TV-Tipp für den 2. November: Nomadland

November 1, 2024

3sat, 23.05 Uhr

Nomadland (Nomadland, USA 2020)

Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao

LV: Jessica Bruder: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century, 2017 (Nomaden der Arbeit, Sachbuch)

Intensives, überwiegend mit Laien besetztes Roadmovie über eine moderne Nomadin, die in ihrem Wohnwagen durch die USA von schlecht bezahlter Arbeit zu mies bezahlter Arbeit fährt und, trotz allem, kein anderes Leben möchte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Swankie, Bob Wells

Hinweise

Moviepilot über „Nomadland“

Metacritic über „Nomadland“

Rotten Tomatoes über „Nomadland“

Wikipedia über „Nomadland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chloé Zhaos „Nomadland“ (Nomadland, USA 2020)

Meine Besprechung von Chloé Zhaos „Eternals“ (Eternals, USA 2021) (ein Marvel-Film)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Cannes-Gewinner 2024: „Anora“

November 1, 2024

Aschenputtel-Geschichten haben im Film, siehe „Pretty Woman“, eine gute Chance auf ein glückliches Ende. Aber auch da gibt es Grenzen, die bei Sean Bakers neuem Film „Anora“ von Eltern gezogen werden. Die lernt Anora Mikheevazwar erst nach ihrer Hochzeit mit dem Oligarchenzögling Ivan Zakharov kennen. Schon vorher lernt sie deren Handlanger kennen, die eine für einen Film sehr amüsante Mischung aus Dummheit und Gehorsam sind.

Anora arbeitet in einem Club als Stripperin und sie verdient auch als Sexarbeiterin Geld. Sie ist jung, taff und nicht dumm. Evan lernt sie als einen Kunden kennen, der sich in sie verliebt, weil sie etwas russisch spricht. Die gemeinsam verbrachte und von ihm bezahlte Zeit gefällt ihr. Aber als er ihr vorschlägt, sie zu heiraten, reagiert sie reserviert. Schließlich gibt es solche Ehen nur im Märchen und ihr Leben ist kein Märchen.

Ivan lebt im Moment allein in dem riesigen Anwesen seiner Eltern und er hat absolut keine Geldsorgen. Er ist auch impulsiv und dumm. Halt ein verwöhntes Kleinkind, das inzwischen alt genug ist, um in Nachtclubs zu gehen, Alkohol zu trinken und Auto zu fahren.

Nach längerem Zögern willigt Anora ein. Während eines Trips nach Las Vegas heiraten sie. Zurück in New York beginnt der zweite, längste und beste Akt von Sean Bakers neuem Film „Anora“, der dieses Jahr in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Toros, der Vertraute von Ivans Eltern, erfährt von der Heirat und dass sie schon auf dem Weg in die USA sind. Er weiß, dass Ivans Eltern ihn für diese Dummheit ihres Sohnes verantwortlich machen werden. Schließlich sollte er aufpassen, dass Ivan keine Dummheiten macht. Und eine Hochzeit mit einer Prostituierten ist eine Riesendummheit. Also schickt er zwei seiner Handlanger los. Igor und Garnick sollen mit dem jungen Paar reden. Der Gesprächsversuch läuft schnell vollkommen aus dem Ruder. Ivan flüchtet panisch in Richtung Manhattan. Anora beginnt sofort die beiden Schläger zu verprügeln. Sogar nachdem sie sie gefesselt haben, ist sie immer noch ein mehr als ebenbürtiger Gegner.

Toros kann sie zu einer halbwegs tragfähigen Zusammenarbeit bewegen. Gemeinsam suchen sie am Abend und in der Nacht Ivan in den Kneipen, Bars und Nachtclubs von Brighton Beach, Coney Island und Manhattan.

Anora“ zerfällt in drei unterschiedlich lange und stilistisch unterschiedliche Akte. Der erste Akt, das gemeinsame Abhängen von Anora und Ivan im Haus seiner Eltern und die Hochzeit in Las Vegas, sind etwas zäh. Es passiert wenig und was passiert, ist vorhersehbar und wenig interessant. Der zweite Teil, die Suche nach dem untergetauchten Ivan, ist eine pointiert erzählte Suche nach einer flüchtigen Person im nächtlichen New York. Diese Odysee ist stilistisch deutlich vom New-Hollywood-Kino beeinflusst. Von mir aus hätte dieser Teil doppelt so lang sein dürfen.

Im dritten Akt geht es dann um die Scheidungsverhandlung. Auch dieser Teil ist witzig als Feuerwerk von Pointen, die auch in einer hochtourigen Sitcom gut funktionieren würden. Das hat dann nicht mehr den erzählerischen Drive der vorherigen Suche nach dem flüchtigen Ivan. Während im zweiten Teil auch Raum für Improvisationen, Vor-Ort-Drehs und Atmosphäre war, geht es im dritten Teil nur noch um das möglichst schnelle Abfeuern von Sätzen. Es ist eine Verhandlung, in der Anora das Beste für sich herausholen will. Immerhin handelt es sich um eine legale Las-Vegas-Hochzeit zwischen zwei erwachsenen Menschen.

Insgesamt ist „Anora“ eine wundervoll spaßige und kurzweilige Unterhaltung. Eine Boulevard-Komödie, die in dem Milieu spielt, das man auch aus Bakers früheren Filmen kennt, wie „Tangerine L. A.“. In der ebenfalls quasi-dokumentarisch vor Ort und undercover gedrehten Komödie sucht im sonnigen Los Angeles eine extrem verärgerte Prostituierte ihren Zuhälter, der mit einer anderen Frau eine Affäre hatte.

Anora (Anora, USA 2024)

Regie: Sean Baker

Drehbuch: Sean Baker

mit Mikey Madison, Mark Eydelshteyn, Yura Borisov, Karren Karagulian, Vache Tovmasyan

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 16 Minuten

Hinweise

Moviepilot über „Anora“

Metacritic über „Anora“

Rotten Tomatoes über „Anora“

Wikipedia über „Anora“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sean Bakers „Tangerine L. A.“ (Tangerine, USA 2015)

Meine Besprechung von Sean Bakers „The Florida Project“ (The Florida Project, USA 2017)

Meine Besprechung von Sean Bakers „Red Rocket“ (Red Rocket, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Alter weißer Mann“ will niemand verletzen

November 1, 2024

Eine flotte Komödie, die aktuelle Diskurse problematisiert und uns den Spiegel vorhält, könnte die Stimmung im Land mit einem kollektivem Lachen im dunklen Kinosaal aufheitern. Den Franzosen gelingt so etwas ja öfter. Ich sage nur „Willkommen bei den Sch’tis“ und, wenn auch deutlich unappetitlicher und politisch fehlgeleiteter, „Monsieur Claude und seine Töchter“. Eine Satire ist weniger geeignet für ein solches therapeutisches Programm. Da ist zu viel Selbstgewissheit und erhobener Zeigefinger dabei.

Simon Verhoeven könnte sogar der richtige Mann für den Job sein. Seine Komödie „Willkommen bei den Hartmanns“ war vor acht Jahren bei Kritik und Publikum erfolgreich. Fast vier Millionen Kino-Besucher sprechen eine eindeutige Sprache.

Jetzt hat er, nach seinem Drehbuch und prominent besetzt mit Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Friedrich von Thun, Elyas M’Barek und Meltem Kaptan, den „unterhaltsamen Gesellschaftsfilm“ (Presseheft) „Alter weißer Mann“ inszeniert.

Es gibt, wie man nach dem Titel vermuten kann, um aktuelle Diskurse zwischen älteren und jüngeren Menschen über dies und das und um die Frage, was man noch sagen darf. Schließlich hat sich früher auch niemand darüber beschwert, wenn man bestimmte Worte benutzte oder sich auf eine bestimmte Art und Weise verhielt.

Aufhängen tut Simon Verhoeven sein Thema an einem Plot, der funktionieren könnte. Heinz Hellmich arbeitet seit 28 Jahren bei dem Telekommunikationsunternehmen Fernfunk AG im Vertrieb. Jan-Josef Liefers spielt ihn als eine nett-verpeilte Mischung aus Heinz Rühmann und Heinz Erhardt. Während er versucht, Fettnäpfchen zu vermeiden, tritt er in andere Fettnäpfchen. Manchmal sorgt das für weitere Vewicklungen, meistens ist es noch nicht einmal wirklich peinlich, sondern einfach nur schusselig, weil Hellmich niemanden verletzen und von allen gemocht werden möchte.

Jetzt stehen bei Fernfunk Umstrukturierungen, Entlassungen und einige wenige Beförderungen an. Hellmich spekuliert auf eine Beförderung. Wenn da nicht Kaffeetassen mit dummen Sprüchen und im Team ein kollegialer Umgangston wären. Beides und vielleicht noch einige weitere Dinge könnten nämlich von der von der Firmenleitung beauftragten Beratungsfirma und deren Diversity-Beauftragter missfallen. Und dann würde ein Kollege befördert werden.

Um die Diversity-Beauftragte von seinen Qualitäten zu überzeugen, lädt er sie und einige ausgewählte Personen, wozu seine Frau und seine Kinder, aber nicht sein Vater gehören, zu einem Abendessen in seinem kleinbürgerlichem Haus ein.

Wenige Tage vor dem geplanten Abendessen, das der Höhepunkt des Films ist, verschwindet er, ohne seinen Chef und seine Frau zu informieren, nach Berlin. Der Besuch bei seiner Tochter wird zu einem mehrtägigem Drogentrip. Mit Ach und Krach schafft er es dann doch zu dem Abendessen, das über seine Karriere entscheiden soll und das in vorhersehbaren Bahnen und mit erwartbaren Pointen aus dem Ruder läuft.

Dabei hat Hellmich mit seinem Berlin-Ausflug den perfekten Anlass für eine Entlassung gegeben.

Es ist unglaublich, wie der Film sein gesamtes Potential verschenkt. Das beginnt mit der nicht vorhandenen Story. „Alter weißer Mann“ ist das filmische Äquivalent zu einer von der aktuellen Zeitungslektüre inspirierten Ideensammlung, in der einfach alles, was einem spontan zu „Woke“ einfällt, aufgeschrieben wurde. Es werden die gängigen Witze und Diskussionspunkte ohne nennenswerte Variation wiederholt. Ein schon tausendmal erzählter Witz wird, ohne dass ihm irgendetwas Neues hinzugefügt wurde, nochmal erzählt. Aus so einem Notizzettel ergibt sich allerdings keine Abfolge von aufeinander aufbauenden Szenen, in denen ein präzise formulierter Konflikt behandelt wird. Es bleibt beim oberflächlichen Patchwork.

Simon Verhovens harmlos-biedere Komödie wirkt wie ein schlampig entstaubtes Relikt aus den fünfziger Jahren. Waren wir da nicht schon einmal weiter?

Alter weißer Mann (Deutschland 2024)

Regie: Simon Verhoeven

Drehbuch: Simon Verhoeven

mit Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Friedrich von Thun, Michael Maertens, Meltem Kaptan, Elyas M’Barek, Momo Beier, Juri Winkler, Yun Huang, Sarah Mahita, Denise M’Baye

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alter weißer Mann“

Moviepilot über „Alter weißer Mann“

Wikipedia über „Alter weißer Mann“

Meine Besprechung von Simon Verhoevens „Unfriend“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 1. November: Psycho

Oktober 31, 2024

Sat.1 Gold, 20.15

Psycho (Psycho, USA 1960)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Anschließend zeigt Sat.1 Gold zwei weitere Filme von Alfred Hitchcock. „Marnie“ um 22.30 Uhr und „Frenzy“ um 00.50 Uhr.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Psycho“

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)


Neu im Kino/Filmkritik: „Terrifier 3“, 2, 1 – und das Blut spritzt

Oktober 31, 2024

Art the Clown ist zurück – und er hat eine mörderisch gute Zeit. Dieses Mal ist er, der Jahreszeit angemessen, ein wenig, als Nikolaus verkleidet. In einer Shopping-Mal verteilt er auch an Kinder Geschenke und er freut sich mächtig über seine kleinen Späßchen, die meistens in einem Blutbad enden.

Terrifier 3“ schließt nahtlos nahtlos an seinen Vorgänger an. D. h., wem solche brutalen Slasher-Filme gefallen und wem die vorherigen „Terrifier“-Filme gefielen, dem dürfte auch dieser Film gefallen.

Fünf Jahre nach den Ereignissen aus „Terrifier 2“ sind Sienna Shaw und ihr Bruder Jonathan immer noch traumatisiert von den damaligen Ereignissen. Da taucht Art the Clown wieder in Miles County auf und er tut, was er schon in den vorherigen Filmen tat. Menschen blutig töten und sich dabei köstlich amüsieren. Ihm gefällt, was er tut.

Die Story ist nur das Füllmaterial, die Verschnaufpause, zwischen den blutigen Morden. Trotzdem nimmt Regisseur, Drehbuchautor und Art-the-Clown-Erfinder Damien Leone sich in seinem neuesten Film erstaunlich viel Zeit für die Traumata der Shaw-Geschwister. Leone erzählt auch ein wenig aus der Vergangenheit von Art the Clown. Diese Rückblicke dienen Leone primär dazu, mehr eklige Szenen zu präsentieren.

Und damit wären wir beim Kern der „Terrifier“-Filme, die einfach nur gut gemachte Retro-Slasher sind, deren Ambitionen sich auf die möglichst ausführliche und wahre Blutfontänen spritzende Präsentation der Morde konzentrieren.

Wer mehr von „Terrifier 3“ erwartet, wird enttäuscht werden. Oder sehr schnell, entsetzt, den Kinosaal verlassen. Objektiv betrachtet ist „Terrifier 3“ kein guter Film. Die Grenzen des guten Geschmacks werden konsequent ignoriert. Die Schauspieler sind Schlachtvieh. Kurz vor ihrem Ableben werden sie minimal eingeführt. Die Dialoge sind bestenfalls funktional. Der Bösewichts sagt überhaupt nichts. Und das Drehbuch beschränkt sich darauf, etwas für die Zeit zwischen den Morden anzubieten. Entsprechend vernachlässigbar ist die Story. Das war in den achtziger Jahren nicht anders.

Terrifier 3“ ist ein schwarzhumoriges Slasher-Fest, das genau das liefert, was die Fans nach den ersten beiden Filmen erwarten und was Plakat und Trailer versprechen: blutig-brutale Morde, die ohne CGI in Handarbeit hergestellt wurden. Es ist ein spaßiger Film – für Menschen mit einem stabilen Magen und einem etwas abseitigem Humor.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Filme hat der Phantomime David Howard Thornton. Er spielt Art the Clown. Er lässt ihn sprechen und er verleiht seinen Auftritten eine kindliche Naivität. Art begreift nicht, während er sich über seine Taten freut, dass er gerade Menschen quält, foltert und bestialisch ermordet. Leone zeigt das ausführlich.

Dabei verzichtet er immer noch auf ein elaboriertes World-Building. Bei ihm gibt es nur einen ultrabösen unsterblichen Clown und Menschen, die normalerweise die Begegnung mit ihm nicht überleben.

Dass Art sich am Ende von „Terrifier 3“ auf den Weg zu seinen nächsten Taten macht, dürfte niemand überraschen. Das kennen wir auch aus anderen Horrorfilmen.

Außerdem sind die Filme finanziell unglaublich erfolgreich. „Terrifier“ war ein No-Budget-Slasher. 35.000 US-Dollar soll er gekostet haben. Der zweite hatte ein deutliches höheres Budget. Nämlich 250.000 US-Dollar. Der dritte Teil soll 2 Millionen US-Dollar gekostet haben. Und er hat jetzt, Stand 31. Oktober 2024, schon ein US-Einspiel von über 45 Millionen US-Dollar. Weltweit sind es bereits gut 60 Millionen US-Dollar. Bei den Zahlen hat Art the Clown noch ein langes Leben vor sich.

Terrifier 3 (Terrifier 3, USA 2024)

Regie: Damien Leone

Drehbuch: Damien Leone

mit Lauen LaVera, David Howard Thornton, Elliott Fullam, Samantha Scaffidi, Antonella Rose

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Terrifier 3“

Metacritic über „Terrifier 3“

Rotten Tomatoes über „Terrifier 3“

Wikipedia über „Terrifier 3“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Damien Leones „Terrifier 2“ (Terrifier 2, USA 2022)


TV-Tipp für den 31. Oktober: The Commuter

Oktober 30, 2024

Vox, 20.15

The Commuter (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Byron Willinger, Philip de Blasi

Auf der Heimfahrt wird der gerade entlassene Versicherungsvertreter, Ex-Cop und Berufspendler Michael MacCauley von einer schönen, ihm unbekannten Frau angesprochen. Sie bietet ihm eine Menge Geld, wenn er im Zug eine Person aufspürt. Nachdem MacCauley eine Anzahlung eingesteckt hat, bemerkt er, dass er in eine Falle getappt ist. Denn wenn er jetzt nicht seinen Teil des Deals erfüllt, sterben Menschen.

Die vierte Zusammenarbeit von Jaume Collet-Serra und Liam Neeson (nach „Unknown Identity“, „Non-Stop“ und „Run all Night“) bietet gewohnt gut abgehangenes Thriller-Entertainment mit einer ordentlichen Portion Action, einer vertrauten Geschichte, die mit etlichen überraschenden Twists hochenergetisch präsentiert wird und einem beachtlichen, spielfreudigem Ensemble.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Liam Neeson, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Sam Neill, Elizabeth McGovern, Jonathan Banks, Florence Pugh, Andy Nyman, Killian Scott, Shazad Latif, Roland Moller, Kobna Holdbrook-Smith, Colin McFarlane

Wiederholung: Freitag, 1. November, 22.15 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Commuter“

Metacritic über „The Commuter“

Rotten Tomatoes über „The Commuter“

Wikipedia über „The Commuter“

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Commuter“ (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Jungle Cruise“ (Jungle Cruise, USA 2021)


Impressionen aus Berlin: Im Center am Potsdamer Platz, besser bekannt als Sony Center

Oktober 30, 2024

Es war einmal ein Kino im Sony Center in dem Filme in der Originalversion gezeigt wurden. Das im Untergeschoss gelegene wunderschönes Multiplex-Kino am Potsdamer Platz lief gut. Als der Mietvertrag neu verhandelt werden musste, verlangte der Vermieter eine zu hohe Miete. Am 31. Dezember 2019 schloss das Kino.

Jetzt wird immer noch umgebaut. Geplant sind – Überraschung! – Büroräume. Ob das zu einer Belebung des Platzes führt, bezweifle ich. Denn das Multiplex, das IMAX (ebenfalls geschlossen), die Deutsche Kinemathek (schließt Ende Oktober) und das Kino Arsenal (schließt am 15. Dezember und zieht in den Wedding ins silent green Kulturquartier) brachten zuverlässig Publikum zum Potsdamer Platz und in das Center am Potsdamer Platz. Das ist seit dem Auslaufen einer Kooperation über die Namensrechte Ende März 2023 der aktuelle Name des Sony Centers. Demnächst soll der unbekannte Name durch einen anderen Namen ersetzt werden soll.

Das Bild vom Eingang des Kinos, der im Moment umfassend umgebaut wird, schoss ich aus der Deutschen Kinemathek. Die zieht die Tage in das nahe gelegene E-Werk. Das ehemalige Umspannwerk fungiert als Zwischennutzung. In einigen Jahren soll dann in einen neuen Standort umgezogen werden.


TV-Tipp für den 30. Oktober: Ein Prophet

Oktober 29, 2024

ZDFneo, 23.15

Ein Prophet (Un Prophète, Frankreich/Italien 2009)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.

In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, er war den Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authentizität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket. In Deutschland war das Knastdrama nicht so erfolgreich.

mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb

Hinweise

Moviepilot über „Ein Prophet“

Metacritic über „Ein Prophet“

Rotten Tomatoes über „Ein Prophet“

Wikipedia über „Ein Prophet“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (Les Olympiades, Frankreich 2021)


Cover der Woche

Oktober 29, 2024

Kurzer, sehr gelungener Horrorroman, der den Bram-Stoker-Award erhielt, über ein jährliches bizarres Halloween-Ritual in der Gegend der USA, wo Fuchs und Hase sich gegenseitig sagen: Laß uns abhauen.

Das ist das Cover zur 2023er-Verfilmung der Geschichte.


TV-Tipp für den 29. Oktober: From Dusk till Dawn

Oktober 28, 2024

Nitro, 22.00

From Dusk till Dawn (From Dusk till Dawn, USA 1996)

Regie: Robert Rodriguez

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Bankräuber Seth und Richard nehmen auf ihrer Flucht vor der Polizei eine Pfarrersfamilie als Geisel. Als sie in der abgewrackt-ranzigen Truckerkneipe „Titty Twister“ als Mahlzeit für die Stammgäste dienen sollen, verbünden sie sich gegen die Vampire.

Zwei Filme zum Preis von einem: die erste Hälfte ist ein Road-Movie-Geiseldrama, die zweite Hälfte ein extrem blutiger und saukomischer Horrorfilm, der heute wohl wieder in einer gekürzten Fassung gezeigt wird.

mit Harvey Keitel, George Clooney, Quentin Tarantino, Juliette Lewis, Cheech Marin, Fred Williamson, Salma Hayek, Marc Lawrence, Michael Parks, Tom Savini, John Saxon, Danny Trejo, John Hawkes und die Titty Twisters House Band (aka Tito & Tarantula)

Wiederholung: Mittwoch, 30. Oktober, 23.55 Uhr (Dann sollte der FSK-18-Film in der ungekürzten Fassung gezeigt werden.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „From Dusk Till Dawn“

Wikipedia über „From Dusk Till Dawn“ (deutsch, englisch)

zu Robert Rodriguez

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Alita: Battle Angel“ (Alita: Battle Angel, USA 2019)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Hypnotic“ (Hypnotic, USA 2023) 

Robert Rodriguez in der Kriminalakte

zu Quentin Tarantino

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 28. Oktober: Die Brücke

Oktober 27, 2024

Ältester Film des Tages

NDR, 23.15

Die Brücke (Deutschland 1959)

Regie: Bernhard Wicki

Drehbuch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier (d. i. Heinz Pauck), Bernhard Wicki

LV: Manfred Gregor: Die Brücke, 1958

In den letzten Kriegstagen erhalten sieben Oberschüler ihre Einberufung. Sie sollen eine militärisch unwichtige Brücke in ihrer Heimat verteidigen.

Klassiker und brutaler Antikriegsfilm

„Heldentum ist nur etwas wert, wenn es für die richtige Sache geschieht. Und für mich, aus meinem persönlichen Schicksal heraus, war die Verteidigung der Brücke nicht erst 1959, sondern auch schon während des Krieges die falsche Sache.

Ich habe in den Jahren sei der ‚Brücke‘ Tausende von Briefen von jungen Männern bekommen, die mir schrieben, dass sie auch aufgrund meines Films den Kriegsdienst verweigert haben. Das zählt zu den wenigen Dingen in meinem Leben, auf die ich wirklich stolz bin.“ (Bernhard Wicki in Robert Fischer: Bernhard Wicki – Regisseur und Schauspieler, 1994)

mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Karl Michael Balzer, Volker Lechtenbrink, Günther Hoffmann, Cordula Trantow, Wolfgang Stumpf, Günter Pfitzmann, Heinz Spitzner, Siegfried Schürenberg, Loriot (Was für eine Besetzung!)

Hinweise

Filmportal über „Die Brücke“

Rotten Tomatoes über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Oktober: Der Clou

Oktober 26, 2024

Der älteste Film des Abends (und ohne „Dick und Doof als Rekruten“ [One, 15.50 Uhr] wäre er sogar der älteste Film des Tages)

Arte, 20.15

Der Clou (The Sting, USA 1973)

Regie: George Roy Hill

Drehbuch: David S. Ward

Chicago, 1936: die kleinen Betrüger Johnny Hooker (Robert Redford) und Henry Gondorff (Paul Newman) wollen den New Yorker Mafiosi Doyle Lonnegan (Robert Shaw) bei einem fingiertem Pferderennen um eine große Geldsumme betrügen.

Zweite Zusammenarbeit von George Roy Hill, Robert Redford und Paul Newman und wie in dem Western „Zwei Banditen“ (Butch Cassidy and the Sundance Kid) wieder ein gigantischer Erfolg an der Kinokasse.

Ich konnte mit der Gaunerkomödie beim ersten Sehen wenig anfangen. Das war mir alles zu verkopft. Aber vielleicht ändere ich bei einer wiederholten Sichtung meine Meinung. Denn der Konsens über die unter anderem mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnete Komödie ist: „brillante Kino-Unterhaltung“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Anschließend, um 22.20 Uhr, zeigt Arte die Doku „Robert Redford“ (Frankreich 2019) und um 23.15 Uhr „Paul Newman – Der unwiderstehliche Typ“ (Frankreich 2022).

mit Robert Redford, Paul Newman, Robertg Shaw, Charles Durning, Ray Walston, Harold Gould, Robert Earl Jones, Eileen Brennan, Jack Kehoe, Dana Elcar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Clou“

Wikipedia über „Der Clou“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Roy Hills „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)


Neu im Kino/Filmkritik: Beziehungsgedöns beim Liebespaar „Münter & Kandinsky“

Oktober 26, 2024

Gabriele Münter, Malerin, die lange Zeit vor allem als Geliebte von Wassily Kandinsky wahrgenommen wurde. Erst in den vergangenen dreißig Jahren änderte sich die Rezeption ihres Werkes.

Wassily Kandinsky, Maler, führender Vertreter des Expressionismus und 1911 Mitinitiator der Gruppe „Der blaue Reiter“.

Als er in München Zeichenkurse gab, nahm Münter 1901 an einem seiner Kurse in der Malschule „Phalanx“ teil. Im Gegensatz zu staatlichen Akademien, die Frauen fast keine Chance für eine Ausbildung gab, nahm diese private Malschule auch Frauen auf. Münter und Kandinsky verliebten sich ineinander.

In seinem neuen Film „Münter & Kandinsky“ erzählt Marcus C. Rosenmüller, nach einem Drehbuch von Produzentin Alice Brauner, vor allem die Liebesgeschichte zwischen den beiden Künstlern. Erst spät erfährt Münter, dass Kandinsky verheiratet ist. Danach muss sie langsam begreifen, dass er seine Frau niemals für sie verlassen wird und sie niemals heiraten wird. Stattdessen heiratet er eine andere Frau. Für Kandinsky ist sie nur eine Geliebte. Warum sie trotzdem bei ihm bleibt und während der Nazi-Diktatur seine Bilder unter Lebensgefahr in ihrem Haus versteckt, ist nur mit den Mysterien der Liebe erklärbar.

Es ist auch unklar, woraus ihre, Kandinskys und der anderen Mitglieder der 1909 gegründeten Neuen Künstlervereinigung München (NKVM) und der daraus entstandenen Gruppe „Der blaue Reiter“ künstlerische Leistungen bestanden. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich die entsprechenden Wikipedia-Artikel lesen, einen Dokumentarfilm ansehen oder einen informativen Bildband kaufen.

Im Film geht es, mit arg steifen Dialogen, um die toxische Liebesbeziehung des titelgebenden Paares. Ihre Beziehung wird nah an den Fakten entlang erzählt. Die Dialoge sind, wie bei einigen anderen aktuellen in der Vergangenheit spielenden Filmen, Zitate aus historischen Dokumenten. Das funktioniert mal sehr gut, mal überhaupt nicht. Denn nach langem Nachdenken und aus der Erinnerung niedergeschriebene Sätze sind keine spontan gesprochenen Sätze. In „Münter & Kandinsky“ funktioniert das Spiel mit den Originalzitaten nicht. Es sind hölzerne Dialoge irgndwo zwischen erster Fassung und schlechtem Nachmittagsfernsehen.

Dem verzichtbaren Film gelingt es nie, ihre künstlerische Leistung verständlich zu machen oder, aus dem Film heraus, Interesse für ihr Werk zu wecken. Am Ende des Doppel-Biopics bleibt über Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und die Bewegung, zu der sie gehören, nur im Gedächtnis, dass sie Landschaften malten und darüber theoretisierten.

Münter & Kandinsky“ ist ein braver Film über revolutionäre Künstler und eine Bewegung, die gegen Konventionen rebellierte und Grenzen einreißen wollte.

Marcus O. Rosenmüller (nicht zu verwechseln mit „Sommer in Orange“-Regisseur Marcus H. Rosenmüller) inszenierte die Kinofilme „Der tote Taucher im Wald“ (2000) und „Wunderkinder“ (2011) und zahlreiche TV-Filme, wie „Der Taunuskrimi“ und „Ostfriesenfeuer“.

Münter & Kandinsky (Deutschland 2024)

Regie: Marcus O. Rosenmüller

Drehbuch: Alice Brauner

mit Vanessa Loibl, Vladimir Burlakov, Julian Koechlin, Felix Klare, Alexey Ekimov, Monika Gossmann, Lena Kalisch, Marianne Sägebrecht

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Münter & Kandinsky“

Moviepilot über „Münter & Kandinsky“

Wikipedia über „Münter & Kandinsky“, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky


TV-Tipp für den 26. Oktober: Das Märchen der Märchen

Oktober 25, 2024

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Wiederholung: Sonntag, 27. Oktober, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“

Metacritic über „Das Märchen der Märchen“

Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“

Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“

„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Ich Capitano“ (Io capitano, Italien/Belgien 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kida Khodi Ramadans „Haltlos“

Oktober 25, 2024

Das ist jetzt wieder einer der Filme, bei denen ich über das Ende schreiben muss, um zu erklären, warum ich mich so über den Film ärgerte. Dabei fand schon den Weg dahin sehr ärgerlich.

In „Haltlos“, dem zweiten Spielfilm von Kida Khodr Ramadan geht es um Martha. Sie ist im fünften Monat schwanger. Der Vater denkt nicht daran, seine Familie für eine Affäre zu verlassen. Sie will ihr Baby nach der Geburt zur Adoption freigeben. Da sie erkennbar von ihrem Leben überfordert ist, scheint das eine weise Entscheidung zu sein. Kurz darauf zweifelt sie wieder daran. Und so geht es munter und je nachdem, was sie gerade gesehen oder gehört hat, hin und her zwischen ihrer Entschediung für eine Adoption und dagegen. Eine inhaltliche Auseinandersetzund mit dem Thema Adoption, also was für und gegen die Freigabe eines Kindes zur Adoption spricht, findet nicht statt. Darüber ging es vor Jahren in der Komödie „Juno“.

Ramadan inszeniert seinen Film immer nah an der Hauptdarstellerin Lilith Stangenberg, die hier eine wahre Tour de Force abliefert. Wer also sehen will, welche emotionalen Zustände sie glaubhaft spielen kann, sollte sich „Haltlos“ ansehen.

Alle anderen nicht so sehr. Beim ersten Sehen wirkt „Haltlos“ wie ein weiteres dieser deutschen sozialkritischen Problemdramen, in denen alles sehr künstlich, falsch und übertrieben ist. Keine Figur wirkt in ihrem Verhalten auch nur im Ansatz glaubwürdig oder fähig, sich normal und vernünftig, vulgo ‚erwachsen‘ zu verhalten. Sie sind Parodien, die ihren Charakter von der einen zur nächsten Szene abrupt um 180 Grad verändern. Die einzige Konstante ist, dass sie Martha nicht helfen.

Am Ende entpuppt sich „Haltlos“ als ein Horrorfilm, der durchgehend aus Marthas Perspektive erzählt wurde. Er zeigt, wie eine schon am Filmanfang sprunghafte, zutiefst unsichere und verunsicherte Frau zunehmend ihren kaum vorhandenen Kontakt zur Realität verliert und wahnsinnig wird. Dieser Übergang erfolgt ungefähr kurz nach der Geburt. Auch rückblickend ist der genaue Zeitpunkt nur erahnbar. In jedem Fall erfolgt er ungefähr in dem Moment, in dem sie nur noch im Jogging-Anzug durch Berlin irrt und sich zunehmend noch erratischer als vor der Geburt verhält. Gleichzeitig verhalten sich die anderen Figuren plötzlich vollkommen anders als in früheren Szenen. So kümmert der ruppige Mann vom Adoptionsamt sich plötzlich rührend um Martha und versucht ihr bei der Erfüllung ihres Wunsches, die Adoption rückgängig zu machen, zu helfen. Obwohl er in dem Moment mindestens ein Dutzend guter Gründe anführen könnte, genau das nicht zu tun. Aber er tut das, was Martha will, weil das alles nur in ihrer Fantasie stattfindet und sie eben möchte, dass er ihre Wünsche sofort und ohne Widerworte erfüllt.

Erst im letzten Bild enthüllt Ramadan, dass Martha schon lang vollkommen verrückt ist. Er zeigt, wie Martha in einem Park ein nicht vorhandenes Baby im Arm hält. In dem Moment ist klar, dass sie sich auch vorher um ihr nicht vorhandenes Baby kümmerte. Die Bilder, in denen sie sich um ihr Baby kümmerte, waren nur in ihrem Kopf real. Die Reaktionen ihres Umfelds waren mal reale Reaktion auf ihr verrücktes Verhalten, mal reine Phantasiereaktion.

Einhergehend mit dieser Schlusspointe ergibt sich die Aussage des Films, die ungefähr so lautet: „Ein Kind muss bei seiner Mutter bleiben. Auch wenn diese Mutter schon auf den ersten Blick erkennbar überfordert ist von dieser Aufgabe und ihr weder Familie noch Freunde helfen werden. Eine Adoption ist unter allen Umständen abzulehnen.“ Denn weil Martha ihr Kind weggeben hat, wurde sie wahnsinnig. Über eine Abtreibung wurde nie gesprochen.

Das ist konservative Familienpolitik auf Steroiden und absoluter Unfug, der im Rahmen des Films nicht diskutiert wird.

Haltlos (Deutschland 2024)

Regie: Kida Khodr Ramadan

Drehbuch: Antje Schall

mit Lilith Stangenberg, Samuel Schneider, Jeanette Hain, Susana Abdul Majid, Zsá Zsá Inci Bürkle, uwe Preuss, Sönke Möhring, Stipe Erceg, Jasmin Tabatabai

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Haltlos“

Moviepilot über „Haltlos“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Pedro Almodóvars Sterbehilfedrama „The Room next Door“

Oktober 25, 2024

Als Ingrid (Julianne Moore) bei der Präsentation ihres neuen Buches erfährt, dass Martha (Tilda Swinton) schwer erkrankt im Krankenhaus liegt, besucht sie sie. Früher waren sie gute und sehr intime Freundinnen. Dann verloren sie sich aus den Augen. Ingrid wurde Romanautorin. Martha Kriegsreporterin. Jetzt kommen sie sich in langen Gesprächen im Krankenhaus und in Marthas Apartment wieder näher.

Eines Tages bittet Martha Ingrid um einen Gefallen: sie soll sie beim Sterben begleiten. Sie hat keine Lust mehr auf weitere nichts bringende Behandlungen gegen den Krebs. Sie will genauso selbstbestimmt sterben wie sie gelebt hat. Die Todespille hat sie sich auch schon besorgt. Nur ihre letzten Tage möchte sie nicht allein verbringen.

Von New York aus fahren sie in eine in der Nähe liegende malerische Kleinstadt. Dort hat Martha ein Haus gemietet. Gemeinsam schwelgen sie weiter in Erinnerungen und sehen sich Filme an. Und Ingrid blickt jeden Tag bang auf Marthas Schlafzimmertür. Wenn die Tür zu ist, hat sie die Todespille genommen.

The Room next Door“ ist Pedro Almodóvars erster englischsprachiger Spielfilm. Mit Julianne Moore und Tilda Swinton hat er zwei Stars und Weltklasseschauspielerinnen engagiert und sie entsprechend ihremTyp und ihrer öffentlichen Person besetzt. Der Film selbst ist ein Quasi-Zwei-Personenstück und exquisites Schauspielerkino, das beim Filmfestival von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde.

Und trotzdem ist „The Room next Door“ ein etwas enttäuschendes Werk. Zu überraschungsarm und konventionell beschreitet Almodóvar die bekannten Pfade des Sterbehilfedramas. Alles ist für ein Almodóvar-Werk erstaunlich offensichtlich, eindeutig und ohne doppelten Boden. Sogar seine leichtgewichtige Sommerkomödie „Fliegende Liebende“ war komplexer, vergnüglicher und mehr zum Nachdenken anregend.

In „The Room next Door“ verlaufen Marthas letzte Tage zu harmonisch und problemfrei. Sie wirken wie ein langes Wochenende, an dem zwei Freundinnen einige Tage zwischen langen Gesprächen, Fernsehabenden und langen Waldspaziergängen verbringen. Aber meistens unterhalten die beiden Frauen, von denen eine todkrank und entsprechend schnell erschöpft ist, sich im Sitzen.

Ein gegen Ende des Films wichtig werdender Krimiplot – Ingrid droht wegen ihrer Zeit mit Martha vor ihrem Suizid eine Haftstrafe – wirkt wie ein billiger, von der Realität nicht gedeckter Spannungsmoment. Und die Schlusspointe wäre nicht nötig gewesen.

Wahrscheinlich wird „The Room next Door“ als der Almodóvar-Film, den man am schnellsten vergisst, in sein Œuvre eingehen.

The Room next Door (The Room next Door/La habitación de al lado, Spanien 2024)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

LV: Sigrid Nunez: What Are you Going Through, 2020 (Was fehlt dir)

mit Julianne Moore, Tilda Swinton, John Turturro, Alex Høgh Andersen, Esther McGregor, Victoria Luengo

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Room next Door“

Metacritic über „The Room next Door“

Rotten Tomatoes über „The Room next Door“

Wikipedia über „The Room next Door“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ (Dolor y gloria, Spanien 2019)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Parallele Mütter“ (Madres paralelas, Spanien 2021)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Oktober: Charlatan

Oktober 24, 2024

MDR, 00.00

Charlatan (Šarlatán, Tschechien/Irland/Slowakei/Polen 2020)

Regie: Agnieszka Holland

Drehbuch: Marek Epstein

Faszinierendes Porträt des tschechischen Heilers Jan Mikolášek (1889 – 1973), der auch prominente Nazis und Kommunisten mit seinen Tinkturen versorgte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ivan Trojan, Josef Trojan, Juraj Loj, Jaroslava Pokorná, Jiří Černý, Miroslav Hanuš

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Charlatan“

Metacritic über „Charlatan“

Rotten Tomatoes über „Charlatan“

Wikipedia über „Charlatan“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Charlatan“

Meine Besprechung von Agnieszka Hollands „Die Spur“ (Pokot, Polen/Deutschland/Tschechische Republik/Schweden/Slowakische Republik 2017)

Meine Besprechung von Agnieszka Hollands „Charlatan“ (Šarlatán, Tschechien/Irland/Slowakei/Polen 2020)

Meine Besprechung von Agnieszka Hollands „Green Border“ (Zielona granica, Polen/Tschechien/Frankreich/Belgien 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Berlinale-Gewinner „Dahomey“

Oktober 24, 2024

Letztes Jahr gewann der Dokumentarfilm „Auf der Adamant“ (Sur l’Adamant, Frankreich/Japan 2022) den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale. Dieses Jahr gewann wieder ein Dokumentarfilm den Goldenen Bären. Und wieder fragte ich mich, vor und nach dem Ansehen des Gewinners, ob es wirklich keinen preiswürdigen Spielfilm im Wettbewerb gab.

Wie „Auf der Adamant“ behandelt auch „Dahomey“ ein wichtiges Thema. Nämlich den Umgang mit während der Kolonialzeit geraubten Kunstwerken und ihrer Rückgabe. Konkret geht es um die Rückgabe von 26 Kunstwerken aus dem Königreich Dahomey im November 2021 nach Benim. Im Gegensatz zu Nicolas Philiberts ausschließlich beobachtendem Dokumentarfilm gibt es in Mati Diops „Dahomey“ weitgehend beobachtendem Dokumentarfilm auch inszenierte Teile. Das ist offensichtlich, wenn eines der Kunstwerke über seine Gefühle redet. Bei der die zweite Hälfte des Films dominierenden Diskussion ist das nicht offensichtlich. In ihr sprechen junge Menschen verschiedene Aspekte des Themas an. Sie wurden für die Diskussion so gecastet, dass alle Aspekte des Themas angesprochen werden. Den Rest besorgt der Schnitt.

Dieses nicht im Film offen gelegte Vorgehen verstärkt die Probleme beobachtender Dokumentarfilme. Diese Spielart des Dokumentarfilms ist darauf angewiesen, dass irgendwann in einem Gespräch die zum Verständnis wichtigen Punkte angesprochen werden. Sonst bleiben, wie in „Dahomey“, nur Männer übrig, die sehr sorgfältig Gegenstände verpacken, die uns nichts sagen und über die wir im Film auch nichts substantielles erfahren. Dieses Einpacken zieht sich für den Zuschauer gefühlt endlos und ohne irgendeinen Informationsgewinn hin.

Bei der Diskussion wird dann vieles angesprochen, aber es ist während des Films vollkommen unklar, in welchem Rahmen sie stattfand. Also: war sie eine x-beliebige Diskussion unter zufällig anwesenden Studierenden, die sich für das Thema interessieren, oder handelte es sich um eine Art Bürgerrat, in dem die Anwesenden zu einer Entscheidung über den Umgang mit den zurückgegebenen Raubgütern kommen sollen? Es ist auch unklar, wie sehr ihre Diskussion Diskussionen innerhalb des Landes wiedergibt. Und ob bestimmte Behauptungen stimmen. Beispielsweise dass Frankreich nur 26 von 7000 aus Dahomey geklauten Kunstgegenständen zurückgegeben hat. Das hat die Qualität eines Elternabends, bei dem zufällig anwesend ist, keine der Eltern und keines der Kinder kennt und der ganzen Diskussion mäßig interessiert folgt. Es fehlt einfach jeder Rahmen, in dem man die einzelnen Beiträge bewerten kann.

Das gleiche gilt für eine im Film vor der Diskussion gezeigte wichtig aussehende Veranstaltung, zu der viele Menschen in bunten Kleidern kommen. Anscheinend handelt es sich um Feierlichkeiten zur Rückgabe der Schätze. Im Film es nicht gesagt und dahr könnte es genausogut irgendeine andere Feier oder ein normaler Sonntag in Benim sein.

Die Monologe von Figur 26 klingen wie der gefühlige, zunehmend prätentiöse Monolog eines Rückkehrers in seine alte Heimat, der darüber sinniert, was ihn dort erwartet. Zur Frage der Restitution afrikanischer Kulturgüter hat sie nichts zu sagen.

So zieht sich „Dahomey“ trotz seiner extrem kurzen Laufzeit von 71 Minuten gefühlt ewig und ohne großen Erkenntnisgewinn hin.

Das wichtige Thema der Restitution während der Kolonialzeit gestohlener Kulturgüter und iihrer Rückgabe hätte einen deutlich besseren Film verdient. Ich meine damit einen Film, bei dem man nach den Ansehen des Films schlauer als vor dem Ansehen des Films ist. „Dahomey“ fühlt sich dagegen wie ein Heft voller selbstgestellter Aufgaben und Fragen an. Teilweise sind es grundlegende Fragen, wie „Was wurde damals mitgenommen?“ und „Wie verlief die bisherige Diskussion?“, teilweise philosophischere Fragen, wie „Sollen die Gegenstände zurückgegeben werden?“, und teilweise ganz praktische Fragen, wie „An wen sollen sie zurückgegeben werden?“. Die Nachkommen der damaligen Besitzer oder die Rechtsnachfolger oder jemand anderes? Und dann stellt sich die Frage, was in den Ländern mit ihnen geschehen soll.

Im Gegensatz zu „Auf der Adamant“, wo ich in meiner Besprechung des Films auch über die Hintergründe des porträtierten Projekts schrieb und so Informationen zum Verständnis des Gezeigten lieferte, die der Film nicht liefert, habe ich jetzt nicht die Lust und das Wissen zu einem vertieften Essay über den Kolonialismus, das damalige Königreich Dahomey (in dem auch der Historienspielfilm „The Woman King“ spielt), das heutige Benin, die Diskussion über die Rückgabe von Raubkunst in Benim und Frankreich und wie sich die französische Diskussion von der deutschen Diskussion unterscheidet.

Dahomey (Dahomey, Frankreich/Senegal/Benin 2024)

Regie: Mati Diop

Drehbuch: Mati Diop

Länge: 71 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dahomey“

AlloCiné über „Dahomey“

Metacritic über „Dahomey“

Rotten Tomatoes über „Dahomey“

Wikipedia über „Dahomey“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „Dahomey“


Neu im Kino/Filmkritik: Tom Hardy präsentiert als „Venom: The Last Dance“

Oktober 24, 2024

Beginnen wir mit einer der wichtigsten Informationen für das Superheldenfilmfanpublikum: es gibt im und nach dem Abspann jeweils eine kurze Szene. Die eine kann als Vorausschau auf kommende Filme im Sony’s Spider-Man Universe (SSU) verstanden werden. Die andere ist eher ein Gag. Hoffentlich. Und der Abspann ist sehr lang. Ohne den Abspann könnte „Venom: The Last Dance“ sogar unter hundert Minuten sein. Damit ist er, wie die vorherigen beiden „Venom“-Filme, für einen Superheldenfilm erfreulich kurz. Und er ist wieder ‚frei ab 12 Jahre‘. Angesichts der gezeigten Gewalt ist das eine nachvollziehbare Entscheidung.

Venom ist ein außerirdischer Symbiont, der echte und vermeintliche Gegner gerne tötet.

Sein aktueller Wirt ist der Journalist Eddie Brock, der sich langsam an den in ihm lebenden Venom gewöhnt hat. Trotzdem zanken sie ständig wie ein altes Ehepaar. Vor allem weil Eddie nicht töten will. Er wird wunderschön zerknautscht-genervt von Tom Hardy gespielt, der wie der Quartalssäufer aus der Kneipe wirkt, der schon zwei Drinks über seinen Durst getrunken hat und sich mit der Stimme in seinem Kopf streitet.

Betrunken treffen wir ihn am Anfang von „Venom: The Last Dance“ in einer Strandbar in Mexico. Dort erfährt er, dass er in den USA als Mörder gesucht wird und dass der in einer anderen Welt lebende Superbösewicht Knull seine, uh, Jäger zur Erde geschickt hat, um Venom zu jagen. Um seine Unschuld zu beweisen und um das andere Problem zu lösen, macht er sich auf den Weg nach New York. Mit einem Abstecher nach Las Vegas und zur nahe gelegenen Area 51. Das für seine vermeintlichen Forschungen an Außerirdischen unter Verschwörungstheoretikern und Alien-Fans bekannte Militärgelände soll in wenigen Tagen stillgelegt werden. Jetzt wird, einige Meter unter der Erde, allerdings noch emsig an Symbionten geforscht. Venom wäre, aus Sicht der Forscher und des Militärs, eine grandiose Ergänzung ihrer Forschungsobjekte.

In einer Nebengeschichte ist eine vierköpfige Hippie-Familie auf dem Weg zur Area 51. Denn das Familienoberhaupt glaubt an Außerirdische.

Mit „Venom: The Last Dance“ hat Tom Hardy jetzt seinen Vertrag erfüllt und weil es ein Vertrag über drei Filme war, wird der dritte und bislang letzte „Venom“-Film mit ihm als „das epische Finale“ und Abschluss einer Trilogie beworben. Kann man machen und wird heute einfach immer so gemacht. Weil meistens voneinander unabhängige Werke, die in sich abgeschlossenne Geschichten erzählen, als Trilogie gelabelt werden, ergibt das fast immer wenig bis keinen Sinn. Auch der dritte „Venom“-Film erzählt eine vollkommen eigenständige Geschichte mit neuen Gegnern und Konflikten, die innerhalb des Films gelöst werden. Nur Eddie Brock, Venom und zwei aus den vorherigen Filmen bekannte Figuren sind, in kleineren und für die Filmgeschichte unwichtigen Rollen, wieder dabei.

Der Film selbst ist der beste „Venom“-Film. Kelly Marcel, die Autoren der ersten beiden „Venom“-Film, erzählt in ihrem Regiedebüt eine einfache Fluchtgeschichte. Letztendlich geht es nur um die Frage, wie der Held von A nach B kommt und ob er seinen Verfolgern entkommen kann. Die Hippie-Familie ist eine nette Nebengeschichte, die man auch aus dem Film hätte herausschneiden können. Es gibt eine ordentliche Portion Humor, die sich auch daraus ergibt, dass Venom und Eddie ein seltsames Paar mit verschiedenen Moralvorstellungen sind.

Kelly Marcels Inszenierung ist dabei zweckdienlich unauffällig. Der Film selbst, auch wenn es der beste „Venom“-Spielfilm ist, ist ein wenig bemerkenswerter Superheldenfilm, der einfach nur bekannte Plot-Points, Action und einige bestenfalls durchwachsene Witze aneinanderreiht. Das gelingt ihm, wie gesagt, besser als in den Vorläuferfilmen „Venom“ und „Venom: Let there be Carnage“. Gut ist es immer noch nicht.

Venom: The Last Dance“ ist das vorläufige Ende einer nie wirklich überzeugenden Superheldenfilmserie, die an der Kinokasse überraschend erfolgreich war.

Die Zukunft dieser Marvel-Figur ist noch unklar. Also ob das Finale wirklich ein Finale ist. Hauptdarsteller Tom Hardy schließt nichts aus. Venom kann sich jederzeit einen neuen Wirt suchen. Und mit diesem Film hat, so Marcel, die Geschichte von Knull begonnen, der in künftigen SSU-Filmen eine größere Rolle spielen soll.

Schauen wir mal.

Venom: The Last Dance (Venom: The Last Dance, USA 2024)

Regie: Kelly Marcel

Drehbuch: Kelly Marcel (nach einer Geschichte von Kelly Marcel und Tom Hardy) (basierend auf der von Todd McFarlane und David Michelinie erfundenen Marvel-Figur Venom)

mit Tom Hardy, Chiwetel Ejiofor, Juno Temple, Stephen Graham, Peggy Lu, Rhys Ifans, Alanna Ubach, Clark Backo, Andy Serkis

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Venom: The Last Dance“

Metacritic über „Venom: The Last Dance“

Rotten Tomatoes über „Venom: The Last Dance“

Wikipedia über „Venom: The Last Dance“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Fleischers „Venom“ (Venom, USA 2018)

Meine Besprechung von Andy Serkis‘ „Venom: Let there be Carnage“ (Venom: Let there be Carnage, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Woodwalkers“ – Gestaltwandler-Fantasy für Kinder

Oktober 24, 2024

Carag Goldeneye (Emile Chérif) ist ein Gestaltwandler, der als Berglöwe auf die Welt kam und zum Menschenjungen wurde. Das sorgt im Alltag mit seiner ihn liebenden Adoptivfamilie und in der Schule immer wieder für Probleme. Das mitten in den malerischen Bergen in Wyoming liegende Internat Clearwater High könnte ihm helfen, mit seinen Fähigkeiten besser zurecht zu kommen. Denn die Schule ist eine von Andrew Milling (Oliver Masucci) gegründete Schule für außergewöhnlich Kinder.

Diese von Katja Brandis für ihre enorm erfolgreichen „Woodwalkers“-Romane erfundene Schule für Gestaltwandler erinnert natürlich an die aus den „X-Men“-Comics und Filmen bekannte, von Professor X gegründete noble Privatschule für Mutanten, also Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Nur dass in „Woodwalkers“ alles sehr kindgerecht ist. Die Bücher sind Tierfantasy-Romane für Kinder ab 10 Jahre. Der Film richtet sich ebenfalls an ungefähr zehnjährige Kinder.

Entsprechend einfach sind die Konflikte, die in dem Film behandelt werden. Es geht, selbstverständlich um das Erlernen der eigenen Fähigkeiten und wie man seine Gestalt wandelt, um das Einfinden in die neue Klasse und seine Beziehung zu Milling. Er ist, wie Carag, ein Puma-Gestaltwandler, und er erblickt in Carag einen besonderen Gestaltwandler, den er besonders fördern möchte. Es gibt Konflikte mit den in der Nähe lebenden Menschen, die immer wieder von Tieren angegriffen werden. Sie sind auch gerade damit beschäftigt, den Wald abzuholzen.

Damian John Harper übernahm die Regie. Bekannt wurde er als Regisseur sperriger, sozialkritischer Arthaus-Dramen. „Los Ángeles“ und „In the Middle of the River“ gehen auf das Konto des seit fast zwanzig Jahren in Deutschland lebenden US-Amerikaners. Jetzt drehte er einen Film, der seinem Sohn gefallen könnte. Denn dieser gehört zur Zielgruppe der Bücher und des Films.

In „Woodwalkers“ ist nichts mehr von dem Arthaus-Stil seiner vorherigen Filme zu spüren. „Woodwalkers“ ist ein ordentlich budgetierter Film, der ein großes Publikum ansprechen soll und gezielt für Kinder inszeniert wurde, die sich diesen Fantasy-Abenteuerfilm ohne ihre Eltern ansehen können, wollen und sollten. Also ohne die Eltern. Ob sie sich wirklich diesen Film ansehen sollen, ist eine andere Frage.

Für mich war alles zu einfach, zu vorhersehbar, zu gewollt (das gilt vor allem für das Finale), zu harmlos, zu unlogisch und ohne eine zweite oder dritte Ebene, die man, wie bei einem Pixar-Film, als Kind sehr wahrscheinlich nicht mitbekommt, aber die Erwachsenen erfreut.

Für die Fans von Harpers vorherigen Filmen ist „Woodwalkers“ deshalb ein vollkommen uninteressantester Film, bei dem höchsten bemerkenswert ist, wie brav und ohne erkennbare Ambitionen er die Fantasy-Konventionen ausfüllt.

Das gesagt, könnte „Woodwalkers“, die Verfilmung der ersten beiden „Woodwalkers“-Bestseller von Katja Brandis, sein erfolgreichster Film werden.

Für die Produzenten ist „Woodwalkers“ der Auftakt einer Trilogie und einer möglichen späteren TV-Serie. Die drei Kinofilme basieren, so der Plan, auf den ersten sechs Romanen.

Der zweite Film soll in einem Jahr, der dritte Film übernächstes Jahr in die Kinos kommen. David Sandreuter schrieb für die Fortsetzung wieder das Drehbuch. Sven Unterwaldt übernahm die Regie. Er inszenierte die beiden „7 Zwerge“-Filme (mit Otto), „Catweazle“ (wieder mit Otto) und den zweiten und dritten „Die Schule der magischen Tiere“-Film.

Woodwalkers (Deutschland 2024)

Regie: Damian John Harper

Drehbuch: David Sandreuter

LV: Katja Brandis: Woodwalkers – Carags Verwandlung, 2016; Gefährliche Freundschaft, 2017

mit Emile Chérif, Oliver Masucci, Martina Gedeck, Hannah Herzsprung, Lucas Gregorowicz, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta, Olivia Sinclair, Emil Bloch

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Woodwalkers“

Moviepilot über „Woodwalkers“

Wikipedia über „Woodwalkers“

Homepage von Katja Brandis

Homepage von Damian John Harper

Meine Besprechung von Damian John Harpers „Los Ángeles“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Damian John Harpers „In the Middle of the River“ (In the Middle of the River, Deutschland/USA 2018)