
Heute Nachmittag in Moabit; aber auch in anderen Kiezen sind Gehwege in Teilen zu regelrechten Eisbahnen geworden.
Aus mir unbekannten Gründen ist es in der Hauptstadt nicht möglich, den Schnee schnell zu räumen.

Heute Nachmittag in Moabit; aber auch in anderen Kiezen sind Gehwege in Teilen zu regelrechten Eisbahnen geworden.
Aus mir unbekannten Gründen ist es in der Hauptstadt nicht möglich, den Schnee schnell zu räumen.
„Ich habe Tränen gelacht, als ich das Drehbuch las – es war teuflisch und voller schrägem und absurdem Humor.“
Mark Rufallo
„Ich las es als Krimi, prall gefüllt mit Elementen von Horror und Märchen.“
Hanna Schygulla
Yorgos Lanthimos hat wieder zugeschlagen. Mit „Dogtooth“, „The Lobster“ und „The Killing of a Sacred Deer“ wurde der Grieche zum Kritiker- und Arthausliebling. Mit „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ wurde er auch beim breiteren Publikum bekannt. Mit seinem neuen Film setzt er seinen Weg konsequent fort. „Poor Things“ ist dabei sein freundlichster Film geworden.
In der wunderschön durchgeknallten, warmherzigen Steampunk-Frankenstein-Variante „Poor Things“ erzählt er die Geschichte von Bella Baxter (Emma Stone).
Sie ist das Ergebnis eines Experiments von Dr. Godwin ‚God‘ Baxter (Willem Dafoe), einem genialen Wissenschaftler, der von seinem Vater bei einem Experiment verunstaltet wurde. Er ist ein Geistesverwandter von Dr. Frankenstein und Bella ist sein ‚Monster‘. An ihr will er über den menschlichen Geist forschen. Dafür tauscht er, wie wir erst später erfahren, nach ihrem Suizid ihr totes Gehirn gegen das noch lebende Gehirn ihres noch nicht geborenen Babys. Nach der geglückten Operation beobachtet er, wie Bella laufen und sprechen lernt und die Welt innerhalb ihres Hauses erkundet. Dabei geht einiges zu Bruch und sie uriniert auf den Boden. Baxters Haushälterin Mrs. Prim (Vicky Pepperdine) räumt stoisch hinter ihr auf. Dr. Baxter versucht Bella mit väterlicher Geduld zu erziehen und er bringt ihr sprechen bei. Denn Bella ist ein Kind im Körper einer erwachsenen Frau. Diese Diskrepanz zwischen Körper und Geist, gepaart mit einem bestimmendem Temperament und einer kindlichen Sicht auf die Welt, sorgt für einige Lacher.
Zur kontinuierlichen Beobachtung von Bellas Entwicklung engagiert Baxter den Studenten Max McCandless (Ramy Youssef). Beide Männer beobachten Bella. Sie experimentieren mit ihr. Bringen ihr neue Dinge bei und sind ebenso begeistert wie erstaunt über ihre schnellen Lernfortschritte. Dabei entwickeln sie tiefere Gefühle für ihr Forschungsobjekt.
Als Bella älter wird, will sie nicht mehr im Haus bleiben. Sie will die Welt erkunden. Baxter erlaubt es.
Zusammen mit dem von sich überzeugten, besitzergreifenden Hallodri und Anwalt Duncan Wedderburn (Mark Ruffalo) begibt Bella sich auf eine große Reise, auf der sie vom impulsiven, keine Grenzen kennendem Kind (im Kopf) zur Grenzen kennenden, aber nicht notwendigerweise respektierenden Frau (im Kopf) wird.
Auf dieser, den größten Teil des Films einnehmenden Reise, die sie zuerst nach Lissabon, dann auf einen Ozeandampfer, nach Alexandria und Paris (wo sie in einem Bordell Reisegeld verdient) und wieder zurück nach London führt, begegnet sie der unabhängigen, sehr belesenen und klugen Martha von Kurtzroc (Hanna Schygulla), Marthas Begleiter Harry Astley (Jerrod Carmichael), der Bordellchefin Swiney (Kathryn Hunter) und ihrer revolutionär-sozialistisch gesinnten Arbeitskollegin Toinette (Suzy Bemba). Auf jeder Station dieser Reise lernt Bella eine neue Lektion über ihre von ihr schon in Baxters Haushalt entdeckten Sexualität, die Wirtschaft und die Strukturen der Gesellschaft.
Zurück in London begegnet sie dem Grund für ihren Suizid am Filmanfang. Diese Begegnung führt zu einem köstlich schrägen Finale, das die Verhältnisse auf märchenhafte Weise auf den Kopf stellt. So wie der Film bis dahin schon, höchst unterhaltsam, die Verhältnisse auf den Kopf stellte. Schlließlich spielt er in einer Welt, in der es Wesen gibt, die es nicht geben dürfte.
Lanthimos erzählt die vollständig im Studio gedrehte Geschichte in betont künstlichen Kulissen mit grandiosen Schauspielern, einer konstant mild desorientierenden Kamera und unzähligen visuellen Gags, die die erfundene Steampunk-Welt zu einer glaubwürdigen Welt werden lassen. Am Ende ist „Poor Things“ sein längster, zugänglichster und auch optimistischter und freundlichster Film. Die Schwarze Komödie ist ein großer, wenn auch etwas ausufernder, teils plakativer Spaß.
Nach dem Gewinn des Goldenen Löwen in Venedig gewann „Poor Things“ weitere Preise, wie den Golden Globe als beste Komödie und für die beste Hauptdarstellerin. In den kommenden Wochen dürfte die Komödie zahlreiche weitere Nominierungen und Preise erhalten. Gestern wurde „Poor Things“ für elf BAFTAs nominiert, unter anderem als bester Film, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Hauptdarstellerin, beste Kamera, beste Musik und beste Spezialeffekte.
Und wenn am 23. Januar 2024 die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben werden, dürfte Lanthimos neuer Film in mehreren Kategorien nominiert sein.

Poor Things (Poor Things, USA 2023)
Regie: Yorgos Lanthimos
Drehbuch: Tony McNamara
LV: Alasdair Gray: Poor Things: Episodes from the Early Life of Archibald McCandless M.D., Scottish Public Health Officer, 1992 (Arme Dinger: Episoden aus den frühen Jahren des schottischen Gesundheitsbeamten Dr. med Archibald McBandless)
mit Emma Stone, Mark Ruffalo, Willem Dafoe, Ramy Youssef, Jerrod Carmichael, Hanna Schygulla, Christopher Abbott, Suzy Bemba, Kathryn Hunter, Vicki Pepperdine, Margaret Qualley
Länge: 141 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Poor Things“
One, 21.00
Ein Gauner & Gentleman (The old man & the gun, USA 2018)
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
LV: David Grann: The Old Man and the Gun (Reportage, The New Yorker, 27. Januar 2003)
Wunderschön entspannte Schnurre über den Berufsverbrecher Forrest Tucker (Robert Redford), der 1981 nach eine Banküberfall Jewel (Sissy Spacek) trifft. Er beginnt mit der nichtsahnenden Witwe eine Beziehung, während er mit seinen Kumpels schon den nächsten Banküberfall plant.
