Die Unfassbaren – Now you see me (Now you see me, USA 2013)
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Ed Solomon, Boaz Yakin, Edward Ricourt
Vier Illusionskünstler beginnen, im Auftrag eines Unbekannten, als „Die vier Reiter“ (The four Horsemen) verbrecherische Zauberkunststücke mit Robin-Hood-Touch auszuführen. Schnell werden sie vom FBI und einem Ex-Magier verfolgt.
Der Überraschungserfolg „Die Unfassbaren – Now you see me“ ist ein locker-lässiger Popcorn-Film, ein vergnüglicher Comic-Crime-Caper, der Spaß macht, solange man nicht zu genau über die Geschichte nachdenkt und das nach einem fulminanten ersten Trick zunehmend konventioneller wird. Denn ein Las-Vegas-Paris-Bankraub ist viel eindrucksvoller, als ein Geldtransfer von einem Konto zu anderen Konten; auch wenn dies während einer Show geschieht und sich dabei – dank unsichtbarer Schrift – der Kontostand auf den Papieren der Anwesenden verändert.
Ein kurzer Hinweis: Nach einigen wenigen Tagen in wenigen Kinos läuft Guillermo del Toros Interpretation von „Frankenstein“ jetzt auf Netflix – und eigentlich muss man Netflix schon dankbar sein, dass Einige ihn im Kino sehen konnten.
LV: Mary Shelley: Frankenstein, 1818 (Frankenstein oder Der moderne Prometheus)
mit Oscar Isaac, Jacob Elordi, Mia Goth, Felix Kammerer, David Bradley, Lars Mikkelsen, Christian Convery, Charles Dance, Christoph Waltz, Nikolaj Lie Kaas, Ralph Ineson
Brasilien, 1977 in der feierwütigen und gewalttätigen Karnevalswoche, während der Militärdiktatur: Der Mittvierziger Marcelo (Wagner Moura) kehrt in seinen Heimatort zurück. Er hofft, in der Küstenstadt Recife seinen bei den Großeltern lebenden Sohn wieder zu sehen. Er recherchiert in einem Archiv. Er ist auf der Flucht. Er wohnt in einem Haus, in dem politisch Verfolgte leben. Er scheint allerdings auch in einer anderen Mission unterwegs zu sein. Und es gibt immer mehr rätselhafte Ereignisse, die den auf mehreren Zeitebenen spielenden Film zu einer langsam erzählten Abfolge teils rätselhafter, teils fantastischer Ereignisse macht, die mehr oder weniger miteinander zusammenhängen könnten. Oder halt mehr oder weniger paranoide Wahnvorstellungen sind in einer Zeit, in der paranoide Wahnvorstellungen, wie, dass man von der Regierung aus möglicherweise erfundenen Gründen verfolgt wird, wahr sind.
Kléber Mendonça Filhos hochgelobter und mit vielen Preisen ausgezeichneter Neo-Noir-Polit-Thriller „The Secret Agent“ zeichnet vor allem am Anfang ein atmosphärisches, dichtes Bild einer Diktatur. Nach diesem starken Beginn mit viel stimmigem Zeitkolorit zerfaster der gut dreistündige Film zunehmend. Die Geschichte wird immer nebulöser und lässt einen wegen des konstanten Verweigerns von Erklärungen und narrativer Kohärenz mit dem Gefühl zurück, dass eine beherzt auf zwei Stunden oder weniger gekürzte Fassung besser gewesen wäre. So überzeugt „The Secret Agent“ vor allem als sich viel Zeit nehmendes Stimmungsstück mit bewussten erzählerischen Lücken und vielen Anspielungen auf die Geschichte Brasiliens und andere Filme. Ein Teil von „The Secret Agent“ spielt sogar in einem Kino.
The Secret Agent (O Agente Secreto, Brasilien/Deutschland/Frankreich 2025)
Regie: Kléber Mendonça Filho
Drehbuch: Kléber Mendonça Filho
mit Wagner Moura, Maria Fernanda Cândido, Gabriel Leone, Carlos Francisco, Alice Carvalho, Robério Diógenes, Igor de Araujo, Hermila Guedes, Ítalo Martins, Laura Lufési, Udo Kier
Prinzessin Diana besucht zu Weihnachten 1991, als ihre Ehe mit Charles bereits kriselt, den königlichen Landsitz in Norfolk, trifft die gesamte Königsfamilie und leidet unter dem routiniert gnadenlos durchgezogenem Protokoll.
Gandioses und grandios durchgeknalltes Biopic, das sich wenig für Fakten und noch weniger für Edelkitsch-Seligkeit interessiert, sondern das Leben am Hof als Horrorfilm, Unterabteilung Psychohorror, zeigt.
mit Kristen Stewart, Timothy Spall, Sally Hawkins, Kack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Jack Nielen, Freddie Spry, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Elizabeth Berrington, Lore Stefanek, Amy Manson
Zuerst findet ein arabischstämmiger Komparse am Drehort für einen Film über den ausländerfeindlichen Anschlag am 29. Mai 1993 in Solingen einen verbrannten Koran. Er ist entsetzt und wirft dem Regisseur gotteslästerliches Verhalten vor.
