Open Range – Weites Land (USA 2003, R.: Kevin Costner)
Drehbuch: Craig Storper
LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)
Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.
Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.
mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates
Wegen der Verfilmung erschienen die Tage einige Bücher in Filmausgaben, was heute ja vor allem ein neues Buchcover bedeutet (früher gab es oft noch Bilder aus dem Film), andere wurden erstmals übersetzt. Jetzt, zwischen auslaufender Kinoauswertung und vor der DVD-Auswertung, kann man sich an ein schattiges Örtchen zurückziehen und die Bücher lesen.
Wobei der Alpenwestern „Das finstere Tal“ hier in Berlin immer noch im Kino läuft. Thomas Willmann schrieb die hochgelobte Vorlage, die sich gut verkaufte und den Stuttgarter Krimipreis erhielt.
Ende des 19. Jahrhunderts kommt kurz vor Winterbeginn ein Fremder in ein einsam gelegenes Hochtal in den Alpen. Der Maler erkauft sich mit seinen mit Gold gefüllten Taschen ein Quartier. Kurz nach dem Wintereinbruch werden zwei Männer ermordet. Sie sind nicht die letzten Toten in diesem Winter in dem Dorf – und der Fremde ist daran nicht ganz unschuldig.
Thomas Willmann: Das finstere Tal Ullstein, 2014 320 Seiten
9,99 Euro
– Erstausgabe
Liebeskind, 2010
– Hinweise
Zeitlich etwas näher, dafür geographisch weiter weg und durch den Fund von hunderten von Kinderskeletten wieder erschreckend aktuell ist „Philomena – Eine Mutter sucht ihren Sohn“. In dem Sachbuch schildert der Journalist Martin Sixsmith die Suche von Philomena Lee nach ihrem Sohn, der ihr von der Kirche weggenommen wurde.
1952 ging die damals 18-jährige Philomena in ein Kloster der Nonnen von Roscrea. Sie war schwanger, aber nicht verheiratet, was im katholischen Irland eine Todsünde war. Die Kirche kümmerte sich um diese gefallenen Mädchen und errichtete unter dem Mantel der Barmherzigkeit ein Terrorregime. Drei Jahre nach der Geburt von ihrem Sohn nehmen die Schwestern ihn ihr weg und geben ihn einer US-amerikanischen Familie. In den folgenden Jahrzehnten erfährt sie nichts über ihren Sohn.
Als sie schließlich ihrer Tochter und dem Journalisten Martin Sixsmith ihre Geschichte erzählt, macht er sich auf die Suche nach dem verschwundenen Sohn und was er entdeckt ist schockierend und vollkommen unchristlich.
Der Film ist ein berührendes, gut gespieltes und pointiert geschriebenes Drama. Das Buch, ein Bestseller in England, wurde erst jetzt, zur Kinopremiere, übersetzt.
Das Buch enthält ein aktuelles Vorwort von Judy Dench, der Hauptdarstellerin.
Martin Sixsmith: Philomena – Eine Mutter sucht ihren Sohn (übersetzt von Heike Holtsch und Michael Windgassen) Ullstein, 2014 448 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
The Lost Child of Philomena Lee
Pan Books, 2009
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Auch „Lone Survivor“ basiert auf Tatsachen, war in den USA ein Bestseller und wurde erst zum Kinostart übersetzt. Mark Wahlberg spielt Marcus Luttrell, den Anführer eine SEAL-Einheit, die in Afghanistan einen wichtigen al-Qaida-Mann töten sollen. Der Einsatz geht schief und auf der Flucht sterben alle von Luttrells Männern; – das ist jetzt, angesichts des Titels ja keine besondere Überraschung.
Marcus Luttrell schrieb zusammen mit Thriller-Beststellerautor Patrick Robinson, der hier als Ghostwriter fungierte, in „Lone Survivor“ seine Erlebnisse auf und erzählte auch von seiner Ausbildung.
Marcus Luttrell/Patrick Robinson: Lone Survivor (übersetzt von Lotta Rüegger und Holger Wolandt) Heyne, 2014 448 Seiten
17,99 Euro
– Originalausgabe
Lone Survivor – The Eyewittnes Account of Operation Redwing and the Lost Heroes of SEAL Team 10
Little, Brown and Company, 2007
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Schon seit Jahren aus dem Kino verschwunden sind „Shooter“ und „Im Auftrag des Drachen“.
In „Shooter“ spielt Mark Wahlberg Bob Lee Swagger, einen Vietnam-Veteran (im Buch), der von einer Geheimorganisation aufgefordert wird, einen Anschlag auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu verhindern. Zu spät begreift Swagger, dass er der Sündenbock sein soll. Er kann flüchten und beginnt die Männer zu suchen, die ihn hereinlegten.
Für die Verfilmung wurde natürlich einiges geändert. Immerhin ist Swagger im vor über zwanzig Jahren erschienem Roman ein Vietnam-Veteran und sechshundert Seiten sind doch etwas viel für einen zweistündigen Thriller.
2007, als Antoine Fuquas harter Thriller im Kino lief, erschien bei uns keine Filmausgabe von Stephen Hunters Roman, der 1996 in anscheinend gekürzter Fassung als „Im Fadenkreuz der Angst“ erschien. Sowieso wurden nur weniger seiner Thriller übersetzt und sie sind inzwischen, falls überhaupt, nur noch antiquarisch erhältlich.
