Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Vor drei Jahren war „John Wick“ ein Überraschungserfolg mit einem offenem Ende. Man konnte darüber diskutieren, ob er überlebt oder stirbt.
Er überlebte und in den ersten Minuten von „John Wick: Kapitel 2“ erledigt er einige weitere Schergen von Abram Tarasov und Tarasov. Sein Sohn hat in „John Wick“ Wicks Hund getötet und seinen 1969er Ford Mustang March 1 gestohlen. Wick, ein sich im Ruhestand befindender Über-Profikiller, begab sich auf eine Rachemission.
Jetzt, nachdem sie erledigt ist, will er endgültig seinen Ruhestand genießen. Deshalb lehnt er auch den mit einer Schuldmünze (Marker im Original) bekärftigten Auftrag von Santino D’Antonio ab. Dabei ist Wick durch den Kodex der Profikillervereinigung, zu der er gehört, verpflichtet, den Auftrag anzunehmen. Und hier kommen wir zu einem Problem des Films: John Wick muss sich mehrmals vollkommen unlogisch verhalten. Jedenfalls solange man ihm keinen verkappten Todeswunsch unterstellt. Das geschieht am Ende des Films, wenn das dritte Kapitel vorbereitet wird, wieder. Denn wieder verstößt er bewusst gegen eine der fundamentalen Regeln des Ordens. Und wieder muss der intelligente Killer sich unglaublich dumm verhalten.
Nachdem Wick den D’Antonios Auftrag ablehnt, zerstört dieser Wicks Haus. Angesichts der nach den Ordensregeln möglichen Bestrafung (D’Antonio dürfte Wick töten) ist das eine sehr milde Strafe. Der Obdachlose Wick übernimmt dann den Auftrag und fliegt nach Rom, um D’Antonios Schwester Gianna zu töten.
Sie nimmt ihm durch einen Suizid die Arbeit ab. Dennoch tötet er sie mit einem Kopfschuss (keine Ahnung warum) und, schon in Rom, kämpft er gegen D’Antonios Schergen, die ihn töten wollen.
Zurück in New York eskaliert der Kampf.
In „John Wick: Kapitel 2“, wieder geschrieben von David Kolstad und inszeniert von Chad Stahelski, einem Stuntman und Second Unit Director (zuletzt „Captain America: Civil War“), ist alles eine Spur größer als in „John Wick“. In diesem Fall gibt es einen willkommen Ausflug nach Rom und etliche Action-Set-Pieces in großen Locations mit vielen Statisten. Die schon im ersten Film etablierte Welt von John Wick wird liebevoll um einige weitere Details ergänzt. Es ist die Welt von Geheimgesellschaften, Verbindungen und Organisationen, die sich an ein jahrhundertelanges Regelwerk halten und so nur in Pulp-Romanen oder Comics existieren. Auch der Bildaufbau (Kamera: Dan Laustsen [„Crimson Peak“]) orientiert sich immer wieder gelungen an Comic-Panels. Im Finale wird auch die legendäre Spiegelkabinett-Szene aus dem Noir-Klassiker „Die Lady von Shanghai“ gelungen zitiert.
Und, wie im ersten Film gibt es etliche Actionszenen, in denen man die Stuntmänner bei der Arbeit beobachten kann. Neben den üblichen Kämpfen mit Fäusten, Messern, Schusswaffen und Autos gibt es, in Rom, auch einen langen Kampf, in dem John Wick und sein Gegner miteinander kämpfend eine Steintreppe hinunterrollen. Staheski inszeniert die Actionszenen wieder mit wenigen Schnitten.
Insgesamt ist „John Wick: Kapitel 2“ eine gute Fortsetzung, die mit einigen Storyschwächen (wenn Wick gegen die Regeln des Ordens der Auftragskiller verstößt) zu kämpfen hat. Aber die Action und die prägnanten Auftritte von bekannten Schauspielern, wie, dieses Mal, Franco Nero und Laurence Fishburne, reißt es dann heraus.
Ein drittes „John Wick“-Kapitel ist angesichts der positiven Resonanz und des überzeugenden Einspiels schon beschlossen. Es ist nur unklar, wann die Dreharbeiten beginnen.
Das Bonusmaterial der DVD besteht aus einem Audiokommentar von Chad Stahelski und Keanu Reeves und zwei Featurettes, die es auf insgesamt knapp neun Minuten Laufzeit bringen. Für die Blu-ray sind über siebzig Minuten Bonusmaterial angekündigt.
John Wick: Kapitel 2 (John Wick: Chapter 2, USA 2017)
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
mit Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Ian McShane, Ruby Rose, Common, Claudia Gerini, Lance Reddick, Laurence Fishburne, John Leguizamo, Bridget Moynahan, Franco Nero, Peter Stormare
–
DVD
Concorde Home Entertainment
Bild: 2,39:1 816:9)
Ton: Deutsch (Doly Digital 5.1, Dolby Digital 2.0, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Audiokommentar von Keanu Reeves und Regisseur Chad Stahelski, RetroWick: Der unerwartete Erfolg von „John Wick“ (Featurette), Die Verbrecherwelt des John Wick (Featurette), Deutscher und Original-Kinotrailer
Minority Report (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen
LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)
Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.
Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.
Danach, um 23.05 Uhr, gibt es mit „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ einen weiteren Spielberg-Film.
mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo
Am 18. Dezember wird Steven Spielberg siebzig Jahre. Für die TV-Sender ist das natürlich ein hochwillkommener Anlass, wieder einmal, eine Auswahl seiner bekannten Filme zu zeigen, wie „A. I. – Künstliche Intelligenz“ (Kabel 1, 8. Dezember, 20.15 Uhr), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Kabel 1, 12. Dezember, 20.15 Uhr), „Der Soldat James Ryan“ (Kabel 1, 12. Dezember, 22.35 Uhr), „Minority Report“ (Kabel 1, 14. Dezember, 20.15 Uhr), „Die Farbe Lila“ (Kabel 1, 15. Dezember, 20.15 Uhr), „Sugarland Express“ (ZDF, 18. Dezember, 01.45 Uhr) und „Terminal“ (Kabel 1, 21. Dezember, 20.15 Uhr).
Den Filmgenuss kann und sollte man mit Georg Seeßlens „Steven Spielberg und seine Filme“ vervollständigen. In der brandaktuellen Neuauflage seines Buches beschäftigt er sich, gewohnt wortgewaltig, gewohnt kundig, auf gut dreihundert, mit einigen Fotos illustrierten, engbedruckten Seiten mit all seinen Filmen von den Anfängen beim Fernsehen bis hin zum „Big Friendly Giant“. Er ordnet sie ein, stellt Querverbindungen her und lädt zum wiederholten Sehen der Filme ein.
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
In den letzten Jahren wurde Wim Wenders vor allem für seine Dokumentarfilme gefeiert. „Das Salz der Erde“ war dieses Jahr für einen Oscar nominiert. Seine wenigen Spielfilme waren dagegen eher zwiespältige Angelegenheiten. „Every thing will be fine“, sein erster Spielfilm nach dem 2008er „Palermo Shooting“, feierte dieses Jahr bei der Berlinale seine Premiere. Die deutsche Kritik nahm den Film positiv, die internationale überraschend negativ auf. Denn „Every thing will be fine“ ist, obwohl in Kanada gedreht, eine Rückkehr zu Wenders‘ Wurzeln. Es ist ein Film voller Wenderismen. Klassischer Wenders, der nahtlos an seine Siebziger-Jahre-Werke wie „Alice in den Städten“, „Falsche Bewegung“ und „Im Lauf der Zeit“ anknüpft und „Paris, Texas“ echot. Denn es geht um einen verunsicherten Mann auf der Suche nach sich selbst. Es geht um seine Beziehung zu verschiedenen Frauen und Kindern. Es geht um den Umgang mit Schuld.
Es geht um Gefühle, die nicht in eine stringente Geschichte nach Hollywood-Dramaturgie gegossen werden. Der Film überzeugt als eine Reihe von Impressionen, während die vollkommen uninteressante Filmgeschichte zwischen unplausibel und haarsträubend schwankt. Aber das war auch bei „Paris, Texas“ so und es interessierte letztendlich niemand.
In „Every thing will be fine“ überfährt der Schriftsteller Tomas (James Franco) an einem Winternachmittag einen kleinen Jungen. Der ältere Bruder Christopher, der auch auf dem Schlitten saß, überlebt. Es war ein Unfall. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, die gerade deswegen das Leben von Tomas, der Mutter Kate (Charlotte Gainsbourg) und ihrem Sohn Christopher (Jack Fulton/Philippe Vanasse-Paquet/Robert Naylor) beeinflusst.
Ausgehend von diesem traumatischen Erlebnis zeigt Wenders, nach einem Drehbuch von Bjørn Olaf Johannessen („Nowhere Man“), das weitere Leben von Tomas und Kate. Wobei der schweigsam-introvertierte Tomas im Mittelpunkt steht und der Film Episoden aus dem weiteren Leben des Schriftstellers zeigt, die zwei, sechs und zehn Jahre nach dem Unfall und den Monaten danach spielen. Jahre, in denen Tomas sich, nach einem Totalabsturz inclusive Suizidversuch, von seiner damaligen Freundin Sara (Rachel McAdams) trennt, Erfolg als Autor hat, sein Vater älter wird, er eine neue Freundin Ann (Marie-Josée Croze) hat, sich liebevoll um deren Tochter kümmert und er Kate und Christopher immer wieder trifft. Mal persönlich, mal in wortkargen Telefonaten, in denen er und Kate sich wortreich anschweigen. Ihre Beziehung dürfte die seltsamste und gleichzeitig befriedigenste, innigste und friedlichste Beziehung sein, die es in den letzten Jahren in einem Film gab.
Wenders inszenierte seinen Film in langen, ruhigen Einstellungen, in denen die Kamera durch Räume und Landschaften gleitet und jedes Bild eine wundervolle, pure Americana-Komposition ist, die auch in einem Bildband gut aufgehoben wäre.
Das ist wunderschönes Gefühlskino. Auch in 2D. Denn im Kino lief das Drama auch in 3D und Wenders, ein großer Fan technischer Innovationen, wurde, was auch in zahlreichen Kritiken gesagt wurde, nicht müde zu betonen, wie sehr die dritte Dimension „Every thing will be fine“ eine zusätzliche Tiefe verleihe.
Das Bonusmaterial ist auf den ersten Blick mit „Making of“ und zehn nicht verwendeten Szenen überschaubar. Aber das informative „Making of“ ist 38 Minuten lang und informativ. Vor allem wenn es es um das Drehbuch, die Hintergründe der Geschichte, die Motive der Figruen und die Verwendung von 3D geht. Warum es nur in der englischen Originalfassung mit einigen französischen Teilen und ohne Untertitel vorliegt, wissen die Götter.
Ein weiterer dicker Minuspunkt ist, auch weil es heute nicht mehr üblich ist, die Zwangsuntertitelung in der englischen Fassung. Immerhin verärgern die DVD-Macher jetzt eine andere Zuschauergruppe.
Small Town Murder Songs (Kanada 2010, Regie: Ed Gass-Donnelly)
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.
Was hat sich der Autor bloß dabei gedacht? fragte ich mich während Anders Morgenthalers skandinavisch unterkühltem Krimidrama „Um jeden Preis“. Dabei störte mich nicht die in einige Bilder hineinkopierte Engelsgestalt mit ihren vulgärphilosophischen Gedanken. Das ist halt die innere Stimme der Protagonistin. Nein, es ist die zunehmend und in jeder Beziehung absurder werdende Handlung in der zweiten Filmhälfte, die nur noch von einem rudimentär skizziertem, an Zuschauerverachtung grenzendem Ende getoppt wird.
Dabei beginnt der Film gar nicht so schlecht. Kim Basinger, die sich in den vergangenen Jahren etwas vom Filmgeschäft zurückgezogen hat und nächstes Jahr in Shane Blacks Privatdetektivfilm „The Nice Guys“ (sehr hohe Erwartungen!) zu sehen sein wird, spielt in „Um jeden Preis“ die erfolgreiche Geschäftsfrau Maria, glücklich verheiratet mit Peter (Sebastian Schipper). Zu ihrem absoluten Glück fehlt ihr noch ein eigenes Kind. Dieser Kinderwunsch wurden in den vergangenen Jahren und nach mehreren Fehlgeburten zu einer Obsession. Als sie jetzt, nach einer weiteren Fehlgeburt bei der sie fast gestorben wäre, erfährt, dass die nächste Schwangerschaft für sie tödlich verfahren würde, erfährt sie von einem Verein, der Frauen in Not hilft, dass ihre LKWs durch Osteuropa eine Strecke fahren, an der viele Prostituierte am Straßenstrich stehen und dort sogar Babys verkauft würden.
Maria, die vernünftige Geschäftsfrau, beschließt ziemlich spät im Film (so ungefähr in der Mitte), ganz allein und ohne irgendjemand etwas davon zu sagen, dorthin zu fahren und sich von einer dieser Damen ein Kind zu besorgen. Wie ist ihr egal. Denn, so denkt sie sich, dem Baby wird es bei ihr besser gehen als bei der leiblichen Mutter.
Klingt idiotisch? Ist es auch und es wird noch idiotischer, wenn sie sich, begleitet von einem drogensüchtigem Zwerg, nach Babyhändlern und Prostituierten mit Kindern erkundigt und später ein Baby klaut – und annimmt, dass niemand nach dem Baby suchen wird und dass sie, nachdem sie wie ein Elefant im Porzellanladen nach einem Baby suchte, nicht die Hauptverdächtige sein wird.
Interessant ist, dass vor wenigen Wochen Susanne Bier in „Zweite Chance“ (DVD erscheint am 17. September) ein ähnlich absurdes Spiel mit vertauschten Babys veranstaltete, das aber immerhin erzählerisch überzeugen konnte. Auch weil sie sich mit der durch die Vertauschung der Babys entstehenden moralischen Fragen intensiv beschäftigte. Anders Morgenthaler belässt es, auch wenn man die erste Hälfte als Psychogramm einer Frau mit einem verzweifeltem Kinderwunsch deuten kann, letztendlich bei einer unglaubwürdigen, bestenfalls unfreiwillig komischen Kolportage.
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Im Anschluss, um 21.45 Uhr, läuft „Barton Fink“ (USA 1991), ebenfalls von den Coen-Brüdern. Ebenfalls sehenswert.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)
Wiederholung: Mittwoch, 20. Mai, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)
Mit „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ kehrt Terry Gilliam, dessen künstlerischer Output in den letzten Jahren, abgesehen von der „Monty Python“-Reunion, nicht besonders erfolgreich war, wieder zurück in die Welt seiner Zukunftsdystopien. „Brazil“ und „12 Monkeys“ sind inzwischen Klassiker und sein neuester Film kann als Abschluss einer Trilogie gesehen werden, weil derzeit Trilogien in Mode sind. Wobei „The Zero Theorem“ dann der erschreckend schwache Abschluss wäre.
Im Mittelpunkt des Films steht Qohen Leth (Christoph Waltz), ein Computergenie mit einer gestörten Beziehung zu seiner Umwelt. Er lebt in einer verlassenen und verfallenden Kirche. Einem Ort der Ruhe in der chaotischen Welt. Wenn er vor die Tür geht, bricht der Alltag, der Lärm, der Schmutz, das Chaos und die nimmermüden quietschbunten Werbeschleifen auf ihn herein. Das ist die Welt von „Blade Runner“ (ohne Regen) und „Minority Report“, abgeschmeckt mit etwas Steampunk, gedrängt auf fünf Metern.
Auch Leths Arbeitsplatz entspringt der grotesken Welt von „Brazil“ und „12 Monkeys“: strampelnd und mit einer Computerspielkonsole in der Hand muss Leth hektisch irgendeine Aufgabe für den Megacomputer ManCom erledigen, die anscheinend nur einen Sinn hat: ihn zu beschäftigen. Kein Wunder, dass Leth viel lieber in seiner Wohnung arbeiten würde. Auch weil er nur dort einen ganz besonderen Anruf erhalten kann, auf den er schon seit Jahrzehnten wartet.
Nach einem absurden Gespräch mit drei Doktoren und einem Treffen mit Management, dem plötzlich auftauchendem, ebenso schnell verschwindendem Chef des Unternehmens, wird ihm dieser Wunsch erfüllt. Leth soll in seiner Kirche das titelgebende „Zero Theorem“ lösen. Was das genau ist und warum die Lösung so unglaublich wichtig ist, erfahren wir nicht, aber Leth widmet sich der Aufgabe mit nimmermüder Begeisterung.
Und schnell wirkt „The Zero Theorem“ wie eine leere Übung in technischer Brillanz. Die Ausstattung hat diesen Steampunk-Retro-Touch, der gefällt. Der überbordende Ideenreichtum und die Visualisierungen sind, wie auch in Terry Gilliams anderen Filmen, interessant. So wird die Suche nach dem Zero Theorem in einem riesigen Computerspiel gezeigt, in dem Leth Klötzchen an einen bestimmten Ort bewegen muss. Das zeigt in wenigen Bildern, wie schwierig die Aufgabe ist. Nur, weil wir nicht wissen, was das soll, entsteht der Effekt, dass Leth von seiner Aufgabe vollkommen in Anspruch genommen wird, sich über schlechte Ergebnisse aufregt und gleich noch einmal versucht, diese Aufgabe zu lösen, während wir nur einen Menschen sehen, der eine für uns vollkommen sinnlose Aufgabe erledigen soll. Das ist dann ungefähr so spannend, wie ein Spiel zu beobachten, dessen Regeln man nicht kennt und sie auch nie versteht. Spätestens zur Filmmitte mächte man dem manisch an seinem Computer herumhantierendem Leth zurufen: „Get a life!“.
Doch Leth hämmert weiter auf den Tasten herum und Terry Gilliams neuer Film, der auch fast ausschließlich in Leths Wohnung spielt, langweilt dann auch entsprechend schnell. Denn weder Leth noch die anderen Charaktere, die eigentlich alle nur Karikaturen und Metaphern sind, interessieren wirklich und besonders facettenreich sind sie auch nicht. So wirkt „The Zero Theorem“ am Ende wie eine Skizze, ein zu lang geratener Kurzfilm, bei dem viel Talent verschleudert wird.
In „21 Jump Street“ wurden vor zwei Jahren einige Meta-Witze über das ideenlose Recycling von Ideen aus den Achtzigern gemacht und damit war nicht nur gemeint, dass in der Polizei ein Programm aus den Achtzigern wieder aufgelegt wird, sondern auch dass eine alte TV-Serie fit fürs Kino gemacht wird. Aber während die vorherigen Wiederbelebungen von mehr oder weniger kultigen und legendären TV-Serien für das Kino (wie „Starsky & Hutch“, „The A-Team“ und „Miami Vice“ [obwohl da sogar Serienerfinder Michael Mann federführend dabei war]) nicht erfolgreich genug für weitere Filme waren, war „21 Jump Street“ ein Überraschungserfolg, der jetzt zur Fortsetzung „22 Jump Street“ führte, die mit einigen Meta-Witzen über ideenlose Fortsetzungen gepflastert ist.
So wurde einfach der Auftrag aus dem ersten Film wieder genommen, aber dieses Mal suchen der unsportliche, aber schlaue Schmidt (Jonah Hill) und der sportliche, aber dumme Jenko (Channing Tatum) den geheimnisumwitterten Drogendealer nicht mehr an der Schule, sondern an der Universität. Natürlich ein anderer Dealer. Aber sie arbeiten wieder Undercover. Jetzt als Studenten. Es gab auch ein höheres Budget, was natürlich ausgegeben wurde für ein größeres Büro des immer noch sehr schlecht gelaunten Chefs (Ice Cube) und größere Waffen und größere Autos. Und ein Finale in Mexiko in der Küstenstadt Puerto, wo die vergnügungsssüchtigen Studentenmassen ihre Mega-Drogenparty, den Spring Break, feiern und die ordentliche Polizeiarbeit von Schmidt und Jenko effektiv behindern.
Bei soviel Selbstironie kann man dem Buddy-Movie natürlich unmöglich als Ideenlosigkeit vorwerfen, was die Macher gerade vollmundig behaupten: nämlich dass sie das gleich noch einmal machen. Nur größer. – Und wenn ich „21 Jump Street“ besprochen hätte, könnte ich einfach meine Kritik wiederveröffentlichen. Sie würde stimmen. Denn wieder ist die Story, über die man nicht länger als zwei Sekunden nachdenken sollte (die Macher haben es auch nicht getan), nur der Aufhänger für die zahlreichen mehr oder weniger treffenden Witze, in denen sich die Macher teilweise etwas zu sehr auf die Schulter klopfen für ihre Smartness, und die oft, wie bei vielen aktuellen Komödien, zu breit ausgewaltzt werden und immer wieder in Blödeleien ausarten.
So ist „22 Jump Street“, wie „21 Jump Street“, eine durchaus witzige, etwas zu lang geratene und zu selbstgenügsame Buddy-Komödie, die auch zeigt, wie Schmidt und Jenko als eingespieltes Team zusammenarbeiten und sie einige Beziehungsprobleme bearbeiten müssen, weil sie an der Universität aus persönlichen Gründen verschiedene Verdächtige haben.
Im Abspann werden schon die nächsten Fortsetzungen angekündigt – und einige haben wirklich Potential.
22 Jump Street (22 Jump Street, USA 2014)
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Drehbuch: Michael Bacall, Oren Uziel, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Michael Bacall und Jonah Hill, sehr lose basierend auf der TV-Serie „21 Jump Street“)
mit Jonah Hill, Channing Tatum, Peter Stormare, Ice Cube, Wyatt Russell, Amber Stevens, Jillian Bell, The Lucas Brothers, Nick Offerman, Jimmy Tatro, Rob Riggle, Dave Franco
Minority Report (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen
LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)
Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.
Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.
mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo
LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)
Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.
Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.
mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo
Small Town Murder Songs (Kanada 2010, R.: Ed Gass-Donnelly)
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.
Fargo – Blutiger Schnee (USA 1996, R.: Joel & Ethan Coen)
Drehbuch: Joel & Ethan Coen
Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.
„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.
Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)
Blood Simple – Director’s Cut (USA 1984/2000, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Texas: Privatdetektiv Visser findet heraus, dass Abby ihren Mann, den Barbesitzer Marty, mit einem seiner Angestellten betrügt. Marty beauftragt Visser, seine Frau und den Nebenbuhler umzubringen. Der Plan geht – selbstverständlich – gründlich schief.
Ein feiner Noir, der keine Rücksicht auf seine Charaktere nimmt.
Das Kinodebüt der Brüder Coen. Heute im vier Minuten kürzeren „Director’s Cut“. In jeder Fassung ist schon der typische Coen-Humor vorhanden.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.
mit John Gertz, Frances McDormand, Dan Hedaya, M. Emmet Walsh, Samm-Art Williams
auch bekannt als „Blood Simple – Eine mörderische Nacht“ (Kinotitel 1985), „Blood Simple – Blut für Blut“ (Videotitel)
Bevor in einem Monat das neue Meisterwerk der Coen-Brüder
in unseren Kinos anläuft, zeigt Arte einige ältere Werke der Brüder. Für alle, die die Filme noch einmal (wobei man den „Big Lebowski“ nicht oft genug sehen kann) oder erstmals sehen wollen:
Arte, 20.15
The Big Lebowski (USA 1998, R.: Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
Ein echter Kultfilm.
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara