State of Play – Der Stand der Dinge (USA/Großbritannien 2009, Regie: Kevin Macdonald)
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis
Zuerst will die in Berlin lebende Anna nicht zurück nach Norwegen. Aber ihr Verlobter Mathias meint, sie würde es später bereuen, wenn sie nicht zur Beerdigung ihrer Großmutter gehen würde. Also macht sie sich auf den langen Weg zu dem kleinen norwegischen Dorf am Meer und wir wissen schnell, warum sie nicht mehr zurück in das Kaff wollte. Der Großvater schweigt die meiste Zeit und er ist ein rechter Stoffel, der es sich anscheinend zur Lebensaufgabe machte, möglichst viele Menschen zu verärgern. Auch gegenüber Anna, der er still einiges vorwirft, verhält Johannes sich feindselig.
Kurz nach ihrer Ankunft trifft sie ihren Ex-Freund Håvard, der inzwischen alleinerziehender Vater ist. Er ist überhaupt nicht erfreut über das Auftauchen seiner Jugendliebe. Dennoch erklärt er sich, nachdem Johannes alle im Katalog stehenden Särge ablehnte, bereit, einen Sarg für Annas Großmutter zu zimmern und die alten Gefühle flammen wieder auf.
Gleichzeitig erfährt sie einiges über ihre Großmutter und die Beziehung zu ihrem Großvater verändert sich.
„Chasing the Wind“ ist ein langsam erzählter Film der schönen Landschaftsaufnahmen (die Trøndelag-Küste ist schon sehr fotogen), der sarkastischen Bemerkungen (vor allem der Großvater, der aus vollkommen ungeklärten Gründen die Deutschen liebt und mit Zitaten um sich wirft), des absurden Humors (Håvards Tochter inszeniert verschiedene katastrophale Tote), der schweigsamen Menschen und damit der unausgesprochenen Dinge. Denn Rune Denstad Langlos zweiter Spielfilm nach „Nord“ ist natürlich eine Versuchsanordnung mit überdeutlichen Bildern und Symbolen, in der Anna und ihr Großvater ihre verkorkste Beziehung aufarbeiten müssen. Allerdings ist der Grund für ihr Zerwürfnis nicht, dass sie vor zehn Jahren wegzog und sie nicht mehr besuchte, sondern eine viel ältere Geschichte, die erst am Ende auf eine verquere Art und Weise angesprochen wird und dem Film jede Glaubwürdigkeit raubt.
Auch die vorher enthüllten Gründe für Johannes‘ Schweigsamkeit, seinen stillen Hass auf den Nachbarn und seine, nun, problematische Beziehung zu seiner verstorbenen Frau überzeugen nicht sonderlich, weil nie erklärt wird, warum zum Beispiel Johannes bei seiner Frau blieb, obwohl er sich auch hätte scheiden lassen können.
So bleibt am Ende von „Chasing the wind“ nur eine hochgradig konstruierte Geschichte mit humoristischen, gut gespielten, aber ins Leere laufenden Szenen, vor einer prächtigen Kulisse.
Juliens Frau Lisa wird, obwohl unschuldig, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der Biedermann, Lehrer und Vater Julien entwickelt, um sie aus dem Gefängnis zu befreien, überraschende kriminelle Energien.
Spannender Thriller, dessen hochkarätig besetztes US-Remake „72 Stunden -The next three days“ über eine halbe Stunde länger braucht, um die Story zu erzählen, – ohne ihr etwas wesentliches hinzuzufügen. Da bleibt man doch besser bei dem französischen Original.
mit Vincent Lindon, Diane Kruger, Lancelot Roch, Olivier Marchal
Im Presseheft wird ausführlich auf die Finanzierung von „Harms“ eingegangen. Denn der Gangsterfilm entstand ohne Fördergelder. Das ist mutig, aber wenn man weiß, welche Filme normalerweise gefördert werden, auch konsequent. Denn Genregeschichten haben es schwer. So erzählte Sebastian Fitzek über die Produktion von „Das Kind“, dass das Projekt, obwohl es sich um eine Bestsellerverfilmung handelt (was für gute kommerzielle Aussichten spricht), sofort abgelehnt wurde, weil es sich um eine Genregeschichte handelt.
Nun, „Harms“ erzählt ebenfalls eine Genregeschichte, die wohl nicht nur Genrefans gut kennen: nach sechzehn Jahren, davon dreizehn Jahre für ein Ehrenwort, wird Harms, ein harter Knacki mit dem Herz am rechten Fleck, aus dem Gefängnis entlassen. Er besucht seine alten Freunde und fragt sich, was er mit seiner Zeit anstellen soll. Immerhin ist er nicht der mehr der Jüngste und die Job-Perspektiven sind mau. Rente gibt es auch nicht. Entsprechend trist und ohne Perspektive ist sein Leben zwischen Knacki-Männerwohngemeinschaft, einsam auf einer Wiese vor sich hin gammelnder Imbissbude und Eckkneipe. Er erträgt sein Schicksal stoisch, schweigsam und mit starrem Blick. Endstation eben.
Da wird er in einer noblen Hotelbar von einem älteren, wohlhabendem Mann angesprochen, der selbstverständlich ein doppeltes Spiel spielt. Er macht Harms ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: den Überfall auf die Bundesbank, wo an einem bestimmten Tag 100 Millionen Euro in alten Scheinen sind, die vernichtet werden sollen. Einen helfenden Insider gibt es auch. Harms stellt eine Gang zusammen – und, ich verrate jetzt sicher nichts wirklich überraschendes, der Überfall geht schief.
Die Vorbilder und auch die Richtung, in die Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Nikolai Müllerschön („Der rote Baron“) und Hauptdarsteller und Produzent Heiner Lauterbach gehen wollen, ist klar: das klassische Gangsterfilmkino, in dem Berufsverbrecher eiskalt ihr Ding durchziehen, gemeinsam einen Überfall oder Einbruch planen und, spätestens nach der Straftat gegeneinander kämpfen. „Rififi“ und seine Parodie „Topkapi“ sind die Marksteine des Genres, in denen die Vorbereitungen und der Einbruch minutiös gezeigt werden und eine beträchtliche Spannung entwickeln.
Aber gerade die Vorbereitungen des Überfalls enttäuschen. Denn in „Harms“ finden sie kaum statt. Stattdessen sehen wir schweigsame Männer, vor allem Heiner Lauterbach, tiefgründig in die Luft starren, was nicht besonders spannend ist. Auch die Anti-Hartz-IV-Tiraden von Familienvater Menges (Axel Prahl) und die schofelig rassistischen Tiraden von Eckkneipenwirt Timm (Martin Brambach) vertreiben nur mühsam die Zeit. Wobei gerade Timm eine echte Type ist, während Menges doch zu sehr im gut geübten TV-Klischee erstarrt
In „Harms“ findet der Überfall auf die Bank erst im dritten Akt statt und er ist erstaunlich schlecht geplant. Schon während des Überfalls sterben die ersten Männer. Danach geht es lustig mit dem Morden weiter. Schließlich ist das gegenseitige Erschießen unter harten Männern eine bewährte Methode. Dabei wäre es nett gewesen, wenn hier nicht dumpfe Gewalt, die doch arg unvermittelt hereinbricht, sondern etwas mehr Cleverness herrschen würden. Schließlich müssen die Verbrecher der Polizei nicht die gesamte Arbeit abnehmen.
Als Gangsterfilm ist „Harms“ ziemlich schwach, weil er zu lange in erster Linie eine zu statische Milieustudie mit höchst unsympathischen Männern und Proleten ist und bei dem viel zu lieblos inszeniertem Überfall kommt auch nie Spannung auf.
„Harms“ erreicht nie die Qualität von Thomas Arslans „Im Schatten“, dem es sehr gut gelang, die vor allem US-amerikanischen Vorbilder in die deutsche Metropole zu übertragen. Dennoch hätte es, das muss angesichts von etlichen vollkommen misslungen bundesdeutschen Genreübungen auch gesagt werden, viel schlimmer kommen können.
Harms (Deutschland 2014)
Regie: Nikolai Müllerschön
Drehbuch: Nikolai Müllerschön
mit Heiner Lauterbach, Friedrich von Thun, Axel Prahl, Martin Brambach, Blerim Destani, André Hennicke, Benedikct Blaskovic, Valentina Sauca, Helmut Lohner
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Harms“ Moviepilot über „Harms“
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LV: Robert Thomas: Huit Femmes, 1958/1962 (Theaterstück)
Weihnachten in einem verschneiten Landhaus: In der Nacht wird der Hausherr ermordet. Die Täterin ist eine der acht Frauen, die im Haus sind. Selbstverständlich hat jede von ihnen auch ein gutes Motiv das Ekel umzubringen.
Ein Cozy mit Gesang und einem Darstellerinnenensemble, das über jeden Zweifel erhaben ist und die Crème de la Crème des französischen Films versammelt.
Wer in Büchern das Kleingedruckte liest und wer Vorworte liest, dem sagt Sascha Mamczak etwas. Er ist nämlich seit über zehn Jahren der Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, die es jetzt schon über ein halbes Jahrhundert gibt; was deutlich länger ist, als die Krimireihen bei verschiedenen Verlagen. Dabei gelingt der Heyne-Science-Fiction-Reihe immer noch der Spagat zwischen Klassikern, literarischer Science-Fiction (also den Romanen, die auch die minimale Chance auf eine Besprechung im Feuilleton haben), Weltraumopern und aktuellen Trends (wie Zombies und Genre-Mischformen), zwischen bekannten Namen und Neuentdeckungen. Als Liebhaberprojekt erscheint dort seit fast dreißig Jahren das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“. Die nächste Ausgabe ist für August angekündigt und wird, wie die vorherigen Bände, von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dem legendären und langjährigen Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, herausgegeben.
