Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)
LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)
Deutschland, nach dem 2. Weltkrieg: die Auschwitz-Überlebende Nelly will wieder zurück zu ihrem Mann Johnny, der sie verraten haben soll. Johnny erkennt sie nicht, aber ihm fällt Nellys Ähnlichkeit zu seiner Frau auf und das will er ausnutzen, um an Nellys Vermögen zu kommen. Nelly macht, nicht ohne Hintergedanken, das Spiel mit.
Kommissar Verjeat ermittelt, mitten im tobenden Provinzwahlkampf, gegen einen einflussreichen Politiker, der wahrscheinlich auch ein Mörder ist.
Der „perfekte Actionfilm“ (Lexikon des internationalen Films) bot Lino Ventura, nach einigen untypischen Rollen, wieder eine Glanzrolle. „Fast alle Ingredienzien der von Regisseuren wie Becker, Melville, Sautet und Enrico geprägten Gattung kommen vor, auch jene spröde Männerfreundschaft, die den französischen Unterweltfilm schon immer als europäisches Gegenstück zum Western auswies.“ (Hans Christoph Blumenberg, Kölner Stadt-Anzeiger) Für die Verfilmung wurde die Story kräftig geändert. Daher lohnt sich die Lektüre von Vallets Roman durchaus. Wenn man in einem Antiquariat ein Exemplar auftreibt.
Mit Lino Ventura, Patrick Dewaere, Victor Lanoux, Julien Guiomar, Francoise Brion, Claude Rich
Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.
Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.
David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.
Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)
Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)
Lockere Talkrunde. Heute unter anderem mit Wim Wenders, der sicher vor allem über seinen neuen sehenswerten, aber arg unkritisch-verklärenden Dokumentarfilm „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Kinostart: 14. Juni) reden wird. Vielleicht erzählt er auch einiges über „Der Himmel über Berlin“ (auf der Berlinale wurde eine restaurierte Fassung präsentiert, die anschließend im Kino lief und auf DVD/Blu-ray veröffentlicht wurde) und seinen neuen eher missglückten Spielfilm „Grenzenlos“ (Kinostart: 2. August) (Die Filmbesprechungen gibt es zum Kinostart.).
Zu den anderen Gästen gehört Berlinale-Chef Dieter Kosslick.
GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, Regie: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi
LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)
Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.
Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.
mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino
Eli Mills (Rafe Spall), der Geschäftsführer des Lockwood Estate, möchte sie retten. Sein Chef, der kranke Benjamin Lockwood (James Cromwell), war, neben John Hammond, einer der beiden Hauptfinanziers des Freizeitparks. Die Dinosaurier sollen auf eine andere Insel gebracht werden. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) soll dabei helfen. Sie war früher die zahlenfixierte Leiterin des Parks. Jetzt kämpft sie für das Überleben der Dinos. Mills braucht sie, weil nur mit ihrem Handabdruck der Inselcomputer gestartet werden kann, mit dem die Dinos geortet werden können. Owen Grady (Chris Pratt) soll mitkommen, weil er ihnen helfen kann, Blue zu finden. Vor allem diesem besonders intelligenten Dino mit Führungsqualitäten (Dino! Nicht Affe.) gilt das Interesse der Expedition. Begleitet werden sie von einer kleinen Söldnerarmee, die das tut, was Söldnerarmee in solchen Filmen immer tun: schießen und eher illegale Aufträge erledigen.
Deshalb erfahren Grady und Dearing (inzwischen mit besserem Schuhwerk) schon auf der Insel, dass sie hereingelegt wurden. Mills will die Dinos nicht vor dem sicheren Tod retten, sondern sie meistbietend verkaufen.
Als der Vulkan ausbricht, sollen Grady und Dearing zu den Opfern der Katastrophe gehören. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht auf das rettende Transportschiff, das die Dinosaurier an einen anderen Ort bringen soll.
In diesem Moment ist noch nicht einmal die erste Stunde von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ um. Bayona, der Regisseur von „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“, übernahm die Regie, nachdem „Jurassic World“-Regisseur Colin Trevorrow keine Zeit hatte. Er sollte „Star Wars IX“ inszenieren. Das zerschlug sich später. Für „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ schrieb Trevorrow mit Derek Connolly das Drehbuch. Aktuell schreibt er, zusammen mit Emily Carmichael, das Drehbuch für den dritten „Jurassic World“-Film, der unter seiner Regie am 11. Juni 2021 die Trilogie global abschließen soll.
Unübersehbar ist bei Bayonas Film der Charakter eines Übergangswerk, das die Verbindung zwischen dem ersten und dritten Teil herstellen soll. Ohne große Erklärungen werden wir in die Handlung geworfen, die in der ersten Hälfte vor allem auf Isla Nublar, in der zweiten Hälfte auf dem riesigen Lockwood-Anwesen spielt. Es gibt viele Dialoge, die einfach nur Dinge erklären. Das ist nicht so wahnsinnig spannend. Es gibt reichlich Action und Spaß mit den Dinosaurier. Einige altbekannte, einige neue Dinosaurier. Insgesamt sind in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ mehr Dinosaurier zu sehen als in allen anderen „Jurassic“-Filmen zusammen und sie sind in ihrer vollen Pracht schon von der ersten Minute an zu sehen. Aber die reichlich vorhandene Action packt nicht, weil uns die durchgehend ziemlich eindimensionalen Charaktere weitgehend egal sind. Suspense und eine damit verbundene Atmosphäre der Bedrohung. ist ebenfalls dünn gesät. Vor allem wenn man an Bayonas Tsunami-Film „The Impossible“ denkt, der anfangs sehr direkt die bedrohliche Atmosphäre von „Der weiße Hai“ zitiert und der später eindrücklich die Folgen der wahren Katastrophe zeigt. Aber in dem Film geht es um Menschen in einer realen Situation. In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ geht es um Eskapismus im Blockbuster-Format, bei dem, so lange riesige Tiere aufeinander losgehen, eine persönliche Handschrift und mehrere erzählerische Ebenen nicht benötigt werden.
Es gibt in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auch keine richtige, in sich abgeschlossene Geschichte, sondern nur einen Mittelteil, der dazu dient, viele Menschen und Tieren in die richtige Position für die finale Schlacht zu bringen.
In dem Gewusel bleibt dann wenig Zeit, um die verschiedenen Personen genauer zu charakterisieren und sie auf eine emotionale Reise zu schicken. Alles muss immer schnell gehen. Außerdem sind inzwischen auch im „Jurassic World“-Universum so viele wichtige Charaktere dabei, dass, wie bei einer TV-Serie, für den einzelnen Charakter innerhalb des Films kaum Zeit bleibt. So hat Jeff Goldblum im Film als vor dem menschlichen Treiben warnender Wissenschaftler Ian Malcolm nur zwei Szenen, die er sitzend wahrscheinlich innerhalb eines Tages abdrehte.
Es ist auch ein Film, der ständig an andere Filme erinnert. Schießwütige Söldner und die irrwitzige Idee, Dinosaurier auf das Festland zu bringen, kennen wir bereits aus „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“. Anderes aus etlichen Monsterheulern, den neuen „Planet der Affen“-Filmen, „King Kong“, bzw. „Kong“ und, zuletzt, „Rampage“; – – – eigentlich erzählt „Rampage“ eine sehr ähnliche Geschichte, die dank der Konzentration auf wenige Personen und Tiere, deutlich besser und vor allem mit mehr Augenzwinkern, vulgo vergnüglicher, erzählt wird.
Jurassic World: Das gefallene Königreich (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)
Regie: J. A. Bayona
Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly
LV: Charaktere von Michael Crichton
mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Rafe Spall, Justice Smith, Daniella Pineda, James Cromwell, Toby Jones, Ted Levine, Jeff Goldblum, Isabella Sermon, BD Wong, Geraldine Chaplin
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly, Colin Trevorrow
LV: Charaktere von Michael Crichton
Jedes Jahr besuchen Tausende die Isla Nublar, um dort lebendige Dinosaurier zu bestaunen. Eines Tages ergänzen die Urviecher ihren Speiseplan um die Inselbesucher und, nun, drücken wir es mal so aus: die Urlauber erleben einen unvergesslichen Urlaub. Wenn sie ihn überleben.
