Neu im Kino/Filmkritik: Donald Rumsfeld erklärt „The Unknown Known“

Juli 3, 2014

Der Mann ist ein netter Onkel.
Der Mann ist Donald Rumsfeld – und er ist kein netter Onkel. Jedenfalls wenn es um Politik geht. Er ist ein Falke, ein Rechtsaussleger, der nach dem 11. September 2001 seinen mehr als beträchtlichen Teil zum Krieg gegen den Terror beitrug, der Folter rechtfertigte und mehrere Kriege befürwortete. Davor war der 1932 geborene Protestant jahrzehntelang ein wichtiger Mann in Washington, ein Vertrauter von Richard Nixon, Gerald Ford, Ronald Reagan und George W. Bush, zweimal Verteidigungsminister (1975 – 1977, 2001 – 2006) und seit 1954 mit Joyce Pierson verheiratet. Während seines Lebens schrieb er zehntausende Notizen und Memoranden. Allein 20.000 während der Präsidentschaft Bushs als er Verteidigungsminister war. Rumsfeld sagte, er schrieb die Texte, um sich über sein Denken, seine Positionen, klar zu werden. Aus heutiger Sicht sind die Papiere, auch wenn ihr genauer Status für künftige Historikergenerationen und sicher auch für den Verfasser unklar ist, ein Einblick in Rumsfelds Denken und die Geschichte der USA.
Dokumentarfilmer Errol Morris („A Thin Blue Line“ [Der Fall Rachel Adams], „The Fog of War“ und sein Abu-Ghraib-Film „Standard Operating Procedure“) nahm diese Papiere zur Grundlage für sein 33-stündiges Interview mit Donald Rumsfeld, in dem Rumsfeld seine Sicht der Dinge erzählt. Morris konfrontiert ihn dabei fast nie direkt mit seinen früheren Aussagen. Dennoch wird schnell deutlich, dass Rumsfeld wirklich kein Denker ist. Er ist auch kein Mann, der zu seinen Entscheidungen und damit auch Fehlern steht. Sogar wenn er auf widersprüchliche Aussagen von ihm hingewiesen wird, negiert er die älteren Aussagen als ob es sie überhaupt nicht gäbe. Er blendet einfach die ihm ungenehmen und nicht in sein Weltbild passenden Dinge aus. Diese absolut fehlende Selbstkritik wird besonders deutlich, wenn er auf die von ihm damals zunächst negierte, später gerechtfertigte Folter von US-Streitkräften nach 9/11 oder den von ihm forcierten Einmarsch in den Irak angesprochen wird.
Der glänzent inszenierte Film ist auch ein Rückblick auf Rumsfelds Leben. 1962 wurde er erstmals in das Repräsentatenhaus gewählt. Seitdem verbrachte er, mit kurzen Ausflügen in die Wirtschaft, sein Leben in Washington, D. C., und Morris gelingt es in dichten Montagen diese Jahrzehnte Revue passieren zu lassen.
Wie ein musikalisches Leitmotiv zieht sich dabei Donald Rumsfeld Spruch von dem „unbekannte Bekannte“ durch den gesamten Film und am Ende des Films hat mein eine durchaus erschreckende Kenntnis über „jene Dinge, die wir zu wissen glauben, wobei es sich herausstellt, dass dies nicht der Fall ist“. Rumsfeld glaubten wir zu kennen. Wir glaubten auch, dass er eine tiefergehende, uns verborgene Agenda hat. Aber genau das hat er nicht. Er ist wie ein gut verschlossener Tresor, in dem Nichts drin ist.
Errol Morris‘ Frau Julia vergleicht Donald Rumsfeld mit der Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“.
Die meisten Deutschen dürften diese gedankliche Leere von Donald Rumsfeld in „The Unknown Known“ nur spüren. Denn Errol Morris erwähnt nur die nötigsten Hintergründe, während er von einem informierten Publikum ausgeht, das den Vietnam-Krieg, die Reagan- und Bush-Präsidentenjahre und die ideologischen Hintergründe der US-Politik kennt. Insofern empfiehlt es sich durchaus, vor dem Filmbesuch ein wenig im Geschichtsbuch zu blättern. Der Film wird dadurch noch besser – und auch erschreckender.

