Deutscher Filmpreis 2023: Und die Lola geht an…

Mai 12, 2023

Die diesjährigen Deutschen Filmpreise wurden vor wenigen Minuten vergeben. Die glücklichen Gewinner sind:

Bester Spielfilm

GOLD Das Lehrerzimmer (Ingo Fliess)

SILBER Im Westen nichts Neues (Malte Grunert)

BRONZE Holy Spider (Sol Bondy, Jacob Jarek)

Rheingold (Fatih Akin, Nurhan Şekerci-Porst, Herman Weigel)

Sonne und Beton (Fabian Gasmia, David Wnendt)

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade)

Bester Dokumentarfilm

GEWINNER Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen (Martina Haubrich, Claudia Wohlgenannt)

Kalle Kosmonaut (Tine Kugler, Günther Kurth)

Liebe, D-Mark und Tod – Aşk, Mark ve Ölüm (Claus Reichel, Mehmet Akif Büyükatalay, Florian Schewe, Stefan Kauertz)

Bester Kinderfilm

GEWINNER Mission Ulja Funk (Roshanak Behesht Nedjad)

Der Räuber Hotzenplotz (Jakob Claussen, Uli Putz)

Beste Regie

Holy Spider (Ali Abbasi)

Im Westen nichts Neues (Edward Berger)

GEWINNER Das Lehrerzimmer (Ilker Çatak)

Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Sonja Heiss)

Bestes Drehbuch

GEWINNER Das Lehrerzimmer (Johannes Duncker, Ilker Çatak)

Meinen Hass bekommt ihr nicht (Jan Braren, Marc Blöbaum, Kilian Riedhof)

Sonne und Beton (David Wnendt, Felix Lobrecht)

Beste weibliche Hauptrolle

Zar Amir Ebrahimi (Holy Spider)

GEWINNER Leonie Benesch (Das Lehrerzimmer)

Sandra Hüller (Sisi & Ich)

Beste männliche Hauptrolle

Mehdi Bajestani (Holy Spider)

GEWINNER Felix Kammerer (Im Westen nichts Neues)

Charly Hübner (Mittagsstunde)

Beste weibliche Nebenrolle

Ulrike Kriener (Einfach mal was Schönes)

GEWINNER Jördis Triebel (In einem Land, das es nicht mehr gibt)

Hildegard Schmahl (Mittagsstunde)

Beste männliche Nebenrolle

GEWINNER Albrecht Schuch (Im Westen nichts Neues)

Clemens Schick (Servus Papa, See you in Hell)

Karl Markovics (Was man von hier aus sehen kann)

Beste Kamera / Bildgestaltung

GEWINNER Im Westen nichts Neues (James Friend)

Das Lehrerzimmer (Judith Kaufmann)

Sisi & Ich (Thomas W. Kiennast)

Bester Schnitt

Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen (Mechthild Barth)

Im Westen nichts Neues (Sven Budelmann)

GEWINNER Das Lehrerzimmer (Gesa Jäger)

Sonne und Beton (Andreas Wodraschke)

Beste Tongestaltung

GEWINNER Im Westen nichts Neues (Frank Kruse, Markus Stemler, Viktor Prášil, Lars Ginzel, Alexander Buck)

Sisi & Ich (Marco Teufen, Paul Rischer, Gregor Bonse)

Sonne und Beton (Paul Rischer, Jan Petzold)

Beste Filmmusik

GEWINNER Im Westen nichts Neues (Volker Bertelmann)

Das Lehrerzimmer (Marvin Miller)

Tausend Zeilen (Ralf Wengenmayr)

Wir sind dann wohl die Angehörigen (The Notwist)

Bestes Szenenbild

GEWINNER Im Westen nichts Neues (Christian M. Goldbeck)

The Ordinaries (Josefine Lindner, Max-Josef Schönborn)

Der vermessene Mensch (Sebastian Soukup)

Bestes Kostümbild

Im Westen nichts Neues (Lisy Christl)

In einem Land, das es nicht mehr gibt (Regina Tiedeken)

GEWINNER Sisi & Ich (Tanja Hausner)

Bestes Maskenbild

GEWINNER Im Westen nichts Neues (Heike Merker)

In einem Land, das es nicht mehr gibt (Annett Schulze, Dorit Jur, Ines Ransch)

Seneca (Julia Böhm, Friederike Schäfer)

Beste visuelle Effekte

GEWINNER Im Westen nichts Neues (Frank Petzold, Viktor Müller, Markus Frank)

Die Schule der magischen Tiere 2 (Dennis Rettkowski, Tomer Eshed, Markus Frank)

The Ordinaries (Johannes Blech)

Besucherstärkster Film

Die Schule der magischen Tiere 2

Ehrenpreis

Volker Schlöndorff

Wenig überraschend und etwas monoton:

Im Westen nichts Neues: Acht Lolas (plus zweitplatzierter in der „Bester Spielfilm“-Kategorie)

Das Lehrerzimmer: Fünf Lolas (vor allem in den Hauptkategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch – und Beste weibliche Hauptrolle)

Die anderen Filme: Vier Lolas (wozu auch der beste Dokumentarfilm und der beste Kinderfilm gehören)

 


Impressionen aus Berlin

Mai 12, 2023

genaugenommen Friedrichsfelde, östlich vom Alexanderplatz, außerhalb des S-Bahn-Rings


TV-Tipp für den 12. Mai: The Purge – Die Säuberung

Mai 11, 2023

Pro7, 22,35

The Purge – Die Säuberung (The Purge, USA 2013)

Regie: James DeMonaco

Drehbuch: James DeMonaco

In den USA hat die Regierung einen jährlichen Säuberungstag („Purge-Day“) beschlossen. An dem Tag darf man, ohne dafür bestraft zu werden, Straftaten, auch Mord, begehen. Im ersten Film des erfolgreichen, satirischen und harten „The Purge“-Franchise wird erzählt, wie ein Security-Experte und seine Familie versuchen, die Nacht in ihrem Haus zu überleben.