Vor dem Jahrbuch machte Sascha Mamczak sich in dem schmalen Band „Die Zukunft – Eine Einführung“, der auch als Begleitband zu der Jubiläumsausgabe von fünf Neuauflagen von Science-Fiction-Klassikern, dient, Gedanken über die Zukunft. Also nicht seine persönliche Zukunft, sondern darüber was der Begriff „Zukunft“ im Gegensatz zu „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ bedeutet. In dem Essay versucht er den Begriff zu klären und stellt dabei verschiedene wissenschaftliche und literarische Konzepte vor. Er leitet den Begriff historisch her, von Gesellschaften, die noch keine Vorstellung von Zukunft hatten, hin zu Gesellschaften, die die Zukunft gestalten wollen. Es gibt auch einen sehr kurzten Ritt durch die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und einige Bemerkungen zur Zukunftsforschung.
Das ist vor allem in der ersten Hälfte, wenn Mamczak versucht, den Begriff zu klären, mühsam zu lesen. Denn wie soll man etwas erklären, das man nicht wirklich erklären kann? Dass in diesen Momenten der Gedanke und die Argumentation nicht besonders klar ist und dass Mamczak in schönster deutscher Tradition Bandwurmsätze schreibt (wie ich jetzt), hilft in diesen Kapiteln nicht. In der zweiten Hälfte, wenn er auch eine kleine Literaturgeschichte schreibt und chronologisch voranschreitet, wird es besser. Hier gibt es zahllose, den Fans bekannte Beispiele aus der Literatur und wie diese mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Vor allem natürlich als Utopien, die mal eine „Brave New World“, mal „1984“ zeichneten, auch mal hoffnungsvoll utopisch waren und die alle irgendwie die Zukunft vorhersahen. Jedenfalls Teile davon. Trotzdem irrten Science-Fiction-Autoren und Zukunftsforscher sich auch oft. Wobei manche Irrtümer auch erfolgreiche Warnrufe gewesen sein können, wie der legendäre Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums.
Dank der Kürze ist „Die Zukunft – Eine Einführung“ eine schnelle und auch inspirierende Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Es ist allerdings kein Begleitbuch zu den fünf „Bücher, die Zukunft machen“, die gleichzeitig als Jubiläumsausgaben erschienen. Mamczak erwähnt sie – außer William Gibsons „Neuromancer“ (enthalten in „Die Neuromancer-Trilogie“) – überhaupt nicht. Es ist ein Essay, das sich schreibend seinem Begriff nähert und versucht diesen schreibend zu erfassen. Das ist allerdings ein philosphischer Stil, der mir nicht sonderlich gefällt, weil er zum mäandern einladt.
Wie dieser Text.
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Sascha Mamczak: Die Zukunft – Eine Einführung Heyne, 2014 112 Seiten
8,99 Euro
– Die „Bücher, die Zukunft machen“
Zum fünfzigjährigem Bestehen der Heyne-Science-Fiction-Reihe gibt es einige Science-Fiction-Klassiker mit einem neuen Umschlag. Science-Fiction-Fans dürften die Romane schon in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben. Etliche erschienen auch 2000 zum vierzigjährigem Bestehen der Reihe, damals noch mit Vorworten von bekannten Science-Fiction-Autoren, wie Stephen Baxter, Jack Womack, Kim Stanley Robinson, Ben Bova, Davd Brin und Norman Spinrad.
In der Edition „50 Jahre Science Fiction bei Heyne“ (wie der Sticker verrät) sind jetzt erschienen:
Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit
Joe Haldeman: Der ewige Krieg
William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie
Iain Banks: Bedenke Phlebas
Dmitry Glukhovsky: Metro 2033/Metro 2034
Eine feine Auswahl und ein guter Einstieg in die Welt der Zukunftsliteratur.
Eins Festival, 23.15 David Bowie – Cracked Actor(Großbritannien 1975, Regie: Alan Yentob)
Gut einstündige legendäre BBC-Dokumentation, die David Bowie während seiner „Diamond Dogs“-Tour in den USA porträtiert. Damals war Bowie nicht nur sehr produktiv, sondern auch drogenabhängig.
Eins Festival hat heute einen wundervoll musikalischen Abend mit dem Spielfilm „Velvet Goldmine“ (um 20.15 Uhr und 00.10 Uhr) und der 2010er-Doku „Stones in Exile“ (um 22.10 Uhr und 02.10 Uhr) über die Aufnahmen der Doppel-LP „Exile on Main St.“.
Im Vorspann steht es noch: „Inspiriert von den Inspector Morse Romanen von Colin Dexter“. Dabei sind die Morse-Romane von Colin Dexter bei uns nur noch antiquarisch erhältlich, was schade ist, denn die Kriminalromane sind eine hübsche Verbindung von Rätselkrimi und Oxford. Die auf den Romanen basierende Serie „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford“, die zwischen 1987 und 2000 entstand, lief nie in Deutschland. Abgesehen von einigen Folgen 1989 im DDR-Fernsehen.
In England ist die Serie „Inspector Morse“, mit John Thaw („The Sweeney“) in der Hauptrolle, immer noch beliebt. Die Drehbücher wurden unter anderem von Anthony Minghella und Danny Boyle geschrieben.
2006 entschlossen sich die Macher, Endeavour Morses Sidekick DI Robert Lewis (Kevin Whately) mit einer eigenen Serie, die einfach nur „Lewis“ heißt zu ehren. Bis jetzt wurden in England sieben Staffeln des Spin-offs ausgestrahlt. Eine achte Staffel ist für nächstes Jahr angekündigt und ein Ende ist noch nicht abzusehen. In Deutschland sind wir gerade bei der sechsten Staffel angelangt.
In der Auftaktfolge „Gefangen im Netz“ wird Literaturprofessorin Miranda Thornton tot in ihrer Wohnung gefunden. Obwohl es offensichtlich ein Suizid war, glaubt DI Robert Lewis, dass sie ermordet wurde.
In „Das Rätsel des Genies“ wird im Wald die Leiche von Professor Murray Hawes gefunden. Bei ihren Ermittlungen erfahren Lewis und sein Kollege DS James Hathaway, dass Hawes kurz davor war, das Geheimnis von Lewis Carrolls „The Hunting of the Snark“, an dem sich schon etliche Gelehrte und Hobbyforscher die Zähne ausbissen, zu lösen. Sie glauben daher, dass ein anderer „Snark“-Jäger der Täter ist.
In „Heimliche Spiele“ wird ein Babysitter ermordet und an ein Bett gefesselt. Die beiden Polizisten fragen sich bei der Mörderjagd, ob der Mörder wirklich die richtige Frau ermordete. Denn Jessica Lake sprang kurzfristig für ihre Freundin ein.
In „Der unauslösliche Makel“ wird der Kriminologie-Professor Paul Yelland, der vor Jahrzehnten auch in Oxford studierte, nach einem Vortrag über Kriminelle Gefährlichkeit, in dem er auch sehr umstrittene Thesen äußerte, ermordet. Lewis und Hathaway vermuten zunächst einen politischen Hintergrund.
Die erste Folge „Gefangen in Netz“ (eigentlich die zweite Folge der sechsten Staffel) beginnt flott mit der etwas schieflaufenden Verhaftung eines Drogenhändlers und das Internet ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Allerdings, wieder einmal, nur als Hort des Bösen und DI Robert Lewis muss sich, als er Obszönitäten und Schmuddelkram im Netz entdeckt, empören wie der Blockwart in der Eckkneipe, der die vergangenen Jahre auf einem anderen Planeten verbrachte. Das dämpft dann doch gründlich die Sympathie für den bodenständigen Helden, der zwar nicht makellos sein muss, aber als Kriminalbeamter auch nicht so dumm sein sollte, wie er hier gemacht wird. Davon abgesehen wirkt die Episode wie eine modernisierte Version von „Inspector Barnaby“ mit vielen Bildern aus der malerischen Universitätsstadt Oxford, einer Vorgesetzten und einer Gerichtsmedizinerin.
Auch in den anderen drei Fällen der sechsten Staffel bieten Oxford und das universitäre Leben den Hintergrund für die sehr gemächlich und humorfrei erzählten Fälle. Da gefällt „Inspector Barnaby“ dann doch besser als dieser eher glanzlose, konventionelle Rätselkrimi aus Oxford.
Lewis – Der Oxford-Krimi: Staffel 6 (Großbritannien 2012)
Erfinder: Chris Burt, Stephen Churchett
LV: Charakter von Colin Dexter
mit Kevin Whately (DI Robert Lewis), Laurence Fox (DS James Hathaway), Clare Holman (Dr. Laura Hobson), Rebecca Front (Chief Superintendent Jean Innocent)
– DVD
edel:motion
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 354 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Die Fälle
Gefangen im Netz (Generation of Vipers, Staffel 6, Folge 2)
Regie: David O’Neill
Drehbuch: Patrick Harbinson
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Das Rätsel des Genies (The Soul of Genius, Staffel 6, Folge 1)
Regie: Brian Kelly
Drehbuch: Rachel Bennette
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Heimliche Spiele (Fearful Symmetry, Staffel 6, Folge 3)
Regie: Nicholas Renton
Drehbuch: Russell Lewis
–
Der unauslösliche Makel (The indelible Stain, Staffel 6, Folge 4)
Regie: Tim Fywell
Drehbuch: Simon Block
– Hinweise ITV über „Lewis“ ZDF über „Lewis“
Wikipedia über „Lewis“ (deutsch, englisch) Krimi-Couch über Colin Dexter
Pro7 Maxx, 20.15 The Damned United – Der ewige Gegner(Großbritannien/USA 2009, Regie: Tom Hooper)
Drehbuch: Peter Morgan
LV: David Peace: The Damned United, 2006 (Damned United)
Ein grandioser Fußball-Film. Auch für Nicht-Fußballfans. Was nicht verwundert, denn das Drehbuch ist von Peter Morgan, der auch die Bücher für „Rush“ und „Frost/Nixon“ und „Die Queen“ schrieb. Regie führte Tom Hooper, der danach „The King’s Speech“, für den er den Regie-Oscar erhielt, inszenierte.
„The Damned United“ ist vor allem ein mitreisendes Porträt von Brian Clough, einem großmäuligem Fußballtrainer, der 1974 für 44 Tage Trainer des erfolgreichen Erstligavereins Leeds United war und der sich überhaupt nicht mit der Mannschaft und dem Vorstand verstand. In Rückblenden erfahren wir, wie Clough zusammen mit Peter Taylor aus einem gegen den Abstieg in die dritte Liga kämpfendem Provinzclub Derby County innerhalb weniger Jahre einen Erstligaclub machte, der den Titel gewann, und wie er dabei seine Feindschaft zu dem Leeds-United-Trainer pflegte.
mit Michael Sheen, Colm Meaney, Timothy Spall, Stephen Graham, Joseph Dempsie, Brian McCardie, Jim Broadbent, Henry Goodman
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Der Roman erschien als Taschenbuch bei Heyne Hardcore
David Peace: Damned United (übersetzt von Thomas Lötz) Heyne, 2011 512 Seiten
9,99 Euro
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Außerdem erschien vor einigen Tagen David Peaces Chronik des Bergarbeiterstreiks von 1984 und wie die Thatcher-Regierung mit allen, auch illegalen Mitteln gegen die Streikenden kämpfte.
David Peace: GB84 (übersetzt von Peter Torberg) Liebeskind, 2014 544 Seiten
24,80 Euro
– Originalausgabe
GB84
Faber and Faber, 2004
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Arte, 20.15 Neun im Fadenkreuz (Frankreich/Italien 1971, Regie: Philippe Labro)
Drehbuch: Philippe Labro, Jacques Lanzmann, Vincenzo Labella
LV: Ed McBain: Ten plus one, 1963 (Neun im Fadenkreuz)
Nizza: Ein Unbekannter erschießt schienbar wahllos Menschen. Inspektor Carella und seine Kollegen suchen den Scharfschützen.
Französische Verfilmung eines Romans aus Ed McBains grandioser, durchgehend lesenswerter Serie von Polizeiromanen über das 87. Polizeirevier. Die Krimis legten eigentlich die heute bekannten Genreregeln des Polizeiromans und von Polizeiserien im Fernsehen fest.
„In der Darstellung überzeugender, ansonsten aber mittelmäßiger Krimininalfilm“ (Lexikon des internationalen Films)
Als ich den Film vor Jahren sah, gefiel er mir verdammt gut.
Die Musik ist von Ennio Morricone.
mit Jean-Louis Trintignant, Dominique Sanda, Sacha Distel, Carla Gravina, Stéphane Audran, Erich Segal
auch bekannt als „Ohne besonderes Tatmotiv“ (DDR-Titel) Wiederholung: Donnerstag, 12. Juni, 14.05 Uhr
Mit der vierten Collector’s Box sind jetzt die 81 spielfilmlangen Fälle von „Inspector Barnaby“ komplett in handlichen und damit auch platzsparenden, stabilen Pappboxen erhältlich.
In der Box sind die vorher bereits als Volume 16, 17, 18, 19 und 20 erschienen Fälle enthalten:
Volume 16
Blick in den Schrecken (Second Sight, GB 2005, Staffel 8, Episode 5)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Tony Etchelis
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Tod im Liebesnest (The Maid in Splendour, GB 2004, Staffel 7, Episode 5)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Andrew Payne
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Tief unter der Erde (Hidden Depths, GB 2005, Staffel 8, Episode 6)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: David Hoskins
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Haus voller Hass (Ghosts of Christmas Past, GB 2004, Staffel 7, Episode 7)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: David Hoskins
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Volume 17
Die Leiche ist heiß (Sauce for the Goose, GB 2005, Staffel 8, Episode 7)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Andrew Payne
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Pikante Geheimnisse (Country Matters,GB 2006, Staffel 9, Episode 6)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Andrew Payne
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Mord – Nur für Mitglieder (The Dogleg Murders, GB 2009, Staffel 12, Episode 1)
Regie: Richrad Holthouse
Drehbuch: Andrew Payne
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Morden ist auch eine Kunst (The black Book, GB 2009, Staffel 12, Episode 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Nicholas Martin
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Volume 18
Sportler und Spione (Secrets and Spies, GB 2009, Staffel 12, Episode 3)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Michael Aitkins
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Sag Ja und stirb! (The Glitch, GB 2009, Staffel 12, Episode 4)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Michael Russell
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Böse kleine Welt (Small Mercies, GB 2009, Staffel 12, Episode 5)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Peter Hammond
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Über den Dächern von Chattham (The Creeper, GB 2009, Staffel 12, Episode 6)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Andrew Payne
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Volume 19
Schreie in der Nacht (The Great and the Good, GB 2010, Staffel 12, Episode 7)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: David Hoskins
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Köpfen ist auch keine Lösung (The Sword of Guillaume, GB 2010, Staffel 13, Episode 1)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Michael Aitkens
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Du musst dran glauben (The Made-of-Measure Murder, GB 2010, Staffel 13, Episode 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Andrew Payne
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Blut am Sattel (Blood on the Saddle, GB 2010, Staffel 13, Episode 3)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: David Harsent
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Volume 20
Geisterwanderung (The silent Land, GB 2010, Staffel 13, Episode 4)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Peter Hammond
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Mord von Meisterhand (Master Class, GB 2010, Staffel 13, Episode 5)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Nicholas Martin
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Unter die Gürtellinie (The noble Art, GB 2010, Staffel 13, Episode 6)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Barry Purchese
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Eine Schande fü das Dorf (Not in my Backyard, GB 2010, Staffel 13, Episode 7)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: J.C. Wilsher
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Gesund, aber tot (Fit for Murder, GB 2011, Staffel 13, Episode 8)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Andrew Payne
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Als das ZDF vor neun Jahren mit der Ausstrahlung von „Inspector Barnaby“ begann, zeigten sie die Episoden ohne Rücksicht auf die ursprüngliche Ausstrahlung. Entsprechend unchronologisch wurden die Folgen dann auch veröffentlicht. Erst bei den letzten Folgen wurde die Chronologie eingehalten. Aber weil die Folgen, abgesehen vom Älterwerden von Cully Barnaby, der Tochter von Tom und Joyce Barnaby, die in ungefähr dr Hälfte der „Inspector Barnaby“-Fälle auftaucht, voneinander unabhängig sind, ist es vollkommen egal, in welcher Reihenfolge man sich die Filme ansieht. Denn abgesehen von wechselnden Assistenten, Autos, Computern und Telefonen verändert sich in der malerischen Grafschaft Midsomer nichts: fidele Engländer bringen sich gegenseitig um. Ein glücklich verheirateter, absolut normaler Polizist ermittelt und alle aktuellen Probleme, die in den vergangenen über fünfzehn Jahren für Schlagzeilen sorgen (wie Rassismus, Jugendkriminalität, Homophobie, Terrorismus, Bankenkrise, Militäreinsätze im Ausland undsoweiter), machen einen großen Bogen um Midsomer, wo Briten Briten umbringen, weil Mord, teils sehr bizarr ausgeführt, halt eine probate und bewährte Methode ist, um Probleme zu lösen.
Das macht wegen der Unaufgeregheit der Ermittlungen und dem normalen Protagonisten (vor allem nachdem in fast allen anderen Krimiserien anscheinend nur noch wandelnde Psychopathen und seelische Wracks ermitteln dürfen) durchaus Spaß. Allerdings schleicht sich bei den späteren Fällen auch eine gewisse Routine ein, die auch zu dem Eindruck führt, dass alle Beteiligten etwas zu sehr im gewohnten und vertrauten Trott die leichengesättigten Mordfälle lösten.
Jedenfalls sind mit der „Collector’s Box 4“ alle Fälle von DCI Tom Barnaby auf Deutsch erhältlich und nebeneinander nehmen die Boxen nur siebzehn Zentimeter im Regal ein.
Inspector Barnaby (Midsomer Murders, GB 1997 – 2011)
LV: Charaktere von Caroline Graham
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
– Inspector Barnaby Collector’s Box 4
(Volume 16 – 20)
Edel: Motion
Bild: Pal 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interviews mit den Schauspielern
Länge: 1928 Minuten (21 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Als Vorbereitung für den neuen, grundsympathischen Film von Jean-Pierre Jeunot, „Die Karte meiner Träume“, der am 10. Juli startet (Besprechung gibt es zum Filmstart), empfehle ich
Arte, 20.15
Mathilde – Eine große Liebe (F/USA 2004, R.: Jean-Pierre Jeunet)
LV: Sébastien Japrisot: Un long dimanche de fiancailles, 1991 (Die Mimosen von Hosssegor, Mathilde – Eine große Liebe)
Erster Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre: Mathilde Donnay glaubt nicht, dass ihr Geliebter im Krieg gestorben ist. Obwohl alle ihr davon abraten, sucht sie ihn.
„Mathilde – Eine große Liebe“ ist, wie der Titel verrät, eine Liebesgeschichte, inszeniert von dem Macher von „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Aber die Vorlage stammt von einem renommierten Krimiautor.
Der Film, erhielt neben anderen Preisen, zahlreiche Cesars und, für das Drehbuch, den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit Audrey Tautou, Gaspar Ulliel, Jean-Pierre Becker, Tchéky Karyo, André Dussollier, Denis Lavant, Jodie Foster (Nebenrolle)
Mord im Orient-Express (GB 1974, Regie: Sidney Lumet)
Drehbuch: Paul Dehn
LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934
Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.
Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)
R. I. F. – Ich werde dich finden! (Frankreich 2011, Regie: Franck Mancuso)
Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi
Während ihrer Fahrt in den Urlaub verschwindet die Frau des Polizisten Stéphane Monnerau spurlos. Er sucht sie – und gerät auch in Verdacht, sie ermordet zu haben.
Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Für den von ihm produzierten Action-Thriller „Brick Mansions“ schrieb er sogar das Drehbuch, das auf einem älteren Drehbuch von ihm basiert, das er vor zehn Jahren mit Bibi Naceri schrieb und von Frankreich in die USA verlegte.
Die titelgebendne Brick Mansions sind ein Wohnbezirk in Detroit. Ein von Gangstern beherrschtes Ghetto, in dem hauptsächlich Afroamerikaner leben, das Verbrechen regiert und die Ausfahrten von Polizisten bewacht werden. Im Endeffekt sind die Brick Mansions ein riesiger Knast, in dem keine Sträflinge, sondern normale Menschen und Kriminelle eingesperrt sind.
Der König von Brick Mansions ist Tremaine (RZA). Seine Jungs haben bei einem ihrer nächtlichen Überfälle eine Bombe erbeutet. Er droht, die Rakete in Richtung Innenstadt abzufeuern. Stadtsanierung Gangsta Style.
Also beauftragt der Bürgermeister den Polizisten Damien Collier (Paul Walker), der die Brick Mansions von früher kennt, die Bombe zu entschärfen. Dabei helfen soll ihm Lino (David Belle), ein sympathischer Verbrecher (Hey, immerhin gehört er zu den Guten!), der Polizisten hasst wie die Pest.
Das gegensätzliche Duo macht sich auf den Weg in die Ruinenlandschaft, die einmal ein Wohnprojekt war – und wenn jetzt Actionfans glauben, dass sie diesen Film schon mindestens einmal gesehen haben, dann haben sie irgendwie recht. Denn „Brick Mansions“ ist das Remake von „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ (bzw. „Banlieu 13 – Anschlag auf Paris“), in dem David Belle ebenfalls mitspielte und mit seinen Parkour-Künsten begeisterte. Und „Ghettoganz“ ist natürlich eine ziemlich schamlose Kopie von „Die Klapperschlange“ und, beim bescheuerten Bösewicht, von „The Rock – Fels der Entscheidung“.
Das ist sicher nicht das Rezept für einen künftigen Filmklassiker, aber für einen vergnüglichen Kinoabend könnte es reichen, wenn Luc Besson nicht einfach seine alten Drehbücher mit geringsten Variationen wieder aufkochen, dabei auch die Restlogik über Bord werfen und die Actionszenen durch einen Häcksler jagen würde. Warum wird ein Parkour-Künstler genommen, der seine Stunts auch selbst ausführt, diese – soweit erkennbar – auch wirklich beeindruckend sind, aber sie dank der Zehntelsekundenschnitte meistens absolut nicht mehr erkennbar sind.
Durch die Verlagerung der Geschichte von Paris nach Detroit fällt auch der soziale und politische Hintergrund weg, der im Original noch in kleinen Dosen erkennbar war. Es ist der soziale Sprengstoff, der sich in den Banlieus immer wieder in Gewalt entzündet und schon seit Jahren auch in Büchern, Filmen und Songs thematisiert wird. „Ghettogangz“ reflektierte in einer überzogen-pulpig-trashigen Manier dann auch reale Probleme, die sich ein Jahr später, 2005, in gewalttätigen Jugendprotesten äußerten, die in Paris begannen und sich in anderen Städten fortsetzten. Genau dieser reale Hintergrund geht bei der Verlagerung der Geschichte von Paris in die USA, obwohl es auch dort Ghettos und immer wieder Straßenschlachten gibt, verloren. Insofern spielt „Brick Mansions“, das in der sehr nahen Zukunft spielt, in einer luftleeren Parallelwelt. Es ist einfach eine lärmige Actionfantasie, die wegen ihrem hektischen Schnitt, dem immer wieder vollkommen sinnlosen Slow-Motion-Einsatz, den eindimensionalen Charakteren, den Klischees und plumben Kopien aus besseren Filmen langweilt. „Brick Mansions“ ist im Endeffekt neunzig Minuten Leerlauf, der sich deutlich länger anfühlt.
Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Allerdings in immer dünneren Aufgüssen. Die Zeiten von „Nikita“ und „Leon, der Profi“ sind schon lange vorbei. Jetzt ist die Zeit der Drittverwendung von Zweitverwendungen angebrochen.
Diese Behinderten nerven.
Zum Glück!
Denn es sind Menschen, die in „Vielen Dank für Nichts“ auch ohne falsche Scheuklappen gezeigt werden. Im Mittelpunkt steht Valentin, eine Sportskanone, die wahrscheinlich in der Schule auch der arrogante Mädchenschwarm war, bis er beim Snowboarden einen Unfall hatte und seitdem querschnittgelähmt ist. Seine alten Freunde kennen ihn nicht mehr und die neuen, die er jetzt während eines mehrwöchigen Theaterprojekts mit Übernachtungsmöglichkeit, in das er von seiner Mutter gesteckt wurde, kennen lernt, will er nicht kennen. Spastiker und Bekloppte, die keinen Satz sagen können. Erwachsene, die Windeln tragen. Nein, sein Leben hat er sich definitiv anders vorgestellt.
Aber sein Zimmernachbar Titus und Lukas, der nur mit einem Sprachcomputer normal reden kann, lassen nicht locker. Die das Haus leitende Sozialpädagogin weist ihn für sein arrogantes Auftreten gegenüber den Anderen zurecht. Der italienische Theaterregisseur, der kein Wort deutsch spricht und „Hamlet“ ohne Worte inszenieren will, ist konstant euphorisch über die Leistungen der Behinderten. Und dann ist da auch noch Mira, eine junge Pflegerin. Sie kann Valentin aus seiner welthassenden Verbitterung holen. Allerdings verliebt er sich auch in sie und sie bestärkt ihn mit ihrem ungezwungenem Verhalten in seinen Gefühlen.
Als Titus ihm sagt, dass Mira einen Freund hat, beschließt Valentin die Tankstelle, in der er arbeitet, zu überfallen.
Und allein schon der Tankstellenüberfall der Rollstuhlfahrer Valentin und Lukas, die nicht den Hauch einer Fluchtchance haben, ist den Kinobesuch wert.
Davor zeigen die Filmemacher Stefan Hillebrand und Oliver Paulus, die die Filmgeschichte mit den behinderten Darstellern entwickelten, vor allem das Leben der Behinderten in all seinen Facetten und wir lernen sie alle lieben, weil wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und wir sehen, wo sie Probleme haben, aber auch, wie sie mit ihren Behinderungen umgehen, sie teilweise zu ihrem Vorteil ausnutzen und sich auf ihre Art ausdrücken.
Dass dabei die Geschichte vom Überfall, der zuerst eine spinnerte Idee ist, zur bei den Vorbereitungen immer wieder umwerfend komischen Nebensache gerät, und der Flirt zwischen Valentin und Mira teilweise einen zu großen Raum einnimmt, ist kein Problem. Denn gerade die Abschweifungen, Beobachtungen und kleinen Szenen gefallen.
1 (1) Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht
2 (2) Ross Thomas: Fette Ernte
3 (3) Dominique Manotti: Ausbruch
4 (5) Leonardo Padura: Ketzer
5 (-) Tom Hillenbrand: Drohnenland
6 (-) Benjamin Percy: Roter Mond
7 (4) Mukoma wa Ngugi: Nairobi Heat
8 (9) Daniel Woodrell: In Almas Augen
9 (5*) Sascha Arango: Die Wahrheit und andere Lügen
10 (-) André Georgi: Tribunal
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
Sascha Arango ist ein Wiedereinstieg.
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Ross Thomas, Dominique Manotti, Leonardo Padura, Daniel Woodrell und Sascha Arango (einer von unseren besten Drehbuchautoren; er erfand Eva Blond und schrieb mehrere Borowski-Tatorte) empfehle ich auch sofort.
Außerdem ist der neuen Roman „Die Sirenen von Belfast“ von Adrian McKinty erschienen. Die Besprechung ist in Arbeit.
Beim „Tribunal“ fand ich die ersten Seiten nicht so toll.
Kommen wir zur 100.000-Euro-Frage: Wo bleiben Lee Childs „Wespennest“, Carl Hiaasens „Affentheater“ und Jörg Juretzkas „Taxibar“?