Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)
USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.
Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.
mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg
LV: Topps Company: 55-teilige Sammelkartenserie aus den Sechzigern (Neuauflage 1994)
Außerirdische besuchen die Erde. Der Präsident und einige Wissenschaftler glauben an ein friedliches Zusammenleben der Welten, aber die Marsmenschen wollen einfach nur alles kaputtmachen.
Schön schräge, respektlose Satire und Liebeserklärung an die S-F-Filme der Fünfziger. Burtons Werk wurde damals als Gegenentwurf zu dem patriotisch-ironiefreien Roland Emmerich-Werk „Independence Day“ gesehen. Einmal dürfen sie raten, welcher Film der bessere ist. Und einmal, welcher Film das bessere Einspielergebnis hat.
„Eine der kompromisslosesten Demontagen des Hollywood-Kinos.
Zuerst wären da die Schauspieler zu nennen, eine Crew voller Berühmtheiten, denen nacheinander Schreckliches passiert: Sie alle scheiden in kürzester Zeit dahin, sterben einen wenig ruhmreichen Tod. (…) Mars Attacks! Karikiert nicht nur die patriotische, militaristische Variante des Invasionsfilms, sondern auch die ‚liberale’ Spielart, die den Außerirdischen mit pazifistisch und neuerdings esoterisch motiviertem Wohlwollen begegnet.“ (Helmuth Merschmann: Tim Burton)
Mit Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones (als er selbst), Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Sylvia Sidney, Pam Grier, Joe Don Baker, Christina Applegate, Jerzy Skolimonkski (Regisseur, als Dr. Zeigler), Barbet Schroeder (Regisseur, als französischer Präsident),
LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)
Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.
Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)
Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.
Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“
Immer Ärger mit Harry (USA 1955, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes
LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949
Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.
Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt
Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers
Tele 5, 18.35 The Purple Rose of Cairo (USA 1985, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Cecilia findet im Amerika der Depression nur im Kino Zuflucht. Täglich versinkt sie in die heile Welt der Boulevardkomödie “The Purple Rose of Cairo”. Bei einer Vorstellung fällt der von ihr bewunderte Held Tom Baxter aus der Rolle und steigt von der Leinwand herab zu ihr in den Kinosaal. Das führt zu einigen Problemen.
„The Purple Rose of Cairo“ ist ein, dank fehlender TV-Ausstrahlungen, inzwischen wohl ziemlich unbekannter Allen-Klassiker. Die wunderschöne Komödie ist einer der wenigen Filme bei denen Allen nur hinter der Kamera stand. Sie wurde von der Kritik gelobt und erhielt zahlreiche Preise. Denn Allen hat „eine virtuose Filmkomödie über das Kino gemacht. Eine Hommage, wie es sie noch nicht gegeben hat und die Maßstäbe setzt. Die Desillusionierung der Traumwelt gerät Allen derart faszinierend perfekt, dass am Ende das Kino doch wieder über den Zuschauer triumphiert: Ähnlich wie Cecilia kann man ‚The Purple Rose of Cairo’ gar nicht oft genug sehen.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Davor, um 15.05 Uhr, gibt es „Woody Allen: A Documentary (Director’s Cut)“ (USA 2011); die TV-Premiere der TV-Fassung der sehenswerten Doku über Woody Allen, die im Kino in einer kürzeren Fassung lief.
Danach, um 20.15 Uhr und 01.35 Uhr, gibt es mit „Scoop – Der Knüller“ einen weiteren Film von und mit Woody Allen. Scarlett Johansson ist auch dabei.
Mit Mia Farrow, Jeff Daniels, Danny Aiello, Stephanie Farrow, Dianne Wiest, Van Johnson Wiederholung: Montag, 7. Dezember, 03.15 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „The Purple Rose of Cairo“
Wikipedia über „The Purple Rose of Cairo“ (deutsch,englisch)
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (Großbritannien/USA/Kanada 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Wiederholung: Donnerstag, 9. Dezember, Eins Plus, 22.15 Uhr
Seitdem es immer mehr Fertiggerichte gibt, die immer mehr gekauft werden und wir immer weniger Zeit in der Küche und beim Essen verbringen, gibt es im Fernsehen immer mehr Kochsendungen und im Kino Kochfilme, in denen Essen hungrig machend präsentiert wird. Es gibt auch einen Kult um die Ein-, Zwei- und Drei-Sterne-Michelin-Küche, die auch in Berlin (wo die Sterne-Küche sehr günstig sein soll) eigentlich erst im dreistelligen Euro-Bereich beginnt. Ohne Getränke.
Auch in „Im Rausch der Sterne“, der neue Film von John Wells („Im August in Osage County“), nach einem Drehbuch von Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „Peaky Blinders“), der schon in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ zeigte, dass er die geschriebene Vorlage für einen kulinarischen Film liefern kann, dreht sich alles um das richtige Zubereiten von teuren Gerichten.
Adam Jones (Bradley Cooper) war in Paris ein Starkoch, bis einige Dinge geschahen, die für uns niemals vollständig aufgeklärt werden, die aber etwas mit Frauen, Drogen, Schulden und Kontakten zur Mafia zu tun haben und die seine Karriere ruinierten. Nachdem er in Louisiana eine selbst auferlegte Bußzeit absolvierte und dem Frauen- und Drogenkonsum abschwor, kehrt er mit seinem gewohnt großen Ego zurück in die Welt der Spitzenköche. In London will er im Nobelhotel Langham, das von Tony (Daniel Brühl, gewohnt überzeugend) geführt wird, wieder als Koch arbeiten und möglichst schnell seinen dritten Stern bekommen.
Also versammelt er eine Mannschaft begnadeter Köche, die er teils von früher kennt, um sich herum, es gibt etwas Liebestrouble mit der Köchin Helene (Sienna Miller als alleinerziehende Mutter) und es wird viel gekocht. Weshalb John Wells immer wieder hübsch drapierte kleine Portionen auf großen Tellern zeigt und die Schauspieler fluchend Essen durch den Raum werfen lässt. Sowieso herrscht ein rechter Kasernenhofton in der Nobelküche.
„Im Rausch der Sterne“ erfindet das Genre des Kochfilms nicht neu und ohne die durchgehend liebenswerten Schauspieler, die öfter nur kleinste Auftritte haben, wäre Wells‘ Film eine arg beliebige und unkritische Geschichte über das Leben eines ehrgeizigen und arroganten Sternekochs und seiner Sucht nach dem nächsten Michelin-Stern, den er vor allem deshalb verdient hat, weil er glaubt, dass er ihm zusteht. Wobei Bradley Cooper, der den Koch spielt, immer sympathisch ist. Deshalb wirkt der von ihm gespielte Adam Jones auch sympathischer als er ist. Trotz Kuchen-Backen für Helenes kleine Tochter, die gerade Geburtstag hat und diesen notgedrungen in dem Nobelrestaurant verbringen muss. Jones ist nämlich ein egozentrischer Stinkstiefel, der Brüllen mit Autorität verwechselt.
Da waren zuletzt „Madame Mallory und der Duft von Curry“ und „Kiss the Cook“ schon weiter, weil sie auch ernste Themen behandelten und in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ das Kochen auch verschiedene Lebensphilosophien präsentierte.
Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)
Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.
Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.
Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton
Wahrscheinlich dachten die Macher, sie seien furchtbar clever, als sie für „Im Herzen der See“ eine Rahmengeschichte erfanden, die ihren Film zum Making-of von „Moby Dick“ macht. Nicht dem Film von John Huston, sondern dem Roman von Herman Melville. 1850 trifft Herman Melville (Ben Whishaw) den Ex-Matrosen Tom Nickerson (Brendan Gleeson – und allein schon diese Besetzung verrät, dass er mehr als zwei Minuten Leinwandpräsenz am Anfang und Ende des Films bekommen wird), einen Kneipier und Trinker, der mit niemandem über seine Erlebnisse während der letzten Fahrt mit der Essex reden will. Aber seine taffe Frau und finanzielle Nöte lassen ihn dann doch seine Geschichte erzählen.
Vor über dreißig Jahren, im August 1819, heuerte er als 14-jähriger auf dem Walfangschiff Essex als Schiffsjunge an. Kapitän war der unerfahrene George Pollard (Benjamin Walker), der allerdings über das richtige Blut verfügte. Erster Offizier Owen Chase (Chris Hemsworth), ein waschechter und erfahrener Seeman, der eigentlich Kapitän werden sollte, aber den falschen Stammbaum hat. Er ist glücklich verheiratet mit einer hochschwangeren Frau. Die beiden Männer verbindet gleich eine tiefe Abneigung und ein gemeinsames Ziel: möglichst schnell mit möglichst viel Walöl zurückzukommen. Da hören sie von einer großen Herde Wale viele Seemeilen vor der südamerikanischen Küste. Unter diesen Walen soll sich auch ein besonders großer Wal, eben jener Moby Dick, befinden.
Melville ließ sich für seinen Roman „Moby Dick“, der zu seinen Lebzeiten kein Erfolg war, von der Katastrophe der Essex, anderen katastrophalen Begegnungen von Walfängern mit Walen und eigenen Erlebnissen inspirieren.
Die Fahrt der Essex ist daher nicht die Fahrt von Kapitän Ahab und seiner besessenen Jagd nach dem Riesenwal; was eines der Probleme des Films ist. Denn natürlich erwartet man durch die Rahmenhandlung eine Geschichte, die möglichst nah an der bekannten „Moby Dick“-Geschichte ist. Aber die wahre Geschichte der Essex verlief anders und sie hat mühelos das Potential für einen vollkommen eigenständigen Film. „Im Herzen der See“ ist nicht dieser Film. Es ist, auf der Story-Ebene, immer der Film, der gerne „Moby Dick“ wäre, es aber nicht ist.
Auch ohne diese unglückliche gewählte und vollkommen überflüssige Rahmenhandlung (die immer wieder die in der Vergangenheit spielende Haupthandlung unterbricht), hat „Im Herzen der See“ einige Probleme.
Das eine sind die kaum entwickelten Charaktere. Das fällt vor allem auf, nachdem der große Wal die Essex zu Kleinholz zerlegt hat. Die überlebenden Besatzungsmitglieder flüchten auf die Ruderboote und kämpfen auf hoher See viele Wochen und Monate um ihr Überleben. Bis dahin verbrachten wir zwar schon einige Zeit mit der Essex-Besatzung, aber letztendlich lernten wir bis dahin kein Besatzungsmitglied näher kennen. Deshalb berühren ihre Leiden und damit auch ihr Sterben oder Überleben uns nicht. Für kein Besatzungsmiglied empfinden wir irgendetwas, weil wir, bis auf Chase, nichts über sie wissen.
Der Konflikt zwischen Chase und Pollard ist so schlecht entwickelt, dass er immer nur behauptet bleibt, während wir mühelos die Lücken mit Szenen aus besseren Filmen ausfüllen. Immerhin haben wir schon genug Seefahrerfilme mit schwachen Kapitänen und entscheidungsstarken, klugen, erfahrenen, von der Mannschaft respektierten Ersten Offizieren gesehen. Auch wenn es auf der Essex keine Meuterei auf der Bounty gibt.
Das andere große Problem ist die Sucht nach vermeintlich spektakulären Bildern, die allerdings zunehmend langweilen, weil sie erkennbar aus dem Computer stammen. Während früher die Seefahrerfilme im Schwimmbassin gedreht wurden, werden sie jetzt vor dem Blue Screen gedreht und zu einem 3-D-Spektakel aufgeblasen, das von der ersten bis zur letzten Minute künstlich wirkt. Die vermeintlich beeindruckenden Szenen auf hoher See und bei der Waljagd (eine damals ziemlich gefährliche Angelegenheit für die Menschen in ihren kleinen Ruderbooten) wirken sogar noch künstlicher als die Studioaufnahmen aus älteren Filmen. Während man schon im Trailer zu John Hustons „Moby Dick“ das Salzwasser auf den Lippen spürt, entdeckt man bei „Im Herzen der See“ nur Pixel. Das gleiche gilt für die schönen Panorama-Aufnahmen von Nantucket im frühen 19. Jahrhundert. Früher wurde gezeichnet. Heute erledigt ein Programmierer das, ohne dass die Panorama-Aufnahmen auch nur einen Deut realistischer wirken.
„Im Herzen der See“ ist, nachdem Ron Howard zuletzt mit dem grandiosen Rennfahrerfilm „Rush – Alles für den Sieg“ (ebenfalls mit Chris Hemsworth) sogar Formel-1-Verächter begeistern konnte, eine ziemliche Enttäuschung, die mehr Malen nach Zahlen als saftiges Seefahrergarn ist.
Nach einem Streit mit ihrem Freund trifft Leah Vaughn (Sanaa Lathan) in der Schlange eines Cafés auf Carter Duncan (Michael Ealy), einen höflichen und sehr aufmerksamen Mann. Als sie sich kurz darauf von Dave (Morris Chestnut) trennt, weil er sie noch nicht heiraten will, trifft sie wieder, wieder scheinbar zufällig, Carter. Sie verabreden sich zum Essen und eins kommt zum anderen. Carter ist wirklich der titelgebende „Perfect Guy“, der sogar von Leahs knurrigem Vater schnell akzeptiert wird.
Dummerweise, und das ist jetzt keine große Überraschung, hat Carter auch eine dunkle Seite. An einer Tankstelle verprügelt er einen Mann, der sich mit Leah unterhält und als sie sich danach, schockiert von der für sie ungewohnten Gewaltätigkeit, von Carter trennt, beginnt der verschmähte Liebhaber sie zu verfolgen. Denn ein „Nein“ akzeptiert der Stalker nicht.
Wer auch nur einen dieser zahlreichen Thriller gesehen hat, in denen ein Mensch eine verhängnisvolle Affäre hat, kann sich schnell die Geschichte von „The Perfect Guy“ bis zur letzten Minute ausmalen. Auf dieser Ebene gibt es in David M. Rosenthals ansprechend inszeniertem Film keine einzige Überraschung. Auch das Ende, wenn Leah, nach einem Gespräch mit einem verständnisvollem Polizisten, sich eine Schrotflinte besorgt hat, und alles auf die finale und tödliche Konfrontation hinausläuft, ist vorhersehbar. Was schade ist. Denn Leah ist als gut bezahlte Lobbyistin eigentlich eine intelligente Frau, die, wenn sie nur zwei Sekunden nachgedacht hätte, sicher eine viel smartere Lösung gefunden hätte, um Carter zu besiegen. Das hätte dem Thriller dann auch eine interessante Note verpasst.
Überraschend bei dem Film ist allerdings die, bis auf den Polizisten und wenige Nebenfiguren, ausschließlich afroamerikanische Besetzung, die hier alle typische gut gekleidete, gut aussehende, sich gut benehmende, in schönen Häusern lebende WASP-Charaktere verkörpern. Das ist bei Hollywood-Filmen immer noch ziemlich selten.
3sat, 22.25 Geliebte Aphrodite (USA 1995, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen
Lenny Weinrib (Woody Allen) und seine Frau haben Max adoptiert. Als ihre Liebe erkaltet, sucht Lenny die leibliche Mutter von Max. Es ist Linda (Mira Sorvino). Ein Callgirl. Lenny will sie auf den Pfad der Tugend zurückführen. Und ein griechischer Chor kommentiert die Ereignisse.
Wunderschöne Komödie von Woody Allen. Er erhielt für sein Drehbuch eine Oscar-Nominierung, Mira Sorvino erhielt, unter anderem, einen Oscar, einen Golden Globe und einen BAFTA als beste Nebendarstellerin.
„Woody Allen alt? Keine Spur. Bei ihm hören die besten Zeiten einfach nie auf.“ (Fischer Film Almanach 1997)
mit Woody Allen, Mira Sorvino, F. Murray Abraham, Helena Bonham Carter, Peter Weller, Michael Rapaport, Jack Warden, Paul Giamatti Hinweise Rotten Tomatoes über „Geliebte Aphrodite“
Wikipedia über „Geliebte Aphrodite“ (deutsch, englisch)
Arte, 20.15 M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte den extrem selten gezeigten Agenten-Thriller „Ministerium der Angst“, der ebenfalls von Fritz Lang ist.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen Wiederholung: Freitag, 4. Dezember, 00.40 Uhr (Taggenau!) Hinweise
3sat, 22.15 Manhattan (USA 1979, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Während TV-Autor Isaac Davis sich noch mit seiner lesbischen Ex (die ihre gescheiterte Ehe vermarktet) kabbelt, hat er bereits eine neue Freundin und schon ein Auge auf seine Zukünftige geworfen. Und er will ein Buch schreiben.
Einer von Woody Allens schönsten Filmen. In SW und damit stilbildend für unser Bild von, nun, Manhattan als Sehnsuchtsort.
Um 20.15 Uhr und um 00.45 Uhr zeigt 3sat „Midnight in Paris“. Das Erste zeigt um 00.20 Uhr „Ich sehe den Mann deiner Träume“ und um 01.55 Uhr „Whatever works – Liebe sich wer kann“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Michael Murphy, Mariel Hemingway, Meryl Streep, Anne Byrne, Karen Ludwig, Michael O’Donoghue, David Rasche Wiederholung: Mittwoch, 2. Dezember, 02.15 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Manhattan“
Wikipedia über „Manhattan“ (deutsch, englisch)
Der Stadtneurotiker (USA 1977, Regie: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Der vierzigjährige, neurotische Komiker Alvy Singer erzählt von seinem Leben und seiner Beziehung zu Annie Hall.
Woody Allens bekanntester Film. Hier ist für uns Zuschauer kein Unterschied zwischen Woody Allen und dem von ihm erfundenen Alvy Singer zu spüren – und dabei ist letztendlich doch alles erfunden. Jedenfalls irgendwie.
„Annie Hall“ erhielt die Oscars für den besten Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin (Diane Keaton) und zahlreiche weitere Preise.
Danach, um 21.45 Uhr, läuft „Woody Allen: A Documentary“ (sehenswert!) und in den kommenden Tagen zeigen alle Sender Woody-Allen-Filme, weil Woody Allen am Dienstag einen runden Geburtstag hat, den er wahrscheinlich mit Dreharbeiten für seinen nächsten Film verbringt.
Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Carol Kane, Paul Simon, Janet Margolin, Shelley Duvall, Christopher Walken, Marshall McLuhan (als er selbst), Jeff Goldblum (Partygast), Walter Bernstein (Annies Date vor dem Theater), Sigourney Weaver (Alvys Date vor dem Theater), Truman Capote (Capote Look-Alike)
The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, Regie: Steven Soderbergh)
Drehbuch: Paul Attanasio
LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)
Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-Journalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.
Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?
Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges
Mit seinem neuen Roman „Leavin Berlin“ kehrt Joseph Kanon zurück in das Nachkriegsberlin. Im Januar 1949 wird der deutsch-jüdische Schriftsteller Alex Meier wegen seiner prokommunistischen Ansichten aus den USA ausgewiesen. Da bietet ihm die CIA eine Möglichkeit zur Rückkehr an. Meier muss über seine Jugendliebe, die inzwischen mit einem russischen Major liiert ist, an Informationen über den Uranabbau im Erzgebirge kommen.
Das hört sich doch ganz spannend an.
Auch wenn ich nicht verstehen kann, warum irgendjemand Berlin verlassen möchte.
– Joseph Kanon: Leaving Berlin (übersetzt von Elfriede Peschel) C. Bertelsmann, 2015 448 Seiten
19,99 Euro
– Originalausgabe
Leaving Berlin
Simon & Schuster, London, 2014
Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod (USA 1995, Regie: Mike Figgis)
Drehbuch: Mike Figgis
LV: John O’Brien: Leaving Las Vegas, 1990 (Leaving Las Vegas)
Ben ist Drehbuchautor und Trinker. Er macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich dort zu Tode zu trinken. Da trifft er Sera, eine Hure, die seine Begleiterin auf seinem Trip in den Tod wird.
Beeindruckendes Trinkerdrama, das nach einem autobiographischem Roman entstand und für das Nicolas Cage unter anderem einen Oscar als bester Darsteller erhielt. Im Nachhinein beendete „Leaving Las Vegas“ die Phase in Cages Leben, in der er ein ernstzunehmender Schauspieler war. Danach trat er in „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off – Im Körper meines Feindes“ (der im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ein tiefsinniges Drama ist) auf und es wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch viel schlimmer. Ich sage nur “Ghost Rider”.
mit Nicolas Cage, Elizabeth Shue, Julian Sands, Emily Procter, Valeria Golino, Mike Figgis, R. Lee Ermey, Mariska Hargitay, Danny Huston, Bob Rafelson, Xander Berkeley, Lou Rawls, Julian Lennon
Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“. Das ist nicht „Local Hero“, obwohl die Prämisse von „Highway to Hellas“ sehr nach „Local Hero“ klingt, dieser herzigen Komödie von Bill Forsyth, in der ein US-Amerikaner aufgrund seines schottischen Namens ein abgelegen an der Küste gelegenes schottisches Dorf überzeugen soll, dass eine riesige Ölraffinerie vor der Haustür eine tolle Angelegenheit sei.
In „Highway to Hellas“ soll Jörg Geissner für die AVO-Bank die Sicherheiten für einen Kredit, den die Bank der griechischen Insel Paladiki vor Jahren zur Entwicklung des Tourismus gewährte, überprüfen. Die Inselbewohner sind von dem Besuch aus Deutschland nicht begeistert. Aber südländisch gewitzt wie sie sind, wollen sie den stocksteifen deutschen Aktenfresser so lange an der Nase herumführen, bis er bestätigt, dass die in der Realität nicht vorhandenen Sicherheiten für den Kredit vorhanden sind.
Deshalb beginnen die wenigen Inselbewohner (insgesamt scheint die Insel mit einem großen Leerstand bezugsfertiger Wohnungen nur von einer Handvoll Menschen bewohnt zu sein) mit einer Charade, die alles das enthält, was einem halt so einfällt, wenn man die bekannten Klischees über Griechenland und die Südeuropäer so sammelt. Es gibt also bunte Fassadenhäuser, epische Beerdigungen, reichlich Alkohol und wonneproppige Frauen. Es gibt Improvisationen und kleine Gemeinheiten, wenn Herr Geissner (gespielt von Christoph Maria Herbst, der seit Stromberg nur noch einen Typ spielen darf) auf einem Esel reitet oder, tags drauf, Sozius auf dem Motorrad des deutsch-griechischen Klein-Casanova-Einzelhändlers Gigolo Panos (Adam Bousdoukos) sein darf, das natürlich prompt liegen bleibt.
Diese eher weniger witzigen Episoden plätschern dann so aufregend wie eine schlechte „Traumschiff“-Folge bis zum vorhersehbaren und auch unbefriedigenden Ende vor sich hin. Da gibt es dann sogar ein, zwei Überraschungen, die, wenn sie früher präsentiert worden wären, auch aus dieser arg vor sich hin langatmigen Geschichte einen besseren Film gemacht hätten.
Allerdings, das muss auch gesagt werden, taugt das auf Harmonie machende Ende noch nicht einmal als Scheinlösung. Jedenfalls wenn man sich nur eine Zehntelsekunde fragt, was jetzt aus den Plänen der AVO-Bank wird. Diese und der Widerstand der Inselbewohner dagegen hätten die Grundlage für einen guten Film sein können. Aber die Macher drehten einen anderen Film.
So ist „Highway to Hellas“ vor allem behauptete Völkerverständigung mittels sich bestätigender Klischees.
Highway to Hellas (Deutschland 2015)
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Arnd Schimkat, Moses Wolff, Aron Lehmann
LV/Buch zum Film (oder so): Arndt Schimkat/Moses Wolff: Highway to Hellas, 2014
mit Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos, Akillas Karazisis, Christos Valavanidis, Giorgos Kotanidis, Rosalie Thomass, Eva Bay, Errikos Litsis, Gitta Schweighöfer
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Filmportal über „Highway to Hellas“ Film-Zeit über „Highway to Hellas“ Moviepilot über „Highway to Hellas“
Als James Donovan (Tom Hanks) 1957 die Anfrage für ein Pflichtmandat erhält, will er zuerst ablehnen. Nach dem Krieg war er zwar Assistent des Hauptanklagevertreters bei den Nürnberger Prozessen, aber jetzt ist er vor allem ein Versicherungsanwalt. Strafrecht hat er schon lange nicht mehr praktiziert. Aber solche Pflichtmandate müssen gemacht werden. Er wird also Rudolf Abel (Mark Rylance) verteidigen. Abel ist ein hochrangiger sowjetischer Spion und ihm droht die Todesstrafe. Donovan kann sie verhindern, indem er argumentiert, dass es möglich sei, dass in naher Zukunft die Sowjets einen wichtigen US-Bürger verhaften. Dann könne man die Gefangenen austauschen.
Am 1. Mai 1960 schießen die Sowjets den U-2-Piloten und CIA-Spion Francis Gary Powers während eines Spionagefluges, den er über ihrem Gebiet unternimmt, ab. Sie präsentieren ihn und seine Spionageausrüstung im Fernsehen und verurteilen ihn zu einer langjährigen Haftstrafe.
Anfang 1962 soll Donovan im Auftrag der US-Regierung in Berlin über den Austausch verhandeln.
Auch wenn man weiß, wie die Geschichte damals endete – es war der erste Gefangenenaustausch zwischen Ost und West, die Medien berichteten damals nachträglich groß darüber und Donovan veröffentlichte schon 1964 ein Buch über seine Begegnung mit Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel und den Gefangenenaustausch – ist „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ ein spannender Thriller, in dem Steven Spielberg nach der enttäuschenden Geschichtsstunde „Lincoln“ wieder zur gewohnten Form zurückkehrt. Denn trotz einer Laufzeit von über 140 Minuten wird es nie langweilig. Das straffe und pointierte Drehbuch von Matt Charman und den Coen-Brüdern half sicher. Alle Hintergründe werden erklärt (was bei „Lincoln“ ein Problem war), die Geschichte entwickelt sich beständig weiter und die Schauspieler dürfen mit klugen Sätzen brillieren, während die Ausstattung sich im Zeitkolorit badet und Spielbergs Stamm-Kameramann Janusz Kaminski (der für „Schindlers Liste“ und „Saving Private Ryan“ Oscars erhielt) die damalige Zeit und auch die damals beliebten, heute eher vergessenen Kalter-Krieg-Thriller, in denen es in Ost-Berlin mindestens fünf Grad kälter als in West-Berlin ist, wieder aufleben lässt. Dass auch an historischen Orten, wie der Glienicker Brücke, an der dieser erste von mehreren Gefangenaustäusche stattfand, gedreht wurde, erhöht nur die Glaubwürdigkeit der wahren Geschichte, bei der sich für den Film einige wenige Freiheiten genommen wurden, die vor allem Geschichts-Geeks in den Wahnsinn treiben.
Alle anderen dürfen einen feinen Schauspielerfilm genießen.
Bridge of Spies – Der Unterhändler(Bridge of Spies, USA 2015)
Regie: Steven Spielberg Drehbuch: Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen
mit Tom Hanks, Mark Rylance, Scott Shepherd, Amy Ryan, Sebastian Koch, Alan Alda, Austin Stowell, Mikhail Gorevnoy, Will Rogers
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Die Hintergrundgeschichte
Es gibt inzwischen mehrere Sachbücher, die sich mit diesem Agentenaustausch beschäftigen. Spielbergs Film basiert explizit auf keiner Vorlage.
Dennoch wird die Neuausgabe von James B. Donovans „Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel“ vom Goldmann- Verlag als die Hintergrundgeschichte zum Film beworben, was durchaus zutreffend ist. Immerhin verteidigte Donovan Abel und er verhandelte den Agentenaustausch.
Donovan (1916 – 1970) war während des Zweiten Weltkriegs Marine-Offizier und juristischer Berater des Office of Strategic Services (dem militärischen Nachrichtendienst und Vorläufer der CIA) und danach Assistent des Hauptanklagevertreters der Nürnberger Prozesse. Er war also, auch wenn er als Pflichtverteidiger zu dem Fall Abel kam, keine so schlechte Wahl wie der Film suggeriert. Denn, so Donovan in „Strangers on a Bridge“: „Die Wahl verdankte ich (…) dem Vorsitzenden des Ausschusses. Vor mehr als zehn Jahren hatte Goodenough einen Vortrag über die Nürnberger Prozesse angehört, den ich vor einer Gruppe konservativer Rechtsanwälte aus Brooklyn gehalten hatte und unter denen auch einige prominente Deutsch-Amerikaner waren. Goodenough hatte meinem Kompagnon erzählt, die Schlussdebatte sei damals recht hitzig gewesen, und er meinte, ich sei jedenfalls für meine Überzeugung eingetreten.“
Donovan nimmt das Mandat an, weil er überzeugt ist, dass „auch der gemeinste Verbrecher, Anspruch auf Rechtsbeistand und ein faires Gerichtsverfahren habe.“
In dem Buch, das auf seinen Tagebuch, das er während des Prozesses führte und das er für die Veröffentlichung um Gerichtsprotokolle, Briefe und gekabelte Berichte für das Außenministerium (über seine Verhandlungen in Berlin) ergänzte, erzählt er vor allem die Geschichte des Prozesses. Sie nimmt deutlich über die Hälfte des 576-seitigen Buches (über 330 Seiten) ein. Die Verhandlungen über den im Film zentralen Gefangenaustausch werden auf knapp siebzig Seiten érzählt, die Donovan mit dem Hinweis „Aus Sicherheitsgründen mussten gewisse Fakten unerwähnt bleiben und manche Einzelheiten verändert werden“ einleitet.
Das gesagt ist Donovans Einblick in seine Arbeit als Abels Pflichtverteidiger ein faszinierender Einblick in die Arbeit eines Verteidigers, in das damalige US-Rechtssystem und die damalige Geisteshaltung nach der Ära McCarthy und vor dem Bau der Mauer und der Kuba-Krise.
Wer also tiefer in die damalige Zeit eintauchen möchte, sollte sich diesen spannenden Erlebnisbericht eines Zeitzeugen, geschrieben mit dem damaligen Wissen, zulegen.
– James B. Donovan: Strangers on a Bridge – Der Fall des Oberst Abel (übersetzt von Eva Bornemann und Michael Molitor; mit einem neuen Vorwort von Jason Matthews) Goldmann, 2015 560 Seiten
9,99 Euro
– Originalausgabe
Strangers on a Bridge – The Case of Colonel Abel
Atheneum House, Inc., 1964
– Frühere deutsche Ausgabe
Der Fall des Oberst Abel
Scheffler-Verlag, 1965
– Hinweise Amerikanische Homepage zum Film Deutsche Homepage zum Film Film-Zeit über „Bridge of Spies“ Moviepilot über „Bridge of Spies“ Metacritic über „Bridge of Spies“ Rotten Tomatoes über „Bridge of Spies“
Wikipedia über „Bridge of Spies“ (deutsch, englisch) History vs. Hollywood über „Bridge of Spies“ Das Drehbuch zum Film
Es ist wie immer: es wird geworben mit einem tabubrechendem Skandalfilm der Hardcore-Sex zeigt und am Ende bin ich enttäuscht, weil, nun, länglich gezeigte Penisse und Penetrationen nicht abendfüllend sind. Denn ohne ein emotionales Zentrum, ein Thema und eine Geschichte ist ein Film meistens eine langweilige Angelegenheit.
So auch Gaspar Noés neuester Film „Love“, der sogar in 3D gedreht wurde (deshalb auch „Love 3D“ heißt), was allerdings nur in zwei Szenen (ja, genau die zwei Szenen, die ihr euch jetzt spritzig denkt) einen Effekt hat. Der Rest besteht aus wenigen Menschen in engen Räumen.
Im Mittelpunkt steht Murphy, der von der Mutter seiner früheren Freundin Electra einen Anruf erhält. Electra ist seit zwei Monaten spurlos verschwunden. Jetzt hat Murphy eine neue Freundin, er ist Vater einer zweijährigen Tochter und den gesamten Film hängt er todtraurig, wie ein nasses Hemd, in seiner Wohnung herum und erinnert sich an Electra.
Diese Erinnerungen, die nicht-chronologisch präsentiert werden, dehnen sich über zwei Stunden, in denen die Schauspieler eifrig improvisieren durften (das Drehbuch bestand, so Noé, aus sieben Seiten) und weil das alles in keiner besonderen Chronologie präsentiert wird, gibt es auch keinen Spannungsbogen, sondern nur die beliebig austauschbaren Erinnerungen von Murphy an seine große Liebe, garniert mit vielen, äußerst statisch inszenierten Sexszenen, die daher eher an Stilleben erinnern.
Präsentiert wird diese Nicht-Geschichte in dunkel versumpften 3D-Bildern, die wie die schlampig gezogenen YouTube-Kopie eines schlechten Siebziger-Jahre-Pornos aussehen. Alles ist zu dunkel, oft erkennt man fast nichts und die 3D-Brille ist hier noch nerviger als bei einem kunterbunten Blockbuster.
Dass es auch anders geht, zeigen Filme wie „Der letzte Tango in Paris“ oder „Blau ist eine warme Farbe“. Um nur zwei Filme zu nennen, die man sich immer wieder ansehen kann, weil sie, abseits von jedem Skandalfilmgetue, eine emotional berührende Geschichte haben.