TV-Tipp für den 8. Februar: Gran Torino

Februar 8, 2018

Kabel 1, 22.25

Gran Torino (USA 2008, Regie: Clint Eastwood)

Drehbuch: Nick Schenk (nach einer Geschichte von Dave Johannson und Nick Schenk)

Das Leben des verbitterten, rassistischen Korea-Veteranen Walt Kowalski gerät aus den gewohnten Bahnen, als er einen Hmong-Nachbarjungen gegen eine Straßengang verteidigt (sie hatten den Fehler begangen ihren Streit auf Kowalskis Rasen austragen zu wollen). Kowalski wird zum Helden der asiatischen Gemeinschaft und die Straßengang will die erlittene Schmach vergelten.

Der bislang vorletzte Leinwandauftritt von Clint Eastwood. Danach drehte er noch ungefähr im Jahrestakt jedes Jahr einen Film. Denn Eastwood zaudert nicht lange, wenn ihm das Buch gefällt. Oft verfilmt er sogar die erste Fassung (in Hollywood bekannt als die Fassung, mit der die Gespräche beginnen, die aber vor dem Dreh noch mehrmals überarbeitet werden muss). Auch bei „Gran Torino“ änderte Eastwood nichts am Drehbuch.

Gedreht wird auch schnell. „Million Dollar Baby“ war vor der geplanten Drehzeit fertig (und die war mit 39 Tagen auch nicht gerade üppig) und kostete deutlich weniger, als zuerst von den Produzenten zuerst gesagt wurde (normalerweise dürfte es umgekehrt sein; Oh, und auch die zuerst genannten Kosten waren gar nicht so hoch.). Bei „Gran Torino“ waren 35 Drehtage angesetzt. Nach 33 Tagen war der Film im Kasten. Das Budget betrug ziemlich lächerliche 33 Millionen US-Dollar.

Tja, und, wie schon bei „Million Dollar Baby“ und „Erbarmungslos“ war die Kritik begeistert und wurde nicht müde, über „Gran Torino“ als Alterswerk das ein gutes Vermächtnis wäre, zu fabulieren. Dabei erzählt der Film doch einfach nur eine gute Geschichte.

Trotzdem hat „Gran Torino“ den Dagger als „best big-screen crime thriller story“, den César als bester ausländischer Film und die ganzen anderen Preise verdient.

Mit Clint Eastwood, Christopher Carley, Bee Vang, Ahney Her, Brian Haley, Geraldine Hughes, Dreama Walker, Brian Howe

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gran Torino“

Wikipedia über “Gran Torino” (deutsch, englisch)

CTV.ca: AP-Artikel über Nick Schenk

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


„Eine Leiche auf Abwegen“, ein Ermittler mit Asperger

Februar 7, 2018

Samuel Hoenig hat Asperger. Deshalb hat er es mit dem zwischenmenschlichen Kontakt nicht so. Aber er kann sich in Probleme vertiefen und dank seiner kleinen Agentur „Fragen Beantworten“ in Piscataway, New Jersey, auch etwas Geld verdienen.

Seine neue Kundin, Sheila McInerney, will wissen wer der Mann ist, der behauptet, ihr Ehemann zu sein. Denn sie kann sich nicht daran erinnern, Oliver ‚Ollie‘ Lewis geheiratet zu haben.

Als kurz darauf Lewis‘ Leiche in Hoenigs Büro liegt, will Hoenig wissen, wer Lewis ermordete.

Bei der Täterjagd helfen ihm seine Sekretärin, Janet Washburn, die alle seine Ticks klaglos erträgt, und seine Mutter, die ihm die normale Welt erklärt und das Abendessen kocht.

Diese Konstellation von genialem Ermittler und nicht so genialen Gehilfen erinnert natürlich an die erfolgreiche TV-Serie „Monk“ mit dem genialen, an einer extremen Zwangsstörung leidendem Ermittler Adrian Monk, der für die Polizei von San Francisco immer wieder Fälle übernimmt. Begeitet wird er zunächst von Sharona Fleming, später von Natalie Teeger. Im Fahrwasser von „Monk“ entstanden in den letzten Jahren zahlreiche Serien, in denen ebenfalls ein genialer Ermittler mit mehr oder weniger vielen Schrullen und Psychosen Fälle aufklärt. Das historische Vorbild ist natürlich das Gespann Sherlock Holmes/Dr. Watson, das seit einigen Jahren ebenfalls wieder sehr erfolgreich ermittelt. Normalerweise werden die Fälle von dem normalbegabten Helfer des genialen Detektivs erzählt.

Das macht Jeff Cohen anders. Bei ihm erzählt Hoenig die Geschichte und er weist immer wieder auf sein Asperger-Syndrom hin. Immer wieder erklärt er, wie wichtig für ihn Regeln sind, wie wenig er den Kontakt zu schmutzigen Dingen (also ungefähr alles, was wir ständig anfassen) mag, wie gut sein Gedächtnis (eine gute Sache bei Telefonnummern) und seine Beobachtungsgabe ist und wie rätselhaft für ihn Gesichtsausdrücke und Redewendungen sind. Kurz: Hoenig ist wie Adrian Monk, nur nicht so extrem zwangsgestört.

Der Fall selbst ist ein konventioneller Rätselkrimi mit vielen Verdächtigen und Identitäten. Denn der ermordete Lewis hat mehrere Scheidungen hinter sich und er verdient sein Geld, indem er älteren Herrschaften Geldanlagen empfiehlt. Diese sind letztendlich ein riesiger Betrug sind, weil er das Geld nicht gewinnbringend anlegt, sondern für andere Dinge benutzt.

Trotz der vielen Mordverdächtigen war für mich schon kurz nach der Buchmitte (um genau zu sein: auf Seite 211) mit dem Bericht des Gerichtsmediziners klar, wer warum den Mord verübte. Es war in dem Moment natürlich nur eine letztendlich zutreffende Vermutung, die ich unter der Bedingung hatte, dass es nur einen Oliver Lewis gibt und er der Tote ist.

Am Ende des Romans blieb für mich allerdings eine wichtige Frage unbeantworet (Warum wurde die Leiche von Lewis in Hoenigs Büro gelegt?) und das Bedauern, dass die Enttarnung des Mörders doch sehr kryptisch, fast schon lieblos präsentiert wird. Da hätte ich gerne eine dieser langen Erklärungen gehabt, in denen der geniale Ermittler allen Beteiligten, Verdächtigen und dem Mörder genau erzählt, wie alles ablief.

So ist „Eine Leiche auf Abwegen“ nur ein vergnüglicher Krimi für Zwischendurch. Flott zu lesen, mäßig witzig und unterhaltsam, ohne einen mit tiefsinnigen Problemen zu belasten.

Hinweis: Im Original erschienen die Hoenig-Romane auch unter Jeffrey Cohens Pseudonym E. J. Copperman, oft mit seinem richtigen Namen auf dem Cover.

