TV-Tipp für den 17. April: Lösegeld

April 16, 2015

3sat, 22.35
Lösegeld (Frankreich/Belgien 2009, Regie: Lucas Belvaux)
Drehbuch: Lucas Belvaux
Ein Industrieller wird entführt – und noch ehe das Lösegeld bezahlt wird, werden immer mehr schmutzige Details über ihn bekannt. Das beeinflusst selbstverständlich auch die Verhandlungen.
„Spannender, gut gespielter Thriller“ (Lexikon des internationalen Films), der für vier Césars nominiert war (bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, beste Nebendarstellerin).
Belvaux inszenierte auch das hochgelobte Filmtrippel „Trilogie: Cavale – Auf der Flucht/Uncouple épatant – Ein tolles Paar/Aprè la vie – Nach dem Leben“ (Frankreich/Belgien 2002).
mit Yvan Attal, Anne Consigny, André Marcon, Francoise Fabian, Alex Descas
Hinweise
Moviepilot über „Lösegeld“
Wikipedia über „Lösegeld“ (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den feinen New-York-Gangsterthriller „Run all Night“

April 16, 2015

Vergessen wir einfach „96 Hours – Taken 3“ und wenden uns „Run all Night“ zu. Mit Liam Neeson als Mafiakiller, der in einer Dezembernacht in New York seinen Sohn, der zufällig Zeuge eines Mordes wurde, vor Gangstern und der Polizei beschützen will.
Jaa, das klingt jetzt nach „Taken 4“. Aber „Run all Night“ ist ein äußerst sehenswerter Gangsterthriller, der die Tradition und die Genreregeln kennt, sie gelungen variiert und mit einer ordentlichen Portion Action abschmeckt. Die Story erinnert Einige an „Road to Perdition“. Das stimmt. Aber „Road to Perdition“ ist mir auch viel zu prätentiös. „Run all Night“ will dagegen nur ein spannender Thriller sein, der nebenbei noch einige ernste Themen behandelt. Die nächtlichen Bilder von den weniger bekannten Ecken New Yorks und weil die Jagd quer durch die Millionenstadt geht, erinnern mich an Michael Manns „Collateral“, das ursprünglich ebenfalls in New York spielen sollte. Mann verlegte die Geschichte nach Los Angeles und genau wie „Collateral“ ein Porträt von Los Angeles ist, ist „Run all Night“ ein Porträt von Manhattan.
Weil Liam Neeson den irischen Mobkiller Jimmy Conlon spielt, porträtiert Jaume Collet-Serra in seinem Film auch den irischen Mob, der auch als „Westies“ bekannt ist. Wer will, kann als echtes Vorbild für Conlon den Mafiakiller Richard Kuklinski erkennen, der für Gambino-Familie mordete und der auch das entfernte Vorbild für den Erzähler in Dave Zeltsermans „Killer“ ist.
Auch die restliche Besetzung ist gut. Ed Harris spielt den irischen Mob-Boss, dessen Sohn von Conlon/Neeson erschossen wird, um seinen Sohn zu beschützen. Harris und Neeson haben euch einige tolle gemeinsame Szenen, in denen aus besten Freunden innerhalb weniger Stunden Todfeinde werden. Joel Kinnaman und Boyd Holbrook spielen die Söhne. Vincent D’Onofrio einen Polizisten, der seit Jahren Conlon verfolgt. Common einen eiskalten Killer, der nur an einer effektiven Erledigung seines Auftrages interessiert ist. Nick Nolte hat einen kurzen Auftritt als Neesons Bruder. Und Bruce McGill ist immer gut.
Brad Ingelsby („Auge um Auge – Out of the Furnace“ und, demnächst, das „The Raid“-Remake) schrieb das Drehbuch, in dem die Action die Handlung vorantreibt und auch einige ernste Themen fast schon nebenbei behandelt werden. Ich sage nur Familienbande, Freundschaft, Loyalität und die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Vätern und Söhnen. Dabei gibt „Run all Night“ dann keine einfachen Antworten, sondern lässt alles, wie „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“, in einem wunderschönen Graubereich verschwinden. Das unterscheidet „Run all Night“, mit seinem durchaus sympathischen Siebziger-Jahre-Gefühl, dann auch von schlechteren Thrillern.
Insgesamt knüpft „Run all Night“ an „Unknown Identity“ und „Non-Stop“, die beiden vorherigen Filme des Teams Collet-Serra/Neeson, an.
Das war jetzt schon ziemlich lang, aber eigentlich sind das nur einige Ergänzungen zu meiner Filmbesprechung, die in der Stuttgarter Zeitung erschien.

Run all Night - Plakat

Run all Night (Run all Night, USA 2015)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Brad Ingelsby
mit Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Boyd Holbrook, Bruce McGill, Genesis Rodriguez, Vincent D’Onofrio, Lois Smith, Common, Beau Knapp, Patricia Kalember, Nick Nolte
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Run all Night“
Moviepilot über „Run all Night“
Metacritic über „Run all Night“
Rotten Tomatoes über „Run all Night“
Wikipedia über „Run all Night“
Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013)


DVD-Kritik: Peter Robinsons „Inspector Banks“ ist zurück

April 16, 2015

Fans der Inspector-Banks-Romane von Peter Robinson müssen jetzt tapfer sein. Weil Banks‘ Kollegin DS Annie Cabbot schwangerschaftsbedingt abwesend ist, hat DCI Alan Banks eine neue Kollegin, die es in den Romane nicht gibt. DI Helen Morton, die gleich an ihrem ersten Arbeitstag zu einer veritablen Hetzjagd gegen Banks blässt, weil bei einer Frauenleiche ein Zettel mit Banks‘ Anschrift gefunden wird und Banks nicht erreichbar ist. Denn er versucht seinem Bruder Roy, den er seit Jahren nicht gesehen hat, zu helfen.
„Eine seltsame Affäre“ ist der schwache Auftakt der zweiten regulären „DCI Banks“-Staffel. Der erste „DCI Banks“-Film „Aftermath“ (Banks – Der Solist), der im englischen TV als Einzelfilm mit der Option auf weitere Filme lief, wird manchmal als erste Staffel gezählt und dann verändert sich die Staffelzählung halt etwas; auch wenn man einen Film nicht wirklich als Staffel zahlen kann.
Doch zurück zu „Eine seltsame Affäre“. Auch hier ist, wie meistens bei Serien, der persönliche Fall eher weniger prickelnd und die Bekanntschaft mit der gesamten Banks-Familie, die wir bis jetzt nicht vermisst haben, ist überflüssig. Denn wir wissen ja, dass der, bis seine Unschuld erwiesen ist, gegen jeden Dienstvorschrift und Vernunft ermittelnde Polizist nichts mit den Morden zu tun hat. Immerhin gibt es hier keine pompöse Mordintrige gegen den Ermittler.
In den nächsten beiden Fällen wird dann wieder, ohne Familiengedöns, Dienst nach Vorschrift geleistet. „Die letzte Rechnung“ und „Der unschuldige Engel“ sind ordentliche, düster grundierte Polizeifilme, in denen die Ermittlungen eindeutig im Vordergrund stehen, wir kaum etwas über die Ermittler erfahren und nicht geblödelt wird. Das ist, wie die Romane von Peter Robinson, angenehm altmodisch-gediegene Krimiunterhaltung vor der prächtigen Kulisse von Yorkshire.
In „Die letzte Rechnung“ wird der Steuerberater Keith Rothwell in seiner Garage erschossen, während seine Frau und Tochter gefesselt nebenan im Haus sind. Banks und Morton finden bei ihren Ermittlungen heraus, dass Rothwell ein Doppelleben führte und in unseriöse Finanzgeschäfte verwickelt ist.
In „Der unschuldige Engel“ wird Ellie Clayton, die Tochter eines wohlhabenden Internet-Unternehmer, ermordet aufgefunden. Banks verdächtigt Owen Pearce, den Regisseur des Schultheaters, bei dem Clayton mitspielte.
Dieser Film gewinnt durch seinen an „Law & Order“ und „Der Preis des Verbrechens“ erinnernde Aufbau eine besondere Dimension. Denn Banks und sein Team werden, nachdem Pearce vom Gericht frei gesprochen wird, mit den Konsequenzen ihrer Ermittlungen für die davon betroffenen Menschen konfrontiert.
In England wurden 2014 und 2015 jeweils zwei weitere, aus drei Filmen bestehende Staffeln ausgestrahlt. Weitere Fälle sind in Arbeit; wobei es sein kann, dass vom neunzigminütigen Format auf ein sechzigminütiges Format gewechselt wird.
In einem aktuellen Interview mit Crime Time Preview sagt Peter Robinson zu den Verfilmungen: „It’s a process of loss. I thought the first few books adapted were relatively close to the originals, even though Annie disappeared and returned as a single mother and DI Helen Morton, a character I never wrote about, was added to the cast. Then DS Winsome Jackman disappeared, to be replaced by Tariq. The adaptations themselves were almost unrecognisable by the third series, and in the fourth Left Bank will be going with original stories. But if you take any expectations of fidelity to the original plots out of the equation, I think it’s a pretty damn good cop series.“
Die deutschen Ausgaben der Banks-Romane erschienen bei Ullstein und sind inzwischen antiquarisch erhältlich. Die letzten Banks-Romane wurden nicht mehr übersetzt.

Inspector Banks - Staffel 2 - DVD-Cover - 4

Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Staffel 2 (DCI Banks, Großbritannien 2012)
mit Stephen Tompkinson (DCI Alan Banks), Andrea Lowe (DS Annie Cabbot, nur Credits), Caroline Catz (DI Helen Morton), Lorraine Burroughs (DS Winsome Jackman), Jack Deam (DC Ken Blackstone), Nick Sidi (CS McLaughlin)

Die aktuellen Morde in Yorkshire

Eine seltsame Affäre (Strange Affair, Großbritannien 2012)
Regie: Tim Fywell
Drehbuch: Robert Murphy
LV: Peter Robinson: Strange Affair, 2005 (Eine seltsame Affäre)

Die letzte Rechnung (Dry Bones that dream, Großbritannien 2012)
Regie: Jim Loach
Drehbuch: Rob Williams
LV: Peter Robinson: Dry Bones that dream, 1994 (auch „Final Account“, Die letzte Rechnung)

Der unschuldige Engel (Innocent Graves, Großbritannien 2012)
Regie: Mat King
Drehbuch: Andrew Payne, Rob Williams
LV: Peter Robinson: Innocent Graves, 1996 (Der unschuldige Engel)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten (2 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Crime Time Preview über “DCI Banks”

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und “DCI Banks”

Meine Besprechung von “Inspector Banks: Mord in Yorkshire”


TV-Tipp für den 16. April: Cotton Club

April 16, 2015

ARD, 01.55

Cotton Club (USA 1983, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: William Kennedy, Francis Ford Coppola, nach einer Story von William Kennedy, Francis Ford Coppola und Mario Puzo

Coppolas Liebeserklärung an den Cotton Club. Nicht schlecht, wie er hier Gangsterfilm mit Liebesfilm mit Tanzfilm mit einem halben Dutzend weiterer Genres verbindet. Aber auch weit von der Qualität seiner ersten beiden Paten-Filme entfernt.

Während der Dreharbeiten unterhielten die verschiedensten Skandalmeldungen (Drehbuch, Budget, künstlerische Auseinandersetzungen, um nur einige zu nennen) die Öffentlichkeit.

Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, Nicolas Cage, Larry Fishburne, Tom Waits, Joe Dallesandro, Woody Strode

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cotton Club“

Wikipedia über „Cotton Club“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. April: Tatort: Bienzle und der Champion

April 15, 2015

SWR, 20.15

TATORT: Bienzle und der Champion (Deutschland 1998, Regie: Dieter Schlotterbeck)

Drehbuch: Felix Huby

LV: Felix Huby: Bienzle und der Champion, 1999

Hat der Boxer Piet Mangold den Wirt Jaco Riewers umgebracht? Eine harte Nuss für Bienzle, denn Piet kann sich an nichts erinnern.

Ein guter Bienzle im Boxmilieu.

„Ich glaube, hier ist ein guter Plot stimmig erzählt, wie in anderen Fällen auch. Herausragend wird der Film wirklich durch die Darsteller und die Regie von Dieter Schlotterbeck.“ (Felix Huby in „Felix Huby: Fast wie von selbst“)

Mit Dietz Werner Steck, Rüdiger Wandel, Ben Becker, Claude-Oliver Rudolph, Martin Semmelrogge, Dariusz ‚Tiger’ Michalczewski

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Felix Huby (Stand: Januar 2007)

Planet Interview: Gespräch mit Felix Huby (21. Dezember 2008)

Tatort-Fundus über Bienzle

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Adieu, Bienzle“ (2011)


TV-Tipp für den 14. April: Night Will Fall – Hitchcock Lehrfilm für die Deutschen

April 13, 2015

NDR, 00.00
Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen (Großbritannien 2014, Regie: Andre Singer)
Drehbuch: Lynette Singer
Sehenswerte Doku über die von Alfred Hitchcock geplante Dokumentation für die Deutschen über die Konzentrationslager – und warum der Film nach dem Kriegsende nicht fertiggestellt wurde.
Auf der Berlinale 2014 wurde neben dieser Doku auch die rekonstruierte Fassung von Hitchcocks Lehrfilm gezeigt.
mit Alfred Hitchcock, Sidney Bernstein, Billy Wilder
Hinweise
Arte über „Night will fall“
Berlinale über „Night will fall“
Rotten Tomatoes über „Night will fall“ (Frischegrad: 100 %)
Wikipedia über „Night will fall“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 


DVD-Kritik: Das Science-Fiction-Kleinod „Coherence“

April 13, 2015

Gibt es ein Paralleluniversum – und wenn ja: wie viele?
Diese Frage stellen sich irgendwann die vier befreundeten Paare, die sich zu einem entspannten Abendessen treffen und bei Wein und Essen über ihre Arbeit und den Kometen, der in dieser Nacht an der Erde vorbeifliegt, zu reden. Plötzlich geht das Licht aus. Das gesamte Viertel ist dunkel, bis auf ein Haus am anderen Ende der Straße.
Zwei von ihnen gehen rüber – und als gestählte Horrorfilmfans wissen wir (wie die zurückbleibenden Freunde), dass das wahrscheinlich keine gute Idee ist. Aber in der Wirklichkeit passiert ja nie etwas Schlimmes und so sind die beiden kurz darauf wieder zurück. Ohne eine offensichtliche Veränderung oder Verletzung. Aber sie verhalten sich etwas seltsam. Sie wollen nicht über das andere Haus und was sie dort gesehen und erlebt haben reden. Und hier beginnen wir als Science-Fiction-Fans, gestählt durch unzählige Invasionsfilme (Erinnert ihr euch an „Die Invasion der Körperfresser“?), in eine ganz andere Richtung zu rätseln.
„Coherence“ wurde von James Ward Byrkit („Rango“) mit einem Micro-Budget (also für ein Taschengeld) gedreht. Es spielt fast nur in einem Wohnzimmer und das Wohnzimmer ist Byrkits Wohnzimmer. Die Schauspieler durften während des fünftägigen Drehs, ausgehend von mehr oder weniger detaillierten Anweisungen, einen großen Teil ihrer Dialoge und Taten improvisieren. Deshalb wurde auch chronologisch gedreht. Das Team war klein. Letztendlich waren mehr Menschen vor als hinter der Kamera.
Byrkit hatte also bei seinem Spielfilmdebüt mit einigen selbstgewählten Beschränkungen zu kämpfen, die er zu seinem Vorteil ausnutzte. Die Kamera verleiht dem Film einen milden dokumentarischen Touch und die Idee, die „Twilight Zone“-würdige Geschichte, steht im Mittelpunkt.
Außerdem, und das ist wahrscheinlich die schönste Pointe von „Coherence“, zeigt Byrkit, dass man kein „Interstellar“-Budget braucht um eine sehr ähnliche Geschichte deutlich frischer und kurzweiliger zu erzählen.
Der Film erschien jetzt bei Bildstörung als DVD ohne Bonusmaterial und in einer limitierten „Special Edition“, die eine satte Portion informatives Bonusmaterial hat und die nur im Bildstörung-Online-Shop, bei Amazon und Müller erhältlich ist.
Sie enthält einen Audiokommentar mit Regisseur James Byrkit und den Schauspielern Emily Foxler und Alex Manugian, ein Making-of/Behind the Scenes, Interviews mit den Schauspielern Emily Foxler, Hugo Armstrong und Lorene Scafaria, Aufnahmen eines Testshootings (wahlweise mit einem Audiokommentar von James Byrkit), – insgesamt gut dreißig Minuten -, ein Booklet mit den Regieanweisungen für die Schauspieler und die Soundtrack-CD. Den gut einstündigen Soundtrack gibt es auch als Download. Ohne die Filmbilder ist Kristin Øhrn Dyruds Musik, die im Film für einige Gänsehautmomente sorgt, eine schöne Begleitmusik bei der Arbeit.