Nicht besonders subtil in der Wahl seiner Mittel, aber spannend.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

James DeMonaco schreibt derzeit an einem sechsten „The Purge“-Film.

mit Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Edwin Hodge, Rhys Wakefield, Tony Oller, Arija Bareikis, Tom Yi, Chris Mulkey, Tisha French, Dana Bunch

Wiederholung: Samstag, 13. Mai, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „The Purge – Die Säuberung“

Rotten Tomatoes über „The Purge – Die Säuberung“

Wikipedia über „The Purge – Die Säuberung“ (deutsch, englisch)

Tor: Danny Bowes bespricht „The Purge – Die Säuberung“

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Die Säuberung“ (The Purge, USA 2013)

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Anarchy“ (The Purge: Anarchy, USA 2014)

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Election Year“ (The Purge: Election Year, USA/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Gerard McMurrays „The First Purge“ (The First Purge, USA 2018)

Meine Besprechung von Everardo Valerio Gouts „The Forever Purge“ (The Forever Purge, USA 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „Beau is afraid“ vor seiner Mutter, der Welt – und Ari Aster

Mai 11, 2023

Beau Wassermann (Joaquin Phoenix, gewohnt überzeugend) lebt in einer Großstadt in einer heruntergekommenen Bude. Er fühlt sich von allen, unter anderem einem mysteriösem Serienkiller und einem Botschaften unter seiner Tür durchschiebendem Nachbarn, bedroht. Tabletten halten seine Paranoia halbwegs im Schach. Trotzdem ist für ihn der Gang zum gegenüberliegenden Geschäft ein lebensbedrohliches Abenteuer voller menschlicher und nichtmenschlicher Monster. Deshalb verbringt er am liebsten die Zeit in seinem abgeranztem Mini-Apartment, das nichts von seinem Reichtum verrät. Denn er stammt aus einer vermögenden Familie. Sein Vater starb bei seiner Zeugung. Seine erfolgreich das Unternehmen führende Mutter dominiert über sein Leben.

Als sie bei einem bizarren Unfall stirbt, muss er sich, quer durch das Land, auf die Reise zu ihrer Beerdigung begeben. Diese Reise wird, selbstverständlich, zu einer (weiteren) Begegnung mit seinen inneren Dämonen und einer Auseinandersetzung mit seinem Leben und seinen ziemlich alles umfassenden Ängsten. So weit, so gut, so erwartbar.

Ari Aster, der mit seinen beiden vorherigen Horrorfilmen „Hereditary“ und „Midsommar“ Kritiker begeisterte und innerhalb der Horrorfilmgemeinde ebenfalls auf viel Wohlwollen stieß, erzählt in „Beau is afraid“ ein Quasi-Road-Movie, das mehr oder weniger im Kopf des Protagonisten spielt. Der dreistündige Film gliedert sich, so das Presseheft, „in eigenständige Abschnitte, mit vier Hauptkapiteln sowie zwei zusätzlichen Sequenzen, darunter eine Rückblende auf einem Kreuzfahrtschiff, in der die Mutter-Sohn-Dynamik zementiert wird, sowie ein rätselhafte Auflösung“.

Das liest sich jetzt etwas kompliziert, aber wenn die Geschichte gut erzählt ist, fällt die darunter liegende Struktur nicht weiter auf. Sie ist dann etwas für spätere Analysen in Universitätsseminaren. Dort können dann auch alle Anspielungen analysiert werden. Schon beim Ansehen fällt diese Struktur negativ auf. Wenig unterhaltsam, oft quälend langweilig und konfus, zerbröselt „Beau is afraid“ in wenige gelungene und viele einfach langweilige Szenen, die sich teilweise endlos ohne irgendeinen Erkenntnisgewinn ziehen bis hin zu der „rätselhaften Auflösung“.

Dass Asters dritter Film kein Totaldesaster ist, liegt an den wenigen gelungenen Szenen. So ist der Anfang des Episodenfilms, der Beaus Leben in der Großstadt zeigt, grandios. Die an den „Zauberer von Oz“/“ Alice im Wunderland“ erinnernde teilanimierte Szene gefällt ebenfalls. Eigentlich alle anderen Szenen wären meistens überzeugender, wenn sie kürzer wären. Jetzt sind sie oft zu lang, zu platt oder einfach zu rätselhaft.

Mit drei Stunden ist „Beau is afraid“ mindestens eine Stunde zu lang. Denn nach dem starken Anfang wird das schwarzhumorige Drama in dem Moment, in dem Beau seine Wonung verlässt und sich auf den Weg zu seiner Mutter macht, zu einer überlangen, konfusen Ansammlung von Episoden und Notizen mit begrenztem Erkenntnisgewinn. Für Beau ist es ein weiterer Horrortrip voller Demütigungen, Erniedrigungen und panischer Fluchtversuche. Für den Zuschauer eine Geduldsprobe.

Beau is afraid (Beau is afraid, USA 2023)

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

mit Joaquin Phoenix, Nathan Lane, Amy Ryan, Stephen McKinley Henderson, Hayley Squires, Denis Ménochet, Kylie Rogers, Armen Nahapetian, Zoe Lister-Jones, Parker Posey, Patti LuPone

Länge: 179 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Hompage zum Film

Moviepilot über „Beau is afraid“

Metacritic über „Beau is afraid“

Rotten Tomaotes über „Beau is afraid“

Wikipedia über „Beau is afraid“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ari Asters „Hereditary – Das Vermächtnis“ (Hereditary, USA 2018)

Meine Besprechung von Ari Asters „Midsommar“ (Midsommar, USA 2019)

Ari Aster redet über „Beau is afraid“

Ari Aster redet über andere Filme


Neu im Kino/Filmkritik: „Sisu“, nicht sterben, sondern Nazis töten

Mai 11, 2023

Finnland, weit, weit, sehr weit weg von der nächsten menschlichen Ansiedlung, sucht 1944 ein Mann nach Gold. Vom Krieg will Aatami Korpi nichts mehr wissen. Dabei war der Einsiedler einer der besten Soldaten, eine Killermaschine, die noch vor dem Frühstück eine Hundertschaft Feinde tötete. Und die anderen in Todesangst versetzte. Jetzt ist er nur noch ein zurückgezogen lebender Goldsucher, der den Horizont genau beobachtet. Als er Gold, also riesige Mengen Gold, findet, kann er sein Glück nicht fassen.

Kurz darauf zieht er schwerbepackt in Richtung Zivilisation los – und trifft auf eine Trupp deutscher Soldaten. Sie lassen ihn unbehelligt weiterziehen. Denn ihr Anführer, SS-Obersturmführer Bruno Helldorf, ist überzeugt, dass in wenigen Minuten der nächste Trupp deutscher Soldaten den einsamen Reiter töten wird.

Das ist ein Irrtum.

Als Helldorf die toten Soldaten entdeckt, will er ihren Tod rächen. Der Goldsucher soll sterben. Außerdem will Helldorf Aatamis Gold behalten.

Doch so einfach, wie Helldorf sich das denkt, ist es nicht.

Und wie der Goldsucher die Nazis mit stoischer Mine tötet, ist ein großer Spaß für die Fans eines trashigen, blutigen Kriegsfilms. Aatami benutzt neben den üblichen Hieb-, Stich- und Schusswaffen auch von den Nazis verbuddelte Minen, die er, aus dem Nebel heraus, ungewöhnlich treffsicher gegen die Nazis einsetzt.

Dieser schnell eskalierende Konflikt vor malerischer Landschaft ist für Jalmari Helander die Ausgangslage für eine äußerst blutige und auch witzige Schlachtplatte, in der es darum geht, Nazis zu töten. Möglichst kreativ, blutig und zielgenau auf das Publikum zielend, das gerne einen ultrabrutalen, trashigen Kriegsfilm sehen möchte, der mehr am Erfüllen von Rachefantasien als an historischer Genauigkeit interessiert ist.

Stilistisch orientiert Helander sich bei seinem neuen Film „Sisu“ am B-Picture-Kriegsfilm der räudigen Sorte und, mehr noch, dem Italo-Western. Denn der Goldsucher ist offensichtlich ein Bruder von Django. Beide töten ähnlich stoisch Bösewichter. Und die Bösewichter sind so böse, dass sie gleich im Dutzend ermordet werden.

Am Ende wirkt „Sisu“ wie ein Geschichte, die Quentin Tarantino für „Inglorious Basterds“ schrieb und aus dem endgültigen Film herausschnitt. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil der Film einfach schon zu lang war. – Das sollte als Empfehlung wirklich genügen.

Helander inszenierte vorher den blutigen Anti-Weihnachtsfilm „Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte“ (2010) und den Actionfilm „Big Game – Die Jagd beginnt“ (2014).

Sisu (Sisu, Finnland 2022)

Regie: Jalmari Helander

Drehbuch: Jalmari Helander

mit Jorma Tommila, Aksel Hennie, Jack Doolan, Mimosa Willamo, Onni Tommila

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Finnische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sisu“

Metacritic über „Sisu“

Rotten Tomatoes über „Sisu“

Wikipedia über „Sisu“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. Mai: Nordsee ist Mordsee

Mai 10, 2023

Eigentlich zu spät für das Zielpublikum, aber weil der Jugendfilm so selten gezeigt wird:

RBB, 23.55

Nordsee ist Mordsee (Deutschland 1976)

Regie: Hark Bohm

Drehbuch: Hark Bohm

Die Vierzehnjährigen Uwe Schiedrowsky (Uwe Enkelmann, heute bekannter als Uwe Bohm und am 8. April 2022 viel zu früh verstorben) und Dschingis Ulanow (Dschingis Bowakow) leben in einem Sozialen Wohnungsbau auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg. Zuerst streiten sie sich. Später fahren sie auf einem selbst gebauten Schiff Richtung Nordsee.

Ein Klassiker des deutschen Films und des Jugendfilms, der damals für Kontroversen sorgte und ein Kinohit war.

Heute ist der Jugendfilm fast vergessen. Deshalb könnte die heutige Ausstrahlung, nachdem der Film seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief und er auch nicht mehr auf DVD erhältlich ist, für einige eine Wiederentdeckung, für andere eine Neuentdeckung sein.

Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ und Fatih Akins Verfilmung verdanken diesem Film einiges.

Die Musik ist von Udo Lindenberg.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung, die auch die damalige Kontroverse um die Freigabe des Films beleuchtet.

mit Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow, Günter Lohmann, Corinna Schmidt, Ingrid Boje, Gerhard Stöhr, Rolf Becker

Hinweise

Filmportal über „Nordsee ist Mordsee“

Wikipedia über „Nordsee ist Mordsee“

Die Zeit: Hans C. Blumenberg über „Nordsee ist Mordsee“ (30. April 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Nordsee ist Mordsee“ (Deutschland 1976)

Meine Besprechung von Hark Bohms „Moritz, lieber Moritz“ (Deutschland 1978)


TV-Tipp für den 10. Mai: Atlantique

Mai 9, 2023

Arte, 22.40

Atlantique (Atlantique, Frankreich/Senegal/Belgien 2019)

Regie: Mati Diop

Drehbuch: Mati Diop, Olivier Demangel

In Dakar, Senegal, verliebt sich Ada, die bereits einem anderen Mann versprochen ist, in den Bauarbeiter Souleiman, der am Hochhaus „Atlantique“ arbeitet. Er stirbt bei einem Bootsunglück. Danach geschehen mysteriöse Dinge.

TV-Premiere. „Atlantique“ feierte seine Premiere im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Diop war die erste schwarze Regisseurin im Wettbewerb. Später reichte Senegal den Film für den Oscar in der Kategorie Bester Internationaler Film ein. Er kam auf die Shortlist.

Und die Kritik lobte das bildgewaltige, übernatürliche und gleichzeitig neorealistische Drama.

mit Traore, Mame Bineta Sané, Abdou Balde, Amadou Mbow, Aminata Kane, Fatou Sougou, Ibrahima Mbaye, Diankou Sembene

Hinweise

Arte über den Film (bis zum 8. Juni 2023 in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Atlantique“

Wikipedia über „Atlantique“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Mai 9, 2023

Erhielt 2010 den International Thriller Writers Award als „Best Paperback Original“


TV-Tipp für den 9. Mai: Children of Men

Mai 8, 2023

Tele 5, 20.15

Children of Men (Children of Men, USA 2006)

Regie: Alfonso Cuarón

Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus, Hawk Ostby

LV: P. D. James: The Children of Men, 1992 (Im Land der leeren Häuser)

2027: Seit 18 Jahren wurde weltweit kein Kind mehr geboren. Großbritannien ist ein Polizeistaat und eigentlich geht alles vor die Hunde. Da wird der desillusionierte Weltverbesserer Theo von einer Untergrundorganisation entführt. Er soll eine junge, schwangere Frau aus London in eine irgendwo außerhalb Englands liegende sichere Zone bringen. Denn das Baby darf nicht in die Hände der Regierung fallen. Auf ihrer Reise muss Theo schnell feststellen, dass er niemand vertrauen kann.

Verfilmung des S-F-Romans von P. D. James. Für den Film spricht die Darstellerriege, die Kameraarbeit (Cuarón schneidet auch in Action-Szenen extrem selten, teilweise überhaupt nicht). Gegen den Film spricht die 08/15-Story, dass diese Negativutopie ein einziges Patchwork verschiedenster, sich letztendlich wiedersprechender Negativutopien ist und dass „Children of Men“ im Gegensatz zu den großen Negativutopien deshalb eskapistisches Kino ist.

Mit Clive Owen, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Michael Caine, Danny Huston, Charlie Hunnam

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Children of Men“

Wikipedia über „Children of Men“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alfonso Cuarón „Gravity“ (Gravity, USA/GB 2013)


Impressionen aus Berlin: Ben Aaronovitch in Berlin – und ein kurzes Gespräch mit ihm über sein neues Buch, Peter Grant und den ganzen Rest

Mai 8, 2023

Alles begann an einem kalten Dienstag im Januar, morgens um halb zwei, als Martin Turner, Straßenkünstler und nach einengen Worten Gigolo in Ausbildung, vor der Säulenvorhalle von St. Paul’s am Covent Garden über eine Leiche stolperte.“

So beginnt Ben Aaronovitchs erster Roman mit Peter Grant. Peter Grant ist in dem Moment ein junger Police Constable bei der Metropolitan Police. Wenige Zeilen später begegnet er einem Geist. Und der Rest ist Geschichte. Denn „Die Flüsse von London“ war 2011 (in Deutschland ein Jahr später) der Auftakt für eine erfolgreiche Urban-Fantasy-Reihe um Peter Grant, Polizist und Zauberlehrling. Bis heute sind neun reguläre, sich exzellent verkaufende Romane, etliche Kurzromane, Kurzgeschichten und Comics, die sich teils auf bestimmte Figuren aus dem „Die Flüsse von London“-Universum konzentrieren, erschienen. Seit einigen Tagen gibt es außerdem ein Rollenspiel.

In den Geschichten verbindet Aaronovitch gelungen britischen Humor mit Fantasy (Geister, Hexen, Dämonen, Flußgötter, Zauberer) und einer, bis auf die Sache mit der schon erwähnten Zauberei, realistischen Kriminalgeschichte. Damit sind seine Bücher etwas für Krimi- und Fantasy-Fans.

Am Dienstag, den 2. Mai 2023, besuchte Ben Aaronovitch, zwischen Leipziger Buchmesse und weiteren Leseterminen, für eine von der Science-Fiction/Fantasy-Buchhandlung „Otherland“ zusammen mit dtv organisierten Lesung Berlin. Im bis zum letzten Sitzplatz gefüllten Ballhaus Walzerlinksgestrickt sagte Aaronovitch, er habe bereits einige weiter „Die Flüsse von London“-Geschichten geschrieben. Und er werde weitere schreiben.

Vor der Lesung sprach Ben Aaronovitch mit mir über seine beiden neuesten Romane, den neunten Peter-Grant-Roman „Die Silberkammer in der Chancery Lane“ (Amongst our Weapons) und den Kimberly-Reynolds-Kurzroman „Die schlafenden Geister des Lake Superior“ (Winter’s Gifts), Peter Grant, die von ihm geschaffene Welt und das Schreiben.

Zuletzt auf Deutsch erschienen (mehr Infos zu den Werken):

Ben Aaronovitch: Die schlafenden Geister des Lake Superior – Eine Kimberley-Reynolds-Story

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2023

240 Seiten

11,95 Euro

Originalausgabe (die erst in einigen Tagen erscheint)

Winter’s Gift

Orion, 2023

Ben Aaronovitch: Die Silberkammer in der Chancery Lane

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2022

416 Seiten

15,95 Euro

Originalausgabe

Amongst our Weapons

Gollancz, London 2022

 

Ben Aaronovitch (Schöpfer)/Celeste Bronfman (Story)/Andrew Cartmel (Skript-Lektorat)/José María Beroy (Zeichnungen): Die Flüsse von London: Und wenn sie nicht gestorben sind… (Band 10)

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini, 2023

116 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Rivers of London: Deadly ever after

Titan Comics, Januar 2023

Ben Aaronovitch (Story)/Andrew Cartmel (Story)/José María Beroy (Zeichnungen): Die Flüsse von London: Ein mieser Montag (Band 9)

(übersetzt von Kerstin Fricke)

Panini, 2022

116 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Rivers of London: Monday, Monday

Titan Comics, November 2021

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

Blog von Ben Aaronovitch

dtv über Ben Aaronovitch

Blog von Andrew Cartmel

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch) und Andrew Cartmel

Meine Besprechung von Ben Aaronovitchs „Schwarzer Mond über Soho“ (Moon over Soho, 2011)

Mein Besprechung von Ben Aaronivitchs „Geister auf der Metropolitan Line“ (The furthest station, 2017)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London: Autowahn“ (Rivers of London: Body Work, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London – Die Nachthexe“ (Rivers of London: Night Witch, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero/Paulina Vassilevas „Die Flüsse von London: Wassergras (Band 6)“ (Rivers of London: Water Weed, 2018)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Brian Williamson/Stefani Rennes „Die Flüsse von London: Mit Abstand! (Band 7)“ (Rivers of London: Action at Distance, 2020)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Christoper Jones/Marco Leskos „Doctor Who – Der siebte Doctor: Tanz auf dem Vulkan“ (Doctor Who – The Seventh Doctor: Operation Volcano, 2018)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Mariano Laclaustras „Die Flüsse von London: Motoren, Magie und Märchen! (Band 8)“ (Rivers of London: The Fey and The Furious, 2020)

 

Meine Ankündigung der Lesung mit Besprechungen von:

Ben Aaronovitchs „Die schlafenden Geister des Lake Superior – Eine Kimberley-Reynolds-Story“ (Winter’s Gift, 2023)

Ben Aaronovitchs „Die Silberkammer in der Chancery Lane“ (Amongst our Weapons, 2022)

Ben Aaronovitch (Schöpfer)/Celeste Bronfman (Story)/Andrew Cartmel (Skript-Lektorat)/José María Beroy (Zeichnungen) „Die Flüsse von London: Und wenn sie nicht gestorben sind… (Band 10)“ (Rivers of London: Deadly ever after, 2023)

Ben Aaronovitch (Story)/Andrew Cartmel (Story)/José María Beroy (Zeichnungen) „Die Flüsse von London: Ein mieser Montag (Band 9)“ (Rivers of London: Monday, Monday, 2021)


TV-Tipp für den 8. Mai: Queimada – Insel des Schreckens

Mai 7, 2023

Arte, 21.55

Queimada – Insel des Schreckens (Queimada, Italien 1969)

Regie: Gillo Pontecorvo

Drehbuch: Franco Solinas, Giorgio Arlorio (nach einer Geschichte von Franco Solinas, Giorgio Arlorio und Gillo Pontecorvo [ungenannt])

Auf der im 19. Jahrhundert unter portugiesischer Herrschaft stehenden Insel Queimada wird Zuckerrohr angebaut. Die Engländer wollen diesen ökonomisch wertvollen Rohstoff haben. Sie schicken Sir William Walker (Marlon Brando) auf die Insel. Er soll einen Aufstand der Sklaven organisieren.

Ein selten gezeigtes Drama, das ursprünglich als Film mit einer klaren Botschaft gemeint war, aber während der Dreharbeiten im Chaos versank. Am Ende musste Brando dem Produzenten Alberto Grimaldi 750.000 Dollar Schadenersatz zahlen. An der Kinokasse floppte der Film. Während zeitgenössische und ältere Kritiken überschaubar begeistert waren, sind neuere Kritiken deutlich positiver. Bei Rotten Tomatoes kommt die Anklage gegen den Kolonialismus so auf einen Frischegrad von 86 Prozent.

Pontecorvo bezeichnete seinen Film „als einen Versuch (…) eine Synthese des romantischen Abenteuerfilms und des politischen Thesenfilms zu schaffen.“ (zitiert nach Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme)

Pontecorvo inszenierte davor „Schlacht um Algier“ (La Battaglia di Algeri, 1966).

mit Marlon Brando, Evaristo Márquez, Norman Hill, Renato Salvatori, Dana Ghia, Valeria Ferran Wanani

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Queimada“

Wikipedia über „Queimada“ (deutsch, englisch)


Die Krimibestenliste Mai 2023

Mai 7, 2023

Auf der jeden Monat von Deutschlandfunk Kultur präsentierten, dort aktuell nicht auffindbaren Krimibestenliste stehen im Mai folgende aus Sicht der Jury lesenswerten Krimis:

1 (2) James Kestrel: Fünf Winter

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 499 Seiten, 20 Euro

2 (1) Percival Everett: Die Bäume

Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl

Hanser, 365 Seiten, 26 Euro

3 (3) Deepti Kapoor: Zeit der Schuld

Aus dem Englischen von Astrid Finke

Blessing, 686 Seiten, 28 Euro

4 (–) Kim Koplin: Die Guten und die Toten

Suhrkamp, 255 Seiten, 16 Euro

5 (4) Mathijs Deen: Der Taucher

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke

mare, 318 Seiten, 22 Euro

6 (–) John Brownlow: Seventeen

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Rowohlt, 396 Seiten, 13 Euro

7 (–) Jochen Rausch: Im toten Winkel

Piper, 300 Seiten, 24 Euro

8 (–) J. Todd Scott: Weiße Sonne

Aus dem Englischen von von Harriet Fricke

Polar, 496 Seiten, 27 Euro

9 (6) Riku Onda: Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen

Aus dem Japanischen von Nora Bartels

Atrium, 240 Seiten, 22 Euro

10 (8) Jérôme Leroy: Die letzten Tage der Raubtiere

Aus dem Französischen von Cornelia Wend

Edition Nautilus, 396 Seiten, 24 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.


TV-Tipp für den 7. Mai: Der Todesrächer von Soho

Mai 6, 2023

Warum Filmkunst gucken, wenn es solche Perlen gibt?

Servus TV, 20.15

Der Todesrächer von Soho (El muerto hace las maletas, Deutschland/Spanien 1972)

Regie: Jess Frank (eigentlich Jesus Franco, bekannter als Jess Franco)

Drehbuch: Art Bernd, Jess Frank

LV: Bryan Edgar Wallace: Death packs a Suitcase, 1961 (Der Tod packt seinen Koffer; andere Quellen nennen „The Corpse Packs His Bags“, aber über dieses Werk sind keine weiteren Angaben auffindbar; einige nennen eine ungenannte Kurzgeschichte von Bryan Edgar Wallace als Vorlage, aber in Wirklichkeit wurde wahrscheinlich nur der Name Wallace für die Werbung benutzt)

In London ermitteln ein Polizist und ein Krimiautor gemeinsam in einer Mordserie. Die Spur führt ins Rauschgiftmilieu.

Nun, Herr Franco liefert die vertraute Qualität – und Arthur Brauner (der als Art Bernd auch am Drehbuch mitschrieb) schloß als Produzent das Kapitel „Wallace“ ab.

Die Musik schrieb Rolf Kühn.

Mit Fred Williams, Horst Tappert, Barbara Rütting, Wolfgang Kieling, Rainer Basedow, Elisa Montes, Siegfried Schürenberg

Wiederholung: Montag, 8. Mai, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Der Todesrächer von Soho“

Wikipedia über „Der Todesrächer von Sohound über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

Meine Besprechung von Jess Francos „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (Schweiz 1975)

Meine Besprechung von Jess Francos „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Frauen für Zellenblock 9“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Ilsa – The Mad Butcher“ (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen“ (Schweiz 1977)


TV-Tipp für den 6. Mai: The Raid

Mai 5, 2023

RTL II, 23.00

The Raid (The Raid, Indonesien/USA 2011)

Regie: Gareth Evans

Drehbuch: Gareth Evans

Jakarta: in einem Hochhaus soll eine Polizeieinheit einen Drogenboss verhaften. Schnell entbrennt ein spielfilmlanger Kampf auf Leben und Tod.

Ein grandioses Actionfeuerwerk mit einer minimalen, keine Wünsche offen lassenden Geschichte.

Mehr in meiner Filmbesprechung.

mit Iko Uwais, Ray Sahetapy, Joe Taslim, Donny Alamshya, Yayan Ruhian, Pierre Gruno

Hinweise

Metacritic über „The Raid“

Rotten Tomatoes über „The Raid“

Wikipedia über „The Raid“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gareth Evans’ „The Raid“ (The Raid, Indonesien/USA 2011)

Meine Besprechung von Gareth Evans‘ „The Raid 2“ (The Raid 2, Indonesien/USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Lehrerzimmer“ als innerschulische Kampfzone

Mai 5, 2023

Sönke Wortmann entschied sich in seinen Lehrerzimmer-Film „Eingeschlossene Gesellschaft“ für die komische Variante. Auch wenn die Lehrer in dem Zimmer als Geisel eingesperrt und mit einer Pistole bedroht wurden. İlker Çatak entscheidet sich in seinem, in der gesamten Schule spielendem, Lehrerfilm „Das Lehrerzimmer“ für die Horrorvariante. Dabei ist der Konflikt am Filmanfang eher klein. Es wurde Geld geklaut. Der Täter ist wahrscheinich ein Schüler. Die Lehrer wollen herausfinden, wer der Dieb ist.

Aber Carla Nowak (Leonie Benesch), der neuen, jungen, überaus engagierten und arg naiven Sport- und Mathematiklehrerin, missfällt die Art des Umgangs mit den Schülern. Subtil werden sie zur Kooperation gezwungen. Einmal sagen die Vertrauenslehrer den Klassensprechern, sie müssten nicht sagen, wer geklaut habe. Sie müssten nur nicken, wenn der Stift auf den richtigen Namen deute. Ein anderes Mal fordern sie und die Direktorin Carlas Schüler auf, ihre Geldbeutel auf den Tisch legen. Wer nichts zu verbergen habe, könne nichts dagegen haben.

Den oder die Diebe finden sie so nicht. Aber verschiedene Schüler werden verdächtigt und das Klima in der Schule verschlechtert sich.

Fast schon aus einer Laune heraus lässt Carla im Lehrerzimmer bei ihrem Laptop die Kamera an. Diese nimmt auf, wie ihr Geld gestohlen wird. Die Täterin ist nur anhand ihrer Bluse erkennbar. Es handelt sich um die immer joviale Schulsekretärin und Mutter ihres Lieblingsschülers.

Als die Sekretärin mit dem Vorwurf konfrontiert wird, leugnet sie. Sie wird, der von der Direktorin ausgegebenen Null-Toleranz-Linie folgend, suspendiert. Damit ist die Geschichte nicht zu Ende, sondern sie beginnt jetzt richtig aus dem Ruder zu laufen.

İlker Çatak zeigt die Schule als Mikrokosmos der Gesellschaft. Er legt mit eiskalter Präzision Strukturen offen und zeigt eine durchgehend ungesunde Welt voller Misstrauen und Paranoia. Carla irritiert schon in den ersten Minuten mit einem seltsamen Guten-Morgen-Ritual in der Klasse, das sogar auf einer kirchlichen Freizeit leicht deplatziert wirken würde. Schon in diesem Moment stellt sich die Frage, ob sie für diese Arbeit geeignet ist. Später stampft sie immer wieder, wie ein Roboter, begleitet von nervig dissonanter Musik und verfolgt von der Kamera, mit angespanntem Gesichtausdruck durch die kahlen Gänge der Schule. Sie trägt einen Schutzpanzer, der kaum ihre innere Anspannung und Überforderung verbirgt. Es ist ihre erste Stelle als Lehrerin. Trotzdem möchte man sie sofort zu einem Psychologen schicken oder krank schreiben.

Das Lehrerzimmer“ feierte seine Premiere bei der diesjährigen Berlinale im Panorama. Aktuell ist der Feelbad-Film in den Kategorien „Bester Spielfilm“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“, „Beste weibliche Hauptrolle“ (Leonie Benesch), „Beste Kamera“, „Bester Schnitt“ und „Beste Filmmusik“ für den Deutschen Filmpreis nominiert. Die Verleihung ist am 12. Mai.

Das Lehrerzimmer (Deutschland 2023)

Regie: İlker Çatak

Drehbuch: İlker Çatak, Johannes Duncker

mit Leonie Benesch, Michael Klammer, Rafael Stachowiak, Eva Löbau

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Lehrerzimmer“

Moviepilot über „Das Lehrerzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das Lehrerzimmer“

Wikipedia über „Das Lehrerzimmer“

Berlinale über „Das Lehrerzimmer“


Neu im Kino/Filmkritik: „Spoiler Alarm“: Das ist eine Liebesgeschichte

Mai 5, 2023

Der Titel der Vorlage lässt keinen Zweifel am Ausgang der Geschichte. Der Trailer ist ebenfalls ziemlich eindeutig. Und auch im Film wird allen, die vollkommen uninformiert ein Ticket für diesen Film kauften, gleich in den ersten Minuten verraten, wie es ausgehen wird. Und, auch daran lässt der Film keinen Zweifel, so wird es kommen: „The Hero dies“. Insofern muss es für den Film „Spoiler Alarm“ keinen Spoileralarm geben.

In dem zu erhöhtem Taschentuchkonsum anregendem Drama wird die wahre Geschichte von Michael Ausiello und seiner großen Liebe Kit Cowan erzählt. Als sie sich 2001 in New York in einem Schwulen-Nachtclub kennen lernen, arbeitet Ausiello als Journalist für die „TV Guide“. Sie verstehen sich, ziehen zusammen, heiraten, haben glückliche gemeinsame Jahre, werden für ihre Freunde die Verkörperung eines glücklichen Paares, wie man es sonst nur aus Liebesfilmen kennt. Das ändert sich 2014. Bei Cowan wird eine seltene Form von Krebs diagnostiziert. Er stirbt, elf Monate später, im Februar 2015.

In den Monaten vor seinem Tod informiert Ausiello über Social Media seine Freunde und die Familie regelmäßig über den Zustand seines Mannes. Diese Posts sieht auch ein Redakteur des Verlags Simon & Schuster. Er fragt Ausiello, ob er darüber ein Buch schreiben möchte. 2017 veröffentlich Ausiello das Buch „Spoiler Alert: The Hero dies“ über ihre gemeinsamen Jahre. Danach fragt Ausiello „The Big Bang Theory“-Schauspieler Jim Parsons, den er schon länger kennt, ob Parsons mit ihm in Los Angeles eine Fragerunde zum Buch moderieren möchte. Parsons tut es, sieht das Potential für eine Verfilmung und jetzt gehört er zu den Produzenten des Dramas.

Verfilmt wurde die Geschichte von Michael Showalter, der davor unter anderem die Romcom „The Big Sick“ inszenierte. Jim Parsons spielt Michael Ausiello. Ben Aldridge („Knock at the Cabin“) seine große Liebe Kit Cowan. Die Filmgeschichte folgt den wahren Ereignissen und kopiert gleichzeitig, garniert mit einigen wenigen filmischen Anspielungen und Spielereien, den Frühsiebziger-Kassenhit „Love Story“.

Entstanden ist ein Liebesfilm für alle, die mal wieder einige Packungen Tempotaschentücher verbrachen wollen. Dass „Spoiler Alarm“ eine schwule Liebesgeschichte erzählt, ist egal. Denn vor allem erzählt er die Geschichte von zwei Menschen, die sich lieben und füreinander da sind. Bis zum Tod.

Spoiler Alarm (Spoiler Alert, USA 2022)

Regie: Michael Showalter

Drehbuch: David Marshall Grant, Dan Savage

LV: Michael Ausiello: Spoiler Alert: The Hero dies, 2017

mit Jim Parsons, Ben Aldridge, Sally Field, Bill Irwin, Nikki M. James, Jeffery Self, Antoni Porowski

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Spoiler Alarm“

Metacritic über „Spoiler Alarm“

Rotten Tomatoes über „Spoiler Alarm“

Wikipedia über „Spoiler Alarm“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Mai: Steiner – Das eiserne Kreuz

Mai 4, 2023

BR, 22.50

Steiner – Das eiserne Kreuz (Cross of Iron, Deutschland/Großbritannien 1977)

Regie: Sam Peckinpah

Drehbuch: Julius J. Epstein, Walter Kelley, James Hamilton

LV: Willi Heinrich: Das geduldige Fleisch, 1955

Ostfron, 1943: Feldwebel Steiner hält den Krieg für verloren. Sein neuer Vorgesetzter, Hauptmann Stransky, sieht das anders und er will ein Eisernes Kreuz erhalten. Dafür schickt er seine Männer ins Gefecht.

Kinohit, bei dem Sam Peckinpah sich mit deutschem Geld austoben konnte. Entstanden ist ein harter, illusionsloser Kriegsfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit James Coburn, Maximilian Schell, James Mason, David Warner, Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Fred Stillkrauth, Roger Fritz, Dieter Schidor, Durkhard Driet, Michale Nowka, Senta Berger, Arthur Braus, Véronique Vendell, Mikael Slavco Stimac

Hinweise

Filmportal über „Steiner – Das eiserne Kreuz“

Rotten Tomatoes über „Steiner – Das eiserne Kreuz“

Wikipedia über „Steiner – Das eiserne Kreuz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“ (The deadly Companions, USA 1961)

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Steiner – Das eiserne Kreuz“ (Cross of Iron, Deutschland/Großbritannien 1977)

Meine Besprechung von Mike Siegels Dokumentation „Sam Peckinpah: Passion & Poetry“ (Deutschland 2005)

Sam Peckinpah in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Hooked on „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“?

Mai 4, 2023

Fertig. Nach zwei „Guardians of the Galaxy“-Spielfilmen, und einem nur im TV gezeigten Holiday Special, ist James Gunns dritter „Guardians of the Galaxy“-Film sein letzter Guardians-Film. Die Science-Fiction-Komödie ist, wie schon vorher eifrig in den Medien kolportiert wurde, außerdem der letzte Film mit dieser „Guardians“-Besatzung und der Abschluss einer Trilogie. Nicht, weil das irgendwie aus dem Werk heraus ersichtlich ist, sondern weil heute drei Filme mit rudimentären Gemeinsamkeiten einfach als Trilogie gelabelt werden.

Dieses Mal steht nicht Star-Lord Peter Quill (Chris Pratt), der Anführer der Guardians, sondern Rocket, der durchgeknallte, schießwütige No-Nonsense-Waschbär. Gunn erzählt die Geschichte seiner Herkunft.

Bei einem Angriff auf Knowhere, den Rückzugsort der Guardians, wird Rocket schwer verletzt. Als seine Freunde ihn verarzten wollen, entdecken sie einen Killswitch in seinem Körper, der ihn umbringt, wenn sie ihn verarzten (Nicht drüber nachdenken, einfach akzeptieren, dass Rocket bislang nie schwer verletzt wurde).

Um Rocket zu retten, müssen Peter Quill und seine Freunde Drax (Dave Bautista), Nebula (Karen Gillan), Mantis (Pom Klemenieff), der Baum Groot, Kraglin (Sean Gunn) und Gamora (Zoe Saldana) die Person finden, die dafür verantwortlich ist. Es ist The High Evolutionary (Chukwudi Iwuji). Der Herrscher tötet und quält andere Lebewesen, um eine perfekte Welt zu erschaffen.

Und los geht die überlange und bestenfalls mäßig unterhaltsame Schnitzeljagd durch den halben Weltraum, mit Zwischenstationen in einer seltsamen Sixties-Glibber-Welt, die von Master Karja („Castle“ Nathan Fillion, wie immer gut aufgelegt) verteidigt wird, und eine alternative Erde, die von Mensch/Tier-Mischwesen bevölkert wird, die in einem Fünfziger-Jahre-Vorstadt-Amerika leben, eine unverständliche Sprache sprechen und anscheinend weitgehend harmlos sind.

Neben dem bestenfalls lässigem Storytelling, das den dritten Auftritt der Guardians auf epische hunderfünfzig Minuten auflbläht, irritiert das Verhalten der aus den vorherigen Guardians-Filmen bekannten Figuren. Sie alle verhalten sich etwas anders, als ich sie in Erinnerung habe. Es sind kleine Veränderungen, die nicht zu ihrem früheren Ich passen, aber auch nicht einfach durch ihr Alter erklärt werden können. Ihre Beziehung zueinander wirkt, immerhin habe sie in den vergangenen Jahren gemeinsam etliche Abenteuer in den „Guardians“- und anderen Marvel-Filme erlebt, nie wie eine gewachsene Beziehung, sondern wie Comedy-Routinen, in denen Figuren mit festgefügten Eigenschaften immer wieder aufeinanderprallen. Wie Stan Laurel und Oliver Hardy oder wie Tom und Jerry.

Und dann ist auch noch Gamorra dabei. Sie ist Peter Quills große Liebe. Sie starb in „Avengers: Endgame“.

Erklärt werden kann ihre, ähem, Wiedergeburt und das leicht andere Wesen der einzelnen Guardians mit der Mechanik des Multiverse, in dem die Marvel-Filme inzwischen spielen. In dem Multiverse gibt es unzählige, voneinander unabhängige Versionen einer Figur. Sie leben in verschiedenen Universen, die (normalerweise) keinen Kontakt miteinander haben. Da kann eine Figur, die in einem Zeitstrang gestorben ist, in einem anderen Universum noch lebendig sein. Da kann eine Figur, die in einer Welt ein Bösewicht ist, in einer anderen Welt ein Held sein. Erzählerisch führt dies in den Marvel-Filmen im Moment zu einem anything goes, in dem alles egal ist, weil es halt im Multiverse spielt. Wenn Gamorra in einem Universum tot ist, kann sie in einem anderen Universum lebendig sein. Und natürlich können alle Figuren in einem anderen Universum mehr oder weniger anders sein.

Der Film selbst wirkt wie die jugendfreie Ausgabe von James Gunns „The Suicide Squad“ (USA 2021), in dem die Guardians einfach noch einmal ihre alten Hits aufwärmen und lustlos runterbrettern. 

Das Filmende ist dann das schon lange vor der Premiere angekündigte Ende dieser Guardians of the Galaxy. Vor allem James Gunn ist aktuell sehr gut bei dem Konkurrenten DC Film beschäftigt. Dort ist er für alle künftigen DC-Filme verantwortlich und will auch bei einigen Regie führen. Dieses Wissen führt nie dazu, dass sich während des Films ein Gefühl des Abschied nehmens einstellt. Gunn präsentiert bis auf die letzten Minuten ein normales Guardians-Abenteuer in dem das Schicksal einer Nebenfigur im Mittelpunkt steht und mit Adam Warlock (Will Poulter) sehr pompös und zeitaufwendig eine neue Figur präsentiert wird, die für diesen Film vollkommen unwichtig ist. In späteren Filmen oder einer Streamingserie kann sie als Guter oder als Bösewicht wichtig werden. Am Ende klatscht er dann ein Ende dran, das verrät, dass diese Truppe nicht weitermachen wird. Filmisch ist das das Äquivalent zu einer schnöde mit der Post zugestellten Kündigung.

Und so ist in „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“ alles drin, was man von einem Guardians-Abenteuer erwartet, auch wenn die bekannten Figuren sich etwas seltsam verhalten und der Spaß der vorherigen Guardians-Abenteuer der Routine gewichen ist. Die gab es vor gut zehn Jahren, beim ersten Guardians-Abenteuer, nicht. Die Komödie war ein frischer Wind in der Superhelden/Science-Fiction-Landschaft. Die Guardians wurden sofort von allen geliebt. Jetzt wird das damals neue Rezept einfach nochmal aufgewärmt.

Gurdians of the Galaxy: Vol. 3 (Guardians of the Galaxy Vol. 3, USA 2023)

Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

LV: Figuren von Dan Abnett und Andy Lanning

mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel (Stimme im Original), Bradley Cooper (Stimme im Original), Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Sean Gunn, Sylvester Stallone, Will Poulter, Chukwudi Iwuji, Daniela Melchior, Michael Rosenbaum, Maria Bakalova, Nico Santos, Nathan Fillion

Länge: 151 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“

Metacritic über „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“

Rotten Tomatoes über „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“

Wikipedia über „Guardians of the Galaxy: Vol. 3“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy“ (Guardians of the Galaxy, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ (Guardians of the Galaxy Vol. 2, USA 2017)

Meine Besprechung von James Gunns „The Suicide Squad“ (The Suicide Squad, USA 2021)


TV-Tipp für den 4. Mai: Supermarkt

Mai 3, 2023

Mitternachtskino:

RBB, 00.15

Supermarkt (Deutschland 1974)

Regie: Roland Klick

Drehbuch: Roland Klick, Georg Althammer (Mitarbeit), Jane Sperr (Mitarbeit)

Der 18-jährige Willi driftet durch Hamburg. Um die Hure Monika zu retten, will er den Geldtransporter eines Supermarkts zu überfallen.

Ein deutscher Gangsterfilm, der damals von der Kritik gelobt und vom Publikum ignoriert wurde. Heute ein Kultfilm und Klassiker des deutschen Film.

„Fest steht dass Klick hier unbewusst einige wichtige Komponenten des Neuen Deutschen Films vorweggenommen hat: Jugendkriminalität, die Großstadt als Dschungel und die Entstehung von Gewalt im thematischen Bereich, glaubhafter Realismus und geradliniges Erzählkino im formalen.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 – 1980, 1981)

Als ich den Film das erste Mal sah, war ich begeistert, denn „Supermarkt“ war originäres Kino, das bis auf die Drehorte nichts mit anderen deutschen Filmen gemein hatte.

Der Titelsong „Celebration“ wird von Marius Müller-Westernhagen als Marius West gesungen; die Musik ist von Udo Lindenberg. Und Jost Vacano (Das Boot, Robocop, Total Recall) war der Kameramann.

mit Charly Wierczejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Witta Pohl, Alfred Edel

Hinweise

Homepage von Roland Klick

Wikipedia über Roland Klick und „Supermarkt“

Filmzentrale: Andreas Thomas über „Supermarkt“


Neu im Kino/Filmkritik: Die Frau mit berauschenden Talenten ist jetzt „Die Gewerkschafterin“

Mai 3, 2023

Maureen Kearney ist die mächtige und wenn sie etwas erreichen will sehr nervige Gewerkschaftsführerin bei dem französischen Industriekonzern Areva. Ihr neuestes Projekt ist die Verhinderung der Kooperation von Areva mit China beim Bau von Atomkraftwerken. Sie befürchtet, dass Arbeitsplätze und das französische Knowhow im Umgang mit der Atomenergie verloren gehen. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern.

Die von ihr und ihrer Hartnäckigkeit genervten Firmenchefs und in das Geschäft involvierte Menschen versuchen sie zum Schweigen zu bringen. Denn sie könnte ihre Pläne durchkreuzen.

Als Kearney im Dezember 2012 in ihrem Haus überfallen und vergewaltigt wird, scheint daher klar zu sein, wer dafür verantwortlich ist.

In dem Moment nimmt Jean-Paul Salomés neuer Film eine interessante Wende. Ab diesem Moment stehen nicht mehr die bis dahin formidabel bedienten Erzähltopoi des Politthrillers französisicher Prägung im Mittelpunkt. Der Fokus verschiebt sich zur Vergewaltigung und ihren Folgen. Kearny, gewohnt überzeugend von Isabelle Huppert gespielt, verhält sich nicht wie ein typisches Vergewaltigungs-Opfer. Die Polizei glaubt ihr nicht und will beweisen, dass sie die Verwaltigung nur vortäuschte. Ihr gutmütiger Mann versucht ihr eine Stütze zu sein, weiß allerdings auch nicht, ob er ihr glauben kann.

Diese Vergewaltigung und ihre Folgen fanden erst Jahre später, in einer Gerichtsverhandlung einen Abschluss. Denn Kearney ist eine reale Figur. Die gesamte Filmgeschichte basiert auf einem wahren, bei uns unbekannten Fall. Und weil Salomé nah bei den Fakten bleibt, bleibt einiges im Dunkeln; – eigentlich so, wie wir es von den klassischen Polit- und Paranoia-Thrillern kennen, die den Reichen und Mächtigen jede Schandtat zutrauen.

Salomé und Huppert arbeiteten bereits in der grandiosen Hannelore-Cayre-Verfilmung „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ zusammen. Das war eine Krimikomödie. „Die Gewerkschafterin“ ist ein Polit- und Paranoia-Thriller, mit mindestens einem Schuss Claude Chabrol. Sehenswert sind beide Filme.

Die Gewerkschafterin ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Fadette Drouard, Jean-Paul Salomé

LV: Caroline Michel-Aguirre: La Syndicaliste, 2019

mit Isabelle Huppert, Grégory Gadebois, Yvan Attal, François-Xavier Demaison, Pierre Deladonchamps, Alexandra Maria Lara, Gilles Cohen, Marina Foïs, Mara Taquin

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Die Gewerkschafterin“

Moviepilot über „Die Gewerkschafterin“

AlloCiné über „Die Gewerkschafterin“

Rotten Tomatoes über „Die Gewerkschafterin“

Wikipedia über „Die Gewerkschafterin“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD