„Paper Girls 6“, das Finale

Februar 26, 2020

Im sechsten Band kommen die titelgebenden Paper Girls an das Ende ihrer Reise durch die Zeit. Bei all ihren Sprüngen in die nahe und immer fernere Vergangenheit und die nahe und immer ferner Zukunft blieben sie immer in Stony Stream, einem Vorort von Cleveland, Ohio,

Dort begann in der von Brian K. Vaughn (Autor), Cliff Chiang (Zeichner) und Matt Wilson (Kolorist) erfundenen Serie ihr Abenteuer am 1. November 1988. Die Paper Girls sind die zwölfjährigen Mädchen Erin Tieng, MacKenzie Coyle, Karina ‚KJ‘ J. und Tiffany Quilkin, die frühmorgens in der Kleinstadt die Zeitung austragen. Bei ihrer Runde entdecken sie in einem Keller ein Raumschiff. Außerirdische tauchen auf. Einige sprechen in fremden Sprachen. Andere nicht. Und schon werden sie durch die Zeit geschleudert, wo sie auch auf andere Versionen von sich selbst treffen, einiges über sich und ihre Gefühle lernen und zu einer Gruppe zusammenwachsen.

Antworten auf ihre Fragen, also wer hier warum gegen wen kämpft und warum sie durch die Zeit reisen können (was eigentlich ein dummer Zufall und ein riesiges Problem für alle Beteiligten ist), erhalten sie erst ziemlich spät. Und wenn ich diese teils göttlichen Antworten jetzt gäbe, würde ich natürlich einige große Entwicklungen der vorherigen Bände spoilern.

Im abschließenden sechsten Band der Abenteuer der Paper Girls gelingt es Brian K. Vaughn erstaunlich wenige Fragen zu beantworten und die Geschichte dennoch zu einem befriedigendem Ende zu führen. Mit einer ordentlichen Portion popkultureller Anspielungen.

Im Juli 2019 wurde eine TV-Version des Comics angekündigt.

Brian K. Vaughn/Cliff Chiang/Matt Wilson: Paper Girls 6

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross Cult, 2019

128 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Paper Girls, Volume 6

Image Comics,2019

enthält

Paper Girls # 26 – 30

Hinweise

Homepage von Cliff Chiang

Wikipedia über „Paper Girls“, Brian K. Vaughan (deutsch, englisch) und Cliff Chiang

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 1“ (Paper Girls, Volume 1, 2016)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 2“ (Paper Girls, Volume 2, 2017)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „Paper Girls 4“ (Paper Girls 4, 2018)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „ Paper Girls 5″ (Paper Girls 5, 2018)


TV-Tipp für den 26. Februar: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

Februar 25, 2020

Kabel Eins.1, 20.15

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (Indiana Jones and the last crusade, USA 1989)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Jeffrey Boam, George Lucas, Menno Meyjes

Dritter Auftritt von Indiana Jones. Dieses Mal sucht der Archäologe mit der Peitsche den Heiligen Gral, tut alles, damit er nicht den Nazis in die Hände fällt (das ist der leichte Teil) und er begegnet seinem Vater.

Und weil dieser von ‘James Bond’ Sean Connery gespielt wird, der wenig von seinem Sohn hält, ist für Spaß gesorgt. Und es gibt, selbstverständlich, Action satt.

mit Harrison Ford, Sean Connery, River Phoenix, Denholm Elliott, John Rhys-Davies, Julian Glover, Michael Byrne

Wiederholung: Donnerstag, 27. Februar, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“

Rotten Tomatoes über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“

Wikipedia über „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung des vierten Indiana-Jones-Films “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the Kingdom of the Skull, USA 2008) und des darauf basierenden, wesentlich gelungeneren „Roman zum Film“ von James Rollins

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Cover der Woche

Februar 25, 2020


TV-Tipp für den 25. Februar: Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall

Februar 24, 2020

Kabel Eins, 20.15

Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall (Galaxy Quest, USA 1999)

Regie: Dean Parisot

Drehbuch: David Howad, Robert Gordon

Außerirdische halten die alte, schon lange eingestellte TV-Science-Fiction-Serie „Galaxy Quest“ für eine Dokumentation. In höchster Not wenden die Aliens sich an die von ihrem vergangenem Ruhm zehrenden Hauptdarsteller der Serie. Sie sollen ihnen beim Kampf gegen einen intergalaktischen Bösewicht helfen. Nur: können die Schauspieler auch ohne Drehbuch siegreich sein?

Kultige Parodie auf, um nur das bekannteste Vorbild zu nennen, „Raumschiff Enterprise“ und das „Star Trek“-Fantum, als es noch ein überschaubares Nerd-Familientreffen war. „spritzige Persiflage, die zugleich eine ebenso liebevolle wie augenzwinkernde Hommage an die Science-Fiction-Serien der 70er Jahre ist (…) mit den Zuschauern im Kino [haben] auch die Darsteller auf der Leinwand einen Heidenspaß.“ (Anke Sterneborg, SZ, 13. April 2000)

Mit Tim Allen, Sigourney Weaver, Alan Rickman, Tony Shalhoub, Sam Rockwell, Daryl Mitchell

Wiederholung: Dienstag, 25. Februar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Galaxy Quest“

Wikipedia über „Galaxy Quest“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dean Parisots „R. E. D. 2 – Noch älter. Härter. Besser.“ (R. E. D. 2/Red 2, USA 2013)


Ein „Tanz auf dem Vulkan“ mit dem siebten Doctor Who (+ zwei Hinweise auf Romane)

