In der nahen Zukunft müssen Eltern, wenn sie ein Kind bekommen wollen, sich einer mehrtägigen Prüfung unterziehen. So soll in dieser perfekten Welt herausgefunden werden, ob sie gute Eltern wären. Für ein solches Bewertungsverfahren haben sich Mia (Elizabeth Olsen) und ihr Mann Aaryan (Himesh Patel) beworben. In den kommenden sieben Tagen soll Virginia (Alicia Vikander) sie prüfen.
Virginias Prüfungen in dem einsam gelegenem Anwesen von Mia und Aaryan bestehen nicht aus Fragebögen und langen Interviews, sondern aus Beobachtungen und mehr oder weniger absurd anmutenden Aufgaben. Virginia setzt sich beim Intimverkehr neben sie. Mit Psychospielen strapaziert sie ihre Nerven. Sie bringt sie sogar in Lebensgefahr. Im Lauf der Prüfungstage wird immer unklarer, ob diese Prüfungen zu der von der Regierung geforderten Prüfung gehören oder ob Virginia die Anwärter für eine Elternschaft einfach nur solange quälen will, bis sie etwas tun, was sie disqualifiziert.
Nach mehreren Kurzfilmen und Musikvideos ist „The Assessment“ Fleur Fortunés Spielfilmdebüt. Die Prämisse der top besetzten Filmgeschichte ist gut, aber sie nutzt das Potential der Geschichte nur halb. Auf der Plusseite ihrer SF-Satire stehen eindeutig die Idee, ihre grundsätzliche Ausführung, die drei Hauptdarsteller, die Konzentration auf einen Schauplatz und die Inszenierung.
Aber mit fast zwei Stunden Laufzeit gehört „The Assessment“ zu den Filmen, die zu lang sind. Aus der Idee hätte eine gallige neunzigminütige Satire werden können. Stattdessen wurde aus ihr ein sich im zweiten Akt bei den Prüfungen teilweise zäh hinziehendes Werk mit einem ärgerlichem Ende. Anstatt innerhalb weniger Sekunden seine Pointe zu setzten, gibt es mehrere Szenen und damit verbundene unglaubwürdige Entwicklungen und länglich-überflüssige Erklärungen. Das ist dann erschreckend mutlos.
The Assessment (The Assessment, Großbritannien/Deutschland/USA 2024)
Regie: Fleur Fortuné
Drehbuch: Mrs. & Mr. Thomas, John Donelly
mit Alicia Vikander, Elizabeth Olsen, Himesh Patel
Während Hendrik und Hedvig noch ihrer unlängst verstorbenen Mutter hinterhertrauern, hat ihr Vater schon eine neue Ehefrau gefunden. Victoria heißt sie. Sie ist eine alles mit ihrem Smartphone fotografierende Influencerin. Und sie nervt mit ihren pompösen Plänen für eine Hochzeitsfeier im Sommerhaus am See, neuen Tischsitten und Vorschriften. Ihr Vater ist inzwischen vollständig ins Lager Victoria gewechselt.
Als Victoria die beiden halbwüchsigen Geschwister auf Handy-Entzug setzt, finden sie in einem alten Comic die Lösung für ihr Victoria-Problem: Ein Auftragskiller bringt ihre neue Stiefmutter um. Dummerweise ist Carl, den sie wegen seiner Herkunft für einen erfahrenen Killer halten, kein Killer.
Trotzdem lassen die beiden verwöhnten Reichenkinder nicht ab von ihrem Plan.
Nach einem von ihnen durchgeführtem Mordanschlag, der mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt ihre geliebten Großmutter endet, beichten sie ihr ihre Pläne. Die Großmutter ist nicht empört darüber, sondern, ohne auch nur eine Anstandssekunde zu zögern, erklärt sie sich bereit, Hedvig und Hendrik bei ihrem Mordplan tatkräftig zu helfen.
So könnte eine Zusammenarbeit von Ingmar Bergman und einem Nordic-Noir-TV-Regisseur aussehen. Gunnbjörg Gunnarsdóttirs „Victoria muss weg“ ist eine herrlich respektlose, präzise und sehr stilbewusst inszenierte Schwarze Komödie, die ihre weitgehend vollkommen amoralische und unter der harmlosen Oberfläche äußerst gemeine Geschichte so harmlos zwischen skandinavischer Bullerbü-Gemütlichkeit, Spitzen gegen das vermögende Großbürgertum – vor allem die beiden Kinder Hedvig und Hendrik sind ein Ausbund von moralbefreitem „Mir stehen alle Privilegien zu“-Klassenbewusstsein – und dem gelungenem Spiel mit Klischees und Vorurteilen erzählt, dass die Komödie als Kinderfilm beworben wird. Sie lief auf mehreren Kinderfilmfestivals, wie dem SCHLINGEL-Festival, und gewann dort Preise. Beim Kristiansand International Children’s Film Festival erhielt sie den Publikumspreis. Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck gab es eine Lobende Erwähnung der Kinderjury.
Dabei ist „Victoria muss weg“, wenn man etwas genauer hinsieht, keine harmlose, kindgerechte Komödie, sondern eine auf exzessiv präsentierte Gewalt verzichtende, sich harmlos-bieder gebende Abrechnung mit der norwegischen Gesellschaft, der Klassengesellschaft und wie Menschen sich fröhlich und höflich gegenseitig das Leben zur Hölle machen.
Victoria muss weg (Victoria må dø, Norwegen 2024)
Regie: Gunnbjörg Gunnarsdóttir
Drehbuch: Gunnbjörg Gunnarsdóttir, Rolf-Magne G. Andersen
mit EIne Marie Wilmann, Leo Ajkic, Morten Svartveit, Agnete Haaland, Mille Sofie Rist Dalhaug, Sverre Thornam
Drehbuch: Roger Spottiswoode, Walter Hill, Larry Gross, Steven E. de Souza
Detective Jack Cates hat ’nur 48 Stunden‘ um den flüchtigen Schwerverbrecher Albert Ganz zu schnappen. Der Knacki Reggie Hammond soll ihm helfen.
Ein Klassiker. Hill verbindet das Buddy-Movie mit dem Actionfilm und landet einen Kassenhit. Nolte ist dabei der ewig schlecht gelaunte, Regeln brechende Cop und Murphy, in seinem ersten Filmauftritt, eine wahre Quasselstrippe.
„Hill erzählt diese im Grund sehr simple Geschichte ungeheuer direkt, kraftvoll und mit einer Wucht, dass die Gewalt beinahe physisch spürbar wird. Seine rasantes Schnittfolgen lassen keine Entspannung zu und treiben die Story und die gewitzten Dialoge mit Höchstdruck voran.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Danach, um 22.10 Uhr, zeigt Tele 5 die nicht so wahnsinnig überzeugende Fortsetzung „Und wieder nur 48 Stunden“ (USA 1990).
mit Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O’Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham
Wiederholung: Freitag, 4. April, 23.50 Uhr (dann könnte die ungekürzte Kinofassung laufen)
Val Kilmers große Zeit waren die achtziger und neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit spielte er die Hauptrolle oder die wichtigste Nebenrolle in Kritiker- und Publikumserfolgen wie „Top Secret!“ (1984), seinem Filmdebüt, „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (Top Gun, 1986), „Willow“ (1988), „Kill me again“ (1989, ein Neo-Noir mit seiner damaligen Frau Joanne Whalley-Kilmer), „The Doors“ (1991), „Halbblut“ (Thunderheart, 1992), „True Romance“ (1993), „Tombstone“ (1993), „Batman Forever“ (1995) und „Heat“ (1995) und, mit Abstrichen, „The Saint – Der Mann ohne Namen“ (The Saint, 1997).
Nach den beiden Mega-Flops „DNA – Die Insel des Dr. Moreau“ (The Island of Dr. Moreau, 1996), dessen Dreh eine inzwischen legendäre Katastrophe war, und „Red Planet“ (2000) versandete seine Karriere, auch weil er am Set als ’schwierig‘ galt, in Nebenrollen und Direct-to-DVD-Filmen.
Bemerkenswerte und wichtige Filme in den vergangenen 25 Jahren, in denen er in mehr oder weniger kleinen Rollen mitspielte, waren „The Missing“ (2003), David Mamets „Spartan“ (2003), „Alexander“ (2004), „Kiss Kiss, Bang Bang“ (2005), „Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit“ (Déjà Vu, 2006), Werner Herzogs „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans, 2009), Francis Ford Coppolas „Twixt“ (2011) und Terrence Malicks „Song to Song“ (2017). Eigentlich keinen dieser Filme sah man sich wegen ihm an und selbstverständlich sind „Spartan“, „Twixt“ und „Song to Song“ primär wegen des Regisseurs interessant.
Seine letzte Rolle war 2022, stark unterstützt von Hauptdarsteller Tom Cruise, ein kurzer Auftritt als Admiral Tom ‚Iceman‘ Kazansky in „Top Gun: Maverick“.
James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale, USA 2006)
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)
James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.
Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.
Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.
Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini
Zu früh verstorbener, mehrfach ausgezeichneter Horror- und Thrillerautor mit einem stark Schlag in Richtung Noir und Hardboiled. Er erhielt vier Bram Stoker Awards und zwei International Thriller Writers Awards.
„The Cold Spot“ war für den Edgar Award als „Best Paperback Original“ nominiert.
Einige seiner Romane wurden ins Deutsche übersetzt.
Der erste, von aus dem arabischen Raum kommenden Terroristen durchgeführte Befreiungsversuch geht schief. Am Ende sind zwei Menschen tot und der in U-Haft sitzende Professor, den sie befreien wollten, sitzt immer noch in U-Haft. Für ihren nächsten Versuch entführen sie den Sohn von Schimanskis Freundin und erpressen den Kommissar. Ob sie jetzt erfolgreicher sind?
296.000 Besuchern kamen dieses Jahr zur Leipziger Buchmesse. Das waren 13.000 Besucher mehr als 2024. Entsprechend begeistert sind die Veranstalter. 2040 Aussteller aus 45 Ländern und das diesjährige Gastland Norwegen präsentierten Bücher und manchmal auch andere Dinge. Vom Donnerstag, den 27. März, bis zum Sonntag, den 30. März, gab es mit 2800 Lesungen und Diskussionen an 330 Leseorten ein ziemlich volles Programm auf dem Messegelände und in Leipzig.
Schon Tage vorher wurde der Vorverkauf von Eintrittskarten für den Samstag eingeschränkt.
Auch am Freitag, meinem Messetag, ist es gut voll. Vor allem in der Comic- und Mangahalle ist zwischen den Cosplayern (viele, sehr viele, wirklich sehr viele) und den nicht verkleideten Manga-Fans kein Durchkommen. In den anderen Hallen geht es dagegen deutlich ruhiger zu und in all dem Gedränge bleibt Zeit für Gespräche mit alten und neuen Bekannten, die ich hoffentlich alle spätestens nächstes Jahr wieder sehen werde.
Sebastian Fitzek signiert laut Ankündigung (ich habe nicht neben ihm gestanden und die Zeit gestoppt) mehrere Stunden Bücher.
Bei den anderen Autoren sind die Signierstunden laut Ankündigung kürzer. Mein Eindruck ist allerdings, dass sie auch außerhalb der Signierstunde gerne Bücher signieren oder spontan Bilder hineinmalen.
Und es werden überall wie verrückt Bücher gekauft. Die Verleger freuts, weil sie die Heimfahrt mit deutlich weniger Gepäck antreten können.
Das Wetter ist tagsüber fantastisch. Nachdem ich schon eine verschneite Messe erlebte und es letztes Jahr so kalt nieselte, dass schon ein kurzes Luftschnappen eine Zitterpartie war, ist es dieses Jahr so warm und sonnig, dass ein guter Teil des Messetrubels nach Außen verlagert wird.
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Nachdem meine letzte Bücher-Jahresbestenliste rein männlich war, will ich dieses Mal wieder mehr Romane von Frauen drin haben. Die druckfrischen Debüts von Anna Mai und Malin Thunberg Schunke – die ich beide zufällig traf – sind dabei heiße Anwärterinnen für einen solchen Platz.
Anna Mai mit ihrem Roman „Broilerkomplott“ (Ariadne/Argument Verlag) und ihrer Verlegerin Else Laudan (in diesem Fall von rechts nach links)
Malin Thunberg Schunke mit ihrem Roman „Ein höheres Ziel“ (Polar Verlag), ausgezeichnet als bestes Debüt von der Schwedischen Krimi Akademie
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Mit dem Feierabend-Gongschlag geht es dann in Richtung Sonnenuntergang:
Die KDD-Fahnder Bo Erichsen und Tülay Yildirim beobachten, wie eine Bundespolizistin einen abgelehnten Asylbewerber erschießt, der ihren Kollegen als Geisel genommen hat. Ein auf den ersten Blick klarer Fall von Notwehr. Aber Erichsen und Yildirim haben Fragen. Auf der Suche nach Antworten stoßen sie auf illegale Machenschaften bei der Bundespolizei.
TV-Premiere. Bewährtes Team in einer erwartbar unruhigen Nacht am Puls der Zeit
mit Armin Rohde, Idil Üner, Özgür Karadeniz, Minh-Khai Phan-Thi, Albrecht Ganskopf, Rocío Luz, Sogol Faghani, Maximilian Brückner, Nadeshda Brennicke
Bringen wir den peinlichen Anfang gleich hinter uns. „Haps – Crime doesn’t pay“ beginnt in der deutschen Fassung mit den eingeblendeten Worten „Berlin, Germany“ und „Prison“. Die deutschen Worte hätten es auch getan und sie hätten sich weniger peinlich gelesen. Außerdem ist ziemlich klar, dass Alexander Rothstein gerade in ein Gefängnis eingeliefert. Er soll ein Drogenhändler sein. Dabei sieht der Untersuchungshäftling wie der nette Schwiegersohn aus. In diesem hoffnungslos versifftem Gefängnis voller gewaltbereiter Wärter und aus allen möglichen Länder kommenden Mitinsassen, das direkt aus den schlimmsten Alpträumen über heruntergekommene Klischee-Dritte-Welt-Gefängnisse stammt, wird er schnell unter die Räder geraten.
In den folgenden zwei Stunden zeigt Ekrem Engizek dann, wie der ständig seine Unschuld beteuernde, aus vermögenden Verhältnissen kommende Rothstein dieses Multikulti-Gefängnis überlebt, sich irgendwann die Haare abrasiert (spätestens seit „Taxi Driver“ wissen wir, was das bedeutet) und in der Hierarchie aufsteigt bis zum erwartbaren Ende.
„Haps – Crime doesn’t pay“ badet förmlich in den unzähligen B-Pictures endlos wiederholten Gefängnisfilmklischees. Die Dialoge sind oft schlecht. Das Voice-Over peinlich. Die sprunghaft erzählte Story und die Figuren sind zu eindimensional, um wirklich zu begeistern. Die clever gemeinte Schlusspointe, in der mehr über Rothsteins Vergangenheit verraten wird, verrät letztendlich den gesamten Film.
Für den Film spricht allerdings auch einiges. So stilisierte Engizek, der auch das Drehbuch schrieb und produzierte, sein Knastdrama konsequent durch. In keiner Sekunde könnte man dieses Gefängnis mit einem realen Gefängnis verwechseln.
Letztendlich ist „Haps – Crime doesn’t pay“ bei all seinen unbestreitbaren Mängeln ein für deutsche Verhältnisse überraschend gelungenes und eigenständiges Genrewerk, das die Kinoleinwand im Blick hat.
Fehlt nur noch ein gutes Drehbuch.
Haps – Crime doesn’t pay (Deutschland 2025)
Regie: Ekrem Engizek
Drehbuch: Ekrem Engizek
mit Constantin von Jascheroff, Kais Setti, Cem Öztabakci, Korkmaz Aslan, Amir Aschenberg, Xenia Assenza
Ein letzter Job(King of Thieves, Großbritannien 2018)
Regie: James Marsh
Drehbuch: Joe Penhall
Auf einer Trauerfeier trifft Brian Reader (Michael Caine) einige alte Kumpels wieder. Sie schwelgen in Erinnerungen an frühere Verbrechen. Danach beschließen die Berufsverbrecher, im Londoner Diamantenviertel die Schließfächer der Hatton Garden Safe Deposit zu leeren. Es soll ihr letzter Job vor dem Ruhestand werden.
Harmlos nostalgischer Spaß, mit einem Top-Ensemble.
Drehbuch: Wes Oliver, Kieran Fitzgerald, Tommy Lee Jones
LV: Glendon Swarthout: The Homesman, 1988 (The Homesman – Es führt ein Weg zurück)
Nebraska, 1854: Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) soll drei verrückt gewordene Frauen nach Hebron, Iowa in ein Sanatorium bringen. Der Strauchdieb George Briggs (Tommy Lee Jones) soll ihr helfen. Gemeinsam machen sie sich auf die über sechshundert Kilometer lange, mehrere Woche dauernde Reise.
„grandioser, wahrhaftiger, aufbauender, aber auch deprimierender Film, in dem der Wilde Westen als eine von nicht vollkommen zurechnungsfähigen, fehlerhaften Menschen bevölkerte, weitgehend menschenleere Landschaft gezeigt wird; was mit Sicherheit viel näher an der Wirklichkeit ist, als die üblichen Hollywood-Western.
Einer des schönsten Filme des Kinojahres.“ schrieb ich schwer begeistert zum Kinostart.
mit Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Hailee Steinfeld, Meryl Streep, Grace Gummer, John Lithgow, Miranda Otto, Sonja Richter, James Spader, John Lithgow, William Fichtner
Lawrence ist ein kleiner dicker Junge mit einem Hobby und einem Ziel. Nach der Schule will er in New York an der Filmschule studieren. Dummerweise verlangt die eine saftige Aufnahmegebür. Das Geld hat er nicht. Er hat kaum genug Geld, um sich all die Filme, die er sehen möchte, auszuleihen. Auch seine alleinerziehende Mutter hat nicht so viel Geld. Deshalb rät sie ihm zu einer kanadischen Filmuniversität. Die seien auch gut.
Zum Glück sucht die eine örtliche Videothek, in der er Stammkunde ist, einen Service-Mitarbeiter. Für Lawrence ist das ein Traumjob: endlosen Zugang zu Filmen, tägliche Gespräche über Filme und dabei das Geld für die Universität verdienen. Kurz darauf hat er einen Job bei „Sequels“ und in den doch etwas seltsamen Arbeitskollegen findet er neue Freunde.
Chandler Levack erzählt in ihrem autobiographisch inspiriertem Indie-Spielfilmdebüt in vielen kurzen Episoden von Lawrence letzten Monaten 2003 in seiner Heimatstadt Burlington, Kanada. Dabei ist Lawrence nicht irgendein Filmfan, sondern ein Über-Nerd, mit einem großen Filmego, der im zwischenmenschichen Umgang sprunghaft, schwierig und oft unausstehlich ist. Oft möchte man ihn auch einfach in den Arm nehmen und trösten.
Levack erzählt das als humorvolle, ihre Figuren niemals diskriminierende Erinnerung an auch ihre Highschool-Zeit und als liebevolle Liebeserklärung eines Filmfans an andere Filmfans. Sie erfreuen sich am gewählten Academy-Filmformat und Lawrences offenherzig geteiltem Filmwissen. So empfiehlt er in der Videothek einem filmsuchendem Liebespaar als ernst gemeinten Tipp Todd Solondz‘ „Happiness“ als Liebesfilm für einen gemeinsamen Abend. Ob Quentin Tarantino das auch gemacht hätte?
I like Movies (I like Movies, Kanada 2022)
Regie: Chandler Levack
Drehbuch: Chandler Levack
mit Isaiah Lehtinen, Romina D’Ugo, Krista Bridges, Percy Hynes White, Alex Ateah
In den 80er Jahren treffen sich Clotaire und Jackie in Nordfrankreich. Der 17-jährige Clotaire ist ein aus einem Problembezirk kommender Halbstarker, der statt die Schulbank zu drücken, mit seinen Freunden vor der Schule posiert und eine Karriere als Verbrecher anvisiert. Die 15-jährige Jackie ist eine neue, strebsame Schülerin. Sie kommt aus einem gutbürgerlichen Haus und lässt sich von ihm und seinen Jungs nicht einschüchtern. Sofort verliebt er sich in die schlagfertige Schönheit. Auch sie verliebt sich in ihn.
Während sie immer mehr Zeit miteinander verbringen, rutscht er immer weiter ins kriminelle Milieu ab. Als er für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird, trennen sich ihre Wege.
Zehn Jahre später wird er entlassen. Die inzwischen 25-jährige Jackie ihr eigenes bürgerliches Leben. Der 28-jährige Ex-Sträfling besucht sie nicht, sondern versucht sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen und dabei einige alte Rechnungen begleichen.
Und mehr soll, nachdem ich jetzt fast den gesamten Film verraten habe, verraten werden. „Beating Hearts“ ist der neue Film von Gilles Lellouche, der vor allem für die nette Komödie „Ein Becken voller Männer“ bekannt ist. Sein neuester, fast drei Stunden langer Film ist dagegen ein wild pulsierendes Drama, das gerade bei den in den 80er Jahren spielenden Szenen einen starken „Betty Blue“-Vibe verströmt. Auch später befolgt Lellouche das „Mehr ist mehr“-Prinzip. Aber die vielen Szenen, in denen Jackie und Clotaire nach Clotaires Gefängnisaufenthalt getrennt ihr Leben leben, sind größtenteils langweilige Zeitfüller bis sie sich endlich wieder begegnen und ihre Beziehung wieder aufnehmen.
Trotzdem ist „Beating Hearts“ ein insgesamt gelungener, keine Exzesse scheuender Liebesfilm und Gangsterfilm.
mit Adèle Exarchopoulos, François Civil, Mallory Wanecque, Malik Frikah, Alain Chabat, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Élodie Bouchez, Karim Leklou
Seit 25 Jahren lebt eine namenlose Familie mit ihren wenigen Angestellten in einem hermetisch von der Außenwelt abgeschlossenem Salzbergwerk. Aufgrund eines ökologischen Kollapses ist die Welt unbewohnbar. In ihrem Bunker habe sie sich eine eigene Welt aufgebaut, die wie eine leicht verschobene Version unserer Welt wirkt. Tägliche Routinen geben ihrem Leben eine Struktur.
Als eines Tages ein Schwarzes Mädchen bei ihnen auftaucht, könnte das für die Familie der Beginn von großen Veränderungen sein. Aber dann läuft doch alles seines gewohnten Gang weiter: das Mädchen wird in die Familie aufgenommen, es wird gesungen und eine Scheinnormalität aufrecht gehalten.
Während Joshua Oppenheimer („The Act of Killing“, „The Look of Silence“) mit einem Top-Cast – Tilda Swinton als Mutter, Michael Shannon als Vater, George MacKay als ihr Sohn und Moses Ingram als das Mädchen – dieses Leben in schönster Slow-Cinema-Manier über epische 149 Minuten zelebriert und die Schauspieler dreizehn verschiedene Lieder singen und unaufgeregt durch die Räume wandeln, konnte ich darüber nachdenken, warum sie nicht mehr von dem Mädchen wissen wollen, warum sie nicht verzweifelt nach der potentiell tödlichen Lücke in ihrem Sicherheitssystem suchen, durch die das Mädchen in ihren Bunker gelangte und warum sie nicht die Außenwelt, auf der man anscheinend wieder leben kann, erkunden. Keine dieser Fragen und möglichen Antworten interessierte Oppenheimer in seinem Irgendwie-Endzeit-Musical.
Wir erfahren auch nichts, über die Katastrophe, die die Welt unbewohnbar macht, über die Familie, die seit einem viertel Jahrhundert in diesem Bunker lebt und einen durchaus putzigen Wohlstandswahnsinn entwickelte. Über diese Wahnsinn können wir ebenfalls nachdenken, während die Kamera das fotogene Salzbergwerk zeigt.
Am Ende des merkwürdigen, zwischen allen Stühlen und Erwartungen sitztenden Films bleibt nur schön gefilmte Langeweile.
The End (The End, Deutschland/Irland/Italien/Schweden/Großbritannien 2024)
Regie: Joshua Oppenheimer
Drehbuch: Joshua Oppenheimer, Rasmus Heisterberg
mit Tilda Swinton, Michael Shannon, George MacKay, Moses Ingram, Bronagh Gallagher, Tim McInnerny, Lennie James, Danielle Ryan
An Silvester versammeln sich in dem einsam im Wald gelegenem aus von Vincent seine halbe biologische und verbrecherische Familie – und bevor uns langsam die Verwandschaftsverhältnisse erklärt werden und Anwesenden sich erklären, warum sie sich umbringen wollen, wird endlos über Gott und die Welt geredet und tiefsinnig gemeinte Lebensweisheiten geteilt.
Das gelungene Retro-Plakat, die Besetzung und der Trailer wecken Erwartungen, die Dito Montiels umständlich erzählte Gangsterkomödie „Riff Raff – Verbrechen ist Familiensache“ nie auch nur im Ansatz einlöst. Die wenigen Gewaltspitzen reißen einem mit den lauten Pistolenschüssen aus dem Schlaf. Der schwarze Humor ist altbacken. Die Dummheit der Verbrecher ist atemberaubend.
Das Ergebnis ist Pseudo-Tarantino mit minimalstem Krimi-Anteil und maximalst langweiligem Familien-Gedöns-Anteil.
Riff Raff – Verbrechen ist Familiensache (Riff Raff, USA 2025)
Regie: Dito Montiel
Drehbuch: John Pollono
mit Jennifer Coolidge, Ed Harris, Gabrielle Union, Lewis Pullman, Emanuela Postacchini, Miles J. Harvey, Bill Murray, Pete Davidson
Eigentlich hat Ramona (Danielle Deadwyler) genug eigene Probleme. Vor kurzem starb ihr Mann bei einem Autounfall. Sie wurde dabei schwer am Bein verletzt und humpelt, betäubt von Schmerzmitteln, immer noch an Krücken durch das einsam gelegene Farmhaus. Ihr 14-jähriger Sohn Taylor (Peyton Jackson) hilft bei den Hausarbeiten. Ihre sechsjährige Tochter Annie (Estella Kahiba) verursacht dagegen mehr Arbeit.
Und dann sitzt da plötzlich eine schwarz gekleidete, vollständig verschleierte Frau (Okwui Okpokwasili) auf einem Stuhl in ihrem Vorgarten. Sie sitzt nur da und sagt zu Ramona: „Heute ist der Tag.“
Vom ersten Augenblick an geht von dieser verschleierten Frau eine unheimliche, todbringende Präsenz aus. Dazu tragen auch ihre wenigen, seltsam ruhig gesprochenen Sätze und ihre manchmal blutigen Hände bei.
„The Woman in the Yard“ gehört unbestritten zu den besseren Blumhouse-Horrorfilmen. Regisseur Jaume Collet-Serra knüpft hier wieder an seine Horrorfilm-Anfänge an. Bis auf eine kurze Rückblende ist „The Woman in the Yard“ ein an einem Ort spielendes Vier-Personen-Stück.
Mit minimalen Effekten, wie sich falsch bewegenden Schatten, vielen kleinen Details und klug gewählten Bildern, wie der im Vorgarten sitzenden schwarzumhüllten Frau, beschwört Collet-Serr eine unheimliche Atmosphäre herauf.
Das Ergebnis ist ein gelungener kleiner Horrorfilm über Schuld und Sühne, der seine in vielen Momenten vertraute Geschichte angenehm flott in etwas über achtzig Minuten erzählt.
Jaume Collet-Serra ist bekannt für die Horrorfilme „House of Wax“, „Orphan – Das Waienkind“ und „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (ein Ein-Personen-Thriller) und die gelungenen Liam-Neeson-Actionthriller „Non-Stop“, „Run all Night“, und „The Commuter“. Zu seinen letzten Werken gehören „Jungle Cruise“ und „Black Adam“.
The Woman in the Yard (The Woman in the Yard, USA 2025)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Sam Stefanak
mit Danielle Deadwyler, Okwui Okpokwasili, Peyton Jackson, Estella Kahiha, Russell Hornsby
Gut, die Überschrift ist jetzt – ungefähr genauso kreativ wie der von David Ayer nach einem Drehbuch von Sylvester Stallone inszenierte Film.
Jason Statham spielt den Bauarbeiter Levon Cade. Als bei einer Kneipentour mit ihren Freundinnen die 19-jährige Tochter seines Chefs entführt wird, sucht der Ex-Elitesoldat Cade sie. Dabei legt er sich mit der Russenmafia an, die Frauen entführt und als Sexsklavinnen verkauft.
„A Working Man“ ist ein typischer rechtslastiger 70er/80er-Jahre-Actionthriller mit minimalsten Anpassungen an den Zeitgeist. Damals wie heute heiligt der Zweck die Mittel. Gewalt ist kein Problem sondern die Lösung und nur ein toter Russe ist ein guter Russe. Rambo avanti.
Das Trio Ayer-Stallone-Statham, das in den vergangenen Jahren bereits in verschiedenen Zusammensetzungen zusammenarbeitete, liefert genau das, was man von ihnen erwartet.
Und das schöne für die Macher ist, dass – wenn das Einspielergebnis stimmt – bereits für Nachschub gesorgt: Chuck Dixon, der Autor der Romanvorlage, hat bereits elf weitere Selbstjustiz-Thriller mit Levon Cade veröffentlicht. Dixon ist vor allem als Comicautor, unter anderem für Batman und The Punisher, bekannt.
A Working Man (A Working Man, USA 2025)
Regie: David Ayer
Drehbuch: Sylvester Stallone
LV: Chuck Dixon: Levons Trade, 2021
mit Jason Statham, Jason Flemyng, Merab Ninidze, Maximilian Osinski, Cokey Falkow, Michael Peña, David Harbour, Noemi Gonzalez, Arianna Rivas, Emmett J. Scanlan, Eve Mauro
Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Smilla’s Sense of Snow, Deutschland/Dänemark/Schweden 1996)
Regie: Bille August
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf