The Reach – In der Schusslinie (Beyond the Reach, USA 2014)
Regie: Jean-Baptiste Léonetti
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Robb White: Deathwatch, 1972
Mojave-Wüste: der arrogante Manager Madec erschießt bei einem Jagdausflug zufällig einen Menschen. Als sein Fährtenleser Ben ihm nicht bei der Vertuschung des Unfalls helfen will, will Madec Ben töten.
„In der Schusslinie“ (DVD-Titel war „The Reach – In der Schusslinie“) ist ein netter kleiner Survival-Thriller.
Als der zehnjährige Jack nicht von seiner Mutter aus dem Heim abgeholt wird, haut er ab. In Berlin wartet allerdings niemand auf ihn. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder beginnt Jack seine, mal wieder, spurlos verschwundene Mutter zu suchen.
Mitreisendes, mehrfach ausgezeichnetes Sozial- und Jugenddrama, das immer auf Jacks Augenhöhe bleibt, während er durch die große Stadt läuft.
Broken City – Stadt des Verbrechens (USA 2013, Regie: Allen Hughes)
Drehbuch: Brian Tucker
Billy Taggart, Ex-Cop und inzwischen glückloser Privatdetektiv, soll die Frau des Bürgermeisters observieren. Dieser glaubt, dass sie ihn betrügt.
Biederer Neo-Noir, der mitten im Wahlkampf um den Bürgermeisterposten spielt und bei dem es um Korruption und illegale Immobiliengeschäfte geht. Die Geschichte ist vertraut (selbstverständlich hat Bürgermeister Hostetler einige Hintergedanken, selbstverständlich stolpert Taggart in eine „Chinatown“-Geschichte, selbstverständlich…). Er ist prominent besetzt. Er liefert einige ungewöhnliche Ansichten von New York und es gibt etwas Action. Am Auffallendsten ist die oft beunruhigende Musik/Soundcollage von Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne. Ross schrieb mit Trent Reznor die Musik für die David-Fincher-Filme „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl – Das perfekte Opfer“.
mit Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper, Natalie Martinez, Kyle Chandler, Griffin Dunne
„National Bird“ lief bereits letztes Jahr auf der Berlinale und kommt erst jetzt, aus was für unerfindlichen Gründen auch immer, in unsere Kinos und er hat, was man ja nicht über jeden investigativen Dokumentarfilm sagen kann, nichts von seiner Aktualität verloren. Unter Präsident Trump wurde, soweit man es erfährt, der Einsatz von Drohnen im Vergleich zur Obama-Präsidentschaft intensiviert. Bei Luftangriffen kam es zu zahlreichen zivilen und, falls überhaupt, wenigen nicht-zivilen Opfern.
Die investigative ARD- und CNN-Journalistin Sonia Kennebeck wollte einen Dokumentarfilm über diesen geheimen Drohnenkrieg der USA machen: „Als ich 2013 mit diesem Projekt begann, wollte ich mehr über das US-Drohnenprogramm in Erfahrung bringen. Ein Programm, das die Obama-Regierung um ein Vielfaches vergrößert hat und welches nach Ansicht vieler seine Wunderwaffe im Kampf gegen den Terror ist. Für jemanden, der an die Pressefreiheit und eine transparente Regierung glaubt, war diese Form der Geheimhaltung und der Mangel an öffentlichem Diskurs über ein so gigantisches Tötungsprogramm einfach nicht nachvollziehbar.“ (Das Zitat ist von 2016.)
Im Lauf der Dreharbeiten veränderte sich der Fokus. Jetzt stehen nicht mehr die Folgen des Drohnenkrieges für die Angegriffenen im Mittelpunkt. Darüber gibt es inzwischen auch etliche mehr oder weniger ausführliche, mehr oder weniger seriöse Dokumentationen.
Kennebeck konzentriert sich auf drei junge US-Amerikaner, die auf der Täterseite in den Drohnenkrieg verwickelt waren. Jung und naiv und weil sie das Geld brauchten und die Werbung bunt war, bewarben sie sich bei der US-Air-Force.
Heather ist eine Drohnen Video Analystin, die mit 18 Jahren von der Air Force rekrutiert wurde und zwei Jahre später an ihrer ersten Mission teilnahm. Sie war in den USA stationiert und arbeitete mit Predator und Reaper Drohnen, die über Afghanistan und dem Irak eingesetzt wurden.
Lisa begann als Krankenschwester bei der Armee. Sie wurde dann zur Combat Communications Squadron (später Intelligence Squadron) versetzt und steuerte auf der Beale Air Force Base (Kalifornien) Drohneneinsätze von der Datensammlung über Ziele bis hin zur Zerstörung der Ziele. Wobei sie auch Ziele zerstören, bei denen sie nicht wissen, ob es sich um Terroristen oder Zivilisten handelt.
Daniel arbeitete, im Gegensatz zu Heather und Lisa, im Kriegsgebiet. In Afghanistan war er als Geheimdienstmitarbeiter und Spezialist für elektronische Überwachungen Teil des Joint Special Operations Command (JSOC). Er wurde Soldat, weil er nach seinem Studium die Studiengebühren nicht bezahlen konnte, in seinem Job nicht genug zum Leben verdiente und, trotz Arbeit, obdachlos war.
Inzwischen arbeiten sie nicht mehr bei der US-Air-Force.
Sie alle hatten Zugang zu Verschlusssachen der höchsten Geheimhaltungsstufe; – was dann an einige andere Whistleblower erinnert.
Im Film, der für sie auch eine Art Therapie ist, versuchen sie mit ihrer Schuld und ihren psychischen Erkrankungen, wie Posttraumatische Belastungsstörung, umzugehen. So reiste Lisa nach Afgahnistan. Sie wollen auch über das Drohnenprogramm reden. Aber sie dürfen es nicht. Auch nicht gegenüber einem Therapeuten.
Für den Film wurden deshalb alle ihre Aussagen vorher von ihrer Anwältin Jesselyn Radack geprüft. Die Whistleblower-Anwältin redet ebenfalls über die Folgen des Drohnenkrieges.
Schon diese Aussagen, die die nationale Sicherheit nicht gefährden, geben einen Einblick in den Krieg mit Drohnen, wie er funktioniert, welche Konflikte es in der US Air Force gibt und die seelischen Belastungen der weit ab vom tatsächlichen Kriegsgeschehen arbeitenden Soldaten. Sie haben die gleichen psychischen Probleme, die auch die vor Ort kämpfenden Soldaten haben.
Allein das würde „National Bird“ sehenswert machen. Der von Wim Wenders und Errol Morris, einem Doyen des parteiischen, klug analytischen und filmisch überzeugenden Dokumentarfilms, produzierte Film geht einen Schritt weiter. Kennebeck schneidet nicht einfach die Interviews in 08/15-TV-Manier zusammen, sondern sie verknüpft die einzelnen Schicksale, Statements und Bilder mit einer Analyse des Drohnenkrieges. Auch filmisch ist der Film ein Genuss. Die drei porträtierten Soldaten öffnen mehrere Zugänge zu dem Thema. Die Opfer erhalten ebenfalls eine Stimme. In Kabul redet sie mit den Mitgliedern afghanischer Familien. Am 21. Februar 2010 wurden sie in einer bergigen Region angegriffen. Bei dem Angriff wurden weit über zwanzig Menschen getötet. Keiner von ihnen war ein Terrorist. Die Politiker, die für diese Art des Krieges verantwortlich sind, werden ebenfalls gezeigt. Allerdings als Bösewichter, die an der Fantasie eines sauberen Krieges festhalten und sich nicht um ihre Soldaten, die auch Opfer dieser Kriegsform sind, kümmern.
„National Bird“ fügt der Diskussion über den Drohnenkrieg eine weitere Facette hinzu.
Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.
Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.
Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux
Ob Ältere die Vergangenheit verklären, wenn sie mit leuchtenden Augen von Künstlern erzählen, die mit ihren Aktionen eine große öffentliche Resonanz erfuhren, ihre Werke von Kreti und Pleti diskutiert wurden und die Künstler aktiv in die Politik eingriffen?
Immerhin gibt es heute in Deutschland das „Zentrum für politische Schönheit“, „Die Partei“ beteiligt sich munter an Wahlen und hier in Berlin sind von Gerhard Seyfried für Christian Ströbele gestalteten Wahlplakate legendär.
Außerdem hat eine Fettecke heute keinen Neuigkeitswert mehr. So wurde über Joseph Beuys Kunstaktion „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, 1982 auf der documenta 7 1982 in Kassel begonnen, groß berichtet. Neuere Kunstaktionen, in denen Baumpflanzungen mit einer politischen Botschaft verbunden sind, werden medial kaum beachtet oder gehen unter in den zahlreichen TV-Programmen, Zeitungen und Facebook-Seiten.
Insofern kann der Eindruck einfach täuschen; – wobei in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern, Künstler aus ihrem Herzen keine Mördergrube machten und offensiv in das öffentliche Leben eingriffen. Heinrich Böll war so präsent, dass Die Grünen ihren politischen Thinktank nach ihm benannten. Die Namenspaten der politischen Stiftungen der andren Parteien sind dagegen Parteipolitiker. Damals gehörten bei Open-Air-Konzerten politische Reden zum Programm.
Auch Joseph Beuys stürzte sich in die Parteipolitik, kandidierte 1979 für das Europarlament und machte in den folgenden Jahren Wahlkampf für die Grünen. Diese Bilder stehen am Ende von Andres Veiels Dokuporträt „Beuys“, das im Sauseschritt einmal durch das Leben und Wirken von Joseph Beuys (12. Mai 1921 – 23. Januar 1986) führt. Er spricht die großen Kontroversen (Was ist Kunst?), seine Kriegserlebnisse, sein Kunststudium, seine Anfänge in der Provinz, ausgewählte Ausstellungen, seine politischen Interventionen und auch heute eher vergessene Episoden an, wie seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf und die damit zusammenhängende Proteste gegen seinen Arbeitgeber. Im Gegensatz zu seinen Kollegen nahm er alle Bewerber an.
Veiel beleuchtet das schlaglichtartig in einer Mischung aus aktuellen Interviews und viel Dokumentarmaterial, in dem Beuys ausführlich zu Wort kommt und seine Werke im Umfeld der ursprünglichen Ausstellungen gezeigt werden. Ihnen haftet daher auch nichts museales an.
Das ist unterhaltsam, kurzweilig und auch nicht besonders tiefgründig. Letztendlich ist sogar unklar, warum Beuys und sein erweiterter Kunstbegriff so wichtig waren. Abgesehen davon, dass er gegen die Konventionen und Regeln der Malerei und Bildhauerei verstieß und mit seinen ständigen Grenzverletzungen das Bildungsbürgertum provozierte. Dieser gesellschaftspolitische Hintergrund, vor dem Beuys als Künstler agierte, und die damaligen Umbrüche und Konflikte, die die 68er mit ihren Eltern hatten, erschließen sich teilweise durch die Bilder und die Diskussionen, an denen Beuys teilnahm.
Allerdings – und das ist ein unbestreitbarer Vorteil des Films gegenüber einem Lexikonartikel oder Aufsatz über Beuys – kommen wir durch die Collage von Bildern, Dokumenten und Filmausschnitten dem Menschen Beuys sehr nahe. Er begriff seine Kunst als Intervention in die Welt. Er wollte etwas verändern. Er glaubte, das mit seiner Arbeit machen zu können. Er suchte die Auseinandersetzung. Und er hatte Humor. Denn: „Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?“
„Beuys“ funktioniert sehr gut als umfassender Überblick über Leben und Werk von Joseph Beuys, der für echte Beuys-Fans wahrscheinlich keine neuen Informationen, sondern nur einige neue Bilder hat. Für den Rest muss man dann eine Beuys-Ausstellung besuchen oder Texte über ihn lesen.
„Volksbegehren wie die Initiative ‚Tempelhofer Feld‘ oder die Initiativen zur Re-Demokratisierung der EU jenseits einer neoliberalen Wirtschafts- und Währungsunion folgen der Idee von Beuys von einer gestalterischen Teilhabe als Grundvoraussetzung gelebter Demokratie. Zahlreiche Initiativen greifen Ideen von Beuys wie dem bedingungslosem Grundeinkommen auf und entwickeln sie weiter.
Beuys stellt in einem beharrlichen, subversiv-anarchischen Sinn im Film die Fragen, die auch 30 Jahre nach seinem Tod aktueller denn je sind – etwas nach einer radikalen Demokratisierung, die auch vor einer neuen Ordnung des Geld- und Bankenwesens nicht Halt macht oder der Chancengleichheit in einer immer ungleicheren Welt. (…)
Ich habe mich oft gefragt, warum Beuys zu den wenigen Menschen gehört, die ich auch nach Jahrzehnten nie hinter mir lassen musste. Vielleicht liegt es daran, dass er seine Irrtümer mit Humor ertragen hat. Dass er unvoreingenommen mit jedem geredet hat – was nichts anderes hieß, als dass er jeden Ernst genommen hat, auch in seinem Anders-Sein.“ (Andres Veiel)
Beuys(Deutschland 2017)
Regie: Andres Veiel
Drehbuch: Andres Veiel
mit Joseph Beuys (Archivmaterial), Caroline Tisdall, Rhea Thönges-Stringaris, Franz Joseph van der Grinten, Johannes Stüttgen, Klaus Staeck
Einerseits könnte sich langsam eine gewisse Unübersichtlichkeit einstellen. Denn „Alien: Covenant“ spielt zehn Jahre nach „Prometheus“ und noch vor dem legendären ersten „Alien“-Film, der bei dem damaligen Kinostart 1979 einige Karrieren beflügelte. Vor allem natürlich die von Regisseur Ridley Scott und Hauptdarstellerin Sigourney Weaver. Es soll, so sagte Scott in Interviews, auch noch weitere Filme geben, die vor „Alien“ spielen.
Andererseits ist das mit der Chronologie zu einem guten Teil Marketinggedöns. Denn „Alien: Covenant“ kann, wie alle „Alien“-Filme, ohne die Kenntnis der anderen Filme gesehen und verstanden werden. „Alien: Covenant“ ist ein Einzelfilm, der sich kaum um „Prometheus“ kümmert, der mit viel tiefsinnigem Bohei die Geschichte einer Forschungsreise zu einem fremden Planeten schilderte und dabei als Film einen ziemlichen Schiffbruch erlitt.
Das wichtigste Verbindungsglied zu „Prometheus“ ist Michael Fassbender, der wieder einen Androiden spielt. Walter heißt er dieses Mal und er hält die Covenant in Schuss, während die rund zweitausend Passagiere schlafen. Die Covenant ist ein Siedlungsschiff auf dem Weg zu dem erdähnlichen Planeten Origae-6. Auf dem Weg dorthin beschädigt eine Planetenexplosion das Schiff und Walter muss die Crewmitglieder aus dem Tiefschlaf aufwecken. Dabei stirbt Captain Branson.
Noch während der Reparaturarbeiten empfangen sie einen kryptischen Funkspruch, den sie für einen Hilferuf halten und sie entdecken, als sie nach der Quelle des Signals suchen, in unmittelbarer Nähe einen Planeten, der als zweite Erde fungieren könnte.
Sie beschließen ihn sich anzusehen (Yep, böser Fehler).
Auf dem Planeten entdecken sie die Überreste eines Raumschiffes, das wir sofort als das altbekannte Alien-Raumschiff wieder erkennen. Sie trampeln auf einigen Alien-Eiern herum. Sie treffen David (ebenfalls Michael Fassbender), ein Vorgängermodell von Walter, das uns im Verlauf des Films auch sagt, wie die Forscherin Elisabeth Shaw, die Protagonistin von „Prometheus“, starb.
Und damit entsorgt Ridley Scott seinen vorherigen Alien-Film in wenigen Filmsätzen und -bildern. Denn „Alien: Covenant“ ist, mit wenigen Änderungen, ein Remake von „Alien“. Es ist in vielen Momenten auch gelungen und, wie man es von Ridley Scott kennt, optisch sehr gelungen. Scott kann einfach keine schlecht aussehenden Filme machen.
Es ist allerdings auch ein Film, der einfach noch einmal eine bekannte Geschichte erzählt. Und weil wir wissen, was passieren wird, kann er sich bis die Covenant-Besatzung auf dem Planeten landet und bis der erste Alien-Angriff erfolgt, viel Zeit lassen, in denen wir die Besatzung und die Covenant kennen lernen. Denn irgendwann werden die Aliens beginnen, die Besatzungsmitglieder der Covenant zu dezimieren und diese werden versuchen, sie zu töten. Und, weil es zu den Grundpfeilern der „Alien“-Welt gehört, wird eine Frau im Schlusskampf die Aliens besiegen. Dieses Mal wird die Heldin von Katherine Waterston gespielt. Sie trat vorher in „Inherent Vice“, „Steve Jobs“ und „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ auf. Sie spielt Daniels Branson, die Frau des verstorbenen Captain Branson.
Wenn die Covenant-Besatzung schwerbewaffnet den fremden Planeten erkundet, fügt Ridley Scott etwas Kriegsfilmpatina bei. Das erinnert dann an James Camerons „Aliens“, den zweiten „Alien“-Film. Sie benehmen sich ab dem Moment auch wie Soldaten auf einer Erkundungstour in feindlichem Gebiet. Bei den Raumfahrern, die bis dahin als Zivilisten porträtiert wurden, führt das dann zu der beständigen Irritation darüber, welche Ausbildung sie hatten. Sind sie, wie in „Alien“, Astronauten, die vor allem das Frachtschiff in Schuss halten sollen? Oder, was einige Dialoge nahe legen, die ersten Eroberer und Siedler eines neuen Planeten? Wobei man sich dann Gedanken über den Auswahlprozess machen sollte. So ist Bransons Stellvertreter ein tiefgläubiger Mensch, der von jeder Führungsaufgabe komplett überfordert ist. Oder, was ihr Verhalten im Kampf gegen die Aliens nahe legt, Elitesoldaten? Denn sie können nicht nur verdächtig gut mit Schusswaffen umgehen, sie bevorzugen auch eindeutig die militärische Konfliktlösungsstrategie des alles abschießen, was sich bewegt.
