TV-Tipp für den 18. November: Vengeance – Killer unter sich

November 18, 2014

EinsFestival, 23.45

Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, Regie: Johnny To)

Drehbuch: Ka-Fai Wai

In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.

Mit dem Neo-Noir „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor über zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

mit Johnny Hallyday, Sylvie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

Hinweis

Meine ausführliche Besprechung von „Vengeance“


TV-Tipp für den 17. November: Le Havre

November 17, 2014

Arte, 20.15
Le Havre (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011, Regie: Aki Kaurismäki)
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Die Kaurismäki-Version eines Feelgood-Movies: Schuhputzer Marcel hilft einem afrikanischem Flüchtlingskind und schnell ist das gesamte Stadtviertel involviert.
Aki Kaurismäkis immer noch neuer Film „Le Havre“ ist nach den etwas enttäuschenden „Lichter der Vorstadt“ (zu knappe Dialoge, zu viel ‘going through the motions’) wieder ein richtig guter Kaurismäki-Film, der in vielem an den „Mann ohne Vergangenheit“ erinnert.
Anschließend, um 21.45 Uhr, läuft die brandneue Doku „Es war einmal…“Le Havre“ über den Film.
mit André Wilms, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, Blondin Miguel, Elina Salo, Evelyne Didi, Quoc-Dung Nguyen, Roberto Piazza (aka Little Bob; Denn was wäre ein Kaurismäki-Film ohne Musik?), Jean-Pierre Léaud
Wiederholungen
Mittwoch, 19. November, 13.45 Uhr
Donnerstag, 27. November, 13.55 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Le Havre“

Rotten Tomatoes über „Le Havre“

Wikipedia über „Le Havre“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaursimäkis “Le Havre” (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschand 2011)


TV-Tipp für den 16. November: Hühnchen in Essig

November 15, 2014

Tele 5, 00.10

Hühnchen in Essig (Frankreich 1985, Regie: Claude Chabrol)

Drehbuch: Dominique Roulet, Claude Chabrol

LV: Dominique Roulet: Un mort en trop, 1982 (Gegenmaßnahmen)

Inspektor Lavardin soll in einem kleinen Dorf einen Mord aufklären. Dabei ist er nicht besonders zimperlich.

Zynisches Porträt einer Provinzstadt und ihrer honorigen Bewohner, die alle mindestens ein Geheimnis haben. Aufgrund des Erfolges drehte Chabrol einen weiteren Lavardin-Spielfilm und es entstand eine kleine Fernsehreihe, die nicht mehr den gemeinen Humor des Originals hatte.

„Inspektor Lavardin ist (…) ein sorgfältiger Beobachter bourgeoiser Dekadenz, steht den Figuren mit galligem Sarkasmus gegenüber und scheint geradezu eine Schadenfreude daran zu haben, den ehrbaren Bürger eines Verbrechens zu überführen.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

„Dass alle Personen ihre Ziele mit radikalen Mitteln verfolgen (selbst die gutmütige Hélène stiehlt ungeniert Geld aus der Portokasse), schafft eine Art moralisches Niemandsland, und wie in dieser verkehrten Welt schließlich doch das Gute heranwächst, das verleiht ‚Hühnchen in Essig’ (Poulet au vinaigre) trotz des burlesken Grundtons märchenhafte Züge, darin vergleichbar mit ‚Der Riss’ (La rupture).“ (Claude Chabrol, Hanser Reihe Film 5)

Mit Jean Poiret, Stéphane Audran, Michel Bouquet, Caroline Cellier

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Hühnchen in Essig“

Wikipedia über „Hühnchen in Essig“

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. November: James Bond: Liebesgrüße aus Moskau

November 15, 2014

ZDF, 23.00 (VPS 00.05)

JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (GB 1963, Regie: Terence Young)

Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood

LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)

James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.

Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten).

mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war), Pedro Armendariz, Bernhard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn

Wiederholung: ZDFneo, Montag, 17. November, 00.00 Uhr (Mitternacht und Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “James Bond: Liebesgrüße aus Moskau”

Wikipedia über “James Bond: Liebesgrüße aus Moskau” (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Bonushinweis

Die Free-TV-Premiere von „Skyfall“ ist am Montag, den 29. Dezember, um 20.15 Uhr im ZDF.

Wird wahrscheinlich dann auch der Tagestipp.


Neu im Kino/Filmkritik: Endlich! Die Lawrence-Block-Matthew-Scudder-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“

November 14, 2014

Das Warten hat sich gelohnt. Jedenfalls für Fans von Lawrence Block und seiner Serie um Privatdetektiv Matt Scudder, die schon seit einer Ewigkeit auf eine zweite Scudder-Verfilmung warteten. Die erste war 1986 „8 Millionen Wege zu sterben“. Jeff Bridges spielte Scudder. Oliver Stone war einer der Drehbuchautoren, dem das Ergebnis nicht gefiel, und Hal Ashby führte Regie indem er die Schauspieler improvisieren ließ. Es war sein letzter Spielfilm. Davor drehte er Klassiker wie „Harold und Maude“, „Coming home – Sie kehren heim“ und „Willkommen, Mr. Chance“. Tolle Filme, aber Dramen, bei denen die Charaktere im Mittelpunkt stehen und der Plot Nebensache ist. Aber diese Plotvergessenheit war nicht das größte Problem von „8 Millionen Wege zu sterben“. Die Geschichte wurde von New York, vulgo Manhattan, nach Los Angeles verlegt. Von einer Stadt, in der man ohne Auto leben kann, in eine Stadt, in der man ohne Auto nicht leben kann. So wurde aus einem Charakter, der untrennbar mit seiner Stadt verbunden ist, ein Heimatloser; weshalb diese Scudder-Verfilmung als Romanverfilmung nicht besonders beliebt ist.
Seitdem war eine zweite Scudder-Verfilmung im Gespräch. Immerhin sind die siebzehn zwischen 1976 und 2011 erschienen Scudder-Romane, in denen der Ich-Erzähler Matt Scudder in Echtzeit altert, bei Krimifans beliebt und die Romane erhielten auch alle wichtigen Krimipreise. Teilweise mehrfach.
„A Walk among the Tombstones“ war der auserwählte Roman. In den vergangenen Jahren fanden immer wieder Gespräche statt. Unter anderem war Harrison Ford als Matt Scudder im Gespräch, aber vor dem Drehbeginn wurde das Projekt immer wieder gestoppt. „Die Scudder-Verfilmung kommt.“ war unter Lawrence-Block-Fans ein Running Gag, bis jetzt Scott Frank, der auch die Bücher für die grandiosen Elmore-Leonard-Verfilmungen „Get Shorty“ und „Out of Sight“ schrieb und mit „Die Regeln der Gewalt“ (The Lookout) ein gelungenes Regiedebüt gab, mit Liam Neeson, der seit einigen Jahren als Action-Star ein neues Publikum eroberte und der jetzt Matt Scudder verkörpert, endlich die langerwartete Verfilmung von „A Walk among the Tombstones“ gelang, die jetzt bei uns als „Ruhet in Frieden“ (nicht gerade der beste Titel) in die Kinos kommt.
Scudder ist ein Ex-NYPD-Cop, ein trockener Alkoholiker, der seinen Dienst quittierte, nachdem er betrunken ein Kind erschoss. Naja, nicht direkt erschoss. Es war ein Querschläger, der die siebenjährige Estrellita Rivera tötete, während er die beiden Räuber verfolgte, einen verletzte und den anderen erschoss. Scudder wurde dafür belobigt und während es in den Romanen lange dauerte, bis Scudder sich eingestand, ein Alkoholiker zu sein, und er lange mit seiner Sucht und den Rückfällen kämpfte, während er Treffen der Anonymen Alkoholiker besuchte, geht das im Film schneller.
Acht Jahre später, 1999, lebt er ein unauffälliges Leben in Manhattan, besucht AA-Treffen und erweist Menschen Gefälligkeiten. Er ist ein Privatdetektiv ohne Lizenz. Jetzt wird er von einem AA-Mitglied gebeten, dessen Bruder Kenny Kristo (im Roman Kenan Khoury) zu besuchen und ihm bei einem Problem zu helfen. Kennys Frau wurde entführt und bestialisch ermordet. Kenny will die Mörder finden und töten. Schon mit diesem Rachewunsch könnte Kenny keine Hilfe von der Polizei erwarten. Es gibt aber noch einen weiteren Grund: Kenny ist ein Drogendealer; einer der unauffällig lebt, wohlhabend ist und mit wenigen Drogenimporten innerhalb eines Jahres seinen Lebensstandard sichert. Er sieht sich als Importeur einer x-beliebigen Ware.
Scudder übernimmt den Auftrag. Bei seiner Suche entdeckt er mehrere ähnlich Fälle: jemand scheint die Frauen und Kinder von Drogenhändler zu entführen, ein Lösegeld zu erpressen und dann seine Opfer bestialisch umzubringen.
Scott Frank aktualisierte für den Film den schon 1992 erschienenen Roman etwas, indem er die Geschichte in die späten Neunziger verlegte. Er lässt, wie im Roman, den jugendlichen Computerexperten TJ, ein Straßenkind, mit dem Matt Scudder sich befreundet, auftreten. TJ hilft Scudder mit seinen Computerkenntnissen. Matts Freundin Elaine Mardell, eine Prostituierte, die ihr Geld klug investierte, und Mick Ballou, ein mit Matt befreundeter irischer Gangsterboss, fehlen. Doch auch ohne diese den Fans der Romanen vertrauten Charaktere bleibt Scott Frank dem Geist der Romanvorlage treu.
„Ruhet in Frieden“ ist ein melancholischer Noir-Privatdetektiv-Krimi, bei dem die Atmosphäre, die Charaktere und moralische Fragen im Mittelpunkt stehen, ohne explizit angesprochen zu werden. Denn Scudders Auftraggeber ist ein Verbrecher. Die anderen Opfer ebenso. Es geht um Selbstjustiz, aber auch ausgleichende Gerechtigkeit. Das führt dazu, dass zunehmend die sattsam bekannten Grenzen zwischen Gut und Böse zu einem einzigen Graubereich verschwimmen.

Ruhet in Frieden - Plakat

Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones (A Walk among the Tombstones, USA 2014)
Regie: Scott Frank
Drehbuch: Scott Frank
LV: Lawrence Block: A Walk among the Tombstones, 1992 (Endstation Friedhof, Ruhet in Frieden)
mit Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook, Brian ‚Astro‘ Bradley, Ólafur Darri Ólafson, David Harbour, Adam David Thompson
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ruhet in Frieden“
Moviepilot über „Ruhet in Frieden“
Metacritic über „Ruhet in Frieden“
Rotten Tomatoes über „Ruhet in Frieden“
Wikipedia über „Ruhet in Frieden“ (deutsch, englisch)
Kriminalakte über „Ruhet in Frieden“ und Scott Frank

Thrilling Detective über Matt Scudder

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ und ihre Verbrechen

November 14, 2014

Schon in den ersten Minuten von „Nightcrawler“ beunruhigt weniger, dass Lou Bloom einen Menschen wegen einer Armbanduhr ermordete, sondern wie er sich um eine kleine Stelle, einen schlecht bezahlten Aushilfsjob auf einem Schrottplatz, bewirbt. Mit starrem Blick rattert er Sätze herunter, die in einem Motivationsseminar gegeben werden und in einem Ratgeber für die Suche nach dem Traumjob und der Erfüllung in der Arbeit als Angestellter stehen. Aber da ist dann nicht der Aufseher eines Schrottplatzes, sondern der Chef eines multinationalen Unternehmens als Adressat der Bewerbungsrede gemeint.
Dan Gilroy von dem man, nach seinen Drehbüchern für „Das schnelle Geld“, „The Fall“, „Real Steel“ und „Das Bourne-Vermächtnis“, so einen bitterbösen Film nicht erwartet hätte, taucht in seinem Regiedebüt „Nightcrawler“ die Szene in ein kränkliches Licht, das sie noch unangenehmer erscheinen lässt. Mit diesem Soziopathen möchte man keine fünf Minuten im gleichen Zimmer verbringen. In diesem Moment hat Bloom seine Bestimmung noch nicht gefunden. Noch sucht er seinen Lebensinhalt.
Kurz darauf beobachtet er, mitten in der Nacht, auf einem Highway in Los Angeles, wie einige TV-Reporter einen Unfall und die Rettungsmaßnahmen aufnehmen. Bloom erfährt, dass man mit diesen Bildern, die im Morgenfernsehen gezeigt werden, Geld verdienen kann. Mit einigen Ratgebern bereitet er sich autodidaktisch auf seinen Traumjob vor. Er lernt den Polizeicode und er fährt, mit einer schlechten Kamera ausgerüstet, zu seinem ersten Unfall, wo er noch weniger Respekt vor den Opfern hat als die anderen Nightcrawler.
Deshalb kann er die blutigen, die Grenzen jeder Journalistenethik auslotenden Bilder an Nina Romina (Rene Russo), der Produzentin einer Frühstücksfernsehsendung bei einem Lokalsender, verkaufen. Von ihr erhält er noch einige weitere Tipps. Vor allem erfährt er, welche Bilder gesucht werden, weshalb er kurz darauf auch keine Skrupel hat, einen Unfallort fotogen zu verändern oder einen Tatort zu betreten und mehrere Leichen zu filmen. Die Bilder über die Verbrechen sind halt wichtiger, als die Aufklärung der Verbrechen. An die Opfer denkt er, abseits von ihrem Nutzen als Bildmotiv, nicht.
Schnell expandiert er – und das erschreckendste an Gilroys messerscharfer Mediensatire ist der von Jake Gyllenhaal grandios gespielte Lou Bloom, der nur die Sprechblasen aus den Selbsthilfe- und Management-Seminaren nachbetet, inbrünstig daran glaubt und sie eins zu eins umsetzt. Einen irgendwie gearteten moralischen Kompass hat er nicht.
In diesem Punkt unterscheidet er sich von Daniel Lugo (Mark Wahlberg), dem Protagonisten in Michael Bays Gangsterkomödie „Pain & Gain“. Er und seine Mitverbrecher waren, ebenfalls von Selbsthilfeseminaren mental gestärkte, an den amerikanischen Traum glaubende Trottel, die ihr Stück vom Kuchen abhaben wollten und auch wussten, dass sie etwas verbotenes taten. Lou Bloom geht dieses Gefühl vollkommen ab. Er tut, was die Gesellschaft will und er bemüht sich, die Erwartungen der Gesellschaft möglichst perfekt zu erfüllen. Damit unterscheidet er sich nicht von irgendwelchen Bankern, die mit windigen Investitionen kleine Anleger ruinieren, weil die Anlagen nicht explizit gegen das Gesetz verstoßen.
Bloom ist ein Geistesverwandter von Vincent (Tom Cruise), dem eiskalten Profikiller in Michael Manns in einer Nacht spielendem L.-A.-Großstadtthriller „Collateral“.
Aber während „Collateral“ einen am Ende mit der Gewissheit entlässt, dass die Guten und die Werte der Menschlichkeit und des Humanismus gegen den nackten Manchester-Kapitalismus gewinnen, verweigert Dan Gilroy am Ende seiner Charakterstudie „Nightcrawler“ diese beruhigende Gewissheit. Denn Lou Bloom ist kein Verbrecher. Auch wenn am Ende einige Menschen tot sind, er etwas damit zu tun hat und er die Ermittlungen der Polizei sabotierte, hat er gegen kein Gesetz verstoßen. Er darf expandieren.

Nightcrawler - Plakat
Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (Nightcrawler, USA 2014)
Regie: Dan Gilroy
Drehbuch: Dan Gilroy
mit Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed, Bill Paxton
Länge: 119 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Nightcrawler“
Moviepilot über „Nightcrawler“
Metacritic über „Nightcrawler“
Rotten Tomatoes über „Nightcrawler“
Wikipedia über „Nightcrawler“
Meine Besprechung von Dan Gilroys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011, Regie: Shawn Levy)
Meine Besprechung von Dan Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012, Regie: Tony Gilroy)

Jake Gyllenhaal beim TIFF

und bei Q on CBC, beide Male im Gespräch über „Nightcrawler“

Dan Gilroy spricht auch über „Nightcrawler“ und den ganzen Rest

 


TV-Tipp für den 14. November: Donnie Brasco

November 14, 2014

ZDFneo, 22.00

Donnie Brasco (USA 1997, Regie: Mike Newell)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990

FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.

Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.

Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche

Wiederholung: 15. November, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Donnie Brasco”

Wikipedia über „Donny Brasco“ (deutsch, englisch)

Weekly Script: Drehbuch “Donnie Brasco” von Paul Attanasio (Fassung vom 27. Juli 1992)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mommy“ – Grandioses Kino von Xavier Dolan

November 13, 2014

Der fünfzehnjährige Steve (Antoine Olivier Pilon) ist ein echtes Problemkind, das sogar in einer Geschlossenen Anstalt kaum gebändigt werden kann. Also nimmt seine Mutter Diane (Anne Dorval), die kaum genug Geld verdient, um alleine über die Runden zu kommen, ihn wieder bei sich auf. Denn die Witwe liebt ihren Sohn abgöttisch und auch Steve liebt sie ebenso abgöttisch. Er würde alles für sie tun. Wenn er einen Wutanfall bekommt, dann nur, weil etwas nicht nach seinem Kopf abgeht oder jemand Diane, aus seiner Perspektive heraus, schlecht behandelt. Genauso hemmungslos wie seine Wutausbrüche sind auch seine Liebesbeweise. Außerdem ist er der Mann im Haus.
Zu diesem immer kurz vor einer Explosion stehendem Mutter-Sohn-Gespann kommt noch die Nachbarin Kyla, eine auf unbestimmte Zeit beurlaubte Lehrerin, die eine Sprachstörung hat, sich deshalb fast nur in ihrem Vorstadthaus aufhält, schließlich Steve Privatunterricht gibt und dabei auch ihr Stottern überwindet.
Nach dem schwächeren „Sag nicht, wer du bist!“ ist „Mommy“, Xavier Dolans fünfter Spielfilm in fünf Jahren, wieder einmal überbordendes, kompromissloses Kino, das über fast hundertvierzig, äußerst kurzweilige Minuten in jeder Hinsicht begeistert. Das beginnt schon mit der mutigen Entscheidung, den Film im Format 1:1 zu drehen. Dieses viereckige Bild, wie ein CD-Cover, lässt links und rechts ungefähr ein Drittel der Leinwand im Dunkeln, was dazu führt, dass Steve, Diane und Kyla auch optisch in ihren seelischen Gefängnissen gefangen sind. Vor allem Steve hat diesen Tunnelblick, der seinen Blick einengt. Er handelt immer spontan, aus dem Moment heraus und ohne irgendeine Impulskontrolle.
Wenn sich dann zweimal das Bild öffnet und die ganze Leinwand in Besitz nimmt, ist es umso befreiender für die Charaktere, die in diesem Moment ihr inneres Gefängnis verlassen und Freiheit spüren. Für einen kurzen Moment. Denn, daran lässt Dolan von der ersten Minute, keinen Zweifel: Steve wird sich nicht ändern und Diane muss überlegen, wie sie ihrem Sohn am Besten helfen kann. Bis jetzt hat sie alles für ihren Sohn geopfert.
In Cannes erhielt Xavier Dolan für „Mommy“, gemeinsam mit Jean-Luc Godard für „Adieu au langage“ den Preis der Jury. Verdient.
Seine Hauptdarsteller, die Neuentdeckung Antoine Olivier Pilon, der bislang nur einige TV-Auftritte und eine Nebenrolle in Dolans „Laurence Anyways“ hatte, und die beiden Dolan-Stammschauspielerinnen Anne Dorval und Suzanne Clément hätten ebenfalls Preise für ihre natürliche und glaubwürdige Darstellung der psychsich lädierten Charaktere verdient.

Mommy - Plakat

Mommy (Mommy, Kanada/Frankreich 2014)
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
mit Anne Dorval, Antoine Olivier Pilon, Suzanne Clément, Alexandre Goyette, Patrick Huard
Länge: 138 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mommy“
Moviepilot über „Mommy“
Metacritic über „Mommy“
Rotten Tomatoes über „Mommy“
Wikipedia über „Mommy“
Meine Besprechung von Xavier Dolans „Laurence Anyways“ (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)
Meine Besprechung von Xavier Dolans „Sag nicht, wer du bist!“ (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)

Die Cannes-Pressekonferenz zum Film

Xavier Dolan beim TIFF, wo er über „Mommy“ spricht

Xavier Dolan spricht auch mit dem ZDF über „Mommy“ (ohne Voice-Over und ohne Untertitel)



Zwischen seinen Filmen und Interviews hatte Monsieur Dolan noch Zeit für das Musikvideo „College Boy“ von Indochine


Neu im Kino/Filmkritik: Hugh Grant fragt „Wie schreibt man Liebe?“

November 13, 2014

Es ist schon erstaunlich, wie gut es „Wie schreibt man Liebe?“ gelingt, all die erzählerischen Trüffel, die Autor-Regisseur Marc Lawrence auf dem Silbertablett präsentiert werden, zu ignorieren und sich allein auf die Präsenz des immer liebenswerten Hugh Grant zu verlassen.
Grant spielt Keith Michaels, einen geschiedenen Hollywood-Drehbuchautor, der vor fünfzehn Jahren einen Drehbuchoscar für „Paradise Misplaced“ bekam. Seine späteren Filme waren nicht so gut und jetzt braucht er, weil er keine Bücher verkauft, Geld. Ein Lehrerjob in Binghampton, ein Uni-Kaff bei New York, bringt ihm das benötigte Geld. Dass er glaubt, dass man Schreiben nicht lehren kann, ist nur ein kleines Hindernis. Er will die finanziell einträgliche Lehrer-Charade einfach hinter sich bringen, weshalb er die Teilnehmer für den Drehbuchkurs auch nach ihrem Aussehen auswählt. Trotzdem verirren sich zwei Nerds in seinen Kurs, der sonst nur aus Uni-Schönheiten besteht. Und eine Mittvierzigerin ist auch dabei. Holly Carpenter macht noch ein Bachelor-Studium, hat zwei Kinder (die wir eigentlich nie sehen und die für die Geschichte egal sind), immer einen patenten Ratschlag für den sympatisch verwuschelten Kursleiter und nebenher jobbt sie. Passenderweise in dem Uni-Buchladen und einem Nobelrestaurant.
Weil Holly Carpenter von Marisa Tomei gespielt wird, wissen wir auch, wer am Filmende nach der bewährten RomCom-Formel zusammenfindet, obwohl sie nur den Schein haben will und er nicht die Frau fürs Leben sucht. Eine gut aussehende Studentin, mit der er gleich am ersten Abend ins Bett hüpft, tut es auch. Jedenfalls für den Moment. Dass das ein an der kleinen Universität nicht akzeptiertes Verhalten ist, erfährt er kurz darauf und nachdem er am Begrüßungsabend gleich eine Brandrede gegen starke Frauen und Jane Austen hält, hat er es sich mit Professor Mary Weldon (Allison Janney) verscherzt. Denn sie ist die anerkannte Jane-Austen-Expertin, die humorlose und stocksteife Dekanin der Universität und sie hält absolut nichts von Hollywood-Drehbuchautoren, die keine Ahnung von Literatur haben. Sie ist die Person, die den literarisch vollkommen unbefleckten Keith Michaels jederzeit feuern kann.
„Wie schreibt man Liebe?“, das im Original „The Rewrite“ heißt, hätte so einfach ein Film über zweite Chancen und die Wechselwirkungen von Literatur und Leben, von Drehbuchdramaturgie und Leben, von den Genreerfordernissen einer romantischen Komödie und dem Leben, werden können. Es hätte ein wundervoller, auf mehreren Ebenen funktionierender Film werden können, wie zuletzt zum Beispiel Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“, wo es um das richtige Zubereiten von Mahlzeiten, unterschiedliche Kulturen und Lebensphilosophien geht, oder Fred Schepisis „Words and Pictures“, wo Clive Owen und Juliette Binoche ein Feuerwerk von Weisheiten und Zitaten abbrennen, um vor ihren Schülern einen Kampf um die höhere Kunst zu entfachen, der natürlich kaum verdeckt, dass sie ineinander verliebt sind.
Oder, ein ganz anderes Genre, der selbstreferentielle Slasher-Film „Scream“. Schon vor fast zwanzig Jahren spielten Regisseur Wes Craven und Drehbuchautor
Kevin Williamson gelungen mit den Genreklischees, wenn die Studierenden sich über die Klischees in Horrorfilmen unterhalten und so den Killer finden wollen, während gerade die halbe Universität von einem maskierten Slasher gemeuchelt wird.
Gerade im direkten Vergleich mit „Words and Pictures“, der ja ein ähnliches Thema in einem ähnlichen Milieu behandelt, wird deutlich, wie lieblos „Wie schreibt man Liebe?“ zusammengeschustert ist. Marc Lawrences Film hätte dringend mindestens ein Rewrite gebraucht. Aber anscheinend wurde die erste Fassung verfilmt.

Wie schreibt man Liebe - Plakat

Wie schreibt man Liebe? (The Rewrite, USA 2014)
Regie: Marc Lawrence
Drehbuch: Marc Lawrence
mit Hugh Grant, Marisa Tomei, Bella Heathcote, J. K. Simmons, Chris Elliot, Allison Janney, Veanne Cox, Lily Wan, Olivia Luccardi, Emily Morden, Andrew Keenan-Bolger, Steven Kaplan
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Moviepilot über „Wie schreibt man Liebe?“
Metacritic über „Wie schreibt man Liebe?“
Rotten Tomatoes über „Wie schreibt man Liebe?“
Wikipedia über „Wie schreibt man Liebe?“


TV-Tipp für den 13. November: Kill Bill: Volume 1

November 13, 2014

Vox, 22.15

Kill Bill: Volume 1 (USA 2003, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Die Braut will sich an ihrem Ex-Boss Bill und ihren alten Arbeitskolleginnen, einer Bande Auftragskiller, die sie umbringen wollten, rächen. Leichter gesagt, als getan – und Quentin Tarantino durfte in seinem vierten Spielfilm, der als Zweiteiler in die Kinos kam, kräftig im Blut baden. Im ersten Teil eher in Richtung Eastern, im zweiten Teil in Richtung Italowestern; weshalb die Teilung des Films auch Sinn macht.

mit Uma Thurman, Lucy Liu, Vivica A. Fox, Daryl Hannah, David Carradine, Michael Madsen, Sonny Chiba, Michael Parks

Wiederholung: Freitag, 14. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Kill Bill Vol. 1“

Rotten Tomatoes über „Kill Bill Vol. 1“

Wikipedia über „Kill Bill Vol. 1“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino


DVD-Kritik: James Toback und Alec Baldwin sind „Verführt und Verlassen“

November 12, 2014

Regisseur James Toback („Finger – Zärtlich und brutal“, Drehbuch für „Bugsy“) und Schauspieler Alec Baldwin („Jagd auf ‚Roter Oktober’“, TV-Serie „30 Rock“) fliegen 2012 nach Cannes, um einerseits Geld für einen Film zu sammeln und andererseits eine Dokumentation über ihre Suche nach Investoren zu machen und einen Blick hinter die Kulissen des Filmfestivals zu werfen.
Für diesen Blick hinter die Kulissen trafen sie sich auch mit Schauspielern und Regisseuren, die in ihren Erinnerungen an ihre Filme und Cannes schwelgen konnten. Es sind Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Roman Polanski, die immer interessante Gesprächspartner sind, auch wenn sie zu dem von Toback und Baldwin geplanten Spielfilm nichts beitragen können.
Bernardo Bertolucci schon eher; in einer Arkandimension. Er erzählt viel über seinen Skandalfilm „Der letzte Tango in Paris“ in dem Marlon Brando und Maria Schneider ein Liebespaar spielen. Toback, so der Minimalpitch des Teams Baldwin/Toback bei den potentiellen Investoren, will ein Remake von „Der letzte Tango in Paris“ drehen. Mit Alec Baldwin und Neve Campbell („Scream“) in den Hauptrollen. Mit Sex und politischen Verwicklungen. Im Irak. Der Arbeitstitel ist daher „Der letzte Tango in Tikrit“.
Doch eigentlich ist dieses Projekt nur der Vorwand, um einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und hinter den schönen Schein der Filmwelt zu werfen. Denn neben den Filmpremieren, dem Auftrieb der Stars und Sternchen, den vielen bunten Bildern, ist Cannes auch ein riesiger Filmmarkt, auf dem Projekte vorgestellt und verkauft werden. Manchmal nur mit ein, zwei Namen und einem Plakat. Diesen Blick auf die ökonomische Seite des Filmegeschäfts gibt es bei Gesprächen mit Investoren und bekannten Produzenten, wie Avi Lerner, der unter anderem die „The Expendables“-Filme und „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ (startet am Donnerstag) produzierte. Diese Geldgeber denken bei einem Projekt zuerst an die Verkaufsmöglichkeiten (also die Einnahmen) und wie hoch deshalb die Kosten sein dürfen, damit sie einen Gewinn haben. Ein wichtiger Punkt bei dieser Glechung ist dabei der Markwert der Stars. Und der von Baldwin und Campbell war, wie ein Blick auf ihre letzten Filme zeigte, damals nicht besonders hoch.
„Verführt und Verlassen“ ist vor allem, und daran ändert der rote Faden mit der Investorensuche nichts, eine Liebeserklärung an Cannes, das Kino und den Spielfilm, die immer wieder sympathisch konfus zwischen Verkaufsgesprächen, Hintergrundgesprächen zur Filmfinanzierung und Geschichten aus der Filmwelt schwankt, wenn die bekannten Regisseure und Schauspieler angenehm offen von ihren Erfahrungen erzählen. Da passt auch Tobacks Abschlussfrage bei den Interviews, ob man bereit zum Sterben sei, wunderbar in das offene Konzept des Films. Obwohl man in einem normalen Pitch diese Frage niemals stellen würde. Aber bei einem normalen Pitch laufen auch keine Kameras und es wird auch kein Film daraus gemacht.
Der exzessive Split-Screen-Einsatz in der Dokumentation lädt zum zweiten Ansehen auf einem großen Bildschirm ein. Denn auf den ersten Blick kann man all die Fotografien von früheren Cannes-Festivals und die Filmausschnitte aus Filmklassikern gar nicht erfassen.

Verführt und Verlassen - Plakat

Verführt und Verlassen (Seduced and Abandoned, USA 2013)
Regie: James Toback
Drehbuch: James Toback
mit Alec Baldwin, James Toback, Neve Campbell, Bernardo Bertolucci, Jeffrey Katzenberg, Bérénice Bejo, Martin Scorsese, Roman Polanski, Francis Ford Coppola, Avi Lerner, James Caan, Ryan Gosling, Jessica Chastain, Diane Kruger, Diablo Cody

DVD
Weltkino/Studiocanal
Bild: 2.40:1
Sprache: Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial:
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Verführt und Verlassen“
Moviepilot über „Verführt und Verlassen“
Metacritic über „Verführt und Verlassen“
Rotten Tomatoes über „Verführt und Verlassen“
Wikipedia über „Verführt und Verlassen“ 

James Toback und Alec Baldwin sprechen am 13. Oktober 2013 im 92Y-Talks über den Film (und das Gespräch ist fast länger als der Film)


TV-Tipp für den 12. November: Leben – BRD

November 12, 2014

ZDFkultur, 20.15
Leben – BRD (Deutschland 1990, Regie Harun Farocki)
Drehbuch: Harun Farocki
Am 30. Juli starb Harun Farocki, der Lehrer und Schreibpartner/Ratgeber/Freund von Christian Petzold (zuletzt „Phoenix“), der auch als Solo-Künstler schon lange bekannt war. Zum Beispiel mit „Leben – BRD“, einem Essayfilm in dem er Menschen in Schulungen, im Unterricht und bei Rollenspielen beobachtet und sich fragt: Müssen wir das Leben erst lernen? Spielen wir eine Rolle?
„Diese Rollenspiele, Psychodramen, Soziodramen geben ein Bild des Lebens in der BRD. Da ist ein Leben zu sehen, das vielfältig organisiert und ausgetrieben wird. (…) Die BRD wie ein Trainingslager, in dem die Lebenstechnik geübt wird, von Profi-Lebendigen. Die soziale Wirklichkeit wird ins Anschauliche getrieben.“ (Programm des 20. Internationalen Forums des jungen Films, Berlin 1990)
„Leben – BRD“ ist der Auftakt zu einem Farocki-Abend, randvoll gefüllt mit selten gezeigten Filmen: „Die führende Rolle“ (21.35 Uhr), „Erkennen und Verfolgen“ (22.10 Uhr – über Überwachungstechniken), „Ernste Spiele“ (23.10 Uhr), „Gefängnisbilder“ (23.50 Uhr) und einem Studiogespräch mit Harun Farocki (00.50 Uhr)
Wiederholung: Donnerstag, 13. November, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
ZDFkultur über „Leben – BRD“ und irgendwie auch über den Harun-Farocki-Abend
Homepage von Harun Farocki
Filmportal über Harun Farocki
Wikipedia über Harun Farocki


TV-Tipp für den 11. November: Polizeiruf 110: Cassandras Warnung

November 11, 2014

NDR, 22.00

Polizeiruf 110: Cassandras Warnung (Deutschland 2011, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.

Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.

mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken

Hinweise

ARD über “Polizeruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 10. November: Gran Torino

November 10, 2014

Sat.1, 20.15

Gran Torino (USA 2008, Regie: Clint Eastwood)

Drehbuch: Nick Schenk (nach einer Geschichte von Dave Johannson und Nick Schenk)

Das Leben des verbitterten, rassistischen Korea-Veteranen Walt Kowalski gerät aus den gewohnten Bahnen, als er einen Hmong-Nachbarjungen gegen eine Straßengang verteidigt (sie hatten den Fehler begangen ihren Streit auf Kowalskis Rasen austragen zu wollen). Kowalski wird zum Helden der asiatischen Gemeinschaft und die Straßengang will die erlittene Schmach vergelten.

Der bislang vorletzte Leinwandauftritt von Clint Eastwood. Danach drehte er noch fünf weitere Filme. Zuletzt „Der Scharfschütze“ über einen Navy-SEAL-Scharfschützen. Der Film soll am 15. Januar 2015 in Deutschland starten. Denn Eastwood zaudert nicht lange, wenn ihm das Buch gefällt. Oft verfilmt er sogar die erste Fassung (in Hollywood bekannt als die Fassung, mit der die Gespräche beginnen, die aber vor dem Dreh noch mehrmals überarbeitet werden muss). Auch bei „Gran Torino“ änderte Eastwood nichts am Drehbuch.

Gedreht wird auch schnell. „Million Dollar Baby“ war vor der geplanten Drehzeit fertig (und die war mit 39 Tagen auch nicht gerade üppig) und kostete deutlich weniger, als zuerst von den Produzenten zuerst gesagt wurde (normalerweise dürfte es umgekehrt sein; Oh, und auch die zuerst genannten Kosten waren gar nicht so hoch.). Bei „Gran Torino“ waren 35 Drehtage angesetzt. Nach 33 Tagen war der Film im Kasten.

Tja, und, wie schon bei „Million Dollar Baby“ und „Erbarmungslos“ war die Kritik begeistert und wurde nicht müde, über „Gran Torino“ als Alterswerk das ein gutes Vermächtnis wäre, zu fabulieren. Dabei erzählt der Film doch einfach nur eine gute Geschichte.

Trotzdem hat „Gran Torino“ den Dagger als „best big-screen crime thriller story“, den César als bester ausländischer Film und die ganzen anderen Preise verdient.

Mit Clint Eastwood, Christopher Carley, Bee Vang, Ahney Her, Brian Haley, Geraldine Hughes, Dreama Walker, Brian Howe

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gran Torino“

Wikipedia über “Gran Torino” (deutsch, englisch)

CTV.ca: AP-Artikel über Nick Schenk

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nick Schenks „Der Richter – Recht oder Ehre“ (The Judge, USA 2014)


TV-Tipp für den 9. November: Dina Foxx – Tödlicher Kontakt

November 9, 2014

ZDFneo, 19.30/23.15
Dina Foxx – Tödlicher Kontakt (Deutschland 2014, Regie: Max Zeitler)
Drehbuch: Max Zeitler, Nina Pourlak, Philipp Zimmermann, Burkhard Althoff, Milena Bonse, Leif Alexis
Dina Foxx ist zurück. Inzwischen lebt sie in Berlin und als ihr Bruder sie an ihrem Geburtstag besucht, ist sie überglücklich. Am nächsten Tag liegt er im Koma. Die Ärzte vermuten eine Überdosis Partydrogen (Hey, wir sind Berlin!). Aber Dina glaubt, dass eine neue Gen-Tomate (die Krebs heilen soll) dafür und für den Tod von vielen Menschen verantwortlich ist. Nur, wie soll sie das beweisen?
2011 war „Wer rettet Dina Foxx?“ ein erfolgreiches TV-Experiment, das auch im Internet fortgesetzt wurde. Jetzt wird die Geschichte fortgesetzt, wobei Dina Foxx nicht mehr von Jessica Richter, sondern von Katharina Schlothauer gespielt wird und es dieses Mal zwei 45-minütige TV-Episoden sind (heute und kommenden Sonntag), die man auch ohne die Netz-Ergänzungen (Webisoden mit viel Christoph Bach, Spiel, Hintergrundinformationen) sehen kann.
Der insgesamt neunzigminütige Krimi ist flott geschnitten und inszeniert für ein jugendliches Publikum, das sich dann auch vielleicht nicht an der teils abstrusen Story und den Klischees stört. Denn langweilig wird es, zwischen den vielen Berlin-Ansichten, nie.
mit Katharina Schlothauer, Christoph Bach, Tomas Sinclair Spencer, Natascha Hockwin, Max Mauff, Marcus Schinkel, Sebastian Hülk, Karin Giegerich
Wiederholungen
ZDF: Montag, 10. November, um 23.55 Uhr
ZDFkultur: Freitag, 14. November, um 20.15 Uhr
Hinweis
ZDF über Dina Foxx


TV-Tipp für den 8. November: Serpico

November 8, 2014

ServusTV, 22.25

Serpico (USA 1973, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Homepage von Frank Serpico

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Für Mike Leigh ist „Mr. Turner – Meister des Lichts“

November 7, 2014

Das nächste Biopic. Dieses Mal über einen Maler, dessen Gemälde heute immer noch bekannt sind: William Turner. Und Mike Leigh, der sonst für sein Gegenwartskino, seine Arbeiterdramen, bekannt ist, inszeniert diesen historischen Stoff abseits der normalen Biopic-Pfade, in denen das Leben des Protagonisten ein illustrierter Wikipedia-Artikel ist. Leighs „Mr. Turner – Meister des Lichts“ ist eher ein Filmessay. Eine chronologische Aneinanderreihung von Impressionen aus dem Leben des Malers, dem wir zum ersten Mal 1826 am Ende einer Reise nach Belgien begegnen. In dem Moment war der 1775 geborene Turner bereits ein bekannter Künstler.
In den folgenden gut hundertfünfzig Minuten erzählt Mike Leigh Turners Leben bis zu seinem Tod 1851.
Aber im Gegensatz zu anderen Biopics bemüht Mike Leigh sich nicht, uns William Turner nahe zu bringen. Er ist ein grunzendes Scheusal, das zwischen zwei Pinselstrichen seine Haushälterin vergewaltigt. Er ist gehässig. Er benimmt sich wie ein kleines Kind, aber er hat auch eine sensible Seite, die sich in seinen Gemälden, seiner normalen Beziehung zu Sophia Booth, einer Vermieterin in Margate, bei der er sich 1829 unter falschem Namen einmietete und für die er bis zu seinem Tod Mr. Mallord blieb, und seiner Beziehung zu seinem 1829 verstorbenem Vater, der auch der Manager und Diener seines Sohnes war, zeigt. Außerdem war Turner ein großer Künstler, der in seinen Bildern auch die Auswirkungen der Französischen Revolution und der Industrialisierung auf die Gesellschaft und das Individuum reflektierte. Mike Leigh reflektiert diese gesellschaftlichen Veränderungen und Unsicherheiten auch in seinem Film. Genau wie Turners Bilder immer abstrakter wurden, löst Leighs Film immer mehr die Gewissheiten eines Gewissheiten verkündenden Biopics auf. Je länger der Film ist, desto unschärfer wird William Turner, der sein Handeln nie erklärte.
Timothy Spall, zuletzt die RomCom „Wie in alten Zeiten“ und Wormtail in den Harry-Potter-Filmen, ist ein bekannter Leigh-Darsteller, der für sein Porträt des Malers in Cannes als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Er spielt diesen komplizierten Charakter eindrücklich in seiner Zerrissenheit und Maßlosigkeit. Auch die anderen Schauspieler sind toll, ebenso die Ausstattung und die Kamera. Leighs langjähriger Kameramann Dick Pope erhielt, ebenfalls in Cannes, den Vulcain Prize for the Technical Artist für seine Übertragung der Turner-Gemälde auf die große Leinwand.
Weil Leigh allerdings konsequent undramatisch Episoden aus einem viertel Jahrhundert aneinanderreiht, ohne dass sich die Jahre in den Gesichtern der Schauspieler spiegeln, und er kaum Hintergrundinformationen liefert, richtet sich „Mr. Turner“ nur an Turner-Fans, die die Bilder und Episoden einsortieren können.
Alle anderen sind, je nach Stimmungslage, dann von dem ruhigen Fluss der Erzählung fasziniert oder gelangweilt. Ich war gelangweilt, weil ich nichts über den Porträtierten erfuhr, auch der durch die Französische Revolution und die Industrialisierung forcierte Wandel nicht angesprochen wird und die einzelnen Episoden aus Turners Leben einfach nur Anekdoten sind, die nie eine eigenes Narrativ entfalten. Am Ende des Films wusste ich nicht mehr über William Turner als vorher – und das ist kein gutes Zeichen.

Mr Turner - Plakat

Mr. Turner – Meister des Lichts (Mr. Turner, Großbritannien 2014)
Regie: Mike Leigh
Drehbuch: Mike Leigh
mit Timothy Spall, Dorothy Atkinson, Marion Bailey, Ruth Sheen, Lesley Manville, Martin Savage, Paul Jesson, Patrick Godfrey, Leo Bill
Länge: 150 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mr. Turner“
Moviepilot über „Mr. Turner“
Metacritic über „Mr. Turner“
Rotten Tomatoes über „Mr. Turner“
Wikipedia über „Mr. Turner“ (deutsch, englisch)

Das Q&A zum Film beim NYFF zum Film in großer Runde

DP/30 unterhält sich mit Mike Leigh über den Film und den ganzen Rest


Neu im Kino/Filmkritik: John Turturro ist „Plötzlich Gigolo“

November 7, 2014

Zuerst muss ein Missverständnis aufgeklärt werden: „Plötzlich Gigolo“ ist kein Woody-Allen-Film. Es ist nur ein Film, in dem er mitspielt; was ungefähr einmal alle zwanzig Jahre passiert. Er spielt Murray, einen glücklosen Buchladenbesitzer, der gerade sein Geschäft auflösen muss, während er seinen Freund Fioravante (John Turturro) zuquatscht. Fioravante ist ein introvertiert-feinfühliger Florist, ständig pleite und ganz zufrieden mit seinem Leben, bis Murray ihm vorschlägt, einmal mit seiner Hautärztin (Sharon Stone) und deren Freundin (Sofia Vergara) einen flotten Dreier zu machen. Immerhin ist Fioravante, auch wenn er keine Freundin hat, doch ein echter Frauentyp und finanziell soll es sich auch lohnen. Zögernd willigt er ein und er hinterlässt einen so guten Eindruck, dass Murray ihm weitere Frauen vermittelt, wie die Witwe eines angesehenen chassidischen Rabbis (Vanessa Paradis). Fioravante ist „Plötzlich Gigolo“ und wir sind mitten drin in einer New-York-Komödie, in der sich alles um Liebe dreht, die Pointen im Sekundentakt abgefeuert werden und alles wunderbar moralbefreit und zugleich sehr moralisch ist. Immerhin ist auch ein verliebter, strenggläubiger jüdischer Polizist (Liev Schreiber) dabei.
Woody Allen, der in seinen letzten Filmen den halben Globus bereiste, ist endlich wieder zurück in seiner Stadt in seinem Milieu und er feuert seine Pointen ab, dass es einem schwer fällt zu glauben, dass nicht Woody Allen, sondern John Turturro den Film inszenierte und auch das Drehbuch schrieb. Er hatte die erste Idee und erzählte seinem Friseur davon. Der erzählte es seinem Kunden Woody Allen, dem die Idee gefiel und der Turturro anrief. Sie trafen sich, und während Turturro das Drehbuch schrieb, gab Woody Allen ihm Tipps, bis irgendwar klar war, dass Murray ein perfekter Woody-Allen-Charakter ist.
Und so ist John Turturros neuester Film „Plötzlich Gigolo“, für alle, die sich nicht um die Credits kümmern, ein waschechter Woody-Allen-Film.
Der neue Woody-Allen-Film „Magic in the Moonlight“, für den Allen das Drehbuch schrieb und Regie führte, startet am 4. Dezember in Deutschland. Die romantische Krimikomödie spielt in den Zwanzigern an der Côte d’Azur und die Besetzung ist gewohnt hochkarätig.

Plötzlich Gigolo - Plakat

Plötzlich Gigolo (Fading Gigolo, USA 2013)
Regie: John Turturro
Drehbuch: John Turturro
mit John Turturro, Woody Allen, Vanessa Paradis, Liev Schreiber, Sharon Stone, Sofia Vergara, Bob Balaban, M’Barka Ben Taleb, Tonya Pinkins
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Plötzlich Gigolo“
Moviepilot über „Plötzlich Gigolo“
Metacritic über „Plötzlich Gigolo“
Rotten Tomatoes über „Plötzlich Gigolo“
Wikipedia über „Plötzlich Gigolo“

Und ein Interview mit John Turturro über sein Werk


Neu im Kino/Filmkritik: „Das grenzt an Liebe“ wenn Michael Douglas und Diane Keaton sich kabbeln

November 7, 2014

„Harry und Sally“-Regisseur Rob Reiner hat wieder zugeschlagen und wenn sich in seinem neuen Film „Das grenzt an Liebe“, nach einem Drehbuch von Mark Andrus („Besser geht’s nicht“), die Schöne und das Biest zum ersten Mal treffen, wissen wir, wie die Geschichte endet. Vor allem wenn das Biest auf seine neunjährige Enkeltochter, die er noch nie gesehen hat, aufpassen muss und er „aufpassen“ zunächst als „möglichst schnell aus meinem Leben entfernen“ versteht.
Die Schöne ist eine meistens gut gelaunte Witwe, die sich gleich gut mit dem Kind versteht und dann auch beginnt, das Biest zu erziehen. Der ist ein Immobilienmakler, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau, der Liebe seines Lebens, hinterhertrauert und jetzt möglichst vielen Menschen das Leben zur Hölle machen will. Ihm geht es ja auch nicht besser.
Dass das Biest von Michael Douglas und die Schöne von Diane Keaton gespielt wird, hilft natürlich beim Gewinnen der Zuschauerherzen für diese nette Romantic-Comedy, die sich auf dem Charisma ihrer Stars ausruht und dabei sowohl die Stars als auch ihr Publikum unterfordert. Denn diese Liebeskomödie für die Generation 50+ (oder eher 60+) hat als Hauptdarsteller Michael Douglas, der „Einer flog über das Kuckucknest“ und „Das China-Syndrom“ produzierte und Hauptdarsteller in „Wall Street“, „Der Rosenkrieg“, „Basic Instinct“, „Falling Down“ und „The Game“ war, und Diane Keaton, die in „Reds“, allen drei „Der Pate“-Filmen und in zahlreichen Woody-Allen-Klassikern, wie „Der Stadtneurotiker“ (sie war Annie Hall!), „Innenleben“, „Manhattan“ und „Manhattan Murder Mystery“, dabei war. Das waren provozierende Filme, die ihre Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen haben.
Dagegen ist „Das grenzt an Liebe“ eine unerhebliche Komödie, die nur wegen der spielfreudigen Schauspieler besser erscheint, als sie letztendlich ist und sich in die ähnlich gelagerte romantische Komödien für Sechzigjährige einreiht, in denen das Drehbuch nie das Niveau der Schauspieler erreicht.

Das grenzt an Liebe - Plakat

Das grenzt an Liebe (And so it goes, USA 2014)
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: Mark Andrus
mit Michael Douglas, Diane Keaton, Sterling Jerins, Frances Sternhagen, Maurice Jones, Andy Karl, Austin Lysy, Frankie Valli, Rob Reiner
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das grenzt an Liebe“
Moviepilot über „Das grenzt an Liebe“
Metacritic über „Das grenzt an Liebe“
Rotten Tomatoes über „Das grenzt an Liebe“
Wikipedia über „Das grenzt an Liebe“


TV-Tipp für den 7. November: Blindes Vertrauen

November 7, 2014

ZDFneo, 20.15

Blindes Vertrauen (USA 2010, Regie: David Schwimmer)

Drehbuch: Andy Bellin, Robert Festinger

Im Netz gerät die 14-jährige Annie an einen Pädophilen, der sie auch zum Sex verführt. Ihre liberal-liebevollen Eltern versuchen mit der Tat umzugehen.

Dank des guten Drehbuchs, der guten Schauspieler und der zurückhaltenden Regie zeigt „Trust – Die Spur führt ins Netz“ eindrucksvoll und nachhaltig, was ein Missbrauch für die Betroffenen bedeutet, wie hilflos sie sind und man hört die „Es war Liebe“-Bekundungen von älteren Männern mit Minderjährigen mit anderen Ohren.

Ein zum Nachdenken anregendes Drama.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Clive Owen, Catherine Keener, Liana Liberato, Jason Clarke, Noah Emmerich, Viola Davis

auch bekannt als „Trust – Die Spur führt ins Netz“ (DVD-Titel)

Wiederholung: Samstag, 8. November, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Wikipedia über „Trust“ (deutsch, englisch)
Rotten Tomatoes über „Trust“
Collider Interview mit David Schwimmer über „Trust“ (30. März 2011)

BBC: Interview mit David Schwimmer über “Trust” (8. Juli 2011)

Meine Besprechung von „Trust – Die Spur führt ins Netz“ (Trust 2010)