The Unkown Kown - Plakat - 4

The Unknown Known (The Unknown Known, USA 2013)
Regie: Errol Morris
Drehbuch: Errol Morris
mit Donald Rumsfeld
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (Original mit deutschen Untertiteln)
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Berlinale: Pressekonferenz zum Film
Film-Zeit über „The Unknown Known“
Moviepilot über „The Unknown Known“
Metacritic über „The Unknown Known“
Rotten Tomatoes über „The Unknown Known“
Wikipedia über „The Unknown Known“ und Donald Rumsfeld (deutsch, englisch)

Homepage von Errol Morris

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Und jetzt – als inoffiziellesMega-Making-of – noch einige Interviews mit Errol Morris über „The Unknown Known“

DP/30 unterhält sich mit Errol Morris

Harvard University: Homi Bhabha, Direktor des Mahindra Humanities Center, unterhält sich mit Errol Morris nach einer Präsentation des Films

Reason TV unterhält sich mit Errol Morris

Vice TV: Reihan Salam unterhält sich mit Errol Morris

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Tammy – Voll abgefahren“, aber etwas ziellos

Juli 3, 2014

„Tammy – Voll abgefahren“ ist eine Mogelpackung. Denn der neue Film von und mit Melissa McCarthy ist nur am Anfang eine Komödie. Da wird ihr Auto von einem Hirsch gestoppt. Das Tier überlebt, Ihr Auto ist dagegen ziemlich demoliert. Kurz darauf wird sie von ihrem Chef (Ben Falcone) gefeuert. In einem sinnlosen Wutanfall wirft sie mit Lebensmitteln (soweit das über Fastfood-Kost gesagt werden kann) um sich. Sie fährt nach Hause und erwischt ihren Göttergatten mit einer anderen Frau.
Tammy hat genug. Sie will abhauen, aber nur ihre Oma Pearl (Susan Sarandon, auf steinalt frisiert) verfügt über genug Geld und, was noch wichtiger ist, ein Auto. Die beiden gegensätzlichen Frauen, die in den vergangenen Jahrzehnten wahrscheinlich keine drei Worte miteinander wechselten, machen sich auf den Weg zu den Niagara-Fällen, die Pearl schon immer besuchen wollte. Sagt sie. Außerdem ist Pearl Trinkerin, sexuellen Freuden nicht abgeneigt und sie vergisst schon einmal ihre Tabletten. Einige Tabletten hat sie auch durch wirksamere Medikamente bei dem jugendlichen Drogenhändler um die Ecke eingekauft. Kurz: sie ist vollkommen verantwortungslos.
Bei dieser Prämisse könnte „Tammy“ eine weitere „Hangover“-Variante mit Frauen werden. Auch der Trailer schlägt in diese Kerbe und damit weit daneben. Denn ziemlich schnell wird „Tammy“ immer ernster und zu einer sehr interessanten Variante von Alexander Paynes grandiosem Road-Movie „Nebraska“. Denn beide Male geht es bei dieser Reise, die ein Kind mit einem Elternteil (beziehungsweise Großelternteil) unternimmt, um ein letztes Kennenlernen der Generationen, um Versöhnung und auch um neue Lebensperspektiven. In „Nebraska“ sagt der Sohn auch ausdrücklich, dass diese Reise die letzte Gelegenheit sei, um mit seinem zunehmend dement werdendem Vater, der auch ein Alkoholiker ist, noch einige Tage zu verbringen. In „Tammy“ ist die Reise für Tammy wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, aus ihrem Leben auszubrechen. Denn bislang endete jede ihrer Fluchtversuche an der Stadtgrenze. Für Pearl ist es die letzte Möglichkeit, noch einmal etwas anderes zu sehen. Dabei geht es in beiden Filmen um die Reise und die Selbsterkenntnisse der Charaktere. Denn das Ziel – ein falscher Lottogewinn, ein Besuch der Niagara-Fälle – ist nebensächlich. Beide Male geht es auch um Familienbeziehungen. So treffen Tammy und Pearl auf ihrer Reise auch Pearls Cousine Lenore (Kathy Bates), die als bekennende Lesbe ein Leben weitab der Konventionen von Tammys Leben führt.
Aber während „Nebraska“ ein in sich geschlossenes melancholisches SW-Drama ist, ist „Tammy“ eine Komödie, die zu einem Drama wird und die mehr aus Einzelteilen als aus der Summe der Teile besteht. So ist „Tammy“ nie so gut, wie er sein könnte, aber die Komödie ist doch ein Schritt weg von dem inzwischen bekannten Melissa-McCarthy-Fahrwasser. Ich sage nur „Brautalarm“, „Voll abgezockt“ und „Taffe Mädels“.
Wieder beweist Melissa McCarthy einen herrlichen Hang zu unvorteilhaften Kleidern, wilden Frisuren und Schminkkatastrophen. Hässlicher sah wohl schon lange kein Star mehr aus. Wenn man weiß, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann Ben Falcone das Drehbuch schrieb, sie den Film mitproduzierten und Falcone hier sein Regiedebüt gab, dann sagt das einiges über die Eitelkeit von Melissa McCarthy aus. Und wohin sie sich in kommenden Filmen bewegen könnte. Denn unter der Komödie scheint auch immer eine gesellschaftskritische und liberale Agenda durch, die auch einen Traum von einem anderen Amerika zeigt.
Insofern ist „Tammy“ ein sehr interessanter filmischer Bastard, den ich trotz seiner Fehler mag. Dazu trägt auch die gute Besetzung bei. Neben Susan Sarandon und Kathy Bates spielen auch Dan Akroyd, Toni Colette und Sandra Oh in kleinen, aber wichtigen Rollen mit. Und „The Descendants“- und „Ganz weit hinten“-Drehbuchautor Nat Faxon spielt Tammys Ehemann, der für die falsche Frau Essen kocht.