Februar 24, 2020

Inzwischen muss man auch in Deutschland Doctor Who nicht mehr vorstellen. Der vom BBC 1963 als TV-Serie erfundene Doctor Who, ein neugierig-freundlicher Zeitreisender, der sich immer auf neue Entdeckungen, Welten und Wesen freut, ist inzwischen ein weltweiter Erfolg. Im Fernsehen erlebt inzwischen der dreizehnte Doktor seine Abenteuer. Obwohl es jetzt eigentlich ihre heißen muss. Denn der dreizehnte Doktor wird von Jodie Whittaker gespielt und damit ist der Doktor in seiner neuesten Inkarnation erstmals eine Frau. In Deutschland läuft „Doctor Who“ aktuell auf ONE. Für die nimmermüde Fangemeinde gibt es schon seit Ewigkeiten Bücher und Comics, die dann auch Geschichten mit älteren Doktoren erzählen können. So erzählen Ben Aaronovitch und Andrew Cartmel, die auch schon für die TV-Serie arbeiteten, in ihrem neuen Comic „Tanz auf dem Vulkan“ ein Abenteuer des siebten Doktors.

Die Geschichte spielt 1967 in der australischen Wüste und 2029 im Erdorbit. Im Erdorbit taucht plötzlich ein riesiges Raumschiff auf. In dem Schiff ist ein vollbärtiger, langhaariger Mann, der sich Captain Gilmore nennt und als erstes nach einer Tasse Tee verlangt.

1967 wurde in der australischen Wüste im Maralinga-Atomwaffengelände ein Raumschiff entdeckt. Captain Gilmore von der Royal Air Force und der Invasionsabwehrgruppe bittet Doctor Who um Hilfe. Er soll alles über das Schiff und seine Passagiere herausfinden. Vor allem natürlich, ob sie eine Bedrohung für die Menschheit sind.

Mit etwas Kalter-Krieg-Spionage-Zeitkolorit erzählen Aaronivitch und Cartmel ein weiteres spannendes „Doctor Who“-Abenteuer, in dem er mit seiner freundlich-gewitzten Art und Neugierde eine Katastrophe verhindern kann.

Ergänzt wird diese lange Geschichte um die kürzeren, unterhaltsam in fremden Welten spielende Comics „Ein Hügel Bohnen“ (Text: Richard Dinnick, Zeichnungen: Jessica Martin), „Das Armageddon-Spiel“ (Text: John Freeman, Zeichnungen: Christopher Jones) und, mit dem ersten Doktor und in Schwarzweiß, „Zwischen den Zeilen“ (Text: Paul Cornell, Zeichnungen: John Stokes).

Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Christoper Jones/Marco Lesko: Doctor Who – Der siebte Doctor: Tanz auf dem Vulkan

(übersetzt von Claudia Kern)

Panini, 2019

128 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Doctor Who – The Seventh Doctor: Operation Volcano

Titan Comics, 2018

Neue Texte ohne Bilder von Ben Aaronovitch und Andrew Cartmel

Neben ihrer Arbeit für „Doctor Who“ schreiben die Herren Aaronovitch und Cartmel auch fleißig Kriminalromane. Zuletzt erschienen auf Deutsch die neuen Romane mit Peter Grant und dem Vinyl-Detektiv.

In Ben Aaronivitchs „Die Glocke von Whitechapel“ muss Detective Constable und Zauberlehrling Peter Grant den gesichtslosen Magier finden, bevor dieser ganz London vernichten kann. In dieser Welt gibt es Magier, Geister und all das Zeug, das es laut unseren Eltern nicht gibt.

In Andrew Cartmels „Killer Rock“ sucht der Vinyl-Detektiv das in den Sechzigern verschwundene Kind einer britischen Sechziger-Jahre-Rock-Ikone. In dieser Welt gibt es Schallplatten, bekannte Musiker und viel drogengeschwängerte Rockmusik. Also all das Zeug, das unsere Eltern genossen haben, als sie jung waren.

Andrew Cartmel: Killer Rock

(übersetzt von Susanna Mende)

Suhrkamp, 2020

448 Seiten

10,95 Euro

Originalausgabe

The Vinyl Detective – The Run-Out Groove

Titan Books, 2017

Ben Aaronovitch: Die Glocke von Whitechapel

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2019

416 Seiten

10,95 Euro

Originalausgabe

Lies Sleeping

Gollancz, London, 2018

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

dtv über Ben Aaronovitch

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch) und Andrew Cartmel

Meine Besprechung von Ben Aaronovitchs „Schwarzer Mond über Soho“ (Moon over Soho, 2011)

Mein Besprechung von Ben Aaronivitchs „Geister auf der Metropolitan Line“ (The furthest station, 2017)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London: Autowahn“ (Rivers of London: Body Work, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero: Die Flüsse von London – Die Nachthexe (Rivers of London: Night Witch, 2016)

Blog von Andrew Cartmel

BBC über „Doctor Who“ (englisch)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

Meine Besprechung von Stephen Baxters „Doctor Who: Rad aus Eis“ (Dcotor Who: The Wheel of Ice, 2012)

Meine Besprechung des Sammelbandes „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“ (Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories, 2013)

Meine Besprechung von Justin Richards‘ „Doctor Who: Silhouette“ (Doctor Who: Silhouette, 2014)

Meine Besprechung von Terry McDonoughs Spielfilm über die Anfänge von „Doctor Who“ „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)

 


TV-Tipp für den 24. Februar: Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes

Februar 23, 2020

ZDFinfo, 21.45

Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes (Divide and Conquer: The Story of Roger Ailes, USA 2018)

Regie: Alexis Bloom

Drehbuch: Alexis Bloom

TV-Premiere einer ausgezeichneten, spielfilmlangen Dokumentarfilmergänzung zu dem satirischen Drama „Bombshell“ über einige Frauen, die sich gegen sexuelle Belästigungen von Roger Ailes und den Mitarbeitern seines Senders Fox News wehrten.