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Jeff Cohen: Eine Leiche auf Abwegen

(übersetzt von Bernd Stratthaus)

Blanvalet, 2018

384 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

The Question of the unfamiliar Husband (An Asperger’s Mystery)

Midnight Ink, Woodbury, 2015

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Immer noch erhältlich: Der erste Auftritt von Samuel Hoenig

Jeff Cohen: Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen

(übersetzt von Bernd Stratthaus

Blanvalet, 2016

384 Seiten

9,99 Euro

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Hinweise

Homepage von Jeff Cohen

Blanvalet: Interview mit Jeff Cohen zu „Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen“


TV-Tipp für den 7. Februar: Persona

Februar 7, 2018

Arte, 23.05

Persona (Persona, Schweden 1966)

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Eine Pflegerin (Bibi Andersson) soll sich um eine verstummte und apathische Bühnendiva (Liv Ullmann) kümmern. In einem Ferienhaus auf einer einsamen Insel.

Sehr selten gezeigte hochgelobte, experimentelle Psychostudie von Bergman. „Formal streng und asketisch, inhaltlich reich an metaphysischen und psychologischen Spekulationen, variiert der Film auf faszinierende Weise Grundmotive Bergmans – die Abwesenheit Gottes und die Einsamkeit des auf sich selbst zurückgeworfenen Menschen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor zeigt Arte im Rahmen seines Ingmar-Bergman-Themenabends, um 21.50 Uhr „Ein Abend mit Ingmar Bergman“ (Deutschland 2018) und um 22.10 Uhr die Doku „Der Film, der Ingmar Bergman rettete“ (Frankreich 2016) über „Persona“

mit Liv Ullman, Bibi Andersson, Margareta Krook, Gunnar Björnstrand, Jörgen Lindström

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Persona“

Wikipedia über „Persona“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Februar 7, 2018


DVD-Kritik: Steven Soderberghs gelungene Hinterwäldler-Gaunerkomödie „Logan Lucky“

Februar 6, 2018

Zum Filmstart von Steven Soderberghsglorreicher Rückkehr ins Kino schrieb ich:

Hätte Steven Soderbergh nicht vor vier Jahren, nach „Liberace“, pompös seinen Abschied vom Kino und dem Regieführen verkündet, wäre es niemand aufgefallen. Denn nach „Liberace“ drehte er zwei Staffeln der Krankenhausserie „The Knick“ und er bereitete schon bei „Magic Mike XXL“, der vor zwei Jahren bei uns anlief und bei dem Soderbergh als Peter Andrews Kameramann war, „Logan Lucky“ vor. „Logan Lucky“ wurde dann ab dem 24. August 2016 an 35 Tagen gedreht. Inzwischen sind zwei weiter Filme von Soderbergh, bei denen er Regie führte, in der Postproduktion und ein weiterer Film ist angekündigt. Ein Rückzug von der Regie sieht wahrlich anders aus. Vor allem weil bei anderen Regisseuren der Abstand zwischen zwei Filmen teilweise länger als Soderberghs Rückzug vom Regieführen ist.

In „Logan Lucky“ kehrt der enorm produktive Regisseur in vertrautes Terrain zurück. „Es ist wie ein Cousin der Ocean’s-Filme, gleichzeitig stellt es diese Filme auch auf den Kopf, weil den Hauptfiguren in diesem Fall nicht beliebig viel Geld und keine Technologie zur Verfügung steht. Sie befinden sich wirtschaftlich in prekären Verhältnissen. Ein paar Mülltüten voller Geld würden ihr Leben komplett verändern“, sagt Soderbergh zu seinem Film.

Den Plan für den Diebstahl heckt Jimmy Logan (Channing Tatum) aus, nachdem er wegen seiner alten Beinverletzung von der Baufirma entlassen wird. Bei der Arbeit entdeckte er ein Rohrpostsystem, das unter dem Charlotte Motor Speedway bei Charlotte, North Carolina, liegt und in dem während Rennen das Geld von den Kassen in den Zentralsafe befördert wird. Am meisten Geld wird bei dem Coca Cola Cup 600, einem legendären und prestigeträchtigen NASCAR-Rennen am „Memorial Day“-Wochenende, umgesetzt.

Die Beute würde all seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag beenden.

Den Diebstahl kann er nicht allein durchführen und er möchte, immerhin ist er ein gesetzestreuer Bürger, bei dem Diebstahl niemand verletzten und auch keine Gewalt anwenden. Also überzeugt er seinen einarmigen Bruder Clyde (Adam Driver), der als Barkeeper sein Geld verdient, und den Gangster Joe Bang (Daniel Craig), der allerdings gerade inhaftiert ist, ihm zu helfen. Bang ist einverstanden, wenn seine beiden Brüder Fish (Jack Quaid) und Sam (Brian Gleeson) dabei sind. Dummerweise vereinigen die beiden Meth-Nasen kongenial alle Eigenschaften auf sich, die den Plan zum Scheitern bringen könnten. Und Jimmys Schwester Mellie (Riley Keough) ist auch noch dabei.

Jimmy entwirft einen Plan, den man ihm in dieser Komplexität niemals zugetraut hätte. Immerhin ist er noch nicht einmal fähig, seine Telefonrechnung pünktlich zu bezahlen.

Wie es sich für ein Heist-Movie gehört, gibt es immer wieder neue Probleme, die den perfekten Plan gefährden können und überraschende Wendungen, weil die Verbrecher sich auf alle Eventualitäten vorbereiten und sie sich nicht so richtig trauen können. Aber im Gegensatz zu der smarten Gang um Danny Ocean sind die Logan- und Bang-Geschwister als waschechte Hillbillies keine Geistesgrößen. Pechvögel sind sie, nach Clydes Theorie über den Fluch der Logans, auch. Da scheint nur das sprichwörtliche Deppenglück den Plan vor einem grandiosen Scheitern bewahren zu können.

Aber, und das kann hier verraten werden, so einfach macht Soderbergh es dann doch nicht für die Logan-Bang-Gang.

Mit seiner Kinorückkehr „Logan Lucky“ hat Steven Soderbergh eine wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie inszeniert, die von ihren Charakteren, dem Milieu und dem Plan lebt. Da ist es egal, dass die minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde.

Die Schauspieler hatten jedenfalls ihren Spaß und in der Originalfassung baden sie im fast unverständlichen regionalen Dialekt von West Virginia und den Appalachen.

Und Soderbergh setzt bei den Credits die Flunkereien, die den gesamten Film beherrschen, fort. Als Peter Andrews war er für die Kamera und als Mary Ann Bernard für den Schnitt zuständig. Das sind zwei von ihm oft benutzte Pseudonyme. Ob Rebecca Blunt ein Pseudonym ist und, wenn ja, wer sich dahinter verbirgt, ist noch unklar. Jedenfalls tritt sie nicht öffentlich auf und die Hauptdarsteller kommunizierten nur elektronisch mit ihr. Es wurde vermutet, dass Soderbergh selbst, oder seine Frau Jules Asner oder der Komiker John Henson das Buch geschrieben haben. Im Presseheft wird, was dann aber eine arg dusselige Enttarnung wäre, Reid Carolin, neben Rebecca Blunt, als Drehbuchautor genannt. Carolin schrieb auch die Bücher für „Magic Mike“ und „Magic Mike XXL“.

Wie heißt es so schön? Alles bleibt in der Familie.

 

Auf den ersten Blick ist das Bonusmaterial sehr umfangreich. Auf den zweiten Blick besteht es aus zwei „Deleted Scenes“ (3:49 Minuten), die eher amüsant als tragend für die Handlung sind, einem kurzen Werbe-“Making of“ (3:10 Minuten), Interviews vom Roten Teppich vor der Premiere mit Produzent Reid Carolin (2:24 Minuten), Channing Tatum (3:13 Minuten) und Adam Driver (2:09 Minuten), die ebenfalls reine Promo-Statements sind, und einem Interview mit Steven Soderbergh (17:51 Minuten). In dem langen Interview spricht Soderbergh über verschiedene Aspekte des Films. Das informative Interview ist das Herzstück des Bonusmaterials.

Soderberghs nächster Film, der Horrorthriller „Unsane: Ausgeliefert“, soll nach der Berlinale-Premiere am 29. März in unseren Kinos anlaufen.

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

–

DVD

Studiocanal

Bild: 2,4:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deleted Scenes, Interviews mit Channing Tatum, Adam Driver, Reid Carolin, Trailer, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 6. Februar: Life of Crime

Februar 6, 2018

Tele 5, 20.15

Life of Crime (Life of Crime, USA 2013)

Regie: Daniel Schechter

Drehbuch: Daniel Schechter

LV: Elmore Leonard: The Switch, 1978 (Wer hat nun wen auf’s Kreuz gelegt?)

1978 hoffen die Ganoven Ordell Robbie and Louis Gara (yep, die in „Rum Punch“/“Jackie Brown“ wieder dabei sind), mit der Entführung der Frau eines Immobilienhais an das große Geld zu kommen. Dummerweise will der Geschäftsmann seine Frau nicht wieder haben. Und die will sich das nicht gefallen lassen.

TV-Premiere: Verfilmung eines alten Elmore-Leonard-Romans, der trotz guter Besetzung bei uns nur auf DVD erschien.

Dabei scheint sie gar nicht so schlecht zu sein: „Dank guter Darsteller und flotter Inszenierung wird aus dem etwas abgegriffenen Komödienstoff halbwegs passable Unterhaltung.“ (Lexikon des internationalen Films).

Frühere Verfilmungspläne wurden wegen einer zu großen Ähnlichkeit zur erfolgreichen Komödie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ (USA 1986) gecancelt.

mit Jennifer Aniston, Yasiin Bey (aka Mos Def), Isla Fisher, Will Forte, Mark Boone Junior, Tim Robbins, John Hawkes, Kevin Corrigan

Wiederholung: Freitag, 9. Februar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Life of Crime“

Wikipedia über „Life of Crime“

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Der seidene Faden“ der Liebe zwischen Daniel Day-Lewis und Vicky Krieps, beobachtet von Lesley Manville

Februar 5, 2018

Das ist also der Film, mit dem Daniel Day-Lewis seine Schauspielerkarriere beenden will. Sagt in Interviews der am 29. April 1957 in London geborene, inzwischen zum irischen Staatsbürger gewordene hochgelobte Schauspieler. Er vertieft sich oft für Ewigkeiten in seine Rollen. Er war schon immer sehr wählerisch. Er legte deshalb immer wieder lange Pausen zwischen den Filmen ein, in denen er sich aus dem Filmgeschäft zurückzog. Entsprechend schmal ist seine Filmographie. Die IMDB listet gerade einmal dreißig Filmauftritte auf. Sie ist allerdings auch ungewöhnlich hochkarätig. Zu seinen Filmen gehören „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Zimmer mit Aussicht“, „Mein linker Fuß“, „Der letzte Mohikaner“, „Im Namen des Vaters“, „Gangs of New York“ und „Lincoln“. Mit Paul Thomas Anderson, dem Regisseur von „Der seidene Faden“, arbetete er bereits 2007 in „There will be Blood“ zusammen. Für sein Porträt eines skrupellosen Öl-Magnaten erhielt er seinen zweiten Oscar als bester Hauptdarsteller.

Er erhielt insgesamt drei Oscars und gewann weitere 140 Filmpreise, unter anderem zwei Golden Globes und vier Baftas.

Wenn die diesjährigen Preisverleihungen abgeschlossen sind, dürfte Day-Lewis, der selbstverständlich für „Der seidene Faden“ das Schneiderhandwerk erlernte, für sein Porträt des Modemachers Reynolds Woodcock einige weitere Trophäen erhalten haben.

Woodcock ist im London der fünfziger Jahre ein Schneider für die High Society. Er und seine Schwester Cyril (Lesley Manville) leben in einem für die Londoner Couturier-Szene typischen kleinem Modehaus in Mayfair. Es ist gleichzeitig Wohn- und Arbeitshaus und Produktionsstätte. Sie leben dort in einem von der Welt abgeschotteten Welt. Sie führt die Geschäfte, organisiert das tägliche Leben und achtet darauf, dass ihr Bruder die von ihm gewünschten Bedingungen für seine Kreativität hat. Sie achtet darauf, dass alle seine Regeln penibel eingehalten und seine Schrullen klaglos toleriert werden. So verlangt er beim Frühstück absolute Ruhe. Nur so kann er sich auf seinen Tag einstimmen und kreativ sein. Für Fremde ist das tägliche gemeinsame Frühstück eine Tortur, die in einem Mikrokosmos die Welt des „House of Woodcock“ zeigt.

Als Woodcock einen Wochenendauflug in ihr Landhaus Owlpen Manor unternimmt, trifft er in einem Fischerdorf in einem Restaurant die junge, etwas unbeholfene Kellnerin Alma (Vicky Krieps). Er ist von ihr fasziniert, lädt sie für den Abend ein, verführt sie (was angesichts seiner gesellschaftlichen Stellung leicht ist) und erwählt sie zu seiner neuen Muse.

Sie zieht bei ihm ein und muss als erstes die vielen Hausregeln lernen, wozu unter anderem die schon erwähnte absolute Stille beim gemeinsamen Frühstück gehört; – und wahrscheinlich wurde noch nie so ausdauernd und nervig ein Brötchen mit Butter bestrichen, bis auch der letzten Zuschauer im Saal verstanden hat, dass diese Art des Brötchenstreichens der Horror ist. Jedenfalls für einen Feingeist wie Woodcock, der in einer Zeit lebte, als Kreative wegen ihres Künstlertums jede Marotte und Neurose ausleben durften, weil sie nur so kreativ sein konnten.

Alma ist allerdings nicht bereit, sich klaglos den Hausregeln unterzuordnen.

„Der seidene Faden“ ist eine Gothic Romance, die immer wieder an Alfred Hitchcocks Daphne-du-Maurier-Verfilmung „Rebecca“, die Urmutter aller Gothic Romances, erinnert. Schließlich ist Alma im Woodcock-Haus quasi gefangen und den Launen des Hausherrn und seiner strengen Schwester gnadenlos ausgesetzt. Jedenfalls bis Woodcock genug von ihr hat und sich seine nächste Muse sucht. Nur dass dieses Mal die Muse das nicht akzeptieren möchte. Sie kämpft um ihren Platz an Woodcocks Seite und um ihre Eigenständigkeit. Und wer will kann diesen Kampf auch als den Kampf der weitgehend unbekannten Luxemburgerin Vicky Krieps („Der junge Karl Marx“, „Colonia Dignidad“, „A most wanted Man“) gegen Daniel Day-Lewis interpretieren. In jedem Fall behauptet sie sich erfolgreich gegen den älteren Mann, der, das muss auch gesagt werden, in einer Welt voller Frauen lebt, die ihn bewundern, seine Kreationen wollen, aber auch über ihn bestimmen. Ob das seine Schneiderinnen sind, die in einer hierarchisch fein abgestuften Klassengesellschaft im House of Woodcock arbeiten, oder seine vermögenden Kundinnen oder seine verstorbene Mutter oder seine Schwester, die als Haushälterin alles so organisiert, dass er für seine Kundinnen seine beste Leistung erbringen kann.

Paul Thomas Anderson erzählt diese letztendlich sehr verquere, dunkle Liebesgeschichte mit grandiosen Schauspielern, der sich bewusst in den Vordergrund spielenden Musik von „Radiohead“-Musiker und Anderson Hauskomponist Jonny Greenwood, einer prächtigen Ausstattung und einem sehr präzisen Blick auf kleinste Details. Die zahlreichen Anspielungen, erzählerischen Verschränkungen und Doppeldeutigkeiten machen „Der seidene Faden“ zu einem sehr komplexen und bezugreichen Werk. Allerdings erzählt Anderson seine Geschichte sehr langsam. Am Ende dauert der Film über hundertdreißig Minuten, aus denen man mindestens dreißig Minuten hätte herausschneiden können.

Der seidene Faden (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

mit Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville, Brian Gleeson, Sue Clark, Harriet Sansom Harris, Lujza Richter

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der seidene Faden“

Metacritic über „Der seidene Faden“

Rotten Tomatoes über „Der seidene Faden“

Wikipedia über „Der seidene Faden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

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Zwei Gespräche mit Paul Thomas Anderson über den Film

Zwei Gespräche mit Vicky Krieps über den Film


TV-Tipp für den 5. Februar: Der namenlose Tag

Februar 5, 2018

ZDF, 20.15

Der namenlose Tag (Deutschland 2018)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff

LV: Friedrich Ani: Der namenlose Tag,2015

Als Doris Winther sich erhängt, rollt der pensionerte Kommissar Jakob Franck einen alten Fall wieder auf: vor Jahren hatte Doris Winthers Tochter Esther Suizid begangen. Franck fragt sich jetzt, ob er damals etwas übersehen hatte und Esther ermordet wurde.

TV-Premiere: Schlöndorff verfilmt Ani. Was kann da schief gehen?

Mit Thomas Thieme, Devid Striesow, Ursina Lardi, Jan Messutat, Stephanie Amarell, Ursina Lardi

–

Die Vorlage, als Taschenbuch

Friedrich Ani: Der namenlose Tag

Suhrkamp, 2016

304 Seiten

10,99 Euro

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Der zweite Fall für Jakob Franck; jetzt sucht er den Mörder eines elfjährigen Jungen

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

Suhrkamp, 2017

320 Seiten

20 Euro

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Hinweise

ZDF über „Der namenlose Tag“

Filmportal über „Der namenlose Tag“

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “M” (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Die Krimibestenliste Februar 2018

Februar 5, 2018

Überhaupt nicht närrisch, die Krimibestenliste der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und des Deutschlandfunk Kultur für den kurzen Februar:

1. (3) Oliver Bottini: Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

DuMont, 414 Seiten, 22 Euro

2. (-) Mike Nicol: Korrupt

Aus dem Englischen von Mechthild Barth

btb, 510 Seiten, 10 Euro

3. (2) Jan Costin Wagner: Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Galiani, 236 Seiten, 20 Euro

4. (7) Volker Heise: Außer Kontrolle

Rowohlt Berlin, 240 Seiten, 20 Euro

5. (-) Dror Mishani: Die schwere Hand

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke

Zsolnay, 288 Seiten, 22 Euro

6. (-) William Boyle: Gravesend

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf

Polar, 294 Seiten, 18 Euro

7. (-) Gerald Seymour: Vagabond

Aus dem Englischen von Zoë Beck und Andrea O’Brien

Suhrkamp, 498 Seiten, 14,95 Euro

8. (-) Regina Nössler: Schleierwolken

konkursbuch, 316 Seiten, 12 Euro

9. (-) Tony Parsons: In eisiger Nacht

Aus dem Englischen von Dietmar Schmidt

Lübbe, 334 Seiten, 15 Euro

10. (-) Antti Tuomainen: Die letzten Meter bis zum Friedhof

Aus dem Finnischen von Niina Katariina Wagner und Jan Costin Wagner

Rowohlt, 318 Seiten, 19,95 Euro

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

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Polar macht, wie ein Blick auf den sechsten Platz verrät, weiter. Mit einem neuen Geldgeber und, nach der kurzen Zwangspause, als Hardcover. Passt ja zu harten Büchern.


Die Nominierungen für den Friedrich-Glauser-Preis 2018

Februar 4, 2018

Das Syndikat, die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, hat die diesjährigen Nominierungen für den Friedrich-Glauser-Preis bekannt gegeben. Die Preisverleitung ist am 5. Mai auf der Criminale in Halle.

Nominiert sind:

Bester Kriminalroman

Raoul Biltgen: Schmidt ist tot, Verlag Wortreich

Alfred Bodenheimer: Ihr sollt den Fremden lieben, Nagel & Kimche

Ellen Dunne: Harte Landung, Insel Taschenbuch

Monika Geier: Alles so hell da vorn, Ariadne

Jutta Profijt: Unter Fremden, dtv

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Bester Debüt-Kriminalroman

Hannah Coler: Cambridge 5, Limes Verlag

Kerstin Ehmer: Der weiße Affe, Pendragon

Gereon Krantz: Unter pechschwarzen Sternen, ProTalk Verlag

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle, Emons

Takis Würger: Der Club, Kein & Aber

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Bester Kurzkrimi

Klaus Berndl mit Feueralarm, in: Feuerspuren, edition karo

Karr & Wehner (Reinhard Jahn und Walter Wehner) mit Hier in Tremonia, in: Killing You Softly, KBV

Thomas Kastura mit Der Zuschauer, in: Kerzen, Killer, Krippenspiel, Knaur

Henry Kersting mit Der Blaue, in: Rache brennt, Verlag am Schloss

Cécile Ziemons mit Dünensingen, in: Feinste Friesenmorde, Leda Verlag

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Hansjörg-Martin-Preis (bester Kinder- und Jugendkrimi)

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg

Christian Linker: Der Schuss, dtv

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg

Ortwin Ramadan: Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

Martin Schäuble: Endland, Hanser

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Ehrenglauser

Edith Kneifl in Würdigung ihres Engagements für die Kriminalliteratur

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Herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten.


TV-Tipp für den 4. Februar: Ich – Die Nummer eins

Februar 3, 2018

Arte, 20.15

Ich – Die Nummer eins (Le silencieux, Frankreich/Italien 1972)

Regie: Claude Pinoteau

Drehbuch: Claude Pinoteau, Jean-Loup Dabadie

LV: Francis Ryck: Drôle de pistolet, 1968 (später nach dem Film “Le Silencieux”) (Ein Sender im Gepäck)

Ein sowjetischer Kernforscher gerät in London zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Spannender, ungewöhnliche Spionagethriller mit einem schweigsamen Helden, der das Opfer von Strukturen wird, und einem Finale in den Alpen.