Tammy - Plakat

Tammy – Voll abgefahren (Tammy, USA 2014)
Regie: Ben Falcone
Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone
mit Melissa McCarthy, Susan Sarandon, Allison Janney, Gary Cole, Dan Akroyd, Kathy Bates, Nat Faxon, Toni Colette, Sandra Oh, Ben Falcone
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Tammy“
Moviepilot über „Tammy“
Metacritic über „Tammy“
Rotten Tomatoes über „Tammy“
Wikipedia über „Tammy“
Meine Besprechung der Melissa-McCarthy-Filme „The Nines – Dein Leben ist nur ein Spiel“ (The Nines, USA 2007), „Voll abgezockt“ (Identity Thief, USA 2013) und „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

–

Zwei Interviews mit Melissa McCarthy über „Tammy“


Die KrimiZeit-Bestenliste Juli 2014

Juli 3, 2014

Irgendwo zwischen Weltmeisterschaft, Sommerferien und Blockbusterkino legt die Juli-KrimiZeit-Bestenliste mit ihrer aktuellen Empfehlungsliste eine kriminelle Landung hin:
1 (-) Olen Steinhauer: Die Kairo-Affäre
2 (5) Tom Hillenbrand: Drohnenland
3 (10) André Georgi: Tribunal
4 (-) Adrian McKinty: Die Sirenen von Belfast
5 (-) Anne Goldmann: Lichtschacht
6 (4) Leonardo Padura: Ketzer
7 (6) Benjamin Percy: Roter Mond
8 (8) Daniel Woodrell: In Almas Augen
9 (1) Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht
10 (2) Ross Thomas: Fette Ernte
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
–
McKinty ist jetzt drin. Fein. Goldmann sollte ich unbedingt anlesen. Bisher habe ich nur lobende Worte über sie gehört.
Woodrell wird demnächst, mit dem neuen Carl Hiaasen, besprochen. Ich war als tiefgläubiger, devoter Fan von beiden Romanen sehr enttäuscht.
Aber jetzt lache ich mich durch “Mit High Heels und Handschellen” von Janet Evanovich (Stephanie Plum) und Lee Goldberg (die Adrian-Monk-Romane). Der Serienauftakt, in dem eine FBI-Agentin und ein Trickbetrüger gemeinsam Verbrecher jagen, ist sicher nichts, was es jemals auf die KrimiZeit-Bestenliste schaffen wird, aber der witzige Kriminalroman bietet rundum gute und kurzweilige Unterhaltung.


TV-Tipp für den 3. Juli: Die Truman Show

Juli 3, 2014

Kabel 1, 22.25

Die Truman Show (USA 1998, Regie: Peter Weir)

Drehbuch: Andrew Niccol

Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.

Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.

„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti

Wiederholung: Freitag, 4. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Truman Show“

Wikipedia über „Die Truman Show“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Truman Show” von Andrew Niccol

Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013)

Meine Besprechung der „Peter Weir Collection“ (mit „Die Autos, die Paris auffrassen“, „Picknick am Valentinstag“, „Die letzte Flut“ und „Wenn der Klempner kommt“)


„Green on Red“ 1985 in Deutschland

Juli 2, 2014

Ein ganz altes Konzert der Kultband; – was heißt, dass niemand sie kennt. Aber das können wir ändern:

Mehr über „Green on Red“ auf ihrer Homepage, bei All Music und bei Wikipedia (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Juli: Lolita

Juli 2, 2014

3sat, 23.15

Lolita (Großbritannien/USA 1962, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Wiederholung: Sonntag, 6. Juli, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte: Lars Penning über „Lolita“