Aber untereinander verhalten sie sich nie wie Soldaten, sondern wie Arbeitskollegen, mehr wie bodenständige Fabrik- oder Lagerarbeiter, als wie feingeistige Wissenschaftler.
Mit David und auch Walter rückt die Frage, wie sehr Computer (und mehr sind Androiden ja nicht) über einen eigenen Willen verfügen, stärker in den Mittelpunkt der „Alien“-Welt als in den vorherigen Filmen, in denen die Androiden von verschiedenen Schauspielern gespielt wurden. Das ist eine interessante philosophische Frage, die in „Alien: Covenant“ erst spät gestellt und deshalb nicht großartig vertieft wird. Und bei der Antwort, die Scott in dem Film gibt, bin ich mir nicht sicher, wie sehr sie mit den in den anderen, zeitlich später spielenden „Alien“-Filmen gegebenen Antworten übereinstimmt. Oder ihr widerspricht; – wobei Scott ja noch einige „Alien“-Filme drehen will, die vor seinem 1979er „Alien“ spielen und in denen er die Franchise-Geschichte so zurechtbiegen kann, dass es am Ende keine Widersprüche mehr gibt.
„Alien: Covenant“ ist kein schlechter Film. Für einen Hollywood-Blockbuster hat er eine sehr durchdachte Story, die eher bedächtig erzählt wird. Die Schauspieler sind gut. Die Tricks sowieso. Und dennoch will sich keine rechte Begeisterung einstellen. Alles ist zu vertraut, um noch Angst auszulösen. Alles bewegt sich zu sehr in den erwartbaren Bahnen, um zu überraschen.
Genau diesen Vorwurf konnte man den ersten „Alien“-Filmen nicht machen. In ihnen drückten die Regisseure James Cameron („Aliens“), David Fincher („Alien 3“) und Jean-Pierre Jeunet („Alien – Die Wiedergeburt“) den Filmen ihren unverwechselbaren Stempel auf. Bis auf Ellen Ripley (Sigourney Weaver), die von H. R. Giger erfundenen Alien-Kreaturen und dem Mensch-kämpft-gegen-Monster-Grundplot gab es mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten zwischen den Filmen. Es waren Filme von Regisseuren am Beginn ihrer Karriere, die eine Carte Blanche erhielten und sie für eine vollkommen eigenständige Interpretation der „Alien“-Welt nutzten.
Heute ist Sir Ridley Scott kein junger Mann mehr. Er ist ein alter Mann mit unbestrittenen Verdiensten, der hier noch einmal einen Hit aus seiner Jugend covert.
Insofern ist „Alien: Covenant“ das filmische Äquivalent zur x-ten Studioversion eines tollen Songs, der ohne große Variationen wieder eingespielt wird, weil die Fans genau das wollen.
P. S.: „Alien: Covenant“ läuft auch im IMAX: „Das CineStar IMAX im Sony Center (Potsdamer Straße 4, 10785 Berlin), das Filmpalast am ZKM IMAX in Karlsruhe (Brauerstraße 40, 76135 Karlsruhe) und das Auto & Technik Museum in Sinsheim (Museumsplatz, 74889 Sinsheim) zeigen den Film sowohl in der deutschen Fassung als auch in der englischen Originalversion.“
Könnte sich lohnen.
Alien: Covenant (Alien: Covenant, USA 2017)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper (nach einer Geschichte von Jack Paglen und Michael Green) (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)
mit Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bechir, Carmen Ejogo, Nathaniel Dean, Benjamin Rigby, Callie Hernandez, James Franco, Guy Pearce
Aliens – Die Rückkehr (USA 1986, Regie: James Cameron)
Drehbuch: James Cameron (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)
Ripley soll einige Marines auf einen Alien-verseuchten Planeten begleiten und beim Kampf gegen die ihr bekannten Aliens helfen.
Inzwischen ein SF-Klassiker, der als Kriegsfilm die harten Soldaten fröhlich als Kanonenfutter verheizt.
Kabel 1 zeigt den längeren Director’s Cut. Um 20.15 Uhr in einer gekürzten Version, in der Nachtwiederholung um 01.50 Uhr wahrscheinlich ungekürzt. Dazwischen, ab 23.25 Uhr, läuft „Prometheus – Dunkle Zeichen“, der ab heute vorletzte „Alien“-Film.
„‚Aliens‘ (und das leistet eine Fortsetzung selten) entwickelt den Spukhaus-im-Weltraum-Plot von ‚Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt‘ (Alien, 1979) weiter, indem er sämtliche monströsen Highlights des Vorgängers aufgreift und in den Kontext eines anderen, in den Weltraum verlagerten Genres stellt. (…) Cameron (…) kocht hier sein eigenes Süppchen mit hartgesottenen Heldinnen, Biomechanoiden, politischer Paranoia und atemloser Spannung, wobei er die Prämisse des ersten Filmes beibehält.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)
Zum Kinostart urteilte der Fischer Film Almanach anders: „Mit ‚Alien‘ von Ridley Scott (…), mit der phantastischen Welt und den Kreaturen von H. R. Giger hat dieser Film nichts mehr gemein. (…) Fortsetzung folgt – hoffentlich nicht.“ und über Ripley wurde gesagt „eine zu allem entschlossene Amazone, eine Art Über-Mutter im Rambo-Look“
Auch „Zoom“ war ungnädig: „War der erste ‚Alien‘-Film (…) noch durchaus raffiniert, so wird in der Fortsetzung ganz auf drastische Schockeffekte und die üblichen Technik-Spielereien gesetzt.“
Tja, damals regierte Ronald Reagan die USA, im Kino sorgten Rambo, „Missing in Action“ Chuck Norris und Konsorten im Kampf gegen „Die rote Flut“ für volle Kassen und die Filmkritik beurteilte Filme auch vor dem politischen Klima der USA, der Rambo-Ideologie.
mit Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henricksen, Bill Paxton, William Hope
Wiederholung: Freitag, 19. Mai, 01.50 Uhr (Taggenau!)
Schauspieler Aidan (Zach Braff) weigert sich, trotz Frau und Kindern, erwachsen zu werden. Da erkrankt sein Vater, der die Schule der Kinder finanziert, an Krebs und Aidan muss einige Entscheidungen treffen.
Etwas lieblos-versteckt feiert Zach Braffs liebevolle Indie-Komödie ihre TV-Premiere.
„Wish I was here“ verunsichert und irritiert nie, sondern bestätigt seine Charaktere – und die Zuschauer – in ihrem Leben.
Trotzdem ist der Film, nach „Garden State“ der zweite Spielfilm von „Scrubs“-Star Zach Braff unterhaltsam, kurzweilig, witzig, episodisch, aber auch ziellos und oft konventionell in seinen Beschreibungen und Lösungen. Es ist auch ein Film, der im Privaten steckenbleibt.
mit Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin, Josh Gad, Joey King, Pierce Gagnon, Donald Faison, Ashley Greene, Jim Parsons, Michael Weston
Als der Punisher Frank Castle in einem Lagerhaus im Industriegebiet von Brooklyn einige Verbrecher umbringt, trifft er auf eine unerwartete Gegenwehr von seinen Opfern und auf Olaf. Sie kennen und hassen sich von ihrer gemeinsamen Militärzeit. Olaf hinterlässt Castle eine Akte mit Informationen über Condor.
So erfährt Castle, dass die Organisation Condor eine Droge erfunden hat, die den Konsumenten übermenschliche Kräfte verleiht und sie immun gegen Schmerzen macht.
Auf der Spur der Organisation Condor ist auch Agent Ortiz von der Drogenfahndung. Zuerst gegeneinander, später gemeinsam kämpfen Ortiz und Castle in einer Zweckallianz gegen die Verbrecherbande – und dieser Kampf ist, wie man es von einem „Punisher“-Comic erwartet, enorm blei- und actionhaltig.
Becky Cloonan (u. a. „Gotham Academy“, „Southern Cross“), schrieb die Geschichte, die im jetzt vorliegenden ersten Sammelband der neuen „Punisher“-Serie „Operation Condor“ furios beginnt. Nach dem Auftakt in Brooklyn erzählt sie, wie Castle sich an verschiedenen Orten durch die Verbrecherorganisation hochkämpft, viele Verbrecher ermordet und auf Ortiz trifft, die ihn zunächst verhaften will.
Der Band enthält fast die letzten von Steve Dillon gezeichneten Panels. Er starb am 22. Oktober 2016 in New York an den Folgen eines Blindarmdurchbruchs. Vor seinem Tod zeichnete er noch die posthum erschienen „Punisher“-Hefte 7 und 8. Er ist bekannt für seine Zusammenarbeit mit Garth Ennis bei „Hellblazer“, „Preacher“ (von ihnen zusammen erfunden) und ihrer „Punisher“-Saga.
Buch: Kata Weber, Kornel Mundruczo, Viktoria Petranyi
TV-Premiere der eindrücklichen Dystopie und Politparabel über eine Gesellschaft, die nur reinrassige Hunde duldet. Deshalb muss die dreizehnjährige Lili ihren von ihr abgöttisch geliebten Mischlingshund Hagen aussetzen. Die Leidensgeschichte von Hagen beginnt. Komel Mundruczos „Weißer Gott“ (bzw. „Underdog“) spielt in Budapest und er ist eine kaum verhülltes Gesellschaftsporträt.
Alle Hundeszenen entstanden mit echten Hunden und ohne CGI.
TV-Premiere von Xavier Dolans bestem Film (laut Rotten-Tomatoes-Tomatometer): die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Beziehung zu ihrem anstrengendem Sohn, der seine Mutter über alles liebt.
Die Beauce, die Kornkammer Frankreichs, ist eine dünn besiedelte Landschaft nördlich von Paris und wenn nicht gerade der Weizen sprießt, ist es eine echte „Fargo“-Landschaft. Ohne den Schnee. Die Menschen könnten, wie wir in „Das Ende ist erst der Anfang“ erfahren, problemlos in dem Film der Coen-Brüder mitspielen. Sogar Jesus läuft mehrmals durch das Bild und er hat eine wichtige Rolle in der von Bouli Lanners geschriebenen und in schönster Country-Noir-Tradition inszenierten Geschichte. Er spielt auch Gilou, einen Kopfgeldjäger, der mit seinem Partner Cochise (Albert Dupontel) in der Beauce ein Telefon finden soll. Das Handy wurde ihrem Auftraggeber gestohlen und es enthält wichtige Informationen über den Gangster.
Die Diebe, Willy (David Murgia) und Esther (Aurore Broutin), irren durch die menschenleere Landschaft und halten sich mit kleinen Diebstählen über Wasser. Beide sind geistig beschränkt. Sie suchen die Adoptivmutter von Esthers Tochter. Sie haben keine Ahnung, wo sie ist und wie sie sie finden können.
Diese vier Durchreisende treffen auf seltsame Einheimische und Kleingangster. Wobei Gilou und Cochise auch nicht gerade die hellsten Leuchten sind. Eher so in Richtung Vincent Vega und Jules Winnfield aus „Pulp Fiction“, allerdings in der abgerockten franco-belgischen Schmuddelversion.
Das hat durchaus seinen Reiz, aber Bouli Lanners („Eldorado“, „Kleine Riesen“) lässt die lakonisch erzählte Geschichte voller Figuren, die auch in einem Kaurismäki-Film gut aufgehoben wären, an Orten, die sogar Kaurismäki als zu schäbig empfinden würde, in durchgehend dunkel-monochromen Bildern, die George Millers SW-Version von „Mad Max: Fury Road“ wie einen knallbunten Farbfilm erscheinen lassen, eher vor sich hin plätschern. Vieles in der eigentlich simplen Geschichte bleibt sehr lange rätselhaft oder wird nur interpretationsoffen angedeutet. Es wird vom Ende der Welt gesprochen und Lanners garniert den Film eifrig mit christlichen Symbolen und Anspielungen. Über weite Strecken wird kein einziger Konflikt auch nur halbwegs konsequent verschärft. Die Auftritte der Einheimischen sind Vignetten, während Cochise und Gilou gar nicht so sehr daran interessiert sind, ihren Auftrag zu erledigen. Immerhin stecken sie in einer ausgewachsenen Sinnkrise, die erst einmal kuriert werden muss.
Das alles hat Potential, das Lanners zu wenig nutzt. So ist „Das Ende ist erst der Anfang“ letztendlich ein Film, der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt.
Auf der 66. Berlinale erhielt der Film den „Preis der Ökumenischen Jury in der Sektion Panorama“.
Das Ende ist erst der Anfang (Les premiers, les derniers, Belgien/Frankreich 2016)
Regie: Bouli Lanners
Drehbuch: Bouli Lanners
mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Michael Lonsdale, David Murgia, Aurore Broutin, Philippe Rebbot, Max von Sydow
Der Schneider von Panama (USA/Irland/Großbritannien 2001, Regie: John Boorman)
Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis
LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)
Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.
Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.
Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter
Am 9. September 2016 erschien „Der Taubentunnel“, die Quasi-Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feierte. Es ist eine Sammlung von Anekdoten, Erinnerungen und Betrachtungen, die vor allem für den le-Carré-Fan sind, der unbedingt noch einige Hintergründe über das Leben und Werk des Autors erfahren möchte. Alle anderen können das Werk getrost ignorieren.
„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.
In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“
Für alle die neu bei dieser Veranstaltung sind: seit 2010 gibt es in Deutschland den Gratis-Comic-Tag. An einem Samstag im Mai verschenken mehrere Comic-Verlage und Händler Comics. Nicht irgendwelche, sondern ein Bündel extra für diesen Tag produzierter Hefte. Inzwischen dürften einige der in den letzten Jahren verteilten Hefte Sammlerstücke sein. Mit dem Tag soll gezeigt werden, wie vielfältig die Comic-Welt ist. Also dass es nicht nur Bildergeschichten für Kinder und Bildergeschichten mit Superhelden gibt. Es soll Interesse an neuen Serien und Geschichten geweckt werden. Es gibt auch Geschichten, die extra für diesen Tag geschrieben wurden. Und natürlich soll damit der Verkauf von Comics gefördert werden.
Die Idee dafür kommt aus den USA. Dort gibt es den Tag seit 2002.
Der nächste Gratis-Comic-Tag ist am Samstag, den 13. Mai, und diese 320 Geschäfte beteiligen sich an dem Tag. Einige haben sich auch besondere Aktionen für den Tag überlegt.
Ich habe mir einige schon vorher angesehen und bei den von mir gesichteten Comics überwogen eindeutig die Hefte, die eindeutig als Appetitanreger dienen sollen. Denn es wurden keine eigenständigen Geschichten, sondern die ersten Seiten oder das erste Heft der deutlich längeren Geschichte abgedruckt. ‚Anfüttern‘ wird das, glaube ich, genannt. Bei einigen Titeln mit viel Erfolg. Bei anderen nicht so, weil die abgedruckten Seiten einfach zu wenig über die Geschichte und ihre weitere Entwicklung verraten. Als ob man von einem „Tatort“ nur die Minuten bis zu dem Mord, vielleicht noch den Mord, aber nicht mehr die ersten Ermittlungsschritte der Kommissare, sieht.
In diese Kategorie fällt das erste Kapitel von Stephan Francks „Silver“ (Schreiber & Leser) über den Meisterdieb James Finnegan, der 1931 in New York einen gewagten Diebstahl durchführt. Später soll er auch Vampiren begegnen. Der Verlag nennt das Heft den „Prolog“ für „eine witzige Hommage an das Original ‚Dracula‘ und eine Reise ins Reich der Vampirlegenden“. Die ersten Seiten sind jedenfalls nicht schlecht, aber zu wenig um auch nur ein halbwegs kundiges Urteil zu fällen.
Das gilt auch für Joe Benitez und Peter Steigerweilds „Lady Mechanika“ (Splitter), eine Steampunk-Geschichte, deren erster von zwei Bänden im Juli erscheint.
Noch ein Prolog ist „Seneca-Akte1: Die Ustica-Verschwörung“ (The NextArt) von Michael Feldmann, das auch ein Kickstarter-Projekt ist. Er verknüpft den Absturz von Itavia-Flug 870 in der Nähe der Mitelmeer-Insel Ustica im Juni 1980, das Gladbecker-Geiseldrama von 1988 und, eine Woche später, die Flugkatastrophe von Ramstein mit der Geschichte der jungen Fotografin Melissa Frattini, deren Bruder bei dem Flugzeugabsturz starb. Und weil Feldmann einen Verschwörungsthriller schreibt, dürfen wir gespannt sein, wie er das alles miteinander verknüpft. In dem Heft für den Gratis-Comic-Tag gibt es nur das Set-Up der Verschwörung.
Eigentlich noch nicht einmal das Set-Up gibt es in John Laymans „Predator vs. Judge Dredd vs. Aliens“ (Cross Cult), die irgendwo im unbekannten Territorium, bei einem Wissenschaftler, der Genexperimente macht, aufeinander treffen. Das Heft des Gratis-Comic-Tages funktioniert gerade so als Appetitanreger.
Über „Sláine“ (Dantes Verlag) kann das nicht gesagt werden. Pat Mills‘ „Sláine“ hatte, wie „Judge Dredd“, seinen ersten Auftritt in den frühen Achtzigern in dem legendären britischen Comicmagazin „2000 AD“. Für den Gratis-Comic-Tag wurde die zweite „Sláine“-Geschichte „Das Biest im Broch“ abgedruckt. Sláine ist ein keltischer Krieger, der mit seinem treuen Zwerg Ugo Abenteuer erlebt. Zum Beispiel das, in dem er einen Broch, einen wertvollen Gefängnisturm mit Gefangenen, erwirbt und feststellen muss, dass er einen grauenvollen Mitbewohner hat.
Eine SW-Geschichte für die Fans von Conan und anderer Fantasy-Barbaren-Geschichten. Der Dantes Verlag will alle Sláine-Geschichten auf Deutsch veröffentlichen.
Zurück aus den Zeiten, in denen es noch keine Toiletten gab, in das Jahr 1988 in eine US-amerikanische Vorstadt. In Brian K. Vaughans „Paper Girls“ (Cross Cult) trägt eine Gruppe Mädchen an Halloween, mitten in der Nacht, Zeitungen aus. Sie haben Ärger mit den Jungs, von denen einer sich als Freddy Krueger verkleidet hat, und der Polizei und entdecken im Keller eines verlassenen Hauses ein UFO. Kurz darauf begegnen sie Außerirdischen, finden eine Puderdose mit einem Apfel-Symbol und schon ist das Heft gelesen. Die Fortsetzung gibt es dann in dem schon erhältlichen ersten „Paper Girls“-Band.
In Jean-Charles Kraehns „Gil St. Andre: Eine seltsame Entführung“ (All Verlag) verschwindet die Frau von Gil St. Andre spurlos. Weil die Polizei nicht ermittelt, beginnt er sie auf eigene Faust zu suchen. Er erfährt, dass vor seiner Frau schon andere Frauen verschwanden. In dem Heft für den Gratis-Comic-Tag ist – „Gil St. Andre“ ist ein französischer Comic, der im Original zwischen 1996 und 2001 erschien – das erste Album enthalten. Es ist Teil des bereits erhältlichen ersten Sammelbandes (betitelt als „Zyklus 1“) der dreibändigen Gesamtausgabe der Serie. Der erste Band enthält die erste, aus fünf Alben bestehende „Gil St. Andre“-Geschichte. Das erste Album ist ein verdammt guter, wendungsreicher Krimi.
Machen wir jetzt einen Sprung über den Kanal zu James Bond und Sherlock Holmes. Obwohl James Bond nur eine Neben-Nebenrolle in James Robinsons „ James Bond 007 – Felix Leiter“ (Splitter Verlag) hat. Felix Leiter ist, wie Bond-Fans wissen, der teilamputierte CIA-Kumpel von James Bond. In dem Comic fehlen ihm sein rechter Arm und sein linkes Bein. Er ist Tokio. Er soll für die Japaner herausfinden, warum die russische Agentin Alena Davoff, die er von früher kennt, in Japan ist. Das Heft endet mit den Bildern von einem Giftgasanschlag auf das Regierungsgebäude der Präfektur Tokio in West-Shinjuku; – und damit dem Beginn der eigentlichen Geschichte, die ab September beim Dealer ihres Vertrauens erhältlich sein wird.
Auch Sherlock Holmes begegnen wir in Sylvain Corduriés „Sherlock Holmes: Die Chroniken des Moriarty“ (Splitter Verlag) nicht. Denn im ersten Teil (von zwei, die als Sammelband im Mai erscheinen) dreht sich alles um Professor James Moriarty. Er hat, wie Sherlock Holmes, den Sturz in die Reichenbachfälle überlebt und nach längeren Kämpfen mit Monstern im Reich der Toten, ist er zurück in London. Er will jetzt alle Bände des legendären Necronomicon haben.
Das ist spannend; – aber das habe ich auch letztes Jahr über die Sherlock-Holmes-Geschichte „Sherlock Holmes und die Zeitreisenden“ von Sylvain Cordurié geschrieben.
Sherlock Holmes hat, als einzige Figur, beim diesjährigen Gratis-Comic-Tag zwei Auftritte. In Jays Manga „Sherlock – Ein Fall von Pink“ (Carlsen Verlag). Jetzt sieht er, siehe Cover, wie Sherlock aus und die Vorlage für den Manga ist der gleichnamige BBC-Film.
Walter Königs „Herbst in der Hose“ (Rowohlt) fällt da aus dem Rahmen. Einerseits sind es die ersten Seiten von seinem neuen Buch, das Ende Juni erscheint. Andererseits erzählt er Szenen aus dem Leben von Schwulen nach der Midlife-Crisis, wenn die Zipperlein keine Zipperlein mehr sind. Das hat, auch wenn das Personal aus „Der bewegte Mann“ auftritt, nicht mehr den Neuigkeitswert des vor dreißig Jahren erschienen Kultcomics „Der bewegte Mann“. Aber wer hätte wirklich geglaubt, dass Homos von den Beschwerden des Alters verschont bleiben und dass Handy-Verkäufer sich bei ihnen anders als bei Heteros verhalten?
Ergänzt werden die „Herbst in der Hose“-Seiten von den dazu passenden, kurzen Geschichten „Sex-Date 2036“ und „Backstage“, die König im Männerschwarm Verlag veröffentlichte.
Einzelgeschichten liefert, wie schon letztes Jahr Weissblech Comics mit „Horrorschocker“. Der Verleger wählte vier Horrorgeschichten aus, die bereits in verschiedenen „Horrorschocker“-Heften erschienen sind und die nur wenige Seiten benötigen, um zu einem überraschenden und schockierenden Ende zu kommen. Äußerst empfehlenswert!
Ebenfalls empfehlenswert ist „Doctor Who“ (Panini) das auf dem Titelbild mit „Drei Doktoren! Drei Abenteuer“ und „Drei abgeschlossene Short-Storys!“ wirbt. Der zehnte Doktor (Äh, ist er bekannt? Der Doktor ist ein Timelord vom Planeten Galifrey, der durch Raum und Zeit reist, Abenteuer erlebt und, immer wenn ein ‚Doktor‘-Schauspieler die langlebige BBC-Serie verlässt, ändert er seine Gestalt) schlägt sich in der Tardis (seinem Raumschiff) mit der „Waschmaschine des Todes“ herum, der zwölfte Doktor hat in der Quartzwüste von Asmoray Ärger mit einem elektrischen Körper und der elfte Doktor trifft im heutigen London auf eine Comic-Manie. Alle wollen unbedingt die Geschichte von Zzangnar lesen – und warum muss ich bei dieser Geschichte an den Gratis-Comic-Tag denken?
Vielleicht weil ein älterer Mann im Anzug mit Aktentasche sagt: „Heute werden hier Comics, Bücher und Hörbücher der besten Story der Welt verteilt…“
Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) besucht für einige Tage New York, um dort seinen neuen, autobiographisch beeinflussten Romans vorzustellen. Dabei erinnert er sich an Rebecca. Mit der Ostdeutschen verbrachte er vor gut zwanzig Jahren in New York glückliche Tage, ehe er sie verließ. Jetzt fragt er sich, ob er sich damals richtig entschieden hat oder ob sie die Liebe seines Lebens war.
Inzwischen arbeitet sie, wie er herausfindet, erfolgreich als Anwältin und sie lebt noch immer in New York.
Er versucht sie zu treffen. Aber sie (Nina Hoss) verhält sich ziemlich zickig, ist reserviert und will zuerst nichts von Max wissen. Trotzdem nimmt sie ihn mit nach Montauk, dem kleinen Dorf an der äußersten Spitze von Long Island mit dem bekannten Leuchtturm
Sie will sich dort ein Haus ansehen, das sie vielleicht kaufen möchte. Schnell erinnern sie sich während des Wochenendes an ihre gemeinsamen Tage in Montauk, während wir uns fragen, warum die beiden sich jemals ineinander verliebt haben und warum Rebecca, die ihr Leben im Sekundentakt durchgetaktet hat, so zickig und grundsätzlich genervt ist. Wobei Max in seinem egozentrischen Künstlergestus auch nicht der Traummann des Jahrhunderts ist. Er verarbeitet ohne Gewissensbisse sein Leben und das seiner Frauen zu Literatur. Dabei übersieht er die Dinge des normalen Lebens und die Probleme und Gefühle seiner aktuellen Freundin.
Literarisch versierte Geister kennen Montauk nicht nur als die Stadt mit dem Leuchtturm, sondern auch und vor allem von Max Frischs autobiographischem Roman „Montauk“, der Volker Schlöndorffs zu seinem neuen Film „Rückkehr nach Montauk“ inspirierte. 1991 verfilmte er Max Frischs Roman „Homo Faber“ und er war mit dem schweizer Autor befreundet. Seinen neuen Film widmete er ihm und es gibt in dem Film zahlreiche Anspielungen auf den Roman, der eine ähnliche Geschichte erzählt. Dabei hielten Schlöndorff und Frisch den Roman für unverfilmbar, weil er zu autobiographisch und zu essayistisch sei. Später fragte Schlöndorff sich, wie es wäre, wenn man nur die Grundkonstellation übernähme. Ausgehend von dieser Idee feilte er über mehrere Jahre mit Colm Tóibín („Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“) am Drehbuch, das dann immer persönlicher wurde. Für ihn und Tóibín. Schlöndorff nennt das endgültige Drehbuch „fast eine Art Doppelporträt von Colm und mir“.
Das führt dazu, dass in jeder Sekunde die persönliche Betroffenheit Schlöndorffs erkennbar ist. Es ist, im Gegensatz zu seiner Max-Frisch-Verfilmung „Homo Faber“, bei der ich mich während des gesamten Films fragte, warum Schlöndorff so viel Zeit und Energie in das Porträt eines langweiligen Mannes steckte, immer spürbar, warum er sich für diese Geschichte und die damit zusammenhängenden Themen und Fragen interessierte. Und ich meine das nicht auf der platten Das-ist-mir-genauso-passiert-Ebene in der der Schriftsteller Zorn eine Kopie von Regisseur Schlöndorff ist und Rebecca eine sofort und eindeutig erkennbare Frau aus Schlöndorffs Leben ist. Rebecca muss noch nicht einmal ein direktes Vorbild im realen Leben haben, um Schlöndorffs Betroffenheit von der Filmgeschichte zu zeigen. Er hätte das auch nicht in zahlreichen Interviews betonen müssen.
Schlöndorff (und Tóibín und Frisch) beschäftigen sich hier mit Themen und Fragen, die sie interessieren und die dann mehr an einen Tagebucheintrag als an einen herkömmlichen Film erinnern. Auch weil „Rückkehr nach Montauk“ nur einige Tage aus dem Leben des Schriftstellers Max Zorn erzählt. Es ist eine Episode, die keinen richtigen Anfang und auch kein Ende hat. Außer man sieht Ankunft und Abreise in New York als Anfang und Ende der Geschichte, in der Zorn zwar einer alten Liebe wieder begegnet, die Begegnung aber keinen unmittelbaren Einfluss auf sein Leben hat. Er wird sie höchstens als kaum verhüllten Rohstoff für seinen nächsten Roman nehmen.
„Rückkehr nach Montauk“ blickt als Charakterstudie in die Seele eines Mannes, der Frauen nur als Objekte für seine Arbeit sieht. Das ist durchaus interessant, aber, um auf „Homo Faber“ zurückzukommen, fragte ich mich hier nie, warum Schlöndorff diesen Film drehte, sondern wem ich ihn empfehlen könnte.
Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)
Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City: A Dame to kill for, 1993/1994 (Sin City: Eine Braut, für die man mordet)
Die Herren Miller und Rodriguez präsentieren weitere Geschichten aus Sin City. Mit vielen alten Bekannten, einigen neuen Gesichtern, viel Gewalt und Sex.
„Sin City 2: A Dame to kill for“ ist ein insgesamt überflüssiger und Jahre zu spät in die Kinos gekommener Nachschlag zu „Sin City“, der heute seine TV-Premiere erlebt.
mit Mickey Rourke, Jessica Alba, Josh Brolin, Joseph Gordon-Levitt, Rosario Dawson, Bruce Willis, Eva Green, Powers Boothe, Dennis Haysbert, Ray Liotta, Christopher Meloni, Jeremy Piven, Christopher Lloyd, Jamie King, Juno Temple, Stacy Keach, Marton Csokas, Jude Ciccolella, Jamie Chung, Julia Garner, Lady Gaga, Alexa Vega
Wiederholung: Samstag, 13. Mai, 03.55 Uhr (Taggenau!)