ARD, 21.45 Uhr
Hannah Arendt (Deutschland 2012)
Regie: Margarethe von Trotta
Drehbuch: Pamela Katz, Margarethe von Trotta
Grandioses Biopic über Hannah Arendt und den Eichmann-Prozess. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Michael Degen, Victoria Trauttmansdorff, Klaus Pohl, Nicholas Woodeson
Aufforderung zum Tanz (Deutschland 1977, Regie: Peter F. Bringmann)
Drehbuch: Matthias Seelig
Drei Jahre bevor „Theo gegen den Rest der Welt“ im Kino antrat, erhielt er eine „Aufforderung zum Tanz“ und weil der TV-Film so erfolgreich war, entschlossen sich Regisseur Peter F. Bringmann, Drehbuchautor Matthias Seelig und Hauptdarsteller Marius Müller-Westernhagen (der später als Musiker ein Star wurde) die Abenteuer des Ruhrpottjungen Theo Gromberg weiterzuerzählen. In „Aufforderung zum Tanz“ wollen Theo und sein Kumpel Enno Goldini einen LKW kaufen. Aber Theo verzockt das Geld.
Heute läuft der sehr selten gezeigte Film endlich mal wieder im TV.
mit Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi Riad Gholmié, Elga Sorbas, Gudrun Landgrebe (Debüt!)
Wer die Originaltitel von Filmen kennt, denkt bei „The Unforgiven“ ziemlich schnell an „Unforgiven“, den Western-Klassiker von und mit Clint Eastwood, der auch den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und bei uns als „Erbarmungslos“ in den Kinos lief. Über zwanzig Jahre später inszenierte Lee Sang-Il ein Remake, in dem er die Geschichte vom Wilden Westen nach Japan verlegte und die Revolver oft durch Schwerter ersetzte, aber ansonsten der vertrauten Geschichte fast schon sklavisch, inclusive der legendären Mann-besteigt-Pferd-Szene, aber mit mehr Schnee, folgt: wieder macht sich ein im Ruhestand lebender Kämpfer (im Original ein Revolverheld, im Remake ein Samurai, der auf der falschen Seite kämpfte) auf Bitten eines alten Kampfgefährten und weil Jubei Kamata (Ken Watanabe in der Clint-Eastwood-Rolle) das Geld für seinen kleinen Bauernhof und seine Kinder braucht, auf den Weg zu einer Kleinstadt, in der einige Huren ihr Geld zusammenlegten, um zwei Kunden zu bestrafen, der eine Kollegin von ihnen verunstaltete. Sie setzten das Kopfgeld aus, weil der brutale und selbstherrlich seine Version des Rechts ausübende Ortssheriff nicht daran denkt, die Freier zu bestrafen. Jubei macht sich mit seinem alten Kampfgefährten und einem Möchtegern-Kämpfer auf den Weg und das Verhängnis nimmt seinen Lauf.
Lee Sang-Ils Remake ist ein grandioser Samurai-Western, der dem Original treulich folgt und ihm einige neue Facetten hinzufügt. Es ist deshalb auch kein besonders dringendes, aber ein optisch überaus prächtiges Remake, bei dem, wie in einem Sam-Peckinpah-Film, der durchgehend melancholische und resignative Ton auffällt. Die Geschichte spielt 1880, während der die japanische Gesellschaft radikal verändernden Meiji-Zeit, und die müden Kämpfer ziehen fast schon gelangweilt in den Kampf. Denn sie wissen, dass ihre Zeit um ist, dass sie nur noch ein letztes Gefecht austragen, bei dem es nicht mehr um das Gewinnen, sondern nur noch um einen halbwegs ehrenvollen Abgang geht. So sagt Jubei zu seinem sterbendem Freund „Wir sehen uns in der Hölle.“.
Letztes Jahr lief Lee Sang-Il „The Unforgiven“ in Venedig, die Kritiker waren begeistert und jetzt läuft der Samurai-Western mit seinen wunderschönen Breitwand-Bildern in einigen deutschen Kinos. Hier in Berlin läuft er in zwei Kinos: das eine Kino liegt am Stadtrand, das andere zeigt ihn nur um 23.15 Uhr. Und wenn nächste Woche „Der Hobbit“ anläuft, dürfte die Zahl der Spielstätten sich auf Null reduzieren.
Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.
Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.
mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino
Die spoilerfreie Kurzkritik: In seinem neuen Film „Dritte Person“ erzählt „L. A. Crash“-Regisseur Paul Haggis mit einem tollen Cast parallel drei Hauptgeschichten mit einem guten Dutzend Charaktere, die in Paris, Rom und New York spielen und am Ende auf überraschende Weise zusammengefügt werden. Leider ist der Weg dahin mit seinen unglaubwürdigen Charakteren nicht sonderlich interessant.
Wir raten ab.
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So. Und jetzt erkläre ich euch, warum ich von „Dritte Person“ enttäuscht war, obwohl am Ende alles einen Sinn ergibt und auch die Idee hinter dem Film interessant ist, aber die Ausführung dann doch nicht. Obwohl sogar diese schlechte Ausführung, als ein weiteres Spiel mit dem der Plotkonstruktion, gewollt sein kann; was aber dann schon mindestens in die Meta-Meta-Ebene geht.
In den ersten Minuten führt Paul Haggis in kurzen Szenen und flüssig geschnitten die Charaktere und die Handlungsorte ein. Im Zentrum steht dabei der in Paris in einer Hotelsuite residierende Michael (Liam Neeson), ein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Schriftsteller, der an einem neuen Roman arbeitet und sich mit seiner deutlich jüngeren, in einer festen Beziehung lebenden Freundin Anna (Olivia Wilde), die ihn als Autor bewundert, trifft.
In Italien erhält Scott (Adrien Brody) die noch geheimen Entwürfe für eine neue Bekleidungslinie, die er an einen Konkurrenten verkaufen will.
In New York kämpft der ehemalige Soap-Opera-Star Julia (Mila Kunis) mit ihrer Anwältin Theresa (Maria Bello) um das Sorgerecht für ihr Kind.
Ebenfalls in New York (wie wir später erfahren) versucht der bekannte Maler Rick (James Franco) seinen Sohn für seinen primitiven Malstil zu begeistern. Erfolglos.
Und in einer Küche steht Elaine (Kim Basinger), die traurig in den Garten ihres Anwesens blickt.
Alle diese Charaktere und ihre Geschichten sind, wie wir es auch aus anderen Episodenfilmen kennen, miteinander verbunden. Nur wissen wir in diesem Moment noch nicht genau, wie.
So waren Julia und Rick vorher ein Paar und er möchte sie unbedingt von ihrem Kind fernhalten. Allerdings erfahren wir nicht, warum der Maler so unbedingt das Sorgerecht möchte. Denn schon in der ersten Szene erfahren wir, dass er überhaupt keine Beziehung zu seinem Kind hat und er das auch nicht ändern will. Für ihn steht seine Arbeit an erster Stelle. Dann kommt seine anscheinend nach dem Aussehen ausgewählte Freundin und sein Sohn kommt, als Haustierersatz, erst viel später.
Julia dagegen scheint eine wirklich liebevolle Mutter zu sein, die sogar einen Job als Zimmermädchen in einem Nobelhotel annimmt. Hauptsache, sie kann für ihr Kind sorgen. Dass sie ein kleines Zeitproblem hat, erscheint da vernachlässigbar.
Scott, der sich nach seiner in den USA lebenden Familie zurücksehnt und sich immer wieder eine Nachricht von seinem Sohn auf seinem Telefon anhört, geht in Rom, anstatt möglichst schnell die Unterlagen zu übergeben und den Ort seines Verbrechens zu verlassen, in eine schummerige Bar und er lässt sich mit einer, ähem, sehr italienischen Frau ein, die das Wort „Probleme“ mit Leuchtbuchstaben auf ihre Stirn tätowiert hat. Und „Probleme“ bekommt er. Auch wenn unklar bleibt, warum er sich mit dieser Bordsteinschwalbe, die ihn nur ausnutzen will, einlässt.
Währenddessen starrt Elaine weiter traurig in den Garten und wir fragen uns, wie ihre Geschichte mit den anderen Geschichten zusammenhängt.
Immerhin hat Michael in der Stadt der Liebe seinen Spaß, bis er seinem Verleger das neue Manuskript gibt und dieser überhaupt nicht begeistert von den ausgedachten Charakteren und der gekünstelten Geschichte ist. Das habe nicht mehr die Kraft und Ursprünglichkeit von Michaels früheren Werken; was durchaus auch als Kommentar von „L. A. Crash“-Regisseur Paul Haggis zu seinem neuen Film gesehen werden kann.
Denn während man sich über zwei Stunden durch einen Film voller ausgedachter, sich unvernünftig verhaltender Charaktere quält und sich fragt, wie diese Geschichten irgendwie miteinander zusammenhängen und Unstimmigkeiten, wie Blumen und Zettel, die gleichzeitig in einem Hotelzimmer in New York und Paris sind, bemerkt, bereitet Paul Haggis die Lösung vor, die genau das erklärt und auch, auf dem Papier, ein spannendes Spiel zwischen Kunst und Realität ist.
Denn alle Geschichten spielen sich im Kopf von Michael ab, der so seine Trennung von Elaine und den Unfalltod ihres Sohnes verarbeitet. Er erzählt, in fiktionalisierter Form, wie er Elaine kennenlernte, sie sich um ihr Kind stritten, es verloren und jetzt mit dem Verlust und den gegenseitigen Schuldzuweisungen leben müssen. Das ist, vom Ende betrachtet, interessant konstruiert und erklärt auch, warum sich einzelne Charaktere vollkommen irrational verhalten. So ist am ersten Ansehen unklar, warum Scott in Italien bleibt und sich in die falsche Frau verliebt oder warum Rick unbedingt das Sorgerecht will.
Allerdings interessiert, wenn man das Ende nicht kennt, kein Charakter wirklich. Keines ihrer Probleme ist glaubhaft. Alles wirkt ausgedacht und künstlich und langweilt deshalb. Letztendlich ist „Dritte Person“ nur eine deutlich zu lang geratene Versuchsanordnung.
Allein schon das Licht an der Côte d’Azur rechtfertigt den Dreh in Südfrankreich und seit den seeligen Stummfilmtagen verzichtete wohl kein Hollywood-Regisseur auf die Gelegenheit, vor Ort zu drehen. Auch Woody Allen drehte seinen neuesten Film „Magic in the Moonlight“ wieder vor Ort und in der Geschichte knüpft er an seine früheren, in den zwanziger und dreißiger Jahren spielenden Filmen, wie „Im Bann des Jade-Skorpions“ (2000) und „Bullets over Broadway“ (1994) an. Auch „Scoop“ (2006), obwohl in der Gegenwart spielend, passt in diese Reihe von Retro-Kriminalkomödien mit einer Tendenz zum Übersinnlichen.
„Magic in the Moonlight“ beginnt in einem wundervollen Studio-Berlin (halt so, wie Hollywood sich damals die verruchte deutsche Hauptstadt vorstellte) während einer Zaubershow von Wei Ling So. Noch während das Publikum applaudiert, mosert der Zauberer hinter der Bühne an den Leistungen seiner Angestellten herum und er schminkt sich ab. Denn in Wirklichkeit ist er ein Engländer, Stanley Crawford (Colin Firth), der nie um eine spitze, zynische und sarkastische Bemerkung verlegen ist. Sein Freund Howard Burkan (Simon McBurney) bittet den von sich und seiner rationalen Weltsicht hundertzehnprozentig überzeugten Zauberer in einem verrauchten Kabarett, während im Hintergrund eine Sängerin wimmert, um Hilfe. Denn an der Riviera ist ein Medium aufgetaucht, das anscheinend wirklich über besondere Fähigkeiten verfügt. Crawford hält sie für eine Schwindlerin und er macht sich, als Stanley Taplinger, auf den Weg nach Südfrankreich. Dort trifft er diese Schwindlerin, die Wahrsagerin Sophie Baker (Emma Stone), die ihn auch gleich mit ihrem charmanten Wesen verzückt und Dinge über ihn weiß, die sie nicht wissen kann.
In „Magic in the Moonlight“ gibt es alles das, was wir an einem Woody-Allen-Film mögen: eine Parade bekannter Schauspieler in glänzender Spiellaune, Pointen im Dutzend, einen kleinen, angenehm altmodischen Krimiplot, etwas Romantik, Jazz und eine Liebeserklärung an Hollywoods große Zeit. Aber dieses Mal übertreibt Allen es mit seiner Liebeserklärung an das Hollywood-Kino der dreißiger Jahre etwas. Denn er übernahm auch die damaligen Plotkonstruktionen, die oft einfach eine Abfolge von Szenen waren, die man beliebig austauschen kann. Entsprechend oft und unmotiviert sind in „Magic in the Moonlight“ die Wendungen und manchmal hat man sogar den Eindruck, dass eine Filmspule vergessen oder vertauscht wurde.
Vor allem die Wandlungen von Stanley Crawford, die die Geschichte bestimmen, kommen viel zu plötzlich und zu oft, um glaubwürdig zu sein. So ist der Skeptiker, ungefähr in der Filmmitte, plötzlich von Sophies Visionen überzeugt, kurz darauf, aus einem ähnlich nichtigen Grund, plötzlich wieder vom Gegenteil und bis zum Filmende darf er seine Überzeugung öfter wechseln, als andere Menschen ihre Unterhosen wechseln. Dabei geht er hier nicht um einen kleinen Meinungswechsel, sondern um eine vollkommene Veränderungen seiner gesamten Weltsicht.
Einiges, wie das für die Filmgeschichte vielversprechende Gespräch einer wohlhabenden Hausherrin mit der Mutter des Mediums über die Vermögensanlage entsprechend den Wünschen des verstorbenen Gatten, wird später nicht mehr erwähnt.
In diesen Momenten wünschte ich mir, dass Woody Allen sich, wie bei „Match Point“ oder „Midnight in Paris“, mehr Mühe mit seinem Drehbuch gegeben hätte. In „Magic in the Moonlight“ belässt er es einfach beim durchaus charmanten, aber auch etwas lieblosen Präsentieren der bekannten Versatzstücke. So ist sein neuester Film ein Zwischenhappen, bei dem man, aufgrund der vielen unmotivierten Wendungen, zunehmend das Interesse an der Lösung, also ob das Paar ein Paar wird und ob Sophie eine Betrügerin ist, verliert.
Der Schock war groß, als James Gandolfini am 19. Juni 2013 in Italien an einem Herzinfarkt starb. Er war erst 51 Jahre alt und, nach seinem Durchburch als Mafiosi Tony Soprano in „Die Sopranos“, ein allseits beliebter Schauspieler, der in Spielfilmen oft einprägsame Nebenrollen hatte. Zuletzt war er in „Zero Dark Thirty“ der CIA-Direktor oder in „Killing them softly“ ein Killer mit Burn-Out-Syndrom und Alkoholproblem. In der Liebeskomödie „Genug gesagt“ spielte er, untypisch für ihn, einen Liebhaber und in „The Drop“, seinem letzten Film, den desillusionierten Barbesitzer Marv (oder Cousin Marv, wie ihn allen nennen), dessen Lokal in Brooklyn eine Drop Bar ist. Also eine Bar, in der die Mafia für einen Abend ihr Straßengeld lagert und später abholt. Eines Abends, kurz nach Weihnachten, wird die Bar überfallen und eine Serie von tödlichen Ereignissen beginnt. Denn selbstverständlich will der tschetschenische Gangsterboss Chovka (Michael Aronov) sein Geld haben und „Skrupel“ ist dabei für ihn ein Fremdwort.
Marvs langjähriger und mit ihm verwandter Barkeeper Bob Saginowski (Tom Hardy), ein introvertierter Mann, der bei dem Überfall dabei war und Detective Torres (John Ortiz) sagte, dass einer der Gangster eine kaputte Uhr gehabt hatte, findet auf seinem Heimweg in einer Mülltonne einen Hund, den er, eher widerwillig, bei sich aufnimmt. Er befreundet sich mit Nadia (Noomi Rapace), die sich gut mit Hunden versteht und in deren Mülltonne der kleine Pitbull war.
Kurz darauf will Eric Deeds (Matthias Schoenaerts) seinen Hund wieder haben. Er ist der frühere Besitzer von Rocco, wie Bob das Welpen nannte, und Nadias gewalttätiger Ex-Freund. Bob weigert sich, aber Eric, der damit prahlt, den vor Jahren spurlos verschwundenen Richie ‚Glory Days‘ Whelan ermordet zu haben, wird nicht lockerlassen.
Und dann liegt im Hof von Cousin Marvs ein abgehackter Arm auf. An seinem Handgelenk ist die kaputte Uhr. Bob entsorgt das Körperteil ohne zu Zögern und ohne ein Wort zu sagen. Aber Marv ist nervös.
„The Drop“ ist ein düsterer, ruhig erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der nicht thrillen, sondern ein alltägliches Porträt eines Viertels und einiger seiner Bewohner entwerfen will. Das gelingt Michaël R. Roskam in seinem US-Debüt, nach seinem Spielfilmdebüt „Bullhead“ (Rundskop, 2011), auch vorzüglich. Dank der minimalistisch spielenden Schauspieler und der knappen Dialoge von Dennis Lehane („Mystic River“), der hier eine auf den ersten Blick einfache Geschichte erzählt, die dann doch ziemlich komplex und verdammt gut konstruiert ist.
Die Filmgeschichte basiert auf seiner Kurzgeschichte „Animal Rescue“, die Lehane zuerst zu einem Drehbuch ausbaute und dann als Roman wiedererzählte, wobei der Roman und der Film in einem interessanten Spannungsverhältnis stehen. Denn Lehane veränderte einige Details (so spielt der Roman nicht in Brooklyn, sondern in Boston) und plötzlich erscheint in der kleinen Gangstergeschichte vieles in einem anderen Licht, weshalb sich ein Vergleich von Buch und Film lohnt.
The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)
Regie: Michaël R. Roskam
Drehbuch: Dennis Lehane
LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)
mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Der Roman zum Film
Die Pressekonferenz zum Film beim diesjährigen Toronto International Film Festival (TIFF) mit Michaël R. Roskam, Dennis Lehane, Tom Hardy, Noomi Rapace und Matthias Schoenarts
Drehbuch: Michael Kozoll, William Sackheim, Sylvester Stallone
LV: David Morrell: First Blood, 1972 (Rambo)
Vietnam-Veteran John Rambo wird in einem Provinzkaff der Landstreicherei verdächtigt und von der Polizei gedemütigt. Er bricht aus und flüchtet in den Wald – verfolgt von einem riesigen Polizeiaufgebot. Rambo beginnt sich zu verteidigen. Und davon versteht der ehemalige Elitesoldat und Dschungelkämpfer etwas.
Das auch heute noch sehenswerte, harte Actiondrama mit gesellschaftskritischen Tendenzen machte Sylvester Stallone endgültig zum Star, sorgte in den Achzigern für zwei überflüssige Fortsetzungen und eine Welle von inzwischen – glücklicherweise – fast vollständig vergessenen Vietnam-Filmen. 2008 folgte dann, nach einer zwanzigjährigen Pause, der vierte Rambo-Film, der vor allem als kurzer, altmodischer Brutalo-Film für Aufsehen sorgte.
Für den ersten Rambo-Film wurde das Buchende geändert.
Mit Sylvester Stallone, Richard Crenna, Brian Dennehy, David Caruso
Nur bei McDonalds essen ist schlecht für ihre Gesundheit. Das wussten wir schon immer, aber Morgan Spurlock machte die Probe aufs Exempel: 30 Tage Junkfood.
Zombies – seit einigen Jahren, naja, ziemlich genau seit Danny Boyles „28 Days Later“ (2002), den ersten „The Walking Dead“-Comicheften (in den USA ab Oktober 2003) und Edgar Wrights Zombie-Parodie „Shaun of the Dead“ (2004) sind Zombies anscheinend überall in der Popkultur, im US-TV sogar in der Werbung, und, bei Zombie Walks, auch auf der Straße.
Höchste Zeit also für eine Dokumentation. Alexandre O. Philippe, der bekannt für „The People vs. George Lucas“ ist, in der er sich mit den Fans von „Krieg der Sterne“ und ihrem Ärger über George Lucas beschäftigte, lieferte sie jetzt mit „Doc of the Dead“. Die Doku richtet sich gleichzeitig an Neueinsteiger, die einen ersten, aber ziemlich umfassenden Einblick in das Zombie-Phänomen bekommen wollen, und Fans, die sich über die Statements wichtiger Zombie-Schöpfer freuen.
Alexandre O. Philippe verortet, wenig überraschend, den Ursprung der heutigen Zombies in George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead, 1968) und dem Nachfolger „Zombie“ (Dawn of the Dead, 1978), der in einem Einkaufzentrum spielt,bei uns in Dario Argentos europäischer Schnittfassung bekannt ist und in zahlreichen, mehr oder weniger lieblosen Ausgaben in verschiedenen Schnittfassungen auf Video, DVD und Blu-ray erschien.
Philippe erwähnt in seiner Dokumentation auch die filmischen Vorläufer, wie „White Zombie“, und die realen Ursprünge. Aber im Mittelpunkt von Philippes Doku stehen Romeros Zombie-Filme, die Comicserie „The Walking Dead“, aus der eine erfolgreiche TV-Serie wurde, die Zombiefilme der letzten Jahre und die damit verbundenen Entwicklungen („World War Z“ als PG-13-Zombie-Film mit Blockbuster-Budget [bei uns FSK-16], „Warm Bodies“ als Zombie-Date-Movie), die Frage, ob Zombies schlurfen oder rennen, warum Zombies für uns Menschen so furchtbar sind und wie die Filme die Wirklichkeit beeinflussen. Denn abgesehen vom Zombie-Fantum gibt es auch – absurd, aber wahr – Beratungs- und Sicherheitsfirmen, die einem erklären, was man im Fall eines Zombie-Angriffs tun muss, inclusive Überlebenswochenenden und Übungsausstattung. Dazu gibt es noch einige überflüssige Mockumentary-Sequenzen.
„Doc of the Dead“ gibt einen kurzweiligen, kundigen und informativen Einblick in das Zombie-Phänomen, der allerdings auch, wie man es von anderen US-Dokumentationen kennt, den Zuschauer mit einem Dauerfeuer aus Bild und Ton bombardiert. So darf kaum ein Interviewter mehr als drei Sätze am Stück sagen.
Es ist auch ein sehr amerikanischer Blick, der den europäischen Zombiefilm (ich sage nur „Ein Zombie hing am Glockenseil“) komplett ignoriert und, angesichts der präsentierten Stofffülle, notgedrungen an der Oberfläche bleibt.
Doc of the Dead (Doc of the Dead, USA 2014)
Regie: Alexandre O. Philippe
Drehbuch: Chad Herschberger, Alexandre O. Philippe
mit Charlie Adlard, Max Brooks, Robert Kirkman, Greg Nicotero, Simon Pegg, George A. Romero, Russ Streiner, Bruce Campbell, Tom Savini, John A. Russo, Alex Cox
Später, in den Siebzigern und Achtzigern, war Damiano Damiani einer der führenden und genreprägenden Vertreter des italienischen Polit-Thrillers. Er inszenierte „Der Tag der Eule“ (der ja öfters im TV läuft), „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (der nie im TV läuft), „Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?“/“Der Terror führt Regie“ und die TV-Serie „Allein gegen die Mafia“, die damals ein weltweiter Erfolg war.
Der Italo-Western „Töte Amigo“ ist eines seiner Frühwerke, in dem die Revolution in Mexiko der Hintergrund für eine explosions- und bleihaltige Geschichte ist. Wobei Geschichte fast schon übertrieben ist. Im Mittelpunkt stehen die Kämpfe, die durch eine Geschichte, die inzwischen archetypisch für den Italo-Western ist, zusammengehalten werden. Denn es geht um die Freundschaft zwischen El Gringo Bill Tate (Lou Castel) und dem Banditenanführer El Chuncho (Gian Maria Volonté), der Waffen für General Elias, den sich in den Bergen versteckt haltenden Anführer der Revolution, sammelt und dafür Züge, die Waffen transportieren, überfällt. Weil der Gringo sich mit einer Lüge in Chunchos Bande einschleicht, wissen wir, dass er mindestens ein doppeltes Spiel treibt (was ja typisch für einen Italo-Western ist) und er etwas von General Elias will (was im US-Titel und US-Trailer verraten wird). Und dass in einer von Gier und Dummheit beherrschten Welt Freundschaften und Koalitionen schnell wechseln, gehört zum festen Inventar eines Italo-Western. Ebenso der interessante Spagat zwischen Verklärung der Revolution, dem Kampf gegen die korrupten Herrscher und einem, spätestens am Ende, illusionslosen Blick auf den Menschen als von Gier getriebenem Wesen.
„Töte Amigo“ ist kraftvoll, kurzweilig, mit burlesken Übertreibungen, sehr unterhaltsam und brutal. Wobei die „ab 18 Jahre“-Freigabe aus heutiger Sicht doch etwas übertrieben ist. Dass die Geschichte eher grob gestrickt ist, stört dabei kaum.
Koch Media veröffentlichte den Film jetzt erstmals in einer vollständig synchronisierten Fassung auf DVD und Blu-ray. Im Kino lief er in einer um zwanzig Minuten gekürzten Fassung; was aber damals, in den Sechzigern und Siebzigern nicht ungewöhnlich war. Denn damals veränderte der Verleih in der Synchronisation öfters die Handlung und Stimmung des Films und kürzte auch gerne wild herum.
In der IMDB und dem „Western-Lexikon“ von Joe Hembus wird eine Originallänge von 135 Minuten genannt. Eine solche Fassung scheint allerdings nirgends zu existieren.
Töte Amigo (Quien Sabe, Italien 1966)
Regie: Damiano Damiani
Drehbuch: Salvatore Laurani, Franco Solinas
mit Gian Maria Volonté, Lou Castel, Klaus Kinski, Martine Beswick, Jaime Fernadez, Andrea Checchi
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DVD
Koch Media
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (alte und neue Synchronisation), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Regisseur Damiano Damiani, Interview mit Darsteller Lou Castel, 3 Kinotrailer, Bildergalerie
Die Konsequenz (Deutschland 1977, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Alexander Ziegler, Wolfgang Petersen
LV: Alexander Ziegler: Die Konsequenz, 1975
Selten gezeigter Film, der heute einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit wirft und der damals ein veritabler Skandal war, der den Zuschauern in Bayern vorenthalten wurde, weil der Bayerische Rundfunk sich aus der ARD-Erstausstrahlung am 8. November 1977 ausklinkte. Das hatte der BR damals, als es pro Bundesland nur drei TV-Programme gab, öfter gemacht, um das schöne Bayernland vor Schmuddelkram und falschen Meinungen zu schützen. Wenige Tage nach der TV-Ausstrahlung lief der von Bernd Eichinger produzierte Film im Kino.
Wolfgang Petersen (noch vor „Das Boot“ und seinem Gang nach Hollywood) erzählt die Liebesgeschichte von Martin, der sich im Gefängnis in den sechzehnjährigen Thomas, den Sohn eines Gefängniswärters, verliebt. Als Thomas’ Eltern davon erfahren, schicken sie ihren Sohn in ein Erziehungsheim. Dort soll ihm das Schwulsein ausgetrieben werden.
„Der Film berührt da am unmittelbarsten, wo er am peinlichsten hätte entgleisen können: in der Beziehung Mann-Mann.“ (Klaus Umbach, Der Spiegel)
„Die Konsequenz“, ein Aufruf zur Toleranz, war einer der wichtigen Filme für die Selbstfindung der deutschen Homosexuellen in einer repressiven Gesellschaft.
mit Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Walo Lüönd, Edith Volkmann, Alexander Ziegler
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Das läuft wohl unter Weihnachtsgeschenk. Denn der „Inspector Barnaby“-Koffer, natürlich in einer limitierten Edition, kostet derzeit bei Amazon stolze 299,99 Euro. Aber neben allen 81 Fällen mit dem echten Inspector Tom Barnaby (John Nettles), etwas Bonusmaterial (neben dem altbekannten Bonusmaterial auch ein neues Interview mit John Nettles), gibt es einen Koffer und etwas Kleinkram: ein Booklet, einen Brieföffner in Dolch-Optik, ein Notizbuch, die Landkarte von Midsomer als Puzzle, ein Skat-Blatt mit Barnaby & Co., eine Teedose mit feinem Five o’Clock Tea (dem Barnatea) und einen persönlichen Brief von John Nettles.
Die 81 „Midsomer Murders“-Folgen und die 220 Minuten Bonusmaterial gibt es auf 48 DVDs und die Folgen sind, nachdem sich das ZDF bei seiner Ausstrahlung nicht um die Chronologie kümmerte und die bisherigen Veröffentichungen entsprechend unchronologisch waren, in Deutschland erstmals chronologisch sortiert.
Nachdem Detective Chief Inspector Tom Barnaby sich 2011 unspektakulär in den Ruhestand verabschiedete, übernahm Detective Chief Inspector John Barnaby (Neil Dudgeon), ein Verwandter von Tom, den Dienst in der immer noch mörderischen Grafschaft Midsomer und die Macher änderten auch den britischen Serientitel „Midsomer Murders“ in den international geläufigeren Titel „Inspector Barnaby“. Seine ersten vier Fälle „Unter Oldtimern“, „Mr. Bingham ist nicht zu sprechen“, „Gesegnet sei die Braut“ und „Ein Funke genügt“ sind in „Inspector Barnaby Volume 21“ veröffentlicht. Weitere werden folgen.
Inspector Barnaby – Die John Nettles Gesamtbox (Limitierte Sonderedition)
Edel
Bild: 4:3, 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: insgesamt 220 Minuten
Länge: 7709 Minuten (48 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Inspector Barnaby Volume 21
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interview mit Neil Dudgeon)
Länge: 356 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Mit „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ kehrt Terry Gilliam, dessen künstlerischer Output in den letzten Jahren, abgesehen von der „Monty Python“-Reunion, nicht besonders erfolgreich war, wieder zurück in die Welt seiner Zukunftsdystopien. „Brazil“ und „12 Monkeys“ sind inzwischen Klassiker und sein neuester Film kann als Abschluss einer Trilogie gesehen werden, weil derzeit Trilogien in Mode sind. Wobei „The Zero Theorem“ dann der erschreckend schwache Abschluss wäre.
Im Mittelpunkt des Films steht Qohen Leth (Christoph Waltz), ein Computergenie mit einer gestörten Beziehung zu seiner Umwelt. Er lebt in einer verlassenen und verfallenden Kirche. Einem Ort der Ruhe in der chaotischen Welt. Wenn er vor die Tür geht, bricht der Alltag, der Lärm, der Schmutz, das Chaos und die nimmermüden quietschbunten Werbeschleifen auf ihn herein. Das ist die Welt von „Blade Runner“ (ohne Regen) und „Minority Report“, abgeschmeckt mit etwas Steampunk, gedrängt auf fünf Metern.
Auch Leths Arbeitsplatz entspringt der grotesken Welt von „Brazil“ und „12 Monkeys“: strampelnd und mit einer Computerspielkonsole in der Hand muss Leth hektisch irgendeine Aufgabe für den Megacomputer ManCom erledigen, die anscheinend nur einen Sinn hat: ihn zu beschäftigen. Kein Wunder, dass Leth viel lieber in seiner Wohnung arbeiten würde. Auch weil er nur dort einen ganz besonderen Anruf erhalten kann, auf den er schon seit Jahrzehnten wartet.
Nach einem absurden Gespräch mit drei Doktoren und einem Treffen mit Management, dem plötzlich auftauchendem, ebenso schnell verschwindendem Chef des Unternehmens, wird ihm dieser Wunsch erfüllt. Leth soll in seiner Kirche das titelgebende „Zero Theorem“ lösen. Was das genau ist und warum die Lösung so unglaublich wichtig ist, erfahren wir nicht, aber Leth widmet sich der Aufgabe mit nimmermüder Begeisterung.
Und schnell wirkt „The Zero Theorem“ wie eine leere Übung in technischer Brillanz. Die Ausstattung hat diesen Steampunk-Retro-Touch, der gefällt. Der überbordende Ideenreichtum und die Visualisierungen sind, wie auch in Terry Gilliams anderen Filmen, interessant. So wird die Suche nach dem Zero Theorem in einem riesigen Computerspiel gezeigt, in dem Leth Klötzchen an einen bestimmten Ort bewegen muss. Das zeigt in wenigen Bildern, wie schwierig die Aufgabe ist. Nur, weil wir nicht wissen, was das soll, entsteht der Effekt, dass Leth von seiner Aufgabe vollkommen in Anspruch genommen wird, sich über schlechte Ergebnisse aufregt und gleich noch einmal versucht, diese Aufgabe zu lösen, während wir nur einen Menschen sehen, der eine für uns vollkommen sinnlose Aufgabe erledigen soll. Das ist dann ungefähr so spannend, wie ein Spiel zu beobachten, dessen Regeln man nicht kennt und sie auch nie versteht. Spätestens zur Filmmitte mächte man dem manisch an seinem Computer herumhantierendem Leth zurufen: „Get a life!“.
Doch Leth hämmert weiter auf den Tasten herum und Terry Gilliams neuer Film, der auch fast ausschließlich in Leths Wohnung spielt, langweilt dann auch entsprechend schnell. Denn weder Leth noch die anderen Charaktere, die eigentlich alle nur Karikaturen und Metaphern sind, interessieren wirklich und besonders facettenreich sind sie auch nicht. So wirkt „The Zero Theorem“ am Ende wie eine Skizze, ein zu lang geratener Kurzfilm, bei dem viel Talent verschleudert wird.
Das nennt man wohl ‚bad timing‘. Denn wenige Monate nach Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“ kommt jetzt mit „Der Koch“ ein weiterer Film über die indische Küche heraus. Zwar flüchtete bei Hallström eine ganze Familie, nachdem ihr Nobelrestaurant in Mumbai aufgrund politischer Wirren zerstört wurde, nach Europa und landete schließlich in einem französischen Dorf, wo sie mit ihrem Essen die Franzosen verzauberten.
Bei Ralf Huettner ist es ein Tamile, der mit seiner Rumpffamilie aufgrund politischer Wirren aus Sri Lanka in die Schweiz flüchtete und in einem Züricher Nobelrestaurant arbeitet, bis er gefeuert wird, weil er besser als der Chefkoch kochen kann. Mit einer Bedienung aus dem Restaurant – einer Lesbe, die er mit einem Essen zu heißem Sex verführt – macht er sich selbstständig. Sie bekochen die High Society mit erotisierenden Speisen, bis die Geschichte dann, als er einen Waffenhändler und sein Gefolge bekocht, hahnebüchen politisch wird. Auf dem Niveau eines schlechten „Tatortes“, das die Intelligenz der Figuren an die politische Botschaft der Macher verrät und mit einer Lösung endet, die definitiv nicht zur Nachahmung empfohlen ist. Denn Waffenhändler sind, so will uns „Der Koch“ glauben machen, ja per se unsympathische, lüsterne Lustmolche, abgrundtief böse und gewissenlos. Da kann man auch mal einige besondere Zutaten bei der Essenszubereitung ausprobieren.
Bis dahin wühlen Ralf Huettner („Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“, „Vincent will Meer“) und Drehbuchautorin Ruth Toma („Ein Leid von Liebe und Tod – Gloomy Sunday“, „3096 Tage“), nach dem Bestseller von Martin Suter, tief durch die Klischees und die raumfüllenden Inszenierungen von indischem Essen, die immer wie die ärmliche Version von Hallströms Film wirkt, dessen Geschichte und sein Umgang mit Klischees und Kitsch in „Madame Mallory und der Duft von Curry“ ungleich gelungener ist.
„Der Koch“ ist dagegen, mit ähnlichen Zutaten, ein optisch durchaus ansprechend angerichteter, nicht satt machender Imbiss. Bis es, wie gesagt, politisch wird. Ab da ist „Der Koch“ nur noch ärgerlich und dümmlich.
Black Box BRD (Deutschland 2001, Regie: Andres Veiel)
Drehbuch: Andres Veiel
Gelungene Doku, in der Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Leben von Deutsche Bank-Sprecher Alfred Herrhausen und RAF-Terrorist Wolfgang Grams aufgezeigt werden. Erster starb am 30. November 1989 bei einem RAF-Anschlag, zweiter am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen bei einem Polizeieinsatz durch Selbstmord.
„Eine Schwindel erregende, waghalsige Reise ins dunkle Herz der BRD, eine Achterbahnfahrt durch die Vergangenheit, eine abenteuerliche Expedition in ein merkwürdiges fernes Land.“ (Volker Gunske, Tipp 11/2001)
Mit Traudl Herrhausen, Rainer Grams, Hilmar Kopper, Wolfgang Grundmann, Helmut Kohl
Rückblickend erscheint „Kill the Boss“ in einem sanfteren Licht. Immerhin ging es da um drei Männer, die schreckliche Vorgesetzte hatten und sie töten wollten. Das ging ziemlich schief, aber Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) kamen mit heiler Haut aus der Sache raus – und die Komödie, von der nie eine Fortsetzung geplant war, war so erfolgreich, dass jetzt ein zweiter Teil entstanden ist, der in den USA („Horrible Bosses 2“) und bei uns („Kill the Boss 2“) mit einem unpassendem Titel zu kämpfen hat. Denn Nick, Dale und Kurt sind inzwischen mit einer grandiosen Geschäftsidee selbstständig: einer Dusche, die auch gleich das shamponieren und einseifen erledigt. Der Großkapitalist Bert Hanson (Christoph Waltz – großartig! Vielleicht weil er sich an das Drehbuch hielt.) will ihr Produkt kaufen. Sagt er. Denn als er die von ihnen produzierte riesige Menge von „Shower-Buddy“-Duschen abnehmen soll, sagt er, dass er ihre Firma in den Bankrott treiben wolle, das Patent billig kaufen und die Duschen in China produzieren werde.
Die einzige Idee, die die drei Trottel haben, um aus ihrer Malaise zu kommen ist: sie entführen den Sohn von Bert Hanson und erpressen den Firmenchef um die benötigte Summe. Die Entführung geht, dank Inkompetenz und Lachgas, schief, aber Rex Hanson (Chris Pine) befindet sich dann doch in im Kofferraum ihres Autos. Denn Rex will sich an seinem Vater rächen – und wenn er seinen Willen nicht bekommt, flippt er auch wegen Kleinigkeiten aus.
Für eine Komödie ist „Kill the Boss 2“ erschreckend unwitzig. Die meiste Zeit geht für die improvisierten Blödeleien von Jason Bateman, Charlie Day und Jason Sudeikis drauf, die ohne Punkt und Komma gleichzeitig Quatschen und mit ihren Improvisationen schnell nerven. Denn es ist nicht witzig, drei Männern zuzuhören, die ständig durcheinander reden, sich für unglaublich witzig halten und dies auch zeigen.
Eigentlich haben nur die beiden von Christoph Waltz und Kevin Spacey gespielten Kapitalisten witzige Sprüche, die wahrscheinlich schon so im Drehbuch standen. Waltz spielt einen höflichen Kapitalisten von der aalglatten Sorte; Spacey, den wir noch aus dem ersten Teil kennen, einen Choleriker von der beleidigenden Sorte; wobei seine Beleidigungen über die Inkompetenz und bodenlose Dummheit von Nick, Dale und Kurt absolut zutreffend sind. Denn die drei Männer sind Blödiane, denen ein normal denkender Mensch noch nicht einmal die Aufsicht über eine Toilette anbieten würde. Entsprechend begrenzt ist das Interesse an ihrem Schicksal und das Mitleid, das man mit ihnen hat.
Und damit kommen wir zu einem zweiten Problem: während sie in „Kill the Boss“ noch Normalos aus der unterdrückten Arbeiter- und Angestelltenwelt waren, die sich gegen ihre Unterdrücker wehrten und wir uns, als Quasi-Gleichgesinnte, deshalb mit ihnen und ihren Wünschen identifizieren konnten, sind sie jetzt einfach Trottel, die aus eigenem Verschulden hereingelegt wurden (sie hätten nur einen Vertrag mit Hanson abschließen müssen) und jetzt ihren Fehler wieder gut machen wollen, in dem sie sich als Verbrecher versuchen. Aber ohne die Hilfe von Dean „Motherfucker“ Jones (Jamie Foxx, ebenfalls wieder dabei) und die Ideen des von ihnen entführten Rex würde dem Trio nichts gelingen.
Am Ende taucht Jones als Deus ex machina und es gibt – ich liebe Autoverfolgungsjagden – eine Autoverfolgungsjagd mit einer köstlichen Unterbrechung an einem Bahnübergang.
Die Story, immerhin kein 1-zu-1-Remake von „Kill the Boss“, ist, jedenfalls wenn man mehr als eine Nummernrevue erwartet, erschreckend schlecht entwickelt. Alle Drehungen und Wendungen kennt man schon aus anderen, besseren und kraftvoller erzählten Filmen, in denen Entführungen grandios scheitern.
Ach ja: Frau Aniston ist auch wieder dabei. Sie ist immer noch sexsüchtig.