Neu im Kino/Filmkritik: „Ride along“ in einer witzlosen Buddy-Cop-Komödie

April 24, 2014

Etwas Action, einige blöde Sprüche und fertig ist der Film. Dass das nicht so einfach ist, zeigt „Ride along“ in jeder Minute seiner knapp hundert Minuten Laufzeit. Für diesen Buddy-Film, der sich Komödie nennt, aber keine ist, nimmt der harte Cop James (Ice Cube) den Freund seiner Schwester mit auf einen Training Day. Einen Tag lang darf Ben Barber (Kevin Hart), ein überforderter Schulwachmann, Videospiel-Junkie, Schwätzer und Feigling, den ultraharten und supercoolen James begleiten. James sucht auch seit Ewigkeiten Omar (Laurence Fishburne), der als Gangsterboss die Stadt beherrscht und den noch niemand gesehen hat.
Während des Training Day will der Supercop allerdings vor allem Ben beweisen, dass er nicht zum Polizisten taugt und er auch seine bildschöne und kluge Schwester in Ruhe lassen soll.
Das gibt dann am Anfang einige witzig gemeinte Szenen, in denen Ben als überforderter Depp da steht und mündet später in eine gemeinsame Jagd nach Omar, der sich dummer als ein Schulhofgangster verhält. Garniert wird das mit einem Endlos-Geplapper, das bei Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“ noch witzig war, aber inzwischen im ungenießbaren Klischee erstickt ist. Vor allem wenn einfach nur vor sich hin geblödelt wird.
Immerhin erscheint nach „Ride along“ die witzlosen, einen Tiefpunkt des Genres markierende Buddy-Cop-Comedy „Cop Out“ mit einem engagiert gegen das vorhersehbare Drehbuch aufspielendem Tracy Morgan und einem erkennbar gelangweilten Bruce Willis als besserer Film.

Ride Along - Plakat

Ride along (Ride along, USA 2013)
Regie: Tim Story
Drehbuch: Greg Coolidge, Jason Mantzoukas, Phil Hay, Matt Manfredi (nach einer Geschichte von Greg Coolidge)
mit Ice Cube, Kevin Hart, John Leguizamo, Bruce McGill, Tika Sumpter, Laurence Fishburne
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ride along“
Moviepilot über „Ride along“
Metacritic über „Ride along“
Rotten Tomatoes über „Ride along“
Wikipedia über „Ride along“

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Mehr aus dem Film und einige Worte der Macher


Neu im Kino/Filmkritik: „Irre sind männlich“ und Frauen sind bekloppt

April 24, 2014

Beginnen wir mit dem Positiven. Das Apartment von Daniel sieht wirklich wie eine Wohnung aus, in der jemand lebt.
Aber der Rest ist mit „eine deutsche Komödie“ nur unzureichend beschrieben. Denn „Irre sind männlich“ ist ein unwitziger Kladderadatsch, der sich auch irgendwie an Wochenendpsychotherapien abarbeiten will, aber nur sattsam bekannte Klischees ohne weiteren Erkenntniswert reproduziert, als hätte es nie Edward Nortons Gang durch die Selbsthilfegruppen in David Finchers grandioser Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Fight Club“ gegeben.
Aber Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“, „Wo ist Fred?“) und die Drehbuchautoren Philip Voges und Ilja Haller wollten mit „Irre sind männlich“ keine bitterböse Satire, sondern eine deutsche RomCom abliefern.
Denn eigentlich ist Daniel Lukas (Fahri Yardim) ein Traummann, wenn er nicht so furchtbar anhänglich wäre. Deshalb verlässt ihn seine Freundin Mia (Josefine Preuß). Sein Freund Thomas Vierzig (Milan Peschel), gleichzeitig Geschäftspartner in ihrer Computerspielefirma, überredet ihn, mit ihm während verschiedener Wochenendtherapien möglichst viele Frauen flach zu legen. Dafür melden sie sich mit falschen Namen und erfundenen Lebensläufen bei den Therapien an.
Bei einem Therapiewochenende trifft Thomas wieder auf Sylvie (Marie Bäumer), die er bei einem früheren Therapiewochenende versetzte, weil die gleichaltrige Wuchtbrumme nach seiner Berechnung viel zu alt für ihn ist. Sie, die die Wochenenden ebenfalls für folgenlose Bettgeschichten benutzt, will sich jetzt an Thomas rächen und erpresst ihn zum Geschlechtsverkehr.
Gleichzeitig trifft Daniel wieder auf Bernadette (Peri Baumeister), eine bekannte Schauspielerin – und die beiden Kontrollfreaks verlieben sich ineinander.
Uups, habe ich jetzt etwas verraten?
Die interessantere Liebesgeschichte in dem Film ist die zwischen Thomas und Sylvie, zwei vergnügungssüchtigen Menschen, die Bindungen wie der Teufel das Weihwasser fürchten.
Aber im Rahmen einer erfolgreichen Konfliktvermeidungsstrategie wird sich auf das langweilige Paar konzentriert, es gibt einige Witzeleien über die Psychotherapie und etwas RomCom-Sauce, wobei die Konflikte, die von Anno Saul, Philip Voges und Ilja Haller aufgebaut werden, noch nicht einmal als Scheinkonflikte taugen.
„Irre sind männlich“ ist ein deprimierender, in einem Paralleluniversum spielender Film, in dem schon andere furchtbare deutsche Filme entstanden, die heute niemand gesehen haben will.

Irre sind männlich - Plakat

Irre sind männlich (Deutschland 2014)
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Philip Voges, Ilja Haller
mit Fahri Yardim, Milan Peschel, Marie Bäumer, Peri Baumeister, Josefine Preuß, Tom Beck, Carolin Kebekus, Herbert Knaup, Gitta Schweighöfer
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Irre sind männlich“
Moviepilot über „Irre sind männlich“


Neu im Kino/Filmkritik: „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Kameramann Wally Pfister

April 24, 2014

Science-Fiction kann Fragen stellen, kann Entwicklungen aufzeigen, eine positive oder eine negative Utopie entwerfen und zum Nachdenken anregen. „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Stammkameramann Wally Pfister (nach Lehrjahren in der Roger-Corman-Filmschule), will das, aber weil er sich nicht entscheiden kann, ob er eine Dystopie oder eine Utopie inszeniert und der Film vollkommen antidramatisch, aber sehr trendy in der Gegenwart beginnt und dann zurück in die Vergangenheit springt, wissen wir von der ersten Minute an, wie die Geschichte endet.
Nur der Weg zum Ende ist unklar und auf dem Weg dahin gibt es einige interessante dramaturgische Entscheidungen, die „Transcendence“ vor einer absoluten Vorhersehbarkeit bewahren, aber die Geschichte nicht kraftvoller machen. Im Gegenteil: sie zerfasert immer weiter, bis am Ende dann doch alles mit viel Waffengewalt gelöst werden soll. Und über die im Film gestellten Fragen und Antworten sollte man auch nicht zu genau nachdenken.
Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Künstlichen Intelligenz und – auch – was einen Menschen ausmacht.
Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist ein Vordenker, der mit einem neuen Computersystem im Feld der Künstlichen Intelligenz forscht und kurz davor steht, einen Computer zu programmieren, der lernfähig und emotional begabt wie ein Mensch ist. Gleichzeitig möchte er damit die Welt zu einem besseren Ort machen, Krankheiten besiegen und die Armut überwinden. Trotzdem sind nicht alle Menschen von den Visionen des Menschenfreundes überzeugt. Die Terrorgruppe „R. I. F. T.“ (Revolutionary Independence From Technology), die ein zurück zur Natur propagiert, verübt einen gut orchestrierten und erfolgreichen Anschlag auf mehrere KI-Forscher.
Caster überlebt das Attentat, aber weil die Kugel präpariert war, wird er innerhalb weniger Wochen sterben. Casters Frau Evelyn (Rebecca Hall) entschließt sich, Wills Gedächtnis in den von ihm erfundenen Computer zu kopieren.
Das Experiment gelingt und Will, der schnell Zugriff auf alle Computer erhält, wird zu einem gottähnlichen Wesen, das sich in einem verlassenen Wüstenkaff sein weitgehend unterirdisches Reich aufbaut.
Science-Fiction-Fans werden jetzt schon mit der Checkliste begonnen haben und die Filmemacher bemühen sich erfolgreich, wirklich jedes Thema anzusprechen. Bis jetzt haben wir unter anderem „das Verhältnis von Mensch und Maschine“, „Künstliche Intelligenz“ (bzw. durchgeknallte Computer), „verrückte Wissenschaftler“, „Allmachtsphantasien“, die später genauer ausformuliert werden, Fortschrittsglaube und Fortschrittsangst. Zuerst auf rein technischer Ebene. Später mit einem religiösen Touch. Denn Will Caster kann, wie Jesus, Kraft seiner Gedanken in der Wüste Menschen heilen.
Science-Fiction-Fans werden auch eifrig das „Welcher Film wird hier zitiert?“-Trivial-Pursuit spielen und sich ärgern, dass in „Transcendence“ letztendlich so wenig aus der vielversprechenden Prämisse gemacht wurde. „Transcendence“ will zum Nachdenken anregen, spricht wichtige Themen an, aber die Macher haben selbst zu wenig nachgedacht. Denn zwischen all den Zitaten, gepaart mit einem tiefen Griff in die Science-Fiction-Themenkiste, verirrt Wally Pfister sich hoffnungslos zwischen Technikeuphorie, Technikphobie und neureligiösem Sektentum, ohne dass jemals wirklich eine eigene Haltung zur todernst und pathetisch erzählten Filmgeschichte sichtbar wird.
Dabei ist der gesamte Film optisch angenehm zurückhaltend inszeniert. So als habe ein kluger Kameramann erfolgreich mit einem begrenzten Budget und vorhandenen Orten gearbeitet. Dennoch soll der Film 100 Millionen Dollar gekostet haben.
Auch die wenigen offensichtlichen Spezialeffekte passen sich gut in den Film ein, der sich stilistisch am New Hollywood der siebziger Jahre und damals wichtiger sozialkritischer Science-Fiction-Filme orientiert. Pfister selbst nennt als Einflüsse unter anderem „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain), „Jahr 2022…die überleben wollen“ (Soylent Green), „Der Omega-Mann“ (The Omega Man), „Westworld“ (Westworld), „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth), „2001: Odyssee im Weltraum“ (2001: A Space Odyssey) und „Uhrwerk Organge“ (A Clockwork Orange).
In dieser Liga spielt „Transcendence“ nicht. Denn letztendlich ist Pfister mit seinem gut gemeinten, überfrachteten und unentschlossenen Debütfilm, der zu viel Nolan und zu wenig Corman enthält, gescheitert.
Trotzdem ist die derzeitige Rotten-Tomatoes-Bewertung von neunzehn Prozent im Vergleich zu wirklichen Gurken, wie „Seelen“, „Battleship“, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ride along“, oder dem Werk von Michael Bay zu schlecht. Denn im Gegensatz zu den gängigen Blockbuster-Science-Fiction-Krawallfilmen will Pfister immerhin zum Nachdenken anregen

Transcendence - Plakat

Transcendence (Transcendence, USA 2014)
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Transcendence“
Moviepilot über „Transcendence“
Metacritic über „Transcendence“
Rotten Tomatoes über „Transcendence“
Wikipedia über „Transcendence“ (deutsch, englisch)

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Einige weitere Bilder aus dem Film

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Einige Worte von Regisseur Wally Pfister zum Film

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Etwas älter: DP/30 unterhält sich mit Wally Pfister über sein Leben und „Inception“

 


TV-Tipp für den 24. April: Ihr werdet euch noch wundern

April 24, 2014

WDR, 23.15
Ihr werdet euch noch wundern (Frankreich/Deutschland 2012, Regie: Alain Resnais)
Drehbuch: Alain Resnais (als Alex Reval), Laurent Herbiet
LV: Jean Anouilh: Eurydice, Cher Antoine ou l’amour raté
Nach seinem Tod treffen sich die Darsteller eine Eurydike-Inszenierung im Haus des verstorbenen Theaterregisseurs. Der bittet sie per Videobotschaft, anhand eines Probenmitschnitts über die Aufführung eines Theaterstückes zu entscheiden. Als die Schauspieler bemerken, dass es sich um den Mitschnitt einer ihrer Proben handelt, schlüpfen sie in ihre Rollen – und Alain Resnais liefert in seinem vorletzten Film eine Liebeserklärung an das Theater.
Alain Resnais („Hiroshima, mon amour“, „Letztes Jahr in Marienbad“, „Das Leben ist ein Chanson“) starb am 1. März 2014. Er wurde 91 Jahre alt . Sein letzter Film „Aimer, boire et chanter“ lief auf der diesjährigen Berlinale.
mit Mathieu Amalric, Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean-Noël Brouté, Anne Consigny, Anny Duperey, Hippolyte Girardot, Gérard Lartigau, Michel Piccoli, Denis Podalydès, Lambert Wilson
Hinweise
Film-Zeit über „Ihr werdet euch noch wundern“
Moviepilot über „Ihr werdet euch noch wundern“
Rotten Tomatoes über „Ihr werdet euch noch wundern“
Wikipedia über Alain Resnais und „Ihr werdet euch noch wundern“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 23. April: Das Schweigen der Lämmer

April 22, 2014

Kabel 1, 23.15

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine

Wiederholung: Donnerstag, 24. April, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “The Silence of the Lambs”

Rotten Tomatoes über “The Silence of the Lambs”

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally (2nd draft script, 28. Juli 1989)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (final draft script)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (undated, unspecified draft script)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Wikipedia über Thomas Harris (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. April: No Way Out – Es gibt kein Zurück

April 21, 2014

Bayern, 22.00

No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Garland

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946

Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.

Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.

Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton

Hinweise

Rotten Tomatoes über “No Way Out”

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der früheren Verfilmung “Spiel mit dem Tode” (The Big Clock, USA 1947)


TV-Tipp für den 21. April: Strafsache Jesus

April 21, 2014

ZDF, 19.30
Strafsache Jesus – Faktencheck mit Petra Gerster (Deutschland 2014, Regie: Daniel Sich, u. a.)
Drehbuch: Daniel Sich
45-minütige Doku, die die aus der Bibel bekannte Geschichte über den Tod von Jesus nacherzählt als seien es Gerichtsakten (was sie nicht sind), sie um einige Expertenaussagen ergänzt (davon hätte es mehr geben können) und Petra Gerster durch historische Gemäuer schlendern lässt (davon hätte es weniger geben können). Insgesamt ist der Informationsgehalt eher spärlich. Aber als wenig Aufmerksamkeit beanspruchende Auffrischung okay.
Hinweis
ZDF über „Strafsache Jesus“


TV-Tipp für den 20. April: Goldrausch

April 20, 2014

3Sat, 21.00
Goldrausch (USA 1925, Regie: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
1898 macht der Tramp Charlie sich auf den Weg nach Alaska. Denn dort wurde Gold gefunden.
Grandiose Stummfilmkomödie, über die Chaplin sagte: „Das ist der Film, mit dem ich meinen Namen für immer verknüpft sehen möchte.“
3Sat zeigt die von Chaplin 1942 hergestellte Version, deutsch synchronisiert.
mit Charlie Chaplin, Georgia Hale, Mack Swain, Tom Murray

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch) und „Goldrausch“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movie über „Goldrausch“

AMC Filmsite über „Goldrausch“

Rotten Tomatoes über „Goldrausch“


Neu im Kino/Filmkritik: „Circles“ – die Nachwirkungen einer Auseinandersetzung

April 19, 2014

Mut, Schuld, Sühne, Rache, Vergebung. Große Themen, die Srdan Golubovic in seinem neuen Film „Circles“ (Krugovi) vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges behandelt.
Der Film beginnt an einem sonnigen Tag während des Bosnienkrieges, als ein serbischer Offizier und drei weitere Soldaten auf dem Marktplatz in Trebinje einen muslimischen Kioksbesitzer bedrohen und attackieren. Ein junger serbischer Soldat greift deeskalierend ein und bevor wir erfahren, wie der Streit endet, springt der Film zwölf Jahre in die Zukunft und Golubovic verfolgt das Leben von einigen Männern, die etwas mit dem damaligen Ereignis zu tun haben.
Ranko, ein älterer Mann, will eine Kirche wieder aufbauen. Dabei will ihm ein Jugendlicher helfen. Aber Ranko lehnt diese Hilfe – zunächst – wegen des früheren Ereignisses ab.
Haris lebt inzwischen als Arbeiter und glücklich verheirateter Vater in Deutschland. Er will einer Frau helfen, die vor ihrem gewalttätigen Mann aus Serbien flüchtete.
Nebojsa ist inzwischen Arzt. Er soll Todor operieren, aber aufgrund des Ereignisses fragt er sich, ob er die Operation machen soll.
Das klingt jetzt alles etwas nebulös, aber im Gegensatz zum Presseheft, das die Hintergründe und Motive verrät, enthüllt der Film nur langsam die moralischen Dilemma der Charaktere und erst ganz am Ende des Films erfahren wir, was damals geschah. Wir können es uns zwar denken, aber weil wir es nicht wissen, bleiben bis zu den letzten Minuten unklar, warum die Männer sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Wir wissen nicht, warum Ranko gegenüber dem Jungen so ablehnend reagiert. Wir wissen nicht, warum Nebojsa sich fragt, ob er die Operation leiten soll. Wir wissen nicht, warum Haris der Frau hilft. Wir wissen nur, dass es etwas ist, worüber sie nicht sprechen wollen.
Deshalb und weil die Männer weitgehend schweigsam mit ihrem Schicksal hadern, betrachtet man sie auch immer sehr distanziert. Denn es geht um etwas Wichtiges, aber es ist nicht wirklich greifbar, weil Golubovic die Hintergründe erst viel zu spät enthüllt. Jedenfalls für ein Publikum, das nicht im ehemaligen Jugoslawien lebt und von dem Bürgerkrieg betroffen ist.
Das ist schade, denn davon abgesehen findet Golubovic, der auch „Klopka – Die Falle“ inszenierte, einprägsame Bilder aus dem heutigen Serbien, Bosnien und Herzegowina und einem anonymen Deutschland. Gedreht wurde in Halle. Die Schauspieler sind gut. Aber alles in „Circles“ bleibt zu abstrakt und thesenhaft. Es ist ein spröder Film, der grundlos zu viel von seinem Potential verschenkt; – jedenfalls beim ersten Ansehen.
Wenn man allerdings weiß, was damals auf dem Dorfplatz geschah, man die Motive und Gefühle der Charaktere kennt und weiß, wie ihre Beziehungen zueinander sind, dann ist „Circles“ eine sehr interessante Meditation über Schuld, Sühne, Rache und Vergebung, die auf der Berlinale den Preis der Ökomenischen Jury erhielt und der Vorschlag Serbiens für den Oscar als bester fremdsprachiger Film war.
Nur: wer sieht sich einen Film zweimal an?

Circles - Plakat

Circles (Krugovi, Serbien/Slowenien/Kroatien/Frankreich/Deutschland 2012)
Regie: Srdan Golubovic
Drehbuch: Melina Pota Koljevic
mit Aleksander Bercek, Leon Lucev, Nebojsa Glogovac, Nikola Rakocevic, Hristina Popovic, Boris Isakovic, Vuk Kostic
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Circles“
Moviepilot über „Circles“
Rotten Tomatoes über „Circles“
Wikipedia über „Circles“


TV-Tipp für den 19. April: Der große Diktator

April 19, 2014

3Sat, 20.15

Der große Diktator (USA 1940, R.: Charlie Chaplin)

Drehbuch: Charlie Chaplin

Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Wer den Film noch nicht gesehen hat,…

Morgen zeigt 3Sat um 21.00 Uhr „Goldrausch“.

Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie

Wiederholung: Samstag, 20. April, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Charlie-Chaplin-Seite

Charlie Chaplin Archive

Wikipedia über Charlie Chaplin (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Yves Saint Laurent“ und sein Freund Pierre Bergé

April 18, 2014

Alles das, was Ron Howard in „Rush“ über den erbitterten Kampf um den Weltmeistertitel zwischen den Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt oder Brian Helgeland in „42“ über Jackie Robinson, der als erster Afroamerikaner, trotz massiver Vorurteile, in der Major League Baseball spielte oder Margarethe von Trotta in „Hannah Arendt“ über die Philosophin und ihr Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ richtig machten und auch noch Justin Chadwick in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ über den südafrikanischen Freiheitskämpfer mit Einschränkungen gelang, macht Jalil Lespert in seinen Biopic „Yves Saint Laurent“ falsch. Denn bei ihm wird nie deutlich, warum wir uns für den Modeschöpfer interessieren sollten, was wir aus seinem Leben lernen könnten oder auch nur gegen welche Widerstände er kämpfte.
Im Film wirkt Yves Saint Laurent wie das geborene Glückskind. Er ist modebegeistert. Als 21-jähriger übernimmt er 1957, nach dem plötzlichen Tod von Christian Dior, das Haute-Couture-Haus. Er trifft Pierre Bergé, der sein Freund, Geliebter und Geschäftspartner wird. Bergé, der auch der Erzähler des Films ist, ist die Frau im Hintergrund. Als sie 1961 das Modelabel „Yves Saint Laurent“ gründen, lässt er Yves Saint Laurent in der Öffentlichkeit und hält ihm die alltäglichen Geschäftsprobleme vom Hals. Laurents Kollektionen werden begeistert aufgenommen. Sie sind glücklich und genießen ihren Reichtum, ohne mit ihm zu protzen. In dieser rosaroten Modewelt ist alles perfekt und alle haben sich lieb.
Dass die Wirklichkeit nicht so rosig war, erfährt man im Film nicht. Im Film hat Yves Saint Laurent keine Probleme und er muss auch gegen keine Widerstände kämpfen. Im Film hatte er ein vollkommen langweiliges Leben. Das ist dann für einen Film, vor allem wenn man über Yves Saint Laurent nur weiß, dass er ein bedeutender Modeschöpfer war, einfach nur todlangweilig. Denn man erfährt im Film nicht, warum die gezeigten Kollektionen so wichtig sind. Man erfährt auch nicht, warum Laurent sich als Künstler sah, er die Mode als eine Kunst ansah und seine Kollektionen so revolutionär waren.
Und die im Zentrum des Films stehende Liebesgeschichte ist für einen Film ziemlich uninteressant. Denn für einen Film ist „Konflikt“ der notwendige Treibstoff. In Konflikten und wie sie damit umgehen, zeigt sich der Charakter der verschiedenen Personen. Die perfekte Liebe, die man natürlich jedem gönnt, ist dagegen die vollkommene Abwesenheit von Konflikt.
Für ein Biopic ist das dann aber nicht besonders lehrreich. Denn, wie gesagt, bei einem Biopic wollen die Macher uns Zuschauern erzählen, warum dieses Leben so ungewöhnlich war und was wir aus diesem Leben lernen können. Auch was wir anders machen würden oder wo der Porträtierte das vollkommen falsche getan hat. Am Ende des Films sollten wir mehr über den Protagonisten wissen, seine Handlungen verstehen und auch wissen, warum er eine so ungewöhnliche Person ist.
„Yves Saint Laurent“ versagt hier leider komplett.
Das verklärende Biopic ist nur ein vollkommen unkritischer Werbefilm. Aber wer will zwei Stunden Werbung sehen, wenn er im Fernsehen schon nach zwei Minuten den TV-Kanal wechseln würde?

Yves Saint Laurent - Plakat

Yves Saint Laurent (Yves Saint Laurent, Frankreich 2013)
Regie: Jalil Lespert
Drehbuch: Jacques Fieschi, Marie-Pierre Huster, Jalil Lespert, Jérémie Guez (Mitarbeit)
LV: Laurence Benaïm: Yves Saint Laurent
mit Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie de Villepin, Nikolai Kinski
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Yves Saint Laurent“
Moviepilot über „Yves Saint Laurent“
Metacritic über „Yves Saint Laurent“
Rotten Tomatoes über „Yves Saint Laurent“
Wikipedia über „Yves Saint Laurent“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 18. April: Papillon

April 18, 2014

3sat, 22.00

Papillon (USA 1973, R.: Franklin J. Schaffner)

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffmann, Dalton Trumbo (Nebenrolle)

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Papillon“

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Dom Hemingway“, Safeknacker, Angeber, Arschloch und Choleriker – und das sind seine guten Seiten

