Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.
Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.
Die Silicon Valley-Revolution (Deutschland 2017, Regie: Jan Tenhaven)
Drehbuch: Jan Tenhaven
Spielfilmlange Doku über die Anfänge von Silicon Valley, wie wir es heute kennen.
„In der Dokumentation erzählen die Pioniere der PC-Revolution in exklusiven Interviews von den Anfängen des Zeitalters der Heimcomputer. Es sind Visionäre und Vordenker, ohne deren Ideen unsere heutige, vernetzte Welt undenkbar wäre.“ (Arte)
Könnte spannend sein. Auch wenn die Erstausstrahlung etwas spät ist.
In den USA wird seit seiner Premiere auf dem Sundance Filmfestival am 25. Januar 2016 über Nate Parkers Regiedebüt „The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit“ diskutiert. Das Drama wurde schon damals, lange vor dem US-Kinostart und über ein Jahr vor der nächsten Oscar-Verleihung als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Für eine Oscar-Nominierung ist ein Kinostart notwendig. Nate Parker, der neben der Regie auch das Drehbuch schrieb, produzierte und die Hauptrolle spielt, wurde als aufstrebender Star gehandelt. Bis er Probleme wegen eines alten, lange bekannten Vergewaltigungsvorwurfes bekam (er wurde freigesprochen), die uns hier nicht interessieren sollen.
Parker spielt Nat Turner (2. Oktober 1800 – 11. November 1831), einen Sklaven in Virginia, der auf der Farm von Samuel Turner (Armie Hammer) gegenüber den anderen, ihm andächtig lauschenden Sklaven das Wort Gottes verkündet. Er kann, damals selten, lesen. Die Bibel ist das einzige Buch, das er besitzt. Sie ist seine Bibel. Seine Dienste werden auch von anderen Sklavenhaltern angefordert. Er soll mit seinen Predigten für ein friedliches Verhalten der Sklaven sorgen.
Samuel Turner lässt sich die Dienstleistungen von Nat Turner gut bezahlen. So kann er den drohenden Bankrott abwenden. Er ist auch ein eher liberaler Sklavenhalter. Im Gegensatz zu den anderen Sklavenhaltern, die ihre Sklaven schlechter als ihr Vieh behandeln, lässt er ihnen gewisse Freiheiten und er hört auch auf die Ratschläge und Wünsche von Nat Turner.
Langsam erwacht bei Nat Turner ein Bewusstsein für die Unterdrückung und das Gefühl, etwas dagegen tun zu müssen. Es mündet in dem historisch verbürgten und in der Werbung für den Film breit angekündigtem „Aufstand zur Freiheit“.
Der war im August 1831 und endete in einem Blutbad. Sechzig Weiße und Hunderte von Sklaven sterben. Die meisten Sklaven wurden dabei von Weißen bei Vergeltungsmaßnahmen getötet. Die genaue Zahl der ermordeten Afroamerikaner ist unbekannt.
Schon im Titel postuliert Nate Parker einen hohen Anspruch. Auch wenn heute fast niemand D. W. Griffiths rassistisches Stummfilmepos „The Birth of a Nation“ (Die Geburt einer Nation, USA 1915) kennt, ist der Titel bekannt und dass Griffith die Geburt der USA aus der Perspektive des weißen Mannes, mit dem Ku-Klux-Klan als Macht des Guten, erzählte. Da kann, soll und ist ein Film mit dem gleichen Titel, aber einer hundertprozentig konträren Geschichte und Weltsicht, nur als Gegenentwurf und als Überschreibung des älteren Films verstanden werden. Es ist eine Kampfansage, die schon im Titel formuliert wird.
Denn Parker erzählt in seinem Film die Geschichte vom Geburt der Nation aus der afroamerikanischen Perspektive. Und, betrachtet aus der distanzierten europäischen Perspektive, ist Parkers Film nicht so gelungen, wie man es nach dem selbstgesteckten Anspruch und dem US-Kritikerlob erhofft.
Schließlich gab es in den vergangenen Jahren mehrere Filme, die dieses und ähnliche Themen besser behandelten. Zu nennen sind hier fast alle Filme von Spike Lee, Mario Van Peebles Western „Posse“ (USA 1993), Steve McQueens „12 Years a Slave“ (USA 2013) (allerdings ist McQueen Engländer), Ava DuVernays „Selma“ (USA 2014) oder Theodore Melfis „Hidden Figures“ (USA 2016). Um nur einige Beispiele zu nennen.
Dagegen ist Parkers „The Birth of a Nation“ nur ein konventionelles Agitprop-Biopic, das bis zu dem blutigen Aufstand, vor sich hin plätschert. Er reiht Episoden aus dem Leben von Nat Turner aneinander, die im Rückblick ein Entwicklungsroman sind, der in der von Nat Turner angeführten Revolte mündet. Beim Ansehen ist das allerdings nicht erkennbar. Nat Turner sieht und erlebt schlimme Dinge. Aber sie scheinen keine unmittelbare Wirkung auf ihn zu haben. Deshalb erscheint Turners Aufstand dann auch weniger als Konsequenz aus dem vorher erlebten, sondern mehr als Konsequenz aus der Laufzeit des Films.
Wenn man „The Birth of a Nation“ nur als weiteren Teil aktueller afroamerikanischer Geschichtsschreibung betrachtet, der die Lücken der traditionellen Geschichtsschreibung in der Wissenschaft, der Literatur und in Hollywood bewusst macht, und die historisch sehr einseitige Geschichtsschreibung des Weißen Mannes (vulgo der Trump-Wähler) angreift, dann hat Nate Parkers „The Birth of a Nation“ seine unbestreitbaren Verdienste. Er stieß in den USA auch Diskussionen an.
Für uns Europäer dürfte vor allem das von Parker vielschichtig gezeichnete Bild der Sklavenhaltergesellschaft in den Südstaaten interessant sein. Er zeigt die Unterdrückung und die Mechanismen der Unterdrückung. Aber auch, dass die Verhältnisse zwischen Sklaven und Sklavenhaltern teilweise komplizierter waren, als es den äußeren Anschein hatte. Er wirft auch ein Bild auf die damit zusammenhängenden ökonomischen Strukturen.
Auf dem Sundance Filmfestival erhielt der Film den Audience Award und den Grand Jury Price. Letzteren mit folgender, die Botschaft des Films ansprechenden Begründung: „In the words of the recently and dearly departed Alan Rickman, ‚The more we’re governed by idiots and have no control over our destinies, the more we need to tell stories to each other about who we are, why we are, where we come from, and what might be possible.‘ This year the winner embodies this notion singularly and accomplishes it with grand cinematic vision. Most of all, it challenges each of us to carry a riotous disposition for injustice and the system that preserve it everywhere and in doing so, it is both timeless and right on time.“
The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit (The Birth of a Nation, USA 2016)
Regie: Nate Parker
Drehbuch: Nate Parker (nach einer Geschichte Nate Parker und Jean McGianni Celestin)
mit Nate Parker, Armie Hammer, Mark Boone jr., Colman Domingo, Aunjanue Ellis, Dwight Henry, Aja Naomi King, Esther Scott, Roger Guenveur Smith, Gabrielle Union, Penelope Ann Miller, Jackie Earle Haley
Edward mit den Scherenhänden (USA 1990, Regie: Tim Burton)
Drehbuch: Tim Burton, Caroline Thompson
Zwischen seinen beiden „Batman“-Filmen drehte Tim Burton, der hier erstmals Carte Blanche hatte, dieses dunkle, romantische Märchen über den einsam in einem Schloss auf einem Hügel lebenden „Edward mit den Scherenhänden“. Als eine Kosmetikvertreterin ihn trifft, ist sie fasziniert von ihm und nimmt ihn mit in die typisch amerikanische Vorstadt. Dort ist Edward wegen einer motorischen Fähigkeiten zuerst sehr beliebt.
Ein schöner trauriger Film voller Humor und Skurrilitäten.
„ein Märchen. Und das erzählt er einem Publikum, das schon alle Märchen kennt, an keins mehr glaubt und sich doch danach sehnt. Und er erzählt es mit allen Emotionen, aller Naivität, aller Grausamkeit und auch aller Komik, die das Publikum erwarten darf.“ (Fischer Film Almanach 1992)
mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Vincent Price (seine letzte Rolle in einem Spielfilm), Alan Arkin
Guardians of the Galaxy (Guardians of the Galaxy, USA 2014)
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn, Nicole Perlman
LV: Comic/Charaktere von Dan Abnett und Andy Lanning
Wenige Tage vor dem Kinostart von „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ am 27. April zeigt RTL, als TV-Premiere, den ersten Auftritt der wenig vertrauenserweckenden Rettern der Galaxie.
Ein schöner Spaß für den SF-Fan, der genug von all den Dystopien hat.
mit Chris Pratt, Zoe Saldana, David Bautista, Vin Diesel (nur Stimme), Bradley Cooper (nur Stimme), Lee Pace, Michael Rooker, Karen Gillan, Djimon Hounsou, John C. Reilly, Glenn Close, Benicio Del Toro, Gregg Henry, Stan Lee, Nathan Fillion (nur Stimme), James Gunn
Damit hat Deborah E. Lipstadt, heute Dorot Professorin für Moderne Jüdische Zeitgeschichte und Holocaust-Studien an der Emory Universität in Atlanta, nicht gerechnet, als sie 1993 in ihrem neuesten Buch „ Denying the Holocaust“ (Betrifft: Leugnen des Holocaust) David Irving als Holocaust-Leugner scharf angriff. Schon damals war Irving, dessen erste Werke in den sechziger Jahren durchaus positiv aufgenommen wurden, höflich formuliert, umstritten. Seit den achtziger Jahren suchte er sein Publikum hauptsächlich in geschichtsrevisionistischen bis rechtsextremen Kreisen. Von 1993 bis 2013 bestand in Deutschland für Irving ein Einreiseverbot.
Nachdem Lipstads „Denying the Holocaust“ in England erschien, reichte er am 5. September 1996 am High Court of Justice, dem höchsten englischen Zivilgericht, eine Verleumdungsklage gegen sie und ihren britischen Verlag Penguin Books ein. Und weil im englischen Recht die angeklagte Partei beweisen muss, dass ihre Behauptung stimmt, müssen jetzt Lipstadt und ihre Verteidiger beweisen, dass Irvings Klage haltlos ist. Also dass es den Holocaust wirklich gab und dass sie den Holocaustleugner Irving nicht verleumdete.
Der Prozess war, an 32 Verhandlungstagen, zwischen dem 11. Januar und dem 11. April 2000 und, ich verrate jetzt hier wirklich kein großes Geheimnis, er endete mit einem grandiosen Freispruch für Lipstadt und ihren Verlag.
In seiner 333-seitigen Urteilsbegründung stellte Richter Charles Gray unter anderem über Irving fest: „Er ist ein rechtsextremer Pro-Nazi, Polemiker, Antisemit und Rassist, der sich mit Rechtsextremisten zusammentut, um den Neonazismus zu fördern.“
2002, nachdem eine Revision des Urteils abgewiesen wurde und Irving die Gerichtskosten hätte tragen müssen, meldete er Konkurs an. Als Sachbuchautor war er nach diesem Urteil ebenfalls ruiniert.
In seinem Film „Verleugnung“ zeichnet Mick Jackson („Bodyguard“), nach einem Drehbuch des renommierten Dramatikers David Hare, die Geschichte von Irvings Klage gegen Lipstadt bis zur Urteilsverkündung als spannendes Justizdrama nach, das sich auf seine wahre Geschichte,die in ihr wohnende Spannung und Dramatik, das pointierte Drehbuch und die grandiosen Schauspieler verlässt. Rachel Weisz spielt Lipstadt, die plötzlich in einem ihr in jeder Beziehung fremden Gerichtsverfahren gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre wissenschaftlich fundierten Meinungen verteidigen lassen muss. Denn es gehört zur Verteidigungsstrategie, sie und Holocaust-Opfer nicht in den Zeugenstand zu rufen. Tom Wilkinson und Andrew Scott ihre beiden schlauen Hauptverteidiger. Und Timothy Spall spielt David Irving, den Bösewicht des Films. Bei diesen schauspielerischen Hochkarätern muss Mick Jackson nur noch die Kamera aufstellen und sie beobachten.
Der so entstandene Film ist dann eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde. Auch bei dem Besuch von Lipstadt mit ihren Verteidigern in Auschwitz-Birkenau behält Jackson eine wohltuende Distanz, die auf platte Dramatisierungen oder Visualisierungen verzichtet. Im Film wird nur das gezeigt, was jeder Besucher der Gedenkstätte bei seinem Besuch sehen kann.
„Verleugnung“ ist ein guter und wichtiger Film, der hoffentlich nicht nur von den Menschen gesehen wird, die sowieso schon überzeugt sind. Denn er ist genau diese Art Film.
Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: David Hare
LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005
mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter
1981 ist Kenny Wells (Matthew McConaughey) in Reno als künftiger Erbe der sich im Familienbesitz befindenden Washoe Mining Corporation auf der Sonnenseite des Lebens. Eine goldene Zukunft zeichnet sich am Horizont ab.
Sieben Jahre später ist Kenny Wells ganz unten. Einige Investitionen gingen schief. Er bettelt bei den Banken um jeden Kredit und wird von irgendwelchen Neulingen abgewiesen. Sein Geschäft wickelt er in einer Bar ab. Sein Alkoholkonsum ist verdächtig hoch und seine Freundin Kay (Bryce Dallas Howard) füttert ihn durch.
Da will er, inspiriert durch einen Traum, den er im Vollrausch hatte, seine letzte Chance ergreifen: im Dschungel von Borneo soll es unglaubliche Gold-Schätze geben. Die Vorkommen sollen mit Hilfe der „Ring of Fire“-Theorie gefunden werden. Ihr Erfinder Mike Acosta (Edgar Ramirez) entdeckte mit ihr schon ein großes Kupfervorkommen.
Wells kann den integren, in der Branche seit dem Kupferfund hochgeschätzten Acosta überzeugen, eine entsprechende Expedition zu organisieren und, – unglaublich, aber wahr -, sie finden Gold an dem Ort, an dem es nach Acostas Theorie sein sollte.
Mit dem Goldfund und der Aussicht auf noch viel mehr Gold haben sie plötzlich Kreditgeber. Die Börse ist begeistert. Die Kurse schnellen nach oben. Nur: wie lange hält der Traum an?
„Gold – Gier hat eine neue Farbe“ (doofer deutscher Untertitel) ist der neue Film von Stephen Gaghan, dem Autor von „Traffic – Macht des Kartells“ und Autor/Regisseur von „Syriana“. In beiden Filmen verband er Unterhaltung mit der klaren Analyse komplexer ökonomischer Strukturen und, immerhin sind beides Ensemblefilme, einer grandiosen Handhabung der verschiedenen Plots. Da scheint die Geschichte über einen Goldrausch vor knapp dreißig Jahren an der Börse perfekt zu ihm zu passen.
Die Besetzung ist gewohnt hochkarätig. Vor allem Matthew McConaughey stürzt sich mit vollem Körpereinsatz in eine weitere Studie eines zwiespältigen Charakters, der, wenn er schon eine Hauptfigur sein soll, mehr zum Antagonisten als zum Protagonisten taugt. In jedem Fall ist der von McConaughey gespielte Kenny Wells als durchgehend unsympathischer Geschäftsmann ein recht eindimensionaler Charakter, der nur auf seinen Profit fixiert ist. Im Gegensatz zu dem von Edgar Ramirez gespielten Geologen Mike Acosta.
Beide werden allerdings von Gaghans Inszenierung im Stich gelassen. Er bedient in zwei Stunden ein halbes Dutzend verschiedener Genres und Stile, ohne jemals den richtige Grundrhythmus, der alles zusammen hält, zu finden. „Gold“ ist das filmische Äquivalent zu einer Bluesband, die keinen Blues spielen will.
Die Begegnungen von Wells mit den verschiedenen Bankern und, später, sehr spät im Film, den Wall-Street-Investoren, hätten das Potential für eine saftige Wirtschaftssatire, die auch eine Analyse der Börse ist, gehabt. Gaghan deutet das auch an, ohne sonderlich in die Tiefe zu gehen. Die satirische und analytische Schärfe von „The Big Short“ oder „The Wolf of Wall Street“ erreicht er nie auch nur im Ansatz.
Die Suche nach dem Gold und die Erlebnisse von Wells und Acosta im Dschungel bedienen die Elemente einer klassischen Abenteuergeschichte, auf die man sich gerne einlassen würde, wenn man nicht auf die große Gold-Stampede an der Börse warten würde. Um noch einmal eine musikalische Metapher zu verwenden: das Dschungelabenteuer ist bei einem Konzert die Vorband, die man stoisch erträgt, weil man auf die Hauptband wartet.
Am Ende, in den letzten Minuten und im Rückblick, ist „Gold“ dann eine Gaunerkomödie, die bis zur letzten Minute als ernstes Drama, mit einigen satirischen Spitzen, erzählt wird.
Inspiriert wurden die Drehbuchautoren Patrick Massett und John Zinman, Autoren und Mitproduzenten der TV-Serien „Friday Night Lights“, „Last Resort“ und „The Blacklist“, von dem Bre-X-Skandal. Die kanadische Explorationsfirma Bre-X kündigte in den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Erschließung eines riesigen Goldvorkommens in Indonesien an. Die ersten Funde waren vielversprechend. Die Aktien schossen in ungeahnten Höhen. 1997 stellte es sich als Schwindel heraus. Es war der größte Börsenbetrug der kanadischen Geschichte. Massett und Zinman verlegten die Geschichte in die USA und veränderten noch weitere Details.
Gold – Gier hat eine neue Farbe (Gold, USA 2016)
Regie: Stephen Gaghan
Drehbuch: Patrick Massett, John Zinman
mit Matthew McConaughey, Edgar Ramirez, Bryce Dallas Howard, Macont Blair, Adam LeFevre, Frank Wood, Toby Kebbell, Stacy Keach, Corey Stoll, Bruce Greenwood
Oscarprämiertes Episodendrama über die zufälligen Begegnungen von Menschen verschiedener Ethnien und Schichten in Los Angeles. Das alles zusammenhaltende Thema ist Rassismus.
2005 war das Jahr für Paul Haggis. Nachdem er jahrelang in Hollywood arbeitete, hatte er endlich seinen großen Durchbruch. Zuerst verfilmte Clint Eastwood sein Oscar-nominiertes Drehbuch „Million Dollar Baby“. Danach schrieb Haggis, wieder für Clint Eastwood, das ebenfalls Oscar-nominierte Drehbuch für „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of our Fathers“, leistete gutbezahlte Arbeit an den Drehbüchern der beiden Daniel-Craig-Bond-Filme und erhielt für „L. A. Crash“ unter anderem den Oscar für das beste Original-Drehbuch und den besten Film. Auch sein zweiter Spielfilm „Im Tal von Elah“ überzeugte – jedenfalls die wenigen Menschen, die ihn im Kino gesehen haben.
Mit Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Brandan Fraser, Terrence Howard, Chris „Ludacris“ Bridges, Thandia Newton, Ryan Phillippe, Larenz Tate, Michael Pena, William Fichtner
Wiederholung: Montag, 17. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Jahrzehntelang arbeiteten sie gemeinsam in der Fabrik und auch als Rentner sind Joe Harding (Michael Caine), Willie Davis (Morgan Freeman) und Albert ‚Al‘ Garner (Alan Arkin) immer noch beste Freunde. Als ihr ehemaliger Arbeitgeber die Firma umstrukturiert und ihre Rente sich in Luft auflöst, hat Joe eine Idee: sie überfallen ihre Bank. Und weil er kürzlich einen Banküberfall miterlebte, weiß er auch, wie es geht.
Also planen die drei rüstigen Rentner einen Banküberfall, bei dem sie sich das zurückholen wollen, was ihnen gehört. Der Rest kann dann ja gespendet werden.
„Abgang mit Stil“ ist eine altmodische Gaunerkomödie, die ruhig bis bedächtig im Lebensrhythmus der Rentner erzählt wird und bei der die Sympathien klar verteilt sind. Das spielfreudige Ensembles, der feine Humor des Films, der sich nie über seine Personen lustig macht und die durchgehend freundlich-humanistische Einstellung lassen einen gnädig über die doch sehr vorhersehbare Geschichte, ihre teils dick aufgetragenen Botschaft und die Ambitionslosigkeit der Macher hinwegsehen. Denn ihre Schmunzelkomödie will nie mehr als ein Vehikel für die Altstars sein.
Die Inspiration für „Abgang mit Stil“ war Martin Brests 1979er Gaunerkomödie „Die Rentner-Gang“ (Going in Style, mit George Burns, Art Carney und Lee Strasberg).
„St. Vincent“-Drehbuchautor Theodore Melfi übernahm für die aktuelle Version allerdings nur die Idee, dass einige Rentner eine Bank überfallen. „Garden State“-Regisseur Zach Braff beschränkte sich bei seinem dritten Spielfilm darauf, die Altstars bei ihrem gemeinsamen Abhängen nicht zu stören. Entstanden ist eine Feelgood-Gaunerkomödie für einen entspannten Nachmittag.
Abgang mit Stil (Going in Style, USA 2017)
Regie: Zach Braff
Drehbuch: Theodore Melfi (basierend auf einer Geschichte von Edward Cannon)
mit Michael Caine, Morgan Freeman, Alan Arkin, Christopher Lloyd, Ann-Margaret, Joey King, Matt Dillon, John Ortiz, Josh Pais
„Boyhood“ erzält eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Allerdings anders gewohnt. Denn Richard Linklater drehte den Film über zwölf Jahre. Jedes Jahr holte er die Schauspieler für einige Drehtage zurück.
So sehen wir wie Mason junior (Ellar Coltrane) und seine Filmeltern langsam älter werden und wie Mason junior vom Kind zum Mann wird.
Die Kritiker waren begeistert.
Mit Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater, Tamara Jolaine, Nick Krause
Die Ein-Satz-Besprechung für das Publikum mit Twitter-Aufmerksamkeitsspanne: Wenn dir die vorherigen zwei, drei „Fast & Furious“-Filme gefallen haben, wird dir „Fast & Furious 8“ gefallen.
Alles ist halt noch eine Nummer größer und es gibt einige neue Familienmitglieder.
Und ab jetzt geht es mit ein, zwei Spoilern weiter, die beim Ansehen des Films dann doch nicht so überraschend sind. Das Plakat verrät auch einiges.
Aber Hey!, die Filme dieser an der Kinokasse unglaublich erfolgreichen Actionserie haben sich nie für den David-Mamet-Preis beworben.
In „Fast & Furious 8“ trifft Dom Toretto (Vin Diesel) auf Kuba (Fun Fact: erster Dreh einer US-Produktion auf Kuba) Cipher (Charlize Theron). Sie erpresst ihn, seine Freunde zu betrügen. Er tut es und stiehlt von ihnen eine äußerst gefährliche Waffe, die sie im Auftrag der US-Regierung kurz vorher von irgendwelchen gesichtslosen Bösewichter geklaut haben.
Seine langjährigen Freunde sind fassungslos über Doms Verrat. Denn für ihn ist, wie wir aus den vorherigen Filmen wissen, Familie alles und seine Freunde sind seine ständig wachsende Familie, die er niemals betrügen oder verraten würde. Er würde für sie durch die Hölle gehen.
Sie, also Doms Freundin Letty (Michelle Rodriguez), Hobbs (Dwayne Johnson), der Rest der Gang – Roman Pierce (Tyrese Gibson), Tej (Chris ‚Ludacris‘ Bridges) und Ramsey (Nathalie Emmanuel) -, unterstützt von Mr. Nobody (Kurt Russell), seinem paragraphenreitendem Lehrling (Scott Eastwood), der vor allem als willkommener Punchingball für Gags benutzt wird, und ihrem früheren Gegner und jetzigen Mr.-Nobody-Zwangsverpflichtung Deckard Shaw (Jason Statham), beginnen Cipher und Dom zu jagen, während Dom weitere Verbrechen begeht, die Cipher mit all den Dingen ausrüstet, die sie braucht, um einen Weltkrieg zu entfesseln. Denn Cipher ist nicht nur eine begnadete Hackerin, die überall und nirgends ist (weshalb ihre Zentrale in einem Flugzeug ist), sondern auch ein waschechter James-Bond-Bösewicht.
Ihre Aktionen gehorchen dabei dem Prinzip „mehr ist besser“; was spannungstechnisch keine gute Idee ist. In Manhattan muss Dom den Koffer mit den Nuklearcodes von dem russischen Verteidigungsminister klauen. Cipher unterstützt ihn dabei, indem sie alle Autos im Umkreis von mehreren Wohnblocks fernsteuert. Dann rasen ganze Armeen von Zombieautos durch die engen Häuserschluchten, verursachen Massenkarambolagen und hunderte Autos nehmen aus einem Parkhaus die Abkürzung. Sie stürzen vom Himmel und begraben die Reste des russischen Autokonvois unter sich.
Im Writers‘ Room mag das wie eine gute Idee geklungen haben. Auf der Leinwand ist es ein unglaubwürdiger Overkill. Es sind einfach zu viele Autos. Sie sehen einfach zu sehr nach Computertricks aus.
Immerhin gibt es in New York dann noch eine konventionelle „Fast & Furious“-Autoverfolgungsjagd, die sogar tagsüber spielt. Deshalb kann man halbwegs sehen, was passiert. Denn F. Gary Gray schneidet hier, wie in allen Action-Szenen, mehr als nötig. Gray inszenierte auch „Verhandlungssache“, „The Italian Job – Jagd auf Millionen“ und, zuletzt, „Straight Outta Compton“. Bei „Fast & Furious 8“ fungiert er, ohne eine erkennbare persönliche Note, als williger Erfüllungsgehilfe eines erfolgreichen Franchise.
Das große Action-Set-Piece ist am Filmende nimmt mindestens ein Drittel des Films, eher sogar eine gute Stunde, ein. Und das ist gut so. In einer geheimen U-Boot-Station an der Barentssee soll Dom für Cipher eine Atomrakete in, uh, Besitz bringen (Frag nicht nach der einfachen Lösung, wenn es auch mit viel Rumms geht).
Nachdem im vorherigen „Fast & Furious“-Film eine Startbahn ewig lang war, liefern sie sich jetzt auf dem Eis, unter Wasser und in der Luft ein Wettrennen mit einem U-Boot, das durch eine Schleuse ins freie Meer fahren könnte. Während das U-Boot sich unter dem Eis seinem Ziel nähert, rasen Dom und seine Gang, verfolgt und beschossen von allerlei meist anonymen Bösewichtern, auf dem Eis in Richtung Schleuse. Und sie scheinen mit ihren Flitzern nicht wesentlich schneller als ein U-Boot voranzukommen. Dabei – schnelle Internetrecherche – fährt das modernste russische Atom-U-Boot höchstens 31 Knoten, also 57 Stundenkilometer.
Während des gesamten Films werden viele Szenen nur für die Lacher gespielt. Dazu gehört, am Filmanfang, Hobbs Minuten dauernde große, zum verlustreichen Kampf anstachelnde Ansprache direkt in die Kamera (wir können uns die Pointe denken, die immerhin direkt danach eine schöne Fortsetzung findet), die Neckereien von Hobbs und Deckard Shaw im Hochsicherheitsgefängnis (die deutlich länger als notwendig ausgespielt werden) oder Shaws liebevolle Betreuung eines Babys, das er befreien muss. Während er sich liebevoll um das Baby kümmert, tötet er nebenbei Dutzende Bösewichter.
Die Story selbst, wieder geschrieben von Chris Morgan, fügt wenig innovativ oder überraschend, aber zweckdienlich die einzelnen Actionszenen zusammen. Dass Dom dabei, wie wir gegen Ende erfahren, nur zum Schein auf Ciphers Erpressung einging, können wir uns von der ersten Minute an Denken. Warum er allerdings nicht gleich mit seiner Familie über die Erpressung redet, erfahren wir nie.
Doms Familie wird, auch wenn ab und an Familienmitglieder sterben, immer größer und damit wird der Film auch etwas behäbig. Schließlich muss jedes Familienmitglied seinen Auftritt haben – und dann kommen noch die mehr oder weniger bösen Neuzugänge hinzu. Das sind dieses Mal Charlize Theron als Bösewicht (Resozialisierung ist im Dom-Universum möglich) und Helen Mirren als – das soll eine Überraschung bleiben.
An einigen Stellen bezieht sich „Fast & Furious 8“, der von Universal Pictures als Auftakt der finalen Trilogie gelabelt wird, auf die vorherigen Filme. Aber das sind nur Nebensätze, die das Herz des langjährigen Fans erfreuen. Zum Verständnis des aktuellen Films sind sie nicht nötig.
Mit dem achten Film des Franchise sind Dom und seine Familie, nachdem sie am Anfang Verbrecher waren, endgültig zu den Guten geworden, die jetzt für einen geheimen US-Geheimdienst die Welt retten. Mit, wie James Bond, einem Spesenkonto ohne Limit und gigantischen Kollateralschäden, die locker zwei große Versicherungen ruinieren könnten.
Insofern schließt „Fast & Furious 8“, der genau das liefert, was die Fans erwarten, nahtlos an die vorherigen Filme an. Ohne die Qualität von „Fast & Furious Five“ (das ist der Teil mit dem ersten Auftritt von Dwayne Johnson und dem unkonventionellen Transport eines riesigen Safes durch Rio de Janeiro) zu erreichen.
P. S.: Der Film läuft auch im IMAX.
Fast & Furious 8 (The Fate of the Furious, USA 2017)
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Charlize Theron, Dwayne Johnson, Jason Statham, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Helen Mirren, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Scott Eastwood, Kurt Russell, Kristofer Hivju, Luke Evans
Drehbuch: Andrew Kevin Walker (nach einer Filmgeschichte von Kevin Yagher und Andrew Kevin Walker)
LV (Inspiration): Washington Irving: The Legend of Sleepy Hollow, 1820 (Die Sage von der schläfrigen Schlucht)
1799 soll Constable Ichabod Crane, ein Rationalist vor dem Herrn, in einem kleinen Dorf in der Nähe von New York mehrere Morde aufklären. Die Einheimischen behaupten, die Morde wurden von einem kopflosen Reiter begangen.
Schöner Horrorfilm von Tim Burton.
Hier zwei zeitgenössische Kritiken:
„Die perfekte Mischung aus haarsträubendem Grauen und schwarzem Humor, eine bis ins Detail perfektionistische Umsetzung und eine sichere Hand bei der Führung eines herausragenden Darstellerensembles machen aus ‚Sleepy Hollow‘ eine der ausgereiftesten Regiearbeiten Tim Burtons.“ (Steffen Heinke, Filmecho-Filmwoche)
„ein freudianisches Disneyland erschüttert vom Grand Guignol“ (Mariam Lau, Die Welt)
Die Musik ist von Danny Elfman; Kameramann war Emmanuel Lubezki.
mit Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Casper Van Diem, Jeffrey Jones, Christopher Lee
Wiederholung: Freitag, 14. April, 00.40 Uhr (Taggenau! – Und dann wohl auch ungekürzt)
Sommer 1968: der Stiefvater schiebt den 14-jährigen Wolfgang nach Freistatt ab, eine hochangesehene evangelische Erziehungsanstalt für Schwererziehbare. Dort erlebt er ein drakonisches Regiment.
Trotz seiner Mängel ein sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film.
Das ist eine Nachricht, mit der ich schon nicht mehr rechnete und die dann doch nur ein schnelles Zusammenkehren der Scherben ist. Matthias Glasner inszeniert jetzt, nach seinem Drehbuch, das Ende der sechsstündigen Serie „Blochin – Die Lebenden und die Toten“, in der Jürgen Vogel einen korrupten Polizisten spielt und die im Herbst 2015 im ZDF lief. Die Serie ist ein ziemliches Komplettdesaster mit einem Ende, das unverhohlen auf eine zweite Staffel spekulierte. Weil die Zuschauerzahlen und die Kritiken (auch ich) eine mehr als überschaubaren Begeisterung dokumentierten, wurde nach der Ausstrahlung nicht mehr über eine Fortsetzung und damit einer Antwort auf all die offenen Fragen gesprochen.
Jetzt hat sich das ZDF entschlossen mit einem 105-minütigen Film die losen Fäden zu Ende zu erzählen. Das ist schon mal etwas; – wobei es besser gewesen wäre, schon bei der originalen Miniserie ein Ende zu inszenieren, das ein Ende ist. Gerne mit der Option auf eine Fortsetzung. Aber ein Ende und kein Coitus interruptus.
Hier ist die vollständige Pressemitteilung des ZDFs:
Blochins Tochter Grille wird kaltblütig erschossen – damit endete die letzte Folge der ZDF-Thrillerserie „Blochin – die Lebenden und die Toten“ im Herbst 2015. Derzeit wird in Berlin der dramatische Staffelabschluss der Cop-Serie mit dem Arbeitstitel „Blochin – Black Hole Sun“ gedreht. Blochin (Jürgen Vogel) und sein Schwager Dominik Stötzner (Thomas Heinze) haben für Grilles Tod Rache geschworen. Nach jahrelanger Verfolgung gelingt es Blochin, Kyrill, den Mörder seiner Tochter, nach Berlin zu locken. In weiteren Rollen spielen Maja Schöne, Jördis Triebel, Agnieszka Piwowarska, Christoph Letkowski, Peri Baumeister, Rainer Bock, Alexander Scheer, Jasna Fritzi Bauer, Natalia Belitski und viele andere. Das Drehbuch stammt wieder von Matthias Glasner, der auch Regie führt.
Eine nächtliche Schießerei in einem Berliner Hinterhof. Blochin und Dominik rennen in die Dunkelheit davon. Im Hof liegt eine tote Frau. Kurz darauf werden Blochin und Dominik festgenommen. Sie stehen unter Mordverdacht, denn die Tote ist Pheline (Jasna Fritzi Bauer), die Geliebte von Grilles Mörder Kyrill (Alexander Scheer). Von Kyrill selbst fehlt jede Spur. In wechselnden Verhören wird Stück für Stück deutlich, dass Blochin Pheline als Köder benutzt hatte, um Kyrill eine Falle zu stellen. Die Jagd nach dem Mörder seiner Tochter rührt dabei zunehmend an Blochins Kindheitstrauma. Erinnerungsfetzen bedrängen ihn. Bevor Blochin seinen Rachefeldzug zu Ende führen kann, muss er herausfinden, warum er im Alter von 15 Jahren sein Gedächtnis verloren hat. Dominik deckt Blochins Alleingang und muss gleichzeitig verhindern, dass seine früheren Machenschaften ans Tageslicht kommen.
Gedreht wird der Thriller mit 105 Minuten Länge bis Mitte Mai 2017 in Berlin und Brandenburg. Produzentin ist Lisa Blumenberg, Producerin Sibylle Stellbrink, beide REAL Film Berlin. Die Redaktion im ZDF haben Caroline von Senden und Solveig Cornelisen. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.
Die fremde Frau (Deutschland 2003, Regie: Matthias Glasner)
Drehbuch: Thomas Schwank
Nach zwanzig Jahren kehrt Helen Berg (Corinna Harfouch) aus Rio zurück nach Hamburg und drängt sich gleich in das Leben des Juweliers Alexander Brandenburg (Ulrich Tukur), der nicht ahnt, was ihm blüht. Denn sie weiß, was er und seine Familie vor zwanzig Jahren getan haben.
Spannende Hitchcock-Hommage; vor allem von „Vertigo“.
„Der (Fernseh-)Thriller fügt scheinbar zufällige Ereignisse zu einer Wahrheit zusammen, die eine schicksalhafte Verknüpfung aller Beteiligten offenbart.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Corinna Harfouch, Ulrich Tukur, Judith Engel, Tatja Seibt
Das Loch (Frankreich/Italien 1960, Regie: Jacques Becker)
Drehbuch: Jacques Becker (Adaptation, Dialoge), José Giovanni (Adaptation, Dialoge), Jean Aurel (Adaptation)
LV: José Giovanni: Le Trou, 1957
Fünf Untersuchungshäftlinge graben einen Tunnel in die Freiheit. Gelingt die Flucht?
Klaustrophobischer, hochspannender, auf Tatsachen basierender Knast- und Ausbruchsthriller, der in den vergangenen Jahrzehnten nicht alterte und der nur alle Jubeljahre im TV läuft.
„Das Loch“ ist Jacques Beckers letzter Spielfilm. Er starb vor der Premiere.
Arte zeigt die vom ZDF 1984 rekonstruierte Fassung, die zwölf Minuten länger als die deutsche Kinofassung ist.Trotzdem fehlen immer noch einige Minuten, die wir dann, wenn der Film irgendwann auf DVD erscheint, hoffentlich zu sehen bekommen.
Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte Jacques Beckers Drama „Falbalas – Sein letztes Modell“ (Frankreich 1944). Ebenfalls sehenswert.
Mit Michel Constantin, Jean Keraudy, Philippe Leroy, Marc Michel
Harold Lloyd: Hollywoods zeitloses Comedy-Genie (Deutschland 2016, Regie: Andreas Baum)
Drehbuch: Andreas Baum
Einstündige Doku über Harold Lloyd, der ohne Computertricks (weil es damals noch keine Computer gab) und Netz einen Wolkenkratzer hochklettert. Um nur einen seiner legendären Stunts zu erwähnen.
Hm, Arte oder 3sat könnte mal wieder einige seiner Filme zeigen.
Frankfurt am Main, 1946: die Stadt liegt in Trümmern. Die amerikanischen Besatzer überprüfen die Nazi-Vergangenheit der Deutschen. Der Jude David Bermann (Moritz Bleibtreu), der die Nazi-Zeit im KZ überlebte, will jetzt, mehr oder weiger schnell, in die USA, das gelobte Land. Dafür braucht er Geld, das er sich mit dem Handel von feinster Wäsche an deutsche Frauen verdienen will. Das hat er schon vor dem Krieg in dem seiner Familie gehörendem, noblen Wäschehaus gemacht.
Allerdings verweigert die US-Militärregierung ihm die Geschäftslizenz. Im Transitlager, in dem er lebt, bequatscht er einen anderen Juden, die Lizenz zu beantragten. Dann scharrt er einige Juden um sich, die mit ihm das Geschäft eröffnen. Als Wäscheverkäufer reisen sie, höchst erfolgreich, durch das vom Krieg zerstörte Land.
Zur gleichen Zeit muss Bermann, was er vor seinen Geschäftspartnern verschweigt, immer wieder in das US-Hauptquartier. Dort verhört ihn US Special Agent Sara Simon (Antje Traue). Sie glaubt, dass Bermann mit den Nazis zusammenarbeitete. Das würde sein Überleben im KZ, seinen Besuch auf dem Obersalzberg und seine beiden Pässe erklären
Also beginnt Bermann ihr seine Geschichte, die wir in Rückblenden sehen, zu erzählen. Und dass der Überlebenskünstler es dabei mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, wissen wir schon bevor er seinen Mund aufmacht.
„Es war einmal in Deutschland..“ hat eine schöne Idee – Juden, die nach dem Krieg in Deutschland ihr Glück versuchen -, die auf zwei semi-autobiographischen Romanen von Michael Bergmann (Jahrgang 1945) basiert. Zusammen mit Regisseur Sam Garbarski (Jahrgang 1948) schrieb er das Drehbuch, das aus der schönen Ausgangsidee wenig macht.
Die viel zu ausführlichen Rückblenden in die Nazi-Zeit, in denen Berman Simon von seinen Erlebnissen im KZ und wie er es überlebte, erzählt, stören nur die in der Gegenwart spielende Geschichte. Sie bringen sie nicht voran. Sie steigern auch nicht die Spannung. Schon bei der ersten Begegnung von Bermann und Simon ist klar, dass er ihr irgendetwas vorflunkern und so seinen Hals aus der Schlinge ziehen wird. Schließlich ist Bermann ein Schlawiner. Ein geborener Verkäufer, der aus einer Händlerdynastie stammt. Bis jetzt überlebte er, weil er, immer auch auf seinen eigenen Vorteil bedacht, den Menschen das erzählte, was sie hören wollten.
Entsprechend wenig steht für ihn während des gesamten Films auf dem Spiel. Da hilft es auch nichts, dass Moritz Bleibtreu sich hundertfünfzigprozentig in die Rolle wirft und Bermann als sympathischen Schlawiner, dem man gerne zuhört, porträtiert.
In der Gegenwart verschenkt Garbarski die wenigen Ansätze für ein Sittengemälde des Nachkriegsdeutschlands. Bermanns Verkäufer bleiben, obwohl es ein Ensemblefilm ist, austauschbare Nebenfiguren. Die Verkaufstouren und -gespräche bleiben im anekdotenhaften stecken. Und das gezeigte Kriegs- und Nachkriegsdeutschland hat immer den Flair einer sauber hergerichteten Kulisse.
Garbarski erzählt das alles recht gemütlich-bräsig mit einem biederen Fünfziger-Jahre-Humor, der niemand weh tut und sich mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begnügt. Bekanntes wird lediglich bestätigt, während der Film, zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselnd, eine Anekdote an die nächste reiht.
Insofern bewegt sich der neue Film des „Irina Palm“-Regisseurs in den gleichen altmodischen Gewässern wie sein vorheriger Film „Vijay und ich“. Der war ebenfalls mit Moritz Bleibtreu und er war auch damals der Grund, sich den Film anzusehen.
Es war einmal in Deutschland…(Deutschland/Luxemburg/Belgien 2017)
Regie: Sam Garbarski
Drehbuch: Michael Bergmann, in Zusammenarbeit mit Sam Garbarski
LV: Michael Bergmann: Die Teilacher, 2010; Machloikes, 2011
mit Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir, Anatole Taubman, Hans Löw, Pál Mácsai, Václav Jakoubek