Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, R.: Werner Herzog)
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif
Die Story von „Gone in 60 Seconds“ ist ziemlich wurscht und wurde, ausgehend von einem etwas zwölfseitigem Drehbuch, in weiten Teilen während des Drehs improvisiert. Denn dass eine Verbrecherbande innerhalb weniger Tage 48 Luxuskarossen, die alle einen Codenamen erhalten, stehlen soll, ist nur der Aufhänger für eine vierzigminütige Verfolgungsjagd, in der ein Autodieb versucht der Polizei mit „Eleanor“, einem 1973er Ford Mustang Mach I, zu entkommen.
Und diese Verfolgungsjagd ging in die Kinogeschichte als längste Autoverfolgungsjagd ein. Das dürfte heute immer noch stimmen. Damals, nach den legendären Autoverfolgungsjagden in „Bullitt“ und „French Connection“, sowieso. Denn der Film hatte seine US-Premiere am 28. Juli 1974 und spielte 40 Millionen Dollar ein (das war damals verdammt viel Geld), der Deutschlandstart war am 20. Februar 1976 als „Die Blechpiraten“. Heute ist die Verfolgungsjagd immer noch beeindruckend, weil echte Autos aufeinanderkrachen und echte Menschen in Gefahr waren.
Wenn man sich die im Bonusmaterial versammelten Geschichten von den Dreharbeiten anhört, erstaunt es, dass nichts wirklich ernsthaftes geschah. Es wurden einige Autos mehr geschrottet, als geplant. Halicki verletzte sich bei einem Unfall. Anscheinend verletzte sich sonst niemand. Und dabei drehte H. B. Halicki, ein Autonarr, der den Film im Geist der No-Budget-Roger-Corman-Filmschule produzierte, schrieb, inszenierte, die Hauptrolle übernahm, die meisten Stunts ausführte und anschließend den Film auch noch verlieh, „Gone in 60 Seconds“ vor Ort mit echten Polizisten, Sanitätern, dem Bürgermeister und zufällig Anwesenden, meistens an Wochenenden, weil dann – wie er wusste – die Polizei dienstfrei hatte. Großräumige Absperrungen oder spezielle Straßen, auf denen die Stunts ungestört gedreht werden konnten, gab es nicht. Auf Drehgenehmigungen wurde meistens verzichtet, oft bat er Bekannte und Freunde um Gefälligkeiten und, ohne es zu beabsichtigen ist der Film inzwischen auch ein historisches Porträt von Long Beach, Kalifornien, und einiger umliegender Orte in den frühen Siebzigern.
Die vierzigminütige Verfolgungsjagd – es gibt davor noch zwei weitere Verfolgungsjagden, von denen eine nachts spielt und man fast nichts erkennt – beeindruckt heute immer noch aufgrund ihrer Länge und der angerichteten Zerstörung, teilweise von Luxuskarossen. Insgesamt waren nach dem Dreh 93 Autos reif für den Schrottplatz.
Auf der jetzt erschienenen DVD (und Blu-ray und einer „Eleanor“-Fan-Edition) ist der Kultfilm endlich umfassend gewürdigt. Es gibt die restaurierte Fassung des Films (die bei den Fans wegen des überarbeiteten Tons und der neuen Musik von Bill Maxwell und Lou Pardini umstritten ist), die eine ordentlichen Bildqualität hat (wahrscheinlich gab das Ausgangsmaterial gerade bei den Nachtaufnahmen nicht mehr her), die 81-minütige deutsche Kinoversion (Vollbild, nur deutscher Ton, aber mit dem Originalsoundtrack), die 45-minütige Doku „The High Life and High Times of H.B. „Toby“ Halicki“, die, trotz ihres werblichen Charakters einige interessante Einblicke in die Dreharbeiten und das Leben von H. B. Halicki liefert, einige Interviews (insgesamt vierzig Minuten), von denen eigentlich nur das Interview mit J.C. Agajanian Jr.,, der bei den Dreharbeiten dabei war, interessant ist. Es gibt auch eine gut dreiminütige Einleitung zum Film von Denice Halicki, der Ehefrau des 1989 bei einem Unfall gestorbenem Regisseurs, und ein Interview mit ihr, das sich hauptsächlich darauf beschränkt, das Remake von „Gone in 60 Seconds“ (2000), das damals von Dominic Sena mit Nicolas Cage gedreht wurde, zu loben. Sowieso scheint das gesamte Bonusmaterial ungefähr aus dieser Zeit zu stammen. Aber bislang wurde es noch nicht in Deutschland veröffentlicht.
Für Actionfans ist „Gone in 60 Seconds“, wegen der Verfolgungsjagd, ein Fest.
Gone in 60 Seconds – Nur noch 60 Sekunden (Gone in sixty Seconds, USA 1973)
Regie: H. B. Halicki
Drehbuch: H. B. Halicki
mit Eleanor (dürfte das einzige Auto mit einem Credit sein), H. B. Halicki, Marion Busia, George Cole, James McIntyre, Jerry Daugirda
auch bekannt als „Die Blechpiraten“ (deutscher Kinotitel)
Bonusmaterial: Deutsche Kinoversion, The High Life and High Times of H.B. „Toby“ Halicki, Interview mit Denice Halicki am Set von „Nur noch 60 Sekunden“ (2000), Interviews mit Parnelli Jones und John Dilmater, J.C. Agajanian Jr., Bobby Ore und Lee Iacoca, High Speed Featurettes, Wendecover (bis auf die „Deutsche Kinoversion“ auf einer Extra-DVD)
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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In der limitierten „Eleanor Fan-Edition“ (Blu-ray) gibt es außerdem ein Modellauto (Mustang; Maßstab 1:43 aus der Signature Collection) und einen Heckscheibenaufkleber „Nur noch 60 Sekunden“.
LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990
FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.
Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.
Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche
Nachdem Vin Diesel als Domenic Toretto wieder zur „Fast & Furious“-Reihe zurückkehrte und sie seitdem zu den großen Kinohits gehört, eine Rückkehr als Xander Cage in einem dritten „xXx“-Film schon seit längerem angekündigt ist (in der gefloppten Fortsetzung spielte er nicht mit), er auch als Produzent erfolgreich ist, kehrte er jetzt zu einem weiteren Charakter zurück, der ihn weltweit bekannt machte: Richard B. Riddick, ein in der ganzen Galaxis gesuchter Schwerverbrecher mit einem Augendefekt, der als klassischer Antiheld nur an sein eigenes Überleben denkt und sich nicht für die Gesellschaft engagieren will. Er tut es dann natürlich doch und rettet in „Pitch Black – Planet der Finsternis“ (USA 2000) einige mit ihm auf einem verlassenem Planeten gestrandete Menschen vor tödlichen Urviechern, die im Dunkeln zuschlagen. Der billig gedrehte, sehr effektive B-Science-Fiction-Horrorfilm war ein Überraschungserfolg. 2004 folgte „Riddick: Chroniken eines Kriegers“. Die Fortsetzung war erheblich teurer, kein Horrorfilm, sondern ein buntes, episches Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition von „Dune – Der Wüstenplanet“, entsprechend ungenießbar und ein Kassenflop. Die Videospiele waren erfolgreicher und etliche Fans wünschten sich eine Fortsetzung, die von Regisseur David Twohy und Vin Diesel, der den schweigsamen Überlebenskünstler Riddick kongenial verkörpert, in den vergangenen Jahren immer wieder angekündigt wurde. Trotzdem hat so richtig hat wohl niemand mehr daran geglaubt.
Aber Vin Diesel Starstatus ermöglichte sie dann doch und der dritte Riddick-Film, der einfach „Riddick“ heißt, knüpft sehr locker an die vorherigen beiden Filme, vor allem die „Chroniken eines Kriegers“ an. Die Bezüge sind so locker, dass man sie getrost vernachlässigen kann. Man muss die vorherigen beiden Riddick-Filme wirklich nicht sehen, um „Riddick“ zu verstehen.
Riddick wird auf einem, abgesehen von einigen Urviechern, die Riddick als Mahlzeit ansehen, unbewohntem Planeten tot zurückgelassen. Jedenfalls glauben das seine Mörder. Aber Riddick überlebte. Von einer verlassenen Station sendet er ein Notsignal und lockt so zwei Raumschiffe heran. In dem einen ist eine von Santana angeführte Truppe Kopfgeldjäger. In dem anderen eine von Boss Johns angeführte Gruppe Söldner. Santana will das auf Riddick ausgesetzte Kopfgeld. Boss Johns will von Riddick einige für ihn wichtige Informationen. Das Kopfgeld würde er auch nehmen.
Riddick spielt die beiden Gruppen gegeneinander aus. Denn er will nur ein Raumschiff haben, um den Planeten zu verlassen.
Das ist nach dem pompösen „Riddick: Chroniken eines Kriegers“ wieder eine Rückkehr zu dem schlanken „Pitch Black“-Stil. Die Story scheint dann eher aus einem Italo-Western oder einem in einer der gerne benutzten sandigen Baugruben gedrehtem Post-“Mad Max“-80er-Jahre-Endzeitfilm entliehen zu sein. Wobei Riddick in „Riddick“ nach der Ankunft der beiden Raumschiffe weitgehend als passiver Beobachter aus der Geschichte verschwindet. Er wartet ab, bis die Bösewichter sich so weit dezimiert haben, dass er ein Raumschiff bekommt.
Gedreht wurde, wie in einem alten Hollywood-Western, dann auch nicht vor Ort, sondern im Studio und dank des exzessiven Gebrauchs von Farbfiltern kann man die Qualität der Tricks nicht beurteilen. Sie sehen aber, vor allem die Tieranimationen, eher bescheiden aus.
„Riddick“ ist ein angenehm altmodischer Science-Fiction-Western, ein B-Film mit wenig Dialog und etwas Action, der früher in 90 Minuten, höchstens 105 Minuten, erzählt worden wäre. Jetzt dauert es zwei Stunden, ist damit zu lang geraten und die meisten Bösewichter bleiben für diese Filmlänge viel zu eindimensional. Auch wenn sie nur Kanonenfutter für den unbesiegbaren Riddick sein sollen.
Riddick (Riddick. USA 2013)
Regie: David Twohy
Drehbuch: David Twohy (basierend auf von Jim Wheat und Ken Wheat)
mit Vin Diesel, Jordi Mollà, Matt Nable, Katee Sackhoff, Dave Bautista, Raul Trujillo, Bokeem Woodbine, Nolan Gerard Funk, Conrad Pla, Noah Danby, Neil Napier, Danny Blanco Hall, Keri Lynn Hilson, Karl Urban
Ein Horrorfilm aus Deutschland? Warum eigentlich nicht? Auch wenn die Story von „Lost Place“ keinen Innovationspreis gewinnt und die Macher ihr Werk lieber Mystery-Thriller nennen: Vier Jugendliche – Intelligenzbestie Daniel, sein rappender Kumpel Thomas, Daniels Internetbekanntschaft Elli und ihre Freundin Jessi – wollen bei einer Geocache-Schatzsuche mitmachen. Der Schatz ist in einem See in einem im Pfälzer Wald gelegenem militärischen Sperrgebiet versteckt. Sie betreten das Sperrgebiet, entdecken einen verlassenen Campingplatz, fühlen sich seltsam, Jessi hat nach dem Genuss von Keksen einen epileptischen Anfall und ein Mann in einem Schutzanzug taucht auf. Er sagt, er müsse sie vor den Strahlen retten. Deshalb bringt er sie in einen der Wohnwagen, der als Faradayscher Käfig die elektromagnetischen Strahlungen ablenkt und erzählt ihnen etwas von geheimen US-Militärexperimenten. Trotz der unsichtbaren Gefahr verlassen sie immer wieder den sicheren Wohnwagen. Dabei sterben ihr Retter und Thomas, weil in dem Auto, mit dem er flüchten wollte, die Bremsen versagen. Elektronikfehler. Dass das verbliebene Pärchen jetzt nicht, wie jeder, der seine fünf Sinne beisammen hat, schneller als ein 100-Meter-Sprinter in Richtung rettende Stadt läuft, sondern ohne irgendeine Schutzmaßnahme (Merke: Alufolie auf dem Kopf hilft gegen gehirnzersetzende Strahlen!) zur geheimen, die tödlichen Signale aussendenden Militärstation geht, ist nur auf den Willen der Drehbuchautoren zurückzuführen und kann auch nicht mit Genrekonventionen entschuldigt werden.
Die Story folgt nämlich, auf den ersten Blick, dem üblichen Zehn-kleine-Negerlein-Spiel, das wir aus zahlreichen Horrorfilmen, in denen eine Gruppe Jugendlicher der Reihe nach ermordet wird, kennen. „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Freitag, der 13.“ für die älteren, „Hostel“ für die jüngeren Semester. Die „Scream“-Filme oder eine x-beliebige Variante oder Parodie für alle weiteren Fragen; – wobei in diesen Filmen die Teenager immer einen klar erkennbaren Gegner haben, der sie schlachten will und am Ende höchstens eine überlebt.
In „Lost Place“ wird diese Geschichte mit dem Ost-West-Konflikt verbunden. Denn während des Kalten Krieges gab und gibt es in mehr oder weniger abgelegenen Gebieten zahlreiche militärische Sperrgebiete und Anlagen, die auf keiner Karte verzeichnet waren (wegen des Angriffes aus dem Osten) und bei denen auch die Anwohner nicht wussten, was sich in ihnen abspielte. Es gab auch – in der Prä-Handy-Zeit – die Angst vor Funkstrahlen, die auch für das Sterben von Pflanzen und Bäumen verantwortlich waren und unsere Psyche beeinflussen sollten. Depression und so. In dem Film wird jetzt behauptet, dass die Amerikaner während des Kalten Krieges in dem Sperrgebiet, das von unseren jugendlichen Helden betreten wird, ein geheimes Forschungsprojekt zur Wetter- und Gedankenbeeinflussung betrieben wurde, um so den Feind unblutig zu besiegen – und irgendetwas davon scheint in der Gegenwart sein Unwesen zu treiben.
Das ist, wie gesagt, nicht neu, aber gut erprobt und funktioniert auch immer wieder. Zuletzt beispielsweise in Brad Parkers „Chernobyl Diaries“ (USA 2012).
Aber schon während des Ansehens von „Lost Place“, dem ersten deutschen Film in 3D (muss nicht sein, vor allem weil große Teile des Films in geschlossenen Räumen spielen, viel geredet und der 3D-Effekt meistens nervig eingesetzt wird) und Dolby Atmos TM (halt noch mehr Lautsprecher als in einem normalen Kino), werden dann wieder alle Vorurteile, die man über deutsche Genrefilme hat, bestätigt. Die Geschichte ist unlogisch und schlecht konstruiert, die Dialoge sind gruselig, der Spannungsaufbau misslungen, die Schockeffekte vorhersehbar und die Charaktere verhalten sich idiotisch.
Dabei waren die diversen Vorbilder oft auch nicht besonders logisch, die Schauspieler nicht besonders gut und die Dialoge bestenfalls storydienlich. Aber der Spannungsaufbau, jedenfalls bei den Filmen, die wir heute noch kennen, stimmt und die Macher verwendeten viel Mühe in das Schaffen einer unheimlichen und furchteinflößenden Atmosphäre.
In „Lost Place“ stimmt nichts davon: viel zu spät erfahren wir die Hintergrundgeschichte (sie wäre besser gleich am Anfang erzählt worden), es gibt riesige Logiklöcher, wie einen Campingplatz in einem militärischem Sperrgebiet oder dass wir einerseits glauben sollen, dass in den vergangenen Jahren viele Menschen in dem Sperrgebiet verschwanden, aber niemand nach ihnen suchte und wenn die Charaktere, anstatt von der Gefahrenquelle wegzulaufen, auf sie zugehen, dann verhalten sie sich idiotisch in einem Maß, das jegliche Sympathie mit ihnen beendet. Dass die vier Jugendlichen auch keinen Gegner, sondern nur elektromagnetische Wellen haben, macht den Weg zum Finale zur zunehmend zähen Geduldprobe und das große Finale zur Lachnummer, die in einem Fünfziger-Jahre-Science-Fiction-Horrorfilm eleganter gelöst wurde. Auch die rudimentäre Erklärung, wer warum mit den Strahlen experimentiert, ist idiotisch.
Das Scheitern der Macher wird beim Lesen des Presseheftes überdeutlich. Denn sie wollen „Lost Place“ nicht an dem üblichen Slasher-Filmen messen.
Regisseur und Drehbuchautor Thorsten Klein nennt Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ als Inspiration für den Film. Seine Co-Autorin Lena Vurma sagt: „Für mich war auch die Fernsehserie ‚Lost‘ eine Inspiration, diese fremdartige Welt, in der irgendetwas vor sich geht, das Spannung erzeugt, aber nie ganz aufgelöst wird. (…) das ist nicht einfach nur die Kopie eines amerikanischen Horrorfilms, sondern eine Geschichte, die ihre Wurzeln wirklich in Deutschland hat, dabei aber eher in Richtung Mystery und Suspense geht als zum Slasher-Film wird.“
Ein Slasher-Film ist „Lost Place“ wirklich nicht. Immerhin ist er „frei ab 12 Jahre“ und hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich auf eine entsprechende Sterbensrate und Bestialität bei den Todesfällen einstellen können. „Lost“ und „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ sind doch ganz andere Spielklassen und Genres. Und wenn man bewährte Regeln ignoriert, sollte man einen guten Grund dafür haben.
Insofern zeigt „Lost Place“ mit seinem verqueren „Ich bin kreativ. Ich mache alles anders als die Hollywood-Idioten.“-Innovationsgestus wieder einmal, warum deutsche Genrefilme meistens so schlecht sind.
Frau Merkel und Herr Steinbrück kommen zwar nicht, aber mit – voraussichtlich – Ursula von der Leyen (CDU), Sigmar Gabriel (SPD), Gerda Hasselfeldt (CSU), Rainer Brüderle (FDP), Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Gregor Gysi (DIE LINKE) wird es sicher auch ganz witzig, wenn über gesetzgeberische Details und Zahlen gestritten wird.
Wiederholung: Freitag, 20. September, 00.20 Uhr (Taggenau!) und hier
Wahrscheinlich ist Donald Ray Pollock ein absolut angenehmer Zeitgenosse, der nichts mit den in seinen Geschichten geschilderten Charakteren gemein hat. Denn diese sind nicht besonders angenehme Zeitgenossen: Mörder, Schläger, Drogensüchtige und oft auch noch geistig minderbemittelt, übergewichtig und, auch wenn sie erst Zwanzig sind, vom Leben mehr gezeichnet als manche Vierzigjährige. Also Menschen, um die man im normalen Leben einen möglichst großen Bogen macht und man, nach einer Begegnung mit ihnen, egal wie verkorkst das eigene Leben ist, sich besser fühlt, weil es einem ja doch nicht so schlecht geht.
Seine Geschichten spielen in Ohio, meisten in und um den Ort Knockemstiff, den es wirklich gibt, in dem Pollock am 23. Dezember 1954 geboren wurde und der heute eine Geisterstadt ist. In Pollocks Geschichten, die oft nur rudimentär datiert sind, gibt es ihn noch. Aber die Realität ist auch eine schöne Spiegelung der Fiktion, in der Knockemstiff zu einem mythologischen Ort wird, in dem der amerikanische Traum nie geträumt wurde. Außerdem bewegen Pollocks Charaktere sich wie Geister durch die Welt. Teils weil sie auf Drogen sind. Teils weil sie von anderen Menschen nicht wahrgenommen werden wollen oder einfach übersehen werden.
In seinem Debütroman „Das Handwerk des Teufels“ schreibt er über ein Killerpärchen, das in den Sechzigern während ihrer Urlaube Tramper ermordet. Über einen jähzornigem Jungen, der den Tod seiner Mutter in einer Art religiösen Wahn erlebt, danach bei liebevollen Pflegeeltern großgezogen wird und der Konflikte am Liebsten mit seiner Faust löst. Auch als seine Quasi-Schwester von einem Pfarrer geschwängert wird. Über zwei seltsame Reisende mit einer religiösen Variete-Show, die sich das finanzielle Grundkapital dafür besorgten, indem sie die Ehefrau des einen ermordeten. Da wird ein korrupter Sheriff schon fast zum Sympathieträger und für alle ist Mord ein einfaches Mittel, um Probleme zu lösen oder einfach seinen Spaß zu haben.
Der Roman ist eigentlich eine Sammlung von miteinander verbundenen Kurzgeschichten und Episoden, die zwischen dem Ende des zweiten Weltkriegs und dem Ende der sechziger Jahre, als die Gegenkultur auch im ländlichen Ohio ankam, spielt. Denn Pollock springt zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und her, die nur durch den Handlungsort Knockemstiff miteinander verbunden sind und verbindet sie am Ende eher gewollt miteinander. Als traditioneller Kriminalroman ist „Das Handwerk des Teufels“, trotz dem Deutschen Krimipreis, enttäuschend. Als Noir, als dunkle Vision des Menschseins ist das gelungen.
In seiner ersten Buchveröffentlichung „Knockemstiff“, einer Sammlung von achtzehn Kurzgeschichten, die zwischen den Sechzigern und der Jahrtausendwende spielen, erzählt er Geschichten aus Knockemstiff, das hier deutlich als Metapher für eine Gesellschaft am Ende steht und man den Eindruck hat, dass es überall besser als in Knockemstiff ist. Trotzdem will keiner von Donald Ray Pollocks Charakteren Knockemstiff verlassen. Vielleicht weil sie, obwohl allesamt keine Geistesgrößen, wissen, dass Knockemstiff überall ist und sie nicht vor sich selbst flüchten können.
Harbourfront Hamburg – Stückgutfrachter MS Bleichen (Australiastraße, Hansahafen/Bremerkai, 20457 Hamburg – das klingt doch nach einem ungewöhnlichem Ort)
Als vor einem guten Jahr „Killing them softly“ von Andrew Dominik mit Brad Pitt und dem kürzlich verstorbenen James Gandolfini in unseren Kinos anlief, hatte ich eigentlich mit einer Veröffentlichung der Vorlage, dem Gangsterkrimi „Cogan’s Trade“ gerechnet. Aber die erschien, obwohl Hoffman & Campe 1973 George V. Higgins‘ Debütroman und Goldmann in den Neunzigern einige Bücher des produktiven Schriftstellers veröffentlichte, erst jetzt auf Deutsch.
In dem Roman wird Troubleshooter Jackie Cogan von der Bostoner Mafia beauftragt, herauszufinden, wer eine illegale Pokerrunde überfallen hat. Schnell verdächtigt er zwei nicht besonders intelligente Kleingangster. Aber er will auch Mark Trattman, dem Organisator der Pokerrunde, einen Denkzettel verpassen. Denn der hatte in der Vergangenheit einen Überfall auf seine Pokerrunde inszeniert, später damit geprahlt und damals keine Quittung für sein Fehlverhalten bekommen.
„Ich töte lieber sanft“ erschien in den USA bereits 1974 und George V. Higgins, der mit seinem ersten Roman „Die Freunde von Eddie Coyle/Hübscher Abend bis jetzt“ (The Friends of Eddie Coyle, 1971) einen Kriminalromanklassiker, Unterabteilung Gangsterkrimi, schuf, weil er ein ungeschöntes Bild des Kleingangstertums zeichnete und die Dialoge sich wie Abhörprotokolle lasen. Dieses Ohr für den Slang der Verbrecher hatte er vorher als Anwalt und Staatsanwalt in Boston geschärft. Das war eine Sprechweise, die teilweise auch von US-Amerikanern kaum verstanden wurde und es den Übersetzern nicht leicht macht. Außerdem entfaltet sich die Geschichte nicht in den Taten der Verbrecher, sondern in ihren Gesprächen darüber.
Auch Higgins’ dritter Roman „Ich töte lieber sanft“ besteht fast nur aus Dialogen. Über Seiten reden die Gangster ohne Punkt und Komma. Die Gespräche kreisen oft, mit Wiederholungen, um sich selbst. Oft ist lange Zeit nicht klar, wo das Gespräch hinführen soll. Gerade das macht den Roman einerseits mühsam zu lesen (Oh man, warum geht die Story nicht im Richard-Stark-Tempo weiter?), aber auch faszinierend (Uh, das ist die Wirklichkeit.). Higgins’ erste Romane, vor allem sein Debüt, wurde von der Kritik abgefeiert und auch heute noch zählt er zu den Innovatoren des Genres, die von angloamerikanischen Krimifans geachtet werden. Der kürzlich verstorbene Elmore Leonard änderte danach seinen Schreibstil und er wurde nicht müde, Higgins’ stilistischen Einfluss auf sein Werk zu betonen. Quentin Tarantinos Endlosdialoge sind ebenfalls von Higgins beeinflusst.
Und mit der Übersetzung von „Cogan’s Trade“ als „Ich töte lieber sanft“ wird vielleicht eine kleine Wiederentdeckung von George V. Higgins bei uns eingeleitet.
Denn der Verlag Antje Kunstmann plant weitere Übersetzungen. Für Januar ist „Die Freunde von Eddie Coyle“ angekündigt. Ebenfalls übersetzt von Dirk van Gunsteren.
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George V. Higgins: Ich töte lieber sanft
(übersetzt von Dirk van Gunsteren)
Verlag Antje Kunstmann, 2013
240 Seiten
14,95 Euro
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Originalausgabe
Cogan’s Trade
Alfred A. Knopf, 1974
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Neuausgabe, zum Filmstart, als „Killing them softly“
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Verfilmung
Killing them softly (Killing them softly, USA 2012)
Regie: Andrew Dominik
Drehbuch: Andrew Dominik
LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, keine deutsche Übersetzung)
mit Brad Pitt, James Gandolfini, Ray Liotta, Richard Jenkins, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Vincent Curatola, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Die Verlosung der „Death in Paradise – Staffel 2“-Box und der vier „Inspector Barnaby – Vol. 18“-Boxen ist vorbei, jeweils 236 Personen beteiligten sich, meistens an beiden Verlosungen und dass in einem Verlosungsportal auf die Verlosung hingewiesen wurde, war für die Teilnehmerzahl sicher hilfreich, die Gewinner sind gezogen, benachrichtigt und die DVDs sind unterwegs zu den glücklichen Gewinnern.
„Death in Paradise – Staffel 2“ (Edel) hat
Svea G. aus Mühlheim am Main
gewonnen.
„Inspector Barnaby – Vol. 18“ (Edel) haben
Antje B. aus Börßum
Johannes R. aus Burgebrach
Brigitte G. aus Berlin
Marcella B. aus Vechta
gewonnen.
Herzlichen Glückwunsch und Viel Spaß mit den beiden britischen Krimiserien, in denen Mord, mit britischem Humor, als eine Kunst zur Teestunde zelebriert wird!
Find me guilty – Der Mafiaprozess (USA/Deutschland 2006, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Sidney Lumet, T.J. Mancini, Robert J. McCrea
Die Staatsanwaltschaft will den Mafiosi Jackie DiNorscio als Kronzeugen gewinnen. Der lehnt ab – und übernimmt im Gerichtssaal in einem zweijährigem Prozess seine Verteidigung. Mit seinen komödiantischen Einlagen gewinnt er die Herzen des Gerichtspublikums.
Auf Tatsachen basierendes Gerichtsdrama, das sogar witzig ist. „Find me guilty“ ist ein feines, gnadenlos unterschätztes Alterswerk von Sidney Lumet (sein vorletzter Film) und ein Film, der Vin Diesel als Charakterdarsteller hätte etablieren können, wenn er nicht gefloppt wäre. Inzwischen beschränkt er sich, kommerziell sehr erfolgreich, auf seine Rollen als Action-Star in „Fast & Furious“, „XXX“ (die Rolle will er wieder übernehmen) und „Riddick“. Der dritte, durchaus gelungene „Riddick“-Film startet am Donnerstag.
mit Vin Diesel, Ron Silver, Annabella Sciorra, Alex Rocco, Peter Dinklage, Frank Pietrangolare, Richard DeDomenico, Jerry Grayson
Während die Deutschen serientechnisch alles zu einem analen Einheitsbrei vermantschen, der höchstens zum Wegschalten einlädt und der Höhepunkt von ungewöhnlichen Konzepten eine Serie über einen Polizist ist, der zwanzig Jahre im Koma lag (obwohl er nach seinem Musik- und Autogeschmack wohl eher dreißig Jahre oder noch länger im Koma lag und dabei dank der guten Pflege in deutschen Hospitälern nicht alterte) und heute als altmodischer Macho Verbrecher jagt, hauen die Briten gefühlt eine geniale Serie nach der nächsten raus und sie scheuen auch nicht vor ziemlich abgedrehten Ideen zurück, bei denen man sich auf dem Papier fragt, wer das Konzept der Serie begreifen soll. So ist in „Ashes to Ashes“ die Protagonistin eine Polizistin, die in der Gegenwart nach einer Schussverletzung ins Koma fällt, in den frühen Achtzigern erwacht und, weil sie von dem Fall ihres Kollegen Sam Tyler gelesen hat (einige kennen ihn aus der grandiosen TV-Serie „Live on Mars“), glaubt Alex Drake, dass diese Realität in ihrem Kopf stattfindet und sie die Puzzleteile zusammenfügen muss, um wieder aus dem Koma zu erwachen. Entsprechend oft kreuzen sich die verschiedenen Wirklichkeitsebenen – und sie lassen den später entstandenen Nolan-Spielfilm „Inception“ wie einen banal-verkopften Kindergarten erscheinen.
Außerdem ist „Ashes to Ashes“, wie schon „Life on Mars“ (ja, die Titel basieren auf David-Bowie-Songs), verdammt witzig. Denn in „Ashes to Ashes“ muss Alex Drake sich mit Gene Hunt, einem Polizisten, der mit seinen Schimpfkanonaden jeden beleidigt und bei der Täterjagd lustvoll auf den Rechten der Verdächtigen herumtrampelt (so meint er einmal auf Alex’s Frage, ob denn die Gewaltanwendung nötig sei: „Nein, aber es macht Spaß.“), seinen etwas doofen, zwischen Arbeitseifer, Arbeitsverweigerung und Macho-Ausflügen schwankenden Kollegen und dem damaligen Stand der Polizeiarbeit herumärgern. Denn 1983, dem Jahr, in dem die dritte und auch letzte „Ashes to Ashes“-Staffel spielt, gab es noch nichts, was heute die Polizeiarbeit erleichtert: keine DNA-Spuren, keine Telefonüberwachung im heutigen Stil, keine Handydaten und keine Computer. Also jedenfalls nicht das, was wir heute unter Computer verstehen. Und Frauen im Polizeidienst waren für die lästigen Tipparbeiten zuständig.
Gerade dieser Zusammenprall zwischen unserem heutigen Wissen über die Ereignisse, die 1983 noch in der Zukunft lagen (wie dem Ende der Apartheid und dass der Terrorist Mandela zum geachteten Staatschef wurde) und dem damaligen Wissen, den heute allgemein akzeptierten Werten und den damaligen gesellschaftlich akzeptierten Ansichten über linke politische Bewegungen, Frauenrechte und erfolgreiche Polizeiarbeit, die von den Machern in jeder Beziehung, garniert mit einer grandiosen Songauswahl und zahlreichen popkulturellen Anspielungen, lustvoll überhöht werden, liegt der große Witz der Serie. Ebenso lustvoll zitieren die Macher damalige Krimiserien, wie „Die Füchse“ (The Sweeney), „Die Profis“ (The Professionals) und „Miami Vice“, und ihre Klischees. So fährt Gene Hunt immer mit überhöhter Geschwindigkeit und quietschenden Reifen zum Ziel, egal ob es ein Tatort oder ein Pubbesuch ist, und seine Schimpfkanonaden und Beleidigungen werden immer exzessiver. Sein Alkoholkonsum ebenso. Drake scheint sich in der dritten „Ashes to Ashes“-Staffel damit arrangiert zu haben. Inzwischen fühlt sie sich in diesem Team ganz wohl und gemeinsam lösen sie den Fall der Woche. Nur wenige Bilder durchbrechen diese liebevoll rekonstruierte 80er-Jahre-Realität und zeigen, dass diese Welt nicht ganz real ist. Aber diese Realität spielt sich nicht nur im Kopf von Alex Drake ab. Ihre Arbeitskollegen haben ähnliche Visionen. Fast jeder Charakter scheint eine doppeldeutige Unterhaltung mit ihr zu führen und verborgene Absichten zu haben.
Und weil die Macher von „Ashes to Ashes“ von Anfang an wussten, dass – ungeachtet des großen Erfolgs – die dritte Staffel auch die letzte sein sollte, in der die offenen Fragen von „Life on Mars“ und „Ashes to Ashes“ beantwortet werden, konnten sie das Finale gut vorbereiten. Das taten sie auch und die episodische Erzählweise, die eigentlich keine Hinweise auf das Ende gibt, wird in der letzten Folge schlüssig erklärt.
„Ashes to Ashes“ ist eine tolle Serie, die sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs verabschiedete. Die dritte und finale Staffel setzt die vorherigen beiden Staffeln würdig fort und beendet sie fulminant, indem sie überraschend, aber auch stimmig aufklärt, in welcher Welt Sam Tyler und Alex Drake gelandet sind und ob Gene Hunt Sam Tyler ermordete.
Es gibt nur einen riesengroßen Wermutstropfen: Gene Hunt darf nicht mehr weiter ermitteln. Und wir werden Sätze wie diesen vermissen: „No tea and no fags until you start talking, shitstick!“
Ashes to Ashes – Zurück in die 80er – Staffel 3 (Ashes to Ashes, GB 2010)
Drehbuch: Matthew Graham (Folge 1, 8), Ashley Pharoah (Folge 2, 7), Julie Rutterford (Folge 3), Jack Lothian (Folge 4), Tom Butterworth (Folge 5), Chris Hurford (Folge 5), James Payne (Folge 6)
Idee: Matthew Graham, Ashley Pharoah
mit Keeley Hawes (Alex Drake), Philip Glenister (Gene Hunt), Dean Andrews (Ray Carling), Marshall Lancaster (Chris Skelton), Montserrat Lombard (Shaz Granger), Joseph Long (Luigi), Geff Francis (Viv James), Daniel Mays (Jim Keats)
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Dust to Dust: Making of (im englischen Original mit deutschen Untertiteln) (23 Minuten)
Länge: 400 Minuten (8 Episoden à 50 Minuten, 3DVDs)
Drehbuch: Claude Veillot, Yves Boisset, Michel Audiard
LV: George Markstein: Chance awakening, 1978
Fast hätte der französische Geheimagent Grenier, der inzwischen in Zürich als Finanzexperte arbeitet, seine Vergangenheit als Spion vergessen. Aber jetzt aktiviert ihn die Regierung wieder. Oder hat ihn jemand anderes aktiviert? Grenier ist plötzlich in einem Spiel, dessen Regeln und Gegner er nicht kennt.
Selten gezeigter und top besetzter Agententhriller, der halt, wie die meisten, ist: viele Leute mit wechselnden Identitäten, Paranoia, Doppelspiel, Verrat – und am Ende viel Verwirrung beim Zuschauer. Insgesamt eine enttäuschende Angelegenheit.
Mit Lino Ventura, Michel Piccoli, Krystyna Janda, Bruno Cremer, Bernard Fresson, Heinz Bennent
Watchmen – Die Wächter (Watchmen, USA/GB/Can 2009)
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David Hayter, Alex Tse
LV: Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen, 1986/1987 (Watchmen)
Der „Comedian“, ein Superheld, wird ermordet. Rorschach, ein anderer Superheld, glaubt an eine Verschwörung, die mit dem Tod von allen Superhelden, die sich „Watchmen“ nennen, enden soll. Er alarmiert die restlichen „Watchmen“ und sie müssen wieder gemeinsam in den Kampf ziehen.
Sehr werkgetreue Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Comics; – und damit auch eine wegen zu großer Werktreue gescheiterte Verfilmung. Denn beim Sehen hakt man, wenn man den Comic kennt, zunehmend lustlos, die einzelnen Szenen der Reihe nach ab, freut sich über die sehr bildgenaue Umsetzung, rätselt über die wenigen Änderungen und bedauert im ‘Och, das hätte ich gerne auch noch gesehen’-Modus, die fehlenden Szenen. Aber ein eigenständiger Zugriff auf die Geschichte geht anders. Trotzdem ist „Watchmen“ als Übung in Fantum sehenswert.
Mit Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie
Drehbuch: William Kennedy, Francis Ford Coppola, nach einer Story von William Kennedy, Francis Ford Coppola und Mario Puzo
Coppolas Liebeserklärung an den Cotton Club. Nicht schlecht, wie er hier Gangsterfilm mit Liebesfilm mit Tanzfilm mit einem halben Dutzend weiterer Genres verbindet. Aber auch weit von der Qualität seiner ersten beiden Paten-Filme entfernt.
Während der Dreharbeiten unterhielten die verschiedensten Skandalmeldungen (Drehbuch, Budget, künstlerische Auseinandersetzungen, um nur einige zu nennen) die Öffentlichkeit.
Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, Nicolas Cage, Larry Fishburne, Tom Waits, Joe Dallesandro, Woody Strode
Drogen helfen den fünf Kumpels in „The World’s End“ nur bedingt. Wobei für einen gestandenen Engländer Bier, auch in großen Mengen genossen, keine Droge ist. Trotzdem versagten sie 1990 bei ihrer großen Sauftour durch die zwölf Pubs von Newton Haven zum Schulabschluss kläglich. Sechzig Pints sind ja auch eine Menge. Die andere Angabe, die im Presseheft und der deutschen Synchronisation auch gemacht wird, nämlich dass sie in jedem Pub nur ein Pint trinken müssen, vergessen wir schleunigst. Denn zwölf Pint wären ja eine einfach erreichbare Menge. Außerdem geht es in „The World’s End“ nicht um das Trinken, sondern das Vollenden von begonnenen Dingen.
Gary King (Simon Pegg), für den die Nacht der Höhepunkt seines Lebens war, will die damals begonnene Tour, die legendäre „Goldene Meile“, jetzt beenden. Natürlich mit seinen damaligen Kumpels, die er seitdem nicht mehr gesehen hat und die inzwischen gesetzte Anfangsvierziger sind und anfangs bei dieser blöden Idee nicht mitmachen wollen.
Sie tun es dann doch und die ersten Biere, garniert mit einigen Betrachtungen über das Älterwerden und die sich immer ähnlicher sehenden Pubs, gehen auch locker die Kehle hinunter. Aber in einem Pub entdecken sie, während einer wüsten Schlägerei auf der Toilette, dass die Dorfbewohner keine Menschen, sondern von Außerirdische übernommene, blaublütige Roboter sind. Das Angebot, sich von den Aliens occupyen zu lassen, lehnen sie ab. Die Sauftour wollen sie allerdings beenden in dem titelgebenden Pub „The World’s End“, der zufälligerweise auch die Zentrale der Aliens ist.
„The World’s End“ ist die neueste Komödie der Macher von „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ und ist eigentlich ein Remake von „Shaun of the Dead“ mit zombiehaft angreifenden Aliens anstatt Zombies. Dazu gibt es etwas Midlife-Crisis-Komödie, die ihre Charaktere wesentlich sanfter als die britische TV-Serie „Mad Dogs“ ihre fünf Mittvierziger, die während eines Mallorca-Urlaubs in eine wüste Gangstergeschichte geraten, behandelt, zahlreiche Anspielungen auf entsprechende Science-Fiction-Filme von der „Invasion der Körperfresser“ bis zu den „Frauen von Stepford“, um nur zwei Filme zu nennen, und auch – ähem – weitere Anspielungen. So heißen unsere ritterlichen Helden Gary King, Andy Knightly (Nick Frost), Peter Page (Eddie Marsan), Steven Prince (Paddy Considine) und Oliver Chamberlain (Martin Freeman). Die Pubnamen sind auch nicht zufällig gewählt.
Das ist alles sehr vergnüglich mit einem starken Déjà-Vu-Gefühl, das auch durch die Bezüge zu den vorherigen Filmen der „Blut- und Eiskrem-Trilogie“ bzw. „Drei Geschmacksrichtungen: Cornetto“-Trilogie (benannt nach dem Eis Cornetto, das in den Filmen auftaucht) verstärkt wird.
„The World’s End“ ist wie ein Pubbesuch mit einigen guten Freunden, plus einer grandiosen Methode, die Aliens zu besiegen, die eindeutig aus der „Dr. Who“-Schule stammt, und einem unpassendem Epilog, der ungefähr so witzig wie der Kater nach der Sauftour ist.
The World’s End (The World’s End, Großbritannien 2013)
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
mit Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike, David Bradley, Pierce Brosnan
Ari Folman, dessen „Waltz with Bashir“ vor fünf Jahren breit abgefeiert wurde, inclusive Golden Globe als bester ausländischer Film und dem Preis der Diretors Guild of America und der Writers Guild of America als bester Dokumentarfilm, hat jetzt Stanislaw Lems Roman „Der futurologische Kongress“ sehr frei als „The Congress“ verfilmt. Dabei habe ich kein Problem damit, dass Folman Lems Roman veränderte oder zwischen Real- und Animationsfilm wechselt. Das Problem ist, dass er anscheinend beim Wechsel in den Trickfilm vollkommen vergisst, was er im ersten Akt erzählte.
In dem ersten Teil, der eine grandiose Abrechnung mit Hollywood ist, muss sich die Schauspielerin Robin Wright (Robin Wright) entscheiden, ob sie weiterhin auf immer kleinere und schlechtere Rollen hofft oder an Miramount Studios für zwanzig Jahre ihr digitales Ebenbild für eine astronomisch hohe Summe verkauft und dafür ihre Karriere als Schauspielerin aufgibt.
Sie tut es und begibt sich zwanzig Jahre später auf einen Futurologischen Kongress, der nach der Einnahme einer Pille in einer Fantasiewelt spielt und plötzlich geht es drunter und drüber. Dass sie während des Kongresses, der anscheinend eine drogengeschwängerte Parallelwelt ist, ein weiteres Angebot von dem Miramount-Studiochef erhält, die Identitäten der Charaktere wechseln und irgendwelche Revolutionäre durch das Bild hüpfen, verwirrt und ist ungefähr so erhellend und stringent wie die polit-philosophische Diskussion mit dem Quartalsirren in der Eckkneipe, der einfach wild vor sich hin assoziiert.
Das Ende des Films, quasi der kurze Epilog, der dann wieder zwanzig Jahre nach dem Futurologischem Kongress spielt und, weil Robin Wright die bewusstseinsverändernden Pillen, die sie für den Besuch des Kongresses einnahm, absetzt, spielt dann wieder in der Realwelt und ist eine Standard-Dystopie, die mit den vorherigen Teilen, vor allem mit dem grandiosen ersten Teil, nichts zu tun hat.
Letztendlich wirkt „The Congress“ wie ein liebloser Zusammenschnitt von drei Filmen, in denen Robin Wright mitspielt.
Ein Desaster. Da helfen auch keine Drogen.
The Congress (The Congress, Deutschland/Irland/Polen/Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013)
Vor drei Jahren war „R. E. D. – Älter. Härter. Besser.“ ein kleiner Überraschungserfolg. Eine Bande alter, weitgehend pensionierter Geheimagenten (gespielt von Bruce Willis, John Malkovich, Morgan Freeman und Helen Mirren) zeigt jüngeren Agenten, dass sie noch topfit sind. Als Vorlage für den Film diente der gleichnamige, 2003 erschienene blutig-böse Comic von Warren Ellis (Autor) und Cully Hamner (Zeichner), in dem Paul Moses (im Film Frank Moses, gespielt von Bruce Willis) im Alleingang mindestens die halbe CIA tötete, nachdem er im Auftrag des neuen CIA-Chefs von einer Spezialeinheit umgebracht werden sollte. Dabei war der Auftraggeber gewarnt. Denn der Aktenvermerk „R. E. D.“ steht für „im Ruhestand, extrem gefährlich“.
Für die Film wurde diese schlanke Geschichte dann kräftig erweitert und zu einer kurzweilig-durchgeknallten Action-Comedy. Das machte Spaß.
In der Fortsetzung „R. E. D. 2“ gibt es mehr Explosionen, mehr Action, mehr Witze und weniger Story. Denn die chaotische und ziemlich sinnfreie Geschichte – Frank Moses und seine Freunde sollen getötet werden, weil sie vor vielen Jahren, ohne ihr Wissen, in irgendeine Geheimdienstaktion mit einer Superbombe involviert gewesen sein sollen – ist nur eine leicht veränderte, noch weiter hergeholte Wiederholung des ersten Films, die dieses Mal nur der Aufhänger für eine Weltreise der Ex-Agenten ist; mit massiven Sachbeschädigungen an allen Orten, an denen sie einen Zwischenstopp machen. Die Schauspieler hatten sicher ihren Spaß bei diesem selbstgenügsamen Film, der sich zu sehr auf dem Witz des ersten „R. E. D.“-Films ausruht und außer Helen Mirren mit Wumme wenig zu bieten hat. Aber das kennen wir schon aus „R. E. D.“.
Oh, und die Verkleidungen von John Malkovich sind noch geschmacksfreier und Mary-Louise Parker, die im ersten „R. E. D.“-Film eine verhuschte Buchhalterin war, will jetzt unbedingt bei der Action mitmachen, während ihr Filmehemann Bruce Willis davon überhaupt nicht begeistert ist.
R. E. D. 2 – Noch älter. Härter. Besser. (R. E. D. 2/Red 2, USA 2013)
Regie: Dean Parisot
Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber
mit Bruce Willis, John Malkovich, Mary-Louise Parker, Helen Mirren, Anthony Hopkins, Catherine Zeta-Jones, Byung Hun Lee, Brian Cox, Neil McDonough, David Thewlis
Egal. Die von Heinrich von Kleist in wuchtigen Sätzen aufgeschriebene Geschichte über Michael Kohlhaas dürfte bekannt sein. Der Pferdehändler lässt bei einem Junker für einen erfundenen Passierschein zwei Pferde als Pfand zurück. Er bekommt sie in einem erbärmlichen Zustand wieder und möchte, dass der Junker ihm die Pferde ersetzt. Dieser tut es nicht und Kohlhaas beginnt einen blutigen Feldzug gegen ihn.
Arnaud des Pallières verfilmte diese Geschichte mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle. Dabei nahm er sich, wie auch die Regisseure der anderen Kohlhaas-Verfilmungen, einige Freiheiten. So verlegte er die Geschichte von Brandenburg und Sachsen, wo sie bei Kleist spielt, in die Cévennen, verzichtete auf eine präzise historische Einordnung und lässt das Drama vor einer prächtigen Landschaft in eher dunklen Bildern langsam seinen Lauf nehmen. Dummerweise hat sich des Pallières auch entschlossen, möglichst wenig zu schneiden und die Dialoge beschränkte er auf ein Minimum. So wird sein Michael Kohlhaas zu einem schweigsamen Brüter, der seine Gefühle hinter einer steinernen Mine verbirgt. Auch die anderen Charaktere reden eher wenig reden. Leider.
Denn „Michael Kohlhaas“ ist kein banaler Abenteuerfilm, kein Quasi-Western, sondern eine zeitlose Parabel, in der es um das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, um das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit, dem Unterschied zwischen gerechtfertigtem Widerstand und Selbstjustiz, zwischen Rebellion und Terrorismus, welchen Regeln man folgen soll und wann das Befolgen von Regeln in Fanatismus umschlägt, geht. Bei diesen vielfältigen Anknüpfungspunkten der im 16. Jahrhundert spielenden Geschichte an die Gegenwart, wäre es gut gewesen, wenn Arnaud des Pallières Michael Kohlhaas einen Gefährten zur Seite gestellt hätte, mit dem er sich hätte unterhalten können. So trägt Kohlhaas die Konflikte schweigend mit sich aus. Wir dürfen das maskenhaft-edle Antlitz von Mads Mikkelsen und die archaische Landschaft bewundern und uns fragen, ob man den Film nicht um etliche Minuten hätte kürzen können.
Michael Kohlhaas (Michael Kohlhaas, Frankreich/Deutschland 2013)
Regie: Arnaud des Pallières
Drehbuch: Arnaud des Pallières, Christelle Berthevas