TV-Tipp für den 1. Oktober: Gosford Park

Oktober 1, 2017

Arte, 20.15

Gosford Park (Großbritannien/Italien/USA/Deutschland 2001)

Regie: Robert Altman

Drehbuch: Julian Fellowes (nach einer Idee von Robert Altman und Bob Balaban)

Auf dem Landsitz Gosford Park trifft sich eine Jagdgesellschaft mit ihrer Dienerschaft. Als der Hausherr ermordet wird, muss ein Inspektor den Mörder suchen.

Tolle Gesellschaftskomödie mit einem Hauch Agatha Christie und einem „Was? Die ist auch dabei?“-Ensemble.

Der Film erhielt, neben vielen anderen Preisen, den BAFTA als bester Film, eine Golden Globe für die Regie, einen Oscar für das Drehbuch und die Screen Actors Guild zeichnete gleich das gesamte Ensemble aus.

Drehbuchautor Julian Fellowes ist auch der Erfinder von „Downtown Abbey“.

mit Maggie Smith, Michael Gambon, Kristin Scott Thomas, Camilla Rutherford, Charles Dance, Geraldine Somerville, Tom Hollander, Natasha Wightman, Jeremy Northam, Bob Balaban, James Wilby, Claudie Blakley, Laurence Fox, Ryan Phillippe, Stephen Fry, Kelly Macdonald, Clive Owen, Helen Mirren, Eileen Atkins, Emily Watson, Alan Bates, Derek Jacobi, Richard E. Grant

Wiederholung: Montag, 3. Oktober, 14.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gosford Park“

Wikipedia über „Gosford Park“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Manns Doku „Altman“ (Altman, Kanada 2014)


TV-Tipp für den 27. September: Die Frau in Gold

September 26, 2017

RBB, 23.00

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 16. Juli: Die Frau in Gold

Juli 15, 2017

Wer den Film am Mitwoch verpasste

One, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Samstag, 22. Juli, 10.00 Uhr

Hinweise
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Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 12. Juli: Die Frau in Gold

Juli 11, 2017

ARD, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Donnerstag, 13. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
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Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 8. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 7, 2017

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste:

One, 21.45

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
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Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 3. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 3, 2017

ARD, 20.15

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Dienstag, 4. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
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Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 14. März: Swimming Pool

März 14, 2017

3sat, 20.15

Swimming Pool (Frankreich/Großbritannien 2003, Regie: François Ozon)

Drehbuch: François Ozon, Emmanuele Bernheim

Sommer in Frankreich: eine erfolgreiche britische Krimiautorin versucht in dem Landhaus ihres Verlegers ihre Schreibblockade zu überwinden. Da taucht die quirlige zwanzigjährige Tochter des Verlegers auf – und mit der Ruhe ist es vorbei. Auch mit der Schreibblockade?

Erotikthriller, der normalerweise zu nächtlicher Stunde läuft.

Eine souveräne Fingerübung, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ (Michael Meyns, Zitty 17/2003)

mit Charlotte Rampling, Ludivine Sagnier, Charles Dance, Marc Fayolle

Wiederholung: Mittwoch, 15. März, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Swimming Pool“ (gefühlte Temperatur: 84 Grad)

Wikipedia über „Swimming Pool“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Underworld: Blood Wars“ mit und um Frau Beckinsale

Dezember 1, 2016

Beginnen wir mit dem großen Unterschied zwischen „Underworld: Blood Wars“ und den vorherigen „Underworld“-Filmen. Der 3D-Film wurde erstmals von einer Frau inszeniert. Das ändert aber nichts daran, dass Kate Beckinsale mehr als einmal schwungvoll durch die Landschaft gegen harte Gegenstände geschleudert wird, ehe sie einige Männer ins Jenseits schickt. Weil sie die Vampirin Selene spielt, trägt sie keine dauerhaften Verletzungen davon. Sie ist auch immer noch das Hauptargument für die Filmreihe:

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Ein zweites ist der Bösewicht des Films:

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Dabei ist Semira (Lara Pulver, die als Irene Adler schon „Sherlock“ ganz närrisch machte), die Lack und Leder in einer etwas spartanischeren Version als Selene bevorzugt, nur der Vampir-Bösewicht. Es gibt auch noch einen zweiten Hauptbösewicht: Marius (Tobias Menzies). Er ist ein Lykaner (das sind Menschen, die sich in Werwölfe verwandeln können), der zum Anführer der Lykaner wurde und mit anderen Lykanern eine gut gesicherte Vampirfestung stürmen will. Diese liegt, wie gewohnt, in einem osteuropäisch aussehendem Steampunk-Fantasieland mit leichter Weltkrieg-II-Ästhetik; was natürlich an den unterirdischen Gewölben, dem verlassenem Güterbahnhof, den fotogenen Mänteln und dem Dreh in und um Prag liegen kann. Selene, inzwischen ein allein herumziehender Ronin, soll bei der Verteidigung der Burg helfen. Sie soll vor allem die anderen Vampire zu Kämpfern ausbilden.

Bis zu dieser Schlacht in der dann doch überraschend schlecht gesicherten Festung kommt, vergeht viel Filmzeit. Im Gegensatz zu den vorherigen „Underworld“-Filmen „Underworld (2002, dem besten Film der Reihe), „Underworld: Evolution“ (USA 2006), „Underworld: Aufstand der Lykaner“ (USA 2009, ein Prequel ohne Kate Beckinsale) und „Underworld: Awakening“ (USA 2011, ebenfalls in 3D), die einfach Trash mit viel Action, einem Minimum an Dialog und einer stylischen Optik waren, wird in „Underworld: Blood Wars“ langatmig, aber höchst irdisch am Vampirhof intrigiert, Pläne geschmiedet und viel geredet. So als würde man sich wirklich für irgendwelche austauschbaren Hofintrigen interessieren.

Gleichzeitig wollen die Bösewichter, wenn sie schon nicht das Hybrid-Blut von Selenes spurlos verschwundener Tochter Eve (sieh „Awakening“) bekommen können, Selenes Blut. Selene erhielt in den letzten Filmen durch verschiedene Ereignisse besondere Fähigkeiten, wie einer Unempfindlichkeit gegen Sonnenlicht. Warum die verschiedenen Bösewichter nicht einfach nur ein, zwei Liter von ihrem Blut abzapfen und dann vervielfältigen, sondern sie vollständig auspumpen wollen, wissen die Drehbuchgötter, die für diesen „Underworld“-Film ein arg schwaches Drehbuch schrieben, das sich in den verschiedenen Motivationen und Komplotten verirrt. „The Last Witch Hunter“-Drehbuchautor Cory Goodman hätte besser, wie bei den vorherigen, von anderen Autoren geschriebenen „Underworld“-Filmen eine einfache Geschichte mit einer eindeutigen Motivation und Ziel für die verschiedene Hauptcharaktere erfunden. Ein banales ‚Selene will die Vampirburg vor dem Angriff der Lykaner beschützen‘ (aka „Underworld: Die sieben Samurai“) oder ‚Selene will ihre Tochter vor den Bösewichtern beschützen‘ (aka „Underworld: Die Hard“ oder „Underworld: Taken“) hätte genügt, um die vor allem bei den Lykanern mit viel CGI aufgepimpte Action zu rechtfertigen.

Die ist in der aus den vorherigen „Underworld“-Filmen vertrauten Mischung aus Zeitlupe und Zeitraffer inszeniert, die immer wieder die genauen Abläufe und auch die Handlungen von Selene verbirgt. Wenn sie nicht gerade beidhändig schießt.

Die konsequent dunkle Optik der vorherigen Filme wurde beibehalten. Anscheinend haben Vampire nicht nur etwas gegen Sonnenlicht, sondern auch gegen jede andere Art moderner Beleuchtung. Dafür sieht es, wenn sie in ihrer Fetischkluft durch die mittelalterlichen Gemäuer schreiten, hübsch stylisch aus.

Insgesamt unterscheidet sich „Blood Wars“, abgesehen von dem überkonstruiertem Plot und weniger Actionszenen, kaum von den vorherigen „Underworld“-Filmen.

Ob das jetzt ‚gut‘ oder ’schlecht‘ ist, liegt daran, ob man Kate Beckinsale in Lack und Leder sehen will und akzeptiert, dass sie nicht allzu oft im Bild ist und entsprechend wenig kämpfen darf.

underworld-blood-wars-plakat

Underworld: Blood Wars (Underworld: Blood Wars, USA 2016)

Regie: Anna J. Foerster

Drehbuch: Cory Goodman (nach einer Geschichte von Kyle Ward und Cory Goodman, basierend auf Charakteren von Kevin Grevioux, Len Wiseman und Danny McBride)

mit Kate Beckinsale, Theo James, Lara Pulver, Tobias Menzies, Bradley James, James Faulkner, Charles Dance, Clementine Nicholson

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Underworld: Blood Wars“

Metacritic über „Underworld: Blood Wars“

Rotten Tomatoes über „Underworld: Blood Wars“

Wikipedia über „Underworld: Blood Wars“ (englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Ghostbusters“ – neue Gesichter, vertraute Geschichte

August 5, 2016

Lange bevor der Film in die US-Kinos kam, hatten sich im Netz die ‚Hater‘ schon ihre Meinung gebildet: der Film kann nur Scheiße sein, weil in dem neuen „Ghostbusters“-Film nicht die originalen Ghostbusters-Schauspieler wieder die Hauptrollen spielen, sondern die Ghostbusters von anderen Schauspielern gespielt werden (was schon schlimm ist) und diese auch noch von Frauen, Ja Frauen!!!, gespielt werden (was noch viel schlimmer ist).

Es gab dann zum Filmstart noch eine besonders unappetitliche Kampagne gegen Leslie Jones. Eine Afroamerikanerin; – muss ich noch mehr sagen?

Diesen Idioten kann ich nur empfehlen, sich in ihrer Wohnung einfach noch einmal die zwei alten „Ghostbusters“-Filme anzusehen. Es gibt sie noch. Sie wurden nicht verändert und sie stehen in eurer Filmsammlung. Den neuen Film könnt ihr ja getrost ignorieren.

In Hollywood war ein neuer „Ghostbusters“-Film seit Ewigkeiten im Gespräch. Immerhin waren die ersten beiden Filme von 1984 und 1989 mit Bill Murray (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Dan Aykroyd (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Ernie Hudson (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle) und Harold Ramis (2014 verstorben) enorm erfolgreich. Entsprechend naheliegend sind da in der Hollywood-Logik Pläne für einen weiteren Film, der wieder die Kasse klingeln lässt,

Für den neuen „Ghostbusters“-Film übernahm jetzt Paul Feig die Regie und er machte eigentlich alles richtig. Er und seine Mit-Drehbuchautorin Katie Dippold (sie schrieb auch das Drehbuch für Feigs „Taffe Mädels“ [The Heat, USA 2013]) versuchten sich nicht an einem Reboot, der die alte Geschichte mehr oder weniger neu schreibt, mehr oder weniger düster ist und letztendlich nur ein Remake das Originals ist. Nur schlechter. Sie nahmen sich den alten „Ghostbusters“-Film vor, der ja nicht so genial ist, wie heute manchmal behauptet wird, entstaubten ihn liebevoll und verfilmten ihn wieder mit eigenen Akzenten, wie es von einem Song mehrere Versionen geben kann, die gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Dabei ist auf der erzählerischen Ebene der genialste Schachzug der Macher, dass sie einerseits vieles aus dem alten Film verwenden (was für den Wiedererkennungswert gut ist und das Herz des Fans erfreut oder, siehe oben, auch nicht), aber es andererseits die New York erschütternden Ereignisse aus den alten „Ghostbusters“-Filmen nicht gab und es daher auch keine Ghostbusters gab. Sogar das allseits bekannte Logo wird neu erfunden. In der U-Bahn von einem Sprayer.

Der zweite Geniestreich ist die Besetzung – und dass das im Film nicht weiter thematisiert wird.

In der aktuellen „Ghostbusters“-Version, die im heutigen New York spielt, das allerdings in jedem Bild ein heimeliges Retro-Gefühl verströmt, gründen Abby Yates (Melissa McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Julian Holtzmann (Kate McKinnon) die Ghostbusters. Kurz darauf stößt Patty Tolan (Leslie Jones) zu ihnen. Sie arbeitet in der U-Bahn, hat dort eine Begegnung mit einem Geist und hält eine Arbeit bei den Ghostbusters für aufregender als ihre derzeitige Arbeit. Außerdem organisiert sie das Ghostbusters-Mobil, ein 1981-83 Cadillac-Leichenwagen. Als Telefonistin stellen sie Kevin (Chris Hemsworth) ein. Er ist zwar komplett ungeeignet für den Job, aber gutmütig und gutaussehend ist. Vor allem Erin verliebt sich sofort in das propere Mannsbild.

Sie glauben, dass es Geister gibt und ihr Glaube wird durch Schleim spuckende Geister bestätigt, die sich in alten Häusern und U-Bahnen herumtreiben und am Ende sogar die ganze Stadt vernichten wollen.

Bis dahin gibt es eine schöne Kameradie zwischen den Geisterjägerinnen, einen eher zum schmunzeln einladenden Humor, etwas jugendfreien Klamauk und ein schönes Retro-Feeling. Schon der 1984er „Ghostbusters“-Film war ja eine Liebeserklärung an die klassischen Fünfziger-Jahre-Horrorfilme und auch der 2016er „Ghostbusters“-Film scheint eher in einem Fünfziger-Jahre-New-York zu spielen, was nicht nur an den historischen Gebäuden, den betont unhippen, aber praktischen Kleidern und den ebenso unhippen, aber praktischen Waffen zum Fangen und Vernichten von Geistern, sondern auch, im Finale, an der Rekonstruktion des Times Square im Stil der siebziger Jahre liegt.

Nur die ziemlich retro aussehenden Geister wurden mit modernster Tricktechnik in Szene gesetzt.

Ghostbusters“ ist eine launige Sommerkomödie mit vier Frauen, die ihren Mann stehen, und einem Mann, der als Blondinenwitz hundertfünfzigprozentig überzeugt, einer ordentlichen Portion Retro-Feeling und einem Humor, der einen lächelnd und wohlgestimmt aus dem Kinosaal entlässt.

Bis man dem ersten schleimspuckendem Geist begegnet.

Ghostbusters - Plakat

Ghostbusters (Ghostbuster, USA 2016)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig, Katie Dippold

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael Kenneth Williams, Matt Walsh, Ed Begley Jr., Andy Garcia, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, Ozzy Osbourne, Sigourney Weaver

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Ghostbusters“

Metacritic über „Ghostbusters“

Rotten Tomatoes über „Ghostbusters“

Wikipedia über „Ghostbusters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Im AOL Building stehen die Ghostbusters Rede und Antwort

DP/30 unterhält sich mit Paul Feig über den Film

DP/30 unterhält sich mit Katie Dippold über den Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: Herzlich Willkommen bei „Stolz und Vorurteil & Zombies“

Juni 9, 2016

Stolz und Vorurteil“ ist Jane Austen.

Zombies sind Zombies.

Und beide existieren in verschiedenen Welten. Eigentlich sogar Jahrhunderten, weil Zombies normalerweise in Filmen auftreten, die in der Gegenwart oder der nahen Zukunft spielen.

Jane Austen (1775 – 1817) beschrieb ihn ihren Büchern dagegen ihre Welt, das England des beginnenden 19. Jahrhunderts, und das Liebesleid und die Liebeswirren von Adligen. In England kennt ihre Romane noch jedes Kind; – vielleicht auch nur von den zahlreichen Verfilmungen.

Da ist die Idee, einen Mash-Up aus beiden Welten zu machen, naheliegend. Zuerst sicher nur als die berühmte Schnapsidee nach dem vierten Bier. Seth Grahame-Smith schrieb dann ein Buch, in dem er in Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ Kapitel mit Zombies einschub. Es wurde ein Bestseller.

Jetzt gibt es für die Lesefaulen die Verfilmung des Buches, die dem gleichen Prinzip gehorcht: in einen traditionellen Jane-Austen-Film, dessen Geschichte wir schon kennen, bevor wir sie kennen (es sind halt Liebeswirren auf dem Niveau der letzten Inga-Lindström-Verfilmung, die wir kennen, ohne sie kennen zu müssen), gibt es Szenen mit Zombies. Denn in dieser Jane-Austen-Welt hängen Zombies wie Schmeißfliegen herum und sie werden von Mann und Weib mit der gleichen Lässigkeit getötet.