Kurz darauf verschwinden die auf analogem Film aufgenommenen Aufnahmen von dem Drehtag. Die Praktikantin Elif sollte sie in der Wohnung des Regisseurs Yigit deponieren. Von dort sind sie verschwunden – und weil Elif zum fraglichen Zeitpunkt den Wohnungsschlüssel verloren hatte, ist die Zahl der Verdächtigen potentiell unüberschaubar.
Mehmet Akif Büyükatalay zeigt in seinem zweiten Spielfilm „Hysteria“ wie aus minimalen Anlässen – Missverständnissen und kleinen Lügen – mehr oder weniger existenzbedrohende Katastrophen entstehen können. Das erinnert strukturell an die ungleich gelungeneren Filme von Ruben Östlund, wie „Höhere Gewalt“, „The Square“ und, mit Einschränkungen, „Triangle of Sadness“.
Bei Büyükatalay wirken die Prämisse, die Figuren und die daraus entstehende Geschichte allerdings immer etwas zu ausgedacht und sich zu sehr auf das Schweigen von Figuren verlassend. So wirft das beständige Schweigen von Yigit zu seinem die Gefühle von Gläubigen missachtendem Umgang mit ihrem zentralen Buch Fragen auf, die nicht beantwortet werden. Auch Elifs Verhalten nach dem Drehtag und ihr betont laxer Umgang mit den Tagesaufnahmen, dem wichtigsten Material bei einem Film, wirkt unglaubwürdig. Der Koran und die Aufnahmen sind nicht mehr als MacGuffins für ein Planspiel über…kulturelle Missverständnisse, gewürzt mit einer ordentlichen Paranoia. Denn Elif verrät der Person, die den verschwundenen Schlüssel gefunden hat, die zu dem Schlüssel passende Adresse. Unmittelbar danach fragt sie sich, ob jetzt nicht ein Bösewicht, über den sie nichts weiß, ungehindert in die Wohnung eindringen kann.
In diesen Minuten erzeugt er ein Gefühl von Angst und er legt genug Spuren aus, um fast alle verdächtig erscheinen zu lassen.
Am Ende präsentiert er dann eine Lösung, die die vorherige Geschichte ignoriert. Es ist unklar, ob Büyükatalay nicht wusste, wie die Geschichte enden soll oder ob er Angst vor der ultimativen Eskalation hatte.
„Hysteria“ regt weniger zum Nachdenken an und sorgt für weniger Unwohlsein als die Filme von Büyükatalays Vorbildern. So dient, neben dem schon erwähnten Östlund, Michael Hanekes „Die Drehbücher“ als Türstopper in Yigits Wohnung.
Hysteria (Deutschland 2025)
Regie: Mehmet Akif Büyükatalay
Drehbuch: Mehmet Akif Büyükatalay
mit Devrim Lingnau, Mehdi Meskar, Serkan Kaya, Nicolette Krebitz, Aziz Capkurt, Nazmi Kirik
Eines Tages beginnt Paul (Jean Dujardin) zu schrumpfen. Der glücklich verheiratete Vater einer Tochter und Inhaber einer kleinen Schiffsbau-Firma wird kleiner. Zuerst passen ihm seine Kleider besser als vorher. Wenige Tage später muss er auf kleinere Größen und Puppenkleider wechseln. Und er wird noch kleiner.
Science-Fiction-Fans dürften sich jetzt an Richard Mathesons Roman „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (The shrinking man, 1956) und Jack Arnolds Verfilmung „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (The incredible shrinking man, USA 1957) erinnern. Matheson schrie das Drehbuch für die Verfilmung. Dank zahlreicher Wiederholungen im TV ist Arnolds B-Picture bei etwas älteren Menschen immer noch bekannt. Sie erinnern sich an ikonische Szenen wie den Kampf des Helden gegen die Hauskatze und später, als er noch kleiner ist, gegen eine Spinne. Sie erinnern sich daran, wie der Held in einem Puppenhaus lebt.
Sie erinnern sich an einen Science-Fiction-Film, in dem keine Alien-Invasionen abgewehrt oder gegen mutierte Riesenspinnen gekämpft wurde. Stattdesn wurde im Rahmen einer fantastischen Geschichte die nachvollziehbare Angst vor dem Verlust der eigenen Größe behandelt.
