TV-Tipp für den 28. April: Supernova

April 27, 2020

Nitro, 22.30

Supernova (Supernova, USA/CH 2000)

Regie: Thomas Lee (Pseudonym von Walter Hill, Francis Ford Coppola, Jack Sholder)

Drehbuch: David C. Wilson, William Malone (Geschichte), Daniel Chuba (Geschichte)

Das intergalaktische Rettungsschiff „Nightingale 229“ erhält aus einer entfernten, nicht mehr bewohnten Galaxie einen Notruf. Mit einem Dimensionssprung fliegen sie dahin und finden den verunglückten Astronauten Karl. Der schleppt eine außerirdische Lebensform in ihr Raumschiff und es geschieht das, was immer geschieht, wenn Menschen und Aliens sich begegnen.

Die drei Regisseure verraten eingefleischten Filmfans, dass „Supernova“ ein weiterer Alan Smithee-Film ist, der hier allerdings Thomas Lee heißt und weil Walter Hill, Jack Sholder und Francis Ford Coppola in ihrem Metier durchaus ihre Meriten erworben haben, ist „Supernova“ ein nicht vollkommen uninteressanter Torso.

Die Reise von „Supernova“ begann 1988 als „Dead Star“ unter der Federführung von William Malone. Damals war’s „Hellraiser im Weltall“. Kurz vor Drehbeginn verließ Regisseur Geoffrey Wright wegen künstlerischer Differenzen das Projekt. „Alien“-Produzent Walter Hill sprang ein. Er versuchte einen guten Film zu drehen. Während dem Dreh wurde unter der Aufsicht von MGM-Angestellten das Drehbuch umgeschrieben. MGM war mit dem von Hill abgelieferten Schnitt sehr unzufrieden. Jack Sholder drehte einige Szenen nach. Dann kam Francis Ford Coppola dazu und versuchte eine Version zu erstellen, die dem Studio und Walter Hill gefiel. Hill zog seinen Namen zurück. An der Kinokasse ging der offiziell 70 Millionen Dollar teuere Film (Lou Diamond Phillips meinte in einem Interview, der Film habe eher 100 Millionen Dollar gekostet) gnadenlos unter.

Zu Recht. Denn „Supernova“ ist ein 08/15-Science-Fiction-Film, der allein wegen seiner desaströsen Produktionsgeschichte, der ansehnlichen Besetzung und der schwindlig machenden Wackelkamera (die Neuauflage von „Kampfstern Galactica“ wird dagegen mit einer statischen Kamera gedreht) kurze Zeit in Erinnerung bleibt.

„The film never got a chance to have a clear vision.” (Lou Diamond Phillips)

Mit James Spader, Angela Bassett, Robert Forster, Lou Diamond Phillips, Peter Facinelli, Robin Tunney

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Supernova“

Wikipedia über „Supernova“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)


TV-Tipp für den 27. April: Viva Zapata!

April 27, 2020

Arte, 23.10

Viva Zapata! (Viva Zapata!, USA 1952)

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: John Steinbeck

Biopic über den von Marlon Brando (in seiner dritten Filmrolle) gespielten Revolutionär Emiliano Zapata (1879 – 1919), das mit seiner ersten politischen Mission beginnt.

‚Viva Zapata!‘ ist ein Unterhaltungsfilm auf höchster Ebene, von Kazan spannend inszeniert, der Handlung und Szenen erstaunlich wirklichkeitsnahe gestaltete und den Schauspielern alle Freiheiten ließ. (…) Brandos Zapata ist eine symbolische Figur, eine Art Jedermann der mexikanischen Revolution, ein Titan, der sich, dem Ruf des Schicksals gehorchend, aus den Rängen der Masse erhoben hat. In diesem Sinn ist ‚viva Zapata!‘ ein kraftvoller und wirklich bewegender Film.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme,1980)

Der echte Zapata war wohl nicht so edel wie der Film-Zapata.

mit Marlon Brando, Anthony Quinn, Jean Peters, Joseph Wiseman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Viva Zapata!“

Wikipedia über „Viva Zapata!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. April: D’Artagnans Tochter

April 25, 2020

Arte, 20.15

D’Artagnans Tochter (La Fille de D’Artagnan, Frankreich 1994)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Michel Leviant (nach einer Idee von Riccardo Freda und Eric Poindron)

1654, Frankreich im Herbst: Nachdem die Gefolgsleute des Grafen von Crassac das Kloster in dem Eloise lebt, verwüsten, macht sie sich auf den Weg zu ihrem Vater. Dieser ist der legendäre D’Artagnan und schon lange nicht mehr am Kämpfen interessiert. Also schwindelt sie ihm etwas von einem Komplott vor und kann ihn so überzeugen, zusammen mit seinen ebenfalls älter gewordenen Musketieren, wieder in den Kampf zu ziehen. Dieses Mal mit weiblicher Unterstützung.

Der Film ist zuerst und vor allem ein Fest der Schauspieler. Darüber hinaus auch eine wundervolle Mantel- und Degen-Komödie.“ (Fischer Film Almanach 1996) – Volle Zustimmung!

mit Sophie Marceau, Philippe Noiret, Claude Rich, Sami Frey, Jean-Luc Bideau, Charlotte Kady

Wiederholung: Montag, 4. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „D’Artagnans Tochter“

Rotten Tomatoes über „D’Artagnans Tochter“

Wikipedia über „D’Artagnans Tochter“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


Deutscher Filmpreis 2020: Die Gewinner

April 25, 2020

Coronabedingt erfolgte die Preisverleihung des 70. Deutschen Filmpreises am Freitag ohne Publikum. Das änderte nichts daran, dass sie im Fernsehen übertragen wurde und dass viel Geld verteilt wurde. In den meisten Kategorien waren nur drei Personen bzw. Filme nominiert. Allein schon angesichts dieses überschaubaren Wettbewerbs, konnte man sich, im Gegensatz zu den Oscars, die potentiellen Gewinner schon vor der Preisverleihung ausrechnen. Insofern überraschen mich die vielen, durchaus verdienten Preise für „Systemsprenger“ nicht. Auch die Ignoranz gegenüber „Lara“ und „Undine“ (demnächst im Kino) überrascht nicht. Das war schon so bei den Nominierungen.

Die Gewinner sind:

Bester Spielfilm

Gold: „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt

Silber: „Berlin Alexanderplatz“ von Burhan Qurbani (läuft irgendwann im Kino)

Bronze: „Es gilt das gesprochene Wort“ von Ilker Çatak

Bester Dokumentarfilm

Born in Evin“ von Maryam Zaree

Bester Kinderfilm

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Caroline Link

Beste weibliche Hauptrolle

Helena Zengel („Systemsprenger“)

Beste männliche Hauptrolle

Albrecht Schuch („Systemsprenger“)

Beste weibliche Nebenrolle

Gabriela Maria Schmeide („Systemsprenger“)

Beste männliche Nebenrolle

Albrecht Schuch („Berlin Alexanderplatz“)

Beste Regie

Nora Fingscheidt („Systemsprenger“)

Bestes Drehbuch

Nora Fingscheidt („Systemsprenger“)

Beste Kamera

Yoshi Heimrath („Berlin Alexanderplatz“)

Bester Schnitt

Stephan Bechinger und Julia Kovalenko („Systemsprenger“)

Beste Musik

Dascha Dauenhauer („Berlin Alexanderplatz“)

Bestes Szenenbild

Silke Buhr („Berlin Alexanderplatz“)

Bestes Kostümbild

Sabine Böbbis („Lindenberg! Mach dein Ding“)

Bestes Maskenbild

Astrid Weber und Hannah Fischleder („Lindenberg! Mach dein Ding“)

Beste Tongestaltung

Corinna Zink, Jonathan Schorr, Dominik Leube, Oscar Stiebitz und Gregor Bonse („Systemsprenger“)

Beste visuelle Effekte und Animation

Jan Stoltz und Claudius Urban („Die Känguru-Chroniken“)

Besucherstärkster Film des Jahres

Das perfekte Geheimnis“ von Bora Dagtekin

Ehrenpreis

Edgar Reitz


TV-Tipp für den 25. April: Sea of Love – Melodie des Todes

April 24, 2020

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Al Pacino!

3sat, 23.10

Sea of Love – Melodie des Todes (Sea of Love, USA 1988)

Regie: Harold Becker

Drehbuch: Richard Price

In New York werden mehrere Männer, die auf Kontaktanzeigen geantwortet haben, ermordet. Der abgewrackte Cop Frank Keller (Al Pacino) sucht den Mörder. Dafür gibt er selbst eine Kontaktanzeige auf und trifft Helen (Ellen Barkin). Er verliebt sich in die geheimnisvolle Schönheit. Dummerweise ist sie gleichzeitig die Hauptverdächtige.

Spannender Thriller. Dank des wendungsreichen Drehbuchs von Richard Price, der auch ein erfolgreicher Romanautor ist („The Wanderers“, „Clockers“, „Lush Life“), und der glänzenden Schauspieler. Al Pacino erhielt eine Golden-Globe-Nominierung. Richard Price eine Edgar-Nominierung (und verlor gegen die heute ziemlich vergessene High-School-Satire „Heathers“).

Davor, um 22.10 Uhr, zeigt 3sat die brandneue Doku „Al Pacino – Star wider Willen“.

mit Al Pacino, Ellen Barkin, John Goodman, Michael Rooker, William Hickey, Ricahrd Jenkins, Paul Calderon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sea of Love“

Wikipedia über „Sea of Love“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. April: Arabeske

April 23, 2020

Bayern, 22.30

Arabeske (Arabesque, USA 1966)

Regie: Stanley Donen

Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Pierre Marton (Pseudonym von Peter Stone)

LV: Alex Gordon (auch Gordon Cotler): The Cipher, 1961

Oxford-Professor Pollock soll eine hethitische Inschrift entziffern. Er weiß nicht, dass er danach umgebracht werden soll.

Schwungvolle Agenten-Komödie in einem verschwenderischen Dekor, z. B. trägt Sophia Loren nur Kleider von Dior. Ist einer der besten nicht von Hitchcock inszenierten Hitchcock-Filme – und eine prall gefüllte Wundertüte an Intrigen und Gegenintrigen.

Gordons Buch war 1962 als bestes Debüt für den Edgar nominiert.

Mit Gregory Peck, Sophia Loren, Alan Badel, Kieron Moore

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Arabeske“

Wikipedia über „Arabeske“ (deutsch, englisch)

Bibra-Online über “Arabeske”


TV-Tipp für den 23. April: Get the Gringo

April 22, 2020

„Get the Gringo“ ist der Abschluss eines kleinen Mel-Gibson-Abends. Der Auftakt ist um 20.15 Uhr mit der Actionkomödie „Air America“ (Regie: Roger Spottiswoode, mit Gibson und Robert Downey Jr. als Drogenpiloten im Auftrag des CIA während des Vietnamkriegs). Danach, um Mitternacht, folgt das sehenswerte Flüchtlingsdrama „Desierto – Tödliche Hetzjagd“ im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet (Regie: Jonás Cuarón, mit Gael Garcia Bernal und Jeffrey Dean Morgan).

Tele 5, 22.20

Get the Gringo (Get the Gringo, USA 2012)

Regie: Adrian Grunberg

Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg

Ein namenloser Fluchtwagenfahrer wird kurz hinter der Grenze von der mexikanischen Polizei verhaftet und in einen von einem Gangsterboss regierten Knast gesteckt. Jetzt will er überleben, ausbrechen und seine Kohle wieder haben.

Das B-Picture „Get the Gringo“ ist eine unterhaltsame Hardboiled-Krimikomödie mit etwas Action und einem lakonischen Voice-Over des Fahrers, der auch über die Auslassungen und Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte hinwegerzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa Martinez, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena

Hinweise

Moviepilot über „Get the Gringo“

Metacritic über „Get the Gringo“

Rotten Tomatoes über „Get the Gringo“

Wikipedia über „Get the Gringo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Get the Gringo“ (Get the Gringo, USA 2012)

Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Rambo: Last Blood“ (Rambo: Last Blood, USA 2019)


„Moonshine“ Whiskey inspiriert Brian Azzarello und Eduardo Risso zum zweiten Mal

April 22, 2020

Die USA, während der Prohibition: in den Appalachen produziert Hiram Holt einen exzellenten Schnaps, den der New-Yorker-Mafiaboss Joe Masseria gerne in den Speakeasies von New York verkaufen möchte. Er schickt Lou Pirlo zu den Hinterwäldlern.

Im ersten „Moonshine“-Sammelband schilderten Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso, das „100 Bulllets“-Dreamteam, wie die Verhandlungen zwischen den harten Mafiosi und den tumben Dörflern sich anders als geplant entwickeln. Das liegt auch daran, dass in den einsamen Wäldern auch Werwölfe ihre Beute suchen. Mit ihrem Essgewohnheiten beeinflussen sie die Verhandlungen entscheidend.

Im zweiten Band erzählen Azzarello und Risso die Geschichte weiter. Die Mafia will immer noch den Schnaps von der Familie Holt kaufen. Zur gleichen Zeit gelingt Lou Pirlo mit seiner Geliebten Delia die Flucht in Richtung New Orleans. Kurz vorm Ziel wird Pirlo verhaftet und Kettensträfling. Vom ersten Tag an plant er seine Flucht.

Im zweiten „Moonshine“-Sammelband weiten Azzarello und Risso den Blick von einer kleinen Prohibitionsgangstergeschichte zu einem größeren Epos. Am Ende des Buches wird auch eine Fortsetzung angekündigt. In den USA erscheint diese, nach einer längeren Pause, seit November 2019.

Die Geschichte des zweiten „Moonshine“-Sammelbandes liest sich wie der Mittelteil einer Trilogie. Einige Handlungsfäden aus dem ersten Band werden abgeschlossen, einige werden weiter erzählt und es geht vor allem darum, die verschiedenen Figuren von einem Ort zu einem anderen Ort zu bringen. Das gelingt Azzarello und Risso ziemlich kurzweilig. Die von Azzarello erfundene Geschichte wühlt tief in der Mythologie der US-Geschichte, vor allem natürlich der Geschichte der Prohibition und des Verbrechens, und der Populärkultur, die uns in unzähligen Gangsterfilmen zeigte, wie es damals in den USA aussah. Risso knüpft mit seinen Panels an diese Bilder an, transportiert sie in ein anderes Medium und schafft farbige Zeichnungen, die mühelos auch als Plakate veröffentlicht werden könnten. In diesem Fall sind die Bilder beeindruckender als die Geschichte, die doch, bis auf die Sache mit den Werwölfen, etwas zu vorhersehbar den vertrauten Pfaden des Gangsterfilms folgt.

