Neu im Kino/Filmkritik: „Wir sind die Neuen“ im Culture Clash

Juli 17, 2014

Nachdem Anne wegen Eigenbedarf (die Tochter der Vermieterin studiert) aus ihrer Wohnung fliegt, hat sie eine Idee: Zurück in die Vergangenheit! Sie will wieder mit ihren alten WG-Genossen aus Studientagen zusammenziehen. Macho Eddi und Softie Johannes sind nach kurzem Zögern dabei und als sie in ihre alte WG einziehen, erleben die drei Sixty-Somethings ihr blaues Wunder. Die drei über ihnen wohnenden Studierenden sind wahre Spießer, die nur an ihren Studienabschluss, Ehe und Karriere denken. Sie sind jetzt schon angepasster als Anne, Eddie und Johannes es jemals sein werden.
In seinem neuen Film „Wir sind die Neuen“ zelebriert Ralf Westhoff (Shoppen, Der letzte schöne Herbsttag) das Aufeinandertreffen der Generationen mit Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach und Michael Wittenborn als den junggebliebenen Alten und Claudia Eisinger, Karoline Schuch und Patrick Güldenberg als den erschreckend alten Jungen, die sich zunächst mit herrlich gemeinen Sätzen bekämpfen, ehe die Fassade der Jungen bröckelt. Wobei auch bei den Alten in ihrer Zweckgemeinschaft nicht alles in Ordnung ist. Aber sie nehmen ihr Schicksal in die Hand, feiern, haben Lust auf Neues und sie haben auch die besseren Pointen gegenüber den blassen Jungen, die schon bei den kleinsten Problemen überfordert sind.
Dass die Komödie dabei die Ästhetik eines TV-Films hat, kann man da verzeihen.

Wir sind die Neuen - Plakat

Wir sind die Neuen (Deutschland 2014)
Regie: Ralf Westhoff
Drehbuch: Ralf Westhoff
mit Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Claudia Eisinger, Karoline Schuch, Patrick Güldenberg, Julia Koschitz, Gustav Peter Wöhler
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Wir sind die Neuen“
Moviepilot über „Wir sind die Neuen“


Neu im Kino/Filmkritik: Nicht gut wäre gelogen: das Bay-Fest „Transformers: Ära des Untergangs“

Juli 16, 2014

Nach drei „Transformers“-Filmen von Michael Bay sind die Eckpunkte gesetzt und es wäre schon arg scheinheilig über diese Eckpunkte zu meckern, als ob sie einen überraschen würden. Denn selbstverständlich ist auch Michael Bays vierter „Transformers“-Film ein überlanges, überlautes und alogisches Effektspektakel, bei dem Roboter wegen irgendeines wichtigen Dingsbumms munter aufeinander einschlagen, dabei mindestens eine Metropole verwüsten und einige bekannte Schauspieler durch das Bild laufen. Ihre Dialoge beschränken sich auf Varianten von „Oh, nein. Nein, oh, nein.“. Auch die Dialoge der Roboter erreichen gerade mal so das Niveau einer schlechten Kinderserie. Die Handlung macht ungefähr null Sinn. Dafür sind die Tricks gut und in die Transformers steckten die Programmierer deutlich mehr Liebe als die Macher in das Drehbuch. Das ist bekannt und trifft auch auf den vierten „Transformers“-Film „Transformers: Ära des Untergangs“ zu,
Dieses Mal empfiehlt Michael Bay, den Film in 3D in einem IMAX zu genießen. Da würde er sein volles Potential entfalten – und auch den höchsten Eintritt kosten.
Diese zusätzliche Ausgabe – falls überhaupt ein IMAX in Ihrer Nähe ist – lohnt sich allerdings absolut nicht. Denn in 3D im IMAX sah der ungefähr 210 Millionen Dollar teure Film erschreckend schlecht aus und hörte sich furchtbar an.
Die wichtigste Meldung bei „Transformers: Ära des Untergangs“ ist, dass Bay seinen kompletten menschlichen Cast auswechselte. Jetzt sind Mark Wahlberg (blass), Stanley Tucci (unterfordert), Kelsey Grammer, Titus Welliver (beide ebenfalls verschwendet), Nicola Peitz (nicht wirksames Eye-Candy), Bingbing Li, Sophia Myles und Jack Reynor dabei. Auch storytechnisch wurde ein Neustart versprochen. Der beschränkt sich darauf, dass Mark Wahlberg einen armen, aber ehrlichen, in Texas auf dem Land lebenden Bastler spielt, der zufällig den guten Autobots-Anführer Optimus Prime in der Inkarnation eines alten Lasters findet. In einem alten Kino; – vielleicht wollte Optimus sich ein, zwei Filmklassiker ansehen. Der Bastler hat auch eine schöne Tochter, die er wie seinen Augapfel hütet. Sie hat einen Freund, den der Witwer natürlich ablehnt. Aber ehe zu lang Familienprobleme gewälzt werden (und sie werden viel zu lang gewälzt), taucht der Geheimdienst auf und die Endlosklopperei beginnt. Zuerst zwischen Mensch und Maschine im schönen Texas, wo immer die Sonne fotogen untergeht. Dann in Chicago (wieder einmal) kloppen die Maschinen, also die guten Autobots und die bösen Deceptions, auch, wieder einmal, aufeinander ein und im laaaangen Finale in Hongkong und Peking (Bitte kommt mir jetzt nicht mit Geographie!) verkloppen sich die guten und bösen Transformers. Es tauchen auch Dinobots (also Transformers, die wie Dinosaurier aussehen) auf. Optimus Prime darf auf so einem Dinobots reiten und wir dürfen auch einen Blick in das Raumschiff der Transformers werfen. Es sieht wie ein verlassenes „Alien“-Set aus.
Dazwischen läuft Stanley Tucci als Unternehmer, der Transformers herstellen will, durchs Bild. Irgendwie gehört er zuerst zu den Bösen, aber nach einem Gespräch mit Daddy Wahlberg besinnt er sich seiner Erfindergene und er wird zu einem der Guten.
Wie schon in den vorherigen „Transformers“-Filmen ist die Story unlogischer Mumpitz, der kaum seine Funktion als Entschuldigung für die Action erfüllt. Aber bei „Transformers: Ära des Untergangs“ fehlt der Humor der vorherigen Filme.
Auch die deutlich erkennbaren politischen Anspielungen und der durchaus vorhandene politische Subtext, der in den vorherigen Filmen vorhanden war und sich von Film zu Film änderte, fehlt hier vollständig. Was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Es gibt nur noch einen Geheimdienstler, der unterschiedslos alle Transformers umbringen will, weil sie böse sind – und ihre Meinungsverschiedenheiten bevorzugt in belebten Großstädten austragen. Und Transformers, die sich gegenseitig eins auf die Hauptplatine geben.
Die Drehorte, vor allem Hongkong und China, bleiben austauschbar. Während man in den vorherigen „Transformers“-Filmen noch die Landschaft, wie die Pyramiden in Ägypten, bewundern konnte, ist dieses Mal der Dreh vor Ort komplett verschenkt. Außer einigen austauschbaren Postkartenansichten wird Hongkong auf einen Hinterhof (der immerhin sehr unamerikanisch aussieht) und Kämpfe in austauschbaren Straßenschluchten reduziert. Nur das Product Placement ist überbordend und die Actionszenen sind gewohnt konfus inszeniert.
Die Special-Effects sind allerdings erstaunlich schlecht. Da war Michael Bay in den vorherigen Filmen schon weiter.
Die Bilder – was auch teilweise an dem IMAX-Format liegt, das dem TV-Bild gleicht – sind schlecht. Der Bildaufbau lässt jede Finesse vermissen. Michael Bays Marotte, fast jedes Bild mit Lens Flares zu verschönern, weil J. J. Abrams das in „Star Trek“ und „Super 8“ ja auch gemacht hat, nervt. Und oft gibt es im Bildhintergrund Unschärfen und irritierende Doppelbelichtungen, die aussehen, als ob man sich einen 3D-Film ohne 3D-Brille ansieht.
Der Ton ist vor allem laut. Sehr laut. Was natürlich auch daran liegt, dass die meiste Zeit gute gegen böse Transformers kämpfen, Soldaten rumballern, vieles in die Luft geht und Gebäude einstürzen. Da darf es schon etwas rummsen und scheppern. Aber hier rummst und scheppert es wie in einem schlecht abgemischtem Heavy-Metal-Konzert. Es sind keine Differenzen zu hören. Vom der Leinwand kommt eine einzige Soundwand, während die anderen Boxen meistens pausieren.
„Transformers: Ära des Untergangs“ ist ein 166 Minuten langer Film, der sich viel länger anfühlte und schlechter als die vorherigen „Transformers“-Filme ist, die auch nicht gut waren. Immerhin weiß man nach diesem humorlosen Desaster, wie gut die Schauspieler der ersten drei „Transformers“-Filme waren und wie viel Shia LaBeouf im Gegensatz zu Mark Wahlberg aus der vollkommen undankbaren Heldenrolle heraus holte.

Transformers 4 - Hauptplakat - 4

Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger
mit Mark Wahlberg, Stanley Tucci, Kelsey Grammer, Jack Reynor, Nicola Peltz, T. J. Miller, Titus Welliver, Sophia Myles, Bingbing Li
Länge: 166 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Transformers: Ära des Untergangs“
Moviepilot über „Transformers: Ära des Untergangs“
Metacritic über „Transformers: Ära des Untergangs“
Rotten Tomatoes über „Transformers: Ära des Untergangs“
Wikipedia über „Transformers: Ära des Untergangs“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Michael Bays „Pain & Gain“ (Pain & Gain, USA 2013, ebenfalls mit Mark Wahlberg)


TV-Tipp für den 17. Juli: Wer wenn nicht wir

Juli 16, 2014

ARD, 22.45
Wer wenn nicht wir (Deutschland 2011, Regie: Andres Veiel)
Drehbuch: Andres Veiel
LV: Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus, 2003
Drama über die Beziehung zwischen Schriftsteller Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, die ihn später wegen Andreas Baader verließ und RAF-Terroristin wurde.
Ein sehenswerter, facettenreicher Blick auf die bundesdeutsche Vergangenheit der sechziger und siebziger Jahre und die Anfänge des Linksterrorismus von Andreas Veiel (Black Box BRD).
mit August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Thomas Thieme, Imoge Kogge, Michael Wittenborn, Susanne Lothar
Wiederholungen
Eins Festival, Freitag, 18. Juli, 20.15 Uhr
Eins Festival, Samstag, 19. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise

ARD über „Wer wenn nicht wir“

Bundeszentrale für politische Bildung über „Wer wenn nicht wir“ (mit Hintergrundinformationen)

Film-Zeit über „Wer wenn nicht wir“

Moviepilot über „Wer wenn nicht wir“

Wikipedia über „Wer wenn nicht wir“


TV-Tipp für den 16. Juli: Sommer vorm Balkon

Juli 15, 2014

RBB, 22.15

Sommer vorm Balkon (Deutschland 2005, Regie: Andreas Dresen)

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase

Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.

Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sommer vorm Balkon“


DVD-Kritik: „Die Brücke – Transit in den Tod“ geht in die zweite Runde

Juli 15, 2014

Als ein führerloses Schiff die Dänemark und Schweden verbindende Öresundbrücke rammt und in ihm fünf bewußtlose junge Menschen aus den beiden Ländern entdeckt werden, haben Saga Norén (Sofia Helin) und Martin Rohde (Kim Bodna) wieder einen Grund, um zusammen zu arbeiten. Für Rohde ist es auch der Versuch, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Denn am Ende der ersten Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ war sein Sohn August tot und der Mörder, ein ehemaliger Kollege, kam ins Gefängnis. Dabei hätte Rohde ihn am liebsten getötet. Norén verhinderte das.
Auch die zweite Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ besteht wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden. In insgesamt gut zehn Stunden erzählt Hans Rosenfeldt, der Erfinder und Hauptautor der Serie, wieder einen Fall, der schnell ziemlich unüberschaubare Dimensionen annimmt. Das entwickelt, wie bei „Kommissarin Lund“, einen enormen Sog. Auch weil der Fall schnell größer wird: die im Schiff betäubten dänischen und schwedischen Jugendlichen waren mit der Pest infiziert, im Internet bekennt sich eine Öko-Terrorgruppe dazu und kündigt weitere Anschläge an, Lebensmittel werden vergiftet, ein Tanklaster wird in Malmö im Hafen in die Luft gejagt und weitere, größere Anschläge sind geplant.
Dieser Krimiplot wird mit Episoden aus dem Privatleben der Ermittler und weiterer Personen, die in den Fall involviert sind, großzügig angereichert. Denn neben den Terroristen, die von einem Hintermann gesteuert werden, und den Polizisten werden etliche Charaktere eingeführt, deren Bedeutung für die Geschichte teilweise über mehrere Folgen vollkommen unklar bleibt. Das gilt vor allem für eine Verlegerin, eine todkranke Firmenbesitzerin, ihren Bruder, eine Veranstaltungsmanagerin, ihren fremd gehenden Ehemann, einen Gigolo und einen jungen Schüler, der mit dem Tod seines Bruders aus der Geschichte verschwindet. Einerseits wissen wir, dass sie für die Geschichte irgendwann wichtig werden, aber Eheprobleme und die Arbeit an einer Biographie sind nicht sonderlich spannend, auch wenn natürlich – wie in einem Dorf – alle Charaktere irgendwie etwas miteinander zu tun haben.
Dahinter verschwindet der Fall immer wieder. Teilweise vollkommen. Vor allem nachdem am Ende der zweiten Folge die Terroristen – jedenfalls die erste Gruppe – von einem Unbekannten ermordet wurde, gibt es in der dritten und vierten Folge viele verschiedene Taten, die teilweise schnell aufgeklärt werden und so den Eindruck hinterlassen, dass alles furchtbar kompliziert ist, es eine große Verschwörung gibt und die verschiedenen Taten und Zusammenhänge unmöglich noch sinnvoll logisch rekonstruiert werden können. Es sind einfach zu viele Verbrechen und zu viele Täter, die teilweise nach einem kurzen Auftritt von der Bildfläche verschwinden, was aber die Spannung auf einem konstanten Level hält, auch wenn die Ermittler in ihrem Hauptfall nicht voran kommen und die letzte Stunde von „Die Brücke“ dann – immerhin geht es um das Verhindern eines Terror-Attentates und damit um ein „24“-Szenario – doch eher vor sich hin plätschert. Da spielt die Thriller-Serie „24“ dann doch in einer anderen Liga, aber „Die Brücke“ schlägt sich als Krimi-Serie wacker.
Im Zentrum stehen dabei die schon aus der ersten „Die Brücke“-Staffel bekannten Ermittler Sofia Norén und Martin Rohde. Er ist ein stinknormaler Kriminalpolizist aus Dänemark, der derzeit, weil er noch mit den psychischen Nachwirkungen des vorherigen „Die Brücke“-Falls zu kämpfen hat, getrennt von seiner Frau lebt, sie aber regelmäßig besucht und ein gutes Verhältnis zu ihr und ihren zahlreichen gemeinsamen Kindern hat. Und er hat, wie es sich für skandinavische Ermittler gehört, ein mehr als erfülltes Sexualleben und einen anscheinend unwiderstehlichen Sex-Appeal auf das andere Geschlecht.
Die Schwedin Norén ist dank ihres ihr Asperger-Syndroms eine begnadete Ermittlerin (sie kann sich wirklich alles merken), aber auch vollkommen beziehungsgestört. Dennoch lebt sie jetzt mit einem Comic-Zeichner zusammen. Aber ihr sprunghaftes und vollkommen undiplomatisches Verhalten deutet schon schnell das Ende der Beziehung an. So findet sie es okay, dass er bei ihr lebt, aber er soll seine Kartons nicht auspacken und auch nichts in der Wohnung verändern. Auch in der Arbeit agiert sie oft wie ein Terminator, der stur sein Ziel verfolgt und überhaupt nicht versteht, dass Menschen Gefühle haben. Das sorgt immer wieder für absurde Situationen. Aber mir erschien diese Situationskomik hier oft etwas zu dick aufgetragen. Denn Norén benimmt sich wie ein kleines Kind oder ein gerade aus einer fremden Galaxie gekommener Alien.
Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, dabei ist „Die Brücke“ insgesamt nicht schlecht. Immerhin gelingt es den Machern, die Spannung und das Interesse über gut zehn Stunden aufrecht zu erhalten.
Der Drehstart der dritten Staffel ist im September und die meisten Stammschauspieler sind wieder dabei.

Die Brücke II - DVD-Cover

Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2 (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2013)
Regie: Kathrine Windfeld, Morten Arnfred, Mikael Hansson
Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Nikolaj Scherfig, Maren Loiuse Kaehne, Camilla Ahlgren
Erfinder: Mans Marlind, Hans Rosenfeldt, Björn Stein
mit Sofia Helin, Kim Bodnia, Dag Malmberg, Sarah Boberg, Rafael, Pettersson, Henrik Lundström, Vickie Bak Laursen, Lars Simonsen, Camilla Bendix

DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Dänisch/Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern (circa 30 Minuten)
Länge: 578 Minuten (5 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ZDF über “Die Brücke”

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch, dänisch, schwedisch)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 1“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“ (ebenfalls erfunden von Hans Rosenfeldt)


TV-Tipp für den 15. Juli: Silk: Ein Anwalt kommt selten allein/Eine Hand vertritt die andere

Juli 14, 2014

ZDFneo, 20.15
Silk: Ein Anwalt kommt selten allein/Eine Hand vertritt die andere (Großbritannien 2011, Regie: Michael Offer
Drehbuch: Peter Moffat
Überzeugender Auftakt zu einer britischen Justiz-Krimiserie, die es auf drei Staffeln (à sechs Folgen) brachte. Im Mittelpunkt steht die Strafverteidigerin Martha Costello (Maxine Peake), die Queen’s Counsel (Kronanwalt) werden möchte. Doch bis dahin muss sie jeden Fall übernehmen und ihr Chef gibt ihr gerne in letzter Minute die unmöglichsten Fälle. So muss sie in den ersten beiden Episoden einen Einbrecher, der einen alten Weltkrieg-II-Veteran überfallen und gefoltert haben soll, eine junge Drogenkurierin, die mehrfache Mutter ist, und einen Vergewaltiger, der seine Unschuld beteuert, verteidigen.
Für die Serie, die vor allem im Gerichtssaal, in den Gängen und Hinterzimmern des Gerichts und der Kanzlei spielt, nimmt vor allem in den ersten Minuten das enorm hohe Tempo ein, das einiges vom Arbeitsdruck verrät. Später, vor allem wenn sie den Weltkrieg-II-Veteran und das Vergewaltigungsopfer befragt, wird auch einiges von den moralischen Dilemma, vor denen ein Verteidiger steht, deutlich. Sowieso stehen diese Vernehmungen, die Plädoyers und die verfahrenstechnischen Tricks der Anwälte im Mittelpunkt der ersten beiden Episoden von „Silk“. Forensische und damit eindeutige Beweise werden zugunsten von moralischen Abwägungen links liegen gelassen.
Insgesamt wirkt „Silk“, auch wenn Costello im Gerichtssaal beide Male gegen einen Kanzleikollegen antreten musste (was schon etwas seltsam ist), wie ein ziemlich realistischer Blick in das Rechtssystem, was auch daran liegen kann, dass „Silk“-Erfinder Peter Moffat selbst Anwalt war.
Zum Ende von „Silk“ nach achtzehn Folgen sagte Peter Moffat: „The main characters in Silk all have personal and professional stories which are coming to a natural conclusion at the end of this current series – it would be dishonest as a writer, and unfair to the integrity of the show and everyone involved in it, to prolong the series beyond what I hope is a powerful and compelling denouement.“
An den kommenden Dienstagen zeigt ZDFneo die nächsten Fälle von Martha Costello.
mit Maxine Peake, Rupert Penry-Jones, Neil Stuke, John Macmillan, Theo Barklem-Biggs
Hinweise
ZDFneo über „Silk“
BBC über „Silk“
Wikipedia über „Silk“


TV-Tipp für den 14. Juli: The American

Juli 14, 2014

WDR, 22.45

The American (The American, USA 2010)

Regie Anton Corbijn

Drehbuch: Rowan Joffe

LV: Martin Booth: A very private Gentleman, 1991 (The American)

Nach einem missglückten Auftrag will ein Killer will aussteigen. Er zieht sich in die Abruzzen zurück und trifft die Vorbereitungen für seinen letzten Auftrag.

Minimalistische Thriller, der weniger wegen der Story und mehr wegen der Bilder sehenswert ist. Immerhin kommt Corbijn von der Fotografie.

Bei rororo erschien zum Filmstart die deutsche Übersetzung von Booths Roman. Natürlich mit dem schönen Retro-Cover.

Corbijns nächster Film, die John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ startet im September.

mit George Clooney, Violante Placido, Johan Leysen, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Blog von Anton Corbijn zum Film

Film-Zeit über „The American“

Rotten Tomatoes über „The American“

Guardian: Nachruf auf Martin Booth

Independent: Nachruf auf Martin Booth

Film in Focus über Martin Booth


TV-Tipp für den 13. Juli: Psycho

Juli 13, 2014

Uff, WM endet heute und nicht nur ich habe eine Ahnung, welches Programm von den meisten Deutschen gesehen wird. Trotzdem:

BR, 23.40

Psycho (USA 1960, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Joseph Stefano

LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)

Ein immer wieder gern gesehener Schocker von Alfred Hitchcock und das beste Argument gegen Duschen.

Mit Anthony Perkins, Janet Leigh, Vera Miles, John Gavin

Hinweise

Wikipedia über „Psycho“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) „Hitcock und die Künste“ (2013)


TV-Tipp für den 12. Juli: 700 Meilen westwärts

Juli 12, 2014

Ein dickes Dankeschön nach Bayern für die heutige Westernnacht. Nach dem selten gezeigten „700 Meilen westwärts“ (sogar zu einer guten Uhrzeit) gibt es um 22.35 Uhr „Über den Todespass“ (mit James Stewart“, um 00.10 Uhr „Zwei Companeros“ (mit Franco Nero und Tomas Milan) und um 02.05 Uhr „Sam Whiskey (das ist Burt Reynolds).

BR, 20.15

700 Meilen westwärts (USA 1975, Regie: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.

Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks’ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‘Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt’, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)

mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „700 Meilen westwärts“

Turner Classic Movies über „700 Meilen westwärts“

Wikipedia über „700 Meilen westwärts“ (deutsch, englisch)

Richard Brooks in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ jetzt für das heimische Kino

Juli 11, 2014

Nachdem Edgar Reitz‘ Alterswerk „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ bereits etliche Preise abräumte (was erwartbar war) und auch an der Kinokasse ein veritabler Erfolg war (was so nicht erwartbar war), erscheint der vierstündige Film jetzt auf DVD und Blu-ray. Allein letztes Kalenderjahr sahen sich über 120.000 Menschen den Film an, was wegen der Länge (es gibt eine Pause), des SW und der antidramatischen Erzählweise beachtlich ist.
Zum Kinostart schrieb ich über den Film und das zum Film erschienene Buch:

Schwarzweiß und gut vier Stunden. Das sind die Eckdaten, die den neuen Film von Edgar Reitz zu einem Film für eine ausgewählte Zuschauermenge machen. Da hilft es auch nicht, dass „The Artist“ (der sogar ein Stummfilm war) erfolgreich war und dass Hollywood-Blockbuster immer länger werden und deshalb manchmal gleich als Zweiteiler ins Kino kommen. Auch Reitz hat ungefähr in der Filmmitte eine Pause eingefügt, die vor allem für einige Dehn- und Streckübungen gut ist. Denn im Gegensatz zu Quentin Tarantinos Racheepos „Kill Bill“, das als Zweiteiler im Kino lief, dessen Teile sich stark unterscheiden und so sogar die kommerzielle Entscheidung rechtfertigte (zwei getrennte Teile sind zwei Filme, ergo zweimal Eintritt), ist Edgar Reitz’ „Die andere Heimat“ die epische Chronik einer sich für den Protagonisten Jakob Simon nicht erfüllenden Sehnsucht, die während der großen Auswanderungswelle im Hunsrück in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und vor der deutschen Revolution von 1848 spielt.
1842 will der Neunzehnjährige, eine vergeistigte Leseratte, nach Brasilien, in das Land seiner Träume, auswandern. Diese Welt erscheint ihm viel spannender als das Leben in dem Hunsrückdorf Schabbach.
Edgar Reitz erzählt die Geschichte von Jakob und den Schabbachern betont undramatisch. Oft treffen die Charaktere wichtige Entscheidungen außerhalb des Films und auch viele Hintergründe zu Politik, Wirtschaft und dem alltäglichen Leben werden als bekannt vorausgesetzt oder erschließen sich durch die Beobachtung des damaligen Alltags. Entsprechend viel Zeit nimmt sich der Film, der fast wie eine Dokumentation über das damalige Leben wirkt, auch für das Zeigen von alltäglichen Arbeiten. Die damit verbundene Ruhe ist anfangs faszinierend, weicht aber mit zunehmender Laufzeit einer gewissen Langeweile.
Denn „Die andere Heimat“ erzählt nicht nur von Jakob, sondern auch von seinem Bruder Gustav, den beiden jungen Frauen Jettchen und Florinchen, die in die Brüder verliebt sind, aber die Beziehung ganz pragmatisch angehen, dem Graveur Franz Olm und dem Leben im Wandel der Jahreszeiten zwischen Geburt und Tod, wobei die einzelnen Ereignisse, wie in einer Chronik, nebeneinander stehen und sich nicht immer beeinflussen. Reitz erzählt, mit großer Ruhe, beobachtend von den Zufälligkeiten des Lebens und gibt für die Hauptgeschichte nebensächlichen Ereignissen einen breiten Raum, während wichtige Entscheidungen im Off oder schweigend getroffen werden. Im Kino funktioniert diese epische Erzählweise, im Gegensatz zur im Schüren-Verlag erschienenen, von Edgar Reitz geschriebenen Filmerzählung, nur bedingt. Hier hätte die Konzentration auf den Protagonisten und eine ordentliche Kürzung auf eine publikumsfreundliche Laufzeit gut getan.
Im Fernsehen, als Vierteiler, dürfte „Die andere Heimat“, trotz der die große Leinwand fordernden Cinemascope-Bilder des „Heimat“-erfahrenen Kameramanns Gernot Roll, die dem Hunsrück eine ungeahnte, fast schon Western-hafte Weite verleihen, als ein fast schon willkürlicher Ausschnitt aus zwei Jahre im Leben von Jakob Simon deutlich besser funktionieren.
Immerhin entstanden auch seine anderen „Heimat“-Filme für das Fernsehen und gerade „Heimat – Eine deutsche Chronik“ (1984), die erste „Heimat“-Serie, die Edgar Reitz einen „Zyklus von 11 Spielfilmen“ nannte, spielt auch in Schabbach und erzählt vom Leben der Familie Simon von 1919 bis 1982. Im Zentrum steht die 1900 geborenen Maria (Marita Breuer). „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) erzählt die Geschichte von Hermann Simons (Henry Arnold) Studienjahren von 1960 bis 1970 in München. Ähnlichkeiten mit Edgar Reitz’ Leben, der am 1. November 1932 in dem Hunsrückdorf Morbach geboren wurde und nach München zog, sind nicht zufällig. Mit „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004), die von 1989 bis 2000 spielt, kehrt er, wieder mit Hermann Simon als Protagonisten, in den Hunsrück zurück und erzählt, etwas konfus (was auch an den vom Fernsehen veranlassten Kürzungen auf 90-Minuten-Happen liegen kann), von den neunziger Jahren und dem Vereinigungsprozess.
„Die andere Heimat“ bildet jetzt, mit einer Rückkehr in den Hunsrück und in die Vergangenheit der Familie Simon den würdigen Abschluss seines Lebenswerkes. Denn dass er noch einen weiteren Spielfilm dreht, dürfte unwahrscheinlich sein.
Die Musik ist von Michael Riessler, der auch für „Heimat 3“ die Musik schrieb.

Das Filmbuch

Pünktlich zum Filmstart erschien im Schüren-Verlag auch das Buch zum Film, in dem Edgar Reitz die Filmgeschichte nacherzählt, die im Buch besser funktioniert als im Kino, und um einige Details und Hintergründe ergänzt, die die Lücken im Film ausfüllen, die Reitz bewusst gelassen hat:
„Ich könnte tausend Gelegenheiten aufzählen, bei denen das Drama auf der Hand lag und wo ich nur hätte zugreifen müssen, um den Film zu machen, den die akademischen Dramaturgen mit Freuden aufgenommen hätten. Aber warum mache ich so etwas nicht? Die Antwort ist einfach, und es ist eine Antwort, die mich mein ganzes Leben begleitet hat: Weil ich mit meinen Filmen das reale Leben besser verstehen lernen will. An erster Stelle steht für mich das genaue Beobachten, das Wissen von den Menschen und ihren Verhaltensweisen. Ich weiß einfach, wie die Dinge in einer Hunsrücker Bauernfamilie früher geregelt wurden. Da läuft es anders als im Kino oder in der Psychoanalyse. Diese von wahrer Not und täglichem Existenzkampf gezeichneten Menschen empfinden Dinge wie Verliebtheiten, Bildungshunger, Rivalität unter Geschwistern als vermeidbare Luxusprobleme. Die tödliche Krankheit der Mutter oder eines der Kinder ist eine Bedrohung der gesamten Familie, und es geht um jede Stunde, die die Kranke noch lebt und zur Arbeit gehen kann. (…) Weil es mir nicht um Zuspitzung geht, sondern um die Schilderung von Lebensklugheit, die meist darin besteht, Ambivalenzen auszuhalten. Die Gesetze des Lebens sind mir heilig und ich würde es für eine unverzeihliche Tat halten, diese Wahrheiten, um deren Darstellung ich kämpfe, der Kinodramaturgie zu opfern. (…) Ich bestehe auf dem Recht, den Weg des epischen Erzählens ins Kino einzuführen, auch wenn ich manchen Zuschauer damit strapazieren sollte.“
Außerdem gibt es im letzten Drittel des Buches zahlreiche Hintergrundinformationen zum Film, den Dreharbeiten und der Geschichte, die das spartanisch illustrierte Buch zu einer idealen Ergänzung zum Film machen.

Was soll ich ergänzend dazu sagen? Beim zweiten Ansehen auf dem kleinen Bildschirm bleibt die Faszination erhalten. Das Bild ist allerdings deutlich kleiner (wobei ich den Film auch in einem großen Kinosaal sehen durfte). Der Rhythmus und die Möglichkeit, jederzeit Pausen einzulegen, passt eigentlich besser zum Fernsehen. Denn jetzt kann man bei einem Bild verweilen und sich die vier Filmstunden in der Zeit ansehen, in der man die vier Jahre aus dem Leben der Familie Simon ansehen möchte.
Da ist dann auch der Hinweis von Edgar Reitz im Gespräch mit Thomas Koebner, dass der erste Schnitt fünfeinhalb Stunden war, keine Drohung, sondern das Versprechen auf ein noch tieferes Eintauchen in das 19. Jahrhundert. Diese Fassung, aus der man im Bonusmaterial einige Bilder sieht, sei, so Reitz, fertig geschnitten, aber nicht fertig bearbeitet.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde Laufzeit erfreulich umfangreich geraten. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Gespräche mit Edgar Reitz, die insgesamt vierzig Minuten dauern. Der Blick hinter die Kulissen der Filmpremiere, die Vorstellung der Schauspieler während der Premiere und auch die, oft kurzen Interviews mit den Schauspielern Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Philine Lembeck, Marita Breuer, Mélanie Fouché und Barbara Philipp sind dagegen deutlich uninteressanter und bewegen sich irgendwo zwischen dem Chronologischem und dem Werblichen.
In dem informativen Booklet werden dann weitere Hintergründe zum Film und den Drehbarbeiten erklärt. Das sind teilweise Texte, die aus dem bereits erwähntem Filmbuch übernommen wurden, einige historische Hintergründe und Erklärungen zu den im Film verwandten Dialekten: dem Hunsrücker Platt und der von Jakob Simon gesprochenen Indiandersprachen, die für den Film erfunden wurden.
Die zum Film entstandene zweistündige Dokumentation „Making of Heimat“ von Jörg Adolph und Anja Pohl, die zum Filmstart einmal im TV gezeigt wurde, befindet sich leider nicht auf der DVD.

Die andere Heimat - DVD - 4

Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

DVD
Concorde
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Regisseur Edgar Reitz im Gespräch mit Medienwissenschaftler Thomas Koebner, Hinter den Kulissen der Filmpremiere, Bühnenpräsentation von Edgar Reitz, Interview mit Edgar Reitz, Interviews mit Darstellern, Kinotrailer, Weitere Trailer (insgesamt über eine Stunde), 38-seitiges Booklet
Länge: 222 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Homepage von Michael Riessler


TV-Tipp für den 11. Juli: Bronson

Juli 11, 2014

3sat, 22.35
Bronson (Großbritannien 2008, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Brock Norman Brock, Nicolas Winding Refn
Auf Tatsachen basierender Film über den Knacki Charles Bronson (Tom Hardy! Grandios!) und den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt im Gefängnis. Nichts für Zartbesaitete.
„Der dänische Regisseur lässt in seinem zweiten britischen Film seinen inszenatorischen Mitteln freien Lauf, was zunächst zu einem visuellen Feuerwerk voller Gewaltausbrüche und anderer drastischer Szenen führt, später aber zur Abstumpfung führt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tom Hardy, Kelly Adams, James Lance
Wiederholung: Samstag, 12. Juli, 02.05 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Bronson“
Wikipedia über „Bronson“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Monsieur Jeunet entwirft „Die Karte meiner Träume“

Juli 10, 2014

T. S. Spivet lebt nicht gerade in einer normalen Familie und normal ist der selbst ernannte „Leonardo da Vinci von Montana“ auch nicht. Immerhin ist T. S. Spivet der Erzähler in Jean-Pierre Jeunets neuem Film „Die Karte meiner Träume“ – und wem seine vorherigen Filme „Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“, „Alien – Die Wiedergeburt“ (sein Big-Budget-Hollywood-Film), „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Mathilde – Eine große Liebe“ und „Micmacs – Uns gehört Paris!“ gefallen haben, dem wird auch „Die Karte meiner Träume“ gefallen. Auch wenn es dieses Mal in die USA geht, die Landschaft schöner als eine Postkarte aussieht und Jeunet den Film realistisch nennt, was unbedingt als Jeunet-Realismus verstanden werden muss.
T. S. Spivet, eigentlich Tecumseh Sparrow Spivet, lebt auf einer Ranch in Montana. Er ist hochbegabt und publiziert auch in wissenschaftlichen Magazinen. Zuletzt erfand er das Perpetuum Mobile. Dafür möchte das Smithosonian Museum, das Forschungs- und Bildungszentrum der Nation, ihm den prestigeträchtigen Baird-Preis verleihen. Das Telefonat mit der Kuratorin des Museums gestaltet sich zwar etwas schwierig, aber Genies dürfen ihre Spleens haben. Immerhin hat er das Perpetuum Mobile erfunden. Was die Kuratorin in dem Moment allerdings nicht ahnt, ist, dass Spivet ein zehnjähriger Junge ist, der sich allein auf die Reise nach Washington, D. C., begibt.
Jeunet erzählt Spivets Erlebnisse auf seiner Ranch mit seiner Mutter, einer verschrobenen Insektenforscherin, seinem Vater, einem echten Cowboy und das komplette Gegenteil seiner Mutter, seiner Celebrity-süchtigen Schwester, die unbedingt ins Fernsehen will, und seinem dummen Zwillingsbruder, der bei einem von Spivets Experimenten stirbt, Spivets Reise nach Washington und seine Erlebnisse in der Hauptstadt voller Sympathie für seine etwas neben der Realität lebenden Charaktere und sehr verspielt. Denn Spivets Zeichnungn, Gedanken und Berechnungen, wenn er zum Beispiel als Blinder Passagier den Zug besteigt, visualisiert Jeunet immer und die 3D-Effekte kommen in diesen Momenten auch gut zur Geltung. Allerdings sind sie oft auch nervig effekthascherisch, weil immer wieder Gegenstände und Teile der Landschaft in den Vordergrund geschoben werden, um uns zu zeigen, dass wir einen 3D-Film sehen. Ebenso nervig, und wahrscheinlich ebenfalls dem Experimentieren mit dem 3D-Effekt geschuldet, ist das Einflechten der Untertitel in das Bild, das dazu führt, dass die Untertitel sich vorwärts und rückwärts durch die Grashalme Montanas bewegen.
Ein weiteres Problem des Films ist der dritte Akt, wenn Spivet in Washington den Preis erhält und als Wunderkind ins Fernsehen kommt. Das ist dann in seinen Konflikten und den Lösungen viel zu nah an bekannten kitschigen Hollywood-Mustern, die eben genau die Andersartigkeit des vorherigen Films vermissen lassen.
Doch bis dahin ist „Die Karte meiner Träume“ ein wundervoll warmherziger, humorvoller und bezaubernder Film für Kinder jeden Alters.

Die Karte meiner Träume - Plakat -4

Die Karte meiner Träume (The young and prodigious T. S. Spivet, Frankreich/Kanada 2013)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
LV: Reif Larsen: The Selected Works of T.S. Spivet, 2009 (Die Karte meiner Träume)
mit Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, Jakob Davies, Niamh Wilson, Jakob Davies, Dominique Pinon
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Karte meiner Träume“
Moviepilot über „Die Karte meiner Träume“
Metacritic über „Die Karte meiner Träume“
Rotten Tomatoes über „Die Karte meiner Träume“
Wikipedia über „Die Karte meiner Träume“ (deutsch, englisch)
Homepage von Reif Larsen
Perlentaucher über „Die Karte meiner Träume“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Science-Fiction-Film „The Signal“

Juli 10, 2014

Dass man für einen guten Science-Fiction-Film nicht unbedingt Unsummen ausgeben muss, haben zuletzt, um nur drei neuere Filme zu nennen, unter anderem „Moon“, „District 9“ und „Looper“ bewiesen.
Auch „The Signal“ könnte daher ein guter Science-Fiction-Film und ein guter Paranoia-Thriller sein. Das Plakat weckt Interesse und auch der Stilwechsel nach dem etwas zähen Filmanfang, der sich etwas zu viel Zeit für die Reise- und Beziehungsprobleme von Nic (Brenton Thwaites), seiner Freundin Haley (Olivia Cooke) und seinem Freund Jonah (Beau Knapp) nimmt, ist interessant.
Die drei Collegestudenten Nic, Jonah und Haley fahren durch die USA in Richtung Kalifornien zu Haleys neuer Universität. Mitten im ländlichen Nevada wollen sie Nomad, einem rivalisierendem Hacker, den die Computernerds Nic und Jonah nur über das Netz kennen, besuchen. Dafür verfolgen sie sein Signal zurück – und landen, natürlich mitten in der Nacht, in der Einöde in einem verlassenem Haus.
Da geschieht etwas, das wir im schönsten „The Blair Witch Project“-Found-Footage-Stil sehen, und als Nic aufwacht, ist er in einem etwas altmodischem Hochsicherheitskrankenhaus in Quarantäne isoliert von anderen Menschen und seinen beiden Freunden. Haley sieht er einmal bewußtlos in einem Krankenbett liegend. Das Personal, immer in Schutzanzügen, redet nicht mit ihm.
Dr. Wallace Damon (Laurence Fishburne), der Laborleiter, sagt ihm, dass er und seine beiden Freunde Kontakt mit einem Alien gehabt hätten, jetzt überprüft werden müsse, ob er noch gesund sei und er unbedingt bei den kindisch wirkenden Tests kooperieren solle. Nur so könne festgestellt werden, ob er kontaminiert sei.
Spätestens jetzt fragt sich der versierte Genrefan, was Damon vor Nic verheimlicht und welches miese Spiel der Vertreter der Staatsmacht mit ihm treibt.
Aus dieser Frage zieht Regisseur William Eubank, obwohl „The Signal“ fast ein Zwei-Personen-Film ist, auch eine Zeit lang eine durchaus beträchtliche Spannung. Aber anstatt irgendwann mit dem Beantworten der Fragen zu beginnen, türmt er Rätsel auf Rätsel, was dazu führt, dass das Interesse schnell erlahmt und schon früh der Eindruck entsteht, dass die Macher die Lösung selbst nicht kennen, aber munter die Stile wechseln und sich durch die halbe Filmgeschichte plündern.
In den letzten Minuten, wenn wir die Wahrheit erfahren, bestätigt sich das. Denn „The Signal“ hat eines dieser überraschenden Enden irgendwo zwischen Verzweiflungstat und Verlegenheitslösung, das vor allem deshalb überraschend ist, weil es mit dem vorherigen Film nichts zu tun hat und aus der Logik der Geschichte heraus nicht stimmt.
Genausogut hätte Regisseur Eubank Nic am Ende in einem Krankenbett aus einem Alptraum erwachen lassen können.
Dass man für einen guten Science-Fiction-Film ein gutes Drehbuch braucht, zeigt „The Signal“; – wie viele andere schlechte Science-Fiction-Filme.

The Signal - Plakat

The Signal (The Signal, USA 2014)
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank, Carlyle Eubank, David Frigerio
mit Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Beau Knapp, Laurence Fishburne, Lin Shaye, Robert Longstreet
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
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Film-Zeit über „The Signal“
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Wikipedia über „The Signal“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Wara No Tate – Die Gejagten“ sorgen für Hochspannung

Juli 10, 2014

Endlich hat es wieder ein Film des überaus produktiven Takashi Miike („Audition“ und gut einhundert weitere Filme) in unsere Kinos geschafft und er liefert – wie eigentlich immer – großes Kino.
In „Wara No Tate – Die Gejagten“ sollen vier Polizisten Kunihide Kiyomaru zum Gericht bringen. Der nur auf den allerersten Blick alltägliche Auftrag ist ein Himmelfahrtskommando. Denn Kiyomaru ermordete bestialisch eine Siebenjährige und stellte sich auf seiner Flucht der Polizei, weil der todkranke, steinreiche Großvater der Toten ein absurd hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Seitdem möchte anscheinend ganz Japan Kiyomaru bereits vor der Gerichtsverhandlung ermorden.
Schon im Krankenhaus können die Polizisten, die durchaus verschiedene Auffassungen über diesen Auftrag haben, den ersten Mordanschlag verhindern. Eine Krankenschwester wollte Kiyomaru mit einer Spritze töten.
Als nächstes wird, kurz nach ihrer Abfahrt, ein Anschlag auf den gut gesicherten Gefangenenkonvoi verübt – und das ist der Anfang eines fast zweistündigen Action-Feuerwerks in dem die Polizisten, die schnell, vor allem durch ihre Taten, zu dreidimensionalen Charakteren werden, ihren Gefangenen auf 1200 höllischen Kilometern, mit wechselnden Fortbewegungsmitteln, quer durch Japan nach Tokio bringen sollen. Dabei wissen sie nicht, ob sie sich gegenseitig vertrauten können und ob sie die Fahrt überleben werden.
Allein schon mit dieser Story könnte Miike eine Cinemascope-Actionoper abfeiern. Weil Miike sich in jeder Szene mit der Frage, was die Aufgabe des Rechtsstaats ist und wie das Verhältnis von Recht und Selbstjustiz ist, beschäftigt, hat „Wara no Tate – Die Gejagten“ eine philosophische Dimension, die man zuletzt in Actionfilmen oft vermisste. Dabei ist Kiyomaru ein Extrembeispiel, das gerade deshalb zum Prüfen von moralischen Gesetzen und Prinzipien taugt. Er ist eindeutig schuldig. Er bereut nichts. Er genießt die Aufmerksamkeit und auch bei all den Leichen, die sich während der Fahrt um ihn herum stalpen, scheint diese Inkarnation des Bösen nichts außer Genugtuung zu empfinden. Wenn jemand den Tod verdient hat, dann er.
Aber rechtfertigt das Lynchjustiz? Dürfen Polizisten dafür Richter und Henker spielen? Oder sollen sie das Leben eines Schuldigen schützen und dafür unschuldige, rechtschaffene Bürger in Lebensgefahr bringen oder sogar töten? Immerhin verkörpern sie den liberaldemokratischen Rechtstaat und die damit verbundenen Prinzipien, wie dem Recht auf ein faires Verfahren und die Unschuldsvermutung. Aber gelten diese Prinzipien absolut? Oder gibt es eine Grenze?
Diese abstrakten Fragen behandelt Miike innerhalb eines Thrillers, der eindeutig Partei für den Rechtsstaat ergreift und ein, auch storybedingt, sehr pessimistisches Bild von den Menschen und ihrem Vertrauen in den Staat hat. Denn schon das Versprechen auf etwas Geld verwandelt zivilisierte Menschen in Bestien, die sich kaum von Kiyomaru unterscheiden.
Miike behandelt sein Thema innerhalb eines elegant erzählten kühlen Polizeithrillers, der durch seine zahlreichen Action-Szenen, und durchstrukturierten, oft sehr poetischen Bilder (weshalb man den Film auf einer großen Leinwand sehen sollte) beeindruckt. Die Story selbst läuft einerseits geradlinig wie ein Hochgeschwindigkeitszug ab, andererseits schlägt sie immer wieder überraschende Hacken und verweist gelungen auf bekannte Vorbilder, wie den Clint-Eastwood-Film „Der Mann, der niemals aufgibt“ (The Gauntlet, USA 1977).

Wara No Tate - Die Gejagten - Plakat

Wara No Tate – Die Gejagten (Wara No Tate, Japan 2013)
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tamio Hayashi
LV: Kazuhiro Kiuchi: Kazuhiro Kiuchi, 2004
mit Nanako Matsushima, Tatsuya Fujiwara, Takao Ohsawa, Gorô Kishitani, Masatô Ibu, Kento Nagayama, Tsutomu Yamazaki, Kimiko Yo, Hirotarô Honda
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Japanische Homepage zum Film
Deutsche „Homepage“ zum Film
Film-Zeit über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Moviepilot über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Metacritic über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Rotten Tomatoes über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Wikipedia über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Cannes Filmfestival über den Film (unter anderem mit der Pressekonferenz im englischen Voiceover)

Meine Besprechung von Takashi Miikes „13 Assassins“ (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)

Meine Besprechung von Takashi Miikes „Phoenix Wright – Ace Attorney“ (Gyakuten saiban, Japan 2012)


TV-Tipp für den 10. Juli: Fear X

Juli 9, 2014

3sat, 22.25
Fear X (USA 2003, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
Der introvertierte Sicherheitsbeamte Harry Caine sucht den Mörder seiner Frau. Er glaubt, dass er den Täter auf den Überwachungsbändern einer Shopping-Mall findet. Da entdeckt er in einen Nachbarhaus einen Hinweis und er macht sich auf den Weg nach Montana.
„Fear X“ ist ein zunehmend surrealer Thriller, der gerade wegen seiner Andersartigkeit gefällt.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre
Wiederholung: Samstag, 12. Juli, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fear X“

Wikipedia über „Fear X“

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)

 


DVD-Kritik: Verbrecherjagd in der „Ripper Street“

Juli 9, 2014

London, East End, April 1889: Jack the Ripper pausiert seit einem halben Jahr, aber nicht das Verbrechen in Whitechapel, weshalb es für Inspector Edmund Reid und die von ihm geleitete H Division, die eigentlich den Frauenmörder finden sollte, genug zu tun gibt. Die BBC-Serie „Ripper Street“ erzählt die Abenteuer der Polizeieinheit, ihres Privatlebens und des Lebens in Whitechapel.
Dabei gelingt den Machern in den einzelnen Episoden der ersten, aus acht Folgen bestehenden Staffel ein saftiges Sittenporträt mit einer ordentlichen Portion Sex und Gewalt. Es ist ein schonungsloser Blick auf das damalige Verbrechen, die Zustände in London und das damalige Leben in einer für uns heute oft unvorstellbaren Armut. Es geht um Straßenbanden, Krankheiten (beziehungsweise Terror mit der Cholera), revolutionäre Umtriebe, Arbeiterkämpfe, Sklavenhandel und Pornographie. Auch die Polizeimethoden waren noch sehr archaisch. So wurde schon einmal ein Geständnis aus einem Verdächtigen herausgeprügelt. Aber – immerhin haben wir unseren Sherlock Holmes gelesen – die moderne Wissenschaft wurde damals auch in der Kriminalitätsbekämpfung immer wichtiger. Reid, der Chef der Einheit, weiß das. Deshalb nimmt er sich Homer Jackson, einen zwiespältigen, aus der USA geflohenen Charakter, der mit einer Bordellbesitzerin zusammenlebt, als Gehilfen. Jackson untersucht die Leichen und auch an den Tatorten ist er eine große Hilfe. Seiner Vergangenheit müssen er und seine Freundin Long Susan sich in „Einer meiner Männer“ stellen, als Besuch aus den USA kommt und die Pinkerton-Männer London als einen Teil des Wilden Westens betrachten.
Für die normale Arbeit, verstanden als Lauf- und Schlagarbeit, hat Reid Sergeant Bennet Drake und die anderen Polizisten der Polizeistation.
„Ripper Street“ ist eine spannende Krimiserie, die auch ein Blick ins Geschichtsbuch ist, das immer wieder wahre Begebenheiten anspricht, und dabei durchaus interessante Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart aufzeigt. Immerhin mussten die Menschen damals und heute mit gewaltigen Umwälzungen umgehen. Doch in erster Linie sind die lose miteinander verknüpften „Ripper Street“-Episoden spannende Unterhaltung, wobei die Episoden, in denen die Ermittler und ihre Probleme im Mittelpunkt stehen zu den schwächeren gehören.
In England wurde bereits eine zweite Staffel ausgestrahlt. Eine dritte Staffel war wegen der hohen Kosten eine Zeit lang fraglich. Aber jetzt laufen die Dreharbeiten.

Ripper Street - Staffel 1 - DVD-Cover

Ripper Street – Staffel 1 (Ripper Street, Großbritannien 2012)
Erfinder: Richard Warlow
mit Matthew Macfadyen (Det. Insp. Edmund Reid), Jerome Flynn (Det. Sgt. Bennet Drake), Adam Rothenberg (Captain Homer Jackson), David Wilmot (Sgt. Donald Artherton), MyAnna Buring (Long Susan), David Dawson (Fred Best), Charlene McKenna (Rose Erskine), Jonathan Barnwell (P.C. Dick Hobbs), Clive Russell (Chief Inspector Fred Abberline)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: WAS (12 Minuten)
Länge: 400 Minuten (8 x 50 Minuten, 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Die ersten bluttriefenden Besuche in der „Ripper Street“
Ich brauche Licht (I need light)
Regie: Tom Shankland
Drehbuch: Richard Warlow

Der schweigende Junge (In my Protection)
Regie: Tom Shankland
Drehbuch: Richard Warlow

König Cholera (The King came calling)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Declan Croghan, Richard Warlow

Die Edlen der Stadt (The God of this City)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Julie Rutterford, Richard Warlow

Das Totengericht (The Weight of One Man’s Heart)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Toby Finlay

Die Schatten (Tournament of Shadows)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Toby Finlay

Einer meiner Männer (A Man of My Company)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Richard Warlow

Wozu die Mühe? (What Use Our Work?)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Richard Warlow

Hinweise
BBC über „Ripper Street“
ZDF über „Ripper Street“
Fernsehserien über „Ripper Street“
Wikipedia über „Ripper Street“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Juli: Walhalla Rising

Juli 9, 2014

3sat, 00.00
Walhalla Rising (Dänemark/Großbritannien 2009, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Roy Jacobsen
Nordeuropa zu Zeiten der Wikinger: ein einäugiger Kampfsklave kann sich befreien. Er schließt sich einer Gruppe christlicher Wikinger an, die das gelobte Land befreien wollen.
Fabelhaft bebilderter, eruptiv gewalttätiger, fast stummer Alptraum mit rudimentärer Geschichte, die an Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ erinnert, aber sich für meinen Geschmack zu sehr auf die Bilder von stummen, bewegungslosen Männern in der Naturlandschaft verlässt.
Am Donnerstag zeigt 3sat um 22. 25 Uhr „Fear X“ (mit John Turturro) und am Freitag um 22.35 Uhr „Bronson“ (mit Tom Hardy), zwei weitere Filme von Nicolas Winding Refn.
mit Mads Mikkelsen, Jamie Sives, Gary Lewis, Maarten Stevenson, Gordon Brown

Wiederholung: Donnerstag, 10. Juli, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Walhalla Rising“

Rotten Tomatoes über „Walhalla Rising“

Wikipedia über „Walhalla Rising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)


TV-Tipp für den 8. Juli: Bildnis einer Trinkerin

Juli 8, 2014

ZDFkultur, 20.15
Bildnis einer Trinkerin (Deutschland 1979, Regie: Ulrike Ottinger)
Drehbuch: Ulrike Ottinger
Experimenteller Spielfilm von Ulrike Ottinger (auch Kamera), aus feministischer Perspektive, über eine wohlhabende Trinkerin, die sich in Westberlin zu Tode trinken will. Dort trifft sie auf eine arme Trinkerin und beide Frauen ziehen gemeinsam durch die Stadt.
„Grell werden in diesem Melodrama die Stationen zweier Trinkerinnen aneinandergereiht.“ (Fischer Film Almanach 1980)
Die Musik ist von Peer Raben.
Beginn eines Ulrike-Ottinger-Abends. Nach dem „Bildnis einer Trinkerin“ (Wiederholung um 00.55 Uhr) folgen um 22.00 Uhr „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“ (D 2012, Wiederholung um 02.40 Uhr) und um 23.05 Uhr „Die koreanische Hochzeitstruhe“ (D/Rok 2009, Wiederholung um 03.45 Uhr).
Mit Tabea Blumenschein, Lutze, Magdalena Montezuma, Orpha Termin, Monika von Cube, Paul Glauer, Nina Hagen, Kurt Raab, Volker Spengler, Eddie Constantine
Hinweise
Homepage von Ulrike Ottinger
Filmportal über „Bildnis einer Trinkerin“
Wikipedia über „Bildnis einer Trinkerin“ und Ulrike Ottinger


TV-Tipp für den 7. Juli: Ziemlich beste Freunde

Juli 6, 2014

ARD, 20.15
Ziemlich beste Freunde (Frankreich 2011, Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache)
Drehbuch: Eric Toledano, Olivier Nakache
Ein wohlhabender, körperlich schwerbehinderter Franzose engagiert einen jungen, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Migranten als Pfleger. Dieser behandelt ihn nämlich ohne falschen Respekt.
Mit fast neun Millionen Besuchern war „Ziemlich beste Freunde“ 2012 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos. Jetzt können alle, die den Film im Kino verpassten, das Versäumte nachholen.
„Charmantes Buddy-Movie (…) Konzipiert als schwungvoller Wohlfühlfilm, mangelt es ihm allerdings an Glaubwürdigkeit, zumal die Konflikte und Probleme recht naiv verharmlost werden.“ (Lexikon des internationalen Films)
Auftakt vom ARD-Sommerkino, das uns in den kommenden Wochen noch einige gute Filme ins heimische Kino bringt.
mit Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Molllet
Widerholung: Dienstag, 8. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Film-Zeit über „Ziemlich beste Freunde“
Moviepilot über „Ziemlich beste Freunde“
Rotten Tomatoes über „Ziemlich beste Freunde“
Wikipedia über „Ziemlich beste Freunde“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 6. Juli: Cowboys & Aliens

Juli 5, 2014

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Montag, 7. Juli, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

 Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)