April 17, 2014

Zu Dom Hemingway hält man am besten einen ordentlichen Sicherheitsabstand. Denn er ist ein wandelndes Katastrophengebiet und etwas aus der Zeit gefallen. Immerhin sitzt er, als wir ihn das erste Mal sehen, seit zwölf Jahren im Gefängnis.
Diese erste Begegnung mit ihm setzt dann auch den Ton für den restlichen Film: Jude Law, der Dom Hemingway ist, steht mit nackten Oberkörper da, blickt starr in die Kamera und hält einen mehrminütigen, ungeschnittenen Monolog an sein bestes Teil, während dieses, wie wir später sehen, gerade von einem Mithäftling liebkost wird.
Danach wird Dom Hemingway entlassen. Als erstes verprügelt er in aller Öffentlichkeit den letzten Freund seiner verstorbenen Frau, versucht in einer Nacht den gesamten Drogen- und Sexkonsum der vergangenen zwölf Jahre nachzuholen und begibt sich mit seinem schweigsamen Freund Dickie (Richard E. Grant) nach Frankreich zu Mr. Fontaine (Demian Bichir). Er will seinen Anteil aus dem Bruch, für den der Safeknacker verurteilt wurde. Plus Zuschlag für sein Schweigen.
Mit „Dom Hemingway“ inszenierte Richard Shepard, von dem auch die durchgeknallte Killer-Komödie „Mord und Margaritas“ und der unterschätzten Polit-Thriller „Hunting Party“ sind, eine schwarzhumorige Gaunerkomödie voller Geschmacklosigkeiten. Denn Dom Hemingway mit seine abrupten Stimmungswechseln ist vollkommen unfähig für ein normales Leben. Das ist anfangs in seiner Kompromisslosigkeit grandios. Aber Shepard lässt seine Charakterstudie mit zunehmender Laufzeit immer stärker in eine beliebige Abfolge von Episoden aus dem Leben von Dom Hemingway münden. Denn Dom lebt nur für den Augenblick. Er zieht keine Konsequenzen aus seinen Taten. Da helfen auch nicht die gelegentlichen Anfällen von überbordendem Selbstmitleid. Das wird besonders deutlich nach der Frankreich-Episode.
Dom will sein Geld haben, aber ob der aalglatte und gefährlich höfliche Mr. Fontaine es ihm wirklich geben wird, ist unklar. Der Konflikt darüber, auch weil Dom natürlich sofort mit Fontaines gut aussehender Freundin Sex haben will, würde bei anderen Regisseuren für einen abendfüllenden Film ausreichen. Bei Shepard ist es nur eine Episode und nachdem Fontaines Freundin mit dem gesamten Geld verschwindet, verbucht Dom den Verlust achselzuckend als Pech und kehrt mittellos nach London zurück, wo er sich wieder als Safeknacker versucht. Dabei kann er überhaupt nicht verstehen, dass andere Menschen ihm sein asoziales Verhalten vorhalten und seine Tochter keinen Kontakt zu ihm haben möchte.
Aber spätestens nach dem Frankreich-Ausflug erfahren wir nichts wesentlich Neues mehr über Dom Hemingway. Eigentlich hat schon der Eröffnungsmonolog, der mich wirklich neugierig auf den Charakter und seine Erlebnisse außerhalb der Gefängnismauern machte, alles wichtige über ihn verraten.
So ist „Dom Hemingway“ nach einer grandiosen Eröffnung nur eine zunehmend langweilige Nummernrevue und eine Jude-Law-Soloshow. Denn der großmäulige, egozentrische Hohlkopf Dom Hemingway degradiert alle zu Stichwortgebern in seiner Welt.

Dom Hemingway - Plakat

Dom Hemingway (Dom Hemingway, Großbritannien 2013)
Regie: Richard Shepard
Drehbuch: Richard Shepard
mit Jude Law, Richard E. Grant, Demian Bichir, Emilia Clarke, Kerry Condon, Jumayn Hunter, Madalina Ghenea, Nathan Stewart-Jarrett
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Dom Hemingway“
Moviepilot über „Dom Hemingway“
Metacritic über „Dom Hemingway“
Rotten Tomatoes über „Dom Hemingway“
Wikipedia über „Dom Hemingway“ 

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Die TIFF-Pressekonferenz 2013

DP/30 unterhält sich mit Filmemacher Richard Shepard

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ und einigen anderen Bösewichtern

April 16, 2014

Erstens: die spoilerfreie Besprechung. „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein weiterer Marvel-Film, der alles das enthält, was man von einem Marvel-Film erwartet und, im Gegensatz zu „The Amazing Spider-Man“, der nur Sam Raimis ersten Spider-Man-Film nacherzählte, ist der zweite „Amazing Spider-Man“-Film von Marc Webb mit Andrew Garfield als Spider-Man erfrischend eigenständig.
Zweitens: er hat natürlich auch etliche Probleme, die teilweise an Sam Raimis dritten Spider-Man-Film erinnern, die teilweise auch typisch Marvel sind – und die ich nur sinnvoll ansprechen kann, indem ich auch mehr oder weniger viel von der Handlung verrate. Obwohl die Überraschungen dann doch, jedenfalls für alle, die Raimis Filme, die Comics und die Spider-Man-Mythologie kennen, gar nicht so groß sind.
Jedenfalls: ab jetzt folgt die Filmbesprechung mit Irgendwie-Spoilern.
Peter Parker (Andrew Garfield) hat sich inzwischen an sein Leben als Spider-Man gewohnt. Lässig turnt er durch die Schluchten von New York, telefoniert mit seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone), die ihn zur Schulabschlussfeier erwartet, rettet nebenbei einige Menschen, unter anderem Max Dillon (Jamie Foxx), und spielt mit den Bösewichtern, die irgendeine supergefährliche Flüssigkeit klauen wollen und als unauffälligste Methode für ihren Diebstahl fiel ihnen eine Straßenschlacht ein. Am Ende sind sie mit Spinnenfäden festgesetzt und Peter kommt fast pünktlich zur Abschlussfeier.
Nach diesem optisch ziemlich furiosen Auftakt (davor haben wir bereits erfahren, was mit Peters Eltern geschah, nachdem sie ihn bei seiner Tante May und Onkel Ben zurückließen) gibt es eine von vielen Verschnaufpause; eigentlich ist der gesamte Film bis zum finalen dritten Akt eine einzige, unnötig lang geratene und erzählerisch unnötig überladene, oft wenig zielführende Verschnaufpause, in der vieles aus dem Spider-Man-Universum angesprochen wird, die Macher sich die Freiheit für Abschweifungen nehmen und auch einiges für die nächsten Filme vorbereitet wird, weil die Macher wissen, dass sie ein folgsames, zahlungswilliges und mit der Mythologie vertrautes Publikum haben, was dazu führt, dass in dem Film einfach zu viel angesprochen wird, ohne dass es in diesem Film wirklich konsequent weitererzählt wird. Wichtige Stationen in Peters Leben werden dagegen fast schon lieblos erledigt, wie die Verarbeitung der Geschichte aus dem Comic „The Amazing Spider-Man # 121/122“ im Film.
Denn der Plot ist, mal wieder, so kompliziert, dass er sinnvoll kaum nacherzählbar ist. Wenn man es versucht, stellt man fest, dass die Geschichte als in sich schlüssige und stringente Geschichte nicht sonderlich viel Sinn ergibt. Das fällt beim Ansehen nicht so sehr auf, weil jede Szene für sich funktioniert. Nur halt in der Gesamtheit nicht.
Das mag auch daran liegen, dass Spider-Man in „Rise of Electro“ gegen drei Gegner kämpfen muss. Das war schon in Sam Raimis „Spider-Man 3“ eine schlechte Idee, die aus einem Spielfilm eine Zusammenstellung von drei Kurzfilmen machte. In „Rise of Electro“ kämpft Spider-Man daher nicht nacheinander gegen die drei Superschurken, sondern erst am Ende, mit einer kleinen Unterbrechung, hintereinander gegen die Bösewichter. Dummerweise besiegt er im Schlusskampf zuerst den titelgebenden Electro, der als titelgebender Bösewicht, wie wir es aus den James-Bond-Filmen kennen, eigentlich als letzter sterben sollte.
Er muss auch gegen seinen alten Freund Harry Osborn (Dane DeHaan in bester „Kill your Darlings“-Stimmung), der ziemlich spät im Film zu Green Goblin mutiert, kämpfen. Und dann ist da noch The Rhino, gespielt von Paul Giamatti, der hier vollkommen verschenkt ist und am Ende als Überraschungsei auftaucht, nachdem er schon im ersten Action-Set-Piece einer der Bösewichter war, der von Spider-Man festgesetzt wurde und anschließend vollständig aus der Geschichte verschwindet. Sowieso stehen sich die drei Bösewichter; – naja, eher zweieinhalb, denn The Rhino zählt nicht wirklich -, gegenseitig im Weg. Electro bleibt blass. Sein in Hass umschlagendes Spider-Man-Fantum ist eine eher schwache Motivation für einen Superbösewicht, der auch nicht weiß, was er mit seiner Superkraft anfangen soll und, nach seinem ersten Auftritt auf dem Times Square, sowieso die meiste Zeit des Films im Ravencroft Institute for the Criminally Insane festsitzt, wo ihn Dr. Kafka mit Stromstößen foltert. Harry Osborn ist dagegen als schnöseliger, todkranker Firmenerbe wesentlich interessanter und er wäre auch ein würdiger Hauptgegner für Spider-Man. Wenn da nicht eben der als Bösewicht furchtbar blasse Electro wäre.
Im Mittelpunkt steht eigentlich die Liebesbeziehung zwischen Peter und Gwen, die vielleicht demnächst in Oxford ihr Studium beginnt. Was Peter vor das gewaltige Problem stellt, dass er New York nicht verlassen will. Sowieso ist der Film ein ziemlicher Männerfilm, in dem nur die Geliebte und die Mutter (verkörpert durch Peters Tante) ein halbwegs individuelles Gesicht gewinnen, aber weitgehend auf die bekannten Klischees festgelegt sind.
Bei den Action-Set-Pieces sind die einzelnen Bilder beeindruckender, als die gesamte Szene. Die Kämpfe von Spider-Man gegen die Bösewichter sind sowieso ziemlich enttäuschend geraten. Denn sie sind ziemlich kurz und, dafür dass sie beeindrucken sollen, erstaunlich lieblos inszeniert. Denn es ist immer nur ein hastiges aneinanderfügen von Bildern, aber nie ein Ablauf von nachvollziehbaren Bewegungen, von Handlungen, die nachvollziehbare Folgen haben, von Kämpfen, die eine Geschichte erzählen. Es entsteht auch nie das Gefühl, dass hier Schauspieler wirklich in Gefahr sind. Stattdessen wirken alle „Action-Szenen“ wie Trickfilme.
Dabei schwingt Spider-Man sich vorher schwerelos durch die Schluchten von Manhattan.
Am Ende des mit 143 Minuten zu lang geratenen Films bleibt das Gefühl zurück, dass es besser gewesen wäre, sich auf einen Gegner, eine Geschichte, eine Laufzeit von unter zwei Stunden und eine gute Action-Regie zu konzentrieren.

The Amazing Spider-Man 2 - Plakat

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)
Regie: Marc Webb
Drehbuch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner (nach einer Filmgeschichte von Alex Kurtzman, Roberto Orci, Jeff Pinkner und James Vanderbilt)
mit Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Paul Giamatti, Sally Field, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Colm Feore
Länge: 143 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“
Moviepilot über „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“
Metacritic über „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“
Rotten Tomatoes über „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“
Wikipedia über „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)


TV-Tipp für den 17. April: Fräulein Smillas Gespür für Schnee

April 16, 2014

Eins Festival, 00.55
Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Deutschland/Dänemark/Schweden 1996, Regie: Bille August)
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“
Wikipedia über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. April: Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt

April 16, 2014

Arte, 22.30
Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt (D 2014, Regie: Brigitte Kleine)
Drehbuch: Brigitte Kleine
Gut einstündige Doku über Amazons neuen Anschlag auf die deutsche Buchwelt: der Buchhändler will jetzt auch Bücher verlegen – und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist davon nicht begeistert.
Aber das war, glaube ich, auch nicht, als Amazon den deutschen Markt betrat und als erstes dafür sorgte, dass englische Bücher überall in Deutschland schnell und zu vernünftigen Preisen erhältlich waren. Und dann warf Amazon diesen E-Book-Reader auf den Markt…
Hinweis
Arte über die Doku


TV-Tipp für den 15. April: Kalifornia

April 15, 2014

Tele 5, 23.00
Kalifornia (USA 1993, Regie: Dominic Sena)
Drehbuch: Tim Metcalfe
Ein junges Paar unternimmt eine Überlandreise, auf der sie – für ein Buch – Orte besuchen, an denen Serienkiller mordeten. Um Benzingeld zu sparen, nehmen sie ein junges Paar mit. Was sie nicht wissen: sie haben das Objekt ihres Buches als Mitfahrer eingeladen.
„’Kalifornia‘ ist ein Roadmovie und variiert ohne eigene Qualitäten das zur Zeit im amerikanischen Kino beliebte Serienmörderthema.“ (Fischer Film Almanach 1994)
„Wir raten ab.“ (Lexikon des internationalen Films)
Nun, mir gefiel der kleine, gemeine Thriller mit dem genreüblichen Action-Showdown. In den USA gab es drei Saturn-Nominierungen der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, unter anderem als bester Horrorfilm und für das Drehbuch.
mit Brad Pitt, Juliette Lewis, David Duchovny, Michelle Forbes, Sierra Pecheur
Wiederholung: Freitag, 18. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Kalifornia“
Wikipedia über „Kalifornia“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. April: Sieben

April 13, 2014

ZDF, 22.15
Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“ und „Verblendung“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery
Hinweise
Metacritic über „Sieben“
Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. April: Asphalt Cowboy

April 13, 2014

BR, 23.15

Asphalt-Cowboy (USA 1969, R.: John Schlesinger)

Drehbuch: Waldo Salt

LV: James Leo Herlihy: Midnight Cowboy, 1965 (Mitternachts-Cowboy)

Der naive Cowboy Joe Buck aus Texas will in New York als Gigolo viel Geld verdienen. Aber bei den reichen Damen hat er kein Glück und sein einziger Freund, der an Tuberkulose erkrankte Kleingauner Ratso, vermittelt ihn an schwule Kunden. Denn die lieben einen echten Cowboy.

Mit dem vor Ort gedrehten, den ‘american way of life’ kritisierendem Drama hatte John Schlesinger in den USA seinen Durchbruch, Jon Voight und Dustin Hoffman (der bereits mit „Die Reifeprüfung“ einen Hit hatte) stiegen in die erste Liga auf und, nachdem der Film für zahlreiche Preise nominiert wurde und etliche erhielt (der bekannteste ist natürlich der Oscar für den besten Film des Jahres), wurde auch das X-Rating (nicht jugendfrei und damit vor allem für Pornos reserviert) für diesen Film überdacht und in ein R-Rating.

Für das muntere Partygeplauder sollte man wissen, dass „Asphalt-Cowboy“ nicht nur einzige Film ist, der mit einem X-Rating, der einen Oscar als bester Film erhielt, sondern dass er auch der einzige als nicht jugendfrei eingestufte Spielfilm ist, der einem amtierendem US-Präsidenten gezeigt wurde.

Für Cineasten ist „Asphalt-Cowboy“ einer der ersten New-Hollywood-Filme.

mit Dustin Hoffman, Jon Voight, Sylvia Miles, John McGivern, Brenda Vaccaro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Asphalt-Cowboy“

Wikipedia über „Asphalt-Cowboy“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Midnight Cowboy” von James Herlily und Waldo Salt (Fassung vom 2. Februar 1968)

Michael Dare über “Midnight Cowboy” (Liner-Notes der Criterion-DVD)

MetalAsylum: Mike Lorefice über “Midnight Cowboy” (25. Januar 2002)

Filmsite: Tim Dirks über “Midnight Cowboy”

Orlando Sentinel: Jon Voight über “Midnight Cowboy” (30. März 2009)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Neustarts „Sabotage“, „SuperHypochonder“, „Spuren“ und „Die Poetin“

April 12, 2014

Zwischen schneuzen und husten und nach einem Brüssel-Ausflug, bei dem ich, vor allem im Zug, viel weniger tun konnte, als ich tun wollte, gibt es jetzt einige Kurzkritiken zu den Neustarts der Woche:

„Sabotage“ heißt der neue Arnold-Schwarzenegger-Film. Er spielt John „Breacher“ Wharton, den Leiter eines Special Operations Team der Anti-Drogen-Behörde DEA. Mit seinem Team klaut er bei einem Einsatz gegen einen Drogenbaron zehn Millionen Dollar. Dummerweise ist das Geld, als sie es abholen wollen, verschwunden. Die Untersuchung der Internen Ermittler, die vermuten, dass Breachers Team Geld geklaut hat, überstehen sie, aber danach beginnt jemand sie der Reihe nach umzubringen.
David Ayer, der auch „Training Day“, „Dark Blue“, „Street Kings“ und „End of Watch“ machte, inszeniert Arnold Schwarzenegger. Das weckt Erwartungen, die der Film in keiner Sekunde erfüllt. Anstatt eines intelligenten Noir-Cop-Thrillers ist „Sabotage“ ist ein dumpfes Macho-Abenteuer (auch die einzige Frau in Breachers Team ist ein Vorzeigemacho), das seine wahre Heimat irgendwo im TV-Spätprogramm hat.
Denn der Gegner ist ohne Gesicht, die Konflikte im Team sind banal, ihre nie glaubwürdige Kameradie peinlich dick aufgetragen, die Handlung schleppt sich zäh wie erkaltete Lava vor sich hin. Nein, das alles hat man schon unzählige Male besser gesehen in unzähligen Cop-Thrillern, auch von Ayer, oder der grandiosen TV-Serie „The Shield“, die ähnliche Themen ungleich gelungener durchbuchstabiert. Dass der Film nicht, wie Ayers vorherige Filme, in Los Angeles, sondern in Atlanta, Georgia, spielt, erfährt man durch einige Wald- und Brückenbilder. Dabei lebten Ayers bisherige Filme gerade von seiner symbiotischen Beziehung zwischen Handlungsort und Filmgeschichte. „Sabotage“ könnte dagegen überall spielen.
Nein, von dem Team Ayer-Schwarzenegger hatte ich mehr erwartet. So ist „Sabotage“ der schlechteste Film von Arnold Schwarzenegger nach seiner politikverordneten Pause und ein Werk der verschenkten Möglichkeiten.

Sabotage - Plakat - 4

Sabotage (Sabotage, USA 2014)
Regie: David Ayer
Drehbuch: Skip Woods, David Ayer
mit Arnold Schwarzenegger, Sam Worthington, Joe Manganiello, Josh Holloway, Terrence Howard, Max Martini, Kevin Vance, Mark Schlegel, Martin Donovan, Mireille Enos, Olivia Williams
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
–
Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Sabotage“
Moviepilot über „Sabotage“
Metacritic über „Sabotage“
Rotten Tomatoes über „Sabotage“
Wikipedia über „Sabotage“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Ayers „End of Watch“ (End of Watch, USA 2012)
–


„Super-Hypochonder“ ist der neue Film der „Willkommen bei den Sch’tis“-Macher und während mir die Prämisse von „Willkommen bei den Sch’tis“ zu altmodisch und damit für einen zeitgenössischen Film zu weit hergeholt war, hat mir „Super-Hypochonder“ wesentlich besser gefallen. Dabei basiert auch diese Geschichte in der guten alten Komödien- und Klamauk-Tradition der fünfziger und sechziger Jahre: Romain Faubert ist der titelgebende Superhypochonder, dessen sozialen Kontakte sich hauptsächlich auf seine Treffen mit seinem Arzt Dr. Dimitri Zvenka beschränken. Der will jetzt seinen besten Patienten, der kerngesund ist, endlich loswerden. Die Idee mit einer Freundin schlägt fehl. Als er ihn mit zu einem Flüchtlingsschiff schleppt, auf dem er und andere Ärzte ehrenamtlich die Flüchtlinge medizinisch versorgen, geraten die Dinge außer Kontrolle. Faubert wird nach einem dummen Zufall für Anton Miroslav, den Anführer der Revolution in Tscherkistan gehalten – und Zvenkas revolutionsbegeisterte Schwester Anna verliebt sich sofort in den sympathischen Revolutionär, den sie, vor seinen Verfolgern, bei sich zu Hause versteckt.
Der Revolutionär versteckt sich währenddessen, schwer verletzt, in Fauberts Wohnung und ist von der gut ausgestatteten Hausapotheke begeistert. Natürlich fliegt der Schwindel auf. Dennoch wird Faubert nach Tscherkistan ausgeliefert.
Ein kurzweiliger Klamauk.

SuperHypochonder - Plakat

Super-Hypochonder (Supercondriaque, Frankreich 2013)
Regie: Dany Boon
Drehbuch: Dany Boon
mit Dany Boon, Alice Pol, Kad Merad, Jean-Yves Berteloot, Judith El Zein, Valérie Bonneton, Bruno Lochet
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Französische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Super-Hypochonder“
Moviepilot über „Super-Hypochonder“
Wikipedia über „Super-Hypochonder“ (deutsch, französisch)
–


Und dann gibt es noch zwei Biopics.
In „Spuren“ wird die Geschichte der 27-jährigen Robyn Davidson erzählt, die 1977 mit vier Kamelen in neun Monaten die australische Wüste von Alice Springs bis zum Indischen Ozean durchquerte. Die Reportage über ihre Reise wurde zu einem Verkaufserfolg für das „National Geographic“-Magazin. Ihr kurz darauf geschriebenes Buch ein Bestseller.
Der Film selbst ist eine höchst zwiespältige Angelegenheit. Denn den Machern gelingt es nie, zu zeigen, warum Davidson die gefährliche Reise unternimmt. In den anderen Ein-Personen-Stücken, die in letzter Zeit im Kino liefen, wie „Buried“, „Gravity“ und „All is Lost“ war das klar: der Protagonist wollte überleben. Aber bei Davidson ist es unklar. Am Filmanfang sagt sie, fast schon schnippisch: „Warum nicht?“ Denn warum soll eine Frau nicht auch eine Reise unternehmen können, wenn ein Mann das kann? Ein guter Punkt, der allerdings nicht über einen ganzen Film trägt, sondern, als Gegenfrage, eine klassische Nicht-Antwort ist.
Außerdem scheint in „Spuren“ die einsame Wüste ein Ort des Lebens zu sein. Denn es gibt kaum eine Szene, in der Davidson allein ist. Immer wieder trifft die Frau, die die Einsamkeit sucht, Menschen. Aber auch aus diesem Konflikt schlägt der Film keine dramaturgischen Funken.
Immerhin gibt es einige schöne Landschaftsaufnahmen und Mia Wasikowska in der Hauptrolle.

Spuren - Plakat

Spuren (Tracks, Australien 2013)
Regie: John Curran
Drehbuch: Marion Nelson
LV: Robyn Davidson: Tracks, 1980 (Spuren – Eine Reise durch Australien)
mit Mia Wasikowska, Adam Driver, Rainer Bock, Rolley Mintuma, John Flaus, Robert Coleby, Tim Rodgers
Länge: 113 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Spuren“
Moviepilot über „Spuren“
Metacritic über „Spuren“
Rotten Tomatoes über „Spuren“
Wikipedia über „Spuren“
Meine Besprechung von John Currans “Stone” (Stone, USA 2010)
–


In „Die Poetin“ ist dagegen die dramaturgische Klammer sehr deutlich: „The art of losing isn’t hard to master.“
Es ist die erste Zeile von Elizabeth Bishops Gedicht „The art of losing“ und der Film erzählt, wie sie das lernte: 1951 ist sie in einer Schaffenskrise. Als sie mit diesem Gedicht nicht weiterkommt, entschließt sie sich zu einer Reise. In Rio de Janeiro besucht sie ihre alte Studienfreundin Mary, die mit Lota de Macedo Soares liiert ist. Die burschikose Architektin kann zuerst nichts mit der sanften Dichterin und ihrem elitärem Künstlergehabe anfangen. Sie verlieben sich dann doch ineinander und der Film zeichnet ihre Beziehung, die am Anfang auch eine lesbische Dreiecksbeziehung ist, nach.
Lota de Macedo Soares (1910 – 1967) schuf später den zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Flamengo Park in Rio de Janeiro.
Elizabeth Bishop (1911 – 1979) erhielt 1956 den Pulitzer-Preis für ihrem Gedichtzyklus „North & South – A Cold Spring“. Weitere wichtige Literaturpreise folgten.
Konventionell, fast schon unterkühlt inszeniert, bietet das Biopic, das sich auf Bishops fünfzehnjährigen Aufenthalt in Brasilien konzentriert, einen gelungenen Einblick in das Leben von zwei Frauen – und wie Bishop „the art of losing“ erlernte.

Die Poetin - Plakat

Die Poetin (Flores Raras/Reaching for the Moon, Brasilien 2013)
Regie: Bruno Barreto
Drehbuch: Matthew Chapman, Julie Sayres (basierend auf dem Drehbuch von Carolina Kotscho)
mit Miranda Otto, Glória Pires, Tracy Middendorf, Marcello Airoldi, Treat Williams
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Poetin“
Moviepilot über „Die Poetin“
Metacritic über „Die Poetin“
Rotten Tomatoes über „Die Poetin“
Wikipedia über „Die Poetin“