Auch Jean Dujardin sah den Film als Kind und war, als er eine DVD des Films entdeckte, beeindruckt. Er sprach mit dem Produzenten Alain Goldman darüber. Es gelang ihnen, die Rechte für eine Verfilmung zu kaufen. Chris Deslandes wurde als Drehbuchautor, Jan Kounen als Regisseur engagiert. Er überarbeitete das Drehbuch. Die jetzige Geschichte erzählt eine Geschichte, die gleichzeitig vom Roman und dem Film inspiriert ist, sie irgendwo in der westlichen Welt in einem am Meer gelegenem Haus in der Gegenwart spielen lässt. Für die Geschichte ist es ziemlich egal, ob sie in den fünfziger Jahren oder in der Gegenwart spielt. Schließlich geht es darum, wie jemand sich an eine vollkommen neue Situation und Welt anpasst. Dieser Prozess wird in dem Film ausführlich gezeigt
Insgesamt wirkt Kounens Film wie ein Fünfziger-Jahre-Science-Fiction-Film. Und ich meine das lobend. Die Inszenierung ist ruhig. Sie konzentriert sich auf die Schauspieler, vor allem Jean Dujardin, der nachdem er eine bestimmte Größe unterschreitet, nur noch mit und gegen Haustiere und, nachdem er im Keller landet, gegen die immer unüberwindlicher und riesiger erscheinenden Treppenstufen spielt. Gleichzeitig deutet Kounen in der Gestaltung der Bilder schon von der ersten Sekunde an, dass Pauls Leben sich fundamental verändern wird.
Außerdem ist der Film ziemlich kurz. Wenn man den Abspann, der sich in seiner epischen Länge nicht von der Länge des Abspanns in anderen Filmen unterscheidet, und die unmittelbar davor präsentierte lange Montage von Bildern von Galaxien weglässt, ist „Der Mann, der immer kleiner wurde“ nur minimal Länger als ein klassisches B-Picture.
In seiner gelungenen Neuinterpretation der Geschichte verzichtet Kounen auf überflüssige Modernisierungen. Er bringt eine alte, bekannte und gute Geschichte als Farbfilm einem neuen Publikum nahe. Denn SW-Filme fristen im Fernsehen immer mehr eine Nischenexistenz. Ich habe keine Ahnung, wann es zuletzt eine Jack-Arnold-Reihe im TV gab. Aber in diesem Jahrhundert erinnere ich mich an keine. Etliche Noir-Klassiker und klassische Horrorfilme, wie die Universal-Horrorfilme, liefen zuletzt vor vielen, vielen Jahren im TV. In aktuellen Bestenlisten werden öfters die Remakes genannt.
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Im Presseheft erzählt Jan Kounen wie der Film entstand:
„Ich musste vor allem das mir zugewiesene Budget einhalten. Als erstes besuchte ich meinen ehemaligen Kollegen Rodolphe Chabrier, den Besitzer des Visual-Effects-Studios Mac Guff. Wir fingen an, uns den Kopf über das Projekt zu zerbrechen. Das war das erste Mal, dass ich mich mit dem ‘Wie‘ auseinandersetzte. Wir hätten Jean vor einem Greenscreen filmen und seine Umgebung fast vollständig in fotorealistischem 3D rekonstruieren können. Aber das wäre viel zu teuer geworden. Ich wollte außerdem, dass der Film eine physische, organische Qualität erhält, weil das zum Thema passte. Also entschieden wir uns für einen hybriden Ansatz, bei dem Jean und die Sets separat gefilmt wurden. Außerdem verwendeten wir Motion Control. Jean wurde mit einer beweglichen Kamera gefilmt und die Kamerabewegungen aufgezeichnet. Dann konnten wir sie beim Filmen der Kulissen reproduzieren. Schließlich fügte man diese beiden Ebenen zusammen.
In unserem Fall mussten wir alle Bewegungen unter Berücksichtigung der sich verändernden Größe reproduzieren. Das Zusammenfügen der einzelnen Aufnahmen war eine riesige Herausforderung. Wir haben mehr als 400 davon mit Motion Control erstellt. Das war arbeitsintensiv, komplex und teuer. Wir mussten im Vorfeld ein Animatic, ein animiertes 3D-Storyboard, entwerfen, was allein fast zwei Monate in Anspruch genommen hat. Aber es war ein entscheidender Schritt in der Vorproduktion. So wurde klar, was genau wir brauchten, in Bezug auf Sets, Requisiten und Zeitplanung. Das half uns, eine präzise Kalkulation aufzustellen und herauszufinden, wo gegebenenfalls gekürzt werden musste. Für die französischen Filmindustrie ist ‚Der Mann, der immer kleiner wurde – die unglaubliche Geschichte des Mr. C‘ ein großer Film. Aber angesichts der Komplexität des Prozesses waren wir budgetmäßig in einer schwierigen Situation.“
Der Mann, der immer kleiner wurde – Die unglaubliche Geschichte des Mr. C (L’Homme qui rétrécit, Belgien/Frankreich 2025)
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Christophe Deslandes, Jan Kounen
LV: Richard Matheson: The Shrinking Man, 1956 (Die unglaubliche Geschichte des Mr. C)
mit Jean Dujardin, Marie-Josée Croze, Daphné Richard, Stéphanie Van Vyve
1997 erforschen auf einer Raumstation zwei Männer, wie das Wetter verändert werden kann. Als sich im Nahen Osten eine Krise zuspitzt, befürchten sie, dass ihre Arbeit für militärische Zwecke missbraucht werden soll.
Roland Emmerichs Regiedebüt und sein Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München war damals eine echte Überraschung: Science-Fiction aus Deutschland mit sehenswerten Tricks.
Der Fischer Film Almanach lobte zum Kinostart die Technik, bemängelte die Story und meinte: „insgesamt gesehen doch erfolgversprechender Kinofilm“.
Mit Richy Müller, Franz Buchrieser, Aviva Joel, Matthias Fuchs, Nikolas Lansky
Der Predator ist nicht totzukriegen. Vor allem nicht durch schlechte Filme. Denn immer wieder kommt ein Guter vorbei. Nach der Vollkatastrophe „Predator: Upgrade“ überzeugte „Prey“ (der seltsamerweise keinen Kinostart erhielt). Und jetzt gibt es „Predator: Badlands“, inszeniert von Dan Trachtenberg, dem Regisseur von „10 Cloverfield Lane“, dem schon erwähnten Predator-Film „Prey“ und, in diesem Zusammenhang wichtig, dem nur im Streaming gezeigten Animationsfilm „Predator – Killer of Killers“.
Die von ihm und den Drehbuchautoren Patrick Aison und Brian Duffield für den neuen Predator-Film „Predator: Badlands“ erfundene Geschichte ist eine von den anderen Filmen unabhängige Einzelgeschichte. Sie verbindet, wie es schon in zwei Kinofilmen geschah, wieder das „Predator“-Universum mit dem „Alien“-Universum. Ihren Ursprung hat diese Verbindung 1989 in einem Comic. Weitere Comics, Romane und Videospiele folgten.
Jedes Bild in „Badlands“ (wir müssen ja nicht jedes Mal „Predator: Badlands“ schreiben) dürfte exzessiv am Computer bearbeitet sein. Im Ergebnis wirkt der gesamte Film wie ein Trickfilm.
Neu ist Trachtenbergs Entscheidung, die Geschichte aus der Sicht des Predators zu erzählen. Damit wird das Raubtier vom Bösewicht zum Sympathieträger und Protagonisten des Film.
Dek heißt dieser Predator, der genaugenommen ein Yautja ist (und im Film viel in seiner Sprache redet). Er besucht Genna, den tödlichsten Planeten des Universums. Dort will er sein Talent als Jäger beweisen, indem er einen Kalisk tötet. Ein solcher Jagderfolg auf einer Jagd würde seinen Status in seinem Stamm erhöhen.
Alles auf dem Dschungelplaneten Genna ist darauf angelegt, ihn zu töten. Das gilt vor allem für die Tiere, aber auch für die Pflanzen. Und damit wären wir schon bei dem großen Problem des Films. Regisseur Trachtenberg führt viele neue Bedrohungen ein, über die wir nichts wissen. So sind sie mal tödlich, mal nicht, mal an einen bestimmten Ort gebunden, mal nicht. Entsprechend willkürlich wirkt ihr Verhalten und entsprechend zufällig gestalten sich die Bedrohungen, die mal öfter, mal nur einmal in dem Film auftauchen. Die Geschichte ist eine einzige Abfolge von Kämpfen, in denen ständig etwas passiert, es aber niemals spannend wird.
Kurz nach Deks erster Begegnung mit der Tier- und Pflanzenwelt von Genna trifft er auf Thia, einen weiblichen Androiden, der von irgendetwas halbiert wurde und jetzt die Hilfe von Dek benötigt, um wieder zu ihrem Stützpunkt zu gelangen. Sie gehört der Weyland-Yutani Corporation. Der aus den „Alien“-Filmen bekannte böse Konzern hat eine Armee Androiden nach Genna geschickt, um dort gefährliche Lebewesen einzusammeln.
Auf seiner Jagd nach dem Kalisk muss Dek auch einige Dutzend Androiden erledigen.
„Badlands“ ist eine gut zweistündige monotone Abfolge von Kämpfen, die ohne irgendein nennenswertes Set-Up einfach aufeinander folgen. Dek kloppt sich zuerst mit seinem Yautja-Bruder in einem konfusen Kampf, in dem einfach zwei nicht unterscheidbare Yautja in einer dunklen Höhle gegeneinander kämpfen. Danach kämpft Dek auf Genna gegen tödliche Tiere und Pflanzen. Immer wenn es nicht weitergeht, taucht einfach eine neue Bedrohung auf. Wie in einem schlechten Computerspiel. Die Story beschränkt sich darauf, dass ein Yautja mit Daddy-Problemen ein unbesiegbares Raubtier als Jagdtrophäe erlegen will. Jedes Bild wurde exzessiv am Computer nachbearbeitet. Elle Fanning spielt den Erklär-Roboter. Immerhin hat sie einige witzige Sätze und ihre Beine eine abgedrehte Kampfszene. Aber das ist zu wenig, um in den begeisterten Chor der Kollegen einzustimmen, denen der Science-Fiction-Film gut gefiel.
Ob man unbedingt eine Story mit einem Predator als Helden braucht, weiß ich nicht. Ob man die Predator-Serie um Kino unbedingt mit der Alien-Serie koppeln muss, weiß ich ebenfalls nicht. Auch wenn in „Badlands“ beides ziemlich gut funktioniert, muss es nicht unbedingt sein.
Am Ende ist „Badlands“ dann eher ein „Alien“-Spin-off, in dem die böse Wyland-Yutani Corporation auf irgendeinem Planeten, auf dem es zufälligerweise keine Xenomorphe (aka Aliens) gibt, andere Monster einsammelt. Irgendwann, fast zufällig, kommt es dann zur finalen Schlacht zwischen den Besuchern, in diesem Fall einem Yautja und vielen Androiden, und den Bewohnern des Planeten.
Nach „Prey“ hätte ich von Dan Trachtenberg mehr als eine langweilige Schlachtplatte mit künstlichem Blut erwartet.
Fortsetzung folgt…
Predator: Badlands(Predator: Badlands, USA 2025)
Regie: Dan Trachtenberg
Drehbuch: Patrick Aison, Brian Duffield (nach einer Geschichte von Dan Trachtenberg und Patrick Aison, basierend auf von Jim Thomas und John Thomas erfundenen Charakteren)
Drehbuch: Ali Abbasi, Isabella Eklöf, John Ajvide Lindqvist (nach der Erzählung „Gräns“ von John Ajvide Lindqvist)
Zollbeamtin Tina kann Gefühle erschnüffeln. Bei der Jagd auf Verbrecher ist dieses Talent ein Vorteil. Als sie bei einer Zollkontrolle Vore trifft, versagt ihr Geruchssinn. Aber sie weiß, dass er etwas verbirgt und dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt.
Zu Recht hochgelobtes genreüberschreitendes Drama. „Das grandiose Drama verwebt sozialen Realismus, Fantasy und skandinavische Mythologie zu einem zwitterhaften Werk, in dem aktuelle gesellschaftliche Debatten um Identitat, Ausgrenzung und Rassismus anklingen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitender Ausnahmefilm.“ (Lexikon des internationalen Films; dort auch in der Liste der 20 besten Kinofilme des Jahres 2019)
Nun denn: (1) Spoilerwarnung und (2) ein vorgezogenes Fazit: „The Change“ ist eine sehenswerte Dystopie über die heutigen Vereinigten Staaten von Amerika und eine Warnung vor einer möglichen Entwicklung.
Als Ellen Taylor (Diane Lane), eine Professorin an der Georgetown University in Washington, D. C., nach acht Jahren eine ehemalige Studentin wieder trifft, ist sie etwas irritiert. Denn die Begegnung ist auf der Feier ihres 25. Hochzeitstages mit ihrem Mann Paul (Kyle Chandler). Die frühere Studentin mit dem porentief reinen Aussehen einer perfekten konservativen Vorstadthausfrau ist jetzt die neue Freundin von ihrem zu Selbstzweifeln neigendem Sohn Josh (Dylan O’Brien). Elizabeth ‚Liz‘ Nettles (Phoebe Dynevor) ist außerdem die Autorin des Bestsellers „The Change“. In dem Sachbuch entwirft sie eine faschistoid-konservative und radikal antidemokratische Vision der USA. Die akademisch aufgeklärte, linksliberale Ellen hielt Liz schon als Studentin für extrem konservativ, antidemokratisch und demagogisch. Das sagte sie der Studentin auch in ihrem Seminar und sie setzte sich dafür ein, sie von der Universität zu verweisen.
Wie sich die Beziehung zwischen Ellen, Liz und ihrem Sohn weiterentwickelt, wie Liz‘ Buch „The Change“ und die daraus entstandene Bewegung die USA hin zu einer immer intoleranteren Tugenddiktatur verändert und wie die jährlichen Feiern zum Hochzeitstag innerhalb weniger Jahre zu einer immer deprimierenden Angelegenheit werden, zeichnet Jan Komasa („Corpus Christi“) in fünf klar voneinander abgetrennten Kapiteln nach. Die Entwicklung geschieht sprunghaft, weil zwischen den einzelnen Kapiteln immer ein Jahr, einmal zwei Jahre vergehen. Die Entwicklung der USA ist nur im Kosmos der Familie Taylor (wozu neben Josh auch drei Töchter gehören) und ihren vermögenden Nachbarn (die namenlose Nebenfiguren bleiben) in der bürgerlich-gepflegten Vorstadt sichtbar. Auf erklärende Nachrichteneinblendungen oder längliche Erklärdialoge verzichtet er.
Diese Begrenzung und dass Komasa nur kryptisch auf die Ziele der Bewegung „The Change“ eingeht, ist zugleich die Stärke und Schwäche der Dystopie. Das klare Konzept, das ohne Kompromisse durchexzerziert wird, führt zur Konzentration auf wenige Personen, einen Handlungsort und einen jährlich wiederkehrenden Zeitpunkt. Es hat etwas von einem Ritual mit fest gelegten Abläufen, die jedes Jahr trostloser ablaufen.
Der Nachteil ist, dass alles, was nicht innerhalb dieses Konzepts vernünftig abbildbar ist, ignoriert wird. So zeigen sich die Auswirkungen des von der Bewegung „The Change“ geforderten autoritären Einparteiensystems (was nur eine Umschreibung für Diktatur ist) ausschließlich an der zunehmenden Isolierung der Familie Taylor. Ellen, Paul und ihre vier Kinder müssen berufliche Repressalien erdulden – oder sich anpassen. Das politische Programm der neuen Regierung bleibt nebulös. Was sie abseits eines immer weiter ausgebauten repressiven Überwachungsapparats tut, bleibt unklar.
Komasa wurde 1981 in Polen geboren, wuchs dort, auf, studierte an Filmhochschule Lodz und erlebte die politischen Wandlungen Polens in den vergangenen Jahrzehnten aus nächster Nähe. Das und der Blick von Außen auf die US-amerikanische Kultur führen zu einem scharfen Blick auf gesellschaftliche Bruchlinien und wie aus einer Demokratie eine Diktatur werden kann. Wie Politik eine Familie zerstört, zeigt Komasa eindringlich auf den jährlichen Familientreffen.
Wobei es, wie die letzten Bilder zeigen, ihm nicht darum geht, zu zeigen, wie Politik eine Familie zerstört, sondern wie eine gekränkte Frau sich an der Person, die sie kränkte, rächen will. Dafür zerstört sie die gesamte Familie. Das von ihr aufgebaute Terrorregime diente nur diesem einen Zweck. Die Zerstörung der Demokratie als Kollateralschaden einer Demütigung. Diese durchaus überraschende Pointe raubt der vorher erfolgten Analyse dann einiges von seiner Kraft und lässt den politisch interessierten Zuschauer etwas ratlos zurück. Ideologien und antidemokratische Bestrebungen können auf verschiedenen Ebenen bekämpft werden. Aber Kränkungen?
Dessen ungeachtet kann „The Change“ Diskussionen provozieren. Und eine pointierte Warnung sein, wie schnell aus einer liberalen Demokratie eine Diktatur werden kann.
The Change(Anniversary, USA 2025)
Regie: Jan Komasa
Drehbuch: Lori Rosene-Gambino (nach einer Geschichte von Jan Komasa und Lori Rosene-Gambino)
Roland Emmerich – Weltenzerstörer, Weltenerbauer(Deutschland 2025)
Regie: Viola Löffler
Drehbuch: Viola Löffler
Brandneue 55-minütige Doku über Roland Emmerich, der am 10. November seinen 70. Geburtstag feiert. Bekannt ist der gebürtige Stuttgarter für seine umsatzträchtigen Science-Fiction- und Katastrophenfilme, wie „Das Arche Noah Prinzip“ (1984, sein Debüt), „Universal Soldier“ (1992), „Stargate“ (1994), „Independence Day“ (1996) und „The Day After Tomorrow“ (2004).
In dem Porträt „Roland Emmerich – Weltenzerstörer, Weltenerbauer“ stellt Viola Löffler sein Werk vor mit Interviews mit dem Regisseur und seinen Weggefährten und Einblicken in seine Arbeit.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte Emmerichs selten gezeigtes Shakespeare-Drama „Anonymus“ (Großbritannien/Deutschland/USA 2011).
Vor wenigen Tagen erschien der dritte Kriminalroman mit Samson Koletschko von der Miliz. Wie „Samson und Nadjeschda“ (2022) und „Samson und das gestohlene Herz“ (2023) spielt „Samson und das Galizische Bad“ 1919 in Kiew.
Dieses Mal muss der herzensgute Polizist herausfinden, was mit einem Trupp spurlos verschwundener Rotarmisten geschah. Die 28 Rotarmisten besuchten das Galizische Banja und lösten sich in dem Badehaus „wie Seife im Wasser“ (Kurkow) auf. Zurück blieben ihre Uniformen. Kurz darauf findet Samson im Ofen des Badehauses einen menschlichen Knochen.
Als er erfährt, dass es sich um einen Frauenknochen handelt, weiß Samson, dass er einen weiteren Fall aufklären muss.
Der Diogenes-Verlag schreibt über den Kriminalroman: „Auch im dritten Band um den herzensguten Samson und die kluge Nadjeschda lässt der ukrainische Meister absurder Erzählkunst das Kiew der frühen Zwanzigerjahre lebendig werden. Voller politischer Turbulenzen und schräger Charaktere und spielerischer Parallelen zum Heute.“
LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)
Bob ist etwas langsam und arbeitet als allseits beliebter Barkeeper in der Bar von seinem Vetter Marv, die von der Mafia auch als Ablageort für Bargeld benutzt wird. Als einige Gangster die Bar überfallen und das Geld stehlen, beginnen die Mafia und die Polizei die Diebe zu suchen. Zur gleichen Zeit lernt Bob Nadia kennen.
Langsam erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der sich mit seiner hochkarätigen Besetzung förmlich in der Atmosphäre suhlt.
mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd
Eines Tages taucht ein Fremder in der ärmlichen Bar von El Tano auf. Er fragt nach Pepa. Er erzählt von seiner Heimat, seinen großen Ländereien und dem Regen, der Wiesen und Weiden gedeihen lässt.
Kurz darauf ist er tot. Der Erzähler der Geschichte und die anderen Dorfbewohner verscharren die Leiche und beschließen, über die Sache zu schweigen. Zwei Wochen später tauchen drei von Lopretes insgesamt neun Brüder auf. Sie suchen suchen ihren verschwundenen Bruder. Es gibt weitere Tote.
Mariana Travacio erzählt in ihrem Debütroman in wenigen Worten und kargen Szenen, die es unmöglich machen, den Roman zeitlich und örtlich präzise zu verorten, eine blutige eskalierende Rachegeschichte. Jeder Mord wird mit einem weiteren Mord vergolten. Die Morde geschehen dabei eher nebenbei, zwischen Sätzen, und werden protokollarisch vermerkt. Das Ausmalen der Ereignisse unmittelbar vor dem Mord bleibt dem Leser überlassen. Die Stimmung, die davor und danach bei Manoel, dem Erzähler, und den Männern, mit denen er die Lopretes verfolgt, herrscht, beschreibt sie genauer. Auch das ihre Stimmung spiegelnde Wetter. Die Bilder die sie in ihrer düsteren Rachegeschichte heraufbeschwört, erinnern an einen dreckigen Italo- oder Neo-Western.
Auch aufgrund seiner Länge von deutlich unter 120 Seiten (nicht jede Seite ist vollständig bedruckt) liest sich „Ein Mann namens Loprete“ nicht wie ein Roman, sondern wie ein Treatment für einen Western, den vor fünfzig Jahren Sergio Leone oder Sam Peckinpah gut hätte inszenieren können.
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Mariana Travacio: Ein Mann namens Loprete
(übersetzt von Kirsten Brandt, mit einem Nachwort von Jochen König)
LV (inspiriert von): Juan Moreno: Tausend Zeilen Lügen, 2019
Juan Romero kann es nicht fassen: der Starjournalist Lars Bogenius, dem er für einen Bericht für das bekannte Politikmagazin „Chronik“ zuarbeiten soll, scheint die Geschichte ziemlich frei zu erfinden. Als Romero dem Magazin von seinem Verdacht erzählt, glauben sie ihm nicht. Also beginnt Romero nach Beweisen für seinen Verdacht zu suchen.
TV-Premiere. Kurzweilige Mediensatire und Sittengemälde eines auflagenstarken Wochenmagazins, inspiriert und nah an den bekannten Fakten des Falls Claas Relotius erzählt.
Oha, der Klassiker war zuletzt am 2. Juli 2017 mein Tagestipp
Tele 5, 22.25
Dirty Harry (Dirty Harry, USA 1971)
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Harry Julian Fink, Rita M. Fink, Dean Reisner, John Milius (ohne Credit)
LV: Harry Julian Fink, Rita M. Fink: Dead Right (Story)
Buch zum Film: Phillip Rock: Dirty Harry, 1971 (Dirty Harry)
In San Francisco knallt Scorpio wahllos Menschen ab. Dirty Harry Calahan nimmt die Fährte auf.
Klassiker des harten Polizeifilms und Blaupause für unzählige Kopien.
„Ein Plädoyer für mehr und härtere Polizeigewalt ist Siegels Film nur an der Oberfläche. Der Kreislauf der Gewalt bringt zwangsläufig solche Charaktere wie Dirty Harry hervor. Er ist auf seine Weise ein Produkt seiner Umwelt und einer, dem, um seine Integrität zu bewahren, nichts anderes übrig bleibt, als zu handeln wie ein Outlaw mit dem Stern des Gesetztes…Es ist ein Film über einen rechten Charakter, nicht aber ein rechter Film“ (Georg Seesslen: Copland)
Mit Clint Eastwood, Harry Guardino, John Mitchum, John Vernon, Andy Robinson
Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express, Großbritannien 1974)
Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress)
Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.
Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)
Die zwölfjährige Dalia ist immer noch traurig über den Tod ihres Vaters. Er war ein bekannter Schriftsteller und begnadeter Geschichtenerzähler. Sein letztes Werk, „Das rote Buch“, konnte er nicht mehr vollenden.
Als Dalia das unvollendete Manuskript entdeckt und sich in es vertieft, wird sie förmlich in die Geschichte hineingesogen. Dort entdeckt sie, dass die böse Wölfin „La Loba“ die Geschichte übernehmen will. Dalia hat nur zwölf Stunden, das Manuskript zu vollenden und wieder in ihre Welt zurückzukehren.
„Dalia und das rote Buch“ ist ein Trickfilm für Kinder. Neben einer spannenden Geschichte erklärt Regisseur David Bisbano auch nebenbei erklärt, wie Autoren ihre Geschichten erfinden. Für Erwachsene ist das dann etwas zu einfach geraten.
Dalia und das rote Buch(Dalia y el Libro Rojo, Argentinien 2024)
Der an einer schweren Lungenkrankheit leidende Todd zieht mit seinem Hund Indy in das Haus seines verstorbenen Großvaters. Es liegt einsam im Wald. Es ist schon etwas heruntergekommen. Und irgendetwas Böses scheint in dem Haus zu leben. So weit, so konventionell.
Das besondere an Ben Leonbergs Horrorfilm „Good Boy – Trust his Instincts“ ist die Perspektive und die Machart. Leonberg erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Todds Hund Indy. Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever sieht im Schatten etwas Böses. Er versucht seinen immer wieder aufgrund von Medikamenten und seiner Krankheit nicht ansprechbaren Herrn aufzubauen und zu trösten. Er passt auf ihn auf und will ihn vor dem im Schatten und Wald lauerndem Bösen beschützen. Nur: wie kann das einem Hund gelingen?
In den Bildern ist Indy immer im Vordergrund. Die Menschen sind dagegen schattenhafte, oft nur schemenhaft erkennbare Wesen im Hintergrund. Durch den Schnitt entsteht der Eindruck, dass Indy auf die Schattenwesen reagiert und redet.
Dieser Eindruck entsteht, weil Regisseur und Autor Ben Leonberg sich bei den Dreharbeiten viel Zeit nahm. Er inszenierte den Film über drei Jahre und besetzte die Hauptrolle mit seinem Hund Indy. Sie lebten in der Waldhütte und Leonberg, der bei den Dreharbeiten manchmal im Bild war, entfernte sich in der Postproduktion aus den Aufnahmen.
So wurde aus einer sattsam bekannten Horrorfilmgeschichte ein interessanter und auch sehenswerter sanfter Geisterhorrorfilm. Die Länge von 74 Minuten (mit Abspann) gefällt ebenfalls.
Good Boy – Trust his instincts(Good Boy, USA 2025)
Regie: Ben Leonberg
Drehbuch: Ben Leonberg
mit Indy, Shane Jensen, Larry Fessenden, Arielle Friedmann, Anya Krawcheck, Stuart Rudin
Nach einem missglückten Suizidversuch wacht Daniel Novak (Florian David Fitz), ein 49-jähriger Sänger, der 2003 mit „Time Time Time“ seinen einzigen Hit hatte, in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie auf. Die Psychologin Dr. Lissi Waldstett (Nora Tschirner) schlägt ihm die Teilnahme an einem von ihr geleitetem Chorprojekt mit depressiven Patienten vor. Die Glücksforscherin sagt, sie wolle erforschen, wie sehr gemeinsames Singen zur Heilung beitragen könne. Seine Teilnahme könne sich auch positiv auf seine Entlassung auswirken.
Zähneknirschend ist Daniel einverstanden. Im Hinterzimmer eines Lokals treffen sie sich. Die Teilnehmenden sind dabei ein bunter Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung. Schnell übernimmt Daniel, weil es so im Drehbuch steht, die musikalische Führung des Chores.
„No Hit Wonder“ ist eine typische deutsche Dramedy, in der alles solide, aber auch furchtbar austauschbar nach Schema F und oberflächlicher als nötig ist. Selbtverständlich verlieben sich Daniel und Lissi ineinander. Die Chormitglieder, über die man gerne mehr erfahren hätte, bleiben Staffage. Ihre psychischen Probleme werden bestenfalls gestreift. Die Story stolpert vor sich hin zu den Pflichtstationen einer solchen musikalischen Außenseitergeschichte. Und über das heutige Deutschland sagt Florian Dietrichs Film auch nichts aus. Dabei bewies er mit seinem vorherigem Film, seinem Langfilmdebüt und dffb-Abschlussfilm „Toubab“ (2020), ein gutes Gespür für ein Milieu und entzückte mit seinem rotzfrechen Humor. „No Hit Wonder“ ist dagegen austauschbarer Dienst nach Vorschrift.
Sein nächster Film ist eine Neuverfilmung von „Emil und die Detektive“.
No Hit Wonder (Deutschland 2025)
Regie: Florian Dietrich
Drehbuch: Florian David Fitz
mit Florian David Fitz, Nora Tschirner, Jerusha Wahlen, Corinna Kirchhoff, Bernd Hölscher, Jasmin Shakeri, Udo Samel, Holger Stockhaus, Aziz Dyab, Lorna Ishema
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (wegen Selbstschädigung und belastenden Themen)