
Tolle Privatdetektiv-Hardboiled-Krimiserie. Landeskunde inklusiv.
HR, 22.40
Charade (Charade, USA 1963)
Regie: Stanley Donen
Drehbuch: Peter Stone (nach einer Geschichte von Marc Behm und Peter Stone)
In Paris wollen etliche Gangster etwas von der Witwe Reggie. Sie scheint nur ihrer Urlaubsbekanntschaft Peter vertrauen zu können.
Donens Thrillerkomödie ist einer der besten nie von Hitchcock gedrehten Filme.
Marc Behm schrieb später unter anderem den zweimal verfilmten Kriminalroman „Das Auge“.
Mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Charade“
Ihre verspielten Nana-Figuren kennt wahrscheinlich jeder. Aber diese fröhlichen, bunten und voluminösen Frauenfiguren, für die Niki de Saint Phalle (1930 – 2002) bekannt ist, tauchen in dem nach ihr benannten Biopic nicht auf. Das Biopic konzentriert sich auf die frühen fünfziger Jahre und endet 1960. Also Jahre vor ihrem Durchbruch und den ersten Nana-Figuren. Die entstanden 1965.
Auch ihre vor den Nana-Figuren entstandenen Werke, wie die ‚Schießbilder‘, mit denen sie 1956 erstmals auf sich aufmerksam machte, werden nicht gezeigt. Regisseurin Céline Sallette zeigt nur, immer aus der Sicht des Werkes, wie Niki de Saint Phalle sie anfertigt und ihre und die Reaktionen anderer Menschen auf diese Werke.
„Niki de Saint Phalle“ ist ein Film über eine Künstlerin ohne ein Werk von ihr zu zeigen. Und das funktioniert als Künstler-Biopic überhaupt nicht.
Als Biopic ist Céline Sallette „Niki de Saint Phalle“ eine Abfolge falscher Entscheidungen. Das eine ist der bereits erwähnte Verzicht darauf, die Werke der Künstlerin zu zeigen. Im Film ist Niki de Saint Phalle nur eine Frau, die irgendetwas tut. Ob das gut, schlecht oder revolutionär ist, bleibt der Phantasie und dem möglicherweise vorhandenem Wissen des Zuschauers überlassen. Ob wir als Zuschauer die gleich Reaktion haben, wie die Betrachter des Werkes im Film, bleibt pure Spekulation. Die einen finden Bilder von XXXX fantastisch, die anderen gruselig.
Die nächste falsche Entscheidung ist die Konzentration auf eine Phase in Niki de Saint Phalles Leben, die für ihre künstlerische Selbstfindung möglicherweise entscheidend war, aber sie fand Jahre vor ihrem Durchbruch statt. Allein vom Film können wir nicht beurteilen, wie sehr ihre allerersten Arbeiten irgendetwas mit ihren späteren Arbeiten zu tun haben. Wir sehen keinerlei künstlerische Entwicklung. Wir sehen keinen Zusammenhang zwischen ihren frühesten, nicht gezeigten Arbeiten und ihren späteren, ebenfalls nicht gezeigten Arbeiten.
Das ist, als ob man ein Biopic über Angela Merkel inszeniert und sich dabei ausschließlich auf ihre Jahre in der Grundschule konzentriert. Das mag einen interessanten Film ergeben, ist aber nicht das, was uns am Leben von Angela Merkel interessiert.
Und dann wird Niki de Saint Phalles gesamtes künstlerisches Schaffen nur als eine Reaktion auf jahrelange Vergewaltigungen in ihrer Kindheit interpretiert. Das verkleinert ihr Werk und Wirken.
„Niki de Saint Phalle“ ist kein Film über die bekannte Künstlerin der Moderne, sondern ein Film über eine junge verheiratete Mutter mit massiven psychischen Problemen, die behauptet seit ihrem elften Lebensjahr von ihrem Vater über Jahre missbraucht worden zu sein und die in einer Therapie eine Beschäftigung findet, in der sie ihre Gefühle verarbeitet. Ihr Hobby ist die Malerei. Es könnte auch irgendetwas anderes sein.
Aber auch dann würde ich unbedingt sehen wollen, wie die Protagonistin ihre Gefühle in ihren Zeichnungen verarbeitet.

Niki de Saint Phalle (Niki, Frankreich/Belgien 2024)
Regie: Céline Sallette
Drehbuch: Céline Sallette, Samuel Doux
mit Charlotte Le Bon, John Robinson, Damien Bonnard, Judith Chemla, Alain Fromager, Virgile Bramly, Grégoire Monsaingeon, Nora Arnezeder, John Fou, Quentin Dolmaire
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Niki de Saint Phalle“
AlloCiné über „Niki de Saint Phalle“
Rotten Tomatoes über „Niki de Saint Phalle“
Wikipedia über „Niki de Saint Phalle“ (deutsch, englisch, französisch) und Niki de Saint Phalle (deutsch, englisch, französisch)
Wenige Tage bevor Volker Schlöndorff am 31. März seinen alljährlichen Geburtstag feiert, zeigt Arte einen Film aus seiner amerikanischen Phase
Arte, 22.10
The Handmaid’s Tale – Der Geschichte der Dienerin (The Handmaid’s Tale, USA/Deutschland 1989)
Regie: Volker Schlöndorff
Drehbuch: Harold Pinter
LV: Margaret Atwood: A Handmaid’s Tale, 1985 (Der Report der Magd)
In der tiefgläubig-faschistoiden Republik Gilead werden gebärfähige Frauen als Dienerinnen gehalten. Ihre Aufgabe ist es, Kinder zu gebären. Eine Dienerin verstößt gegen die Regeln des Systems.
Damals, als Margaret Atwood ihre Antiutopie schrieb, war es nur ein gallige Satire auf damalige christliche Fanatiker und Konservative. Gleiches galt für Volker Schlöndorffs gewohnt hochkarätig besetzte Verfilmung nach einem Drehbuch von Harold Pinter.
Heute erscheint „Die Geschichte der Dienerin“ wie ein Blick in eine erschreckend reale mögliche USA.
Schlöndorff war von dem Film nicht so begeistert: „Ich schob diese Auftragsarbeit ein, um Geld zu verdienen. Keine sehr gute Idee, wie sich herausstellte, denn diese ‚Geschichte der Dienerin‘ lag mir nicht, trotz Pinter und Duvall.“
Bei der damaligen Kritik kam der Film (im Gegensatz zum Roman) nicht gut an. Trotzdem ist er einer von Schlöndorffs bekanntesten Filmen.
mit Natasha Richardson, Faye Dunaway, Robert Duvall, Aidan Quinn, Elizabeth McGovern, Victoria Tennant
Kinotitel: Die Geschichte der Dienerin
Hinweise
Arte über den Film (bis zum 21. April 2025 in der Mediathek)
Rotten Tomatoes über „Die Geschichte der Dienerin“
Wikipedia über „Die Geschichte der Dienerin“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)
3sat, 23.15
Blutmond (Manhunter, USA 1986)
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Michael Mann
LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)
Duell zwischen einem psychologisch geschulten Polizisten und einem Serienmörder.
Hannibal Lector hat im Buch und im Film nur eine Nebenrolle.
Erste, damals erfolglose Verfilmung von „Red Dragon“. Inzwischen werden die Qualitäten des Achtziger-Jahre-Thrillers, wie die kühle Farbgebung, erkannt. „Blutmond“ ist ein spannender Thriller, der allerdings nicht die Qualität von Michael Manns späteren Filmen wie „Heat“ und „Collateral“ erreicht, aber viel besser als das lahme Remake ist. „Die überaus intelligente Konstruktion der Romane und ihre Glaubwürdigkeit in der Handlungsführung und Personenzeichnung kommt in ‚Blutmond‘ nur unzureichend zur Geltung. Michael Mann vertraute zu sehr auf visuelle Effekte und vernachlässigte in der gleichwohl bemerkenswerten Stilisierung seiner Schauplätze die dramaturgische Gestaltung.“ (Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
Mit William L. Petersen, Kim Greist, Joan Allen, Brian Cox, Dennis Farina, Tom Noonan
Auch bekannt als „Manhunter“ und „Roter Drache“
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Blutmond“
Wikipedia über „Blutmond“ (deutsch, englisch)
Krimi-Couch über Thomas Harris
Wikipedia über Thomas Harris (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)
Seit 38 Jahren läuft in Las Vegas die „Razzle Dazzle Show“. Seit dreißig Jahren ist Shelly (Pamela Anderson) ein Mitglied des Ensembles. Die große Zeit der Show ist schon lange vorbei. Jetzt zieht Stage Manager Eddie (Dave Bautista mit Haaren) die Notbremse. In zwei Wochen ist die letzte Show.
Gia Coppola erzählt in ihrem neuen Film „The Last Showgirl“, nach einem Drehbuch von Kate Gersten, die dafür ihr bislang nicht aufgeführtes Theaterstück „A Body of Work“ bearbeitete, die Tage bis zu Shellys letztem Arbeitstag. Die Zeit verbringt die Tänzerin vor allem mit ihrer besten Freundin Annette (Jamie Lee Curtis), einer ehemaligen Tänzerin und jetzt Cocktail-Kellnerin. Sie trifft ihre von ihr entfremdete Tochter Hannah (Billie Lourd) und, einmal, bewirbt sie sich sogar um eine neue Stelle.
„The Last Showgirl“ ist eine in der New-Hollywood-Tradition stehende Charakterstudie. Aber im Gegensatz zu den New-Hollywood-Filmen ohne eine Story. Coppola erzählt einfach, wie Shelly ohne erkennbare Ambitionen die Zeit bis zu ihrem letzten Arbeitstag verbringt.
Die Bemühungen der arg naiven Shelly, die im Kopf immer noch ein Kind ist, um einen neuen Job sind nicht vorhanden. Dass das Ende der Show für Shelly auch das Ende ihres Lebenssinns ist, wird in ihrem Handeln nie spürbar. Die sich entwickelnde Beziehung zu ihrer von ihr entfremdeten Tochter wäre auch in einem New-Hollywood-Film nicht mehr als eine Nebengeschichte gewesen. Das ständige ziellose Abhängen mit ihrer besten Freundin trägt keinen ganzen Film. Das macht die konventionelle Verlierer- und Milieustudie „The Last Showgirl“ dann trotz seiner kurzen Laufzeit von unter neunzig Minuten zu einer Geduldsprobe. Wie es besser geht zeigte beispeilsweise Darren Aronofsky mit Mickey Rourke in der Hauptrolle in „The Wrestler“.
Coppola erzählt Shellys Geschichte als die Geschichte eines individuellen Scheiterns ohne irgendeine Art von Gesellschaftskritik und -analyse. Las Vegas und alles wofür die Stadt steht, sind nicht mehr als vernachlässigbares Hintergrundrauschen. Für Shellys Schicksal ist nur Shelly verantwortlich.
Für Pamela Anderson, die während ihrer gesamten Karriere auf ihr Aussehen reduziert wurde, ist „The Last Showgirl“ eine Ehrenrettung. So war sie für den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin nominiert und sie erhielt, im Rahmen der Verleihung des Spottpreises „Die Goldene Himbeere“ (Golden Raspberry Award bzw. Razzie), den Himbeeren-Erlöser-Award.

The Last Showgirl (The Last Showgirl, USA 2024)
Regie: Gia Coppola
Drehbuch: Kate Gersten
LV: Kate Gersten: A Body of Work (Theaterstück, nicht aufgeführt)
mit Pamela Anderson, Dave Bautista, Jamie Lee Curtis, Kiernan Shipka, Brenda Song, Billie Lourd, Jason Schwartzman
Länge: 89 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „The Last Showgirl“
Metacritic über „The Last Showgirl“
Nathan Caine (Jack Quaid) empfindet aufgrund einer extrem seltenen genetischen Anomalie keine Schmerzen. Meistens ist das nervig bis potentiell tödlich. Denn Schmerzen sind immer auch ein Warnsignal des Körpers, etwas nicht zu tun. Manchmal ist diese Schmerzunempfindlichkeit eine feine Sache. Beispielsweise wenn man, wie Nathan nach einem Banküberfall, seine Freundin aus den Händen überaus gewaltbereiter Geiselnehmer befreien will. Wo andere Menschen nach einem Kampf zusammenbrechen und sich für die nächsten Monate ins nächste Krankenhaus einliefern ließen, haut Nathan sich eine Spritze in den Oberschenkel, richtet die Knochen, verbindet die Wunde und setzt in San Diego die Suche nach der entführten Freundin Sherry Margrave (Amber Midthunder) ungerührt fort. Denn zum ersten Mal in seinem Leben hat der brave, überaus unauffällige Bankangestellte ein Ziel.
Aus Lars Jacobsons Idee eines Mannes, der keine Schmerzen empfindet und seine entführte Freundin sucht, machen die Regisseure Dan Berk und Robert Olsen in ihrem fünften gemeinsamen Film eine flotte Actionkomödie für Menschen mit einem robusten Magen und einem Sinn für brachiale, abartige und schwarzhumorige Späße, auch bekannt als Fantasy-Filmfest-Publikum. Also für Menschen, die es witzig finden, wenn Caine noch mehr Schmerzen zugefügt werden und er sich sehr unorthodox gegen seine Angreifer wehrt. Da nimmt er eine danach erstaunlicherweise immer noch funktionstüchtige Pistole aus dem siedenden Fett einer Fritteuse, rammt sich Glassplitter in die nackten Fäuste und bricht sich mutwillig die eigenen Knochen. Nathans Schmerzunempfindlichkeit erinnert manchmal an Deadpools Schmerzunempfindlichkeit. Aber im Gegensatz zu dem Superhelden verfügt Nathan über keine Selbstheilungskräfte. Er muss bis zum Filmende zunehmend lädiert gegen die Bösewichter kämpfen, während er von der Polizei verfolgt wird und eine Straftat nach der nächsten begeht.
Die Story des kurz vor Weihnachten spielenden B-Pictures – keine Panik, außer der Nikolaus-Verkleidung der Bankräuber spielt Weihnachten keine Rolle in dem Film – folgt mit kleinen Variationen den bekannten Genrekonventionen. Auf aus heiterem Himmel kommende überraschende Wendungen wird verzichtet. Das Nathan verfolgende Polizistenduo, sein ihm helfender Freund und die Verbrecher sind klar definierte Nebenfiguren. Letztendlich geht es in der Actionkomödie immer um Nathan Caine, der wild improvisierend vom biederen Angestellten zum, Uh, Superhelden wird.
„Mr. No Pain“ ist ein B-Picture-Actionspaß, der genau das hält, was er verspricht.

Mr. No Pain (Novocaine, USA 2025)
Regie: Dan Berk, Robert Olsen
Drehbuch: Lars Jacobson
mit Jack Quaid, Amber Midthunder, Ray Nicholson, Betty Gabriel, Matt Walsh, Lou Beatty Jr., Van Hengst, Conrad Kemp, Jacob Batalon
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
–
Hinweise
RBB, 23.35
El Dorado (El Dorado, USA 1966)
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Leigh Brackett
LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960
Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.
Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.
„‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)
mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner
Hinweise
Rotten Tomatoes über „El Dorado“
Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)
Combustible Celluloid über “El Dorado”
Meine Besprechung von Leigh Bracketts „Das lange Morgen“ (The Long Tomorrow, 1955)
„Schneewittchen und die 7 Zwerge“ (Snow White and the Seven Dwarfs) war 1937 der erste spielfilmlange Trickfilm von Walt Disney und ein gigantischer Erfolg an der Kinokasse. Der deutsche Kinostart war am 24. Februar 1950.
In dem Film wird die aus dem Märchen der Brüder Grimm allseits bekannte Geschichte von Schneewittchen, der bösen Stiefmutter, dem vergifteten Apfel und den sieben Zwergen mit Gesang und langen, die Geschichte oft nicht voran bringenden Episoden erzählt.
Das jetzt anlaufende Realfilm-Remake dieses Disney-Films, inszeniert von Marc Webb („The Amazing Spider-Man“), folgt dem bekannten Märchen und dem Trickfilm. Im Gegensatz zu früheren Disney-Live-Action-Filmen, die einfach nur den Trickfilm mit anderer Technik neu inszenierten, baut Webb die Geschichte aus und interpretiert einige ikonische Szenen neu. Sein Remake ist, mit Abspann, eine knappe halbe Stunde länger als der ursprüngliche Film. Einige der Neuerungen sind gelungen, einige nicht, wobei gerade die Szenen, die das Original direkt zitieren und anders erzählen, weitgehend misslungen sind. Die gänzlich neuen Szenen und radikalen Neuinterpretationen sind gelungener, bleiben aber auf halbe Strecke stehen. Es sind interessante Ideen und Skizzen, aus denen etwas hätte werden können.
Gerade diese Unentschlossenheit trägt zu dem zwiespältigen Gesamteindruck bei. So wird am Anfang mehr über Schneewittchens Leben mit ihren Eltern und am Hof erzählt. In dem Moment bekommen Schneewittchen (Rachel Zegler) und die böse Stiefmutter, die spätere Böse Königin (Gal Gadot), mehr Tiefe. Auch über den Prinzen, der Schneewittchen am Ende küsst, erfahren wir mehr. Jetzt ist er kein Prinz mehr, sondern ein Robin-Hood-artiger Räuber, der Lebensmittel aus dem Schloss stiehlt. Denn die Böse Königin beutet ihre Untergebenen gnadenlos aus. Nur durch Diebstähle können er und seine Weggefährten überleben.
Bis es zur ersten Begegnung zwischen Schneewittchen und den Zwergen kommt, vergeht eine gute halbe Stunde. Die im Trickfilm immer noch sehr gruseligen Erlebnisse von Schneewittchen im nächtlichen Wald dauern jetzt nur wenige Sekunden und sind deutlich weniger gruselig. Wenn Schneewittchen dann das Haus der Zwerge betritt, wird auf die ikonische, heute natürlich veraltete, aber erzählerisch immer noch sehr wirksame, sehr gelungene und vieles etablierende Szene des Originals verzichtet. Zur Erinnerung: Im Original erkundet Schneewittchen das Haus, in dem alles so klein ist. Sie macht sich Gedanken über die in ihm lebenden Kinder und ihre auf den Betten stehenden Namen. Sie, die am Hof von der bösen Stiefmutter gezwungen wurde, als Dienstmagd vor allem zu putzen, ist über das Chaos in dem Haus schockiert. Sie putzt das gesamte Haus und legt sich anschließend müde in drei nebeneinander stehende Zwergenbetten. Weil heute eine Frau, die sich ausschließlich über Hausarbeiten definiert, ein veraltetes, konservatives Frauenbild symbolisiert, putzt Schneewittchen jetzt nicht mehr das Haus. Sie bemerkt nur noch die Unordnung und den Schmutz in dem Haus und legt sich ins Bett.
Die darauf folgende Szene, wenn die Zwerge nach ihrer Arbeit in ihr Haus zurückkehren, hat im Remake dann auch nicht mehr die Wirkung der ursprünglichen Szene. In dem Trickfilm bemerken die Zwerge natürlich sofort, dass jemand in ihrem Haus war. Sie fragen sich, wer das war, was er gestohlen hat und ob er vielleicht noch in dem Haus ist und ihnen etwas antun will. Die Macher können hier eine schöne lange und spannende Szene präsentieren, in der wie Zwerge genauer kennen lernen. Im Remake betreten sie ihr Haus und bemerken erst als sie ihr Schlafzimmer betreten, dass jemand Fremdes in ihrem Haus ist.
Im Original gibt es eine lange Geschichte, die uns gut unterhält und in der wir viel über die Figuren erfahren. Im Remake nicht.
Die gruseligen Szenen des Trickfilms wurden übernommen, allerdings in einer deutlich kindgerechteren und wirkungsloseren Version. So ist Schneewittchens schon erwähnte Flucht durch den nächtlichen Wald deutlich weniger alptraumhaft. Gleiches gilt für den Höhepunkt. Nachdem die böse Stiefmutter erfährt, dass Schneewittchen noch lebt. Sie verwandelt sich in eine alte Frau und will Schneewittchen mit einem Apfel vergiften. Im Trickfilm ist sie fortan eine wahre Schreckgestalt, eine Hexe, die Alpträume verursachen kann. Im Realfilm ist sie, für wenige Minuten, Gal Gadot mit einigen Falten.
Solche Verschlechterungen ziehen sich bei den Neuinterpretationen der aus dem Original bekannten Szenen durch den gesamten Film.
Gerade in den neuen Szenen in Webbs Film über die im Wald lebende Räuberbande, ihren Kampf gegen die Königin und das nicht gezeigte Leid der von ihr unterdrückten Bevölkerung drängt sich eine politische Interpretation des Films an, der erstaunlich mühelos auf die aktuelle Lage in den USA angewandt werden kann.
In dieser Interpretation – und nur diese Interpretation ist widerspruchsfrei möglich – führt Schneewittchen eine breite Koalition gesellschaftlicher Minderheiten, Außenseiter, Arbeiter und Unterdrückter an, die am Ende gegen die nur auf den äußeren Schein und die eigene Bereicherung fixierte Böse Königin kämpfen. Schneewittchen sieht in diesen Momenten sogar wie eine Zwillingsschwester der demokratischen Politikerin Alexandria Ocasio Cortez, kurz AOC, aus. Dabei wurde der Film zu einer Zeit geschrieben und gedreht – die Haupt-Dreharbeiten waren von Oktober 2021 bis Februar 2022 – als eine Wiederwahl von Donald Trump noch nicht einmal eine finstere Utopie war.
Den aktuellen, vor allem in den USA lautstark geführten Presserummel über politische Äußerungen von Rachel Zegler und Gal Gadot, Beschwerden von Kleinwüchsigen über die Nicht-Beschäftigung von ihnen als Zwerge zugunsten von CGI-Zwergen, Kampagnen rassistischer Fans, denen Rachel Zegler (die dem Trickfilm-Schneewittchen sehr ähnelt) nicht Weiß genug ist undsoweiter habe ich jetzt weggelassen. Wer will kann sie im Rolling Stone nachlesen. Möglicherweise beeinträchtigen diese Debatten vor allem in den USA das Einspielergebnis des Films. Langfristig ist das egal und „Schneewittchen“ könnte, trotz seiner Mängel, Kompromisse und bestenfalls halbherzigen Neuerungen, in einigen Jahren einer der Disney-Filme sein, die Eltern sich immer wieder mit ihren Kinder ansehen müssen.