Weil Burr Steers diese Welt mit großer Liebe zum Detail zeichnet, wenn zum Beispiel die Damen über die Vorzüge der verschiedenen Herren, die im heiratsfähigen Alter und angemessenen gesellschaftlichen Position sind, parlieren und dabei ihre Waffen säubern, dann wohnt dem Film auch ein herrlich absurder Humor inne.

Diesen Mash-Up, in dem die beiden Welten immer kenntlich bleiben und sich entsprechend fremd gegenüberstehen, wird bis zum Ende durchgehalten, weshalb „Stolz und Vorurteil & Zombies“ besser gefällt als „Abraham Lincoln, Vampirjäger“, die andere Seth-Grahame-Smith-Verfilmung, die aus Lincolns Biographie, in die Grahame-Smith liebevoll Begegnungen mit Vampiren einschob, nur eine x-beliebigen Actionplotte in 3D und mit viel CGI machte.

Über die Länge eines Spielfilms nutzt sich der Witz auch ab. Die Zombies sind das einzige neue, immer fremd bleibende Element in dieser Jane-Austen-Welt, in der sich alles nur um das Liebesglück einiger adliger Damen und Herren in einer erschreckend vorhersehbaren Geschichte geht. Oder zweifelt irgendjemand daran, dass Elizabeth Bennet am Ende den adretten Mr. Darcy kriegt und so ihren Hof retten kann? Gegen Ende des Films wird ein politisches Komplott angedeutet, das erzählerisch und thematisch neue Dimensionen eröffnet. Aber weil es nicht in diese Jane-Austen-Geschichte von Stolz und Vorurteil gehört, wird es nicht weiter ausgeführt.

In „Dido Elizabeth Belle“ (Belle, Großbritannien 2013) wurde dagegen die Möglichkeit genutzt, frisches Blut in die Jane-Austen-Welt zu bringen. In dem Film wurde, während Dido Elizabeth Belle den Mann fürs Leben suchte, über Vorurteile und Rassismus gesprochen. In „Stolz und Vorurteil & Zombies“ hätte man ähnliches machen können, wenn Burr Steers mehr als nur ein knalliges Feierabendvergnügen gewollt hätte, das durchaus sympathisch zwischen den Stühlen sitzt. Für die Zombie-Fans gibt es zu viel Liebesgesülze im England des frühen neunzehnten Jahrhunderts; für die Jane-Austen-Fans zu viel Gewalt und einen, an der Oberfläche, erschreckend respektlosen Umgang mit dem klassischen Werk.

Denn den Schauspielern, eine Schar bekannter Namen, gefiel es, Jane Austen mit einem ironischen Augenzwinkern, zu spielen.

Stolz und Vorurteil und Zombies - Plakat

Stolz und Vorurteil & Zombies (Pride and Prejudice and Zombies, USA 2016)

Regie: Burr Steers

Drehbuch: Burr Steers

LV: Seth Grahame-Smith: Pride and Prejudice and Zombies, 2009 (Stolz und Vorurteil und Zombies)

mit Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Bella Heathcote, Douglas Booth, Matt Smith, Charles Dance, Lena Headey

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Metacritic über „Stolz und Vorurteil & Zombies“

Rotten Tomatoes über „Stolz und Vorurteil & Zombies“

Wikipedia über „Stolz und Vorurteil & Zombies“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Familientradition – Auch „Victor Frankenstein“ erschafft ein Monster

Mai 12, 2016

Die Geschichte von Doktor Frankenstein und seinem Monster dürfte bekannt sein. Im 19. Jahrhundert experimentiert der Doktor mit Leichenteilen, aus denen er ein lebendiges Wesen erschaffen will. Mit Blitzen, Strom und elektrischer Energie als Hilfsmittel. In einer stürmischen Nacht gelingt es ihm. Aber seine Kreatur, das „Monster“, verursacht Probleme.

Marry Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ erschien 1818. Seitdem gab es zahlreiche, mehr oder weniger werkferne Verfilmungen, von denen James Whales „Frankenstein“ (USA 1931) und seine Fortsetzung „Frankensteins Braut“ (USA 1935) die bekanntesten sind und alle weiteren Verfilmungen beeinflussten. Das von Boris Karloff verkörperte Monster wurde ein fester Teil der Popkultur.

Jetzt legt Paul McGuigan, nach einem Drehbuch von Max Landis, seine Version von Frankenstein vor, die auch eine Neuinterpretation und ein Spiel mit den bekannten Elementen in einem anderen Umfeld ist. McGuigan inszenierte „Gangster Nr. 1“, „Lucky Number Slevin“ und mehrere „Sherlock“-Filme. Der Stil der „Sherlock“-Filme und der beiden Sherlock-Holmes-Filme von Guy Ritchie beeinflusste überdeutlich „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“. Max Landis ist ein Tausendsassa, der gerne bekannte Geschichten und Genretopoi mit vielen Anspielungen neu interpretiert. Zuletzt im Kino als Autor der Actionkomödie „American Ultra“. Nicht immer, wie jetzt bei „Victor Frankenstein“, überzeugt das Ergebnis.

In dem Film ist Victor Frankenstein (James McAvoy), ein Bruder von Henry Frankenstein (dem Doktor aus dem 1931er „Frankenstein“). Er lebt als Medizinstudent in einem viktorianischen Steampunk-London in einem mitten in der Stadt gelegenem Anwesen, in dem er seine Experimente mit, zunächst, Tieren durchführt.

Als er den Zirkus besucht, entdeckt er Igor (Daniel Radcliffe), einen buckligen Clown, der allerdings hyperintelligent ist und aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Jedenfalls größtenteils. Frankenstein befreit ihn in einer atemberaubenden Aktion, in der Action Hirn ersetzt. McGuigan inszeniert das, als müsse er „Sherlock“ im viktorianischen London inszenieren. Und James McAvoy spielt Victor Frankenstein als bewerbe er sich für „Sherlock“. Aber vielleicht müssen Intelligenzbestien heute ganz einfach wie Sherlock Holmes sein.

Frankensteins Experimente werden von dem tiefgläubigen Polizeiinspektor Roderick Turpin (Andrew Scott – jaja, der Moriarty aus „Sherlock“) kritisch beäugt.

Nachdem sich Frankensteins Experimente mit Tieren in London immer schwieriger gestalten, geht es im dritten Akt von „Viktor Frankenstein“ an die Küste in eine einsam gelegene Burg. Dort wird, unterstützt durch seinen Kommilitonen Finnegan (Freddie Fox), der als adliger Spross stinkreich und einflussreich ist, das Monster geschaffen – und ich war, während die Geschichte jetzt immer mehr Züge einer Alan-Moore-Geschichte hat, erleichtert, dass die Macher doch noch das lange erwartete Monster präsentieren und „Victor Frankenstein“ nicht nur der Prolog für den nächsten Film ist, in dem der Doktor dann sein menschenähnliches Monster erschafft.

Das ist aber auch eines der Probleme von „Victor Frankenstein“. Die Geschichte plätschert viel zu lange vor sich hin, während sie einige Elemente neu interpretiert und Frankenstein und Igor zu einem Buddy-Duo werden. Das wirkt viel zu oft wie eine fehlgeleitete Episode von „Sherlock“; mit Igor als Dr. Watson und, nun ja, Inspektor Turpin als Inspektor Lestrade. Wenn dann, weit in der zweiten Hälfte des Films, mit dem Auftauchen von Finnegan und seinem Vater als eigennütziger Förderer von Frankensteins Experimenten eine potentiell interessante Verschwörungsgeschichte angedeutet wird, ist die Zeit um.

Victor Frankenstein“ ist trotz vieler Ideen und einer auf dem Papier nicht uninteressanten Neuinterpretation der bekannten Geschichte, letztendlich weder ein guter, noch ein schlechter, sondern ein gänzlich uninteressanter Film.

Viktor Frankenstein - Plakat

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (Victor Frankenstein, USA 2015)

Regie: Paul McGuigan

Drehbuch: Max Landis

mit James McAvoy, Daniel Radcliffe, Jessica Brown Findlay, Andres Scott, Charles Dance, Freddie Fox, Guillaume Delaunay, Mark Gatiss (jaja, auch bekannt aus „Sherlock“)

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

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Metacritic über „Victor Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „Victor Frankenstein“

Wikipedia über „Victor Frankenstein“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Helen Mirren ist nicht „Die Frau in Gold“

Juni 4, 2015

Wem gehört das Bild „Adele Bloch-Bauer I“ (auch „Goldene Adele“) von Gustav Klimt? Viele Jahre war es in Wien in der Österreichischen Galerie Belvedere ausgestellt. 1998 behauptete eine alte, in Kalifornien lebende Dame, die rechtmäßige Besitzerin des Gemäldes zu sein. Die 1916 geborene Maria Altmann war während der Nazi-Diktatur mit ihrem Mann Fritz Altmann, einem Opernsänger, aus Wien in die USA geflüchtet.
Als ihre Schwester stirbt, findet sie in ihren Briefen Hinweise, dass ihr, neben weiteren Klimt-Werken, das Bild, ein Porträt ihrer über alles geliebten Tante Adele, gehört.
Zusammen mit dem jungen Anwalt Randy Schoenberg (ein Enkel von Arnold Schönberg) nimmt sie den Kampf auf. Dabei will er, weil er gerade am Anfang einer Karriere als Anwalt in einer großen Kanzlei steht, mit dieser alten und auf den ersten Blick hoffnungslosen Geschichte nichts zu tun haben. Dennoch verbeißt er sich zunehmend in den Fall; ohne zu ahnen, dass er über mehrere Jahre und durch alle Instanzen und mit allen juristischen Finessen um die Rückgabe der Kunstwerke an ihre rechtmäßige Besitzerin kämpfen muss. Denn der österreichische Staat spekuliert in einer perfiden Hinhaltetaktik auf den Tod der betagten Klägerin. Immerhin geht es für Österreich nicht nur um ein wichtiges Werk von Klimt, sondern auch um eine Ikone der österreichischen Identität und die gibt man nicht so einfach weg in die Hände einer im Ausland lebenden Privatperson.
Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ erzählt diese wahre Geschichte als David-gegen-Goliath-Kampf, in dem die Rollen entsprechend klar verteilt sind. Mit den elegant in die Erzählung eingefügten Rückblenden verleiht er der Geschichte eine zusätzliche emotionale Dimension. So erfahren wir, welche Erinnerungen Maria Altmann an dieses Bild hat, wie wohlhabend sie als Tochter einer kunstinteressierten Großbürgertumfamilie war und wie begeistert die Österreicher sich Hitler-Deutschland anschlossen und bei der Unterdrückung und Verfolgung der Juden mitmachten.
Vor diesem historischen Hintergrund wird die Politik Östereichs, die in der Öffentlichkeit vollmundig behauptete, Raubkunst ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, noch unmoralischer. Denn Österreich will aus rein egoistischen Motiven so ein wertvolles und identitätsstiftendes Gemälde keinesfalls ihrer Besitzerin zurückgeben, von der ein sehr altruistisches Bild gezeichnet wird.
Getragen wird der Film von den vielen guten, teilweise nur in kleinen Rollen auftretenden Schauspielern. Im Zentrum stehen dabei die beidne Hauptdarsteller: Ryan Reynolds als junger, pausbäckiger Anwalt und Helen Mirren als resolute alte Dame, die ihn zurecht weist und ihm auch schon einmal ungefragt die Brille putzt, wenn sie nach ihrer Ansicht schmutzig ist.
Das ist gutes, gefällig inszeniertes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen. Allerdings ist „Die Frau in Gold“ auch, in bester Hollywood-Tradition, immer einen Tick zu eindeutig und damit ist die Geschichte zu fein säuberlich in Gut und Böse getrennt.
P. S.: Ich empfehle die Originalfassung. In ihr wird deutsch (bei den in der Vergangenheit in Wien spielenden Teilen) und englisch (fast durchgängig bei den in der Gegenwart spielenden Teilen) gesprochen. Diese Zweisprachigkeit macht die Geschichte authentischer.
P. P. S.: Ja, es wurden einige Details geändert. „Die Frau in Gold“ ist ein Spielfilm, der von der BBC-Dokumentation „Stealing Klimt“ inspiriert ist.

Die Frau in Gold - Plakat

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)
Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Alexi Kaye Campbell
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Die Doku „Art of the Heist: The Lady in Gold“ (2007) über die wahren Hintergründe

Ein Intervies mit Simon Curtis über den Film (bescheidener Ton)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Bestseller-Verfilmung „Kind 44“

Juni 4, 2015

Wer den Roman „Kind 44“ von Tom Rob Smith kennt, ist in den ersten Minuten von „Kind 44“ positiv überrascht. Drehbuchautor Richard Price raffte und veränderte den Anfang so, dass die Geschichte schneller beginnt und, wer den Roman gelesen hat, sieht die ersten Minuten als eine kluge Vorschau auf die kommenden Ereignisse, bis hin zum Motiv des Mörders.
Zuerst erfahren wir einiges über Leo Demidow (Tom Hardy), das später wichtig wird: wie er aus seinem Elternhaus flüchtet, in einem Waisenhaus aufwächst, im Zweiten Weltkrieg kämpft und in Berlin für das bekannte Russischer-Soldat-hält-auf-einem Gebäude-vor-der-zerstörten-Stadt-die-Fahne-hoch-Bild poussieren muss. Seine Kampfgefährten sind Wassili (Joel Kinnaman) und Alexei Andrejew (Fares Fares). Jetzt, acht Jahre nach dem Kriegsende, sind sie seine Kollegen beim Staatssicherheitsdienst,
Auch das fröhliche Abendessen mit seinen Kollegen und ihren Frauen zeigt, dass die Ehe zwischen Leo und Raisa Demidow (Noomi Rapace) nicht glücklich ist. Er unterdrückt sie und sie lächelt notgedrungen schweigend zu seinen Ausführungen über ihre erste Begegnung. Sein Balzen war, und das zeigt diese Szene ohne dass sie es sagen muss, für sie eine Bedrohung ihres Lebens. Sie heiratete ihn, weil sie Angst vor ihm hatte und immer noch hat.
Aber dann scheitert der Film an seiner eigenen Unentschlossenheit und die Bedeutung der ersten Szenen erschließt sich eigentlich nur den Menschen, die den Roman kennen. Für alle anderen ist es vor allem eine okaye und sogar etwas längliche Einführung des Helden. Denn für die sich im folgenden eher nebenbei entwickelnde Serienkillerjagd sind seine Jugendjahre und seine Kriegserlebnisse unwichtig. Da hätte die Verfolgung eines Mannes, der der Spionage verdächtig ist, gereicht, um den Protagonisten, seine Fähigkeiten als Ermittler (sehr groß) und seine Wertesystem (sehr akzeptabel) zu etablieren. Außerdem lernen wir in diesen Minuten auch Wassili kennen. Wassili ist ein Antagonist von Demidow; er ist der Mann, der Demidow aus verschiedenen Gründen, vernichten will, indem er das System für seine Interessen benutzt. Der zweite Gegner von Demidow ist natürlich der Mörder, der fast fünfzig Kinder ermordete. Im Film ist, wie im Buch, allerdings unklar, wer der Hauptgegner von Demidow ist. Im Film führt das dazu, dass die Geschichte nicht mehr funktioniert. Storytechnisch blockieren sich die beiden Gegner. Die Geschichte wird nicht spannender, sondern langweiliger.
Dabei folgen Price, ein geachteter Roman- („The Wanderers“) und Drehbuchautor („Die Farbe des Geldes“, „Clockers“), und Daniel Espinosa („Easy Money“, „Safe House“) weitgehend der Romanhandlung: Geheimdienstoffizier Leo Demidow soll seinen Untergebenen Andrejew und dessen Familie vom Unfalltod ihres Sohnes überzeugen. Demidow erhält zwar Hinweise, dass es, wie Andrejew behauptet, ein Mord war. Er sieht sich sogar die Leiche an. Aber er verfolgt die Spuren nicht weiter. Denn im kommunistischen Paradies gibt es keine Verbrechen und damit auch keine Morde.
Nach diesem Auftakt wird der Serienmörderplot auch im Film erst einmal lange Zeit nicht weiter verfolgt. Stattdessen nimmt Demidows Privatleben einen beträchtlichen Raum ein. Denn er soll herausfinden, ob seine Frau eine feindliche Agentin ist. Als er dies nach umfangreichen Ermittlungen vor seinen Vorgesetzten verneint, werden beide nach Wualsk, einer abgelegenen Industriestadt, versetzt. Dort ist General Nesterow (Gary Oldman) sein Vorgesetzter. Ein guter Polizist, der allerdings bei weitem nicht so brillant wie Demidow ist. Deshalb wird er später auch zu Demidows Dr. Watson.
In Wualsk stößt Demidow auf einen weiteren Mord an einem Kind. Jetzt packt ihn das schlechte Gewissen. Er und Nesterow beginnen mit ihren Ermittlungen, die sie im Geheimen durchführen müssen, weil in der Sowjetunion der totalitären Stalinära reine Willkür herrschte und ihr erste Fehler sie in das nächste Gulag befördern könnte.
Diesen Serienkillerplot schleift der Film, wie der Roman, eher mit, weshalb der gesamte Mittelteil des Films über weite Strecken auf der Stelle tritt.
Anstatt kluger Verdichtungen, Verkürzungen, Dramatisierungen und einer Konzentration auf einen Hauptplot (und damit einen klar konturierten Konflikt) geht der Film in die Breite, ohne dass wir etwas substantiell neues über die Charaktere erfahren oder sich die Handlung erkennbar voranbewegen würde. Es wirkt, als habe Richard Price die Lust an seiner Geschichte verloren und sich nicht mehr darum gekümmert, ob sie in sich schlüssig ist.
Dazu kommt die im Film psychologisch kaum begründete Beziehung zwischen Leo und Raisa Demidowa. Für sie ist es eine Zwangsehe. Das gesteht sie ihm auch während der Zugfahrt nach Wualsk. Er ist natürlich entsetzt darüber, dass sie ihn nicht als galanten Liebhaber, sondern als Monster wahrnimmt. Vor allem, nachdem er jetzt sogar für sie seine Karriere geopfert hat. Aber dann wird sie, weil das Drehbuch es so will, zu seiner Verbündeten, hilft ihm bei der Aufklärung der Mordserie und begibt sich mehrmals freiwillig für ihn, den Mann, den sie hasst, der ihr Leben verpfuschte und der sie unterdrückt, in Lebensgefahr. Die Demidowas sind halt ein echtes Powerpaar.
Daniel Espinosa nimmt sich fast hundertvierzig Minuten Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Und dennoch wirkt der Film in seiner eigentümlichen Mischung aus Plot-Stillstand und kryptischer Erzählweise (Warum hilft Raisa ihrem Ehemann?) doch wie ein auf Kinolänge zusammengeschnittener TV-Mehrteiler, bei dem die falschen Szenen entfernt wurden.
Wenn es am Ende zur Konfrontation zwischen Demidow und dem Serienmörder kommt, wird der Kampf von einem Kellerzimmer in eine Schlammgrube im Wald verlegt; was kein großes Problem wäre, wenn dadurch nicht das Set-Up der ersten Minuten vollkommen verschenkt wäre. Ein Kreis, der sich auch optisch hätte schließen können, schließt sich nicht. Dafür gibt es eine Runde Schlammcatchen zwischen dem Mörder und dem Ehepaar Demidow.
Spontan fällt mir kein anderer hochkarätig besetzter und produzierter Mainstreamfilm ein, der sein Potential so grundlos und umfassend verschenkt.

Kind 44 - Plakat

Kind 44 (Child 44, CZ/GB/RO/USA 2015)
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Richard Price
LV: Tom Rob Smith: Child 44, 2008 (Kind 44)
mit Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke, Vincent Cassel, Fares Fares, Charles Dance, Josef Altin
Länge: 138 Mnuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Smith - Kind 44 - TB 2Smith - Kind 44 - Movie-Tie-In - 2
Tom Rob Smith: Kind 44
(übersetzt von Armin Gontermann)
Goldmann, 2015 (Movie Tie-In)
512 Seiten
9,99 Euro

Taschenbuchausgabe
Goldmann, 2010

Deutsche Erstausgabe
Dumont, 2008

Originalausgabe
Child 44
Simon & Schster UK Ltd., 2008

Hinweise

Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage von Tom Rob Smith

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kind 44“

Moviepilot über „Kind 44“

Metacritic über „Kind 44“

Rotten Tomatoes über „Kind 44“

Wikipedia über „Kind 44“ (deutsch, englisch) und Tom Rob Smith (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Rob Smiths „Kind 44“ (Child 44, 2008)

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)

Richard Price in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ des Alan Turing

Januar 22, 2015

Ist „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ wirklich so gut? Das Biopic wurde für acht Oscars, unter anderem in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller und beste Nebendarstellerin (wobei Keira Knightley in dem Film die einzige nennenswerte Frauenrolle hat und eigentlich die Hauptdarstellerin ist) nominiert. Insgesamt wurde, laut IMDB, der Film bis jetzt für über einhundert Preise nominiert und er erhielt schon 39 Preise. Diese immense Menge an Preisen und Nominierungen sagt inzwischen eigentlich mehr über die Inflation von Filmpreisen als über die Qualität des Films aus.
Dabei ist „The Imitation Game“ natürlich kein schlechter Film, sondern gutes, altmodisches Erzählkino, das zuerst mit seiner komplizierten, aber letztendlich sehr schlüssigen und sehr gelungenen Rückblendenstruktur irritiert.
1951 trifft ein Polizist, nachdem ein Einbruch gemeldet wurde, auf einen sehr seltsamen Mann in einer zugemüllten Wohnung. Der Polizist fragt sich, wer dieser Alan Turing (Benedict Cumberbatch) ist und was er ihm verschweigt. Dabei erfährt er schnell, dass Turings Arbeit während des Zweiten Weltkriegs streng geheim ist (was sie bis in die siebziger Jahre blieb) und höhere Stellen keine genaue Untersuchung des Einbruchs wünschen.
Turing (23. Juni 1912 – 7. Juni 1954) war ein herausragender Mathematiker, der heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik gilt. Der unter Informatikern prestigeträchtige Turing Award trägt seinen Namen.
Dieses mathematische Talent, vulgo das abstrakte logische Denken, führte dazu, dass er, nachdem er behauptet, die unknackbare deutsche Codemaschine Enigma knacken zu können, vom britischen Geheimdienst eingestellt wird und in Bletchley Park mit anderen Männern Enigma knacken soll. Turing, ein teamunfähiger, von sich überzeugter Eigenbrötler, nähert sich dem Problem streng logisch und, wie inzwischen allgemein bekannt ist, kann er den Code knacken. Eine große Hilfe war ihm dabei die ebenfalls mathematisch extrem begabte Joan Clarke (Keira Knightley), der er auch einen Heiratsantrag machte.
Eigentlich stand ihm nach dem Krieg eine große wissenschaftliche Karriere offen. 1948 trat er eine Stelle an der Universität von Manchester an. Er entwickelte den Turing Test, der die Grundlage für die Definition von künstlicher Intelligenz wurde.
Aber dann wurde er 1952 wegen Homosexualität, was damals eine Straftat war, angeklagt. Um eine Haftstrafe zu vermeiden, unterzog er sich einer Hormontherapie, die auch sein seelisches Befinden störte und 1954 zu seinem Suizid durch Cyanid führte.
Erst am 10. September 2009 entschuldigte sich der britische Premierminister Gordon Brown im Namen der Regierung für die Verfolgung Turings aufgrund seiner Homosexualität. Am 24. Dezember 2013 sprach Königin Elisabeth II. ein „Royal Pardon“ (Königliche Begnadigung) aus.
Diese Daten sind das Grundgerüst für „The Imitation Game“, der vor allem die Entschlüsselung von Enigma und der Stimmung in Bletchley Park erzählt. Es ist eine Gruppe intelligenter Männer, die in der Heimat auf einem noblen Anwesen ihren Teil zum Sieg beitragen wollen, die nicht über ihre Arbeit reden dürfen und die einen Spion in den eigenen Reihen haben.
Morten Tyldum („Headhunters“) inszenierte diese Geschichte als traditionelles Schauspielerkino, bei dem die Story im Mittelpunkt steht und das Drehbuch ein schier endloses Spiegelkabinett zwischen Schein und Sein, Lüge und Wahrheit, entwirft: die genialen Wissenschaftler, die nicht über ihre Arbeit reden dürfen. Nicht während und auch nicht viele Jahre nach dem Krieg. Inzwischen sagen Historiker, dass die Entschlüsselung des Enigma-Codes den Krieg um zwei bis vier Jahre vekürzte. Alan Turing, der seine Beziehung zu Joan Clarke gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten verschweigt. Joan Clarke, die als Sekretärin in Bletchley Park arbeitet (was historisch nicht ganz korrekt ist) und in ihrer Freizeit mit Turing versucht, den Code zu knacken, was ein Bruch der Geheimvereinbarungen ist. Ihre Scheinbeziehung, die eine Scheinehe hätte werden sollen. Ihre Lügen gegenüber Joan Clarkes den Konventionen verhafteten Eltern. Der Spion in Bletchley Park, der schon lange enttarnt ist. Und natürlich der Enigma-Code, der entschlüsselt ist, aber vom britischen Militär zunächst nicht benutzt wird.
Dabei sind viele dieser Geheimnisse überhaupt keine Geheimnisse, aber das Wissen wird strategisch eingesetzt.
So erscheint „The Imitation Game“, der über weite Strecken ein Spionagethriller ist, in jeder Szene wie ein Turing Test, bei dem die Charaktere versuchen herauszufinden, wer ihr Gegenüber ist – und natürlich Gefühle, also die Dinge, die Menschen von Computern unterscheidet, immer wieder das strikte logische Denken stören.
Inzwischen ist „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ vielleicht etwas überbewertet, aber in jedem Fall ist das Biopic ein guter und ein sehenswerter Film mit klugen Dialogen und grandiosen Schauspielern.

The Imitation Game - Plakat

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore
LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)
mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Neulich beim TIFF


Neu im Kino/Filmkritik: „Dracula Untold“ erzählt, wie alles begann

Oktober 2, 2014

Graf Dracula ist zurück im Kino. Sein letzter erinnerungswürdiger Kinoauftritt war 1992 in „Bram Stokers Dracula“. Zuletzt gab es, nur auf DVD, von Dario Argento „Dracula 3D“, aber der war nicht so toll. Und es gibt spaßige Neuinterpretationen der Geschichte, wie in „Abraham Lincoln, Vampirjäger“; wobei das Buch, das sich wie eine stinknormale Biographie über Abraham Lincoln liest, besser ist.
Gary Shores „Dracula Untold“ setzt setzt sich zwischen die Stühle. Einerseits will er die Geschichte von Graf Dracula, dem allseits bekanntem Vampir, erzählen. Also die Geschichte, wie Graf Dracula, der Herrscher über ein Fürstentum in Transsylvanien, Graf Dracula, der Fürst der Dunkelheit, wurde. Und es soll die echte Geschichte von Prinz Vlad III, auf seinen Wunsch „Dracula“ (Sohn des Drachen) genannt, erzählt werden. Dieser äußerst blutdurstige und brutale Herrscher ist das historische Vorbild für Bram Stokers Dracula. Naja, irgendwie. Immerhin gibt es über Vlad nur einige Legenden. Historisch verbürgt ist weniges. Also nahmen sie die Macher einige Freiheiten, wie halt die Behauptung, dass es Vampire wirklich gibt.
Einen solchen Vampir entdeckt Vlad (Luke Evans) in einer unzugänglichen Höhle in einem Berg. Als kurz darauf die eroberungswilligen Türken eine Hundertschaft seiner Untertanenkinder und seinen Sohn wollen, entschließt Vlad sich, gegen ihren Anführer Mehmed (Dominic Cooper) zu kämpfen. Als Kinder kämpften sie als gut ausgebildete Kindersoldaten unter dem Kommando von Mehmeds Vater, der immer Vlad bevorzugte, gegen fremde Völker.
Vlads einzige Möglichkeit, den Kampf im Alleingang gegen die türkische Übermacht zu gewinnen ist, dass er sich mit dem Monster in der Höhle verbündet. Der Master Vampire gibt ihm etwas von seinem Blut. Vlad ist jetzt unbesiegbar und er hat eine starke Sonnenallergie. Er kann allerdings tagsüber noch herumlaufen. Innerhalb von drei Tagen kann er die Transformation rückgängig machen, wenn er auf ein bestimmtes Nahrungsmittel verzichtet.
Ein Machthaber, der für seine Untertanen einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der sich auf die Seite des Bösen begibt, um Gutes zu tun und um seine Familie zu beschützen. Was für ein Filmstoff – und was für ein vorhersehbarer Film, der sich mal wieder, wie es sich inzwischen für einen Blockbuster gehört, in dunklen Farben suhlt und Humor wie der Teufel das Weihwasser vermeidet. Ich gebe zu, inzwischen sehne ich mich wieder nach dem Comic Relief aus älteren Abenteuerfilmen.
Dabei kommt ein großer Teil der Vorhersehbarkeit von „Dracula Untold“ aus dem Wissen, wie die Geschichte ausgeht: der Fürst wird zum Vampir. Nur der Weg dorthin und wie er seine Familie verliert ist unklar, folgt aber den bekannten Blockbusterkinoregeln.
Dennoch ist „Dracula Untold“ ein überraschend gelungener Fantasy-Mittelalter-Film, der zwar nichts neu erfindet, aber seine düstere Geschichte ordentlich erzählt. Eigentlich ist sein größtes Problem, dass der Graf, der hier zum Vampir wird, der allseits bekannte Graf Dracula sein soll und daher im Rahmen einer Origin-Story vieles viel zu vorhersehbar ausfallen muss.
Wer etwas über das wahre historische Vorbild von Dracula erfahren möchte, sollte in einem Sachbuch nachschlagen. Denn um historische Wahrheiten kümmert „Dracula Untold“ sich nicht.

Dracula Untold - Plakat

Dracula Untold (Dracula Untold, USA 2014)
Regie: Gary Shore
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
mit Luke Evans, Sarah Gadon, Dominic Cooper, Art Parkinson, Charles Dance, Diarmaid Murtagh, Paul Kaye, William Houston
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Dracula Untold“
Moviepilot über „Dracula Untold“
Metacritic über „Dracula Untold“
Rotten Tomatoes über „Dracula Untold“
Wikipedia über „Dracula Untold“ (deutsch, englisch)


DVD-Roundup, Teil 2: TV-Serien und TV-Filme, alle sehenswert

März 19, 2014

Jetzt sind die TV-Serien dran. Ebenfalls durchgängig mindestens einen Blick wert.

Twilight Zone“ ist eine der klassischen TV-Serien. Rod Serling erfand sie 1959 und seitdem erlebte sie zwei erfolgreiche Neuauflagen im TV und einen Spielfilm. Außerdem gab es einige Nachahmer. Denn das Konzept war denkbar einfach: spannende Geschichten innerhalb einer halben Stunde erzählen. Sie waren das filmische Äquivalent zu einer Kurzgeschichte. Weitere Regeln gab es nicht, aber normalerweise waren es phantastische Geschichten, Horrorgeschichten und manchmal auch Kriminalgeschichten. Gerne auch in einem lockeren Genremix. Solange die Geschichte eine gute Pointe hatte, war alles möglich. Rod Serling schrieb fast alle „unwahrscheinliche Geschichten“ aus der „fünften Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung – eine Dimension, so gewaltig wie der Weltraum und so zeitlos wie die Ewigkeit. Es ist das Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht, Wissenschaft auf Aberglaube trifft. Sie liegt zwischen den Fallgruben unserer Furcht und den lichten Gipfeln unseres Wissens. Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung“. Neben Serling schrieben auch Charles Beaumont und Richard Matheson einige Drehbücher für die erste Staffel.

Oh, und natürlich spielten die Geschichten mit wenigen Charakteren an wenigen Orten. Denn viel Geld war für die einzelnen Geschichten nicht vorhanden. Also beschränkten die Regisseure, wie Robert Parrish, Mitchell Leisen, Jack Smight, Stuart Rosenberg, William Claxton, Ted Post und Ralph Nelson, sich darauf, die Schauspieler möglichst wenig zu stören. In der ersten Staffel sind dann auch einige bekannte Namen dabei, die damals teils am Ende, teils am Anfang ihrer Karriere waren, wie Martin Landau, Dan Duryea, Ida Lupino, Martin Balsam, Burgess Meredith, Richard Conte, Rod Taylor, Fritz Weaver, Inger Stevens, Paul Mazursky, Warren Oates, Vera Miles, Claude Akins, Kevin McCarthy, Roddy McDowall, Jack Klugman, Anne Francis und Jack Warden.

Auch aus heutiger Perspektive sind die Geschichten – auch wenn wir einige Pointen früh erahnen – flott erzählt mit einer meist überraschenden, immer gelungenen Pointe.

Die DVD-Box mit der ersten Staffel ist eine Fundgrube für filmhistorisch Interessierte. Denn neben den 36 Folgen (in vorzüglicher Bildqualität) gibt es Tonnen von Bonusmaterial, unter anderem zu jeder Folge einen Audiokommentar, weitere Gespräche, Werbematerial und etwas Kleinkram.

Was soll ich sagen: eine phantastische Serie in einer rundum gelungenen Aufmachung.

Die zweite Staffel erscheint am 20. März 2014.

The Twilight Zone - Staffel 1 - DVD-Cover

The Twilight Zone – Unwahrscheinliche Geschichten: Staffel 1 (The Twilight Zone, USA 1959/1960)

Erfinder: Rod Serling

DVD

Koch Media

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: 36 Audiokommentare und episodenbezogene Audiointerviews, Isolierte Musikspuren mit Musik von Bernard Herrmann, Jerry Goldsmith, Franz Waxman und anderen, Radio-Hörspielversionen einzelner Episoden, Werbetafeln der US-Erstausstrahlungen, Promotions zu einzelnen Episoden, Originalversion der Pilotfolte „Where is everybody“, Interviews mit den Darstellern Dana Dillaway, Suzanne Lloyd, Beverly Garland, Ron Masak und dem Kamermann George T. Clemens, Ausschnitte der Emmy Awards“-Verleihung, Deutscher Originalvorspann

Länge: 892 Minuten (36 Episoden auf 6 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „The Twilight Zone“ (deutsch, englisch)

The Rod Serling Memorial Foundation

PBS: American Masters: Rod Serling

The Guardian: Phelim O’Neill: Why The Twilight Zone puts today‘ TV sci-fi to sham (7. Mai 2011)

Im Gegensatz zur „Twilight Zone“ ist „Der Equalizer“ erstaunlich schlecht gealtert. „Der Equalizer“ war eine der prägenden Krimiserien der achtziger Jahre. In ihr spielte Edward Woodward in der Rolle seine Lebens Robert McCall, einen ehemaligen Geheimagenten, der jetzt in New York als „The Equalizer“ Menschen hilft, denen sonst niemand hilft. Er ist in einer von Gewalt und Verbrechern beherrschten New York ein altruistisches Ein-Mann-Gerechtigkeitsunternehmen mit einem Zeitungsinserat: „Gotta problem? Odds against you? Call The Equalizer“.

Aufgrund der Prämisse konnten die Macher (unter anderem Joel Surnow, der später einer der wichtigen Köpfe bei „Nikita“ und „24“ war) jede Art von Geschichte erzählen: mal hilft McCall einem Jugendlichen, der sich gegen eine Straßengang durchsetzen muss, mal einer Polizistin, die von ihren korrupten Kollegen bedroht wird, mal geht es gegen die Mafia, mal geht es um Geheimdienstintrigen, mal muss er alten Bekannten, wozu auch russische Überläufer und Profikiller gehören, helfen, und manchmal gerät er auch einfach so in einen riesigen Schlamassel und muss gehörig improvisieren. Manchmal hilft er dabei der Polizei, manchmal nicht. Manchmal hilft er seinen alten Bekannten beim Geheimdienst, manchmal nicht und McCall hat aus seiner Vergangenheit ein großes Netz sehr unterschiedlicher Freunde, die ihm manchmal helfen. Sobald ein Mensch sich in dem Sündenpuhl New York in einer ausweglosen Lage befindet, ist es ein Fall für den Equalizer, der mit allen Mitteln für Gerechtigkeit sorgt. Dabei verzichtet er nicht auf Gewalt, aber lieber setzt er seine kleinen grauen Zellen ein und überlistet die Bösewichter.

Zum Erfolg der Serie, die es auf vier Staffeln brachte, trug neben der Prämisse außerdem bei, dass viel in New York gedreht, das in „Der Equalizer“ schon in der Titelsequenz als ein Moloch des Verbrechens porträtiert wird. Naja, das war auch das kaputte New York der achtziger Jahre und nicht das heutige, friedliche, sanierte und gentrifizierte New York.

Im Zentrum der Geschichten steht dabei McCall, der von Edward Woodward herrlich ernsthaft als befehlsgewohnten Patriarchen der alten Schule spielt, der allein mit seiner Stimme alle zur Gefolgschaft bewegt; was natürlich vollkommen unglaubwürdig ist, aber Jack Bauer verfügte Jahre später über ein ähnliches Charisma. McCall ist auch immer Herr der Lage und mit seinem Jaguar fährt er selbst in die schlimmsten Slums. Dabei wird sein Auto nie geklaut, demoliert oder auch nur zerkratzt. Auch sein maßgefertigter Anzug wird nie schmutzig. Es ist halt ein wahrer Schutzengel.

Damals verbreitete die Serie einen grimmigen Realismus und war optisch das Anti-Programm zur ebenfalls sehr düsteren Krimiserie „Miami Vice“. Heute wirken die Geschichten doch arg betulich und gerade die cheesy Momente stören den angestrebten Realismus.

Die zweite Staffel ist für den 17. April angekündigt.

Der auf der Serie basierende Spielfilm (naja, wie gewohnt, sehr lose) mit Denzel Washington als Robert McCall soll in den USA am 26. September 2014 starten. Antoine Fuqua ist der Regisseur. Das Drehbuch ist von Richard Wenk. Könnte also ein guter Film werden.

The Equalizer - DVD-Cover D-2013

The Equalizer – Der Schutzengel von New York: Staffel 1 (The Equalizer, USA 1985/1986)

Erfinder: Michael Sloan, Richard Lindheim

mit Edward Woodward (Robert McCall), Robert Lansing (Control), Steven Williams (Lieutenant Burnett), Keith Szarabajka (Mickey Kostmayer), Mark Margolis (Jimmy), William Zabka (Scott McCall)

DVD

Koch Media

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 1025 Minuten (22 Episoden auf 6 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Fernsehserien über „The Equalizer“

Wikipedia über „The Equalizer“ (deutsch, englisch)

Überhaupt nicht realistisch oder grimmig will „Death in Paradise“ sein. Wir erinnern uns: Detective Inspector Richard Poole wurde vom beschaulichen London (Hey, immerhin hat die Stadt alles, was ein typischer Brite benötigt: Regen, Nebel, Tee und einen legeren Anzugzwang) nach Saint.-Marie, eine Insel in der Karibik versetzt. Für Poole die Hölle. Das beginnt schon mit der Kleidung. So ist seine Kollegin Camille Bordey immer sommerlich gekleidet und auch seine beiden Untergebenen Fidel Best und Dwayne Myers tragen eine eher leger-luftige Uniform, die perfekt ihre Dienstauffassung spiegelt. Außerdem muss er auf all die Annehmlichkeiten eines funktionierenden Polizeiapparates verzichten. Während er in London innerhalb weniger Stunden eine DNA-Analyse hat, dauert das auf St. Marie schon einmal einige Tage oder Wochen.

Aber Poole ist auch ein Ermittler alten Schlages. Ein grandioser Beobachter mit einer ebenso guten Kombinationsgabe und die wird auch gefordert bei den vielen Mordfällen, die sich jetzt auf der Insel ereignen. Normalerweise in der britischen Gemeinschaft oder unter mehr oder weniger halbseidenen Besuchern. So wird ein Plantagenbesitzer ermordet; in einer Schönheitsklinik ertrinkt eine Patientin im Pool; auf einem Ausflugdampfer wird eine Sängerin vergiftet; eine Querschnitgelähmte wird erwürgt und eine Schatzsuche nach einem legendären Piratenschatz geht mörderisch schief.

Death in Paradise“ ist eine witzige Crime-Comedy mit Fällen, die nach dem bewährten Agatha-Christie-Whodunit-Muster gestrickt sind. Aber während man in der ersten Staffel den Täter noch erraten konnte, gelingt das in der zweiten Staffel kaum noch. Das Sehvergnügen wird dadurch kaum gemindert.

Schade ist allerdings, dass auf der DVD nur die vom BBC bereits gekürzte internationale Fassung enthalten ist. In ihr sind die acht, im Original einstündigen Folgen nur jeweils fünfzig Minuten. Normalerweise werden Szenen gekürzt oder entfernt, die außerhalb Englands kaum verständlich oder für die Handlung unwichtig sind.

In England lief bereits die dritte, wieder aus acht Folgen bestehende Staffel.

Death in Paradise - Staffel 2 - DVD-Cover

Death in Paradise – Staffel 2 (Death in Paradise, Großbritannien 2013)

Erfinder: George Thorogood

mit Ben Miller (DI Richard Poole), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Dwayne Myers), Gary Carr (Fidel Best), Don Warrington (Commisioner Selwyn Patterson), Elizabeth Bourgine (Catherine Bordey)

DVD

Edel

Bild: 16:9 PAL

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 417 Minuten (8 Fälle auf 4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

BBC über „Death in Paradise“

BBC Germany über „Death in Paradise“

Wikipedia über „Death in Paradise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von “Death in Paradise – Staffel 1″ (Death in Paradise, GB/Fr 2011)

Zurück nach England. Genaugenommen in die Grafschaft Midsomer und zu den letzten Ermittlungen von Inspector Tom Barnaby, die in „Inspector Barnaby – Volume 20“ enthalten sind. Denn nach vierzehn Jahren und 81 Fällen beendete Barnaby-Darsteller John Nettles seinen Dienst. Dabei ist die Abschlussepisoden „Gesund, aber tot“ (Fit for Murder) ein schwacher Fall, bei dem nichts auf das Ende hindeutet. Barnabys Abschied aus dem Polizeidienst wirkt lieblos angepappt. Davor löste er, während eines Wellness-Urlaubs, auf den er gegen seinen erbitterten Widerstand von seiner Frau geschleppt wurde, eine Mordserie in dem Hotel. Denn unter zwei Toten ist ein Barnaby-Fall kein echter Barnaby-Fall. .

Mit „Geisterwanderung“ (The silent Land), „Mord von Meisterhand“ (Master Class), „Unter die Gürtellinie“ (The noble Art) und „Eine Schande für das Dorf“ (Not in my Backyard) sind auch die vorherigen vier Fälle in der Box enthalten.

Damit liegen jetzt alle Tom-Barnaby-Fälle auf Deutsch vor und schon für den 11. April ist die vierte und letze „Inspector Barnaby“-Collectors-Box angekündgt.

Inspector Barnaby - Volume 20

Inspector Barnaby – Volume 20

Regie: Peter Smith, Renny Rye, Richard Holthouse

Drehbücher: Peter J. Hammond, Nicholas Martin, Barry Purchese, John Wilsher, Andrew Payne

LV: Charakter von Caroline Graham

mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Jason Hughes (DS Ben Jones), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr. Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)

DVD

Edel

Bild: 16:9 PAL

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit John Nettles und Barry Jackson

Länge: 445 Minuten (5 Folgen auf 5 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutschenglisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 14“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 15“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 17“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 2“

Meine Besprechung von “Inspector Barnaby – Collector’s Box 3″

Fast schon prophetisch mutet „Secret State“ an. Nicht wegen der Geschichte: nachdem eine Kleinstadt durch eine Explosion zerstört wurde, es 19 Tote und 94 Verletzte gab, setzt sich der Stellvertretende Premierminister Tom Dawkins (Gabriel Byrne) bei dem US-Konzern PetroFex für eine Entschädigungszahlung ein. Der Konzern möchte nicht bezahlen. Es gibt Intrigen im Parlament und die Tötung eines Terroristen wächst sich zu einer veritablen diplomatischen Krise aus. Das ist alles Standard-Polit-Thriller-Stoff, der hier mit britischer Feinfühligkeit präsentiert wird und auch einen guten Einblick in das Politikgeschäft mit einer ordentliche Portion Konzernkritik vermittelt.

Nein, viel spannender ist der Blick auf die Arbeit der Geheimdienste, wie dem GCHQ, die in der vierteiligen TV-Miniserie „Secret State“ unkontrolliert jeden abhören. Das war 2012 und damit noch vor den Enthüllungen von Edward Snowden, die sich wie die Vorlage für „Secret State“ lesen. Denn Dawkins, der nach dem Absturz eines PedroFex-Flugzeuges in dem der Premierminister mitflog, zum Premierminister wird, glaubt zunehmend, dass er als Regierungschef nicht Herr der Lage ist, sondern von Geheimdiensten, Militärs, Banken und Konzernen, die die wahre Macht in den Händen halten, gesteuert wird.

Dabei ist „Secret State“ das Update des 1982 erschienenen Thrillers „A very british Coup“ von Chris Mullin, der bereits 1988 als „A very british Coup“ verfilmt wurde. Die Geschichte ist eine Anklage gegen Konzerne, Institutionen und Strukturen, die die Demokratie aushöhlen. Damals, als Mullin den Roman schrieb, entfaltete er seine These von einem geheimen Staat vor einem anderen Hintergrund. Heute ist sie, wie die 2012-er Version zeigt, aktueller denn je und, gerade wegen ihrem hoffnungslos pessimistischen Ende, ein Aufruf zum Handeln.

Secret State“ ist ein sehenswerter Polit-Thriller: gut erzählt, spannend, aufklärerisch.

Secret State - DVD-Cover

Secret State (Secret State, Großbritannien 2012)

Regie: Ed Fraiman

Drehbuch: Robert Jones

LV: Chris Mullin: A very british Coup, 1982

mit Gabriel Byrne, Ralph Ineson, Gina McKee, Douglas Hodge, Charles Dance, Rupert Grave, Sylvestra LeTouzel

DVD

Edel

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes

Länge: 185 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Channel 4 über „Secret State“

Wikipedia über „Secret State“ 

Homepage von Chris Mullin

In den USA läuft schon sehr erfolgreich die vierte Staffel von „The Walking Dead“, die fünfte und sechste Staffel der Zombieserie sind schon seit langem bestellt, und ich habe die dritte Staffel immer noch nicht abgefeiert. In ihr haben Rick Grimes und die anderen Überlebenden, nachdem sie nach einem Zombie-Angriff Herschels Farm verlassen mussten, in einem leerstehendem Gefängnis ein neues Zuhause gefunden. Die Mauern und Zäune, die früher Gefangene am Ausbruch hinderten, bieten jetzt einen guten Schutz gegen die Zombies. Vor allem, nachdem sie das Gefängnis von den Zombies geräumt haben.

In der Nähe residiert der Governor, der im Lauf der aus sechzehn Folgen bestehenden Staffel zu dem großen Gegner von Rick wird. Denn der Governor ist, wie die Leser der Vorlage wissen, ein ziemlich durchgeknallter Tyrann.

Das Gefängnis, der Governor und Michonne (yeah, wir „The Walking Dead“-Fans warteten schon die ganze zweite Staffel auf sie) sind aus der Comic-Vorlage bekannt und beliebt. Aber in der TV-Serie, die sich zunehmend von der Comic-Geschichte löst, aber ihrem Geist treu bleibt, gibt es viele Ereignisse und Charaktere, die neu sind. So erfahren wir in der Serie mehr über den Weg des Governors zum Tyrannen. Über große Strecken der Staffel, die wie ein Roman eine große Geschichte erzählt, erscheint er als ein durchaus vernünftig handelndes Stadtoberhaupt.

Nachdem die erste Staffel mit sechs Folgen arg kurz geraten war und bei der zweiten Staffel in der ersten Hälfte vollkommen unklar war, in welche Richtung die Macher die Geschichte erzählen wollen, haben sie jetzt ihren Rhythmus gefunden. Die Länge ist perfekt, die Geschichte, wobei sich die Ereignisse in der Stadt und im Gefängnis über weite Strecken parallel entwickeln, ist straff erzählt und langweilt nie.

Wie bei den vorherigen Staffeln ist auch hier das Bonusmaterial wieder erfreulich umfangreich und informativ ausgefallen. Oh, und wegen der Spoiler sollte man es erst nach der Serie ansehen.

The Walking Dead - Staffel 3 - 4

The Walking Dead – Staffel 3 (The Walking Dead, USA 2013)

Erfinder: Frank Darabont

LV: Comicserie von Robert Kirkman, Charlie Adlard und Tony Moore

mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Chandler Riggs (Carl Grimes), Laurie Holden (Andrea), Steven Yeun (Glenn Rhee), Norman Reedus (Daryl Dixon), Melissa McBride (Carol Peletier), Scott Wilson (Hershel Greene), Lauren Cohan (Maggie Greene), Emily Kinney (Beth Greene), David Morrissey (The Governor), Michael Rooker (Merle Dixon)

DVD

Entertainment One

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: diverse Featurettes, Deleted Scenes (insgesamt 78 Minuten)

Länge: 663 Minuten (16 Folgen auf 5 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Spiegel Online: Interview mit Charlie Adlard (21. Oktober 2011)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)“ (The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear, 2013)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Grenzen (Band 18)“ (The Walking Dead, Vol. 18: What comes after, 2013)