Neu im Kino/Filmkritik: Deutscher Humor: „Frauen“ „Schrotten“

Mai 9, 2016

Deutsche Komödien – – – – nach dem Genuss einiger US-Komödien, deren Humor verklemmt unter der Gürtellinie bleibt und der ungefähr so witzig wie eine Gürtelrose ist, erscheinen deutschsprachige Komödien nicht mehr so schlimm. Gut sind sie trotzdem nicht, wie „Frauen“ und „Schrotten“ zeigen.

In „Frauen“ steigt K. O. Schott (Heiner Lauterbach) in die falsche Miet-Limousine. Er muss zu einem wichtigen Termin nach Bad Honnersheim. Viel später erfahren wir, dass er ein Millionär ist und zu seinem jüngsten Scheidungstermin gefahren werden will.

Sein Fahrer Rüdiger Kneppke (Martin Brambach) ist, egal welchen Standard man ansetzt, kein guter Chauffeur. Schlecht gekleidet, latent desorientiert, dumm wie Brot und nur am Quatschen, solange er nicht sein Blödel-Lieblingslied singt.

Kurz darauf springt Liz Tucha (Blerim Destani) in ihre Limousine. Der junge Mazedonier ist, wie wir erst viel später erfahren, ein Bräutigam auf der Flucht. Die betrogene Hochzeitsgemeinschaft verfolgt ihn und dass die Brüder der sitzengelassenen Braut Polizisten sind, verschlimmert die Situation von Tucha, Schott und Kneppke.

Ab jetzt ist das Trio, zusammengehalten durch den Willen des Drehbuchautors, auf einer ziemlich planlosen Reise durch Deutschland. Immer wieder unterhalten sie sich über Frauen, welche Probleme sie verursachen und warum Männer nicht von ihnen lassen können.

Aber öfter geht es um andere Dinge, krude Verwicklungen und, angesichts des Alters der beiden Hauptverantwortlichen, Regisseur Nikolai Müllerschön und Hauptdarsteller Heiner Lauterbach, die beide, wie schon bei dem letztendlich misslungenem Gangsterfilm „Harms“ auch zu den Produzenten gehören, einen Altherren- und Kneipenhumor, der selten amüsiert. Auch weil alle Charaktere mindestens grenzdebil sind.

Immerhin ist Tucha der Intelligenteste des Trios.

In „Schrotten“ wird Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz), ein halbseidener Versicherungsvertreter, der von seiner Familie, einer Schrotthändler-Dynastie, nichts mehr wissen will, von ebendiesen Familienmitgliedern bei seiner Arbeit besucht und zusammen geschlagen. Nur so können sie Mirko zur Beerdigung seines Vaters bringen und ihm seinen letzten großen Plan präsentieren: den Diebstahl eines mit wertvollem Schrott gefüllten Zuges. Dafür wollen sie in den Wald ein zweites Gleis legen.

Nach kurzem Zögern beschließt Mirko seinem Bruder Letscho (Frederick Lau) bei dem Diebstahl zu helfen. Denn Letscho beschwört zwar lautstark den Schrotthändler-Ethos, aber mit ihm als Kopf der Bande wird der Plan in einem Desaster enden.

Gleichzeitig verhandelt Mirko, der hoch verschuldet ist, hinter dem Rücken seiner Familie (Ganovenehre ist ja so etwas von 20. Jahrhundert) mit dem gegnerischen Schrotthändler Kercher (Jan-Gregor Kremp) über einen Verkauf des Thalheimerschen Erbe.

Das ist ähnlich ausgedacht wie die Drei-Männer-im-Auto-Idee von „Frauen“ und der geniale Plan in „Schrotten“ ist so bescheuert, dass es einen sprachlos macht.

Aber immerhin sind die Talhammers und ihr Clan ganz sympathisch in ihrem Zusammenhalt und Max Zähle rückt in seinem Spielfilmdebüt, nach seinem Oscar-nominiertem Kurzfilm „Raju“, ein Milieu in den Mittelpunkt, das vor einigen Jahrzehnten noch fest zum Landschaftsbild gehörte. Heute, seitdem Schrott Wertstoff ist, sind Schrotthändler ja eine aussterbende Spezies.

Der Humor ist beide Male eher grob. Die Zahl der Lacher beide Male überschaubar. Die Story beide Male unglaubwürdig.

Immerhin wurde beide Male versucht, keine typisch deutsche Schweiger/Schweighöfer-Familienkomödie abzuliefern.

Frauen - Plakat 4

Frauen (Deutschland 2016)

Regie: Nikolai Müllerschön

Drehbuch: Nikolai Müllerschön

mit Heiner Lauterbach, Blerim Destani, Martin Brambach, Victoria Mirovaya, Mark Keller, André Hennicke

Länge: 87 Minuten

FSK: ?

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Frauen“

Moviepilot über „Frauen“

Meine Besprechung von Nikolai Müllerschöns „Harms“ (Deutschland 2013)

–

schrotten_plakatA0_160304_RZ_ZW.indd

Schrotten (Deutschland 2016)

Regie: Max Zähle

Drehbuch: Max Zähle, Johanna Pfaff, Oliver Keidel

mit Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Lars Rudolph, Heiko Pinkowski, Jan-Gregor Kremp, Rainer Bock, Alexander Scheer

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Schrotten“

Moviepilot über „Schrotten“

 


TV-Tipp für den 9. Mai: Sin City

Mai 9, 2016

Kabel 1, 23.05

Sin City (USA 2005, Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Die Fortsetzung „Sin City: A Dame to kill for“, neun Jahre später, war dann eine ziemlich reizlose Angelegenheit.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Hinweise

Film-Zeit über „Sin City“

Metacritic über „Sin City“

Rotten Tomatoes über „Sin City“

Wikipedia über „Sin City“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons‘ „Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)“ (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams‘ „All-Star Batman“ (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers „Holy Terror“ (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Machete Kills“ (Machete Kills, USA 2013)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)


TV-Tipp für den 8. Mai: Ein mörderischer Sommer

Mai 8, 2016

Arte, 20.15

Ein mörderischer Sommer (Frankreich 1983, Regie: Jean Becker)

Drehbuch: Sébastien Japrisot

LV: Sébastien Japrisot: L’Été meurtrier, 1977 (Blutiger Sommer)

Isabelle Adjani macht eine Bauernfamilie in der Haute-Provence kirre. Natürlich nicht ohne – mörderische – Hintergedanken.

Spannender, erotischer, französischer Psychothriller.

„Melodram, Psycho-Thriller, Groschenheft-Tragödie – der Film ist all das und all das nicht schlecht; vor allem aber hat es der Zuschauer hier mit einem filmisch raffniert umgesetzten erzählerischen Puzzle zu tun, dessen unzählgen Schlenkern und Wendungen zu folgen großen Spaß macht.“ (Robert Fischer, epd Film 5/1984)

Andere Kritiker gingen erheblich ungnädiger mit dem mit vier Césars ausgezeichneten Publikumserfolg (jedenfalls in Frankreich) um. Aber keiner vergaß, auf die Hauptdarstellerin hinzuweisen.

Mit Isabelle Adjani, Alain Souchon, Michel Galabru

Hinweise

Arte über „Ein mörderischer Sommer“

Wikipedia über Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot


Neu im Kino/Filmkritik: „A bigger splash“ im Swimmingpool

Mai 7, 2016

Die Rockmusikerin Marianne (Tilda Swinton) und ihr Freund Paul (Matthias Schoenaerts), ein Fotograf und trockener Alkoholiker, der kürzlich einen Suizid versuchte, verbringen auf der italienischen Insel Pantelleria einige ruhige Tage. Sie darf nach einer Operation an ihren Stimmbändern nicht reden.

Als Harry (Ralph Fiennes), ein Ex-Freund und Mentor von Marianne, und seine bis dahin unbekannte Tochter Penelope (Dakota Johnson) sich bei ihnen in dem einsam gelegenem Haus mit Swimmingpool einquartieren, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Harry ist egomanischer Rockmusikproduzent mit entsprechendem Drogenkonsum, der Ruhe nur als Ruhe vor dem Sturm kennt.

„A bigger Splash“, der neue Film von Luca Guadagnino, ist ein freies Remake von Jacques Derays „Der Swimmingpool“ und wenn man das weiß, kennt man auch die Handlung, die schon in Derays Film eher nebensächlich war. Guadagnino hat vor allem einen Sommerfilm mit schönen Menschen, die in der Einsamkeit auf sich zurückgeworfen sind, inszeniert und es geht um das Aufeinanderprallen von Rock’n’Roll-Lebensgefühl und bieder-bürgerlichem Leben. Marianne hat sich aus ihrem alten, zügellosem Leben verabschiedet. Mit dem introvertierten Paul will sie ein ruhiges Leben führen. Dagegen ist Harry immer noch ganz der Alte. Als er mit der jungen Penelope auftaucht, glauben sie zunächst, dass sie eine weitere seiner Geliebten ist. Und Harry will Marianne zurückerobern.

Neben dieser Eroberungsgeschichte spricht Guadagnino auch die aktuelle Flüchtlingskrise an. Denn Pantelleria liegt zwischen Sizilien und Tunesien. Und es geht um das Verhältnis der Generationen. Während die Alten, also Marianne und Harry sich noch alle Freiheiten nahmen, sieht Penelope wo das hin führt. Damit stellt sich auch die Frage, wie konservativ, – siehe für Deutschland die aktuelle Sinus-Jugendstudie -, die junge Generation ist und wie sehr die Älteren als Vorbild taugen.

Das inszeniert Guadagnino mit viel Rockmusik, vor allem von den „Rolling Stones“ (immerhin produzierte Harry sie) und einem großartigem Ensemble.

Auch wenn der Film mit über zwei Stunden etwas lang geraten ist, ist er ein Vergnügen. Nicht nur wegen der Tanznummer von Ralph Fiennes und dem wortlos-ausdruckstarken Spiel von Tilda Swinton, die Guadagnino, mit dem sie seit über zwanzig Jahren befreundet ist und zusammenarbeitet, diese Sprachlosigkeit vorschlug. Als Gegengewicht zu dem endlosen Gequassel von Harry.

A Bigger Splash - Plakat

A bigger Splash (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich

mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci, Lily McMenamy, Corrado Guzzanti

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Italienische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „A bigger Splash“

Metacritic über „A bigger Splash“

Rotten Tomatoes über „A bigger Splash“

Wikipedia über „A bigger Splash“

–

und einige Interviews

die Pressekonferenz in Vendig

Bei „Charlie Rose“ unterhält sich A. O. Scott (New York Times) mit Luca Guadagnino, Tilda Swinton und Ralph Fiennes (Bildqualität ist nicht berauschend)

Im AOL Building sitzen Luca Guadagnino und Ralph Fiennes


Neu im Kino/Filmkritik: „Triple 9“ – Movie down

Mai 7, 2016

Atlanta, USA: ein am helllichten Tag durchgeführter Banküberfall gerät zu einer veritablen Straßenschlacht, die bei Krimifans wohlige Erinnerungen an Michael Manns „Heat“ weckt. Nur wird hier eine dreckige Version präsentiert. Von John Hillcoat, der zuletzt das während der Prohibition spielende Gangsterdrama „Lawless – Die Gesetzlosen“ inszenierte

Kurz darauf erfahren wir, dass die Bankräuber Polizisten sind, die zu einer Sondereinheit gehören, die auch den Fall aufklären sollen. Zu ihnen stößt als neues Mitglied der Sondereinheit Chris Allen (Casey Affleck). Bei dem Neuling ist unklar, wie unehrlich er ist. Sein ihn beschützender Onkel, Sergeant Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson) von der Major-Crimes-Abteilung, soll ebenfalls den Fall aufklären.

Weil Irina Vlaslow (Kate Winslet), die Chefin der örtlichen Russen-Mafia, mit der Beute von dem Überfall nicht zufrieden ist, erpresst sie Chris Allens Vorgesetzten Michael Belmont (Chiwetel Ejiofor) zu einem weiteren, noch riskanteren Raubzug. Die von ihm angeführten verbrecherischen Polizisten glauben, – und damit ist der Titel erklärt -, mit einem Triple-9-Notruf können sie die Polizisten von ihrem eigentlichen Ziel ablenken. 999 sei, so erklären uns die Verbrecher, der Polizeicode für einen erschossenen Polizisten.

John Hillcoat, der mit seinen vorherigen Spielfilmen „The Proposition“, „The Road“ und dem schon erwähnten „Lawless“ immer sehenswerte, nie leichte Kost ablieferte, hat mit „Triple 9“ seinen enttäuschendensten Film vorgelegt. Da hilft auch die hochkarätige Besetzung nicht weiter. Neben den schon erwähnten Casey Affleck (unterfordert), Woody Harrelson (chargierend), Kate Winslet (böse, sehr böse) und Chiwetel Ejiofor sind Anthony Mackie, Norman Reedus, Aaron Paul, Michael Kenneth Williams, Teresa Palmer und Gal Gadot in dem testosterongeschwängertem, nihilistischem Männerfilm dabei, der seine Klischees über Verbrecher und korrupte Cops in einer drögen Geschichte, garniert mit viel Gewalt, kredenzt. Mit vielen langweilenden Nebenstränge, die die Hauptgeschichte nicht voranbringen. Bei der Hauptgeschichte, wobei man locker über den zentralen Konflikt streiten kann, ist kein Zentrum und damit auch kein Protagonist, kein Antagonist und keine sinnvolle Struktur von Haupt- und Nebengeschichten erkennbar. Erzählt wird das in durchgehend viel zu dunklen Bilder, weil Schwarz ja Noir bedeutet und je dunkler die Bilder sind, umso mehr Noir ist der Film. Nur ist Noir eine Haltung und kein Farbton. Das hatte vor wenigen Wochen auch Zack Snyder in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ verwechselt.

Und, auch wenn man einen konsequent nihilistischen Kosmos zeichnet, ist es keine gute Idee diesen Kosmos nur mit unsympathischen und, was noch schlimmer ist, gänzlich uninteressanten Gestalten zu bevölkern. Jedes Problem, das sie haben, wirkt wie eine Drehbuchidee. Kein Charakter interessiert – und damit ist es einem herzlich egal, wer warum überlebt. Mit zunehmender Laufzeit hofft man sogar, dass sie sich möglichst schnell gegenseitig erschießen, damit das Elend schnell vorbei ist.

Das ist, wenn man den Regisseur und die beteiligten Schauspieler mag, ein äußerst ernüchterndes Fazit. „Triple 9“ ist ein zerfahrener Möchtegern-Noir-B-Movie-Gangsterfilm, der Schein mit Sein verwechselt; was bei Hillcoat erstaunt.

Triple 9 - Plakat

Triple 9 (Triple 9, USA 2016)

Regie: John Hillcoat

Drehbuch: Matt Cook

mit Casey Affleck, Woody Harrelson, Kate Winslet, Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor, Norman Reedus, Aaron Paul, Clifton Collins Jr., Teresa Palmer, Gal Gadot, Michael Kenneth Williams

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Triple 9“

Metacritic über „Triple 9“

Rotten Tomatoes über „Triple 9“

Wikipedia über „Triple 9“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Hillcoats Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (The Road, USA 2009)

Meine Besprechung von John Hillcoats „Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless, USA 2012)


TV-Tipp für den 7. Mai: Fritz Bauer – Tod auf Raten

Mai 7, 2016

Phoenix, 22.30

Fritz Bauer – Tod auf Raten (Deutschland 2010, Regie: Ilona Ziok)

Drehbuch: Ilona Ziok

Sehr gelungene Doku über Fritz Bauer, sein Leben, seine Ansichten und seine Taten. Der Jurist, Freidenker und Humanist engagierte sich nach dem zweiten Weltkrieg für den Aufbau der Demokratie und für die Aufklärung der NS-Verbrechen. Als Generalstaatsanwalt initiierte er die Auschwitzprozesse, verfolgte Euthanasie-Täter und trug zur Ergreifung von Adolf Eichmann bei. Am 1. Juli 1968 starb er unter rätselhaften Umständen.

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über Fritz Bauer

 


TV-Tipp für den 6. März: Der Chef

Mai 6, 2016

BR, 23.15

Der Chef (Frankreich/Italien 1972, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.

Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.

„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)

„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Mai: Der gute Hirte

Mai 5, 2016

ZDFneo, 21.45

Der gute Hirte (USA 2006, Regie: Robert de Niro)

Drehbuch: Eric Roth

Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.

„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.

Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.

Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert de Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.

Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro

Hinweise

Film-Zeit über „Der gute Hirte“

Rotten Tomatoes über „Der gute Hirte“

Wikipedia über „Der gute Hirte“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Die John-le-Carré-Verfilmung „The Night Manager“

Mai 4, 2016

John le Carrés Roman „Der Nachtmanager“ (The Night Manager) erschien 1993 und war sein erster Roman in der nach dem Ende des Kalten Krieges spielenden Welt. Er erzählte die Geschichte eines Hotelportiers, der, vom britischen Geheimdienst rekrutiert und mit einer neuen Identität ausgestattet, in eine undurchsichtige Geschichte von Kokain- und Waffenhandel, höchst illegal, global und tödlich, verwickelt wird.

Der Roman, der mir damals gut gefiel, war ein Beleg dafür, dass der Spionageroman nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja die Weltpolitik und das Genre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestimmte, immer noch relevant ist. Schließlich gab und gibt es weiterhin Geheimdienste und Spionage.

Über eine Verfilmung wurde seit dem Erscheinen immer wieder gesprochen, aber alle Pläne zerschlugen sich. Auch Hugh Laurie bemühte sich, wie er im Bonusmaterial von „The Night Manager“ sagt, um die Verfilmungsrechte.

Ein Grund für die gescheiterten Verfilmungspläne war, so hieß es, dass die Handlung des gut sechshundertseitigen Romans unmöglich in einem Zwei-Stunden-Film erzählt werden könne. Entsprechend folgerichtig ist dann auch die Entscheidung, den Roman nicht als Spielfilm, sondern – wie es jetzt geschah – als sechsstündige Miniserie zu verfilmen, die ihre TV-Premiere in England im BBC als Sechsteiler hatte und die bei uns auf DVD und bei Amazon Prime als Achtteiler verfügbar ist. Die einzelnen Folgen sind in dieser Schnittfassung, wie wir es von US-Serien gewohnt sind, jeweils knapp 45 Minuten. An der Gesamtlänge ändert sich nichts. Auch nicht an der langsamen Erzählweise, die sich mehr auf psychologische Entwicklungen und Stimmungen und weniger auf Action und das zügige Abhaken von Plot-Points oder überraschender Wendungen konzentriert.

In den ersten beiden Episoden entwickelt sich die Geschichte langsam und, auch wenn sich die Geschichte konstant vorwärts bewegt, hätte man ohne Mühe viel streichen können. Denn Drehbuchautor David Farr („Spooks“, „Wer ist Hanna?“) und Regisseurin Susanne Bier, die bislang, abgesehen von einem TV-Film, ausschließlich für das Kino arbeitete, erzählen die Geschichte ziemlich detailverliebt und in dem Wissen, dass sie viel Zeit haben.

Deshalb ist die erste Episode eigentlich nur das Vorspiel für die in der Gegenwart spielende Geschichte: In Kairo im Januar 2011, während des Arabischen Frühlings, vertraut Sophie Alekan, die Geliebte des Hotelbesitzers Freddie Hamid, Spross einer reichen und mächtigen ägyptischen Familie, dem immer britisch-höflichen Nachtmanager des Nobelhotels, Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Papiere über einen illegalen Waffenhandel zwischen Hamid und Richard Onslow Roper (Hugh Laurie) an. Der Brite Roper ist ein internationaler Waffenhändler, den der britische Geheimdienst gerne überführen würde. In Kairo laufen die Dinge so aus dem Ruder, dass Sophie Alekan am Ende tot ist.

Vier Jahre später arbeitet Pine im schweizerischen Zermatt in einem anderen Nobelhotel. Als Roper mit seinem Gefolge dort als Gast auftaucht, beginnt Pine hinter ihm her zu spionieren. Und er kontaktiert wieder den britischen Geheimdienst. Die Anti-Korruptions-Agentin Angela Burr (Olivia Colman), die Pine in Kairo vor dem Attentat auf Sophie Alekan warnte und um Hilfe bat, kann den Ex-Soldaten überzeugen, sich in einem gefährlichen Undercover-Einsatz bei Roper einzuschleichen.

Das gelingt Pine dann auch in der dritten Episode, als er bei einem Feier von Roper und seinen Freunden in einem Restaurant auf Mallorca einen vom Geheimdienst initiierten Überfall mit anschließender Geiselnahme verhindert und dafür von den Geiselnehmern übel zusammengeschlagen wird. Roper lässt ihn auf seinem Anwesen pflegen und, nach einer ausführlichen Überprüfung, nimmt er Pine in seine Entourage auf. Denn nach der Geheimdienstlegende ist Pine ein skrupelloser, international gesuchter Verbrecher und eine solche Person kann Rober immer gebrauchen.

In den folgenden Episoden taucht Pine immer tiefer in das Leben von Roper ein. Wobei er sich nie sicher sein kann, wann seine Legende auffliegt. Denn nicht jeder von Ropers Gefolgsleuten vertraut ihm und dass Ropers Geliebte sich in ihn verliebt, verkompliziert den ohnehin gefährlichen Undercover-Einsatz.

Gleichzeitig kämpft Burr, die im Roman ein Mann, im Film eine hochschwangere Frau ist (Olivia Colman war wirklich schwanger), gegen Intrigen im Geheimdienst, die ihre sowieso ungeliebte Abteilung und den ganzen, vollkommen geheim gehaltenen Einsatz von Pine gefährden könnten.

Le Carrés Geschichte, die für die Miniserie in die Gegenwart verlegt wurde, hat keine großen Überraschungen. Entsprechend erahnbar ist das Ende und nervenzerfetzende Spannung ist etwas, das man in anderen Filmen findet.

Aber die Besetzung ist gut und man will wissen, wie die doch recht betulich erzählte Geschichte sich weiter entwickelt und wie die Konfrontation zwischen dem Nachtmanager und dem Waffenhändler, der erst ab der dritten Episode mehr Screentime hat, endet.

Insgesamt ist „The Night Manager“ eine weitere sehenswerte John-le-Carré-Verfilmung.

Im Kino läuft schon am 7. Juli mit „Verräter wie wir“ die nächste le-Carré-Verfilmung an.

Inszeniert von Susanna White, nach einem Drehbuch von Hossein Amini, mit

Ewan McGregor, Damian Lewis, Stellan Skarsgård, Naomie Harris, Mark Stanley und Mark Gatiss.

Die „The Night Manager“-DVD und Blu-ray haben als Bonusmaterial fünfzig Minuten Interviews mit Hugh Laurie, Tom Hiddleston, Elizabeth Debicki, Olivia Colman, Alistair Petri, John le Carré, Susanne Bier, Rob Bullock (Produzent), Simon Cornwell (Produzent), Stephen Garrett (Ausführender Produzent) und Matthew Patnick (Produktionsleiter) und ein reines Werbe-Featurette von der Premiere in Berlin, in dem alle Beteiligten, auf dem roten Teppich, begeistert von der Miniserie sind.

Ach ja: Der Miniauftritt von John le Carré ist in der fünften Episode in der einundzwanzigsten Minute. Er ist der Gast in einem Nobelrestaurant, das von Roper und seinem Gefolge besucht wird.

The Night Manager - Plakat

The Night Manager (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: David Farr

LV: John le Carré: The Night Manager, 1993 (Der Nachtmanager)

mit Tom Hiddleston (Jonathan Pine), Hugh Laurie (Richard Onslow Roper), Olivia Colman (Angela Burr), Tom Hollander (Corcoran), Elizabeth Debicki (Jed Marshall), Michael Nardone (Frisky), Alistair Petrie (Sandy Langbourne), Hovik Keuchkerian (Tabby), Neil Morrissey (Harry Palfrey)

–

DVD

Concorde Home Entertainment

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews, Featurette: Die Premiere in Berlin

Länge: 338 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

–

Die Vorlage in der aktuellen Ausgabe

Le Carre - Der Nachtmanager

John le Carré: Der Nachtmanager

(übersetzt von Werner Schmitz)

Ullstein 2016

576 Seiten

9,99 Euro

–

Die gebundene Ausgabe erschien bei Kiepenheuer & Witsch; Taschenbuchausgaben bei Heyne und List.

–

Hinweise

Amazon Prime über „The Night Manager“ (direkter Link zur Serie)

Deutsche Homepage zur Serie

Moviepilot über „The Night Manager“

Rotten Tomatoes über „The Night Manager“

Wikipedia über „The Night Manager“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Susanne Biers „Serena“ (Serena, USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Susanne Biers „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016)


DVD-Kritik: „The Trust – Big Trouble in Sin City“ für zwei Cops auf Abwegen

Mai 4, 2016

Jim Stone (Nicolas Cage) und David Waters (Elijah Wood) sind Polizisten in der Beweismittelabteilung der Polizei von Las Vegas und damit stehen sie in der polizeilichen Hierarchie ziemlich weit unten. Als Stone eine Quittung entdeckt, nach der die erstaunlich hohe Kaution von 200.000 Dollar für einen kleinen Gangster bar bezahlt wurde, wird er neugierig.

Nach einigen Erkundungen über den Gangster und sein Umfeld wittert er die Chance auf den Jackpot. Denn in einem Lebensmittelladen entdeckt er einen großen Safe, der dort nicht stehen sollte und der aufgrund des Kundenverkehrs in dem Laden gut mit Drogengeld gefüllt sein sollte.

Gemeinsam mit seinem Kumpel Waters will er den Safe in schönster „Rififi“-Manier öffnen. Weil Stone und Waters keine Einbrecher und keine Safeknacker sind, gestaltet sich schon die Vorbereitung schwierig. Als sie dann den Safe aus einer darüber liegenden Wohnung aufbrechen wollen, stoßen sie auf ein Pärchen. Ihn erschießt Stone. Sie (Sky Ferreira) wird im Badezimmer angekettet.

Dank der Besetzung – Nicolas Cage, Elijah Wood und Jerry Lewis (eigentlich nur ein langer Cameoauftritt, den er für seinen Freund Cage absolvierte) – und dank einiger einfallsreicher Sequenzen und eines durchgehend mild ironischen Tonfalls ist „The Trust“ ein netter kleiner, durchaus kurzweiliger, nie besonders aufregender Gangsterfilm geworden, der zwei ungewöhnliche Safeknacker bei ihrem ersten und letztem großen Verbrechen zeigt. Echte Überraschungen und auch Konflikte, die über das Trio im Apartment hinausgehen, fehlen. Die Story konzentriert sich auf die beiden Polizisten, die Vorbereitungen und den Einbruch.

Immer wieder irritierend in diesem Gangsterfilm ist allerdings Nicolas Cage, der Jim Stone als latent unzurechnungsfähige Nervensäge spielt. Da hätten die beiden Regisseure Ben und Alex Brewer den Star, der so dem Film einen bizarren Stempel aufdrückt, bremsen müssen.

The Trust - Cover

The Trust – Big Trouble in Sin City (The Trust, USA 2016)

Regie: Ben Brewer, Alex Brewer

Drehbuch: Ben Brewer, Adam Hirsch

mit Nicolas Cage, Elijah Wood, Sky Ferreira, Jerry Lewis

–

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,85:1 (16:9 Anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Nicolas Cage, Elijah Wood und Sky Ferreira, Trailer, Wendecover

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „The Trust“

Metacritic über „The Trust“

Rotten Tomatoes über „The Trust“

Wikipedia über „The Trust“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Mai: Einsatz in Hamburg: Rückkehr des Teufels

Mai 4, 2016

ZDFneo, 20.15

Einsatz in Hamburg: Rückkehr des Teufels (Deutschland 2002, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Fabian Thaesler, Lars Becker

Diesen Fall hat Kommissarin Jenny Berlin schnell gelöst: In der Nähe einer in einem Müllcontainer liegenden Frauenleiche wird ein Mann gesehen. Kurz darauf wird er verhaftet. Doch nachdem er sich beim Verhör aus dem Fenster stürzt, zweifelt Berlin. Sie rollt den Fall wieder auf.

Dritter „Einsatz in Hamburg“-Krimi, inszeniert von dem immer zuverlässigen Lars Becker.

Mit Aglaia Szyszkowitz, Hannes Hellmann, Rainer Strecker, Harald Schrott, Christoph Bach, Hans Diehl, Ercan Durmaz, Oliver Franck, Sonja Kirchberger, Jessica Schwarz

Wiederholung: Sonntag, 8. Mai, 23.15 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Einsatz in Hamburg“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Mai: We Are Legion – Die Geschichte der Anonymous-Hacker

Mai 3, 2016

Phoenix, 01.30

We Are Legion – Die Geschichte der Anonymous-Hacker (USA 2012, Regie: Brian Knappenberger)

Drehbuch: Brian Knappenberger

Mitten in der Nacht versteckt Phoenix die TV-Premiere der, wenn man den Kritiken glauben darf, ziemlich gelungenen, spielfilmlangen Doku „We Are Legion“ über Anonymous.

Hinweise

Homepage zum Film

Phoenix über „We Are Legion“

Rotten Tomatoes über „We Are Legion“

Wikipedia über „We Are Legion“


TV-Tipp für den 2. Mai: Elf Uhr nachts

Mai 2, 2016

Arte, 20.15

Elf Uhr nachts (Frankreich/Italien 1965, Regie: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Danach, um 22.00 Uhr,  zeigt Arte „Die Geschichte der Nana S.“, ebenfalls von Jean-Luc Godard, ebenfalls mit Anna Karina, ebenfalls sehenswert – und sogar in der Mediathek.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

Wiederholung: Donnerstag, 6. Mai, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Elf Uhr nachts“

Mordlust über Lionel White

Wikipedia über Lionel White

Wikipedia über „Elf Uhr nachts“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Rezensionen über „Elf Uhr nachts“ (17. November 2009)

Films de France über „Elf Uhr nachts“

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über  Jean-Paul Belmondo


TV-Tipp für den 1. Mai: Der Marshal

Mai 1, 2016

Arte, 20.15

Der Marshal (USA 1969, Regie: Henry Hathaway)

Drehbuch: Marguerite Roberts

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Matti, Der Marshal und die mutige Mattie, True Grit)

Arkansas, 1880: Die 14-jährige Mattie will den Mörder ihres Vaters zur Strecke bringen. Weil sie das allein nicht schafft, überzeugt sie den einäugigen, dem Alkohol verfallenen Marshal Rooster Cogburn dazu, ihr zu helfen.

Der Western-Klassiker mit einem humoristischen Einschlag ist eine gelungene Abhandlung zum Thema Tapferkeit.

Ansonsten hat Joe Hembus alles gesagt: „Das glorreiche Denkmal von Hollywoods Western-Tradition, ein enorm junges, frisches, allumfassendes Werk von drei fetten alten Männern, dem Produzenten Hal B. Wallis, im Western-Geschäft seit 1922, dem Regisseur Henry Hathaway, der seine Karriere 1933 mit Zane-Grey-Verfilmungen begann, und Star John Wayne, der 1930 in The Big Trail debütierte. Die Summe dieser Erfahrungen wird mit einem Elan mobilisiert, den man sonst nur bei Debütfilmen sieht, zugleich mit dem gelassenen Humor, der weiß, dass man nur noch gewinnen kann.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

John Wayne erhielt für diese Rolle seinen einzigen Oscar, einen Golden Globe und einen Laurel Award.

2010 verfilmten die Coen-Brüder den Roman und ihre Version von „True Grit“ ist ebenfalls sehenswert.

mit John Wayne, Kim Darby, Glen Campbell, Robert Duvall, Jeff Corey, Dennis Hopper, Strother Martin

Wiederholungen

Dienstag, 3. Mai, 13.50 Uhr

Mittwoch, 11. Mai, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marshal“

Wikipedia über Charles Portis, den Roman und die Verfilmung

Nicht-Offizielle Charles-Portis-Seite

Meine Besprechung von Charles Portis‘ „True Grit“ (True Grit, 1968)


TV-Tipp für den 30. April: Good Kill – Tod aus der Luft

April 30, 2016

ZDFneo, 20.15
Good Kill – Tod aus der Luft (USA 2015, Regie: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
Ruhiges, äußerst intensives Drama über die Gewissenskonflikte von einem Ex-Kampfpiloten (Ethan Hawke), der jetzt Drohnenpilot ist und, wie viele Kollegen, seelische Probleme mit dem Töten per Drohne und seinem normalen Leben, nach Feierabend, in Las Vegas (das hätte Hollywood sich nicht besser ausdenken können: die echten Basen sind in der Nähe des Spielerparadieses) hat.
Das Drehbuch ist straff und facettenreich (auch wenn das Militär etwas nachdenklicher, selbtreflexiver und vernünftiger rüberkommt, als es wohl in der Realität der Fall ist), die Schauspieler überzeugend, und Andrew Niccol („Gattaca“, „Lord of War“, beide ebenfalls mit Hawke) zeigt nach dem Totalausfall „Seelen“, dass er nichts verlernt hat. Für einen Kinostart hat es trotzdem nicht gereicht und der Film (es ist der erste Spielfilm über den Drohnenkrieg) ist aufklärerisch im besten Sinne. Unbedingt sehenswert!
Mit Ethan Hawke, Zoë Kravitz, January Jones, Bruce Greenwood, Jake Abel, Dylan Kenin
Wiederholung: Sonntag, 1. Mai, 01.15 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Good Kill“
Metacritic über „Good Kill“
Rotten Tomatoes über „Good Kill“
Wikipedia über „Good Kill“
Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013)
Andrew Niccol in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Bauernopfer – Spiel der Könige“, Kampf der Systeme 1972 in Island

April 29, 2016

Schach im Fernsehen? Heute gibt es so etwas vielleicht in irgendeinem Sportkanal, der halt sein Programm füllen muss. Früher war Schach auch nicht das Material für die samstägliche Sportschau. Aber 1972 gab es das Schachduell zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky, das auch im Fernsehen übertragen wurde und eine weltweite Schachbegeisterung auslöste.

„Bauernopfer – Spiel der Könige“ von Edward Zwick („Blood Diamond“), nach einem straffen Drehbuch von Steven Knight („Eastern Promises“, „Madama Mallory und der Duft von Curry“), erzählt jetzt, nah an den Fakten, die Geschichte von diesem Schachduell, das auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, auch ein Kampf der Systeme war. Und es ist ein Biopic über Bobby Fischer (1943 – 2008), das sich auf die 1972er Schach-Weltmeisterschaft in Reykjavik, Island, und die Jahre davor konzentriert. Das spätere Leben von Bobby Fischer, das, höflich formuliert, nicht unproblematisch war, wird dann in einigen Texttafeln abgehandelt, während wir Bobby Fischer auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn verlassen.

Bis dahin erleben wir einen spannenden Film über einen hochintelligenten Menschen, der schon früh ein erfolgreicher Schachspieler war und der sein ganzes Leben auf das Spiel konzentrierte, weshalb er auch gegen jede Ablenkung, egal ob echt oder nur gefühlt, harsch vorging. Schon in den Sechzigern war er in den USA als Schachgenie bekannt. Seine Anti-Establishment-Haltung half. Er wird, nachdem seine Mutter als Teil der jüdisch-kommunistischen Gemeinschaft in Brooklyn in den Fünfzigern vom FBI überwacht wurde, zunehmend paranoid. Er fühlt sich ständig beobachtet. Er fühlt sich von Kameras, die damals lauter als heute waren, und dem Publikum in seiner Konzentration gestört und er setzte bei den Turnieren seine Wünsche nach Ruhe und einer entsprechenden Gestaltung der Räume gnadenlos durch.

Gleichzeitig wird das Spiel und die 1972er Schach-Weltmeister zu einem Duell der Systeme hochgejazzt. So als könnte der Kalte Krieg am Schachbrett besiegt werden (Sylvester Stallone tat es einige Jahre später in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ im Boxring). Damals war Fischer gut genug, um die jahrzehntelange Dominanz der Sowjetunion im Schach brechen zu können. Außerdem waren, nach einem erzürnten Artikel von Fischer, die Regeln, die von der Sowjetunion zu ihrem Vorteil ausgelegt wurden, geändert worden. Jetzt hatte Fischer eine Chance, den Titel zu gewinnen.

Edward Zwick inszenierte diese Geschichte als Schauspielerkino, das sich auf das Drehbuch und sein Ensemble verlässt. „Spider Man“ Tobey Maguire überzeugt als zunehmend paranoides Schachgenie Bobby Fischer. Liev Schreiber als von der Sowjetunion geförderter Schachspieler Boris Spassky, der am Schachbrett die Überlegenheit des Kommunismus demonstrieren soll, ist ein ebenbürtiger Gegner, der fast während des gesamten Film nichts sagt. Gerade dadurch wirkt er noch bedrohlicher.

Am Ende der faszinierenden Charakterstudie hat man zwar nichts gelernt, was einem beim nächsten Schachspiel hilft (soweit man überhaupt die Bedeutung der Schachfiguren kennt), aber man hat einen ebenso spannenden, wie lehrreichen Ausflug in die Vergangenheit gemacht, als jeder wusste, wer die Guten und wer die Bösen sind.

PawnSacrifice_Plakat_A3.indd

Bauernopfer – Spiel der Könige (Pawn Sacrifice, USA 2014)

Regie: Edward Zwick

Drehbuch: Steven Knight

mit Tobey Maguire, Liev Schreiber, Peter Sarsgaard, Michael Stuhlbarg, Edward Zinoviev, Alexandre Gorchkov, Lily Rabe, Robin Weigert, Seamus Davey-Fitzpatrick, Aiden Lovekamp, Sophie Nelisse

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bauernopfer“

Metacritic über „Bauernopfer“

Rotten Tomatoes über „Bauernopfer“

Wikipedia über „Bauernopfer“ (englisch)

History vs. Hollywood über „Bauernopfer“ (der Faktencheck)

–

Die ersten 73 Minuten der 93-minütigen Doku „Zug um Zug in den Wahnsinn“ (The World against Bobby Fischer, 2011) von Liz Garbus über Bobby Fischer


Neu im Kino/Filmkritik: „Ich bin tot, macht was draus!“ Ihr erfolglosen Rocker.

April 29, 2016

Das ist eine Ansage: „Ich bin tot, macht was draus!“

Sie kommt allerdings nicht von Jipé, denn der ist ja tot. Nach einem Konzert stürzte der Sänger der seit Ewigkeiten erfolglosen Rockband „Grand Ours“ unglücklich in eine Baugrube, während seine Bandkollegen gerade kenntnisreich die Köstlichkeiten einer Imbissbude ausprobierten.

Danach ist eigentlich das Ende der Band besiegelt. Immerhin ist der Sänger tot. Aber in wenigen Tagen soll ihre erste Tour durch die USA beginnen und die könnte, wie sie in grandioser Realitätsleugnung glauben, ihr großer Durchbruch sein. Außerdem wollte Jipé schon immer in die USA und ein Tod bedeutet nicht unbedingt das Ende. Also wird die Asche von Jipé in einer comedyreifen und wenig geplanten Aktion gestohlen und illegal in die USA gebracht.

Dort beginnt für die dysfunktional-funktionale Band eine wahre Odyssee, die, wie der gesamte Film, nicht der Dramaturgie eines Spielfilms gehorcht. Auch nicht der Dramaturgie eines knackigen Zwei-Minuten-Rocksongs, sondern der des Talking Blues gehorcht, wie Arlo Guthries „Alice’s Restaurant Massacree“ (der als „Alice’s Restaurant“ verfilmt wurde), um nur einen episch vor sich hin mäandernden Song zu nennen. Es ist eine Abfolge mehr oder weniger absurder Begebenheiten, in der unfreiwillig und oft den Umständen geschuldet, die Asche von Jipé über das Land verteilt wird. Schließlich geht es in dem Film auch um Verlust und die Frage, wie man mit dem Tod eines geliebten Menschen umgeht und wie man die Realität akzeptiert, ohne die Realität zu akzeptieren, weil ein echter Rock’n’Roller niemals aufgibt.

„Ich bin tot, macht was draus!“ hat auch etwas von einem Helge-Schneider-Witz, der nicht auf eine Schlusspointe angelegt ist.

Wer damit leben kann, wird bei „Ich bin tot, macht was draus!“ seinen Spaß haben.

Ich hatte ihn.

Ich bin tot macht was draus - Plakat

Ich bin tot, macht was draus! (Je suis mort, mais j’ai des amis, Belgien/Frankreich 2015)

Regie: Guillaume Malandrin, Stéphane Malandrin

Drehbuch: Guillaume Malandrin, Stéphane Malandrin

mit Bouli Lanners, Wim Willaert, Lyse Salem, Serge Riaboukine, Eddy Leduc, Jacky Lambert, Marie-Renée André

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

 

Moviepilot über „Ich bin tot, macht was draus!“

Rotten Tomatoes über „Ich bin tot, macht was draus!“

Wikipedia über „Ich bin tot, macht was draus!“ (englisch, französisch, niederländisch)


TV-Tipp für den 29. April: Nur noch 72 Stunden

April 29, 2016

3sat, 22.35

Nur noch 72 Stunden (USA 1967, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Henri Simoun (Pseudonym von Howard Rodman), Abraham Polonsky

LV: Richard Dougherty: The Commissioner, 1962

Ein Gangster kann mit Madigans Dienstwaffe entkommen. Der Commissioner gibt Madigan und Bonara 72 Stunden, die Waffe wieder zu finden.

Harter, düsterer Polizeithriller

„Es ist eine realistische Annäherung an das, was ohne Zweifel stattfindet…Es gibt eine Menge Bullen wie die, die dir sofort ins Gesicht schlagen, wenn sie glauben, auf diese Weise eine Antwort von dir zu bekommen. Sie würden keine zwei Sekunden nachdenken. Ihre brutale Arbeit macht sie brutal…Und sie wissen nicht, dass sie etwas Grausames getan haben. Sie reden mit mir und ich bin ihr Freund. Das erschreckt mich.“ (Don Siegel, in Alan Lovell: Don Siegel)

Mit Richard Widmark, Henry Fonda, Inger Stevens, Harry Guardino, James Whitmore, Susan Clark, Michael Dunn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Nur noch 72 Stunden“

Wikipedia über „Nur noch 72 Stunden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Neu im Kino/Filmkritik: „The First Avenger: Civil War“ – mal wieder munteres Superheldengekloppe

April 28, 2016

Fast alle aus den vorherigen Avengers-Filmen bekannten Charaktere sind wieder dabei. Ergänzt um einige Neuzugänge wie Black Panther und Spider Man, die in den kommenden Jahren im Marvel Cinematic Universe, der erzählerischen Klammer der Marvel-Filme, eine größere Rolle bekommen sollen. Einzelfilme inclusive.

Die Kloppereien sind gewohnt episch und dieses Mal kämpfen sie wieder gegeneinander. Der Grund dafür ist etwas kompliziert.

Nachdem bei ihren vorherigen Aktionen einiges zu Bruch ging und es auch etliche Kollateralschäden gab, sollen in „The First Avenger: Civil War“ die freischaffend und von niemandem kontrollierten Avengers unter eine UN/US-Aufsicht gestellt werden. Ihr Handeln soll kontrolliert werden. Sie sollen Befehlsempfänger werden. Dann dürfen sie weitermachen. Falls jemand von ihnen dieses Angebot ablehnt, so erklärt ihnen ihr künftiger Chef, General Ross, soll er als Gesetzloser verfolgt werden. Einige der Avengers halten das für eine gute Idee. Einige nicht.

Und dann gibt es noch die Bedrohung durch den Winter Soldier, einer im Ostblock hochgezüchteten Kampfmaschine, die in Wirklichkeit Bucky Barnes, der Jugendfreund von Captain America Steve Rogers ist. Captain America war immer das golden glänzende patriotisch-aufrechte Herz der USA. Zunächst kämpfte der All-American-Boy gegen Nazis. Später gegen andere, nicht minder böse Bösewichter.

Bucky wird, wenn ihm eine bestimmte Abfolge von Worten gesagt wird, zu einer eiskalten Killermaschine, die sich danach nicht an ihre Taten erinnert. Weil einige seiner Taten den Weltfrieden gefährden, sollen die Avengers ihn aufhalten. Tot oder lebendig.

Steve glaubt allerdings, dass Bucky unschuldig ist.

Und dann ist da noch Baron Zemo, ein geheimnisvoller Bösewicht, der den Winter Soldier für seine Ziele einspannen will. Er hat sogar ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten. Weil wir das erst am Ende von „Civil War“ erfahren, ist er bis dahin einfach nur ein gefährlicher Bösewicht, der im Film nur die Aufgabe hat, etwas Böses zu tun, damit die Avengers sich gegenseitig verkloppen. Wie in den anderen Marvel-Filmen ist auch in „Civil War“ der Bösewicht blass. Dabei hätten die Macher dieses Mal einen einprägsamen Bösewicht schaffen könne. Aber vielleicht darf Baron Zemo in einem weiteren Marvel-Film auftreten. Dann als vollwertiger Gegner der Avengers.

Im Mittelpunkt von „Civil War“ steht nämlich der episch ausgebreitete Kampf der Avengers gegeneinander und so flott, unterhaltsam und auch witzig der über zweistündige Film ist, so unbefriedigend ist die auch in diesem Superheldenfilm geführte Diskussion über Verantwortung, die kaum das Niveau einer gepflegten Kaffeekonversation erreicht. Anstatt sich in tiefere moralphilosophische Diskussion zu wagen, den Utilitarismus zu problematisieren, die Frage zu diskutieren, ob der Zweck die Mittel heiligt, ob man durch sein Handeln erst die Probleme schafft, die dann mühselig beseitigt werden müssen und über die Verantwortung des Einzelnen für sein Handeln zu reden, wird einfach, wieder einmal, auf Grundschulniveau erklärt, dass man tat, was man tun musste.

Nachdem das Thema in einem Gespräch abgehandelt wurde – der Film ist sowieso sehr redselig -, teilen sich die Avengers in zwei Gruppen auf, die in ihrer Zusammensetzung nie besonders glaubwürdig wirken. Da soll auf der einen Seite der egozentrische, niemand gehorchende Milliardär und notorische Unruhestifter Tony Stark (aka Iron Man) sich plötzlich zum fügsamen Befehlsempfänger wandeln, weil er nach dem Kampf gegen Ultron über sein Handeln nachdachte. Auf der anderen Seite steht der immer folgsame Soldat Captain America. Steve Rogers. Der niemals an seinen Vorgesetzten und der US-Regierung zweifelnde Befehlsempfänger, soll jetzt den Befehl verweigern. Er will nämlich keine Befehle von einer neu gegründeten, ihn und die Avengers beaufsichtigende und auch mit Aufträgen versehenden Behörde erhalten. Die könnte sich ja irren. Deshalb will er vollkommen unkontrolliert arbeiten. Das wirkt nie besonders glaubwürdig. Auch nicht durch die nachgeschobene Erklärung, dass er eigentlich nur seinem Jugendfreund helfen will.

Genauso bemüht wie die Begründung für die Teilung der Avengers in zwei sich bekämpfende Gruppen, ist dann der sich zwischen ihnen entwickelnde Kampf, der an ihrer Intelligenz und über mehrere Filme und gemeinsame Kämpfe gegen etliche Bösewichter gewachsene Freundschaft zweifeln lässt. Anstatt miteinander zu reden, wird sich gekloppt in einer niemals auch nur halbwegs glaubwürdigen, dafür unnötig verkomplizierten Geschichte, die eher pointillistisch nach ihren Schauwerten zusammengefügt ist. Wegen des Humors und dem durchgehend spielfreudigem Ensemble fällt das dann gar nicht so sehr auf.

Und als Berliner freut man sich über die zahlreichen Berlin-Aufnahmen, in denen die Gegend um das ICC und den Bundestag ausführlich und auch gut erkennbar gezeigt werden.

null

The First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War, USA 2016)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Anthony Mackie, Sebastian Stan, Paul Rudd, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Scarlett Johannsson, Don Cheadle, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Emily VanCamp, Tom Holland, Daniel Brühl, Frank Grillo, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei, Stan Lee (selbstverständlich)

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The First Avenger: Civil War“

Metacritic über „The First Avenger: Civil War“

Rotten Tomatoes über „The First Avenger: Civil War“

Wikipedia über „The First Avenger: Civil War“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

–

Die europäische Pressekonferenz mit dem Avengers-Team, Kevin Feige, Anthony und Joe Russo


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Tom Tykwers Dave-Eggers-Verfilmung „Ein Hologramm für den König“, mit Tom Hanks

April 28, 2016

Tom Tykwers neuer Film beginnt mit einer aktualisierten Version des „Talking Heads“-Klassikers „Once in a Lifetime“, gesungen von Tom Hanks, präsentiert in schönster Musikvideoclip-Optik, und innerhalb weniger Minuten erfahren wir alles wichtige über den Protagonisten.

Alan Clay (Tom Hanks) ist Vertreter und er soll jetzt in Saudi-Arabien dem König ein neues Telefonsystem für eine Stadt, die er in der Wüste errichten will, verkaufen. Der Clou bei dem Telefonsystem ist, dass man dank einer neuen Hologramm-Technik glaubt, der Gesprächspartner befinde sich im gleichen Raum. Clay will den Handel unbedingt abschließen und so seinen drohenden Ruin abwenden. Mit etwas Glück ist dann auch die Uni-Ausbildung seiner Tochter und seine Altersversorgung gesichert.

Aber die Produktpräsentation verzögert sich. Denn König Abdullah kommt nicht und niemand weiß, wann er kommen wird.

Bis dahin muss die Zeit tot geschlagen werden.

Diesen Stillstand beschrieb Dave Eggers in seinem episodischem Roman „Ein Hologramm für den König“ und Tom Tykwer folgt weitgehend den Episoden des Romans, allerdings in einem witzigerem Tonfall. So wartet Clay mit seinen wesentlich jüngeren Mitarbeitern, die für die technische Seite der Präsentation zuständig sind, im Zelt ohne WLAN und ohne Klimaanlage auf den König. Er erkundet die sich noch im Bau befindende, auf dem Reißbrett geplante Millionenstadt King Abdullah Economic City, von der in den letzten Jahren nur ein Empfangsgebäude und ein, zwei Miethäuser (inclusive einer in dem Rohbau schon luxuriös hergerichteten Wohnung) fertiggestellt wurden. Er hat flüchtigen Kontakt zu einer dänischen Angestellten, die ihn mit Alkohol versorgt und auf eine Party in der dänischen Botschaft einlädt, auf der es auch andere Drogen gibt. Er lässt sich von Yousef zur Wüstenstadt fahren und unterhält sich mit ihm. Er lernt, nachdem er betrunken versuchte, ein Geschwulst von seinem Rücken zu entfernte, die Ärztin Zahra Hakem kennen.

Das alles findet sich auch in Dave Eggers eher spröde geschriebenem Roman. Tom Tykwer erzählt diese Begebenheiten witziger und visuell ansprechend. Wobei natürlich schon das Bild eines verloren in der Wüste stehenden Bürogebäudes einen eigenen, absurden Reiz entfaltet. Tom Hanks, mit dem Tykwer schon bei „Cloud Atlas“ zusammenarbeitete, ist die perfekte Verkörperung dieses absolut durchschnittlichen Vertreters, der immer noch versucht, an den amerikanischen Traum zu glauben. Stand-Up-Comedian Alexander Black ist eine Entdeckung. Der Debütant spielt Clays Fahrer Yousef und man weiß nie, wie zurechnungsfähig er ist. Entsprechend witzig sind ihre gemeinsamen Szenen.

Im dritten Akt beschreitet Tykwer dann eigene Wege. Plötzlich und arg unvermittelt steht die bis dahin noch nicht einmal angedeutete Liebesgeschichte zwischen Clay und Zahra im Mittelpunkt. Aus der milden Satire auf die Wirtschaftswelt, in der der Westen als Bittsteller im Nahen Osten auftaucht und Saudi-Arabien in all seinen Widersprüchen gezeigt wird, wird ein kitschiger Liebesfilm, eine Romanze, in der heftig E-Mails ausgetauscht, gemeinsam im Meer gebadet und geknutscht wird als seien die Mittfünfziger Teenager.

Dieser Bruch in der Erzählung, die dem geschiedenen Verkäufer Clay während seines Wartens auf den König plötzlich eine neue Lebensperspektive eröffnet, funktioniert allerdings nicht wirklich. Die Liebesgeschichte passt nicht zum vorherigen Film. Sie wirkt wie der verzweifelte Versuch, die Beschreibung eines Stillstandes zu einem Ende zu bringen, das befriedigender als das abrupte Ende in Dave Eggers‘ Roman ist.

Bis dahin ist „Ein Hologramm für den König“ eine eher leichtgewichtige Business-Komödie, die, trotz deutscher Geldgeber und dreier Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, nie wie ein deutscher Film wirkt. Und Tykwers Ende der Geschichte von Alan Clay ist auch besser als Eggers‘ Ende.

Ein Hologramm für den König - Plakat

Ein Hologramm für den König (Deutschland/Großbritannien 2016)

Regie: Tom Tykwer

Drehbuch: Tom Tykwer

LV: Dave Eggers: A Hologramm for the King, 2012 (Ein Hologramm für den König)

mit Tom Hanks, Alexander Black, Sarita Choudhury, Sidse Babett Knudsen, Tom Skerritt, David Menkin, Megan Maczko, Christy Meyer, Ben Whishaw

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Die Vorlage

Eggers - Ein Hologramm für den KönigEggers - Ein Hologramm für den König - HC

Dave Eggers: Ein Hologramm für den König

(übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann)

KiWi, 2014

352 Seiten

9,99 Euro

–

Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer & Witsch, 2013

–

Originalausgabe

A Hologramm for the King

McSweeney’s, 2012

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Ein Hologramm für den König“

Moviepilot über „Ein Hologramm für den König“

Metacritic über „Ein Hologramm für den König“

Rotten Tomatoes über „Ein Hologramm für den König“

Wikipedia über „Ein Hologramm für den König“ (deutsch, englisch) und Dave Eggers

Homepage von Dave Eggers

Perlentaucher über Dave Eggers‘ „Ein Hologramm für den König“

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)

–

Ein aktuelles Gespräch mit Tom Tykwer, Sarita Choudhury und Alexander Black über den Film