Damals und heute gelobt: „Brillant inszeniert und gespielt, mit unterschwelliger Ironie und menschlichen Momenten, bietet dieser Erstlingfilm spannende Unterhaltung.“ (Katholischer Filmdienst)

„Spannender kleine Thriller“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Der Roman erhielt 1969 den „Grand prix de littérature policière“.

Mit Lino Ventura, Léa Massari, Leo Genn, Robert Hardy

Videotitel: Wettlauf mit dem Tod

Wiederholung: Freitag, 9. Februar, 14.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Ich – Die Nummer eins“ und Francis Ryck (deutsch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ um WCKD zu besiegen

Februar 3, 2018

Als im Oktober 2014 der erste „Maze Runner“-Film in die Kinos kam, fiel er im Subgenre der zahlreichen Dystopien mit jugendlichen Helden auf. Denn der Protagonist war ein Mann.

Jetzt, wo der dritte und finale Teil in den Kinos anläuft, fällt die „Maze Runner“-Trilogie wieder auf. Denn sie gehört zu den wenigen, manchmal auf vier Filme aufgeteilten Trilogien in diesem Subgenre, die wirklich bis zum Ende erzählt wird. Auch wenn wegen eines Unfalls von Hauptdarsteller Dylan O’Brien im März 2016 bei den Dreharbeiten das Ende später als von den Machenr ursprünglich geplant fertig wurde.

Viele andere Jugend-Dystopien endeten in den letzten Jahren schon vor dem zweiten Film und bei „Die Bestimmung“ wird, nach dem enttäuschenden Einspielergebnis des dritten Kinofilms, der Abschluss der Serie, der vierte Film (bzw. der zweite Teil des dritten Teils), nie in die Kinos kommen. Und ob aus den TV-Plänen etwas wird, wissen wahrscheinlich noch nicht einmal die Götter.

„Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ unterscheidet sich noch in zwei weiteren Punkten von den anderen Jugend-Dystopien. Man muss die vorherigen beiden Film nicht gesehen haben, um den dritten Film zu verstehen. Regisseur Wes Ball führt die vielen Charaktere mit ihren wichtigsten Eigenschaften und Beziehungen schnell ein. Außerdem erzählen alle drei „Maze Runner“-Filme vollkommen verschiedene Geschichten, die verschiedene Genretopoi bedienen, alle in deutlich unterscheidbaren Welten spielen und eine entsprechend anderen visuellen Stil haben.

Wer die ersten beiden „Maze Runner“-Filme „Die Auserwählten im Labyrinth“ (der auf einer von einem tödlichen Labyrinth umgebenen Lichtung spielt, aus dem die Jungs ausbrechen wollen) und „Die Auserwählten in der Brandzone“ (in dem Thomas und seine Freunde vor den WCKD-Schergen durch die Wüste in die Berge flüchten, weil sie hoffen, dort die Widerstandsgruppe „The Right Arm“ zu treffen) gesehen hat, wird viele bekannte Gesichter entdecken. Wer die Filme nicht kennt, wird ein trotz seiner Länge von über hundertvierzig Minuten flott erzähltes SF-Actionabenteuer sehen, das in einer Dystopie spielt, die als in sich geschlossene Welt durchaus glaubwürdig ist. Jedenfalls ist die „Maze Runner“-Welt glaubwürdiger als die in anderen Jugend-Dystopien präsentierten Welten, die teilweise hyperkomplex und gleichzeitig vollkommen idiotisch sind. Auch wenn man die Städte und die Ordnung der Gesellschaft nur als sehr offensichtliches Bild für die Weltsicht der jugendlichen Protagonstinnen und ihrer Gefühle beim Erwachsenwerden sehen will.

Da bleibt die „Maze Runner“-Trilogie angehem bodenständig und einfach.

Der SF-Thriller „Die Auserwählten in der Todeszone“ beginnt sechs Monate nach „Die Auserwählten in der Brandwüste“. Minho (Ki Hong Lee) wurde damals von WCKD (ein sehr treffender Name für eine sehr böse Firma) geschnappt. Thomas („American Assassin“ Dylan O’Brien) und seine Freunde versuchen ihn aus einem fahrenden Zug zu befreien. In einer ziemlich spektakulären Aktion. Dummerweise war Minho nicht in dem Zug. Thomas vermutet, dass Minho, nachdem er alle Informationen zusammenpuzzelt, in die von WCKD kontrollierte Stadt Last City, die es eigentlich nicht mehr geben sollte, gebracht wird.

Während „The Right Arm“-Führer Vince (Barry Pepper) sich mit den Kindern, die sie aus dem Zug befreit haben, und anderen Menschen in einem Schiff an einen sicheren Ort begeben will, entschließt Thomas sich, sich auf den Weg nach Last City zu machen. Begleitet wird er von Newt (Thomas Brodie-Sangster), Frypan (Dexter Darden) (beide bekannt aus dem ersten „Maze Runner“-Film), Jorge (Giancarlo Esposito) und Brenda (Rosa Salazar) (bekannt aus dem zweiten „Maze Runner“-Film).

Vor den Toren der Stadt treffen sie wieder auf Gally (Will Poulter), den sie im ersten Teil auf der Lichtung sterbend zurückließen. Er und Lawrence (Walton Goggins) wollen ihnen helfen nach Last City, einer großen, gepflegten, gut überwachten Gated Community für die Reichen, zu gelangen.

Dort wird Minho im WCKD-Labor als Versuchskaninchen für medizinische Tests gequält. WCKD-Executive-Director Dr. Ava Paige (Patricia Clarkson) und Teresa (Kaya Scodelario), Thomas‘ Ex-Freundin, glauben, dass sie kurz vor der Entdeckung eines Gegenmittels gegen den Flare-Virus stehen.

Beschützt wird die Anlage von WCKD-Sicherheitschef Janson (Aidan Gillen), der schon im zweiten Film Thomas und seine Freunde unerbittlich durch die Wüste verfolgte.

Teenagern, für die der Film in erster Linie gemacht ist, dürfte die von Wes Ball souverän inszenierte Mischung aus Action und Sentiment mit durchaus glaubwürdigen Charakteren gefallen.

Ältere erkennen natürlich sofort die zahlreichen Vorbilder, die Regisseur Wes Ball, wieder nach einem Drehbuch von T. S. Nowlin, verarbeitet und natürlich ist alles etwas einfach und auch vorhersehbar. „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ erfindet nichts neu und es handelt sich sicher nicht um einen künftigen Klassiker, aber es ist ein guter Film, in dem Wes Ball, wieder einmal, sein Können beim Inszenieren von Actionszenen unter Beweis stellt. Nie verliert man, egal wie komplex sie werden, den Überblick. Trotz gewisser Übertreibungen bleiben sie angenehm realistisch zwischen Schusswechseln und Faustkämpfen – und, ähem, Spielereien mit Zugwaggons und Bussen.

Auch bei den zahlreichen Handlungssträngen und dem großen Ensemble verliert man nie den Überblick.

Damit überzeugt die als Underdog gestartete „Maze Runner“-Trilogie in der Gesamtschau als gelungenes, abwechslungsreiches und kurzweiliges SF-Jugendabenteuer. Und Wes Ball empfiehlt sich als guter Actionregisseur für, nun, eine Comicverfilmung.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (Maze Runner: The Death Cure, USA 2018)

Regie: Wes Ball

Drehbuch: T.S. Nowlin

LV: James Dashner: The Death Cure, 2011 (Die Auserwählten – In der Todeszone)

mit Dylan O’Brien, Ki Hong Lee, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Dexter Darden, Will Poulter, Jacob Lofland, Rosa Salazar, Giancarlo Esposito, Patricia Clarkson, Aidan Gillen, Barry Pepper, Nathalie Emmanuel, Katherine McNamara, Walton Goggins

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Metacritic über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Rotten Tomatoes über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Wikipedia über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“ (deutsch, englisch)

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Ein Gespräch mit Wes Ball bei einem IMAX-Screening


TV-Tipp für den 3. Februar: Brügge sehen…und sterben?

Februar 3, 2018

Der erste Film von „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“-Regisseur Martin McDonagh

ARD, 23.40

Brügge sehen…und sterben? (In Bruges, Belgien/Großbritannien 2008)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“

Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie

Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds

Hinweise

Britische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Brügge sehen…und sterben?“

Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“

Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“

Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“

Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)

Filmstew: Interview mit Martin McDonagh

IndieWire: Interview mit Martin McDonagh

Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell

Time porträtiert Martin McDonagh

New York Times ebenso

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)


TV-Tipp für den 2. Februar: Der Staatsfeind Nr. 1

Februar 2, 2018

RTL II, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (USA 1998, Regie: Tony Scott)

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Samstag, 3. Februar, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Die „Criminal Squad“ begeistert nicht

Februar 1, 2018

Wenn „Criminal Squad“ dreißig Minuten kürzer und dreißig Jahre älter wäre, wäre er einer dieser 80er-Jahre-Actionfilme, die damals bei Jungs so gut ankamen. Nicht mit Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone in der Hauptrolle. Auch nicht mit Chuck Norris, sondern der dritten oder vierten Garde.

Es ist allerdings ein aktueller Film, der gerne eine proletarische Version von „Heat“ mit einem tollen Twist wäre, der in den Neunzigern „Wow“ und heute „Gähn“ ist. Jedenfalls ist das nach den Handlungsfragmenten zu vermuten.

Es geht um eine Bande von Verbrechern, die Banken und Geldtransporter in Los Angeles ausraubt. Das geschieht dort, wie ein Insert am Filmanfang verrät, alle 48 Minuten. Die Bande um Ex-Special-Forces-Soldat und Ex-Sträfling Ray Merrimen (Pablo Schreiber) macht das allerdings sehr professionell und im Zweifelsfall mit der nötigen Gewalt. So verwandelt sich ihr jüngster Überfall in eine wahre Straßenschlacht.

Auftritt von ‚Big Nick‘ O’Brien (Gerald Butler) und seinem Team, den ‚Regulators‘, einer Spezialeinheit des L. A. County Sheriff’s Department, für die die Polizeimarke die Lizenz zum Ausleben ihrer niederen Triebe ist. Polizeiarbeit bedeutet für sie, mit maximaler Gewalt vorzugehen, Verdächtige zu foltern und sich schlecht zu benehmen. Es sind die Macho-Cops, die man in den Achtzigern in Filmen noch akzeptierte. Heute sind sie ein Haufen reaktionärer Rednecks, die immer noch Glauben, im Wilden Westen zu leben.

Bei der Darstellung dieser Truppe unternimmt Regisseur Christian Gudegast in seinem Debütfilm keinen Versuch, deren Verhalten zu problematisieren. Denn unkontrollierte Spezial- und Sondereinheiten haben immer eine Tendenz, das Gesetz im eigenen Interesse selbstherrlich auszulegen, ihre Taten mit den Ergebnissen zu rechtfertigen und, wenn das Umfeld stimmt, selbst zu Verbrechern zu werden. Los Angeles hat da eine lange Geschichte, die auch filmisch gut aufgearbeitet ist. Zu den aktuellen Beispielen zählen die Thriller „Dark Blue“ (spielt 1992 während und nach dem Rodney-King-Prozess), „Training Day“, „Final Call“, „Rampart – Cop außer Kontrolle“ und die TV-Serie „The Shield“, die alle vom Rampart-Skandal inspiriert waren. Damals wurden über siebzig Polizisten, die teilweise auch Mitglied der CRASH-Einheit waren, unter anderem wegen Polizeigewalt, Drogenhandel und Bankraub angeklagt. Wer will, kann auch in „Criminal Squad“ ferne Echos dieses Skandals finden. Immerhin hatte Christian Gudegast die Idee für den Film bereits 2002.

„Criminal Squad“ macht sich allerdings mit diesen wirklich tumben Macho-Cops gemein und wir sollen sie als die Helden begreifen, weil sie auf der Seite der Guten stehen und in der Verbrechensbekämpfung der Zweck alle Mittel heiligt.

Die Verbrecher sind da nur die andere Seite der Medaille.

Über die Charaktere erfahren wir in dem über zweistündigem Film nichts. Das gilt für die beiden Hauptfiguren – O’Brien und Merrimen, die sich schon seit ihrer Schulzeit, als sie in gegnerischen High-School-Football-Manschaften spielten, kennen – und für ihre Gefolgsleute, die bis zum Ende „Cop 1“, „Cop 2“, „Cop 3“ und „Gangster 1“, „Gangster 2“ und „Gangster 3“ bleiben.

Die Filmgeschichte wiederholt die bekannten Situationen und Klischees des Polizeifilms und Heist-Movies. Allerdings ohne ihnen irgendeine Bedeutung zu geben oder sie in eine sinnvolle Geschichte einzubetten. Sie poppen einfach ungefähr in dem Moment auf, in dem sie in so einem Film aufpoppen müssen. Höflich formuliert sieht „Criminal Squad“ aus, als habe man „Heat“ durch einen Schredder gejagt, in den Müll geworfen und dann von Frankensteins Monster nach seinem Ebenbild zusammensetzen gelassen.

Gegen dieses Totaldisaster ist jeder Michael-Bay-Film ein Fest feinfühligen, strukturieren und überlegten Erzählens mit differenzierten Charakteren. Und wenn man den „Den of Thieves“ (Originaltitel) nicht bis zum Jahresende vergessen hat, ist dieses strunzdumme, überlange und tödlich langweilige Mucki-Kino ein heißer Anwärter für einen der vorderen Plätze auf jeder Jahresflopliste.

Criminal Squad (Den of Thieves, USA 2018)

Regie: Christian Gudegast

Drehbuch: Christian Gudegast, Paul Scheuring

mit Gerard Butler, Curtis ’50 Cent‘ Jackson, Pablo Schreiber, O’Shea Jackson, Maurice Compte, Evan Jones, Kaiwi Lyman, Mo McRae, Brian Van Holt, Meadow Williams

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

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Moviepilot über „Criminal Squad“

Metacritic über „Criminal Squad“

Rotten Tomatoes über „Criminal Squad“

Wikipedia über „Criminal Squad“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Disaster Artist“ erzählt die Geschichte eines schlechten Films

Februar 1, 2018

Wer sich regelmäßig auf US-Kinoseiten herumtreibt, hat schon von Tommy Wiseaus Film „The Room“ gehört. Das Werk wurde zum Kinostart 2003 von den Kritikern einhellig verrissen und war hundertfünfzigprozentiges Kassengift. Im Gegensatz zu vielen anderen schlechten Filmen, die schnell vergessen werden, hat „The Room“, dank der Mundpropaganda, seitdem ein langes Leben in Mitternachtsvorstellungen. Noch heute läuft er regelmäßig in den USA in Kinos und die Macher werden zu Kinotouren eingeladen. Das scheint dann ein kollektives Bad-Taste-Erlebnis zu sein.

In Deutschland haben wir, weil „The Room“ nie bei uns veröffentlicht wurde, davon nichts mitbekommen.

Bis jetzt.

Denn mit James Francos „The Disaster Artist“ erfahren wir, wie „The Room“ entstand.

Die Geschichte beginnt 1998 in San Francisco. Bei einem Theaterworkshop lernen sich der neunzehnjährige Greg Sestero und der deutlich ältere Tommy Wiseau kennen. Wiseau schockiert mit einer rohen Performance die anderen Kursteilnehmer. Sestero ist begeistert über diesen ungefilterten Gefühlsausbruch des Einzelgängers. Sie befreunden sich und ziehen gemeinsam nach Los Angeles, um dort eine Schauspielerkariere zu beginnen. Sestero kann in Wiseaus großer Wohnung in West Hollywood leben.

Als sie nach Jahren vergeblicher Vorsprechtermine immer noch auf den Durchbruch warten – wobei Sestero öfter Vorsprechtermine hat und ihm jeder rät, seine Beziehung zu dem sinisteren Wiseau zu beenden – schlägt Wiseau Sestero vor, gemeinsam einen Film zu drehen. Das Geld habe er.

Nach einem Drehbuch von Wiseau beginnen sie, mit Wiseau als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller, mit den Dreharbeiten zu „The Room“; einem auf dem Papier kleinen Film, der schnell dank Wiseaus Wesen – er hat keine Ahnung, er ist von sich selbst überzeugt, er ist unbelehrbar, er ist egozentrisch und ängstlich – für alle Beteiligten zu einem, immerhin bezahlten Höllentrip wird, der nichts, aber auch überhaupt nichts mit einem auch nur halbwegs professionellem Dreh zu tun hat.

James Franco erzählt diese Geschichte mit sich als Wiseau als Kömodie mit ernsten Zwischentönen aus und über Hollywood und über eine Freundschaft. Mit seinem Bruder Dave Franco als Sestero und vielen bekannten Schauspielern in oft kleinen Rollen. Einige treten nur am Anfang auf und geben die aus Dokumentarfilmen bekannten Eingangsstatements ab, in denen sie erzählen, wie beeindruckend das Werk ist.

Diese Herangehensweise behält James Franco bei. Er inszenierte „The Disaster Artist“ wie eine „Making of“-Doku, die Jahre nach dem ursprünglichen Film angefertigt wurde und daher einen halbwegs objektiven, aber immer positiven Blick auf den Film hat. Das ist informativ, aber auch etwas oberflächlich – und, vor allem bei den Dreharbeiten für „The Room“, witzig.

Wie Tim Burtons „Ed Wood“ ist James Francos „The Disaster Artist“ eine Liebeserklärung an den Enthusiasmus eines Machers, der sich durch Widerstände nicht beirren lässt und an sein Werk glaubt. Wobei Tommy Wiseau schon ein sehr spezieller Charakter ist, der über das (aus unklarer Quelle kommende) Geld, aber nicht über das Talent verfügt. Offiziell soll „The Room“ sechs Millionen Dollar gekostet haben, wel Wiseau einfach das Geld zum Fenster herauswarf.

Francos Film hat, zum Vergleich, zehn Millionen Dollar gekostet und jeder Cent wurde klug investiert.

Obwohl Franco viel über die Dreharbeiten und die Freundschaft zwischen Sestero und Wiseau erzählt, bleibt unklar, warum Greg Sestero Tommy Wiseau so sehr bewundert. Damals und heute immer noch. Aber echte Freundschaften sind auch immer, wie eine Liebe, etwas unerklärlich. Denn Wiseau als Alice-Cooper-Lookalike mit starkem Akzent (Uh, wie der wohl synchronisiert wurde?) und einem Benehmen, das ihn als missratenen Nachfahren eines osteuropäischen Vampirgeschlechts ausweist (obwohl Wiseau, was sich schnell zu einem Running Gag entwickelt, behauptet, aus New Orleans zu kommen), ist wirklich der unwahrscheinlichste Typ, den man sich am Beginn seiner Karriere zum Freund aussucht. Allerdings, und das wird am Anfang von „The Disaster Artist“ gezeigt, legt Wiseau im Theaterworkshop einen beeindruckend enthemmten Auftritt hin und er ist die einzige Person, die an Sestero glaubt.

Am Ende des Dramas stellt Franco Szenen aus Tommy Wiseaus „The Room“ und den Re-Enactments in „The Disaster Artist“ gegenüber. Diese Gegenüberstellung zeigt, wie präzise sie die Szenen nachstellten und wie sehr auch Mist, wenn er von guten, engagierten Schauspielern gespielt wird, an Qualität gewinnt.

The Disaster Artist (The Disaster Artist, USA 2017)

Regie: James Franco

Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber

LV: Greg Sestero, Tom Bissell: The Disaster Artist: My Life Inside the Room, the Greatest Bad Movie Ever Made, 2003

mit James Franco, Dave Franco, Seth Rogen, Alison Brie, Art Graynor, Jacki Weaver, Josh Hutcherson, Zac Efron, Bryan Cranston, Sharon Stone, Melanie Griffith, Zoey Deutsch, Kristen Bell, Adam Scott, Zach Braff, J. J. Abrams (teilweise nur Cameos)

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Disaster Artist“

Metacritic über „The Disaster Artist“

Rotten Tomatoes über „The Disaster Artist“

Wikipedia über „The Disaster Artist“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. Februar: Up in the Air

Februar 1, 2018

Kabel 1, 20.15

Up in the Air (Up in the Air, USA 2009)

Regie: Jason Reitman

Drehbuch: Jason Reitman, Sheldon Turner

LV: Walter Kirn: Up in the Air, 2001 (Mr. Bingham sammelt Meilen)

Ryan Bingham reist durch die USA und entlässt, im Auftrag verschiedener Firmen, deren Angestellte. Bindungen hat der Single keine. Sein Ziel als Vielflieger ist es die magische Zehn-Millionen-Frequent-Flyer-Meilen-Grenze zu durchbrechen. Dafür sammelt er wie besessen Bonusmeilen. Als er eine jüngere Kollegin ausbilden soll und er eine andere Vielfliegerin kennen lernt, gerät sein sorgloes Leben aus dem Takt.

Jason Reitmans feinfühliges, perfekt komponiertes und austariertes Porträt eines Arschlochs ist auch ein Gesellschaftskommentar. Außerdem übernahm George Clooney die Hauptrolle.

mit George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Amy Morton, Melanie Lynskey, J. K. Simmons, Sam Elliott, Danny McBride, Zach Galifianakis

Wiederholung: Freitag, 2. Februar, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Up in the Air“

Wikipedia über „Up in the Air“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung“ (Men, Women, and Children, USA 2014)


„Bordertown: Der Puppenmeister“ ist ein böser Mann

Januar 31, 2018

Es gibt nur einen Grund, warum „Bordertown: Der Puppenmeister“ aus dem Finnischen ins Deutsche übersetzt wurde: der immer noch anhaltende Erfolg skandinavischer Kriminalromane (und -filme), der schon in den vergangenen Jahren dazu führte, dass jeder, der zehn Finger hat, einen Krimi schreibt und jeder skandinavische Baum wahrscheinlich schon zweimal gefällt wurde. Denn unter fünf-/sechshundert Seiten wird im Scandic Noir kein Mord, inklusive aller Familien- und Weltprobleme, gelöst.

Nun, in puncto Länge fällt „Bordertown: Der Puppenmeister“ mit knapp dreihundert, spärlich gefüllten Seiten aus dem bekannten Muster. Der Grund für diese Kürze ist ziemlich banal: „Bordertown: Der Puppenmeister“ ist ein Roman zum Film und J. M. Ilves (ein Pseudonym zweier finnischer Autoren) erzählt einfach die Geschichte des ersten Falls der TV-Serie „Bordertown“ (bzw., im Original, „Sorjonen“) nach.

Im Mittelpunkt steht Kommissar Kari Sorjonen. Er ist ein sozial gehemmter, genialer Ermittler mit einer Frau (die gerade, so hofft er, ihre Krebserkrankung überstanden hat) und einer kurz vor dem Schulabschluss stehender Tochter. Einer seiner Ticks ist, dass er keine Leichen sehen kann. Trotzdem denkt er nicht daran, sich in eine andere Abteilung versetzen zu lassen. Stattdessen lässt er sich mit seiner Familie von Helsinki nach Lappeenranta, dem Geburtsort seiner Frau, versetzen. Lappeenranta liegt an der finnisch-russischen Grenze in der tiefsten Provinz und die wenigen Bewohner sollten eine Garantie für eine entsprechend niedrige Mordrate sein.

Gleich nach seinem Dienstantritt wird im See die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie starb, wie die Ermittlungen ergeben, an einer Überdosis Methitural und wurde vorher zu Sexspielen gezwungen. Ein zweites Mädchen ist verschwunden und, weil J. M. Ilves mehrere Handlungsstränge parallel erzählt, wissen wir von Anfang an, dass Katia von Esa Kuparinen, einem gutherzigen Autohändler, der für sie und die anderen russischen Mädchen der Fahrer war, von dem Tatort weggebracht wurde. Er will ihr irgendwie gegen die Organisatoren des grenzüberschreitenden Sexgeschäftes helfen. Aber schnell wird er von einem der Verbrecher ermordet.

Zur gleichen Zeit begibt sich Katias Mutter Lena Jaakkola, eine schlagkräftige FSB-Agentin, auf die Suche nach ihrer Tochter. Dabei geht sie, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, nicht zimperlich vor.

Bei seinen Ermittlungen bemerkt Sorjonen schnell eine Verbindung zwischen den verschiedenen Verbrechen und der Karelia-Gilde, einem Zusammenschluss wichtiger Persönlichkeit der Stadt.

Dass die Geschichte weitgehend überraschungsfrei in den bekannten Bahnen verläuft, ist nicht das größte Problem des Romans, der einfach ein schlechter Roman zum Film ist. Anstatt die Filmgeschichte, also das Drehbuch, sprachlich angemessen nachzuerzählen und immer wieder zu vertiefen, wurde hier einfach das Drehbuch heruntergetippt. Mit der irrwitzigen Entscheidung, zwischen erster und dritter Person und zwischen Präsens und Präteritum zu wechseln. Die Kapitel mit Sorjonen werden in der Ersten Person Singular im Präsens erzählt. Das kann funktionieren, aber es ist schwer in der Gegenwartsform flüssig zu formulieren und, was noch wichtiger ist, diese grammatikalische Zeitform ist konträr zu Sorjonens Charakter. Die ebenfalls kurzen Kapitel, die die Geschichte der Verbrecher und von Lena Jaakkola erzählen, sind ganz normal und wie es für Romane immer noch üblich ist, im Präteritum geschrieben.

Dieser ständige Wechsel zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitsform (die ich eindeutig vorziehe) und die doch sehr funktionale Sprache lenken den Blick immer wieder auf die Schwächen des Plots. Der liest sich wie ein Best of Scandic Noir. Da ist alles drin, was einen schon seit Ewigkeiten an den skandinavischen Krimis nervt. Nur die überbordende Gesellschaftskritik fehlt weitgehend.

Für die Lösung des Falles, der durchgehend den TV-Serienkonventionen gehorcht, sind dann die eingangs pompös eingeführten besonderen Fähigkeiten des Helden vollkommen überflüssig. Tipps und ganz normale altmodische Polizeiarbeit, die wirklich jeder Polizist beherrscht, tun es.

Dabei – und das sollte jeder Krimiautor wissen – gibt es eine Verbindung zwischen Fall und Ermittler. Ein guter Autor schreibt für den Ermittler den Fall, der seine besonderen Fähigkeiten erfordert. Das war schon bei Sherlock Holmes so. Columbo und Monk sind jüngere Beispiele. Bei Monk schrieb Lee Goldberg, unabhängig von der TV-Serie, fünfzehn Romane, in denen Adrian Monk in jedem Fall mit seinen Phobien konfrontiert wurde und er die Fälle nur aufgrund seiner Ängste, seines Verhaltens und seiner Beobachtungs- und Kombinationsgabe aufklären konnte und musste. Denn für ihn ist ein Verbrechen eine Störung des universalen Gleichgewichts.

In „Bordertown: Der Puppenmeister“ ist das photographische Gedächtnis des Ermittlers Sorjonen ein reiner für die Handlung und Aufklärung des Falles verzichtbarer Gimmick. Das gleiche gilt für seine enorme Abneigung gegen den Anblick und Geruch von Toten. Ein normaler Polizist würde sich, bevor er dienstunfähig geschrieben wird, in eine andere Abteilung versetzen lassen. Sorjonen geht zum nächsten Tatort.

J. M. Ilves: Bordertown: Der Puppenmeister

(übersetzt von Anke Michler-Janhunen)

Suhrkamp, 2017

304 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe

Sorjonen – Nukkekoti

Gummerus Publishers, Helsinki, 2016

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Hinweise

Finnische Homepage zur Serie

Wikipedia über „Sorjonen“ (deutsch, englisch, finnisch)

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Und der Trailer zur TV-Serie


TV-Tipp für den 31. Januar: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Januar 31, 2018

Sat.1, 20.15
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.
mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez
Wiederholung: Donnerstag, 1. Februar, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


Cover der Woche

Januar 30, 2018

Als Vorbereitung für seinen runden Geburtstag am 4. März