Ursprünglich sollte „Gangs of Wasseypur“ als ein Film gezeigt werden. Aber dreihundert Minuten war dann, sogar für Bollywood-Verhältnisse, etwas lang. Auch weil „Gangs of Wasseypur“ kein Musical (obwohl es genug Musik gibt), sondern ein Gangsterepos ist, das – anscheinend ziemlich nah an der Realität – die Geschichte des Verbrechertums in der nordostindischen Kohle- und Bergbaustadt Wasseypur erzählt.
Regisseur Anurag Kashyap konzentriert sich dabei auf die miteinander verfeindeten Verbrecherclans von Shahid Khan und Ramadhir Singh und ihren jahrzehntelangen Kampf von den vierziger Jahren, kurz vor dem Ende der Kolonialzeit, bis in die Gegenwart. Allein schon der zeitliche Umfang, sowohl in Erzählzeit als auch in Filmzeit, weckt Erinnerungen an Francis Ford Coppolas „Der Pate“-Saga oder Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“, aber Anurag Kashyap erzählt konventioneller, indem er chronologisch die Geschichte erzählt und mit viel Musik, vor allem im zweiten Teil, garniert. Der zweite Teil, der nach der Jahrtausendwende, nach der Ermordung von Shahid Khan auf offener Straße beginnt, erzählt, wie sein drogensüchtige Enkel Faizal die Macht übernimmt und der Kampf zwischen den beiden Familien zu einem Krieg eskaliert, Dieser Teil ist poppiger geraten, weil sich optisch und erzählerisch an neuen westlichen Gangsterfilmen orientiert und die Geschichte mit viel Bollywood-Musik unterlegt wird, der indischen Variante von Ethno-Euro-Disco, was für meine Ohren eine ziemlich gruselige Musik ist und weshalb ich auch kein Bollywood-Fan bin.
In der zweiten Hälfte fällt auch auf, wie lange Wasseypur von der westlichen Kultur verschont blieb. Bis vor wenigen Jahren schien dort seit den Dreißigern die Zeit stehen geblieben zu sein.
Die Teilung des dreihundert minütigen Films in zwei gleich lange Teile ist sinnvoll, denn jeder Teil erzählt eine durchaus eigenständige, stilistisch klar unterscheidbare Geschichte. Aber seine volle Pracht entfaltet „Gangs of Wasseypur“ nur, wenn man beide Teile sieht, die sich auch gar nicht wie fünf Stunden anfühlen.
Für uns Genrejunkies ist das Epos ein feiner Blick in eine fremde Verbrecherwelt. Denn es muss ja nicht immer die italienische Mafia in God’s own Country sein.
Gangs of Wasseypur – Teil 1 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
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DVD
Polyband
Bild: 16:9 (2,35:1)
Ton: Deutsch, Hindi (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 154 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Gangs of Wasseypur – Teil 2 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller
LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905
Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.
Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.
„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)
Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.
Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu “Der Untertan”) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:
„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“
Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers
ZDFneo, 23.15 Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello
Als 2001 der erste Jack-Taylor-Roman „The Guards“ von Ken Bruen erschien, wurde er in der angloamerikanischen Krimigemeinde euphorisch aufgenommen. „The Guards“ und der Folgeband „The Killing of the Tinkers“ räumten die wichtigen Krimipreise ab. Unter anderem Edgar- und Anthony-Nominierungen, Shamus- und Macavity-Gewinner. Seinen zweiten Shamus erhielt er für „The Dramatist“.
Und obwohl es auch in Deutschland schon damals einige bekennende Ken-Bruen-Fans gab, erschien erst 2009 die Übersetzung von „The Guards“ als „Jack Taylor fliegt raus“. Übersetzt von Harry Rowohlt, einem der wenigen Übersetzer, dessen Name es auch auf den Buchumschlag schafft und der Käufer anlockt. Dummerweise ist er auch ein Übersetzer mit einem beträchtlichen Ego und entsprechend umstritten sind die Übersetzungen; – wobei die echten Ken-Bruen-Fans seine Noirs eh im Original lesen, weil seine lyrisch-knappe Sprache eben nur im Original (auch wenn man nicht jede Anspielung und jedes Wortspiel versteht) ihren wirklichen Reiz entfaltet. Die Geschichten sind nebensächlich. Denn in einem Jack-Taylor-Roman geht es immer um Jack Taylor, Ex-Polizist, Trinker, Privatdetektiv, der seine Fälle nicht löst, weil er gut ermittelt, sondern trotz seiner Ermittlungen. Er ist ein herumstreifendes Katastrophengebiet, das sich bevorzugt auf die heiligen Kühe von Galway stürzt: Schwäne, die Kirche (die späteren Taylor-Romanen sind undenkbar ohne die Religion; in „The Devil“ trifft er sogar den Leibhaftigen) und den Hass gegen die Tinker, dem herumfahrenden Volk, das dort ungefähr so beliebt ist, wie bei uns die Sinti und Roma (beziehungsweise früher Zigeuner). Seine Freunde sind letztendlich die lesbische Polizistin Ridge, der zum Zen-Meister halbwegs konvertierte Drogenhändler Stewart und Father Malachy, seine Nemesis, Fluch seines Lebens und enger Freund von Jack Taylors Mutter.
Für die Verfilmung durfte Jack Taylor erstaunlich viele Ecken und Kanten behalten. Trotzdem wurde einiges geändert. So hat Taylor in der TV-Serie zwar auch eine Freundin bei der Polizei. Aber seine Vertraute bei der Polizei, Kate Noonan, erscheint nicht besonders lesbisch, eher schon asexuell. Und Cody ist als Privatdetektiv-begeisterter Jüngling, der in der Serie immer dabei ist, der typische Sidekick des Helden, der vor allem die Laufarbeit erledigen darf und mehr schlecht als recht die Detektei von Jack Taylor am Laufen hält.
Außerdem wurden, was bei den Taylor-Fans von der Insel für Kritik sorgte, die Innenaufnahmen in Bremen im Studio gedreht, weil auch die deutsche Firma Molten Rock Media mitproduzierte und es einen Zuschuss von Nordmedia gab. Und mit den Dialekten scheint es auch zu hapern, aber das kann auf der jetzt veröffentlichten DVD-Box mit den ersten sechs Jack-Taylor-Filmen nicht überprüft werden, weil auf die englische Tonspur verzichtet wurde.
Aber der wichtigste Unterschied zwischen Bruens Romanen und den Verfilmungen ist, dass in den Romanen der Ich-Erzähler Jack Taylor der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist, die vor allem Charakterstudien sind und Taylor die Fälle normalerweise nicht aufgrund eigener Ermittlungen löst. Ken Bruen meinte mal: „He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.“
Für die Verfilmungen wurde das geändert. Die Geschichten sind geradliniger und konventioneller, aus verschiedenen Perspektiven erzählt (obwohl Ken Bruen in den späteren Jack-Taylor-Romanen mit verschiedenen Perspektiven experimentiert) und Taylor ist der Ermittler, der die Fälle löst. In den Filmen werden die Fälle wegen Jack Taylor gelöst.
Und natürlich fehlt, auch wenn es etwas Voice-Over gibt und Dialoge übernommen wurden, Ken Bruens knappe, schwarzhumorig-lakonische Sprache, die Zitate und die Leselisten der Leseratte Jack Taylor, die veritable Einkaufslisten sind.
In „Der Ex-Bulle“ soll er ein spurlos verschwundenes Mädchen suchen. Weil kurz vorher vier Mädchen, deren Leichen aus dem Wasser gezogen wurden, sich angeblich selbst umbrachten, befürchtet Taylor, dass bald eine fünfte Wasserleiche gefunden wird.
In „Auge um Auge“ gerät Jack Taylor an die Pikemen, eine Bürgerwehr, die Verbrecher, die vor Gericht nicht verurteilt wurden, final bestraft.
In „Gefallene Mädchen“ wühlt Jack Taylor in der Vergangenheit von Galway. Denn er soll eine Nonne finden, von der er nur ihren Spitznamen „Lucifer“ kennt, und die in einem Magdalenen-Heim, in dem „Gefallene Mädchen“ wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollten, ein besonders drakonisches Regime führte.
In „Königin der Schmerzen“ beauftragt ein sich merkwürdig verhaltender Literaturprofessor Jack Taylor den Tod einer Studentin aufzuklären. Am Ende gerät Taylors Freundin Kate Noonan in Lebensgefahr.
In „Tag der Vergeltung“ wird Father Royce, der lange in den USA war, ermordet. Father Malachy möchte, dass Taylor den Fall aufklärt. Denn Father Royce verging sich an Messdienern – und das könnte das Motiv sein.
In „Das schweigende Kind“ wird Jack Taylor von einem Tinker-Clan beauftragt, den Mörder von Rosies Mutter zu finden. Rosie, die den Mord beobachtete, schweigt und die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für diesen Streit unter Tinkern.
Letztendlich sind die Jack-Taylor-Filme ordentliche Privatdetektiv-Filme mit einem kantigen Helden und Fällen, die sich tief in die unschönen Seiten der irischen Geschichte begeben. Aber die Bücher sollte man trotzdem lesen. Denn sie sind etwas ganz anderes.
Die DVD-Ausgabe
Eigentlich ist die deutsche DVD-Ausgabe der ersten sechs Jack-Taylor-Filme ein Fall für die Mülltonne. Denn es gibt keine Untertitel und keinen Originalton. Beides gehört für mich zur Standardausstattung.
Es gibt Interviews mit Hauptdarsteller Iain Glen, Noonan-Darstellerin Nora Jane Noone, Cody-Darsteller Killian Scott, Regisseur Stuart Orme, Produzent Ralph Christians, Drehbuchautor Marteinn Thorisson und Kameramann John Conroy, teils untertitelt, teils mit Voiceover, teilweise auch ohne Nennung des Interviewten.
Nein, einen besonders liebevollen Eindruck hinterlässt die „Jack Taylor“-Box nicht.
Dummerweise sieht die Situation in anderen Ländern nicht viel besser aus. In England gibt es nur die ersten drei Filme auf DVD.
Es gibt außerdem eine „Complete Collection One & Two“ mit den ersten fünf Fällen. Denn „Das schweigende Kind“ wurde bislang in Irland noch nicht gezeigt.
Jack Taylor (Irland 2010/2011/2013)
mit Iain Glen (Jack Taylor), Nora Jane Noone (Kate Noonan), Killian Scott (Cody), Frank O’Sullivan (Superintendent Clancy), Paraic Breathnach (Father Malachy)
–
DVD
Edel
Bild: Pal 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern und Machern der Serie
Länge: 540 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Jack Taylors Ermittlungen
Der Ex-Bulle (The Guards, Irland 2010)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians
LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)
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Auge um Auge (The Pikemen, Irland 2011)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
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Gefallene Mädchen (The Magdalen Martyrs, Irland 2011)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: The Magdalen Martyrs, 2002 (Jack Taylor fährt zur Hölle)
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Königin der Schmerzen (The Dramatist, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marcus Fleming
LV: Ken Bruen: The Dramatist, 2004 (Ein Drama für Jack Taylor)
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Tag der Vergeltung (Priest, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: Priest, 2006 (Jack Taylor und der verlorene Sohn)
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Das schweigende Kind (Cross; Shot Down, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: Cross, 2007 (Jack Taylor auf dem Kreuzweg)
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Die Jack-Taylor-Romane
1) Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)
2) Jack Taylor liegt falsch (The Killing Of The Tinkers, 2002)
3) Jack Taylor fährt zur Hölle (The Magdalen Martyrs, 2003)
4) Ein Drama für Jack Taylor (The Dramatist, 2004)
5) Jack Taylor und der verlorene Sohn (Priest, 2006)
6) Jack Taylor auf dem Kreuzweg (Cross, 2007)
7) Jack Taylor gegen Benedictus (Sanctuary, 2008)
8) Jack Taylor geht zum Teufel (The Devil, 2010)
9) Ein Grabstein für Jack Taylor (Headstone, 2011)
Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter (USA 2012, R.: Christopher Chulack, Michael Uppendahl)
Drehbuch: Hunt Baldwin, John Coveny, Sarah Nicole Jones
Erfinder: Hunt Baldwin, John Coveny
LV: Charakter von Craig Johnson
Wyoming, wo sich seit den Tagen des Wilden Westens wenige änderte: Sheriff Walt Longmire sorgt für Recht und Ordnung – und wir können eine in den USA hochgelobte Krimiserie genießen.
RTL Nitro zeigt die erste Staffel in Doppelfolgen.
In den USA wird dieses Jahr die dritte Staffel gezeigt.
Die Serie basiert auf Craig Johnsons Longmire-Romanen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Die Pilotfolge wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Die Serienerfinder Hunt Baldwin und John Coveny waren vorher bei „The Closer“ beschäftigt.
mit Robert Taylor, Katee Sackhoff, Lou Diamond Phillips, Bailey Chase, Cassidy Freeman, Adam Bartley, Louanne Stephens
Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.
J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.
Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.
Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.
Verkauft wurde „Zwei vom alten Schlag“ wahrscheinlich als „Rocky“ trifft „Wie ein wilder Stier“ Jake La Motta mit Sylvester Stallone und Robert De Niro in den Hauptrollen. Nach diesem Besetzungscoup ist die Sache dann ein Selbstläufer: andere bekannte Schauspieler machen gerne mit und bei der geballten Starpower winkt dann auch ein gutes Einspielergebnis. Diese Rechnung ging in den USA an der Kinokasse nicht auf; – was durchaus verständlich ist. Denn außer dem Besetzungscoup, der sich wie ein Gag in einer TV-Show liest, hat das Starvehikel nichts zu bieten.
Die banale Filmgeschichte wird überraschungsfrei und ziemlich nachlässig bis zum abschließenden Boxkampf erzählt: Henry ‚Razor‘ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy ‚The Kid‘ McDonnen (Robert De Niro) sind zwei Boxer aus Pittsburgh. In den frühen Achtzigern kämpften sie zweimal gegeneinander. Weil jeder einen Kampf gewann, sollte ein dritter Kampf endgültig zeigen, wer der bessere Boxer ist. Aber noch vor dem Kampf zog sich Razor zurück und wurde zu einem Stahlschweißer in einer Fabrik. Kid ging es finanziell besser, aber wirklich glücklich ist er als Unternehmer und Kneipier mit seiner unwitzigen Stand-Up-Comedy-Show auch nicht.
Dreißig Jahre später soll jetzt dieser Kampf ausgetragen werden. Vor dem Kampf muss dann noch etwas Ballast aus dem Weg geräumt werden: einerseits Gewichtsballast, weil beide nicht mehr sonderlich fit sind, andererseits emotionaler Ballast, weil natürlich eine Frau der Grund für Razors Rückzug war. Sally (Kim Basinger, anscheinend seit „9 1/2 Wochen“ nicht gealtert) war Razors Freundin, sprang aber auch einmal mit Kid ins Bett und aus diesem One-Night-Stand entstand ein Sohn (Jon Bernthal, gewohnt zuverlässig), der sich jetzt bei Kid meldet und dann sein Trainer wird.
Und beide Boxer sind spinnefeind, was dazu führt, dass jede ihrer Begegnungen schnell von einem Wortgefecht zu einer Schlägerei führt.
Alle drei Geschichten plätschern, garniert mit einigen halbgaren Witzen, meist zwischen Kalauer und Zote, lustlos die Plot-Points abhakend, bis zu ihrem absehbaren Ende vor sich hin. Dass, zum Beispiel, der verantwortungslose Single Kid, wenn er auf seinen Enkelsohn aufpassen soll, dann nicht mit ihm ins Kino geht, sondern sich in seiner Kneipe hoffnungslos betrinkt und mit der erstbesten Schönheit ins Bett springt (auch wenn das Bett die Rückbank von seinem Auto ist), dürfte nur die überraschen, die noch nie eine Familienkomödie gesehen haben. Dass Razor und Sally wieder zusammenkommen, dass Kid und sein Sohn, den er noch nie gesehen hat, zusammenkommen, ist ebenso vorhersehbar.
Eigentlich gibt es nur eine Überraschung in dem Film: während des finalen Boxkampfes zwischen Razor und Kid, die beide für ihr Alter in überraschend guter Form sind, kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die vielleicht Harmoniegefühle befriedigt, aber vollkommen out of character ist.
Sowieso vermeidet der Film konsequent jeden Konflikt und jeden Anschein von Realismus. So ist die romantisierte Blue-Collar-Arbeiterwelt mit dampfenden „Flashdance“-Stahlwerken, die in Bruce-Springsteen-Songs besungen wird, inzwischen hemmungslos anachronistisch. Nach der Stahlkrise der siebziger Jahre und dem auch in Pittsburgh seitdem stattgefundenem Strukturwandel wird dort in anderen Branchen Geld verdient. Aber ein echter Razor hält die Zeit einfach bei 1983 an.
„Zwei vom alten Schlag“ überzeugt weder als Drama, noch als Komödie. Es ist das filmische Äquivalent zum Junk TV, das als anspruchsloser Zeitvertreib spätestens mit dem Verlassen des Kinosaals vergessen ist.
Zwei vom alten Schlag (Grudge Match, USA 2013)
Regie: Peter Segal
Drehbuch: Tim Kelleher, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Tim Kelleher)
mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Allan Arkin, Jon Bernthal, Kim Basinger, Camden Gray, LL Cool J, Barry Primus
Nach der Trennung von Prinz Charles langweilt Prinzessin Diana sich im Kensington Palast, wartet auf die Scheidung und wird von Fotografen verfolgt. Da begegnet sie im Krankenhaus Hasnat Khan, einem jungen pakistanischen Herzchirurgen, der sie nicht als Berühmtheit, sondern als ganz normale Frau behandelt. Sie verliebt sich in ihn, er in sie und Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) konzentriert sich in seinem Biopic „Diana“ auf diese Liebesgeschichte, die er mit ihrem Unfalltod zu einer Geschichte über ihre letzten beiden Jahre aufplustert und ihr so wohl eine größere Bedeutung verleihen will.
Dennoch bleibt der Film reinstes, strunzdoofes Kitschkino: Das von allen verfolgte It-Girl, das in den starken Armen eines aus dem fernen Orient kommenden Arztes ihr Glück findet. Das ist der Stoff, aus dem eindimensionale Soaps gestrickt sind und genau das ist „Diana“.
Dabei hätte es durchaus viele Aspekte im Leben von Lady Di gegeben, die man in einem Biopic hätte ansprechen können. Aber das Königshaus kommt überhaupt nicht vor. Die Rolle der Medien, die Einsamkeit einer von allen verfolgten Person, die Suche nach einem Lebensinhalt, ihr Engagement gegen Landminen, ihr Verhältnis zu Männern – das alles kommt in dem Kitschfest nur in Nebensätzen vor, um noch einmal, allerdings nie den richtigen Ton treffend, die Geschichte von der Prinzessin und dem Bürgerlichen zu erzählen, während die Macher alle auch nur halbwegs interessanten Aspekte im Leben von Diana weiträumig umschiffen.
Aber dafür hätten sie auch eine Haltung zu dem Leben von Prinzessin Diana finden müssen. Sie hätten sich darüber verständigen müssen, was sie an ihrem Leben besonders fasziniert, warum sie gerade diese Geschichte erzählen wollen und was wir daraus lernen können. Kurz: wir müssten irgendetwas Neues aus dem Leben von Prinzessin Diana erfahren. Eine austauschbare Liebesgeschichte, die schon vor einem halben Jahrhundert mehr als abgenudelt war, kann es nicht sein.
Diana (Diana, GB/USA 2013)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Stephen Jeffreys
mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James, Charles Edwards, Cas Anvar, Juliet Stevenson
Young Adam – Dunkle Leidenschaft (F/GB 2003, R.: David Mackenzie)
Drehbuch: David Mackenzie
LV: Alexander Trocchi: Young Adam, 1954/1957 (Wasserläufe)
Glasgow, um 1950: Der gescheiterte Schriftsteller Joe heuert auf Les Lastkahn an. Schnell beginnt er ein Verhältnis mit dessen Frau. Als Joe und Les eine tote Frau im Wasser entdecken, verschweigt Joe, dass er die Tote kennt.
David Mackenzie beschreibt „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ als eine unmoralische Parabel über die Moral. Über den innerlich zerrissenen Helden Joe sagt er: “Von reiner Unschuld ist er so weit entfernt wie man nur sein kann, und doch trifft ihn andererseits keine Schuld.”
Düstere Erotiktragödie, bei der die Sexszenen in den USA für den erwarteten Skandal sorgten, während auf dem Kontinent das Interesse mehr der Geschichte galt.
„Der Film lebt von seiner atmosphärischen Dichte und einem erstklassigen Ensemble, das dem unnachgiebigen Blick der Kamera standhält.“ (Martin Schwickert, AZ, 9. Dezember 2004) oder “Ein wunderschöner, trauriger, lyrischer Film, ein kleines Meisterstück.” (film-dienst)
Die Musik schrieb David Byrne.
Mit Evan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley
Ob sich das heutige Jugendliche noch vorstellen können? Immerhin können sie auf solche Seiten klicken.
Aber damals in den siebziger Jahren gab es noch kein Internet. Es gab aber eine Explosion von, hm, Freizügigkeit, die in Deutschland zu den Aufklärungsfilmen, wie dem „Schulmädchenreport“ führte. Natürlich war die postulierte Aufklärung nur der verlogene pädagogische Mantel für das Ansehen von höchstens spärlich bekleideten jungen Frauen, deren Dialoge eine Mischung aus Stöhnen („Ah! Aah! Aaaah!“) und wenigen Worten („Ja! Jaa! Jaaa! Mehr! Du bist so gut!“) war. Und die billig produzierten Filme waren an der Kinokasse – auch wenn sie jetzt keiner gesehen haben will – erfolgreich.
Irgendwann ließ man auch das Aufklärungsmäntelchen weg und die meisten dieser pornographischen Filme waren billig produzierter Mist, der sich erfolgreich jeder Kritik entzog und im Bahnhofskino die Bedürfnisse der jüngeren Zuschauer befriedigen sollte, während die noch Jüngeren sich überlegten, wie sie in diese Erwachsenenfilme kommen konnten. Immerhin sahen die Plakate (Titten!), die Aushangbilder (Titten!) und die Trailer (Titten! Stöhnen! Gern auch etwas Gewalt.) vielversprechend aus.
Einer, vielleicht sogar der Meister des Euro-Trashs war der Spanier Jess Franco, der für ein Taschengeld in atemberaubender Geschwindigkeit und ohne jeden Kunstanspruch Filme herunterdrehte, die so eindeutige Titel wie „Voodoo Passion“, „Das Haus der mannstollen Frauen“, „Ilsa, the Mad Butcher“ und „Frauen für Zellenblock 9“ (das war dann Sex und Gewalt im Gefängnis) hatten.
Jetzt veröffentlicht Ascot-Elite in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ die Filme, die Jess Franco für Erwin C. Dietrich (ein Meister des billig produzierten Schund) drehte, mit originalgetreuen Covers in den ungekürzten Fassungen wieder auf DVD und erstmals auf Blu-ray und man kann überprüfen, ob die damaligen Urteile noch stimmen. Immerhin hat Jess Franco inzwischen eine Schar von Jüngern und er gehört zu den wenigen Regisseuren, dessen Filme heute noch bekannt sind, währen die „Schulmädchen-Report“-, „St.-Pauli-Report“- und Dirndl-und-Jodel-Filme heute ziemlich erfolgreich aus dem öffentlichem Bewusstsein verschwunden sind.
Damals verrissen Kritiker unisono die Filme, wie auch ein Blick in das „Lexikon des internationalen Films“ zeigt:
„Ein Hintertreppen-Produkt, teils läppischer Krimi, teils Sexfilm.“ (Down Town – Die nackten Puppen der Unterwelt)
„Der politische Hintergrund dient lediglich als Vorwand für eine Mischung aus Sadismus, Sex und KZ-Mentalität.“ (Greta – Haus ohne Männer)
„Sexfilm mit lustlos abgefilmten Stellungsnummern am Strand, im Auto, im Bett, zu zweit oder als Trio, verpackt in eine schwachbrüstige Handlung. (…) Ein in jeder Hinsicht klägliches Machwerk. – Wir raten ab.“ (Die teuflischen Schwestern)
„Alberne Mischung aus Erotik und Voodoo-Hokuspokus, blutrünstig und voyeuristisch.“ (Ruf der blonden Göttin)
„Schundprodukt.“ (Frauen ohne Unschuld)
„Eine Sadistin und ihr Berater, ein Arzt, foltern in einem Lager drei junge Frauen – was der Film mit unverhohlenem Genuss ausspielt. – Wir raten ab.“ (Frauen für Zellenblock 9)
Aber damals fanden auch einige Filme und Regisseure keine Gnade bei den Kritikern, die heute einen deutlich besseren Ruf genießen. Ich sage nur Russ Mayer.
Sehen wir uns, ordentlich vorgewarnt, in einer verwegenen Mischung aus Tapferkeit und Lüsternheit, die bis jetzt erschienenen sechs Veröffentlichungen der „Jess Franco Golden Goya“-Collection an.
In „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (1975) soll der Privatdetektiv Al Perreira die bildschöne Frau eines Politikers in einer kompromittierenden Situation fotografieren und gerät in ein Intrigenspiel, das sicher von „Chinatown“ (1974) und ungefähr jedem zweiten Privatdetektiv-Krimi, einem damals ungeheuer populärem Genre, inspiriert ist, aber – wie auch die fünf anderen Filme der „Jess Franco Golden Goya Collection“, die hier besprochen werden – die Story nur als vernachlässigbare Klammer für lange Sexszenen ignoriert.
In „Wicked Woman – Das Haus der mannstollen Frauen“ (1977) werden in einer Villa am Lago Maggiore die nackten Leichen eines jungen Ehepaars (dekorativ mit Blut besudelt) gefunden. Die einzige Zeugin der Tat, die junge Margeritta, ist von der Tat so schockiert, dass sie verstummt. Sie wird in die Psychiatrie eingeliefert – und dort beobachtet Margeritta weitere Morde. Oder ist sie inzwischen komplett durchgedreht? Naja, egal. Denn die meiste Zeit beobachtet Jess Franco die spärlich bekleideten Insassinnen, die sich endlos befummeln und stöhnen.
In „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (1977) erzählt Jess Franco wieder eine Kriminalgeschichte. Denn die eine der titelgebenden Schwestern will die andere wegen des Geldes in den Wahnsinn treiben und diese leidet – immerhin sind wir in einem Jess-Franco-Film – an einer unbezähmbaren Sexsucht, deren Befriedigung – nackte Leiber und Gestöhne – uns ausführlich gezeigt wird. Genrejunkies können jetzt, wie bei „Downtown“, die wesentlich gelungeneren Vorbilder heraussuchen.
In „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (1977) geht es nach Haiti, wo die frisch vermählte Susan (jung und Franco-knackig) in den Bann des Voodoo gerät, der sich hauptsächlich in ekstatischen Blicken und wild nach dem Klang der Trommeln bewegenden nackten Leibern manifestiert. Am Ende erfahren wir, dass es bei dem ganzen Gestöhne auch eine Kriminalgeschichte gab, die wahrscheinlich von Jess Franco am Ende schnell als Erklärung für den ganzen Mist (jedenfalls wenn man von einem Film mehr als hüpfende Titten und wackelnde Popos erwartet) herhalten muss. Denn auch beim zweiten Sehen sind die Hinweise auf das Komplott so versteckt, dass man sie unmöglich finden kann.
In „Frauen für Zellenblock 9“ (1977) geht es dann – entsprechend des Titel – ins „Women in Prison“-Subgenre, das uns eine Gefängniswelt aus Sadismus, Sex und Gewalt unter und gegen weibliche Gefangene zeigt. Garniert wird es hier, weil der Film irgendwo in Südamerika spielt, mit etwas Revolutionsromantik und einem komplett gehirnentkernten Plot, der wahrscheinlich aus übriggebliebenen Filmschnipseln von einem anderen Film und einigen Restdrehtagen zusammengeschustert wurde. Immerhin hält der Unglaube das Interesse wach: so flüchten einige der jungen, spärlich bekleideten Gefangenen aus dem besonders gruseligem Zellenblock 9 und anstatt möglichst schnell möglichst weit abzuhauen, nehmen sie zuerst ein Bad in einem Gewässer und vergnügen sich dann miteinander. Naja: Sex geht immer.
„Ilsa, the Mad Butcher“ (1977) ist dann der beste und auch der geschmackloseste Film in diesem Sextett. Mit Dyanne Thorne hatte Franco sogar einen echten Hollywood-Star, Unterkategorie Trash an Bord. Für sie sprechen eine beeindruckende Oberweite und, dass sie vorher „Ilsa: She Wolf of the SS“, „Ilsa – Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ war.
In „Ilsa, the Mad Butcher“ leitet sie in Südamerika eine Irrenanstalt, in der die Insassinnen, wegen der tropischen Temperaturen höchst spärlich bekleidet, sich die meiste Zeit selbst befriedigen (Klingt bekannt?). Daneben werden sie von der Leiterin Ilsa gequält – und Jess Franco verziert das mit einer Geschichte, die schamlos die Umtriebe von damaligen Folterregimes ausbeutet.
Bei diesem und auch den meisten der hier besprochenen Filme geht die Geschichte für die Protagonistin oder den Protagonisten schlecht aus; was uns dann wieder einiges über die damalige Zeit, als Anti-Helden und ein negatives Ende trendy waren, sagt.
Davon abgesehen entsprechen die schauspielerischen Qualitäten der Schauspieler normalerweise der unterirdischen Qualität der Drehbücher. Vor allem die jungen Damen sind doch allesamt von ihrem Aussehen nicht Playmate-tauglich, aber was macht man nicht alles für einen Südsee-Urlaub.
Irgendwie fühlt man sich nach den Jess-Franco-Filmen schmutzig. Als hätte man etwas verbotenes getan; – naja, wie früher, als man sich in die Filme schlich.
Und nun zum Positiven: Walter Baumgartner schrieb für alle Filme die Musik, die ein herrlich durchgeknallter, angenehm respektloser Mix aller möglichen Stile, oft mit einem starken Jazz- und Easy-Listening-Touch, ist. Da würde sich eine ordentliche CD-Veröffentlichung lohnen.
Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt (Schweiz 1975)
Regie: Jess Franco (als Wolfgang Frank)
Drehbuch: Jess Franco (als Wolfgang Frank)
mit Lina Romay,Paul Müller, Martine Stedil
auch bekannt als „Miezen der Unterwelt“
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DVD
Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin (Schweiz 1977)
Regie: Jess Franco
Drehbuch: Manfred Gregor
mit Ada Tauler, Jack Taylor, Karine Bambier, Rita Morena
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DVD
Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)
In seinen Filmen hat Martin Scorsese bereits öfter Songs der Rolling Stones verwandt. Bei „Shine a Light“ drehte er einen Film mit ihnen. Einen Konzertfilm, der ihre beiden 2006er-Konzert im New Yorker Beacon Theater dokumentiert.
Als Gäste waren Buddy Guy, Christina Aguilera und Jack White auf der Bühne dabei. Im Publikum kann man auch einige bekannte Gesichter sehen.
„Shine a Light“ ist natürlich mehr ein „Rolling Stones“-Konzertfilm als ein Martin-Scorsese-Film, obwohl Scorses mit „The Last Waltz“ bereits einen legendären, im TV schon lange nicht mehr gezeigten Konzertfilm über das letzte Konzert der Rockband „The Band“ drehte.
Rashomon – Das Lustwäldchen (Japan 1950, R.: Akira Kurosawa)
Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa
LV: Ryunosuke Akutagawa: Rashomon; Yabu no naka, 1915 (Rashomon)
Vier Menschen erzählen in Rückblenden, ihre Version eines Mordes.
Grandioser, immer wieder sehenswerter Klassiker, der Kurosawa auch bei uns bekannt machte. Zu seinen späteren Filmen gehören „Die sieben Samurai“, „Das Schloss im Spinnwebwald“, „Yojimbo, der Leibwächter“, „Zwischen Himmel und Hölle“ (eine Ed-McBain-Verfilmung), „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ und Ran“.
Drehbuch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis
Die Liebesgeschichte von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams, Oscar-nominiert).
Feines Independent-Kino, das heute zu nachtschlafender Zeit seine TV-Premiere erlebt und einige Stunden später zu einer ordentlichen Uhrzeit gezeigt wird.
mit Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel
Wiederholung: Eins Festival, Montag, 6. Januar, 20.15 Uhr
ZDFneo, 22.35 Der Pate (USA 1972, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
LV: Mario Puzo: The godfather, 1969 (Der Pate)
Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.
Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire
Castle: Für Höheres bestimmt/Walküre (USA 2013, R.: John Terlesky)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe, Rob Hanning
Erfinder: Andrew W. Marlowe
Nach einer Pause zeigt Kabel 1 heute als TV-Premiere den Abschluss der fünften Staffel und den Auftakt der sechsten Staffel. Um 22.15 gibt es dann noch „Helden und Bösewichter“ aus der vierten Staffel. An den kommenden Freitagen gibt es dann um 20.15 Uhr weitere neue Folgen und danach Doppelfolgen aus der vierten Staffel.
In „Für Höheres bestimmt“ löst NYPD-Cop Kate Beckett, mit der Hilfe von easy going Thrillerautor Richard Castle, den Mord an einer Haward-Studentin, die anscheinend als Prostituierte arbeitete und sich in den Computer einer Kanzlei hackte. Außerdem erhält Beckett ein Jobangebot vom FBI in Washington, D. C.
Dieses Angebot hat sie in „Walküre“ angenommen – und Castle besucht sie an ihrer neuen Wirkungsstätte und mischt sich – Überraschung! – gleich in ihren Fall ein.
Überflüssig zu sagen, dass ihr Gastspiel in der Hauptstadt nur kurz ist und die Fälle der sechsten Staffel (nachdem die fünfte Staffel ja etwas schwächelte) bislang sehr gelungen sind.
mit Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Jon Huertas , Seamus Dever, Molly Quinn, Penny Johnson Jerald, Lisa Edelstein
700 Meilen westwärts (USA 1975, R.: Richard Brooks)
Drehbuch: Richard Brooks
Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.
„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks‘ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‚Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt‘, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)
mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart
Mediensatire und Mediengroteske heißt es in einigen Kritiken über Ben Stillers gelungenen neuen Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ und nichts könnte falscher sein. Jedenfalls nach meinem Verständnis von Satire und Groteske. Ich denke dann an Filme wie „Network“, „Schtonk!“ oder auch Stillers Hollywood-Satire „Tropic Thunder“. Nein, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein feinfühliges, durchaus humoristisches Drama, fast schon ein Frank-Capra-Film, aber ohne eine eindeutige Antwort oder platte Botschaft am Ende. Im Gegenteil: gerade weil das Ende dem vorherigen Film so schön und elegant widerspricht, beschäftigt man sich auch nach dem warmherzigem Film weiter mit der Frage, was der Sinn des Lebens ist und ob wirklich das Bild von Fotograf O’Connell die Quintessenz von „Life“ (und damit auch des Lebens) abbildet.
Aber davor musste Walter Mitty seine Wohlfühlzone verlassen und sich auf eine Schnitzeljagd um die Welt begeben.
Walter Mitty, erfunden von James Thurber in einer kurzen, klassischen Kurzgeschichte, die eigentlich nur eine Situation beschreibt und für den Film, der bis auf den Charakter nichts mehr mit der Geschichte zu tun hat, aber deren Stimmung genau trifft, ist Fotoarchivar beim legendären „Life“-Magazin, das für seine Bildreportagen bekannt war (die Druckausgabe wurde 2007 eingestellt; danach gab es eine elektronische Ausgabe). Er ist Single, hat keine Ahnung, welche spannenden Erlebnisse er auf seiner Dating-Seite eintragen soll, heimlich verliebt in seine Arbeitskollegin Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) von der Buchhaltung und ein unverbesserlicher Tagträumer. In seinen Träumen lebt er das Leben, das er sonst nur auf Bildern sieht, und er verwandelt sich auch, immerhin leben wir im 21. Jahrhundert, in einen Superhelden, der für seine Mission halb New York zerstört. Und er ist stolz darauf, dass er in all den Jahren nie ein Negativ verschlampt hat.
Deshalb ist es für ihn ein Schock, der sein gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt, als er erfährt, dass das von Sean O’Connell (Sean Penn), einem Fotograf, der sich an die gefährlichsten und entlegensten Orte der Welt begibt, kein Handy hat und auch sonst chronisch nicht erreichbar ist, als spektakuläres Bild angekündigte Negativ Nummer 25 nicht da ist. Das Negativ fehlt! Aber gerade dieses Bild will sein neuer Chef, ein rechtes Arschloch, das nur eingestellt wurde, um das „Life“-Magazin zu liquidieren, als Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins haben.
Walter Mitty, der nie seine gewohnten Pfade in New York verlässt, man kann sogar die Subway nach ihm stellen, macht sich auf den Weg. Er muss O’Connell finden und mit ihm über das Bild reden.
Dabei erlebt (?) Walter Mitty mehr Abenteuer, als er sich in den vergangenen Jahren zusammenfantasierte.
Mit dem optimistischen Drama „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beginnt das Kinojahr verheißungsvoll. Immerhin hat Ben Stiller, mit beeindruckenden Bilder von Walter Mittys Reisen um den halben Globus, einem schicken Fünfziger-/Sechziger-Jahre-Retro-Design (Billy Wilders „Das Apartment“ wird von Stiller als Einfluss genannt) und guten Schauspielern eine zeitlose Geschichte neu interpretiert und dabei jongliert er so elegant zwischen Fantasie und Realität und mit den Plot-Points, wie eine gute Jazzband, die einen Standard in ihren Improvisationen zu ihrem Stück macht und sich auch Zeit für Um- und Abwege nimmt, mit fast schon kindischer Freude die Stile wechselt, Anspielungen und Hommagen unterbringt, und dabei immer wieder, bis zur letzten Note, eine überraschende Wendung parat hat. Wie das Larger-than-Life-Leben, das Walter Mitty jetzt leben muss.
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Ich sehe den Mann deiner Träume (USA/Spanien 2010, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
In London beobachtet Woody Allen einige Männer und Frauen auf der Jagd nach ihrem Glück in der Liebe und im Leben – und wir können uns amüsiert zurücklehnen und die Stars beobachten, wenn sie Weisheiten von sich geben und sich zum Narren machen.
mit Antonio Banderas, Josh Brolin, Anthony Hopkins, Gemma Jones, Freida Pinto, Lucy Punch, Naomi Watts, Philip Glenister
Nachdem die meisten Programme nur Silvester-Mist zeigen, 3sat wieder „Pop around the Clock“ zeigt (unter anderem mit Westernhagen, Clapton, Rolling Stones, Madonna und Supertramp [die restaurierte Fassung ihres 1979er Paris-Konzertes]), präsentiert ZDFkultur einige feine Feelgood-Filme: los geht’s mit „Stranger than Paradise“ (USA/D 1984, R.: Jim Jarmusch) um 20.15 Uhr, um 21.40 Uhr folgt „Down by Law – Alles im Griff“ (USA 1986, R.: Jim Jarmusch), um 23.25 Uhr gibt es die „Honeymoon Killers“ und um 01.05 Uhr die „Explosion des Schweigens“ (USA 1960, R.: Allan Baron). Yeah, so macht Silvester Spaß.
ZDFkultur, 23.25
Honeymoon Killers (USA 1970, R.: Leonard Kastle)
Drehbuch: Leonard Kastle
Leonard Kastles einziger Spielfilm. Dabei wurde beim Kinostart der auf dem „Lonely Hearts Killers“-Fall basierende Film des Opernkomponisten und Musikprofessors von der Kritik gelobt. Regisseur Francois Truffaut nannte ihn seinen liebsten US-Film. Inzwischen ist die schwarze Satire auf den American Way of Life ein Kultfilm, der nichts von seiner subversiven Kraft verloren hat. Das liegt auch an dem Liebespaar, das im Mittelpunkt des Films steht: die dicke, eifersüchtige Krankenschwester Martha Beck (Shirley Stoler, Filmdebüt) verliebt sich in den Gigolo und Heiratsschwindler Ray Fernandez (Tony Lo Bianco) – und er in sie. Gemeinsam suchen sie per Anzeige reiche, alleinstehende Frauen und ermorden sie.
1949 wurden sie zum Tode verurteilt und 1951 wurde die Todesstrafe vollzogen.
mit Shirley Stoler, Tony Lo Bianco, Mary Jane Higby, Doris Roberts, Kip McArdle, Marilyn Chris, Dortha Duckworth
Apocalypse Now Redux (USA 1979, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola
LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)
Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.
mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham