TV-Tipp für den 13. November: Hudsucker – Der große Sprung

November 13, 2013

Arte, 20.15

Hudsucker – Der große Sprung (USA 1993, R.: Joel Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Sam Raimi

Als Konzernchef Waring Hudsucker sein Leben mit einem Fenstersprung beendet, sieht Vizepräsident Mussburger seine Chance. Er macht, in der Hoffnung auf sinkende Aktienkurse, den Trottel Norville Barnes zum neuen Chef. Doch dann hat Norville eine absolut blöde Idee: er erfindet den Hula-Hoop-Reifen, der – wider Erwarten – zum Verkaufsschlager wird.

Überhaupt nicht begeistert, etwas hart, aber nicht unzutreffend urteilte damals der „Fischer Film Almanach 1995“ über die stilisierte, weitgehend unwitzige Screwball-Comedy: „Kunstgewerbe…Der Protz der Inszenierung erschlägt, die Schauspieler chargieren entsetzlich, die Zitate machen keinen Story-Sinn…Der Film ist clever kalkuliert, aber kalt wie ein Fischauge und leer wie Barton Finks erste Drehbuchseite.“

Danach drehten die Coen-Brüder die Klassiker „Fargo“ und „The Big Lebowski“ – und trafen damit besser die Publikumserwartungen als mit ihrem in einer Kunstwelt spielendem Anti-Capra-Film.

mit Paul Newman, Tim Robbins, Jennifer Jason Leigh, Charles Durning, Jim True, Bruce Campbell

Wiederholung: Freitag, 15. November, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Hudsucker“

Wikipedia über „Hudsucker“ (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Cover der Woche

November 12, 2013

Spinrad - Eine Welt dazwischen


TV-Tipp für den 12. November: Shoah

November 11, 2013

 

Arte, 20.15

Shoah (Frankreich 1974 – 1985, R.: Claude Lanzmann)

Drehbuch: Claude Lanzmann

Neun Jahre reiste Claude Lanzmann durch Europa und unterhielt sich mit Zeitzeugen des Holocaust, Täter und Opfer, über ihre Erlebnisse.

Sehr selten gezeigter Dokumentarfilm, der als Zweiteiler 1986 auf der Berlinale seine Premiere hatte. Arte zeigt heute beide Teile, was bedeutet: Videorecorder einschalten. Denn der erste Teil dauert 274 Minuten, der zweite 292 Minuten. Insgesamt fast zehn Stunden, in denen Menschen reden. Ohne Archivaufnahmen. Ohne Spielszenen.

Der Film hat Maßstäbe gesetzt, an denen sich die überraschend vielen Filme messen lassen müssen, die sich mit Zeitgeschichte auseinandersetzen. ‚Shoah‘ zeigt das, was gewesen ist, als das, was ist. Die Geschichte ist nicht von gestern, sie ist mitten in uns.“ (Peter W. Jansen: Rückblick 86, in Fischer Film Almanach 1987)

Ein Blick auf die „Rotten Tomatoes“-Bewertung (100 % Frischegrad) zeigt, dass sich an der damaligen Bewertung der Dokumentation bis heute nichts änderte.

Hinweise

Arte über „Shoah“

Rotten Tomatoes über „Shoah“

Wikipedia über „Shoah“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. November: Fargo/Blood Simple – Eine mörderische Nacht

November 11, 2013

Arte, 20.15

Fargo – Blutiger Schnee (USA 1996, R.: Joel & Ethan Coen)

Drehbuch: Joel & Ethan Coen

Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.

„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.

Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)

Wiederholung: Donnerstag, 14. November, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fargo“

Wikipedia über “Fargo” (deutsch, englisch)

Arte, 21.50

Blood Simple – Director’s Cut (USA 1984/2000, R.: Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Texas: Privatdetektiv Visser findet heraus, dass Abby ihren Mann, den Barbesitzer Marty, mit einem seiner Angestellten betrügt. Marty beauftragt Visser, seine Frau und den Nebenbuhler umzubringen. Der Plan geht – selbstverständlich – gründlich schief.

Ein feiner Noir, der keine Rücksicht auf seine Charaktere nimmt.

Das Kinodebüt der Brüder Coen. Heute im vier Minuten kürzeren „Director’s Cut“. In jeder Fassung ist schon der typische Coen-Humor vorhanden.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

mit John Gertz, Frances McDormand, Dan Hedaya, M. Emmet Walsh, Samm-Art Williams

auch bekannt als „Blood Simple – Eine mörderische Nacht“ (Kinotitel 1985), „Blood Simple – Blut für Blut“ (Videotitel)

Hinweise

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Blood Simple“

Drehbuch “Blood Simple” von Joel und Ethan Coen

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. November: Music Box – Die ganze Wahrheit

November 10, 2013

BR, 23.45

Music Box – Die ganze Wahrheit (USA 1989, R.: Constantin Costa-Gavras)

Drehbuch: Joe Eszterhas

Die renommierte Chicagoer Anwältin Ann Talbot verteidigt ihren Vater Mike Laszlo. Er soll nach Ungarn ausgeliefert werden, weil er im Zweiten Weltkrieg zahlreiche, grauenvolle Kriegsverbrechen begangen soll. Sie glaubt ihrem Vater und beginnt vor Gericht für ihn zu kämpfen.

Spannendes Gerichtsdrama, das moralische Fragen stellt und zum Nachdenken bewegt.

Polit-Filmer Costa-Gavras („Z“) erhielt auf der Berlinale, zu recht, einen Goldenen Bären für den Film.