David Lowery erzählt seine äußerst gelungene Mischung aus Liebes- und Gangsterfilm mit viel Retro-Charme als nostalgische, tiefenentspannte Abschiedsvorstellung, die noch einmal die gute alte Zeit feiert, als schlitzohrige Berufsverbrecher auch Gentleman sein konnten. Ein Film für große und kleine Lagerfeuer.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Danny Glover, Tom Waits, Tika Sumpter, Keith Carradine, Isiah Whitlock Jr., John David Washington
Wiederholung: Samstag, 20. Januar, 00.45 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Ein Gauner & Gentleman“
Metacritic über „Ein Gauner & Gentleman“
Rotten Tomatoes über „Ein Gauner & Gentleman“
Wikipedia über „Ein Gauner & Gentleman“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)
Meine Besprechung von David Lowerys „A Ghost Story“ (A Ghost Story, USA 2017)
Meine Besprechung von David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“ (The old man & the gun, USA 2018) (mit Q&A-Clips) und der DVD
Meine Besprechung (kurz) von David Lowerys „The Green Knight“ (The Green Knight, USA 2021)
3sat, 20.15
wissen aktuell: Was wird die nächste Pandemie? (Deutschland 2024)
Kaum ist die Coronavirus-Pandemie halbwegs überstanden, rätseln Forscher schon darüber, was danach kommt und versuchen das Schlimmste zu verhindern.
„wissen aktuell“ gibt in neunzig Minuten einen Überblick über die aktuelle Forschungslandschaft.
Hinweis

Für alle, die das erfolgreiche Computerspiel nicht kennen und die die vor einigen Wochen im Kino gelaufene, anscheinend ziemlich schlechte Verfilmung des Spiels nicht gesehen haben, ist hier vielleicht etwas Kontext wichtig.
„Five Nights at Freddy’s“ ist ein seit fast zehn Jahren bestehendes, beliebtes, von Scott Cawthon erfundenes Survival-Horror-Game. Der Spieler muss als Angestellter in der titelgebenden Freddy Fazbear’s Pizzeria fünf Nachtschichten überleben. Bekannt wurde die Franchise-Pizzeriakette durch die von dem Erfinder William Afton und seinem Unternehmen Fazbear Entertainment erschaffenen Animatronics. Das waren, salopp gesagt, ursprünglich Roboter, die die Gäste bedienten, unterhielten und verwöhnten. Später waren sie von bösen Geistern bessessene mordgierig Wesen. In bislang sechs Spielen wurde die Mythologie weiter ausgebaut.
Neben den Spielen gibt es auch Bücher, Comics und den bereits erwähnten Spielfilm, der im Herbst 2023 so erfolgreich im Kino lief, dass schon jetzt die Fortsetzungen beschlossen sind.
Vor wenigen Tagen erschien das Buch „Five Nights at Freddy’s: Tales from the Pizzaplex 1 – Lallys Spiel (Band 10)“ auf Deutsch. In den USA sind bereits sieben weitere „Pizzaplex“-Bücher und insgesamt 23 „Tales from the Pizzaplex“-Bücher erschienen. Diese Geschichten sind nicht Teil des Kanons. Sie verstehen sich als Ergänzungen zu den Spielen.
„Lallys Spiel“, der erste Band der „Pizzaplex“-Bücher, besteht aus drei Novellen von jeweils ungefähr neunzig Seiten.
In der ersten Geschichte „Der Schutzengel“ geht es um die junge, anscheinend aus dem Nichts gekommen, extrem introvertierte Jessica. Sie geht zur Schule und arbeitet nachts in der Kinderstation eines Krankenhauses. Immer wenn sie Dienst hat, genesen einige der Kinder überraschend. Doch nichts geschieht ohne Nebenwirkungen.
In der zweiten Geschichte „Lallys Spiel“ ziehen Cade und Selena, die sich gerade verlobt haben, zusammen. Für ihre Freunde sind sie das perfekte Paar. Beim Einzug in ihr gemeinsames Haus bemerkt Jessica eine altmodische Truhe, deren Inhalt für Cade sehr wichtig ist. Aber er will ihr nicht verraten, was in der Truhe ist.
Neugierig öffnet Selena die Truhe und fortan werden sie von Lally heimgesucht. Lally war in Freddy’s Pizzaplex der Roboter, der sich vor allem um die Kinder kümmerte, die keine Spielkameraden hatten. Sie war Cades beste Freundin.
Anscheinend ist Lally jetzt überall und nirgends in ihrem Haus. Und sie ist keine nette Spielkameradin.
In der dritten Geschichte „Bauarbeiten“ besucht Maya zu ihrem sechzehnten Geburtstag mit ihren Freunden das neue Freddy Fazbears Mega Pizzaplex. Die aufsehenerregenste Neuerung ist ein Virtual-Reality-Modus, in dem man zum Mittelpunkt einer Mega-Geburtstagsfeier wird. Es ist, als würden einen Tausende kennen und lieben und als wären sie alle nur zu deiner Geburtstagsfeier gekommen. Während ihrer Feier betritt Maya einen Teil des Pizzaplex, der als Baustelle deklariert ist. Obwohl er nicht wie eine Baustelle aussieht.
Kurz darauf sterben in ihrer Welt immer mehr Menschen an einem hundertprozentig tödlichen Krebs und überall tauchen mit Glibber gefüllte Puppen-Babys auf. Sie verhalten sich nicht aggressiv. Sie sind einfach nur so da.
In „Bauarbeiten“ spielt die titelgebende Pizzeria auf den ersten Seiten eine größere Rolle. Aber auch in dieser Geschicihte ist der Zusammenhang zwischen dem Spiel und der Geschichte sehr lose. Eigentlich erschöpft er sich in der Nennung des Namens und einigen damit zusammenhängenden Erklärungen. Das sollte die drei Geschichten auch für Nicht-Kenner des Spiels genießbar machen als Horrorgeschichten über seltsame Puppen, nicht-menschliche Menschen und seltsame Ereignisse. Aber so richtig überzeugen tut keine Geschichte. Die Pointen sind zu absehbar, der Weg dahin ist zu gradlinig, die Sprache ist zu austauschbar. Gerade bei der letzten Geschichte fehlt der schwarze Humor, der dem Alptraum die richtige Würze verliehen hätte. Dabei hätte aus jeder dieser Ideen, in den richtigen Händen, eine kleine, fiese Horrorgeschichte werden können.
So ist jede Geschichte nur ‚meh‘.
Aber vielleicht sehen das die Fans des Spiels, die jede Anspielung erkennen, anders.
–
Scott Cawthon/Kelly Parra/Andrea Waggener: Five Nights at Freddy’s: Tales from the Pizzaplex #1 – Lallys Spiel (Band 10)
(übersetzt von Andreas Kasprzak)
Panini Books, 2023
288 Seiten
15 Euro
–
Originalausgabe
Five Nights at Freddy’s: Tales from the Pizzaplex #1 – Lally’s Game
Scholastic Inc., New York, 2022
–
Hinweise
Wikipedia über Scott Cawthon (deutsch, englisch) und „Five Nights at Freddy’s“ (deutsch, englisch)
WDR, 22.15
Tatort: Platt gemacht (Deutschland 2009)
Regie: Buddy Giovinazzo
Drehbuch: Stefan Cantz, Jan Hinter
In Köln wird ein Obdachloser mit Frostschutzmittel vergiftet. Die Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln im Milieu.
Sehr unterhaltsamer Kölner-Tatort, der erfrischend undidaktisch (Wir reden vom Kölner Tatort) daherkommt und Udo Kier als Penner ist auch die halbe Miete.
mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Joe Bausch, Udo Kier, Christian M. Goebel, Michael Schenk, Catherine Flemming, Peter Millowitsch
Hinweise
Wikipedia über den „Tatort: Platt gemacht“ und Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)
Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo
Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Cracktown” (Life is hot in Cracktown, 1993)
Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Piss in den Wind” (Caution to the Winds, 2009)
Buddy Giovinazzo in der Kriminalakte
–
Eigentlich könnte Buddy Giovinazzo mal wieder einen Film inszenieren oder ein Buch veröffentlichen. Bis dahin
Arte, 21.55
Brügge sehen…und sterben? (In Bruges, Belgien/Großbritannien 2008)
Regie: Martin McDonagh
Drehbuch: Martin McDonagh
Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“
Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie
Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds
Hinweise
Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“
Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“
Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“
Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)
Filmstew: Interview mit Martin McDonagh
IndieWire: Interview mit Martin McDonagh
Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell
Time porträtiert Martin McDonagh
Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)
RTL II, 20.15
Non-Stop (Non-Stop, USA 2013)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: John W. Richardson, Chris Roach, Ryan Engle (nach einer Geschichte von John W. Richardson und Chris Roach)
Während eines Transatlantikflugs erhält Air Marschal Bill Marks (Liam Neeson) eine Erpresser-SMS: der Erpresser droht, bis 150 Millionen Dollar auf sein Konto überwiesen sind, alle zwanzig Minuten eine Passagier zu ermorden. Und schon stirbt der erste Passagier. Während Marks den sich an Bord befindenden Täter sucht, legt dieser Spuren aus, die Marks zum Täter machen.
Spannender Thriller; wie alle Collet-Serra/Neeson-Filme.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Liam Neeson, Julianne Moore, Scoot McNairy, Tom Bowen, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Nate Parker, Corey Stoll, Omar Metwally, Jason Butler Harner, Linus Roache, Shea Whigham, Anson Mount
Wiederholung: Montag, 15. Januar, 01.55 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Non-Stop“
Wikipedia über „Non-Stop“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Commuter“ (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Jungle Cruise“ (Jungle Cruise, USA 2021)
Pro7, 20.15
Der Fall Richard Jewell (Richard Jewell, USA 2019)
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Billy Ray
LV: Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell (Vanity Fair, Februar 1997), Kent Alexander, Kevin Salwen: The Suspect, 2019
Atlanta, 27. Juli 1996, Olympische Spiele: während eines Konzerts entdeckt der Sicherheitsmitarbeiter Richard Jewell einen verdächtigen Gegenstand. Sofort evakuiert er den Platz und rettet so, bevor die Bombe explodiert, viele Leben. Er wird als Held gefeiert. Und kurz darauf verdächtigt, die Bombe platziert zu haben, um sich als Helden zu inszenieren. Was stimmt?
TV-Premiere. Starkes, auf einem wahren Fall basierendes Drama.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Jon Hamm, Kathy Bates, Nina Arianda, Ian Gomez, Niko Nicotera
Hinweise
Moviepilot über „Der Fall Richard Jewell“
Metacritic über „Der Fall Richard Jewell“
Rotten Tomatoes über „Der Fall Richard Jewell“
Wikipedia über „Der Fall Richard Jewell“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Der Fall Richard Jewell“
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)
Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)
3sat, 22.25
Freies Land (Deutschland 2020)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christian Alvart, Sigfried Kamml
Drei Jahre nach dem Fall der Mauer sollen zwei Polizisten – ein Ossi und ein Wessi – in einer kleinen Gemeinde im östllichen Mecklenburg-Vorpommern zwei spurlos verschwundene Teenager-Schwestern finden. Bei ihren Ermittlungen erfahren sie, dass in den vergangenen Jahren mehrere Mädchen spurlos verschwanden.
Christian Alvarts in Ostdeutschland spielendes Eins-zu-eins-Remake von „Mörderland – La Isla Mínima“ (La Isla Mínima, Spanien 2014). Dabei ist Ostdeutschland nach dem Ende der DDR ein nie überzeugender Ersatz für das Post-Franco-Spanien. Da wäre mehr drin gewesen als ein durchschnittlicher, zu lang geratener Thriller.
Besser das kürzere, buntere und in seiner Gesellschaftsanalyse überzeugendere Original ansehen.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Felix Kramer, Trystan Pütter, Nora Waldstätten, Ben Hartmann, Ludwig Simon, Uwe Dag Berlin, Leonard Kunz, Michael Specht, Marc Limpach, Alva Schäfer, Nurit Hirschfeld, Alexander Radszun, Marius Marx
Hinweise
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Halbe Brüder“ (Deutschland 2015)
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ (Deutschland 2018)
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Freies Land“ (Deutschland 2020)
David Ayer, Jason Statham, Kurt Wimmer: das sind Namen, die bei Menschen, die auch einen Blick auf den Namen des Regisseurs und Drehbuchautors werfen, Erwartungen wecken. Kurt Wimmer schrieb das Drehbuch für „The Beekeeper“. Zu seinen vorherigen Arbeiten als Autor gehören „Die Thomas Crown Affäre“, „Street Kings“, „Salt“, „Total Recall“ (das überflüssige Remake), „Point Break“ (das nächste überflüssige Remake), „The Misfits – Die Meisterdiebe“ (verzichtbar) und, zuletzt, „The Expendables 4“. Zu seinen Regiearbeiten gehören der gelungene SF-Film „Equilibrium“, die SF-Gurke „Ultraviolet“ und, jüngst, das schlechte Stephen-King-Remake/Prequel/Reboot „Kinder des Zorns“. Das ist deutlich mehr Schatten als Licht.
David Ayer überzeugte als Regisseur mit „Harsh Times – Leben am Limit“, „Street Kings“, „End of Watch“ und „Herz aus Stahl“. „Sabotage“ und „Suicide Squad“ waren dann nicht gut. Bei „Sabotage“ lag es am Drehbuch. Bei „Suicide Squad“ wohl, was man so hört, am Studio. Oder, anders gesagt: an unterschiedlichen Vorstellungen über den Film.
Jason Statham ist, nun, einer unserer liebsten Actionhelden, der hier eine weitere Version seines „Transporters“ Frank Martin und anderer unkaputtbarer Actionhelden liefert. Sogar Superhelden haben irgendeine Achillesferse. Aber nicht dieser Beekeeper (auch in der deutschen Synchronisation wird er immer Beekeeper genannt, was dann nicht mehr bedrohlich, sondern parodistisch wirkt). Der Beekeeper ist ein grotesk unzerstörbarer Held, der mit stoischer Miene gegen ganze Armeen antritt und sie mühelos und ohne eine sichtbare Verletzung tötet.
Wer genau das will, der wird – das kann schon jetzt gesagt werden – „The Beekeeper“ lieben. Es gibt viel Statham-Action. David Ayer inszeniert das mit viel Wumms und, so gut es geht, über die mehr als offensichtlichen Schwächen des Drehbuchs hinweg. Denn das Buch von Wimmer ist so formelhaft schlecht und ambitionslos, dass ich mich fragte, wer dafür Geld ausgibt. Immerhin ist dieser Bauplan für einen Film in seiner Einfachheit und Kunstlosigkeit solide konstruiert. Jede Szene bringt die abstruse Geschichte voran.
Adam Clay (Jason Statham) führt in Massachusetts ein einfaches Leben als Bienenzüchter. Als eines Tages seine überaus nette Nachbarin Eloise Parker (Phylicia Rashad) von Internetbetrügern um ihr Vermögen gebracht wird und sie sich umbringt, beginnt Clay einen Rachefeldzug gegen die Übeltäter. Hinter dem Betrug steckt, wie er nach einem Telefonat weiß, Danford Enterprises und ihr Geschäftsführer Derek Danforth (Josh Hutcherson).
Clays erste Station auf seinem Rachefeldzug ist das Callcenter, von dem aus Eloise Parker angerufen wurde. Er geht rein, verteilt großzügig Benzin, schlägt dabei einige Männer zusammen, gibt den anderen einige Sekunden für die Flucht aus dem Gebäude und jagt das Büro und das Gebäude in die Luft. Danach mordet er sich, ohne eine Miene zu verziehen oder Gefangene zu machen, an die Spitze des Unternehmens.
Halbherzig verfolgt wird er von der FBI-Agentin Verona Parker (Emmy Raver-Lampman), der Tochter von Eloise Parker, und ihrem Partner Matt Wiley (Bobby Naderi).
Auf der Seite des Bösewichts Danforth steht der ehemalige CIA-Direktor Wallace Westwyld (Jeremy Irons). Er ist gleichzeitig Danforths Sicherheitschef und, auf Wunsch von Danforts Mutter, sein Bewacher Westwyld weiß auch, dass die Beekeeper eine geheime, also eine super-supergeheime Gruppe sind, die dann gerufen werden, wenn alle anderen Opionen versagen.
Seien wir ehrlich: „The Beekeeper“ ist ein strunzdummer 80er-Jahre-B-Actionfilm, über dessen politische Implikationen und Ansichten wir besser schweigen.
Clay ist in dieser von Kurt Wimmer geschriebenen Rachefantasie einfach nur ein Todesbote, der jeden umbringt, der sich im näheren Umfeld des Bösewichts befindet und der nicht schnell genug flüchten kann. Das tut er mit der kalten Präzision eines Schädlingsbekämpfers, der einfach seinen Job erledigt und dabei keine Rücksicht auf irgendwelche Nebenwirkungen und Kollateralschäden nimmt. Nebenwirkungen sind in diesem Fall Menschen, die er tötet, weil sie gerade im Weg sind. Er geht dabei mit der Feinfühligkeit einer Dampframme vor. Smart oder gewitzt, wie beispielsweise das „Leverage“-Team in der gleichnamigen TV-Serie, ist er dabei nie.
David Ayer inszeniert die Geschichte, die primär eine Aneinanderreihung äußerst brutaler Actionszenen ist, effizient, schnörkel- und humorlos. Unfreiwilligen Humor gibt es bei einigen absurd schlechten Dialogen. Beispielsweise wenn Adam Clay todernst banale Lebensweisheiten von sich gibt, in denen er keinen Unterschied zwischen Bienen und Menschen macht. Oder wenn er „Ich bin der Beekeeper.“ sagt. Oder wenn über ihn gesagt wird: „Er ist ein Beekeeper.“ Peinliches Schweigen gibt es dann bei den vielen beiläufig und sinnfrei eingestreuten Schimpfworten. In den USA ist das, neben Nacktszenen, der schnellste Weg zu einer hohen Freigabe. Dort erhielt er ein R-Rating. Bei uns ist er ‚frei ab 18 Jahre‘.
Also: wer einen hochenergetisch inszenierten, strunzdummen B-Actionfilm sehen will und sich schon immer fragte, wie „The Transporter“ ohne französischen Humor aussieht, wird hier gut bedient.

The Beekeeper (The Beekeeper, USA/Großbritannien 2023)
Regie: David Ayer
Drehbuch: Kurt Wimmer
mit Jason Statham, Emmy Raver-Lampman, Josh Hutcherson, Bobby Naderi, Minnie Driver, David Witts, Michael Epp, Phylicia Rashad, Jeremy Irons
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „The Beekeeper“
Metacritic über „The Beekeeper“
Rotten Tomatoes über „The Beekeeper“
Wikipedia über „The Beekeeper“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Ayers “End of Watch” (End of Watch, USA 2012)
Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)
Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)
Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)
WDR, 01.00
Jazzline: Steve Gadd Band/Anika Nilles
Es gibt ihn: Jazz im Fernsehen. Zu einer Uhrzeit….naja, für die 9-to-5-Arbeiter gibt es die Mediathek, in der es noch mehr Jazzkonzerte gibt und die einen zuverlässig durch die Nacht und den Tag bringen.
Heute, nach der Geisterstunde, zeigt der WDR die Konzerte die die Steve Gadd Band und Anika Miles (mit Band) auf den Leverkusener Jazztagen 2023 gaben.
Schlagzeuger Steve Gadd ist bekannt als Studiomusiker und Begleiter von, um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen, Chick Corea, Stanley Clarke, Eric Clapton, Peter Gabriel, Kate Bush, Steely Dan und Paul Simon. Auch beim legendären „Concert im Central Park“ von Simon & Garfunkel saß er am Schlagzeug.
Gadd trat mit Michael Landau (guitar), Travis Carlton (bass), Larry Goldings (keyboards) und Walt Fowler (flugelhorn, trumpet) auf.
Die deutsche Schlagzeugerin Anika Nilles ist jünger und noch unbekannter. Aber in der Szene hat sie bereits mehrere „Rising Star“-Preise bekommen und 2023 war sie für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Schlagzeug/Percussion“ nominiert.
Nilles trat mit Joachim Schneiss (guitar), Johnathan Ihlenfeld (bass), Patrick Rugebregt (keyboards), Hilde Müller (keyboards) und Santino Scavelli (percussion) auf.
Das dürfte eine satte Portion Fusion geben.
In den nächsten Wochen werden weitere Konzerte von den Leverkusener Jazztagen ausgestrahlt.
Hinweis
WDR über die 44. Leverkusener Jazztage (mehr Konzerte)
ZDFneo, 23.15
Zwielicht (Primal Fear, USA 1996)
Regie: Gregory Hoblit
Drehbuch: Steve Shagan, Ann Biderman
LV: William Diehl: Primal Fear, 1993 (Zwielicht)
Staranwalt Vail ist im siebten Himmel: er verteidigt den jungen Messdiener, dem vorgeworfen wird, den Erzbischof von Chicago abgeschlachtet zu haben. Vail will, begleitet von kräftigem Medienrummel, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht beweisen.
Wendungsreicher, etwas lang geratener Justiz-Thriller mit guten Leistungen der Darsteller. Vor allem Edward Norton wurde in seinem Spielfilmdebüt für etliche Preise nominiert (unter anderem ein Oscar als bester Nebendarsteller) und er erhielt auch einige, wie den Golden Globe.
Mit Richard Gere, Laura Linney, Edward Norton, Frances McDormand
Hinweise
Washington Post: Nachruf auf William Diehl (29. November 2006)

David Bowie (8. Januar 1947 in London – 10. Januar 2016 in New York City)
–
Zuerst gab es den Roman „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth, 1963; kürzlich erschien bei Diogenes eine Neuübersetzung). 1976 gab es die Verfilmung von Nicolas Roeg. Buch und Film sind heute Klassiker.
Jetzt gibt es den Comic von Dan Watters und Dev Pramanik, die für ihren Comic die Verfilmung als Vorlage nahmen. Und damit gib es viel David Bowie. Der spielte, perfekt besetzt, in dem Science-Fiction-Film den titelgebenden ‚Mann, der vom Himmel fiel‘, einen Außerirdischen, der auf der Erde eine für seine Heimat Anthea überlebenswichtige Ressource besorgen soll. Bis dahin schenkt er der Menschheit revolutionäre Erfindungen, macht nebenbei ein Vermögen und erregt die Aufmerksamkeit der US-Regierung.
Der Comic ist eine gelungene Umsetzung der Geschichte in ein anderes Medium – und regt dazu an, mal wieder den Roman zu lesen oder die Verfilmung anzusehen.
Sehr schön ist der zwölfseitige Anhang mit Informationen zum Film und den Dreharbeiten und Bildern von den Dreharbeiten.
–
Dan Watters/Dev Pramanik: Der Mann, der vom Himmel fiel
(übersetzt von Christiane Sixtus)
Cross Cult, 2023
128 Seiten
25 Euro
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Originalausgabe
The Man who fell to Earth
Titan Publishing, 2022
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Die Vorlage

Walter Tevis: Der Mann, der vom Himmel fiel
(neu übersetzt von pociao und Roberto de Hollanda)
Diogenes, 2022
272 Seiten
23 Euro
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Originalausgabe
The Man who fell to Earth
Gold Medal Books, New York, 1963
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Die Verfilmung

Der Mann, der vom Himmel fiel (The Man who fell to Earth, Großbritannien 1976)
Regie: Nicolas Roeg
Drehbuch: Paul Mayersberg
LV: Walter Tevis: The Man who fell to Earth, 1963 (Spion aus dem All; Der Mann, der vom Himmel fiel)
mit David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, Buck Henry, Bernie Casey, Linda Hutton
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der Mann, der vom Himmel fiel“
Wikipedia über „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (deutsch, englisch)