Neu im Kino/Filmkritik: Kevin Costner hat „3 Days to kill“ in Paris

Mai 9, 2014

Warum sollte bei Kevin Costner nicht das funktionieren, was Luc Besson mit Liam Neeson gelang? Einen älteren Schauspieler zu einem veritablen Actionhelden ummodeln? Nun, dafür gibt es drei Gründe: das Drehbuch, der Regisseur und die Actionszenen. Denn „3 Days to kill“ kommt dem Ideal eines Actionfilms ohne Action erstaunlich nahe. Dafür sehen wir Kevin Costner auf einem Fahrrad durch Paris radeln.
Aber beginnen wir am Anfang: Kevin Costner spielt Ethan Renner, einen US-Geheimagenten. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Belgrad. Dort soll er den „Wolf“, den gefährlichsten Terroristen der Welt, dessen Gesicht niemand kennt, und dessen rechte Hand, den „Albino“, bei einem Waffendeal ausschalten. Der Auftrag geht gründlich schief, sein Team wird dezimiert und weil Renner während der Verfolgung des Albinos hustend zusammenbricht, wird er von einem Arzt untersucht, der ihm sagt, dass er einen Gehirntumor habe und innerhalb der nächsten drei bis fünf Monate sterben werde.
Renner, für den der Beruf immer an erster Stelle stand, will sich jetzt mit seiner Ex-Frau (Connie Nielsen) und seiner Tochter (Hailee Steinfeld), die in Paris leben, versöhnen.
Ehe er so richtig mit der Familienzusammenführung beginnen kann, bietet die geheimnisvolle CIA-Agentin Vivi Delay (Amber Heard im Femme-Fatale-Modus) ihm ein Heilmittel an. Er muss dafür in den nächsten drei Tagen nur einige Morde begehen, wobei er auch seine Scharte in Belgrad ausbügeln kann. Denn „Der Wolf“ und „Der Albino“, stehen auch auf dieser Liste.
Wen er umbringen soll, sagt ihm Vivi immer sehr kurzfristig. Was natürlich zu ständigen Konflikten mit seiner Frau und seiner Tochter, die beide nichts davon erfahren sollen, führt. Außerdem hat er von Vivi ein Medikament erhalten hat, das in den ungünstigsten Momenten zu Bewusstseinstrübungen führt,
„Der Wolf“. „Der Albino“. Nein, das ist definitiv nicht die Geheimagentenwelt von John le Carré. Es ist auch nicht die Geheimagentenwelt von Ian Fleming. Das ist die Welt des Pulps, des fröhlichen Trashes, der keine Gedanken an Wahrscheinlichkeit und Logik opfert. Was okay wäre, wenn die Geschichte wenigstens in sich schlüssig wäre. Aber „3 Days to kill“ klatscht einfach einen Thriller an ein Familiendrama und tut so, als handele es sich um zwei vollkommen verschiedene Filme. Das funktioniert nie, aber spätestens nach dieser Szene ist das gedankenlos zusammengeschusterte Drehbuch nur noch ärgerlich: Renner bringt in einer der raren Actionszenen des Films in einem Besson-hektisch geschnittenem Faustkampf einen auf ihn angesetzten Killer um und findet bei ihm Bilder von seiner Frau und seiner Tochter. Anstatt jetzt seine Liebsten in Sicherheit zu bringen, bringt er seiner Tochter erst einmal das Fahrradfahren bei, während wir gerade vor Ärger die vordere Stuhlreihe auffressen.
So gemacht, stehen sich Thriller und Familiendrama ständig im Weg. Dass das Familiendrama dann auch noch eines der banalen Art ist, hilft nicht.
Garniert wird diese Verbindung mit etwas klamaukigem Witz. Denn selbstverständlich ruft das Töchterchen ihren Vater immer in den unpassendsten Momenten an, gerät in dumme Situationen und selbstverständlich lässt Daddy sich in Erziehungsfragen von einem Verbrecher, dem glücklich verheirateten Buchhalter des Terroristen, beraten, den der davor und danach verprügelt.
Die Actionszenen sind durchgängig Post-Action-Szenen. Entweder gibt es viel Wackelkamera und genug Schnitte, um auch einen asthamatischen Großvater zu einem Bruce-Lee-Verschnitt zu machen, oder es gibt die schönen Vorher-Nachher-Szenen, in denen wir zuerst einen Raum voller Bösewichter sehen und Sekunden später einen Raum voller toter Bösewichter mit einem Kevin Costner in der Mitte, der für die Leichen verantwortlich ist, aber keine Falte in seiner Jeans hat. Das ist beim ersten Mal witzig. Schon beim zweiten Mal verpufft der Witz.
Regisseur von diesem cineastischem Zugunglück ist McG. Genau der McG, der die beiden „3 Engel für Charlie“-Filme und „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator: Salvation) ruinierte. Da wird „3 Days to kill“ zu seinem bislang besten Werk. Denn die Familienszenen sind gar nicht so schlecht inszeniert. Da verlässt er sich auf Kevin Costner, Connie Nielsen und Hailee Steinfeld, die alle viel zu gut für diesen Film sind.
Und die Aufnahmen von Paris sind schön, weil Paris eine schöne Stadt ist.
Nein, so wird das nichts mit Kevin Costner als Action-Helden. Dabei überzeugte er kürzlich in „Jack Ryan: Shadow Recruit“ und in zahlreichen Western, wie dem immer noch unterschätzten „Open Range“,zeigte er, dass er Action kann. Auch in dem Thriller „No Way Out“ machte er eine gute Figur. Er braucht allerdings einen Regisseur, der ihn als letzten Cowboy inszenieren kann. McG ist dafür eindeutig der falsche Mann.

3 Days To Kil - Plakat

3 Days to kill (3 Days to kill, USA/Frankreich 2014)
Regie: McG
Drehbuch: Luc Besson, Adi Hasak
mit Kevin Costner, Amber Heard, Hailee Steinfeld, Connie Nielsen, Tómas Lemarquis, Richard Sammel, Marc Andréoni, Bruno Ricci
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „3 Days to kill“
Moviepilot über „3 Days to kill“
Metacritic über „3 Days to kill“
Rotten Tomatoes über „3 Days to kill“
Wikipedia über „3 Days to kill“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Mai: Ein Fall für zwei: Verhängnisvolle Freundschaft

Mai 8, 2014

Wahrscheinlich dachten die auf dem Lerchenberg: Warum den Titel ändern? Der ist doch noch gut und bei „Der Alte“ hat sich auch niemand beschwert, dass der in den vergangenen Jahrzehnten von mehreren Schauspielern gespielt wurde. Auch bei dem 1981 gestarteten Freitagskrimi „Ein Fall für zwei“ änderte sich in den vergangenen Jahrzehnten das Gesicht der einen Hälfte des Duos öfter; wobei für ältere Semester nur die Urbesetzung zählt: Günter Strack als Anwalt Dr. Dieter Renz und Claus Theo Gärtner als Privatdetektiv Josef Matula. Deren Fälle folgten auch nicht immer nur der Mörder-such-Routine. Es ging auch um Wirtschaftsverbrechen, die Mandanten waren manchmal schuldig und am Ende siegte nicht immer unbedingt die Gerechtigkeit. Das war neben dem drögen „Derrick“ grandios. Auch ohne Leiche, Mord und Totschlag.
Spätere Fälle, die ich mir ansah, zuletzt mit Paul Frielinghaus als Anwalt Dr. Markus Lessing, waren dann nur noch öde Mörder-such-Spiele, in denen Verteidiger und Polizei gut zusammen arbeiteten (was angesichts der gegenläufigen Interessen natürlich Quatsch ist) und der Mandant war nie der Mörder, weshalb es natürlich für den Anwalt und den Detektiv keine moralischen Dilemma gab.
Als der 1943 geborene Claus Theo Gärtner letztes Jahr ausstieg, wurde auch kurz überlegt, die Serie zu beenden. Nach über dreißig Jahren und dreihundert Folgen wäre das ja okay gewesen.
Aber dann wurde beschlossen, die Serie weiter zu führen. Mit einem neuen Team, aber immer noch in Frankfurt. Und natürlich in einer „modernen Inszenierung“.
Warum auch nicht? „Ein Fall für zwei“ ist natürlich eine Perry-Mason-Kopie und im Krimieinerlei ist jede Abwechslung vom Kommissar-sucht-Mörder-Schema hochwillkommen.
Aber der erste Fall von Detektiv Leo Oswald (Wanja Mues) und Anwalt Bennie Hornberg (Antoine Monot, Jr.), dem neuen „Ein Fall für zwei“-Team, ist ein Disaster, bei dem nichts, aber auch absolut nichts stimmt.
Bennie Hornberg ist Fachanwalt für Versicherungsrecht in der Kanzlei von seinem aasigen Schwiegervater, die gerade einen großen Deal mit Anwalt Katzner vorbereitet. Da erhält Bennie einen Anruf von seinem vor zwanzig Jahren verschwundenem Jugendfreund Leo Oswald. Sein bester Freund sitzt im Gefängnis. Er soll einen Unternehmer ermordet haben.
Bennie hilft seinem Freund – und schnell steht er vor der Frage, ob er Leo wirklich bis zum Ende helfen soll. Denn der tote Unternehmer hat etwas mit Katzner und dem geplanten Deal zu tun.
Und damit habe ich jetzt, ohne einen wichtigen Plot-Point auszulassen, ungefähr den halben Krimi verraten. Denn was in einem US-Krimi in den ersten zehn Minuten erzählt würde, nimmt hier eine halbe Stunde (gefühlt deutlich länger) in Anspruch, in der wir mehrere hirnrissige Szenen erleiden müssen. So bittet der in Untersuchungshaft sitzende Leo seinen Freund Bennie um Hilfe, aber er verrät ihm (und uns) nicht, warum er inhaftiert wurde und warum ausgerechnet ein Fachanwalt ihm helfen soll. Denn eigentlich braucht er als Mordverdächtiger einen guten Strafverteidiger. Später ruft Leo aus der U-Haft mitten in der Nacht mit seinem Handy Benni an und sagt ihm, dass er sich mit einer Frau treffen solle, die ihm erklären könne, warum er inhaftiert sei und warum er unschuldig sei. Nun, wenigstens in Berlin sind Handys im Gefängnis nicht erlaubt. Aber vielleicht ticken in Frankfurt am Main die Uhren anders. Denn kurz darauf darf Leo in den Beweisen herumwühlen, was im realen Leben wohl in keinem gut geführten Gefängnis erlaubt ist. Immerhin soll ihm gerade ein Mord nachgewiesen werden. Und so fernab jeder Wirklichkeit, Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit geht es munter, mit vielen gut abgehangenen Klischees über böse Kapitalisten und schmierige Wirtschaftsanwälte, über die Enttarnung des Täters (mit einem Trick und ebenso überraschenden, wie unnötigen Geständnissen der Mittäter) bis zum Abspann weiter.
„Verhängnisvolle Freundschaft“, der erste von vier neuen „Ein Fall für zwei“-Fällen, macht wirklich nicht neugierig auf die weitern Fälle des Duos, das dann auch noch von einer Staatsanwältin unterstützt wird und in einer Wohngemeinschaft auf einem alten Kahn lebt.
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Ein Fall für zwei: Verhängnisvolle Freundschaft (Deutschland 2014)
Regie: Marcus Ulbricht
Drehbuch: Florian Oeller
mit Wanja Mues, Antoine Monot, Jr., Thomas Thieme, Christina Hecke, Sina Tkotsch, Jürgen Tarrach, Rainer Sellien, Sebastian Weber, Kida Khodr Ramadan, Marc Oliver Schulze, Gudrun Landgrebe
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Hinweise
ZDF über „Ein Fall für zwei“
Fernsehserien über „Ein Fall für zwei“
Wikipedia über „Ein Fall für zwei“

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Wie alles begann


Neu im Kino/Filmkritik: Irgendwie Horror: „Devil’s Due – Teufelsbrut“

Mai 8, 2014

Found Footage, nächste Runde und „Devil’s Due – Teufelsbrut“ ist ein würdiger Vertreter seines Genres, das bis jetzt nur wenige sehenswerte Filme und unglaublich viel Schrott hervorbrachte, der allerdings so billig gedreht werden konnte, dass die Macher im Nachgang von „The Blair Witch Project“ immer noch ihren finanziellen Schnitt machten, was auch für „Devil’s Due – Teufelsbrut“ gilt.
In dem Film geht es um ein junges Pärchen, das in der Dominikanischen Republik seine Flitterwochen verbringt und Göttergatte Zach wirklich jeden Moment mit der Kamera festhalten muss. In der letzten Nacht zeigt ihnen ein Taxifahrer das wirklich authentische Inselleben abseits der Touristenpfaden. Für das Pärchen endet der Abend in einen massiven Drogenabsturz. So massiv, dass die Erinnerungen an die seltsame Teufelsanbetung auch Erinnerungsfetzen an einen Discobesuch sein könnten. Immerhin sind die Filmaufnahmen davon sehr lückenhaft, falsch belichtet und noch verwackelter als der restliche Film.
Zurück in ihrer lauschigen All-American-Vorstadt stellt Samantha fest, dass sie schwanger ist und plötzlich einen unheimlichen Hunger auf rohes Fleisch hat. Seltsame Männer schleichen um ihr Haus herum und mit dem Baby stimmt auch etwas nicht. Zach konzentriert sich derweil darauf, mit seiner Kamera möglichst alles für die Nachwelt auf Film festzuhalten.
Das ist, wie man es im Found-Footage-Genre gewohnt ist, mit grenzdebilen Dialogen, schlechten, aber furchtbar spontanen und lebensechten Schauspielern und einer nervigen, billigen Wackelkamera inszeniert, die Drehbuchschwächen mit dem Hinweis auf die Found-Footage-Genrekonventionen entschuldigt. Wobei es auch in „Devil’s Due“ Szenen gibt, die gegen die reine Lehre der Genreregeln verstoßen und es auch teilweise zu einem vollkommen idiotischem Verhalten des Gatten, der alles filmen will, kommt. Denn natürlich muss er in höchster Not erst einmal die Kamera auspacken.
Und wer aufgrund minimaler Ähnlichkeiten und wegen irgenwelcher Werbesprüche „Devil’s Due“ mit Roman Polanskis Horrorfilmklassiker „Rosemarys Baby“ vergleicht, vergleicht auch die ersten Schwimmversuche seines Kindes mit dem mehrfachen Olympia-Medaillengewinner Michael Phelps, weil beide sich ja im Wasser fortbewegen.
„Devil’s Due“ ist ein filmisch trostloses Drama, bei dem es letztendlich nur ein Rätsel gibt: Warum läuft der Film im Kino?

Devil's Due - Plakat

Devil’s Due -Teufelsbrut (Devil’s Due, USA 2014)
Regie: Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett
Drehbuch: Lindsay Devlin
mit Allison Miller, Zach Gilford, Sam Anderson
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Moviepilot über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Metacritic über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Rotten Tomatoes über „Devil’s Due – Teufelsbrut“
Wikipedia über „Devil’s Due – Teufelsbrut“


TV-Tipp für den 8. Mai: Vertrag mit meinem Killer

Mai 8, 2014

3sat, 22.25

Vertrag mit meinem Killer (Finnland/Schweden 1990, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Ein Franzose verliert in London seine Arbeit bei den privatisierten Wasserwerken und engagiert einen Killer, der ihn töten soll. Da verliebt er sich – und möchte den Mordauftrag gerne widerrufen. Aber er kennt seinen Killer nicht.

Selten gezeigter Film von Aki Kaurismäk, den er zwar nicht in seiner Heimat drehte, aber der unverkennbar ein Kaurismäki ist.

mit Jean-Pierre Léaud, Margi Clarke, Kenneth Colley, Trevor Brown, Imogen Clare, Serge Reggiani, Angela Walsh, Cyril Epstein, Joe Strummer, Aki Kaurismäki (als Sonnenbrillenverkäufer)

auch bekannt als „I hired a Contract Killer“ (Kinotitel)

Hinweise

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Film)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaursimäkis “Le Havre” (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschand 2011)


DVD-Kritik: Für „Fräuleins in Uniform“ ist der Krieg ein Spaß

Mai 7, 2014

Wir nehmen junge Frauen, gerne nackt, Nazi-Uniformen, Sex, Gewalt, viele Explosionen, Nazi-Symbole und -Plakate – und fertig ist der Film, der als „Fräuleins in Uniform“ oder „Eine Armee Gretchen“ vor über vierzig Jahren in die Kinos kam und weil er von Erwin C. Dietrich produziert wurde, der dieses Mal auch das Drehbuch schrieb und Regie führte, zielt er auf die primären Wünsche eines eher jugendlichen Publikums, das vor allem an nackten Tatsachen interessiert ist. Die gibt es – aus heutiger Perspektive – in eher überschaubaren Dimensionen mit einer deutlichen Konzentration auf nackte weibliche Oberkörper.
Daneben reiht der Film lieblos einige Episoden aus dem Leben der Blitzmädel aneinander, als sei der Krieg ein Aufenthalt im Landschulheim, bei dem es nur um Sex geht und dazwischen, ab und an, ein fröhliches „Heil Hitler“ geschmettert wird; – was subversiv sein könnte, wenn es nicht einfach so furchtbar gedankenlos wäre.
Es wurde auch keine Sekunde an so etwas wie Charakterentwicklung oder Dramaturgie gedacht. Entsprechend egal sind einem einem alle Charaktere und wer glaubt, irgendetwas über den Zweiten Weltkrieg zu erfahren, der ist definitiv im falschen Film. Sogar die Erinnerungen des Großvaters an den Krieg sind da tiefgründiger, strukturierter und auch kritischer.
Am Kassenerfolg änderte das nichts. Als „She-Devils of the S.S.“ lief der Film auch in den USA und, unter verschiedenen anderen Titeln, in unseren Nachbarländern. Damals war das Nazi-Exploitation- und Woman-in-Prison-Genre (wozu „Fräuleins in Uniform“ nur ganz am Rand gehört) ein an der Kinokasse erfolgreiches Subgenre innerhalb des Sexploitation-Genres. Was auch daran lag, dass die Filme für ein Butterbrot gedreht wurden und teilweise unter verschiedenen Titeln mit neuen vielversprechenden Plakaten in die Kinos kamen.
„Fräuleins in Uniform“ ist da mit einem Budget von einer Millionen DM, so Produzent Erwin C. Dietrich im Audiokommentar, sogar ungewöhnlich teuer geraten, was sich vor allem in den in Jugoslawien gedrehten Kampfszenen, mit einem Flugzeug und drei Panzern, vielen Statisten und Explosionen bis zum Abwinken, zeigt.
Außerdem war der Film, streng historisch betrachtet, vor den Nazi-Exploitation-Filmen im Kino. Er ist ein fast schon unschuldiger Vorläufer von wesentlich geschmackloseren Filmen, wie zum Beispiel Jess Francos von Dietrich produzierten Filme „Ilsa, the Mad Butcher“ oder „Frauen für Zellenblock 9“. „Fräuleins in Uniform“ ist dagegen ein verfilmtes Landserheft mit willigen Mädchen, Nazi-Symbolen und verklärten „Schön war die Zeit“-Kriegserinnerungen.
Georg Seeßlen schreibt in „Quentin Tarantino gegen die Nazis“ zu dem Werk, das er als einen Nachzügler des italienischen Trash-Kriegsfilms sieht: „Das Ganze wurde mehr oder weniger einhellig als die größte Geschmacksentgleisung des Genres jenseits des Nazi-Pornos gewertet.“
Als Film kann man „Fräuleins in Uniform“ getrost vergessen, aber das Bonusmaterial auf der jetzt erschienenen DVD (und Blu-ray) ist gelungen. Es gibt eine Bildergalerie, die noch einmal zeigt, mit welchen nackten Tatsachen der Film verkauft wurde, den Trailer, ein aktuelles Interview mit Birgit Bergen (kein Kommentar) und einen im Oktober 2013 aufgenommenen, durchaus informativen, vollkommen unkritischen, aber filmhistorisch interessanten Audiokommentar mit dem inzwischen 83-jährigem Erwin C. Dietrich und Filmhistoriker Uwe Huber, in dem man einige Hintergründe über die Dreharbeiten, den Verbleib der Darsteller und die Arbeit in Dietrichs Produktionsfirma, die damals zuverlässig mit Exploitation-Filmen die Kinos bediente, erfährt.

Fräuleins in Uniform - DVD

Fräuleins in Uniform (Schweiz 1973)
Regie: Erwin C. Dietrich
Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Christine Lembach (Dialoge)
LV: Karl-Heinz Helms-Liesenhoff: Eine Armee Gretchen, 1948
mit Renate Kasche, Carl Möhner, Helmut Förnbacher, Alexander Allerson, Birgit Bergen
auch bekannt als „Eine Armee Gretchen“, „Eine Armee nackter Gretchen“, „Blitzmädchen an die Front“ und „Strafkommando Ost“
–
DVD
Ascot Elite (Cinema Treasures)
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch, Italienisch, Französisch (DD 2.0 Mono)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich und Filmhistoriker Uwe Huber, Interview mit Darstellerin Birgit Bergen, Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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Das Werk ist auch auf Blu-ray erhältlich.
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Hinweise

Homepage von/über Erwin C. Dietrich (schon etwas älter, aber mit vielen Bildern)

Wikipedia über Erwin C. Dietrich

Mundo Stumpo: Interview mit Erwin C. Dietrich (2003 – für die deutsche Fassung runterscrollen)

 


TV-Tipp für den 7. Mai: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

Mai 7, 2014

Eins Plus, 22.45

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

„Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Wiederholung: Donnerstag, 7. Mai, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Ghost Dog”

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Arte über „Ghost Dog“

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über „Ghost Dog“ (September 2002)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

–

„Ghost Dog“ ist der heutige Tagestipp, weil am Donnerstag der spannende Polit-Thriller „Zulu“ mit  Forest Whitaker in der Hauptrolle anläuft. Hier ist schon einmal der Trailer. Aber der Film von Jerome Salle („Fluchtpunkt Nizza“ und die beiden „Largo Winch“-Filme) selbst steht in der Tradition der 70er-Jahre-Polit-Thriller, die ja in erster Linie Gehirnfutter sind.


TV-Tipp für den 6. Mai: Don Mariano weiß von nichts

Mai 6, 2014

WDR, 00.00

Don Mariano weiß von nichts (I/F 1967, R.: Damiano Damiani)

Drehbuch: Ugo Pirro, Damiano Damiani

LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)

In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.

„Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.

Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.

„Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani

Auch bekannt als „Der Tag der Eule“

Hinweise

Wikipedia über Leonardo Sciascia (deutsch, englisch, italienisch)

Krimi-Couch über Leonardo Sciascia

Italienwelten über Leonardo Sciascia

Amici di Leonardo Sciascia

Mein Nachruf auf Damiano Damiani (23. Juli 1922 – 7. März 2013)


TV-Tipp für den 5. Mai: Im Tal von Elah

Mai 4, 2014

NDR, 23.15

Im Tal von Elah (USA 2007, R.: Paul Haggis)

Drehbuch: Paul Haggis (nach einer Geschichte von Mark Boal und Paul Haggis)

Ex-Militärpolizist und Vietnamveteran Hank Deerfield erfährt, dass sein Sohn Mike sich nach seiner Rückkehr aus dem Irak fahnenflüchtig ist. Kurz darauf wird seine verbrannte Leiche gefunden. Deerfield beginnt mit einer Polizistin Mikes Mörder zu suchen. Dabei werden sie vom Militär behindert.

Haggis benutzt in seinem feinen Thriller das Genre, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Denn der auf einem wahren Fall basierende, hochgelobte Thriller beschäftigt sich mit den seelischen Kosten von Kriegseinsätzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Der Titel spielt auf die David-und-Goliath-Geschichte in der Bibel an. Deren Kampf fand im Valley of Elah, bei uns je nach Bibelübersetzung bekannt als Eichgrund, Elberfelder oder Terebinthental, statt.

Mit Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Tal von Elah“

Metacritic über “Im Tal von Elah”

Rotten Tomatoes über “Im Tal von Elah”

Wikipedia über “Im Tal von Elah” (deutsch, englisch)

Das Drehbuch „In the Valley of Elah“ von Paul Haggis

About com: Interview mit Paul Haggis und Charlize Theron über „Im Tal von Elah“ (mit weiterführenden Links)

Future Movies: Interview mit Paul Haggis über „Im Tal von Elah“

Bayerisches Fernsehen: Interview mit Paul Haggis über „Im Tal von Elah“


TV-Tipp für den 4. Mai: Kopfgeld

Mai 4, 2014

 

RTL II, 20.15

Kopfgeld – Einer wird bezahlen (USA 1996, Regie: Ron Howard)

Drehbuch: Richard Price, Alexander Ignon (nach einer Geschichte von Cyril Hume und Richard Maibaum)

Als der Sohn von Selfmade-Millionär Tom Mullen entführt wird, setzt er das geforderte Lösegeld als Kopfgeld für die Entüfhrer ein. Eine Idee mit Folgen.

Spannender Thriller, der seine Idee von dem ebenso spannenden Thriller „Menschenraub“ (USA 1956, Regie: Alex Segal, mit Glenn Ford, Donna Reed und Leslie Nielsen) hat. Während das Remake ungefähr im Jahresturnus im TV läuft, wurde das ebenso spannende Original seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigt.

mit Mel Gibson, René Russo, Gary Sinise, Brawley Nolte, Delroy Lindo, Lili Taylor, Liev Schreiber, Donnie Wahlberg, Evan Handler, Paul Guilfoyle, Dan Hedaya, Richard Price

Wiederholung: Montag, 5. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kopfgeld“

Wikipedia über „Kopfgeld“ (deutsch, englisch)

Richard Price in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles auf Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

 


TV-Tipp für den 3. Mai: Der Fälscher von London

Mai 3, 2014

Sat.1Gold, 20.15/23.45
Der Fälscher von London (D 1961, R.: Harald Reinl)
Drehbuch: Johannes Kai (Pseudonym von Hanns Wiedmann)
LV: Edgar Wallace: The forger/The clever one/The counterfeiter, 1927 (Der Banknotenfälscher)
Ist Millionenerbe Clifton ein Mörder mit Gedächtnisverlust oder treibt jemand ein böses Spiel mit ihm?
“Reinl inszenierte einen der besten Wallace-Krimis, der dem Roman äußerst sorgsam gerecht wurde und doch zugleich eine ganz eigenständige Adaption war – und dennoch blieb der finanzielle Erfolg hinter dem der beiden letzten Wallace-Filme zurück.“ (Joachim Kramp: Hallo – Hier spricht Edgar Wallace) Das kann an den fehlenden Wallace-Stars gelegen haben, das kann aber auch an der Machart des Films gelegen haben. „Der Fälscher von London“ ist im Wesentlichen ein actionarmer Detektivfilm.
Mit Karin Dor, Hellmut Lange, Siegfried Lowitz, Walter Rilla, Eddi Arent

Hinweise

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Doppelgänger“ (D 1934)


DVD-Kritik: „Finsterworld“ ist Deutschland, ist nicht Deutschland, ist Deutschland,…

Mai 2, 2014

Auch „Finsterworld“, der erste Spielfilm von Frauke Finsterwalder, nach einem Drehbuch von ihr und ihrem Ehemann Christian Kracht, spielt, wie die ganzen romantischen Komödien, in einer Parallelwelt; einem Deutschland, das es so nicht gibt. Aber das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
In dem Film gibt es ein Ehepaar, das nur das Negative sieht und ihren Deutschlandhass in kurzweiligen Sentenzen von sich gibt, einen Fußpfleger, der sich im Alterheim in eine Bewohnerin verliebt, einen Polizisten, der in einem Bärenkostüm nach Nähe sucht, eine TV-Reporterin, die in ihren Drei-Minuten-Reportagen gerne große Kunst über das wahre Leben abliefern würde und dabei doch nur um sich selbst kreist, einen Einsiedler, der stumm im Wald lebt, und uniformierte Schüler, die sich während einer Klassenfahrt zu einem Konzentrationslager nicht für das Leid der Ermordeten interessieren.
Weil diese Charaktere teilweise miteinander verwandt sind und sie sich während des Films mehr oder weniger zufällig begegnen, hängen die Geschichten, die eigentlich eher Episoden aus einem beschädigten Land sind, im bewährten „Short Cuts“- oder „Magnolia“-Stil locker miteinander zusammen. Aber letztendlich werden sie nicht durch einen erzählerischen Zusammenhang, sondern durch den durchgehend misantrophischen Blick auf die Charaktere und Deutschland zusammen gehalten.
„Finsterworld“ ist ein, auch in der Inszenierung, durch und durch künstlicher Film, der wenig über Deutschland, aber viel über die Macher und ihren Hass auf Deutschland verrät. Dieser Deutschland-Hass ist allerdings ein unter Linksintellektuellen seit Jahrzehnten so gepflegter Topoi, dass „Finsterworld“ wie ein später Nachfolger des Neuen Deutschen Films und eine Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage wirkt.
Deshalb ist es ein aus der Zeit gefallener Film, ohne besonders großen Erkenntnisgewinn, aber durchaus immer wieder spaßig anzusehen. Vor allem wenn Corina Harfouch und Bernhard Schütz als versnobtes, sich prächtig verstehendes Ehepaar ihren Deutschlandhass pflegen. Schütz nennt sie im Presseheft treffend „Manufaktum-Faschisten“.
Oder Sandra Hüller als endlos plappernde, um sich selbst kreisende Dokumentarfilmerin, die mit Michelangelo Antonionis „Liebe 1962“ einen vollkommen verschobenen Referenzrahmen für ihre kurzen TV-Dokus, in denen sie das wahre Leben zeigen will, nennt.
Und Ronald Zehrfeld als ihr Freund und knuffiger Polizist im Bärenkostüm ist natürlich schön anzusehen.
Da braucht es dann keine „Feuchtgebiete“ Carla Juri als Schülerin und „Dutschke“ Christoph Bach als gutwilligen Lehrer, der seine Schüler mit einem KZ-Besuch fortbilden will. Dabei ist er viel zu jung für einen 68er-Lehrer, aber er verkörpert exakt diesen Typus.
Wie gesagt: „Finsterworld“ ist ein aus der Zeit gefallener Film. Ein Film, der einerseits dreißig, vierzig Jahre zu spät kommt, andererseits ein probates Gegengift zu den deutschen Kinokomödien, wie „Irre sind männlich“, „Vaterfreuden“ oder „Der fast perfekte Mann“, ist.

Finsterworld - DVD-Cover

Finsterworld (Deutschland 2013)
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
mit Johannes Krisch, Michael Maertens, Margit Carstensen, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Corinna Harfouch, Bernhard Schütz, Christoph Bach, Carla Juri, Leonard Scheicher, Jakub Gierszal, Max Pellny, Markus Hering, Dieter Meier
–
DVD
Alamode Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (angekündigt): Interview, Making of, Deleted Scenes, Trailer
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Finsterworld“
Moviepilot über „Finsterworld“
Wikipedia über „Finsterworld“
Die Zeit: Ijoma Mangold unterhält sich mit Christian Kracht über „Finsterworld“ (10. Oktober 2013)


TV-Tipp für den 2. Mai: Die Bourne-Verschwörung

Mai 2, 2014

ZDFneo, 20.15

Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)

Drehbuch: Tony Gilroy

LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)

Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.

Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.

Gilroys Drehbuch war für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.

Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan

Hinweise

Film-Zeit über „Die Bourne-Verschwörung“

Rotten Tomatoes über “Die Bourne-Verschwörung”

Wikipedia über “Die Bourne-Verschwörung” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Captain Phillips“ (Captain Phillips, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Schöne und das Biest“ im CGI-Märchenwald

April 30, 2014

Die Geschichte, also das Märchen von der Schönheit, die von einem Monster auf einem Schloss gefangen gehalten wird, die wahren, inneren Werte des Biestes erkennt und sich in das feingeistig Wesen verliebt, dürfte bekannt sein. Entweder das Märchen oder eine seiner zahlreichen Variationen in verschiedenen Medien. Unter Cineasten erfährt dabei die Version von Jean Cocteau, der die Geschichte 1946 mit Jean Marais als dem Biest verfilmte, die größte Wertschätzung. Auch Christophe Gans‘ „Die Schöne und das Biest“ orientiert sich an Cocteaus Film „Die Schöne und das Tier“, ist aber dennoch eigenständig als buntes, CGI-gesättigtes Märchenspektakel, das sich am Anfang viel Zeit nimmt, um Belle (Léa Seydoux) im Kreis ihrer Familie zu zeigen. Sie ist die Tochter eines vermögenden Kaufmanns (André Dussolier), der, nachdem seine mit Fracht gefüllten Schiffe untergehen, alles verliert und verarmt mit seinen sechs Kindern aufs Land ziehen muss. Während für Belles statusbedachten Schwestern das die ultimative Schmach ist, gefällt es Belle auf dem Land in der freien Natur, abseits der gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Eines Tages bricht ihr Vater auf, um in der Stadt einen ihrer Brüder zu finden. Auf dem Rückweg verirrt er sich im winterlichen Wald und entdeckt ein Schloss. Er bedient sich an der reichhaltig gedeckten Tafel und bricht für Belle eine Rose ab. Dafür verurteilt ihn der Hausherr, das titelgebende Biest (Vincent Cassel), zum Tod. Der Kaufmann darf vorher noch einmal seine Familie sehen.
Seine Tochter Belle, die sich, weil sie sich als Reisemitbringsel eine Rose wünschte, für das Schicksal ihrer Familie verantwortlich fühlt, bricht auf zu dem Schloss in den sicheren Tod.
Aber der Schlossherr tötet sie nicht. Er ist eine verfluchte Seele, die erst erlöst werden kann, wenn er eine Frau findet, die ihn wirklich liebt.
Wer diese Frau ist, ist natürlich schon vor der ersten Begegnung zwischen Belle und dem Biest, das sich lange vor ihr versteckt, offensichtlich. Dennoch verliebt Belle sich in Christophe Gans Interpretation des schon mehrmals verfilmten Märchen viel zu schnell in das Biest; fast so, als würde sie nur eine Fluchtmöglichkeit aus ihrer Familie suchen und sich dafür in den ersten Mann verlieben, der ihr dabei helfen kann. Auch wenn ihre Flucht in einem goldenem Käfig endet. Deshalb ist diese fast schon nebenbei behandelte Liebesgeschichte als Geschichte einer großen, reinen, sich langsam entwickelden Liebe auch unglaubwürdig.
Belles Familie, vor allem natürlich die Geschichte ihrer rapiden Verarmung und die Dynamik innerhalb der Familie, nimmt im Vergleich zum titelgebenden Liebespaar viel Zeit in Anspruch, weshalb es auch fast bis zur Filmmitte dauert, bis Belle und das Biest sich zum ersten Mal treffen.
Noch länger dauert es, bis wir endlich Vincent Cassels Gesicht sehen. Die meiste Zeit ist er unter der computergenerierten, ziemlich künstlich aussehenden und wenig beeindruckenden Biest-Maske nicht erkennbar, außer an seinen Bewegungen und seiner Stimme, die in der Synchronisation auch wegfällt. In den Rückblenden, in denen erzählt wird, wie der Prinz, der ein begeisterter Jäger war und eine goldene Hirschkuh töten wollte, wegen seiner Jagdtrophäe zum Biest wurde, ist Cassel in seiner ganzen Pracht zu sehen.
Gedreht wurde „Die Schöne und das Biest“ in den Babelsberg Studios. Die prächtige Kulisse stammt aus dem Computer, was dem Film einen märchenhaft irrationalen Look verschafft, der irgendwo zwischen CGI, Gemälde und alten Studiokulissen ist.
Doch so schön die Ausstattung auch ist, so störend sind die Effekte im Finale, das dann die Märchenwelt zugunsten einem konventionellen CGI-Aktionfinale verlässt. Das hat man schon tausendmal gesehen.
Lächerlich und vollkommen unpassend sind die computergenerierten Tadums, kleine Hunde-ähnliche Tiere mit großen Augen und überlangen Schlappohren, die einfach nur lächerliche und vollkommen überflüssige Trickfiguren aus einem anderen Film sind.
Aber trotz aller Kritik hat mir „Die Schöne und das Biest“ deutlich besser als erwartet gefallen und gerade Kindern dürfte der Film, der als Bilderbuch beginnt und endet, gefallen. Für Erwachsene ist dann doch alles zu märchenhaft-eindeutig. Die Guten sind zu gut, die Bösen zu böse, die Prinzessin und Belle zu schön und Belles Schwestern zu zickig-schnöselig.
Peter Uehling nannte den Film in seiner „Berlinale“-Kritik durchaus treffend „eine große Buttercremetorte mit Sahne und einem quietschsüßem Vanilla Latte“. So etwas muss man, wie einen Mädchen-Kindergeburtstag einfach mögen – oder die Flucht ergreifen.

Die Schöne und das Biest - Plakat 1

Die Schöne und das Biest (La belle et la bête, Frankreich 2013)
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Christophe Gans, Sandra Vo-Anh
LV: Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve: La belle et la bête, 1740 (Die schöne und das Biest, Märchen)
mit Vincent Cassel, Léa Seydoux, André Dussollier, Eduardo Noriega, Myriam Sharleins, Audrey Lamy, Sara Giraudeau, Yvonne Catterfeld
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Französische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Schöne und das Biest“
Moviepilot über „Die Schöne und das Biest“
Metacritic über „Die Schöne und das Biest“
Rotten Tomatoes über „Die Schöne und das Biest“
Wikipedia über „Die Schöne und das Biest“ (englisch, französisch)
Berlinale über „Die Schöne und das Biest“ (inclusive der Pressekonferenz)

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Weitere Filmplakate

Die Schöne und das Biest - Plakat 2

Die Schöne und das Biest - Plakat 3

Die Schöne und das Biest - Teaserplakat


TV-Tipp für den 1. Mai: Africa Queen

April 30, 2014

BR, 22.00

African Queen (USA 1951, R.: John Huston)

Drehbuch: James Agee, John Huston, Peter Viertel (ungenannt), John Collier (ungenannt)

LV: C. S. Forester: The African Queen, 1946 (Die „African Queen“)

Die zeitlos-witzige Abenteuerromanze (für die Jüngeren: Romantic-Comedy) enthält die klassischen Zutaten: zwei gegensätzliche Charaktere (Bogart als versoffener Kapitän und Hepburn als sittenstrenge Missionarin), exotische Kulisse (Ostafrika 1914), etwas Weltpolitik (sie will, nachdem die Deutschen ihre Familie ermordeten, ein Boot der Deutschen in die Luft jagen, er will in einem Fluss-Seitenarm in aller Ruhe seinen Schnapsvorrat austrinken) und ein vorhersehbares Ende (Ja, sie kriegen sich). Davor gibt es gefährliche Abenteuer und heftige Wortgefechte.

Bogart erhielt für diese untypische Rolle den schon lange überfälligen Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Publikum liebte das streitbare Leinwandpaar. Die katastrophalen Dreharbeiten wurden später von Peter Viertel literarisch verarbeitet und von Clint Eastwood unter „Weißer Jäger, schwarzes Herz“ (White hunter, black heart; USA 1990) verfilmt.

Mit Humphrey Bogart, Katharine Hepburn, Robert Morley, Peter Bull

Hinweise

AFI Classic Movies „The African Queen“ (Linksammlung)

Reel Classics: “The African Queen”


TV-Tipp für den 30. April: Hair

April 30, 2014

3sat, 22.25
Hair (USA 1979, Regie: Milos Forman)
Drehbuch: Michael Weller (nach dem Musical von Gerome Ragni und James Rado)
Farmersohn und Landei Claude muss zum Militärdienst und nach Vietnam. Vor seiner Musterung verbringt er einige Tage in New York mit einer Hippie-Gruppe, mit deren Mitgliedern er sich anfreundet.
Das Musical war in den späten Sechzigern ein Bühnenhit. Milos Formans Film, der das Stück aktualisierte und mit einer Geschichte versah, ebenso.
„Der Film konfrontiert den Zuschauer der späten siebziger Jahre mit seiner Sehnsucht nach Protest und Widerstand, weckt in ihm Spontanität und das Bedürfnis nach einer befreiten Existenz. (…) Die Stärke des Films liegt sowohl in der thematischen Aktualisierung, die dem Trauma des Vietnamkrieges die Vision eines anderen Amerika entgegensetzt, als auch in der Weiterentwicklung des klassischen amerikanischen Musicals. Die Tänze spielen sich fast ausnahmslos in Naturdekors ab, entwickeln sich logisch aus der Handlung, wirken nirgends ausgesetzt.“ (Fischer Film Almanach 1980)
mit John Savage, Treat Williams, Beverly D’Angelo, Annie Golden, Nicholas Ray
Wiederholung: Donnerstag, 1. Mai, 03.50 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Homepage von Milos Forman – und über „Hair“
Rotten Tomatoes über „Hair“
Wikipedia über „Hair“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. April: Die Anstalt

April 29, 2014

ZDF, 22.15
Die Anstalt
Die neuen Anstaltsleiter Claus von Wagner und Max Uthoff begrüßen Alfons, Abdelkarim und Konstantin Wecker – und einen Monat vor der Europawahl und bei der derzeitigen Nachrichtenlage verspricht das ziemlich gute Satire.
Wer die Sendung verpasst, muss sich in der Mediathek die nötige Dosis abholen.


TV-Tipp für den 28. April: Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne

April 28, 2014

ZDFneo, 20.15/21.00
Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne (Großbritannien 2013, Regie: Ian Barber)
Drehbuch: Tahsin Guner (Episode 1), Rachel Flowerday (Episode 2)
Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday
LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton
Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb verglich ich beim Ansehen der ersten beiden Folgen der neuen BBC-Serie „Father Brown“ Mark Williams, der den Geistlichen in der Serie spielt, auch immer mit Heinz Rühmann. Außerdem spielt die Serie in den Fünfzigern.
Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alex Guiness als Priester und die TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast bis vollkommen unbekannt.
Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalten den Geschichten zum Klassikerstaut. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten anhören musste.
Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.
In der ersten „Father Brown“-Episode, „Der Hammer Gottes“, wird während der Einweihungsfeier der neuen Glocken der Dorfkirche der allgemein unbeliebte Bruder von Pastor Wilfred mit einem Hammer erschlagen. Bevor die Polizei die Verdächtigen auseinandersortieren kann, gesteht Elizabeth Barnes, die Frau des Schmiedes, die von Norman Bohun zum Sex erpresst wurde, die Tat. Aber Father Brown zweifelt.
In „Die fliegenden Sterne“ stirbt Anne-Marie Adams. Father Brown hält einen Unfall für unwahrscheinlich, aber wer aus Anne-Maries Famile hat die Alkoholikerin getötet? Denn ihr nach langer Abwesenheit aus Nairobi gekommener Bruder, dem Father Brown am ehesten die Tat zutrauen würde, hat ein wasserdichtes Alibi.
Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet.
Zwanzig Fälle wurden in England bereits gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit. ZDFneo zeigt jetzt, immer in Doppelfolgen, die erste, aus zehn Episoden bestehende Staffel.
Am 30. Mai veröffentlicht Polyband die erste Staffel auf DVD.
Früher hätte das ZDF die Serie im Vorabendprogramm gezeigt. Aber da ermitteln inzwischen ja die verschiedenen Sokos.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine)
Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover
Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


TV-Tipp für den 27. April: Unknown Identity

April 26, 2014

RTL, 20.15/23.15

Unknown Identity (Japan/Kanada/USA/Deutschland 2010, Regie: Jaume Collet-Serra)

Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell

LV: Didier van Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)

Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.

Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.

mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Unknown Identity“

Rotten Tomatoes über “Unknown Identity”

Wikipedia über “Unknown Identity” (deutsch, englisch)

Homepage von Didier van Cauwelaert

Meine Besprechung von Didier van Cauwelaerts Roman “Unknown Identity”

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)


TV-Tipp für den 26. April: Kiss Kiss, Bang Bang

April 26, 2014

Eins Festival, 21.45

Kiss Kiss, Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Sonntag, 27. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel
–
DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand