TV-Tipp für den 20. November: Im Westen nichts Neues

November 19, 2023

Arte, 20.15

Im Westen nichts Neues (All quiet on the western front, USA 1930)

Regie: Lewis Milestone

Drehbuch: Del Andrews, Maxwell Anderson, George Abbott, Lewis Milestone

LV: Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, 1928

Deutschland, 1915: Paul Bäumer und seine Mitschüler melden sich, angestiftet von einer Kampfrede ihres Lehrers, begeistert zum Fronteinsatz. Schon während der Ausbildung werden ihnen die Träume über das heldenhafte Soldatenleben ausgetrieben. Dann kommen sie an die Westfront – als Kanonenfutter.

Klassiker des Antikriegsfilm, der den Oscar als bester Film des Jahres erhielt und der mich, als ich ihn als Teenager sah, wirklich beeindruckte. Denn er war (und ist) wirkungsvoller und brutaler als viele neuere Filme.

Ebenfalls beeindruckend ist die Zensurgeschichte. Denn schon kurz nach der Uraufführung wurde der Film beschnitten. In Deutschland wurde nur eine gekürzte Version gezeigt, die dennoch sofort das Hassobjekt der Nazis wurde. Die SA störte Aufführungen des antideutschen Films und schon wenige Tage nach seiner deutschen Premiere war er verboten. In „Skandalfilme“ zeichnet Stefan Volk diese Geschichte genau nach.

Danach, um 22.25 Uhr, zeigt Arte Sam Peckinpahs Weltkrieg-II-Film „Steiner – Das Eiserne Kreuz“.

Mit Lew Ayres, Louis Wolheim, John Wray, ‚Slim‘ Summerville, Russell Gleason

Wiederholung: Mittwoch, 22. November, 14.15 Uhr

Die Vorlage

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues

(herausgegeben und mit Materialien versehen von Thomas F. Schneider)

Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014

464 Seiten

11 Euro (Taschenbuch)

9,99 Euro (E-Book)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Westen nichts Neues“

Wikipedia über „Im Westen nichts Neues“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edward Berges Erich-Maria-Remarque-Verfilmung „Im Westen nichts Neues“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 19. November: Clint Eastwood – Der Letzte seiner Art

November 18, 2023

Arte, 22.10

Clint Eastwood – Der letzte seiner Art (La dernière légende, Frankreich 2022)

Regie: Clélia Cohen

Drehbuch: Clélia Cohen

Neue siebzigminütige Doku über Clint Eastwood, der „Fremde ohne Name“, der später „Erbarmungslos“ zu „Dirty Harry“ wurde.

„knappen, aber profunden Analyse“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte den Agententhriller „Im Auftrag des Drachen“. Von und mit Clint Eastwood und der Eigernordwand.

Hinweise

Arte über die Doku

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Wuxia-Klassiker „Dragon Inn“

November 18, 2023

Während der Ming-Dynastie treffen in der Herberge zum Drachentor mehrere verfeindete Gruppen aufeinander. Auf der einen Seite sind Gefolgsleute des von Obereunuch Zhao hingerichten Generals Yu. Sie wollen Yus Kinder auf dem Weg ins Exil beschützen. Auf der anderen Seite sind Zhaos Gefolgsleute, die Yus Kinder töten sollen.

Die Prämisse und die von Mißtrauen geprägte Atmosphäre in der einsam gelegenen Herberge erinnern an Quentin Tarantinos Schneewestern „The Hateful 8“. Nur dass King Hus „Dragon Inn“ schon Jahrzehnte vor Tarantinos Western entstand. „Dragon inn“ ist das Original und Quentin Tarantino verarbeitete etliche Elemente von King Hus Film in seinem Werk.

Dragon Inn“ war 1967 in Korea, Taiwan, den Philippinen und Hongkong ein gigantischer Kinohit und, rückblickend, der Film, der das Wuxia-Genre definierte. Seitdem versteht man unter Wuxia-Filmen in der Vergangenheit oder in Fantasielandschaften (wobei das eine das andere nicht ausschließt) spielende Geschichten von tapferen Kämpfern, die alle im Raum befindenden Gegenstände zu einer tödlichen Waffe verwandeln können und die sich scheinbar schwerelos bewegen. Immer sind sie überragende Faust- und Schwertkämpfer. Entsprechend beeindruckend sind die epischen Kampfszenen.

Neuere populäre Wuxia-Filme sind Zhang Yimous „Hero“ und „House of Flying Daggers“ und Ang Lees „Tiger and Dragon“/“Crouching Tiger, Hidden Dragon“.

Seine deutsche Premiere hatte „Dragon Inn“ 1989 im ZDF als „Die Herberge zum Drachentor“.

Jetzt bringt Rapid Eye Movies Hus Martial-Arts Film im Rahmen ihrer uneingeschränkt lobenswerten monatlichen „Zeitlos“-Reihe in der vom Taiwan Film Institut restaurierten 4K-Fassung erstmals regulär in die Kinos. Die vielen Landschaftsaufnahmen, die auch gut in einen Western oder epischen Fantasy-Film passen würden, sind für die große Leinwand komponiert. Die Kämpfe sind heute immer noch beeindruckend.

Nächsten Monat, ab dem 21. Dezember, zeigt Rapid Eye Movies in der „Zeitlos“-Reihe King Hus nächsten Film, den auch hier bekannten Klassiker „A Touch of Zen“.

