TV-Tipp für den 13. April: Liebe 1962

April 12, 2015

Arte, 21.55

Liebe 1962 (Italien 1962, Regie: Michelangelo Antonioni)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Tonino Guerra, Elio Bartolini (Mitarbeit), Ottiero Ottieri (Mitarbeit)

Die reiche Römerin Vittoria verlässt ihren brutalen Freund. Sie verliebt sich in den Börsenmakler Piero. Aber dieser zögert.

Ein Liebesfilm der von der Unmöglichkeit der Liebe in der modernen Gesellschaft erzählt. Kein leichtverdaulicher Film.

Angekündigt ist die italienische Originalfassung.

mit Alain Delon, Monica Vitti, Fancisco Rabal

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über “Liebe 1962″ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Liebe 1962“

David Saul Rosenfeld über “Liebe 1962″

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 12. April: Schießen Sie auf den Pianisten

April 12, 2015

Tele 5, 01.10

Schießen Sie auf den Pianisten (Frankreich 1960, Regie: Francois Truffaut)

Drehbuch: François Truffaut, Marcel Moussy

LV: David Goodis: Down there, 1956 (Schüsse auf den Pianisten)

Nach dem Selbstmord seiner Frau hat sich der berühmte Konzertpianist Edouard zurückgezogen und fristet sein Dasein in einer Kaschemme als Barpianist. Als sein Bruder ihn um Hilfe bittet, gerät er in die Schusslinie von Gangstern.

Nach dem Erfolg seines Erstlings „Sie küssten und sie schlugen ihn“ drehte der 27-jährige Francois Truffaut ein stimmungsvolles Kriminalmelodrama, das in jeder Einstellung das Werk eines begeisterten Cineasten ist.

„Auf den ersten Blick kann man der gebrochenen Handlung kaum folgen, versteht kaum, um was es eigentlich geht. Sieht man den Film aber öfter, wird man weniger auf die Gangster- und Liebesgeschichte achten als vielmehr auf die Machart, auf das Strickmuster dieses Films über das Filmemachen und –anschauen. Truffaut, damals nun wahrlich ein junges Genie, das sich das Filmemachen fast ausschließlich theoretisch angeeignet hat, spielt mit dem Zuschauer nach allen Regeln der Filmkunst.“ (Willi Winkler: Die Filme von Francois Truffaut)

Mit Charles Aznavour, Marie Dubois, Nicole Berger

–

Hinweise

Wikipedia über David Goodis (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 11. April: Auf offener Straße

April 10, 2015

Arte, 00.40
Auf offener Straße (Frankreich 1992, Regie: Bertrand Tavernier)
Drehbuch: Michel Alexandre, Bertrand Tavernier
Grandioser Polizeithriller über eine Einheit von Drogenfahndern, die vor allem durch mangelhafte Ausrüstung und fehlende Rückendeckung von der Arbeit abgehalten werden und vor allem gegen die kleinen Fische ermitteln müssen.
„Der Linke Tavernier zieht hier ein desaströses Fazit der Sozialpolitik nach zehn Jahren sozialistischer Regierung. Er beleuchtet die Gründe der Attraktivität rechtsradikaler Scharlatane à la Le Pen in den Köpfen allzuvieler Franzosen. Er verdeutlicht, wie die Berührungsangst staatlicher Stellen gegenüber nord- und zentralafrikanischen Dealern den täglichen Rassismus verstärkt und den Fremdenhaß unter Einheimischen eher schürt, weil eine partielle, gern verschwiegene Wahrheit als Makel auf alle Farbigen und Immigranten übertragen wird.
Tavernier hat (…) einen eminent politischen Film gedreht.“ (Fischer Film Almanach 1993), der heute, angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich und der Diskussionen in Deutschland (googelt mal „Görlitzer Park“) immer noch brennend aktuell ist.
Co-Autor Michel Alexandre war damals selbst bei der Pariser Drogenfahndung.
„Auf offener Straße“ war als bester Film des Jahres für den César nominiert.
In Deutschland lief er als „Original mit Untertitel“ und wenn der Film nicht so unbekannt wäre, wäre er ein potentieller Klassiker. Insofern: eine lohnende Entdeckung!
mit Didier Bezace, Jean Paul Comart, Charlotte Kady, Jean-Roger Milo, Nils Tavernier, Philippe Torreton
Hinweise
Arte über „Auf offener Straße“ (und ein Essay von Olivier Père)
AlloCiné über „Auf offener Straße“
Moviepilot über „Auf offener Straße“ (noch keine Bewertung)
Wikipedia über „Auf offener Straße“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung “Der Uhrmacher von St. Paul” (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Tavernier James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“ (In the electric mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


DVD-Kritik: Über die Special Edition von „Sherlock – Staffel 3“

April 10, 2015

Schon die reguläre DVD-Ausgabe von „Sherlock – Staffel 3“ hatte einiges an Bonusmaterial enthalten. Aber für die jetzt erschienene Special Edition legte Polyband noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. „ca. 220 Minuten mit deutschen Untertiteln“ steht auf dem Cover und dann gibt es noch zwei Audiokommentare, die auf der ersten Ausgabe der dritten „Sherlock“-Staffel nicht enthalten waren. Dabei waren die Audiokommentare immer informative Highlights und Musterbeispiele für gelungene Audiokommentare.
Es gibt die von der Erstauflage der dritten „Sherlock“-Staffel bekannten Making of „Fans, Villains & Speculation“, „Shooting Sherlock“ und „The Fall“, die insgesamt knapp 45 Minuten dauern.
Einen kleinen Teil des restlichen Bonusmaterials dürften langjährige „Sherlock“-Fans schon kennen. Aber bis jetzt war es nur im Netz zu finden, wie das siebenminütige Prequel „Many Happy Returns“ zur dritten Staffel und die 2010 in verschiedenen BBC-Sendungen im Umfeld der ersten „Sherlock“-Staffel geführten, jeweils etwa achtminütigen Interviews mit Benedict Cumberbatch, Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, Steven Moffat und Dramatiker Mark Ravenhill und, nach der Ausstrahlung der ersten Staffel, Steven Moffat und Sue Vertue. Das letzte Interview ist das uninteressanteste.
Neu sind, neben den beiden Audiokommentaren mit den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, „Mrs. Hudson“-Darstellerin Una Stubbs und Produzentin Sue Vertue, eine geschnittene Szene (aus „Sein letzter Schwur“), einige Outtakes und „Unlocking Sherlock“ und „Sherlock uncoverd“, die nicht mit den gleichnamigen Making ofs zur ersten und zweiten Staffel verwechselt werden sollten. „Unlocking Sherlock“ dauert 55 Minuten und „Sherlock uncovered“ besteht aus drei Teilen: „The Return“ (26 Minuten), „The Women“ (26 Minuten) und „The Villains“ (23 Minuten).
Alle Extras sind untertitelt.
So umfangreich und informativ die Special Edition ausgefallen ist, so dünn sind dieses Mal die Fälle für Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und seinen Begleiter Dr. John Watson (Martin Freeman) ausgefallen. In „Der leere Sarg“ kehrt Sherlock Holmes von den Toten zurück und er soll einen Anschlag auf das Parlament verhindern. Aber vor allem werden uns verschiedene Theorien über den Tod von Sherlock Holmes präsentiert, ohne dass am Ende wirklich geklärt ist, wie er seinen Tod inszenierte.
In „Im Zeichen der Drei“ geht es vor allem um die Hochzeit von Dr. Watson und Mary Morstan, bei der Sherlock Holmes den Trauzeugen spielen soll und er gleichzeitig einige Verbrechen aufklärt.
In „Sein letzter Schwur“ kämpfen Sherlock Holmes und Dr. John Watson gegen Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), einen Zeitungsmogul, der seinen Status vor allem Erpressungen verdankt. Denn er kennt die Geheimnisse der britischen Oberschicht, die er gegen gewisse Gefälligkeiten nicht veröffentlicht.
Vor allem in den ersten beiden Filmen sind die Fälle erschreckend dünn und so nebensächlich, dass sie schon nicht mehr nacherzählbar sind. „Sein letzter Schwur“ ist zwar besser, aber Magnussen ist mehr ein James-Bond- als ein Sherlock-Holmes-Bösewicht. In allen drei Filmen stehen in der dritten „Sherlock“-Staffel die Hauptcharaktere mit ihren Marotten im Mittelpunkt. Das ist zwar unterhaltsam, rasant, witzig und erschreckend selbstgenügsam.
Es ist zu hoffen, dass die Macher Stefen Moffat und Mark Gatiss in der vierten Staffel sich wieder mehr auf die Fälle konzentrieren. Schließlich ist „Sherlock“ ein Krimi, und keine Soap mit vernachlässigbarer kriminalistischer Beigabe.

Sherlock - Staffel 3 - Special Edition - DVD-Cover - 4

Sherlock – Staffel Drei – Special Edition
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Amanda Abbington (Mary Morstan), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Louise Brealey (Molly Hooper)
–

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Der leere Sarg“ und „Sein letzter Schwur“, Serie Three Prequel „Many Happy Returns“, Unlocking Sherlock, Sherlock Uncovered, Deleted Scene, Outtakes, TV Interviews from 2010, Fans, Villains & Speculation, Shooting Sherlock, The Fall, 16-seitiges Booklet, 3-teiliges Postkartenset
Länge: 261 Minuten (3 x 87 Minuten), 220 Minuten (Bonusmaterial) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
Die Ermittlungen
Der leere Sarg (The Empty Hearse, Großbritannien 2014)
Regie: Jeremy Lovering
Drehbuch: Mark Gatiss
–
Im Zeichen der Drei (The Sign of Three, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steve Thompson, Steven Moffat, Mark Gatiss
–
Sein letzter Schwur (His Last Vow, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steven Moffat

–

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (GB 2012)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Über „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3“

April 10, 2015

Für ein Binge-Watching eignet sich die „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten“ nicht wirklich. Denn normalerweise will man beim Binge-Watching ja unbedingt wissen, wie es weitergeht. Auch weil jede Folge der Serie mit einem fiesen Cliffhanger endet, der in der nächsten Folge schnell aufgelöst wird. Dieses Suchtgefühl stellt sich bei den Geschichten aus der Twilight Zone nicht ein. Denn jede Episode ist eine in sich abgeschlossene kurze mal mehr, mal weniger fantastische, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit, mal in der Zukunft, mal in einer Parallelwelt spielende Geschichte. Jede Episode hat andere Charaktere. Sie können daher unabhängig von einander in jeder beliebigen Reihenfolge gesehen werden. Und auch wenn nicht jede Geschichte grandios ist, sind die Geschichten immer sehenswert und zeigen, wie gutes Geschichtenerzählen funktioniert. Bei den US-amerikanischen Science-Fiction-Fans war die Serie während der Erstausstrahlung so beliebt, dass sie im dritten Jahr in Folge den Hugo als ‚Best Dramatic Presentation‘ erhielt.
Die dritte Staffel unterscheidet sich nicht von den vorherigen beiden Staffeln und alles, was ich damals schrieb, stimmt immer noch. Es sind wieder verdammt gute, knapp halbstündige Geschichte mit einer meistens überraschenden Pointe. Denn bei einigen Geschichten ist die Pointe heute zu bekannt, um noch wirklich zu überraschen und manchmal ist die Pointe absehbar. Immerhin gibt es bei einer überschaubaren Zahl von Charakteren nur eine bestimmte Menge an Pointen. Serienerfinder und Präsentator Rod Serling schrieb wieder die meisten Geschichten. Zu den anderen Autoren zählen Richard Matheson, Charles Beaumont und Ray Bradbury. Er schrieb die einhundertste Episode und verarbeitete „Unsere Oma, der Roboter“ (I sing the Body Electric) später zu einer Kurzgeschichte.
Teilweise spielen heute noch bekannten Schauspieler mit, wie Charles Bronson, Robert Redford, Peter Falk, Leonard Nimoy, Jack Klugman, Cliff Robertson, Lee Marvin, Strother Martin, R. G. Armstrong, Donald Pleasence, Richard Kiel, Veronica Cartwright, Paul Mazursky (der ja eher als Regisseur bekannt ist) und Buster Keaton.
Die tolle SW-Bildqualität muss sich nicht vor neueren Produktionen verstecken.
Und es gibt wieder erstaunlich viel Bonusmaterial. Neben vierundreißig Audiokommentaren, verteilt auf siebenundreißig Episoden (also eigentlich gibt es für jede Episode einen Audiokommentar) gibt es eine sechste DVD mit Teaser und Werbetafeln (ein netter Blick in die Vergangenheit), neunzehn Hörspieladaptionen fürs Radio, Vorlesung des alternativen Endes der Episode 70 (Eine Runde Billard), Ausschnitte aus den in den Achtzigern entstandenen Remakes der Episode 70 (Eine Runde Billard) und 87 (In den Schuhen eines Toten), Interviews mit dem Schauspieler Edson Stroll und dem Kameramann George T. Clemens, ein Ausschnitt aus der „Garry Moore Show“ und ein Ausschnitt aus der „Tell it to Groucho“-Show, in denen „The Twilight Zone“-Erfinder Rod Serling zu Gast war.
Wie schon bei den ersten beiden Staffeln ist auch die DVD-Ausgabe der dritten „The Twilight Zone“-Staffel eine filmhistorisch vorbildliche Ausgabe einer vor über fünfzig Jahren gedrehten Serie, die sich vor neuen Serien nicht verstecken muss.
Das gleiche gilt für die Geschichten. Aber das habe ich schon gesagt?

The Twilight Zone - Staffel 3 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 3 (USA 1961/1962)
Erfinder: Rod Serling
–
DVD
Koch Media
Bild: 1,33:1 (4:3), SW
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: 34 Audiokommentare, Isolierte Musikspur zu allen Episoden, 19 Radio-Hörspiele, Interviews mit Cast & Crew, Rod Serlings Auftritte in den Sendungen „The Garry Moore Show“ und „Tell ti to Groucho“, Ausschnitte aus den Farb-Remakes der 80er Jahre
Länge: 912 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today’ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Meine Besprechung von „The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1“ (USA 1959/1960)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Halbe Brüder“ machen keinen ganzen Film

April 10, 2015

Es hätte so gut werden können. Immerhin ist Christian Alvart seit „Antikörper“ bekannt für gut inszenierte Genreware, die ihm auch die Hollywood-Produktionen „Fall 39“ und „Pandorum“ ermöglichten. Er inszenierte die Till-Schweiger-“Tatorte“ und sein vorheriger Kinofilm „Banklady“, eine auf Tatsachen basierende in Norddeutschland in den Sechzigern spielende Bonnie-und-Clyde-Variante, ist ein insgesamt überzeugender Gangsterthriller.
Da hätte aus der Idee, dass drei ethnisch unterschiedliche Männer beim Notar erfahren, dass sie Halbbrüder sind und die sich kurz darauf gemeinsam auf die Suche nach der Erbschaft machen, etwas werden können. Aber „Halbe Brüder“ ist eine ziemliche Enttäuschung. Nicht nur, weil der Film als Update der Sechziger-Jahre-Schlagerkomödien eine banale Klamauk-Komödie mit HipHop-Beigabe ist, sondern weil im Film immer wieder die verschenkten Themen und Möglichkeiten gestreift werden. „Halbe Brüder“ hätte das Road-Movie über die Bundesrepublik und ihre Befindlichkeiten in den letzten vierzig Jahren, über gewandelte Familienbilder, verlorene und gewonnene Utopien werden können. Es hätte zeigen können, wie die Ideen der 68er Deutschland veränderten. Aber immer wenn Alvart, der es besser kann, und Drehbuchautor Doron Wisotzky („What a Man“, „Schlussmacher“) etwas Tiefe wittern, überlassen sie den drei blödelnden Hauptdarstellern Sido, Teddy und Fahri Yardim das Feld.
Die drei titelgebenden halben Brüder sind Julian (Paul ‚Sido‘ Würdig), ein verheirateter Vertreter mit Spielschulden bei einem Gangster, Yasin (Fahri Yardim), ein unterwürfiger türkischstämmiger Unternehmersohn, und Addi (Tedros ‚Teddy‘ Teclabrhan), ein schwarzafrikanischer Möchtegernrapper auf Hartz-IV-Niveau mit schwangerer Freundin. Die Waisenkinder treffen sich erstmals in ihrer Heimatstadt Berlin bei einem Notar, der ihnen eröffnet, dass sie von ihrer Mutter, einer sexuellen Abenteuern nicht abgeneigten Nonne, ein Vermögen geerbt haben. Als Hinweis auf das Versteck des Schatzes gibt es nur eine Postkarte aus den Sechzigern, auf der ein Leuchtturm abgebildet ist.
Die drei Jungs, die aus unterschiedlichen Gründen unbedingt das Geld brauchen (vor allem Julian und Addi) und die ihre Brüder kennen lernen wollen (vor allem Yasin), machen sich gemeinsam auf den Weg von Berlin nach Frankfurt/Main, Köln und Fehmarn. Diese Suche nach dem Geld, bei der sich die drei Jungs kennen und lieben lernen, ist auch, aufgehängt an den Begegnungen mit ihren „Vätern“ und Liebhabern ihrer Mutter, eine Reise in die bundesdeutsche Vergangenheit, die bei dem Love-and-Peace-Festival, das im September 1970 auf Fehmarn stattfand, endet. Jimi Hendrix trat dort auf und er hat dann auch eine wichtige Rolle in der Filmgeschichte.
Diese Geschichte hätte locker die Grundlage für einen Film über die Veränderungen in Deutschland in den vergangenen 45 Jahren werden können. Es hätte ein Bogen gespannt werden können vom Muff der Nachkriegszeit, den Utopien der 68er und den damaligen Szenen (die ja auch durch die unterschiedlichen Väter von Julian, Yasin und Addi damals und heute symbolisiert werden) bis zur Gegenwart. Es hätte über Selbst- und Fremdbilder damals und heute, die Befreiung der Frau von konservativen Konventionen, echten und falschen Vätern, unterschiedlichen Familienmodellen, den Unsicherheiten von Vierzigjährigen über ihre Stellung in der Gesellschaft, ihren verschiedenen Lebensentwürfen und dem Zusammenleben verschiedener Ethnien erzählt werden können.
Ähem, also für mich waren die drei Brüder im Film so ungefähr Vierzig. Damit wären sie alle in den Siebzigern geboren worden, als ihre Mutter noch in ihrer wilden Hippie-Phase war. Nach dem Presseheft sind sie deutlich jünger: Julian ist 33 Jahre, Yasin 31 Jahre und Addi 26 Jahre. Aber das erscheint mir für die Filmgeschichte nicht ganz stimmig zu sein.
Jedenfalls entschlossen die Macher sich für den leichten Weg, indem sie sich an den aktuellen Hollywood-Komödien orientieren, in denen Vierzigjährige nicht erwachsen werden wollen, sich durchgehend kindisch benehmen, den Genuß von Alkohol für wahnsinnig witzig halten (den Gag lassen die „Halbe Brüder“-Macher links liegen), Geblödel mit sorgfältig ausformulierten und getimten Witzen verwechseln, und das ganze mit einer HipHop-Sauce überziehen, weil der eine Rapper sein möchte und der andere als Gangster-Rapper bekannt wurde.
Die Story ist eine episodische Ansammlung von Klischees, die alle aus einer Parallelwelt kommen, die aus US-amerikanischen Ghetto-Klischees, Gangsterfilmklischees und Freie-Liebe-Anekdoten besteht. Detlev Buck hat einen Auftritt, in dem versucht wird, das Love-and-Peace-Festival mit der Gegenwart zu verbinden. Und wenn man an sein Road-Movie „Wir können auch anders“ denkt, wird die Fallhöhe zwischen einem gelungenem und einem misslungenem Road-Movie schmerzhaft deutlich.
Diese Diskrepanz zwischen dem was möglich gewesen wäre und dem was gemacht wurde, zieht sich durch die gesamte Klamotte, dessen Gags zwischen platt, peinlich und nervig schwanken.
Und dann ist auch noch CSU-Ehrenmitglied Robert Blanco als Vater von dem Rapper Addi dabei. Blanco, der für die Schlagerkultur steht, gegen die früher die Jugendlichen auf die Straße gingen und der in jeder Beziehung das Gegenteil von Jimi Hendrix ist. Aber in „Halbe Brüder“ sollen wir glauben, dass eine heiße Hippie-Braut, die nichts anbrennen läßt, mit einem Schlagerfuzzi ins Bett geht.
Diese Vatergeschchte illustriert überdeutlich die den gesamten Film durchziehende Scheißegal-Haltung zu kulturellen Codes, die jede Gruppe nach innen festigt, und zur Sitten- und Kulturgeschichte. Stattdessen wird einfach genommen, was gerade gefällt.
Von Christian Alvart hätte ich, nach seinem stilbewussten Sechziger-Jahre-Sittengemälde „Banklady“, einen besserer Film erwartet. In „Halbe Brüder“ verkauft er sich weit unter seinem Niveau.

Halbe Brüder - Plakat

Halbe Brüder (Deutschland 2015)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Doron Wisotzky, Michael Ostrowski (Mitarbeit)
mit Paul ‚Sido‘ Würdig, Fahri Yardim, Tedros ‚Teddy‘ Teclebrhan, Mavie Hörbiger, Violetta Schurawlow, Detlev Buck, Erdal Yildiz, Robert Blanco, Charly Hübner, Samuel Finzi, Ralf Richter
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Halbe Brüder“
Film-Zeit über „Halbe Brüder“
Moviepilot über „Halbe Brüder“
Meine Besprechung von Christian Alvarts „Banklady“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 10. April: Scarface – Tony, das Narbengesicht

April 10, 2015

3sat, 23.05

Scarface – Toni, das Narbengesicht (USA 1983, Regie: Brian de Palma)

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)

Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)

De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.

Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.

Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scarface“

Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)

Movie Addiction über “Scarface”

New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)

Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)

Angel Fire: Brian-de-Palma-Fanseite über “Scarface”

Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion

Meine Besprechung von Christian De Metter/Armitage Trails „Scarface“ (Scarface, 2011) (Comic, der auf Armitage Trails Roman basiert)


Neu im Kino/Filmkritik: „Elser“ – ein deutscher Held

April 9, 2015

Der Film beginnt in Konstanz an einem Grenzposten zur Schweiz. Georg Elser hat in München im Bürgerbräukeller eine Bombe platziert, die Adolf Hitler töten soll. Allerdings beendet Hitler seine Rede vorzeitig und der Anschlag geht schief. Aber die Grenzbeamten halten Elser für verdächtig und eine erste Durchsuchung bestätigt ihren Verdacht, dass Elser etwas vor ihnen verbirgt. Kurz darauf beginnen Arthur Nebe, Chef der Kripo im Reichssicherheitshauptamt, und Gestapochef Heinrich Müller ihn zu verhören. Sie glauben, einen oder den Verantwortlichen für den Anschlag vom 8. November 1939 auf Hitler vor sich zu haben.
Fred Breinersdorfer, der bereits das Drehbuch für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ schrieb und „Elser“ mit seiner Tochter Léonie-Claire Breinersdorfer schrieb, entwarf „Elser“ als Gegenmodell und Variation von „Sophie Scholl“. Gerade weil beide Filme gleich aufgebaut sind (Verhaftung – Verhör mit Rückblenden – Ermordung) rückt die Frage des Widerstands gegen ein verbrecherisches Regime in den Mittelpunkt. Sophie Scholl verkörpert dabei das gesellschaftlich allgemein akzeptierte Bild des Widerstandes: jung (1921 geboren), gut aussehend (erinnert euch an die fast ikonographischen Bilder von ihr), christlich (was heute eher ignoriert wird), gewaltfrei und Teil einer ähnlich gesinnten Gruppe, deren Mitglieder weniger bekannt sind.
Georg Elser ist das Gegenmodell: schon etwas älter (1903 geboren), politisch engagiert (er war Mitglied in der KPD-Kampforganisation „Roter Frontkämpferbund“), ein Lebemann, der als übergenauer Tüftler (er war Schreiner und Uhrmacher) sich irgendwann entschloss, etwas zu tun und dann, ohne mit irgendjemand darüber zu reden, einen kaltblütigen Mord, einen Tyrannenmord, plante.
Die Frage, ob ein Tyrannenmord gerechtfertigt ist, steht dann auch im Zentrum von „Elser“, den Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“, aber auch „Das Experiment“, „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ und „Five Minutes of Heaven“ [mit Liam Neeson]) souverän als Polit-Thriller zum Nachdenken inszenierte.
Dabei umschiffen die Breinersdorfers und Hirschbiegel Vergleiche mit Klaus-Maria Brandauers „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ (1989) indem sie die konkreten Vorbereitungen, die in Brandauers Thriller im Mittelpunkt stehen, links liegen lassen. „Elser“ erzählt, nah an den historisch verbürgten Fakten, wie Elser sich ausgehend von seinen Beobachtungen entschloss, das Attentat gegen den Diktator zu planen und was nach seiner Verhaftung ihm geschah.
Der Film zeigt auch ein anderes Bild von Georg Elser, dessen Tat für verschiedene Legenden benutz wurde, in denen er meistens mehr oder selten weniger diffamiert wurde. Im Nachkriegsdeutschland wurde er lange totgeschwiegen. Seine Familie und Verwandten distanzierten sich lange von ihm. Aber das ist ein Kapitel, das in „Elser“ nicht angesprochen wird.
Elser lebte und arbeitete in den Zwanzigern am Bodensee, vor allem in Konstanz, in verschiedenen Uhrenfabriken. Seine Vorgesetzten mussten ihn immer wieder entlassen, weil die Geschäfte schlecht liefen. 1932 kehrte er zurück nach Königsbronn auf der Schwäbischen Alb. Er war ein Stenz, ein beliebter Hallodri, ein Musiker mit vielen Frauenbeziehungen, auch mit verheirateten Frauen, und der Vater von mehreren unehelichen Kindern. Er war auch ein genauer Beobachter und er zog, als einfacher Mann aus dem Volk und Hilfsarbeiter in einer Heidenheimer Armaturenfabrik, aus seinen Beobachtungen über die veränderte Stimmung im Dorf, den Nachrichten und den Kriegsvorbereitungen in der Fabrik – im Gegensatz zu fast allen Deutschen – die richtigen Schlüsse und er tat das, was er für richtig hielt. Er agierte früher und konsequenter als die anderen heute allgemein bekannten deutschen Widerstandskämpfer. Sophie Scholl, die Weiße Rose und die Soldaten um General von Stauffenberg, um nur die bekanntesten Namen zu nennen, entschlossen sich erst in den letzten Kriegsjahren zum Widerstand. Elser plante seine Tat schon ein gutes Jahr vor dem Kriegsbeginn.
Am Ende des beeindruckenden Films, der auch zeigt, wie die Nazi-Ideologie sich ohne nennenswerten Widerstand in dem Dorf verbreitete, steht die Frage, ob man selbst wie Elser agiert hätte und wann ein Tyrannenmord gerechtfertigt ist.
Seine Premiere erlebte „Elser“ auf der diesjährigen Berlinale und dort sicherte sich Sony Pictures Classical, unter dem Titel „13 Minutes“, sofort die Verleihrechte für Amerika.

Elser - Plakat

Elser (Deutschland 2015)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer
mit Christian Friedel, Katharina Schüttler, Burghart Klaußner, Johann von Bülow, Felix Eitner, David Zimmerschmied, Rüdiger Klink, Cornelia Köndgen, Martin Maria Abram, Udo Schenk
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Elser“
Film-Zeit über „Elser“
Moviepilot über „Elser“
Rotten Tomatoes über „Elser“
Wikipedia über „Elser“ und Georg Elser
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, GB 2009)
Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Diana“ (Diana, USA/GB 2013)
Homepage von Fred Breinersdorfer

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Zwei kurze Interviews mit Oliver Hirschbiegel


Neu im Kino/Filmkritik: Die Doku „Cobain: Montage Of Heck“ über den „Nirvana“-Sänger

April 9, 2015

Vor über zwanzig Jahren, am 5. April 1994, erschoss sich Kurt Cobain, der Leadsänger der Grunge-Band „Nirvana“, die damals die Band der Stunde war. Songs aus ihrer zweiten LP „Nevermind“ liefen auf jeder Abiturienten- und Studentenparty und in den Discos. Die LP (oder CD) stand in fast jeder Studentenbude und so nervig damals irgendwann „Smells like Teen Spirit“ war: keine andere Grunge-Band hatte einen so großen kulturellen Einfluss. Sie war das Sprachrohr der „Generation X“. „Nirvana“ war, das fällt beim Ansehen der gelungenen Dokumentation „Cobain: Montage Of Heck“ und im Abstand von über zwanzig Jahren auf, die letzte global erfolgreiche Band, die auch die Stimme einer von der Gesellschaft missverstandenen und an ihr und ihre Bigotterie leidenden Jugend war. Sie trafen damals punktgenau den Zeitgeist. Alternative wurde Mainstream. Grunge, Sub Pop und Seattle waren die Schlagworte für den jugendlichen Musikfan.
Entsprechend groß ist immer noch das Interesse an der Band, die nur drei Studioalben veröffentlichte. Für die Bands von „Nirvana“-Schlagzeuger Dave Grohl und „Nirvana“-Bassist Chris Novoselic, der sich seitdem hauptsächlich mit anderen Dingen beschäftigt, interessieren sich deutlich weniger Menschen. Obwohl Grohls „Foo Fighters“ seit Jahren kommerziell erfolgreich sind, sind sie halt nur eine okaye Rockband. Cobains Freundin und Ehefrau Courtney Love bringt zwar periodisch Alben heraus, meistens mit ihrer 1989 gegründeten Band „Hole“. Aber auch das scheint niemand so richtig zu interessieren.
Denn ihr gesamtes Schaffen steht immer noch im Schatten weniger Jahre und eines charismatischen Musikers, der als schwer erziehbares Scheidungskind durch die halbe Verwandschaft gereicht wurde, keinen Schulabschluss hat und der für sein Umfeld ein wandelndes Katastrophengebiet war. Außerdem hatte er psychische Probleme, eine bipolare Störung und war drogenabhängig.
Nur: wie verfilmt man so ein kurzes Leben?
Man kann sich natürlich an der Chronologie abarbeiten und diese mit vielen Statements und Konzertausschnitten garnieren. So wie es halt, mehr oder weniger gelungen, aber nie besonders innovativ, in unzähligen anderen Dokumentarfilmen gemacht wird. Zuletzt in „Altman“.
Oder man nimmt, wie der Oscar-nominierte Dokumentarfilmer Brett Morgen („The Kid Stays in the Pcture“, „Chicago 10“, „Crossfire Hurricane“), die Chronologie als Rückgrat für eine Erzählung, die versucht einen Einblick in das Denken und damit in die Psyche des am 20. Februar 1967 geborenen Kurt Cobain zu geben. Morgen wählte diesen Weg nachdem er von Cobains Tochter Frances Bean Cobain den uneingeschränkten Zugriff auf die seit Cobains Tod in einem Lagerraum deponierten und seitdem nicht geöffneten Kisten mit Cobains Notizen, über viertausend Seiten, verschiedenen Kunstprojekten, über zweihundert Stunden unveröffentlichte Musik- und Tonaufnahmen, unzählige Soundcollagen, Mix-Tapes und Home-Videos erhielt. Eines der Mix-Tapes (für die Jüngeren: Erinnert ihr euch an die Musikkassette von ‚Star-Lord‘ Peter Quill in „Guardians of the Galaxy“? Das ist ein Mix-Tape und wir investierten in der Prä-MP3-Zeit viel Zeit in das Zusammenstellen von 90-minütigen Zusammenstellungen unserer Lieblingslieder für ungefähr jeden denkbaren Anlass.) hieß „Montage Of Heck“ und Morgen fand, dass dies ein guter Titel für seinen Film sei, der eben die Weltsicht von Cobain reflektiert.
Entsprechend intim und oft auch unangenehm ist „Cobain: Montage Of Heck“ ausgefallen. Denn der über zweistündige Film besteht, abgesehen von den kurzen Interviews (mit Cobains Eltern, seiner engsten Verwandschaft, seiner ersten Freundin Tracy Marander, die ihn durchfütterte, Chris Novoselic und Courtney Love) und einigen animierten Sequenzen, aus Schnappschüssen, Home-Videos, die Cobain und Courtney Love in ihrer Wohnung drehten und die niemals für die Öffentlichkeit bestimmt waren, und Konzertausschnitten, die optisch und akustisch nicht wesentlich besser sind. Auch die Ausschnitte aus Stadionkonzerten haben – immerhin entstanden sie in den frühen Neunzigern – eine erschreckend schlechte Bild- und Tonqualität, die natürlich auch dem rauhen Sound von „Nirvana“ entspricht, die aber auf die Länge von über zwei Stunden schon die Empathie eines gestandenen Fans verlangt.
Nach dem Abspann gibt es noch ein zwölfminütiges Interview mit Brett Morgen, das einen interessanten Einblick in den Dreh vermittelt und das typisches DVD-Bonusmaterial ist. Deshalb wirkt es im Kino und nach dem bewusst chaotischen Film ziemlich deplatziert.

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Cobain: Montage Of Heck (Kurt Cobain: Montage Of Heck, USA 2015)
Regie: Brett Morgen
Drehbuch: Brett Morgen
mit Wendy O’Connor, Kimberly Cobain, Don Cobain, Jenny Cobain, Tracy Marander, Courtney Love, Chris Novoselic, Kurt Cobain (Archivaufnahmen)
Länge: 145 Minuten (der deutschen Kinofassung)
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Cobain: Montage Of Heck“
Moviepilot über „Cobain: Montage Of Heck“
Metacritic über „Cobain: Montage Of Heck“
Rotten Tomatoes über „Cobain: Montage Of Heck“
Wikipedia über „Cobain: Montage Of Heck“, Kurt Cobain (deutsch, englisch) und Nirvana (deutsch, englisch)
AllMusic über Nirvana

–

Ein Interview mit Brett Morgen über seine Arbeit und den Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Warte, bis es dunkel wird“ und der Phantom-Killer kommt

April 9, 2015

31. Oktober 2013: Die Jugendlichen der Kleinstadt sehen sich, wie jedes Jahr, im Autokino „The Town that dreaded Sundown“ (Der Phantomkiller/Der Umleger, USA 1976, Regie: Charles B. Pierce) an. Ein fröhliches Happening mit Bier und Fummeleien ist geplant.
1976: Eine Filmcrew dreht „The Town that dreaded Sundown“. Der bei uns fast unbekannte frühe Slasher-Horrorfilm basiert auf einer Mordserie, die im Frühling 1946 Texarkana erschütterte.
1946: In Texarkana, einer Stadt die eigentlich aus zwei Städten besteht, die auf der Grenze zwischen Texas und Arkansas liegt, bringt der Phantom-Killer acht Menschen um. Die „Mondlicht-Morde“, die es wirklich gab, wurden nie aufgeklärt.
Zurück in der Gegenwart wird die jährliche Filmpräsentation durch Jami Lerner gestört. Sie hatte mit ihrem Freund das Autokino verlassen, um auf einem abgelegenem Platz im Wald das zu haben, was in Horrorfilmen immer mit dem Tod der Beteiligten endet. Dieses Mal bringt der plötzlich aus dem Wald auftauchende maskierte Killer, der aussieht wie der Mörder in dem Film und damit wie der Mörder von 1946 und der für die Dorfjugend nur eine nette Schauerlegende ist, nur ihren Freund um. Sie muss die Tat ansehen (hübsch gefilmt als sich auf einer Steinwand abzeichnendes Schattentheater) und kann entkommen.
Das ist der gar nicht so unsympathische Auftakt zu Alfonso Gomez-Rejons Meta-Horrorfilm „Warte, bis es dunkel wird“, der danach lange Zeit vor sich hin plätschert, weil der Mörder erst eine längere Pause einlegt, die Filmgeschichte sich nirgendwohin entwickelt und es unklar ist, wer der Protagonist sein soll. Letztendlich ist es Jami, die auf eigene Faust beginnt, den Mörder zu suchen und dabei auch in den Archiven der beiden Städte stöbert. Denn irgendwie hängen die aktuellen Morde mit dem Film und der historischen Mordserie zusammen.
Gomez-Rejon („Glee“, „American Horror Story“) inszenierte allerdings auch einen Film, der sein Potential niemals ausschöpft. Das liegt an seiner Marotte, möglichst viele Dutch Angles in neunzig Minuten unterzubringen. Aber nach der dritten ohne Sinn und Verstand eingesetzten schrägen Kameraperspektive nerven die kippenden Bild nur noch. Immerhin gibt es in dem gut aussehendem Slasher keine Wackelkamera und sinnlos falsch belichtete Szenen.
Es gibt aber einige Anschlussfehlern und ein Drehbuch, das ziemlich zusammenhanglos zwischen den drei Zeitebenen hin- und herspringt. Es gibt im Drehbuch auch einige Schlampereien, die man eigentlich nach der ersten Fassung hätte beseitigen müssen. So schnappt sich die Heldin am Ende, wenn sie vor dem Killer flüchtet, noch schnell und ohne einen ersichtlichen Grund die Handtasche ihrer Großmutter. Später erfahren wir, dass in der Handtasche eine Schusswaffe ist. In einem besseren Film hätten wir das schon gewusst bevor sie sich die Tasche schnappt. Und wenn der Film in dem Moment spannender gewesen wäre, wäre mir das idiotische Verhalten von Jami überhaupt nicht aufgefallen. Immerhin reden wir vom Höhepunkt des äußerst unblutigen Horrorfilms.

Warte bis es Dunkel wird - Plakat

Warte, bis es dunkel wird (The Town that dreaded Sundown, USA 2014)
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa
mit Addison Timlin, Veronica Cartwright, Travis Tope, Gary Cole, Joshua Leonard, Anthony Anderson, Ed Lauter
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Warte, bis es dunkel wird“
Moviepilot über „Warte, bis es dunkel wird“
Metacritic über „Warte, bis es dunkel wird“
Rotten Tomatoes über „Warte, bis es dunkel wird“
Wikipedia über „Warte, bis es dunkel wird“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. April: Kurzer Prozess – Righteous Kill

April 9, 2015

3Sat, 22.25

Kurzer Prozess – Righteous Kill (Righteous Kill, USA 2008)

Regie: Jon Avnet

Drehbuch: Russell Gewirtz

Endlich spielen die beiden besten Schauspieler ihrer Generation wirklich in einem Film zusammen. In „Der Pate II“ hatten sie keine gemeinsame Szene; in „Heat“ nur eine nennenswerte gemeinsame Szene. In „Kurzer Prozess“ stolpern sie gute zwei Stunden durch einen Krimi, über den niemand ein gutes Wort verlieren will. Denn während Russell Gewirtz in „Inside Man“ einen guten Bankraubthriller schrieb, lässt er in „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ die Polizisten Turk (De Niro) und Rooster (Pacino) einen Mörder jagen, der an Verbrechern Selbstjustiz übt. Schnell fällt der Verdacht auf Turk.

Der überaus durchschnittliche 08/15-Polizeifilm reiht sich nahtlos in das absolut enttäuschende Spätwerk von Robert De Niro und Al Pacino ein, die – mit wenigen Ausnahmen – seit gut zwanzig Jahren nur noch Filme machen, die höchstens mit exorbitant hohen Gagen erklärbar sind.

„Eines der traurigsten Starvehikel seit langem“ (epd Film 1/2009).

Mit Robert De Niro, Al Pacino, Curtis Jackson, Carla Gugino, John Leguizamo, Donnie Wahlberg, Brian Dennehy, Melissa Leo

Hinweise

Amerikanische Seite zum Film

Deutsche Seite zum Film

Film-Zeit über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“

Rotten Tomatoes über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“

Wikipedia über „Kurzer Prozess – Righteous Kill“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. April: Gallipoli

April 7, 2015

Arte, 20.15
Gallipoli (Australien 1981, Regie: Peter Weir)
Drehbuch: David Williamson (nach einer Geschichte von Peter Weir)
LV: Bill Gammage: The Broken Years, 1970
Erster Weltkrieg: die beiden aus Australien kommenden, miteinander befreundeten Läufer Frank Dunne und Archy Hamilton melden sich freiwillig als Kämpfer für die britische Armee. Nach ihrer Ausbildung werden sie als Kanonenfutter auf die Halbinsel Gallipoli geschickt.
Eindrucksvoller Antikriegsfilm mit Mel Gibson am Anfang seiner Weltkarriere. Auch Peter Weir setzte kurz darauf die Segel in Richtung Hollywood.
mit Mel Gibson, Mark Lee, Bill Hunter, Robert Grubb, David Argue

Hinweise

Moviepilot über „Gallipoli“

Metacritic über „Gallipoli“

Rotten Tomatoes über „Gallipoli“

Wikipedia über „Gallipoli“ (deutsch, englisch) und über Peter Weir (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Peter Weir

The Peter Weir Cave (eine Fanseite)

Meine Besprechung der “Peter Weir Collection” (mit “Die Autos, die Paris auffrassen”, “Picknick am Valentinstag”, “Die letzte Flut” und “Wenn der Klempner kommt”)

Peter Weir in der Kriminalakte

–

Keine Ahnung, ob die BBC-Doku etwas taugt, aber sie liefert sicher einige historische Hintergründe zum Film:


DVD-Kritik: „Borgman“ besucht eine Familie

April 7, 2015

Schon die ersten Minuten von „Borgman“ zeigen, das dieser Film vielleicht in den Niederlanden gedreht wurde, er aber mit Sicherheit in keinem Land spielt, das wir kennen. Denn drei Männer, angeführt von einem Priester, jagen Borgman und seine Freunde, die im Wald in unterirdischen Verstecken und Wohnungen, die sie einfach so in den Boden gegraben haben, leben. Im Gegensatz zu normalen Obdachlosen haben sie alle einen erstaunlich saubere Anzüge an (Hey, sie leben in der Erde!) und sie besitzen Handys. Eigentlich sind sie, abgesehen vom Ort ihrer Wohnung, ganz normal.
Auf ihrer Flucht trennen sie sich. Borgman sieht in einer anonymen Vorortsiedlung ein Haus, das seinen Bedürfnissen entspricht. Er klingelt, begehrt Einlass, behauptet ein alter Bekannter von Marina zu sein. Ihr Ehemann Richard verprügelt ihn. Als Richard weg ist, klingelt er wieder. Marina lässt ihn herein – und ab diesem Moment ist Borgman wie ein Hausgeist überall und nirgends in dem Haus. Später stoßen noch einige seiner Freunde, die keinen Respekt vor dem Leben ihrer Mitmenschen haben, dazu und auf eine seltsam verquere Weise wird das Leben der Hausbesitzer zu einer Hölle, aus der sie zwar jederzeit ausbrechen könnten, aber es nicht tun. Sie lassen die Eindringlinge gewähren. Bis es zu spät ist.
Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam („Die letzten Tate der Emma Blank“) benutzt in seinem neuesten Film die Genrekonventionen, die er immer wieder unterläuft und mit absurden Momenten anreichert (wie einer umfassenden Verschönerung des Geländes, das dieses zuerst einmal vollkommen zerstört), um auf der visuellen Ebene über verdrängte Gefühle zu reden. Dabei gelingt es ihm, die Spannung zu halten und gleichzeitig viele Interpretationsmöglichkeiten für seine Geschichte anzubieten. „Borgman“ ist eine Metapher. Aber für was?
Eben diese Offenheit für viele verschiedene Interpretationen ist die große Stärke des Films über das Eindringen des Bösen und/oder des Unheimlichen und/oder des Verdrängten in eine normale Mittelstandsfamilie. Der schwarzhumorige Film erinnert daher mehr an die Werke von Luis Bunuel als an einen US-amerikanischen Home-Invasion-Thriller.
In Cannes lief „Borgman“ im Wettbewerb und, neben zahlreichen anderen Preisen, gewann er in Sitges die Maria.

Borgman - DVD-Cover

Borgman (Borgman, Niederlande/Belgien 2013)
Reige: Alex van Warmerdam
Drehbuch: Alex van Warmerdam
mit Jan Bijvoet, Hadewych Minis, Jeroen Perceval, Alex van Warmerdam, Tom Dewispelaere
–
DVD
Pandastorm
Bild: 2,40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Niederländisch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Deleted Scenes, Wendecover
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Borgman“
Moviepilot über „Borgman“
Metacritic über „Borgman“
Rotten Tomatoes über „Borgman“
Wikipedia über „Borgman“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. April: Belle de jour – Schöne des Tages

April 7, 2015

ZDFkultur, 23.50

Belle de jour – Schöne des Tages (Frankreich/Italien 1967, Regie: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)

Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.

Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.

Davor zeigt ZDFkultur, ebenfalls mit Catherine Deneuve, um 20.15 „Die schönen Wilden“ (Frankreich 1975) und um 21.55 Uhr „Place Vendôme – Heiße Diamanten“ (Frankreich 1998).

Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Belle de jour“

Wikipedia über “Belle de jour”


TV-Tipp für den 6. April: Der Fall Paradin

April 6, 2015

3sat, 22.45
Der Fall Paradin (USA 1947, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)
LV: Robert Hitchens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)
Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradine verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.
„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.
Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll

Wiederholung: Mittwoch, 8. April, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Fall Paradin“

Douglas Pye: In and Around The Paradine Case – Control, Confession and the Claims of Marriage (ein ausführlicher Artikel über den Film, erschienen bei Rouge Press)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Hechts „Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum“


TV-Tipp für den 5. April: Ich kämpfe um dich

April 5, 2015

3sat, 21.55 (VPS 22.00)

Ich kämpfe um dich (USA 1945, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ben Hecht, Angus MacPhail (Adaption)

LV: Francis Beeding: The house of Dr. Edwardes, 1927 (Pseudonym von John Palmer und Hilary St. George Sanders)

Dr. Edwardes kommt als neuer Direktor in die Psychiatrie. Seine Kollegin Constance Petersen findet heraus, dass der wirkliche Dr. Edwardes ermordet wurde. Der Falsche behauptet, er könne sich an nichts erinnern.

Hitchcock wollte den ersten Film über die Psychoanalyse drehen. Nach eigenen Worten gelang ihm allerdings nur ein Thriller mit einer imposanten, von Salvador Dali gestalteten, Traumsequenz.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt 3sat den Hitchcock-Film „Berüchtigt“. Ebenfalls mit Frau Bergman in Trouble.

Mit Ingrid Bergman, Gregory Peck, Rhonda Fleming, Leo G. Carroll

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Hechts „Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum“


TV-Tipp für den 4. April: Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel

April 4, 2015

3sat, 22.20
Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel (USA 1980, Regie: Michael Cimino)
Drehbuch: Michael Cimino
Michael Ciminos epische, lose vom Johnson County War inspirierte Chronik eines blutigen Krieges zwischen neuen Siedlern aus Osteuropa und alteingesessenen Großgrundbesitzern in Wyoming um 1890, bei dem die Nationalgarde den Großgrundbesitzern zum Sieg verhalf.
Ein jeder Beziehung grandioser Western, der damals auch grandios floppte. Heute ist er als Klassiker anerkannt, erhielt 2012 den Ehrenlöwen der Filmfestspiele Venedig – und wartet in Deutschland immer noch auf eine würdige DVD/Blu-ray-Ausgabe, die es in den USA schon lange gibt.
In Deutschland lief der Film erst 1985 im Kino an und der Fischer Film Almanach schrieb: „irgendwann einmal wird (…) ‚Heaven’s Gate‘ – vermutlich in der langen Originalfassung – als Meisterwerk und Kultfilm entdeckt werden.“
In Deutschland lief die 219-minütige Originalfassung. In den damals Ronald-Reagan-patriotisch besoffenen USA wurde der Film kurz nach dem Kinostart auf 149 Minuten gekürzt und immer noch wollte niemand das kritische Geschichtsbild sehen.
Cimino drehte davor „Die letzten beißen die Hunde“ und „Die durch die Hölle gehen“. Beides hochgelobte und an der Kinokasse erfolgreiche Filme. Danach kämpfte er um jeden Film, schaffte aber noch „Im Jahr des Drachen“, „Der Sizilianer“ (eher nett) und „24 Stunden in seiner Gewalt“.
mit Kris Kristofferson, Christopher Walken, John Hurt, Isabelle Huppert, Joseph Cotten, Jeff Bridges, Sam Waterston, Brad Dourif, Richard Masur, Mickey Rourke (fast sein Debüt)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Heaven’s Gate“
Wikipedia über „Heaven’s Gate“ (deutsch, englisch)
Kriminalakte: Publikumsgespräch über „Heaven’s Gate“ mit Michael Cimino und Kris Kristofferson


TV-Tipp für den 3. April: 700 Meilen westwärts

April 3, 2015

https://vimeo.com/54526055

ServusTV, 22.15

700 Meilen westwärts (USA 1975, Regie: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.

„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks’ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‘Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt’, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)

mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „700 Meilen westwärts“

Turner Classic Movies über „700 Meilen westwärts“

Wikipedia über „700 Meilen westwärts“ (deutsch, englisch)

Richard Brooks in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Das blaue Zimmer“, Ehebruch und Mord

April 2, 2015

Eigentlich ist die Geschichte von „Das blaue Zimmer“ einfach, aber Mathieu Amalric, der am Drehbuch mitschrieb, die Regie führte und die Hauptrolle übernahm, erzählt sie mit zahlreichen Rückblenden so verschachtelt, dass man bis kurz vor dem Ende am Rätseln ist, worum es geht und was Julien Gahyde (Mathieu Amalric) vorgeworfen wird.
Gahyde lebt, glücklich verheiratet, in der französischen Provinz. Als armes Einwandererkind bewunderte er die aus vermögendem Haus kommende Schönheit Esther (Amalrics Partnerin Stéphanie Cléau) nur aus der Ferne. Nach der Schule war er beruflich einige Jahre weg. Jetzt ist er wieder zurückgekommen. Zufällig treffen sie sich auf einer eisamen Landstraße und sie gestehen sich, beginnend mit einem leidenschaftlichem Kuss, dass sie sich schon auf der Schule liebten. In den kommenden Monaten treffen sie sich öfters heimlich im titelgebenden blauen Zimmer des Dorfhotels. Esther ist mit dem älteren, kränklichen Dorfapotheker verheiratet. Als er stirbt, verdächtigt die Polizei das Liebespaar des Mordes.
Bis wir das erfahren, ist der Film allerdings schon fast vorbei und es gibt eine Gerichtsverhandlung, die noch einmal eine große Crux des kühl inszenierten Films demonstriert. Georges Simenon, von dem die ebenfalls in Rückblenden erzählte Vorlage stammt, schrieb den Roman bereits 1963. Damals herrschte eine vollkommen andere Sexualmoral und Scheidungen waren extrem selten. Damals verfügten die Kriminaltechniker noch nicht über die heutigen Möglichkeiten.
Heute hätte Esther sich problemlos scheiden lassen können. Oder Regisseur Amalric hätte einen besseren Grund als Liebe für ihr Mordkomplott liefern müssen. Zum Beispiel ein Ehevertrag. Sowieso erscheinen die gesellschaftlichen Zwänge und Vorurteile mit denen Julien und Esther konfrontiert werden, heute hoffnungslos veraltet. Außerdem wäre die gesamte Anklage an den forensischen Beweisen gescheitert.
Und so hat man am Ende von „Das blaue Zimmer“ nicht eine heiße Liebesgeschichte oder einen mitreisenden Kriminalfilm gesehen, sondern eine formale Übung, die einen vor allem über die einfachsten Dinge rätseln lässt und mit den expliziten Nacktszenen erstaunlich offensiv auf eine Ab-18-Freigabe spekuliert.
In den USA gab es dafür ein R-Rating. Die FSK gab, wahrscheinlich um die Macher zu ärgern und weil „Das blaue Zimmer“ ein Arthaus-Film ist und damit Teenager sich den Film nicht ansehen, den Film ab 12 Jahre frei.

Das blaue Zimmer - Plakat

Das blaue Zimmer (La chambre bleue, Frankreich 2014)
Regie: Mathieu Amalric
Drehbuch: Stéphanie Cléau, Mathieu Amalric
LV: Georges Simenon: La chambre bleue, 1964 (Das blaue Zimmer)
mit Léa Drucker, Mathieu Amalric, Stéphanie Cléau, Laurent Poitrenaux, Serge Bozon, Blutch
Länge: 76 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Das blaue Zimmer“
Moviepilot über „Das blaue Zimmer“
AlloCiné über „Das blaue Zimmer“
Rotten Tomatoes über „Das blaue Zimmer“
Wikipedia über „Das blaue Zimmer“ (englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furious 7“ – die Abschiedsvorstellung von Paul Walker

April 2, 2015

Als Paul Walker am 30. November 2013 tödlich verunglückte, gab es viele Gerüchte und Meldungen über „Fast & Furious 7“ und wie sein Tod die Dreharbeiten, die Filmgeschichte und damit auch den Film beeinflusste. Denn es waren noch nicht alle Szenen mit ihm gedreht. Seine Brüder Caleb und Cody würden und wurden als Doubles eingesetzt. Es sollte auch mit CGI gearbeitet werden. Es wurde über Veränderungen am Drehbuch gesprochen und gesagt, dass dieser Film, der sein letzter Film ist, ein würdiger Abschied von ihm sein solle. Immerhin wurde er mit der „The Fast and the Furious“-Serie zum Star.
Jetzt, wo der Film in den Kinos anläuft, kann man nachvollziehen, wie groß die nötigen Umarbeiten waren und, ohne jetzt etwas über die Handlung zu verraten, Paul Walker hat etliche beeindruckende Actionszenen, die an Spannung gewinnen, weil er dieses Mal jederzeit sterben kann.
Die Story von „Fast & Furious 7“ knüpft unmittelbar an den vorherigen Film an: Deckard Shaw (Jason Statham) will seinen schwer verletzt im Krankenhaus liegenden Bruder Owen rächen. Als großer Bruder will er sich die Männer vorknöpfen, die seinen Bruder umbringen wollten. Als ersten bringt er in Tokio Han (Sung Kang) um. Zur gleichen Zeit platziert er vor Dominic Torettos Haus eine Bombe. In letzter Sekunde können sich Dominic ‚Dom‘ Toretto (Vin Diesel), sein bester Freund Brian O’Conner (Paul Walker), Brians Frau und sein Sohn retten.
Durch ihren FBI-Freund Luke Hobbs (Dwayne Johnson), der nach einer Begegnung mit Shaw mit einigen gebrochenen Knochen im Krankenhaus liegt, erfährt Dom, wer sie jagt – und die Jagd über den halben Globus ist eröffnet.
Überraschende Hilfe erhält die Toretto-Verbrecherbande mit einem Faible für schnelle Autos, die inzwischen fast im Staatsdienst ist (naja, ihr kennt ja die vorherigen Filme), von Mr. Nobody (Kurt Russell), einem Geheimagenten der sehr geheimen Sorte. Sozusagen Nick Fury von S. H. I. E. L. D., aber ohne dessen Avengers-Superheldenteam. Deshalb bittet Mr. Nobody Dom und seine verbrecherischen Freunde um Hilfe bei bei der Jagd nach dem Computergenie Ramsey. Ramsey hat einen Supercode entwickelt, mit dem man alle Computer auf der Welt gleichzeitig ansteuern kann. Neben dem guten Mr. Nobody will auch der skrupellose Terrorist Jakande (Djimon Hounsou, der nur sein Gesicht präsentieren durfte) den Code haben.
Und viel mehr muss man über die Story nicht wissen. Denn sie ist erschreckend vernachlässigbar, absolut unlogisch und wird mit jedem Nachdenken noch abstruser. Aber James Wan erzählt dieses Best-of von Action- und Agentenfilmtopoi ziemlich flott über alle Unwahrscheinlichkeiten hinweg mit einem Blick auf das, was die Ticketkäufer wollen: eine leinwandsprengende Version von „Alarm für Cobra 11“.
Es gibt spärlich bekleidete Schönheiten, getunte Autos, atemberaubende Autostunts, Faustkämpfe, Explosionen, einige Witzeleien, viel Kameradie in der Familie Toretto und fotogene Schauplätze. Angeordnet wurden die Elemente, die den Erfolg der „Fast & Furious“-Serie ausmachen, dann in einer Comic-Manier, in der es nur auf das nächste Panel, das nächste Episödchen in einer scheinbar furchtbar komplexen Mythologie (die Toretto-Familie, ihre Beziehungen, die früheren Filme), ankommt.
Am Ende von „Fast & Furious 7“ sind dann erstaunlich wenige Menschen gestorben. Also von den Helden und den Hauptbösewichtern. Kollateralschäden gibt es dann einige. Wenn irgendwo im aserbaidschanischen Gebirge ein Militärkonvoi überfallen wird, in Abu Dhabi ein teurer Flitzer von einem Hochhaus zum nächsten fliegen darf und in Los Angeles die halbe Innenstadt zerstört wird, dann sterben etliche größtenteils gesichtslose Bösewichter und es gehen etliche Autos zu Bruch, während auch nach den längsten Faustkämpfen Dominics weißes Langarm-Shirt immer noch blütenweiß ist und Hobbs‘ überdimensionale Muskeln auch nach einem Krankenhausaufenthalt jungfräulich glänzen.
Allerdings ist die Action unglaublich konfus geschnitten. Damit steht Horrorfilm-Regisseur James Wan in der neuen Actionfilm-Tradition, in der die Abläufe der Kämpfe und Stunts kaum noch erahnbar sind. Viel zu oft wird geschnitten. Die Kamera ist zu nah. Wan wählt auch oft so ungewöhnliche Perspektiven, dass die Orientierung schwerfällt, sie aber wie Comic-Panels aussehen. Er setzt die Zeitlupe immer wieder falsch ein und immer wieder, zum Beispiel bei den zahlreichen Explosionen, verschenkt er potentielle Schauwerte. Sowieso hinterlässt kein Action-Set-Pieces bleibenden Eindruck und die besten Momente sind, wie das Umsteigen von einem Auto zum anderen Auto bei voller Fahrt und die legendär-unmöglichen Sprüngen, fast immer Reminiszensen an frühere „Fast & Furious“-Filme. Am Ende des über zweistündigen Comic-Films ist man geschüttelt, aber nicht gerührt.

Fast and Furious 7 - Plakat

Fast & Furious 7 (Furious 7, USA 2015)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Paul Walker, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Djimon Hounsou, Kurt Russell, Jason Statham, Jordana Brewster, Tyrese Gibson, Ludacris, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Gal Gadot, John Brotherton, Lucas Black, Luke Evans, Sung Kang, Ronda Rousey
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Fast & Furios 7“
Moviepilot über „Fast & Furios 7“
Metacritic über „Fast & Furios 7“
Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 7“
Wikipedia über „Fast & Furious 7“ (deutsch, englisch) – Achtung: Das Ende wird verraten!

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2 (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

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Kurz nachgesehen: zwei Teile aus der legendären Safe-Szene aus „Fast & Furious Five“, die auch eine gute Action-Szene ist: