Lange Jahre war der Mount Everest, der erst am 29. Mai 1953 von Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay erstmals bestiegen wurde, ein Berg für wenige, ausgezeichnete Bergsteiger. Bis dann, ab Ende der achtziger Jahre, kommerzielle Besteigungen organisiert wurden. Bei ihnen gelangten auch unerfahrene Bergsteiger auf den Gipfel. 1996 kam es zu einer Katastrophe, bei der innerhalb weniger Stunden acht Bergsteiger starben – und wenn ihr schon jetzt wissen wollt, was damals genau geschah und wer überlebte, kann es hier nachlesen. Einige werden auch Jon Krakauers Sachbuch-Bestseller „In eisige Höhen – Das Drama am Mount Everest“ (Into thin Air: A Personal Account of the Mt. Everest Disaster, 1997) gelesen haben. Krakauer war bei der Besteigung als Journalist dabei. Im Film wird er von Michael Kelly gespielt. Auch andere Überlebende schrieben Bücher darüber, die allerdings nicht so bekannt sind.
Aber auch wenn man die Geschichte kennt, wird man wohl gefesselt von Baltasar Kormákurs Bergsteiger-Drama „Everest“ (das man sich auch in 3D im IMAX ansehen kann) sein. Mit einer großen Besetzung – Jason Clarke, Josh Brolin, Jake Gyllenhaal, John Hawkes (eher ein Indie-Liebling) in den Hauptrollen, Sam Worthington und Emily Watson in wichtigen Nebenrollen, Keira Knightley und Robin Wright als zu Hause sitzende Bergsteigerfrauen – und einem Blick auf die fotogene Bergwelt (es wurde in Nepal und in den italienischen Alpen, im Val Senales und auf dem Senales-Gletscher, gedreht) erzählt Kormákur seinen Katastrophenfilm klassisch und chronologisch die Geschichte. Beginnend von der Ankunft der Bergsteiger in Kathmandu, über die Einführung des erfahrenen und sicherheitsbedachten „Adventure Consultans“-Bergsteigers Rob Hall (Jason Clarke) über die Gefahren des Berges, den ersten Erfahrungen der zahlenden Kunden (die alle ein kleines Vermögen für das Abenteuer ausgeben) am Berg und schließlich, zusammen mit der von Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) geführten Gruppe seines Unternehmens „Mountain Madness“, am 10. Mai 1996 dem Aufstieg zum Gipfel. Insgesamt wollten an diesem Tag innerhalb weniger Stunden 34 Bergsteiger den Gipfel erreichen. Schon die letzte Etappe war, wegen des Wetters, problematisch. Der Abstieg, der in der zweiten Hälfte des Films geschildert wird, endet dann in der bekannten Katastrophe.
Baltasar Kormákur („The Deep“, „Contraband“, „2 Guns“) erfindet zwar den Bergsteigerfilm nicht neu, aber das wollte er auch nie. Er will nur, ohne Schuldzuweisungen und ohne eine eindeutige Position zu beziehen, die Geschichte einer angekündigten Katastrophe, die aus einer fatalen Mischung aus Gutwilligkeit, Überschätzung, Egoismus und Dummheit geschah, schildern. Denn nur weil ein Berg da ist, sollte nicht jeder auf ihn draufsteigen dürfen.
Das in „Everest“ geschilderte Unglück führte allerdings nicht zu einem Ende des Mount-Everest-Tourismus. Die Bergsteiger, die die Touren anboten, verbesserten ihre Gefahreneinschätzungen. So sagt Guy Cotter, Key Alpine Advisor des Films, der damals ebenfalls für „Adventure Consultans“ dabei war, seitdem Chef der Firma ist und von Sam Worthington gespielt wird: „Für uns als Große-Höhen-Bergführer-Bruderschaft waren die Ereignisse von 1996 sehr lehrreich. Wir haben uns anschließend viele Fragen gestellt, wie wir verhindern können, dass so etwas noch einmal passiert. Ich glaube, dass wir als Industrie, wenn man so will, davon erwachsen geworden sind. Rob [Hall] war definitiv auf seinem Höhepunkt, aber es war noch sehr früh in der Entwicklung des Bergführens in großen Höhen und manchmal überleben die Pioniere die Entdeckung der Parameter ihrer Umgebung nicht.“
Die Ausrüstung wurde besser und jetzt hinterlassen noch mehr Menschen ihren Müll auf dem Weg zum und auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt.
Zum Glück können wir das im gut klimatisierten Kinosaal tun. Denn, seien wir ehrlich, viel näher werden wir dem Mount Everest niemals kommen.
Manuel Kaminski (Jesper Christensen) ist eine inzwischen fast vergessene Legende, die seit Jahren zurückgezogen in der Schweiz in einem Chalet lebt. Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) möchte über ihn eine große Reportage schreiben, die Kaminski aus dem Vergessen hinausreißt und die ihm, wenn der 85-jährige Künstler stirbt (was angesichts seines Alters demnächst sein müsste), von all seinen finanziellen Problemen erlöst. Immerhin könnte er dann ein Buch über seine Begegnung mit Kaminski, dem Schüler von Matisse, Freund von Picasso und Held der Pop-Art schreiben. Denn wirklich bekannt wurde Kaminski in den Sechzigern in New York im Umfeld der Pop-Art durch sein Gemälde „Painted by a blind man“, das irrtümlich zu dem Gerücht führte, Kaminski sei blind. Kaminski wurde zum Liebling der Szene und verkaufte seine Bilder zu utopischen Preisen. Als er wirklich (Wirklich?) erblindete, zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Zöllner macht sich also auf den Weg in die Berge und die erste Hälfte von Wolfgang Beckers neuem Film „Ich und Kaminski“ ist als Satire auf den Kunstbetrieb auch äußerst gelungen. Zöllner, das „Ich“ des Titels, ist ein Aufschneider und Arschloch, das auch wirklich blind jeden Fettnapf trifft, und diese Diskrepanz zwischen der Realität und wie Zöllner sie und sich (als Genie) sieht, sorgt für einige Lacher. Auch die sich um Kaminski versammelte Gefolgschaft und Kaminskis seltsames Verhalten, bei dem unklar ist, ob er wirklich der tatterige, alte Blinde oder einfach nur ein grantiges Ekel ist, das alle manipuliert, sorgen für einige Lacher. Während Zöllners ungeniertes Herumschnüffeln in Kaminskis Privatleben und Haus eher peinlich berührt. So entdeckt er im Keller einige von Kaminskis Spätwerken, die er sofort klaut, um sie später zu Geld zu machen. Moralische Skrupel sind für Zöllner zwei Fremdworte. Aber das gilt auch für fast alle Menschen, denen Zöllner begegnet.
Als er bei seinem Herumschnüffeln von Kaminskis verflossener Liebe Therese erfährt und Kaminski sie unbedingt noch einmal sehen will, brechen die beiden ungleichen Gefährten auf. Das sich ab jetzt quer durch Europa entwickelnde Road-Movie ist dann ungleich schwächer. Es folgt einfach zu sehr den bekannten Pfaden von zwei unterschiedlichen Charakteren, die auf ihrem gemeinsamen Weg zueinander finden. Auch die Witze werden platter. Aber das ist, zugegeben, Meckern auf hohem Niveau.
Denn Wolfgang Becker (zuletzt „Good Bye, Lenin“) ist mit „Ich und Kaminski“ ein enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film über unsympathische Menschen gelungen. Es ist ein erfrischend undeutscher, sehr sympathischer Film.
Es fällt mir schwer, bei „Captive“ nicht zynisch zu werden – und das zeigt schon die Größe des Desasters, die Diskrepanz zwischen gut gemeinter, aber hier peinlich penetranter Botschaft und banaler Umsetzung, an. Dabei basiert der Film auf einer wahren Geschichte, er ist professionell inszeniert, die Schauspieler sind auch gut und die Geschichte einer Geiselnahme bietet, dank eines klaren Konfliktes, immer eine ordentliche Grundspannung. Da kann man nicht viel falsch machen, wenn es nicht – erstens – die wahre Geschichte gäbe und sie nicht – zweitens – am Ende mit einer unerträglich kitschigen, christlichen Tünche zugekleistert würde, die beim Abspann ein ungeahnt peinliches Ausrufezeichen hinter die Botschaft setzen würden. Dann herzen sich bei einer Talkshow die wahre Geisel und der wahre Lebensratgeber-Autor und eine sehr gospelige Version von Bob Dylans „Pressing On“ (von seiner nicht besonders geschätzten LP „Saved“, in der er, zum Entsetzen seiner Fans, sein neu entdecktes Christentum musikalisch verarbeitete) ertönt, die bibeltreue Christen wohl begeistert mitsingen lässt. Die sind auch das Zielpublikum von „Captive“.
Denn dank des banalen christlichen Lebensratgeber-Bestsellers „The Purpose Driven Life“, geschrieben von dem evangelikalen Pfarrer Rick Warren, dessen im Film präsentierten Weisheiten zwischen „Gott hat dich lieb“, „Gott hat einen Weg für dich vorgesehen“ und „Gott hat dich sehr lieb“ schwanken, werden hier eine Junkie-Mutter (Kate Mara auf blass geschminkt) und ein flüchtiger, eiskalter Mehrfachmörder (David Oyelowo, der sich hier unter Wert verkauft) innerhalb einer Nacht zu besseren Menschen bekehrt. Das ist, auch wenn es sich so ähnlich in einer Nacht 2005 in Atlanta abspielte, in im Film psychologisch einfach unglaubwürdig erzählt und ohne irgendeine weitergehende Inspiration verfilmt.
Jerry Jameson ist ein altgedienter TV-Regisseur (unzählige Folgen für Serien wie
„Twen-Police“, „Cannon“, „Magnum“, „Dallas“, „Mord ist ihr Hobby“ und „Walker, Texas Ranger“), der auch einige Spielfilme („Airport ’77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck“, „Hebt die Titanic“) inszenierte. Aus rätselhaften Gründen holte man den 1934 geborenenRoutinier Jameson aus dem wohlverdienten Ruhestand zurück. Er inszenierte „Captive“ dann auch ohne besondere Ansprüche als den „TV-Film der Woche“. Dieses Mal mit penetrant christlicher Botschaft und einem für US-Verhältnisse angenehm gewaltfreien, aber auch unglaubwürdigem dritten Akt.
