kinobesuch zu jung war und später nicht an die teils abenteuerlich gekürzten Videokassetten rankam, kannte nur die Sex und Gewalt verheißenden Titel wie „Vampyros Lesbos: Die Erbin des Dracula“ (der Titel erlangte Mitte der Neunziger als Titel eines Musiksamplers neue Berühmtheit), „Frauen für Zellenblock 9“, „Porno Baby“, „Sie tötete in Ekstase“, „Der Teufel kam aus Akasawa“ (eine „Edgar-Wallace-Verfilmung“, die ab und zu im TV läuft), „Der Todesrächer von Soho“ (eine Bryan-Edgar-Wallace-Verfilmung, die ebenfalls manchmal im TV läuft), „Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“, „Greta – Haus ohne Männer“, „Frauen im Liebeslager“, „Ruf der blonden Göttin“, „Entfesselte Begierde“, „Sadomania – Hölle der Lust“, „Jungfrau unter Kannibalen“ und „Lolita am Scheideweg“.

Aber auch schon damals im Kino konnte man seine Filme nicht unbedingt ungekürzt sehen. So sagt Produzent Erwin C. Dietrich, der in den Siebzigern fünfzehn Franco-Filme produzierte und damals mit seinen Filmen, zum Entsetzen des Bildungsbürgertums (FSK und die kirchliche Filmkritik mussten sich die Werke berufsbedingt antun), zuverlässig die Bahnhofkinos füllte, dass es auch bei dem jetzt wieder auf DVD und erstmals Blu-ray veröffentlichtem Horrorfilm „Jack the Ripper“ Probleme gab. Dabei gehört der Film zu den harmloseren Werken von Franco: etwas nackte Haut, viel sehr rotes Blut, ein herausgeschnittenes Auge, eine abgetrennte Hand und ein amputierter rechter Busen. Trotzdem war er indiziert und ist jetzt „frei ab 18 Jahre“.

Die Story bedient sich am bekannten „Jack the Ripper“-Mythos: Klaus Kinski spielt Doktor Dennis Orloff, der tagsüber arme Patienten weitgehend unentgeltlich versorgt und nachts Freudenmädchen umbringt, danach ihre Leichen zerstückelt und sie selbst oder von seiner Gehilfin, der geistig behinderten Magd Frieda (Nikola Weisse), in der Themse verschwinden lässt. Ihm eher nicht auf den Fersen ist Scotland-Yard-Inspektor Selby (Andreas Mannkopff). Das ändert sich erst, als Selbys Freundin, die Tänzerin Cynthia (Charlie-Chaplin-Tochter Josephine Chaplin), sich als Dirne verkleidet und, wir ahnen es, auch weil sich die Laufzeit des Films dem Ende nähert, das Interesse des Frauenmörders weckt.

Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ ist sicher kein Klassiker und, trotz einiger sehr atmosphärischer Aufnahmen, bei weitem nicht so extravagant gefilmt wie die Filme von Dario Argento (der ebenfalls in Deutschland ein Liebling der Zensoren war). Francos Film ist eher ein konventioneller Horrorfilm irgendwo zwischen Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Adaptionen und den bundesdeutschen Edgar-Wallace-Filmen. Mit deutlicher Tendenz zu letzterem.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist, ohne den Audiokommentar, mit über einhundert Minuten erstaunlich umfangreich und informativ. Es gibt einen sehr informativen, im Dezember 2000 aufgenommen Audiokommentar von Erwin C. Dietrich, in dem er zwar eher wenige Hintergründe zu dem Film (abgesehen von den Drehorten in Zürich und den beteiligten Personen vor und hinter der Kamera), aber viel über sein Leben, seine Produzententätigkeit und wie sie in den siebziger Jahren Filme drehten, verrät, In „Erwin C. Dietrichs Hommage an Jess Francos Jack the Ripper“ verrät Dietrich in über zwanzig Minuten weitere Hintergründe zum Film und seiner Zusammenarbeit mit Jess Franco. Außerdem gibt es einen informativen 17-minütigen „Werkstattbericht zur Restauration“, der etwas didaktisch beschreibt, wie Filme restauriert werden und verdeutlicht, wie zeitaufwändig eine Restauration ist, ein fast halbstündiges „Interview mit Andreas Mannkopff“ und ein über vierzigminütiges „Audio-Interview mit Jess Franco (Zürich, Hotel Gregory, 17. Juni 1976)“, das auf französisch geführt wurde und keine Untertitel hat. Es gibt außerdem eine entfernte Szene, den Trailer mit anderen Dialogen und eine umfangreiche Fotogalerie.

Das Bonusmaterial scheint weitgehend identisch mit der bereits vor einigen Jahren erschienenen Ausgabe des Films zu sein. Jetzt allerdings mit einem stilechten Cover.

Auch das restaurierte Bild überzeugt.

Jack the Ripper - DVD-Cover

Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Jess Franco

mit Klaus Kinski, Lina Romay, Herbert Fux, Josephine Chaplin, Andreas Mannkopff, Nikola Weisse

DVD

Ascot-Elite (Jess Franco Golden Goya Collection)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (DD 5.1), Französisch (DD 2.0)

Untertitel: Niederländisch, Finnisch, Griechisch, Japanisch, Chinesisch

Bonusmaterial: Audiokommentar, Entfernte Szene, Erwin C. Dietrichs Hommage an Jess Francos „Jack, the Ripper“, Werkstattbericht zur Restauration, Interview mit Andreas Mannkopff, Audiointerview mit Jess Franco, Fotogalerie, Trailer, Wendecover

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Jess Franco (deutsch, englisch) und „Jack the Ripper“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht den ungekürzten „Jack the Ripper“ mit der um über 11 Minuten gekürzten FSK-16-Fassung

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Inzwischen sind in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ (Ascot-Elite) weitere Filme des Spaniers in ungeschnittenen Versionen wiederveröffentlicht worden: „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“, „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“, „Frauen in Zellenblock 9“ und „Ilsa, the Mad Butcher“ (auch bekannt als „Greta – Haus ohne Männer“ und „Ilsa, the wicked Warden“. Sowieso wurde, wegen „Ilsa, She Wolf of the SS“-Hauptdarstellerin Dyanne Thorne ihr Rollenname munter zwischen Greta, Ilsa und Wanda, mit entsprechenden Titeländerungen gewechselt.). Die DVDs und Blu-rays haben deutlich weniger Bonusmaterial. Meist nur den Trailer und eine Bildergalerie. Die Sprachfassungen und Untertitel scheinen die zu sein, die Produzent Erwin C. Dietrich in seinem Archiv hatte.

Downtown - DVD-CoverVoodoo Passion - DVD-Cover

Frauen für Zellenblock 9 - DVD-CoverIlsa - The Mad Butcher - DVD-Cover


Neu im Kino/Filmkritik: „Um jeden Preis“ ist lost in Iowa

November 18, 2013

 

Ein hochkarätiger Cast mit Dennis Quaid und Zac Efron in den Hauptrollen, ein Regisseur, der für seine vorherigen, niedriger budgetierten Independent-Filme viel Lob und Preise erhielt, ein wichtiges Thema – und trotzdem überzeugt „Um jeden Preis“ keine Sekunde.

Denn Ramin Bahrani will den großen amerikanischen Roman im Film erzählen. Es geht um das Schicksal der Farmerfamilie Whipple in Iowa. Henry Whipple (Dennis Quaid) möchte, dass seine Kinder die Farm übernehmen. So wie er sie von seinem Vater übernommen hat. Aber der älteste Sohn Grant verlässt die Farm für einen ausgedehnten Südamerika-Trip und außer einigen Postkarten hören wir nichts mehr von ihm. Deshalb soll Dean (Zac Efron), der ungeliebte zweite Sohn, die Farm übernehmen. Aber Dean möchte als Rennwagenfahrer Iowa verlassen.

Während die Nachfolge noch ungeklärt ist, kämpft Henry Whipple um das Überleben des Betriebs. Ein anderer Farmer wirbt ihm langjährige Kunden ab. Es gibt Ärger wegen des Saatguts. Denn wenn es genetisch verändert ist, muss es jedes Jahr von den Saatgut-Firmen aufs Neue gekauft werden. Aber die Farmer haben das noch nie gemacht. Auch Henry Whipple nicht und jetzt beginnen Mitarbeiter der Saatgut-Firma sein Saatgut zu kontrollieren.

Außerdem hat der sich als Muster-Daddy präsentierende Henry Whipple eine Geliebte. Dean hat eine Freundin, die sich auch für die Farm interessiert. Und Vater und Sohn Whipple sind verfeindet mit der Farmerfamilie Johnson. Während der ältere Johnson Henry Whipple Kunden abspenstig macht, ist sein Sohn ein erfolgreicher Konkurrent von Dean auf der Rennstrecke.

