Neu im Kino/Filmkritik: „Kinder des Zorns“ – Über Kurt Wimmers Versuch, eine Kurzgeschichte von Stephen King zu verfilmen

Dezember 14, 2023

Manchmal braucht es nicht viel für ein langlebiges Franchise. In diesem Fall ist es eine Kurzgeschichte von Stephen King, die die Inspiration gab für zwei einprägsame Bilder: die sich im US-amerikanischen Hinterland bis hinter den Horizont erstreckenden Maisfelder und besessene Kinder, die Erwachsene töten. Beispielswiese das Gebiet durchquerende Touristen.

1984 verfilmte Fritz Kiersch Kings Geschichte. Seine Verfilmung „Kinder des Zorns“ (Children of the Corn) spielte an der Kinokasse sein Geld ein. Die Begeisterung von Kritik und Publikum war überschaubar – und das hat sich seitdem nicht geändert. Niemand hält „Kinder des Zorns“ (1984) ernsthaft für einen irgendwie guten, herausragenden Film, den man sich angesehen haben muss.

Trotzdem gab es seitdem zehn weitere Filme, von denen acht als Fortsetzungen, die wenig bis nichts miteinander verbindet (außer der Sache mit dem Getreide), gelabelt werden, ein Remake und jetzt Kurt Wimmers Reboot, das auch mal als Prequel bezeichnet wird.

Sein Prequel/Reboot spielt in der Gegenwart und erzählt die Vorgeschichte zu Kierschs Film und auch zu Stephen Kings erstmals 1977 publizierter Kurzgeschichte „Kinder des Mais“ (Children of the Corn). Wimmer erzählt also, wie die titelgebenden „Kinder des Zorns“ (aka Children of the Corn aka Kinder des Mais) zu den Kindern des Zorns wurden.

Kurt Wimmer ist für Genrefans ein bekannter Name. Er inszenierte den tollen SF-Thriller „Equilibrium“, aber auch die SF-Gurke „Ultraviolet“. Als Autor war er in „Die Thomas Crown Affäre“, „Street Kings“, „Salt“ und „Total Recall“ (das überflüssige Remake) involviert.

Das hätte also etwas werden können.

Hätte.

Entstanden ist ein erstaunlich misslungener, langweiliger, nichtssagender, das Potential von Stephen Kings Kurzgeschichte hoffnungslos verschenkender Horrorfilm, Nie gelingt es Wimmer, die überschaubaren und einfachen Regeln und Strukturen seiner Welt, nachvollziehbar zu etablieren. Er spricht viele Themen an, ohne sie sinnvoll zu vertiefen oder in die Geschichte zu integrieren. Seine Figuren verhalten sich durchgehend widersprüchlich und oft unlogisch.

Im Zentrum der bestenfalls erahnbaren Filmgeschichte steht die siebzehnjährige Boleyn (Elena Kampouris). Sie will demnächst die Gegend verlassen und in Boston an der Universität Mikrobiologie studieren. Jetzt kümmert sie sich noch um ihren jüngeren Bruder Cecil (Jayden McGinlay), streift durch das Korn und begegnet Gleichaltrigen, die sich die Zeit mit teils gefährlichen Spielen vertreiben.

Die zwölfjährige Eden (Kate Moyer) ist die Anführerin der Jugendlichen. Sie stachelt sie später zu einer Mordserie an den Erwachsenen auf.

Das alles hat etwas mit dem im Mais lebendem, Menschenopfer verlangendem Kornmonster, das Eden „Der hinter den Reihen geht“ nennt, zu tun.

Letztendlich schließt sich der neueste „Kinder des Zorns“-Film nahtlos an die vorherigen Filme der Serie an. Es ist ein vergessenswerter Horrorfilm, der ein vergessenswertes, allseits unbeliebtes und dennoch erstaunlich langlebiges Franchise fortsetzt.

P. S.: Gedreht wurde der Film von April bis Juni 2020. Die Premiere war am 23. Oktober 2020 in Sarasota, Florida. Der für 2022 geplante US-Kinostart wurde letztendlich auf den 3. März 2023 verschoben. Und jetzt läuft er bei uns im Kino.

Kinder des Zorns (Children of the Corn, USA 2020)

Regie: Kurt Wimmer

Drehbuch: Kurt Wimmer

LV (Inspiration): Stephen King: Children of the Corn, 1977 (Kurzgeschichte, Penthouse) (Kinder des Mais, erschienen in „Nachtschicht“)

mit Elena Kampouris, Kate Moyer, Callan Murphy, Bruce Spence, Stephen Hunter, Jayden McGinlay, Ashlee Juergens, Sisi Stringer, Joe Klocek

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Die Inspiration

Wer hätte das vor über vierzig Jahren gedacht? Nämlich dass ein Buch, und dazu noch eine Kurzgeschichtensammlung (die als notorisch unverkäuflich eingeschätzt werden), seit seiner Erstaufflage im Original und in der Übersetzung nie ‚out of print‘ war? Im Fall von „Nachtschicht“ ist Stephen King genau das gelungen. Außerdem inspiriert diese Sammlung von zwanzig spannenden Kurzgeschichten immer noch Filmemacher. 2020 gab es eine neue Verfilmung von „Children of the Corn“, dieses Jahr eine von „The Boogeyman“ und dazwischen verschiedene Ein-Dollar-Verfilmungen. Das ist eine von Stephen King jungen Filmemachern gewährte Option: sie dürfen für einen eher symbolischen Dollar eine seiner Kurzgeschichten verfilmen. Es gibt nur eine Bedingung: sie dürfen ihren Film danach nur in einem sehr begrenzten, nicht-kommerziellem Rahmen aufführen. Und Stephen King sieht sich das Werk an.

Stephen Kings erste Sammlung von Kurzgeschichten enthält:

Briefe aus Jerusalem (Jerusalem’s Lot, 1978)

Spätschicht (Graveyard Shift, 1970)

Nächtliche Brandung (Night Surf, 1974)

Ich bin das Tor (I Am the Doorway, 1971)

Der Wäschemangler (The Mangler, 1972)

Das Schreckgespenst (The Boogeyman, 1973)

Graue Masse (Gray Matter, 1973)

Schlachtfeld (Battleground, 1972)

Lastwagen (Trucks, 1973)

Manchmal kommen sie wieder (Sometimes They Come Back, 1974)

Erdbeerfrühling (Strawberry Spring, 1975)

Der Mauervorsprung (The Ledge, 1976)

Der Rasenmähermann (The Lawnmower Man, 1975)

Quitters, Inc. (Quitters, Inc. 1978)

Ich weiß, was du brauchst (I Know What You Need, 1976)

Kinder des Mais (Children of the Corn, 1977)

Die letzte Sprosse (The Last Rung on the Ladder, 1978)

Der Mann, der Blumen liebte (The Man Who Loved Flowers, 1977)

Einen auf den Weg (One for the road, 1978)

Die Frau im Zimmer (The Woman in the Room 1978)

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Stephen King: Nachtschicht

(übersetzt von Barbara Heidkamp, Harro Christensen, Michael Kubiak, Karin Balfer, Ulrike A. Pollay, Sabine Kuhn, Ingrid Herrmann, Wolfgang Hohlbein, Bernd Seligmann und Stefan Sturm)

Lübbe, 1988

448 Seiten

13 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Lübbe, 1984

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Originalausgabe

Nightshift

Doubleday, 1978

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Hinweise

Moviepilot über „Kinder des Zorns“ (2020)

Metacritic über „Kinder des Zorns“ (2020)

Rotten Tomatoes über „Kinder des Zorns“ (2020)

Wikipedia über „Kinder des Zorns“ (2020) (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Meine Besprechung von Andy Muschietti Stephen-King-Verfilmung „Es Kapitel 2″ (It Chapter 2, USA 2019)

Meine Besprechung von Mike Flanagans „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ (Doctor Sleep, USA 2019) (wahrscheinlich einer der Filmtitel, die kein Mensch an der Kinokasse vollständig ausgesprochen hat)

Meine Besprechung von Rob Savages Stephen-King-Verfilmung „The Boogeyman“ (The Boogeyman, USA 2023)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Doctor Sleep“ (Doctor Sleep, 2013)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Später“ (Later, 2021)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


TV-Tipp für den 14. Dezember: Das Leben gehört uns

Dezember 13, 2023

RBB, 23.45

Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)

Regie: Valérie Donzelli

Drehbuch: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm

Als Juliette und Roméo erfahren, dass ihr 18 Monate alter Sohn einen Krebstumor im Gehirn hat, nehmen sie den Kampf auf.

Autobiographisch inspirierte, in schönster französischer Tradition erzählte Kampfansage an den Krebs und für das Leben. Ein etwas anderer Feelgood-Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, César Desseix, Gabriel Elkaïm, Brigitte Sy, Elina Löwensohn, Michèle Moretti, Philippe Laudenbach, Bastien Bouillon, Béatrice De Staël, Anne Le Ny, Frédéric Pierrot, Elisabeth Dion

Hinweise

Wikipedia über „Das Leben gehört uns“ (englisch, französisch)

Rotten Tomatoes über „Das Leben gehört uns“

Allocine über „Das Leben gehört uns“

taz: Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm

Meine Besprechung von Valérie Donzellis „Das Leben gehört uns“ (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)


TV-Tipp für den 13. Dezember: Appaloosa

Dezember 12, 2023

Arte, 20.15

Appaloosa (Appaloosa, USA 2008)

Regie: Ed Harris

Drehbuch: Robert Knott, Ed Harris

LV: Robert B. Parker: Appaloosa, 2005 (Appaloosa)

Die Gesetzeshüter Virgil Cole und Everett Hitch sollen in Appaloosa für Recht und Ordnung sorgen. Dort terrorisiert Farmer Bragg die Einwohner. Er hat auch den vorherigen Marshall erschossen.

Gelungene, werkgetreue Verfilmung eines Westerns von Robert B. Parker, dem Autor der Spenser- und Jesse-Stone-Kriminalromane, der seine bekannten Themen von Freundschaft, Loyalität, Recht und Gesetz in einem anderen Setting ausprobiert.

„Appaloosa“ erhielt beim Boston Film Festival den Preis für den besten Film und das beste Drehbuch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Romans.

mit Ed Harris, Viggo Mortensen, Renée Zellweger, Jeremy Irons, Lance Henriksen

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 Der Roman

 

Robert B. Parker: Appaloosa

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Europa Verlag AG Zürich, 2012

208 Seiten

22 Euro

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Appaloosa“

Wikipedia über „Appaloosa“ (deutsch, englisch) Robert B. Parker (deutsch, englisch) und Spenser

Homepage von Robert B. Parker

Thrilling Detective über Spenser

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Das dunkle Paradies” (Night Passage, 1997)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Miese Geschäfte“ (Bad Business, 2004)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Mord im Showbiz“ (High Profile, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Resolution“ (Resolution, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der Killer kehrt zurück“ (Stranger in Paradise, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Raues Wetter – Ein Auftrag für Spenser“ (Rough Weather, 2008)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Brimstone“ (Brimstone, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Cover der Woche

Dezember 12, 2023


Die Nominierungen für die Golden Globes 2024

Dezember 12, 2023

Vor wenigen Stunden veröffentlichte die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) ihre Nominierungen für die 81. Golden Globes. Die Preisverleihung ist am 7. Januar 2023.

Nominiert sind:

Best Motion Picture – Drama

“Oppenheimer” (Universal Pictures)

“Killers of the Flower Moon” (Apple Original Films/Paramount Pictures)

“Maestro” (Netflix)

“Past Lives” (A24)

“The Zone of Interest” (A24) (Besprechung zum Kinostart)

“Anatomy of a Fall” (Neon)

(alles gute Filme; fast möchte ich „The Zone of Interest“ den Golden Globe geben. Der dürfte allerdings höchstens Außenseiterchancen haben. Wahrscheinlich wird allerdings „Oppenheimer“ den Preis erhalten.)

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Best Motion Picture – Musical Or Comedy

“Barbie” (Warner Bros.)

“Poor Things” (Searchlight Pictures) (Besprechung zum Filmstart)

“American Fiction” (MGM)

“The Holdovers” (Focus Features) (Besprechung zum Filmstart)

“May December” (Netflix)

“Air” (Amazon MGM Studios)

(auch hier: gute Filme. Wahrscheinlich wird es auf „Barbie“ hinauslaufen. „Poor Thing“ und „The Holdovers“, die beide erst im Januar bei uns starten, sind aber die interessanteren und besseren Filme.)

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Best Motion Picture – Animated

“The Boy and the Heron” (Gkids) (Der Junge und der Reiher, Kinostart: 4. Januar 2024) (Besprechung zum Filmstart)

“Elemental” (Disney)

“Spider-Man: Across the Spider-Verse” (Sony Pictures)

“The Super Mario Bros. Movie” (Universal Pictures)

“Suzume” (Toho Co.)

“Wish” (Disney)

(Hoppla, dieses Mal kenne ich fast alles prämierten Animationsfilme. Wahrscheinlich wird es „Elemental“ oder „Spider-Man: Across the Spider-Verse“. Interessanter sind allerdings „Der Junge und der Reiher“ und „Suzume“.)

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Best Motion Picture – Non-English Language

“Anatomy of a Fall” (Neon) — France

“Fallen Leaves” (Mubi) — Finland

“Io Capitano” (01 Distribution) — Italy

“Past Lives” (A24) — United States

“Society of the Snow” (Netflix) — Spain

“The Zone of Interest” (A24) — United Kingdom

(Drei der hier nominierten Filme sind auch als bestes Drama nominiert. …)

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Cinematic and Box Office Achievement

“Barbie” (Warner Bros.)

“Guardians of the Galaxy Vol. 3” (Disney)

“John Wick: Chapter 4” (Lionsgate Films)

“Mission: Impossible — Dead Reckoning Part One” (Paramount Pictures)

“Oppenheimer” (Universal Pictures)

“Spider-Man: Across the Spider-Verse” (Sony Pictures)

“The Super Mario Bros. Movie” (Universal Pictures)

“Taylor Swift: The Eras Tour” (AMC Theatres)

(Ähem; – schon bei der Comedy/Musical-Kategorie frage ich mich jedes Mal, nach welchen Kriterien sich Filme dafür qualifizieren. In dieser neuen Kategorie ist es nicht besser. Wenn es nur um das Einspielergebnis ginge, stünde der Gewinner schon jetzt fest. Wenn es so etwas wie ‚intellektuell anspruchsvollster Hit‘ ist, dann haben wir die Wahl zwischen „Barbie“ und „Oppenheimer“. Beide Filme sind allerdings bereits als bester Film nominiert.)

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Best Performance By An Actress In A Motion Picture – Drama

Lily Gladstone — “Killers of the Flower Moon”

Carey Mulligan – “Maestro”

Sandra Hüller – “Anatomy of a Fall”

Annette Bening — “Nyad”

Greta Lee — “Past Lives”

Cailee Spaeny — “Priscilla” (Besprechung zum Filmstart)

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Best Performance By An Actor In A Motion Picture – Drama

Bradley Cooper — “Maestro”

Cillian Murphy — “Oppenheimer”

Leonardo DiCaprio — “Killers of the Flower Moon”

Colman Domingo — “Rustin”

Andrew Scott — “All of Us Strangers” (Besprechung zum Filmstart; – preiswürdige Darstellung!)

Barry Keoghan — “Saltburn”

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Best Performance By An Actress In A Motion Picture – Musical Or Comedy

Fantasia Barrino – “The Color Purple”

Jennifer Lawrence – “No Hard Feelings”

Natalie Portman – “May December”

Alma Pöysti – “Fallen Leaves”

Margot Robbie – “Barbie”

Emma Stone – “Poor Things”

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Best Performance By An Actor In A Motion Picture – Musical Or Comedy

Nicolas Cage — “Dream Scenario”

Timothée Chalamet — “Wonka”

Matt Damon — “Air”

Paul Giamatti — “The Holdovers”

Joaquin Phoenix — “Beau Is Afraid”

Jeffrey Wright — “American Fiction”

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Best Performance By An Actress In A Supporting Role In Any Motion Picture

Emily Blunt — “Oppenheimer”

Danielle Brooks — “The Color Purple”

Jodie Foster — “Nyad”

Julianne Moore — “May December”

Rosamund Pike — “Saltburn”

Da’Vine Joy Randolph — “The Holdovers”

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Best Performance By An Actor In A Supporting Role In Any Motion Picture

Willem Dafoe — “Poor Things”

Robert DeNiro — “Killers of the Flower Moon”

Robert Downey Jr. — “Oppenheimer”

Ryan Gosling — “Barbie”

Charles Melton — “May December”

Mark Ruffalo — “Poor Things”

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Best Director – Motion Picture

Bradley Cooper — “Maestro”

Greta Gerwig — “Barbie”

Yorgos Lanthimos — “Poor Things”

Christopher Nolan — “Oppenheimer”

Martin Scorsese — “Killers of the Flower Moon”

Celine Song — “Past Lives”

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Best Screenplay – Motion Picture

“Barbie” — Greta Gerwig, Noah Baumbach

“Poor Things” — Tony McNamara

“Oppenheimer” — Christopher Nolan

“Killers of the Flower Moon” — Eric Roth, Martin Scorsese

“Past Lives” — Celine Song

“Anatomy of a Fall” — Justine Triet, Arthur Harari

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Best Original Score – Motion Picture

Ludwig Göransson — “Oppenheimer”

Jerskin Fendrix — “Poor Things”

Robbie Robertson — “Killers of the Flower Moon”

Mica Levi — “The Zone of Interest”

Daniel Pemberton — “Spider-Man: Across the Spider-Verse”

Joe Hisaishi — “The Boy and the Heron”

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Best Original Song – Motion Picture

“Barbie” — “What Was I Made For?” by Billie Eilish and Finneas

“Barbie” — “Dance the Night” by Caroline Ailin, Dua Lipa, Mark Ronson and Andrew Wyatt

“She Came to Me” — “Addicted to Romance” by Bruce Springsteen and Patti Scialfa

“The Super Mario Bros. Movie” — “Peaches” by Jack Black, Aaron Horvath, Michael Jelenic, Eric Osmond, and John Spiker

“Barbie” — “I’m Just Ken” by Mark Ronson, Andrew Wyatt

“Rustin” — “Road to Freedom” by Lenny Kravitz

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Best Television Series – Drama

“1923” (Paramount+)

“The Crown” (Netflix)

“The Diplomat” (Netflix)

“The Last of Us” (HBO)

“The Morning Show” (Apple TV+)

“Succession” (HBO)

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Best Performance By An Actress In A Television Series – Drama

Helen Mirren — “1923”

Bella Ramsey — “The Last of Us”

Keri Russell — “The Diplomat”

Sarah Snook — “Succession”

Imelda Staunton — “The Crown”

Emma Stone — “The Curse”

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Best Performance By An Actor In A Television Series – Drama

Pedro Pascal — “The Last of Us”

Kieran Culkin — “Succession”

Jeremy Strong — “Succession”

Brian Cox — “Succession”

Gary Oldman — “Slow Horses”

Dominic West — “The Crown”

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Best Television Series – Musical or Comedy

“The Bear” (FX)

“Ted Lasso” (Apple TV+)

“Abbott Elementary” (ABC)

“Jury Duty” (Amazon Freevee)

“Only Murders in the Building” (Hulu)

“Barry” (HBO)

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Best Performance By An Actress In A Television Series – Musical Or Comedy

Ayo Edebiri — “The Bear”

Natasha Lyonne — “Poker Face”

Quinta Brunson — “Abbott Elementary”

Rachel Brosnahan — “The Marvelous Mrs. Maisel”

Selena Gomez — “Only Murders in the Building”

Elle Fanning – “The Great”

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Best Performance By An Actor In A Television Series – Musical Or Comedy

Bill Hader — “Barry”

Steve Martin — “Only Murders in the Building”

Martin Short — “Only Murders in the Building”

Jason Segel — “Shrinking”

Jason Sudeikis — “Ted Lasso”

Jeremy Allen White — “The Bear”

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Best Supporting Actress, Television

Elizabeth Debicki — “The Crown”

Abby Elliott — “The Bear”

Christina Ricci — “Yellowjackets”

J. Smith-Cameron — “Succession”

Meryl Streep — “Only Murders in the Building”

Hannah Waddingham — “Ted Lasso”

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Best Supporting Actor, Television

Billy Crudup — “The Morning Show”

Matthew Macfadyen — “Succession”

James Marsden — “Jury Duty”

Ebon Moss-Bachrach — “The Bear”

Alan Ruck — “Succession”

Alexander Skarsgård — “Succession”

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Best Television Limited Series, Anthology Series Or Motion Picture Made For Television

“Beef”

“Lessons in Chemistry”

“Daisy Jones & the Six”

“All the Light We Cannot See”

“Fellow Travelers”

“Fargo”

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Best Performance By An Actress In A Limited Series, Anthology Series, Or A Motion Picture Made For Television

Riley Keough — “Daisy Jones & the Six”

Brie Larson — “Lessons in Chemistry”

Elizabeth Olsen — “Love and Death”

Juno Temple — “Fargo”

Rachel Weisz — “Dead Ringers”

Ali Wong — “Beef”

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Best Performance By An Actor In A Limited Series, Anthology Series, Or A Motion Picture Made For Television

Matt Bomer — “Fellow Travelers”

Sam Claflin — “Daisy Jones & the Six”

Jon Hamm — “Fargo”

Woody Harrelson — “White House Plumbers”

David Oyelowo — “Lawmen: Bass Reeves”

Steven Yeun — “Beef”

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Best Performance in Stand-Up Comedy or Television

Ricky Gervais — “Ricky Gervais: Armageddon”

Trevor Noah — “Trevor Noah: Where Was I”

Chris Rock — “Chris Rock: Selective Outrage”

Amy Schumer — “Amy Schumer: Emergency Contact”

Sarah Silverman — “Sarah Silverman: Someone You Love”

Wanda Sykes — “Wanda Sykes: I’m an Entertainer”

 


TV-Tipp für den 12. Dezember: Tschick

Dezember 11, 2023

HR, 00.00

Tschick (Deutschland 2016)

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Lars Hubrich, Hark Bohm (Koautor)

LV: Wolfgang Herrndorf: Tschick, 2010

In den Sommerferien langweilt sich der 14-jährige Maik in Berlin-Marzahn allein im elterlichen Haus. Da schlägt ihm sein neuer Klassenkamerad Tschick, ein russischer Spätaussiedler, vor, gemeinsam im geklauten Lada in die Walachai zu fahren. Doch zuerst geht die reichlich planlose Fahrt durch die benachbarten Bundesländer.

Gelungene Verfilmung eines Bestsellers.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tristan Göbel, Anan Batbileg, Mercedes Müller, Anja Schneider, Uwe Bohm, Udo Samel, Claudia Geisler-Bading, Alexander Scheer, Marc Hosemann, Friederike Kempter

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Die Vorlage

zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover und einem Anhang zum Film. Auf 18 Seiten gibt es Bilder, Statements von Fatih Akin und Michael Töteberg schreibt über Wolfgang Herrndorf im Kino.

Wolfgang Herrndorf: Tschick

rororo, 2016

272 Seiten

9,99 Euro

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Das Drehbuch

selten, sehr selten wird auch das Drehbuch veröffentlicht. In diesem Fall sogar mit einem kurzen, aber informativen Interview mit Fatih Akin

Lars Hubrich: Tschick – Das Drehbuch

Rowohlt E-Book

60 Seiten (Verlagsangabe, mein E-Book-Reader sagt 112 Seiten und den Rest regelt das individuelle Größenbedürfnis)

2,99 Euro

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Tschick“

Moviepilot über „Tschick“

Wikipedia über „Tschick“

Perlentaucher über Wolfgang Herrndorf und „Tschick“

Meine Besprechung von Fatih Akins „Müll im Garten Eden“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Fatih Akins „The Cut“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Tschick“ (Deutschland 2016)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Aus dem Nichts“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Fatih Akins „Rheingold“ (Deutschland 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „How to have Sex“ auf Kretas Partymeile

Dezember 11, 2023

Das ist eine britische Tradition, die wohl auch von einigen Deutschen ausgeübt wird: nämlich auf einer massentouristisch voll erschlossenen Mittelmeerinsel einige Tage verbringen und dort die Sau rauslassen. Der Trip soll eine einzige Party sein, mit viel Alkohol, Drogen und Sex.

Die drei sechzehnjährigen Freundinnen Tara, Em und Skye wollen das und nur das auf Kreta tun. Sie checken in einem billigem Touristenhotel ein, befreunden sich mit der Jungsclique auf dem Nachbarbalkon und los geht das wilde Partyleben mit Komasaufen, Sex und anschließender Ausnüchterung bis zum frühen Nachmittag. Am nächsten Abend wird im Hotelzimmer und in den Discos weitergetrunken und gefeisert.

Tara, die so etwas wie die Protagonistin des Films ist, will zwischen den Besäufnissen und den Discobesuchen endlich ihren ersten Geschlechtsverkehr haben.

Die Inspiration für die Erlebnisse der drei Freundinnen Tara, Em und Skye waren Erlebnisse von Molly Manning Walker, die sie selbst während eines solchen Partyurlaubs hatte und an die sie und Schulfreunde sich während einer Hochzeitsfeier erinnerten. Doch eigentlich ist egal, ob das tagelange Besäufnis, wie im Film, heute oder vor Jahren oder Jahrzehnten stattfindet. Bis auf die Handys und einige Frisuren änderten sich in den vergangenen Jahrzehnten auf den Partymeilen der Mittelmeerinseln nichts. Dort wird das immergleiche, allgemein akzeptierte Programm von übermäßigem Alkholkonsum und Sex zelebriert.

In ihrem Langfilmdebüt „How to have Sex“ zeigt Molly Manning Walker diesen Urlaub der drei Mädels präzise und mit nüchtern-dokumentarisch-beobachtendem Blick aus weiblicher Sicht. Ihre Episoden aneinanderreihende Chronologie eines Urlaubs hat dann, sobald es um Sex geht, keine „Eis am Stil“- oder „Hangover“-Fröhlichkeit mehr. Stattdessen geht es auch um Geschlechterverhältnisse und die Frage, wieviel Einvernehmlichkeit beim Sex vorhanden sein muss. Für Tara ist der erste Sex jedenfalls weniger befriedigend als von ihr erhofft. Und auch einer der Jungs aus dem Nachbarzimmer ist von einem Blowjob auf offener Bühne irritiert. Danach geht das Partyleben bis zum Rückflug weiter.

How to have Sex (How to have Sex, Großbritannien/Griechenland 2023)

Regie: Molly Manning Walker

Drehbuch: Molly Manning Walker

mit Mia McKenna-Bruce, Shaun Thomas, Lara Peake, Enva Lewis, Samuel Bottomley, Laura Ambler, Anna Antoniades, Daisy Jelley

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (mit Eltern ab 6 erlaubt; – das würde ich nicht unbedingt empfehlen, aber es zeigt, wie wenig explizit der Film ist)

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „How to have Sex“

Metacritic über „How to have Sex“

Rotten Tomatoes über „How to have Sex“

Wikipedia über „How to have Sex“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Das Leben ist eine Baustelle

Dezember 10, 2023

One, 20.15

Das Leben ist eine Baustelle (Deutschland 1996)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Wolfgang Becker, Tom Tykwer

Einen großen Plan vom Rest seines Lebens hat niemand von Wolfgang Beckers jungen und überaus sympathischen Protagonisten. Denn das Leben ist eine Baustelle und immer passiert irgendetwas. Zum Beispiel Jans folgenreiche Begegnung mit der Demonstrantin Vera, die gerade vor zwei Zivilpolizisten wegrennt. Danach ist er seinen Job los und schwer verliebt in Vera, die er später zufällig wieder trifft

Wunderschöne Tragikomödie, der Berlin zum unperfekten Sehnsuchtsort machte (Es muss ja nicht immer Seattle, New York, London oder Paris sein.) und zum Kultfilm wurde.

Wolfgang Becker sagte danach „Good bye, Lenin!“, Tom Tykwer ließ Lola durch Berlin rennen und X Filme Creative Pool wurde schnell zu der angesagten deutschen Produktionsgesellschaft.

mit Jürgen Vogel, Christiane Paul, Ricky Tomlinson, Christiana Papamichou, Rebecca Hessing, Armin Rohde, Martina Gedeck, Meret Becker, Andrea Sawatzki

Wiederholung: Freitag, 15. Dezember, 23.00 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Das Leben ist eine Baustelle“

Wikipedia über „Das Leben ist eine Baustelle“

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Rodrigo Sorogoyens Provinz-Noir „Wie wilde Tiere“

Dezember 10, 2023

In „Wie wilde Tiere“ wollen Antoine (Denis Ménochet) und Olga (Marina Foïs) im Nordwesten Spaniens in Galicien einen ökologisch korrekten Bauernhof betreiben. Die Einheimischen, vor allem zwei Brüder, sind über das ein französische Aussteigerpaar nicht begeistert. Seit Jahrhunderten führen sie ein karges Leben. Seit Jahren sehen sie, wie ihre Kinder, sobald sie eine bessere Ausbildung haben, die Heimat verlassen. Sie erhoffen sich in der Stadt ein besseres Leben. Misstrauisch beobachten die Zurückgebliebenen die Zugezogenen. Sie glauben, dass sie ein verklärtes Bild vom Leben in der Provinz haben und nur kurze Zeit in der menschenleeren, von aktuellen Entwicklungen abgeschnittenen Gegend bleiben werden.

Als es ein Angebot für den Bau von Windrädern und einem damit verbundenem wirtschaftlichem Aufschwung gibt, wollen fast alle das Angebot annehmen. Aber vor allem Antoine ist dagegen. Er will die Natur bewahren.

Rodrigo Sorogoyen („Macht des Geldes“) erzählt in seinem sehr langsam erzähltem Noir-Thriller, wie dieser Konflikt Zwischen Einheimischen und Zugezogenen tödlich eskaliert. Das ist in seiner fatalen Entwicklung schnell vorhersehbar, aber durchgehend spannend erzählt. Erst als es im letzten Drittel des mit gut hundertvierzig Minuten arg lang geratenen Films zu einem Ereignis kommt und danach die Story nur noch ziellos vor sich hin plätschert, fällt der Film in sich zusammen. Ab diesem Moment zieht sich der Noir bis zum Abspann wie Kaugummi.

In Spanien erhielt der lose von einem wahren Fall inspirierte Slow-Thriller dieses Jahr neun Goyas, unter anderem als bester Film und für die beste Regie. Außerdem erhielt er den César als Bester ausländischer Film.

Wie wilde Tiere (As Bestas, Spanien 2022)

Regie: Rodrigo Sorogoyen

Drehbuch: Isabel Peña, Rodrigo Sorogoyen

mit Denis Ménochet, Marina Foïs, Luis Zahera, Diego Anido, Marie Colomb

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 12 Jahre
–

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Wie wilde Tiere“

Metacritic über „Wie wilde Tiere“

Rotten Tomatoes über „Wie wilde Tiere“

Wikipedia über „Wie wilde Tiere“ (deutsch, englisch, spanisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blackberry – Klick einer Generation“ und dann weggewischt

Dezember 10, 2023

Matt Johnson erzählt in seinem Produkt-Biopic „Blackberry – Klick einer Generation“ die Geschichte eines Mobiltelefons, mit dem man auf einer fest installierten Tastatur E-Mails schreiben konnte. Das war Ende der neunziger Jahre revolutionär. Schnell wurde das Gerät zum Statussymbol für Menschen, die sich für wichtig hielten. Keine zehn Jahre später, 2007, wurde das erste iPhone veröffentlicht. Und kurz darauf war das Blackberry Geschichte. Ein neues Statussymbol eroberte die Welt.

Matt Johnson erzählt diese Geschichte flott, äußerst kurzweilig und mit sarkastischem Witz im Stil von „The Big Short“, „Vice“ (ja, da geht es um Politik) und, dieses Jahr, „Air – Der große Wurf“ und „Dumb Money“. Das ist ein süffiger Spaß mit sehr nerdigen Computernerds und sehr machohaften, ständig brüllend Anweisungen gebenden Vorgesetztentyrannen, die es so (hoffentlich) nur im Film gibt.

Mit der Realität und den realen Vorbildern hat Johnsons Komödie wenig bis nichts zu tun. Am Vergnügen beim Ansehen des satirischen Dramas ändert das nichts.

Blackberry – Klick einer Generation (BlackBerry, Kanada 2023)

Regie: Matt Johnson

Drehbuch: Matt Johnson, Matthew Miller

LV: Jacquie McNish/Sean Silcoff: Losing the Signal: The Untold Story Behind the Extraordinary Rise and Spectacular Fall of BlackBerry, 2015

mit Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson, Cary Elwes, Saul Rubinek, Michael Ironside, Rich Sommer, Sungwon Cho, Martin Donovan

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Blackberry“

Metacritic über „Blackberry“

Rotten Tomatoes über „Blackberry“

Wikipedia über „Blackberry“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über den Film (der viel Fiktion enthält)

Meine Besprechung von Matt Johnshons „Operation Avalanche“ (Operation Avalnche, USA/Kanada 2016)


TV-Tipp für den 10. Dezember: Angel Heart

Dezember 9, 2023

Arte, 21.55

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Neu im Kino/Filmkritik: Ooh Gaylord! „Captain Faggotron saves the Universe“

Dezember 9, 2023

Der bibeltreue, heimlich schwule Father Gaylord steckt in der Klemme. Sein Ex-Lover Queen Bitch vom Planeten Oberon will die Welt mit einem magischen Ring in eine kinky Utopie voller Homosexueller verwandeln.

Father Gaylord möchte das, den Regeln seiner Kirche folgend, verhindern. Sein Freund Captain Faggotron, definitiv nicht hetero, soll das für ihn erledigen; – gut, einen Drehbuchoscar wird „Captain Faggotron saves the Universe“ nicht erhalten und die Frage, warum Queen Bitchs Vorhaben verhindert werden soll, kann der Film nie beantworten.

Harvey Rabbits Spielfilmdebüt ist ein Trashfilm, der sich in queeren Befindlichkeiten suhlt und sie plakativ ausstellt. Er tut das im Rahmen einer Science-Fiction-Geschichte, die sich der wunderschönen Tradition US-amerikanischer Serials und billiger Science-Fiction-Filme bedient, sie mit etwas No-Budget-Grandezza und Rosa-von-Praunheim-Feeling anreichert und abschließend reichlich Black- und Gay-Power darüberschüttet. Das gefällt, ist erfrischend undeutsch (gedreht wurde der Film in Berlin und seinen Ursprung hat er in selbstorganisierten hiesigen Filmschule Filmarche) und ist sehr gut geeignet für das vorweihnachtliche campy Trashfilm-Festival.

Ich hätte mir allerdings alles viel wilder und durchgeknallter gewünscht.

Captain Faggotron saves the Universe (Deutschland 2023)

Regie: Harvey Rabbit

Drehbuch: Harvey Rabbit

mit Tchivett, Bishop Black, Rodrigo Garcia Alves

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Verleih über den Film (inclusive der Kinotermine)

Filmportal über „Captain Faggotron saves the Universe“

Moviepilot über „Captain Faggotron saves the Universe“

Rotten Tomatoes über „Captain Faggotron saves the Universe“

 


TV-Tipp für den 9. Dezember: Für ein paar Dollar mehr

Dezember 8, 2023

RBB, 23.30

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Dezember: Die gefürchteten Vier

Dezember 7, 2023

BR, 22.45

Die gefürchteten Vier (The Professionals, USA 1966)

Regie: Richard Brooks

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Frank O’Rourke: A mule for the Marquesa, 1964 (später “The Professionals”)

Mexiko 1917: ein texanische Öl- und Viehmillionär engagiert vier Söldner seine von einem mexikanischen Revolutionär und Banditenführer entführte Frau zu befreien. Die vier Profis machen sich auf den Weg.

Richard Brooks Western-Klassiker „The Professionals“ ist gleichzeitig eine Heroisierung und zynische Demontage des professionellen Kriegshandwerks. Einer von Brooks besten, vielleicht sogar sein bester, Film.

Mit Burt Lancaster, Lee Marvin, Robert Ryan, Woody Strode, Claudia Cardinale, Jack Palance, Ralph Bellamy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die gefürchteten Vier“

Wikipedia über „Die gefürchteten Vier“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Als Willy „Wonka“ keine Schokoladenfabrik hatte

Dezember 7, 2023

Willy Wonka war nicht immer der aus Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“ bekannte Besitzer der titelgebenden Schokoladenfabrik. Er war auch einmal ein junger, überaus optimistischer Mann mit großen Plänen. Er reiste um die Welt, lernte alles über Schokolade und sammelte an den entlegendsten Orten die exotischten Zutaten für seine köstlichen Schokoladenkreationen.

Nach vielen Jahren auf See kehrt er in seine alte Heimat zurück. Dort will er die Menschen für seine Schokoladenkreationen begeistern.

Aber die drei das örtliche Schokoladengeschäft beherrschenden Schokoladenhersteller sind davon nicht begeistert. Sie wollen den lästigen Konkurrenten loswerden. Denn Wonka verkauft seine Schokolade zu Kampfpreisen und seine Schokoladenkreationen sind besser und fantasievoller als ihre eigenen Kreationen. Sie setzen Himmel (vulgo die Kirche) und Hölle (vulgo die Polizei) in Bewegung.

Mit dem Geld, das Wonka mit seiner Schokolade verdient, will er sich nicht nur eine eigene Firma aufbauen, sondern sich auch aus den Händen von Mrs. Scrubbit befreien. Die hat ihm in der ersten Nacht nach seiner Ankunft ein Zimmer vermietet, das ihn, wie er zu spät erfährt, ihn zu ihrem Gefangenen macht. Immerhin kann er seine Schulden in den nächsten Jahrzehnten in Scrubbits Wäscherei abarbeiten. Dort trifft er mehrere Schicksalgenossen, die zu seinen Freunden werden und ihm helfen.

„Wonka“ erzählt die Vorgeschichte zu Roald Dahls „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Paul King (Regie, Drehbuch) und Simon Farnaby (Drehbuch) erfanden diese Prequel-Geschichte. King führte bei den beiden allgemein beliebten „Paddington“-Filmen Regie. Farnaby spielte im ersten „Paddington“-Film mit und war bei „Paddington 2“ Co-Drehbuchautor.

Schon nach wenigen Minuten, wenn Willy Wonka frohgemut singend und tanzend die Hafenstadt betritt, ist die Frage, ob wir unbedingt noch ein Prequel zu einer bekannten Geschichte brauchen, hinfällig. King und Farnaby umgehen diese Prequel-Frage, indem sie einfach ihre Geschichte erzählen. Äußerst charmant, witzig, kurzweilig, sehr selbstironisch, voller gelungener Pointen und Anspielungen erzählen sie von den Schwierigkeiten, die Willy Wonka am Anfang seiner Karriere als Schokoladenhersteller überwinden musste und wie ihm das, mit einigen Freunden, gelingt. Es ist eine rundum positive Geschichte mit einem herrlich britischem Humor.

Timothée Chalamet als Willy Wonka, Olivia Colman als Mrs. Scrubbit und Hught Grant als Oompa-Loompa spielen Hauptrollen. Sally Hawkins, Keegan-Michael Key und Rowan Atkinson, um nur einige bekannte Namen zu nennen, übernahmen kleinere Rollen. Alle Schauspieler chargieren immer ein wenig und versuchen sich gegenseitig die Szenen zu stehlen.

„Wonka“ ist nicht nur ein Fantasy-Märchenfilm, sondern auch ein Musical. Deshalb mussten die Schauspieler, wie es heute gerne gemacht wird, auch singen und tanzen. Weil sie alle keine ausgebildeten Sänger und Tänzer sind, ist ihr Gesang und Tanz immer etwas amateurhaft, unbeholfen und schüchtern. Das trägt zum Charme des Films bei. Schnell stellt sich das Gefühl ein, so gut wie Timothée Chalamet oder Hugh Grant kann man selbst auch singen und tanzen.

Ob „Wonka“ ein Klassiker wird, ist natürlich noch unklar. Ebenso ob er in den kommenden Jahren zu einem immer wieder gern gesehenem und beliebten Weihnachtsfilm wird. Das Zeug dafür hat er auf jeden Fall. Bis dahin ist „Wonka“ in diesem Jahr der schönste Weihnachtsfilm für die ganze Familie; – ohne ein Weihnachtsfilm zu sein.

Wonka (Wonka, USA 2023)

Regie: Paul King

Drehbuch: Simon Farnaby, Paul King (nach einer Geschichte von Paul King) (basierend auf von Roald Dahl erfundenen Figuren)

mit Timothée Chalamet, Calah Lane, Olivia Colman, Hugh Grant, Sally Hawkins, Paterson Joseph, Keegan-Michael Key, Rowan Atkinson, Simon Farnaby, Mathew Baynton, Matt Lucas, Sophie Winkleman, Jim Carter, Tom Davis, Rakhee Thakrar, Natasha Rothwell, Rich Fulcher, Kobna Holdbrook-Smith

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wonka“

Metacritic über „Wonka“

Rotten Tomatoes über „Wonka“

Wikipedia über „Wonka“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pénélope Bagieus Roald-Dahl-Comic-Adaption „Hexen hexen“ (Sacrées sorcières, 2020)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016) (und Besprechung der Vorlage)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ (The Witches, USA 2020) (und Besprechung der Vorlage)


TV-Tipp für den 7. Dezember: Der Ghostwriter

Dezember 6, 2023

Servus TV, 20.15

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Freitag, 8. Dezember, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Der Ghostwriter”

Rotten Tomatoes über “Der Ghostwriter”

Wikipedia über “Der Ghostwriter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Robert Harris‘ „Intrige“ (An Officer and a Spy, 2013)


Im Verhörzimmer: Richard Osman über seinen neuen Krimi „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“

Dezember 6, 2023

Wenige Tage vor der Veröffentlichung von Richard Osmans neuem Kriminalroman „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ trafen wir den Bestsellerautor im Herzen von Berlin im Teehaus im Englischen Garten und sprachen mit ihm über seinen neuen Roman, inwiefern es ein Weihnachtskrimi ist, über die Inspiration für den Donnerstagsmordclub, die literarische Ahnenreihe, in der der Donnerstagsmordclub ermittelt, und die geplante Verfilmung.

Der titelgebende Donnerstagsmordclub besteht aus Joyce Meadowcroft, Elizabeth Best, Ron Ritchie und Ibrahim Arif. Sie leben in der noblen Senieorenresidenz Coppers Chase in der Grafschaft Kent. Dort treffen sich jeden Donnerstag, um über alte Mordfälle zu reden. Falls sie nicht gerade einen aktuellen Mordfall aufklären müssen. Dabei kommt ihnen ihre Lebenserfahrung, teils auch ihre früheren Berufe und Kontakte, und die allgemeine Unsichtbarkeit und Harmlosigkeit alter Menschen zugute. Denn welcher hartgesottene Verbrecher und Mörder erwartet schon, dass ihm einige alte Menschen, die sich ohne Gehhilfe kaum fortbewegen können, ihm Probleme bereiten könnten.

Das erste Buch mit dem Donnerstagsmordclub, betitelt „Der Donnerstagsmordclub“, erschien 2020 und war in Großbritannien sofort ein Bestseller. Die deutsche Übersetzung erschien 2021 und sie verkaufte sich ebenfalls ausgezeichnet.

„Der Mann der zweimal starb“, „Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel“ und jetzt „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“ wurden ebenfalls Bestseller.

Im vierten Roman der Cozy-Crime-Serie wollen Elizabeth, Jocye, Ron und Ibrahim den Mord an dem mit ihnen befreundeten Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar aufklären.

Ein Drogenhändler benutzte ihn und sein Geschäft, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen, als Zwischenstation für den Schmuggel von Drogen.

Kurz darauf ist Kuldesh tot. Die Drogen und das Terrakottagefäß, in dem sie unauffällig transportiert wurden, sind verschwunden.

Wer seine Krimis gerne cozy, etwas humorvoll und mit vielen Dialogen hat, wird auch mit dem vierten Fall des Donnerstagsmordclubs einige schön entspannte Stunden verleben. Wer dagegen lieber einen ausgefuchsten Plot mit vielen Verdächtigen und noch mehr falschen Fährten hat, also einen Rätselkrimi im Agatha-Christie-Stil erwartet, wird enttäuscht sein.

Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

(übersetzt von Sabine Roth)

List, 2023

432 Seiten

17,99 Euro

–

Originalausgabe

The last Devil to die

Viking, UK, 2023

–

Hinweise

Wikipedia über Richard Osman (deutsch, englisch)

List über Richard Osman

BookMarks über „Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt“

Meine Besprechung von Richard Osmans „Der Donnerstagsmordclub“ (The Thursday Murder Club, 2020)

Meine Besprechung von Richard Osmans „Der Mann, der zweimal starb“ (The Man who died twice, 2021)

Mein Bericht über Richard Osmans Besuch 2022 in Berlin


TV-Tipp für den 6. Dezember: Alles über Martin Suter. Ausser der Wahrheit.

Dezember 5, 2023

Arte, 22.15

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit. (Schweiz/Deutschland 2022)

Regie: André Schäfer

Drehbuch: André Schäfer

TV-Premiere eines – in der Kinofassung – sehr gelungenen Porträts des Bestsellerautors Martin Suter. Arte zeigt eine 50-minütige Fassung des 90-minütigen Kinofilms.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Kinofilms.

mit Martin Suter, Margrith Nay Suter, Ana Suter, Stephan Eicher, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bastian Schweinsteiger, Philipp Keel

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Moviepilot über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Wikipedia über Martin Suter

Diogenes über Martin Suter

Homepage von Martin Suter

Meine Besprechung von Ralf Huettners Martin-Suter-Verfilmung „Der Koch“ (Deutschland/Schweiz 2014)

Meine Besprechung von André Schäfers „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ (Schweiz/Deutschland 2022)


Cover der Woche

Dezember 5, 2023


TV-Tipp für den 5. Dezember: Ewige Jugend

Dezember 4, 2023

HR, 00.00

Ewige Jugend (Youth, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt wird, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.

In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ewige Jugend“

Wikipedia über „Ewige Jugend“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)