No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, Regie: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Und wer danach noch nicht ins Bett will, sollte auf Eins Festival umschalten. Dort läuft ab 00.15 Uhr die gesamte britische Spionageserie „The Game“ über die Arbeit des MI5 in den frühen Siebzigern. Die Geheimagenten wollen eine große KGB-Operation vereiteln und einen Verräter in den eigenen Reihen finden. Meine Besprechung der deutlich von John le Carré beeinflussten Miniserie gibt es die Tage.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
Mit „Königin der Amazonen“, dem sechsten „Wonder Woman“-Sammelband im neuen DC-Universum, ist Brian Azzarellos Neuinterpretation der Geschichte von Wonder Woman zu Ende. In 35 Heften (bzw. sechs Sammelbänden) mit den Hauptzeichnern Goran Sudžuka, Cliff Chiang und Tony Akins erzählte er die Geschichte von Wonder Woman neu. Diana wuchs auf der Paradiesinsel Themyscira als Amazone auf. Erst später erfuhr sie von ihrer Mutter Hippolyta, dass ihr Vater Zeus ist.
Zeus (Ja, genau der Zeus aus dem alten Griechenland.) ist spurlos verschwunden und seine mehr oder weniger göttlichen Kinder zoffen sich ordentlich. Denn nach einer alten Prophezeiung soll das gerade geborene Kind der Menschenfrau Zola später einen Gott töten und dessen Thron besteigen. Daher wollen die Götter das Baby töten. Diana und ihre mehr oder weniger göttlichen Gefährten wollen das Baby beschützen und den Göttermord verhindern.
Dass die griechischen Götter oft recht irdische Anwandlungen hatten und ihre Konflikte in verschiedenen Welten, auch unter den Menschen, austrugen, hat man irgendwann in der Schule gelernt.
Brian Azzarello nimmt jetzt diese Mythologie, transformiert sie in die Gegenwart, verbindet sie mit der Geschichte von Wonder Woman, deren Herkunftsgeschichte hier eine umfassende Neubetrachtung erfährt, und die aus einer anderen Dimension kommenden New Gods, vertreten durch Orion, haben auch ein Gastspiel.
Dabei geht es neben dem Verhindern der Prophezeiung und ihrer düsteren Folgen und der Rettung des Thronnachfolgers, auch um Diana (aka Wonder Woman), die mit ihrer Herkunft und ihrer bis dato ungeahnten Bestimmung ins Reine kommen muss. Das alles wird mit großer Lust am Fabulieren erzählt. Auch wenn in dieser Geschichte, die mit „Königin der Amazonen“ ihren Abschluss findet, die Kämpfe und olympischen Familienzwistigkeiten der Götter und Halbgötter im Mittelpunkt stehen.
Ob das den 1941 von William Moulton Marston erfundenen Charakter wirklich fit für die Gegenwart macht, weiß ich nicht. Aber Brian Azzarellos Geschichte macht Spaß in ihrer kindischen Unbekümmertheit, mit der er sich aus dem reichhaltigen Fundus unserer Mythologien, vor allem bei den Griechen, bedient und sie, kongenial von den Zeichnern unterstützt, neu in schönster Space-Opera-Tradition zusammensetzt.
Jedenfalls geht die Geschichte von „Wonder Woman“, inzwischen von Meredith Finch geschrieben und ihrem Mann David Finch gezeichnet, weiter.
Und im Kino darf Gal Gadot in den nächsten Jahren in mehreren Spielfilmen Wonder Woman spielen. Ihren ersten Auftritt als Wonder Woman hat sie in dem am 24. März startenden Zack-Snyder-Film „Batman v Superman: Dawn of Justice“. Brian Azzarello (Autor)/Goran Sudžuka/Cliff Chiang (Zeichner): Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6) (übersetzt von Steve Kups) Panini, 2015
128 Seiten
16,99 Euro
– Originalausgabe
Wonder Woman # 30 – 35
DC Comics, Juni 2014 – Dezember 2014
– Hinweise
Tatort: Reifezeugnis (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld
Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.
Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.
Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)
Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)
Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.
mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen
Robert De Niro, die nächste. Nach der Komödie „Man lernt nie aus“, in der er immerhin eine Hauptrolle hatte und vor „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (läuft am Donnerstag an), in der er eine Nebenrolle hat, und vor „Dirty Grandpa“ (der am 17. März bei uns anlaufen soll und nach der Ansicht des klamaukigen Trailers – naja, eigentlich genügt schon der Titel – eine weitere überflüssige Studie in Vulgärhumor verspricht), gibt es „Bus 657“, einen Thriller von Scott Mann, der vor einigen Jahren den Killer-bringen-sich-in-einem-Wettbewerb-um-Film „The Tournament“ inszenierte. Schon für die FSK-18-Freigabe wurde der brutale Film geschnitten.
Dieses Mal geht es gewaltfreier zu. Auch wenn viel Blut fließt, wild herumgeschossen wird und einige Menschen eines gewaltsamen Todes sterben, geht es weniger graphisch zu. Und Robert De Niros Rolle ist als Bösewicht des Films etwas größer als man erwarten konnte. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er trotzdem nicht. Er spielt seine Rolle ohne erkennbares Engagement nach Schema F in einem Film, der nach Schema F abläuft, hinunter.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Vaughn (Jeffrey Dean Morgan), ein Mann mit Talenten aus der „Taken“-Schule und einem Herz aus Gold, der dringend über 300.000 Dollar für eine lebenswichtige Operation seiner todsterbenskranken Tochter benötigt. Vaughn arbeitet auf dem Casino-Schiff von „The Pope“ (Robert De Niro), der ihm, trotz einer immer ominös bleibenden gemeinsamen Geschichte, das Geld nicht geben will. Also nimmt Vaughn den Vorschlag des neuen Türstehers Cox (Dave Bautista), das Casino auszurauben, an. Weil in Popes Casino auch Geld gewaschen wird, kann er nicht zur Polizei gehen. So der geniale Plan der Räuber.
Selbstverständlich geht schon der Raub schief und auf ihrer Flucht entführen die Geldräuber, von denen einer einen Bauchschuss hat, den titelgebenden Bus 657, in dem die üblichen gelangweilten Frühmorgenpassagiere, inclusive einer Schwangeren und einer Tiermedizinstudentin, sitzen. Schon nach wenigen Metern werden sie von der Polizei verfolgt.
Nein, auch für Nicht-Genre-Junkies birgt „Bus 657“ keine großen Überraschungen und das Ende ist eines dieser Enden, über das nicht allzu genau nachgedacht werden sollte. Auch nicht über Vaughns genialen Plan (oder war das schon Plan B? C? D? E?).
Aber als erstaunlich prominent besetztes B-Picture (wahrscheinlich wollten alle ihre Szene mit Robert De Niro haben), das seine Geschichte ebenso flott wie überraschungsfrei in knapp neunzig Minuten erzählt, ist „Bus 657“ als schnelles Futter für den Genrejunkie okay. Allerdings hätte man bei dieser Besetzung einen besseren Film erwarten können.
So ist es halt nur ein weiterer vollkommen austauschbarer 08/15-Thriller, der immerhin so gut ist, De Niros Ruf nicht weiter zu demolieren. Das hat er in den vergangenen Jahren ja oft genug in anderen Filmen gemacht.
Bus 657(Heist, USA 2015)
Regie: Scott Mann
Drehbuch: Stephen Cyrus Sepher, Max Adams (nach einer Geschichte von Stephen Cyrus Sepher)
mit Jeffrey Dean Morgan, Dave Bautista, D. B. Sweeney, Robert De Niro, Gina Carano, Morris Chestnut, Mark-Paul Gosselaar, Kate Bosworth
ursprünglich angekündigt als „Die Entführung von Bus 657“ (was an „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ erinnert, wo die Verbrecher einen, ähem, besseren Plan hatten)
– DVD Ascot Elite
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Trailer, Wendecover
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Moviepilot über „Bus 657“ Metacritic über „Bus 657“ Rotten Tomatoes über „Bus 657“ Wikipedia über „Bus 657“
Während in Libyen der Bürgerkrieg gerade für höchst unklare Verhältnisse sorgt, bietet Chino einer nur scheinbar zufällig zusammengewürfelten Gruppe an, sie aus Tripolis und über die Grenze zu bringen. An der Stadtgrenze erschießt Chino einen sie kontrollierenden Soldaten. Auf ihrer anschließenden Flucht wird ein Reifen von seinem Auto beschädigt und sie müssen, um ihn zu reparieren, in dem Dorf Ar-Rahibat anhalten. Zu spät bemerken sie, dass das zerstörte und fast menschenleere Dorf wieder in den Händen der Armee ist und, als hätten sie nicht schon genug Pech, sie in der Hotelruine neben dem Kommandanten Hajj Ahmet übernachten.
Tito Topin ist bei uns, trotz einiger seit Ewigkeiten nur noch antiquarisch erhältlicher Übersetzungen und etlicher TV-Arbeiten (er erfand die Krimiserie „Navarro“, die es auf über hundert Folgen brachte und zwischen 1989 und 2007 im französischen Fernsehen lief, und er schrieb für TV-Serien wie „Néo Polar“, „Série noire“ und „Coplan“) ein fast unbekannter Noir-Autor. Leider. Denn sein „Exodus aus Libyen“ ist eine spannende Lektüre, die sich wie die Vorlage für einen harten französischen Thriller liest, der seine Wurzeln und geistige Heimat in den Fünfzigern und Sechzigern hat, als zwischen „Lohn der Angst“ und „100.000 Dollar in der Sonne“ harte, wortkarge Männer Abenteuer in der Ferne erlebten und auch ordentlich getrunken wurde. So ist, um nur die beiden offensichtlichsten namentlichen Anspielungen zu nennen, einer der Passagiere ein übergewichtiger Doktor, der sich ausschließlich flüssig ernährt und der Kenneth Hitchcock heißt. Ein anderer Passagier heißt Henri Ventura. Er ist Pilot der französischen Luftwaffe und ein guter Pistolenschütze. Zu den Ausländern gesellen sich als weitere Passagiere in Chinos Land Cruiser und Gastgeber in dem Dorf mehrere Frauen und Einheimische, die für die Geschichte wichtig sind und die daher eine deutlich größere Rolle haben, als es vor einem halben Jahrhundert möglich war. Damals, und das ist der große Unterschied zwischen Topins Vorbildern und seinem Roman, war es der Blick des weißen Europäers auf eine fremde Welt, in der er Abenteuer erlebte. Heute sind es die Libyer, die in ihrem Land Abenteuer erleben, in die auch einige der mehr oder weniger freiwilligen Gäste, hineingezogen werden.
Das ist, auch weil der 1932 in Casablanca geborene Tito Topin einen angenehm kurzen Roman geschrieben hat, eine flotte Lektüre, die jede Person mit wenigen Worten und einer kurzen Rückblende (die über den Roman verstreut sind) charakterisiert, keine Zeit für langatmige Beschreibungen oder Betroffenheitsgefasel hat und die gerade in der zweiten Hälfte einige überraschende Wendungen nimmt, die man so in einem Film wahrscheinlich nicht erleben dürfte. Jedenfalls nicht, wenn Männer wie Yves Montand, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo und Lino Ventura dabei wären.
– Tito Topin: Exodus aus Libyen (übersetzt von Katarina Grän) Distel Literaturverlag, 2015 240 Seiten
14,80 Euro
– Originalausgabe
Libyan Exodus
Éditions Payot & Rivages, 2013
– Hinweise Homepage von Tito Topin Distel Literaturverlag über Tito Topin Wikipedia über Tito Topin Perlentaucher über Tito Topin
3sat, 22.00 Berüchtigt (USA 1946, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ben Hecht
Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“
Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.
In Deutschland wurde “Berüchtigt” zuerst, in den Fünfzigern, als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler.
Anschließend, um 23.35 Uhr, gibt es, ebenfalls von Hitchcock, den „Fall Paradin“.
Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern
ZDF, 22.00 Das finstere Tal(Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute. Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner Wiederholung: Montag, 28. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)
Die lesenswerte Vorlage
Thomas Willmann: Das finstere Tal Ullstein, 2014 320 Seiten
9,99 Euro
– Erstausgabe
Liebeskind, 2010
–
Moltke, der seine Mittäter nie verriet, saß neun Jahre im Knast. Jetzt will er seinen Teil von der damaligen Beute haben und seinen Bruder rächen. Kommissar Schimanski, der Moltke eigentlich ganz sympathisch findet, will das Schlimmste verhindern.
„Moltke“ ist der neunzehnte Schimanski-Film und, abgesehen von dem Auftritt von Dieter Bohlen und seiner Musik (damals und heute: Würg.), ein guter „Tatort“, der den Sozialarbeiter Schimanski während der Weihnachtstage auf Hochtouren arbeiten lässt und, aus Schimanskis Sicht, eine zünftige Rachegeschichte im Gangstermilieu erzählt. Dafür gab es, erstmals für einen „Tatort“, den Adolf-Grimme-Preis.
mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Chiem van Houweninge, Hubert Kramar, Iris Disse, Gerd Silberbauer, Wolfgang Preiss, Jan Biczycki, Jürgen Heinrich, Dieter Bohlen, Ludger Pistor
NDR, 00.40 Tatort: Freund Gregor (Deutschland 1979, Regie: Jürgen Roland)
Drehbuch: Fred Zander
Ein Ingenieur für die Luftwaffene lernt während eines Urlaubs seinen neuen Freund Gregor kennen. Als Gregor, in Wirklichkeit ein feindlicher Spion, ihn erpresst, wendet er sich an den MAD (Militärischer Abschirmdienst) und MAD-Oberstleutnant Delius versucht an Gregor heranzukommen.
Mitten in der Nacht versteckt gibt es eine der raren Wiederholungen von „Freund Gregor“, der sicher nicht der beste, aber immer noch einer der ungewöhnlichsten „Tatorte“ ist. Denn Geheimdienstgeschichten, der Kalte Krieg und die Spionage in ihren verschiedenen Facetten, wurden fast nie im „Tatort“ thematisiert. Eigentlich nur von Jürgen Roland in seinen drei Delius-Krimis „Freund Gegor“ (1979), „Der Schläfer“ (1983) und „Baranskis Geschäfte“ (1985), in denen Horst Bollman den MAD-Oberstleutnant Delius spielte.
Heute sind sie vor allem als Zeitdokument interessant.
Mit Horst Bollmann, Klausjürgen Wussow, Ingmar Zeisberg, Günther Ungeheuer, Cordula Trantow
Das ist ein einerseits/andererseits-Film. Wobei das größte Problem von „Mr. Holmes“ der Protagonist und der damit zusammenhängende Fall ist. Denn natürlich ist der Film gut gespielt. Ian McKellen in der Hauptrolle überzeugt und die Geschichte entwickelt sich auf drei Zeitebenen konsequent, aber auch wenig überraschend (was nicht unbedingt schlecht ist) und etwas kitschig in der nordisch-herben Variante, auf ihr Ende hin.
1947 lebt Sherlock Holmes, inzwischen biblische 93 Jahre, zurückgezogen mit einer Haushälterin und ihrem Sohn auf einem malerisch gelegenem Landhaus in Sussex. Weil der Hobbyimker langsam sein Gedächtnis verliert, setzt er sich nach einer längeren Japan-Reise (deren Hintergründe wir in Rückblenden erfahren), an seinen Schreibtisch. Er will seinen letzten Fall als Privatdetektiv aufschreiben. Es ist der Fall, der vor dreißig Jahren dazu führte, dass er sich auf dem Privatdetektivgeschäft zurückzog. Dummerweise weiß er nicht mehr, warum er das tat und deshalb schreibt er, chronologisch, den Fall auf.
Das ist natürlich in der Realität eine ziemlich idiotische Idee und das ist einer der Punkte, an denen „Mr. Holmes“ krankt. Denn wenn Sherlock Holmes sich nicht mehr an seinen letzten Fall erinnert, wird er sich auch nicht daran erinnern, wenn er ihn chronologisch, wie eine Fortsetzungsgeschichte, aufschreibt. Sowieso ist das ein ziemlich schwacher Fall. Jedenfalls für Sherlock Holmes. Entsprechend enttäuschend ist dann auch die Lösung. Und, wenn wir uns an den von Sir Arthur Conan Doyle erfundenen Sherlock Holmes erinnern, ist die Konsequenz, die Sherlock Holmes aus der Lösung des Falles zieht, vollkommen unglaubwürdig. Denn der echte Sherlock Holmes niemals so reagiert.
Damit wären wir bei dem zweiten großen Problem des Films. Der Sherlock Holmes in „Mr. Holmes“ ist nicht der Sherlock Holmes, den wir kennen. Daran ändert auch der Hinweis in dieser Sherlock-Holmes-Dekonstruktion nichts, dass der Sherlock Holmes in diesem Film der echte Holmes ist, während wir bislang aus den Aufzeichnungen von Dr. Watson (schon lange vor Filmbeginn verstorben) nur eine idealisierte Version von ihm kennen. In „Mr. Holmes“ hat Holmes jetzt Charaktereigenschaften, die er vorher nie hatte mit einem gegen Null tendierendem Deduktionsvermögen. Das zeigt sich auch an dem in der Gegenwart spielendem ‚Fall‘, in dem es um Bienen und Wespen geht.
Andererseits überzeugt Bill Condons Film als Schauspielerkino und als Drama über das Älterwerden, in dem eine aufkeimende Freundschaft zwischen einem grummeligem alten Mann und einem Kind (ja, das haben wir noch nie gesehen) im Zentrum steht. Das macht „Mr. Holmes“ sehenswert.
Allerdings hätte mir Condons zweite Zusammenarbeit mit Ian McKellen nach dem hochgelobten Biopic „Gods and Monsters“ (USA/GB 1998, über den legendären Horrorfilmregisseur James Whale) viel besser gefallen, wenn sein Protagonist einen anderen Namen hätte.
Cloud Atlas – Der Wolkenatlas (USA/Deutschland 2012, Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer)
Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer
LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)
„Cloud Atlas“ ist ein dreistündiger, auf sechs Zeitebenen zwischen 1849 und 2346 spielender Trip, bei dem sechs miteinander verwobene Geschichten, die auch alle unterschiedliche Genres bedienen, zu einer Vision verbunden werden, die auch den Eindruck von viel Lärm um Nichts hinterlässt. Aber die Wachowski-Geschwister und Tom Tykwer liefern einen kurzweiligen, immer interessanten und sehenswerten Film ab, bei dem die Stars, teils kaum erkennbar, in verschiedenen Rollen auftreten.
mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)
Während der neue „Star Wars“-Film mit zweifacher Lichtgeschwindigkeit zum erfolgreichsten Film des Jahres wird, dabei noche einige weitere Rekorde aufstellt, die sich in nackten Zahlen ausdrücken lassen, und auch die nächsten Plätze keine großen Überraschungen bieten werden, lohnt sich ein Blick auf die Arthouse-Charts, die von der „AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater“ erstellt werden. Diese Charts basieren auf dem Programm der deutschen Filmkunst- und Programmkinos und sie erfassen bei diesen Filmen auch einen großen Teil des Publikums. Bis Mitte Dezember sahen sie für 2015 so aus:
Keine schlechte Liste und, auch wenn ich nicht von jedem Film begeistert war, eine Liste durchweg sehenswerter Filme. Auch wenn einige eher ein älteres Publikum ansprechen.
Arte, 20.15 Frank Sinatra – All or Nothing at All (USA 2015, Regie: Alex Gibney)
Drehbuch: Alex Gibney
Das ist jetzt Heiligabend für Frank-Sinatra-Fans: Arte zeigt die zweiteilige, Emmy-nominierte Sinatra-Doku von Alex Gibney in einem Rutsch. Vier Stunden Sinatra mit ihm, mit Weggefährten und seltenem Archivmaterial.
Mit Frank Sinatra, Nancy Barbato, Harry Belafonte, Mia Farrow, Nancy Sintra, Tina Sinatra, Lauren Bacall, Tony Bennett, Seymour Hersh Hinweise
Noch rechtzeitig vor dem Panik-Weihnachtsbuchkauf (weil ja niemand ahnen konnte, dass Heiligabend dieses Jahr am 24. Dezember ist) hat die KrimiZeit ihre Jahresbestenliste veröffentlicht:
1 Merle Kröger: Havarie (Ariadne bei Argument, 256 S., 15,00 €)
2 Friedrich Ani: Der namenlose Tag (Suhrkamp, 302 S., 19,95 €)
3 Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil (Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 S., 19,99 €)
4 James Lee Burke: Glut und Asche (Aus dem Englischen von Daniel Müller. Heyne, 696 S., 17,99 €) 5 William McIlvanney: Fremde Treue (Aus dem Englischen von Conny Lösch. Kunstmann, 352 S., 19,95 €)
6 Antonio Ortuño: Die Verbrannten (Aus dem Spanischen von Nora Haller. Kunstmann, 256 S., 19,95 €)
7 Carol O’Connell: Kreidemädchen (Aus dem Englischen von Judith Schwaab. btb, 541 S., 9,99 €)
8 Richard Price: Die Unantastbaren (Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. S. Fischer, 432 S., 24,99 €)
9 Jeong Yu-jeong: Sieben Jahre Nacht (Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel. Unionsverlag, 524 S., 19,95 €) 10 James Ellroy: Perfidia (Aus dem Englischen von Stephen Tree. Ullstein, 956 S., 25,00 €)
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Es sind natürlich keine wirklich großen Überraschungen drauf, weil auf die Jahresbestenliste nur Krimis kommen können, die schon auf einer der monatlichen Bestenlisten waren und man sich nach der Beliebtheit in den vergangenen Monaten denken kann, wer in die Jahresbestenliste kommt.
Sollte mich auch an meine Top/Flop-Listen setzen, in denen „Perfidia“ nicht auftauchen wird, weil ich den Tausendseiter nicht fertig gelesen habe.
Die Ferien des Monsieur Hulot ( Frankreich 1953, Regie: Jacques Tati)
Drehbuch: Jacques Tati, Henri Marquet
Tatis bekanntester Film: Der linkische Monsieur Hulot möchte nur einen ruhigen Urlaub in der Bretagne verbringen. Doch alles was er anfasst, verwandelt sich schnell in ein veritables Chaos.
„Eine zärtlich-erfreuliche Typen-Komödie, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im französischen Kino sperrt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Auftakt zu einer sehr umfassenden Tati-Werkschau mit Begleitprogramm. Heute Abend geht es, nach den Ferien des Monsieur Hulot, um 21.40 Uhr mit der Doku „Jacques Tati – Meister des Lichts“ (Frankreich 2014) und um 22.40 Uhr mit Jacques Tatis „Trafic“ (Frankreich/Italien 1971) weiter.
Mit Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Louis Perrault, André Dubois
Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.
Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.
Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen
Ein Journalist wird erschlagen und Kommissar Lenz muss, sich sichtlich unwohl fühlend, in der Münchner Schickeria ermitteln.
Etwa zeitgleich mit „Kir Royal“ entstand auch dieses satirische Sittengemälde der Münchner Gesellschaft. Kein Wunder, schließlich schrieb der 2003 verstorbene Herbert Riehl-Heyse von der Süddeutschen Zeitung mit am Drehbuch.
Mit Helmut Fischer, Henner Quest, Rolf Castell, Willy Harlander, Hannelore Elsner, Erich Hallhuber, Felix von Manteuffel, Hans-Reinhard Müller