Dragon Inn (Dragon Inn/Lung Men K’I Chan, Taiwan 1967)

Regie: King Hu

Drehbuch: King Hu

mit Lingfeng Shangguan, Chun Shih, Ying Bai, Feng Hsu

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

auch bekannt als „Die Herberge zum Drachentor“ (TV-Titel)

Hinweise

Rapid Eye Movies über „Dragon Inn“

Moviepilot über „Dragon Inn“

Metacritic über „Dragon Inn“

Rotten Tomatoes über „Dragon Inn“

Wikipedia über „Dragon Inn“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. November: Diva

November 17, 2023

RBB, 23.30

Diva (Diva, Frankreich 1981)

Regie: Jean-Jacques Beineix

Drehbuch: Jean-Jacques Beineix, Jean van Hamme

LV: Delacorta (Pseudonym von Daniel Odier): Diva, 1979 (Diva)

Postbote Jules besitzt zwei Tonbänder, für die einige Menschen morden. Auf dem einen Tonband ist der von ihm heimlich aufgenommene Mitschnitt eines Konzerts einer von ihm verehrten Operndiva, die keine Aufnahmen von ihrem Gesang will. Auf dem anderen Tonband ist das Geständnis eines Callgirls, das einige ihrer Kunden belastet.

Beinix bildgewaltiger, zitatenreicher Debütfilm war in den USA ein Überraschungserfolg und wurde danach auch in Europa zu einem Kultfilm.

‚Diva‘ ist ein ganz und gar modischer Film für ein Großstadtpublikum. (…) Elegant zwischen Kitsch und Kunstfertigkeit balancierend, macht der Film im Kino großen Spaß.“ (Fischer Film Almanach 1984)

‚Diva‘ ist ein aufregendes Werk, eine Mischung aus Märchen, Romanze und Thriller: Oper, Pop und schräge Typen in einem höchst stilisierten Kriminalfilm.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Mit Frédéric Andrei, Wilhelmenia Wiggins Fernandez, Roland Bertin, Richard Bohringer, Gérard Darmon

Hinweise

Homepage von Daniel Odier (aka Delacorta)

AlloCiné über „Diva“

Rotten Tomatoes über „Diva“

Wikipedia über „Diva“ (deutsch, englisch, französisch) und Daniel Odier (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Thanksgiving“ à la Eli Roth

November 17, 2023

Als 2007 die blutigen B-Pictures „Planet Terror“ und „Death Proof – Todsicher“ als Grindhouse-Double-Feature in die Kinos kamen, gab es zwischen den Filmen einige Trailer für kommende Filme. Es waren Fake-Trailer, die auf echte und scheinbar echte Exploitation-Filme anspielten – und in einigen Fällen die, uh, Inspiration für echte Spielfilme, wie „Machete“, waren.

Bei „Thanksgiving“, einem weiteren Fake-Trailer des Grindhouse-Double-Features, dauerte es sechzehn Jahre. Deshalb ist der jetzt, wenige Tage vor Thanksgiving, gestartete Horrorfilm „Thanksgiving“ nicht der Film zum Trailer, sondern eine Art Reboot. Im Presseheft erklärt Eli Roth das so: „We began with the working premise that Thanksgiving 1980 was the film the Grindhouse trailer was made from, and it was so shocking that every print was destroyed, and the only element that survived was the one trailer. The new film we were making would be the reboot of that movie, starting again from scratch, but cherry picking elements we knew would work in the story we were telling today.”

Ausgehend von dieser Idee einer Neuimagination eines verschollenen Films wurde die Geschichte in die Gegenwart verlegt. Es gibt Überwachungskameras und Smartphones, die wichtig für die Filmgeschichte sind. Der Cast ist sicher ethnisch gemischter als in einem 1980er-Slasherfilm. Und damals, also 1980, hätte der diesjährige „Sexiest Man Alive“ höchstens als Teenager spielen können.

Thanksgiving“ beginnt mit einem Thanksgiving-Black-Friday, bei dem in Plymouth, Massachusetts der „RightMaRT“ von den kaufwütigen Kunden verwüstet wird und mehrere Menschen einen qualvollen Tod sterben.

Ein Jahr später plant der Chef des „RightMaRT“ trotzdem einen weiteren Black-Friday-Verkaufsabend. Auch als ein als ‚John Carver‘ maskierter Killer duch die Kleinstadt zieht und Menschen bestialisch zweiteilt, köpft, kocht und noch auf einige andere Arten umbringt, sollen die örtlichen Thanksgiving-Festivitäten und der verkaufsoffene Abend nicht abgesagt werden.

Anscheinend hat der Killer es bei seiner Mordserie auf die Menschen abgesehen, die irgendetwas mit dem Thanksgiving-Massaker zu tun hatten. Dazu gehören auch – wie es sich für einen zünftigen Slasher-Film gehört – etliche Jugendliche. In diesem Fall sind es die Tochter des Einzelhändlers und ihre Clique, die schon vor der Öffnung durch den Hintereingang in den Laden gelangten. Wobei auch einer der Jugendlichen sich hinter der ‚John Carver‘-Maske verstecken könnte.

Während der Killer sich durch die Kleinstadt mordet, versucht Sheriff Newton (Patrick Dempsey, der „Sexiest Man Alive“) ihn zu schnappen.Hauptsächlich sind er und seine Männer mit dem Einsammeln der Leichenteile beschäftigt.

Die Story hält genau das, was der Fake-Trailer und der originale Tralier versprechen. „Thanksgiving“ ist ein blutiges und schwarzhumoriges Slasher-Fest, bei dem das Blut spritzt und die Gedärme, gut sichtbar, aus den mit der Axt geöffneten Körpern hervorquellen. „Hostel“-Regisseur Eli Roth hat beim Austoben in seinem Horror-Kinderzimmer erkennbar seinen Spaß. „We came of age in the early 80s, the golden era of the holiday slasher movie. ‚Black Christmas‘, ‚Halloween‘, ‚My Bloody Valentine‘, ‚April Fool’s Day‘, ‚New Year’s Evil’… When we saw ‚Silent Night, Deadly Night‘, we cheered the mayhem while the Santa Claus killer yelled, ‘PUNISH!’”

Jetzt kann eine neue Generation von Horrorfans kreischen, wenn eine Frau in eine Mülltonne springt und dabei in der Höhe ihres Bauchnabels in zwei Teile geteilt wird. Oder wenn der maskierte Killer das Programm eines Umzugs ändert. Roth zeigt das immer mit viel Liebe zum groteskem Detail und einer ordentlichen Portion Schwarzen Humors.

Nachdem seine letzten Kinofilme, unter anderem die Gurke „Death Wish“ und der Kinderfilm „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ enttäuschten, kehrt Roth mit seinem neuen Film zu seinen Wurzeln zurück. Dabei beginnt er furios mit einer Black-Friday-Einkaufstour, die mühelos als eine satirisch hemmungslos überspitzte Kapitalsmuskritik gesehen werden kann. Und die Melissa McCarthys legendäre SNL-Supermarket-Spree in den Schatten stellt: 

Wer also Lust auf einen zünftigen 80er-Jahre-Slasher mit vielen blutigen Morden und schwarzem Humor hat, wird mit diesem Slasher-Film eine vergnügliche Zeit haben. Alle anderen, also die Feinfühligen, Schreckhaften und Zartbesaiteten, nicht. Die werden nach spätestens fünf Minuten den Kinosaal verlassen.

Thanksgiving (Thanksgiving, USA 2023)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Eli Roth, Jeff Rendell

mit Patrick Dempsey, Addison Rae, Milo Manheim, Jalen Thomas Brooks, Nell Verlaque, Rick Hoffman, Gina Gershon

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Thanksgiving“

Metacritic über „Thanksgiving“

Rotten Tomatoes über „Thanksgiving“

Wikipedia über „Thanksgiving“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Meine Besprechung von Eli Roths „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ (The House with a Clock in its Walls, USA 2018)


TV-Tipp für den 17. November: Der Fall Paradin

November 16, 2023

3sat, 00.05

Der Fall Paradin (The Paradine Case, USA 1947)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)

LV: Robert Hichens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)

Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradin verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise für ihre Schuld sind eindeutig.

„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.

P. S.: In der deutschen Fassung wurde aus ‚Paradine‘ ‚Paradin‘.

Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Fall Paradin“

Douglas Pye: In and Around The Paradine Case – Control, Confession and the Claims of Marriage (ein ausführlicher Artikel über den Film, erschienen bei Rouge Press)

Wikipedia über „Der Fall Paradin“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Hechts „Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum“ (2009)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ erzählt die Geschichte der zehnten Hunger-Games

November 16, 2023

Bislang kennnen wir Präsident Coriolanus Snow nur als alten Mann, der die Hunger Games verantwortet. In jedem Jahr kämpfen in diesen Spielen, zum Vergnügen der sensationshungrigen Masse, zufällig ausgewählte Jugendliche aus den zwölf Distrikten gegeneinander und bringen sich um. Katniss Everdeen aus dem zwölften Distrikt wird bei den 74. Hunger Games zum Star. In den folgenden Jahren bedroht sie die Herrschaft von Snow und beendet sie letztendlich.

Die drei „Die Tribute von Panem“-Young-Adult-Romane von Suzanne Collins, – „Tödliche Spiele“, „Gefährliche Liebe“ und „Flammender Zorn“ -, waren Bestseller. Die vier Filme – der letzte Teil der Trilogie wurde auf zwei Filme aufgeteilt – waren Hits. Und Katniss-Darstellerin Jennifer Lawrence ein Star.

Danach schrieb Suzanne Collins das Prequel „Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange“. Das Bestseller wurde jetzt von dem bewährten Team am bewährten Ort verfilmt. Ein großer Teil des Young-Adult-Actionfilms wurde im Studio Babelsberg und in Berlin an auch für Nicht-Einheimische erkennbaren Orten gedreht. Regisseur Francis Lawrence und Kameramann Jo Willems waren in die vorherigen drei „Die Tribute von Panem“-Filme als Regisseur und Kameramann dabei. Die Musik ist wieder von James Newton Howard und produziert wurde der Film, unter anderem, von Nina Jacobson. Newton und Jacobson sind seit dem ersten „Die Tribute von Panem“-Film dabei. Editor Mark Yoshikawa ist zum zweiten Mal dabei. Damit ist hinter der Kamera in jeder Beziehung für Kontinuität gesorgt. Die Hauptdarsteller wurden, aus nachvollziehbaren Gründen, ausgetauscht.

Tie Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ spielt vierundsechzig Jahre vor dem ersten „Die Tribute von Panem“-Film. Coriolanus Snow (Tom Blyth) ist ein junger Mann, der sich eine große Karriere erhofft. Der Achtzehnjährige ist intelligent, ehrgeizig und sieht gut aus. Nur mit den Finanzen und dem damit verbundenem gesellschaftlichem Ansehen hapert es. Er hofft, als Mentor für einen „Hunger Games“-Spieler, einen weiteren wichtigen Karriereschritt zu absolvieren.

Allerdings wurden bei den jetzt stattfindenden zehnten Hunger Games plötzlich die Regeln geändert. Er passt sich an und versucht sie weiter zu seinen Gunsten zu ändern. Und er muss Lucy Gray Baird (Rachel Zegler) zum Sieg führen. Lucy kommt aus dem verarmten zwölften Distrikt. Sie ist eine begnadete Sängerin und sehr eigensinnig. Schnell erkennt sie, dass sie das in einer Gladioatorenarena stattfindende Töten-oder-getötet-werden-Spiel nur überleben kann, wenn sie mit Coriolanus zusammen arbeitet.

Mit 157 Minuten ist „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ der längste Film der Reihe. Das Prequel ist ein gelungener Blick in die Vergangenheit von Panem, das allerdings an seiner Länge von gut drei Stunden und den schon immer ärgerlichen Konventionen von Young-Adult-Dystopien leidet.

Die Welt von Panem ist eine Retro-Dystopie, die hier wie ein leicht upgedateter Mix aus George Orwells „1984“, Drittem Reich und Kalter-Krieg-Ostblock aussieht. Die Gesellschaft ist in eine prosperierende Hauptstadt und ländliche, teils verarmte Distrikte unterteilt. Die Gesellschaft ist, soweit erkennbar, eine Ständegesellschaft. In ihnen wird mit strenger Hand und einer gnadenlosen Auswahl regiert. Es ist eine Welt, in der niemand leben möchte. Die Hauptfiguren sind junge Erwachsene, die um ihr überleben kämpfen müssen. Dabei sind in „The Ballad of Songbirds & Snakes“ die Spiele noch sehr einfach gehalten. In einer Arena müssen sie sich umbringen. Gewonnen hat, wer überlebt.

Alles in dieser Young-Adult-Dystopie ist auf ein Teenager-Publikum zugeschnitten. Dementsprechend ist alles immer eine Spur zu plakativ und naiv.

Ein weiteres Problem ist die Länge. Anstatt den sechshundertseitigen Roman radikal für die Verflmung zu überarbeiten (was wahrscheinlich bei den Fans für entsetzte Aufschreie sorgen würde) oder ihn in zwei Filmen zu verfilmen, wurde er jetzt als Ganzes verfilmt. Und das war keine gute Entscheidung. Nach dem Ende des zehnten Hunger Games und damit nach gut zwei Stunden Filmzeit, hätten die Macher den Film, mit einem kleinen Cliffhanger, gut beenden können. Das wäre ein guter Young-Adult-Actionfilm mit einer stringenten Spannungskurve geworden.

Aber sie erzählen im dritten Teil des Films (der deutlich länger als ein normaler dritter Filmakt ist), ohne einen eindeutigen erzählerischen Fokus, die Geschichte von Coriolanus und Lucy Gray, die jetzt im Wald und am See endgültig zum Liebespaar werden, weiter. Entsprechend zäh und auch uninteressant gestaltet sich dieser dritte Teil. Immerhin erfahren wir in diesen Minuten mehr über das Leben im zwölften Distrikt.

Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ ist ein guter zweistündiger Young-Adult-Film mit einem überlangem Epilog, der einem die ganze Lust am Film nimmt.

Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes (The Hunger Games: The Ballad of Songbirds and Snakes, USA 2023)

Regie: Francis Lawrence

Drehbuch: Michael Lesslie, Michael Arndt

LV: Suzanne Collins: The Ballad of Songbirds and Snakes – A Hunger Game Novel, 2020 (Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange)

mit Tom Blyth, Rachel Zegler, Hunter Schafer, Jason Schwartzman, Peter Dinklage, Viola Davis, Josh Andrés Rivera, Hunter Schafer, Fionnula Flanagan

Länge: 157 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“

Moviepilot über „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“

Metacritic über „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“

Rotten Tomatoes über „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“

Wikipedia über „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds & Snakes“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Francis Lawrences „Die Tribute von Panem – Catching Fire“ (The Hunger Games: Catching Fire, USA 2013)

Meine Besprechung von Francis Lawrences „Red Sparrow“ (Red Sparrow, USA 2018)


TV-Tipp für den 16. November: Suburra – 7 Tage bis zur Apokalypse

November 15, 2023

Servus TV, 22.40

Suburra (Suburra, Frankreich/Italien 2015)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Carlo Bonini, Giancarlo de Cataldo, Sandro Petraglia, Stefano Rulli

LV: Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra, 2013 (Suburra)

Rom, November 2011: der konservative Abgeordnete Malgradi (laut Roman „ein Musterbeispiel christlicher Lebensführung“) will für Roms Mafiapaten ein Gesetz durchbringen, das ihm ein großes Bauprojekt in Ostia ermöglicht. Dummerweise hat der Politiker gerade Probleme mit einer Prostituierten, die starb, während er in einem Hotelzimmer Sex mit ihr hatte.

Ein großartiges Sittenporträt der italienischen Gesellschaft, ein Gangsterthriller und ein Polit-Thriller in schönster italienischer Tradition.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Pierfrancesco Favino, Elio Germano, Claudio Amendola, Alessandro Borghi, Greta Scarano, Giuila Elettra Gorietti, Antonello Fassari, Jean-Hugues Anglade

Wiederholung: Freitag, 17. November, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Die DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1

Ton: Deutsch, Italienisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Hinter den Kulissen, Bildergalerie, mehrere Trailer

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Suburra von Giancarlo de Cataldo

Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Suburra

(übersetzt von Karin Fleischanderl)

Heyne, 2016

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Folio Verlag, Wien/Bozen, 2015

Originalausgabe

Suburra

Giulio Einaudi editore, Turin, 2013

Hinweise

Moviepilot über „Suburra“

Rotten Tomatoes über „Suburra“

Wikipedia über „Suburra“ (deutsch, englisch, italienisch [mit den Tagen bis zur Apokalypse])

Perlentaucher über den Roman „Suburra“

Meine Besprechung von „Romanzo Criminale – Staffel 1“

Meine Besprechung von „Romanzo Criminale – Staffel 2“

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Suburra“ (Suburra, Frankreich/Italien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Sicario 2“ (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018)


TV-Tipp für den 15. November: Clockwork Orange – Im Räderwerk der Gewalt

November 14, 2023

Arte, 21.40

Clockwork Orange – Im Räderwerk der Gewalt (Frankreich 2023)

Regie: Benoit Felici, Elisa Mantin

Drehbuch: Benoit Felici, Elisa Mantin

TV-Premiere. Knapp einstündige Doku über den Roman von Anthony Burgess, die Verfilmung von Stanley Kubrick und die Skandale und Diskussionen, die der Film und der Roman entfachten. Inzwischen sind der Roman und die Verfilmung Klassiker. Wer sie noch nicht kennt, sollte das schnellstmöglich ändern. 

Die Doku konzentriert sich dabei auf den Roman. Sie „führt an den Ursprung des Skandals zurück und beleuchtet das Werk mit Hilfe des von Burgess hinterlassenen, unveröffentlichten Manuskripts „The Clockwork Condition“. (…) Er brachte darin seine Bedenken über die Auswirkungen der Technologie auf die Menschheit und sein Misstrauen gegenüber Medien, Film und Fernsehen zu Papier.“ (Arte zur Doku)

Leider zeigt Arte Kubricks grandiose Verfilmung nicht vorher oder nachher.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 12. Mai 2024 in der Mediathek)

Wikipedia über „Uhrwerk Orange“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony Burgess‘ „Clockwork Orange – Die Urfassung“ (A Clockwork Orange – The Restored Edition, 2012)

Meine Besprechung von Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ (A Clockwork Orange, Großbritannien 1971)


TV-Tipp für den 14. November: Mach’s noch einmal, Sam

November 13, 2023

HR, 00.00 (Mitternachtskino)

Mach’s noch einmal, Sam (Plat it again, Sam, USA 1972)

Regie: Herbert Ross

Drehbuch: Woody Allen (nach seinem Theaterstück)

Der New Yorker Filmkritiker Allan wird von seiner Frau verlassen. Die Suche nach einer neuen Freundin gestaltet sich schwierig. Erst als sein Idol Humphrey Bogart ihn berät, scheint sich das Blatt zu wenden.

Woody Allen sagte über „Mach’s noch einmal, Sam“, es sei „die autobiographische Geschichte eines Verliebten mit ungeheuren Komplexen. Die Anhäufung von Themen, die mich faszinieren, Sex, Ehebruch, neurotische Liebe, Angst. Dennoch ist es eine Komödie im strengsten Sinn des Wortes, ohne ein ernsthaftes Element.“

Außerdem ist es Woody Allens erste Liebeserklärung an den Film.

Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Jerry Lacy, Susan Anspach

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mach’s noch einmal, Sam!“

Wikipedia über „Mach’s noch einmal, Sam“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens “Irrational Man” (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Meine Besprechung von Woody Allens „A rainy Day in New York“ (A rainy Day in New York, USA 2019)

Meine Besprechung von Woody Allens „Rifkin’s Festival“ (Rifkin’s Festival, USA 2020)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 13. November: Die Spur des Fremden

November 12, 2023

Arte, 20.15

Die Spur des Fremden (The Stranger, USA 1946)

Regie: Orson Welles

Drehbuch: Anthony Veiller, Victor Trivas (Adaptation), Decla Dunning (Adaptation), Orson Welles (ungenannt), John Huston (ungenannt) (nach einer Geschichte von Victor Trivas)

Nach dem Krieg lebt der Kriegsverbrecher Franz Kindler als Charles Rankin in einer Kleinstadt in Neuengland. Dort ahnt niemand, dass der geachtete Geschichtslehrer Rankin ein Nazi und einer der Planer des Völkermords war. Am Vorabend von Rankins Hochzeit mit der Tochter eines Richters tauchen zwei Fremde, ein alter Kampfgefährte und ein Nazijäger, auf. Beide könnten sein neues Leben gefährden.

Seit fünfzehn Jahren nicht mehr im TV gezeigter Noir.

Orson Welles hält „Die Spur des Fremden“ für seinen schlechtesten Film. Das lag sicher auch daran, dass er bei diesem Film keinerlei künstlerische Freiheiten hatte und das Drehbuch bei beschränktem Budget verfilmen musste. Hätte er sich nicht daran gehalten, wäre ihm die Regie entzogen worden. Die Hauptrolle hätte er trotzdem spielen müssen. „Die Spur des Fremden“ ist auch sein erfolgreichster Film. Und es ist ein ziemlich guter Film. Auch wenn er nicht so bekannt ist, wie die Klassiker von Orson Welles („Citizen Kane“).

Sein nächster Film war „Die Lady von Shanghai“

In Deutschland wurde „Die Spur des Fremden“ erst im Februar 1977 gezeigt. Immerhin im Kino.

mit Orson Welles, Loretta Young, Edward G. Robinson, Philip Merivale, Richard Long, Byron Keith

Wiederholung: Dienstag, 14. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Spur des Fremden“

Wikipedia über „Die Spur des Fremden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Orson Welles’ “Im Zeichen des Bösen” (Touch of Evil, USA 1958)


TV-Tipp für den 12. November: Der Stellvertreter

November 11, 2023

Arte, 20.15

Der Stellvertreter (Amen., Frankreich/Deutschland 2002)

Regie: Constantin Costa-Gavras

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter, 1963 (Theaterstück)

Als der gläubige Christ und SS-Mann Kurt Gerstein erfährt, wozu in den KZs Zyklon B verwendet wird, ist er entsetzt und wendet sich hilfesuchend an die katholische Kirche.

Costa-Gavras Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Rolf Hochhuth über die Rolle des Vatikans während des Zweiten Weltkriegs kam bei der damaligen deutschen Kritik nicht so gut an. Vor allem das Theaterhafte wurde bemängelt.

In Frankreich erhielt er, unter anderem einen César für das beste Drehbuch und er war als bester Film nominiert.

mit Ulrich Tukur, Mathieu Kassovitz, Ulrich Mühe, Michel Duchaussoy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Stellvertreter“

Wikipedia über „Der Stellvertreter“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. November: Leto

November 10, 2023

RBB 23.30

Leto (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Regie: Kirill Serebrennikow

Drehbuch: Mikhail Idov, Lily Idova, Kirill Serebrennikow

Sehenswertes Biopic über Viktor Zoi (1962 – 1990), der mit seinen regimekritischen Texten zu einem Idol der sowjetischen Jugend wurde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Roma Zver, Irina Starshenbaum, Teo Yoo

Hinweise

Moviepilot über „Leto“

Metacritic über „Leto“

Rotten Tomatoes über „Leto“

Wikipedia über „Leto“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kirill Serebrennikows „Leto“ (Leto, Russland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Kirill Serebrennikows Alexei-Salnikow-Verfilmung „Petrov’s Flu – Petrow hat Fieber“ (Petrovy v grippe, Russland/Frankreich/Deutschland/Schweiz 2021)


TV-Tipp für den 10. November: Die Truman Show

November 9, 2023

ZDFneo, 22.00

Die Truman Show (The Truman Show, USA 1998)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: Andrew Niccol

Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.

Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.

„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Truman Show“

Wikipedia über „Die Truman Show“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Truman Show” von Andrew Niccol

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)

Meine Besprechung der “Peter Weir Collection” (mit “Die Autos, die Paris auffrassen”, “Picknick am Valentinstag”, “Die letzte Flut” und “Wenn der Klempner kommt”)


Neu im Kino/Filmkritik: „Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach“, ein Porträt

November 9, 2023

Tastenarbeiter – was für ein deutsches Wort. Nicht Pianist oder Klavierspieler, sondern ein Tastenarbeiter ist Alexander von Schlippenbach. Das klingt nach harter, freudloser Arbeit in irgendeiner Maschinenhalle. Es hat einen teutonischen Beiklang, der Assoziationen an Maschinenlärm und Marschmusik weckt. Und nichts könnte bei Alexander von Schlippenbach falscher sein. Er ist nämlich einer der ganz großen Musiker des Free Jazz und damit auch des deutschen Free Jazz. Der am 7. April 1938 in Berlin geborene und immer noch dort (in meiner unmittelbaren Nachbarschaft) lebende Pianist ist vor allem bekannt für seine Kompositionen und Leitungen großer Free-Jazz-Orchester, namentlich das Globe Unity Orchestra und das Berlin Contemporary Jazz Orchestra. In beiden Großgruppen spielen und spielten die großen Improvisatoren des Free Jazz, wie Willem Breuker, Gunter Hampel, Steve Lacy, Albert Mangelsdorff, Evan Parker, Tomasz Stanko und Kenny Wheeler, mit. Während diese Free-Jazz-Bigband-Musik, wenn sie nicht in atonalen Krach versumpfen soll, schon immer nach vorstrukturierten Abläufen und der ordnenden Hand eines Dirigenten verlangte, frönt von Schlippenbach in kleineren Gruppen, unter anderem mit seiner Frau Aki Takase, das freie Spiel. Oder er nimmt einfach einmal das Gesamtwerk von Thelonious Monk neu auf.

Seit den frühen sechziger Jahren blieb er sich, wie zahlreiche Studio- und Live-Mitschnitte zeigen, musikalisch treu. Verbogen hat er sich nur am Klavier. Wobei auch dort, wenn man sich Bilder von ihm aus den Sechzigern und der Gegenwart ansieht, seine Haltung immer die gleiche blieb. Immer scheint er im Klavier zu versinken.

In seinem Porträt „Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach“ zeigt Tilman Urbach den Künstler bei der Arbeit und, allein und mit musikalischen Weggefährten, in Erinnerungen schwelgen. Außerdem unterhielt Urbach sich mit Jost und Dagmar Gebers. Jost Gebers ist für das von ihm 1969 als Kollektiv mitgegründete und später geleitete Label FMP (Free Music Production) und das Total Music Meeting und der damit verbundenen jahrzehntelangen akribischen und umfassenden Dokumentation des deutschen (West- und Ostdeutschland), europäischen und weltweiten Free Jazz bekannt.

Tastenarbeiter“ ist ein liebevolles Porträt das von Schlippenbach in der Gegenwart zeigt und tief in die sechziger und siebziger Jahre eintaucht. Damals war improvisierte Musik immer auch eine Auseinandersetzung mit der Politik und der politischen Stimmung. Längere Ausschnitte aus Konzerten und Improvisationen mit verschiedenen Musikern in verschiedenen Studios runden das Porträt ab. Die ältesten Konzertausschnitte sind aus den sechziger Jahren.

Allerdings bleibt Urbach in seinem konventionell gemachtem Dokumentarfilm bei der Selbstbeschreibung der Musiker stehen. Sie reden über sich und die Musik, die sie damals und heute spielen. Es fehlt eine objektive Perspektive, die von Schlippenbachs Werk und Wirken in die Musikgeschichte einordnet.

Ärgerlich und rätselhaft ist Urbachs Verzicht auf Textinserts. Denn wer Urbachs Gesprächspartner nicht kennt, hat keine Ahnung, wer gerade redet, was er gemacht hat und warum er wichtig ist. Denn wer weiß schon, wie der am 15. September 2023 verstorbene Jost Gebers aussah?

Das sind für gestandene Jazzfans (und die sind eindeutig das Zielpublikum dieser Dokumentation) kleinere Mängel. Mit „Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach“ dürfen sie sich sogar über die nächste gelungene Jazzdokumentation innerhalb weniger Wochen freuen, die nicht noch einmal einen der großen, allseits bekannten Stars abfeiert.

Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach (Deutschland 2023)

Regie: Tilman Urbach

Drehbuch: Tilman Urbach

mit Alexander von Schlippenbach, Aki Takase, Günter „Baby“ Sommer, Manfred Schoof, Jost Gebers, Dagmar Gebers, Vincent von Schlippenbach (alias DJ Illvibe)

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach“

Moviepilot über „Tastenarbeiter – Alexander von Schlippenbach“

Wikipedia über Alexander von Schlippenbach (deutsch, englisch)

Homepage von Alexander von Schlippenbach

AllMusic über Alexander von Schlippenbach

Bonusmaterial: ein Konzert von Alexander von Schlippenbach (p) mit Evan Parker (sax) und Paul Lytton (dr), aufgenommen am 13. Dezember 2019 in Linz im C. Bechstein Centrum


TV-Tipp für den 9. November: Eine Frau mit berauschenden Talenten

November 8, 2023

WDR, 23.45

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) kommt als schlecht bezahlte Übersetzerin für das Pariser Drogendezernat gerade so über die Runden. Als sie bei einem Telefonat von einem großen Drogendeal erfährt, in den der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter involviert ist, hat sie eine Idee. Kurz darauf hat sie anderthalb Tonnen Haschich im Keller eines Mietshauses gelagert und sie beginnt die Drogen an die richtigen Männer zu verkaufen. Während die Polizei unbedingt die neue Drogengroßhändlerin schnappen will.

Wundervollen Krimikomödie zu einer berauschenden Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Die lesenswerte Vorlage

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Reichtum verpflichtet“ (Richesse oblige, 2020)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Die Gewerkschafterin“ ( La Syndicaliste, Frankreich/Deutschland 2022)


Neu im Kino/Filmkritik – und Buchtipp: Können „The Marvels“ das Universum retten?

November 8, 2023

Da isser: der 33. MCU-Film und der dritte Film der fünften Phase, die auch Multiverse Saga heißt. Wobei das Multiverse in „The Marvels“, abgesehen von der Szene im Abspann, keine Rolle spielt. Das ist, angesichts der bislang weitgehend vergurkten Ausflüge ins Multiverse gut so. Die Länge ist mit insgesamt 105 Minuten sympathisch kurz. Es ist sogar der kürzeste MCU-Film. Allerdings ist so eine Länge bei einem Blockbuster immer auch ein Hinweis auf Probleme während der Produktion.

In „The Marvels“ öffnet Dar-Benn (Zawe Ashton), eine außerirdische Kree-Wissenschaftlerin, mehrere Portale. Durch diese Wurmlöcher kann in Sekundenbruchteilen durch das Universum gereist oder Gegenstände transportiert werden. Um ihre finsteren Pläne zu verwirklichen, braucht Dar-Benn einen zweiten Armreif. Auf ihrer Suche danach könnte sie so viele Portale öffnen, dass das gesamte Universum instabil wird.

Als ‚Captain Marvel‘ Carol Danvers (Brie Larson), ‚Ms. Marvel‘ Kamala Khan (Iman Vellani) und S.A.B.E.R.-Astronautin Captain Monica Rambeau (Teyonah Parris) zufällig, an verschiedenen Orten, so ein Portal berühren, gehen ihre Lichtkräfte eine ungeplante Verbindung ein. Wenn sie jetzt ihre Kräfte benutzen, tauschen sie ihre Position. Also Danvers ist dann an dem Ort, an dem vorher Khan war; Khan ist an dem Ort, an dem Danvers war und Rambeau hat möglicherweise ebenfalls ihren Ort mit Danvers oder Khan getauscht. Das sorgt anfangs, wenn sie gleichzeitig an verschiedenen Orten im Weltall gegen Bösewichter kämpfen und nach jedem Schlag an einem anderen Kampfschauplatz sind, für etwas Amüsement. Schnell wird dieses Wechselspiel zu einem ermüdend-sinnfreiem, keiner offensichtlichen Regel gehorchendem Gimmick.

Um das Universum zu retten, schließen sich Danvers, Khan (die den zweiten Armreif als Schmuck trägt) und Rambeau zusammen, nennen sich „The Marvels“ und kämpfen gegen die scheinbar unbesiegbare Dar-Benn.

Die Story ist letztendlich ein banaler Gut-gegen-Böse-Kampf ohne irgendeine Überraschung. Präsentiert wird sie als eine endlose Klopperei, die in der Mitte unterbrochen wird von etwas Comedy im Raumschiff von Carol Danvers und einem Besuch auf dem Planeten Aladna, auf dem ständig gesungen wird und Danvers so etwas wie die allseits beliebte und verehrte Gattin des Herrschers ist (Fragt nicht, genauer wird es im Film nicht erklärt). Keiner Figur wird ein großer Auftritt zugebilligt. Keine Figur hat eine Geschichte. Die Flashbacks zum ersten „Captain Marvel“-Film sind so kurz, dass sie nur für die Menschen verständlich sind, die sich noch sehr gut an diesen Film erinnern. Weitere für „The Marvels“ wichtige Hintergrundgeschichten wurden in verschiedenen Streamingserien abgehandelt. Für „The Marvels“ gehen die Macher davon aus, dass „Ms. Marvel“, „WandaVision“ (für Monica Rambeaus Geschichte) und „Secret Invasion“ (Samuel L. Jackson ist wieder als Nick Fury dabei) gesehen wurden. Neben dem Spielfilm „Captain Marvel“ und den sich daran anschließenden Kurzauftritten von Carol Danvers in anderen Marvel-Filmen. Immerhin, und das ist dann wohl die gute Nachricht, müssen die andere Filme der fünften Phase für diesen Superheldenfilm nicht nachgeholt werden.

Keine Figur hat eine Entwicklung. Welche Figur welche Superkräfte hat, dürfte auch nach dem Film niemand wissen. Im Zweifelsfall können sie alle gut zuschlagen und ein gut platzierter Kinnhaken setzt den Gegner außer Gefecht. Das Tauschen der Orte beim Einsatz ihrer Kräfte erfolgt absolut willkürlich und beliebig. Immerhin bemühen die Macher sich auch nicht, uns das alles zu erklären.

Die Beziehungen der Figuren untereinander sind nicht existent. Nie entsteht bei den Marvels das Gemeinschaftsgefühl, das wir bei den Avengers oder den Guardians of the Galaxy hatten. Nämlich dass in dem Film eine Gruppe sich gegenseitig ergänzender und sich gut untereinander verstehender Figuren gemeinsam gegen einen Bösewicht kämpft. Es waren Kumpels, mit denen man gerne einen Kinoabend verbrachte. In „The Marvels“ sind es nur drei Frauen in einer Zwangsgemeinschaft, die lieber gestern als heute wieder getrennte Wege gehen würden.

Unabhängig von den kolportierten Problemen während der Produktion hatte ich nie den Eindruck, dass hier ein kohärentes Drehbuch verfilmt wurde. „The Marvels“ wirkt eher wie ein panisches Zusammenschneiden der irgendwie verwertbaren Teile von den Dreharbeiten, die mit viel sinnfreier Action und Katzen auf Spielfilmlänge gestreckt wurde.

Insofern reiht „The Marvels“ sich nahtlos in die vorherigen MCU-Filme ein.

The Marvels (The Marvels, USA 2023)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Megan McDonnell, Nia DaCosta, Elissa Karasik, Zeb Wells

mit Brie Larson, Teyonah Parris, Iman Vellani, Samuel L. Jackson, Zawe Ashton, Gary Lewis, Seo-Jun Park, Zenobia Shroff, Mohan Kapur, Saagar Shaikh

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Lektürehinweis

Wie schon bei einigen anderen DC- und Marvel-Superheldenfilmen veröffentlicht Panini Comics pünktlich zum Filmstart eine Anthologie über die Ursprünge und Veränderungen des in dem Buch porträtierten Helden oder, wie in diesem Fall, ‚Gruppe‘. Die Marvels sind in dem Buch ‚Captain Marvel‘ Carol Danvers, ‚Ms. Marvel‘ Kamala Khan und ‚Photon‘ Monica Rambeau. Ihren ersten Auftritt hatte ‚Captain Marvel‘ Carol Danvers 1968. Rambeau hatte 1982 in „Amazing Spider-Man Annual 16“ ihr Debüt als ‚Captain Marvel‘. Später und meisten hieß sie ‚Photon‘. Kamala Khan ist ein Fan von Captain America. Deshalb nennt sie sich ‚Ms. Marvel‘. Ihr erster Auftritt war 2013 in einem „Captain Marvel“-Comic. 2014 startete eine eigene Comicserie mit ihr.

Wie und welche Irrungen und Wirrungen sie seit 1968 in den Comics erlebten und wie verschiedene Autoren und Zeichner die Frauen immer wieder an den Zeitgeist anpassten, kann in „The Marvels: Durch alle Zeiten – Die Marvels-Anthologie“ mit kundigen Einführungen zu den jeweiligen Geschichten und den ausgewählten Geschichten nachgelesen werden. Der neueste Nachdruck ist ein „Captain Marvel“-Comic von 2019.

Auch dieser Sammelband ist, wie die in den vergangenen Jahren erschienenen Anthologie-Bänden, eine äußerst lesenswerte, kurzweilige und informative Einführung in die Geschichte der porträtierten Figur.

The Marvels: Durch alle Zeiten – Die Marvels-Anthologie

Panini Comics, 2023

320 Seiten

35 Euro

Hinweise

Moviepilot über „The Marvels“

Metacritic über „The Marvels“

Rotten Tomatoes über „The Marvels“

Wikipedia über „The Marvels“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nia DaCostas „Candyman“ (Candyman, USA 2021)

Meine Besprechung von Anna Boden/Ryan Flecks „Captain Marvel“ (Captain Marvel, USA 2019)


TV-Tipp für den 8. November: All is lost – Überleben ist alles

November 7, 2023

Arte, 20.15

All is lost – Überleben ist alles (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

Großartiger Quasi-Stummfilm mit Robert Redford als Segler, dessen Schiff im Ozean von einem Container gerammt wird und unerbittlich sinkt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit vielen Videoclips).

mit Robert Redford

Wiederholung: Montag, 13. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „All is lost“ (All is lost, USA 2013)

Meine Besprechung von J. C. Chandors „A most violent Year“ (A most violent Year, USA 2014)


TV-Tipp für den 7. November: Jean Seberg – Against all Enemies

November 6, 2023

Servus TV, 20.15

Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, USA 2019)

Regie: Benedict Andrews

Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse

1968 trifft die Schauspielerin Jean Seberg („Außer Atem“) den Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal. Sie verlieben sich. Sie werden vom FBI beobachtet, das eine Rufmordkampagne gegen sie startet.

Biopic mit einer gewohnt überzeugenden Kristen Stewart in der Hauptrolle, das ziemlich schnell zu einem mutlosen Film über die Gewissenskonflikte eines fiktiven FBI-Agenten wird. Da wäre mehr möglich gewesen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Anthony Mackie, Vince Vaughn

Wiederholung: Mittwoch, 8. November, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Metacritic über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Rotten Tomatoes über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Wikipedia über „Jean Seberg – Against all Enemies“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Benedict Andrews‘ „Jean Seberg – Against all Enemies“ (Seberg, USA 2019)


TV-Tipp für den 6. November: Vogelfrei

November 5, 2023

Arte, 22.05

Vogelfrei (Sans toit ni loi, Frankreich 1985)

Regie: Agnès Varda

Drehbuch: Agnès Varda

Ein Arbeiter findet an einem Wintermorgen im Straßengraben die Leiche einer jungen Landstreicherin. Aus den Aussagen der Menschen, die sie in den letzten Tagen trafen, zeichnet Agnès Varda Mona Bergerons Leben nach.

Sandrine Bonnaire, die für ihre Rolle als Mona ihren zweiten César erhielt, war danach international bekannt. Sie ist immer noch eine feste Größe im französischen Kino.

„Vogelfrei“ erhielt in Venedig den Goldenen Löwen.

„In ihrem vielleicht besten Film gelingt Agnès Varda ein erneuernder Ansatz des Autorenkinos, auf den sich offensichtlich auch das ‚große‘ Publikum einzulassen bereit ist.“ (Fischer Film Almanach 1987)

„regt die Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins unter gegenwärtigen zivilisatorischen und natürlichen Lebensbedingungen nachhaltig an.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein selten gezeigter Film.

Anschließend, um 23.45 Uhr, zeigt Arte die neue Dokumentation „Agnès Varda – Filmkunst gegen den Strom“ (Frankreich 2023) und um 00.50 Uhr Agnès Vardas keine-Ahnung-wann-der-zuletzt-im-Fernsehen-lief-Spielfilm „Die eine singt, die andere nicht“ (Frankreich 1976).

Mit Sandrine Bonnaire, Macha Méril, Yolande Moreau, Stéphane Freis, Martha Jarnias, Joel Fosse, Patrick Lepczynski

Hinweise

Arte über „Vogelfrei“ (dort findet ihr auch die Links zu weiteren Filmen von und über Agnès Varda, die in der Arte-Mediathek sind)

Rotten Tomatoes über „Vogelfrei“

Wikipedia über „Vogelfrei“ (deutsch, englisch, französisch)