Ach ja, und dann will Henry Whipple noch, getreu dem Motto „Expandiere oder stirb“, sein Farmland vergrößern, indem er das Land eines gerade verstorbenen Landbesitzers aufkauft.

Bahrani erzählt alle Plots gleichberechtigt nebeneinander, fügt Episoden ein und auch wenn sich rückblickend so etwas wie die Geschichte einer Firmenübergabe vom Vater zum Sohn ergibt, kann Bahrani sich nicht für eine zentrale Geschichte und ein Thema entscheiden.

Diese Unentschlossenheit, sich für eine Hauptgeschichte und damit auch für einen Protagonisten zu entscheiden, wird besonders deutlich in einer Szene aus dem Filmanfang: während einer nächtlichen Spritztour mit einigen Freunden wirft Dean das Fenster eines Geschäfts ein und stiehlt ein Motorteil, das er für sein Rennauto braucht. Dieser Diebstahl wird in dem gesamten Film nie wieder angesprochen, obwohl es gerade gegen Filmende, wenn Dean ein weiteres, schlimmeres Verbrechen begeht, es eine spiegelbildliche Szene und eine damit verbundene Thematisierung von Schuld und Sühne, von Verantwortung und von Vater-Sohn-Beziehungen geben könnte.

Allerdings ist auch während des gesamten Film unklar, ob jetzt der Vater oder der Sohn der Protagonist des Films ist und eben diese Nicht-Entscheidung schwächt den gesamten Film, der so ohne dramaturgisches Zentrum zu einer Abfolge weitgehend unverbundener Episoden wird, in der auch die Auswirkungen der Politik von Konzernen auf kleine Farmer und dem Konkurrenzkampf zwischen den Farmern angesprochen werden, aber die immer von Familien- und Liebesgeschichten ausgebremst werden.

Während die meisten Schauspieler, wie Kim Dickens als Mutter Whipple, Heather Graham als Geliebte von Vater Whipple, Clancy Brown als konkurrierender Farmer und Zac Efron als Sohn, die meiste Zeit in einem Paul-Newman-Gedächtnis-Unterhemd in verstockter James-Dean-Pose, unauffällig spielen, legte Dennis Quaid seine Rolle als Farmer, den wir während einer Beerdigung, auf der er sich den Hinterbliebenen als potentieller Landkäufer andient, in einem nervigem Overacting als vor falscher Freundlichkeit sprudelndem Unternehmer an, das höchstens in einer Soap-Opera für den chargierenden Bösewicht glaubwürdig ist.

Um jeden Preis“ überzeugt nur als Monument der verpassten Chancen.

Um jeden Preis - Plakat

Um jeden Preis – At any price (At any price, USA 2012)

Regie: Ramin Bahrani

Drehbuch: Ramin Bahrani, Hallie Elizabeth Newton

mit Dennis Quaid, Zac Efron, Kim Dickens, Heather Graham, Clancy Brown, Red West, Maika Monroe, Ben Marten, Chelcie Ross

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Um jeden Preis“

Moviepilot über „Um jeden Preis“

Metacritic über „Um jeden Preis“

Rotten Tomatoes über „Um jeden Preis“

Wikipedia über „Um jeden Preis“ 

 

 


TV-Tipp für den 18. November: Todeszug nach Yuma

November 18, 2013

Kabel 1, 20.15

Todeszug nach Yuma (USA 2007, R.: James Mangold)

Drehbuch: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas
LV: Elmore Leonard: Three-Ten to Yuma, 1953 (Die Kurzgeschichte erschien zuerst in Dime Western, später in den Sammlungen „The Tonto Woman and other Western stories“ und „Complete Western stories“)

Der arme, integere Farmer Dan Evans erklärt sich bereit, den charismatischen und skrupellosen Banditen Ben Wade durch die Prärie zum Zug nach Yuma zu bringen. Wades Bande will das verhindern.

Das Remake von „Zähl bis drei und bete“ (USA 1957) ist in jeder Beziehung größer als das kammerspielartige Original. Sogar der Zug hat Verspätung.

Trotzdem ein schöner Western, eine gute Leonard-Verfilmung (bei Western war die Trefferquote sowieso schon immer höher), mit einem leicht vermurksten Schluss.

„Todeszug nach Yuma“ erhielt den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Western des Jahres.

Mit Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda, Gretchen Mol, Ben Foster, Dallas Roberts

Wiederholung: Dienstag, 19. November, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Todeszug nach Yuma“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Todeszug nach Yuma“

Metacritic über “Todeszug nach Yuma”

Rotten Tomatoes über “Todeszug nach Yuma”

Christian Science Monitor: Interview mit Elmore Leonard (18. Januar 2012)

Wall Street Journal: Interview mit Elmore Leonard über “Raylan” und “Justified” (13. Januar 2012)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von James Mangolds „Wolverine – Weg des Kriegers“ (The Wolverine, USA 2013)


TV-Tipp für den 17. November: Hell

November 17, 2013

Pro7, 22.30

Hell (Deutschland/Schweiz 2011, Regie: Tim Fehlbaum)

Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke

Buch zum Film: Tim Moecks: Hell, 2011

In naher Zukunft: die Erde ist nur noch ein ziemlich unbewohnbarer Wüstenplanet. Eine kleine Gruppe junger Menschen will in die Berge fahren, weil es dort noch Wasser geben soll.

Hell“ ist ein absolut sehenswerter Science-Fiction-Film.

mit Hannah Herzsprung, Lisa Vicari, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Angela Winkler,Yoann Blanc, Christoph Gaugler, Lilo Baur, Marco Calamandrei

Wiederholung: Montag, 18. November, 02.10 (Uhr)

Hinweise

Homepage zum Film

Tim Fehlbaum bloggt über den Film und die Tour

Film-Zeit über „Hell“

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Hell“ (Deutschland/Schweiz 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: “Jung & Schön“ und ohne Orientierung

November 16, 2013

 

Sie ist jung und sie braucht das Geld nicht. Trotzdem arbeitet Isabelle (Marine Vacth) als Prostituierte und weil sie erst siebzehn Jahre ist, wird aus der Geschichte in den Händen von François Ozon eine herrlich moralfreie und empörungsresistente Chronik aus dem Leben einer Siebzehnjährigen, die im Sommer während des familiären Sommerurlaubs ihren ersten Sex mit einer ungefähr gleichaltrigen Strandbekanntschaft hat und wenig beeindruckt ist. Soll diese langweilige Angelegenheit wirklich das sein, worüber so viel gesprochen wird?

In den folgenden zwölf Monaten, von Ozon lässig anhand der Jahreszeiten mit vier Chansons von Françoise Hardy strukturiert, beginnt Isabelle als Prostituierte zu arbeiten. Einen richtigen Grund, wie schlimme Eltern, Alkoholismus, Drogensucht oder Wohlstandsverwahrlosung, der ihre Sexarbeit sozialpädagogisch wertvoll erklären würde, gibt Ozon nicht an. Es ist eher so eine Art jugendliche Neugierde, unbekümmerter Forschergeist und leichte Opposition gegen ihre gutsituierten Eltern. Isabelle lebt, egal wie man es betrachtet, in einer normalen, funktionierenden, ziemlich durchschnittlichen Familie, die in anderen Filmen eine Vorbildfamilie wäre.

Als einer ihrer Freier, ein älterer Mann, zu dem sie fast schon freundschaftliche Gefühle hegt, im Nobelhotelzimmer einen tödlichen Herzanfall hat, fliegt Isabelles einträgliche Arbeit auf. Weil sie noch minderjährig ist, muss sie zu einem Psychiater, den sie mit ihrem erarbeiteten Geld bezahlen will. Ihr Stiefvater nimmt ihre Sexarbeit mit typisch französischer Lässigkeit für diese vorübergehende Phase auf. Ihre Mutter ist empört und beginnt alles, was Isabelle tut, aus dem Blickwinkel einer potentiellen sexuellen Bedrohung oder einem Rückfall in die Prostitution zu betrachten. Dabei weiß sie nicht, was für sie schlimmer wäre.

Und Isabelle versucht das normale Leben einer Schülerin zu führen, die sich auf den ersten Geschlechtsverkehr mit einem gleichaltrigen Jungen freut.

Aber noch hat Ozon nicht alle Jahreszeiten gezeigt und Charlotte Rampling hatte noch nicht ihren wichtigen Auftritt.

Jung & Schön“ ist François Ozons angenehm empörungsfreie, kühl inszenierte Chronik aus dem Leben einer Siebzehnjährigen, die sich nicht um etwaige Skandale kümmert, sondern versucht, das Gefühlschaos einer Jugendlichen verständlich zu machen.

Der leere Blick und das emotionslose Spiel von Marine Vacth, ein in Frankreich bekanntes Modell und, nach Kate Moss, das Kampagnengesicht von Yves Saint Laurent für den Duft „Parisienne“, verstärken den Eindruck der jugendlichen Ziellosigkeit, der Suche nach einer Rolle für die kommenden Jahre als Erwachsene. In dem Film bemisst sie ihren Wert noch an dem Geld, das sie von ihren Freiern erhält und das sie in ihrem Kleiderschrank hortet.

Weil der Film als Chronik eines Jahres angelegt ist, hat er seine Stärken beim Beobachten der Charaktere, ohne zielstrebig auf ein Ende zuzusteuern, was auch daran liegt, dass Ozon genüsslich alle wohlfeilen Erklärungen der Reihe nach verneint und am Ende keine eindeutige Antwort liefert.

Jung und Schön - Plakat

Jung & Schön (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon

mit Marine Vacth, Géraldine Pailhas, Frédéric Pierrot, Fantin Ravat, Johan Leysen, Charlotte Rampling

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jung & Schön“

Moviepilot über „Jung & Schön“

Metacritic über „Jung & Schön“

Rotten Tomatoes über „Jung & Schön“

Wikipedia über „Jung & Schön“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

 

 


TV-Tipp für den 16. November: The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan

November 16, 2013

ARD, 01.30

The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)

Drehbuch: Hampton Fancher

LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)

Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.

Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher mit einem überraschendem Ende.

„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)

Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “The Minus Man”

Wikipedia über „The Minus Man“ (deutschenglisch)

New England Film: Ein lesenswerter Artikel über die Zusammenarbeit zwischen McCreary und Fancher


Neu im Kino/Filmkritik: Junggesellenabschied in „Last Vegas“

November 15, 2013

Inzwischen sind Filme, in denen alte Säcke Jungspunden (aka Unter-Fünfzigjährige) zeigen, wo der Hammer hängt, ein eigenes Subgenre. Das war anfangs, ungefähr zwischen „The Expendables“ und „R. E. D.“, als Umkehrung der Erwartungen, auch witzig. Inzwischen ist der Witz verpufft. Auch „Last Vegas“, das schon vor dem Filmstart – nicht unzutreffend -, als gerontologische Variante von „Hangover“ und als weitere Ergänzung zu den Filmen, über Männer, die nicht erwachsen werden wollen, beschrieben wurde, ändert das Bild nicht. Wobei die Beschreibung „Hangover für Opas“ Erwartungen weckt, die Jon Turteltaubs „Last Vegas“ nicht erfüllen will, auch wenn Billy (Michael Douglas, Jahrgang 1944) eine dreißigjährige Schönheit heiraten will und er davor mit seinen Jugendfreunden Paddy (Robert De Niro, Jahrgang 1943), Archie (Morgan Freeman, Jahrgang 1937) und Sam (Kevin Kline, Jahrgang 1947) in Las Vegas an einem Wochenende einen zünftigen Junggesellenabschied feiern will.

Dass sie dann eine Menge Spaß haben (wir weniger), versteht sich. Billy und Paddy verknallen sich, wie schon in ihren jungen Jahren, wieder in die gleiche Frau. Damals eine inzwischen verstorbene Jugendfreundin, die Paddy heiratete. Jetzt eine Jazzsängerin, die tagsüber in einer kleinen Bar in einem Casino ihrer Lieder trällern darf. Mary Steenburgen, Jahrgang 1953, spielt sie und lässt die Jungs in ihrer Gegenwart etwas über ihr Leben philosophieren.

Aber, auch wenn Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman und Kevin Kline nie ein bestimmtes Niveau unterschreiten, haben sie – vor allem De Niro in den letzten Jahren mit seinen Komödien – etliche Filme auf ihrem Konto, die höchstens für ihre Fans, Unterabteilung Komplettisten, interessant sind. „Last Vegas“ gehört in diese Kategorie.

Denn Dan Fogelmans Drehbuch ist ein ziemlicher Kladderadatsch, in dem die vier Freunde sich die halbe Zeit grob beleidigen und auch andere Menschen beleidigen, die, völlig unglaubwürdig, die Beleidigungen und Anzüglichkeiten, die ihnen von Wildfremden an den Kopf geworfen werden, ignorieren. Die Frauen verlieben sich bevorzugt nach einer Beleidigung oder vollkommen deplatzierten Anmache in die alten Knacker.

Die Schauspieler selbst genießen ihren Las-Vegas-Ausflug ohne sich sonderlich anzustrengen. Sie spulen einfach ihr Programm ab, was dazu führt, dass Robert De Niro „Wie ein wilder Stier“ ein wenig Schattenboxen mit seinem Spiegelbild machen darf und seine früheren Rollen zwischen „Taxi Driver“ und „GoodFellas“ zitiert. Douglas, der unlängst als „Liberace“ in einem viel besseren Las-Vegas-Film viel besser spielte, Freeman, Kline und Steenburgen bemühen sich erfolgreich, einfach nur entspannt und nett durch die Kulisse zu wandeln. Die jüngeren Schauspieler haben sicher zugesagt, weil sie schon immer in einem Film mit den von ihnen verehrten Stars mitspielen wollten.

Insgesamt gibt es in „Last Vegas“ einige nette Witzeleien, eine schöne Lebensweisheit von Kevin Kline und hübsche Las-Vegas-Bilder. Das ist nichts, wofür man jetzt die Wohnung verlassen muss und es gibt auch eigentlich nichts, wofür man später den Fernseher einschalten muss. „Last Vegas“ ist das filmische Äquivalent zu dem altbekannten, wirklichkeitsfremden, professionell gemachtem Junk-TV, das einen 45 Minuten aus der tristen Wirklichkeit in eine Traumwelt entführte und das Gehirn nicht anstrengte.

Der beste Gag der rundum harmlosen Komödie ist dann auch nicht im Film. Bei uns ist der Film „frei ab 0 Jahre“, was nachvollziehbar ist. In den USA ist er PG 13, also „frei ab 13 Jahre“, was ebenfalls wegen des „Sexual Content and Language“ nachvollziehbar ist. Man sieht zwar keinen nackten Busen, aber die Witze, Tendenz Zote, drehen sich halt alle um Dinge, für die Viagra erfunden wurde. Grotesk ist dagegen die ursprünglich in den prüden USA geplante Freigabe R, also Restricted (Children Under 17 Require Accompanying Parent or Adult Guardian), wegen der Benutzung des Wortes „Blowjob“.

Last Vegas - Plakat

Last Vegas (Last Vegas, USA 2013)

Regie: Jon Turteltaub

Drehbuch: Dan Fogelman

mit Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman, Kevin Kline, Mary Steenburgen, Jerry Ferrara, Romany Malco, Robert Bart, Joanna Gleason, Michael Ealy

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Amerikanische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Last Vegas“

Moviepilot über „Last Vegas“

Metacritic über „Last Vegas“

Rotten Tomatoes über „Last Vegas“

Wikipedia über „Last Vegas“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. November: This is England – Ende einer Kindheit

November 15, 2013

Eins Festival, 20.15

This is England – Ende einer Kindheit (GB 2006, R.: Shane Meadows)

Drehbuch: Shane Meadows

England während der Thatcher-Jahre: der zwölfjährige Skinhead Shaun findet in einem Exknacki einen Vaterersatz. Als dieser die Skins zu einer Nazigruppe machen will, folgt Shaun ihm blind.

Rabiates, autobiographisch gefärbtes, hochgelobtes Jugenddrama, das den British Independent Film Award und den BAFTA-Award als bester britischer Film erhielt und bei uns seine Premiere auf DVD erlebte.

Der bewegende Film zeichnet das Porträt einer verlorenen Generation und zugleich die Studie einer in emotionaler Kälte erstarrten Gesellschaft.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Stephen Graham, Thomas Turgose, Jo Hartley, Andrew Shim, Vicky McClure

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „This is England“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Jackpot“ – der perfekte Weihnachtsfilm

November 14, 2013

Gutgut, Feen und Engel kommen nicht vor.

Obwohl, eigentlich schon. Irgendwie. Nur halt nicht in der Disney-Version.

Weihnachtsmänner gibt es auch nicht. Jedenfalls nicht als Gabenbringer.

Weihnachtsbäume gibt es. Hergestellt aus Abfall, der, geschrettert und gegossen, als geschmacklose Weihnachtsbaum-Travestie das Förderband verlässt. Manchmal auch blutig rot.

Aber das ist ein Nebenprodukt. Ein unbeabsichtiger Produktionsfehler, der entstand, nachdem die vier Fußballtoto-Gewinner die Leiche eines toten Wettkumpels elegant verschwinden lassen wollen, ihn in die Produktionsanlage stecken und zu einer Reihe Weihnachtsbäume verarbeiten lassen, die blutrot gefärbt sind.

In dem Moment sitzt Oscar bereits gewaltig in der Bredouille. Dabei ist er ein grundgütiger, friedfertiger Mann, der schwer „nein“ sagen kann. Er ist der nicht vorbestrafte Leiter einer irgendwo im nirgendwo gelegenen Weihnachtsbaummanufaktur, die nur vorbestrafte Männer einstellt. Drei dieser geistigen Nieten überzeugen ihn, sich beim Fußballtoto zu beteiligen. Der Gewinn soll durch vier geteilt werden. Den Wetteinsatz darf Oscar alleine bezahlen.

Den vorweihnachtlichen Abend verbringen die Vier dann, biertrinkend und feiernd in Oscars Mietwohnung. Als die Tore richtig fallen, sind sie plötzlich unglaublich reich – und schon besiegt die Geldgier die Restvernunft, tödliche Unglücksfälle häufen sich und der Vermieter, ein Ex-Polizist, stellt neugierige Fragen.

Jackpot“, nach einer Geschichte von Krimiautor Jo Nesbø, ist eine in Rückblenden erzählte schwarzhumorige Groteske. Denn nach der Schießerei im Striplokal wird Oscar von einem psychopathischen Polizisten, der von seiner Schuld überzeugt ist, vernommen. Zunehmend verzweifelt versucht Oscar zu erklären, wie es zu einer leichengesättigten Schießerei kam und weshalb er, obwohl sich in den vergangenen Stunden um ihn herum die Leichen stapelten, vollkommen unschuldig ist. Er nur durch widrige Umstände und den sanften Zwang der drei Ex-Sträflinge in diese absurde Geschichte, in der mit letaler Präzision auf Pech Pech und manchmal „dumm gelaufen“ folgt, geriet. Das folgt konsequent der Logik eines Alptraums, bei dem einem selten das Lachen im Hals steckenbleibt.

Jackpot“ ist der Film, der „Pain & Gain“ gerne gewesen wäre.

Jackpot - Plakat

Jackpot – Vier Nieten landen einen Treffer (Arme Riddere, Norwegen 2011)

Regie: Magnus Martens

Drehbuch: Magnus Martens (nach einer Geschichte von Jo Nesbø)

mit Kyrre Hellum, Mads Ousdal, Henrik Mestad, Arthur Berning, Lena Kristin Ellingsen, Fridtjov Såheim

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Jackpot“

Moviepilot über „Jackpot“

Rotten Tomatoes über „Jackpot“

Deutsche Homepage von Jo Nesbø

Englische Homepage von Jo Nesbø

Meine Besprechung von Morten Tyldums Jo-Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Captain Phillips“ – das Bonusmaterial

November 14, 2013

 

Meine ausführliche Besprechung gibt es an einem anderen Ort.

Daher die Ein-Wort-Kritk: Sehenswert!

Und jetzt einige Worte zur Vorlage: In „Höllentage auf See“ erzählt Captain Richard Phillips seine Version der Entführung. Wir erfahren auch viel über ihn, – seine wilden Jugendjahre, wie er seine spätere Frau Andrea kennenlernte, die Ausbildung bei der Massachussetts Maritime Academy und seine Jahre auf See -, und wie Andrea sich während der Entführung fühlte. Das lässt sich, obwohl nicht besonders elegant geschrieben, flott runterlesen, hat aber – wie eigentlich alle Erlebnisberichte – den Nachteil, dass halt nur die Version des Ich-Erzählers erzählt wird, während ein Reporter auch andere Sichtweisen und Beurteilungen heranziehen würde. Wir erfahren daher fast nichts über die Hintergründe der Piraterie, die Entführer, die US-amerikanische Rettungsaktion und was sich nach der Rettung von Richard Phillips veränderte.

Insofern vermittelt der Film ein reichhaltigeres und detaillierteres Bild der Entführung.

Captain Phillips - Plakat

Captain Phillips (Captain Phillips, USA 2013)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Billy Ray

Vorlage: Captain Richard Phillips/Stephan Talty: A Captain’s Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea, 2010 (Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals)

mit Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Michael Chernus, David Warshofsky, Corey Johnson, Max Martini

Länge: 134 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Phillips - Höllentage auf See - 4

Captain Richard Phillips (mit Stephan Talty): Höllentage auf See – In den Händen von somalischen Piraten – gerettet von Navy Seals

Heyne, 2013

336 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

A Captain’s Duty – Somali Pirates, Navy SEALs, and Dangerous Days at Sea

Hyperion Books, 2010

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Captain Phillips“

Moviepilot über „Captain Phillips“

Metacritic über „Captain Phillips“

Rotten Tomatoes über „Captain Phillips“

Wikipedia über „Captain Phllips“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Captain Phillips“


Neu im Kino/Filmkritik: „Eltern“ und ihre Probleme mit Kindern, Jobs und Au-Pair-Mädchen

November 14, 2013

Die beiden Kinder überzeugten mich von dem Film. Denn sie sind rechte Biester und Plagegeister, die in einer Woche ungefähr alles machen, was Kinder sonst innerhalb eines Jahres machen – und man sie dennoch liebt.

In seinem neuesten Film „Eltern“ erzählt Robert Thalheim nach „Am Ende kommen Touristen“ und „Westwind“ eine Woche im Leben einer normalen, gut situierten, linksliberalen Großstadtfamilie mit berufstätigen Eltern und zwei kleinen Kindern. Es ist eine turbulente Woche. Konrad (Charly Hübner), der jahrelang allseits beliebte und geliebte Traumdaddy für die zehnjährige Käthe (Paraschiva Dragus) und die fünfjährige Emma (Emilia Pieske), will wieder als Regisseur arbeiten. Er soll am Theater die Nibelungen inszenieren.

Seine Frau Christine (Christiane Paul), eine Anästhesistin am Krankenhaus, soll sich währenddessen mehr um die Kinder kümmern. Aber der Schichtdienst, Patienten, die ihre besondere Zuneigung wollen und aasige Chefs, die ihr mit der Aussicht auf die Oberarzt-Stelle hemmungslos die Arbeitszeit ausweiten, verhindert das. Und, so gut Christine auch mit ihren Patienten umgehen kann, mit ihren beiden Mädchen gelingt ihr das nicht.

Zu ihrer Entlastung haben sie ein Au-Pair-Mädchen aus Argentinien eingeladen. Dummerweise ist Isabel (Clara Lago) schwanger, hat ihren Eltern nichts davon gesagt und möchte am liebsten abtreiben, was Konrad für keine grandiose Idee hält.

Außerdem ist die Regiearbeit am Theater mit renitenten Schauspielern und sexy Kolleginnen aufreibender, als er dachte.

Das klingt jetzt nach genug Konfliktstoff für ein halbes Dutzend Filme, aber „Eltern“ ist eine absolut vorhersehbare Familienkomödie, eine RomCom mit Kindern, in der sich alle Konflikte schnell in Wohlgefallen auflösen. Halt wie in einem Fünfziger-Jahre-Film. Nur dieses Mal mit vertauschten Geschlechterrollen, hundsgemeinen Kindern und einem dokumentarischem Gestus, der gerade, weil Thalheim oft etwas zu spät die Szene beendet, immer wieder gnadenlos die Verunsicherung der Eltern dokumentiert, die von der neuen Situation überfordert sind.

Eltern“ ist ein Film für Eltern, die sicher viel von ihrem Leben und ihrem Verhältnis zu ihren Kindern in dem Film entdecken.

Eltern - Plakat

Eltern (Deutschland 2013)

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Jane Ainscough, Robert Thalheim

mit Charly Hübner, Christiane Paul, Paraschiva Dragus, Emilia Pieske, Clara Lago, Maren Eggert, Alex Brendemühl, Thilo Nest

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Eltern“

Moviepilot über „Eltern“

Wikipedia über „Eltern“


TV-Tipp für den 14. November: Yella

November 14, 2013

ZDF Kultur, 20.15

Yella (D 2007, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Die Ostdeutsche Yella will aus ihrem tristen Leben fliehen. In Hannover lernt sie einen Finanzmanager kennen und wird seine Geliebte und Partnerin.

Wie gewohnt bei Christian Petzold: toller, angenehm undeutscher Film.

„Mit viel Gespür für Rhythmus und innere Beziehungen, präzisen Darstellern und einer suggestiven Raumdramaturgie inszeniert Christian Petzold den dritten Teil seiner ‘Gespenster’-Trilogie als Mischung aus kühl-moralischem Blick auf Mechanismen des Geldmarktes und surrealem Märchen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Barbara Auer, Christian Redl

Wiederholung: Freitag, 15. November, 08.40 Uhr

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Yella“

Rotten Tomatoes über “Yella”

Wikipedia über „Yella“