Mein Bruder Kain (USA 1992, Regie: Brian De Palma)
Drehbuch: Brian De Palma
Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.
Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)
Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry
Small Town Murder Songs (Kanada 2010, Regie: Ed Gass-Donnelly)
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.
ZDFkultur, 20.15/23.40 Buffalo ’66 (USA 1997, Regie: Vincent Gallo)
Drehbuch: Vincent Gallo, Alison Bagnall (nach einer Geschichte von Vincent Gallo)
Radikales, überaus experimentierfreudiges und verspieltes US-Independent-Kino, das in der Tradition von John Cassavetes steht und eine einfache Geschichte erzählt: Gallo spielt den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Billy Brown, der Layla entführt, die er seinen Eltern als seine Geliebte vorstellt. Layla verliebt sich dann doch in den großmäuligen Billy. Aber dieser hat nur einen Racheplan im Kopf.
Gallos zutiefst persönliches und galliges Regiedebüt begeistert mit seiner rohen Energie, den präzisen Beobachtungen eines verkorksten Lebens (mit zwei Alptraum-Eltern, die grandios von Ben Gazzara und Anjelica Huston gespielt werden) und den immer wieder eingestreuten Hollywood-Überhöhungen, die gleich als schaler Schein entzaubert werden.
Der Filmtitel „Buffalo ’66“ spielt auf den Handlungsort Buffalo, New York, und das Geburtsjahr des Protagonisten Billy Brown an.
„Buffalo ’66“ (auch „Buffalo 66“) war damals ein Versprechen, das der in Buffalo geborene Vincent Gallo (der auch die Musik schrieb) bislang nicht einlöste. Was sicher auch an seiner durchaus problematischen Persönlichkeit liegt. Immerhin ist er nie um einen starken Spruch und eine Beleidigung verlegen.
„beklemmende Galgenhumor-Studie eines Verlierers“ (Angie Dullinger, AZ, 29. Juni 1998)
mit Vincent Gallo, Christina Ricci, Ben Gazzara, Anjelica Huston, Mickey Rourke, Rosanna Arquette, Kevin Corrigan, Jan-Michael Vincent, Kevin Pollak Hinweise Homepage von Vincent Gallo Rotten Tomatoes über „Buffalo ’66“
Wikipedia über „Buffalo ’66“ (deutsch, englisch)
Arte, 20.15 Am Rande der Nacht(Tchao Pantin, Frankreich 1983)
Regie: Claude Berri
Drehbuch: Claude Berri, Alain Page
LV: Alain Page: Tchao Pantin, 1983
Ex-Polizist Lambert verdient seine normalerweise flüssigen Brötchen als Tankwart. Als sein Freund, ein arabischer Kleindealer, umgebracht wird, beginnt Lambert einen Rachefeldzug.
Äußerst gelungener Film noir – gemacht von zwei Männern, die damals für leichte Unterhaltung und Komödien bekannt waren. Der in Frankreich sehr populäre Komiker Coluche brachte sich damals als Präsidentschaftskandidat ins Gespräch. Er starb überraschend 1986 mit 41 Jahren. Arte zeigt die Tage eine kleine, aber sehr feine Claude-Berri-Reihe mit vielen selten gezeigten Perlen. So lief „Am Rande der Nacht“ nach meiner Buchführung zuletzt im September 2009 im Fernsehen. Arte zeigt die 2014 restaurierte Fassung.
Im Anschluss, um 21.45 Uhr, läuft „Papas Kino“ (La cinéma de papa, Frankreich 1970); ein Frühwerk von Berri.
Mit Coluche, Richard Anconina, Agnès Soral, Philippe Léotard Wiederholung: Dienstag, 15. September, 13.55 Uhr
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Les diaboliques: Celle qui n´etait pas, 1952 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)
Privatschullehrer Delasse quält mit sadistischer Freude seine herzkranke Frau und seine Geliebte. Da beschließen die beiden Frauen, das Ekelpaket umzubringen.
Eher selten gezeigter Klassiker, der einem auch heute noch den Atem raubt.
Das Drehbuch gewann einen Special Edgar.
Anschließend, um 22.05 Uhr, läuft Chris Markers einstündige Doku „Erinnerungen an Simone – Eine Hommage an Simone Signoret“ von 1986.
mit Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Michel Serrault
Auf der Berlinale ging der Darstellerpreis an Charlotte Rampling und Tom Courtenay, die in „45 Years“ ein seit den titelgebenden 45 Jahren verheiratetes, kinderloses Ehepaar spielen und sie spielen dieses Ehepaar auch fantastisch in den kleinen Gesten, die Vertrauen und dann auch Verunsicherung ausdrücken. Denn kurz vor dem Hochzeitstag, der mit einer großen Party gefeiert werden soll, erhält Geoff Mercer einen Brief aus der Schweiz. Seine Jugendliebe Katya, die 1962 während eines Wanderurlaubs in eine Schlucht stürzte und deren Leiche erst jetzt, ein halbes Jahrhundert später, entdeckt wurde, hatte ihn als ihren nächsten Angehörigen genannt. Sie waren damals ein Liebespaar. Geoff erinnert sich jetzt wieder an sie und er gesteht seiner Frau Kate, einer pensionierten Lehrerin, die er erst danach kennen lernte, dass er, wenn er nicht sie geheiratet hätte, Katya geheiratet hätte.
„45 Years“ ist ein stilles, von den beiden Hauptdarstellern getragenes Drama in dem die Verunsicherung von Geoff und Kate über den Brief und seine Folgen nur angedeutet wird. Geoff beginnt zunehmend in Erinnerungen zu schwelgen. Kate fragt sich, ob sie nicht gegenüber der Verstorbenen nur die zweite Wahl war. Das wird von Andrew Haigh, nach einer knapp zwölfseitigen, lesenswerten Kurzgeschichte von David Constantine, äußerst langsam, in jeder Beziehung sehr reduziert und intim und mit der Konzentration auf einen Ort, das Haus der Mercers und einige Ausflüge in das nahe gelegene Dorf, erzählt. Fast so, als passe er sein Erzähltempo dem Schritttempo von Pensionären an, die nicht langsam genug gehen können, bis sie ans Ziel gelangen, was in „45 Years“ die Hochzeitsfeier ist, auf der wir ein reinigendes Gewitter erwarten.
Bis dahin stehen vor allem die immer stärker werdende Verunsicherung von Kate über ihre Ehe im Mittelpunkt, die mir, nachdem Kate fast fünfzig Jahre mit Geoff verheiratet ist und als zupackend-patente Ex-Lehrerin geschildert wird, dann doch zu weit hergeholt ist.
Allerdings richtet sich „45 Years“ auch an die Generation 50+, naja, 60+, naja Pensionäre, die seit Jahrzehnten miteinander verheiratet sind. Die sehen die Geschichte und das äußerst geruhsame Erzähltempo wahrscheinlich anders.
Der Vampir fühlt sich unwohl.
Der Vampir geht zum Therapeuten und erzählt ihm, dass er lebensüberdrüssig sei (was ja nach einigen Jahrhunderten vorkommen kann), dass er sich nicht mehr im Spiegel ansehen könne (bekannte Vampirkrankheit) und er Probleme mit seiner Frau habe, was in den besten Familien vorkommt.
Der Therapeut bemerkt nicht, wer sein Patient ist. Auch die ungewöhnlichen Therapiestunden irritieren ihn nicht. Denn die Leute kommen ja zu ihm, weil sie Probleme haben. Da ist der Wunsch nach Treffen nach Sonnenuntergang nicht weiter schlimm.
Der Therapeut ist Dr. Sigmund Freud und „Therapie für einen Vampir“ spielt folgerichtig im Wien der frühen dreißiger Jahre und natürlich ist David Ruehms Film ein herrlicher Wiener Schmäh, bei dem niemand über irgendetwas erstaunt ist, während der Filmfan sich in den Anspielungen suhlen kann. Vor allem nachdem der Vampir, ein Graf, sich in die Freundin von einem Mitarbeiter Sigmund Freuds verliebt. Lucy ist das Ebenbild seiner schon vor Jahrhunderten verstorbenen großen Liebe. Deren Freund ist ein Maler, in den sich die Gräfin auf einem ihrer nächtliche Streifzüge verliebt. Was sie nicht davon abhält, eifersüchtig zu sein.
Neben dem todernst präsentiertem Beziehungsgerangel (das dadurch natürlich noch witziger wird) punktet der Film mit seinen pointierten Einzeilern und Dialogen und seiner Ausstattung. Gedreht wurde im Studio am Wiener Rosenhügel, das auch immer als Studio erkennbar bleibt, weil die Horrorfilme der dreißiger Jahre auch im Studio gedreht wurden. Die Computertricks versuchen das überhaupt nicht zu verschleiern, sondern sie verstärken das wohlige Retro-Gefühl dieser bissfreudigen Liebeskomödie.
Therapie für einen Vampir (Der Vampir auf der Couch, Österreich/Schweiz 2014)
Regie: David Ruehm
Drehbuch: David Ruehm
mit Tobias Moretti, Jeanette Hain, Cornelia Ivancan, Dominic Oley, David Bennent, Karl Fischer, Ernie Mangold, Lars Rudolph, Anatole Taubman, Julia Jelinek
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Therapie für einen Vampir“ Moviepilot über „Therapie für einen Vampir“
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Brian De Palma!
3sat, 00.15 Redacted (USA/Kanada 2007, Regie: Brian De Palma)
Drehbuch: Brian De Palma
Irak, 2006: US-Soldaten vergewaltigen und töten eine 15-jährige Irakerin und ihre Familie. Vor einem Untersuchungsausschuss des Militärs sollen sie erzählen, was geschah.
De Palma zeigt dies in einer Collage aus Videos, Bildern von Überwachungskameras und dem Videotagebuch eines Soldaten – und er reflektiert so in seiner wütenden Anklage auch über die Wahrheit von Bildern.
„Redacted“ erschien bei uns nur auf DVD und erlebt erst heute, zu später Stunde, seine TV-Premiere.
Davor, um 22.35 Uhr, läuft „Dressed to Kill“. Und kommende Woche zeigt 3sat weitere Filme des 75-jährigen Meisters.
mit Kel O’Neill, Ty Jones, Daniel Stewart Sherman, Zahra Zubaidi, Izzy Diaz, Karima Attayeh, Rob Devaney Hinweise 3sat über seine Brian-De-Palma-Reihe Moviepilot über „Redacted“ Metacritic über „Redacted“ Rotten Tomatoes über „Redacted“
Wikipedia über „Redacted“ (deutsch, englisch) Brian De Palma in der Kriminalakte
Wie man die Welt ändert, das wussten in den frühen Siebzigern auch in Kanda die Hippies nicht. Aber sie waren gegen den geplanten Atomtest der USA in Amchitka, Alaska. Also charterten einige von ihnen einen rostigen Fischkutter, nannten ihn „Greenpeace“, und machten sich im September 1971 auf den Weg nach Alaska. Dass sie damit etwas starteten, was, wie man so schön pathetisch sagt, größer wurde, als sie selbst, ahnten sie nicht. Denn die Fahrt bedeutet auch die Geburtsstunde von Greenpeace und der damals spontan ausgedachte Name und das Logo wurden weltberühmt.
Sie hatten, wie sie bei der Rückkehr ihrer als erfolglos empfundenen Fahrt (sie hatten Amchitka nicht erreicht) erfuhren, nicht nur die Tests verzögert (kurz darauf wurden sie endgültig abgebrochen), sondern ihre Berichte von der Fahrt hatten auch dazu geführt, dass es in Kanada in allen größeren Städten Proteste gegen den US-Atomtest gab und sie zu ihrer Überraschung, bei der Einfahrt in den Hafen, von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wurden. In den nächsten Monaten und Jahren, während die Gründer auf den Weltmeeren für Frieden und Umweltschutz protestierten, gründeten sich schnell weitere Unterstützergruppen, was dann auch schnell zu Konflikten mit den basisdemokratischen Prinzipien und den Egos der Gründer führte.
In seiner absolut sehenswerten Dokumentation „How to change the World – The Revolution will not be organized“ erzählt Jerry Rothwell das erste Jahrzehnt der Umweltorganisation und den Selbstzweifeln und Machtkämpfen der Gründer untereinander. Und weil mit Robert ‚Bob‘ Hunter (aus dessen Perspektive der Film geschildert wird) von Anfang an ein Journalist an Bord war und alle mit einer Dokumentation ihrer ersten Fahrt (später wurde gerade diese Betonung öffentlichkeitswirksamer Aktionen und das fotogene Anbringen des „Greenpeace“-Logos zu einem Vorwurf) einverstanden waren, konnte Rothwell auf einem sagenhaftem Fundus historischer Aufnahmen zurückgreifen. In den Greenpeace-Archiven in Amsterdam lagerten 1500 Filmdosen mit 16mm-Filmen, die bislang nicht geöffnet waren. Sie sind ungewöhnlich professionell aufgenommen und sehen daher, was man nicht von allen Dokumentationen mit historsichem Filmmaterial behaupten kann, auch auf der Kinoleinwand gut aus.
Auf ihrer Fahrt nach Amchitka entdeckten die Pazifisten eine verlassene Walfangstation und damit auch das Thema, mit dem Greenpeace über die nächsten Jahre bekannt wurde: dem Kampf gegen den Walfang. Im Golf von Alaska waren sie damals schon ausgerottet. In diesen Jahren wuchs die Organisation, es gab Streit zwischen den Gründern (die in historischen und aktuellen Statements zu Wort kommen) und mit dem Kampf gegen die Robbenjagd hatte Greenpeace Ende der siebziger Jahre, unterstützt von Prominenten, ihr zweites großes Thema gefunden. Diese Jahre, die mit der Gründung von Greenpeace International (und damit einer neuen Struktur der Organisation) endeten, schildert Rothwell mit kritischer Sympathie und er vermittelt viel von der damaligen Aufbruchstimmung und dem kompromisslosem Kampf für eine bessere Wet. Im Zentrum steht eine Gruppe erinnerungswürdiger Typen, die zeigen, dass wenige Menschen einen Unterschied machen können.
Emily Hunter, die Tochter von Bob Hunter, meint, der Film sei die letzte Mind-Bomb (Bewusstseinsbombe) ihres Vaters. Mit ihnen wollte er, durch die Medien, das Bewusstsein der Menschen verändern und revolutionäre Veränderungen anzustoßen.
„Knight of Cups“ ist eine Tarotkarte, die bei uns „Ritter der Kelche“ heißt und die eine positive Veränderung bedeutet – aber das habt er, erstens, alle gewusst und, zweitens: Warum sollte ein Film in Deutschland (auch wenn er synchronisiert ist) einen deutschen Titel haben? Die neue CD deiner Lieblingsband erscheint ja auch weltweit unter dem gleichen Titel.
Das gesagt, können wir uns dem neuen Werk von Terrence Malick zuwenden, dessen neuen Film Cineasten dreißig Jahre lang herbeisehnten und der innerhalb weniger Jahre mit drei Filmen seinen Ruf ziemlich ruinierte. „Knight of Cups“ unterscheidet sich kaum von „The Tree of Life“ (2011) und „To the Wonder“ (2012). Wobei mir „Knight of Cups“ etwas besser als die beiden vorherigen Filme gefällt. Wahrscheinlich, weil ich inzwischen weiß, was mich inzwischen bei einem Malick-Film erwartet, weil „Knight of Cups“ etwas konzentrierter als die beiden Vorgänger ist (immerhin steht dieses Mal nur ein Mann im Mittelpunkt und alles dreht sich um ihn) und weil dieses Mal die penetrant christlich erweckte Botschaft fehlt. Eine Geschichte ist, wieder einmal, im pathetischen Rausch der Bilder und dem darüber gelegtem bedeutungsschwangeren Kommentar (im Original von Sir Ben Kingsley meditativ ruhig gesprochen) nicht erkennbar. Es geht um einen Mann, der mit seinem Leben unzufrieden ist und der vor einer Entscheidung steht. Im Presseheft wird diese Storyskizze zwar ausführlicher formuliert, aber es ist nur eine mögliche Interpretation der Bilder. Denn dass Rick (Christian Bale) ein erfolgreicher Comedy-Drehbuchautor ist, ist für den Film reichlich unerheblich. Rick könnte irgendeinen Beruf irgendwo haben. Es würde nichts ändern.
Und dass er versucht, den Sinn seines Lebens zu finden, liest sich zwar gut, aber da Malick überhaupt nicht mehr an einer konventionellen Narration interessiert ist, will er dieser Sinnsuche auch keinen eindeutigen Sinn (über den man dann streiten könnte) geben, sondern er erzählt, offen für alle Interpretationen, locker (aber mit vielen gutaussehenden Frauen, die für Rick mehr oder weniger wichtig sind) in der Chronologie hin und herspringend, ohne irgendeinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung (so wird Rick in seiner Wohnung überfallen, aber für den folgenden Film ist es egal), von einem Mann, der versucht irgendeinen Sinn in den ihm zustoßenden Ereignissen zu finden, der an seinem Leben zweifelt und der nicht weiß, was er wie ändern soll. Falls er überhaupt etwas ändern will.
Es ist vor allem die essayistische Beschreibung eines Stillstandes, die – so das Presseheft – in einem Aufbruch endet. Ein Aufbruch, der auch einfach nur der nächste Tagestrip in die vor Los Angeles gelegene Wüste sein könnte.
Und so hat „Knight of Cups“ wieder schöne Bilder (Emmanuel Lubezki ist wieder der Kameramann), deren Komposition ausschließlich ästhetischen Prinzipien folgt. Denn sonst ist nicht erklärbar, warum in einem nur in Los Angeles und Las Vegas (es gibt einen Ausflug in die Spielerstadt, der aber keine Auswirkung auf die Narration hat) spielendem Film plötzlich Bilder aus Berlin zu sehen sind. Aber das hat uns bei dem letzten Superheldenfilm auch nicht gestört.
Für den geneigten Zuschauer gibt es einige Denkanstöße, die, wieder einmal, weitgehend, im Ungefähren bleiben. Das kann dann, wie eine Predigt, jeden Zuhörer ansprechen. Oder wegen der Platitüden endlos langweilen.
Mir jedenfalls sagte „Knight of Cups“, wie schon „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ nichts. Aber ich gehöre auch nicht mehr zu der Gemeinde der ihren Meister blind verehrenden Gemeinde der Malick-Gläubigen. Fun Fact: Der US-Kinostart ist voraussichtlich am 4. März 2016. Die Weltpremiere war bereits dieses Jahr auf der Berlinale.
Was geschieht, wenn ein Journalist die größte Enthüllungsgeschichte seines Lebens und seiner Tageszeitung während des größten Umbruchs der Zeitungsgeschichte schreibt? Das fragte sich Gary Webb nicht, als er zufällig, bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen Drogenhändler, die Verbindung zwischen aus Südamerika kommendem Crack in South Central Los Angeles und der Mitwisserschaft der CIA entdeckte. Das fragte er sich auch nicht, als er seine Story auch in Washington, D. C., und Nicaragua recherchierte. Denn vor zwanzig Jahren hatten nur wenige Menschen einen Internetanschluss. Und als er im August 1996 in der San Jose Mercury News, bei der er angestellt war, seine Recherchen in einer dreiteiligen Artikelserie veröffentlichte, war die Online-Publikation ein netter Zusatznutzen, um den Lesern weiterführende Informationen und Dokumente zu präsentieren. Im Film wird das nicht erwähnt. Denn wenn sie es getan hätten, hätten sie in der zweiten Hälfte andere Schwerpunkte setzen müssen.
Damals verschaffte die Online-Publikation (was damals noch ungewöhnlich war) dem Lokalblatt und der Reportage eine weit eine über die normalen Leser der Tageszeitung hinausgehende Leserschaft und Aufmerksamkeit. Dabei war einges von Webbs Recherchen schon vorher (unter anderem durch die Iran-Contra-Affäre) bekannt, aber jetzt wurden die ihm veröffentlichten Fakten über die Finanzierung der nicaraguanischen Contra-Rebellen durch den Schmuggel von Drogen in die USA (während die USA gleichzeitig einen „war on drugs“ führte) zu einem Skandal. Die Bewohner von South Central waren empört, dass die Regierung (vor allem die CIA), mindestens Mitwisser, vielleicht sogar Mithelfer, bei der Crack-Epidemie, dem steigenden Verbrechen und der desolaten Lage ihres Viertels war. Auch in anderen Großstädten sah es oft nicht besser aus.
Damals wusste niemand, dass Webb seine Enthüllungsgeschichte am Vorabend des US-Zeitungssterbens und des Aufstiegs des Internets zu einem Massenmedium schrieb. Dieser historisch wichtige Umbruch wird im in zwei Teile zerfallenden Film „Kill the Messenger“ zwar nicht weiter angesprochen, aber er verleiht ihm einen beunruhigenden Subtext. Jedenfalls wenn man „guten Journalismus“ nur mit „Zeitungsjournalismus“ verbindet.
Michael Cuesta („Dexter“, „Homeland“) erzählt, nach einem Drehbuch von „New York Times Magazine“-Journalist Peter Landesman, in seinem Film Gary Webbs Geschichte. In der ersten Hälfte, wenn wir Webbs Recherchen verfolgen, steht der Film fest in der Tradition der Thriller, die investigative Journalisten und ihre Arbeit feiern und die sogar Präsidenten, siehe „Die Unbestechlichen“, zu Fall bringen können. Das ist spannend und, auch wenn die Tatsachen heute allgemein anerkannt sind, schockierend.
In der zweiten Hälfte erzählt er, was nach der Enthüllung geschah: wie Webb seine Recherchen verteidigt, er von seinen Vorgesetzten nicht gegen Angriffe verteidigt wird und er sich, auch aufgrund seiner Persönlichkeit, zunehmend isoliert. Dieser Teil ist dann weniger spannend, teilweise schrecklich misslungen, aber thematisch interessanter. Denn er zeigt, wie sehr das Bild des edlen, wahrheitssuchenden, von seiner ebenso edlen, nur der Wahrheit verpflichtenden Redaktion, die ihn bis zum Tod und darüber hinaus beschützt und gegen alle Angriffe verteidigt, eine gut gepflegte Chimäre ist. Jedenfalls für viele Redaktionen. Und, weil die Geschichte gerade an der Schwelle zum Internetzeitalter spielt, zeigt der Film unterschwellig auch, wie sich, ohne dass die Beteiligten es wissen, ein seit Jahrzehnten gepflegtes Modell von Zeitung, von Lokaljournalismus und von Tageszeitung in den USA gerade verabschiedet. In Deutschland ist die Situation nicht vergleichbar, weil hier Tageszeitungen vor allem Abo-Zeitungen sind und daher die Einnahmesituation vollkommen anders aussieht.
Allerdings ist die zweite Hälfte auch weniger gelungen als die erste. Er zerfasert etwas zwischen der Rufmordkampagne durch die Regierung und die Hauptstadtjournalisten, die dem Nobody von dem Provinzblatt nicht die sensationelle Story gönnen, Webbs Kämpfe in der Redaktion und seinem Privatleben. Der Film versucht uns jetzt mehr für den Journalisten und seine beruflichen und privaten Probleme zu interessieren, während davor die Story im Mittelpunkt stand. Jetzt wird der Bote zur Story – und der Film verliert seine Geschichte. Dabei spricht er viele Punkte an, ohne wenigstens einen konsequent in den Mittelpunkt zu rücken. Er geht auch nicht darauf ein, wie sehr Webbs Persönlichkeit seinen Fall vom geachteten Journalisten zum Outsider begünstigte. Webb beging, was auch nicht vom Drehbuchautor angezweifelt wird, am 10. Dezember 2004 Suizid. Aber der Film endet schon Jahre früher mit einer die Tugenden des Journalismus hochhaltenden Rede, die gleichzeitig ein Abgesang auf sie ist.
So ist „Kill the Messenger“ nicht so gut, wie er hätte sein können. Aber er spricht interessante und wichtige Fragen über die Rolle des Journalismus in einer freien Gesellschaft, das Verhalten von Journalisten untereinander, dem Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Angestellten und zum Wandel der Medien durch das Internet an. Er drückt sich allerdings um Antworten herum.
Arte, 22.10 Heimat – Eine deutsche Chronik: Die Liebe der Soldaten/Der Amerikaner(Deutschland 1984)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Peter Steinbach
Toll, dass „Heimat“, das Werk, mit dem Edgar Reitz seinen Durchbruch hatte, das damals wirklich ein TV-Ereignis war und das eindrucksvoll zeigt, was im Fernsehen möglich war, bevor es diese langen „Fernsehen ist der neue Roman“-Elogen gab, wieder im Fernsehen läuft.
Schade, dass Arte das Opus in einer von Reitz selbst von 924 Minuten auf 888 Minuten gekürzten Fassung in Doppelfolgen zeigt. D. h. heute endet der „Heimat“-Marathon um 00.50 Uhr.
In „Heimat“ erzählt Reitz anhand der in dem fiktiven Hunsrückdorf Schabbach lebenden Maria Simon (1900 – 1982) die wechselvolle Geschichte Deutschlands vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zu Marias Tod aus der Perspektive der kleinen Leute, die nicht in einer Metropole leben.
In „Die Liebe der Soldaten“ und „Der Amerikaner“ um die Zeit von 1944 bis 1947. „Der Amerikaner“ ist dabei niemand anderes als Paul Simon, der aus den USA wieder zurückkehrt und amerikanisches Lebensgefühl ins Dorf bringt.
Großes Kino! Auch in der Mediathek.
Mit Marita Breuer, Gertrud Bredel, Willi Burger, Michael Lesch, Rüdiger Weigang, Karin Rasenack, Jörg Hube, Dieter Schaad
Nachtschicht: Das tote Mädchen (Deutschland 2010, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.
Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff
BR, 22.55 No Direction Home: Bob Dylan (Großbritannien/USA 2005, Regie: Martin Scorsese)
Gut 210-minütige Doku über Bob Dylans frühe Jahre von seine Anfängen in Minnesota, der Greenwich-Village-Folk-Szene und seinem Verrat an der Folk-Szene, als er die akustische Gitarre gegen die E-Gitarre tauschte. Der Film endet 1966 mit Dylans Motorradunfall, nach dem er mehrere Jahre nicht mehr tourte.
Martin Scorsese gelang mit Konzertmitschnitten, historischen Aufnahmen und vielen aktuellen Interviews, die teilweise schon Jahre, bevor Scorsese sich an den Schnitt machte, geführt wurden, ein ebenso kurzweiliger wie informativer Film, der trotz der vielen Informationen nicht alles erklärt. Eigentlich bleibt sogar erstaunlich viel offen in dem von Sympathie getragenem Werk.
mit Bob Dylan, Joan Baez, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, Suze Rotolo Hinweise Rotten Tomatoes über „No Direction Home: Bob Dylan“
Wikipedia über „No Direction Home: Bob Dylan“ (deutsch, englisch)
Servus TV, 23.55 Die Möbius-Affäre(Möbius, Frankreich 2013)
Regie: Éric Rochant
Drehbuch: Éric Rochant
Der russische Top-Spion Grégory Lioubov soll in Monaco einem Oligarchen das Handwerk legen. Er hofft, über eine eine amerikanische Finanzexpertin an die benötigten Informationen zu kommen. Dummerweise wird sie auch vom US-Geheimdienst erpresst – und schon sind wir in einem Agententhriller, in dem jeder jeden betrügt, aber die Gewissheiten des Kalten Krieges vorbei sind.
„Die Möbius-Affäre“ ist ein altmodischer, elegant erzählter Spionagethriller, der, wie ein Finanzderivat, etwas zu sehr im luftleeren Raum hängt. Warum sage ich in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jean Dujardin, Cécile de France, Tim Roth, Émilie Dequenne, Wendell Pierce, Aleksey Gorbunov
3sat, 21.35 Die Schweizermacher (Schweiz 1978, Regie: Rolf Lyssy)
Drehbuch: Rolf Lyssy, Christa Maerker
Schweizer sein ist einfach. Schweizer werden ist schwer. Auch weil die beiden Beamten Max Bodmer (Walo Lüönd) und Moritz Fischer (Emil Steinberger) penibel darüber wachen, wer Schweizer wird und wer nicht. Und es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn sie bei ihren Besuchen und Nachstellungen keine Grund für eine Ablehnung finden.
Bitterböse Satire, die damals in der Schweiz ein Kinoerfolg war und der immer noch, mit großem Abstand, der erfolgreichste Schweizer Film aller Zeiten ist. In Deutschland wurde er zum Kinostart von 800.000 Menschen gesehen und heute ist er bei uns wohl ziemlich vergessen. Zu Unrecht!
„Lyssys Film ist gemächlich angelegt, kommt mit zwei Klasse-Komödianten in den Hauptrollen zunächst recht zahm und freundlich daher und entfaltet auf manchmal geradezu hinterhältig-bissige Weise seine Boshaftigkeit erst peu à peu. Dass dabei die sich den Fremdenpolizisten anbiedernden, einbürgerungswilligen Ausländer auch Demütigungen, Unverschämtheiten und Einschüchterungen mit erstaunlicher Geduld hinnehmen, zeigt, wie genau die Satire an der Wirklichkeit orientiert ist.
Eigentlich ist dieser komödiantische Film gar nicht komisch.“ (Fischer Film Almanach 1980)
Und natürlich ist das in Deutschland ganz anders. Ehrlich!
Mit Emil Steinberger, Walo Lüönd, Beatrice Kessler, Wolfgang Stendar, Hilde Ziegler, Bill Ramsey Wiederholung: Montag, 7. September, 03.50 Uhr (Taggenau!) Hinweis Wikipedia über „Die Schweizermacher“