R. i. P. Elmore Leonard

August 20, 2013

Eben via Variety erfahren:

Elmore Leonard ist gestorben.

Der am 11. Oktober 1925 geborene Krimiautor hatte letzten Monat einen Herzanfall und war auf dem Weg der Genesung. Er starb um 7.15 Uhr zu Hause im Kreis seiner Familie.

Demnächst wird es etliche Nachrufe geben.

Davon abgesehen bleibt uns sein umfangreiches Werk.

Weitere Informationen über Elmore Leonard in der Kriminalakte (allein die Menge der von mir über ihn geschriebenen Beiträge zeigt, wie sehr ich ihn bewunderte) und auf seiner Homepage.


Cover der Woche

August 20, 2013

Westlake - Sacred Monster


TV-Tipp für den 20. August: Hexenkessel

August 20, 2013

ARD, 00.50

Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin

New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.

Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.

„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)

Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden

Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)

Hinweise

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. August: Lone Star

August 19, 2013

BR, 23.15

Lone Star (USA 1996, R.: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.

„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)

Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.

Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.

mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lone Star“

Wikipedia über „Lone Star“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Sayles

John Sayles in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Bling Ring“ beklaut Hollywood-Prominente

August 18, 2013

 

Unglaublich, aber wahr: fünf Teenager rauben in Hollywood Promis aus und deren Häuser sind schlechter gesichert als meine Bude. So liegt der Haustürschlüssel für das Anwesen von Paris Hilton unter der Fußmatte.

Das war der erste Einbruch des Bling Ring, der zwischen Oktober 2008 und August 2009 in die Häuser von Paris Hilton (mehrmals), Lindsay Lohan, Orlando Bloom, Brian Austin Green, wegen seiner Freundin Megan Fox, und einigen anderen, bei uns eher unbekannten Prominenten einbrachen und Schmuck und Kleider im Wert von 3 Millionen Dollar stahlen. Dabei ging es ihnen nicht um das Geld, sondern darum, in der Nähe der Prominenten zu sein. Einen guten Teil ihrer Freizeit verbrachten sie in den angesagten Clubs von Los Angeles, die auch von ihren Opfern frequentiert wurden.

Nancy Jo Sales schrieb über sie eine „Variety“-Reportage und „Lost in Translation“-Regisseurin Sofia Coppola verfilmte jetzt diese Geschichte als „The Bling Ring“. Sie erzählt die Geschichte der einbrechenden Teenager, die kein Unrechtsbewusstsein haben, semidokumentarisch, ohne über ihre Protagonisten zu urteilen, mit einer zurückhaltend beobachtenden Handkamera, leicht achronologisch im bewährten Steven-Soderbergh-Stil und mit unbekannten Darstellern. Auch Emma Watson ist eher nicht zu erkennen. Sie haben auch kaum individuelle Kennzeichen, Als oberflächliche Personen verwechseln sie Kleidung mit Persönlichkeit und Accessoires mit Individualität. Sie sind promiverrückte, ziemlich gut situierte Jugendliche, die in einer Welt leben, in der Leute berühmt sein können, weil sie berühmt sind.

Es geht ihnen daher nicht um den monetären, sondern den ideellen Wert der gestohlenen Gegenstände. Sie wollen den Berühmtheiten nahe sein, sich als Teil ihres Lebens fühlen und mit den Einbrüchen gelingt es ihnen. Sie wollen auch teilweise vor ihren Freunden damit angeben. In der Schule erzählen sie von ihren Diebstählen, nehmen weitere Schulfreunde mit auf ihren nächtlichen Streifzüge und auf Facebook posten sie Bilder von sich in den gestohlenen Kleidern in angesagten Clubs.

Außerdem genießen sie auch etwas die mit den Einbrüchen verbundene Gefahr.

Gerade wenn man in dem Film glaubt, dass Sofia Coppola jetzt übertreibt und satirisch zuspitzt, zeigt ein Blick auf die Fakten, dass gerade die unglaublichsten Begebenheiten, wie offenstehende Türen, eine ahnungslose Polizei und ein TV-Sender, der eine Reality-Show mit einem Mitglied des Bling Rings macht (okay, die Show war ursprünglich als natürlich inszenierte Reportage aus dem Leben eines Modells geplant und wurde dann zu etwas größerem), wahr sind.

Coppola konzentriert sich in „The Bling Ring“ auf die Teenager und verfolgt sie weitgehend ohne eine offenkundig moralische Position einzunehmen oder zu psychologisieren. Alle Erklärungen kommen von den Mitgliedern des Bling Rings und, eben weil sie außer dem Promikult und der Suche nach der richtigen Kleidung keine Interessen haben, haben die Charaktere auch nicht mehr psychologische Tiefe als eine Barbie-Puppe – und langweilen entsprechend schnell.

Die wenigen Wertungen der Filmemacherin, wie die Wahl des reuigen Sünders Mark als zentrale Figur und die Darstellung des hohlen Lebens der ziemlich hohlen Protagonisten, sind so implizit, dass sie kaum auffallen und wahrscheinlich nur von denen erkannt werden, die eben diese Meinung teilen.

Auch die Medienkritik – auch wenn das ein anderer Film wäre – fällt zahm aus. Gerade die zeitgleich mit der Verhaftung von Alexis Neiers (im Film Nicki) gedrehte E!-Reality-Show „Pretty Wild“, in der sie die Hauptrolle hatte, böte viel Stoff für eine zünftige Mediensatire. So wurde ihr während der Dreharbeiten immer wieder gesagt, was sie spontan sagen solle. Dieses Detail der „scripted reality“, in der sich die Mitglieder des Bling Rings bewegten, wird im Film nicht gezeigt.

Ebenso unglaublich wie die Geschichte der jugendlichen Einbrecher ist das Anwesen von Paris Hilton, in der Sofia Coppola drehen durfte. Das muss man gesehen haben. Sonst glaubt man es nicht.

The Bling Ring - Plakat

The Bling Ring (The Bling Ring, USA 2013)

Regie: Sofia Coppola

Drehbuch: Sofia Coppola

LV: Nancy Jo Sales: The Suspects wore Louboutins (Variety-Reportage, März 2010)

mit Israel Broussard, Katie Chang, Taissa Farmiga, Claire Julien, Georgia Rock, Emma Watson, Leslie Mann, Gavin Rossdale, Paris Hilton (Cameo)

Regie: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Bling Ring“

Metacritic über „The Bling Ring“

Rotten Tomatoes über „The Bling Ring“

Wikipedia über „The Bling Ring“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über die wahren Hintergründe

 

 

 


TV-Tipp für den 18. August: Last Man Standing

August 18, 2013

RTL II, 22.55

Last Man Standing (USA 1996, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)

USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.

Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.

mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Last Man Standing“ 

Wikipedia über „Last Man Standing“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills „Shoutout – Keine Gnade“ (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. August: Blutsverwandte

August 16, 2013

MDR, 00.00

Blutsverwandte (F/Can 1977, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Sydney Banks

LV: Ed McBain: Blood relatives, 1975 (Blutschwestern)

Carella vom 87. Revier untersucht den Überfall auf die 15-jährige Patricia und den Mord an ihrer Cousine.

Chabrol inszenierte eine hochkarätig besetzte, psychologische Kriminalgeschichte. Ein selten gezeigter Film

Mit Donald Sutherland, Stéphane Audran, Donald Pleasence, David Hemmings

Hinweise

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions)

Meine Besprechung von Ed McBains „Die Gosse und das Grab“ (The Gutter and the Grave, 2005, Originalausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik/Buchkritik: „Kick-Ass 2“ kickt in Jeff Wadlows Actionkracher und Mark Millars Comics ass

August 16, 2013

Wer mit „Kick-Ass“, der grandiosen und sehr respektlosen Liebeserklärung an die Superhelden, nichts anfangen konnte, sollte um „Kick-Ass 2“ einen großen Bogen machen. Denn der Film und der ihm zugrunde liegende Comic „Kick-Ass 2“ von Autor Mark Millar und Zeichner John S. Romita, Jr., ergänzt um etliche Szenen aus „Hit-Girl“ (die im Comic eine Elfjährige, im Film eine Fünfzehnjährige, ist) ist brutal, oft vulgär, zynisch, schwarzhumorig und nie wirklich jugendfrei. Deshalb ist „Kick-Ass 2“ auch „frei ab 18 Jahre“ und er hat sich diese Freigabe ehrlich verdient.

Nach dem Ende von „Kick-Ass“ ist Frank D’Amico (Mark Strong) tot. Kick-Ass (Aaron Taylor-Johnson), ein Möchtegern-Superheld mit dem Talent, sich verprügeln zu lassen, und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz), ein Mädchen, das lässig ganze Legionen böser Jungs verprügelt und tötet, töteten den Mafia-Boss D’Amico und seine Männer. Dabei starb Hit-Girls Vater Big Daddy (Nicholas Cage in einem seiner besten Leinwandauftritte der vergangenen Jahre).

Hit-Girl Mindy McCready lebt jetzt bei Detective Marcus Williams (Morris Chestnut), der mit ihrem Vater befreundet war, und besucht die Schule. Eine für sie fremde Welt. Denn anstatt ihrer Bestimmung folgend, Verbrecher zu vermöbeln, muss sie jetzt Soap-Operas gucken und sich für Justin Bieber begeistern.

Aber die meiste Zeit schwänzt sie die Schule (Keine Panik. Sie hat den Schulcomputer gehackt und ist deshalb auf dem Papier immer anwesend.) und bildet Kick-Ass Dave Lizewski aus. Denn Daves Ambitionen sind größer als seine kämpferischen Fähigkeiten.

Als Marcus herausbekommt, dass Mindy nicht zur Schule geht, muss sie ihm versprechen, zur Schule zu gehen. Weil Big-Daddy sie erzogen hat, gegebene Versprechen zu halten, hält sie sich auch daran.

Dave, der schon immer davon träumte, zu einem Team von Superhelden zu gehören, schließt sich Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) an. Der zum Gläubigen konvertierte Gangster hat die Gruppe „Justice Forever“ gegründet. Gemeinsam gehen sie mit ziemlich drastischen Methoden gegen Gangster vor. Meistens patrouillieren sie allerdings, wie eine Bürgerwehr in kindischen Verkleidungen, durch die Straßen, geben Autogramme und helfen in der Suppenküche aus.

Währenddessen will Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), der Sohn von Frank D’Amico und der in „Kick-Ass“ Red Mist war, seinen Vater rächen. Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt er eine Ledermontur in ihrem Nachlass, zieht sie an und nennt sich jetzt „The Motherfucker“. Weil seine verbrecherischen Fähigkeiten proportional zu seinen Ambitionen sind, kauft er sich eine Bande von Schlägern ein, die ihm bei seiner Mission helfen sollen. Seine beste Waffe ist „Mother Russia“, wie er eine muskelbepackte Ex-KGB-Agentin nennt und deren Spitznamen man nicht mit „Mütterchen Russland“ übersetzen sollte. Sie ist die böse Schwester, die Ivan Drago (Dolph Lundgren) vor dem Frühstück vermöbelt und dann – vielleicht – verspeist.

Der große Spaß an „Kick-Ass 2“, in dem er auch um das Erwachsen-Werden geht, ist, dass Mark Millar, John Romita, Jr. und Jeff Wadlow jedes Superhelden-Klischee nehmen und es vom Kopf auf die Füße stellen, einem Realitätscheck unterziehen, die Superheldenmythologie kräftig entstauben und dann doch wieder – irgendwie – bestätigen. Aber halt auf eine zynisch-schwarzhumorige, pathosfreie Art.

Zur Vorlage oder Die gezeichneten Abenteuer von Kick-Ass und Hit-Girl

Der Film folgt ziemlich genau, bis auf das Finale, der Comicvorlage „Kick-Ass 2“, ergänzt um große Teile aus „Hit-Girl“, wobei im Film Hit-Girl älter als in den Vorlagen ist, weil die Hauptdarstellerin älter wurde. Die Namen einiger Charaktere wurden geändert. So wurde aus Chris Genovese Chris D’Amico. Naja, eine alte Hollywood-Weisheit sagt: „You can always change the name.“

Und der gesamte Film spielt mit Insider-Gags, Zeichen und Insignien, die das Herz des Fans erfreuen, ohne die Geschichte zu stören oder allzu besserwisserisch rüberzukommen. So hängt Daves Vater in einer Szene ein Plakat auf, während er ihm etwas von Verantwortung und den Unterschieden zwischen Comics und dem echten Leben erzählt. Auf dem Plakat ist das Cover von Mark Millar/Leinil Yus „Superior“ abgebildet. In diesem Comic möchte der an MS erkrankte Simon gerne ein Superheld sein. Ormon erfüllt ihm diesen Wunsch. Aber nach einer Woche hätte er gerne seine Seele, sonst wird Superior wieder der kranke Junge. Millar erzählt seine Version von der Verführbarkeit des Einzelnen in seinem typischen Stil – und gleichzeitig liefert er eine Liebeserklärung an Superman, der Simon für Superior als Vorbild diente.

Mark Millar und Leinil Yu widmeten „Superior“ Christopher Reeve und Richard Donner.

Die Comics sind genauso lesenswert wie „Kick-Ass 2“ sehenswert ist. Jedenfalls wenn man auf diese Art von Humor steht.

Kick-Ass 2 - Hauptplakat

Kick-Ass 2 (Kick-Ass 2, USA 2013

Regie: Jeff Wadlow

Drehbuch: Jeff Wadlow

LV: Mark Millar/John S. Romita Jr.: Kick-Ass 2, 2010/2012 (Kick-Ass 2)

mit Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Morris Chestnut, Christopher Mintz-Plasse, Jim Carrey, Yancy Butler, John Leguizamo, Clark Duke, Augustus Prew, Lyndsy Fonseca, Donald Faison, Lindy Booth, Robert Emms, Monica Dolan, Steven Mackintosh, Olga Kurkulina, Daniel Kaluuya, Tom Wu, Andy Nyman, Iain Glen

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Die direkte Vorlage für den Film und damit zusammenhängende Werke von Mark Millar

Millar - Kick-Ass 2 - Band 1

Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

108 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4

Icon Comics, Dezember 2010 – November 2011

Millar - Kick-Ass 2 - Band 2

Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

100 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7

Icon Comics, Januar – Mai 2012

Millar - Kick-Ass 2 - Gesamtausgabe

Die beiden „Kick-Ass 2“-Einzelbände erschienen auch Sammelband.

Millar - Hit-GirlMillar - Hit-Girl - Limitiertes Hardcover

Mark Millar/John Romita, Jr.: Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2013

124 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl, Issue 1 – 5

Icon Comics, August 2012 – April 2013

Millar - Superior 2

Mark Millar/Leinil Yu: Superior – Band 2

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

100 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Superior, Issue 5 – 7

Icon Comics, Dezember 2011 – März 2012

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kick-Ass 2“

Metacritic über „Kick-Ass 2“

Rotten Tomatoes über „Kick-Ass 2“

Wikipedia über „Kick-Ass 2“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Die Charakterposter

Kick-Ass 2 - Kick-Ass

Kick-Ass 2 - Hit-Girl

Kick-Ass 2 - Motherfucker

Kick-Ass 2 - Colonel Stars and Stripes

Ein brandneues Interview mit Jeff Wadlow und Christopher Mintz-Plasse


TV-Tipp für den 16. August: Polizeiruf 110: Mit anderen Augen

August 16, 2013

ARD, 22.00 Uhr/Eins Festival, 23.35 Uhr

Polizeiruf 110: Mit anderen Augen (D 2006, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Christian Limmer

Ein Serienkiller geht in München um. Ein Profiler aus den Vereinigten Staaten soll den Kommissaren Tauber und Obermaier helfen.

„Mit anderen Augen“ ist eine ziemlich durchgeknallte Thriller-Groteske. Die bayerischen Polizeirufe gehören zu den besten deutschen TV-Krimis.

Mit Edgar Selge, Michaela May, Udo Kier, Tayfun Bademsoy

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

One Road.Endless Possibilities: Interview mit Buddy Giovinazzo (21. Februar 2011, deutsch)

Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Cracktown” (Life is hot in Cracktown, 1993)

Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Piss in den Wind” (Caution to the winds, 2009)

Buddy Giovinazzo in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ und auf der Jagd nach dem Goldenen Vlies

August 15, 2013

 

Beginnen wir mit den für einen echten Krimifan interessanten und wichtigen Punkten bei „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“:

Percy Jackson wurde von Rick Riordan erfunden. Riordan erfand auch Privatdetektiv Tres Navarre und seine sieben Bücher mit ihm wurden für den Edgar-, Anthony- und Shamus-Award nominiert. Also ein echter Krimiautor, dessen Krimis nie ins Deutsche übersetzt wurden und der „Rowling umgekehrt“ machte. Denn er wurde vom Krimiautor zum Fantasy- und Jugendbuchautor. Einem sehr erfolgreichen. Immerhin sollen über zwanzig Millionen Exemplare seiner Percy-Jackson-Bücher weltweit verkauft worden sein. In den USA haben die Abenteuer von Percy Jackson viele Fans und die fünf Romane gehören zu den sich am besten verkauften Kinder- und Jugendbüchern, die sich vor allem an Zwölfjährige richten.

Richard Castle spielt mit. Also nicht der Krimi-Bestsellerautor, sondern Nathan Fillion, der Schauspieler, der den Bestsellerautor in der wöchentlichen TV-Krimiserie „Castle“ spielen darf. Aber während der echte Richard Castle das Licht der Öffentlichkeit meidet (Mr. Fillion macht das ja für ihn), muss ein Schauspieler halt auch Geld verdienen – und wenn es als griechischer Gott Hermes ist, der in der Gegenwart ein beeindruckendes Lagerhaus hat. Für uns Menschen sieht Hermes allerdings wie ein stinknormaler UPS-Zweigstellenleiter einer wirklich kleinen, leicht renovierungsbedürftigen Zweigstelle in Washington, D. C., aus.

Und da wären wir auch bei Rick Riordans Kniff: in seinen Percy-Jackson-Büchern versetzt er die griechische Götterwelt in die Gegenwart. In die USA. Und lässt Menschen (die die Götter nicht erkennen), Halbgötter und Götter gegeneinander kämpfen, lieben und leiden. Halt wie damals im alten Griechenland, aber mit Autos, Computern und Smartphones.

In dem zweiten „Percy Jackson“-Abenteuer müssen Percy Jackson, der halb menschliche Sohn von Poseidon, und seine Freunde, die im Wald in einem lauschigen Lager für Halbgötter, dem Camp Half-Blood, leben, nach einem Angriff von einem mechanischen Monster, das ihr unsichtbares Schutzschild durchbrach, aufbrechen und das Goldene Vlies, das sie retten kann, suchen. Die Spur führt zum Bermuda-Dreieck, dem Meer der Monster, und die Zeit drängt.

Denn Luke, der Sohn von Hermes, will ebenfalls das Goldene Vlies haben. Allerdings will er nicht das Lager der Halbgötter beschützen, sondern vernichten.

Das könnte ein vergnügliches Fantasy-Abenteuer sein, bei dem Kinder sich an den farbenprächtigen Abenteuern und Ältere an dem Spiel mit der griechischen Mythologie erfreuen. Aber es ist ein Film für ADHS-geschädigte Zehnjährige, die von einem Film einfach nur in kurzen Abständen Action, beeindruckende Sets und einige Witzeleien wollen. Dummerweise ist der Film-Percy vier Jahre älter als der Buch-Percy und deshalb gibt es auch etwas Liebesgeplänkel, was Zehnjährige nicht sonderlich interessiert.

Für andere ist der Film ein erzählerisches Desaster, das wieder einmal alle meine Vorurteile gegenüber Fantasy-Geschichten bestätigte. Denn während in normalen Geschichten (wozu auch Science-Fiction und Horror gehören) die Autoren an die Realität und die Regeln der von ihnen geschaffenen Welt gebunden sind, kann in einer Fantasy-Geschichte alles mit einem Zauberspruch, einem aus dem Nichts auftauchendem Monster oder einem mit einem Pfiff herbeigerufenem Seemonster, wenn man es gerade benötigt, alles gelöst werden.

Und wenn das alles nicht hilft, gibt es noch das Goldene Vlies, das enorme heilende Kräfte hat – und damit Tote wieder lebendig machen kann.

Damit schrumpfen dann die Probleme und Gefahren für die Protagonisten zunächst auf den richtigen Gebrauch von Zaubersprüchen und, weil alles möglich ist und nichts wirklich folgenreich für die Charaktere und die Welt ist, verflüchtigen sich die Probleme und Gefahren ins Nichts.

Außerdem nimmt sich der Film nie Zeit, an einem Ort zu bleiben. Nur in dem Lager der Halbgötter, das mit seinen Holzhütten wie ein Ferienlager wirkt, verbringen wir am Filmanfang etwas mehr Zeit. Aber danach geht es Hopplahopp von einem Ort zum Nächsten.

Und wahrscheinlich alle Kämpfe wurden vor einem Green Screen getrickst. Jedenfalls sind die zahlreichen Monster nie bedrohlich und die Schauspieler wirken immer so, als ob sie gegen einen nicht vorhandenen Gegner kämpfen müssen. Sowieso wirken die meisten CGI-Effekte erstaunlich billig.

Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ ist eine ziemlich langweilige Angelegenheit – für alle, die keine zehn Jahre mehr sind.

Percy Jackson 2 - Plakat

Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen (Percy Jackson: Sea of Monsters, USA 2013)

Regie: Thor Freudenthal

Drehbuch: Marc Guggenheim

LV: Rick Riordan: Percy Jackson and the Olympians: The Sea of Monsters, 2006 (Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen)

mit Logan Lerman, Alexandra Daddario, Douglas Smith, Leven Rambin, Brandon T. Jackson, Jake Abel, Anthony Head, Stanley Tucci, Connor Dunn, Nathan Fillion, Robert Knepper, Ron Perlman (im Original die Stimme von Polyphemus)

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Ach ja: 3D

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“

Metacritic über „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“

Rotten Tomatoes über „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“

Wikipedia über „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ (deutsch, englisch)

Homepage von Rick Riordan


Neu im Kino/Filmkritik: „GrossStadtKlein“ umschifft alle Konflikte

August 15, 2013

Beginnen wir mit dem Positiven: ich war während des gesamten Films amüsiert, weil die meisten Szenen in sich gelungen waren und die Schauspieler allesamt sympathisch sind.

Dummerweise ergibt das keinen Film, sondern eine Ansammlung von Szenen und, mit zunehmender Laufzeit, einem Gefühl von großer, fast schon unendlicher Leere. Denn in „GrossStadtKlein“ kämpfen Menschen bestenfalls mit Scheinkonflikten und ausgedachten Problemchen in einem ortlosen Nirgendwo. Dabei brauchen wir für eine kraftvolle Geschichte echte, nachvollziehbare, schwer lösbare Konflikte (also genau das, was wir in unserem normalen Leben nicht mögen) und wir brauchen einen Protagonisten, der ein für ihn schwer zu erreichendes Ziel unbedingt erreichen möchte und es auf dem Weg dorthin große Hindernisse, zahlreiche Konflikte und schwierige Entscheidungen gibt.

Aber in „GrossStadtKlein“ gibt es nur nette Menschen und die heile Welt. In der Kleinstadt und in der Großstadt, die einerseits als gegensätzliche Lebenswelten dargestellt werden könnten, aber schon im Titel in einem Wortspiel zusammengefügt werden.

Unser Held Ole lebt im nordöstlichsten Zipfel von Mecklenburg-Vorpommern und er ist glücklich. Keine Ahnung, was er macht; außer mit seinem Moped und seinen beiden Kumpels durch die Wälder an der Ostsee zu düsen und alles super zu finden. Er versteht sich prächtig mit seinen Eltern und den Großeltern, mit denen er zusammen wohnt. Das ist auch schon das einzig ungewöhnliche an dem Film: Der Dorfjunge will das Dorf nicht verlassen. Er will nicht in die Großstadt, keine Frau fürs Leben finden und, gut das hatten wir zuletzt öfters, nicht erwachsen werden.

Natürlich muss er dann doch in die gefährliche Großstadt. Es ist Berlin, könnte aber genausogut jede andere Großstadt oder größere Stadt sein; also alles, was mehr als eine Haupt- und eine Nebenstraße hat. Dort hat er ein von seinem todkranken Großvater organisiertes Praktikum bei einem Kalenderverlag bekommen. Seine Skizzen, Zeichnungen von rammelnden Wildtieren, die in einem Kalender erscheinen sollen, werden wohlwollend von dem Chef und seinem schwulen Sohn (also SCHWUL in der verklemmten bürgerlich-konservativen Variante. Nicht die lässig liebenswerte Almodovar-Variante) aufgenommen.

Ebenfalls freundlich wird Ole von seinem Cousin Rokko, bei dem er übernachten soll und den er seit Kindesbeinen nicht mehr gesehen hat, aufgenommen. Dabei soll Rokko eigentlich ziemlich böse sein; vor allem weil ihre Väter seit Ewigkeiten miteinander zerstritten sind und das dann natürlich auch für deren Kinder gelten muss. Aber er ist ziemlich nett, lässig und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Nett und auch sehr unverklemmt ist Fritzi, die sich ohne Scham vor Ole anzieht. Für Rokko ist sie mehr die kleine Schwester und, weil er sie kennt, empfiehlt er Ole, sich nicht mit ihr einzulassen.

Selbstverständlich verliebt Ole sich sofort in sie. Und er stürzt sich in das Großstadtleben mit Hinterhofabrissbudentechnodisco (weil szenig und Berlin), etwas Gesetzesübertretung (Fritzi, ganz das schamlose Stadtluder, will ihn gleich am ersten Abend in einem Auto, das sie aufbricht, vögeln) und Berlin-Postkartenbildern, damit wir nie vergessen, dass der Film in Berlin spielt.

Aber dann stirbt Oles Opa und Fritzi, Rokko und sein Vater machen sich auf den Weg zur Trauerfeier – und wir erfahren mehr von dem so komplizierten Familienstreit, als wir jemals erfahren wollten. Letztendlich geht es einfach um zwei Dickköpfe, die nicht miteinander reden wollen.

GrossStadtKlein“ spielt, wie so viele deutsche Filme, in einer künstlichen Patchwork-Welt, in der nichts zusammenpasst, strotzt vor Stereotypen und Klischees (einmal dürft ihr raten, wo die Jungs zur Problembewältigung hingehen), er vermeidet Konflikte wie der Teufel das Weihwasser und ertränkt alles in biederer Harmonie. Das ist einfach langweilig und, wenn man überlegt, was man mit einem besseren Drehbuch hätte machen könne, auch ärgerlich.

GrossStadtKlein - Plakat

GrossStadtKlein (Deutschland 2013)

Regie: Tobias Wiemann

Drehbuch: Tobias Wiemann

mit Jacob Matschenz, Jytte-Merle Böhrnsen, Klaas Heufer-Umlauf, Kostja Ullman, Pit Bukowski, Tobias Moretti, Ulrike Krumbiegel

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „GrossStadtKlein“


TV-Tipp für den 15. August: Der Regisseur Andreas Dresen

August 15, 2013

MDR, 23.05

Der Regisseur Andreas Dresen

Halbstündige Doku über Andreas Dresen („Die Polizistin“, „Sommer vorm Balkon“, „Wolke 9“ und die beiden Dokumentationen über Herrn Wichmann von der CDU), der am 16. August seinen fünfzigsten Geburtstag feiert.

Im Anschluss läuft der von Dresen inszenierte „Polizeiruf 110: Der Tausch“ (D 1997).

Hinweise

MDR über die Doku

Film-Zeit über Andreas Dresen

Wikipedia über Andreas Dresen


Friedrich Anis „Verzeihen“ ist jetzt „Süden und die Stimme der Angst“

August 14, 2013

Ani - Süden und die Stimme der Angst - 2

Für einen „Süden und“-Roman ist „Süden und die Stimme der Angst“ mit 352 Seiten erstaunlich umfangreich. Immerhin ist die Standardlänge für einen „Süden und“-Roman 208 Seiten. Daran änderte sich auch nichts, als Friedrich Anis Held Tabor Süden von der Vermisstenstelle der Polizei zur Detektei Liebergesell wechselte. Immer noch gräbt er sich in kurzen Geschichten in das unspektakuläre Leben der kleinen Leute, die man in München in der U-Bahn oder der Kneipe nicht weiter beachtet.

Aber neben den „Süden und“-Büchern schrieb Ani auch einige längere Romane mit Tabor Süden, seinem ersten, erfolgreichsten und beliebtesten Ermittler.

So entstanden vor der zehnbändigen „Süden und“-Serie drei Einzelromane, in denen andere Charaktere im Mittelpunkt standen und nach dem Ende der ursprünglichen „Süden und“-Serie, die zwischen 2001 und 2005 erschien, 2011 „Süden“ und zwei weitere „Süden und“-Romane und für den 1. Oktober ist „M“, ein weiterer Roman mit Tabor Süden, bei Droemer als Hardcover angekündigt.

Süden und die Stimme der Angst“ gehört zu diesen älteren Werken. Der Roman erschien 2001 als Hardcover unter dem Titel „Verzeihen“ und wurde bis jetzt noch nicht als Taschenbuch veröffentlicht.

Im Mittelpunkt stehen Ariane Jennerfurt, eine HIV-infizierte Ex-Prostituierte, und Niklas Schilff, ein Ex-Starjournalist (es ging um Fake-Interviews mit US-Promis), der sie vergewaltigt, von ihrer Infektion erfährt und sie entführt. Tabor Süden und seine aus den „Süden und“-Büchern bekannten Kollegen von der Vermisstenstelle der Münchner Kripo suchen die „Frau, der die Liebe abhandengekommen ist“ (Klappentext).

Damals kam das Buch bei der Kritik gut an und ebnete mit den „Süden und“-Romanen Friedrich Anis Weg in die Herzen der Krimifans und der Literaturkritiker.

Friedrich Ani: Süden und die Stimme der Angst

Knaur, 2013

352 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Verzeihen

Droemer Verlag, 2001

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Vier Montage im Herbst mit und über politische Krimis – in der Hansestadt Hamburg

August 14, 2013

 

Das ist jetzt etwas für die Hamburger und alle, die nach einer Entschuldigung für einen Hamburg-Besuch suchen:

Denn der Ariadne Verlag veranstaltet mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg und dem Buchladen Osterstraße (Osterstraße 171, 20255 Hamburg) an vier Montagen (26. August, 23. September, 28. Oktober und 25. November) ab 20.00 Uhr spannende Diskussionen mit Dominique Manotti („Zügellos“), Robert Brack („Blutsonntag“, „Unter dem Schatten des Todes“), Merle Kröger („Grenzfall“), Christine Lehmann („Die Affen von Cannstatt“), Clementine Skorpil („Gefallene Blüten“), Charlotte Otter („Balthasars Vermächtnis“), Lektorin Iris Konopik und Ariadne-Verlegerin Else Laudan (hier ein aktuelles Interview mit ihr).

Die Namen verraten, dass hier „politischer Kriminalroman“ nicht als biederer Regio-Krimi mit kleiner Polit-Beigabe oder als weltumspannender Agententhriller, gerne mit einer kräftigen Portion Verschwörungstheorie, sondern als aufklärerisches Projekt verstanden wird, dass in einem Kriminalroman (vulgo einer spannenden Geschichte) die Wirklichkeit seziert wird, über Probleme aufgeklärt und Partei ergriffen wird, ohne in den biederen „Tatort“-Duktus zu verfallen.

 

Geplant sind, in den Worten der Macher:

Montag, 26. August, 20.00 Uhr

 

Krimis als Fenster zur Welt

Kriminalliteratur kann Gesellschaftsbarometer und Brücke zu fremden Kulturen sein: das Beispiel Südafrika

 

Mit Charlotte Otter und Verlegerin Else Laudan

 

Else Laudan referiert einführend zur Entwicklung und Lage des Genres, zu Erfahrungen aus dem Ariadne-Programm, zur Idee einer Politik des Kulturellen (Gramsci) mit Krimis, zum kriminalliterarischen Blick über den Tellerrand (Stichworte Welthaltigkeit, Extremistan).

Das Beispiel Südafrika: Deon Meyer, Mike Nichols und Roger Smith haben dem deutschsprachigen Publikum das Post-Apartheids-Südafrika der harten Jungs nahegebracht – vielschichtig und intelligent, aber doch irgendwie immer als Macho-Abenteuer. Der Deutsche Bernhard Naumann wagt sich an eine namibische schwarze Ermittlerin. Malla Nunn mit ihren Detectives Emmanuel Cooper und Shabalala liefert eindringlich die historische Dimension der Rassentrennungsgesellschaft.

Bei Ariadne erschien im Juli 2013 Charlotte Otters Krimi-Debüt Balthasars Vermächtnis, das in der bisher bekannten Südafrikakrimi-Palette weitere Leerstellen füllt.

Charlotte Otter liest aus Balthasars Vermächtnis (geschrieben auf Englisch, aber die Autorin lebt seit vielen Jahren in Deutschland und kennt beide Kulturen genau).

In einer offenen Diskussion könnte es um diverse Themen gehen: die südafrikanische Gesellschaft, Leser/innen-Erwartungen an politische Krimis, warum Hardboiled und Noir gerade jetzt so beliebt sind, geografische und politische Horizonterweiterung als Aufgabe von Unterhaltungsliteratur, Gender und soziale Themen u. v. m.

Montag, 23. September, 20.00 Uhr

 

Geschichte als Verbrechen

Historische Ereignisse im politischen Spannungsroman

 

Mit Clementine Skorpil und Robert Brack

 

Die österreichische Sinologin Clementine Skorpil hat einen historischen Shanghai-Krimi geschrieben, der Leben und Sterben im präkommunistischen China zeigt: „Gefallene Blüten“ spielt 1926, Protagonisten sind eine alte Frau vom Lande, die ihre verschollene Enkelin sucht, und ein junger Städter, der in Paris studiert hat und seitdem auf eine kommunistische Revolution hofft, um China aus dem Würgegriff von Kolonialisten und Triaden zu befreien. Der Krimi beleuchtet die Situation der Kurtisanen, Politik- und Geschlechterverhältnisse im Shanghai der Zwanziger, wo Kulturen aufeinanderprallen, wo die industrielle Revolution tobt, während ›fremde Teufel‹ und heimische Gangster absahnen.

Der Hamburger Robert Brack hat sich kriminalliterarisch mit den Verhältnissen im kommunistischen Polen und dem postkommunistischen Osteuropa auseinandergesetzt, in seinen Romanen „Blutsonntag“ und „Und das Meer gab seine Toten wieder“ schickt er die unerschrockene Kommunistin Klara Schindler auf Spurensuche und verschränkt zeitgeschichtliche Fakten der 1930er mit einer fiktiven Handlung, um Hintergründe und Zusammenhänge zum Leben zu erwecken (sein aktuelles Buch „Unter dem Schatten des Todes“ befasst sich mit dem Reichstagsbrand).

Beide gehen engagiert in ihren Krimis der Frage nach, auf welche Realität die kommunistische Idee einst historisch zu antworten suchte und wie sie auf die Verhältnisse prallte. Ein Abend mit Lesung, Diskussion und bunten Überlegungen zum linken historischen Spannungsroman.

Montag, 28. Oktober, 20.00 Uhr

 

Gerechtigkeit? Für wen?

Das Kriminelle im Hier und Jetzt: Standort Deutschland im patriarchalen globalisierten Kapitalismus

 

Mit Merle Kröger und Christine Lehmann

 

Die Berliner Filmemacherin und Autorin Merle Kröger und die Stuttgarter Journalistin und Autorin Christine Lehmann verbindet einiges: Beide möchten das Publikum anregen und aufklären, ohne zu belehren, beide schreiben in hoher literarischer Qualität, mit feministischer Ethik, mit unbedingtem Realismusanspruch und präziser Milieukenntnis – und mit einer Vorliebe für Themen, die in vielen Köpfen klischee- und vorurteilsbeladen sind.

Merle Krögers „Grenzfall“ (Deutscher Krimi Preis 2013, Stuttgarter Krimipreis) nimmt ins Visier, wie unsere Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit kulturell anderen versagt, und rückt die Grenzen der europäischen Rechtsauffassung ins Bild. Stichworte: Migranten, Roma, Rechtsextreme, Europa, soziale Gerechtigkeit.

Christine Lehmanns neuer Roman „Die Affen von Cannstatt“ erzählt aus der Perspektive einer in U-Haft sitzenden Frau, die nichts verbrochen hat, aber Tochter einer gesuchten Kindsmörderin ist. Der eher düstere Roman spielt großenteils im Knast, in U-Haft und im Zoo. Stichworte: Gefangenschaft, Verbrecherinnen, Matriarchat in der Tierwelt, weibliche Aggression, Kindstötung.

Beide Autorinnen lesen aus ihren Büchern und diskutieren miteinander und mit dem Publikum. Diskussionsthemen könnten z. B. sein: Identität in unserer Kultur, Determinanten von Identität wie Arbeit, Herkunft und Geschlecht, Lebensplan und Aufgehobenheit, fiktive bzw. Serienfiguren.

Montag, 25. November, 20.00 Uhr

 

Wie Schreiben?

Spannende, entlarvende Fiktion aus realen Verbrechen: Abschlussveranstaltung mit der Grande Dame des Noir

 

Mit Dominique Manotti und ihrer Lektorin Iris Konopik als Dolmetscherin

 

Lieber als aus ihren Werken vorzulesen sucht Manotti den Dialog mit dem Publikum, was gut für eine Abschlussveranstaltung passt. Eine tolle Gelegenheit, nicht nur über die sozialkritische Kompetenz des Noir zu sprechen, sondern auch über den Prozess des Schreibens über Verbrechen, über die literarische Form und ihre Wechselwirkung mit den politischen Inhalten.

»Ich schreibe über den Verlust und die Katastrophen. Nicht der gesamte roman noir ist links. Doch findet man im Genre viele 68er, die die Hoffnungen der Epoche nicht verraten haben, viel mehr als in anderen Berufsgruppen. (…) Ich habe eine schwarze (noir) Sicht auf die Dinge, weil ich glaube, dass meine Generation die sozialen Veränderungen, die ich wollte und von denen ich träumte, nicht mehr erleben wird. (…) In unseren Romanen gehen wir zur Geschichte zurück, zur Anekdote, zu den Subjekten. Das ist eigentlich ziemlich klassisch. Wir sind Geschichtenerzähler.« (Manotti im Interview 2004)

Im Dialog mit Dominique Manotti und Iris Konopik lassen sich abschließend nochmals geballt die interessantesten Themen der vorangegangenen Veranstaltungen aufgreifen: Reflexion über Aufgaben, Möglichkeiten und literarische Herausforderungen politischer Kriminalliteratur.

 

 


TV-Tipp für den 14. August: Monster

August 14, 2013

Tele 5, 22.25 Uhr

Monster (USA 2003, R.: Patty Jenkins)

Drehbuch: Patty Jenkins

Gelungenes Biopic über Aileen Wuornos, die 1989/1990 in Florida sechs Männer ermordete. Sie wurde 2002 hingerichtet.

Charlize Theron erhielt für ihr Porträt der Serienmörderin einen Oscar, den Golden Globe und den Silbernen Bären.

Patty Jenkins‘ Drehbuch war für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert – und trotz des Erfolges von „Monster“ drehte sie seitdem keinen weiteren Spielfilm, sondern arbeitete nur für das Fernsehen, unter anderem der US-Version von „The Killing“/“Kommissarin Lund“.

mit Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern, Scott Wilson, Pruitt Taylor Vince

Hinweise

Metacritic über „Monster“

Rotten Tomatoes über „Monster“

Wikipedia über „Monster“ (deutsch, englisch)


Wer hat den „Dampfnudelblues“ gewonnen?

August 13, 2013

 

Falk - Dampfnudelblues

Die Verlosung von Rita Falks „Dampfnudelblues“ ist rum (die Beteiligung war etwas mau; entweder weil schon alle das Buch gekauft haben oder weil Kriminalakte-Leser doch nicht so auf Dampfnudeln stehen), die Gewinner sind gezogen, benachrichtigt und der Postbote müsste morgen die Bücher ausliefern.

Also gewonnen haben:

Rolf W. aus Erlangen

Henny K. aus Beindersheim

Marga G. aus Köln

Viel Spaß beim Lesen!

Rita Falk: Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi

dtv, 2012

256 Seiten

8,95 Euro

Der Roman erschien 2011 als „dtv premium“-Buch.

Hinweise

Homepage von Franz Eberhofer (aka Rita Falk)

Homepage zum Film


Roy Buchanan – Live from Austin

August 13, 2013

Wow, was für ein fantastisches Konzert von Blueser Roy Buchanan


Cover der Woche

August 13, 2013

Highsmith - Zwei Fremde im Zug

wegen


TV-Tipp für den 13. August: Der Wolf hetzt die Meute

August 13, 2013

WDR, 23.25

Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984, R.: Richard Tuggle)

Drehbuch: Richard Tuggle

New-Orleans-Cop Wes Block jagt einen Prostituiertenmörder. Als eine Prostituierte, bei der er kurz vorher war, ermordet wird, vermutet er eine Beziehung zwischen ihm und dem Mörder. Er hält es sogar nicht für ausgeschlossen, selbst der Täter zu sein.

Als Zuschauer wissen wir in dem Regiedebüt des Drehbuchautors von „Flucht von Alcatraz“ (obwohl Eastwood im Hintergrund dann doch Regie führte) schon früh, dass sich Block in diesem Punkt irrt. Dennoch ist „Der Wolf hetzt die Meute“ (doofer deutscher Titel des wesentlich treffenderen Originaltitels „Tightrope“) ein spannender Psycho-Thriller, der die dunkle Seite von Dirty Harry erkundet, bei den Kritikern ziemlich gut ankam und an der Kasse erfolgreich war.

Im Rückblick ist „Der Wolf hetzt die Meute“ einer von Eastwoods besten Filmen aus den achtziger Jahren.

mit Clint Eastwood, Genevieve Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jennifer Beck

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Wolf hetzt die Meute“

Wikipedia über „Der Wolf hetzt die Meute“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Das Finale von „Haunt“, der Serie von Robert Kirkman und Todd McFarlane

August 12, 2013

McFarlane - Kirkman - Fox - Haunt 5

Erfunden wurde die Serie „Haunt“ von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman, der mit seinem Idol, „Spawn“-Erfinder Todd McFarlane, der sich ziemlich aus dem Comicgeschäft (jedenfalls als Autor) zurückgezogen hatte, zusammen arbeiten wollte. Sie erfanden „Haunt“.

Im Mittelpunkt der Serie steht Daniel Kilgore, ein Ex-Priester, der mit seinem totem Bruder Kurt, einem US-Geheimagenten, redet und der in gefährlichen Momenten von einem fremden Geist übernommen und zu Haunt wird. Dieses Wesen kann man am Einfachsten als Symbiose der beiden Brüder zu einem quasi unbesiegbarem Superwesen beschreiben.

In den vergangenen vier „Haunt“-Sammelbänden wurde Daniel wegen dieser Fähigkeit in die Agency, die schon seinen Bruder beschäftigte, aufgenommen. Denn als Haunt ist er ein besonders effektiver Agent.

Gleichzeitig war unklar, welche Auswirkungen dieses Mischwesen auf Daniel haben wird. Wie sich seine Psyche verändern wird und was er dagegen tun kann, dass er als Haunt immer schneller seine Kräfte verliert.

Der fünfte „Haunt“-Sammelband, geschrieben von Joe Casey, bringt nun diese Geschichte zum Ende und entpuppt sich auf den letzten Seiten als Prequel für „Spawn“.

Die meiste Zeit muss Daniel sich in dem Serienfinale, nachdem die Basis der Agency und alle Mitarbeiter über Nacht verschwanden und Daniel von der „Zweiten Kirche“ entführt wurde, mit einem geheimnisvollen Mann, dessen Ziele bis zum Schluss unklar bleiben, herumschlagen. Denn Tubman, ein seltsamer Hippie, benimmt sich wie ein nervender Geist.

Letztendlich ist „Haunt“ als Vorgeschichte für einen neuen Charakter des „Spawn“-Universums – jedenfalls liest sich das Ende so – okay, aber damit fehlt ihm dann auch am Ende der richtige Abschluss.

Obwohl Todd McFarlanes Name als Autor auf dem Cover steht, hat er nur drei Seiten getextet. Der Rest ist von Joe Casey, der bereits Geschichten für „Cable“ und Adventures of Superman“ schrieb. Derzeit schreibt er die Image-Serie „Sex“; ein Titel, der bestimmt für einige erheiternde Gespräche im Comic- oder Buchladen sorgt.

Todd McFarlane (Autor)/Joe Casey (Autor)/Nathan Fox (Zeichner): Haunt – Band 5

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2013

140 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt # 23 – 28

Image, 2013

Hinweise

Homepage von Todd McFarlane

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)