Coherence - Plakat

Coherence (Coherence, USA 2013)
Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit (nach einer Geschichte von James Ward Byrkit und Alex Manugian)
mit Emily Foxler, Maury Sterling, Nicholas Brendon, Lorene Scafaria, Elizabeth Gracen, Hugo Armstrong, Alex Manugian, Lauren Maher

DVD (Special Edition)
Bildstörung
Bild: 2,35:1 (16:9 Anamorph – Original Kinoformat)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit James Byrkit, Emily Foxler und Alex Manugian, Making-of/Behind the Scenes, Interviews mit den Darstellern, Aufnahmen eines Testshootings, zwei Trailer, Teaser, Booklet mit den Regieanweisungen für die Schauspieler, Soundtrack CD
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homeapge zum Film
Film-Zeit über „Coherence“
Moviepilot über „Coherence“
Metacritic über „Coherence“
Rotten Tomatoes über „Coherence“
Wikipedia über „Coherence“


TV-Tipp für den 13. April: Liebe 1962

April 12, 2015

Arte, 21.55

Liebe 1962 (Italien 1962, Regie: Michelangelo Antonioni)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Elio Bartolini (Mitarbeit), Ottiero Ottieri (Mitarbeit)

Die reiche Römerin Vittoria verlässt ihren brutalen Freund. Sie verliebt sich in den Börsenmakler Piero. Aber dieser zögert.

Ein Liebesfilm der von der Unmöglichkeit der Liebe in der modernen Gesellschaft erzählt. Kein leichtverdaulicher Film.

Angekündigt ist die italienische Originalfassung.

mit Alain Delon, Monica Vitti, Fancisco Rabal

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über “Liebe 1962″ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Liebe 1962“

David Saul Rosenfeld über “Liebe 1962″

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 12. April: Schießen Sie auf den Pianisten

April 12, 2015

Tele 5, 01.10

Schießen Sie auf den Pianisten (Frankreich 1960, Regie: Francois Truffaut)

Drehbuch: François Truffaut, Marcel Moussy

LV: David Goodis: Down there, 1956 (Schüsse auf den Pianisten)

Nach dem Selbstmord seiner Frau hat sich der berühmte Konzertpianist Edouard zurückgezogen und fristet sein Dasein in einer Kaschemme als Barpianist. Als sein Bruder ihn um Hilfe bittet, gerät er in die Schusslinie von Gangstern.

Nach dem Erfolg seines Erstlings „Sie küssten und sie schlugen ihn“ drehte der 27-jährige Francois Truffaut ein stimmungsvolles Kriminalmelodrama, das in jeder Einstellung das Werk eines begeisterten Cineasten ist.

„Auf den ersten Blick kann man der gebrochenen Handlung kaum folgen, versteht kaum, um was es eigentlich geht. Sieht man den Film aber öfter, wird man weniger auf die Gangster- und Liebesgeschichte achten als vielmehr auf die Machart, auf das Strickmuster dieses Films über das Filmemachen und –anschauen. Truffaut, damals nun wahrlich ein junges Genie, das sich das Filmemachen fast ausschließlich theoretisch angeeignet hat, spielt mit dem Zuschauer nach allen Regeln der Filmkunst.“ (Willi Winkler: Die Filme von Francois Truffaut)

Mit Charles Aznavour, Marie Dubois, Nicole Berger

Hinweise

Wikipedia über David Goodis (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 11. April: Auf offener Straße

April 10, 2015

Arte, 00.40
Auf offener Straße (Frankreich 1992, Regie: Bertrand Tavernier)
Drehbuch: Michel Alexandre, Bertrand Tavernier
Grandioser Polizeithriller über eine Einheit von Drogenfahndern, die vor allem durch mangelhafte Ausrüstung und fehlende Rückendeckung von der Arbeit abgehalten werden und vor allem gegen die kleinen Fische ermitteln müssen.
„Der Linke Tavernier zieht hier ein desaströses Fazit der Sozialpolitik nach zehn Jahren sozialistischer Regierung. Er beleuchtet die Gründe der Attraktivität rechtsradikaler Scharlatane à la Le Pen in den Köpfen allzuvieler Franzosen. Er verdeutlicht, wie die Berührungsangst staatlicher Stellen gegenüber nord- und zentralafrikanischen Dealern den täglichen Rassismus verstärkt und den Fremdenhaß unter Einheimischen eher schürt, weil eine partielle, gern verschwiegene Wahrheit als Makel auf alle Farbigen und Immigranten übertragen wird.
Tavernier hat (…) einen eminent politischen Film gedreht.“ (Fischer Film Almanach 1993), der heute, angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich und der Diskussionen in Deutschland (googelt mal „Görlitzer Park“) immer noch brennend aktuell ist.
Co-Autor Michel Alexandre war damals selbst bei der Pariser Drogenfahndung.
„Auf offener Straße“ war als bester Film des Jahres für den César nominiert.
In Deutschland lief er als „Original mit Untertitel“ und wenn der Film nicht so unbekannt wäre, wäre er ein potentieller Klassiker. Insofern: eine lohnende Entdeckung!
mit Didier Bezace, Jean Paul Comart, Charlotte Kady, Jean-Roger Milo, Nils Tavernier, Philippe Torreton
Hinweise
Arte über „Auf offener Straße“ (und ein Essay von Olivier Père)
AlloCiné über „Auf offener Straße“
Moviepilot über „Auf offener Straße“ (noch keine Bewertung)
Wikipedia über „Auf offener Straße“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung “Der Uhrmacher von St. Paul” (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Tavernier James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (In the electric mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


DVD-Kritik: Über die Special Edition von „Sherlock – Staffel 3“

April 10, 2015

Schon die reguläre DVD-Ausgabe von „Sherlock – Staffel 3“ hatte einiges an Bonusmaterial enthalten. Aber für die jetzt erschienene Special Edition legte Polyband noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. „ca. 220 Minuten mit deutschen Untertiteln“ steht auf dem Cover und dann gibt es noch zwei Audiokommentare, die auf der ersten Ausgabe der dritten „Sherlock“-Staffel nicht enthalten waren. Dabei waren die Audiokommentare immer informative Highlights und Musterbeispiele für gelungene Audiokommentare.
Es gibt die von der Erstauflage der dritten „Sherlock“-Staffel bekannten Making of „Fans, Villains & Speculation“, „Shooting Sherlock“ und „The Fall“, die insgesamt knapp 45 Minuten dauern.
Einen kleinen Teil des restlichen Bonusmaterials dürften langjährige „Sherlock“-Fans schon kennen. Aber bis jetzt war es nur im Netz zu finden, wie das siebenminütige Prequel „Many Happy Returns“ zur dritten Staffel und die 2010 in verschiedenen BBC-Sendungen im Umfeld der ersten „Sherlock“-Staffel geführten, jeweils etwa achtminütigen Interviews mit Benedict Cumberbatch, Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, Steven Moffat und Dramatiker Mark Ravenhill und, nach der Ausstrahlung der ersten Staffel, Steven Moffat und Sue Vertue. Das letzte Interview ist das uninteressanteste.
Neu sind, neben den beiden Audiokommentaren mit den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, „Mrs. Hudson“-Darstellerin Una Stubbs und Produzentin Sue Vertue, eine geschnittene Szene (aus „Sein letzter Schwur“), einige Outtakes und „Unlocking Sherlock“ und „Sherlock uncoverd“, die nicht mit den gleichnamigen Making ofs zur ersten und zweiten Staffel verwechselt werden sollten. „Unlocking Sherlock“ dauert 55 Minuten und „Sherlock uncovered“ besteht aus drei Teilen: „The Return“ (26 Minuten), „The Women“ (26 Minuten) und „The Villains“ (23 Minuten).
Alle Extras sind untertitelt.
So umfangreich und informativ die Special Edition ausgefallen ist, so dünn sind dieses Mal die Fälle für Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und seinen Begleiter Dr. John Watson (Martin Freeman) ausgefallen. In „Der leere Sarg“ kehrt Sherlock Holmes von den Toten zurück und er soll einen Anschlag auf das Parlament verhindern. Aber vor allem werden uns verschiedene Theorien über den Tod von Sherlock Holmes präsentiert, ohne dass am Ende wirklich geklärt ist, wie er seinen Tod inszenierte.
In „Im Zeichen der Drei“ geht es vor allem um die Hochzeit von Dr. Watson und Mary Morstan, bei der Sherlock Holmes den Trauzeugen spielen soll und er gleichzeitig einige Verbrechen aufklärt.
In „Sein letzter Schwur“ kämpfen Sherlock Holmes und Dr. John Watson gegen Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), einen Zeitungsmogul, der seinen Status vor allem Erpressungen verdankt. Denn er kennt die Geheimnisse der britischen Oberschicht, die er gegen gewisse Gefälligkeiten nicht veröffentlicht.
Vor allem in den ersten beiden Filmen sind die Fälle erschreckend dünn und so nebensächlich, dass sie schon nicht mehr nacherzählbar sind. „Sein letzter Schwur“ ist zwar besser, aber Magnussen ist mehr ein James-Bond- als ein Sherlock-Holmes-Bösewicht. In allen drei Filmen stehen in der dritten „Sherlock“-Staffel die Hauptcharaktere mit ihren Marotten im Mittelpunkt. Das ist zwar unterhaltsam, rasant, witzig und erschreckend selbstgenügsam.
Es ist zu hoffen, dass die Macher Stefen Moffat und Mark Gatiss in der vierten Staffel sich wieder mehr auf die Fälle konzentrieren. Schließlich ist „Sherlock“ ein Krimi, und keine Soap mit vernachlässigbarer kriminalistischer Beigabe.

Sherlock - Staffel 3 - Special Edition - DVD-Cover - 4

Sherlock – Staffel Drei – Special Edition
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Amanda Abbington (Mary Morstan), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Louise Brealey (Molly Hooper)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Der leere Sarg“ und „Sein letzter Schwur“, Serie Three Prequel „Many Happy Returns“, Unlocking Sherlock, Sherlock Uncovered, Deleted Scene, Outtakes, TV Interviews from 2010, Fans, Villains & Speculation, Shooting Sherlock, The Fall, 16-seitiges Booklet, 3-teiliges Postkartenset
Länge: 261 Minuten (3 x 87 Minuten), 220 Minuten (Bonusmaterial) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Die Ermittlungen
Der leere Sarg (The Empty Hearse, Großbritannien 2014)
Regie: Jeremy Lovering
Drehbuch: Mark Gatiss

Im Zeichen der Drei (The Sign of Three, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steve Thompson, Steven Moffat, Mark Gatiss

Sein letzter Schwur (His Last Vow, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steven Moffat

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (GB 2012)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Über „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3“

April 10, 2015

Für ein Binge-Watching eignet sich die „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten“ nicht wirklich. Denn normalerweise will man beim Binge-Watching ja unbedingt wissen, wie es weitergeht. Auch weil jede Folge der Serie mit einem fiesen Cliffhanger endet, der in der nächsten Folge schnell aufgelöst wird. Dieses Suchtgefühl stellt sich bei den Geschichten aus der Twilight Zone nicht ein. Denn jede Episode ist eine in sich abgeschlossene kurze mal mehr, mal weniger fantastische, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft, mal in einer Parallelwelt spielende Geschichte. Jede Episode hat andere Charaktere. Sie können daher unabhängig von einander in jeder beliebigen Reihenfolge gesehen werden. Und auch wenn nicht jede Geschichte grandios ist, sind die Geschichten immer sehenswert und zeigen, wie gutes Geschichtenerzählen funktioniert. Bei den US-amerikanischen Science-Fiction-Fans war die Serie während der Erstausstrahlung so beliebt, dass sie im dritten Jahr in Folge den Hugo als ‚Best Dramatic Presentation‘ erhielt.
Die dritte Staffel unterscheidet sich nicht von den vorherigen beiden Staffeln und alles, was ich damals schrieb, stimmt immer noch. Es sind wieder verdammt gute, knapp halbstündige Geschichte mit einer meistens überraschenden Pointe. Denn bei einigen Geschichten ist die Pointe heute zu bekannt, um noch wirklich zu überraschen und manchmal ist die Pointe absehbar. Immerhin gibt es bei einer überschaubaren Zahl von Charakteren nur eine bestimmte Menge an Pointen. Serienerfinder und Präsentator Rod Serling schrieb wieder die meisten Geschichten. Zu den anderen Autoren zählen Richard Matheson, Charles Beaumont und Ray Bradbury. Er schrieb die einhundertste Episode und verarbeitete „Unsere Oma, der Roboter“ (I sing the Body Electric) später zu einer Kurzgeschichte.
Teilweise spielen heute noch bekannten Schauspieler mit, wie Charles Bronson, Robert Redford, Peter Falk, Leonard Nimoy, Jack Klugman, Cliff Robertson, Lee Marvin, Strother Martin, R. G. Armstrong, Donald Pleasence, Richard Kiel, Veronica Cartwright, Paul Mazursky (der ja eher als Regisseur bekannt ist) und Buster Keaton.
Die tolle SW-Bildqualität muss sich nicht vor neueren Produktionen verstecken.
Und es gibt wieder erstaunlich viel Bonusmaterial. Neben vierundreißig Audiokommentaren, verteilt auf siebenundreißig Episoden (also eigentlich gibt es für jede Episode einen Audiokommentar) gibt es eine sechste DVD mit Teaser und Werbetafeln (ein netter Blick in die Vergangenheit), neunzehn Hörspieladaptionen fürs Radio, Vorlesung des alternativen Endes der Episode 70 (Eine Runde Billard), Ausschnitte aus den in den Achtzigern entstandenen Remakes der Episode 70 (Eine Runde Billard) und 87 (In den Schuhen eines Toten), Interviews mit dem Schauspieler Edson Stroll und dem Kameramann George T. Clemens, ein Ausschnitt aus der „Garry Moore Show“ und ein Ausschnitt aus der „Tell it to Groucho“-Show, in denen „The Twilight Zone“-Erfinder Rod Serling zu Gast war.
Wie schon bei den ersten beiden Staffeln ist auch die DVD-Ausgabe der dritten „The Twilight Zone“-Staffel eine filmhistorisch vorbildliche Ausgabe einer vor über fünfzig Jahren gedrehten Serie, die sich vor neuen Serien nicht verstecken muss.
Das gleiche gilt für die Geschichten. Aber das habe ich schon gesagt?

The Twilight Zone - Staffel 3 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3 (USA 1961/1962)
Erfinder: Rod Serling

DVD
Koch Media
Bild: 1,33:1 (4:3), SW
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 34 Audiokommentare, Isolierte Musikspur zu allen Episoden, 19 Radio-Hörspiele, Interviews mit Cast & Crew, Rod Serlings Auftritte in den Sendungen „The Garry Moore Show“ und „Tell ti to Groucho“, Ausschnitte aus den Farb-Remakes der 80er Jahre
Länge: 912 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today’ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Meine Besprechung von „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1“ (USA 1959/1960)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Halbe Brüder“ machen keinen ganzen Film

April 10, 2015

Es hätte so gut werden können. Immerhin ist Christian Alvart seit „Antikörper“ bekannt für gut inszenierte Genreware, die ihm auch die Hollywood-Produktionen „Fall 39“ und „Pandorum“ ermöglichten. Er inszenierte die Till-Schweiger-“Tatorte“ und sein vorheriger Kinofilm „Banklady“, eine auf Tatsachen basierende in Norddeutschland in den Sechzigern spielende Bonnie-und-Clyde-Variante, ist ein insgesamt überzeugender Gangsterthriller.
Da hätte aus der Idee, dass drei ethnisch unterschiedliche Männer beim Notar erfahren, dass sie Halbbrüder sind und die sich kurz darauf gemeinsam auf die Suche nach der Erbschaft machen, etwas werden können. Aber „Halbe Brüder“ ist eine ziemliche Enttäuschung. Nicht nur, weil der Film als Update der Sechziger-Jahre-Schlagerkomödien eine banale Klamauk-Komödie mit HipHop-Beigabe ist, sondern weil im Film immer wieder die verschenkten Themen und Möglichkeiten gestreift werden. „Halbe Brüder“ hätte das Road-Movie über die Bundesrepublik und ihre Befindlichkeiten in den letzten vierzig Jahren, über gewandelte Familienbilder, verlorene und gewonnene Utopien werden können. Es hätte zeigen können, wie die Ideen der 68er Deutschland veränderten. Aber immer wenn Alvart, der es besser kann, und Drehbuchautor Doron Wisotzky („What a Man“, „Schlussmacher“) etwas Tiefe wittern, überlassen sie den drei blödelnden Hauptdarstellern Sido, Teddy und Fahri Yardim das Feld.
Die drei titelgebenden halben Brüder sind Julian (Paul ‚Sido‘ Würdig), ein verheirateter Vertreter mit Spielschulden bei einem Gangster, Yasin (Fahri Yardim), ein unterwürfiger türkischstämmiger Unternehmersohn, und Addi (Tedros ‚Teddy‘ Teclabrhan), ein schwarzafrikanischer Möchtegernrapper auf Hartz-IV-Niveau mit schwangerer Freundin. Die Waisenkinder treffen sich erstmals in ihrer Heimatstadt Berlin bei einem Notar, der ihnen eröffnet, dass sie von ihrer Mutter, einer sexuellen Abenteuern nicht abgeneigten Nonne, ein Vermögen geerbt haben. Als Hinweis auf das Versteck des Schatzes gibt es nur eine Postkarte aus den Sechzigern, auf der ein Leuchtturm abgebildet ist.
Die drei Jungs, die aus unterschiedlichen Gründen unbedingt das Geld brauchen (vor allem Julian und Addi) und die ihre Brüder kennen lernen wollen (vor allem Yasin), machen sich gemeinsam auf den Weg von Berlin nach Frankfurt/Main, Köln und Fehmarn. Diese Suche nach dem Geld, bei der sich die drei Jungs kennen und lieben lernen, ist auch, aufgehängt an den Begegnungen mit ihren „Vätern“ und Liebhabern ihrer Mutter, eine Reise in die bundesdeutsche Vergangenheit, die bei dem Love-and-Peace-Festival, das im September 1970 auf Fehmarn stattfand, endet. Jimi Hendrix trat dort auf und er hat dann auch eine wichtige Rolle in der Filmgeschichte.
Diese Geschichte hätte locker die Grundlage für einen Film über die Veränderungen in Deutschland in den vergangenen 45 Jahren werden können. Es hätte ein Bogen gespannt werden können vom Muff der Nachkriegszeit, den Utopien der 68er und den damaligen Szenen (die ja auch durch die unterschiedlichen Väter von Julian, Yasin und Addi damals und heute symbolisiert werden) bis zur Gegenwart. Es hätte über Selbst- und Fremdbilder damals und heute, die Befreiung der Frau von konservativen Konventionen, echten und falschen Vätern, unterschiedlichen Familienmodellen, den Unsicherheiten von Vierzigjährigen über ihre Stellung in der Gesellschaft, ihren verschiedenen Lebensentwürfen und dem Zusammenleben verschiedener Ethnien erzählt werden können.
Ähem, also für mich waren die drei Brüder im Film so ungefähr Vierzig. Damit wären sie alle in den Siebzigern geboren worden, als ihre Mutter noch in ihrer wilden Hippie-Phase war. Nach dem Presseheft sind sie deutlich jünger: Julian ist 33 Jahre, Yasin 31 Jahre und Addi 26 Jahre. Aber das erscheint mir für die Filmgeschichte nicht ganz stimmig zu sein.
Jedenfalls entschlossen die Macher sich für den leichten Weg, indem sie sich an den aktuellen Hollywood-Komödien orientieren, in denen Vierzigjährige nicht erwachsen werden wollen, sich durchgehend kindisch benehmen, den Genuß von Alkohol für wahnsinnig witzig halten (den Gag lassen die „Halbe Brüder“-Macher links liegen), Geblödel mit sorgfältig ausformulierten und getimten Witzen verwechseln, und das ganze mit einer HipHop-Sauce überziehen, weil der eine Rapper sein möchte und der andere als Gangster-Rapper bekannt wurde.
Die Story ist eine episodische Ansammlung von Klischees, die alle aus einer Parallelwelt kommen, die aus US-amerikanischen Ghetto-Klischees, Gangsterfilmklischees und Freie-Liebe-Anekdoten besteht. Detlev Buck hat einen Auftritt, in dem versucht wird, das Love-and-Peace-Festival mit der Gegenwart zu verbinden. Und wenn man an sein Road-Movie „Wir können auch anders“ denkt, wird die Fallhöhe zwischen einem gelungenem und einem misslungenem Road-Movie schmerzhaft deutlich.
Diese Diskrepanz zwischen dem was möglich gewesen wäre und dem was gemacht wurde, zieht sich durch die gesamte Klamotte, dessen Gags zwischen platt, peinlich und nervig schwanken.
Und dann ist auch noch CSU-Ehrenmitglied Robert Blanco als Vater von dem Rapper Addi dabei. Blanco, der für die Schlagerkultur steht, gegen die früher die Jugendlichen auf die Straße gingen und der in jeder Beziehung das Gegenteil von Jimi Hendrix ist. Aber in „Halbe Brüder“ sollen wir glauben, dass eine heiße Hippie-Braut, die nichts anbrennen läßt, mit einem Schlagerfuzzi ins Bett geht.
Diese Vatergeschchte illustriert überdeutlich die den gesamten Film durchziehende Scheißegal-Haltung zu kulturellen Codes, die jede Gruppe nach innen festigt, und zur Sitten- und Kulturgeschichte. Stattdessen wird einfach genommen, was gerade gefällt.
Von Christian Alvart hätte ich, nach seinem stilbewussten Sechziger-Jahre-Sittengemälde „Banklady“, einen besserer Film erwartet. In „Halbe Brüder“ verkauft er sich weit unter seinem Niveau.

Halbe Brüder - Plakat

Halbe Brüder (Deutschland 2015)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Doron Wisotzky, Michael Ostrowski (Mitarbeit)
mit Paul ‚Sido‘ Würdig, Fahri Yardim, Tedros ‚Teddy‘ Teclebrhan, Mavie Hörbiger, Violetta Schurawlow, Detlev Buck, Erdal Yildiz, Robert Blanco, Charly Hübner, Samuel Finzi, Ralf Richter
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Halbe Brüder“
Film-Zeit über „Halbe Brüder“
Moviepilot über „Halbe Brüder“
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 10. April: Scarface – Tony, das Narbengesicht

April 10, 2015

3sat, 23.05

Scarface – Toni, das Narbengesicht (USA 1983, Regie: Brian de Palma)

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)

De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.

Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.

Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)

Movie Addiction über “Scarface”

New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)

Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)

Angel Fire: Brian-de-Palma-Fanseite über “Scarface”

Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)


Neu im Kino/Filmkritik: „Elser“ – ein deutscher Held

April 9, 2015

Der Film beginnt in Konstanz an einem Grenzposten zur Schweiz. Georg Elser hat in München im Bürgerbräukeller eine Bombe platziert, die Adolf Hitler töten soll. Allerdings beendet Hitler seine Rede vorzeitig und der Anschlag geht schief. Aber die Grenzbeamten halten Elser für verdächtig und eine erste Durchsuchung bestätigt ihren Verdacht, dass Elser etwas vor ihnen verbirgt. Kurz darauf beginnen Arthur Nebe, Chef der Kripo im Reichssicherheitshauptamt, und Gestapochef Heinrich Müller ihn zu verhören. Sie glauben, einen oder den Verantwortlichen für den Anschlag vom 8. November 1939 auf Hitler vor sich zu haben.
Fred Breinersdorfer, der bereits das Drehbuch für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ schrieb und „Elser“ mit seiner Tochter Léonie-Claire Breinersdorfer schrieb, entwarf „Elser“ als Gegenmodell und Variation von „Sophie Scholl“. Gerade weil beide Filme gleich aufgebaut sind (Verhaftung – Verhör mit Rückblenden – Ermordung) rückt die Frage des Widerstands gegen ein verbrecherisches Regime in den Mittelpunkt. Sophie Scholl verkörpert dabei das gesellschaftlich allgemein akzeptierte Bild des Widerstandes: jung (1921 geboren), gut aussehend (erinnert euch an die fast ikonographischen Bilder von ihr), christlich (was heute eher ignoriert wird), gewaltfrei und Teil einer ähnlich gesinnten Gruppe, deren Mitglieder weniger bekannt sind.
Georg Elser ist das Gegenmodell: schon etwas älter (1903 geboren), politisch engagiert (er war Mitglied in der KPD-Kampforganisation „Roter Frontkämpferbund“), ein Lebemann, der als übergenauer Tüftler (er war Schreiner und Uhrmacher) sich irgendwann entschloss, etwas zu tun und dann, ohne mit irgendjemand darüber zu reden, einen kaltblütigen Mord, einen Tyrannenmord, plante.
Die Frage, ob ein Tyrannenmord gerechtfertigt ist, steht dann auch im Zentrum von „Elser“, den Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“, aber auch „Das Experiment“, „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ und „Five Minutes of Heaven“ [mit Liam Neeson]) souverän als Polit-Thriller zum Nachdenken inszenierte.
Dabei umschiffen die Breinersdorfers und Hirschbiegel Vergleiche mit Klaus-Maria Brandauers „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ (1989) indem sie die konkreten Vorbereitungen, die in Brandauers Thriller im Mittelpunkt stehen, links liegen lassen. „Elser“ erzählt, nah an den historisch verbürgten Fakten, wie Elser sich ausgehend von seinen Beobachtungen entschloss, das Attentat gegen den Diktator zu planen und was nach seiner Verhaftung ihm geschah.
Der Film zeigt auch ein anderes Bild von Georg Elser, dessen Tat für verschiedene Legenden benutz wurde, in denen er meistens mehr oder selten weniger diffamiert wurde. Im Nachkriegsdeutschland wurde er lange totgeschwiegen. Seine Familie und Verwandten distanzierten sich lange von ihm. Aber das ist ein Kapitel, das in „Elser“ nicht angesprochen wird.
Elser lebte und arbeitete in den Zwanzigern am Bodensee, vor allem in Konstanz, in verschiedenen Uhrenfabriken. Seine Vorgesetzten mussten ihn immer wieder entlassen, weil die Geschäfte schlecht liefen. 1932 kehrte er zurück nach Königsbronn auf der Schwäbischen Alb. Er war ein Stenz, ein beliebter Hallodri, ein Musiker mit vielen Frauenbeziehungen, auch mit verheirateten Frauen, und der Vater von mehreren unehelichen Kindern. Er war auch ein genauer Beobachter und er zog, als einfacher Mann aus dem Volk und Hilfsarbeiter in einer Heidenheimer Armaturenfabrik, aus seinen Beobachtungen über die veränderte Stimmung im Dorf, den Nachrichten und den Kriegsvorbereitungen in der Fabrik – im Gegensatz zu fast allen Deutschen – die richtigen Schlüsse und er tat das, was er für richtig hielt. Er agierte früher und konsequenter als die anderen heute allgemein bekannten deutschen Widerstandskämpfer. Sophie Scholl, die Weiße Rose und die Soldaten um General von Stauffenberg, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, entschlossen sich erst in den letzten Kriegsjahren zum Widerstand. Elser plante seine Tat schon ein gutes Jahr vor dem Kriegsbeginn.
Am Ende des beeindruckenden Films, der auch zeigt, wie die Nazi-Ideologie sich ohne nennenswerten Widerstand in dem Dorf verbreitete, steht die Frage, ob man selbst wie Elser agiert hätte und wann ein Tyrannenmord gerechtfertigt ist.
Seine Premiere erlebte „Elser“ auf der diesjährigen Berlinale und dort sicherte sich Sony Pictures Classical, unter dem Titel „13 Minutes“, sofort die Verleihrechte für Amerika.

Elser - Plakat

Elser (Deutschland 2015)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer
mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner, David Zimmerschmied, Rüdiger Klink, Cornelia Köndgen, Martin Maria Abram, Udo Schenk
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Elser“
Film-Zeit über „Elser“
Moviepilot über „Elser“
Rotten Tomatoes über „Elser“
Wikipedia über „Elser“ und Georg Elser
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)
Homepage von Fred Breinersdorfer

Zwei kurze Interviews mit Oliver Hirschbiegel


Neu im Kino/Filmkritik: Die Doku „Cobain: Montage Of Heck“ über den „Nirvana“-Sänger

April 9, 2015

Vor über zwanzig Jahren, am 5. April 1994, erschoss sich Kurt Cobain, der Leadsänger der Grunge-Band „Nirvana“, die damals die Band der Stunde war. Songs aus ihrer zweiten LP „Nevermind“ liefen auf jeder Abiturienten- und Studentenparty und in den Discos. Die LP (oder CD) stand in fast jeder Studentenbude und so nervig damals irgendwann „Smells like Teen Spirit“ war: keine andere Grunge-Band hatte einen so großen kulturellen Einfluss. Sie war das Sprachrohr der „Generation X“. „Nirvana“ war, das fällt beim Ansehen der gelungenen Dokumentation „Cobain: Montage Of Heck“ und im Abstand von über zwanzig Jahren auf, die letzte global erfolgreiche Band, die auch die Stimme einer von der Gesellschaft missverstandenen und an ihr und ihre Bigotterie leidenden Jugend war. Sie trafen damals punktgenau den Zeitgeist. Alternative wurde Mainstream. Grunge, Sub Pop und Seattle waren die Schlagworte für den jugendlichen Musikfan.
Entsprechend groß ist immer noch das Interesse an der Band, die nur drei Studioalben veröffentlichte. Für die Bands von „Nirvana“-Schlagzeuger Dave Grohl und „Nirvana“-Bassist Chris Novoselic, der sich seitdem hauptsächlich mit anderen Dingen beschäftigt, interessieren sich deutlich weniger Menschen. Obwohl Grohls „Foo Fighters“ seit Jahren kommerziell erfolgreich sind, sind sie halt nur eine okaye Rockband. Cobains Freundin und Ehefrau Courtney Love bringt zwar periodisch Alben heraus, meistens mit ihrer 1989 gegründeten Band „Hole“. Aber auch das scheint niemand so richtig zu interessieren.
Denn ihr gesamtes Schaffen steht immer noch im Schatten weniger Jahre und eines charismatischen Musikers, der als schwer erziehbares Scheidungskind durch die halbe Verwandschaft gereicht wurde, keinen Schulabschluss hat und der für sein Umfeld ein wandelndes Katastrophengebiet war. Außerdem hatte er psychische Probleme, eine bipolare Störung und war drogenabhängig.
Nur: wie verfilmt man so ein kurzes Leben?
Man kann sich natürlich an der Chronologie abarbeiten und diese mit vielen Statements und Konzertausschnitten garnieren. So wie es halt, mehr oder weniger gelungen, aber nie besonders innovativ, in unzähligen anderen Dokumentarfilmen gemacht wird. Zuletzt in „Altman“.
Oder man nimmt, wie der Oscar-nominierte Dokumentarfilmer Brett Morgen („The Kid Stays in the Pcture“, „Chicago 10“, „Crossfire Hurricane“), die Chronologie als Rückgrat für eine Erzählung, die versucht einen Einblick in das Denken und damit in die Psyche des am 20. Februar 1967 geborenen Kurt Cobain zu geben. Morgen wählte diesen Weg nachdem er von Cobains Tochter Frances Bean Cobain den uneingeschränkten Zugriff auf die seit Cobains Tod in einem Lagerraum deponierten und seitdem nicht geöffneten Kisten mit Cobains Notizen, über viertausend Seiten, verschiedenen Kunstprojekten, über zweihundert Stunden unveröffentlichte Musik- und Tonaufnahmen, unzählige Soundcollagen, Mix-Tapes und Home-Videos erhielt. Eines der Mix-Tapes (für die Jüngeren: Erinnert ihr euch an die Musikkassette von ‚Star-Lord‘ Peter Quill in „Guardians of the Galaxy“? Das ist ein Mix-Tape und wir investierten in der Prä-MP3-Zeit viel Zeit in das Zusammenstellen von 90-minütigen Zusammenstellungen unserer Lieblingslieder für ungefähr jeden denkbaren Anlass.) hieß „Montage Of Heck“ und Morgen fand, dass dies ein guter Titel für seinen Film sei, der eben die Weltsicht von Cobain reflektiert.
Entsprechend intim und oft auch unangenehm ist „Cobain: Montage Of Heck“ ausgefallen. Denn der über zweistündige Film besteht, abgesehen von den kurzen Interviews (mit Cobains Eltern, seiner engsten Verwandschaft, seiner ersten Freundin Tracy Marander, die ihn durchfütterte, Chris Novoselic und Courtney Love) und einigen animierten Sequenzen, aus Schnappschüssen, Home-Videos, die Cobain und Courtney Love in ihrer Wohnung drehten und die niemals für die Öffentlichkeit bestimmt waren, und Konzertausschnitten, die optisch und akustisch nicht wesentlich besser sind. Auch die Ausschnitte aus Stadionkonzerten haben – immerhin entstanden sie in den frühen Neunzigern – eine erschreckend schlechte Bild- und Tonqualität, die natürlich auch dem rauhen Sound von „Nirvana“ entspricht, die aber auf die Länge von über zwei Stunden schon die Empathie eines gestandenen Fans verlangt.
Nach dem Abspann gibt es noch ein zwölfminütiges Interview mit Brett Morgen, das einen interessanten Einblick in den Dreh vermittelt und das typisches DVD-Bonusmaterial ist. Deshalb wirkt es im Kino und nach dem bewusst chaotischen Film ziemlich deplatziert.

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Cobain: Montage Of Heck (Kurt Cobain: Montage Of Heck, USA 2015)
Regie: Brett Morgen
Drehbuch: Brett Morgen
mit Wendy O’Connor, Kimberly Cobain, Don Cobain, Jenny Cobain, Tracy Marander, Courtney Love, Chris Novoselic, Kurt Cobain (Archivaufnahmen)
Länge: 145 Minuten (der deutschen Kinofassung)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Cobain: Montage Of Heck“
Moviepilot über „Cobain: Montage Of Heck“
Metacritic über „Cobain: Montage Of Heck“
Rotten Tomatoes über „Cobain: Montage Of Heck“
Wikipedia über „Cobain: Montage Of Heck“, Kurt Cobain (deutsch, englisch) und Nirvana (deutsch, englisch)
AllMusic über Nirvana

Ein Interview mit Brett Morgen über seine Arbeit und den Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Warte, bis es dunkel wird“ und der Phantom-Killer kommt

April 9, 2015

31. Oktober 2013: Die Jugendlichen der Kleinstadt sehen sich, wie jedes Jahr, im Autokino „The Town that dreaded Sundown“ (Der Phantomkiller/Der Umleger, USA 1976, Regie: Charles B. Pierce) an. Ein fröhliches Happening mit Bier und Fummeleien ist geplant.
1976: Eine Filmcrew dreht „The Town that dreaded Sundown“. Der bei uns fast unbekannte frühe Slasher-Horrorfilm basiert auf einer Mordserie, die im Frühling 1946 Texarkana erschütterte.
1946: In Texarkana, einer Stadt die eigentlich aus zwei Städten besteht, die auf der Grenze zwischen Texas und Arkansas liegt, bringt der Phantom-Killer acht Menschen um. Die „Mondlicht-Morde“, die es wirklich gab, wurden nie aufgeklärt.
Zurück in der Gegenwart wird die jährliche Filmpräsentation durch Jami Lerner gestört. Sie hatte mit ihrem Freund das Autokino verlassen, um auf einem abgelegenem Platz im Wald das zu haben, was in Horrorfilmen immer mit dem Tod der Beteiligten endet. Dieses Mal bringt der plötzlich aus dem Wald auftauchende maskierte Killer, der aussieht wie der Mörder in dem Film und damit wie der Mörder von 1946 und der für die Dorfjugend nur eine nette Schauerlegende ist, nur ihren Freund um. Sie muss die Tat ansehen (hübsch gefilmt als sich auf einer Steinwand abzeichnendes Schattentheater) und kann entkommen.
Das ist der gar nicht so unsympathische Auftakt zu Alfonso Gomez-Rejons Meta-Horrorfilm „Warte, bis es dunkel wird“, der danach lange Zeit vor sich hin plätschert, weil der Mörder erst eine längere Pause einlegt, die Filmgeschichte sich nirgendwohin entwickelt und es unklar ist, wer der Protagonist sein soll. Letztendlich ist es Jami, die auf eigene Faust beginnt, den Mörder zu suchen und dabei auch in den Archiven der beiden Städte stöbert. Denn irgendwie hängen die aktuellen Morde mit dem Film und der historischen Mordserie zusammen.
Gomez-Rejon („Glee“, „American Horror Story“) inszenierte allerdings auch einen Film, der sein Potential niemals ausschöpft. Das liegt an seiner Marotte, möglichst viele Dutch Angles in neunzig Minuten unterzubringen. Aber nach der dritten ohne Sinn und Verstand eingesetzten schrägen Kameraperspektive nerven die kippenden Bild nur noch. Immerhin gibt es in dem gut aussehendem Slasher keine Wackelkamera und sinnlos falsch belichtete Szenen.
Es gibt aber einige Anschlussfehlern und ein Drehbuch, das ziemlich zusammenhanglos zwischen den drei Zeitebenen hin- und herspringt. Es gibt im Drehbuch auch einige Schlampereien, die man eigentlich nach der ersten Fassung hätte beseitigen müssen. So schnappt sich die Heldin am Ende, wenn sie vor dem Killer flüchtet, noch schnell und ohne einen ersichtlichen Grund die Handtasche ihrer Großmutter. Später erfahren wir, dass in der Handtasche eine Schusswaffe ist. In einem besseren Film hätten wir das schon gewusst bevor sie sich die Tasche schnappt. Und wenn der Film in dem Moment spannender gewesen wäre, wäre mir das idiotische Verhalten von Jami überhaupt nicht aufgefallen. Immerhin reden wir vom Höhepunkt des äußerst unblutigen Horrorfilms.

Warte bis es Dunkel wird - Plakat

Warte, bis es dunkel wird (The Town that dreaded Sundown, USA 2014)
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa
mit Addison Timlin, Veronica Cartwright, Travis Tope, Gary Cole, Joshua Leonard, Anthony Anderson, Ed Lauter
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Warte, bis es dunkel wird“
Moviepilot über „Warte, bis es dunkel wird“
Metacritic über „Warte, bis es dunkel wird“
Rotten Tomatoes über „Warte, bis es dunkel wird“
Wikipedia über „Warte, bis es dunkel wird“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. April: Kurzer Prozess – Righteous Kill

April 9, 2015

3Sat, 22.25

Kurzer Prozess – Righteous Kill (Righteous Kill, USA 2008)

Regie: Jon Avnet

Drehbuch: Russell Gewirtz

Endlich spielen die beiden besten Schauspieler ihrer Generation wirklich in einem Film zusammen. In „Der Pate II“ hatten sie keine gemeinsame Szene; in „Heat“ nur eine nennenswerte gemeinsame Szene. In „Kurzer Prozess“ stolpern sie gute zwei Stunden durch einen Krimi, über den niemand ein gutes Wort verlieren will. Denn während Russell Gewirtz in „Inside Man“ einen guten Bankraubthriller schrieb, lässt er in „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ die Polizisten Turk (De Niro) und Rooster (Pacino) einen Mörder jagen, der an Verbrechern Selbstjustiz übt. Schnell fällt der Verdacht auf Turk.

Der überaus durchschnittliche 08/15-Polizeifilm reiht sich nahtlos in das absolut enttäuschende Spätwerk von Robert De Niro und Al Pacino ein, die – mit wenigen Ausnahmen – seit gut zwanzig Jahren nur noch Filme machen, die höchstens mit exorbitant hohen Gagen erklärbar sind.

„Eines der traurigsten Starvehikel seit langem“ (epd Film 1/2009).

Mit Robert De Niro, Al Pacino, Curtis Jackson, Carla Gugino, John Leguizamo, Donnie Wahlberg, Brian Dennehy, Melissa Leo

Hinweise

Amerikanische Seite zum Film

Deutsche Seite zum Film

Film-Zeit über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“

Rotten Tomatoes über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“

Wikipedia über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. April: Gallipoli

April 7, 2015

Arte, 20.15
Gallipoli (Australien 1981, Regie: Peter Weir)
Drehbuch: David Williamson (nach einer Geschichte von Peter Weir)
LV: Bill Gammage: The Broken Years, 1970
Erster Weltkrieg: die beiden aus Australien kommenden, miteinander befreundeten Läufer Frank Dunne und Archy Hamilton melden sich freiwillig als Kämpfer für die britische Armee. Nach ihrer Ausbildung werden sie als Kanonenfutter auf die Halbinsel Gallipoli geschickt.
Eindrucksvoller Antikriegsfilm mit Mel Gibson am Anfang seiner Weltkarriere. Auch Peter Weir setzte kurz darauf die Segel in Richtung Hollywood.
mit Mel Gibson, Mark Lee, Bill Hunter, Robert Grubb, David Argue

Hinweise

Moviepilot über „Gallipoli“

Metacritic über „Gallipoli“

Rotten Tomatoes über „Gallipoli“

Wikipedia über „Gallipoli“ (deutsch, englisch) und über Peter Weir (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Peter Weir

The Peter Weir Cave (eine Fanseite)

Meine Besprechung der “Peter Weir Collection” (mit “Die Autos, die Paris auffrassen”, “Picknick am Valentinstag”, “Die letzte Flut” und “Wenn der Klempner kommt”)

Peter Weir in der Kriminalakte

Keine Ahnung, ob die BBC-Doku etwas taugt, aber sie liefert sicher einige historische Hintergründe zum Film:


DVD-Kritik: „Borgman“ besucht eine Familie

April 7, 2015

Schon die ersten Minuten von „Borgman“ zeigen, das dieser Film vielleicht in den Niederlanden gedreht wurde, er aber mit Sicherheit in keinem Land spielt, das wir kennen. Denn drei Männer, angeführt von einem Priester, jagen Borgman und seine Freunde, die im Wald in unterirdischen Verstecken und Wohnungen, die sie einfach so in den Boden gegraben haben, leben. Im Gegensatz zu normalen Obdachlosen haben sie alle einen erstaunlich saubere Anzüge an (Hey, sie leben in der Erde!) und sie besitzen Handys. Eigentlich sind sie, abgesehen vom Ort ihrer Wohnung, ganz normal.
Auf ihrer Flucht trennen sie sich. Borgman sieht in einer anonymen Vorortsiedlung ein Haus, das seinen Bedürfnissen entspricht. Er klingelt, begehrt Einlass, behauptet ein alter Bekannter von Marina zu sein. Ihr Ehemann Richard verprügelt ihn. Als Richard weg ist, klingelt er wieder. Marina lässt ihn herein – und ab diesem Moment ist Borgman wie ein Hausgeist überall und nirgends in dem Haus. Später stoßen noch einige seiner Freunde, die keinen Respekt vor dem Leben ihrer Mitmenschen haben, dazu und auf eine seltsam verquere Weise wird das Leben der Hausbesitzer zu einer Hölle, aus der sie zwar jederzeit ausbrechen könnten, aber es nicht tun. Sie lassen die Eindringlinge gewähren. Bis es zu spät ist.
Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam („Die letzten Tate der Emma Blank“) benutzt in seinem neuesten Film die Genrekonventionen, die er immer wieder unterläuft und mit absurden Momenten anreichert (wie einer umfassenden Verschönerung des Geländes, das dieses zuerst einmal vollkommen zerstört), um auf der visuellen Ebene über verdrängte Gefühle zu reden. Dabei gelingt es ihm, die Spannung zu halten und gleichzeitig viele Interpretationsmöglichkeiten für seine Geschichte anzubieten. „Borgman“ ist eine Metapher. Aber für was?
Eben diese Offenheit für viele verschiedene Interpretationen ist die große Stärke des Films über das Eindringen des Bösen und/oder des Unheimlichen und/oder des Verdrängten in eine normale Mittelstandsfamilie. Der schwarzhumorige Film erinnert daher mehr an die Werke von Luis Bunuel als an einen US-amerikanischen Home-Invasion-Thriller.
In Cannes lief „Borgman“ im Wettbewerb und, neben zahlreichen anderen Preisen, gewann er in Sitges die Maria.

Borgman - DVD-Cover

Borgman (Borgman, Niederlande/Belgien 2013)
Reige: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
mit Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere

DVD
Pandastorm
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Niederländisch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Deleted Scenes, Wendecover
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Borgman“
Moviepilot über „Borgman“
Metacritic über „Borgman“
Rotten Tomatoes über „Borgman“
Wikipedia über „Borgman“ (deutsch, englisch)