Rotten Tomatoes über „Lolita“

Wikipedia über “Lolita” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juli 1, 2014

Dibdin - Vendetta


TV-Tipp für den 1. Juli: Aurelio Zen: Vendetta

Juli 1, 2014

ZDFneo, 21.40
Aurelio Zen: Vendetta (Großbritannien 2010, Regie: John Alexander)
Drehbuch: Simon Burke
LV: Michael Dibdin: Vendetta, 1991 (Vendetta)
Aurelio Zen soll sich noch einmal die Beweise in einem abgeschlossenen Mordfall ansehen. Der Bauunternehmer Faso wurde in seiner Villa ermordet und es gibt auch einen Täter, der die Tat allerdings hartnäckig leugnet. Als Zen sich auf Sardinien den Tatort ansieht, entdeckt er eine neue Spur. Gleichzeitig will Tito Spadola sich an den Menschen rächen, die ihn aus seiner Sicht unschuldig in den Knast brachten. Einer von ihnen ist Aurelio Zen.
Erster von nur drei „Aurelio Zen“-Krimis, die alle als elegante südländische Kriminalfilme mit tiefen Verbeugungen in Richtung Noir und Neorealismus überzeugen.
Mit Rufus Sewell, Caterina Murino, Stanley Townsend, Ben Miles, Vincent Riotta, Catherine Spaak

Hinweise

BBC über „Aurelio Zen“

BBC Germany über “Aurelio Zen”

Wikipedia über „Aurelio Zen“

Krimi-Couch über Michael Dibdin

Kriminalakte über Michael Dibdin

Meine Besprechung von „Aurelio Zen“ (Aurelio Zen, Großbritannien 2010)


Die besten und schlechtesten Filme des Kinojahres 2014 – bis jetzt

Juni 30, 2014

Wie war das erste Kinohalbjahr 2014? Was waren für mich die besten und schlechtesten Filme?
Ohne besondere Reihenfolge, die Top Five:
Grand Budapest Hotel
All is lost
Nebraska
The Wolf of Wall Street
Philomena
–
Und, ebenfalls ohne besondere Reihenfolge, die Bottom Five:
I, Frankenstein
…und Äktschn!
Vaterfreuden (aka „Der neue Schweighöfer!“)
Tarzan 3D
Noah
–
In die Top-Five hat es kein deutscher Film geschafft. Noch nicht einmal in die engere Auswahl, aber dafür sind drei deutsche Filme bei den Bottom-Five und weitere waren in der engeren Auswahl. In der engeren Auswahl waren auch einige Action-Filme, bei denen anscheinend auf ein Drehbuch verzichtet wurde und im Schnitt die Action-Szenen zerschrettert wurden. Das schlechte Abschneiden der deutschen Filme liegt vor allem an den grottenschlechten Drehbüchern. Da helfen dann auch nicht mehr die Schauspieler, die Kamera, undsoweiter.
Und wenn ich mir meine engere Auswahl bei den Bottom-Five ansehe, wird „Transcendence“ am Jahresende sicher eine Erwähnung als größte Enttäuschung des Jahres finden. „Noah“ dagegen, der Bibel-Film von Darren Aronofsky, ist einfach ein schlechter Film.
Zu den Top-Five gibt es eigentlich wenig zu sagen: es ist halt meistens grandioses Schauspielerkino mit guten Geschichten und guten Schauspielern.
Und das „Grand Budapest Hotel“ macht einfach glücklich.


TV-Tipp für den 30. Juni: Du kannst anfangen zu beten

Juni 29, 2014

Hessen, 01.10 (VPS 01.05 Uhr)
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“
Hinweise
Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Juni: Mel Brooks‘ Spaceballs

Juni 28, 2014

RTL II, 20.15

Spaceballs (USA 1987, R.: Mel Brooks)

Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham

Mel Brooks verarscht „Krieg der Sterne“ – und den ganzen Rest.

George Lucas las vor dem Dreh das Buch und er gab Mel Brooks sein Okay.

Mit Mel Brooks, John Candy, Rick Moranis, Bill Pullman, Daphne Zuniga, Dick Van Patten, Michael Winslow, John Hurt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spaceballs“

Wikipedia über „Spaceballs“ (deutsch, englisch)

Umfangreiche „Spaceballs“-Fanseite


DVD-Kritik: Über die Science-Fiction-Serie „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein“

Juni 28, 2014

Auf der einen Seite verstehe ich die Begeisterung für „Orphan Black“. Die Serie hat eine gute Prämisse und die Hauptdarstellerin ist genial. Immerhin muss Tatiana Maslany sieben Rollen spielen, unter anderem eine Polizistin, eine Kleinkriminelle, eine Soccer-Mom, eine nerdige Wissenschaftlerin und eine religiöse Fanatikerin. Allerdings wirkt die 1985 geborene Tatiana Maslany immer viel zu jung für ihre Rolle; – vor allem für die der erfahrenen Polizistin.
Diese wirft sich in den ersten Minuten der Serie vor einen Zug. Sarah Manning, die das beobachtet, schnappt sich die Tasche der Toten und verschwindet. Sie hat wegen eines Drogendiebstahls mächtig Ärger und will untertauchen. Eine neue Identität scheint da ein guter Ausweg zu sein. Vor allem wenn die neue Identität an eine hübsche Wohnung gekoppelt ist. Dummerweise war Beth Childs Polizistin, die gerade ein Verfahren wegen eines dubiosen tödlichen Schusswaffeneinsatzes im Dienst hat.
Und dann setzt sich eine junge Frau in ihr, also in Childs‘ Auto. Sie sieht wie eine weitere, ihr unbekannte Zwillingsschwester aus und sie wird sofort erschossen.
Als Sarah kurz darauf die Vorstadt-Mutter Alison Hendrix und die Doktorandin Cosima Niehaus trifft, erfährt sie, dass sie alle Klone sind, es vielleicht noch weitere Klone gibt (Ja!) und jemand sie töten will. Sie haben allerdings keine Ahnung wer sie warum töten will. Sie wissen auch nicht, warum es sie gibt und woher sie kommen.
Wenn bei „Orphan Black“ nur die Hauptdarstellerin immer zu jung – eher wie eine Zwanzigjährige und nicht wie eine Dreißigjährige – gewirkt hätte, hätte mir die aus zehn 45-minütigen Folgen bestehende erste Staffel der Serie als Science-Fiction-Thrillerserie gefallen können.
Aber es gibt immer wieder extrem unwahrscheinliche Momente: so bemerkt Beths Partner Art Bell nicht, dass er mit einer anderen Person arbeitet. Auch keiner ihrer anderen Arbeitskollegen bei der Polizei oder ihr Freund wird misstrauisch.
Außerdem bildet die erste Staffel eher den Auftakt für die weiteren Staffeln, die beim Dreh noch nicht absehbar waren. Entsprechend wenig erfahren wir über die Hintergründe. Eigentlich erfahren wir nur, wer ihr Schöpfer ist, wer der unbekannte Mörder ist (aber nichts über die Hintermänner) und dass beide Fraktionen quasi unendliche Ressourcen haben. Das ist dann doch etwas wenig für zehn Folgen. Auch weil der Science-Fiction-Anteil immer wieder heruntergespielt wird; was auch daran liegt, dass die Serie in der Gegenwart spielt und damit die Klone Mitte der achtziger Jahre gezeugt wurden. Die auf der Hand liegenden philosophischen Fragen bleiben immer vernachlässigbar. Also Fragen nach der Individualität von Klonen, dem damit verbundenen Konflikt zwischen Freiheit des Einzelnen und genetischer Vorherbestimmung, die den Klonen keinen Raum für Individualität gibt und der Rolle des sozialen Umfeldes. Der Thrilleranteil ist nie so spannend wie möglich. Die globale Verschwörung, – immerhin wurden die Klonen in verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten geboren -, erschöpft sich weitgehend in einem doppelten Spiel der engsten Freunde und Freundinnen der Klone. Dabei läge hier noch einiges an Potential, das vielleicht in den kommenden Folgen ausgeschöpft wird. Eine dritte Staffel ist bereits bestellt. Und die Aufklärung am Ende der ersten Staffel ist unbefriedigend; jedenfalls, was ja bei mauen Quoten möglich gewesen wäre, als potentielles Serienende.
So wirkt die erste Staffel wie ein zu lang geratener Prolog; – was auch verständlich ist: immerhin will Serienerfinder Graeme Manson die Geschichte von Sarah Manning über acht Staffeln und einen Kinofilm erzählen. Da will man in den ersten Stunden nicht alles enthüllen. Dennoch hätte er in der ersten Staffel mehr über die Hintergründe verraten, die Geschichten dichter miteinander verbinden und einige durchaus vergnügliche Subplots, die den Hauptplot nicht voran bringen, weglassen können.
Als Bonusmaterial gibt es eine halbe Stunde Infos, von denen die Statements der Macher und der Hauptdarstellerin interessant sind. Vor allem, wenn gezeigt wird, wie die Szenen entstanden, in denen Tatiana Maslany sich in einem Raum mit ihren Klonen unterhält. Aber insgesamt ist das Bonusmaterial eine Ansammlung von eher uninteressanten Werbeschnipseln.

Orphan Black - Staffel 1 - DVD-Cover

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 1 (Orphan Black, Kanada 2013)
Regie: John Fawcett (Episode 1, 2, 6, 10), David Frazee (Episode 3), Grant Harvey (Episode 4), T. J. Scott (Episode 5, 9), Brett Sullivan (Episode 7), Ken Girotti (Episode 8)
Drehbuch: Graeme Manson (Episode 1, 2, 3, 10), Karen Walton (Episode 4), Alex Levine (Episode 5, 9), Will Pascoe (Episode 6), Tony Elliott (Episode 7), Karen Walton (Episode 8)
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
mit Tatiana Maslany (Sarah Manning und ihre Klone), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Skyler Wexler (Kira), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis), Michael Mando (Vic), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)
–
DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Send in the Clones, Orphan Black on the Nerdist, Insiders
Länge: 400 Minuten (10 x 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
BBC über „Orphan Black“

BBC America über „Orphan Black“

Space über „Orphan Black“

ZDF über „Orphan Black“

Moviepilot über „Orphan Black“

Rotten Tomatoes über „Orphan Black“ (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 28. Juni: Nur die Sonne war Zeuge

Juni 27, 2014

RBB, 22.20

Nur die Sonne war Zeuge (Frankreich/Italien 1960, Regie: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung „Die zwei Gesichter des Januars“ (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 27. Juni: Leverage: Bruchlandung/Auf dünnem Eis

Juni 27, 2014

Vox, 22.10
Leverage: Bruchlandung/Auf dünnem Eis (USA 2012, Regie: John Rogers, Marc Roskin)
Drehbuch: John Rogers, M. Scott Veach, Paul Guyot
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
Das wurde aber auch Zeit: arg lieblos strahlt Vox die fünfte und letzte Staffel der witzigen Gaunerserie „Leverage“ aus. In den USA lief sie bereits vor zwei Jahren. In fünfzehn Folgen helfen Nathan Ford und sein aus Verbrechern bestehendes Team Menschen, denen sonst niemand hilft, gegen die ganz großen Gauner.
Wer mehr „Leverage“ will: In den USA erschienen nach dem Serienende die von der Serie inspierierten „Leverage“-Romane „The Zoo Job“ von Keith R. A. DeCandido, „The Con Job“ von Matt Forbeck und „The Bestseller Job“ von Greg Cox.
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison)

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

“Leverage”-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel II” (Leverage – Season II, USA 2009/2010)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel III“ (Leverage – Season III, USA 2011)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel IV“ (Leverage – Season IV, USA 2011/2012)

 


Ein Terrorist, ein Ganove, ein „Ausbruch“ – ein neuer Roman von Dominique Manotti

Juni 26, 2014

Manotti - Ausbruch

Mit der Politik kam der kleine Ganove Filippo Zuliani erstmals im Gefängnis in Kontakt. Denn sein Zellennachbar war Carlo Fedeli, ein bekanntes Mitglied der „Roten Brigaden“, der ihm abends in der Zelle von seinen Kämpfen mit seinen Gefährten gegen den faschistoiden italienischen Staat und für eine gerechte Gesellschaft erzählte. So erhielt Filippo seine politische Bildung und als er Carlo bei der Flucht beobachtet, flieht er mit seinem Freund, der ihm nichts von der Flucht erzählte. Kurz nach der Flucht trennen sich ihre Wege. Als der ziellos durch Italien wandernde Filippo erfährt, dass Carlo in Mailand bei einem Banküberfall erschossen wurde und er als Mittäter gesucht wird, flüchtet er von Italien nach Paris. Dort wird er von Carlos im Exil lebenden Kampfgefährten aufgenommen, die allerdings wenig mit dem dreiundzwanzigjährigem, ungebildeten Straßengangster zu tun haben wollen. Immerhin vermitteln sie ihm einen Job als Nachtwächter und während der Arbeit beginnt Filippo seine Interpretation seiner Freundschaft und gemeinsamen Flucht mit Carlo aufzuschreiben.
„Ausbruch“, der neue Roman von Dominique Manotti, ist ein Krimi, der kein Krimi ist. Obwohl es um Verbrecher, Terroristen, Verschwörungen, Lug und Trug geht, unterläuft die Geschichte die Genre-Konventionen. Und in Paris verfolgt niemand Filippo, der auch kein Interesse an einer Fortsetzung seines kriminellen Lebens hat. Stattdessen gefällt ihm eine bürgerliche Karriere als Schriftsteller, die dann ganz eigene Probleme hat.
In dem Roman gibt es einen Rückblick auf die Jahre 1987 und 1988, in denen die Geschichte hauptsächlich spielt, den italienischen Terrorismus der siebziger und achtziger Jahre, und das Leben der Flüchtlingsgemeinschaft in Paris, die aus italienischen politischen Flüchtlingen bestand, die während langer, weinseliger Abende philosophierten, politisierten und sich in mehr oder weniger paranoiden Gedankengebäuden verirrten.
Es ist auch ein Porträt der literarischen Szene, in der Menschen ihre Lebensgeschichte mit mehr oder weniger erfundenen Erinnerungen kapitalisieren, und die in den Medien aufgrund ihrer Biographie abgefeiert werden. Hier kann jeder die ihm genehmen Beispiele einfügen. Filippo wird aufgrund seiner rohen, unverfälschten Sprache als literarische Sensation gefeiert. Immerhin schreibt er darüber, wie es wirklich war. Auch wenn einige Namen geändert wurden und „Roman“ auf dem Umschlag steht. Und die Geschichte eines Revolutionärs, der sich mit einem ungebildeten Kleinganoven befreundet und zum schnöden Bankräuber wird, bedient gleich mehrere Erwartungen. Dummerweise nicht nur vom Literaturbetrieb.
Kürzlich spielte David Zeltserman in „Pariah“ äußerst gelungen mit dem Authentizitätswahn des literarischen Betriebes, in dem ein stadtbekannter South-Boston-Gangster für viel Geld seine Geschichte erzählen sollte. Dummerweise hatte der Gangster noch einige Rechnungen offen.
Auch dieser Roman ist absolut empfehlenswert. Dieses Mal gibt es daher einen zweifachen Lesebefehl.
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Dominique Manotti: Ausbruch
(übersetzt von Andrea Stephani)
Ariadne, 2014
256 Seiten
17 Euro
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Originalausgabe
L’évasion
Éditions Gallimard, Paris, 2013
–
Hinweise

Ariadne über „Ausbruch“, mit weiterführenden Links zum politischen Hintergrund

Krimi-Couch über Dominique Manotti

Wikipedia über Dominique Manotti (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Zügellos“ (À nos Chevaux!, 1997)


TV-Tipp für den 26. Juni: Das unsichtbare Mädchen

Juni 25, 2014

Wahrscheinlich werden alle zusehen wollen, wie ein Haufen Männer hinter einem Ball herrennt, aber es gibt auch

Arte, 20.15

Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.

Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Hinweise

Arte über „Das unsichtbare Mädchen“

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Dominik Graf in der Kriminalakte

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M“ (2013)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Paris Countdown – Die Zeit läuft ab“, aber nicht besonders spannend

Juni 25, 2014

Milan (Olivier Marchal) und Victor (Jacques Gamblin) sind Jugendfreunde, waren Nachtclubbesitzer, die vor sechs Jahren, aufgrund eines finanziellen Engpasses, ein illegales Geschäft in Mexiko durchzogen, mächtig Ärger bekamen, und sich danach trennten. Victor eröffnete ein Nobelrestaurant. Milan betreibt den Nachtclub weiter.
Da wird Serki (Carlo Brandt) vorzeitig aus der Haft entlassen. Er kommt nach Paris, um sich an Victor und Milan für den Verrat in Mexiko zu rächen.
Und was jetzt der Auftakt zu einem spannendem französisichem Thriller, gerne mit einer ordentlichen Portion Noir und Action, werden könnte, wird zu einer erstaunlich langweiligen Angelegenheit. Immerhin schrieb Regisseur Edgar Marie auch am Drehbuch für „A Gang Story“ mit, das Olivier Marchal verfilmte. Der Ex-Polizist Marchal selbst war als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler in etliche Filme involviert, die in den vergangenen Jahren bei Genrefans zum glänzenden Ruf von französischen Kriminalfilmen beitrugen. Ich sage nur „36 – Tödliche Rivalen“, „MR 73 – Bis dass der Tod dich erlöst“ und „Diamond 13“.
Aber hier liefern sie ein laues Lüftchen ab, das wie die auf Spielfilmlänge gestreckte Nebengeschichte eines anderen Films wirkt. Denn über Milan und Victor erfahren wir fast nichts und die Beschwörung ihrer Freundschaft wirkt hohl. Da helfen auch nicht mehr die zahlreichen atmosphärischen Aufnahmen vom nächtlichen Paris, inclusive einer Paddeltour auf der Seine.

Paris Countdown - DVD-Cover

Paris Countdown – Die Zeit läuft ab (Paris Countdown/Le jour Attendra, Frankreich 2013)
Regie: Edgar Marie
Drehbuch: Edgar Marie
mit Jacques Gamblin, Olivier Marchal, Carlo Brandt, Reda Kateb, Igor Skreblin, Francis Renaud, Anne Charrier
–
DVD
Tiberius Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
AlloCiné über „Paris Countdown“
Moviepilot über „Paris Countdown“
Rotten Tomatoes über „Paris Countdown“
Wikipedia über „Paris Countdown“


DVD-Kritik: „Wind Blast – Der Hauch des Todes“ weht durch die Wüste Gobi

Juni 25, 2014

Nein, viel Zeit nimmt sich Qunshu Gao wirklich nicht. „Wind Blast – Der Hauch des Todes“ beginnt sofort mit einem Auftragsmord auf der Terrasse eines innerstädtischen Restaurants. Dann geht es in der Wüste Gobi weiter, wo irgendwelche Männer, eine gut aussehende Dunkelhaarige und eine Schwangere sich gegenseitig das Leben schwer machen. Warum wird allerdings nur viel zu langsam klar.
Es sind, auf der einen Seite, Polizisten, die den Auftragsmörder jagen, verhaften und beschützen, weil er ein Bild von seinem Auftraggeber machte. Der Mörder will sich hier mit seiner schwangeren Freundin treffen. Auf der anderen Seite gibt es ein Killerpärchen, das auch das Bild will. Das von allen begehrte Bild muss als Begründung für viel Remmidemmi in der Wüste herhalten.
Aber weil alle Charaktere noch nicht einmal eindimensional, sondern, abgesehen von ihren Kleidern (ein Cowboyhut, ein Mantel, eine rote Jacke), vollkommen austauschbar sind, kommt auch nie der Hauch des Interesses an den Charakteren, ihrem oft vollkommen seltsamem Verhalten und der chaotisch erzählten Geschichte auf. Es ist einfach nur eine öde Endlosklopperei in der Wüste. So als hätte Regisseur Qunshu Gao (der auch das Drehbuch schrieb) ein Drehbuch von Luc Besson gefunden, eifrig die von ihm produzierten Filme studiert und jetzt alle Marotten der Besson-Factory, wie Action-Szenen im Schnittgewitter, Gegenlicht und Lichtfilter, immer exzessiv bis zum Umfallen und ohne Sinn und Verstand, übernommen nach der Methode ‚was für Frankreich gut ist, kann für China nicht schlecht sein‘. Ein guter Film entsteht so nicht. Auch kein genießbarer Action-Western vor menschenleerer Kulisse, sondern nur ein in jeder Beziehung schlechter, langweiliger und vollkommen überflüssiger Film.

Wind Blast - DVD-Cover

Wind Blast – Der Hauch des Todes (Wind Blast/Xi Feng Lie, China 2010)
Regie: Qunshu Gao
Drehbuch: Qunshu Gao
mit Yihong Duan, Zhang Li, Guowei Ma, Francis Ng, Dahong Ni
–
DVD
Tiberius Film
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1/2.0), Chinesisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Wind Blast“
Moviepilot über „Wind Blast“


TV-Tipp für den 25. Juni: Der Boss

Juni 25, 2014

Eins Plus, 22.15

Der Boß (F/Can 1985, R.: Alexandre Arcady)

Drehbuch: Francis Veber, Daniel Saint-Harmont, Alexandre Arcady

LV: Jay Cronley: Quick Change, 1981

Für Grimm und sein Team beginnen die wahren Probleme erst nach dem Banküberfall auf dem Weg zum Flughafen.

„Der Boß“ ist der angenehmste Film der Achtziger von Jean-Paul Belmondo: eine lockere Krimikomödie mit Action-Einlagen. Während des Banküberfalls kann Belmondo in einem Clownskostüm dem Affen Zucker geben.

Mit Jean-Paul Belmondo, Guy Marchand, Kim Cattrall

Wiederholung: Donnerstag, 26. Juni, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Jay Cronley und “Der Boss” (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über  Jean-Paul Belmondo


Cover der Woche

Juni 24, 2014

Robinson - Wenn die Dunkelheit fällt