Schneewittchen (Snow White, USA 2025)
Regie: Marc Webb
Drehbuch: Erin Cressida Wilson
mit Rachel Zegler, Andrew Burnap, Gal Gadot
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Hinweise
Moviepilot über „Schneewittchen“
Metacritic über „Schneewittchen“
Rotten Tomatoes über „Schneewittchen“
Wikipedia über „Schneewittchen“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)
Nachträglich: Alles Gute zum Geburtstag, Luc Besson! Der war am 18. März.
Alles Gute zum Geburtstag, Bruce Willis! Der war am 19. März.
Und, aktuell: Alles Gute zum Geburtstag, Gary Oldman! Der ist heute.
Pro7, 20.15
Das fünfte Element (The Fifth Element, Frankreich 1997)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen (nach einer Geschichte von Luc Besson)
Zukunft, Erde: Taxifahrer Korben Dallas (Bruce Willis), der noch nicht einmal sein Leben auf die Reihe bekommt, muss mal eben das Universum retten und besucht dafür auch einige ferne Planeten in weit entfernten Galaxien. Aliens und andere seltsame Wesen gibt es auch. Action und Spaß sowieso.
Quietschbuntes, vollkommen durchgeknalltes Science-Fiction-Abenteuer, das den Fans der „Guardians of the Galaxy“ gefallen dürfte.
Hier hat Luc Besson, nach „Subway“, „Nikita“, „Leon – Der Profi“, noch einmal gezeigt, was er kann: „ein Fest für die Augen“ (Annette Kilzer, Herausgeberin: Bruce Willis)
2017 drehte er mit „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ein überflüssiges Quasi-Remake.
mit Bruce Willis, Gary Oldman, Ian Holm, Milla Jovovich, Chris Tucker, Luke Perry, Brion James, Lee Evans, Tricky, Mathieu Kassovitz
Wiederholung: Samstag, 22. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Das fünfte Element“
Wikipedia über „Das fünfte Element“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)
Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)
Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)
Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)
Unglaubliche neun Jahre sind seit Tom Tykwers letztem Kinofilm „Ein Hologramm für den König“ vergangen. Seitdem war er nicht untätig, sondern versumpfte in „Berlin Babylon“. Während den Dreharbeiten und der damit verbundenen Beschäftigung mit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wuchs in ihm der Wunsch, sich wieder mit der Gegenwart auseinandersetzen. Das tut er jetzt in seinem neuen Film „Das Licht“, zu dem er auch das Drehbuch schrieb.
In knapp drei Stunden erzählt er einige Wochen aus dem Leben der ganz normal dysfunktionalen Familie Engels und ihrer Begegnung mit der verständnisvollen Farrah. Farrah ist eine aus Syrien geflüchtete Ärztin, die die aus ihrer Sicht perfekte Arbeit als Haushälterin begeistert annimmt. Denn sie möchte etwas von der Familie.
Die mehr neben- als miteinander in einer großen, behaglich eingerichteten Berliner Altbau-Wohnung lebende Familie besteht aus Tim (Lars Eidinger), einem von seiner eigenen Grandiosität überzeugtem Werbemann, seiner Frau Milena (Nicolette Krebitz), einer seit Ewigkeiten in Nairobi für das Entwicklungsministerium Kulturprojekte durchführenden Freiberuflerin, und ihren noch zur Schule gehenden Zwillingskindern Frieda (Elke Biesendorfer) und Jon (Julius Gause). Frieda engagiert sich in einer radikalen Umweltschutzgruppe und taumelt durch das Nachtleben. Jon flüchtet in seinem Zimmer in die Welt virtueller Computerspiele.
„Das Licht“ ist unbestreitbar ein Tom-Tykwer-Film und er ist auch ein archetypischer Tykwer-Film. Er war, bis auf Experimente wie „Lola rennt“ und Thriller wie „The International“, noch nie der konzentrierteste Erzähler. Er ist eher ein langsamer, teilweise enervierend langsamer Erzähler, der sich Zeit lässt, bis sich am Ende alles zusammenfügt. Seine Figuren haben eigentlich immer Probleme mit der Realität. Oft zeigt er eine Welt zwischen Traum und magischem Realismus. Dieses Mal wird bei ihm Berlin zu einer dauerverregneten Traummetropole.
Mit großem epischen Atem schildert Tom Tykwer das Leben der Familie Engels und ihre Zweifel am Leben. Eine richtige Story entwickelt sich aus diesem Sammelsurium von Stilen und Schicksalen nicht. Sicher, gerade die genauen Beobachtungen, die sich Zeit nehmende, entsprechend langsame Erzählgeschwindigkeit, die ständigen Wechsel zwischen den vielen Hauptpersonen und Stilen zwischen ernstem Drama, magischem Realismus und Musical, lassen die gut drei Stunden schnell vergehen. Am Ende hat man das Gefühl, dass jedes irgendwie ‚wichtige Thema‘ angesprochen, aber nie konsequent vertieft wurde. Es ist eine sich an der fotogenen Oberfläche kunstvoll abarbeitender Versuch einer Zeitdiagnose, in der Probleme angesprochen, Lösungen ignoriert und auf Kausalitäten verzichtet wird. Tykwers Ensemblefilm ist immer im Moment.
Aber begeistern tut an diesem Film, der in jeder Sekunde breitbeinig seine Relevanz betont, nichts. Und weil alles zu diffus bleibt, kann noch nicht einmal wirklich über den Film diskutiert werden. Insofern sind die Nominierungen für die beste Tongestaltung und die besten visuellen Effekte beim Deutschen Filmpreis für „Das Licht“ folgerichtig.
Oder anders gesagt: Schön, dass Tom Tykwer wieder Kino macht. Schade, dass es kein besserer Film wurde. Und hoffentlich vergeht nicht wieder fast ein Jahrzehnt bis zum nächsten Tom-Tykwer-Film.

Das Licht (Deutschland 2025)
Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Tom Tykwer
mit Lars Eidinger, Nicolette Krebitz, Tala Al-Deen, Elke Biesendorfer, Julius Gause, Elyas Eldridge, Toby Onwumere, Mudar Ramadan, Joyce Abou-Zeid
Länge: 162 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Das Licht“
Tele 5, 20.15
Big Trouble in Little China (Big Trouble in Little China, USA 1986)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Gary Goldman, David Z. Weinstein, W. D. Richter
Im Untergrund von San Francisco lebt ein zweitausend Jahre alter Magier. Um wieder seine alte Gestalt zu erhalten, muss er eine grünäugige Schonheit heiraten und opfern – und weil diese Frau die Verlobte von Jack Burtons bestem Kumpel Wang Chi ist, begibt sich der LKW-Fahrer mit seinem Freund und einigen weiteren Helfern in den Untergrund.
John Carpenters bunte Actionkomödie ist ein ziemlich durchgeknallter Spaß mit viel Wumms und Rumms. Die Liebeserklärung an damalige Hongkong-Actionfilme floppte an der Kinokasse. Auf dem Videomarkt war sie ein Erfolg. Heute ist sie ein Kultfilm.
„ein wildgewordenes Disneyland“ (Fischer Film Almanach 1987)
Mit Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, James Hong, Victor Wong
Wiederholung: Freitag, 21. März, 23.45 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Big Trouble in Little China“
Wikipedia über „Big Trouble in Little China“ (deutsch, englisch) und über John Carpenter (deutsch, englisch)

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:
Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)
Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)
Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)
Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)
Wenn es unter diesen fünf Krimis ausgehend von erhaltenen Preisen und Kritikerlob einen Favoriten gibt, dann ist es Thomas Knüwers „Das Haus in dem Gudelia stirbt“.
Der Klappentext scheint die ganze Geschichte zu verraten:
„Eine Sturmflut sucht das kleine Dorf Unterlingen heim, Wassermassen drängen die Anwohner aus ihren Häusern – nur eine bleibt, so wie sie es schon immer getan hat: Gudelia.
Sie blieb 1984, als ihr Sohn ermordet wurde, 1998, als sie sich von ihrem Nann trennte, und auch jeztzt, als ihr Haus in den Fluten einzustürzen droht.
Nicht einmal die beiden gefesselten Leichen, die an ihrem Fenster vorbeitreiben, können sie umstimmen. Denn Gudelias Gedanken gelten nur ihrem Haus, in dem sich ihr dunkelstes Geheimnis verbirgt.“
Mit diesem Text und der darüber stehenden Ankündigung, dass es sich um einen „Kriminalroman über Liebe und Verlust, über Stärke und Schuld, über Jahrzehnte hinweg“ handelt, wird schon sehr deutlich gesagt, dass die 81-jährige Gudelia einige Leichen im Keller hat. Eigentlich ist in dem Moment – auch ohne Kenntnis der Geschichte – nur noch fraglich, wen sie warum ermordete. Bis diese Frage beanwortet ist, vergeht einiges an Lesezeit.
Knüwer erzählt Gudelias Geschichte chronologisch auf drei Zeitebenen. Alle paar Seiten springt er zwischen 1984, 1998 und 2024 hin und her. Immer passiert etwas. Nicht viel und eigentlich nie etwas, das die Krimihandlung erkennbar vorantreibt. Einige Seiten später erzählt er dann, was in einem anderen Jahr passiert. Es geht über viele Seiten darum, wie Gudelia den Tod ihres Sohnes verarbeitet, wie sie mit ihrem trunksüchtigen Mann umgeht, wie sie das Haus auf sich überschreiben lässt und wie nach der Flut in dem Dorf die Aufräumarbeiten beginnen. Durch die ständigen Wechsel entwickelt das Buch durchaus Pageturner-Qualitäten.
Außerdem wird es als „Kriminalroman“ gelabelt und, was wichtiger ist, innerhalb der Krimi-Gemeinschaft wird es seit seiner Veröffentlichung mehr als wohlwollend als Kriminalroman aufgenommen. Inzwischen hat „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ den Deutschen Krimipreis und den Stuttgarter Krimipreis gewonnen. Es ist für den Glauser-Preis nominiert, steht auf der Shortlist der Krimi-Couch für das „Buch des Jahres 2024“ und stand mehrmals auf der monatlichen Krimibestenliste. Es muss also auf den knapp dreihundert Seiten irgendetwas geschehen und auch so beschrieben werden, dass es von den Lesern als Kriminalroman und nicht als Biographie einer auf dem Land lebenden alten Frau, die vor vierzig Jahren ihren Sohn verlor, wahrgenommen wird.
Knüwer erzählt, sprachlich unauffällig, aus der Sicht einer Täterin, über mehrere Jahrzehnte, wie ein Mord das Leben von zwei Familien verändert. Zwischen all den biederen Ermittler- und Regiokrimis, mal mehr, mal weniger humoristisch, und bluttriefenden Serienkillerthrillern fällt dieser Kriminalroman angenehm auf. Er erzählt, wie eine unbescholtene, normale Frau zur Mörderin wird, wie sie mit dieser Schuld lebt und wie mehrere Menschen, die die Hintergründe mehr oder weniger kennen, über Jahrzehnte schweigen.
„Das Haus in dem Gudelia stirbt“ ist das Verlagsdebüt von Thomas Knüwer. Davor veröffentlichte der 1983 im Münsterland geborene, in Hamburg lebende Autor und Chief Creative Officer einer Kreativagentur zwei Bücher im Selbstverlag.
–
Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt
Pendragon, 2024
292 Seiten
20 Euro
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Hinweise
Arte, 20.15
Das unbekannte Mädchen (La fille inconnue, Belgien/Frankreich 2016)
Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Drehbuch: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Eine junge, in der belgischen Provinz arbeitende Ärztin fühlt sich für den Tod eines schwarzafrikanischen Mädchens verantwortlich. Sie will ihren Namen erfahren. Aber das ist nicht so einfach.
Gewohnt intensives, zum Nachdenken anregendes Drama der Dardenne-Brüder
mit Adèle Haenel, Olivier Bonnaud, Jérémie Renier, Louka Minnella, Christelle Cornil, Nadège Ouedraogo, Olivier Gourmet, Pierre Sumkay
Wiederholung: Donnerstag, 20. März, 14.00 Uhr
Hinweise
AlloCiné über „Das unbekannte Mädchen“
Rotten Tomatoes über „Das unbekannte Mädchen“
Wikipedia über „Das unbekannte Mädchen“ (deutsch, englisch, französisch)

Das Syndikat, der Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis, der am Samstag, den 12. April, auf der Criminale in Schwetzingen verliehen wird, in der Kategorie Bester Roman folgende Krimis nominiert:
Nicole Eick: Wenn der Engel kommt (Edition Tingeltangel)
Thomas Knüwer: Das Haus in dem Gudelia stirbt (Pendragon)
Jakob Nolte: Die Frau mit den vier Armen (Suhrkamp Nova)
Till Raether: Danowski: Sturmkehre (Rowohlt Polaris)
Dann wollen wir mal lesen, was die besten Krimis des Jahres sein sollen. Beginnen tun wir mi Nicole Eicks „Wenn der Engel kommt“. Es ist ihr zweiter Kriminalroman mit dem grundsympathischen und angenehm normalen Bamberger Kriminalpolizistenduo Alfred Meister und Dominique Brodbecker.
Dieses Mal geht es um mehrere seltsame Todesfälle, die möglicherweise miteinander zusammenhängen und in die ein Pflegedienst involviert ist. Mehr wissen die beiden Kommissare in dem Moment noch nicht.
Der Leser ist da schon schlauer. Nicole Eick erzählt ihren Krimi aus verschiedenen Perspektiven, zu denen die Kommissare und ihr Privatleben, der verdächtige Pflegedienst, ein verdächtiger Pfleger, eine Jugendliche, die die erste Leiche entdeckte, weitere für die Geschichte irgendwann irgendwie wichtige Personen und, in Rückblicken, Kimmi gehören. Am Anfang des Romans ist Kimmi noch ein Kind. Am Ende eine über vierzigjährige Schönheit, die allen Männer den Kopf verdreht und die in Serie Menschen umbringt, die sie irgendwie stören. Dass sie die Täterin ist, ist schnell klar. Nur welche der in „Wenn der Engel kommt“ auftauchenden Frauen Kimmi ist, ist unklar.
Die polizeilichen Ermittlungen sind, wenn die Kommissare nicht gerade mit Essen und Trinken und der Pflege eines im Sterben liegenden Sohnes beschäftigt sind, eine Abfolge von Zufällen. Normalerweise taucht im richtigen Moment jemand auf und liefert den Ermittlern die weiteren Informationen, während sie, nun, in die nächste Gaststätte gehen. Auch für die Verhaftung des Täters werden sie nicht benötigt.
Das liest sich als Regiokrimi mit minimalem Krimianteil und nicht vorhandenem Rätselanteil flott weg. Mehr nicht.
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Nicole Eick: Wenn der Engel kommt
Edition Tingeltangel, 2024
348 Seiten
20 Euro
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Hinweise
One, 20.15/23.55
Sherlock: Die sechs Thatchers (The Six Thatchers, Großbritannien 2017)
Regie: Rachel Talalay
Drehbuch: Mark Gatiss
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle
Ein Ministersohn wird ermordet. Auf einem Beistelltisch mit Margaret-Thatcher-Devotionalien fehlt eine Thatcher-Gipsbüste. Sherlock Holmes fragt sich, warum die Thatcher-Büste verschwunden ist – und was das Geheimnis der Thatcher-Büsten ist.
Die Inspiration für „Die sechs Thatchers“ ist die Sherlock-Holmes-Geschichte „Die sechs Napoleons“.
Ziemlich furioser Auftakt der vierten „Sherlock“-Staffel, die wieder aus drei spielfilmlangen Episoden besteht. Nachdem bei der dritten Staffel die Fälle so nebensächlich wurden, dass man sie schon während des Sehens vergaß, sind die Fälle jetzt wieder gelungener. Allerdings sind sie wieder kaum nacherzählbar und zunehmend durchgeknallter und immer mehr miteinander und mit den Biographien von Sherlock Holmes und Dr. John Watson verknüpft und sie gehen immer mehr in Richtung einer großen, großen Verschwörung. Das ist nicht uninteressant und flott erzählt, aber auch der Stoff, der sich (schlechter) in ungefähr jeder zweiten Serie findet.
Denn auch Sherlock Holmes‘ brave Haushälterin Mrs. Hudson hat eine Vergangenheit, die wir bis jetzt nicht kannten.
Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Amanda Abbington, Una Stubbs, Louise Brealey, Rupert Graves, Mark Gatiss, Lindsay Duncan, Simon Kunz, Sacha Dhawan
Hinweise
Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)
Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle
Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle
Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)
Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)
Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft
Thrilling Detective über Sherlock Holmes
Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)
Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)
Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)
Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)
Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)
Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)
Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)
Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)
Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)
Meine Besprechung von Bill Condons „Mr. Holmes“ (Mr. Holmes, Großbritannien 2015)
Vor einigen Stunden wurden die Nominierungen für den diesjährigen Deutschen Filmpreis verkündet. Die inzwischen schon 75. Verleihung des Deutschen Filmpreis ist am 9. Mai. Nominiert sind:
Bester Spielfilm
DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS (Mohammad Rasoulof Mani Tilgner Rozita Hendijanian)
IN LIEBE, EURE HILDE (Claudia Steffen Christoph Friedel Regina Ziegler)
ISLANDS (Maximilian Leo Jonas Katzenstein) (Kinostart: 8. Mai)
KÖLN 75 (Sol Bondy Fred Burle)
SEPTEMBER 5 (Philipp Trauer Thomas Wöbke Tim Fehlbaum)
VENA (Dietmar Güntsche Martin Rohé)
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Bester Dokumentarfilm
HOLLYWOODGATE (Talal Derki Shane Boris Odessa Rae Ibrahim Nash’at) (Kinostart: ?)
PETRA KELLY – ACT NOW! (Birgit Schulz Doris Metz)
RIEFENSTAHL (Sandra Maischberger Andres Veiel)
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Bester Kinderfilm
AKIKO, DER FLIEGENDE AFFE (Veit Helmer) (Kinostart: ?)
WOODWALKERS (Corinna Mehner Carolin Dassel)
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Beste Regie
Mohammad Rasoulof (DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS)
Andreas Dresen (IN LIEBE, EURE HILDE)
Tim Fehlbaum (SEPTEMBER 5)
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Bestes Drehbuch
Mohammad Rasoulof (DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS)
Laila Stieler (IN LIEBE, EURE HILDE)
Moritz Binder Tim Fehlbaum (SEPTEMBER 5)
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Beste weibliche Hauptrolle
Liv Lisa Fries (IN LIEBE, EURE HILDE)
Mala Emde (KÖLN 75)
Emma Nova (VENA)
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Beste männliche Hauptrolle
Misagh Zare (DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS)
Sam Riley (ISLANDS)
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Beste weibliche Nebenrolle
Anne Ratte-Polle (BAD DIRECTOR)
Niousha Akhshi (DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS)
Leonie Benesch (SEPTEMBER 5)
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Beste männliche Nebenrolle
Alexander Scheer (IN LIEBE, EURE HILDE)
Alexander Scheer (KÖLN 75)
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Beste Kamera / Bildgestaltung
Philipp Sichler (CRANKO)
Markus Förderer (SEPTEMBER 5)
Lisa Jilg (VENA)
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Bester Schnitt
Andrew Bird (DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS)
Anja Siemens (KÖLN 75)
Hansjörg Weißbrich (SEPTEMBER 5)
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Beste Tongestaltung
Bernhard Joest-Däberitz Frank Kruse Matthias Lempert Markus Stemler Alexander Buck (DAS LICHT) (Kinostart: 20. März – Besprechung folgt)
Stefan Soltau Thomas Kalbér Tobias Fleig (ISLANDS)
Lars Ginzel Frank Kruse Marc Parisotto Marco Hanelt (SEPTEMBER 5)
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Beste Filmmusik
Dascha Dauenhauer (ISLANDS)
Dascha Dauenhauer (KEIN TIER. SO WILD.) (Kinostart: 8. Mai)
Lorenz Dangel (SEPTEMBER 5)
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Bestes Szenenbild
Astrid Poeschke (Szenenbild) (CRANKO)
Matthias Müsse (Szenenbild) Nancy Vogel (Set Dec) (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Julian R. Wagner (Szenenbild) Melanie Raab (Set Dec) (SEPTEMBER 5)
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Bestes Kostümbild
Juliane Maier Christian Röhrs (CRANKO)
Pierre-Yves Gayraud (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Birgitt Kilian (IN LIEBE, EURE HILDE)
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Bestes Maskenbild
Jeanette Latzelsberger Gregor Eckstein (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Grit Kosse Uta Spikermann Monika Münnich (IN LIEBE, EURE HILDE)
Sabine Schumann (SEPTEMBER 5)
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Beste visuelle Effekte
Robert Pinnow (DAS LICHT)
Jan Stoltz Franzisca Puppe (HAGEN – IM TAL DER NIBELUNGEN)
Max Riess Sven Martin Bernie Kimbacher (WOODWALKERS)
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Besucherstärkster Film
DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE TEIL 3 (Sven Unterwaldt (Regie) Alexandra Kordes Meike Kordes (Produktion))
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Ehrenpreis
An Dorthe Braker
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Was fällt auf? Die Liste ist erstaunlich monoton und, immerhin handelt es sich um den Deutschen Filmpreis, erstaunlich undeutsch. Die meisten Nominierungen erhielt „September 5“ mit 10 Nominierungen. „In Liebe, eure Hilde“ folgt mit 7 Nominierungen. „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ erhielt 6 Nominierungen.
Egal was man von „September 5“ und „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ hält, fällt es schwer, sie als deutsche Filme zu betrachten. Der eine erzählt eine im Iran spielende Geschichte, der andere letztendlich eine amerikanische Geschichte. Immerhin sind mit „In Liebe, eure Hilde“, „Köln 75“ und „Das Licht“ (in den Technikkategorien) auch deutsche Geschichten dabei.
Und dann gibt es noch drei mehr als unschöne Doppelungen. So ist Sam Riley zweimal als bester Hauptdarsteller, Alexander Scheer zweimal als bester Nebendarsteller und Dascha Dauenhauer zweimal als beste Komponistin nominiert. Gab es da wirklich keine größere Auswahl?