Unterhaltsamer und an der Kinokasse sehr erfolgreicher Dino-Thriller, der die Geschichte von „Jurassic Park“ weiter erzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
Heute startet die Fortsetzung „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Besprechung folgt) und der dritte Film, der die Trilogie abschließen soll, ist bereits in Arbeit.
mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Judy Greer, BD Wong, Omar Sy, Jake Johnson, Irrfan Khan, Katie McGrath
Der Preis wird (neben vielen anderen wichtigen Krimipreisen) auf der Bouchercon verliehen. Sie ist dieses Jahr vom 6. bis zum 9. September in St. Petersburg, Florida.
Nominiert sind:
Best Original Private Eye Paperback:
• Play a Cold Hand, by Terence Faherty (Perfect Crime)
• The Strange Disappearance of a Bollywood Star, by Vaseem Khan (Redhook)
• Dames Fight Harder, by M. Ruth Myers (CreateSpace)
• The Painted Gun, by Bradley Spinelli (Akashic)
• Lights Out Summer, by Rich Zahradnik (Camel Press)
–
Best First Private Eye Novel:
• Under Water, by Casey Barrett (Kensington)
• A Negro and an Ofay, by Danny Gardner (Down & Out)
• Gone to Dust, by Matt Goldman (Forge)
• August Snow, by Stephen Mack Jones (Soho Crime)
• The Last Place You Look, by Kristen Lepionka (Minotaur)
–
Best P.I. Short Story:
• “Out of Business,” by Eric Beetner (Down & Out: The Magazine, Volume 1/Issue 1)
• “Breakage,” by Reed Farrel Coleman (Down & Out: The Magazine, Volume 1/Issue 1)
Die Crime Writers of Canada haben den diesjährigen Arthur Ellis Award für besonders gelungene kanadische Kriminalromane verliehen:
Best Crime Novel:
Sleeping in the Ground, von Peter Robinson (McClelland & Stewart)
nominiert: The Winners’ Circle, von Gail Bowen (McClelland & Stewart); The Party, von Robyn Harding (Gallery/Scout Press); The White Angel, von John MacLachlan Gray (Douglas and McIntyre); The Forgotten Girl, von Rio Youers (St. Martin’s Press)
–
Best First Crime Novel:
Full Curl, von Dave Butler (Dundurn Press)
nominiert: Puzzle of Pieces, von Sally Hill Brouard (FriesenPress); Ragged Lake, von Ron Corbett (ECW Press); Flush, von Sky Curtis (Inanna); Our Little Secret, von Roz Nay (Simon & Schuster Canada)
–
Best Crime Novella (The Lou Allin Memorial Award):
“How Lon Pruitt Was Found Murdered in an Open Field with No Footprints Around,” von Mike Culpepper (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, September/October 2017)
nominiert: “Snake Oil,” von M.H. Callway (from 13 Claws: The Mesdames of Mayhem; Carrick); Blood and Belonging, von Vicki Delany (Orca); “Dead Clown Blues,” von R. Daniel Lester (Shotgun Honey); “Money Maker,” von Jas R. Petrin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, May/June 2017)
–
Best Crime Short Story:
“The Outlier,” von Catherine Astolfo (from 13 Claws)
nominiert: “There be Dragons,” von Jane Petersen Burfield (from 13 Claws); “Jerusalem Syndrome,” von Hilary Davidson (from Passport to Murder: Bouchercon Anthology 2017, herausgegeben von John McFetridge; Down & Out); “The Ranchero’s Daughter,” von Sylvia Maultash Warsh (from 13 Claws); “The Sin Eaters,” von Melissa Yi (from Montreal Noir, herausgegeben von John McFetridge und Jacques Fillippi; Akashic)
–
Best Non-Fiction Crime Book:
The Whisky King, von Trevor Cole (HarperCollins)
nominiert: Murder in Plain English, von Michael Arntfield and Marcel Danesi (Prometheus); Blood, Sweat and Fear, von Eve Lazarus (Arsenal Pulp Press); The Dog Lover Unit, von Rachel Rose (St. Martin’s Press); Police Wife: The Secret Epidemic of Police Domestic Violence, von Alex Roslin (Sugar Hill)
–
Best Juvenile/Young Adult Crime Book:
Chase, von Linwood Barclay (Puffin Canada)
nominiert: Missing, von Kelley Armstrong (Doubleday Canada); The Disappearance, von Gillian Chan (Annick Press); Thistlewood, von Donna Chubaty (Grasmere); The Lives of Desperate Girls, von MacKenzie Common (Penguin Teen Canada)
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Best Crime Book in French:
Les Tricoteuses, von Marie Saur (Héliotrope Noir)
nominiert: Amqui, von Éric Forbes (Héliotrope Noir); La vie rêvée de Frank Bélair, von Maxime Houde (Éditions Alire); Les clefs du silence, von Jean Lemieux (Québec Amérique); La mort en bleu pastel, von Maryse Rouy (Éditions Druide)
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Best Unpublished Manuscript:
Destruction in Paradise, von Dianne Scott
nominiert: The Alibi Network, vonRaimey Gallant; Finn Slew, vonKen MacQueen; Dig, Dug, Dead, vonSylvia Teaves; Condemned, von Kevin Thornton
–
Grand Master
Gail Bowen
Statement der Crime Writers of Canada dazu: “Gail Bowen is being recognized von Crime Writers of Canada for her long and illustrious career as a crime-fiction author. She has almost 20 books in her long-running Joanne Kilbourn series, several of which were either nominated for or received awards, including the Arthur Ellis Award for Best Novel in 1994, for A Colder Kind of Death. She has also written four Rapid Reads novellas and several plays. She is well established in Canada, highly respected in the writing community, and much sought after von readers. She is frequently a guest at literary events. Several of her Joanne Kilbourn books were turned into a TV series.”
LV: Sir Arthur Conan Doyle: The Lost World, 19112 (Die verlorene Welt)
Vor „Jurassic Park“ gab es „The Lost World“: eine von Sherlock-Holmes Erfinder Sir Arthur Conan Doyle ersonnene Welt im Amazonas, wo es noch Dinosaurier gibt. Als Professor davon erfährt, macht er sich mit einer Gruppe Abenteurer auf den Weg in den nicht erforschten Dschungel.
Ein Klassiker des Stummfilms, des Monsterfilms und ein Erlebnis für Fans von Trickfilmen. Sie alle werden beeindruckt sein von dem damaligen, stilprägenden Hit.
Willis H. O’Brien und Marcel Delgado fertigten über fünfzig Tierfiguren an, die mit dem Stop-Motion-Verfahren zum Leben erweckt wurden.
Arte zeigt die restaurierte und um fehlende Szenen ergänzte Fassung des Films, die 2016 erneut digitalisiert wurde.
Mit Wallace Beery, Bessie Love, Lloyd Hughes, Lewis Stone, Arthur Hoyt
Die Krimibestenliste der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und Deutschlandfunk Kultur empfiehlt in den ereignislosen Stunden zwischen Hitzewelle und Starkregen die Lektüre der auf ihrer aktuellen Bestenliste stehenden Krimis:
1. Denise Mina – Blut Salz Wasser (Platzierung im Vormonat: 2)
Aus dem Englischen von Zoë Beck. Ariadne im Argument-Verlag, 368 Seiten, 19 Euro
2. Dan Chaon – Der Wille zum Bösen ()Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Kristian Lutze, 622 Seiten, 19 Euro
3. Aidan Truhen: Fuck You Very Much (Platzierung im Vormonat: 4)
Aus dem Englischen von Sven Koch und Andrea Stumpf. Suhrkamp, 350 Seiten, 14,95 Euro.
4. Douglas E. Winter – Run (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Peter Mehler. Luzifer, 434 Seiten, 13,95 Euro.
5. Graeme Macrae Burnet: Der Unfall auf der A 35 (Platzierung im Vormonat: 10)
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann. Europa, 304 Seiten, 17,90 Euro.
6. Dominique Manotti – Kesseltreiben (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Französischen von Iris Konopik. Ariadne im Argument-Verlag, 400 Seiten, 20 Euro.
7. Hideo Yokoyama – 64 (Platzierung im Vormonat: 1)
Aus dem Englischen von Sabine Roth und Nikolaus Stingl. Atrium, 768 Seiten, 28 Euro
8. Philip Kerr – Kalter Frieden (Platzierung im Vormonat: 9)
Aus dem Englischen von Axel Merz. Wunderlich, 398 Seiten, 22,95 Euro
9. Joyce Carol Oates – Pik-Bube (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Frauke Czwikla. Droemer, 208 Seiten, 19,99 Euro
10. Friedemann Hahn – Foresta Nera (Platzierung im Vormonat: /)
Pollar, 212 Seiten, 16 Euro
–
Die auf den letzten drei Plätzen genannten Krimis werde ich demnächst besprechen. So wie es aussieht, müsste ich diese Woche etwas mehr Zeit haben.
Ansonsten liegen Mina, Truhen, Manotti bei mir rum. Und noch etliche andere Bücher. Vor allem der neue Horst Eckert, den ich gerne in einigen großen Zügen genießen würde.
Und der neue James Rayburn, Howard Linskey, Misha Glennys „McMafia“ (wegen der Verfilmung) und „Im Schatten von San Marco“, der neue Roman von Martin Cruz Smith. Der soll allerdings ein Liebesroman sein.
10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)
Regie: Dan Trachtenberg
Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle
Nach einem Autounfall mitten im Nirgendwo erwacht Michelle in einem Bunker und der gewohnt grandios von John Goodman gespielt durchgeknallte (?) Hausherr erklärt ihr, dass die Erde von Außerirdischen überfallen wurde. Sie müsse daher bei ihm bleiben.
Ab 22.30 Uhr zeigt 3sat live das Konzert von „Muse“. Davor gibt es Ausschnitte aus anderen „Rock am Ring“-Konzerten und weil „Rock am Ring“ der große Gemischtwarenladen unter den Festivals ist, ist für jeden etwas dabei.
Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)
Regie: Danny Pang, Oxide Pang
Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang
In einem Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, bricht an einem heißen Tag ein Feuer aus – und dann passiert das, was in Katastrophenfilmen immer passiert: Katastrophe reiht sich an Katastrophe, Menschen sterben, Menschen werden gerettet und die Stuntmänner müssen Überstunden schieben.
Trotzdem gefällt das Drama der Pang-Brüder („Bangkok Dangerous“) mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.
mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng
Zuletzt trat Charlize Theron in „Atomic Blonde“ und „Fast & Furious 8“ den Männern so kräftig in den Hintern, dass die Begegnung mit ihr für die Männer meistens tödlich endete. In „Tully“, dem neuen Film von Jason Reitman und Diablo Cody (eine der wenigen Drehbuchautorinnen, deren Name einem breiteren Publikum bekannt ist), spielt Theron Marlo, eine vierzigjährige zweifache Mutter, die gerade zum dritten Mal schwanger ist. Ihr Bauch ist so riesig, dass er schon in den ersten Minuten einen Hinweis auf die Perspektive und Interpretation des Films gibt. Reitman inszenierte zwar gewohnt naturalistisch, fast schon dokumentarisch, aber er nimmt von der ersten Minute an vollständig Marlos Perspektive ein. Und da ist der Bauch riesig und die Probleme, die mit dem dritten Kind kommen, sind noch größer. Vor allem weil ihr Mann keine große Hilfe für sie ist. Er verdient das Geld. Nach einer Beförderung noch mehr, aber er ist wenig zu Hause und nach Feierabend starrt er, im Bett, gebannt auf den Fernseher. Ihr fünfjähriger Sohn ist so verhaltensauffällig, dass die Schule ihn nicht weiter unterrichten will. Und sie hat niemand, der ihr bei den Kindern und dem Haushalt hilft.
Da bietet ihr vermögender Bruder ihr an, ihr eine Nacht-Nanny zu bezahlen. Sie kümmert sich in der Nacht, während die Mutter schläft, um das Baby. Sie übernimmt die Aufgaben, die früher die Familie, vor allem die Oma, übernommen hat.
Tully (Mackenzie Davis) heißt die Nacht-Nanny und sie ist ganz anders, als Marlo es erwartet hat. Tully ist jung. Mitte Zwanzig. Sie wirkt wie eine etwas ältere Studentin.Sie erinnert Marlo an ihr jüngeres, freigeistiges Ich. Für Marlo ist sie in dem Moment der perfekte rettende Engel. Tully kümmert sich nämlich nicht nur um das Baby, sondern auch um den restlichen Haushalt. Nur wir wollen nicht an den schönen Schein glauben. Immerhin haben wir spätestens seit „Die Hand an der Wiege“, genug Filme gesehen, in denen Babysitter nicht so Mary-Poppins-harmlos waren, wie sie auf den ersten Blick erschienen.
Diablo Cody verarbeitete in ihrem Drehbuch wieder persönliche Erlebnisse. Sie ist selbst dreifache Mutter und nahm bei ihrem dritten Kind eine Nacht-Nanny. Aus dieser Inspiration schuf sie die Studie einer ausgewachsenen postpartalen Depression (vulgo Babyblues oder Heultage) und einer Beziehung zwischen einer Mutter, die glaubt, alles alleine machen zu müssen, und dem guten Hausgeist, der nach Sonnenuntergang auftaucht und vor Sonnenaufgang wieder spurlos verschwindet.
Jason Reitman verfilmte bereits kongenial zwei Drehbücher der gleich alten Cody. Er verfilmte auch „Tully“ mit der ihm eigenen, immer den Personen zugewandten, sie niemals verurteilenden Feinfühligkeit. In „Juno“ arbeiteten sie erstmals zusammen. Der Film, Codys Oscar-prämiertes Debüt und Reitmans zweiter Film (nach dem Sundance-Hit „Thank you for smoking“), war für sie der große Durchbruch. Sie erzählen die Geschichte einer schwangeren Sechzehnjährigen, die ihr Kind zur Adoption freigeben will. In „Young Adult“ geht es um eine Jugendbuchautorin, die mit Mitte Dreißig plötzlich die Zeit zurückdrehen und ihre Jugendliebe wieder verführen will. Rückblickend betrachtet war ich damals wohl etwas zu harsch gegenüber dem Film. In „Tully“ geht es dann um die Probleme einer mehrfachen Mutter, ihren Alltag zu organisieren.
Jeder dieser Filme wirft einen originären Blick auf das Leben und die Gefühle von Frauen. Sie sind komplexe Charaktere, die versuchen, mit ihrem Leben zurecht zu kommen. Dabei ergibt sich, wenn man die drei Filme als fiktive Chronologie von Diablo Codys Leben und Gefühlswelt betrachtet, eine die Filme überspannende Entwicklung von jugendlicher Unbeschwertheit über Selbstfindungsprobleme hin zu mehrfacher Mutterschaft und Verantwortung für mehrere Menschen. Salopp gesagt: von spitzer Komödie zu düsterem Drama. In „Tully“ gibt es nichts mehr zu lachen. Die Protagonistin denkt nicht mehr daran, wie sie die Welt verändern will, sondern wie sie früher die Welt verändern wollte und wie sie früher ein freier und ungebundener Mensch war. Wie Tully. Heute ist sie, ständig übermüdet, im Gefängnis von drei Kindern, deren Forderungen und den Ansprüchen der Gesellschaft, die im Alltag gerne das Hollywood-Bild einer glücklichen Mutter hätte.
Und Charlize Theron, die schon in „Young Adult“ die Hauptrolle hatte, sieht hier wirklich wie die vierzigjährige, ständig übermüdete und überforderte Mutter aus, die keine Zeit mehr hat, auf ihr Aussehen oder ihren Körper zu achten, aus. Sie will nur noch den nächsten Tag überleben.
Mütter werden in Marlo leicht ein Ebenbild von ihnen erkennen. Männer werden vielleicht besser verstehen, was eine Frau nach der Schwangerschaft durchmacht. Und am Ende haben beide einen Film gesehen, der sehr gelungen und scheinbar mühelos die verschiedenen Themen, Motive und Fährten zu einem Ende zusammenfügt, das nichts von einem typischen Hollywood-Ende hat.
P. S. für James-Bond-Fans: Kaitlyn und Mady Dever singen als Beulahbelle eine Cover-Version von „You only live twice“.
Tully (Tully, USA 2018)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Diablo Cody
mit Charlize Theron, Mackenzie Davis, Ron Livingston, Mark Duplass, Lia Frankland, Asher Miles Fallica
Die sechzehnjährige Juno (Ellen Page) ist schwanger. Aber anstatt das mit einem Schulkameraden gezeugte Kind abzutreiben, möchte sie es zur Adoption freigeben. Sie hat auch schon die richtigen Eltern gefunden.
Die herrlich unsentimentale, schnoddrige und immer wieder altkluge Komödie war ein Überraschungserfolg. Diablo Cody erhielt für ihr Buch den Drehbuchoscar.
„Juno“ ist die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman und Diablo Cody. „Young Adult“ (mit Charlize Theron) und „Tully“ (ebenfalls mit Theron) folgten. In den Filmen reflektiert Cody auch ihr Leben.
„Tully“ läuft heute in den deutsche Kinos an – und der Film, auch wenn er keine Komödie ist, einen Blick wert.
Mit Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, J. K. Simmons
Zwischen seine anspruchsvollen Filme, die ihm Kritikerlob und Preise bescheren, mischt Ethan Hawke immer wieder kleine Thriller mit mehr oder weniger viel Action. „24 Hours to Live“ hat mehr Action. Trotzdem ist der Hinweis „Vom Produzenten von John Wick“ auf dem Cover etwas irreführend. Brian Smrz‘ Film ist keine Actionorgie, sondern ein gut abgehangener B-Thriller, der dank der Schauspieler, dem Schauplatz Südafrika, der soliden Inszenierung und einiger Anspielungen auf aktuelle Probleme (wie illegale medizinische Experimente und die Umtriebe von privaten Militärunternehmen) über dem Durchschnitt ist. Jedenfalls solange man nicht zu genau über die Prämisse nachdenkt. Denn der von Ethan Hawke gespielte Ex-Söldner Travis Conrad wird nach seinem Tod zurück ins Leben geholt. Für 24 Stunden. Dann wird er endgültig sterben. Und weil er am Anfang dieser 24 Stunden erfährt, dass er von seinen Auftraggebern hereingelegt wurde, begibt er sich auf einen Rachetrip quer durch das fotogene Südafrika, dem Sitz des privaten Militärunternehmens, für das Conrad jahrelang arbeitete und das ihn jetzt töten will.
„24 Hours to Live“ ist ein hübscher kleiner Thriller, der früher auch im Kino gelaufen wäre. Mehr oder weniger unter dem Radar der Kritik.
Regisseur Brian Smrz ist ein verdienter Stuntman (seine erste Arbeit war 1981 für „Die Kadetten von Bunker Hill“) und Second Unit Regisseur. Unter anderem bei fast allen „X Men“-Filmen und „Iron Man 3“. „24 Hours to Live“ ist sein zweiter Spielfilm.
24 Hours to Live (24 Hours to Live, LAND 2017
Regie: Brian Smrz
Drehbuch: Ron Mita, Jim McClain, Zach Dean
mit Ethan Hawke, Paul Anderson, Rutger Hauer, Qing Xu, Liam Cunningham, Nathalie Boltt, Hakeem Kae-Kazim