Alexis Bloom zeichnet in einer gelungenen Mischung aus aktuellen Interviews und Archivmaterial das Leben des Fox-News-Gründers Roger Ailes nach. Seine Karriere als Politikberater begann Ailes für Richard Nixon. Zuletzt unterstützte er mit seinem rechten Radausender die Wahlkampagne von Donald Trump. Er machte ihn zum Präsidenten.

Vor „Sex, Trump & Fox News“ zeigt ZDFinfo um 20.15 Uhr „Die Trumps – Aus der Pfalz ins Weiße Haus“ und um 21.00 Uhr „Citizen Trump – Eine amerikanische Karriere“ und danach, um 23.30 Uhr die 90-minütige Doku „Watergate – Der größte Skandal der USA“.

Mit (teilweise Archivaufnahmen) Roger Ailes, Glenn Beck, Mitch McConnell, Richard Nixon, Austin Pendleton, Nancy Reagan, Ronald Reagan, Alison Rooney, Charlie Rose, David Shuster, Felycia Sugarman, John Wayne

Hinweise

ZDFinfo: „Sex, Trump & Fox News“ in der Mediathek (bis zum 24. 2. 2021)

Rotten Tomatoes über „Sex, Trump & Fox News“

DP/30 unterhält sich mit Alexis Bloom über ihre Doku

Build unterhält sich mit Alexis Bloom und Alex Gibney (der den Film produzierte) über die Doku

 


TV-Tipp für den 23. Februar: Dunkirk

Februar 22, 2020

Pro7, 20.15

Dunkirk (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Christopher Nolan

TV-Premiere. In drei ineinander verschachtelten Geschichten erzählt Christopher Nolan die legendäre, 1940 einen Nationalmythos begründende Rettung der britischen Soldaten an der französischen Nordseestadt Dünkirchen nach.

Formal brillanter, inhaltlich reichlich altbackener Kriegsfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Fionn Whitehead, Tom Glynn-Carney, Jack Lowden, Harry Styles, Aneurin Barnard, James D’Arcy, Barry Keoghan, Kenneth Branagh, Cillian Murphy, Mark Rylance, Tom Hardy

Wiederholung: Montag, 24. Februar, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dunkirk“

Metacritic über „Dunkirk“

Rotten Tomatoes über „Dunkirk“

Wikipedia über „Dunkirk“ (deutsch, englisch)

Englische Christopher-Nolan-Fanseite

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 22. Februar: Green Zone

Februar 21, 2020

ZDF neo, 23.20

Green Zone (Green Zone, USA 2010)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: Rajiv Chandrasekaran: Imperial Life In The Emerald City, 2006

Bagdad, April 2003: Nach der Invasion suchen US-Offizier Roy Miller und sein Team die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein, die ja damals der offizielle Kriegsgrund waren.

Gelungener Mix aus Polit-Thriller und Kriegsfilm von Paul Greengrass und Matt Damon, die auch für die „Bourne“-Filme verantwortlich sind.

mit Matt Damon, Jason Isaacs, Amy Ryan, Greg Kinnear, Brendan Gleeson

Wiederholung: Sonntag, 23. Februar, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Green Zone“

Wikipedia über „Green Zone“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Greengrass’ “Captain Phillips” (Captain Phillips, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)


TV-Tipp für den 21. Februar: True Grit – Vergeltung

Februar 20, 2020

Wegen des Todes von Charles Portis (28. Dezember 1933 – 17. Februar 2020)

Tele 5, 20.15

True Grit (True Grit, USA 2010)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Montag, 24. Februar, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Zur neuesten Verfilmung von Jack Londons „Ruf der Wildnis“

Februar 20, 2020

Brauchen wir wirklich noch eine Verfilmung von Jack Londons „Ruf der Wildnis“? Auch wenn dieses Mal Harrison Ford mitspielt?

Nun, in jedem Fall schadet es nicht, wenn Indiana Jones sich um einen Hund kümmert. Auch wenn die von ihm gespielte Figur, wie im Roman, erst in der zweiten Hälfte der Geschichte wichtig wird. Davor hat er nur zwei sehr kurze Auftritte, die vor allem die Funktion einer Ankündigung erfüllen und so seinen späteren Auftritt nicht zu einer aus heiterem Himmel kommenden Überraschung machen,

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Buck, ein riesiger Mischling aus Bernhardiner und Schäferhund, der glücklich im herrschaftlichen Anwesen von Richter Miller im sonnigen Kalifornien lebt. Eines Tages wird er von einem Hunderäuber entführt und nach Norden verschifft. 1896 wurde am Klondike Gold gefunden. Jetzt sind alle Glücksjäger (zu denen auch Jack London gehörte) auf dem Weg zu den sagenhaften Goldschätzen.

Die ersten neuen Besitzer von Buck sind Perrault (Omar Sy) und Francois (im Roman ein Halbblut, im Film Francoise [Cara Gee]). In dem Rudel der Post-Schlittenhunde erkämpft Buck sich schnell seinen Platz. In diesen Tagen erwacht, dem titelgebendem Ruf der Wildnis folgend, auch langsam Bucks wahres Wesen.

Als die Postlinie eingestellt wird, erhält Buck neue Besitzer. Dieses Mal handelt es sich um drei Goldsucher, zwei Männer, eine Frau (Dan Stevens, Colin Woodell und Karen Gillan), die von überwältigender Arroganz und Dummheit sind.

Dritter und letzter Besitzer von Buck wird John Thornton (Harrison Ford), der ihn wie ein gleichberechtigtes Wesen behandelt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in noch nicht auf der Landkarte verzeichnete Gebiete des Yukon Territoriums.

Regisseur Chris Sanders legt mit Ruf nach der Wildnis“ nach Animationsfilmen wie „Drachenzähmen“ leichtgemacht und „Die Croods“ sein insgesamt überzeugendes Realfilmdebüt vor. Er und Autor Michael Green („Mord im Orientexpress“) folgen der Geschichte von Jack London. Für den Film dramatisieren und disneyfizieren sie sie. Die Dramatisierungen sind, obwohl „Ruf der Wildnis“ immer noch ein Episodendrama ist, das Bucks Geschichte vom verantwortungslosen Haushund zum Führer einer Wolfsrudels macht, notwendig, um eine stringente Geschichte zu erzählen. Die Disneyfizierung ist vor allem dem Zielpublikum geschuldet. „Ruf der Wildnis“ ist ein Kinderfilm, der zeigt, wie Menschen zu besseren Menschen werden, weil sie Buck begegnen. Gleichzeitig entdeckt Buck sein wahres Ich. Er wird zu einem Tier, das Verantwortung übernimmt für andere Tiere und Menschen und auch für sie kämpft.

Londons Roman, geschrieben im Duktus der damaligen Zeit und für ein erwachsenes Publikum, ist dagegen oft sehr hart und darwinistisch: „Buck war gnadenlos. (…) Man musste herrschen oder sich beherrschen lassen; und Gnade zu zeigen, war eine Schwäche. Gnade existierte im urwüchsigen Leben nicht. Sie wurde als Furcht missverstanden, und solche Missverständnisse führten zum Tod. Töten oder getötet werden, fressen oder gefressen werden, das war das Gesetz; und er gehorchte diesem Gebot aus der Tiefe der Zeiten.“

Im Film gibt es, was jetzt Erwachsene wahrscheinlich mehr stört als Kinder, einen wahren CGI-Overkill. Viele Landschaften, Hintergründe und eigentlich alle Tiere sind digital animiert. Und hier sehen die digital animierten Tiere immer etwas künstlich aus. Sie basieren auf Aufnahmen realer Tiere und Menschen, die Tiere spielen. So war Terry Notary, ein früherer Artist des Cirque du Soleil, die Live Action Reference Performance für Buck und der Spielpartner von Harrison Ford. Die Kamera ist immer wieder an Positionen und macht Bewegungen, die in der Realität für eine Kamera nicht möglich wären. Es gibt Bilder von Tieren, die eine Kamera in der Realität so niemals einfangen könnte. Buck tut Dinge, die ein echter Hund niemals tun würde. Und die Tiergesichter, vor allem natürlich Buck, können niemals ihre Herkunft aus dem Computerlabor verhehlen können. Dafür sind sie teils zu künstlich, teils zu menschlich.

Für Kinder ist Chris Sanders‘ „Ruf der Wildnis“ ein gelungener Abenteuerfilm mit einem liebenswertem Hund, guten und weniger guten Menschen und einigen schönen Landschaftsaufnahmen.

Ruf der Wildnis (The Call of the Wild, USA 2020)

Regie: Chris Sanders

Drehbuch: Michael Green

LV: Jack London: The Call of the Wild, 1903 (Der Ruf der Wildnis)

mit Harrison Ford, Omar Sy, Dan Stevens, Karen Gillan, Bradley Whitford, Colin Woodell, Cara Gee, Michael Horse, Jean Louisa Kelly, Adam Fergus, Abraham Benrubi, Terry Notary

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

erscheint zum Filmstart mit einem neuen Cover. Es handelt sich um die sehr gelungene Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff, der den Roman um ein informatives Nachwort, Anmerkungen und eine Zeittafel ergänzte.

Jack London: Ruf der Wildnis

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

dtv, 2020 (Filmausgabe)

160 Seiten

9,90 Euro

Erstausgabe der Neuübersetzung

dtv, 2013

Originalausgabe

The Call of the Wild

Macmillan, 1903

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ruf der Wildnis“

Metacritic über „Ruf der Wildnis“

Rotten Tomatoes über „Ruf der Wildnis“

Wikipedia über „Ruf der Wildnis“ 


Neu im Kino/Filmkritik: „Limbo“, der nächste Film ohne einen Schnitt

Februar 20, 2020

Limbo“ wird beworben als der erste neunzigminütige One-Shot einer Filmhochschule. Es ist auch ein Abschlussfilm, der nicht die übliche Nabelschau des Regisseurs betreibt. Er erzählt nicht zum x-ten Mal über Liebesleid und -freud und über den Abschied aus der Provinz, in der man zwischen Rasenmähern und Volksfesten die glücklichen Tage seiner Kindheit verbrachte. „Limbo“ ist ein Thriller, irgendwo zwischen Finanz-, Cop- und Gangsterthriller.

In seinem Spielfilmdebüt verfolgt Tim Dünschede, Absolvent der HFF München, anfangs die junge Compliance Managerin Ana (Elisa Schlott), die einem Freitagnachmittag in den Unterlagen der Bank Hinweise auf finanzielle Unregelmäßigkeiten entdeckt. Als sie ihrem Vorgesetzten Frank Mailing (Mathias Herrmann) davon erzählen will, ist er nicht daran interessiert. Aber er und sein Begleiter laden sie ein, mit ihnen den Abend zu verbringen. Sie fahren zu einer verlassenen Fabrikhalle, in der es eine Nobelparty und einen illegalen Boxkampf geben wird.

In dem verwinkeltem Gebäude sind auch der Kleingangster Ozzy (Martin Semmelrogge) und sein jüngster Begleiter Carsten (Tilman Strauß). Ozzy will ihn mit dem Wiener (Christian Strasser) bekannt machen. Der Wiener ist ein Gangsterboss, dem der Club gehört. Carsten ist ein Undercover-Cop, der aus dem mit Firewalls hochgesichertem Computer des Wieners wichtige Daten stehlen soll.

Oh, und er ist auch der Bruder von Ana.

Diese Story ist der eindeutige Schwachpunkt des Films. Sie ist eine Ansammlung von Klischees, schlechten Entscheidungen und schlechten Dialogen.

Die Figuren verhalten sich immer wieder unplausibel, weil sie den Vorgaben des Drehbuchs gehorchen müssen. So entdeckt Ana am Filmanfang den Betrug und sie will sofort mit ihren Vorgesetzten darüber reden. Aber als sie kurz darauf im Auto neben ihrem Chef sitzt und sie auf der langen Autofahrt zu ihrem Ziel die Gelegenheit hätte, ihm sofort zu sagen, was sie entdeckte, macht sie zuerst einmal Smalltalk mit den beiden Männern. Sie erzählt auch, warum sie im Finanzgewerbe arbeitet. Das sind durchaus wichtige Informationen zu ihrer Motivation, die uns hier auf die denkbar ungeschickteste Art geliefert werden.

Später, auf der Party, verliert sie ihre Tasche, in der die Beweise für die Verbrechen der Bank sind. Selbstverständlich beginnt sie panisch ihre Tasche zu suchen. Bis sie an der Bar vom Kellner ein Freigetränk bekommt, sich entspannt hinsetzt und auf Ozzy trifft, mit dem sie sich dann locker-flockig über Gott und die Welt unterhält.

Diese hanebüchene Geschichte wird ohne einen einzigen Schnitt erzählt. Und allein für diesen Mut und wie er die Herausforderung meistert, gebührt Tim Dünschede jeder Respekt.

Sie legt allerdings auch zwei Probleme von One-Shot-Filmen offen. Es ist schwer Spannung herzustellen, weil die Kamera nicht zwischen zwei Perspektiven wechseln kann. Damit können in einem Thriller bewährte Suspense-Momente (wie das Platzieren der Bombe mit Zeitzünder unter dem Tisch, an dem später Männer Skat spielen oder wenn sich ein Bösewicht dem Ort nähert, an dem Held in dem Moment unter keinen Umständen sein darf) nur schwer bis überhaupt nicht realisiert werden. Denn es muss immer einen Grund geben, warum die Kamera eine Figur verlässt. Das tut Dünschede ziemlich oft. So führt er im ersten Drittel die beiden Hauptfiguren Ana und Carsten in getrennten Handlungssträngen ein. Das gelingt ihm, indem die Kamera an einer Tankstelle Ana verlässt und sie sich zu Carsten bewegt.

Ein anderes Problem ist, dass auch die langweiligen Teile nicht aus dem Film herausgeschnitten werden können, weil alles in Echtzeit spielen und die Figuren von einem Ort zu einem anderen Ort gelangen müssen. In „Limbo“ verfolgt die Kamera daher die Figuren in der Fabrikhalle viel beim treppauf und treppab gehen.

Als filmisches Experiment ist „Limbo“ definitiv einen Blick wert. Vor allem wenn man sich weniger für die Geschichte und mehr für die technischen Aspekte und die Frage, wie bestimmte Probleme beim Erzählen der Geschichte gelöst werden, interessiert.

Limbo (Deutschland 2019)

Regie: Tim Dünschede

Drehbuch: Anil Kizilbuga

mit Elisa Schlott, Tilman Strauß, Martin Semmelrogge, Christian Strasser, Matthias Herrmann, Steffen Wink

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Limbo“

Moviepilot über „Limbo“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Brahms: The Boy II“ ist wieder da

Februar 20, 2020

Vor vier Jahren zeigte William Brent Bell in seinem Horrorfilm „The Boy“, wie viel Schrecken eine Puppe, also ein bewegungsloser Gegenstand, verbreiten kann. Damit ist Brahms, so der Name der wie ein katholischer Chorknabe aussehenden Puppe, der Bruder von Annabelle. Am Ende des kleinen Horrorfilms gibt es eine durch nichts im Film vorbereitete und daher ziemlich unglaubwürdige Erklärung für Brahms Taten. Der Film war an der Kasse erfolgreich genug, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen.

Mit „Brahms: The Boy II“ legt Bell jetzt, wieder nach einem Drehbuch von Stacey Menear, eine Fortsetzung vor, die vor allem Freunde regelmäßiger Jumpscares begeistern wird.

Dieses Mal zieht eine bürgerliche Kleinfamilie in das Gästehaus des verlassen in der englischen Provinz stehenden Heelshire Anwesens. Sean hofft, dass seine Frau Liza und sein Sohn Jude in der malerischen Einsamkeit die psychischen Folgen eines sehr gewalttätigen nächtlichen Einbruchs in ihr Londoner Reihenhaus überwinden können.

Kurz nach ihrer Ankunft findet Jude, der nach dem Überfall verstummte, im Wald in einem Grab die titelgebende Porzellanpuppe. Schnell baut er eine Beziehung zu Brahms auf. Brahms wird sein ständiger Begleiter. Er beginnt sich sogar mit ihr zu unterhalten. Die von Brahms aufgestellten Regeln, wie dass es keine Gäste im Haus geben darf, dass die Familie gemeinsam isst und dass sein Gesicht nicht verdeckt werden darf, müssen befolgt werden. Sonst wird er wütend.

In unter neunzig Minuten, mit wenigen Schauspielern (weitgehend handelt es sich um ein Drei-Personen-Stück) und Schauplätzen (fast der gesamte Film spielt im Gästehaus), erzählt Bell eine klassische B-Picture-Horrorgeschichte, die es so schon unzählige Male gab. Alle möglicherweise interessanten Aspekten werden ignoriert zugunsten von einer homöopathischen Dosis Suspense und vielen unblutigen Schreckmomenten.

Anspruchslose Horrorfilmfans dürften daher bei „Brahms: The Boy II“ einige Male zusammenzucken. Für alle anderen ist Bells Werk ein vernachlässigbarer Horrorfilm.

Brahms: The Boy II (Brahms: The Boy II, USA 2020)

Regie: William Brent Bell

Drehbuch: Stacey Menear

mit Christopher Convery, Katie Holmes, Owain Yeoman, Ralph Ineson

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Brahms: The Boy II“

Metacritic über „Brahms: The Boy II“

Rotten Tomatoes über „Brahms: The Boy II“

Wikipedia über „Brahms: The Boy II“

Meine Besprechung von William Brent Bells „The Boy“ (The Boy, USA 2016)


TV-Tipp für den 20. Februar: Man nannte ihn Hombre

Februar 19, 2020

Servus TV, 22.55

Man nannte ihn Hombre (Hombre, USA 1967)

Regie: Martin Ritt

Drehbuch: Irving Ravetch, Harreit Frank jr.

LV: Elmore Leonard: Hombre, 1961 (Man nannte ihn Hombre)

Arizona, 1880: John Russell (Paul Newman) ist ein Weißer, der als Kind von Apachen entführt wurde und seitdem freiwillig bei ihnen lebt. Aufgrund einer Erbschaft benutzt er mit einigen Weißen die letzte Postkutsche von Sweetmary. Als die Postkutsche von Banditen überfallen wird, muss er sich entscheiden, ob er seinen Mitreisenden helfen will.

Extrem selten gezeigter, von der Kritik gelobter und vom Publikum geliebter Klasse-Western, nach einem Frühwerk von Elmore Leonard. Die Western Writers of America nahmen „Hombre“ in ihre Liste der 25 besten Western auf.

„Ein Markstein wie John Fords ‚Stagecoach‘, nach dessen Rezept er aufgebaut ist und von dem ihn ein Vierteljahrhundert Western-Geschichte trennen. Wieder fährt die Postkutsche durch Arizona, aber diesmal sitzt der Indianer drinnen und die Schurken, von denen es drinnen und draußen wimmelt, sind Weiße.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

mit Paul Newman, Frederic March, Richard Boone, Diane Cilento, Cameron Mitchell, Barbara Rush, Martin Balsam

Wiederholung: Freitag, 21. Februar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Man nannte ihn Hombre“

Wikipedia über „Man nannte ihn Hombre“ (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)


Übersetzen? Ken Bruen: Once were Cops

Februar 19, 2020

Nach dem Lesen einer dicken Schwarte, die einem nicht gefallen hat, ist die Lektüre eines kurzen Buches ein willkommener Ausgleich. Vor allem wenn in dem Roman die Geschichte mit atemberaubender Geschwindigkeit und viel schwarzem und trockenem Humor erzählt wird. Ken Bruen ist dafür die erste Adresse. Er ist der Erfinder von Inspector Brant, einem Londoner Polizisten, der jedes Dienstverfahren, das ihm angehängt werden könnte, verdient hat, und Privatdetektiv Jack Taylor, einem Ex-Polizisten und praktizierendem Alkoholiker (Hey, der Mann ist Ire!). Taylor hat auch einen Miniauftritt in „Once were Cops“.

Im Mittelpunkt des Einzelwerks steht der irische Polizist Michael O’Shea. Als er von einem Austauschprogramm mit der New Yorker Polizei hört, beschließt er, daran teilzunehmen und mit einer kleinen Erpressung seines Vorgesetzten gelingt es ihm. In die USA will er, weil die Polizisten dort Schusswaffen tragen und auch benutzen dürfen.

Außerdem ist er ein Soziopath, der in New York schnell zum Serienmörder von Frauen wird.

Sein Partner vom NYPD ist Kurt Browski, genannt Kebar, nach einem Schlagstock, den er oft im Dienst anwendet. Außerdem ist der Einzelgänger Kebar korrupt.

Nach einer kurzen Kennenlernphase – Kebar wirft O’Shea in den Matsch, O’Shea rettet Kebar bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt das Leben – werden sie ein Buddy-Team aus der Hölle. Denn Kebar ist im Fokus von Ermittlungen der Internen Ermittler und, nachdem er weiß, dass seine Tage als Cop gezählt sind, hält ihn nichts mehr davon ab, bei der Arbeit gegen alle Vorschriften zu verstoßen. O’Shea beginnt sich fröhlich durch New Yorks junge Frauen zu morden und er zettelt einen Krieg mit dem Mob an.

All das passiert schon auf den ersten Seiten von Ken Bruens „Once were Cops“. Danach nimmt die Geschichte bis zu ihrem Ende noch einige halsbrecherische Wendungen. Bruen erzählt dies in seinem bekannten reduzierten Stil, in dem ganze Konflikte und Lebensgeschichten konsequent auf einige wenige Sätze heruntergebrochen werden:

Thing is, I always loved cop movies. Thing was, being a Guard didn’t jell with the cop movies I watched.

I mean, do you really think you’re going to see a movie titled:

The Guards?

Yeah, like that’s going to happen.

First, the Guards don’t carry guns.

Fuck that.

Right.

Das führt dazu, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen, wie zwei Polizisten eine ganz spezielle Verbrechenswelle in New York lostreten und versuchen, mit den Folgen klarzukommen.

Das ist ganz großes Kino.

Ken Bruen: Once were Cops

Minotaur Books, New York, 2008

304 Seiten

20,99 US-Dollar (Paperback)

(Bei Amazon kann die Taschenbuchausgabe aktuell für 16,99 Euro gekauft werden. Die gebundene Ausgabe ist etwas günstiger.)

(Die 304 Seiten sind dem großzügigem Layout geschuldet, das natürlich auch dazu beiträgt, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen.)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Februar: Körper und Seele

Februar 18, 2020

Arte, 22.05

Körper und Seele (Teströl és lélekröl, Ungarn 2017)

Regie: Ildikó Enyedi

Drehbuch: Ildikó Enyedi

TV-Premiere des Berlinale-Gewinners von 2017: die behutsam erzählte Annäherung zweier einsamer Seelen, die sich in ihren Träumen müheloser näherkommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Géza Morcsányi, Alexandra Borbély, Réka Tenki, Zoltán Schneider, Ervin Nagy, Tamás Jordán, Itala Békés

Hinweise

Moviepilot über „Körper und Seele“

Metacritic über „Körper und Seele“

Rotten Tomatoes über „Körper und Seele“

Wikipedia über „Körper und Seele“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Körper und Seele“

Meine Besprechung von Ildikó Enyedis „Körper und Seele“ (Teströl és lélekröl, Ungarn 2017)


Cover der Woche

Februar 18, 2020


TV-Tipp für den 18. Februar: Victoria

Februar 17, 2020

WDR, 22.10

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Roads“ (Deutschland/Frankreich 2019)


Ex-Mafiosi Michael Franzese über Mafiafilme

Februar 17, 2020

Die Bewertung der Glaubwürdigkeit der einzelnen Szenen aus Mafiafilmklassikern (Der Pate, Donnie Brasco, Die Unbestechlichen, viel Scorsese), den Sopranos und einer Animationsserie verstehe ich nicht.

Aber die Erklärungen von Michael Franzese sind sehr interessant. Er war in New York Capo der Colombo-Mafiafamilie. 1995, nach einer Haftstrafe, verabschiedete er sich vom Verbrecherleben. Seitdem publiziert er Bücher und hält Reden.


„Mein Name ist Robicheaux“ und ich mache jetzt viel Lärm um; – ja, was eigentlich?

Februar 17, 2020

Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ steht auf dem Cover. Robicheaux hat als Ich-Erzähler unbestritten die Hauptrolle. Ein Krimi ist der sechshundertseitige Wälzer allerdings nur, wenn man die breitestmögliche Definition von ‚Krimi‘ nimmt, nach der im Mittelpunkt eines Krimis Verbrechen stehen. Wer allerdings eine etwas engere Definition nimmt, wie in einem Krimi stehe die Aufklärung eines Verbrechens im Mittelpunkt, wird schon viele Probleme mit James Lee Burkes neuem und inzwischen 21. Robicheaux-Romans haben.

Nach dem Klappentext wird T. J. Dartez eines Nachts ermordet. Dartez überfuhr Molly, die Frau von Dave Robicheaux. Robicheaux, ein Detective der Polizei von New Iberia, Louisiana, und trockener Alkoholiker, kann sich nicht an die Tatnacht erinnern, weil er betrunken war. Er hat auch keine Ahnung, woher die Wunden an seinen Händen kommen. Damit wird Robicheaux zu einem Tatverdächtigen mit einem überzeugendem Motiv. Robicheaux selbst glaubt, dass ihm jemand den Mord anhängen will. Auch wenn er es nicht für vollkommen ausgeschlossen hält, dass er Dartez getötet hat.

In einem normalen Kriminalroman würde der Ermittler auf den folgen Seiten versuchen, seine Unschuld zu beweisen und, immerhin ist es ein US-amerikanischer Roman und langjährige Robicheaux-Fans wissen, wie wenig Robicheaux sich letztendlich um (Dienst)vorschriften kümmert, der Ermittler würde bei der Mörderjagd über Leichen gehen.

Aber in „Mein Name ist Robicheaux“ lässt Robicheaux einen von ihm verachteten neuen Kollegen mit zweifelhafter Vergangenheit in dem Fall ermitteln, während er selbst Dienst nach Vorschrift verrichtet.

Dazwischen hilft er seinem cholerischen Kumpel Clete Purcel, der sich gerade bei den falschen Leuten extrem verschuldet hat. Er bringt einen vermögenden Großgrundbesitzer mit dem Autor eines im 19. Jahrhundert in Louisiana spielenden Romans zwecks einer Verfilmung zusammen. Er ermittelt in einem merkwürdigem Vergewaltigungsfall und er startet einen Kleinkrieg mit einem in einem Trailer lebenden, gewalttätigen Meth-Dealer über das Sorgerecht für seinen Sohn. Währenddessen beginnt Robicheaux‘ Tochter Alafair einen Drehbuchentwurf zu schreiben. Später ist sie als Autorin in die Dreharbeiten involviert und kurz vor der Mitte des Romans macht sich ein skrupelloser Killer auf den Weg nach New Iberia.

Damit sind, bis auf die Geister, die dieses Mal überhaupt nicht erscheinen, alle Elemente vorhanden, die man aus den vorherigen Robicheaux-Romanen kennt. Die Handlung wird, wieder einmal, in unendlich viele Szenen aufgelöst, die die Handlung kaum bis überhaupt nicht voranbringen. Stattdessen entwickelt sich ein schon aufgrund der vielen beteiligten Personen verwirrendes Netz von Beziehungen. Erst am Ende fügt sich alles halbwegs zu einem Bild. Doch in dem Moment hat Burke, so wirkt es angesichts der lustlosen und arg kryptischen Auflösung, entweder den Überblick oder das Interesse an seinen Figuren und ihren Verbrechen verloren. Bis dahin wurden etliche der Fälle in Nebensätzen aufgelöst. Das gilt auch für den Mörder von Dartez. Dieser Fall ist bereits deutlich vor der Mitte des Romans geklärt.

Die Figuren benehmen sich wie dauerpubertierende Teenager, die sich ständig beleidigen und schlagen. Das ist auf die Dauer ziemlich ermüdend und, gerade bei Robicheaux und seinem Freund Clete Purcel, auch zunehmend unglaubwürdig. Schließlich ist Robicheaux, wie im Roman mehrmals betont wird, Vietnam-Veteran, was ihn (wenn er in den frühen Siebzigern, kurz vor dem Abzug der Truppen, in Vietnam gewesen wäre) zu einem Siebzigjährigem macht; wenn man die in den ersten Robicheaux-Romanen genannten biographischen Daten heranzieht, ist der Detective als alter ego von Burke, gut achtzig Jahre alt. In jedem Fall ist es unglaubwürdig, dass er in diesem Alter immer noch als Polizist arbeitet.

Ein noch größeres Problem ist, dass Robicheaux keinerlei körperliche Gebrechen hat. Er klagt nicht über Schmerzen, er hat keinerlei körperliche Beeinträchtigungen und er benimmt sich wie ein Dreißigjähriger, der immer noch in seiner Halbstarkenphase steckt und nach dem Motto „regelmäßige Prügeleien sind gut für mein seelisches Gleichgewicht“ handelt.

Anderen Autoren, wie Lawrence Block (der mit Matt Scudder erstmals einen fiktiven Ermittler in Echtzeit altern ließ), gelingt es wesentlich besser, ihre Figuren altern zu lassen. Und dabei zu zeigen, wie sich das Leben des Serienhelden verändert, weil er aus seinen Erfahrungen lernt und Beziehungen sich verändern.

In seinen vorherigen Romanen konnte Burke mit seiner poetischen Sprache und den dichten Beschreibungen der Landschaft und des Wetters von diesem Stillstand in Robicheaux‘ Entwicklung ablenken. Dieses Sprachgefühl hat ihn hier vollständig verlassen. Am Übersetzer, dem zuverlässigen Jürgen Bürger, der schon einige Romane von Burke übersetzte, kann es nicht liegen.

Mein Name ist Robicheaux“ ist – und das sage ich als langjähriger Robicheaux-Fans, der viele seiner Romane im Original las, weil es über viele Jahre keine Übersetzungen gab – ein Desaster.

In den USA erschien vor wenigen Wochen der 22. Robicheaux-Roman „The New Iberia Blues“.

James Lee Burke: Mein Name ist Robicheaux

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2019

600 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Robicheaux

Simon & Schuster, 2018

Hinweise

Perlentaucher über „Mein Name ist Robicheaux“

Bookmarks über „Mein Name ist Robicheaux“

Homepage von James Lee Burke

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sumpffieber“ (Sunset Limited, 1998)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (Crusader’s Cross, 2005 )

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

 


TV-Tipp für den 17. Februar: Weißer Terror

Februar 16, 2020

Arte, 21.55

Weißer Terror (The Intruder, USA 1962)

Regie: Roger Corman

Drehbuch: Charles Beaumont

LV: Charles Beaumont: The Intruder, 1959

In der Südstaatenkleinstadt Caxton dürfen per Gesetz Schwarze eine bislang nur Weißen besuchte Schule besuchen. Der Politiker Adam Cramer (William Shatner) stachelt mit Hetzparolen die weiße Bevölkerung zur Gewalt gegen die Schwarzen an.

Ob Roger Corman damals dachte, dass sein Film heute immer noch aktuell ist?

Ein routiniert inszeniertes Melodram, das zwar unterm Strich allzu kompromissbereit ausgefallen sein mag, aber in seiner eindringlichen Problemstellung durchaus fesselt.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit William Shatner, Frank Maxwell, Beverly Lunsford, Robert Emhardt, Charles Beaumont, George Clayton Johnson, William F. Nolan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Weißer Terror“

Wikipedia über „Weißer Terror“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roger Cormans „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (The haunted palace, USA 1963)