Insofern ist die ungekürzte Übersetzung im Festa-Verlag höchst willkommen und mit etwas Glück folgen auch die weiteren acht Bob-Lee-Swagger-Romane. Für Dezember ist jedenfalls mit „Nachtsicht“ (Black Light, 1996) die zweite Swagger-Geschichte angekündigt.
Stephen Hunter: Shooter (übersetzt von Patrick Baumann) Festa, 2014 640 Seiten
13,95 Euro
– Originalausgabe
Point of Impact
Bantam Dell, 1993
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Die Verfilmung von Trevanians Thriller „Im Auftrag des Drachen“ mit Clint Eastwood, der auch Regie führte, läuft regelmäßig im Fernsehen. Die Vorlage, ein weltweiter Bestseller, ist antiquarisch leicht erhältlich. Immerhin erschien der Roman in zahllosen Ausgaben.
In Trevanians Debüt soll Jonathan Hemlock, ein Mitarbeiter einer geheimen CIA-Abteilung, Kunsthistoriker und Bergsteiger, während der Besteigung der Eiger-Nordwand einen feindlichen Agenten töten. Es gibt nur ein Problem: er weiß nicht, welcher seiner Mit-Bergsteiger der Feind ist.
Als ich den Thriller als Teenager als, war ich mächtig beeindruckt und wurde zum Trevanian-Fan, der erst bei seinen Nicht-Thrillern (Ein Liebesroman? Pfui. Bäh.) aufhörte.
Für Mitte Oktober ist eine Neuauflage von „Der Experte“, dem zweiten und letzten Hemlock-Thriller angekündigt.
Trevanian: Im Auftrag des Drachen (übersetzt von Werner Peterich) Heyne, 2014 400 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
The Eiger Sanction
Crown Publishers, 1972
–
Zahlreiche deutsche Ausgaben.
– Hinweise
Arte, 20.15 Im Westen nichts Neues (USA 1930, Regie: Lewis Milestone)
Drehbuch: Del Andrews, Maxwell Anderson, George Abbott, Lewis Milestone
LV: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, 1928
Deutschland, 1915: Paul Bäumer und seine Mitschüler melden sich, angestiftet von einer Kampfrede ihres Lehrers, begeistert zum Fronteinsatz. Schon während der Ausbildung werden ihnen die Träume über das heldenhafte Soldatenleben ausgetrieben. Dann kommen sie an die Westfront – als Kanonenfutter.
Klassiker des Antikriegsfilm, der den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und der mich, als ich ihn als Teenager sah, wirklich beeindruckte. Denn er war (und ist) wirkungsvoller und brutaler als viele neuere Filme.
Ebenfalls beeindruckend ist die Zensurgeschichte. Denn schon kurz nach der Uraufführung wurde der Film beschnitten. In Deutschland wurde nur eine gekürzte Version gezeigt, die dennoch sofort das Hassobjekt der Nazis wurde. Die SA störte Aufführungen des antideutschen Films und schon wenige Tage nach seiner deutschen Premiere war er verboten. In „Skandalfilme“ zeichnet Stefan Volk diese Geschichte genau nach.
Anschließend läuft, um 22.25 Uhr, die halbstündige Doku „Geschundenes Zelluloid“ (Deutschland 1984) über die Zensurgeschichte von „Im Westen nichts Neues“.
Mit Lew Ayres, Louis Wolheim, John Wray, ‚Slim‘ Summerville, Russell Gleason Wiederholung: Montag, 30. Juni, 13.30 Uhr Hinweise Arte über „Im Westen nichts Neues“ Rotten Tomatoes über „Im Westen nichts Neues“ Turner Classic Movies über „Im Westen nichts Neues“
Wikipedia über „Im Westen nichts Neues“ (deutsch, englisch)
LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)
Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.
Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman
Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”
Detective Sergeant Sean Duffy von der Polizei in Carrickfergus, einem Vorort von Belfast, ist zurück. Dieses Mal soll er herausfinden, wer den unbekannten Leichnam schon vor längerer Zeit enthauptete, in einer Tiefkühltruhe zwischenlagerte und in einem Koffer versteckte, der zufällig in einem Müllcontainer gefunden wurde.
Das klingt jetzt nicht furchtbar spektakulär. Aber Adrian McKinty will in „Die Sirenen von Belfast“, nach „Der katholische Bulle“ der zweite Fall mit Sean Duffy, auch nicht einen weiteren 08/15-Thriller über die Jagd nach einem durchgeknalltem Mörder, am besten Serienmörder, abliefern. Beide Krimis spielen in den frühen Achtzigern in Nordirland. Damals herrschte dort ein veritabler Bürgerkrieg. IRA-Häftlinge hungerten. Es wurde gebombt und Anschläge auf Polizisten verübt. Das britische Militär schoß scharf zurück. Auch Duffy blickt jeden Morgen unter sein Auto. Prüft, ob es dort eine Bombe gibt.
Außerdem ist es eine Zeit, in der auch die Polizei hemmungslos Gewalt anwandte, man immer wieder etwas mitgehen ließ, eigentlich nie ein Geschenk ablehnte und sich den Dienst mit Alkohol und anderen Drogen verschönerte. Auch Duffy ist diesen Versuchungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Es gehört aber auch zum Alltag, in dem der Wahnsinn regiert und an ordentliche Polizeiarbeit nicht wirklich zu denken ist. Denn bei seinen Ermittlungen muss er Rücksicht nehmen auf die Politik, die politische Großwetterlage, die Befindlichkeiten der Bevölkerung, die die Polizei gerne mit Steinen begrüßt oder gleich auf sie schießt, und die verschiedenen, mehr oder weniger terroristischen Gruppierungen, die damals immer mehr zu Gangsterbanden mutierten. Jedenfalls waren die Grenzen fließend, aber der unangefochtene Machtanspruch der verschiedenen Gruppen beherrschte ganze, fein säuberlich aufgeteilte Stadtviertel. Das englische Militär wurde als Besatzungsmacht wahrgenommen und die Polizei als deren Handlanger. Und über alles wurde immer wieder eine religiöse Sauce gekippt, die einen katholischen Polizisten zu einem Oxymoron machte.
Diesen Hintergrund malt Adrian McKinty, der vorher einige hochgelobte Gangsterromane schrieb, breit aus und reichert ihn mit den damaligen Schlagzeilen (Lady Diana, die Falklandinseln) und der damaligen Hitparade (wobei Duffy oft auch eine klassische LP auflegt) an. Sowieso erzählt der Ich-Erzähler Sean Duffy sein Leben sehr detailliert. Der Kriminalfall selbst wird dann in „Der katholische Bulle“ und „Die Sirenen von Belfast“ eigentlich zur Nebensache, weil geübte Krimileser schnell einen Verdacht haben, wo der Täter zu finden ist. Die Auflösung ist dann mehr vom Prinzip Zufall als von kriminalistischen Ermittlungen bestimmt und von politischen Überlegungen beeinflusst.
So glaubt Duffy in „Der katholische Bulle“ zunächst, dass die beiden Männer von einem Serienmörder ermordet wurden. Beide Opfer waren homosexuell und das war damals im tiefgläubigen Nordirland nicht gern gesehen. Auf einer Postkarte kündigt der Mörder weitere Taten an. Schon früh weist Duffy auf ein Problem hin: In Nordirland gibt es keine Serienmörder. Denn jeder, der töten will, kann einfach zur IRA gehen und dort als Freiheitskämpfer seine Triebe unter dem Deckmantel des gerechten Kampfes frönen.
In „Die Sirenen von Belfast“ findet Duffy heraus, dass der kopflose Tote US-Amerikaner ist, Kriegsveteran war und als Pensionär seinen Urlaub in Irland verbrachte; – was natürlich seltsam ist, weil niemand freiwillig ein Kriegsgebiet besucht. Die Leiche war in einem Koffer versteckt, der Martin McAlpine gehörte. Der Schäfer war einige Monate früher von der IRA erschossen worden, weil er im Ulster Defense Regiment war, einem vor Ort von der British Army rekrutiertem Feierabendregiment. Obwohl dieser Mord nichts mit seinem Fall zu tun hat, interessiert Duffy sich für die schöne, sich merkwürdig verhaltende Witwe und dem älterem Bruder der Ermordeten, Sir Harry McAlpine, dem das Land gehört und der schnell seine Beziehungen spielen lässt.
Denn, wie Duffy schnell vermutet, spielte der Mord sich nicht so ab, wie er in den Polizeiakten festgehalten ist.
Die ersten beiden Sean-Duffy-Romane sind nicht schlecht, aber auch nicht so grandios wie die in Algerien spielenden Kommissar-Llob-Romane von Yasmina Khadra, bei denen der Mordfall ebenfalls Nebensache ist. Denn was ist schon ein Mord, wenn täglich Dutzende sterben, alle korrupt oder wahnsinnig sind und man selbst vielleicht den Tag nicht überlebt? Aber während Khadras Romane, vor allem die ersten drei Llob-Romane „Morituri“, „Doppelweiß“ und „Herbst der Chimären“, extrem kurz, eigentlich nur eine Skizze, sind, malt McKinty sein Panorama breit aus, was auch dazu führt, dass der Drive aus seinen Gangsterromanen fehlt.
Jedenfalls hat Adrian Mc Kinty noch nicht genug von Sean Duffy, dessen weiteres Leben – so sieht es jedenfalls am Ende von „Die Sirenen von Belfast“ aus – nicht unbedingt bei der Polizei von Carrickfergus sein wird.
Der vierte Duffy-Roman ist bereits für nächstes Jahr angekündigt.
– Adrian McKinty: Die Sirenen von Belfast (übersetzt von Peter Torberg) Suhrkamp, 2014 392 Seiten
19,95 Euro
– Originalausgabe
I hear the Sirens in the Street
Serpent’s Tail, London, 2013
– Adrian McKinty: Der katholische Bulle (übersetzt von Peter Torberg) Suhrkam, 2013 384 Seiten
19,95 Euro
9,99 Euro (Taschenbuch, erscheint am 14. Juli 2014)
– Originalausgabe
The cold cold Ground
Serpent’s Tail, 2012
–
Nach „Die Profis“ war Lewis Collins ein Weltstar. Er war sogar als neuer James Bond im Gespräch und er wäre sicher ein guter Bond geworden. Aber es kam anders. Nach der TV-Serie war er nur noch in dem in England spielendem Action-Thriller „Das Kommando“, der durchaus als James-Bond-Bewerbungsvideo gesehen werden kann, und in den Söldner-Filmen „Geheimcode Wildgänse“, „Kommando Leopard“ und „Der Commander“ im Kino zu sehen.
In den vergangenen Jahren waren die Filme teils gekürzt und weitgehend ohne Bonusmaterial eher schlecht als recht erhältlich. Nach einer Neuprüfung sind sie jetzt alle „frei ab 16 Jahre“ und ungekürzt erhältlich. Auch das Bonusmaterial ist erfreulich umfangreich ausgefallen; bei den Blu-rays wurde teils noch eine Schippe draufgelegt.
Anthony M. Dawson (eigentlich Antonio Margheriti) inszenierte alle drei Filme mit einem überschaubarem Budget in einem durchaus flotten Tempo, das allerdings auch nicht verdecken kann, dass die Geschichten wild zusammengeklaut sind, teilweise wie der Zusammenschnitt von mehreren Filmen wirken und vor allem Söldner- und Dschungel-Romantik liefern. Mit einer ordentlichen Portion handgemachter Action, was heute, nach dem x-ten CGI-Gewitter, Spaß macht. Vor allem wenn Brücken, Staudämme, Fahrzeuge und Gebäude, gerne Lagerhallen mit Drogen, in die Luft gesprengt oder in Flammen aufgehen. Dazu laufen schwitzende Männer, wild um sich schießend, durch das Bild.
In „Geheimcode Wildgänse“ soll eine von Lewis Collins angeführte Söldnergruppe im Goldenen Dreieck ein Heroinlager vernichten.
In „Kommando Leopard“ ist Collins dann „El Leopardo“, ein legendärer Guerilla-Führer, der gegen Silveira und die von ihm geführte Militär-Diktatur kämpft.
In „Der Commander“ spielt Collins wieder einen Söldner, der wieder im Goldenen Dreieck ein Drogenlager vernichten soll – und wieder spielen seine Auftraggeber ein doppeltes Spiel.
Die Story ist in allen drei Filmen der Vorwand, um Männer durch den Dschungel kämpfen zu lassen und, möglichst fotogen, möglichst viel in die Luft zu jagen, zu schießen und sich zu schlagen. Immer ist, hauptsächlich als Eye Candy, auch eine Frau dabei. Einige Altstars, wie Klaus Kinski, Lee Van Cleef und Donald Pleasance, und, auf deutscher Seite, versierte Synchronsprecher, wie Manfred Lehmann, Thomas Danneberg und Frank Glaubrecht, spielen mit. Das hat dann schon etwas von einem Betriebsausflug in südliche Gefilde.
Für die Filmgeschichte sind „Geheimcode Wildgänse“, „Kommando Leopard“ und „Der Commander“ mehr als vernachlässigbare Werke, aber für die Fans von 80er-Jahre-Actionfilmen sind die Söldnerfilme einen kleinen Blick wert. Es gibt Action, Explosionen, eine herrliche Exploitation-Atmosphäre (man hat die Zeitungsschlagzeilen genommen und eine mehr als krude Story drumherum geschrieben) und schön gezeichnete Plakate, die es dieses Mal auch auf das DVD-Cover (und Wendecover) geschafft haben.
Dabei ist „Geheimcode Wildgänse“ der beste der drei Filme. „Kommando Leopard“ verlegt dann die ganze Geschichte mehr oder weniger nach Südamerika. Dass dann Lewis Collins ein südamerikanischer Revolutionsführer sein soll, ist nicht besonders glaubwürdig. Auch weil er auf jegliche Revolutionärsprosa verzichtet. Stattdessen kämpft er sich in bester Söldner-Manier mit seinen Männern durch den Dschungel. „Der Commander“ ist „Geheimcode Wildgänse“ mit einem geringem Budget und nicht verwandten Aufnahmen von „Geheimcode Wildgänse“.
Geheimcode Wildgänse(Deutschland/Schweiz/Italien 1984)
Regie: Anthony M. Dawson
Drehbuch: Michael Lester
mit Lewis Collins, Ernest Borgnine, Lee Van Cleef, Mimsy Farmer, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, Thomas Danneberg, Frank Glaubrecht, Wolfgang Pampel, Hartmut Neugebauer
– DVD
Ascot Elite
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch, Französisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar, Film Soundtrack (von Eloy), Fotogalerie, Kinotrailer, „Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounterunternehmers Erwin C. Dietrich“ (Sachbuch von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer, als pdf), Wendecover
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Kommando Leopard (Deutschland/Schweiz/Italien 1985)
Regie: Anthony M. Dawson
Drehbuch: Roy Nelson
mit Lewis Collins, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, Cristina Donadio, John Steiner, Thomas Danneberg, Hans Leutenegger, Alan C. Walker, Subas Herrera
– DVD
Ascot Elite
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch, Französisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar, Behind the Scenes Audiokommentar, Fotogalerie, Kinotrailer, „Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounterunternehmers Erwin C. Dietrich“ (Sachbuch von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer, als pdf), Wendecover
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Der Commander(Deutschland/Schweiz/Italien 1988)
Regie: Anthony M. Dawson
Drehbuch: Arne Elsholtz, Tito Capri
mit Lewis Collins, Lee Van Cleef, Donald Pleasence, John Steiner, Manfred Lehmann, Brett Halsey, Chat Silayan, Bobby Rhodes, Thomas Danneberg, Paul Muller, Frank Glaubrecht, Hans Leutenegger
– DVD
Ascot Elite
Bild: 1.85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Fotogalerie, Kinotrailer, „Mädchen, Machos und Moneten – Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounterunternehmers Erwin C. Dietrich“ (Sachbuch von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer, als pdf), Wendecover
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise
Eine Gruppe von hochbegabten MIT-Studenten macht die Casinos in Las Vegas beim Blackjack um Millionen ärmer. Interne Konflikte und ein Detektiv der Casinos gefährden die Einheit der Gruppe.
Der auf Tatsachen basierende Spielerfilm ist makelloses „Zwischendurch-Entertainment“ (tip), das Buch ein lesenswerter Ausflug in die unbekannte Welt professioneller Kartenspieler.
Mit Jim Sturgess, Kate Bosworth, Kevin Spacey, Laurence Fishburne
„Schlauer werden mit der beliebtesten Fernsehserie“ ist der Untertitel und er ist erstens zutreffend und zweitens macht der Sammelband neugierig auf einige zeitgenössische Philosophen. Denn in dem von Wolfram Eilenberger herausgegebenem Sammelband „Der Tatort und die Philosophie“ werden verschiedene Philosophen und ihr Werk vorgestellt und damit man sich mit ihren abstrakten Gedanken beschäftigt, wird der „Tatort“ als Köder benutzt. Gerade weil die Reihe so langlebig ist und es inzwischen über neunhundert Folgen gibt, findet jeder Autor, meist bei einem der aktuell ermittelnden Kommissare, den ihm genehmen Anknüpfungspunkt, der auch immer etwas willkürlich bleibt.
Aber in dem Sammelband geht es auch nur peripher um den „Tatort“. Die Krimireihe und damit auch der Kriminalfilm und die Kriminalserie im allgemeinen (denn vieles, was hier gesagt wird, kann mühelos auf andere Krimis übertragen werden) sind nur der Startpunkt, um Philosophen und ihre Werke in kurzen Texten vorzustellen:
Adam Soboczynski schreibt über Theodor W. Adorno,
Wolfram Eilenberger über Emmanuel Levinas,
Florian Werner über Friedrich Nietzsche,
Ulrich Noller und Jürgen Wiebicke über Hartmut Rosa und Byung-Chul Han,
Cord Riechelmann über Gilles Deleuze,
Ariadne von Schirach über Alain Badiou,
Gert Scobel über William James,
Fritz Breithaupt über Siegfried Kracauer,
Susanne Schmetkamp über Edith Stein,
Svenja Flaßpöhler über Hannah Arendt,
Ekkehard Knörer über Odo Marquard,
Stefan Münkler über Marshall McLuhan und
Armin Nassehi über Edmund Husserl.
Viele Texte sind von promovierten Philosophen geschrieben und oft sind die kurzen Texte auch etwas zu wissenschaftlich geraten. Jedenfalls für ein Buch, das sich an die breite Masse richten und Menschen, die sonst nichts mit Philosophie am Hut haben, neugierig auf die Philosophen, ihre Gedankengebäude und das philosophische Denken machen soll. Davon abgesehen regen die Texte zum Nachdenken über die Wirklichkeit und auch darüber, was Geschichten über die Wirklichkeit aussagen, an. Warum, zum Beispiel, in neueren Krimis die Täter ihre Taten nicht mehr erklären können und was das über das Subjekt, den Menschen, aussagt. Denn früher gab es spätestens am Ende des Films eine lange Erklärung, warum der Mörder mordete. Woher das Böse kommt und warum so viele Kommissare alleinstehend sind und sich in ihre Arbeit flüchten, wird mit verschiedenen philosophischen Theorien erklärt; – wobei wir Lieutenant Columbo, der ja vor allem in den Siebzigern ermittelte, auch nur bei der Arbeit sehen und wir nichts über das Sexualleben von Hercule Poirot wissen.
Über den „Tatort“ im Speziellen bleiben die Autoren dagegen bei Allgemeinplätzen stehen, die auch auf fast jede andere Krimiserie übertragen werden kann.
Mich erinnerte das Buch jedenfalls daran, mal wieder einen philosophischen Text zu lesen.
–
Wolfram Eilenberger (Hrsg.): Der Tatort und die Philosphie – Schlauer werden mit der beliebtesten Fernsehserie Tropen, 2014 224 Seiten
17,95 Euro
–
Hinweise
Servus TV, 21.15 Weekend of a Champion (Großbritannien 1971, Regie: Frank Simon, Roman Polanski [ungenannt])
Drehbuch: Roman Polanski, Frank Simon
Fast nie gezeigte, von Roman Polanski produzierte spielfilmlange Dokumentation über den Formel-1-Rennfahrer Jackie Stewart und das Rennen von Monaco, der aus heutiger Sicht ein fast einzigartiger Blick in die Vergangenheit der Formel 1 ist, als sie noch wirklich gefährlich war.
„Langweilig inszenierter und montierter Pseudo-Dokumentarfilm voller Platitüden und Selbstbeweihräucherungen.“ (Lexikon des Internationalen Films)
mit Jackie Stewart, Helen Stewart, Roman Polanski, Nina Rindt, Graham Hill, Ringo Starr, Joan Collins
auch bekannt als „Weekend eines Champions“ (Kinotitel) Hinweise Rotten Tomatoes über „Weekend of a Champion“ Wikipedia über „Weekend of a Champion“
Der Kurd-Laßwitz-Preis, der Preis der deutschen Science-Fiction-Schaffenden, wurde vergeben:
Bester deutschsprachiger SF-Roman, Erstausgabe 2013:
• Wolfgang Jeschke: „Dschiheads“, Heyne
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Beste deutschsprachige SF-Erzählung, Erstausgabe 2013:
• Michael Marrak: „Coen Sloterdykes diametral levitierendes Chronoversum“ in: Hilscher/Iwoleit (Hrsg.): Nova 21, Nova Verlag
–
Bestes ausländisches Werk, deutschsprachige Erstausgabe 2013:
• Jo Walton: „In einer anderen Welt“ (Among Others), Golkonda
–
Beste Übersetzung ins Deutsche, erstmals erschienen 2013:
• Margo Jane Warnken für die Übersetzung von Julie Phillips’: „James Tiptree Jr. – Das Doppelleben der Alice B. Sheldon“ (James Tiptree, Jr.: The Double Life of Alice B. Sheldon), Septime
–
Beste Graphik zur SF (Titelbild, Illustration) einer deutschsprachigen Ausgabe, erstmals erschienen 2013:
• Pierangelo Boog für das Titelbild zu Moreau/Wipperfürth / Kemmler (Hrsg.): Exodus 30, Eigenverlag
–
Sonderpreis für herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen Science-Fiction 2013:
• Martin Kempf und sein Team vom „Fandom Observer“ für 300 Ausgaben des Szene-Magazins „Fandom Observer“ in 25 Jahren
–
Die Preisverleihung ist am Samstag, den 20. September, während der ElsterCon in Leipzig.
(via Die Zukunft)
Die Preisverleihung wird am Samstag, den 20. September im Rahmen des ElsterCons stattfinden, eines dreitägigen literarischen Symposiums zur Science-Fiction, im Haus des Buches in Leipzig.
• Jo Walton: „In einer anderen Welt“ (Among Others), Golkonda
Beste Übersetzung ins Deutsche, erstmals erschienen 2013:
• Margo Jane Warnken für die Übersetzung von Julie Phillips’: „James Tiptree Jr. – Das Doppelleben der Alice B. Sheldon“ (James Tiptree, Jr.: The Double Life of Alice B. Sheldon), Septime
Beste Graphik zur SF (Titelbild, Illustration) einer deutschsprachigen Ausgabe, erstmals erschienen 2013:
• Pierangelo Boog für das Titelbild zu Moreau/Wipperfürth / Kemmler (Hrsg.): Exodus 30, Eigenverlag
Sonderpreis für herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen Science-Fiction 2013:
• Martin Kempf und sein Team vom „Fandom Observer“ für 300 Ausgaben des Szene-Magazins „Fandom Observer“ in 25 Jahren
Best Hardcover P.I. Novel
• Little Elvises, von Timothy Hallinan (Soho Crime)
• The Mojito Coast, von Richard Helms (Five Star)
• W Is for Wasted, von Sue Grafton (Marian Wood/Putnam)
• The Good Cop, von Brad Parks (Minotaur)
• Nemesis, von Bill Pronzini (Forge)
–
Best First P.I. Novel
• A Good Death, von Christopher R. Cox (Minotaur)
• Montana, von Gwen Florio (Permanent Press)
• Blood Orange, von Karen Keskinen (Minotaur)
• Bear Is Broken, von Lachlan Smith (Mysterious Press)
• Loyalty, von Ingrid Thoft (Putnam)
–
Best Original Paperback P.I. Novel
• Seduction of the Innocent, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)
• Into the Dark, von Alison Gaylin (HarperCollins)
• Purgatory Key, von Darrell James (Midnight Ink)
• Heart of Ice, von P.J. Parrish (Pocket)
• The Honky Tonk Big Hoss Boogie, von Robert J. Randisi (Perfect Crime)
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Best P.I. Short Story
• So Long, Chief, von Max Allan Collins und Mickey Spillane (The Strand Magazine, February-May 2013)
• The Ace I, von Jack Fredrickson (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2013)
• What We Do, von Mick Herron (EQMM, September-October 2013)
• Extra Fries, von Michael Z. Lewin (EQMM, May 2013)
• The Lethal Leeteg, von Hayford Peirce (EQMM, August 2013)
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Best Indie P.I. Novel
• Murder Take Three, von April Kelly und Marsha Lyons (Flight Risk)
• A Small Sacrifice, von Dana King (Amazon Digital)
• No Pat Hands, von J.J. Lamb (Two Black Sheep)
• State vs. Lassiter, von Paul Levine (CreateSpace)
• Don’t Dare a Dame, von M. Ruth Myers (Tuesday House)
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Die Preisverleihung ist am Freitag, den 14. November, während der Bouchercon in Long Beach, Kalifornien.
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Herrje, da sollten ein, zwei, drei Verlage mal wieder einige Übersetzeraufträge vergeben. Denn, soweit ich den es überblicke, ist noch kein nominierter Roman übersetzt worden und dabei sind die Shamus Awards in der Szene wirklich angesehen. Außerdem sind einige sehr alte Bekannte, wie Mickey Spillane, Max Allan Collins, Robert J. Randisi, Bill Pronzini und Sue Grafton, dabei. (via The Rap Sheet)
Obwohl „Grand Piano“ nicht besonders lang ist – ohne Abspann ist die Geschichte nach knapp 75 Minuten vorbei – ist der Thriller keine Minute zu lang, weil er trotz aller Spannung seine idiotische Prämisse nicht verleugnen kann.
Ein Unbekannter erpresst den Starpianisten Tom Selznick (Elijah Wood mit unangenehm starrem Blick), der nach einer fünfjährigen Konzertpause mit einem großen Orchester und einem ganz besonderem Piano vor großer Kulisse auftritt. Wenn Selznick während des Konzertes einen Spielfehler macht, eine falsche Taste anschlägt, wird er ihn erschießen. Und als Beweis für seine Ernsthaftigkeit schießt er gleich einmal, während des Konzertes, neben das Piano auf den Bühnenboden.
Selznick spielt also wirklich um sein Leben. Vor allem nachdem er das unspielbare Stück, an dem er schon einmal vor fünf Jahren scheiterte (damals ohne schießwütige Motivationshilfe), spielen soll. Gleichzeitig versucht er herauszufinden, wer der Unbekannte ist.
Das hat, wenn Selznick gleichzeitig spielt, mit dem Erpresser telefoniert und Textnachrichten verschickt, eine beträchtliche Spannung. Vor allem, solange das Motiv des Bösewichts unklar ist.
Allerdings ist die ganze Geschichte nicht besonders glaubwürdig. Ein Erpresser, der seinem Opfer Angst einjagt, um ihn zum fehlerfreien Spielen anzuleiten, hat eigentlich genau die Methode erwischt, die sein Ziel besonders gut sabotiert. Dass dann Selznick ein so guter Pianist ist, dass er während des Konzerts gleichzeitig spielt und telefoniert, auch mal schnell von der Bühne verschwindet, gehört in das Land der Fantasie, in dem sich niemand über so ein seltsames Verhalten wundert und Multitasking ein leistungssteigerndes Elixier ist.
Sowieso taugt das Motiv des Bösewichts allenfalls als schlechter MacGuffin. Seine Ziele hätte er auf vielen anderen Wegen einfacher und sicher auch erfolgreicher erreichen können.
„Grand Piano“ ist eine Übung in Suspense, bar jeglicher psychologischen Glaubwürdigkeit und Erklärungen. Ein kaltes, mechanisches Stück, das mit seiner technischen Bravour und seinem optischen Einfallsreichtum beeindruckt und auch eine Liebeserklärung an Alfred Hitchcock, den Master of Suspense ist.
Grand Piano – Symphonie der Angst (Grand Piano, Spanien 2013)
Regie: Eugenio Mira
Drehbuch: Damien Chazelle
mit Elijah Wood, John Cusack, Kerry Bishé, Tamsin Egerton, Don McManus, Dee Wallace
– DVD
Koch Media
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Moviepilot über „Grand Piano“ Metacritic über „Grand Piano“ Rotten Tomatoes über „Grand Piano“ Wikipedia über „Grand Piano“
Die erste Staffel von „Vikings“ lief gerade im Free-TV und wurde auf DVD veröffentlicht, da kann der geneigte Wikinger-Fan sich bei Amazon Prime Instant Video bereits die komplette zweite Staffel, wahlweise auf Deutsch oder auf Englisch ansehen.
Die zweite Staffel beginnt mit einer ziemlich blutigen Klopperei zwischen den Männern von Ragnar und Rollo. Das Scharmützel endet erst, als Rollo seinen Bruder nicht töten kann und er sich ergibt. Fortan ist er im Wikinderdorf nur noch leidlich gelitten, aber die meiste Zeit der ersten und zweiten Folge wird sich dann auf das Dorfleben, lässliche Eheprobleme, wie wir sie aus Soap Operas kennen, und der Vorbereitung einer Überfahrt nach England konzentriert.
Gegen Ende der zweiten Episode kommen Ragnar und seine Männer in England an und sie werden auch gleich angegriffen. Sie können die Männer von König Egbert besiegen und wir können vermuten, dass wir in den weiteren Folgen der aus zehn Episoden bestehenden zweiten „Vikings“-Staffel mehr von ihren englischen Abenteuern erfahren.
Dass ich kein großer Freund von Mittelalter- und Fantasy-Filmen bin, dürfte euch nicht überraschen. Aber ich bin auch begeisterungsfähig. Wenn die Story gut ist, wenn es irgendwie überraschend ist, wenn es spannend ist, bin ich dabei.
Aber „Vikings“ bewegt sich dann doch zu sehr in vertrauten Gewässern und gerade die ersten beiden Folgen plätschern teilweise unerträglich vor sich hin. Mögliche Konflikte, vor allem zwischen den beiden Brüdern, zwischen Ragnars Ehefrau und seiner schwangeren Geliebten, zwischen Rollo, dem geächteten Verräter und Fast-Brudermörder, und der Dorfbevölkerung, zwischen den Wikingern und den Göttern werden kaum angesprochen. Sowieso sind die meisten Dorfbewohner für die Geschichte vollkommen nebensächlich. Auch die Hauptcharaktere bleiben blass. Intrigen gibt es keine; wobei so eine richtige Intrige mit Palastrevolution in einem kleinen Dorf schwer zu organisieren ist. Und nachdem Ragnar sich auf den Weg nach England macht, verabschiedet sich die Dorfgemeinschaft aus der Geschichte. Allerdings, wie ein Blick in die Episodenguide verrät, nur vorläufig.
Gut, die ersten beiden Episoden der zweiten Staffel (und mehr kenne ich nicht) sind nur der Auftakt, in dem – hoffentlich – einiges für die restlichen acht Episoden vorbereitet wird, aber für sich alleine stehend, sind sie langweilig.
Abgesehen von der graphischen Gewalt bei den beiden Kämpfen (am Anfang der ersten und am Ende der zweiten Episode) zeigt „Vikings“ nichts, was nicht auch schon vor Jahren in einer TV-Serie gezeigt wurde.
„Vikings“-Erfinder Michael Hirst ist auch verantwortlich für die hochgelobte TV-Serie „Die Tudors“ und die Filme „Elizabeth“ und „Elizabeth – Das goldene Königreich“, beide mit Cate Blanchett in der Hauptrolle.
Vikings – Staffel 2(Vikings, Irland/Kanada 2014)
Regie: Ciarán Donnelly
Drehbuch/Idee: Michael Hirst
mit Travis Fimmel, Katheryn Winnick, Clive Standen, Jessalyn Gilsig, Gustaf Skarsgård, George Blagden, Alexander Ludwig, Alyssa Sutherland, Donal Logue, Linus Roache
– Hinweise Amazon über „Vikings“
Ich könnte jetzt sagen: k. w. T., aber das wäre arg unhöflich und es gibt schon einiges zu sagen. Immerhin ist das „Lexikon des Internationalen Films“ das letzte jährlich erscheinende Filmlexikon, das jeden Film aufnimmt, der im letzten Jahr in Deutschland im Kino, im Fernsehen oder auf DVD und Blu-ray erstmals gezeigt wurde; was bei einigen Filmen wirklich eine beachtliche Leistung ist, weil die Werke wirklich nicht gut sind und dabei meine ich nicht „Movie 43“.
Diese Kurzkritiken von über zweitausend Spiel- und Dokumentarfilmen, mit Stabangaben und, bei DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen, dem Bonusmaterial und verschiedenen Schnittfassungen (vor allem bei Action- und Horrorfilmen), sind das Herzstück des von der Zeitschrift „Filmdienst“ und der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegebenen Buches.
Außerdem werden die Gewinner wichtiger Filmfestivals und Filmpreise genannt. Es gibt einen kritisch-informativen Rückblick auf das vergangene Kinojahr. Inzwischen mit einer kleinen Liste der besucherstärksten Kinofilme und Arthouse-Filme, die ja ein kleineres Publikum als „Fuck Ju Göhte!“ und „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ ansprechen. So erfahren wir, dass 125.000 Menschen „Blau ist eine warme Farbe“ und „The Broken Circle“ und 120.000 Menschen das epische, gut vierstündige Werk „Die andere Heimat“ ansahen, was ich wegen der Länge, der Erzählweise und dem Stil für eine überragende Besucherzahl halte. Im Brevier sind dieses Mal Beiträge gesammelt, die in den vergangenen zwanzig Jahren im „Filmdienst“ erschienen und sich mit verschiedenen Aspekten des derzeit sehr erfolgreichen Animationsfilms beschäftigen.
Außerdem gibt es ausführliche Besprechungen zu den Kinofilmen, die die Redaktion für die besten des vergangenen Jahres hält. Es sind „Zero Dark Thirty“, „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“, „Blue Jasmine“, „Die wilde Zeit“, „Only Lovers left alive“, „To the Wonder“ (der mir absolut nicht gefiel), „Django Unchained“, „Blau ist eine warme Farbe“, „Frances Ha“, „Mutter & Sohn“ und, als Spezialpreis, Ulrich Seidls Paradies-Trilogie.
Wie immer: das „Lexikon des Internationalen Films“ ist ein empfehlenswerter Schmöker, der in seiner Kompaktheit und Treffsicherheit bei den Bewertungen, auch wenn die Macher bei den TV-Spielfilmen oft etwas gnädig sind, einzigartig ist. Außerdem entdeckt man immer noch einige Filme, die man sich demnächst unbedingt ansehen will.
– Horst Peter Koll/Filmdienst (Hrsg.): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2013 Schüren, 2014 576 Seiten
24,90 Euro
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Wegen des Fußballspiels läuft heute wohl das gesamte restliche Fernsehprogramm unter „ferner liefen“, aber ZDFkultur hat etwas feines im Archiv gefunden:
ZDFkultur, 20.55 Eric Clapton: Crossroads (USA 2013)
ZDFkultur, 22.00 Mumford & Sons: Live – The Road to Red Rocks (USA 2012)
„Crossroads“ dokumentiert das vierte „Crossroads“-Konzert vom 12. April 2013 in der New Yorker Madison Square Hall. Mit gewohnt hochkarätigen Gästen und viel Blues.
Folkiger wird es mit „Mumford & Sons“ bei ihrem Konzert im Red Rocks Amphitheatre in Colorado.
Das klingt nach zwei Stunden feiner Musik. Hinweise
ZDFkultur über „Eric Clapton: Crossroads“ und „Mumford & Sons“
Wikipedia über Eric Clapton (deutsch, englisch) und „Mumford & Sons“ (deutsch, englisch)