Brian Azzarello/Eduardo Risso: Moonshine: Band 2

(übersetzt von Christof Bango)

Cross Cult, 2019

144 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Moonshine, Volume #2

Image Comics, 2017

Hinweise

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 3“ (Batman: Damned 3, 2019)


TV-Tipp für den 22. April: Matrix

April 21, 2020

Kabel 1, 22.25

Matrix (The Matrix, USA 1998)

Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski

Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski

Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.

Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.

mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Matrix“

Wikipedia über „Matrix“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Matrix” von Andy Wachowski und Larry Wachowski

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowskis „Jupiter Ascending“ (Jupiter Ascending, USA 2015)


Cover der Woche

April 21, 2020


TV-Tipp für den 21. April: Überwacht: Sieben Milliarden im Visier

April 20, 2020

Arte, 20.15

Überwacht: Sieben Milliarden im Visier (Frankreich 2019)

Regie: Sylvain Louvet

Drehbuch: Sylvain Louvet

Spielfilmlange Doku über immer raffiniertere Überwachungstechniken, die im Kampf gegen Terroristen und Kriminelle eingesetzt werden, dabei alle Menschen überwachen und der Einstieg in einen alles kontrollierenden Überwachungsstaat sein können.

Der Beginn eines Arte-Themenabends, der den Namen „Themenabend“ wirklich verdient hat. Denn zuletzt waren einige Themenabende nach zwei, drei Stunden rum. Der heutige Themenabend „KI – Endspiel für den Menschen?“ geht bis 02.30 Uhr und beschäftigt sich mit der KI-Industrie, dem automatisiertem Börsenhandel und der Silicon-Valley-Revolution.

Hinweis

Arte über die Doku


DVD-Kritik: „The Farewell“ gegen die Einsamkeit?

April 20, 2020

Zum Filmstart schrieb ich über das warmherzige Drama:

Billi (Awkwafina, zuletzt „Jumanji: The next level“) ist eine gar nicht so untypische junge New Yorkerin. Sie hat sich gerade – erfolglos – für ein Stipendium beworben. Einen Freund hat sie nicht. Und auch kein offenkundiges Lebensziel.

Als sie erfährt, dass ihre immer noch in China lebende, über alles geliebte Großmutter todkrank ist, möchte sie sie noch einmal sehen. Ihre Eltern sind dagegen. Denn die Nai Nai (Mandarin für die Großmutter väterlicherseits) weiß nichts von ihrer Krebserkrankung. Die Ärzte geben ihr nur noch wenige Wochen. Chinesischen Traditionen folgend soll Nai Nai es auch nicht erfahren.

Weil Billis Eltern überzeugt sind, dass Billi vor ihrer Nai Nai das Geheimnis sofort ausplaudern wird, soll Billi nicht mit nach Changchun, einer Industriestadt in der nordöstlichen chinesischen Provinz Jilin, fahren.

Billi soll in New York bleiben, während die restliche in den USA und Japan lebenden Familienmitglieder sich auf den Weg nach Changchun machen. Der Vorwand für das seit Jahren in dieser Größe nicht mehr erfolgte Familientreffen ist die Hochzeit von Billis Cousin mit einer Japanerin.

Trotzdem fliegt Billi nach Changchun, wo sie als Überraschungsgast auftaucht und leicht ungläubig das rege Treiben betrachtet. Nai Nai (Zhao Shuzhen) bereitet resolut die Hochzeitsfeier vor. Ihre Kinder und Kindeskinder versuchen die Fassade der Fröhlichkeit aufrecht zu halten, während sie sich von Nai Nai verabschieden und in Erinnerungen schwelgen. Schließlich wissen sie, dass sie Nai Nai nach diesen Tagen nicht wieder lebendig sehen werden.

In ihrem zweiten Spielfilm erzählt Lulu Wang eine autobiographische Geschichte. Ihr alter ego Billi muss, wie Lulu Wang 2013, eine Antwort auf ihre widerstreitenden Gefühle und den Ansprüchen ihrer Familie finden. Die anderen Familienmitglieder stehen vor dem gleichen Problem. Außerdem müssen sie sich mit veränderten Traditionen arrangieren. Als Auswanderer hielten sie an Traditionen fest, die sich in China veränderten. Gleichzeitig veränderte ihr Leben im Ausland ihren Blick auf heimische Traditionen.

Das zeigt Wang sehr präzise, feinfühlig und humorvoll. Die kleinen Differenzen und auch die inneren Konflikte jeder Person werden so nachvollziehbar. Jeder schweigt und lügt über etwas anderes. Und ziemlich oft haben die anderen eine sehr gute Vorstellung, worüber geschwiegen wird und worüber sie, mit guten Absichten, belogen werden.

Diese sehr differenziert ausfallende und genau beobachtende Familienporträt bewegt sich allerdings zu nah an den Fakten der wahren Lüge entlang. Die verschiedenen Positionen zum Belügen von Nai Nai werden dargestellt, aber es wird keine Antwort gegeben. Daher gibt es am Ende auch keine Lösung für das Dilemma, vor dem Billi steht. Die letzten Filmminuten, der Abspann, die Existenz dieses Films (und die Frage, wie Nai Nai darauf reagiert) zeigen diese Unentschlossenheit noch einmal auf.

So ist „The Farewell“ nur die gelungene Beschreibung einer Situation.

Zum Ansehen empfehle ich die schlüssig zwischen Englisch und Mandarin wechselnde Originalfassung.

.

Jetzt ist Lulu Wangs hochgelobter Film, ohne Bonusmaterial, auf DVD und Blu-ray erschienen und ich habe mir jetzt die deutsche Synchronisation angesehen. In ihr wurden die wenigen englischen Teile untertitelt und die vielen in Mandarin gesprochenen Teile synchronisiert. Damit bleibt die Zweisprachigkeit des Originals erhalten. Allerdings verändern sich die durch die Sprache (und die Lektüre der Untertitel) geschaffenen Gefühle von Nähe und Distanz. In der deutschen Fassung müssen kaum noch Untertitel gelesen werden. Und schon erscheint Nai Nais Welt uns fast wie ein Besuch bei den eigenen Großeltern.

Auch beim wiederholten Ansehen fällt auf, wie konsequent Lulu Wang sich in jeder Szene mit verschiedenen Aspekten des Lügens beschäftigt. Jeder lügt über etwas anderes. Aus verschiedenen Gründen und mit guten Absichten. Auch, davon bin ich hundertprozentig überzeugt, die Großmutter ahnt sehr genau, wie krank sie ist und dass ihre Familie sich nicht wegen der Hochzeit von Billis Cousin bei ihr trifft.

The Farewell“ regt zum Nachdenken und Diskutieren darüber an, ob und wie sehr man einen geliebten Menschen über eine tödliche Diagnose belügt. Oder ihm die Wahrheit sagt.

Damit ist Lulu Wangs Film ein gerade in Zeiten häuslicher Isolation empfehlenswerter und auch aktueller Film, der sehr warmherzig zwischen Drama, Komödie und ruhiger Beobachtung pendelt, das anspruchsvolle Leben zwischen verschiedenen Kulturen und Traditionen (und damit verbundenen Anforderungen) begreifbar macht und, sicher auch durch den prominenten Einsatz westlicher Pop-Musik, die Gemeinsamkeiten zwischen China und dem Westen betont. Außerdem ist Billis Nai Nai eine typische Großmutter, die sich um ihre Kinder und Enkelkinder sorgt und Billi sofort mit einem jungen, sympathischen Arzt verkuppeln will.

The Farewell (The Farewell, USA 2019)

Regie: Lulu Wang

Drehbuch: Lulu Wang

mit Shuzhen Zhao, Awkwafina, X Mayo, Lu Hong, Lin Hong, Tzi Ma, Diana Lin, Yang Xuejian, Becca Khahil

DVD

DCM

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch/Mandarin (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (wobei der Film für die Kinoauswertung ‚ab 0 Jahre‘ war)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Farewell“

Metacritic über „The Farewell“

Rotten Tomatoes über „The Farewell“

Wikipedia über „The Farewell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lulu Wangs „The Farewell“ (The Farewell, USA 2019)

Als Bonusmaterial: einige Interviews mit Lulu Wang über ihren Film

Lulu Wang beim TIFF

Lulu Wang beim Hawaii International Film Festival

Lulu Wang bei der Bruin Film Society

Lulu Wang im Hammer Museum


Die Glauser-Gewinner 2020

April 20, 2020

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:

a) diesen Text lesen und sofort erfahren, wer dieses Jahr vom Syndikat, dem Autorennetzwerk zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur, die Glauser-Preise erhielt

(Hinweis: Namensgeber für den Preis ist Friedrich Glauser. Im Unionsverlag erschienen seine grandiosen Wachtmeister-Studer-Romane vor einigen Tagen in einer preiswerten Gesamtausgabe, die auf der Werkausgabe des Limmat Verlags beruht.)

b) sich die Aufzeichnung der Preisverleihung ansehen:

Also dann:

Bester Kriminalroman

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand, weissbooks.w

nominiert

Lena Avanzini: Am Ende nur ein kalter Hauch, Haymon

Ludwig Cardano: Die Glocke, braumüller

Romy Hausmann: Liebes Kind, dtv

Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection, unionsverlag

Bestes Debüt

Lioba Werrelmann: Hinterhaus, Bastei Lübbe

nominiert

Kai Havaii: Rubicon, Rütten & Loening

Thorsten Kirves: Der Aussteiger, Droemer

Patrick Lorenz: Zwei Millionen in kleinen Scheinen, Emons

Ricarda Oertel: Nordfinsternis, Emons

Bester Kurzkrimi

Sunil Mann mit Der Watschenmann, in: Blutige Lippe 3, Ventura Verlag

nominiert

Raoul Biltgen mit Harmlos, in: Mordsmäßig Münchnerisch 2, Hirschkäfer Verlag

Katja Bohnet mit D für Drive, in: Lametta, Lichter, Leichenschmaus, Knaur Verlag

Richard Fliegerbauer mit Nachtschicht, in: Woidbluad, HePeLo Verlag, Edition Golbet

Julia Hofelich mit Opfer, in: Geschmackvoll morden, Wellhöfer Verlag

Bester Kinderkrimi

Charlotte Habersack: Bitte nicht öffnen, Feurig, Carlsen Verlag

nominiert

Jonathan Cole: Dracula Junior, Vorsicht Vampirjäger, Edel Verlag

Andrea Martin: Die Geheimnisse von Oaksend – Die Monsterprüfung, CBJ Verlag

Jana Scheerer: Gefahr ist unser Geschäft, Verlag Woow Books

Annelies Schwarz: Aprilregen, Obelisk Verlag

Bester Jugendkrimi

Wulf Dorn: 21 Dunkle Begleiter, CBJ Verlag

nominiert

Marie Golien: Cainstorm Island – Der Gejagte, Verlag dtv

Andreas Gruber: Code Genesis . sie werden dich finden, CBJ Verlag

Ehren-Glauser

Nina George


TV-Tipp für den 20. April: True Grit – Vergeltung

April 19, 2020

Arte, 20.15

True Grit (True Grit, USA 2010)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Donnerstag, 23. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. April: Lautlos wie die Nacht

April 18, 2020

Arte, 20.15

Lautlos wie die Nacht (Mélodie en sous-sol, Frankreich/Italien 1962)

Regie: Henri Verneuil

Drehbuch: Albert Simonin

LV: John Trinian: The big grab, 1960 (Lautlos wie die Nacht)

Jean Gabin plant zusammen mit Alain Delon seinen letzten Coup: ein Einbruch in das Casino von Cannes. Ein fast perfekter Plan.

Spannender Gangsterfilm.

Mit Jean Gabin, Alain Delon, Viviane Romance, Carla Marlier, Maurice Biraud, Jean Carmet

Wiederholung: Freitag, 24. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lautlos wie die Nacht“

Wikipedia über „Lautlos wie die Nacht“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 18. April: Der letzte Kaiser

April 17, 2020

One, 20.15

Der letzte Kaiser (The last Emperor, Großbritannien/Italien/Volksrepublik China 1987)

Regie: Bernardo Bertolucci

Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Marc People (nach der Biographie von Pu Yi)

Monumentalepos über Pu Yi, der 1908 als Dreijähriger zum Herrscher über China wird, schon 1912, als China zur Republik wird, seinen Thron verliert, anschließend zum Spielball der Machthaber und der Politik wird und 1967 als Gärtner stirbt.

Bernardo Bertolucci durfte als erster europäischer Regisseur in der ‚Verbotenen Stadt‘ drehen. Seinen Film konnte er nach seinen eigenen Vorstellungen realisieren. Der Lohn waren, unter anderem, neun Oscars (u. a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Kamera) und zahlreiche weitere Preise.

keine detailvernarrte Bebilderung der Autobiographie, sondern die durchkomponierte Umsetzung des Stoffes aus der Sicht eines Europäers, der bei aller Faszination von dem exotischen Ambiente seinen Stil beibehält. ‚Der letzte Kaiser‘ ist der erste wirkliche Monumentalfilm unserer Zeit, der nicht mit dem Makel von Pappkulissen und Holzschwertern behaftet ist. Bei allem Aufwand (…) verliert Bertolucci seine Hauptfigur nicht aus dem Blickfeld.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Anschließend, um 22.50 Uhr, zeigt One die halbstündige Doku „Hollywood’s Best Film Directors: Bernardo Bertolucci“ (dabei hatte Bertolucci nie etwas mit Hollywood am Hut).

Mit John Lone, Joan Chen, Peter O’Toole, Richard Vuu, Tijger Tsou, Wu Tao, Ryuichi Sakamoto

Wiederholung: Montag, 20. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der letzte Kaiser“

Wikipedia über „Der letzte Kaiser“ (deutsch, englischI


Die „Deadly Class“ feiert das Semesterende

April 17, 2020

Eine normale Schule ist das King’s Dominion nicht. Erstens weil es eine Eliteschule ist, in der vor allem Kinder aus sehr vermögenden Familien aufgenommen werden. Und, weil man als Bildungseinrichtung seine soziale Verantwortung kennt, einige Habenichtse, die kein Schulgeld bezahlen müssen. Zweitens weil auf dem Stundenplan nicht nur die üblichen Fächer, sondern auch eine Ausbildung zum Profikiller steht.

Einer der Habenichtse der ‚Kings Akademie der tödlichen Künste‘ ist Marcus Lopez Arguello. Er lebte zuletzt in San Francisco auf der Straße und er will aus familiären Gründen Ronald Reagan töten. Am Anfang des dritten „Deadly Class“-Sammelbandes steht er mit dem Kopf seines Klassenkameraden Chico in der Hand vor Chicos Vater, dem Boss eines mexikanischen Kartells. Der ist vom Tod seines Kindes nicht begeistert und er möchte ihn blutig rächen.

Zusammen mit seinen Schulkameraden versuchen sie lebend aus dieser Situation herauszukommen.

Der vierte „Deadly Class“-Sammelband beginnt mit der Abschlussprüfung für das erste Semester. Die Schüler müssen nur eine Aufgabe lösen, ähm, überleben. Denn der Schuldirektor Meister Liln will, dass die ‚Ratten‘, also Schüler, die gegen Schul- und Killerregeln verstießen, getötet werden. Die Jagd ist eröffnet und Marcus, der in den vergangenen Monaten genug Verfehlungen angesammelt hat, um ganz oben auf der Liste zu stehen, rennt um sein Leben. Dabei fragt er sich, wem von seinen Freunden er noch vertrauen kann und welcher seiner Klassenkameraden ihn als erstes umbringen will.

Diese darwinistische Auslese ist zwar ziemlich idiotisch, sorgt aber auf den nächsten Seiten für viel Action, Mord & Totschlag und Blutvergießen. Bis zum Ende ist ungewiss, wer überlebt und wer wie stirbt.

In der Comicserie „Deadly Class“ verknüpfen Autor Rick Remender und Zeichner Wes Craig eine knallharte Kriminalgeschichte mit dem von Lieben, Trieben und Schulproblemen dominierten Coming-of-Age-Schuldrama und garnieren es, weil die Geschichte in den Achtzigern spielt, mit einer ordentlichen Portion Nostalgie. Der Lohn sind euphorische Kritiken, treue Leser und eine auf den Comics basierende TV-Serie. Die TV-Serie wurde nach einer Ministaffel eingestellt. Die Comicserie erscheint immer noch.

Für den Einstieg eignet sich dabei der vierte „Deadly Class“-Sammelband „Stirb für mich!“ sehr gut. Schließlich wird eine blutige Menschenjagd mit wechselnden Koalitionen erzählt. Um das zu Verstehen, muss man nicht unbedingt die ersten Bände, die teilweise sehr in Richtung nostalgisch gefärbte Coming-of-Age-Erzählung gehen, kennen.

Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridge: Deadly Class: 1988 – Die Schlangengrube (Band 3)

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2019

128 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 3: The Snake Pit

Image Comics, 2019

Rick Remender/Wes Craig/Jordan Boyd: Deadly Class: 1988 – Stirb für mich (Band 4)

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2020

136 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 4: Die for me

Image Comics, 2020

Hinweise

Homepage von Rick Remender

Wikipedia über „Deadly Class“ (Comic) (TV-Serie: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rick Remenders „Punisher 4: Frankencastle 2“ (FrankenCastle # 17 – 19, 2010)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Lee Louhridges „Deadly Class: 1987 – Die Akademie der tödlichen Künste (Band 1)“ (Deadly Class Volume 1: Reagan Youth, 2014)

Meine Besprechung von Rick Remender/Wes Craig/Lee Louhridges „Deadly Class: 1988 – Kinder ohne Heimat (Band 2)“ (Deadly Class Volume 2: Kids of the Black Hole, 2015)


TV-Tipp für den 17. April: Jackie Brown

April 16, 2020

Tele 5, 20..15

Jackie Brown (Jackie Brown, USA 1997)

Regie: Quentin Tarantino

Drehbuch: Quentin Tarantino

LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)

Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.

Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)

Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.

Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“

Wiederholung: Sonntag, 19. April, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Jackie Brown”

Rotten Tomatoes über “Jackie Brown”

Wikipedia über “Jackie Brown” (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)


Doofe Entführer erpressen die „Falsche Ursula“

April 16, 2020

Die Frau auf dem Buchcover ist nicht die titelgebende „Falsche Ursula“. Denn diese Ursula ist nach eigener Einschätzung „fett“ und ihre periodischen Fressattacken sind erschreckend umfangreich. Ihr Selbsthass und ihr Hass auf die Welt ebenso. Sie ist ungefähr so nett und sozialverträglich wie die von Melissa McCarthy in „Can you ever forgive me?“ gespielte Fälscherin.

Aber Ursula López ist keine Fälscherin, sondern eine in Montevideo in einem Mietshaus lebende Übersetzerin, die sich über die über ihr feiernde und mit Stöckelschuhen durch die Wohnung laufende Person aufregt und, erfolglos, Weight-Watchers-Treffen besucht . Eines Tages erhält Ursula einen Anruf. Ihr Mann wurde entführt und sie soll eine Million Lösegeld zahlen. In welcher Währung sagen die Entführer nicht, aber es würde in jedem Fall ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Außerdem hat sie keinen Mann.

Bevor sie das dem Anrufer sagen kann, hat der das Gespräch schon beendet.

Ursula entschließt sich mitzuspielen. Sie trifft den Entführer, der gar nicht so unsympathisch ist.

Wer Mercedes Rosendes neuen Roman „Falsche Ursula“ in der Erwartung auf einen spannenden Krimi über eine schief gehende Entführung liest, dürfte enttäuscht sein. Ursula erhält den Anruf erst in der Buchmitte und auch in der zweiten Hälfte steht der Kriminalfall nicht unbedingt im Mittelpunkt der Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Ursula und ihr Leben. Rosende schildert das aus Ursulas Perspektive, ergänzt um einige Gespräche der Entführer mit ihrer Geisel und schriftliche Dokumente. Damit ist das Charakterporträt vor allem eine schön schwarzhumorige Geschichte mit einer nicht essentiellen Krimibeigabe.

Beim Lesen erinnert Rosendes „Falsche Ursula“ mich an Hannelore Cayres im Original zeitgleich veröffentlichten Roman „Die Alte“. In beiden rotzfrechen Büchern steht eine etwas ältere, sich selbst als unattraktiv einschätzende, die Welt hassende Frau im Mittelpunkt. Beide Male stolpert sie zufällig in eine Kriminalgeschichte. Einmal geht es um Drogenhandel, einmal um eine Entführung. Beide Male offenbart die Protagonistin im Umgang mit den Verbrechen und dem Verbrechen auch für sie ungeahnte kriminelle Fähigkeiten. Beide Romane sind mit jeweils um die zweihundert Seiten angenehm kurz. Und beide, uhm, Kriminalromane sind eine sehr vergnügliche Lektüre für Krimifans, die nicht nur Ermittler*innenkrimis lesen wollen.

Mercedes Rosende: Falsche Ursula

(übersetzt von Peter Kultzen)

Unionsverlag, 2020

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Mujer equivocada

Estuario Editora, Montevideo, 2017

Hinweise

Unionsverlag über Mercedes Rosende

Wikipedia über Mercedes Rosende

Perlentaucher über „Falsche Ursula“


TV-Tipp für den 16. April: Ein Mann sieht rot

April 15, 2020

Tele 5, 22.00

Ein Mann sieht rot (Death Wish, USA 1974)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Wendell Mayes

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

Nachdem seine Frau und Tochter in ihrem New Yorker Apartment überfallen und vergewaltigt werden und seine Frau von den Verbrechern ermordet wird, sieht der friedliebende, linksliberale Paul Kersey (Charles Bronson) rot.

Selbstjustiz-Klassiker, der das schlechte Vorbild für unzählige weitere Vigilantenfilme war. Das gilt auch für die direkten „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzungen.

Michael Winner inszenierte die krude Geschichte kraftvoll, ohne große Subtilitäten mit eindeutiger Botschaft. Trotzdem ist sein Film immer wieder ambivalenter als das Publikum den Kassenhit damals sah.

Brian Garfield, der Autor der Vorlage, ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, schrieb er die „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 von James Wan als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt Garfield, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.

Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence of subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isn’t a solution, it’s a problem.“

Hauptdarsteller Charles Bronson äußerte sich in Interviews über den Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre, als die Millionenstadt in einem Sumpf von Gewalt und Verbrechen versank.

2018 drehte Eli Roth mit Bruce Willis ein vollkommen missglücktes Remake von Michael Winners Film.

mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia, Steven Keats, William Redfield, Stuart Margolin, Stephen Elliott, Jeff Goldblum (sein Debüt)

Wiederholung: Samstag, 18. April, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein Mann sieht rot“

Wikipedia über „Ein Mann sieht rot“ (deutsch, englisch)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Mein Nachruf auf Brian Garfield

Meine Besprechung von Michael Winners „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Mein Nachruf auf Michael Winner