Drehbuch: Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley (nach einer Idee von Pete Docter und Ronnie del Carmen)
Die elfjährige Riley ist todunglücklich über den Umzug vom wundervollen Minnesota nach San Francisco – und dann passiert in ihrem Kopf etwas. Ab diesem Moment spielt der Film in Rileys Kopf, wo im Kontrollzentrum die verschiedenen Emotionen für ein geregeltes Leben sorgen. Als der Emotion Kummer ein dummes Missgeschick passiert, versucht Freude wieder den alten Zustand herzustellen. Dafür muss sich sich, zusammen mit Kummer, auf eine Reise durch Rileys Gedächtnis begeben.
Wundervolle Pixar-Komödie, die locker schwierige Themen und Theorien erklärt.
Wenige Tage vor der in Moskau geplanten Premiere entzog das russische Kulturministerium die Vertriebslizenz für die Komödie, weil sie Informationen verbreite, die auf dem Territorium der Russischen Föderation illegal seien und sie eine Verunglimpfung der sowjetischen Geschichte sei.
Wahrscheinlich haben sie in Stalins Hofschranzen auch ihr Spiegelbild erblickt und befürchtet, dass die Zuschauer eine Verbindung zwischen den damaligen Politbüro-Mitglieder und den jetzigen Machthabern ziehen würden.
So ein Verbot steigert natürlich das Interesse des Publikums an dem Film.
Über die Qualität des Films sagt es nichts.
Und das gilt auch für „The Death of Stalin“. Der Film ist letztendlich eine ziemlich harmlose Komödie über einen Nationalheiligen und sein Umfeld, das Regisseur Armando Iannucci hemmungslos und respektlos karikiert. So in der Tradition von Monty Python. Nur dass Iannucci seinen Witz nicht in fünf, sondern in hundert Minuten erzählt und da erlahmt schnell das Interesse an den Ränkespielen der Politbüro-Mitglieder, die eine Ansammlung von inkompetenten Knallchargen und trotteligen Duckmäusern sind.
Am 2. März 1953 standen sie ziemlich betröppelt vor Josef Stalins Leiche und der Frage, wie sie mit seinem Tod umgehen sollten. Denn einer von ihnen würde sein Nachfolger werden.
Iannucci schildert in seiner Komödie die turbulenten Tage zwischen Stalins Tod und seiner Beerdigung.
Danach war die Machtfrage noch lange nicht geklärt.
Wer sich mit der Geschichte von Stalin und seinem Erbe auskennt, wird in diesem Tohuwabohu immer wieder erstaunt bemerken, wie viele historisch verbürgte Fakten Iannacci in seine Komödie einfließen ließ.
Wer allerdings nichts über diese Apparatschiks weiß, wird in ihnen nur ein halbes Dutzend alter, seniler, geistig beschränkter, moralbefreiter Männer erkennen, die vor allem perfekte Untertanen sind, die eigenständiges Denken wahrscheinlich noch nicht einmal fehlerfrei buchstabieren können. Das ist in den ersten Minuten witzig. Schnell, vor allem weil man zwar die Schauspieler, – Steve Buscemi als Nikita Chruschtschow, Simon Russell Beale als Lawrenti Beria, Jeffrey Tambor als Goergi Malenkow, Michael Palin als Wjatschweslaw Molotow, Paul Whitehouse als Anastas Mikojan, Jason Isaacs als Georgi Schukow und
Rupert Friend als Wassili Stalin – , aber nicht die Biographien der von ihnen gespielten Charaktere kennt, wird „The Death of Stalin“ zu einem Boulevardtheaterstück, in dem viel Lärm um Nichts gemacht wird, während die Türen knallen und die Männer von einem Fettnapf zum nächsten stampfen, während sie sich in bester stalinistischer Tradition töten oder ihre baldige Ermordung befürchten. In dieser Ballung von Inkompetenten kann keine Sympathie oder größeres Interesse an einem Charakter aufkommen. Er könnte in der nächsten Minute für oder wegen eines Witzes erschossen werden.
Auch die Inszenierung des weitgehend in Innenräumen spielenden Films unterstreicht das Theaterhafte.
Ohne das Verbot wäre „The Death of Stalin“ nur eine belanglose Komödie, die alle Porträtierten gleichermaßen dem hämischen Gelächter des Publikums ausliefert.
Zu Armando Iannuccis früheren Werken gehören die von ihm erschaffene HBO-Comedy-Serie „Veep – Die Vizepräsidentin“ und die Komödie „Kabinett außer Kontrolle“ (In the Loop).
The Death of Stalin (The Death of Stalin, Frankreich/Großbritannien/Belgien 2017
Regie: Armando Iannucci
Drehbuch: Armando Iannucci, David Schneider, Ian Martin, Peter Fellows (Zusatzmaterial) (nach einem Orginal-Drehbuch von Fabien Nury)
LV: Fabien Nury/Thierry Robin: La mort de Staline, 2010
mit Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Jeffrey Tambor, Michael Palin, Paul Whitehouse, Jason Isaacs, Andrea Riseborough, Rupert Friend, Paddy Considine, Olga Kurylenko, Adrian McLoughlin, Dermot Crowley
Der talentierte Mr. Ripley (The talented Mr. Ripley, USA 1999)
Regie: Anthony Minghella
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.
Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn
„Lucky Logan“ gibt es erst seit einigen Wochen auf DVD und schon ist der nächste Film von Steven Soderbergh, der auf der Berlinale seine Premiere hatte, in unseren Kinos. „Unsane: Ausgeliefert“ ist sein erster Horrorfilm. Es ist außerdem der erste Film, den er auf einem iPhone drehte. Zuletzt zeigte Sean Baker in „Tangerine L. A.“, dass man mit einem iPhone einen gut aussehenden, äußerst farbenprächtigen Film inszenieren kann, der auch auf einer riesigen Leinwand nicht nach einem billigen Videofilm für den Hausgebrauch aussieht.
Soderberghs Bilder sind deutlich blasser und farbensättigter als Bakers strahlendes Los Angeles. Das liegt natürlich auch an der Geschichte: Sawyer Valentini (Claire Foy) fühlt sich verfolgt von einem Stalker. Wegen David Strine zog sie bereits in eine andere Stadt. Trotzdem sieht sie in jedem Mann, mit dem sie sich trifft und Sex haben will, David Strine. Weil es sich um auch für sie klar erkennbare Wahnvorstellungen handelt, wendet sie sich an das Highland Creek Behavioral Center. Sie möchte neben ihrer Arbeit eine Therapie mit regelmäßigen Sitzungen machen. Nach dem Gespräch mit der Therapeutin unterzeichnet sie einige Papiere und wird sofort für eine Nacht zur Beobachtung in die Klinik eingewiesen. Weil in den Papieren auch ein Satz war, mit dem sie zu einer stationären Beobachtung einwilligte, ist das legal.
Aus der einen Nacht wird eine Woche – und wir fragen uns schnell, ob sie nicht doch zu recht in der Klinik ist. Immerhin behauptet sie, dass einer der Pfleger ihr Stalker ist. Und dieses Mal erkennt sie ihre Wahnvorstellung nach einem Schockmoment nicht als Wahnvorstellung. David Strine bleibt David Strine.
„Unsane“ ist ein schwarzhumoriger B-Horrorthriller, der die Psychiatrie als Vorhölle mit besorgten Pflegern und Ärzten zeigt, die fürsorglich ihren Willen gegenüber den nicht zurechnungsfähigen Patienten durchsetzen. Das knüpft an Filme wie Samuel Fullers „Schock-Korridor“ und, obwohl kein B-Picture, Milos Formans „Einer flog übers Kuckucksnest“ an. Auch in „Unsane“ ist, wie in Fullers Film, ein Journalist undercover in der Klinik. Nate hilft Sawyer auch, die Strukturen der Klinik zu verstehen. Denn das Highland Creek Behavioral Center hat – und hier wird „Unsane“ auch zu einer Kritik des US-Gesundheitssystems – die Patienten als Kunden entdeckt. Es sind rechtlose Kunden, die in dem Wust von notwendigen Erklärungen, die man unterschreiben muss, auch die Sätze unterschreiben, die zu ihrer Beobachtung in der Klinik führen. Dort werden ihre seelischen Probleme nicht behandelt, sondern sie werden so lange ruhiggestellt, bis ihre Krankenversicherung ihren Aufenthalt nicht mehr bezahlt. Nate will diese Quasi-Inhaftierung von Menschen im Highland Creek Behavioral Center aufdecken.
Diese Kapitalismuskritik ist in Soderberghs Werk eine Konstante, die in „Unsane“ allerdings nur ein Subplot ist.
Im Zentrum des Psycho-Thrillers steht die Frage, ob Sawyer verrückt ist oder ob ihr Stalker wirklich einer der Pfleger ist. Dann wäre sie ihm jetzt wirklich hilflos ausgeliefert und das wäre dann wirklich der endgültige Horror.
Diese Geschichte folgt, mit einigen modernen Tupfern, den bekannten Genrekonventionen, die Soderbergh mit viel Lust an den Konventionen, den überraschenden Wendungen und dem Horror der totalen Ausgeliefertseins in einem System erzählt.
Das ist nicht neu, aber ungeheuer spannend.
Neu ist dagegen die Aufnahmetechnik, die es Soderbergh ermöglichte, den Film sehr schnell in einer stillgelegten Klinik zu drehen. Der Drehort sorgte für das nötige bauliche Retro-Gefühl. Die iPhone-Bilder sorgen für eine große Intimität. Die immer wieder leicht verschobenen Proportionen und die kränklichen Farben passen gut zu der immer leicht verschobenen Wahrnehmung einer Person, die zunehmend zweifelt, ob sie noch zwischen Realität und Irrealität unterscheiden kann.
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Im Presseheft sagt Steven Soderbergh, der gegenüber Experimenten immer aufgeschlossen ist, über die im Film verwandte Technik: „Seit Jahren experimentiere ich schon mit diesen Gerätschaften, mit Mobiltelefonen und diversen Linsen, mit denen man diese bestücken kann. Mir war vollkommen klar, dass man eines Tages mit dieser Technologie Filme drehen würde. Es ist die Technologie der Zukunft. Es war mein Ziel, einen Film zu drehen, den sich jedermann im Kino anschauen kann, ohne zu wissen, wie er gedreht wurde – und man erkennt keinen Unterschied zu einem normalen Film.
Insgesamt kamen drei iPhone 7Plus-Kameras zum Einsatz. Das Mobiltelefon hat eine 4K-Erfassung, was man in der tollen Auflösung auf der Leinwand erkennen kann. Zudem benutzten wir eine App namens FiLMiC Pro, die zahlreiche Belichtugnsmöglichkeiten zulässt. Man kann die Blendenöffnung, die Verschlusszeiten, die Farbtemperatur und die Tiefenschäfte steuern. Außerdem gibt es von FiLMiC Pro eine ferngesteuerte Version, die man mittels eines weiteren Mobiltelefons bedienen kann. Man braucht nicht einmal einen eigenen Monitor. Man hat die totale Kontrolle. Die iPhones sind sehr leicht, das macht sie in puncto Vibrationen sehr empfindlich. (…)
Auch die Linsen, die eine Firma namens Moment herstellt, sind extrem klein. Wir haben drei ihrer Produkte benutzt, eine 18mm-Linse, eine 60mm-Linse und ein Fischauge. Wir hatten aus Sicherheitsgründen drei Sätze mit den jeweils entsprechenden Objektiven. Es hätte ja sein können, dass wir alle drei Kameras gleichzeitig brauchten – aber das passierte dann nie. Wir drehten hauptsächlich mit der 18mm-Linse. Und manchmal nutzte ich die Linse, die normalerweise im iPhone eingebaut ist – es gab Szenen, für die sie genau die Brennweite besaß, die wir brauchten. (…)
Das ganze Kameraequipment passte in einen Rucksack. Wir hatten drei Mobiltelefone, drei Objektivsätze zusätzliche Batterien, ein paar Monitore, Klappen, Mikrophone und die Stabilisierungsvorrichtung fürs DGI Osmo dabei.“
Soweit die Technik, die sich wirklich jeder leisten kann. Aber, so Soderbergh weiter: „Wenn man nicht inszenieren kann, die Kamera nicht zu positionieren versteht und den Schnitt nicht beherrscht, ist es ganz egal, was für eine Kamera einem zur Verfügung steht.“
Unsane: Ausgeliefert (Unsane, USA 2018)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Jonathan Bernstein, James Greer
mit Claire Foy, Joshua Leonard, Juno Temple, Jay Pharoah, Amy Irving, Aimée Mullins, Polly McKie, Matt Damon (Cameo)
Die spannend wie ein Polit-Thriller erzählte Vorgeschichte zum Auschwitz-Prozess, der von 1963 bis 1967 unter großer öffentlicher Anteilnahme in Frankfurt am Main vor Gericht verhandelt wurde.
In dem Film versucht ein junger Staatsanwalt, unter der Aufsicht von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, in jahrelanger mühseliger Kleinarbeit die nötigen Beweise für eine Anklage gegen die Täter in dem Konzentrationslager Auschwitz zu bekommen, während in Deutschland gerade das Wirtschaftswunder und das kollektive Vergessen gefeiert wurden.
mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Gert Voss, Johannes Krisch, Hansi Jochmann, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Lukas Miko, Lisa Martinek
Es dauerte einige Minuten, bis ich Lummerland in Dennis Gansels Realverfilmung von Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ als Lummerland akzeptieren konnte. Nicht unbedingt wegen der allseits bekannten Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste, in der die Insel Lummerland aus Pappe, Plastik und Klebstoff war, das Meer eine Folie, die Lok eine Spielzeugeisenbahn und die Bewohner Puppen. Die TV-Serie, – eigentlich zwei TV-ARD-Serien, einmal 1961/1962 in SW, einmal 1977/1978 in Farbe -, ist ein Klassiker. Vor allem die Farbversion gehört zur frühkindlichen Bildung jedes Kindes, das damals in der BRD aufwuchs.
Selbstverständlich habe auch ich als Kind die Serie gesehen. Wahrscheinlich habe ich damals auch das Buch gelesen. Und beides seitdem fast vollständig vergessen.
Das Problem in diesen Minuten war daher nicht meine nicht mehr wirklich vorhandene Erinnerung an die TV-Serie, sondern die Diskrepanz zwischen der Behauptung, dass auf einer sehr kleinen Insel, die „ungefähr doppelt so groß wie unsere Wohnung“ (Ende) ist, vier Menschen in ihren Häusern leben, deren König ein Schloss auf einem Berg hat und eine Eisenbahn ihre Runden dreht, und dem offensichtlichen Augenschein, dass das in der Realität niemals funktionieren würde. In einem Trickfilm oder einem Puppentheaterstück, in dem sowieso alles abstrahiert ist, oder einem Roman, in dem ich mir eine fantastische Welt so zusammenstellen kann, wie sie mir gefällt, stört das nicht. Aber wenn dann Henning Baum als Lukas der Lokomotivführer, Annette Frier als Frau Waas, Christoph Maria Herbst als Herr Ärmel, Uwe Ochsenknecht als König Alfons der Viertel-vor Zwölfte und Solomon Gordon in seinem Kinodebüt als Jim Knopf in ihren Häusern, die schon fast die gesamte Insel einnehmen, und die Lokomotive Emma, die hier um engste Kurven fahren muss, auf Lummerland stehen, dann ist das etwas anderes.
Nach einigen Minuten konnte ich das akzeptieren. Außerdem verlassen Jim Knopf, Lukas und Emma die Insel. König Alfons der Viertel-vor Zwölfte hat nämlich festgestellt, dass die Insel, wenn Jim Knopf erwachsen wird, zu klein für fünf Bewohner, ihre Behausungen und eine Lok ist. Deshalb soll der Bahnbetrieb eingestellt und Emma verschrottet werden.
Weil Lukas sich nicht von Emma trennen will, will Lukas mit seiner geliebten Lok die Insel verlassen. Weil Jim Knopf nicht auf Lukas und Emma verzichten will, will er sie begleiten. Also verlassen sie zu dritt Lummerland.
Ihre Seefahrt endet an der Küste des Kaiserreichs Mandala. Das offensichtliche Vorbild für Mandala ist China. Dort erfahren sie, dass die Prinzessin Li Si von der Wilden 13 entführt wurde und in der Drachenstadt Kummerland von Frau Mahlzahn gefangen gehalten wird. In diesem Moment erfährt Jim Knopf im Buch, dass er als schlecht adressiertes Paket auf der Insel Lummerland ankam. Im Film, der sonst dem Roman sehr genau, fast schon sklavisch folgt, erfährt Jim Knopf das früher und die Suche nach seiner Herkunft ist für ihn, neben seiner Freundschaft zu Lukas und Emma, ein Grund, um Lummerland zu verlassen.
Jim und Lukas beschließen, Prinzessin Li Si zu retten. Auf dem Weg zur Drachenstadt müssen sie viele Gefahren in fantastischen Welten überstehen. Sie treffen sehr seltsame Geschöpfe, wie den Scheinriesen Tur Tur und den Halbdrachen Nepomuk, mit denen sie sich schnell anfreunden. Allerdings müssen sie weiter nach Kummerland.
Mit „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ durfte Dennis Gansel, der vorher unter anderem „Mechanic: Resurrection“, „Die Welle“ und „Napola – Elite für den Führer“ drehte, so richtig viel Geld ausgeben. Offiziell betrug das Budget 25 Millionen Euro und damit gehört er in jedem Fall zu den teuersten deutschen Filmen. Das Geld ist, wenn man auf Schauwerte steht, gut investiert. Die von fünf Computereffektfirmen und mehreren hundert Digital Artists geschaffenen Tricks überzeugen. Vieles wurde auch gebaut. So kann Lummerland seit einem Jahr im Filmpark Babelsberg besichtigt werden. Im Bavaria Filmstudio kann auf der Filmtour Nepomuks Höhle und eine Version der Lok Emma besichtigt werden. Und bei Massenszenen dürfen dann auch schon mal 150 prächtig kostümierte Schauspieler durch das Bild laufen.
Für Kinder ist Gansels „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ein wunderschöner Abenteuerfilm. Für Erwachsene ist der episodisch erzählte Film, in dem es für Jim Knopf, Lukas und Emma nie wirklich gefährlich wird, dann doch zu kindgerecht. Im Gegensatz zu Pixar-Filmen, in denen für Erwachsene mindestens noch eine zweite und dritte Bedeutungs-, Anspielungs- und Interpretationsebene vorhanden ist.
Das kann auch über Michael Endes glänzend geschriebene Buch gesagt werden. Er hat es in erster Linie für Kinder geschrieben in der Absicht, ihnen auf unterhaltsame Weise etwas beizubringen. Er will ihnen Mut machen, ihre Neugierde wecken, zu Toleranz erziehen und Freude am Lernen vermitteln. Denn Schule muss nicht, wie bei Frau Mahlzahn, der furchterregenden, diktatorischen Lehrerin, eine totalitäre Zwangsanstalt an.
Und er hat einen unerschütterlichen Glaube an das Gute. So verwandelt sich Frau Mahlzahn nach der Begegnung mit Jim Knopf. Der Scheinriese Herr Tur Tur, der seit Ewigkeiten einsam in der Wüste lebt, freut sich über die Begegnung mit Jim Knopf und Lukas. Sie laufen nicht vor ihm weg, sondern sie bleiben neugierig stehen. Wie sie später erfahren, ist ein Scheinriese jemand, der umso größer erscheint, je weiter entfernt man von ihm ist. Wenn man sich ihm nähert, wird er immer kleiner, bis er die größe eines normalen Menschen hat. Eine schöne, sich selbst erklärende Metapher, die Erwachsene leicht entschlüsseln können.
Und gerade die durch die Geschichte und ihre Figuren transportierte Weltsicht macht „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ auch für Erwachsene zu einer sehr interessanten und lohnenden Lektüre. Denn jetzt erkennt man die Absichten des Autors, die man als Kind überlas. Dabei ist auch erstaunlich, wie viel Ende Erwachsenen zu sagen hat und wie aktuell dieses fast siebzig Jahre alte Buch ist, das jetzt zu einem bunten Fantasyfilm für Kinder wurde, der sich nicht vor ähnlich gelagerten Hollywoodfilmen verstecken muss.
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (Deutschland 2018)
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Dirk Ahner, Andrew Birkin, Sebastian Niemann
LV: Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, 1960
mit Henning Baum, Solomon Gordon, Annette Frier, Christoph Maria Herbst, Uwe Ochsenknecht, Milan Peschel, Rick Kavanian, Leighanne Esperanzate, Ozzie Yue, Michael Bully Herbig (Stimme von Nepomuk), Judy Winter (Stimme von Frau Mahlzahn)
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Die Vorlage
Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
(mit Zeichnungen von Franz Josef Tripp, koloriert von Mathias Weber)
Thienemann, 2015
272 Seiten
16,99 Euro
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Die Erstausgabe erschien 1960.
Zum Filmstart erschien eine Filmausgabe mit über vierzig Filmbildern.
Mit friedlichen Protestmärschen will Dr. Martin Luther King 1965 in Selma, Alabama, für das allgemeine Wahlrecht kämpfen. Denn dort ist die Diskriminierung der Afroamerikaner besonders deutlich. Und dort eskaliert die Situation in auch von King ungeahnter Weise. Ein Diakon wird von Weißen erschlagen. Auf der Edmund Pettus Bridge werden die friedlich Demonstrierenden mit Tränengas und nackter Gewalt zurückgedrängt. Die Bilder wurden im Fernsehen ausgestrahlt. An dem Abend schlagen Klu-Klux-Klan-Mitglieder drei weiße Geistliche zusammen. Einer stirbt an den Verletzungen.
Der dritte Versuch, friedlich von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, zu marschieren wird dann zwischen dem 21. und 25. März 1965 zu einem Triumphzug für die Bürgerrechtsbewegung.
Das grandiose und wichtige Drama/Biopic „Selma“ setzt King und seinen Mitkämpfern ein würdiges Denkmal. DuVernays Film wurde von der Kritik abgefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Tim Roth, Cuba Gooding Jr., Alessandro Nivola, Carmen Ejogo, Lorraine Toussaint, Ophrah Winfrey, Tessa Thompson, Giovanni Ribisi, Common, Dylan Baker, Wendell Pierce, Stan Houston
Arte, 22.45 (laut Arte-Homepage, müsste aber 21.55 Uhr sein, weil „Babettes Fest“ nur 100 Minuten dauert und danach nichts anderes angekündigt ist)
Die untreue Frau (La Femme infidéle, Frankreich/Italien 1968)
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol
Als Hommage an die am 27. März verstorbene Schauspielerin Stéphane Audran zeigt Arte heute um 20.15 Uhr „Babettes Fest“ und danach „Die untreue Frau“.
Charles glaubt, dass seine Frau Hélène ihn betrügt. Ein von ihm engagierte Privatdetektiv bestätigt Charles‘ Verdacht. Er besucht den Nebenbuhler und tötet ihn im Affekt. Wie wird seine Frau darauf reagieren?
Ein Chabrol-Klassiker
mit Stéphane Audran, Michel Bouquet, Maurice Ronet, Michel Duchaussoy, Guy Marly, Serge Bento
Connie Nikas (Robert Pattinson, kaum zu erkennen) ist nicht gerade eine Geistegröße, aber er ist deutlich intelligenter als sein geistig zurückgebliebener Bruder Nick (Ben Safdie), der schon bei einfachen Fragen an seine Grenzen gerät. Connie sieht sich als großer Bruder als Nicks Beschützer. Deshalb holt er ihn am Anfang des Independent-Gangsterthrillers „Good Time“ aus einer psychiatrischen Klinik und begeht mit ihm einem schlecht geplanten Banküberfall.
Auf der improviserten Flucht wird Nick von der Polizei verhaftet. In der Haft wird er brutal zusammengeschlagen und ins Krankenhaus gebracht.
Währenddessen versucht Connie die Kaution zu beschaffen. Das Geld aus dem Banküberfall kann der Kleingangster, nachdem es von einer Farbbombe verschmutzt wurde, nicht benutzen. Auch seine anderen Versuche scheitern letztendlich. Also hat Connie die geniale Idee, seinen Bruder aus dem Krankenhaus zu entführen. Dummerweise entführt er den falschen Mann – und damit ist seine Pechsträhne in dieser chaotischen Nacht noch lange nicht beendet.
Robert Pattinson ist nach seinem „Harry Potter“- und „Twilight“-Ruhm immer noch in der schauspielerischen Phase, in der er sich ausprobiert und nicht auf kommerzielle Verwertbarkeit achtet. Nicht jeder dieser Filme ist gelungen und nicht jeder dieser Filme ist für ein großes Publikum gedacht, aber jeder dieser Filme zeigt, dass Pattinson mit interessanten Regisseuren zusammenarbeiten will, dass er sich ausprobieren will und sich dabei nicht mit einer weiteren erfolgreichen Serie auf dem Ruhm zweier erfolgreicher Serien ausruhen möchte. Das führt zu Filmen wie „Cosmopolis“ und „Maps to the Stars (beide von David Cronenberg), „Königin der Wüste“ (Werner Herzogs schlechtester Film), Anton Corbijns Dennis-Stock-James-Dean-Biopic „Life“, „Die versunkene Stadt Z“ (James Grays epischster Film) und jetzt „Good Time – Wettlauf gegen die Zeit“. In dem von den Safdie-Brüdern inszenierten New-York-Gangsterfilm stolpert Pattinson hektisch und ziemlich kopflos von einer beschissenen Situation zur nächsten.
Der düstere Thriller ist ein hochenergetischer, in einer Nacht in New York abseits jeglicher Touristenpfade spielender Fiebertrip. Die Brüder Ben und Joshua Safdie inzenierten ihre Geschichte fast ausschließlich in dreckigen Nahaufnahmen, die nie den Wunsch nach einer Kinopräsentation wecken.
Bei all dieser Energie bleiben allerdings die Charaktere auf der Strecke. Und die Geschichte ist eine pausenlose Abfolge hysterischer und chaotischer Situationen, in denen die Kleingangster schnell an ihre Grenzen stoßen.
Good Time – Wettlauf gegen die Zeit (Good Time, USA 2017)
Regie: Ben Safdie, Joshua Safdie
Drehbuch: Ben Safdie, Joshua Safdie, Ronald Bronstein
mit Robert Pattinson, Jennifr Jason Leigh, Ben Safdie, Taliah Webster, Buddy Duress
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DVD
Ascot Elite Home Entertainment
Bild: 2.38:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, Deutscher Trailer, Trailershow
LV: Jon Ronson: Oh Blimey! (Reportage, The Guardian, 2006)
Möchtegernmusiker Jon wird als Keyboarder der legendären Avantgardeband „Soronprfbs“ engagiert und das Mitglied einer sehr seltsamen Gemeinschaft, angeführt.
Das ist der Film, in dem Michael Fassbender als Bandleader Frank während des gesamten Films eine Pappmaché-Maske trägt.
„Frank“ ist ein herrlich schrulliger Film mit einem liebevollen Blick auf gesellschaftliche Außenseiter, die sich in einer Band einen eigenen, gut funktionierenden Schutzraum geschaffen haben.
Bridge of Spies – Der Unterhändler(Bridge of Spies, USA 2015)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen
Eher widerwillig übernimmt Versicherungsanwalt James B. Donovan 1957 ein Pflichtmandat: die Verteidigung des Sowjetspions Rudolf Abel. Er kann die Todesstrafe für Abel verhindern und als, Jahre später, über Russland ein CIA-Spion abgeschossen wird, soll Donovan mit den Sowjets über einen Gefangenenaustausch verhandeln.
Spielberg erzählt in seinem hochspannenden Thriller, immer nah an den Fakten, die Geschichte des ersten Gefangenenaustauschs auf der Glienicker Brücke.
Es gibt inzwischen mehrere Sachbücher, die sich mit diesem Agentenaustausch beschäftigen. Spielbergs Film basiert explizit auf keiner Vorlage.
Dennoch wird die zum Filmstart erschienene Neuausgabe von James B. Donovans „Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel“ vom Goldmann- Verlag als die Hintergrundgeschichte zum Film beworben, was durchaus zutreffend ist. Immerhin verteidigte Donovan Abel und er verhandelte den Agentenaustausch.
Wer also tiefer in die damalige Zeit eintauchen möchte, sollte sich diesen spannenden Erlebnisbericht eines Zeitzeugen, geschrieben mit dem damaligen Wissen, zulegen.
– James B. Donovan: Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel (übersetzt von Eva Bornemann und Michael Molitor; mit einem neuen Vorwort von Jason Matthews) Goldmann, 2015 560 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
Strangers on a Bridge – The Case of Colonel Abel
Atheneum House, Inc., 1964
– Frühere deutsche Ausgabe
Der Fall des Oberst Abel
Scheffler-Verlag, 1965
Am 5. April läuft Steven Spielbergs neuester Film „Ready Player One“ an. Seine Verfilmung von Ernest Clines SF-Roman ist buntes Abenteuer für Jugendliche (und Nerds), das all die Momente hat, die man bei einem Film des Regisseurs von „E. T.“ erwartet und vollgestopft mit popkulturellen Anspielungen ist. Zum Kinostart gibt es die Filmkritik. Bis dahin:
Bei dem Cover von „First Kill“ fällt auf, dass die Namen der Schauspieler dieses Mal wirklich über ihren Gesichtern stehen. Also links „Hayden Christensen“ über dem Kopf von Chrstensen, bekannt als Anakin Skywalker aus zwei grottigen „Star Wars“-Filmen, und rechts „Bruce Willis“ über der Glatze von Willis. Normalerweise steht der Name des bekanntesten Schauspielers, auch wenn er nur eine kleine Rolle hat, ganz links. Deshalb ist die auf diesem Cover gewählte Anordnung der Namen ein deutliches Zeichen dafür, dass die Rolle von Bruce Willis sehr klein ausfällt. Und so ist es auch. Er spielt Marvin Howell, den respektierten Polizeichef von Granville, Ohio. Dort wurde vor einigen Tagen die Bank ausgeraubt und selbstverständlich hätte Howell gerne die Beute und die Täter.
Wall-Street-Broker Will Beamon (Hayden Christensen) besucht just an diesem Wochenende mit seinem elfjährigen Sohn und seiner netten Ehefrau, die Ärztin ist, Granville; seine alte, lange nicht mehr besuchte Heimatstadt. Will will dort seinen Sohn Danny (Ty Shelton) mit auf die Hirschjagd nehmen und ihn so zum Mann machen. Denn Danny wird in der Schule regelmäßig von einem Mitschüler verprügelt und da kann ein auf der Jagd sauber erlegter Hirsch nur gut für das lädierte Ego des Sohnes sein.
Als sie durch den Wald gehen, beobachten sie einen Streit zwischen zwei Männern, der eskaliert. Levi (Gethin Anthony), einer der Bankräuber, wird angeschossen. Der andere Bankräuber will gleich darauf die unliebsamen Zeugen erschießen. Aber Will ist schneller. Dummerweise ist der Schütze, den Will in Notwehr erschießt, ein Polizist in Zivilkleidung.
Anstatt jetzt die Polizei zu rufen, bringt er Levi zu seiner Frau, die ihn verarztet.
Levi entführt dann Danny. Er will ihn freilassen, wenn Will ihm die in einem Schließfach versteckte Beute aus dem Banküberfall bringt.
„First Kill“ ist ein Film, den man sich irgendwann ansieht, wenn man noch nicht ins Bett gehen will. Es ist ein durch und durch durschnittlicher, in 14 Tagen gedrehter Krimi, bei dem die Charaktere immer wieder Dummes tun müssen und als Therapie für ein Kind, das von einem Schulkameraden geschlagen wird, ein Streßwochenende mit Mord, Totschlag, Schlägen und Entführung empfiehlt. Wobei der Entführer, der viel Screentime hat, sich schnell als netter Quasi-Ersatzdaddy entpuppt.
Immerhin erzählt Regisseur Steven C. Miller die überraschungsarme Geschichte recht flott über all die Unwahrscheinlichkeiten hinweg. Und nach neunzig Minuten sind fast alle Bösewichter tot.
Mit Bruce Willis drehte Steven Miller bereits die Filme „Extraction“ (2015) und „Marauders“ (2016). Sein nächster Film ist „Escape Plan 2: Hades“ mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle.
Das Bonusmaterial ist mit gut siebzig Minuten erstaunlich umfangreich ausgefallen. Den größten Teil, nämlich eine Stunde, nehmen Interviews mit dem Regisseur Steven C. Miller, Kameramann Brandon Cox, Stuntman Theo Kypri und den Schauspielern Ty Shelton, Gethin Anthony, Megan Leonard und Will Demeo ein. Die beiden Hauptdarstelern Hayden Christensen und Bruce Willis glänzen durch Abwesenheit.
First Kill (First Kill, USA 2017)
Regie: Steven C. Miller
Drehbuch: Nick Gordon
mit Hayden Christensen, Bruce Willis, Ty Shelton, Gethin Anthony, Megan Leonard, Will Demeo
Bonusmaterial: Featurette, Interviews mit Ty Shelton, Gethin Anthony, Megan Leonard, Will Demeo, Steven C. Miller, Brandon Cox und Theo Kypri, Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Los Angeles: Als ein Hubschrauberpilot entdeckt, dass der von ihm gesteuerte Wunderhubschrauber (leise und ausgestattet mit der modernsten Technik, um Menschen optisch und akustisch zu überwachen) für die Bekämpfung von vorher provozierten Aufständen eingesetzt wird, entdeckt er sein Gewissen und flüchtet mit dem Hubschrauber. Seine Vorgesetzten findet das gar nicht lustig.
Damals eine Negativ-Utopie, heute ein SF-Klassiker und, in jeder Beziehung, brennend aktuell. Das kann wahrlich nicht über jeden Film gesagt werden.
Und heute, endlich einmal, ohne nervige Werbepausen.
Mit Roy Scheider, Malcolm McDowell, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Joe Santos
Tonya Harding, geboren am 12. November 1970 in Portland, Oregon, Eiskunstläuferin.
Seit 1986 nimmt sie mehrmals erfolgreich an nationalen Eiskunstlauf-Meisterschaften teil. 1991 wird sie US-Meisterin.
Am 16. Februar 1991 springt sie als erste Frau in einem Wettbewerb den dreifachen Axel. Der schwierige Sprung gelingt ihr auf der United States National Figure Skating Championships in Minneapolis. Einen Monat später wiederholt sie den Sprung in München auf der World Figure Skating Championship. Bei diesem internationalen Wettbewerb wird sie Vizeweltmeisterin. Später nimmt sie an weiteren internationalen Wettbewerben teil.
1994 nimmt sie vom 12. bis 27. Februar an den Olympischen Spielen in Lillehammer teil.
Aber viel bekannter ist sie, – jedenfalls, wenn man sie kennt -, für eine andere Geschichte, die „Lars und die Frauen“-Regisseur Craig Gillespie jetzt in seinem neuesten Film „I, Tonya“ erzählt.
Tonya Harding wird schon als Kind erbarmungslos von ihrer White-Trash-Mutter LaVona Harding (Allison Janney, die für ihre Rolle einen Oscar erhielt) auf das Eis getrieben. Härte ist für sie die Methode, um ihre Tochter zu Höchstleistungen anzuspornen.
Später kann Tonya in Wettbewerben reüssieren. Aber von der Eiskunstlauf-Gemeinschaft wird sie nicht für voll genommen. Ihre Leistungen sind sehr gut, aber ihr Benehmen ist viel zu proletarisch und vulgär für diesen Sport. Ihrem Stil fehlt das von den Juroren geforderte elegante. Sie ist nicht in der Lage, sich auch nur minimal anzupassen. Und sie hört die falsche Musik.
Ihre ärgste Konkurrentin bei Wettbewerben ist Nancy Kerrigan (Caitlin Carver), die Eisprinzessin, die alles das verkörpert, was die Eiskunstlauf-Gemeinschaft liebt. Als sie Tonyas US-Meistertitel und ihre Fahrt zu den Olympischen Spielen gefährdet, beschließen Tonyas Ex-Mann Jeff Gillooly (Sebastain Stan) und sein Freund Shawn Eckardt (Paul Walter Hauser), ihr zu helfen. Am 6. Januar 1994 zertrümmern sie in einem von einer Videokamera überwachten Flur der Cobo Arena in Detroit, Michigan, Nancy Kerrigan die Kniekehlen. Sie führen ihr Attentat so schlampig aus, dass Kerrigan letztendlich fast nichts passiert. Einen Monat später nimmt sie erfolgreich an den Olympischen Spielen teil. Die Polizei kann die Täter schnell verhaften und bei dem Gerichtsverfahren ist dann unklar, was Tonya Harding von dem Attentat wusste, das von den größten Idioten des Landes durchgeführt wurde.
Für diese Geschichte eines missglückten Attentats ist sie, jedenfalls in den USA, noch heute viel bekannter als für ihre sportlichen Leistungen.
Craig Gillespie inszenierte Tonya Hardings Geschichte als schwarze Satire im Stil eines Dokumentarfilms, der, schnell geschnitten und pointiert, zwischen aktuellen Statements der damals Beteiligten und Aufnahmen von den damaligen Ereignissen erzählt. So ergibt sich aus den unterschiedlichen Erinnerungen der mehr oder weniger unzuverlässigen Erzähler und satirischen Pointierungen ein für Interpretationen offenes Bild der damaligen Ereignisse, das denn Hauptverantwortlichen ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Sie sind als White Trash in ihrer allumfassenden Blödheit und Sturheit gerade intelligent genug, um für den unglücklichen Verlauf der Ereignisse und ihr eigenes Scheitern verantwortlich zu sein. Denn sie wählen bei Problemen zielsicher genau die Lösungen, die am Ende für sie die Situation noch schlimmer machen. Weil „I, Tonya“ eine Komödie ist, ist das natürlich sehr komisch, aber auch tragisch.
Diese Tragik, auch das Wissen um die eigenen Grenzen, blitzt immer wieder durch. LaVona ist dann hinter ihrer abweisenden Fassade doch als Mutter, die das Beste für ihr Kind will und es eigentlich lieben möchte, erkennbar. Sie kann es nur nicht gegenüber ihrer Tochter ausdrücken.
Gillespie erzählt eine Aufstiegsgeschichte, die in einem tiefen Fall mündet. So wurde Tonya Harding nach den Olympischen Spielen lebenslang von allen Eiskunstlaufmeisterschaften gesperrt. Neben ihrer Sportkarriere nehmen ihre Beziehung zu ihrer Mutter und ihrer ersten und großen Liebe Jeff Gillooly einen großen Teil des Films ein. Hier zeichnet Gillespie das Bild einer dysfunktionalen Familie und gewalttätiger Beziehungen. So wird Tonya von ihrer Mutter und später ihrem Mann geschlagen. Aber sie bleibt dann doch bei ihm. Denn Schläge kennt sie.
Dieses Porträt ist, auch wenn man letztendlich wenig über das Eiskunstlaufen erfährt, herrlich unterhaltsam und erfrischend respektlos.
I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)
Regie: Craig Gillespie
Drehbuch: Steven Rogers
mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace
Mike lebt dauerbekifft und wunschlos glücklich mit seiner Freundin Phoebe in einer Kleinstadt. Das friedliche Leben endet, als eine Frau wirres Zeug zu ihm sagt und zwei Männer an seinem Auto herumfummeln. Mit der Hilfe von einem Kaffeebecher und einem Plastiklöffel bringt er sie um. Kurz darauf wimmelt es in der Kleinstadt von schießwütigen CIA-Agenten, die Mike aufgrund seiner Vergangenheit als gemeingefährliche Killermaschine umbringen wollen. Aber Mike hat nichts verlernt und einiges neues gelernt.
Zehn Jahre nach den Ereignissen von Pacific Rim (und fünf Jahre nach dem Spielfilm „Pacific Rim“) spielt „Pacific Rim: Uprising“. In „Pacific Rim“ wehrte die Menscheit einen letzten Angriff der Kaiju, Urviecher aus einer anderen Galaxis, erfolgreich ab. Jaeger-Marshal Stacker Pentecost, der die Jaeger-Piloten in die Schlacht führte, starb dabei.
Jetzt, im Jahr 2035, genießt sein Sohn Jake Pentecost (John Boyega) sein Leben zwischen Partys in mondänen, verlassenen, teilzerstörten Luxusvillen und kleinen Diebstählen, bevorzugt von verwertbaren Teilen aus an den Kampfplätzen zurückgelassenen Jaeger-Teilen. Er ist wie Han Solo; nur ohne Weltraumerfahrung, Raumschiff und Chewbacca.
Währenddessen trainieren die jungen Soldaten des Pan Pacific Defense Corps (PPDC) immer noch für einen möglichen weiteren Angriff der Kaiju.
In einem gesperrten Gebiet trifft Jake die fünfzehnjährige Amara (Cailee Spaeney), die dort ebenfalls auf Diebestour ist. Als sie erwischt werden, werden sie vor die Wahl gestellt: Gefängnis oder, für Jake, die Rückkehr zum PPDC, und, für Amara, die Teilnahme am Jaeger-Pilotenprogramm des PPDC. Sie, die in Heimarbeit bereits einen kleinen Jaeger gebaut hat, ist begeistert über ihren Zwangseinzug beim Militär.
Und dann begibt sich Steven S. DeKnight, der vorher Showrunner für die TV-Serien „Spartacus“ und „Daredevil“ war, in seinem Spielfilmdebüt in das Fahrwasser von „Top Gun“, garniert mit Kämpfen zwischen den verschiedenen bis zu 25 Stockwerke großen Jaeger-Modellen, die sehr fotogen japanische Millionenstädte zerstören.
Etwaige tiefergehende Fragen werden zwischen der Ausbildung der Kadetten im Moyulan Shatterdome, Angriffen von anderen Jaegern und etwas Streit um die Weiterentwicklung des Jaeger-Programms, noch nicht einmal angedacht.
Denn „Pacific Rim: Uprising“ ist, wie „Pacific Rim“, vor allem eine Liebeserklärung an den japanischen Science-Fiction-Film, als Godzilla und andere Monster im Wochentakt Millionenstädte zertrampelten. Auch da fragte niemand nach Logik und Wahrscheinlichkeit. Wegen der schlechten Spezialeffekte, schlechten Synchronisation und schlechten Schauspieler genoss man diese Monsterheuler als rundum kindisches Vergnügen an verregneten Samstagnachmittagen. Bei DeKnight sind dann die Effekte deutlich besser, die Schauspieler auch, die Dialoge zweckdienlich ohne den Zwölfjährigen in uns zu überfordern und die Logik wird immer noch höflich ignoriert.
Die Idee der Jaeger und ihrer Steuerung ist nämlich vollkommen bescheuert. Sie sind riesige roboterähnliche Blechrüstungen, die aufgrund ihrer Größe von zwei oder manchmal sogar drei Menschen gesteuert müssen, weil ein Mensch damit geistig überfordert ist. Diese Menschen sind mental miteianander verbunden, wissen daher alles (!) übereinander und haben so die nötige Gehirnmasse, um die Jaeger zu bewegen. Das war in den fünfziger Jahren vielleicht eine nette Fantasie für Kinder. Heute würde man andere Lösungen für das Problem finden, als zwei Steuermänner, die sich synchron bewegen müssen. Bei den Actionszenen läuft es dann sowieso auf zwei oder mehrere Roboter, die sich verprügeln, hinaus.
Erst am Ende von „Pacific Rim: Uprising“ tauchen die Kaiju, die etwas anders aussehen als in „Pacific Rim“, auf. Sie leiten einen epischen Schlusskampf ein, der am helllichten Tag in Japan zwischen einer Großstadt und einem Vulkan stattfindet. Diese lange Sequenz erfreut das Herz jedes Actionfilmfans, der bei den „Transformers“-Filmen an der kruden Story verzweifelte und bei den Actionszenen schnell jeden Überblick verlor. Beides wird ihm bei DeKnights Film nicht passieren. Er erzählt seine durchgängig nachvollziehbare und nacherzählbare Geschichte, die gerade in der ersten Hälfte aus viel letztendlich verzichtbarer Exposition besteht, in unter zwei Stunden. Die Actionszenen, die einen großen Teil des Films ausmachen, sind dabei immer nachvollziehbare und spielen tagsüber, was dazu führt, dass man das Geschehen wirklich sieht und nicht erahnt.
Letztendlich, und soll nicht verschwiegen werden, ist „Pacific Rim: Uprising“ militaristischer Murks, der junge Menschen an die Waffen führt. „Top Gun“ reloaded eben. Nur dieses Mal mit einem deutlich diverserem und jüngeren Cast, ohne Liebesgeschichte und folgerichtig ohne Schnulzen.
Pacific Rim: Uprising (Pacific Rim Uprising, USA 2018)
Regie: Steven S. DeKnight
Drehbuch: Steven S. DeKnight, Emily Carmichael, Kira Snyder, T. S. Nowlin (basierend auf Charakteren von Travis Beacham)
mit John Boyega, Scott Eastwood, Tian Jing, Cailee Spaeny, Rinko Kikuchi, Burn Gorman, Arja Ardona, Charlie Day, Karan Brar, Wesley Wong
Wie soll man mit Verlusten umgehen? Shana Feste zeigt das am Beispiel von Allan (Pierce Brosnan) und Grace (Susan Sarandon), die ihren 18-jährigen Sohn Bennett (Aaron Taylor-Johnson) durch einen Verkehrsunfall verlieren. Und an Bennetts Bruder (Johnny Simmons) und Bennetts schwangerer Freundin (Carey Mulligan).
Allein schon die Besetzung spricht für „Zeit der Trauer“.
„Bewegendes, präzise beobachtendes Familiendrama, das die emotionalen Befindlichkeiten seiner überzeugend gespielten Protagonisten auslotet und seelische Abgründe zeichnet.“ (Lexikon des internationalen Films)
Feste inszenierte danach „Country Strong“ und „Endless Love“.
mit Susan Sarandon, Pierce Brosnan, Carey Mulligan, Aaron Taylor-Johnson, Johnny Simmons, Jennifer Ehle, Zoë Kravitz, Michael Shannon
High Heels – Die Waffen einer Frau (Tacones Lejnanos, Spanien/Frankreich 1991)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Ein alter, gewohnt vergnüglicher Almodóvar: Nach fünfzehn Jahren begegnen Mutter (erfolgreiche Sängerin) und Tochter (TV-Nachrichtensprecherin) sich wieder und kurz darauf ist der Mann der Tochter, der auch Ex-Liebhaber der Mutter ist, ermordet. Da kann nur ein Untersuchungsrichter, der auch Transvestit ist, helfen.
„Auch in seinem neuen Rührstück dominieren wieder die Frauen, notfalls mit Gewalt (…) Im Vergleich zu den bisherigen virtuosen Farcen sind die Charaktere in ‚High Heels‘ tiefgründiger und die Handlung komplizierter geworden.“ (Fischer Film Almanach 1993)
mit Victoria Abril, Marisa Paredes, Miguel Bosé, Pedro Diez de Corral, Feodor Atkine
Von der großen Leinwand, also der wirklich großen IMAX-Leinwand, hat sich der Mann mit dem Hammer jetzt auf den Weg auf die kleinen Bildschirme gemacht. Da wirken dann einige Kloppereien nicht mehr so groß wie im Kino, aber der Spaß bleibt.
Das Marvel-Studio hat nämlich Taika Waititi mit der Regie für „Thor – Tag der Entscheidung“ beauftragt und ihm bei diesem dritten „Thor“-Einzelabenteuer freie Hand gelassen. Waititi ist ein Neuseeländer, der mit Komödien bekannt wurde. Wie die Pseudo-Doku „5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014) über eine Vampir-WG im heutigen Wellington (Neuseeland) und ihre alltäglichen Probleme zwischen Hausputz (studentisch), Essgewohnheiten (blutig) und Abendgestaltung (eher einsam). Das war eine herrlich abgedrehte schwarze Komödie für Halloween. „Thor – Tag der Entscheidung“ ist dann weniger schwarzhumorig geraten.
Als nach dem Tod ihres Vaters Odin (Anthony Hopkins) die Schwester der miteinander verfeindeten Halbbrüder Thor (Chris Hemsworth), der Edle, und Loki (Tom Hiddleston), der Schlawiner, auftaucht, gibt es gleich Ärger. Denn die Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) ist ziemlich verärgert. Als Erstgeborene will sie die ihr zustehende Macht über Asgard haben. Sofort befördert sie ihre Brüder, die bislang nichts von ihr wussten, an das letzte Ende der Galaxis auf den Schrottplaneten Sakaar. Dort regiert der Grandmaster (Jeff Goldblum). Wie es sich für einen egozentrischen Herrscher mit Klatsche gehört, erfreut er mit eratischem Gehabe. Zum Ämusement des Volkes veranstaltet er Gladiatorenkämpfe. Bei dem nächsten Kampf soll Thor gegen das unbesiegbare grüne Monster kämpfen. Also, eigentlich soll er sich von ihm töten lassen. Als Thor in der Arena steht, erkennt er das Monster sofort: Es ist sein alter Freund Bruce Banner (Mark Ruffalo), der seit längerem als Hulk lebt und extrem – – – hulkig ist.
Und das ist erst der Anfang des neuesten Thor-Abenteuers.
Waititi erzählt seine Geschichte mit vielen Abweichungen und irrwitzigen Einfällen als durchgeknallte, herrlich respektlose Nummernrevue. Mit viel Slapstick in und zwischen den Kloppereien. Und viel Witz und Situationskomik zwischen den Kloppereien.
Thor, der als hammerschwingender Sohn von Odin mit Goldlocken, schon immer etwas lächerlich war, darf hier seinen Spruch „Ich bin Thor, Sohn von Odin“ ungefähr ein Dutzend Mal voller Inbrust und mit heiligem Ernst, als sei es ein tiefschürendes Shakespeare-Zitat, aufsagen. Die Angesprochenen sind von dieser Vorstellung wenig beeindruckt. Denn Thor ist ein Trottel. In einer Trottelgeschichte. Das ist in diesem Umfang eine vollkommen neue und sehr vergnügliche Dimension im Marvel Cinematic Universe.
Die Standard-DVD hat kein Bonusmaterial.
Derzeit läuft im Kino noch sehr erfolgreich das nächste Marvel-Einzelabenteuer „Black Panther“.
Am 26. April läuft „Avengers: Infinity War“ an. Der neue Trailer des über zweieinhalbstündigen Films mit über sechzig Hauptcharakteren, so heißt es infinitiv aus dem Hause Marvel, sieht so aus:
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Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok, USA 2018)
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Eric Pearson, Craig Kyle, Christopher L. Yost
LV: Charaktere von Stan Lee, Larry Lieber, Jack Kirby
mit Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Karl Urban, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Stan Lee, Matt Damon (ungenannt)
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DVD
Marvel/Walt Disney Studios Home Entertainment
Bild: 2,39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch