TV-Tipp für den 20. Mai: Alice im Wunderland

Mai 19, 2016

Disney Channel, 20.15

Alice im Wunderland (Alice in Wonderland, USA 1951)

Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske, Wilfried Jackson

Drehbuch: Winston Hibler, Ted Sears, Bill Peet, Erdman Penner, Joe Rinaldi, Milt Banta, Bill Cottrell, Dick Kelsey, Joe Grant, Dick Huemer, Del Connell, Tom Oreb, John Walbridge, Aldous Huxley (ungenannt)

LV: Lewis Carroll: Alice’s Adventures in Wonderland; Alice in Wonderland, 1865 (Alice im Wunderland)

Während ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen wird, schläft Alice ein und erwacht in einem Wunderland voll seltsamer Gestalten.

Einige Tage vor dem Kinostart von „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ (James Bobins Fortsetzung des Tim-Burton-Films) am 26. Mai zeigt der Disney Channel die bekannte Disney-Zeichentrick-Verfilmung von Lewis Carrolls Klassiker, die inzwischen selbst ein Klassiker ist.

Wiederholung: Sonntag, 22. Mai, 09.35 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Alice im Wunderland“

Rotten Tomatoes über „Alice im Wunderland“

Wikipedia über „Alice im Wunderland“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Hexensabbat mit „The Witch“

Mai 19, 2016

Stephen King twitterte „’The Witch‘ scared the hell out of me.“ und, auch wenn King mit seinem Lob für Kollegen nicht geizt, ist das ein gutes Zeichen. Die meisten Kritiker schrieben ebenfalls positiv bis euphorisch über Richard Eggers‘ Debütfilm und es gibt viele Gründe, die für den Film sprechen und einen Grund, der gegen ihn spricht: das Ende. Das letzte Bild, das einfach nicht zum vorherigen Film passen will. Es ist das plötzlich auftauchende Raumschiff in einem Jesusfilm.

Um Glauben geht es auch in „The Witch“.

In einer kleinen Gemeinde in Neuengland um 1630 wird Farmer William mit seiner Familie aus dem Dorf verbannt, weil er sogar für die damaligen Standards zu gläubig ist. Der Fundamentalist zieht mit seiner Frau und seinen fünf Kindern auf ein einsam gelegenes Grundstück am Waldrand. Dort kann der Patriarch sich religiös austoben, während sie mit schlechten Ernten, Hunger, den alltäglichen Gefahren der Natur und den Geheimnissen des Waldes kämpfen müssen.

Da verschwindet ihr jüngstes Kind spurlos. Und wie Eggers das mit ganz einfachen Mitteln inszenierte, ist grandios. Die pubertierende, älteste Tochter Thomasin spielt mit dem Baby. Dabei hält sie sich immer wieder die Augen zu, öffnet sie und buht dabei. Das Baby lacht. Als sie wieder die Hände von ihren Augen wegnimmt, buht sie nicht, sondern sie erblickt etwas Grauenvolles. Erst nach einigen Sekunden zeigt Eggers den leeren Babykorb und den bedrohlich wirkenden Wald.

Ähnlich gelungen zeigt er in seinem auf einen Ort und wenige Personen konzentriertem Film ein ungutes Gemisch aus religiösem Wahn, Aberglaube und dem sexuellen Erwachen eines Teenagers. Thomasin muss, wie ihr fanatischer Vater meint, eine Hexe sein, die Unglück über ihre Familie bringt. Thomasins etwas jüngerer Bruder entwickelt ebenfalls sexuelle Gelüste und im Wald gibt es, wie wir aus Märchen wissen, ein Hexenhaus. Wobei das Hexenhaus, wie vieles, was Farmer William und seine Familie erleben, auch Einbildung sein kann.

Eggers erhebt sich dabei nie über seine Charaktere und ihren aus heutiger Sicht abstrusen Aberglauben. Er erzählt immer auf Augenhöhe mit ihnen, indem er ihr Leben ohne (Vor)urteile schildert. Abgesehen von den letzten paar Sekunden gelingt ihm in seinem beeindruckendem Debüt die Balance zwischen den verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten.

The Witch - Plakat

The Witch (The Witch: A New-England Folktale, Kanada/USA 2015)

Regie: Robert Eggers

Drehbuch: Robert Eggers

mit Ralph Ineson, Kate Dickie, Anya Taylor-Joy, Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger, Lucas Dawson, Julian Richings, Wahab Chaudhry

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Witch“

Metacritic über „The Witch“

Rotten Tomatoes über „The Witch“

Wikipedia über „The Witch“


Neu im Kino/Filmkritik: „X-Men: Apocalypse“ und der nächste Weltuntergang

Mai 19, 2016

Seit den Sechzigern geht es abwärts. Sagen einige und sie verweisen auf die Musik der 68er und behaupten, dass danach nichts mehr kam.

Wenn man sich die letzten drei „X-Men“-Filme ansieht, die natürlich eine Trilogie sind, die jetzt mit „X-Men: Apocalypse“ (nach einem Drehbuch von Simon Kinberg) ihren Abschluss findet, möchte man diesen Kulturpessimisten zustimmen. „X-Men: Erste Entscheidung“ (X-Men: First Class) spielte 1962 und es war, nachdem „X-Men: Der letzte Widerstand“ (X-Men: The Last Stand) (ebenfalls nach einem Drehbuch von Simon Kinberg) nicht besonders überzeugend war, ein grandioser Neustart, bei dem alles stimmte. Bei „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (X-Men: Days of Future Past) (yep, Drehbuch Simon Kinberg) war Bryan Singer, der Regisseur der ersten beiden „X-Men“-Filme wieder an Bord, ebenso die Schauspieler aus den ersten „X-Men“-Filmen und der Film spielte einerseits in der Zukunft und andererseits, dank einer beherzten Zeitreise von Wolverine in der Vergangenheit, genaugenommen 1973, und wieder badete der Film in politischen und popkulturellen Anspielungen. Die Story war allerdings, dank der vielen Zeitreisen, eher verwirrend und ärgerlich. Auch weil jedes Problem mit einer weiteren Zeitreise gelöst werden konnte. Das hatte dann schon etwas von ‚und täglich grüßt das Murmeltier‘.

„Apocalypse“ spielt nun, ohne irgendwelche Zeitreisen, 1983 und es ist eine laute, überlange Enttäuschung. Auch ohne die Erwartung, dass ein Finale frühere Handlungsstränge und Entwicklungen abschließt. „Apocalypse“ sieht einfach nur wie eine weitere Episode aus dem „X-Men“-Kosmos aus, in dem all die bekannten Charaktere und einige Neuzugänge gegen einen neuen Gegner kämpfen, während wir mehr oder weniger interessante Neuigkeiten aus ihrem Alltag erfahren. Die X-Men sind Menschen, die aufgrund einer genetischen Veränderung über besondere Fähigkeiten verfügen.

Der Gegner der X-Men ist Apocalypse (Oscar Isaac – verschenkt). Er ist der erste Mutant, war ein ägyptischer Gott und erwacht jetzt (also 1983) wieder. Bis dahin plätschert der Film eine halbe Stunde vor sich hin. Die Zeit vergeht, indem in epischer Breite die verschiedenen, aus den vorherigen Filmen und Comics bekannten X-Men vorgestellt werden. Das ist nicht so wahnsinnig interessant, weil diese Vorstellungen oft so kryptisch sind, dass nur die Fans und Kenner des X-Men-Kosmos sie verstehen.

Nachdem Apocalypse wieder von den Toten auferstanden ist, ist das zu lang geratene Vorspiel vorbei und die richtige Geschichte könnte endlich beginnen. Aber auch danach wird der Film nicht interessanter. Von Spannung will man in diesem Zusammenhang nicht reden. Weitere Mutanten werden vorgestellt, es wird geredet, es gibt Einblicke in den Alltag von Charles Xavier/Professor X (James McAvoy) und seiner Schule für Mutanten, die vielleicht in den nächsten Filmen eine größere Rolle(n) spielen dürfen, und Eric Lensherr/Magneto (Michael Fassbender) darf etwas proletarischen Ostblockcharme versprühen, bis er einen Unfall verhindert und, nun, sagen wir es so: die Kommunisten sind nicht begeistert, dass unter ihnen ein Mutant lebt, der den Magnetismus beherrscht. Es gibt auch eine groteske in Ostberlin spielende Szene, die nichts mit der Wirklichkeit, aber viel mit einem der damaligen B-Actionfilme, in denen Gewalt Hirn ersetzte, zu tun hat.

Diese eindimensionalen Filme scheinen auch für „Apocalyse“ die Referenz gewesen zu sein. Aber die alten Actionkloppereien hatten wenigstens einen klaren Helden, einen ebenso klaren Bösewicht, eine klare Handlung und eine klare Botschaft. In „X-Men: Apocalypse“ ist davon nichts zu spüren. Der Bösewicht wird zu einer Nebenfigur, die Helden treten sich gegenseitig, ohne eine wirklich erkennbare Ordnung von Haupt- und Nebenfiguren auf die Füße, weil sie alle Hauptfiguren sind, die von Filmstars gespielt werden und die alle keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Entsprechend rudimentär ist die erstaunlich lustlos präsentierte Geschichte, die selbstverständlich in einer Städte zerstörenden Schlacht der Mutanten endet, weil Größe ja bekanntlich wichtig ist.

Zum Glück geht der Wiederaufbau dank Mutantenkräfte auch schneller als in der Realität. Bis dann, in einigen Jahren, beim nächsten Mutantenstadl, wieder kräftig alles zerstört wird, was in Reichweite der Jungs und Mädels mit den besonderen Fähigkeiten ist.

X-Men Apocalypse - Plakat

X-Men: Apocalypse (X-Men: Apocalypse, USA 2016)

Regie: Bryan Singer

Drehbuch: Simon Kinberg (nach einer Geschichte von Bryan Singer, Simon Kinberg, Michael Dougherty und Dan Harris)

mit James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult, Oscar Isaac, Rose Byrne, Evan Peters, Josh Helman, Sophie Turner, Tye Sheridan, Lucas Till, Kodi Smit-McPhee, Ben Hardy, Alexandra Shipp, Lana Condor, Olivia Munn, Zeljko Ivanek, Hugh Jackman, Stan Lee

Länge: 145 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „X-Men: Apocalypse“

Metacritic über „X-Men: Apocalypse“

Rotten Tomatoes über „X-Men: Apocalypse“

Wikipedia über „X-Men: Apocalypse“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bryan Singers „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (X-Men: Days of Future Past, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2016

Vox, 22.00

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Mai: Citizenfour

Mai 18, 2016

WDR, 22.55
Citizenfour (Citizenfour, USA/Deutschland 2014)
Regie: Laura Poitras
Drehbuch: Laura Poitras
TV-Premiere der äußerst sehenswerten, mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnete Dokumentation über „Citezenfour“ Edward Snowden. Laura Poitras filmte in einem Hotelzimmer in Hongkong die ersten Gespräche zwischen NSA-Mitarbeiter Snowden und Glenn Grennwald. Sie dokumentierte den vielleicht wichtigsten Zeitpunkt für unser gewandeltes Verhältnis zur globalen Überwachung durch die Geheimdienste. Und allein schon das macht „Citizenfour“ sehenswert.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Edward Snowden, Glenn Greenwald, Laura Poitras, William Binney, Jacob Appelbaum, Ewen MacAskill, Jeremy Scahill
Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Citizenfour“
Moviepilot über „Citizenfour“
Metacritic über „Citizenfour“
Rotten Tomatoes über „Citizenfour“
Wikipedia über „Citizenfour“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung“ (No place to hide, 2014)

Meine Besprechung von Laura Poitras’ „Citzenfour“ (Citizenfour, USA/Deutschland 2014) (mit weiteren Video-Interviews) und der DVD (ebenfalls mit Bonusmaterial)


TV-Tipp für den 17. Mai: Air Force One

Mai 16, 2016

SuperRTL, 20.15

Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe

Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)

Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.

Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.

Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.

Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Air Force One“

Wikipedia über „Air Force One“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Allan Collins

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Der erste Quarry” (The first Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Two for the Money“ (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von „Der letzte Quarry“ (The last Quarry, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Über John McTiernans Regiedebüt „Nomads – Tod aus dem Nichts“

Mai 16, 2016

Warum „Nomads – Tod aus dem Nichts“ 1988 bei seiner deutschen Premiere, auf VHS, eine Ab-18-Jahre-Freigabe erhielt, weiß ich nicht.

Warum „Nomads – Tod aus dem Nichts“ nur eine VHS-Premiere erhielt, während die nächsten Filme von John McTiernan, in chronologischer Reihenfolge, „Predator“, „Stirb langsam“ und „Jagd auf Roter Oktober“, im Kino liefen, ist dagegen ziemlich offensichtlich. Insgesamt ist „Nomads“ einfach ein schlechter Film.

Im Mittelpunkt steht die Ärztin Dr. Eileen Flex (Lesley-Anne Down), die während der Nachtschicht von einem in Zungen sprechendem Mann (Pierce Brosnan, mit Vollbart und, im Original, gruseligem französischen Akzent) gebissen wird. Professor Jean-Charles Pommier stirbt danach – und fortan hat Flex Visionen. Sie sieht das Leben von Pommier und erfährt so, dass er und jetzt sie von Nomads gejagt wird. Diese Nomaden haben keinen festen Wohnsitz, keine Beziehungen und, wie Pommier nachdem er seine von ihnen gemachten Fotos entwickelt hat, sie können nicht fotografiert werden. Sie sind also auch eine Art Vampire ohne Blutdurst und ohne Sonnenallergie.

Diese Nomads – wir sind in den Achtzigern – sehen aus wie die Mitglieder einer zweitklassigen Heavy-Metal-Band: Lederkluft, lange Haare, Schminke und ein schlechtes Benehmen. Ja, damals waren Metal und Satanismus eine Seite einer Medaille.

Die Geschichte, die sich John McTiernan für sein Debüt ausdachte, ist ein ziemlicher, nie besonders glaubwürdiger oder auch nur kurzweiliger Unfug.

Die Inszenierung ist holprig, aber McTiernan gelingen einige ziemlich beunruhigende Momente, wenn er bruchlos zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her schneidet und wenn einige der Nomads plötzlich im Bild sind, als seien sie schon immer da gewesen. Manchmal ist er auch offensichtlich von der damaligen Videoclip-Optik inspiriert; Walter Hill, Tony Scott, Ridley Scott und Kathryn Bigelow inszenierten ähnliche Bilder. Allerdings besser und immer im Kontext der Geschichte.

Als Talentprobe erfüllte „Nomads“ seinen Zweck. Denn seitdem durfte John McTiernan mit größerem Budget und in jeder Beziehung deutlich souveräner Kassenknüller inszenieren.

Und Pierce Brosnan, der damals vor allem als „Remington Steele“ bekannt war, hatte hier seine erste Hauptrolle, die er, wenig überzeugend, als Antithese zu Remington Steele anlegte. Einige Jahre später spielte er James Bond. 1999 arbeitete er in „Die Thomas Crown Affäre“ wieder mit McTiernan zusammen.

Als Bonusmaterial gibt es zwei aktuelle und interessante Interviews mit Hauptdarstellerin Lesley-Anne Down (16 Minuten) und Komponist Bill Conti (17 Minuten), der auch für die „Rocky“-Filme und den James-Bond-Film „For your eyes only“ die Musik schrieb. Beide sprechen nicht nur über den Film.

Außerdem gibt es eine selbstablaufende Bildergalerie (leider ohne Musik), den Trailer und einen Radiospot.

Nomads - DVD-Cover FSK18

Nomads – Tod aus dem Nichts (Nomads, USA 1985)

Regie: John McTiernan

Drehbuch: John McTiernan

mit Lesley-Anne Down, Pierce Brosnan, Anna-Maria Monticelli, Jeannie Elias, Adam Ant, Nina Foch, Jossie Cotton, Hector Mercado

–

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interview mit Lesley-Anne Down, Interview mit Bill Conti, US-Trailer, Bildergalerie, Radiospot

Länge: 89 Minuten:

FSK: ab 16 Jahre (laut FSK)

–

Hinweise

Moviepilot über „Nomads“

Rotten Tomatoes über „Nomads“

Wikipedia über „Nomads“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. Mai: 12 Years a Slave

Mai 15, 2016

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup, für die er, unter anderem, den Oscar als Bester Film erhielt.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Dienstag, 17. Mai, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)


TV-Tipp für den 15. Mai: Police Python 357

Mai 14, 2016

Arte, 20.15

Police Python 357 (Frankreich/Deutschland 1976, Regie: Alain Corneau)

Drehbuch: Daniel Boulanger, Alain Corneau

Die Story erinnert (unhöfliche Leute sagen: der Plot ist abgekupfert) natürlich an den Noir-Klassiker „Spiel mit dem Tod“: Die einsame Polizist Marc Ferrot verliebt sich in Sylvia, die Geliebte seines Vorgesetzten Ganay. Als der eifersüchtige Ganay sie ermordet, setzt er seinen besten Mann darauf an, den Nebenbuhler, der als Mörder hängen soll, zu finden. Erst langsam begreift Ferrot, dass er der gesuchte Nebenbuhler ist und alle Beweise auf ihn als Mörder deuten.

„Geschickt in Szene gesetzter Polizeithriller.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

„Police Python 357 ist eine stilistische Neuerung im Genre und beschwört zugleich dessen Traditionen. (…) Es ist der melancholische Rückblick des Genres auf seinen mythischen Helden, von dem es weiß, dass er nicht mehr zu retten ist.“ (Georg Seesslen: Copland)

Mit Yves Montand, Simone Signoret, Francois Périer, Stefania Sandrelli Mathieu Carrière, Vadim Glowna, Claude Bertrand

Wiederholung: Mittwoch, 18. Mai, 13.45 Uhr

Hinweise

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Wahl der Waffen“ (Le choix des armes, Frankreich 1981)

Meine Besprechung von Alain Corneaus „Love Crime (Crime d’amour, Frankreich 2010)

Mein Nachruf auf Alain Corneau

Alain Corneau in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 14. Mai: Der Plan

Mai 14, 2016

 

Vox, 20.15

Der Plan (USA 2011, Regie: George Nolfi)

Drehbuch: George Nolfi

LV: Philip K. Dick: Adjustment Team, 1954 (Kurzgeschichte)

Politiker David Norris verliebt sich in die Tänzerin Elise. Da tauchen einige seltsame Männer bei ihm auf, die behaupten, von einem Planungsbüro zu kommen und Norris’ Leben nachzujustieren. Denn nach dem Plan gibt es zwischen David und Elise keine Liebesgeschichte.

Bei Kritik und Publikum ziemlich gut angekommenes Spielfilmdebüt von George Nolfi, dem Drehbuchautor von „Das Bourne Ultimatum“, „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ und „Ocean’s Twelve“, über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.

„Der Plan“ reiht sich mit seiner guten Story, den guten Schauspielern, der gelungenen Inszenierung und den gelungenen Tricks (es gibt wenige Tricks und die fügen sich organisch in die Geschichte ein) in die Reihe der gelungenen Philip-K.-Dick-Verfilmungen ein.

mit Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp

Wiederholung: Sonntag, 15. Mai, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Plan“

Metacritic über „Der Plan“

Rotten Tomatoes über „Der Plan“

Wikipedia über „Der Plan“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“

Philip K. Dick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Mai: 21 Gramm

Mai 13, 2016

3sat, 23.00

21 Gramm (USA 2003, Regie: Alejandro González Iñárritu)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein Autounfall verbindet drei verschiedene Geschichten.

Wie bereits in ihrem Debüt „Amores Perros – Was ist Liebe?“ verbinden Iñárritu und Arriaga mehrere kleine Geschichten miteinander und erzählen sie nicht chronologisch. Weil man die meiste Zeit mit dem Zusammensetzen der mit hektischer Handkamera gefilmten Geschichten beschäftigt ist, fällt nicht auf, dass sie doch sehr banal sind.

„Und doch bleibt am Ende nur der Eindruck einer virtuosen Stilübung, weil die kolportagehafte Story zu dünn ist für ihre inszenatorische Aufquirlung.“ (Rainer Gansera, SZ, 6. September 2003)

Mit Sean Penn, Naomi Watts, Danny Huston, Benicio Del Toro, Charlotte Gainsbourg

Hinweise

Film-Zeit über „21 Gramm“

Metacritic über „21 Gramm“

Rotten Tomatoes über „21 Gramm“

Wikipedia über „21 Gramm“ (deutsch, englisch)

Verlieren wir wirklich „21 Gramm“, wenn wir sterben?

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Remainder“ – Erinnerungsreste, oder was?

Mai 12, 2016

Was für ein Debüt. Omer Fast, der schon seit Jahren als Videokünstler bekannt ist, verfilmt einen Roman von Tom McCarthy, nimmt sich dabei einige Freiheiten und er gewinnt auf ganzer Linie.

Im Mittelpunkt des schön zwischen den Kategorien und Erwartungen stehenden Films steht Tom (Tom Sturridge). An einem sonnigen Tag fällt mitten in der Stadt ein Glasdach auf ihn. Er überlebt den Unfall schwerverletzt. Nach einer längeren Genesungsphase kann er wieder halbwegs laufen, erinnert sich an Nichts und hat mit einer Entschädigungssumme von 8,5 Millionen Pfund finanziell ausgesorgt. Er hat keine Familie, die ihn unterstützt, aber immerhin zwei Freunde, Catherine (Cush Jumbo) und Greg (Ed Speleers), die ihm aber auch nicht seine drängendsten Fragen beantworten können oder wollen.

Tom versucht zunehmend fanatisch seine Vergangenheit zu erkunden. Er will den Erinnerungsfetzen einen Sinn geben und er will wissen, warum er am Unfallort war und warum damals für ihn ein Koffer wichtig war.

Er engagiert Naz (Arsher Ali), der für ihn Recherchen erledigt und ihm bei seinen seltsamen Reenactments hilft. Zuerst indem sie ein Haus entmieten und es mit Menschen bevölkern, die Erinnerungen von Tom verkörpern sollen und die sich in einer bestimmten Art und Weise bewegen müssen. Später indem ein Banküberfall nachgestellt wird. Dabei will Tom den Banküberfall zunehmend realistisch gestalten. Er erhofft sich so einen Aufschluss über seine Vergangenheit.

Gleichzeitig wird er von zwei Männern verfolgt.

„Remainder“ ist, wie Christopher Nolans „Inception“, allerdings mit einem deutlich geringerem Budget, ein Film der sich in den Kopf seines Protagonisten einschleust, einer wundervoll verschachtelten Konstruktion folgt – Fast sagt er habe die Handlung formal als eine 8 aufgebaut; man könnte auch von einem Möbiusband reden – und Tom am Ende wieder an genau dem Ort steht, an dem er am Anfang stand. Aber jetzt wissen wir, wer die geheimnisvolle Frau ist und was in dem Koffer ist. Einerseits. Andererseits kann, in einer streng realistischen Betrachtung, der Anfang nicht das Ende sein und damit kann die Lösung nicht die Lösung sein.

Omer Fast kann seine mit Schwarzem Humor gewürzte, unterkühlt erzählte Geschichte durchgehend abstrakt und mehrdeutig erzählen und auf eine eindeutige Interpretation verzichten, weil er Toms Suche nach seinem früheren Leben konsequent als Thriller erzählt. Damit ist eine Grundspannung und ein Interesse an dem Ende gewährleistet.

„Remainder“ ist ein köstlicher Mindfuck-Film, der sich vor dem schon erwähnten „Inception“ nicht verstecken muss. Im Gegenteil. Gerade wegen seiner weniger fantastischen Geschichte und dem klugen Umgang mit seinen beschränkten Mitteln regt er viel mehr zum Nachdenken an.

Remainder - Plakat 4

Remainder (Remainder, Großbritannien/Deutschland 2016)

Regie: Omer Fast

Drehbuch: Omer Fast

LV: Tom McCarthy: Remainder, 2005 (8 ½ Millionen)

mit Tom Sturridge, Cush Jumbo, Ed Speleers, Arsher Ali, Shaun Prendergast

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Remainder“

Rotten Tomatoes über „Remainder“

Wikipedia über „Remainder“ und Omer Fast (deutsch, englisch)

–

Omer Fast auf der diesjährigen Berlinale (Bild- und Tonqualität sind nicht gut; also nur für Fans)

Omer Fast auf der New Directors/New Films 2016 – in einer richtig guten Bild- und Tonqualität


Neu im Kino/Filmkritik: „Hope for all: Unsere Nahrung – unsere Hoffnung“, unser Propagandafilm

Mai 12, 2016

In den ersten Minuten des Dokumentarfilms „Hope for all“ erklärt Regisseurin Nina Messinger, dass das Essen von Fleisch schlecht und das Essen von veganer Rohkost gut sei. Sie malt ein apokalyptisches Bild von den Folgen unseres, zugegeben, übermäßigen Fleischkonsums, das zu vielen Krankheiten, Übergewicht und auch zum Tod führt. Sie zeigt Menschen, die glücksstrahlend erzählen, dass sie todsterbenskrank waren, aber seitdem sie sich vegan ernährten, keine gesundheitlichen Probleme mehr hätte, sich besser fühlten, beim Marathon mitliefen und Berge bestiegen.

In diesem Moment fragte ich mich, warum trotzdem die Menschheit immer älter wird. Denn in den Industriestaaten, in denen die Menschen sich falsch ernähren, steigt das durchschnittliche Lebensalter und die Lebenserwartung, obwohl es nach der mehr als besorgniserregenden These des Films sinken müsste. Denn der Anteil der Veganer ist noch überschaubarer als der Anteil der Vegetarier, die sich nach der Botschaft des Films ja auch ungesund ernähren. Im Presseheft zum Film heißt es, acht Millionen Menschen ernährten sich in Deutschland vegetarisch und eine gute Million vegan. Andere Zahlen sind niedriger.

Weil „Hope for all“ ein schamloses Plädoyer für die vegane Ernährung ist, wird im ersten Drittel des Films noch erklärt, dass Milch und Milchprodukte mindestens genauso schädlich wie Fleisch sind. Danach gibt es über eine Stunde deprimierende Bilder aus der Massentierhaltung und den ebenso industriellen Schlachthöfen.

Das ist zwar gut gemeint, aber – bei aller Sympathie für eine fleischlose Ernährung – nicht gut gemacht. „Hope for all“ ist ein Pamphlet, das wahrscheinlich noch nicht einmal den Bekehrten und von der Sache Überzeugten gefällt. Die anderen werden aus dem schlechten Propagandafilm, der alle Antworten kennt und keine Zweifel und Gegenargumente zulässt, schnell flüchten. Denn der Film haut einem seine frohe Botschaft wie das heilige Evangelium um die Ohren und die Fakten sind erkennbar selektiv ausgewählt. Sie sollen nur die Botschaft, dass nur vegane Ernährung gute Ernährung ist, stützen.

Dabei verpassen die vorzeitig aus dem Film Geflüchteten dann, nachdem es schon viele kitschige Bilder von glücklichen Tieren und Menschen auf grünen Wiesen gab, das fulminante Schlussbild, in dem die Protagonisten des Films auf einer grünen Bergaue sich beseelt die Hand halten, verklärt in den Himmel blicken und die Musik mit dem letzten, ebenso ungenießbarem christlichen Pathosepos konkurriert.

Layout 1

Hope for all: Unsere Nahrung – unsere Hoffnung (Österreich 2016)

Regie: Nina Messinger

Drehbuch: Nina Messinger

mit Jane Goodall, Caldwell B. Esselstyn, Colin Campbell, Vandana Shiva, Claus Leitzmann, Hermann Focke, Mark Bekoff, Melanie Joy, Ruediger Dahlke

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Hope for all“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Familientradition – Auch „Victor Frankenstein“ erschafft ein Monster

Mai 12, 2016

Die Geschichte von Doktor Frankenstein und seinem Monster dürfte bekannt sein. Im 19. Jahrhundert experimentiert der Doktor mit Leichenteilen, aus denen er ein lebendiges Wesen erschaffen will. Mit Blitzen, Strom und elektrischer Energie als Hilfsmittel. In einer stürmischen Nacht gelingt es ihm. Aber seine Kreatur, das „Monster“, verursacht Probleme.

Marry Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ erschien 1818. Seitdem gab es zahlreiche, mehr oder weniger werkferne Verfilmungen, von denen James Whales „Frankenstein“ (USA 1931) und seine Fortsetzung „Frankensteins Braut“ (USA 1935) die bekanntesten sind und alle weiteren Verfilmungen beeinflussten. Das von Boris Karloff verkörperte Monster wurde ein fester Teil der Popkultur.

Jetzt legt Paul McGuigan, nach einem Drehbuch von Max Landis, seine Version von Frankenstein vor, die auch eine Neuinterpretation und ein Spiel mit den bekannten Elementen in einem anderen Umfeld ist. McGuigan inszenierte „Gangster Nr. 1“, „Lucky Number Slevin“ und mehrere „Sherlock“-Filme. Der Stil der „Sherlock“-Filme und der beiden Sherlock-Holmes-Filme von Guy Ritchie beeinflusste überdeutlich „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“. Max Landis ist ein Tausendsassa, der gerne bekannte Geschichten und Genretopoi mit vielen Anspielungen neu interpretiert. Zuletzt im Kino als Autor der Actionkomödie „American Ultra“. Nicht immer, wie jetzt bei „Victor Frankenstein“, überzeugt das Ergebnis.

In dem Film ist Victor Frankenstein (James McAvoy), ein Bruder von Henry Frankenstein (dem Doktor aus dem 1931er „Frankenstein“). Er lebt als Medizinstudent in einem viktorianischen Steampunk-London in einem mitten in der Stadt gelegenem Anwesen, in dem er seine Experimente mit, zunächst, Tieren durchführt.

Als er den Zirkus besucht, entdeckt er Igor (Daniel Radcliffe), einen buckligen Clown, der allerdings hyperintelligent ist und aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Jedenfalls größtenteils. Frankenstein befreit ihn in einer atemberaubenden Aktion, in der Action Hirn ersetzt. McGuigan inszeniert das, als müsse er „Sherlock“ im viktorianischen London inszenieren. Und James McAvoy spielt Victor Frankenstein als bewerbe er sich für „Sherlock“. Aber vielleicht müssen Intelligenzbestien heute ganz einfach wie Sherlock Holmes sein.

Frankensteins Experimente werden von dem tiefgläubigen Polizeiinspektor Roderick Turpin (Andrew Scott – jaja, der Moriarty aus „Sherlock“) kritisch beäugt.

Nachdem sich Frankensteins Experimente mit Tieren in London immer schwieriger gestalten, geht es im dritten Akt von „Viktor Frankenstein“ an die Küste in eine einsam gelegene Burg. Dort wird, unterstützt durch seinen Kommilitonen Finnegan (Freddie Fox), der als adliger Spross stinkreich und einflussreich ist, das Monster geschaffen – und ich war, während die Geschichte jetzt immer mehr Züge einer Alan-Moore-Geschichte hat, erleichtert, dass die Macher doch noch das lange erwartete Monster präsentieren und „Victor Frankenstein“ nicht nur der Prolog für den nächsten Film ist, in dem der Doktor dann sein menschenähnliches Monster erschafft.

Das ist aber auch eines der Probleme von „Victor Frankenstein“. Die Geschichte plätschert viel zu lange vor sich hin, während sie einige Elemente neu interpretiert und Frankenstein und Igor zu einem Buddy-Duo werden. Das wirkt viel zu oft wie eine fehlgeleitete Episode von „Sherlock“; mit Igor als Dr. Watson und, nun ja, Inspektor Turpin als Inspektor Lestrade. Wenn dann, weit in der zweiten Hälfte des Films, mit dem Auftauchen von Finnegan und seinem Vater als eigennütziger Förderer von Frankensteins Experimenten eine potentiell interessante Verschwörungsgeschichte angedeutet wird, ist die Zeit um.

„Victor Frankenstein“ ist trotz vieler Ideen und einer auf dem Papier nicht uninteressanten Neuinterpretation der bekannten Geschichte, letztendlich weder ein guter, noch ein schlechter, sondern ein gänzlich uninteressanter Film.

Viktor Frankenstein - Plakat

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (Victor Frankenstein, USA 2015)

Regie: Paul McGuigan

Drehbuch: Max Landis

mit James McAvoy, Daniel Radcliffe, Jessica Brown Findlay, Andres Scott, Charles Dance, Freddie Fox, Guillaume Delaunay, Mark Gatiss (jaja, auch bekannt aus „Sherlock“)

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Victor Frankenstein“

Metacritic über „Victor Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „Victor Frankenstein“

Wikipedia über „Victor Frankenstein“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Mai: Biutiful

Mai 12, 2016

3sat, 22.25

Biutiful (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Regie: Alejandro González Iñárritu

Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Armando Bo, Nicolás Giacobone

Barcelona: der Kleinganove Uxbal (Javier Bardem) versucht als alleinerziehender Vater zweier Kinder über die Runden zu kommen. Da erfährt er, dass er Krebs im Endstadium hat.

Heute ist die schon lange überfällige TV-Premiere von Alejandro Iñárritus tollem Drama, das ich zum Kinostart für seinen zweitbesten Film hielt. Aber das war vor „Birdman“ und „The Revenant“.

Am Freitag zeigt 3sat um 23.00 Uhr „21 Gramm“, ebenfalls von Alejandro Iñárritu. Ebenfalls sehenswert.

mit Javier Bardem, Maricel Álvarez, Hanaa Bouchaib, Guillermo Estrella, Eduard Fernández, Cheikh Ndiaye, Diaryatou Daff, Taisheng Cheng, Luo Jin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Biutiful“

Moviepilot über „Biutiful“

Metacritic über „Biutiful“

Rotten Tomatoes über „Biutiful“

Wikipedia über „Biutiful“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Alejandro González Iñárritu (26. Dezember 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)


DVD-Kritik: „Baskin“ – fünf Polizisten im falschen Haus in einer Horrornacht

Mai 11, 2016

„Baskin“, einer der wenigen Horrorfilme aus der Türkei (hier gibt es eine kleine Liste der anderen, arg unbekannten Werke), beginnt mit einer sattsam bekannten Horrorfilm-Grundsituation: fünf Polizisten werden auf ihrer nächtlichen Streife zu einem Einsatz nach Inceagac gerufen. Um das leer stehende Gebäude, das während der osmanischen Zeit eine Polizeistation war, ranken sich Gerüchte. Auf der Fahrt dorthin gibt es seltsame Ereignisse und als sie in Inceagac eintreffen, entdecken sie einen Kollegen in einem katatonischem Zustand. Der andere ist spurlos verschwunden. Kurz darauf geraten sie in eine schwarze Messe, mit ihnen als Opfergabe.

In den vergangenen Jahren inszenierte Can Evrenol mehrere Kurzfilme. Zuletzt, 2013, den elfminütigen Kurzfilm „Baskin“, der auch auf der DVD enthalten ist, und eine Vorstudie zu seinem Spielfilmdebüt „Baskin“ ist, das gleichzeitig Horrorfilmfans und Arthousefans mit einem stabilen Magen anspricht.

Für die Horrorfilmfans gibt es eine ordentliche Portion Gore und eine ziemlich abstoßende schwarze Messe mit Missgestalten, Sex, Blut, Dreck und einem Gnom als Zeremonienmeister, dessen lange Monologe nur ein Vorspiel für das Töten der Polizisten sind. Die sind durchgehend wenig sympathische Vertreter der Ordnungsmacht.

Für das Arthouse-Publikum gibt es, hübsch verschachtelt, mehrere Zeitebenen zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Dabei sorgen die Bildgestaltung, die Farbgebung und der Sound für ein latentes Unwohlsein.

Allerdings stoppen die durchaus klug platzierten Fantasiesequenzen immer wieder den Handlungsfluss. So gibt es, nachdem der Fahrer den Polizeibus in einen Fluss steuert, eine längere Fantasiesequenz, in der sich der Chef der Einheit mit dem Rookie in dem Restaurant, in dem die Polizisten am Filmanfang waren, unterhält. Obwohl es in dem Gespräch um Leben und Tod geht, fragt man sich während des gesamten Gesprächs, ob die Macher jetzt nicht gerade eine Filmrolle (Datei? Ist ja DVD.) vertauscht haben.

Auch gerät die Einführung der fünf Polizisten, die in einem Restaurant pausieren, arg länglich. Bis sie den Funkspruch erhalten, der sie zu ihrem Einsatz ruft, vergehen über zwanzig Minuten. Erst nach vierzig Minuten sind sie an dem verfallenem Anwesen. In dem Moment ist schon der halbe Film vorbei.

Weil Horrorfilme auch immer etwas über die Psychosen einer Gesellschaft verraten, bietet sich bei „Baskin“ sofort noch eine weitere, sehr politische Lesart über die derzeitigen Zustände in der Türkei an.

Diese Interpretation muss allerdings von jemand gemacht werden, der mehr als ich über die Türkei, die dortigen aktuellen Zustände und das aktuelle Klima weiß, gemacht werden.

Das macht „Baskin“ zu einem zwar nicht fehlerfreiem, aber interessanten und auch sehenswertem Genrefilm.

Baskin - DVD-Cover

Baskin (Baskin, Türkei 2015)

Regie: Can Evrenol

Drehbuch: Ogulcan Eren Akay, Can Evrenol, Cem Ozuduru, Ercin Sadikoglu

mit Mehmet Cerrahoglu, Gorkem Kasal, Ergun Kuyucu, Muharrem Bayrak, Mehmet Fatih Dokgoz, Sabahattin Yakut, Berat Efe Parlar, Sevket Suha Tezel

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DVD

Capelight Pictures

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Der Kurzfilm „Baskin“ (2013), Trailer, Wendecover

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Der Film erschien in mehreren Ausgaben. Details hier 

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Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Baskin“

Metacritic über „Baskin“

Rotten Tomatoes über „Baskin“

Wikipedia über „Baskin“


TV-Tipp für den 11. Mai: Babel

Mai 10, 2016

BR, 23.30

Babel (USA 2006, Regie: Alejandro González Iñárritu)

Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)

In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.

„Babel“ gewann, nach der IMDB, 28 Filmpreise und war für 75 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.

Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza

Hinweise

Film-Zeit über „Babel“

Rotten Tomatoes über „Babel“

Wikipedia über „Babel“ (deutsch, englisch)

Unionsverlag über Guillermo Arriaga

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Biutiful“ (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (Birdman, USA 2014)

Meine Besprechung von Alejandro G. Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant, USA 2015)


TV-Tipp für den 10. Mai: Scientology: Ein Glaubensgefängnis

Mai 10, 2016

BR, 22.30

Scientology: Ein Glaubensgefängnis (USA 2015, Regie: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

LV: Lawrence Wright: Going Clear, 2013

Spielfilmlange Doku über Scientology, die drei Emmys erhielt. Als beste Doku, für die Regie und das Drehbuch.

Scientology war nicht begeistert – und das ist doch eine gute Empfehlung.

Mit Paul Haggis, Jason Beghe, Spanky Taylor, David Miscavige, John Travolta, Tom Cruise, Lawrence Wright, L. Ron Hubbard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Wikipedia über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Meine Besprechung von Alex Gibneys „We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „La belle saison – Eine Sommerliebe“, ein schöner Film

Mai 9, 2016

Frankreich, 1971: In Paris feiern die 68er noch fröhlich die Revolution. In der Provinz kümmern sich die Bauern um ihre alltäglichen Probleme. Da ist eine Liebesheirat nett, aber letztendlich muss halt ein Hof bewirtet werden und das ist wichtiger als irgendwelche romantischen Vorstellungen von Liebe.

Auch Delphine (Izïa Higelin) weiß das. Aber sie ist lesbisch und zieht nach Paris.

Dort trifft sie Carole (Cécile de France), die mit anderen Frauen in einer überdrehten Spaß-Aktion gegen normalchauvinistische Männer protestiert. Damals, das muss wahrscheinlich heute extra betont werden, war ein Klaps auf den Po einer wildfremden Frau nichts, worüber sich diese Frau aufregen sollte. Jedenfalls solange es ein Mann tat. Als die Frauengruppe um Carole es bei wildfremden, anzugtragenden Männern tut, halten die Betroffenen es für ein mehr als unverschämtes Verhalten.

Anschließend lädt Carole Delphine, die ihr spontan gegen einen dieser Männer half, zu einem Treffen der Frauengruppe in der Universität ein. Delphine kommt – und wir erleben die erste, sehr angenehme Überraschung. Delphine, die Frau vom Land, ist der aktive Teil, während die hippe, politisch engagierte Carole noch in einer heterosexuellen Beziehung lebt und erst langsam von ihren Gefühlen überzeugt werden muss.

Die glücklichen Tage in Paris enden, als Delphines Vater einen Schlaganfall hat, von dem er sich nicht mehr erholt. Sie kehrt zurück auf den elterlichen Hof, bewirtet ihn mit ihrer Mutter (Noémie Lvovsky) und steht, in der zweiten Hälfte des Films, vor der Frage, was sie tun soll: den Hof übernehmen und ein bürgerliches Leben führen oder sich zu ihrer Liebe bekennen und für immer den Hof, das Dorf und die Gemeinschaft, in der sie groß wurde, verlassen. Oder, – immerhin ist Carole, zunächst nur für den Sommer, bei ihr -, vielleicht muss Delphine sich nicht zwischen diesen beiden Lebensentwürfen entscheiden.

In ihrem neuesten Film „La belle saison – Eine Sommerliebe“ entfaltet Catherine Corsini („Die Affäre“ mit Kristin Scott Thomas) ihre Liebesgeschichte vor einem satten Siebziger-Jahre-Zeitkolorit, in dem Konventionen hinterfragt und für eine bessere Gesellschaft gekämpft wurde. Dabei konzentriert sie sich auf wenige Charaktere und ihre Konflikte, die sie facettenreich auslotet. Oft zeigt sie in nur einem Satz oder einer Geste, in welchen Traditionen und Konventionen die Menschen, vor allem natürlich Delphine, ihre Freundin und ihre Mutter, stecken.

Vor den damaligen gesellschaftlichen Umbrüchen, die erst mit einer Verzögerung in der Provinz ankamen, entfaltet sich die Liebesgeschichte zwischen Carole und Delphine, die sich zwischen Liebe und Beruf entscheiden muss. In der durchaus freizügig erzählten Liebesgeschichte werden immer wieder die Erwartungen des Zuschauers gebrochen und die Erzählkonventionen über die Geschichte der großen, wahren und einzigen Liebe so weit gegen den Strich gebürstet, dass die Geschichte von „La belle saison“ absolut realistisch wirkt. Damals und heute.

La belle saison - Plakat

La belle saison – Eine Sommerliebe (La belle saison, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Catherine Corsini

Drehbuch: Catherine Corsini, Laurette Polmanss

mit Cécile de France, Izïa Higelin, Noémi Lvovsky, Kévin Azais, Laetitia Dosch, Benjamin Bellecour

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

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Rotten Tomatoes über „La belle saison“

Wikipedia über „La belle saison“ (englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Deutscher Humor: „Frauen“ „Schrotten“

Mai 9, 2016

Deutsche Komödien – – – – nach dem Genuss einiger US-Komödien, deren Humor verklemmt unter der Gürtellinie bleibt und der ungefähr so witzig wie eine Gürtelrose ist, erscheinen deutschsprachige Komödien nicht mehr so schlimm. Gut sind sie trotzdem nicht, wie „Frauen“ und „Schrotten“ zeigen.

In „Frauen“ steigt K. O. Schott (Heiner Lauterbach) in die falsche Miet-Limousine. Er muss zu einem wichtigen Termin nach Bad Honnersheim. Viel später erfahren wir, dass er ein Millionär ist und zu seinem jüngsten Scheidungstermin gefahren werden will.

Sein Fahrer Rüdiger Kneppke (Martin Brambach) ist, egal welchen Standard man ansetzt, kein guter Chauffeur. Schlecht gekleidet, latent desorientiert, dumm wie Brot und nur am Quatschen, solange er nicht sein Blödel-Lieblingslied singt.

Kurz darauf springt Liz Tucha (Blerim Destani) in ihre Limousine. Der junge Mazedonier ist, wie wir erst viel später erfahren, ein Bräutigam auf der Flucht. Die betrogene Hochzeitsgemeinschaft verfolgt ihn und dass die Brüder der sitzengelassenen Braut Polizisten sind, verschlimmert die Situation von Tucha, Schott und Kneppke.

Ab jetzt ist das Trio, zusammengehalten durch den Willen des Drehbuchautors, auf einer ziemlich planlosen Reise durch Deutschland. Immer wieder unterhalten sie sich über Frauen, welche Probleme sie verursachen und warum Männer nicht von ihnen lassen können.

Aber öfter geht es um andere Dinge, krude Verwicklungen und, angesichts des Alters der beiden Hauptverantwortlichen, Regisseur Nikolai Müllerschön und Hauptdarsteller Heiner Lauterbach, die beide, wie schon bei dem letztendlich misslungenem Gangsterfilm „Harms“ auch zu den Produzenten gehören, einen Altherren- und Kneipenhumor, der selten amüsiert. Auch weil alle Charaktere mindestens grenzdebil sind.

Immerhin ist Tucha der Intelligenteste des Trios.

In „Schrotten“ wird Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz), ein halbseidener Versicherungsvertreter, der von seiner Familie, einer Schrotthändler-Dynastie, nichts mehr wissen will, von ebendiesen Familienmitgliedern bei seiner Arbeit besucht und zusammen geschlagen. Nur so können sie Mirko zur Beerdigung seines Vaters bringen und ihm seinen letzten großen Plan präsentieren: den Diebstahl eines mit wertvollem Schrott gefüllten Zuges. Dafür wollen sie in den Wald ein zweites Gleis legen.

Nach kurzem Zögern beschließt Mirko seinem Bruder Letscho (Frederick Lau) bei dem Diebstahl zu helfen. Denn Letscho beschwört zwar lautstark den Schrotthändler-Ethos, aber mit ihm als Kopf der Bande wird der Plan in einem Desaster enden.

Gleichzeitig verhandelt Mirko, der hoch verschuldet ist, hinter dem Rücken seiner Familie (Ganovenehre ist ja so etwas von 20. Jahrhundert) mit dem gegnerischen Schrotthändler Kercher (Jan-Gregor Kremp) über einen Verkauf des Thalheimerschen Erbe.

Das ist ähnlich ausgedacht wie die Drei-Männer-im-Auto-Idee von „Frauen“ und der geniale Plan in „Schrotten“ ist so bescheuert, dass es einen sprachlos macht.

Aber immerhin sind die Talhammers und ihr Clan ganz sympathisch in ihrem Zusammenhalt und Max Zähle rückt in seinem Spielfilmdebüt, nach seinem Oscar-nominiertem Kurzfilm „Raju“, ein Milieu in den Mittelpunkt, das vor einigen Jahrzehnten noch fest zum Landschaftsbild gehörte. Heute, seitdem Schrott Wertstoff ist, sind Schrotthändler ja eine aussterbende Spezies.

Der Humor ist beide Male eher grob. Die Zahl der Lacher beide Male überschaubar. Die Story beide Male unglaubwürdig.

Immerhin wurde beide Male versucht, keine typisch deutsche Schweiger/Schweighöfer-Familienkomödie abzuliefern.

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Frauen (Deutschland 2016)

Regie: Nikolai Müllerschön

Drehbuch: Nikolai Müllerschön

mit Heiner Lauterbach, Blerim Destani, Martin Brambach, Victoria Mirovaya, Mark Keller, André Hennicke

Länge: 87 Minuten

FSK: ?

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Hinweise

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Filmportal über „Frauen“

Moviepilot über „Frauen“

Meine Besprechung von Nikolai Müllerschöns „Harms“ (Deutschland 2013)

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Schrotten (Deutschland 2016)

Regie: Max Zähle

Drehbuch: Max Zähle, Johanna Pfaff, Oliver Keidel

mit Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Lars Rudolph, Heiko Pinkowski, Jan-Gregor Kremp, Rainer Bock, Alexander Scheer

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

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Filmportal über „Schrotten“

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