Eszterhas schrieb auch die Drehbücher für „Flashdance“, „Das Messer“, „Basic Instinct“, „Sliver“ und „Showgirls“.

mit Jessica Lange, Armin Mueller-Stahl, Frederic Forrest, Donald Muffat, Lukas Haas, Michael Rooker

Hinweise

Wikipedia über „Music Box“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Music Box”


Die Nominierungen für den 26. Europäischen Filmpreis

November 9, 2013

Vor wenigen Minuten wurden auf dem Europäischen Filmfestival in Sevilla die Nominierungen für den Europäischen Filmpreis 2013 von der European Film Academy und EFA Productions verkündet. Die fast 3000 Mitglieder der European Film Academy stimmen nun über die Gewinner ab. Die Preisverleihung ist am 7. Dezember im Haus der Berliner Festspiele und es wird auch einen Livestream geben.

Bis dahin kann man sich ja noch einige der nominierten und (soweit bekannt) sehenswerten Werke ansehen:

 

EUROPÄISCHER FILM 2013

 

THE BEST OFFER

THE BEST OFFER – DAS HÖCHSTE GEBOT
Italien, 130 Min.
REGIE & DREHBUCH: Giuseppe Tornatore
PRODUKTION: Isabella Cocuzza & Arturo Paglia

 

BLANCANIEVES
Spanien/Frankreich, 104 Min.
REGIE & DREHBUCH: Pablo Berger
PRODUKTION: Ibon Cormenzana, Jérôme Vidal & Pablo Berger

 

THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN

THE BROKEN CIRCLE
Belgien, 100 Min.
REGIE: Felix van Groeningen
DREHBUCH: Carl Joos & Felix van Groeningen
PRODUKTION: Dirk Impens

 

LA GRANDE BELLEZZA

Italien/Frankreich, 140 Min.
REGIE: Paolo Sorrentino
DREHBUCH: Paolo Sorrentino & Umberto Contarello
PRODUKTION: Nicola Giuliano & Francesca Cima

 

OH BOY
Deutschland, 83 Min.
REGIE & DREHBUCH: Jan Ole Gerster
PRODUKTION: Marcos Kantis & Alexander Wadouh

 

LA VIE D’ADELE: CHAPITRES 1 & 2

BLAU IST EINE WARME FARBE
Frankreich, 179 Min.
REGIE: Abdellatif Kechiche

DREHBUCH: Abdellatif Kechiche & Ghalia Lacroix
PRODUKTION: Brahim Chioua, Vincent Maraval & Abdellatif Kechiche

 

 

EUROPÄISCHE KOMÖDIE 2013

 

LOS AMANTES PASAJEROS
FLIEGENDE LIEBENDE
Spanien, 90 Min.
REGIE & DREHBUCH: Pedro Almodóvar
PRODUKTION: Agustín Almodóvar & Esther García

 

BENVENUTO PRESIDENTE!
WELCOME MR. PRESIDENT!
Italien
, 100 Min.
REGIE: Riccardo Milani

DREHBUCH: Fabio Bonifacci
PRODUKTION: Nicola Guiliano & Francesca Cima

 

DEN SKALDEDE FRISØR

LOVE IS ALL YOU NEED
Dänemark, 111 Min.
REGIE: Susanne Bier
DREHBUCH: Anders Thomas Jensen & Susanne Bier
PRODUKTION: Sisse Graum &
Jørgensen, Vibeke Windeløv

 

SVECENIKOVA DJECA

THE PRIEST’S CHILDREN
Kroatien/Serbien, 93 Min.
REGIE: Vinko Brešan

DREHBUCH: Mate Matišić & Vinko Brešan

PRODUKTION: Ivan Maloča

 

 

EUROPÄISCHER REGISSEUR 2013

 

Pablo Berger für BLANCANIEVES

Felix van Groeningen für THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN (THE BROKEN CIRCLE)

Abdellatif Kechiche für LA VIE D’ADELE (BLAU IST EINE WARME FARBE)

François Ozon für DANS LA MAISON (IN IHREM HAUS)

Paolo Sorrentino für LA GRANDE BELLEZZA

Giuseppe Tornatore für THE BEST OFFER (THE BEST OFFER – DAS HÖCHSTE GEBOT)

 

 

EUROPÄISCHE SCHAUSPIELERIN 2013

 

Keira Knightley in ANNA KARENINA 

Veerle Baetens in THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN (THE BROKEN CIRCLE)

Barbara Sukowa in HANNAH ARENDT

Naomi Watts in LO IMPOSIBLE (THE IMPOSSIBLE)

Luminita Gheorghiu in POZITIA COPILULUI (MUTTER & SOHN)

 

 

EUROPÄISCHER SCHAUSPIELER 2013

 

Jude Law in ANNA KARENINA

Johan Heldenbergh in THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN (THE BROKEN CIRCLE)

Fabrice Luchini in DANS LA MAISON (IN IHREM HAUS)

Toni Servillo in LA GRANDE BELLEZZA

Tom Schilling in OH BOY

 

 

EUROPÄISCHES DREHBUCH 2013

 

Tom Stoppard für ANNA KARENINA

Giuseppe Tornatore für THE BEST OFFER (THE BEST OFFER – DAS HÖCHSTE GEBOT)

Carl Joos & Felix van Groeningen für THE BROKEN CIRCLE BREAKDOWN (THE BROKEN CIRCLE)

François Ozon für DANS LA MAISON (IN IHREM HAUS)

Paolo Sorrentino & Umberto Contarello für LA GRANDE BELLEZZA


Das waren die Hauptpreise. Die komplette Liste aller Nominierungen des 26. Europäischen Filmpreises gibt es hier.


Stadt Land Buch – der Lesemarathon durch Brandenburg und Berlin

November 9, 2013

 

Heute beginnt der diesjährige „Stadt Land Buch“-Lesemarathon. Die meisten der fast 140 Lesungen finden in Berlin statt, einige auch in Brandenburg und selbstverständlich gibt es einige Abende für den geneigten Krimifan:

In Berlin

Sonntag, 10. November

18.00 Uhr, Schwartzsche Villa (Großer Salon, Grunewaldstraße 55, Steglitz): Susanne Rüster liest aus ihrem Roman „Der letzte Tanz“, Stephan Hähnel einige seiner Kurzgeschichten vor. Beide sollen eine Neigung zum Schwarzen Humor haben.

Montag, 11. November

19.00 Uhr, Kulturkaufhaus Dussmann (Friedrichstraße 90, Mitte)

Robert Harris liest aus seinem neuen, 1894 spielendem Politthriller „Intrige“, über die Dreyfus-Affäre vor.

Donnerstag, 14. November

19.00 Uhr, Buchhandlung Kladow (Kladower Damm 369, Kladow): Martin Keune liest aus seinem 1930 in Berlin spielendem Kriminalroman „Black Bottom“ vor.

19.30 Uhr, Alexander Verlag (Fredericastraße 8, Charlottenburg): 30 Jahre Alexander Verlag (aka Der Verlag, der die Ross-Thomas- und Jörg-Fauser-Werkausgabe veröffentlicht)

19.30 Uhr, Grohnsche Buchhandlung (Kolonnenstraße 52, Schöneberg): Frl. Krise und Frau Freitag wissen, dass „Der Altmann ist tot“. Aber wurde der strenge Lehrer ermordet oder verunglückte er tödlich? Gehört wohl in die Kategorie: witzig.

20.00 Uhr, Monarch (Skalitzer Straße 134, Kreuzberg): Autor und Verleger Klaus Bittermann blickt in „Alles schick in Kreuzberg“ hinter die Fassade – und, auch wenn es kein Krimi ist, gibt es sicher einige sehr treffende Pointen.

20.00 Uhr, Dorotheenstädtische Buchhandlung (Turmstraße 5, Moabit): Horst Bosetzky (aka -ky) liest aus „Skandal um Zille“ vor und porträtiert dabei den titelgebenden Künstler.

Freitag, 15. November

16.00 Uhr, Habel im Ratskeller Schmargendorf (Berkaer Platz 1, Schmargendorf): Horst Bosetzky beschäftigt sich immer noch, an einem anderen Ort, mit dem „Skandal um Zille“.

19.00 Uhr, Passionskirche (Marheinekeplatz 1, Kreuzberg): Verleihung des 2. Deutschen Katzen-Krimi-Preises. Miau!

19.30 Uhr, Krimibuchhandlung Miss Marple (Weimarer Straße 17, Charlottenburg): Horst Eckert liest aus seinem neuen Polit-Thriller „Schwarzlicht“. – Nach meinen Infos ist die Veranstaltung bereits ausverkauft.

20.00 Uhr, Buchhandlung Neues Kapitel (Kopenhagener Straße 7, Prenzlauer Berg): Martin Keune liest wieder aus seinem Kriminalroman „Black Bottom“. Aber dieses Mal swingend unterlegt von Elmar Brass (p) und Matthias Oßwald (cl).

Samstag, 16. November

20.30 Uhr, Wirtshaus Max und Moritz (Oranienstraße 162, Kreuzberg): Rob Alef beschäftigt sich in „Immer schon gierig bleiben“ mit dem Mord an einer Maklerin und der Yuppisierung von Berlin.

Im Umland

Montag, 11. November

Ludwigsfelde: Rathaus (Plenarsaal, Rathausstraße 1): Rechtsmediziner Michael Tsokos stellt sein neues Sachbuch „Klaviatur des Todes“ vor.

Mittwoch, 13. November

Neuruppin: Fontane Buchhandlung (Karl-Marx-Straße 83): Tom Wolf liest aus seinem Preußenkrimi „Rosé Pompadour – Mord in Versailles“.

Freitag, 15. November

Bad Belzig: Buchhandlung Ritter (Sandberger Straße 12), 19.00 Uhr: Detlef Raupach, Autor der Kriminalnovelle „Portugiesische Geschichte“ liest unveröffentlichte Geschichten.

Eberswalde: Stadtbibliothek Eberswalde (Breite Straße 40), 19.00 Uhr: Gabriela und Michael Gwisdek lesen aus ihrem Psychothriller „Nachts kommt die Angst“.

Potsdam: Galerie Caffé 11-line (Charlottenstraße 119): Der als Krimiautor bekannte Jan Eik erinnert sich in „Eine Menge Spaß“ an 30 Jahre im Rundfunk der DDR. Martin Ahrends wirft in „Ich sehe eine Krähe“ einen satirischen Blick auf die Wendeverlierer.

Sonntag, 17. November

Grossbeeren: Buchhandlung Ebel (Berliner Straße 36): Elisabeth Herrmann liest aus ihrem Krimi „Das Dorf der Mörder“ über einen Mord im Berliner Tierpark und eine Spur nach Brandenburg vor.

Das komplette Programm des 23. „Stadt Land Buch“-Lesemarathons gibt es hier. Bei einigen Veranstaltungen wird ein Eintritt erhoben, bei einigen ist eine Anmeldung erwünscht.


TV-Tipp für den 9. November: Die Akte Odessa

November 9, 2013

Vor einigen Wochen war „Die Akte Odessa“ eine Mitternachtsvorstellung. Heute nicht.

BR, 22.05

Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein

LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)

Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.

Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor gut vierzig Jahren).

Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Die Akte Odessa”

Wikipedia über “Die Akte Odessa” (deutsch, englisch)

Wikipedia über Frederick Forsyth

Krimi-Couch über Frederick Forsyth

Wired for Books: Interview mit Frederick Forsyth (1984)

NZZ Folio: Frederick-Forsyth-Porträt (11/1992)

FAZ: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Focus: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Frederick-Forsyth-Fanseite


Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allen und „Blue Jasmine“ Cate Blanchett

November 8, 2013

 

Unseren jährlichen Woody Allen gib uns heute. Nach der Ansichtskarte „To Rome with Love“ geht es heuer nach San Francisco, aber außer dem sonnigen Wetter ist nichts sonnig in seinem neuen Film „Blue Jasmine“. Denn es geht wieder, mit einer Protagonistin, in Richtung Ingmar Bergman; also düster, existenzialistisch, introvertiert, aber dank des dieses Mal ebenfalls vorhandenen Woody-Allen-Humors, nicht so bleiern wie in seinen ersten Bergman-Verehrungen „Innenleben“ (Interiors) und „September“.

Im Mittelpunkt von „Blue Jasmine“ steht die fast ohne Unterbrechung redende traurige Jasmine (Cate Blanchett), die nach San Francisco zu ihrer Schwester (also nicht biologisch, sie wurden beide adoptiert und von der gleichen Mutter groß gezogen) in deren kleine Wohnung zieht. Denn in New York war Jasmine an das mondäne Leben der Upper Class gewöhnt, bis die Polizei die Geschäfte ihres Mannes Hal (Alec Baldwin) überprüfte und ihn als Betrüger (Remember Bernard Madoff?) entlarvte. Jasmine verlor dabei ebenfalls alles und weil sie es für unerträglich hält, wenn ihre früheren Freundinnen sie jetzt als Verkäuferin sehen müssen, zog sie zu Ginger (Sally Hawkins). Die Schwester nimmt sie auf, auch wenn sie und ihr Ex-Mann Augie (Andrew Dice Clay) von Jasmines Mann um ihr gesamtes Vermögen betrogen wurden. Sie versucht Jasmine zu helfen, stellt sie ihren Freunden vor, die Jasmine alle für unerträglich primitiv hält, und verschafft ihr eine Arbeit, die Jasmine, die noch nicht einmal einen Studienabschluss hat, für vollkommen unter ihrer Würde hält. Die lebensuntüchtige Jasmine kann und will ihre Situation einfach nicht wahrhaben. Sie lebt in ihrer eigenen Welt, in der der schöne Schein und damit verbundene Selbsttäuschung alles sind.

Außerdem ist sie seelisch labil, führt Selbstgespräche und erinnert sich immer wieder an ihr besseres Leben, das von Woody Allen bruchlos in die in San Francisco spielende Geschichte hineingeschnitten wird. Das Stilmittel illustriert anfangs schön Jasmines Geisteszustand, aber mit der Zeit – auch weil die Erinnerungen scheinbar beliebig kommen – nervt es. Denn wir müssen nicht zehnmal auf die gleiche Weise demonstriert bekommen, dass Jasmine ein Realitätsproblem hat.

Gleichzeitig wirkt Jasmines Abstieg wie ein Eins-zu-Eins-Remake von Amos Kolleks „Sue – Eine Frau in New York“, ergänzt um Allenismen und, als Spiegelbild zu Jasmines Selbstverleugnung, die Geschichte der sehr bodenständigen Schwester Ginger, ihres bodenständigen Freundes, seiner bodenständigen Freunde und ihres bodenständigen Ex-Mannes, der bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erwähnt, dass Hal ein Betrüger sei, der sie um ihr Geld brachte; was man allerdings schon nach dem zweiten Mal begriffen hat. Und einer Abrechnung mit dem Finanzkapitalismus, der von Hal, einem Betrüger und Schlawiner, dessen Vermögen auf Lug, Trug und Blendwerk aufgebaut ist, verkörpert wird.

Und so ist „Blue Jasmine“ dann doch ein etwas zwiespältiges Vergnügen, trotz der gewohnt grandiosen Schauspieler und der gut gespielten Szenen, die mal mehr auf die Mike-Leigh-Schule, mal mehr in Richtung Ingmar Bergman, auch etwas in Richtung High-Society-Satire schielen und alle im Woody-Allen-Kosmos grundiert sind.

Blue Jasmine - Plakat

Blue Jasmine (Blue Jasmine, USA 2013)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Cate Blanchett, Sally Hawkins, Alec Baldwin, Peter Sarsgaard, Louis C. K., Bobby Cannavale, Michael Stuhlbarg, Andrew Dice Clay, Max Casella, Alden Ehrenreich, Tammy Blanchard

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blue Jasmine“

Moviepilot über „Blue Jasmine“

Metacritic über „Blue Jasmine“

Rotten Tomatoes über „Blue Jasmine“

Wikipedia über „Blue Jasmine“

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte  

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ein Investmentbanker sieht sich als „Master of the Universe“

November 8, 2013

Das ist ein geschlossenes System, in dem man sich immer weiter von der Wirklichkeit entfernt. Deswegen mache ich mir auch keine Gedanken darüber, ob das, was ich in meinem Job mache, die Deals, die ich abschließe oder die Aktionen, die ich mache…ob die irgendwelche Auswirkungen auf die Welt da draußen haben“, sagt Rainer Voss rückblickend auf seine Arbeit als Investmentbanker in Marc Bauders sehenswerter Dokumentation „Master of the Universe“, die einen Einblick in das geschlossene System der Banken liefert. Denn so sehr die Banken nach außen Transparenz und Offenheit propagieren, so verschlossen sind sie auch. So wurden die zahlreichen Interviewanfragen von Bauder nicht beantwortet. Es gab keine Drehgenehmigungen. Noch nicht einmal an Wochenenden und für die öffentlich zugänglichen Gebäudeteile. Die Glasfassaden der Hochhäuser in der Bankenstadt Frankfurt am Main verbergen, dass dort inzwischen dreißig Prozent der Fläche leerstehen.

Aber dieser Leerstand führte dazu, dass Bauder in einem leerstehendem Bankgebäude, mit Blick auf die anderen Bank-Hochhäuser, drehen konnte.

Die Verweigerung von Interviews führte dazu, dass Bauder sich ausschließlich auf Rainer Voss konzentrierte und die Dokumentation so eine erzählerische Dichte erhält, die er sonst nicht gehabt hätte. Dass der Film dafür von ihm und seiner Perspektive abhängig ist, ist daher verschmerzbar. So will Voss nicht über seine Ehe und seinen Sohn sprechen – und diese Gesprächsverweigerung verrät dann doch wiederum sehr viel. Er will auch keine Namen nennen.

Gesprächiger wird er, wenn er von seiner früheren Arbeit erzählt. In den achtziger Jahren gehörte er zu den ersten Investmentbankern Deutschlands, was vor allem an einer Mischung aus jugendlicher Neugierde und Computerbegeisterung lag. Denn damals nahm er, mit einigen gleichgesinnten Bankangestellten einfach ein Arbeitsangebot wahr, probierte nächtelang an den damals noch neuen Computern verschiedene Finanzierungsmodelle aus und hörte sich die Botschaften der US-Banker, die von ihnen wie Heilige verehrt wurden, an, ehe er das neu erworbene Wissen an deutschen Firmenbesitzern ausprobierte.

Er erzählt von dem Korpsgeist in der Bank, dass man sich für höhere Aufgaben qualifiziert, indem man einige Nächte durcharbeitet (an die Qualität der Arbeit und die Schutzpflichten des Arbeitgebers wird dabei anscheinend nicht gedacht), dem Leistungsdruck, dem Nicht-Fragen und dem Nicht-In-Frage-Stellen von Aufgaben, egal wie unsinnig und dumm sie sind, vom Leben in einer Parallelwelt, die mit dem normalen Leben nichts mehr zu tun hat, und dass die Ehefrau als allzeit bereites Anhängsel des Mannes immer der Bank zur Verfügung zu stehen habe. Und dass die Mitarbeiter nach einigen Jahren, finanziell anscheinend gut versorgt, in den Ruhestand verabschiedet werden.

Er besteht, wenn er seine Arbeit, verschiedene Finanzmarktprodukte und die Logik der Finanzwelt sehr anschaulich erklärt, auch immer darauf, dass sie nichts ungesetzliches tun. Er sieht auch die für die meisten Kunden unsinnigen Anlagemöglichkeiten nicht als moralisch verwerflich an. Immerhin gibt es ja den einen Kunden, für den die Anlage passt.

Das ist alles faszinierend anzuhören und liefert einen fundierten Einblick in einen Wirtschaftszweig, der einmal dafür gedacht war, Firmen das nötige Kapital für ihre Arbeit zu besorgen – und weil Bauder nur in einer verlassenen Bank drehte, sind die ästhetisch ansprechenden Bilder von leeren Büros auch ein süffisanter Kommentar zur glänzenden Fassade der Bankenwelt, die wie eine Sekte von ihren Jüngern bedingungslose Gefolgschaft fordert.

Master of the Universe - Plakat

Master of the Universe (Deutschland/Österreich 2013)

Regie: Marc Bauder

Drehbuch: Marc Bauder

mit Rainer Voss

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Master of the Universe“

Moviepilot über „Master of the Universe“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Kinderfilm „Kopfüber“

November 8, 2013

Das erste Problem von „Kopfüber“ ist die Werbung, die sich darauf konzentriert, den zehnjährigen Protagonisten als ADHS-Kranken hinzustellen und damit den Kinderfilm als einen Film über ADHS verkauft. Aber über die Krankheit erfahren wir fast nichts und das, was wir erfahren, scheint auch noch – so wurde mir nach dem Film gesagt – falsch zu sein. Außerdem wird ADHS in der ersten Stunde des Films überhaupt nicht angesprochen.

Das zweite Problem von „Kopfüber“ ist, dass die Macher einfach zu viel in den Film hineinpackten, dass vieles nur angerissen wird, vieles deshalb vollkommen unlogisch wird und der Film deshalb die wirklich spannende Geschichte, die irgendwo in ihm versteckt ist, nicht findet.

Dabei ist „Kopfüber“ als Porträt eines schwierigen Jugendlichen, der von einer alleinerziehenden Kindergärtnerin liebevoll erzogen wird, mit seiner ebenfalls einsamen Freundin durch die Gegend streift und gerne Fahrräder repariert, gar nicht so schlecht. Der zehnjährige Sascha (Marcel Hoffmann) hat auch zwei Geschwister, die, etwas arg didaktisch, diametral entgegengesetzte Rollenvorbilder sind: einen Bruder, der die Schule geschmissen hat und sich mit bestenfalls halblegalen Geschäften durchschlägt, und eine Schwester, die nur die Schule und einen erfolgreichen Abschluss im Kopf hat. Weil er immer wieder bei Diebstählen und dem Schuleschwänzen erwischt wird, hat er eine dicke Mappe beim Jugendamt. Seine letzte Chance ist ein vom Jugendamt bestimmter Erziehungshelfer.

Für den Film spricht, dass die Kinderdarsteller ernst genommen werden, die Dialoge natürlich wirken und auch die Beziehungen glaubwürdig gezeichnet sind. Vor allem die von Sascha, der einerseits hochbegabt ist, andererseits eine Leseschwäche hat und sich nicht länger konzentrieren kann, zu seinem Erziehungshelfer, der als vom Jugendamt bestimmter Vaterersatz versucht, Sascha auf die richtige Bahn zu bringen. Diese Geschichte steht eigentlich im Mittelpunkt von „Kopfüber“, aber die Macher wollten dann doch etwas anderes erzählen.

Deshalb müssen wir damit zurechtkommen, dass Saschas Mutter sich anscheinend nie mit ihren Kolleginnen im Kindergarten über ihren Sohn unterhalten hat, dass sie noch nie etwas von der Modekrankheit ADHS gehört hat, dass sie am Zeugnistag, nachdem Sascha wider Erwarten die Versetzung geschafft hat, lieber den Abend mit ihrem Freund verbringt als mit ihrem Sohn zu feiern, dass im Film ADHS im Schweinsgalopp diagnostiziert wird, dass Sascha dann allein mitten in der Nacht Tabletten zu genau festgelegten Uhrzeiten nehmen muss (was ihm, der vorher keine fünf Minuten bei einer Sache bleiben konnte, mühelos gelingt), dass die Medikamente so stark sind, dass er zum Zombie wird und dass am Ende eine vollkommen verquere Botschaft steht.

In diesen Momenten fragte ich mich, warum Regisseur und Drehbuchautor Bernd Sahling und seine Co-Autorin Anja Tuckermnn ihren Film mit so mit Unwahrscheinlichkeiten überfrachteten, anstatt sich einfach auf die Geschichte von Sascha zu seinem Erziehungshelfer zu konzentrieren. Vor allem weil für mich Sascha niemals ein Fall für eine medizinische Behandlung, sondern einfach nur ein lebenslustiger, etwas aufsässiger Junge war, dem ein Vorbild fehlte.

Kopfüber - Berlinale-Plakat

Kopfüber (Deutschland 2012)

Regie: Bernd Sahling

Drehbuch: Bernd Sahling, Anja Tuckermann

mit Marcel Hoffmann, Frieda-Anna Lehmann, Inka Friedrich, Claudius von Stolzmann, Benjamin Seidel, Jolina Simpson

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kopfüber“

Moviepilot über „Kopfüber“


TV-Tipp für den 8. November: Full Metal Jacket

November 8, 2013

 

RTL II, 22.30

Full Metal Jacket (Großbritannien 1987, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Michael Herr, Gustav Hasford

LV: Gustav Hasford: The Short-Timers, 1981 (Höllenfeuer)

Grandioser (Anti-)Kriegsfilm von Stanley Kubrick, der im ersten Drittel des Films die gnadenlose Ausbildung der Soldaten, ihre Entpersönlichung und Zurichtung nach den Wünschen des Militärs, und in den restlichen zwei Dritteln den chaotischen Kampf in Vietnam, in dem die Ausbildung keinen Pfifferling mehr wert ist, dokumentiert.

Kein angenehmer Film und auch kein Film mit irgendwelchen Identifikationsfiguren oder einem moralischen Standpunkt, aber ein wichtiger und sehenswerter Film.

Full Metal Jacket ist ein nihilistischer Thriller und insofern der letzte Kriegsfilm, ein Schlussstrich unter das Genre, weil in ihm das Ende des Individuums weniger eine Aussage ist als eine Haltung.“ (Stefan Reinicke: Es ist besser zu leben, als tot zu sein: Full Metal Jacket [1987], in Andreas Kilb/Rainer Rother: Stanley Kubrick)

mit Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D’Onofrio, R. Lee Ermey, Dorian Harewood

Wiederholung: Sonntag, 10. November, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Ful Metal Jacket“

Rotten Tomatoes über „Full Metal Jacket“

Wikipedia über „Full Metal Jacket“ (deutsch, englisch)

Blog über Gustav Hasford

Stanley Kubrick in der Kriminalakte


Die KrimiZeiT-Bestenliste November 2013

November 8, 2013

 

Für den kalten November empfehlen die Damen und Herren der KrimiZeit folgende Werke:

1 (1) Jerome Charyn: Unter dem Auge Gottes

2 (-) Ana Paula Maia: Krieg der Bastarde

3 (-) Friedrich Ani: M

4 (7) Robert Wilson: Stirb für mich

5 (-) Lee Child: 61 Stunden

6 (-) Garry Disher: Dirty Old Town

7 (-) Michael Robotham: Sag, es tut dir leid

8 (-) Tom Rob Smith: Ohne jeden Zweifel

9 (-) Christopher Brookmyre: Die hohe Kunst des Bankraubs

10 (5) C. S. Forester: Tödliche Ohnmacht

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Einiges (Disher!!! Charyn!! Wilson!) liegt auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Child ist noch nicht eingetroffen. Ani wird gerade gelesen. Warum fehlen Higgins und Eckert?

Und dann gibt es noch einen neuen Roman von Stephen King.


Zum Abschluss von Denise Minas Comic-Adaption von Stieg Larssons „Verblendung“

November 7, 2013

Mina - Stieg Larssons Verblendung 2 - Softcover

Für alle, die die die letzten Jahre weltweit grassierende Stieg-Larsson-Manie, inclusive zwei Verfilmungen von seinem Debütroman „Verblendung“, ignorieren konnten, gibt es jetzt eine kurze Zusammenfassung von „Verblendung“. Denn inzwischen ist auch der zweite und abschließende Teil von Denise Minas Comic-Adaption des Bestsellers auf Deutsch erschienen.

Der alte Firmenchef Henrik Vanger beauftragt den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der gerade wegen einer vollkommen verpatzten Enthüllungsgeschichte mächtig Ärger hat, Womanizer und exzessiver Kaffeetrinker ist (Hat schon irgendjemand eruiert, wie viel Kaffee in Larssons „Millennium“-Romanen getrunken wird?), herauszufinden, wer 1966 seine Nichte Harriet auf der der Familie gehörenden Insel ermordete. Blomkvist beginnt mit dem Aktenstudium.

Für die Comic-Adaption hat die mit dem John-Creasey-Dagger ausgezeichnete Krimi-Autorin Denise Mina das Dickicht des Romans etwas gelichtet und einige Kleinigkeiten geändert. Aber in weiten Teilen folgt sie, wie von den Fans gewünscht, fast schon sklavisch, Stieg Larssons Roman.

Jedenfalls endete der erste Teil der Comic-Adaption mit Lisbeth Salander, die ihren Vormund tätowiert, und Mikael Blomkvist, der – früher als im Roman – seine Haftstrafe für die missglückte Enthüllungsgeschichte antritt.

Der zweite Teil beginnt nach Blomkvists Haft. Er ist wieder zurück auf der Insel, lernt Lisbeth Salander, die geniale, beziehungsgestörte Hackerin, die schon seinen gesamten Computer hackte, kennen und gemeinsam beginnen sie Harriet Vangers mysteriöses Verschwinden aufzuklären. Dabei stoßen sie auf eine Mordserie, die nach dem 2. Weltkrieg begann und sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Sie glauben, dass die Frauenmorde von einem Vater-Sohn-Paar begangen werden, das zur Familie Vanger oder ihrem engsten Umfeld gehört, und dass Harriet die Mörder kannte.

Auch der zweite und abschließende Teil von „Verblendung“ folgt dem Roman ziemlich genau, wobei die Nazi-Geschichte vollkommen fehlt und die Recherchen von Blomkvist und Salander auf wenigen Seiten eingedampft werden, während die Folterung Blomkvists durch den Mörder und Salanders Reaktion darauf (es könnte ja noch zwei Menschen auf dem Planeten geben, die das Ende nicht kennen) viele Seiten einnehmen und es danach – wie in dem Roman – ein elend langes Nachspiel gibt, in dem alle offenen Fragen und einige Fragen, die man nicht stellte, beantwortet werden.

Insgesamt gelang Mina eine gelungene, aber nicht besonders eigenständige Adaption, die – wie die Verfilmungen – weitgehend dem von Stieg Larsson erfundenem Handlungsgerüst folgt.

Die Comic-Adaption von Stieg Larssons zweitem Roman „Verdammnis“ ist schon angekündigt.

Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner): Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 2

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

164 Seiten

16,99 Euro (Softcover)

24,99 Euro (Hardcover)

Originalausgabe

The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two

Vertigo/DC Comics, 2013

Vorlage

Larsson - Verblendung Movie-Tie-In-Fincher

Stieg Larsson: Verblendung

(übersetzt von Wibke Kuhn)

Heyne, 2011 (Movie-Tie-In zur Fincher-Version)

704 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Män son hatar kvinnor

Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2006

Verfilmungen

Verblendung (Män som hatar kvinnor, Schweden/Deutschland/Dänemark 2009)

Regie: Niels Arden Oplev

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Steve Zaillian

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Mullholland Books: Interview mit Denise Mina über “Verblendung” (12. November 2012)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs “Die Welt der Lisbeth Salander” (The Tattooed Girl, 2011)

Meine Besprechung von David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )


TV-Tipp für den 7. November: Die Legion der Verdammten

November 7, 2013

 

MDR, 23.35

Die Legion der Verdammten (Frankreich/Italien 1982, R.: Robert Hossein)

Drehbuch: Alain Decaux, Robert Hossein

LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1982 (Die Elenden)

Der Galeerensträfling Jean Valjean will ehrlich leben.

Sehr gelungene Romanverfilmung, die sich auf die Handlung von Victor Hugos Epos konzentrierte. Dummerweise sind gerade die Abschweifungen der eigentlich interessante Punkt des epischen Romans. Denn die Geschichte des geläuterten Sträflings und des ihn hartnäckig verfolgenden Polizisten in den Wirren der französischen Politik im frühen 19. Jahrhundert ist reinste Kolportage.

Im Kino lief eine dreistündige Fassung, heute wird eine 200-minütige Fassung präsentiert und für das französische Fernsehen entstand sogar eine gut vierstündige Fassung, die wahrscheinlich mit dieser Fassung ziemlich identisch ist.

Ach ja: Lest den Roman!

mit Lino Ventura, Michel Bouquet, Evelyne Bouix, Christiane Jean, Jean Carmet, Francoise Seigner

Hinweise

Wikipedia über Victor Hugo, den Roman und „Die Legion der Verdammten“

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über Lino Ventura


DVD-Kritik: „Before Midnight“ reden Ethan Hawke und Julie Delpy miteinander

November 6, 2013

 

Wir erinnern uns: in „Before Sunrise“ trifft der US-Amerikaner Jesse (Ethan Hawke) in Wien die Französin Celine (Julie Delpy). Sie verbringen eine wundervolle Nacht miteinander, indem sie durch die Stadt schlendern und miteinander reden. Der Film wurde ein Indie-Hit.

Neun Jahre später treffen sie sich „Before Sunset“ in Paris. Jesse hat ein Buch über diese Nacht geschrieben und stellt es in Paris vor. Sie kommt zur Lesung und weil er bis zu seinem Abflug noch etwas Zeit hat, schlendern sie durch Paris und reden miteinander über die vergangenen Jahre, ihr Leben und die Zukunft. Am Ende verpasst Jesse sein Flugzeug in die USA.

Wieder neun Jahre später sind Jesse und Celine mit ihren Kindern in Griechenland und „Before Midnight“ reden sie mit ihren künstlerisch interessierten Gastgebern, schlendern über die Insel, reden über die vergangenen Jahre, wie sehr ihre Wünsche sich erfüllten und tragen einen veritablen Ehekrach aus, denn Jesse will zurück in die USA zu seinem Sohn, den er nur in den Ferien sieht, und Celine will in Paris einen Job annehmen.

Im Duktus unterscheidet sich „Before Midnight“ kaum von den beiden vorherigen Filmen. Es ist wie ein Besuch bei guten alten Bekannten, bei denen sich über die Jahre wenig ändert. Richard Linklater inszeniert wieder, indem er Ethan Hawke und Julie Delphy, die auch beim Drehbuch mitarbeiteten, fast ungeschnitten in scheinbar improvisierten Endlosdialogen miteinander reden, streiten und sich versöhnen lässt.

Das erinnert inzwischen als filmisches Langzeitprojekt an die Antoine-Doinel-Filme von Francois Truffaut. Aber während Jean-Pierre Leaud untrennbar mit dem Charakter verschmolz, sind Hawke und Delphy auch für andere Rollen bekannt und, im Gegensatz zu dem Träumer Doinel, der zunehmend von seiner Vergangenheit eingekreist war, sind Jesse und Celine zwei überaus normale Menschen, die, trotz aller Erinnerungen, im Hier und Jetzt leben. Sie als politische Aktivistin mehr als er, der Schriftsteller.

Before Midngiht“ ist die Bestandsaufnahme von zwei Mittvierzigern – und damit auch ein Porträt dieser Generation. Die Zeit der Jugend und der Träume ist vorbei. Sie beginnen eine erste Bilanz über ihr Leben zu ziehen und, nach den hoffnungsvollen ersten beiden Filmen, wird es jetzt etwas melancholischer. Die Mühen des Alltags und Erziehungsfragen bestimmen im Moment das Leben von Jesse und Celine.

Deshalb muss es in einigen Jahren, vielleicht wenn die Kinder erwachsen sind, einen weiteren Film mit den beiden Liebenden geben. Der heißt dann vielleicht „Before High Noon“ – und wir freuen uns schon jetzt auf diese Begegnung.

Before Midnight - DVD-Cover

Before Midnight (Before Midnight, USA 2013)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke

mit Ethan Hawke, Julie Delpy, Seamus Davey-Fitzpatrick, Jennifer Prior, Charlotte Prior, Walter Lasally, Xenia Kalogeropoulou, Athina Rachel Tsangari, Panos Koronis, Ariane Labed, Yannis Papadopoulos

DVD

Prokino Home Entertainment/EuroVideo

Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel (angekündigt): Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (angekündigt): Audiokommentar mit Ethan Hawke, Julie Delpy und Richard Linklater, Wiedersehen mit Celine und Jesse (Behind the Scenes), Deutscher und Original-Kinotrailer

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Before Midnight“

Moviepilot über „Before Midnight“

Metacritic über „Before Midnight“

Rotten Tomatoes über „Before Midnight“

Wikipedia über „Before Midnight“ (deutsch, englisch)

Berlinale: „Before Midnight“-Pressekonferenz (natürlich mit deutscher Übersetzung)

Und es gibt noch neunzig Minuten mit Ethan Hawke

 

 


Verlosung: Wer will den „Schüren Filmkalender 2014“?

November 6, 2013

 

Schüren Filmkalender 2014 - 4q

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, in den Geschäften liegen die ersten Kalender aus und die Kriminalakte verlost ein Exemplar vom „Schüren Filmkalender 2014“, einem unerlässlichem Kompendium für den Filmfan. Denn es gibt über eintausend Geburts- und Todestage (gut für den lässigen Smalltalk: Was haben Mike Nichols, Sally Field und Ethan Hawke gemeinsam? – Geburtstag am 6. November.), eine kommentierte Adressliste von Festivals und Filmmuseen und oft mehrseitige Texte über Schauspieler, Regisseure und Filme, die nächstes Jahr einen wichtigen Geburtstag feiern. Das sind Christian Bale, Penelope Cruz, Peter Lorre, James Cameron, Ang Lee, Hedy Lamarr, Scarlett Johannson, Maggie Smith, 100 Jahre Charlie Chaplins Tramp, 90 Jahre „Der letzte Mann“, 60 Jahre Godzilla, 30 Jahre Coen-Brüder, 30 Jahre Schabbach (aka Edgar Reitz‘ „Heimat“), Rainer Werner Fassbinder über seinen Film „Angst essen Seele auf“ (1974) und John Cassavetes über seinen Film „Eine Frau unter Einfluss“ (1974).

Die Verlosung folgt den eingespielten Regeln: Wer ein Exemplar vom „Schüren Filmkalender 2014“ besitzen will, muss bis Montag, den 11. November, um 23.59 Uhr, eine E-Mail mit einer deutschen Postanschrift an info@axelbussmer.de schicken.

Danach beginnt die Glücksfee, unter der liebevollen Aufsicht von Batman, Black Widow und Godzilla, mit ihrer Arbeit.

Daniel Bickermann (Redaktion): Schüren Filmkalender 2014

Schüren Verlag, 2013

208 Seiten

9,90 Euro

Hinweis

Meine Besprechung von „Schüren Filmkalender 2013“


TV-Tipp für den 6. November: O Brother, where art thou?

November 6, 2013

Arte, 20.15

O Brother, where art thou? – Eine Mississippi-Odyssee (USA 2000, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen (basierend auf „Die Odyssee“ von Homer)

USA, während der Depression: drei Häftlinge flüchten durch die Südstaaten und während sie einige Abenteuer erleben, hören wir gute Musik. T-Bone Burnett war für den Soundtrack verantwortlich.

Spaßige Nummernrevue

mit George Clooney, John Turturro, Tim Blake Nelson, Charles Durning, John Goodman, Holly Hunter

Wiederholung: Donnerstag, 7. November, 14.10 Uhr

Hinweise

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


Cover der Woche

November 5, 2013

Postgate - Das Urteil der Zwölf


TV-Tipp für den 5. November: Tatort: Frau Bu lacht

November 5, 2013

BR, 20.15

Tatort: Frau Bu lacht (D 1996, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Konditor Mauritz wird ermordet. Seine thailändische Katalog-Frau Sita schweigt und die Kommissare Batic und Leitmayr haben einen neuen Fall.

Dieser Tatort ist unbestritten einer der besten Batic/Leitmayr-Tatorte. Und sie hatten in den Neunzigern wirklich eine Reihe wirklich guter Fälle gehabt!

Mit Udo Wachtveitl, Miro Nemec, Michael Fitz, Barbara-Magdalena Ahrens,Ulrich Noethen, Petra Kleinert, Anna Villadolid

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Dominik Graf in der Kriminalakte